Wie die Ölmärkte auf weitere geopolitische Schocks reagieren

von Mobeen Tahir, Associate Director und Rohstoffexperte, WisdomTree.

Nachdem der Chef der iranischen Revolutionsgarde Qassem Soleimani bei einem US-Luftangriff in Übersee getötet wurde stiegen die Ölpreise in der ersten Woche des neuen Jahres an. Die Spannungen in der Region steigen immens , denn das irakische Parlament beschloss, das US-Militär aus dem Land auszuweisen. Das wiederum veranlasste US-Präsident Trump dazu, dem Land mit Sanktionen zu drohen. Das war am 8. Januar des neuen Jahres. Brent, das zum Ende des dritten Quartals im vergangenen Jahr mit rund 59 US Dollar pro Barrel gehandelt wurde, bewegte sich an diesem Tag bei 69 US Dollar.

In unserem jüngst veröffentlichten Jahresausblick 2020 betonten wir, dass die Ölmärkte angesichts der Fragilität im Nahen Osten keine angemessenen geopolitischen Risikoprämien eingepreist haben. Nachfolgend analysieren wir, was durch die Öl-Futures-Kurven eingepreist wird. Zudem stellen wir zur Diskussion, welche Richtung die Ölmärkte nehmen könnten.

Prämie des geopolitischen Risikos fehlt

Die Brent-Preise wurden im Oktober 2018, als die USA Sanktionen gegen den Iran ankündigten, mit rund 85 US Dollar pro Barrel gehandelt. Seitdem sind die Preise erheblich gefallen, da die Märkte aufgrund des lauen globalen Wirtschaftswachstums auf den Rückgang der Nachfrage fixiert waren. Der Zeitraum dazwischen war jedoch nicht frei von Schwankungen. Besonders merkwürdig ist jedoch, wie schnell nach Eintritt eines „geopolitischen“ Ereignisses die zunächst stark angestiegenen Olpreise stets wieder sanken. Zur Veranschaulichung dessen dient der Drohnenangriff auf saudische Ölfabriken im September 2019. Infolgedessen nahmen die Bedenken hinsichtlich der Ölversorgung auf den Weltmärkten zu, die Preise stiegen. Als die saudischen Behörden versicherten, dass der Schaden unter Kontrolle sei gingen sie schnell zurück. Angesichts der Spannungen in der Region in den letzten Monaten wurde eine dem geopolitischen Risiko angemessenen Prämie bei Öl nicht eingepreist. Die jüngsten Preisaktivitäten könnten ein frühes Indiz dafür sein, dass dies allmählich geschieht und wir uns einer faireren Preisspanne für Brent von etwa 70 bis 75 US Dollar pro Barrel nähern.

Was uns in Backwardation befindliche1 Futures-Kurven sagen

Eine in Backwardation befindliche Futures-Kurve zeigt normalerweise an, dass der Markt eher bereit ist, für eine schnelle Lieferung mehr zu zahlen als abzuwarten. Dies deutet auf eine kurzfristige Knappheit des Rohstoffs hin. Die Brent- und WTI-Kurven haben in den letzten drei Monaten eine deutlich stärkere Backwardation erfahren. Der Anstieg der Front-End-Preise begann im Oktober letzten Jahres, als die Märkte weitere Angebotskürzungen der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) einpreisten. Die OPEC und ihre Verbündeten, bekannt als OPEC plus, haben ihre Lieferungen um 0,5 Mio. Barrel pro Tag gesenkt, um die Gesamtmenge im Vergleich zum Stand von Oktober 2018 auf 1,7 Mio. Barrel pro Tag zu senken. Die steile Backwardation in den Kurven zeigt jedoch, dass Öl-Futures die Preisbildung wie folgt vornehmen:

  1. Das Angebot wird über längere Laufzeiten reichlich sein, da Engpässe aufgrund eines kurzfristigen Schocks durch mehr Ölquellen ausgeglichen werden können (z. B. könnte die OPEC das Angebot beeinflussen).
  2. Geopolitische Risiken werden allmählich dadurch eingepreist, dass die Kurve am vorderen Ende steiler wird.

Wenn die geopolitischen Spannungen anhalten oder sogar eskalieren, dürften die Ölpreise unter Aufwärtsdruck geraten. Die Front-End-Preise für Öl können volatil sein. In den letzten Monaten sind die Ölkurven nach geopolitischen Ereignissen rückläufiger geworden, bevor sie wieder abflachten. Um zu dem Schluss zu kommen, dass eine geopolitische Risikoprämie angemessen eingepreist wurde, müsste die Backwardation bestehen bleiben, solange die Risiken bestehen.

Die Ereignisse der letzten Woche hatten einen etwas stärkeren Einfluss auf Brent als eine internationalere Öl-Benchmark als auf WTI, das tendenziell stärker von der Angebots- und Nachfragedynamik in den USA beeinflusst wird.

Was geschieht jetzt?

Die Ölmärkte dürften weiterhin auf die Entwicklungen zwischen den USA und Iran reagieren. Ein regelrechter Konflikt zwischen beiden könnte zu einem großen Angebotsschock führen und die Straße von Hormus könnte für ein Drittel des globalen Ölvolumens, das derzeit durch sie fließt, unzugänglich werden. Ebenso könnte eine Deeskalation der jüngsten Spannungen die Nerven der Marktteilnehmer beruhigen und die Ölpreise dazu veranlassen, erneut zu sinken, wie dies angesichts anderer geopolitischer Ereignisse im vergangenen Jahr in der Region der Fall war.

