Von der Natur lernen

Ein Baum wäre ein wahres Investment-Genie. Er bringt das Kunststück fertig, trotz eines minimalen Einsatzes von Material ein Maximum an Stabilität zu erreichen. Heftige Stürme und kiloschwere Schneelasten auf seinen Ästen verursachen extreme Spannungen. Damit er nicht beim nächsten Windstoß umfällt, verteilt der Baum diese Lasten gleichmäßig an seiner Oberfläche. Dabei wird er nicht einfach rundherum dicker und damit stabiler. Vielmehr gleicht er Spannungen und Druck aus, indem er nur an den stark belasteten Stellen wächst. Das spart Gewicht und Material. Er nutzt die Schwankungen der Natur, um sich an den entscheidenden Stellen zu schützen. Das verringert das Risiko umzufallen. 

In der Technik ist das Lernen von der Natur schon seit langem eine feste Größe in Wissenschaft und Anwendung. Das Geheimnis des Baumes nutzen Automobilfirmen, um Karossierien nur an den stark belasteten Stellen zu verstärken. Schwimmanzüge, die der Haifischhaut nachempfunden sind, lassen Sportler deutlich schneller durchs Wasser gleiten. Der lautlose Flug von Eulen soll helfen, Flugzeuge leiser zu machen. Immer mehr Unternehmen versuchen mithilfe natürlicher Vorbilder, ihre Produkte und Prozesse effizienter zu gestalten. Bis hinein ins Management. Schwarmintelligenzen werden genutzt, um Entscheidungen zu optimieren und das Alpha-Männchen-Verhalten ist ohnehin hinglänglich bekannt. 

Nur in der Finanzwirtschaft ist die Bionik noch weitgehend unentdeckt. Dabei werfen gerade hier heftige Stürme an den Finanzmärkten immer wieder ganze Depots um. Doch während wir bei Naturkatastrophen Risikovorsorge betreiben (Dämme erhöhen) und Messgeräte auf dem Meeresboden versenken, um frühzeitig gewarnt zu werden, sind viele Investoren den Schwankungen und Katastrophen an den Finanzmärken immer noch schutzlos ausgeliefert. 

Unser Hedgework-Interview mit Dr. Frank Schmielewski soll das ändern. Er ist überzeugt: Bei der Risikovorsorge lässt sich einiges von den Naturwissenschaften abschauen – insbesondere bei der Katastrophenforschung. Mehr solcher Ansätze wären wünschenswert. Schließlich ist die Natur einer der besten Optimierer. Minimaler Einsatz, maximaler Ertrag und das bei möglichst wenig Risiko. Das klingt doch sehr vertraut.