Trügerische Sicherheit

Anleger könnten eigentlich aufatmen. Das Risiko der Geldanlage ist erheblich gesunken. Die Notenbanken haben es mit ihrer Nullzinspolitik geschafft, die Angst aus den Märkten zu nehmen. Die Volatilität bei Währungen, Anleihen, Aktien und beim Öl ist in den letzten Monaten auf ein Minimum zurückgegangen. Weitere Zinssenkungen – sofern noch möglich – sind kein Schreckensszenario mehr, sondern werden positiv aufgenommen. Ukrainekrise, Islamisten-Vormarsch, eine mögliche harte Landung der chinesischen Wirtschaft – alles kritische Szenarien, doch sie lösen keine Alarmmeldungen mehr aus für die sich langsam berappelnde Weltwirtschaft. Das Misstrauen in die Finanz­märk­te grassiert nur noch unter Banken. Die meisten anderen Akteure sind mittlerweile positiv gestimmt, dass die Krisen gemeistert sind. 

Die Sicherheit hat eine Kehrseite. Mit ihrer Beruhigungspolitik zwingen die Notenbanken die Investoren, ihr Geld in risikoreichere Alternativen unterzubringen, wo es auskömmliche Renditen erwirtschaftet. Der Haken an der Sache: Die Ruhe wird lange, aber nicht ewig anhalten. Das viel zu billige Geld bläht schon jetzt die Vermögenspreise auf. In der trügerischen Sicherheit niedriger Schwankungen wird die Absicherung vernachlässigt; auf der Jagd nach Rendite werden größere Risiken eingegangen. In normalen Zeiten hat Volatilität eine gesunde Korrekturfunktion. Die fällt derzeit weg. 

Das hat Auswirkungen auf die Strategie der Investoren. Pimco-Investmentchef Bill Gross hat bereits angekündigt, seine Anlagestrategie in den nächsten Jahren auf die niedrige Volatilität abzustellen. Wer Rendite braucht, muss daher vermehrt in alternative Anlagen gehen. Mit der zunehmenden Nachfrage wächst auch hier das Angebot.  

Eines sollten Anleger aber nicht vergessen: Die Volatilität wird eines Tages zurückkommen und nach den Erfahrungen der Vergangenheit werden die Schwankungen dann sehr stark sein.