Unternehmerische Beteiligungen: Diversifizieren, oder Begleiten & Entwickeln?

Unternehmerische Beteiligungen spielen bei diversen Investoren-Gruppen – von Business-Angels und HNIs über Family Offices, PE-Fonds bis hin zu Versorgungs-Werken und Versicherungen – eine immer stärkere Rolle. Die Gründe sind mannigfaltig: bei persönlichem finanziellen Engagement der Ersteren sind es oft emotionale Gründe: Viele HNIs suchen ‚Investments zum Anfassen‘ um den Aufbau von was ‚Konkretem‘ zu finanzieren. Oder sie möchten sich als CO-Unternehmer verwirklichen. Auch objektive Gründe spielen bei Investoren eine Rolle: das Niedrig-Zins-Niveau und der leergefegte Immobilien-Markt, oder die Abkehr von verbrieften Produkten nach der Finanzkrise.

Unternehmerische Beteiligungen benötigen jedoch ein anderes Mindset als Finanzbeteiligungen über Aktien, Anleihen oder deren Derivate. Es ist eine komplett andere Beteiligungs-Dynamik, die nach mehr verlangt als nach Diversifizierung und Quartals-Berichten. Dazu kommt der derzeitige Shift von der traditioneller ‚Old-Economy‘ hin zu innovativen Geschäftsmodellen mit agiler Kundenzentrierung, dem selbstverständlichen Einsatz von neuen Technologien (Digitalisierung, Industrie 4.0, künstlicher Intelligenz, usw.) und modernen Methoden des digitalen Marketings. Startups greifen sehr erfolgreich mit genau diesen Methoden etablierte Unternehmen an. Leitsätze der Vergangenheit wie „Vorsprung durch Technik“ und „Groß frisst Klein“ garantieren immer weniger die Marktführerschaft. Die neuen Leitsätze lauten „Schnell frisst Langsam“ und „Maximierung der Kundenbequemlichkeit“.

Die bekannten Techniken aus dem Wertpapier-Bereich wie Diversifizierung und Portfolio-Theorie helfen nur vordergründig: natürlich sollte man ein Investment-Portfolio - folgend einer überlegten Investment-Strategie - ‚diversifiziert‘ aufbauen. Jedoch kann man nur schwer ein schnelles Re-Balancing im Portfolio vornehmen, dafür ist ein Beteiligungs-Verkauf viel zu zeitintensiv. Von Anfang an damit zu rechnen, dass einige Beteiligungen ‚wohl abzuschreiben sein werden‘ ist eher eine Banktrott-Erklärung als eine Strategie. Leider ist diese Denkweise stärker verbreitet, als man es erwarten würde. Hier zeigen sich klar die Grenzen der Instrumente der Kapitalmärkte.

Die Lösung ist eine enge und aktive Begleitung der Beteiligungen im Rahmen einer schlanken aber effizienten Beteiligungs-Steuerung. Eine Beteiligungs-Steuerung, die dem heutigen, dynamischen Marktumfeld Rechnung trägt, darf sich nicht nur auf Finanzkennzahlen zum Quartals-Ende stützen. Eine wesentlich höhere Transparenz ist notwendig!

Der zentrale Baustein einer erfolgreichen Beteiligungs-Steuerung sollte das Geschäftsmodell-Monitoring sein. Zielsetzung ist es, das Geschäftsmodell kontinuierlich zu überwachen und weiterzuentwickeln, mit Fokus auf Kundenzentrierung und Marktrelevanz. Zu jedem Zeitpunkt sollte es klar sein, womit Geld verdient wird und wo die Kosten entstehen.

Die strategische Ebene des Geschäftsmodell-Monitoring sollte natürlich vom rigorosen Finanz-Controlling flankiert sein, um zu jedem Zeitpunkt einen starken Realitätsbezug der Geschäftsstrategie zu gewährleisten.

Das Management-Team, bzw. die Organisation, wie auch die eingesetzte Technologie bilden das Rückgrat der Unternehmung. Ohne die richtige Team-Zusammensetzung auf der fachlichen, wie auch persönlichen Ebene ist ein Unternehmen handlungsunfähig. Mit einem ausgefüllten Organigramm ist es jedoch nicht getan – es sind auch die weichen, psychologischen Faktoren, die uns Menschen ausmachen. Und auch diese Faktoren gehören bei einer Beteiligungs-Steuerung dazu. 

