Umsatzsteigernd präsentieren Teil 4: Welche Schriftgrößen und -arten?

Liebe Leserinnen und Leser, ehe es mit den Schriftgrößen und Schriftarten für Präsentationen losgeht, ein ganz schneller Rückblick: Im Ratgeber „Umsatzsteigernd präsentieren“ haben Sie bislang erfahren,

  • welche groben Fehler viele Redner auf ihren Slides machen (Teil 1).
  • wie viele Slides zu viel für eine bestimmte Präsentationszeit sind – und wie Sie sich aus welchen Gründen beschränken sollten (Teil 2).
  • was zu viele Texte, Daten und andere Elemente pro Slide anrichten – und wie Sie auch hier Fehler vermeiden (Teil 3).

Sechs Schriftarten auf einem Slide sind zu viel

Bei der Kapitalmarkt-Veranstaltung, die mich zu diesem kleinen Präsentationsratgeber angeregt hat (s. Teil 1), präsentierten alle Redner auch ungeeignete Schriftgrößen – und manche Redner zu viele Schriftarten. In der Präsentation eines Experten zählte ich sechs Schriftarten (mitunter auf einem Slide), hinzu kamen Hervorhebungen (kursiv, fett). Und ungeeignet ist eine Schriftgröße, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, in der fünften Stuhlreihe sitzen und diverse Texte und Daten an der Beamerwand selbst mit zusammengekniffenen Augen nicht lesen können. Diese Texte und Daten sind dann vielleicht gerade mal 12 oder 14 pt klein (pt = Schriftgrößenmaß „Punkt“).

Präsentiertes Wissen muss optisch erkennbar sein

Was das bedeutet, wenn Sie in der zehnten Stuhlreihe sitzen, haben Sie vielleicht auch schon erlebt. Nicht lösen können, was auf den Präsentationen steht, macht gleichgültig oder nervt sogar. Denn was bedeutet gute Schriftgestaltung? Vor allem leichte Lesbarkeit – für das gesamte Publikum. Wer Texte und  Daten auf Slides nicht lesen kann, weil sie zu klein geschrieben sind, schaltet in aller Regel bald ab. Und Slides mit zu vielen Schriftgrößen (und -arten) wirken unaufgeräumt und beliebig. Dies gilt dann auch für die Redner und ihre Kernbotschaften. 

Nun bekommen Sie Tipps dafür, wie Sie mit Ihren Slides Ruhe, Ordnung und optisch erkennbares Wissen vermitteln:

Serifenlose Schriften sind besser geeignet 

Beginnen wir mit der Typografie. Sie unterscheidet zwei Schrifttypen:

  • Serifenschriften (wie die Schriftart Times New Roman) haben „Füßchen“ an den Buchstaben und werden eher für längere Texte genutzt, weil sie Gestaltungsspezialisten zufolge besser lesbar sind.
  • Serifenlose Schriften (wie die Schriftarten Arial und Calibri) haben keine Füßchen und sind Gestaltungsspezialisten zufolge besser für Präsentationen geeignet. Gestaltungsexperte Matthias Garten (u. a. „PowerPoint: Der Ratgeber für bessere Präsentationen. Aktuell zu PowerPoint 2013 und 2016“, Vierfarben-Verlag) empfiehlt für PPT-Slides (neben Calibri) die Schriftarten Verdana, Tahomaund Trebuchet.

Auch bei den Schriftarten ist weniger mehr

Verwenden Sie höchstens zwei bis drei Schriftarten für Slide-Titel, Fließtexte, Zahlenangaben und Sondereffekte; eine einzige Schriftart genügt meist auch. Und benutzen Sie nicht zwei Schriftarten für eine Botschaft.

In diesem Beispiel sind übrigens beide Schriftarten 11 pt groß (Verdanavor dem Doppelpunkt und Calibrinach dem Doppelpunkt). Wenn Sie zwei Schriftarten für Ihre Slides verwenden möchten, dann am besten eine für die Kernbotschaften (Slide-Titel) und eine für die Textfelder.

Und gehen Sie bitte auch sparsam mit Hervorhebungen („Wichtig-Macher“) wie FettungenKursivschriftUnterstreichungen und Färbungenum – selbst wenn es Ihnen in den Fingern juckt, weil Ihnen (zu) viele Informationen gleichwichtig erscheinen. Weniger ist mehr – das gilt auch für Hervorhebungen. 

Nützliche Formeln für die minimale Schriftgröße

Kommen wir zu einem weiteren Lesbarkeit-Faktor: zur Schriftgröße. Bereits in „Umsatzsteigernd präsentieren Teil 3“ hatte ich geschrieben, wie PPT-Gestaltungsexperte Matthias Garten die Mindestgröße serifenloser Standardschriften in Präsentationen berechnet. Zur Erinnerung: Ungefährer Abstand der letzten Stuhlreihe zur Beamerwand oder zum Flatscreen in Meter multipliziert mit 4,8 pt dividiert durch die Höhe der Beamerwand oder des Flatscreens in Meter = Mindestschriftgröße in pt. Oder konkreter: Ca. 10 Meter zur letzten Zuschauerreihe multipliziert mit 4,8 ergibt 48. Und 48 dividiert durch 2 Meter Beamerwand-/Flatscreen-Höhe ergibt 24 pt. Kleiner als 24 pt sollte nach Matthias Garten also keine Schrift auf Ihren Slides sein. 

Nancy Duarte, Autorin des Buchs „slide:ology - Oder die Kunst, brillante Präsentationen zu entwickeln“ (O'Reilly Verlag), gibt unter anderem folgenden Tipp für die minimale Schriftgröße: „Betrachten Sie Ihre Slides in der Sortieransicht mit einer Größeneinstellung von 66 Prozent. Wenn Sie die Schriften dann immer noch lesen können, kann es Ihr Publikum auch.“ Zudem zitiert Duarte eine Faustregel des Pitch-erfahrenen Investors Guy Kawasaki: „Nehmen Sie das Alter des ältesten Investors geteilt durch zwei.“

32-28-24-20: Das passt für die meisten Präsentationen

Übrigens habe ich mir angewöhnt, Kernbotschaften (stehen als Slide-Titel jeweils ganz oben auf einem Slide) mindestens 32 pt groß zu schreiben. Die größte Schrift im Textfeld (unter der Kernbotschaft) hat bei mir in aller Regel mindestens 28 pt. Die zweite Textebene versuche ich immer mit 24 pt zu schreiben. Und kleiner als 20 pt dürfen nur Jahreszahlen und andere Beschriftungen an Liniencharts, Balkendiagrammen, Tortengrafiken etc. sein. Da ringe ich allerdings schon mit mir.

Liebe Leserinnen und Leser, achten Sie darauf, Ihre Präsentationen für Ihr Publikum leicht lesbar zu gestalten. Alleine dadurch werden Sie sich von anderen Präsentatoren positiv unterscheiden. Und wenn nun wegen größerer Schriften auf Ihren Slides weniger Text draufpasst, kann dies Ihrer Überzeugungskraft nur gut tun (s. Teil 3).

Versuchen Sie es mal!
Mario Müller-Dofel


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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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