Denken Sie originell!

Eigentlich hatte ich für diesen altii-Blog-Beitrag ein anderes Thema geplant. Doch ein Gespräch mit einem Manager stimmte mich um. Denn er hatte etwas im Sinn, das viele Vortragsredner, Präsentatoren, Interview- und Statementgeber im Sinn haben. Und ich häufig bedaure.

Er besuchte mich auf einen Kennenlern-Kaffee im Büro, weil er unzufrieden mit seiner Auftrittsperformance ist. Ein sympathischer Typ, dachte ich, ein starker Typ. Als wir zum Thema „Reden“ kamen, erzählte er gleich von seinem bis dato letzten Redetraining, bei dem ihm ein Trainer die Hand aus der Hosentasche gewöhnen wollte.

Nur Technik ist zu wenig

Wow. Hand aus der Tasche. Technischer Kleinkram! Da hat der Trainer ja ganze Arbeit geleistet, dachte ich. Und fand es ärgerlich, weil eine Hand in der Tasche bei diesem Menschen unmöglich relevant sein konnte. Er musste auf etwas ganz anderes achten, war ich überzeugt, zumal ich einige Redetexte von ihm gelesen hatte. Aber dazu gleich mehr.

Es ist wirklich zum Haare raufen: Viele Redner, die ihr Auftrittsverhalten verbessern möchten, denken nur an die Redetechnik. Darunter versteht man rhetorische Figuren (wie wirkungsvolle Wiederholungen wichtiger Kernbotschaften), körpersprachliche Details (wie eine wortunterstützende Gestik) und paraverbale Kniffe (wie spannungssteigernde Redetempi und Sprechpausen). Die reinen „Techniker“ riskieren allerdings, den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen und deshalb technisch perfekt auf die Nase zu fallen.

Wenn die Kraft der Worte fehlt

Wenn Sie Ihr Publikum beeindrucken wollen, müssen Sie mehr im Sinn haben. Denn die meisten schwachen Reden kranken weniger an den Rednern als an den Redetexten. Anders ausgedrückt: Wenn sie eine Rede halten, die

·         nur 08/15 oder gar fehlerhaft strukturiert ist,
·         in kraftlosen Worthülsen erschlafft,
·         starke Fakten, eingängige Anekdoten und feinen Humor vermissen lässt und/oder
·         durch lieblose PowerPoint-Folien torpediert wird,

können Sie unmöglich überzeugen. Sie werden Ihre Körpersprache dem schwachen Redetext anpassen und höchstens das Durchschnittsniveau üblicher Reden erreichen – selbst wenn Sie keine Hand in der Hose haben. Reicht Ihnen das?

Zauber, Zauber, Fidibus

Wie gesagt, ich hatte einige Redetexte des Managers vor dem Treffen gelesen. Sie waren okay. Mehr aber auch nicht. Von dieser Art habe ich hunderte Reden gehört und mich fast genauso oft gelangweilt. Na gut, nicht gleich von Anfang an, aber spätestens nach fünf Minuten. Deshalb empfahl ich dem Manager, im ersten Schritt für einen originellen Redetext zu sorgen und mit diesem Text und echter Freude daran an seiner Redetechnik zu feilen. Gehen Sie davon aus, dass viele redetechnische Mängel dann wie weggezaubert sind und die übrig gebliebenen weniger ins Gewicht fallen. Beispielsweise drücken Sie echte Begeisterung auch via Gestik aus. Und eine begeisterte Hand hält es nicht lang in der Tasche.  

Konsequent vom Ziel aus texten

Natürlich kostet ein origineller Redetext mehr Zeit als die 08/15-Version aus dem Produkt- oder Quartalsberichtbaukasten. Fakt ist auch, dass Kreativität im Alltagsstress häufig auf der Strecke bleibt. Doch insbesondere vor Reden, bei denen viel auf dem Spiel steht, lohnt der Aufwand. Überlegen Sie dann genau,

·         welches konkrete Ziel Sie mit Ihrer Rede erreichen möchten,
·         welche Zielgruppe Sie vor allen anderen überzeugen wollen,
·         wie Sie die Aufmerksamkeit des Publikums über die Redezeit hoch halten können,
·         was das Publikum nach der Rede denken soll und
·         wie Sie Ihren Text aufbauen müssen, damit Sie Ihr Ziel erreichen.

Und freuen Sie sich: Mit solchen Überlegungen sind Sie den meisten anderen Rednern aus der deutschen Wirtschaft mehr als einen Schritt voraus. Nur sollten Sie die Punkte auch umsetzen, sonst ist Ihr Vorsprung spätestens nach fünf Redeminuten wieder dahin.

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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