Chancen nutzen statt Unsinn machen

Seit genau drei Jahren unterstütze ich unter anderem Wirtschaftsvertreter, die sich vor anderen Menschen gewinnbringend präsentieren möchten. Zeit für ein launiges Zwischenfazit, das ich an dieser Stelle auf ein Detail meiner Arbeit konzentrieren möchte: auf klassische Medientrainings.

Bei Medientrainings erkläre ich Fondsmanagern, Salesprofis, Beratern, Managern, etc. wie Journalisten ticken und übe Interviews mit ihnen. Die meisten meiner Teilnehmer haben Führungsverantwortung, sind 40 bis 55 Jahre alt und haben im Laufe ihres Berufslebens schon ein, zwei Medientrainings mitgemacht – meist nach Beförderungen. 

Destruktive Erwartungshaltung

Meine Kunden erscheinen also am Trainingstag, die meisten mit einer klaren Erwartung. Viele von ihnen haben jedoch – die falsche. Sie erwarten, dass sie stundenlang eingetrichtert bekommen, was sie NICHT sagen dürfen, wenn sie Journalistenfragen beantworten.    

Mein Unverständnis darüber trifft aber nicht die Trainingsteilnehmer, sondern deren frühere Medientrainer. Manche dieser Trainer – so wird mir erzählt – füllten den Tag damit, ihren Kunden alle Ecken und Kanten abzuschleifen und ihnen beizubringen, wie sie viel reden, ohne etwas zu sagen. „Ich dachte, so läuft dieses Spielchen halt“, sagte deshalb mal einer meiner Kunden zu mir.  

Vormals haben sie also genau das geübt, was schlechte Interviewpartner ausmacht. Sie sollten quasi besser im Schlechtsein werden. So verhindert man Gespräche, statt Win-win-Situationen zu kreieren. Soll das der Sinn von Medientrainings sein? Nein, es ist Unsinn. 

Folgen der Substanzlosigkeit

Interviewpartner, die in Interviews zuerst daran denken, was sie unbedingt verschweigen müssen, antworten ängstlich, skeptisch, lauernd, inhaltsarm und unsouverän. Also ganz anders, als sie es eigentlich möchten. Dies wiederum verursacht inneres Unwohlsein. Journalisten sehen und fühlen das. Leser und Zuschauer auch. Kollegen auch. „Na ja“, heißt es dann hinter vorgehaltener Hand, „das geht eigentlich besser.“ Und Journalisten schimpfen in der Redaktion: „Was ein Schwätzer …“. (Ja, so lautet eine gängige Bezeichnung.) Beim nächsten Interview befragen sie dann lieber einen anderen Gesprächspartner, von dem sie sich mehr Substanz versprechen. Einen, der „liefert“, wie es so heißt. 

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich müssen Interviewte ihre Zunge im Zaum halten, um keinen Schaden anzurichten. Aber Geist und Körper sollten sie dabei nicht lähmen. Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, sollte Interviews vermeiden.

Chancen nutzen 

Seit 15 Jahren bin ich auch Interviewer, habe hunderte Mittelmanager und über 100 DAX-Vorstände, Ökonomen und Politiker interviewt. Immer wieder war und bin ich enttäuscht, zumal – so erlebe ich es in Trainings – die meisten Gesprächspartner deutlich stärker performen können als sie es mitunter tun. Auch deshalb trainiere ich meine Klienten so, wie ich sie mir wünschte, würde ich sie für eine Zeitung oder ein Onlineportal interviewen. Und dazu gehört zuallererst eine positive Gesprächseinstellung.

Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, sollten vor allem die Chancen sehen – und dann erst die Risiken. Journalistengespräche bieten Ihnen die Chance, sich öffentlichkeitswirksam als verantwortungsvoller, sympathischer Mensch zu präsentieren. Sie bieten Ihnen die Chance, Ihre Themen zielgruppenadäquat und anschaulich zu erklären. Sie können Ihr Unternehmen als relevanten Teil der Wirtschaft vorstellen. Und Sie haben die Chance, sich für weitere Interviews zu empfehlen. Nutzen Sie Ihre Chancen, wenn Sie Interviews geben. Sie können das!

Mario Müller-Dofel

Wenn Sie Interviews mit Journalisten meistern möchten, helfe ich Ihnen gerne mit Trainings wie diesen:

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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