Zinsprognosen führen oftmals in die Irre

 Um den Jahreswechsel herum sind die Wirtschaftszeitungen gespickt mit mehr oder weniger klugen Analysen, wie die Märkte sich entwickeln könnten. Da werden Experten gefragt, wo wichtige Aktienindizes am Ende des frisch angebrochenen Jahres notieren könnten, wie die Wechselkurse wichtiger Währungen wohl zueinander stehen könnten und wohin sich wohl die Renditen wichtiger Anleihen zum kommenden Jahreswechsel bewegen mögen.

Gerade die Frage, wie sich die Renditen wichtiger Benchmark-Anleihen wie der 10-jährigen US-amerikanischen Staatsanleihe entwickeln werden, treibt nahezu alle institutionellen Investoren um. Was liegt näher, als auf den Rat vermeintlicher Experten zu vertrauen? Glücklicherweise ist es einfach, rückwirkend festzustellen, ob die professionellen Auguren richtig gelegen haben. So führt beispielsweise das Wall Street Journal halbjährlich Umfragen unter gut 50 anerkannten Anlageexperten durch. Welche Zinsentwicklung haben diese für das Jahr 2013 prognostiziert?

Im Dezember 2012 rentierte die 10-jährige US-Regierungsanleihe bei 1,67 Prozent. Die knapp 50 Experten erwarteten im Durchschnitt für 12 Monate später einen Stand von 2,26 Prozent. Die Spanne reichte dabei von 1,5 Prozent bis 4,34 Prozent. Interessant, wie Experten auf Basis der gleichen Faktenlage zu solch unterschiedlichen Ergebnissen gelangen können. Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe stand am Jahresende 2013 bei 3,03 Prozent. Nur ein einziges Analystenduo hat annähernd richtig gelegen. Investoren, die ihre Entscheidungen auf Basis einzelner Zinsprognosen oder sogar des Durchschnitts aller Prognosen getroffen haben, lagen falsch. Im Grunde haben sie auf eine Entwicklung gewettet, sonst nichts.

Was tun? Das Umfeld mit seinem immer noch niedrigem Zinsniveau und der Gefahr steigender Zinsen zwingt Investoren, Maßnahmen zu ergreifen. Eine Umschichtung in einzelne andere Sub-Assetklassen aus dem Rentenbereich liegt da nahe. Aber es ist natürlich gefährlich, auf eine Anlageklasse zu setzen. Ob Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Emerging-Markets-Bonds oder inflationsindexierte Anleihen: Auch hier steht eine diskretionäre Entscheidung am Anfang jeder Investition - mit allen Möglichkeiten zur Fehlentscheidung, wie sie auch dem Folgen einzelner Zinsprognosen zugrunde liegt.

Wir denken, dass das Ziel Kapitalwachstum im Umfeld gleichbleibender oder gar steigender Zinsen am besten mit einem prognosefreien Ansatz erreicht werden kann. Daher haben wir das bewährte Risikoparitätskonzept auch auf den Fixed-Income-Bereich übertragen. Wir gehen generell von effizienten Märkten aus und beziehen deshalb keinerlei Stellung zu Höhe und Form einer Zinsstrukturkurve. Wie schöpfen wir systematisch Renditen ab? Wir nutzen vier zueinander unkorrelierte Sub-Assetklassen: Staatsanleihen, inflationsindexierte Anleihen, Unternehmensanleihen und Carry-Positionen in Emerging Markets und gewichten diese nach ihren Risikobeiträgen gleich.

Diese Mischung ermöglicht positive Renditechancen in allen Phasen des Zinszyklus – selbst bei steigenden oder gleichbleibenden Zinssätzen.

Unser Fonds, der ACQ - Risk Parity Bond Fund (EUR A: A1H5AH), investiert aber nicht nur in diese vier verschiedenen Anleihesegmente, er diversifiziert auch geografisch und über unterschiedliche Durationen. Bei fallenden Zinsen profitiert der Fonds von der Entwicklung der Gesamtrendite in den Märkten. Steigen die Zinsen, eröffnen sich durch die voneinander unabhängigen Sub-Assetklassen Renditemöglichkeiten. Dieser Ansatz sollte von Investoren über einen längeren Zeitraum verfolgt werden, idealerweise über einen vollen Zinszyklus.

Das Geschäft mit dem Blick in die Kristallkugel läuft nichtsdestotrotz weiter. In der FAZ vom 4. Januar 2014 wurden 24 Analysten befragt, wo denn die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe Ende 2014 liegen möge. 3,35 Prozent, lautete der Durchschnitt der Antworten. Doch Vorsicht. Vor einem Jahr lagen die Experten genau so schief wie ihre amerikanischen Kollegen, die vom Wall Street Journal befragt wurden. Mit einer Schätzung von 2,23 Prozent Rendite lagen sie im Durchschnitt sogar noch ein bisschen schlechter als die US-Ökonomen. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr. 

Über den Autor

  • Torsten von Bartenwerffer

    Torsten von Bartenwerffer

    Director Portfolio Management

    Dr. Torsten von Bartenwerffer ist Director Portfolio Management im Aquila Capital Quant Team. Zuvor war von Bartenwerffer als Portfolio Manager und Quantitative Analyst bei IS Partners Investment Solutions in Zürich unter anderem für die Entwicklung und Umsetzung von Multi-Asset-Strategien verantwortlich. Torsten von Bartenwerffer verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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