BaFin Konsultation MaRisk 02/2016: Risikokultur-Entwicklung

Die BaFin hat gemeinsam mit der Bundesbank am 18.02.2016 einen Konsultationsentwurf für eine Neufassung der MaRisk veröffentlicht. Wie im BaFin Fachartikel Risikokultur: Anforderungen an eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (17.08.2015) angekündigt, wurden in der neuen Fassung Anforderungen an eine angemessene Risikokultur der Finanzinstitute aufgenommen. AT 3,1 stellt fest, dass Geschäftsleiter […] für die die Entwicklung, Förderung und Integration einer angemessenen Risikokultur innerhalb des Instituts und der Gruppe verantwortlich sind. Risikokultur wird in der Erläuterung zu AT 3,1 wie folgt beschreiben:

Die Risikokultur beschreibt allgemein die Art und Weise, wie Mitarbeiter des Instituts im Rahmen ihrer Tätigkeit mit Risiken umgehen (sollen). Die Risikokultur soll die Identifizierung und den bewussten Umgang mit Risiken fördern und sicherstellen, dass Entscheidungsprozesse zu Ergebnissen führen, die auch unter Risikogesichtspunkten ausgewogenen sind. Kennzeichnend für eine angemessene Risikokultur ist vor allem das klare Bekenntnis der Geschäftsleitung zu risikoangemessenem Verhalten, die strikte Beachtung des durch die Geschäftsleitung kommunizierten Risikoappetits durch alle Mitarbeiter und die Ermöglichung und Förderung eines transparenten und offenen Dialogs innerhalb des Instituts zu risikorelevanten Fragen.

AT 1,3 erläutert, dass die MaRisk prinzipienorientiert aufgebaut sind und verweist insbesondere große Institute auf die Inhalte einschlägiger Veröffentlichungen zum Risikomanagement des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) und des Financial Stability Board. Neben BCBS 239 sind im Zusammenhang mit der Entwicklung einer angemessenen Risikokultur unseres Erachtens vor allem die 13 Prinzipien von BCBS 328 Guidelines Corporate Government Principles für Banks http://www.bis.org/bcbs/publ/d328.pdf relevant, auf die schon der erwähnte BaFin Fachartikel wesentlich Bezug genommen hat.

Wie können die verantwortlichen ManagerInnen die Entwicklung einer Risikokultur gewährleisten und worauf wird die BaFin bei künftigen Prüfungen achten? Neumayer Ethics Council empfiehlt ein 7-Punkte Programm, sodass ein transparenter und offener Dialog innerhalb eines Instituts zu risikorelevanten Fragen möglich wird (s. AT 3,1).

Die Basis erfolgreicher Risikokultur(entwicklung) ist das persönliche Verantwortungsbewusstsein sowie die Entscheidungs- und Dialogfähigkeit aller Angestellten:

  • Etablierung eines Risikokultur-Beirats und Ethik-Mentorats, das die Risikokultur-
    entwicklung koordiniert und kontrolliert  
  • Ausarbeitung und Veröffentlichung eines prinzipienbasierten Bezugsrahmens (Unternehmenswerte, Principles of Risk Management, Code of Conduct, Ethik-Kodex)
  • “Tone from the Top” – Vorbildfunktion: Risikokultur ist Chefsache
  • Ausarbeitung eines Programmes zur Kompetenzförderung der Führungskräfte
    und letztendlich aller Angestellten (Workshops, Seminare, E-Learing)
  • Förderung der persönlichen Entscheidungs-Kompetenz durch Ethik-Training
  • Etablierung eines transparenten und offenen Dialogprozesses zu Fragen der Risikokulturentwicklung
  • Supervision und Reporting der Risikokultur

Einen weiteren Beitrag von Michael Neumayer zum Thema "Warum Bankvorstände 'ethikfit' sein müssen" finden Sie auf die-bank.de.

Über den Autor

  • Michael Neumayer

    Michael Neumayer

    Managing Partner und Ethics Counselor von Neumayer Ethics Council

    Michael Neumayer ist Managing Partner und Ethics Counselor
    von Neumayer Ethics Council, einer Unternehmensberatung für
    Entscheidungsprozesse und ethische Fragen.
    www.neumayer-ec.de
    mn@neumayer-ec.de

    RSS-Feed abonnieren