Angesichts der Ungewissheit und des vorhandenen Spielraums würde die Rationalität vorschreiben, dass die Märkte das geopolitische Risiko bei Öl einpreisen, bis eine sinnvolle Lösung der Hauptprobleme zwischen den USA und dem Iran in Sicht ist. Angesichts der anhaltenden Spannungen werden die Märkte dieses Risiko wahrscheinlich stärker wahrnehmen und die Ölpreise so stützen. Wenn die Märkte jedoch wieder selbstgefällig werden und die Prämie demzufolge sinkt, bevor alle Probleme gelöst sind, könnte Öl als sehr gute Absicherung geopolitischer Risiken darstellen, da die Preise theoretisch immer dann steigen, wenn ein geopolitisches „Ereignis“ eintritt.


1) Eine Futures-Kurve wird als in Backwardation bezeichnet, wenn ihr Kassa- oder Barpreis höher als der Terminkurs ist. Die gegenteilige Situation, bei der der Terminkurs höher ist als der Kassa- oder Barpreis, wird als Contango bezeichnet.

Multi-Asset-Ausblick für das Jahr 2020

von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager, Fixed Income and Multi Asset Solutions bei First State Investments.

“Für das Jahr 2020 erwarten wir ein weiterhin unregelmäßiges Wirtschaftswachstum, anhaltende Handelsstreitigkeiten sowie geopolitische Spannungen. Für Anleger bedeutet dies, dass diese Risiken gegenüber den Vorteilen einer zunehmend lockeren Geldpolitik, einem starken Konsumverhalten sowie dem Potenzial eines sich beruhigenden Handelsstreits zwischen China und den USA während der US-Wahlen abgewogen werden müssen.

Mit Blick auf die US-Wirtschaft gehen wir davon aus, dass die bislang historisch betrachtet längste Wirtschaftswachstumsperiode auch in diesem Jahr anhalten wird. Zudem erwarten wir, dass China seine Wirtschaft weiter stabilisiert - sofern keine signifikanten externen Ereignisse dies beeinflussen. Zusätzlich dürften die verzögert eintretenden Auswirkungen der globalen geldpolitischen Lockerung Rückenwind für die finanziellen Rahmenbedingungen schaffen und die Konjunktur weiter fördern.

Wenngleich wir keine Zunahme von Unternehmensinvestitionen erwarten, wird der starke Konsum in den USA weiter anhalten und die Wirtschaft des Landes stützen. Zudem haben die Verbraucher zuletzt ihren Verschuldungsgrad weiter reduzieren können, erleben ein starkes Beschäftigungs- und Lohnwachstum und profitieren derzeit von steigenden Vermögenswerten. Im Hinblick auf die globale Wirtschaft gehen wir von einer weiterhin gedämpften Inflation aus. Dabei haben wir unsere Erwartungen für Schwellenländer jüngst gesenkt. Europa hofft auf ein rasches Beilegen der Handelsstreitigkeiten mit den USA, um seine Wachstumsprognosen anheben zu können, da die Europäische Zentralbank keine tragfähigen fiskalpolitischen Optionen zu haben scheint. Wir halten es auch für unwahrscheinlich, dass es Europa gelingen wird, ein wirksames QE-Programm aufzulegen.

Was unsere Portfolioallokation für das Jahr 2020 betrifft, so fokussieren wir uns primär auf globale Aktientitel in entwickelten Märkten sowie Anleihen mit kurzer Laufzeit und Schuldtitel. Während die Aktienmärkte global auch weiterhin ein Allzeithoch verzeichnen dürften, konzentrieren wir uns nach wie vor auf Fundamentaldaten und rufen uns in Erinnerung, dass Bullenmärkte nicht aus Altersschwäche sterben. Daher gehen wir davon aus, dass globale Aktien ein Renditewachstum nahe dem historischen Trendniveau erreichen werden, wobei die Schwellenländer von einer möglichen Schwäche des US-Dollars nach der geldpolitischen Wende profitieren könnten. Bei globalen Staatsanleihen und dem Rohstoffsektor bleiben wir weiterhin zurückhaltend.

Im Laufe des Jahres 2019 haben wir unser Engagement in längerfristigen Staatsanleihen reduziert, da der betreffende Wertpapierhandel die Wachstumsaussichten belastete und die Renditen sanken. Negative Renditen, insbesondere in Europa, verdeutlichen das Ausmaß der negativen Wachstums- und Inflationserwartungen. Wir gehen davon aus, dass die verbesserten Konjunkturaussichten die langfristigen Zinssätze anheben, ihre Zinskurven dadurch steiler werden und in der kommenden Zeit zu negativen Renditen für die Anleger führen wird. Wir bevorzugen festverzinsliche Anlagen in Schwellenländern, von denen wir glauben, dass sie eine Diversifizierung zu attraktiven Renditen bei höherem Wachstum bieten, trotz einer sich verlangsamenden Wirtschaft."

Warum Flexibilität am Anleihenmarkt gefragt ist

von Mario Kaudela, Produktmanagement der Erste Asset Management.

Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds wird die Jagd nach Rendite immer komplexer. Um laufende Erträge erwirtschaften zu können, müssen Anleiheinvestoren immer höhere Risiken eingehen. Viele Anleger nutzen deshalb die Expertise eines erfahrenen Fondsmanagements und investieren in einen flexibel gesteuerten Anleihenfonds.

Was kann man sich unter einem flexibel gesteuerten Anleihenfonds vorstellen?

Ein flexibler Anleihenfonds kann in die unterschiedlichsten Anleihesegmente investieren und hat damit die Möglichkeit, Chancen am Anleihemarkt zu nutzen.

Der Fonds sucht dabei laufend nach den aus seiner Sicht attraktivsten Anleihesegmenten, zum Beispiel nationale und internationale Staats- und Unternehmensanleihen, inflationsgeschützte Anleihen, Hochzinsanleihen, Emerging Market-Anleihen und Hypothekenanleihen.

Welche Fonds werden von der Erste Asset Management in dieser Kategorie angeboten?

