China wird investierbar

Mit chinesischen Staatsanleihen lassen sich rund 3,4% Rendite erzielen - bei einem Rating von AAA. Es handelt sich auch nicht um einen Nischen-Markt: Der chinesische Anleihen-Markt ist der drittgrößte der Welt, nach den USA und nach Japan. 

Für europäische Investoren, die mittlerweile mit negativen Renditen leben müssen, wäre dies eine Offenbarung. Für Investoren aus dem Ausland stellen sich jedoch die folgenden Fragen:

  1. Welchen Einfluss hat die Entwicklung der chinesischen Währung auf meine Erträge? Die jüngsten Währungsschwankungen gegenüber dem Euro hätten sämtliche Renditen zunichte gemacht.
  2. Wie kann ich als Investor aus dem Ausland überhaupt in chinesische Staatsanleihen investieren, die im Inland begeben wurden? Wie ist der Markt überhaupt organisiert?
  3. Wie glaubhaft sind die Ratings der chinesischen Anleihen?

Die chinesische Währung war lange einem Abwärtstrend ausgesetzt, weil die chinesische Wirtschaft stark exportorientiert ist und damit von einer schwachen Währung profitiert. Besonders im Hinblick auf das abgeschwächte Wachstum in den vergangenen 12 Monaten könnte vermutet werden, dass die Währung weiterhin verlieren wird. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass mehr Stabilität bei der Wechselkursgestaltung einkehren wird, da China aggressiv um ausländisches Geld wirbt und die Zugänge zu Investments in China weiter liberalisiert. Außerdem erlaubt die chinesische Währungs-Verwaltungsbehörde (State Administration of Foreign Exchange (SAFE)) das Absichern von Renmimbi innerhalb von festgelegten Investmentquoten. Diesen Vorteil können in erster Linie institutionelle Investoren nutzen.

Mit einer positiven Perspektive versehen ist auch der Zugang zum chinesischen Markt für Staatsanleihen. Bislang gab es Quoten für den Zugang nach China. Rund 500 ausländische, institutionelle Investoren haben den Zugang erhalten und können im Rahmen von recht weit gefassten Quoten in China selbst investieren (Fachbegriff QFII und RQFII). Solche Investoren sind zum Beispiel Fondsanbieter und große Staats- und Pensionsfonds. Der Anleihenmarkt selbst ist seit Februar 2016 im so genannten China Interbank Bond Market (CIBM) organsiert und kann von ausländischen Investoren mit Quote angesteuert werden. Am Montag, den 3. Juli, am 20. Unabhängigkeitstag von HongKong, hat die chinesische Regierung feierlich den Zugang zum Markt für chinesische Staatsanleihen stark vereinfacht. Auch kleinere institutionelle Orders können nun über die Verbindung „BondConnect“ ohne erforderliche Quoten getätigt werden.

Beide Verbindungen können jedoch nur von institutionellen Handelsteilnehmern genutzt werden - ein Investment über entsprechende Fonds ist also sinnvoll. Dazu gibt es bereits zwei ETFs und eine Handvoll aktiver Fonds in Europa. Zukünftig ist zu erwarten, dass immer mehr Anleihenfonds direkt in China investieren werden (z.B. Emerging Market Debt).

Mehr Zweifel scheinen angebracht am Rating der Anleihen, das fast ausnahmslos von den Joint-Ventures der großen Rating-Anbieter Fitch, Moody’s und Standard&Poors mit lokalen Playern stammen. Lediglich Moody’s traute sich unlängst zu, das Rating von der Bestnote AAA auf AA- zu senken. Im Vergleich zu anderen Staaten in Europa ist jedoch das Niveau der Staats-Verschuldung im Verhältnis zum Sozialprodukt mit 46,2% noch gering.

Noch ist dieser riesige Markt in Europa weitgehend unbekannt, wie so viele strategisch interessante Investment-Opportunities in Asien.

Über den Autor

  • Jan Altmann

    Jan Altmann

    Initiator und Mitgründer von AsiaFundManagers

    Jan Altmann ist Initiator und Mitgründer von AsiaFundManagers.com. Investoren finden bei AsiaFundManagers die besten Asienfonds, Fondsgesellschaften und Fondsmanager. Sein Portal verbindet europäische Investoren und Fondsmanager mit Asien-Expertise. Der Volkswirt ist seit über 20 Jahren im Fondsmarkt präsent.

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