Der VW Skandal zeigt die Notwendigkeit der persönlichen Ethik-Kompetenz von ManagerInnen auf

Von der Compliance- zur Ethikkultur oder die Frage: „Was hat es/ES mit mir zu tun?“

Wie kann es sein, dass es trotz zahlreicher Vorschriften und Richtlinien immer wieder Unternehmensskandale gibt? Was bewegt Manager den Compliance-Raum zu verlassen? Das ist eine Frage, die der Compliance-Officer nicht mehr beantworten kann, da sie auf eine ethische Dimension verweist. Ist der Schritt aus dem Compliance-Raum erst einmal vollzogen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Skandal öffentlich wird. Unweigerlich fragt man sich: Wussten die Betroffenen nicht was sie taten oder handelten sie vorsätzlich? Bei all dem Regelwerk müsste man annehmen, dass Entscheidungsprofis genau wissen, was zu tun ist. An diesem Punkt stoßen wir auf den Kern des Problems, der auf die Trias von ES (das Unternehmen), ICH (die Einzelperson) und WIR (alle Mitarbeiter) verweist. Compliance ist auf der ersten Ebene ein Produkt des ES – ein Regelwerk des Unternehmens mit vielen z. T. komplexen Vorschriften. Dabei bleibt es nicht, denn das Regelwerk muss Anwendung finden. Das ist der Schritt zur zweiten Ebene: Das Wechselspiel zwischen ES, ICH und WIR. Es kann sich nun eine Situation einstellen, bei der sich der Mitarbeiter fragt: „Was hat es/ES mit mir zu tun?“ – und das ist eine ethische Frage. Wie diese Frage beantwortet wird, kommt aus der inneren Haltung des Einzelnen – gegenüber sich selbst und dem Unternehmen. Idealerweise sind ES, ICH und WIR konform. Ist dies jedoch nicht der Fall, so werden immer wieder Probleme auftauchen. Besonders gefährlich sind Situationen in den Grauzonen von richtig und falsch. Hier können schnell Grenzüberschreitungen stattfinden. Dreh- und Angelpunkt ist die innere Haltung von Entscheidungs-trägern. Daher müssen ethische Kompetenzen jenseits der Compliance-Funktion professionell trainiert und eingeübt werden. Entscheidungs- und Kommunikationstraining, ethische Diskursfähigkeit, die Etablierung eines Ethik-Beirates, die Beauftragung von Ethics Officers, die Einführung einer Ethik-Funktion oder von Ethik Mentoren sind dabei wesentliche Schritte.

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Über den Autor

  • Carmen Neumayer

    Carmen Neumayer

    Managing Partner und Ethics Counselor von Neumayer Ethics Council

    Carmen Neumayer ist Managing Partner und Ethics Counselor von Neumayer Ethics Council, einer Unternehmensberatung für Entscheidungsprozesse und ethische Fragen.

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