Ein Fonds mit einer sehr hohen Flexibilität ist der im Jahr 2018 gestartete ERSTE FIXED INCOME PLUS. Je nach Markteinschätzung kann dabei die Gewichtung von Risikoanleihen im Fonds zwischen null Prozent und 100 Prozent schwanken.

Bis zu 100% Risikoanleihen? Gibt es auch Fonds für konservativere Anleger?

Mit dem ERSTE SELECT BOND und dem ERSTE SELECT BOND DYNAMIC bietet die Erste Asset Management bereits seit 2002 bzw. 2007 Anleihendachfonds an.

Um den Herausforderungen des Niedrigzinsumfelds besser begegnen zu können, wurden diese beiden Fonds mit Jänner 2020 auf die flexible Anlagestrategie des ERSTE FIXED INCOME PLUS umgestellt. Gleichzeitig wurden die Grenzen für den Anteil an Risikoanleihen angepasst.

Wie sehen nun die neuen Grenzen für Risikoanleihen im ERSTE SELECT BOND und ERSTE SELECT BOND DYNAMIC aus?

Damit der flexible Investmentansatz Wirkung zeigen kann, wurde im ERSTE SELECT BOND der maximale Anteil an Risikoanleihen von 10 Prozent auf 25 Prozent erhöht. Im ERSTE SELECT BOND DYNAMIC wurde der maximale Anteil an Risikoanleihen von 60 Prozent auf 50 Prozent reduziert.

Dafür kann der ERSTE SELECT BOND DYNAMIC ab sofort bis zu 10 Prozent in Fonds mit alternativen Anleihestrategien  investieren.

Fondsname Anteil Risikoanleihen*
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% (bislang bis zu 10%)
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 50% (bislang bis zu 60%)

*Risikoanleihen sind beispielsweise High Yield Anleihen oder Schwellenländeranleihen

Das offene Fremdwährungsrisiko kann in allen Fonds bis zu 25% betragen.

Fondsname Offenes Fremdwährungsrisiko Alternative Investments
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% 0%
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 25% Bis zu 10%
ERSTE FIXED INCOME PLUS Bis zu 25% Bis zu 30%

 

Somit gibt es nun die Auswahl aus drei flexiblen Anleihendachfonds mit unterschiedlicher Risikoausprägung.

Die angegebenen Portfoliopositionierungen bzw. Bandbreiten auf dem Stand der Marktentwicklung zum Redaktionsschluss. Im Rahmen des aktiven Managements können sich die genannten Portfoliopositionierungen jederzeit ändern.


Warnhinweise gemäß InvFG 2011

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

A closer look at the crisis in Argentina

by Tim Drayson, Head of Economics at Legal & General Investment Management.

Despite the slowdown in global growth, which now appears to have stabilised, very few countries are currently suffering a proper recession. The notable exceptions are Hong Kong and Argentina.

As an economist, holidays are a chance to study the anatomy of a downturn first hand (and to be described as an ‘econ geek’ by my 14-year-old daughter). As I live with a currently weak currency in Britain, a dollar-pegged Hong Kong and riots were not appealing; more enticing was the two-thirds depreciation of the Argentine peso (ARS) over the past couple of years.

Strolling through Buenos Aires revealed a country in crisis and the ravaging effects on poverty of a 50% inflation rate. As Magda highlighted over a year ago, Argentina has become stuck in its high inflation, high external debt and depreciation quicksand, which assistance from the International Monetary Fund (IMF) has so far been unable to solve.

Some prices had failed to adjust to the currency collapse and so appear remarkably cheap for tourists, while imported luxury brands had risen in line with the depreciation. Restaurant prices were about one-third the cost of London. Regulated taxi fares meant a 10-minute cab journey was around 100 pesos (barely over a dollar). The tips were gratefully received. The underground was embarrassingly cheap at 20 pesos (due to price freezes since March which implies increased subsidy and fiscal cost). But they were also clean, punctual and air conditioned – South West Trains, please note!

Setting the peso

The one business which is clearly booming is clandestine foreign exchange. There is a desperate shortage of dollars due to capital controls, the impending sovereign debt restructuring, and punitive taxes on trade. Furthermore, nobody wants to save in pesos because of the expected future depreciation, preferring dollars in bank safety deposit boxes.

Official foreign exchange outlets are a bureaucratic nightmare with restrictions on the amounts of dollars which can be exchanged. The banks are unattractive with huge fees and severe limits on cash withdrawals. This has led to cries of ‘cambio, cambio’ on every street corner in the centre of Buenos Aires.

After negotiating a price, clients are led into tiny rooms down side streets (known as ‘Cueva’ – an exchange office hidden inside a regular business unit which is a façade to cover the real transactions) to see the boss and receive rates currently at least 20% better than the official exchange rate.

If like me you don’t fancy the risk of dealing with an unlicensed entity, many of the shops and restaurants took card payments and were happy to offer discounts to tourists or take dollars at favourable exchange rates. The unofficial exchange rate is posted on the blue dollar website or can be calculated by taking the dollar and peso prices of the same assets listed on different stock exchanges.

So what’s the trade recommendation (other than visiting Argentina with a suitcase full of dollars and a security guard)?

The real depreciation is already substantial and, while confidence is unlikely to be restored under fears of another profligate Peronist Fernandez-Kirchner government, it is hard to short the peso given the carry costs and exchange-rate management. Sovereign bonds are already priced for a major default.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

 

Thematische Aktien: Bausteine eines diversifizierten Portfolios

Anleger können unabhängig von ihrem Ansatz für den Portfolioaufbau einen Teil ihres Vermögens in thematische Aktien investieren, so Stephen Freedman, Senior Produktspezialist im Thematic Equities Team von Pictet Asset Management.

