Zu hohes Lampenfieber? So senken Sie es

Rasender Puls, nervöses Schwitzen, roter Kopf, zittrige Hände, trockener Mund, schwache Stimme oder Blackout: Kennen Sie das von Auftritten vor großem Publikum?

In prominenter Gesellschaft

Psychologen sagen, dass 80 Prozent der Menschen mit solchen Symptomen zu kämpfen haben, wenn sie sich vor größeren Gruppen präsentieren. Selbst Musiker und Showstars sollen unter „hohem“ Lampenfieber leiden – beispielsweise Schauspielerin Meryl Streep und Popstar Robbie Williams.

Der Finanzexperte, der mich kürzlich kontaktierte, ist also mit diesem Problem längst nicht allein. Dennoch haben wir es hierbei mit einem tabuisierten Thema zu tun. „Bloß keine Schwäche zeigen“, denken viele der „Fiebrigen“. Das ist ein Teil ihres Problems.  

Angst, sich bloßzustellen

Im Kern ist die Ursache von negativem Lampenfieber unsere Angst davor, dass andere Menschen unseren persönlichen Wert geringer einschätzen als wir es gerne hätten (weil wir bewundert, geachtet und gemocht werden möchten) oder als wir es bräuchten (weil wir im Job stark wirken sollen). Konkurrenzangst, Furcht vor Kritik und Leistungsdruck sind schließlich allgegenwärtig.

Je größer die gefühlte Lücke zwischen unserem Wunsch-Sein und der befürchteten Fremdwahrnehmung ist, desto größer ist auch unsere Sorge davor, dass diese Lücke offensichtlich wird. Wir könnten ja etwas verlieren: dringend benötigte Deals, persönliche Reputation oder einfach nur die Fassade, die negative Gefühle außen vor halten soll.

Gefährlich selbstzentriert 

Hohes Lampenfieber heißt also auch: Wir richten unsere Aufmerksamkeit weit mehr auf uns selbst als auf die Sache, um die es vor allem geht: das Produkt, die Studie oder die Strategie, die wir präsentieren müssen. Manche Präsentatoren meinen sogar, im Publikum säßen nur Kritiker, die das Haar in der Suppe suchten. Logisch, dass dieser Verdacht ängstlich und unsicher macht.  

Also was tun? Den Kopf in den Sand stecken und Auftritte vor großem Publikum meiden? Wer so handelt, kann sich in eine soziale Phobie hineinsteigern. Davon sprechen Psychologen, wenn Menschen aus Angst vor Ablehnung soziale Zusammenkünfte meiden. Allerdings kann Problemverdrängung dazu führen, dass es beruflich abwärts geht. Gehen Sie besser wie folgt mit Ihren Ängsten um:

Anleitung zum Fieber senken

1. Gestehen Sie sich und vertrauten Menschen ein, dass Sie Präsentationen vor großem Publikum fürchten – und sie deshalb üben müssen, wie andere turnen oder musizieren. Und reden Sie mit Ihren Vertrauten darüber. Allein das tut schon gut.

2. Denken Sie über die mentalen Gründe für Ihre Nervosität nach und akzeptieren Sie diese Gründe, auch wenn dies zunächst unangenehm für Sie ist. Selbstsicherheit erfordert Selbstbewusstsein, also sich bewusst über sich selbst zu sein.

3. Drängen Sie Ihren egozentrierten Defizitfokus zurück und denken Sie alterozentriert. Das bedeutet, eigene Werturteile hintanzustellen und sich voll auf die Sache und auf das zu überzeugende Publikum zu konzentrieren. Beantworten Sie sich Fragen wie 

  • Was ist dem Publikum wirklich wichtig?
  • Was soll das Publikum von meinem Produkt denken?
  • Wie kann ich dem Publikum nützlich sein?

4. Jetzt können Sie Ihre Präsentation als Chance empfinden. Sie ist eine Chance! Mehr Chancen als Risiken zu sehen, ist die Grundvoraussetzung für gute Präsentationen, Vorträge und Reden.

5. Erarbeiten Sie sich Erfolgserlebnisse, die Ihre negativen Erfahrungen verblassen lassen. Dafür müssen Sie regelmäßig auftreten. Suchen Sie sich aber erstmal Publikumsgruppen, vor denen Sie kaum Leistungsdruck empfinden: Studenten, Klubmitglieder etc.

6. Wenn Sie sich sicherer fühlen (was Sie öfter machen, jagt Ihnen keine Angst mehr ein), treten Sie vor Zuhörer, die Ihnen früher Angst gemacht haben.

7. Bereiten Sie sich auf jede Präsentation gewissenhaft vor: Sprechen Sie sie zuerst mehrfach alleine laut vor sich hin. Präsentieren Sie dann vor einer Ihnen vertrauten Kleingruppe (Freunde, gute Kollegen). Eventuell üben Sie mit einem Trainer, der seinen Fokus auf Sie als Mensch statt auf oft thematisierte, aber relativ unwichtige rhetorische Details wie die üblichen „Ähs“ legt. 

8. Wenn der echte Auftritt unmittelbar bevorsteht, entspannen Sie sich. Denken Sie in den Minuten davor an schöne Dinge wie den nächsten Urlaub oder das gestrige Dinner mit Freunden. Atmen Sie jetzt bewusst tief und lächeln Sie.

9. Überbrücken Sie den ersten Adrenalinstoß zum Auftrittsbeginn (der am heftigsten wirkt, aber auch schnell wieder nachlässt), indem Sie noch ein paar lockere Worte mit Zuhörern aus der ersten Reihe wechseln, Ihre Unterlagen ordnen oder die Technik testen.

10. Analysieren Sie nach dem Auftritt, wasIhnen gut und weniger gut gelungen ist, freuen Sie sich über die Positiv-Liste und nehmen Sie sich für die nächste Präsentation zwei, drei Dinge vor, die Sie weiter verbessern möchten.

Denken Sie daran, liebe Leserinnen und Leser: Rhetorische Meisterleistungen erwartet im Finanzgeschäft niemand von Ihnen. Umso leichter ist es, positiv zu überraschen. Das funktioniert aber nur, wenn Sie an sich arbeiten und sich nicht zu viel Druck machen. 

Ich halte Ihnen die Daumen.

Mario Müller-Dofel

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Über den Autor

  • Mario Müller-Dofel

    Mario Müller-Dofel

    geschäftsführender Trainer bei DIALEKTIK for Business

    Mario Müller-Dofel unterstützt vor allem Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Investmentprofis vor (Pitch-) Präsentationen, Vertriebsgesprächen, Verhandlungen, Vorträgen, Meetings und anderen Dialogen unter Performancedruck.

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