Lügen Sie manchmal? So verraten Sie sich

Kürzlich hat ein Teilnehmer meiner Medientrainings etwas Kreuzgefährliches gemacht: Er hat im Interview gelogen. Anfangs verstrickte er sich aus Nachlässigkeit. Dann log er weiter, um sich zu retten. Und als er spürte, dass er sich um Kopf und Kragen redete, brach er das Interview entnervt ab. Keine Minute hielt er die Lügerei durch. Was im Training lehrreich war, wäre im Realfall gegenüber Journalisten, aber auch gegenüber Kunden oder Mitarbeitern womöglich fatal gewesen.

Wie Sie das Risiko, erwischt zu werden, mindern können? Ganz einfach: Lügen Sie nicht. Zumal Sie sich wahrscheinlich verraten. Erst recht, wenn Ihr Gegenüber aufmerksam ist. Wie Sie sich verraten hat der US-amerikanische Psychologieprofessor und renommierte Forscher über nonverbale Kommunikation Paul Ekman in seinem Buch „Telling Lies“ (Deutsche Ausgabe: Ich weiß, dass du lügst“) beschrieben.

Fehlsprechen als offensichtlichstes Signal

Ekman hat erforscht, dass Sie sich vor allem durch Nachlässigkeiten beim Sprechen verraten. Denn wahrscheinlich haben Sie Ihre Lügen nicht sorgfältig ausformuliert und eingeübt. Folglich versprechen Sie sich irgendwann, erst recht, wenn Ihr Gegenüber Sie unter Druck setzt. Dieses Phänomen nennt Ekman „Fehlsprechen“, also fehlerhaftes Sprechen, das Ihnen passiert, wenn Sie wahrheitsgemäße Aussagen nur mühsam unterdrücken können. Und wenn Ihr Gegenüber Sie mit Ihrem „Fehlsprechen“ konfrontiert („Was stottern Sie denn so nervös? So kenne ich Sie ja gar nicht!“), neigen Lügner zu lautem Lachen, auffälligem Schwitzen oder ähnlichen Affektreaktionen. Wie im Film, oder?

Wenn Sie jetzt daran denken, andere Lügner entlarven zu wollen, seien Sie vorsichtig: Nicht jeder Versprecher signalisiert eine Lüge. Und wer fehlerfrei spricht, muss noch lange nicht die Wahrheit sagen. Gehen Sie bitte ebenso vorsichtig mit anderen Studienerkenntnissen um, denn sie vermitteln vor allem Wahrscheinlichkeiten. So haben etliche Studien ergeben, dass Lügner weitschweifig antworten und mehr Informationen als nötig preisgeben. Allerdings neigt auch manch ehrlicher Redner zu Wortschwällen.

Aber jetzt wieder zu Ihnen als, äh, Lügner. Sie werden eher von Personen ertappt, die Ihre Eigenarten gut kennen. Denn diese Menschen wissen, wie Sie sich normalerweise ausdrücken. Wenn Sie also plötzlich “fehlsprechen“ und parallel weitere Signale senden – Überbrückungslaute wie „Ääähm …“, „Hmmm …“, „Jaaa …“ oder Stottern wie „Ich, ich, ich glaube, …“ oder „A, a, also …“ – wird’s eng für Sie. Und das schon deshalb, weil Sie selbst hören, wie „fehl“ Sie sprechen und auch dadurch nervöser werden.

Verschwundenes Lächeln

Ihr Gesprächspartner wird aber nicht nur auf Ihre Worte, sondern auch auf Ihr Gesicht achten. Schließlich sind Gesichter das einfachste Unterscheidungsmerkmal bei Menschen. Ekman bezeichnet das Gesicht als „Symbol des Selbst“. Spätestens wenn Sie befürchten, ertappt zu werden, verschwindet Ihr (echtes, selbstsicheres) Lächeln, zwinkern Sie auffällig stark und pressen vielleicht sogar die Lippen aufeinander. Denn unser Gesicht ist mit Gehirnbereichen verbunden, die für Emotionen zuständig sind. Ebenso übrigens wie die Stimme, der nächste „Verräter“ in Ihnen.

Ungewohntes Sprechverhalten

Nach einer für Sie ungewöhnlich langen Sprechpause bringen Sie dann doch die nächste Lüge heraus. Ihre Nervosität äußert sich deutlich in Ihrer Stimmlage, die – wie bei meinem oben erwähnten Trainingsteilnehmer – höher und lauter wird. Und Sie reden jetzt schneller. Aber auch hier erinnert uns Ekman: Eine erhöhte Stimmlage allein sei kein Signal für Täuschung, sondern eins für Angst und Ärger. Das bedeutet: Ein ehrlicher Redner, der Angst davor hat, als Lügner zu gelten, könnte genauso klingen wie ein Lügenbold, der fürchtet, erwischt zu werden.

Eingeschränkte Gestik

Und dann wäre da noch Ihre Gestik. Körperteile sind zwar nicht mit für Emotionen zuständigen Gehirnbereichen verbunden, weshalb Sie Ihre Gestik leichter steuern können als Ihre Mimik und Stimme. Dennoch werden Sie mit steigender innerer Erregung ungewollte Gesten zeigen, die Ihre innere Einstellung verraten. Sie lehnen sich vielleicht zurück und verschränken die Arme schützend vor dem Bauch. Oder Sie ballen eine Faust, die Sie Ihrem bohrenden Gesprächspartner unterbewusst am liebsten über den Tisch schicken würden. Vielleicht zucken Sie aber auch mit Ihren Schultern, weil Sie sich hilflos fühlen. Mein oben erwähnter Trainingsgast zeigte diese Geste übrigens erst nach seinem lügenbedingten Interviewabbruch. Pure Kapitulation vor der für ihn unangenehmen Situation.

Oder Sie gestikulieren kaum mehr und sitzen relativ starr, weil Stress die Gestik eben einschränkt. Und wenn Sie dann – und sei es nur kurz – Ihre Hand massieren, sich am Ohrläppchen oder an der Nase zupfen, sich am Kopf kratzen oder Ihren Oberschenkel reiben, werden Sie sehr wahrscheinlich endgültig als Lügner oder zumindest nicht überzeugend gesehen. Kurzum: Selbst wenn Lügner sich nicht versprechen, verraten sie sich oft, weil das wörtlich Gesagte von ihrer Körpersprache abweicht.

Tun Sie sich das nicht an.
Mario Müller-Dofel

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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