Übersicht

Aktienanleger haben die Investmentwelt traditionell in Länder oder Regionen unterteilt. Der Vorteil dieser Klassifizierung ist, dass sie einfach ist. Aber ganz so einfach, wie es scheint, ist es doch nicht. Anleger könnten zum Beispiel versucht sein zu glauben, dass der FTSE-100 die britische Wirtschaft abbildet. In Wirklichkeit aber erzielen die Bestandteile des Index deutlich mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

Diese Anomalien erklären, warum bei der Allokation von Kapital heute verstärkt auch andere Dimensionen berücksichtigt werden. Thematische Aktien bieten Anlegern die Möglichkeit, am Wachstum in Bereichen der Wirtschaft zu partizipieren, die sich der traditionellen Klassifikation entziehen. Investmentthemen wie Robotik und saubere Energie sprengen die Grenzen von Branchen, Ländern und Regionen. Ausserdem sind sie als Portfoliobausteine greifbarer.

In diesem Kommentar erläutern wir, wie Anleger thematische Aktien zum Bestandteil ihrer Portfolios machen können. 

Dazu schauen wir uns drei Ansätze an:

  • Thematische Aktien als Satelliten-Investment in einem "Core-Satellite-Konzept"
  • Thematische Aktien als ein Instrument, um einer globalen Aktienallokation oder einem „Carve-out“ gerecht zu werden
  • Thematisch diversifizierte globale Aktienportfolios

Thematische Aktien in einem "Core-Satellite-Portfolio"

Für Anleger, die ohne grossen Aufwand thematisch investieren möchten, bietet sich die "Core-Satellite-Strategie" an.

Bei diesem Ansatz wird das Portfolio zweigeteilt: Der "Core-Teil“ beinhaltet traditionelle Anlagen wie Aktien und Anleihen. Er strebt die Erzielung der Marktrendite („Beta“) an.

Im Gegensatz dazu investieren die „Satelliten“, die zwar kleiner sind, aber bis zu einem Viertel des Gesamtkapitals eines Portfolios ausmachen können, in unkonventionelle Anlagen. Allokationen in Satelliten erfolgen entweder langfristig – mindestens drei Jahre – oder für kürzere Zeiträume im Rahmen einer taktischen Anlagestrategie. In jedem Fall besteht das Anlageziel entweder darin, zusätzliche Alpha-Quellen zu erschliessen (d. h. eine Rendite, die über derjenigen des Marktes liegt oder unabhängig von der Marktrendite ist) oder das Risiko zu diversifizieren.

Abb. 1: Thematische Aktien in einem "Core-Satellite-Portfolio"


Nur zur Veranschaulichung. Quelle: Pictet Asset Management

Thematische Aktien sind aus mehreren Gründen ein effizientes Satelliten-Investment. Zunächst einmal werden Themenaktien von Unternehmen ausgegeben, die keinen bedeutsamen Platz in grossen Indizes wie dem MSCI World einnehmen. Das Universum thematischer Investments enthält einen grösseren Anteil an spezialisierten Unternehmen mit relativ geringer Kapitalisierung und Schwellenländeraktien. Hinzu kommt, dass das Angebot thematischer Investments breit gefächert ist – es gibt fast genauso viele Themenaktien wie in traditionellen globalen Aktienindizes vertretene Unternehmen.

Um die Effizienz von thematischen Aktien als Satelliten-Investments zu veranschaulichen, haben wir eine Analyse mithilfe einer Portfoliooptimierung durchgeführt. Dabei werden Kennzahlen wie Rendite, Volatilität und Korrelation von Anlagen herangezogen, um festzustellen, mit welcher Kombination von Wertpapieren sich das optimale Portfolio zusammenstellen lässt. Das optimale Portfolio für eine bestimmte erwartete Rendite ist dasjenige mit der niedrigsten erwarteten Volatilität.

Portfoliooptimierung: Thematische Aktien in einem ausgewogenen Portfolio

Konkret analysiert unsere Studie den Effekt einer Integration thematischer Aktien in ein diversifiziertes Portfolio – dessen Anlagen sich in unterschiedlichen Prozentsätzen auf Aktien und Anleihen verteilen (jeweils dargestellt durch den MSCI ACWI Index und den BofA Merrill Lynch Global Government Bond Index).

Unser Ziel ist es, die optimale Grösse der Allokation in Themenaktien zu bestimmen.

Eine detaillierte Beschreibung der Methodik – die auf einer Stichprobe monatlicher Beobachtungen zu den thematischen Portfolios von Pictet Asset Management und den erwarteten Renditen für die globalen Aktien- und Anleihenindizes beruht – finden Sie im Anhang.

Die Stichprobenanalyse thematischer Einzelstrategien wird aus verschiedenen Gründen herangezogen.

Erstens wird davon ausgegangen, dass der Anleger nicht in der Lage ist, im Voraus die thematische Strategie mit der besten Performance auszuwählen. Zweitens bildet die Methode die typische Investmententscheidung bzw. eine Allokation in eine Einzelthemen- statt in eine Mehrthemenstrategie nach.

Drittens geht bei Heranziehung eines Einzelthemen-Portfolios die Methode davon aus, dass es keine Verbesserungen des Risiko-Rendite-Verhältnisses gibt, die sich sonst aus einer diversifizierten Mehrthemenstrategie ergäben.

Die Analyse zeigt, dass ein optimales "Core-Satellite-Portfolio" abhängig vom Renditeziel eines Anlegers 20% seines Gesamtkapitals thematischen Aktien zuweisen würde (Abb. 2).

