Zeit für den Strategiewechsel

Anfang Juni hat die Europäische Zentralbank den Zins ganz nah an die Nulllinie gedrückt. Die Flatline ist fast erreicht. Medizinisch bedeutet das: Exitus. Für die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank stimmt das fast. Draghi hat sein letztes Aspirin verabreicht. Jetzt müssen härtere Medikamente Europa vor dem Ende retten. Die „Bazooka“, der Kauf von Staatsanleihen, könnte zum Einsatz kommen. 

Die Zinssenkung war allgemein erwartet worden, und auch der direkte Eingriff der EZB in den Markt wird keine Überraschung mehr sein. Doch wenn sich die Marktteilnehmer frühzeitig auf etwas einstellen, verpufft ein Großteil der Wirkung. Japan ist das beste Beispiel, dass Nullzinspolitik und Standard-Konjunkturprogramme das Leiden nur verlängern, anstatt Linderung zu bringen. 

Die EZB muss ihre Strategie ändern: Keine erwartbaren Maßnahmen mehr. Auch im Gesundheitswesen kommen bisweilen unkonventionelle Methoden zum Einsatz, wenn die Schulmedizin nicht mehr helfen kann – manchmal mit Erfolg. 

Mit ihrer bisherigen Politik erreicht die EZB nur eines: Unternehmen warten ab, bis sie Investitionskredite noch günstiger bekommen und institutionelle Investoren, die aufgrund ihrer staatlich verordneten oder selbst auferlegten Anlagerichtlinien an sicheren festverzinslichen Papieren festhalten, erwirtschaften in Zukunft noch weniger Rendite. 

Die altii-Redaktion hat mit dem Zinsschritt der EZB gerechnet und in diesem Heft mehrere Gastautoren ihre Strategie gegen den Nullzins beschreiben lassen. Denn die Nachfrage nach alternativen Strategien wird weiter steigen – insbesondere im Fixed-Income-Bereich.