Interview

„Clearing-Teilnehmer beschäftigt vornehmlich die Aufrechnung von Kontrahentenrisiken“

Eurex: Sie haben kürzlich den Bericht “A Cost/Benefit Analysis Roadmap for Securities Lending CCPs” veröffentlicht. Warum haben Sie diese Untersuchung gerade jetzt initiiert?

Josh Galper: Das Umfeld für die Wertpapierleihe wird, sowohl durch die Finanzregulierungen als auch durch die veränderte Haltung der Beneficial Owner und Hedgefonds, immer komplexer. Im Falle von Intermediären muss der Wertpapierleihemarkt auf bankweite Initiativen und einen Kapitalbedarf reagieren, der oft bei weitem größer ist, als der Umfang der Leihetransaktion selbst. Das zwingt Verleiher und Entleiher dazu, kreativ, flexibel und intelligent mit den umfassenden Änderungen umzugehen, die ihr Geschäft beeinflussen.

Neben der Möglichkeit die Kontrahentenrisiken anzupassen, Leihetransaktionen intern darzustellen oder Kundenvereinbarungen zu modifizieren, müssen Verleiher und Entleiher die Möglichkeiten und Anforderung bewerten, die sich durch das Angebot von CCPs ergeben. Auch wenn nicht jeder Marktteilnehmer zustimmen dürfte - Regulatoren streben eine Risikominderung durch CCPs an. Die Erwartung ist daher, dass die Kapitalkosten bei der Nutzung von CCPs geringer sind im Vergleich zur Abwicklung auf bilateraler Basis.

Für Teilnehmer im Wertpapierleihe-Markt ist jetzt der ideale Zeitpunkt eine Strategie für die künftige Nutzung von CCPs zu entwickeln. Obgleich die Entscheidung einen zentralen Kontrahenten zu nutzen, eine Vielzahl von Auswirkungen hat, haben wir uns in unserer Analyse auf einen der kritischsten strategischen Aspekte fokussiert – die Kapitalkosten. Wir haben zunächst versucht Unternehmen zu finden, die sich in der Lage sahen, uns Auskunft darüber zu geben, welche Vorteile ein Wertpapierleihe-CCP für ihre Kapitalkosten hat. Es war uns nicht möglich, diese Informationen zu recherchieren, da die Firmen, mit denen wir gesprochen haben, keine eindeutige Meinung dazu hatten. Daher haben wir uns damit auseinander gesetzt, wie man diese Information generieren kann und welche Sorgen und Bedenken Verleiher und Entleiher ansonsten bewegen. Wir hoffen, dass diese Untersuchung Marktteilnehmer künftig dabei unterstützen kann, ihre Strategien für bilaterale Transaktionen bzw. zentrale CCP-Leihe zu entwickeln.



Eurex: Was sind die wesentlichsten Ergebnisse ihrer Untersuchung und, was uns besonders interessiert, wird die Rolle der CCPs als nützlich erachtet?

Josh Galper: Nach unseren Ergebnissen beschäftigt die Teilnehmer vornehmlich die Aufrechnung von Kontrahentenrisiken (Exposure Netting). Wie wird dies methodisch dargestellt, was sind die Einflussfaktoren und wie stellt man das Ganze technisch dar; dies sind die grundsätzlichen Aspekte, die Unternehmen bei ihrer Validierung, ob Wertpapierleihe-CCPs für sie nützlich sind oder nicht, zu Grunde legen. Wir haben auch herausgefunden, dass das Geschäftsmodell von CCPs für Verleiher eine zusätzliche Herausforderung darstellt - ist das CCP-Modell äquivalent zu der heute gängigen Entschädigung bei einem Ausfall in der bilateralen Welt (Agent Lender Indeminification), oder ist es etwas anderes? Die Antwort auf diese Frage ist für Agent Lender von entscheidender Bedeutung, um ihre Endkunden zufrieden zu stellen und geeignete Preismodelle zu finden. Und schließlich konnten wir auch noch feststellen, dass die Marktstruktur der CCPs und die vermuteten Vorteile bei der Kapitaleffizienz zu neuen Anforderungen bezüglich der Bereitstellung von Markt- und Benchmarkdaten führen könnten, die von den Vendoren entsprechend aufgebaut werden müssen; erfahrungsgemäß ist das kein schneller Prozess.

Bisher kommen die gewichtigsten Argumente zu Kapitalkosteneinsparungen für CCP-Geschäfte von den CCPs selbst. Es gibt nicht die eine, richtige Antwort auf die Frage, wie Wertpapierleihe-CCPs einen Mehrwert schaffen. Jeder Marktteilnehmer muss eine Kostenanalyse durchführen, um die Vorteile für sich und sein Geschäftsmodell selbst zu ermitteln.

Eurex: Haben Sie zukünftige Trends ausmachen können, die die Industrie beeinflussen werden?

Josh Galper: Trends in der Wertpapierleihe-Industrie basieren vor allem auf den Auswirkungen von Basel III sowie den nationalen Kapital- und Leverage-Anforderungen. Abgesehen von unregelmäßig erscheinenden Untersuchungen, wie zum Beispiel dem Financial Stability Board's Shadow Banking Review, müssen Nutzer von Wertpapierleihe-Services jede neue Kapitalregulierung im Kontext ihrer rechtlichen Struktur, ihrer Zuordnung als SIFI oder G-SIB, ihrer Kunden und den Anforderungen ihrer Konzernstrukturen bewerten. Da seitens der Regulatoren immer höhere Kapitalanforderungen durchgesetzt werden, kann die Wertpapierleihe-Industrie in den kommenden Jahren mit Sicherheit weitere Änderungen erwarten. CCPs können dabei helfen, diese Herausforderungen zu minimieren, Marktteilnehmer allerdings müssen individuell bestimmen, welche Vorteile die Nutzung von CCP auf ihre Kapitalkosten haben.



Josh Galper können Sie hier erreichen: jgalper@finadium.com.