Abb. 2: Simulation A – Allokation in thematische Aktien in einem gemischten Anleihen-Aktien-Portfolio

Allokation in thematische Aktien, %, in gemischtem Anleihen-Aktien-Portfolio gemäss Renditeziel*

* Ergebnisse basieren auf einer Portfolioptimierung, wie im Anhang erläutert. Historische Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019; prognostizierte Renditen für den MSCI World Index und den BofAML Government Bond Index beziehen sich auf den Zeitraum 31.03.2019–31.03.2024.
Alle Renditen sind in US-Dollar angegeben. 

Um die Validität dieser Beobachtungen zu überprüfen, haben wir eine zweite Studie mit anderen Variablen durchgeführt.

Diese Analyse, die ebenfalls im Anhang beschrieben ist, basiert auf einer Portfoliosimulation anhand historischer Daten der vergangenen zehn Jahre. In diesem Fall verteilt sich das Vermögen des Basisportfolios wie folgt: 60% globale Aktien und 40% globale Anleihen; es werden dieselben Indizes wie bei der ersten Studie herangezogen. Die Daten zu den thematischen Aktien werden aus denselben Quellen und mit derselben Methodik bezogen.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich das optimale Portfolio aus einer Kernallokation zusammensetzt, deren Anlagen sich gleichmässig auf die verschiedenen Anleihen verteilen, ergänzt um eine Allokation von 18% in thematische Aktien. Die Volatilität ist bei diesem Kern-Satelliten-Portfolio genauso hoch wie bei einem Aktien-Anleihen-Portfolio im Verhältnis 60/40, aber die Rendite ist höher. Die positive Renditedifferenz beträgt 0,2 Prozentpunkte pro Jahr (gebührenbereinigt).

Abb. 3: Simulation B – Thematische Allokation in einem Portfolio mit einem Mix aus Aktien und Anleihen

Rendite und Volatilität, % annualisiert, von 60/40-Portfolio und diversifiziertem Portfolio mit thematischer Aktienallokation

* Ergebnisse einer Portfolioptimierung, wie im Anhang beschrieben. Die Studie vergleicht Rendite und Volatilität eines ausgewogenen 60/40 Aktien-Anleihen-Portfolios mit denen eines 50/50 Aktien-Anleihen-Portfolios mit zusätzlich 18% Allokation in thematischen Aktien.

Thematische Aktien als Carve-out

Auch wenn der "Core-Satellite-Ansatz" recht beliebt ist, nehmen die meisten professionellen und privaten Anleger ihre Kapitalallokation nach Regionen vor. Bei dieser Strategie wird das Investmentuniversum in grosse regionale Blöcke wie Nordamerika, Westeuropa und Asien-Pazifik-Raum unterteilt.

Abb. 4: Thematische Aktien in einem Portfolio, dessen Kapital nach Regionen zugeteilt wird


Nur zur Veranschaulichung. Quelle: Pictet Asset Management

Auf den ersten Blick scheinen thematische Aktien in einem solchen Portfolio nicht gerade gut aufgehoben zu sein. Thematische Anlagestrategien sind meist von Natur aus global, überschreiten regionale Grenzen.

Dennoch spricht vieles dafür, eine Allokation in „anderen globalen Aktien“ neben grösseren regionalen Allokationen aufzubauen (Abb. 3).

Bei regionalen Investments geht es darum, das Kapital auf Anlagen zu verteilen, die sich nicht im Gleichschritt entwickeln, aber dieser Ansatz hat auch seine Tücken. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass sich die regionalen Aktienmärkte synchron entwickeln können, vor allem in Zeiten hoher Volatilität. Daher kann die Integration einer differenzierten globalen Anlageklasse wie thematischen Aktien helfen, Risiko- und Renditequellen zu diversifizieren.

Einige thematische Aktienstrategien sind als Ergänzung regionaler oder länderbasierter Portfolios besser geeignet als andere. Am besten funktionieren Strategien, die in mehrere Anlagethemen gleichzeitig investieren und somit breiter diversifiziert sind; sie können daher einen grösseren Teil einer globalen Aktienallokation ausmachen.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie, wie Sie thematische Aktien als Instrument der Portfoliodiversifizierung einsetzen können.


Methodik der Portfoliooptimierung

Die Ergebnisse in Abb. 2 resultieren aus folgender Vorgehensweise: Zunächst erstellen wir 100 zufällige thematische Rendite-Zeitreihen. Mit anderen Worten: Für jede monatliche Beobachtung im Überprüfungszeitraum ziehen wir die historische Rendite einer zufällig ausgewählten thematischen Aktienstrategie aus der Palette von Pictet Asset Management aus. Dieser Prozess setzt keine besonderen Fähigkeiten bei der Strategieauswahl voraus. Folgende Strategien wurden in die Studie einbezogen: Water, Security, Health, Biotech, Premium Brands, Clean Energy, Digital, Timber, Nutrition, Robotics, SmartCity, Global Environmental Opportunities und Global Thematic Opportunities.
Die Renditen der thematischen Strategien sind in US-Dollar angegeben, gebührenbereinigt und beziehen sich auf die Anteilsklasse P. Die Angaben basieren auf den von Bloomberg bezogenen Fondsdaten. Wir nutzen historische Daten für den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019. Wir erstellen dann mithilfe der historischen Renditen für den MSCI ACWI Index und den BofAML Global Government Bond Index eine Kovarianz-Matrix für jeden der 100 Simulationsläufe.
Für die Renditeschätzungen der nächsten fünf Jahre für globale Aktien und globale Staatsanleihen stützen wir uns auf das selbstentwickelte Prognosemodell der Pictet Asset Management Strategy Unit, dessen Methodik im Folgenden beschrieben ist.
Auf Grundlage der zufallsgestützten Kovarianz-Matrizen und Renditeschätzungen werden dann 100 Effizienzkurven („Efficient frontiers“) erstellt, die Auskunft über die optimale Verteilung auf die drei Anlageklassen geben. Die genannten und in Abb. 2 dargestellten thematischen Aktienallokationen stellen das 33. Percentil der Allokation in thematische Aktien für das jeweilige Renditeziel dar. Bei zwei Drittel der Simulationen ist die empfohlene Allokation grösser als die in der Abbildung dargestellte.
Eine detailliertere Beschreibung der Portfoliooptimierung nach dem Mean-Variance-Ansatz finden Sie hier: http://www.columbia.edu/~mh2078/FoundationsFE/MeanVariance-CAPM.pdf
Die Ergebnisse in Abb. 3 basieren auf einer Simulation, bei der wir ebenfalls historische Daten für den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019 verwendet haben. Wir berechnen das ex-post Risiko- und Renditeverhalten eines ausgewogenen Aktien-Anleihen-Portfolios, bei dem 60% auf Aktien verteilt werden, die im MSCI ACWI Index vertreten sind, und 40% auf Anleihen, die im BofA Merrill Lynch Global Government Bond Index vertreten sind. Die Renditen sind in US-Dollar angegeben. Für die Berechnung der historischen Renditen und Volatilität des thematischen Aktienuniversums gehen wir genauso vor wie bei der Portfoliooptimierung oben.
Wir haben anschliessend 500 Simulationen durchgeführt, bei denen ein 50/50 Anleihen-Aktien-Portfolio durch ein thematisches Satelliten-Investment ergänzt wurde, um dasselbe durchschnittliche Risiko zu erreichen wie beim 60/40 Portfolio. Die Volatilität der thematischen Aktienallokation lag bei den 500 Simulationsläufen im Durchschnitt bei 18% und war damit genauso hoch war wie beim 60/40 Portfolio, aber mit einer höheren Rendite.

