Schon mal über Ihr Sprechtempo nachgedacht?

Kürzlich: Präsentationsworkshop, drei Teilnehmer, etliche Übungssequenzen. Zwei der Drei sprachen anfangs sehr schnell – und fanden sich dabei sehr eloquent. Aber waren sie deshalb überzeugend? Am Ende des Tages, nachdem sie sich auch langsamer sprechend im Video beobachtet hatten, revidierten sie ihren Anfangseindruck.

Schnellsprecher sind klar im Nachteil

Welche Sprechgeschwindigkeit ist die „richtige“ für überzeugende Präsentationen, Reden, Interviews oder Teammeetings? Diese Frage gehört zu den meistgestellten in Rede- und Gesprächstrainings. Und dies allein schon deshalb, weil sich die Sprechtempi der Trainingsteilnehmer mitunter deutlich unterscheiden. Per Definition gelten im Deutschen übrigens

  • 200 Silben pro Minute als relativ langsames Sprechen,
  • 350 Silben pro Minute als relativ „normales“ Sprechen (sechs Silben pro Sekunde) und
  • 500 Silben pro Minute als relativ schnelles Sprechen. 

Und klar im Nachteil sind die Schnellsprecher. Sie „verschlucken“ zum Beispiel oft Silben. Dies wirkt – zumindest bei formellen Redeanlässen – liederlich und ist insbesondere dann kontraproduktiv, wenn die Gesprächspartner oder das Publikum mit dem Text noch nicht vertraut sind. Sie verstehen Teile daraus dann schon akustisch nicht.

Zudem wirken Schnellredner oft ego- statt gesprächspartner- bzw. publikumszentriert. Bei Präsentationen beispielsweise folgt das Publikum dem Redner meist relativ langsam – erst Recht, wenn es wie vom Redner gewünscht aufmerksam zuhört. Der Grund: Es setzt sich zugleich gedanklich mit dem Redetext auseinander oder liest parallel die Informationen auf den Präsentationsfolien. Aber Mitdenken und Mitlesen zugleich braucht seine Zeit. Bildlich gesprochen: Das Publikum ist wie eine Dampflok. Wenn ihr der Redner in ICE-Geschwindigkeit davonrast, verliert die Dampflok binnen Minuten den Anschluss – der Redner also sein Publikum. Und das müssen Sie vermeiden.

Als Grundregel gilt: „Je unbekannter Ihren Zuhörern Ihre Informationen sind (oder zu sein scheinen), desto langsamer müssen Sie das Material präsentieren.“ (Vera F. Birkenbihl, „Signale des Körpers“, 2009)

Häufige Ursachen für zu schnelles Sprechen sind:

  • Der Redner hat seine Aussagen schon sehr oft gemacht und muss deshalb während des Sprechens nicht mehr auf Argumentationsverkettung und Wortwahl achten. Folglich wird sein Sprechtempo „automatisch“ schneller. Wir kennen das von vielen Politikern, die immer dieselben Thesen vertreten. Ihre Sätze kommen dann wie aus der Pistole geschossen (oft auch in viel zu langen Salven).   
  • Der Sprecher ist unsicher und spult seine Worte deshalb schnellstmöglich ab. Das kennen wir alle, wollen wir solche unangenehmen Situationen doch schnellstmöglich hinter uns haben.
  • Dem Sprecher ist die Wirkung seines „ICE-Auftritts“ nicht bewusst. Er reflektiert ihn deshalb nicht (oder falsch) und/oder spricht absichtlich schnell, weil er sich damit eloquent findet.

So bremsen Sie sich

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu den Schnellrednern gehören und jetzt sensibler geworden sind, können Sie einfach gegensteuern. Drei Tipps:  

  1. Machen Sie nach wichtigen Sätzen oder spätestens beim Wechsel Ihrer Präsentationsfolien bewusst rhetorische Pausen. Drei, vier Sekunden kurze Redepausen wirken gelassen, souverän, überlegt und gehen als Denkpausen durch.
  2. Sie fragen Ihre Gesprächspartner bzw. Ihr Publikum etwas (und warten bitte unbedingt Antworten ab!). Dafür eignen sich Schätzfragen ( „Wissen Sie, wie viele weltweit investierte Fonds in den vergangenen zehn Jahren per Saldo den MSCI World geschlagen haben?“) oder Erfahrungsfragen ( „Kennen Sie dieses Verhalten auch von Ihren Investoren?“)
  3. Denken Sie immer daran, dass Ihre Gesprächspartner und Ihr Publikum womöglich nicht so schnell mitdenken können wie Sie sprechen. 

Wenn Sie deutlich, betont und relativ leise sprechen, wird man Sie besser verstehen, als wenn Sie relativ laut und undeutlich sprechen.

Gespräche im kleinen Kreis 

Die Sprechgeschwindigkeit ist auch wichtig für die Gesprächsatmosphäre. Wenn Sie zum Beispiel im kleinen Kreis sprechen – etwa in Interviews oder in Meetings – und dauerhaft wesentlich schneller sprechen als Ihr(e) Gegenüber, wird es wahrscheinlich zu Unstimmigkeiten (Dissonanzen) kommen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie sich insbesondere als relativer Schnellredner an langsamer sprechende Personen anpassen. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf eine Wellenlänge kommen und Zuspruch (Resonanz) ernten. Schöner Nebeneffekt: Sprechen Sie langsamer, wird auch Ihre Gestik harmonischer – und damit überzeugender.

Wenn Sie aber ein relativer Langsamredner sind und einem Schnellredner gegenübersitzen, können sie ihn mit einer bewusst überlegten (nachdenklichen) und gut betonten Sprechweise bremsen. Sie dürfen dabei aber nie provozierend wirken, sondern immer zugewandt und verständnisvoll.  

Sprechen Sie’s gut!
Mario Müller-Dofel

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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