Bekennen Sie Farbe!

Kürzlich war ich in der Kantine eines Frankfurter Finanzhauses mit einem befreundeten Fondsmanager zu Mittag essen. Hunderte seiner KollegInnen waren ebenfalls dort: Banker, Salesleute, Produktentwickler, Marketingexperten, Fondsmanager und andere. Doch wie traurig ihr Anblick war! Notiert der DAX nicht auf Rekordniveau, wunderte ich mich. Und ist das Wetter zurzeit nicht schon düster genug? In ihren schwarz-weiß-grauen Businessuniformen wirkten sie wie Pausenbrötler eines Bestattertages.

Zum Nachtisch wollte mein Freund Tipps für ein Videostatement zu seinem Fonds, um das ihn sein Pressesprecher gebeten hatte. „Das kann ich doch so geben, oder“, fragte er – und schaute prüfend an sich herab. „Wie willst Du denn wirken“, fragte ich. Schweigen. Verkniffene Augen. Sein Kopf nach vorn. „Hä …?“.

„Schwarz-weiß-grau geht gar nicht“, knurrte ich. „Es sei denn, Dein Fonds ist tot.“

Wie sehen Sie eigentlich aus? Sind auch Sie meist mit schwarzem oder grauem Anzug, weißem Hemd und matter Krawatte unterwegs? Und haben Sie sich mal gefragt, wie Sie auf Investoren, Journalisten und andere wirken, wenn Sie im Frankfurter Einheitslook Videostatements, Interviews oder Präsentationen geben? Hoffentlich nicht wie das schwarze Schaf, der Black Swan, die graue Maus, die schwarze Witwe oder der Trauerkloß. Das wäre zu schade – selbst an schwarzen Börsentagen.   

Mit schwarzen Anzügen und – bei Damen – Kostümen oder Kleidern verbinden wir Anlass- und Trauerbekleidung. Schwarz ist dominant, wirkt distanziert und verstärkt die Farben, mit denen wir es kombinieren. Mit einem weißen Hemd darunter (das ebenfalls andere Farben verstärkt) entstehen harte Kontraste und Kanten am Körper. Verzichten Sie deshalb auf Schwarz-Weiß-Kombis – zumindest vor Kameras und Publikum. Trauen Sie sich stattdessen mal was: Bekennen Sie Farbe, unterscheiden Sie sich! Wenigstens dezent. Und so kann’s gehen:

Marineblaue Anzüge, Kostüme und Kleider sind eine klasse Alternative. Diese Farbe kleidet fast jeden Typ, ist im Geschäft akzeptiert, wirkt seriös, kraftvoll und sachlich und ist mit dem weißen Hemd nicht ganz so kontraststark wie schwarz. Wenn Sie sich weicher und bodenständig präsentieren möchten, tragen Sie einen braunen Anzug. Und wenn Sie – bei einer Fondspreisverleihung vielleicht – als Preisträger aus der schwarzen Masse herausragen möchten, darf Ihr Anzug, Kostüm oder Kleid auch edel dunkelbourdeauxrot sein, die Herren zum Beispiel mit einem hellblauen Hemd darunter.

Mit seriös-sympathischen blauen Hemden können Damen und Herren in der richtigen Kombi kaum etwas falsch machen. Rosé geht auch, muss aber zur Haut- und Haarfarbe passen. Achten Sie bei den Hemden darauf, dass sie heller sind als Ihr Anzug oder Kostüm. Dann werden die Blicke Ihrer Betrachter schnell auf Ihr Gesicht gelenkt. Das stärkt Ihre Präsenz. Mehrfarbige Hemden, gestreift und kariert, bringen Pep in Ihre Optik. Aber Achtung: Wenn Sie gefilmt werden, verzichten Sie bitte auf enggestreifte und kleinkarierte Hemden. Denn allzu feine Muster flimmern auf dem TV- oder Videobild. Das gilt auch für Accessoires wie Krawatten, Tücher und Schals.

Diese dürfen auffälliger sein, nur nicht kitschig und aufdringlich signalfarben. Schon Rot polarisiert, weil es beispielsweise für kapitalmarktkritische Politik und sinkende Börsenkurse steht. Gönnen Sie Ihren Betrachtern besser Accessoires mit Grün darin, wenn Sie für steigende Kurse, Wachstum und Hoffnung stehen wollen.

Es gibt noch mehr Alternativen zu schwarz-weiß-stock-steif. Mein Freund, der Fondsmanager, sieht seit unserem Lunch übrigens viel gewinnender aus, weil er jetzt dezent Farbe bekennt. Tun Sie es auch!

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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