Über den Autor

Stephen Freedman kam 2019 zu Pictet Asset Management als Senior Produktspezialist im Thematic Equities team. Bevor er zu Pictet kam, war Stephen bei der UBS Wealth Management tätig, wo er zuletzt als Leiter für nachhaltige Investitionslösungen für den amerikanischen Raum zuständig war, mit Sitz in New York. Davor war er in verschiedenen Funktionen der Investmentstrategie tätig, darunter als Leiter der thematischen Anlagestrategie und als Leiter der taktischen Asset Allokation. Er startete seine Karriere 1998 als Volkswirt und Analyst für öffentliche Ordnung bei der UBS in Zürich. Seit 2019 hält er Vorlesungen in Umweltfinanzierung an der Universität in New York. Stephen erwarb einen Doktortitel sowie einen Master in Volkswirtschaft an der Universität St. Gallen. Er ist CFA Charterholder und wurde von der Global Association of Risk Professionals mit dem Titel FRM ausgezeichnet.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Konjunkturerholung in Europa verliert an Schwung

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree.

Die europäischen Aktienmärkte leiden unter dem Zusammenfluss externer und interner Schwierigkeiten, globale Spannungen im Handel, die Konjunkturabschwächung in der chinesischen Wirtschaft, strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie und die andauernde Unsicherheit um den Brexit. Seit 2013 schneiden die europäischen Aktienmärkte schlechter ab als die US-Aktienmärkte, wobei der Abstand seit 2000 am größten ist. Value-Aktien spielen im Vergleich zu den USA in Europa eine größere Rolle, während Wachstumsaktien in den USA einen höheren Anteil haben. Seit der großen Finanzkrise haben Wachstumsaktien Value-Aktien deutlich überholt, was ebenfalls der mangelnden Wertentwicklung in Europa zuzuschreiben ist. Die europäische Gemeinschaftswährung wird gegenüber dem US Dollar derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2017 gehandelt, doch für europäische Exporteure hat sich daraus bisher kein Wettbewerbsvorteil ergeben. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 flossen Mittel im Wert von 8,1 Mrd. US Dollar aus Exchange Traded Funds (ETFs) für in der Eurozone angesiedelten Aktien ab, was den starken Pessimismus gegenüber europäischen Aktien untermauert. Aufgrund des verhaltenen Ausblicks sind defensive Sektoren der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu zyklischen Sektoren überlaufen. Europa kann nur dann ein Trendwende schaffen, wenn es zu einer Kombination aus Fortschritten in den Verhandlungen beim Welthandel, einer Erholung bei Value Aktien und sinnvollen finanzpolitischen Impulsen kommt.

Schwäche in der Industrie zieht auch Dienstleistungssektor nach unten

Bei der Verschlechterung der europäischen Wirtschaftsdaten zeichnet sich kein Ende ab. Der Einkaufsmanagerindex Flash Eurozone Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI) fiel mit einem Wert von 45,6 im September auf seinen schlechtesten Stand seit fast sieben Jahren, ein Rückgang von 47 Punkten gegenüber August. Die Schwäche war auch im Dienstleistungssektor zu beobachten, wo der Flash Eurozone Services PMI ein achtmonatiges Tief erreichte. Dies ist ein besorgniserregendes Anzeichen. Abschwünge werden häufig zuerst im Industriesektor entdeckt und dann an den Dienstleistungssektor weitergegeben, da die Industrie tendenziell schneller auf sich verändernde Nachfragebedingungen reagiert. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Schwäche auf die Inlandsnachfrage auswirkt, war ein weiterer Rückgang in der Beschäftigungskomponente des Composite PMI auf ein Niveau, das mit stagnierender Beschäftigung und einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit einhergeht.

