Führen, man kann es - oder eben nicht!

"Ich suche eine Führungsposition!" Dieses Ziel steht meist ganz oben auf dem Wunschzettel Wechselwilliger. Auf die Frage nach dem Warum herrscht häufig beredtes Schweigen. Mitarbeiterführung gilt eher als Statussymbol oder Baustein einer Karriere. Selten argumentiert der so Befragte, dass er im Team seine Ziele und die des Unternehmens besser erreichen kann denn als Einzelkämpfer. Dass "Führung" in erster Linie auch Übernahme sozialer Verantwortung für die anvertrauten Menschen bedeutet, wird häufig nicht erkannt. Die weitere schlechte Nachricht ist: Man kann "Führen" ebenso wenig lernen wie "Verkaufen". Bestenfalls kann die Führungskraft angelernt werden, gravierende Fehler zu vermeiden.

Führen heißt, Vorbild zu sein, in den fachlichen Fähigkeiten ebenso wie in den persönlichen Eigenschaften. So muss die Führungskraft  persönliche Qualitäten wie Kommunikationsstärke, ein hohes Maß an Konfliktfähigkeit, Motivationskraft, Kreativität, Belastbarkeit und – heutzutage – auch interkulturelle Fähigkeiten mitbringen. Führungskräfte verstehen "Kommunikation" aber häufig nur einseitig, nämlich "von oben nach unten" als Einbahnstraße. Die Meinung der Mitarbeiter wird kaum zur Kenntnis genommen. "Zuhören" zählt nicht zu den Stärken. Vertrauen geben, Verantwortung delegieren und Freiräume gewähren, um die Mitarbeiter ihre eigenen Lösungen entwickeln zu lassen wirkt motivierend. Zu strenge Kontrollen wirken demotivierend. Fehlertoleranz ist eine ebenso unabdingbare Eigenschaft wie Gerechtigkeit den Mitarbeitern gegenüber zu üben. Gerechtigkeit heißt aber auch, dass leistungsunwillige Mitarbeiter – nach entsprechenden klaren Hinweisen – ausscheiden müssen. Dosiertes  Lob und Tadel gehören selbstverständlich zum Handwerkszeug ebenso wie Klarheit, Transparenz im eigenen Handeln und nicht zuletzt Geradlinigkeit, das heißt, sich selbst innerhalb moralisch – ethischer Leitplanken zu bewegen.

Ein wesentliches Führungsinstrument darf von all den Führungswilligen aber nicht übersehen werden: Es ist die Zeit! Mitarbeiterführung fordert hohen Zeitaufwand und besonderes Einfühlungsvermögen. Motivierte Mitarbeiter sind das größte Aktivum der Unternehmen.

Über den Autor

  • Matthias Junges

    Matthias Junges

    Senior Partner bei der Personalberatung PMCI

    Matthias Junges, Senior Partner bei der Personalberatung PMCI in Neu-Isenburg, ist seit über 20 Jahren in der Personalberatung im Bereich Financial Services und Corporate Treasury tätig und hat in diesem Zeitraum zahlreiche Fach- und Führungspositionen im Asset Management, für Banken, im Bereich Unternehmensfinanzierung und Real Estate besetzt.

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