Umsatzsteigernd präsentieren Teil 2: „Slides pro Minute“

Die 5-teilige Serie „Umsatzsteigernd präsentieren“ hatte ich im vorigen Beitrag unter der Überschrift „Alltägliche Sünden“ eingeführt. Als „Sünde“ Nummer 1 stand dort „Zu viele Folien für die geplante Präsentationszeit“. Darum geht’s nun in Teil 2 – oder anders formuliert um die Frage: Wie viele PowerPoint-Slides sollte eine 10-, 15- oder 30-minütige Produkt- oder Strategiepräsentation höchstens enthalten? 

Damit die im Kern kurze Antwort nachvollziehbar für Sie ist, zunächst zum (oft publikumsfeindlichen) Präsentationsalltag im deutschen Beratungs- und Finanzgeschäft:

In den vergangenen 20 Jahren habe ich hunderte Produkt- und Strategiepräsentationen gesehen. Die große Mehrheit der Redner mutete sich und dem Publikum zu viele Slides zu: zwischen 10 und 20 pro 15 Minuten Redezeit.

Die meisten Präsentatoren wollen oder können nicht anders

Die verbreitetsten Gründe für zu viele Slides sind:

  • Die Präsentatoren wollen möglichst viele Informationen in ihre Redezeit stopfen, um dem Publikum dadurch Kompetenz zu belegen. Dafür braucht es Platz bzw. Slides. (Ob sie dadurch tatsächlich kompetent wirken, steht auf einem anderen Blatt.)   
  • Die Präsentatoren können sich in der Präsentationsvorbereitung nicht von Inhalten trennen, weil es ihnen zu schwer fällt, Inhalte zu priorisieren.
  • Die Präsentatoren nehmen sich zu wenig Zeit, Inhalte zu priorisieren und zu kürzen, weil ihnen andere Tätigkeiten wichtiger sind.

Schnell und monoton auf sich fixiert

Diese Defizite werden in der Präsentation, also vor dem Publikum, sicht- und hörbar: Wenn die Redner ihre Slides in der geplanten Präsentationszeit „durchpeitschen“ möchten, spüren sie Druck, sprechen schnell, manche dadurch auch undeutlich und monoton (weil es mit zunehmender Sprechgeschwindigkeit schwieriger wird zu betonen) und sie überziehen ihre Vortragszeit häufig.

Solche Redner schauen zu oft weg vom Publikum und hin zu ihren Slides an der Beamerwand. Nur so können sie sich orientieren. Damit sind sie nur auf sich fixiert, aber nicht – wie es sein sollte – auf ihr Publikum.

Schnell lesen und zuhören zugleich funktioniert nicht

Dies wird schnell auch fürs Publikum problematisch. Versuchen Sie mal, mit Informationen vollgepackte Slides (meist mit viel zu kleiner Schrift) schnell zu lesen und parallel dem Redner zuzuhören. Sie kennen das ja – beides parallel klappt nicht lange. 

Die meisten Zuhörer geben nach spätestens zehn Minuten auf. Das ist die Vorstufe zur endgültigen inneren Abkehr von der Präsentation. Die Leute wenden sich dann lieber gelangweilt oder erbost ihrem Blackberry oder dem schönen Blick durchs Fenster zu. Glauben Sie, solche Präsentationen sind überzeugend?

Selbst wenn Leute im Publikum sich dafür entscheiden, mehr die Slides zu verfolgen statt auf den Redner zu achten, sind sie schnell frustriert. Denn oft zeigt der Redner bereits einen neuen Slide, ehe sein Publikum den gerade weggebeamten verstehen konnte. 

Der ICE rast der Dampflok davon

Denken Sie als Präsentator daran: Wenn Ihr Publikum sich für Sie und Ihren Vortrag interessiert, verbindet es Ihre Informationen mit dem eigenen Erleben und denkt darüber nach. Erst Recht, wenn dem Publikum der Inhalt neu ist.

Auch deshalb ist das Publikum viel langsamer unterwegs als der schnelle Redner. Es ist wie eine Dampflok. Und die kann niemals so schnell sein wie ein ICE. Der ICE ist der von seinen Slides angetriebene Redner und hängt die Dampflok ab. Er verliert sein Publikum.

An Guy Kawasaki und Steve Jobs orientieren

Also was tun als Präsentator? Reduzieren! Der Wagniskapitalgeber Guy Kawasaki hat die sogenannte 10/20/30-Formel für PowerPoint-Präsentationen in die Welt gesetzt: Höchstens 10 Slides für maximal 20 Minuten Präsentationszeit, rät er Präsentatoren, die etwas verkaufen wollen. Den Rest der verfügbaren Vortragszeit, bis die 30 Minuten vorbei sind, sollten Redner besser zum Austausch mit ihrem Publikum nutzen.

Apple-Gründer und Präsentationsguru Steve Jobs hat in seinen oft längeren Präsentationen selten mehr als 5 bis 7 Slides pro 15 Minuten Präsentationszeit genutzt. Das bedeutet:

  • für 2 Minuten Präsentationszeit nur 1 Slide,
  • für 10 Minuten 5 Slides,
  • für 30 Minuten 15 Slides oder
  • für 45 Minuten 22 Slides usw.

Diese Zahlen haben sich bei erfolgreichen Rednern bewährt. Das zeigen sogar einige im Berater- und Finanzbusiness. Denn dieser Rhythmus ist gehirngerecht, gut konsumierbar und kann sogar aufregend sein – je nachdem, wie die Slides gestaltet sind.

Verzichten Sie auf Seitenzahlen

Last but not least ein weiterer Tipp: Schreiben Sie niemals Seitenzahlen auf Ihre Slides. Sollten Sie bei mehr als zwei Slides pro Minute bleiben und dies Ihrem Publikum auch noch via Seitenzahlen auf die Nase binden, werden einige Zuhörer nach Ihrem Vortrag mit Sicherheit sagen: „40 Folien in 25 Minuten – das waren zu viele.“ Verzichten Sie dagegen auf Seitenzahlen, fällt die Slide-Anzahl weniger auf. 

Also denken Sie daran: 1 Slide pro 2 Minuten Gesprächszeit sind das Maß aller Dinge. Und glauben Sie nicht, dass Ihre Kompetenz so nicht darstellbar sei. Darum kümmern wir uns im nächsten Beitrag dieser Serie, wenn es um Texte, Zahlen und andere Elemente auf Slides geht.

Viel Erfolg!
Mario Müller-Dofel


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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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