Europas Nachzügler Deutschland

Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, war von dem durch die Handelskonflikte und den Abschwung in China am stärksten betroffen, da der Export 47 Prozent am BIP ausmacht. Dies wurde anhand des aktuellen Rückgangs beim Industrie-PMI von 43,1 auf 41,4 im September offensichtlich, dem schlechtesten Stand seit mehr als zehn Jahren. Deutschland hat einen großen Anteil an der Autoproduktion. Die Einführung neuer Emissionstests durch die EU trugen ebenfalls zum Verlust des Momentums in der Branche bei. Die Tatsache, dass Deutschland über eine Supply Chain verfügt, die den Kontinent umspannt und 29 Prozent des BIP der Eurozone ausmacht, lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass auch andere westeuropäische Volkswirtschaften die negativen Folgen einer Rezession in Deutschland zu spüren bekommen würden. Zu allem Übel hat die Welthandelsorganisation (WTO) die USA zur Erhebung von Zöllen auf europäische Luftfahrt- und Luxusgüter im Wert von fast 7,5 Mrd. US Dollar ermächtigt, da dem europäischen Flugzeughersteller Airbus SE illegale staatliche Zuschüsse bereitgestellt worden waren. Sollte die Trump-Regierung die Zölle einfordern, ist es wahrscheinlich, dass dies Vergeltungsmaßnahmen durch die EU nach sich ziehen und den Handelskonflikt zwischen den beiden Nationen weiter vertiefen würde. Am 20. September gab die Bundesregierung ein Klimapaket im Wert von 54 Mrd. Euro bekannt, das auf die Erreichung des Emissionsziels 2030 abzielen soll. Den Erwartungen nach soll dieses Paket aus vorhandenen Überschüssen im Energie- und Klimafonds finanziert werden, was einen geringfügigen finanziellen Impuls von netto weniger als 1,6 Prozent des BIP beinhaltet.

Geld- und Finanzpolitik müssen Hand in Hand gehen

Am 12. September legte die EZB ein umfangreiches Lockerungspaket mit folgendem Inhalt auf: Senkung des Einlagenzinssatzes um 10 Basispunkte, Neuauflage von Nettokäufen im Rahmen ihres Wertpapierkaufprogramms (Asset Purchase Programme; APP) mit monatlich 20 Mrd. Euro, großzügigere gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) und Einführung eines zweistufigen Einlagenzinssatzes zur Abmilderung der Kosten aus negativen Zinsen für Banken. Die Probleme in Europa lassen sich jedoch nicht allein durch Geldpolitik lösen. Das Hauptproblem in Europa ist nicht ein mangelnder Zugang zu Kapital für Unternehmen oder hohe Kapitalkosten, sondern eine mangelnde externe und interne Nachfrage. Aufgrund externer Erschütterungen wie Handelsstreitigkeiten, Brexit und Konjunkturschwäche in China sind die Nachfragebedingungen weiterhin schlecht. Deshalb muss in Europa bei der Finanzpolitik, die strenger ist als nötig, mehr getan werden, um die internen Nachfragebedingungen zu stärken. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi brachte diese Gedanken auch bei seiner letzten EZB-Pressekonferenz zum Ausdruck. Hierbei betonte er, dass die Finanzpolitik nun den Staffelstab von der geldpolitischen Lockerung übernehmen müsse, denn es sei unwahrscheinlich, dass die Wachstums- und Inflationsziele ohne die Rolle der Finanzpolitik erreicht werden könnten. Der aktuelle mehrjährige Finanzierungsrahmen deckt die Jahre 2014–2020 ab und umfasst 1.087 Mrd. Euro bzw. 1 Prozent des BIP der EU.

Die Vorbereitungen für den neuen Haushalt der Europäischen Union (EU) für 2021–2027 sind bereits in vollem Gange. Ein neuer mehrjähriger Finanzierungsrahmen für den Zeitraum 2021–2027 wurde von der Europäischen Kommission (EK) vorgeschlagen und zielt auf ein Budget von ungefähr 1,3 Trillionen Euro ab, das sich auf ein breites Spektrum unterschiedlicher politischer Prioritäten der Europäischen Union verteilt. Der neu vorgeschlagene mehrjährige Finanzierungsrahmen soll die soziale Dimension der Union stärken. Für nächstes Jahr wird die Europäische Kommission die Umsetzung der Programme fortsetzen, die im mehrjährigen Finanzierungsrahmen 2014–2020 genehmigt wurden, während sie die Annahme des vorgeschlagenen mehrjährigen Finanzierungsrahmens 2021–2027 voranbringt.

Bewertungen weiterhin zugunsten Europas

Europäische Bewertungen werden gegenüber denjenigen für die USA historisch gesehen mit einem Abschlag gehandelt. Laut des konjunkturbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (CAPE) werden europäische Aktien (CAPE von 18,35) im Vergleich zu US-Aktien (CAPE von 20,54) mit einem Abschlag von 10,6 Prozent gehandelt. Historisch gesehen haben europäische Unternehmen außerdem einen höheren Gewinnanteil an die Aktionäre in Form von Dividenden ausgeschüttet als in den USA. Höhere Dividendenrenditen in Europa von 3,71 Prozent, verglichen mit 1,9 Prozent bei US-Aktien, verbessern den Investment Case für europäische Aktien, vor allem in einer Zeit, in der globale Schuldverschreibungen im Wert von fast 14 Trillionen USD negativ verzinst werden.

Überhöhtes Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts

Der verhaltene Ausblick der Investoren hat zu einem überhöhten Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts geführt, nämlich bei Wachstums-, Large-Cap- und international exponierten Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Value- im Vergleich zu Wachstumsaktien ist so niedrig wie seit 2005 nicht mehr.

Obwohl europäische Small-Cap-Aktien eine Prämie von 6 Prozent auf die Dividendenrendite bieten, werden sie im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt gegenüber Large-Cap-Aktien auf KGVBasis mit einem Abschlag von 5 Prozent gehandelt. International exponierte europäische Aktien schneiden seit 2007 um 44 Prozent besser ab als ihre inländischen Pendants.