Die eingesetzte Technologie ist das Mittel zum Geschäftszweck und nicht das Ziel. Unter diesem Blickpunkt erscheinen die aktuellen Buzz-Wörter wie Digitalisierung, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz in einem anderen Licht. Die eingesetzte Technologie ermöglicht erst die effiziente Umsetzung des Geschäftsmodells und muss dem Geschäftszweck entsprechen. Digitalisierung als Selbstzweck bringt Unternehmen kein bisschen vorwärts - bindet dafür jede Menge Ressourcen und Geld.

Das permanente Monitoring der Mitbewerber, insbesondere der jungen, schnellen und vermeintlich ‚bedeutungslosen‘ Mitbewerber ist von zentraler Bedeutung. Nur durch permanentes Monitoring können Bedrohungen durch neuartige, innovative Geschäftsmodelle oder Technologien abgewehrt werden. Die hier gewonnen Erkenntnisse sollten anschließend in die eigene Strategie integriert werden.

Unternehmens-Beteiligungen – in der einen oder anderen Form - erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Eine aktuelle Befragung der Goldman Sachs AM unter Versicherern hat gezeigt, dass 36% der Befragten eine Verstärkung Ihres Engagements im Bereich Private Equity planen. Dies ist der größte Plan-Zuwachs unter allen Anlage-Klassen (Zusammenfassung siehe: https://www.absolut-research.de/news/detail/n/trends-in-der-kapitalanlage-von-versicherern/). Ein ähnliches Bild zeichnet die Umfrage der Online-Zeitung unter den führenden deutschen Family Offices zum Thema unternehmerische Beteiligungen: Family Offices, bzw. deren wohlhabende Klienten haben ein immer stärkeres Interesse an unternehmerischen Beteiligungen und setzen sich mit den Chancen und Herausforderungen zunehmend auseinander (Artikel finden Sie unter: http://online-zeitung.de/2018/05/12/unternehmerische-beteiligungen-von-family-offices-motivation-trends-herausforderungen/).

Unternehmerische Beteiligungen sind eine Asset-Klasse, die man aktiv entwickeln kann und auch entwickeln sollte. Die steigende Nachfrage nach diesem Investment-Typ auf der einen Seite und die immer agilere Geschäftswelt auf der anderen, bringen Investoren unter Druck. Erfolgreich werden am Ende des Tages jene Investoren sein, die einen aktiven, unternehmerisch geprägten Ansatz bei Ihren Beteiligungen verfolgen. Der passive Direkt-Finanzinvestor ist wohl eine aussterbende Art im Investitions-Universum.


Dr. Michal Dallos, MBA, ist Geschäftsführer der Liamont GmbH, einem auf innovative Geschäftsmodelle fokussierten Unternehmen aus Frankfurt am Main.  Vor Liamont war Dr. Dallos neben weiteren Berufsstationen als Geschäftsführer von mehreren Fonds-Gesellschaften einer namhaften Versicherung im Bereich Direkt-Investments tätig.

Die Liamont GmbH unterstützt mit Rat und Tat etablierte Unternehmen bei der Geschäftsmodell-Innovation, wie auch Investoren bei einer nachhaltigen Beteiligungs-Steuerung. In der Startup-Branche ist die Liamont GmbH als Company-Builder tätig.

Web: www.liamont.de
Email: md@liamont.de
Tel.: +49 (69) 15325633

Über den Autor

  • Michal Dallos

    Michal Dallos

    Geschäftsführer von Liamont Ventures & Strategy

    Dr. Michal Dallos, MBA, ist Geschäftsführer der Liamont GmbH, einem auf innovative Geschäftsmodelle fokussierten Unternehmen aus Frankfurt am Main. Vor Liamont war Dr. Dallos neben weiteren Berufsstationen als Geschäftsführer von mehreren Fonds-Gesellschaften einer namhaften Versicherung im Bereich Direkt-Investments tätig.

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