Strukturieren Sie sich!

Der Teilnehmer eines Interviewtrainings beantwortete mir kürzlich eine Frage wie folgt: 

„Mit Sicherheit ist das KGV der Healthcare-Branche, also nach Meinung unserer Analyseabteilung, im Durchschnitt noch nicht so teuer, dass Investoren jetzt schnellstens verkaufen müssen, obwohl natürlich die Stimmung an den Börsen gerade in den vergangenen Wochen aufgrund der Eintrübung von Konjunkturindikatoren auf dem europäischen Kontinent nicht gerade eine ausgelassene ist.“

Da war ich erstmal baff.

Diese aufgeblähte Antwort bietet Korrekturstoff für mehrere Blogbeiträge (Nominalstil, Abkürzungen, Anglizismen …). Heute beschränke ich mich auf Satzlängen und -strukturen.

Aussetzer vorprogrammiert
Der Antwortsatz besteht aus sage und schreibe fünf Teilsätzen mit insgesamt 50 Wörtern. Ein gesprochener/gehörter Satz gilt aber schon als schwierig, wenn er aus weit weniger Wörtern besteht. So fand das Paderborner Institut für Kybernetik in einer mehrjährigen Studie heraus, wann bei gehörten Texten das leichte Verständnis aussetzt: 

  • bei siebenjährigen Kindern mit dem 8. Wort.
  • bei einem Drittel der Erwachsenen mit dem 11. Wort.
  • bei mehr als der Hälfte der Erwachsenen mit dem 14. Wort.

 Natürlich können sich Zuhörer steigern, wenn sie sich anstrengen. Aber wer macht das schon? Das Publikum hat ein Recht darauf, dass Sie als Redner es ihm recht machen. Halten Sie sich deshalb an die wichtigsten Regeln für eingängige Sätze:

 1. Formulieren Sie Sätze relativ kurz, aber variabel.
Fassen Sie sich wesentlich kürzer als mein Trainingsgast im zitierten Fall (danach antwortete er deutlich besser). Bilden Sie jedoch nicht nur 11-Wörter-Sätze, sondern artikulieren Sie einen lebhaften Wechsel von relativ kürzeren und längeren Sätzen.

2. Behalten Sie die „gerade“ Wortstellung als Standard im Kopf.
Denken Sie daran, dass die sogenannte gerade Wortstellung (Subjekt-Prädikat-Objekt) am leichtesten verständlich ist. („Die Aktienkurse fallen infolge schwacher Konjunkturdaten.“) Die gerade Konstruktion ist Ihre Basis.

3. Wechseln Sie zwischen geraden und ungeraden Wortstellungen.
Ungerade Wortstellung bedeutet, ein Satz beginnt nicht mit dem Subjekt, sondern mit anderen Wörtern. Das können Zeit- und Ortsbestimmungen, das Objekt, Konjunktionen oder Präpositionen sein. („… Denn in Europa fallen die Aktienkurse infolge schwacher Konjunkturdaten.“)

4. Formen Sie Sätze mit höchstens drei Teilsätzen.
Je mehr Teilsätze Sie konstruieren, desto schwerer machen Sie es Ihrem Publikum. Einfach sprechen fällt leichter, wenn Sie Ihre Botschaften und Argumentationsketten vor Auftritten klar im Kopf haben. Andernfalls überlegen Sie sich erst beim Sprechen, was genau Sie sagen wollen. Das kostet Kraft, klingt kompliziert und sieht angestrengt aus. 

5. Schieben Sie nebensächliche Informationen in angehängte Nebensätze.
Bringen Sie also die wichtigsten Informationen zuerst, damit Ihr Publikum sofort weiß, worum es geht. („Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis im Gesundheitssektor ist noch nicht so teuer, dass Investoren jetzt verkaufen müssen, meinen unsere Analysten.“)

Mit den genannten fünf Regeln kommen Sie bei Ihren Zuhörern an. Last but not least eine Alternative für die eingangs zitierte 50-Wörter-Interviewantwort:

„Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis im Gesundheitssektor ist nicht so teuer, dass Investoren jetzt verkaufen müssen. Das sehen wir so, obwohl schwache Konjunkturdaten für Europa die Börsenstimmung trüben.“

 

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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