Hedgefonds entdecken „grüne“ Investments

Fünfzig der größten börsennotierten Unternehmen sind weltweit für knapp Dreiviertel der insgesamt 3,6 Milliarden Tonnen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem hat der CO2-Ausstoß dieser emissionsstärksten Global Player innerhalb der letzten vier Jahre stetig zugenommen. Das sind Ergebnisse des aktuellen globalen Klimawandelreports des Carbon Disclosure Projects. Initiiert wird die jährliche Studie von 722 institutionellen Investoren, die mehr als 87 Billionen US-Dollar verwalten. Diese treffen Ihre Anlageentscheidung auch auf Grundlage der Ergebnisse des Reports. Viele börsennotierte Unternehmen nehmen solche Investoren mittlerweile sehr ernst. Denn die Zahl der institutionellen Anleger, die Wert auf nachhaltige Investments legen, wächst.,

Obwohl Nachhaltigkeit längst kein Modethema mehr ist, sind viele Investoren immer noch zurückhaltend. Das Vorurteil, dass nachhaltiges Anlegen weniger Rendite bedeutet, hält sich hartnäckig. Auch wenn die meisten Untersuchungen belegen, dass es bei der Renditeentwicklung keine Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Investments gibt. Das hat seinen Grund. Wachsweiche Kriterien und eine schwammige Begrifflichkeit der ESG-Kriterien machen es den Firmen relativ einfach, die niedrigen Mindestschwellen zu erreichen, um als nachhaltig eingestuft zu werden. Oft beschränken sich die Negativkriterien auf den Ausschluss von ohnehin gesellschaftlich geächteten Firmen, zum Beispiel den Anbietern von Streubomben. Professionelle Anleger, die das Thema ernst nehmen, gehen vermehrt dazu über, eigene Mindestanforderungen zu definieren. Wir haben das in diesem Heft zu unserem Titelthema gemacht und einige Marktteilnehmer um ihre Einschätzung gebeten.

Noch spielen SRI-(Socially Responsible Investment) und ESG-(Environment, Social, Governance) Kriterien vor allem bei der Aktienanlage eine Rolle. Bei Alternativen Investments gewinnt das Thema aber an Fahrt. Der US SIF Trend Report 2012 bemerkt, dass alternative Assets, die nach ESG-Prinzipien verwaltet werden, in den vergangenen zwei Jahren um 250 Prozent auf – zugegeben – immer noch bescheidene 132 Milliarden US-Dollar angestiegen sind. Doch die Zahl der Investoren wächst. Allen voran achten Immobilienkäufer auf Nachhaltigkeitszertifikate. Selbst bei Hedgefonds und Private-Equity-Investoren, die systembedingt eher auf die kurzfristige Entwicklung als auf eine langfristige Nachhaltigkeit achten, scheint sich etwas zu tun.* Die Anbieter würden allerdings gut daran tun, dies mehr in den Vordergrund zu stellen. Gerade Family Offices und Pensions- und Versorgungskassen meiden etwa Hedgefonds noch viel zu häufig als unethisches Investment. Hier wird seitens der Anbieter viel Potenzial verschenkt.

 *Interessant in diesem Zusammenhang ist der aktuell erschienene Report „From SRI to ESG: The Changing World of Responsible Investing“, des britischen Commonfund Institute (www.commonfund.org).