Soweit nichts anderes angegeben, stammen die Daten von Bloomberg.

10 Thesen für die Märkte 2020

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Hauptherausforderungen für das Anlagejahr 2020 sind der US-Wahlkampf, Brexit und Handelsstreit. Ist die Furcht geopolitische Eskalation übertrieben? Hier unsere 10 Thesen für die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2020:

1) Das reale globale Wirtschaftswachstum steigt mild an

Die Abschwächung des Wachstums dauert nun bereits zwei Jahre an.

Fünf Hauptgründe dafür sind:

  1. eine „Normalisierung“ nach den hohen Wachstumsraten im Jahr 2017
  2. die Leitzinsanhebungen in vielen Teilen der Welt bis Ende 2018 um die Inflation niedrig zu halten
  3. die Maßnahmen in China um das Kreditwachstum einzudämmen
  4. die angestiegene Unsicherheit, die durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China ausgelöst wurde
  5. die Probleme im Autosektor aufgrund einer Verschärfung von Emissionsgrenzen.

All diese negativen Impulse haben das Wachstum auf ein Niveau gedrückt, das unter dem Potential liegt. Mittlerweile hat auf breiter Front eine Entspannung eingesetzt, die eine Wachstumsbeschleunigung bewirken wird.

Die Zentralbanken haben das geldpolitische Umfeld gelockert, sprich: die Leitzinsen gesenkt, in China wurden das Budgetdefizit deutlich ausgeweitet und die Leitzinsen sowie die Mindestreservesätze für Banken gesenkt, im Handelskonflikt gibt es voraussichtlich einen Mini-Deal und auch der Autosektor erholt sich.

Das sorgt erstens für eine Stabilisierung der schwachen Sektoren (Industrieproduktion, Unternehmensinvestitionen) und zweitens für eine nur milde negative Überwälzung auf die gut laufenden Sektoren (Arbeitsmarkt, Servicesektor, Konsum). Einer der wichtigsten Indikatoren für die Einschätzung von Rezessionsrisiken ist die Arbeitslosenrate.

Sollte sie in großen Ländern anzusteigen beginnen, würden die Risiken für eine Rezession allerdings zunehmen.

2) Die Inflation bleibt auf globaler Ebene niedrig

Diese Aussage hat nur scheinbar eine geringe Bedeutung. Denn sollte die Konsumentenpreisinflation nachhaltig und markant ansteigen, kämen die Zentralbanken unter Druck, die Leitzinsen anzuheben. Das wäre ein klassischer Auslöser für eine Rezession und fallende Aktienpreise.

Mittlerweile sind die Arbeitslosenraten im OECD-Raum sehr niedrig. Die Lohnentwicklung weist bereits eine ansteigende Tendenz auf. Bis dato hat keine Überwälzung auf die Konsumentenpreise stattgefunden. Zumindest heuer wird das so bleiben, weil das Umfeld zwar auf eine milde Erholung aber auf keine Boomphase hindeutet.

3) Die Geldpolitiken bleiben unterstützend

Nach den breit basierten Leitzinssenkungen im vergangenen Jahr und der Ausweitung der Zentralbankliquidität in den USA und der Eurozone gehen die Zentralbanken in eine abwartende Haltung über.

Auch in den Schwellenländern endet der Zinsenkungszyklus im ersten Halbjahr. Wichtig für die Entwicklung der Wertpapiere ist, dass die Zentralbanken die Leitzinsen nicht anheben, obwohl das Wirtschaftswachstum leicht ansteigt und die Unsicherheit wegen des Mini-Deals zwischen den USA und China etwas abnimmt.

Es könnte sogar, sein, dass im Widerspruch zu Punkt zwei (Inflation) wichtige Zentralbanken die Leitzinsen nicht anheben, obwohl die Inflation ansteigt. Das wäre dann der Fall, wenn das Zentralbankziel für die Inflation auf einen langen, auf den aktuellen Zeitpunkt zentrierten Durchrechnungszeitraum umgestellt wird.

Dabei wird für die Erreichung des Inflationsziels nicht nur die erwartete, sondern auch die vergangene Inflation berücksichtigt. Weil die Inflation in den vergangenen Jahren unter dem Zentralbankziel lag, würde das für die kommenden Jahre Inflationsraten erfordern, die über dem Inflationsziel liegen.

4) Die politischen Bewegungen mit einer Anti-Haltung zu etablierten Strukturen und geopolitische Konflikte werden weiterhin für Unsicherheit sorgen

Der wahrscheinliche Mini-Deal zwischen den USA und China bedeutet, dass der Handelskonflikt nicht unmittelbar eskaliert. Insgesamt geht es jedoch um einen strategischen Konflikt, der für lange Zeit bestehen bleiben wird. Zudem gibt es Hinweise für eine Fortsetzung der Tendenz für eine De-Globalisierung.

So ist zum Beispiel die Welthandelsorganisation nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Im Austrittsprozess des Vereinigten Königreiches aus der EU geht es nach dem Brexit Anfang Februar um die Verhandlungen der zukünftigen Beziehungen. Dafür ist nicht viel Zeit. Denn die Verhandlungen sollten bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Nach der Übergangsperiode im heurigen Jahr droht damit ein ungeordneter Zustand für 2021. In den USA werden die Wahlen zur Präsidentschaft ein wichtiger Unsicherheitsherd sein.

In Italien könnte nach Neuwahlen die Partei von Salvini abermals in die Regierung kommen. In Deutschland könnten die Wahlen zum Bundestag im Jahr 2021 ihren Schatten vorauswerfen. Auch die andauernden Proteste in zahlreichen Städten auf dem Globus dürften weitergehen.

Denn ein wichtiger Grund dafür ist der langfristige Anstieg der Einkommens- und Vermögensungleichheit, der ein wichtiger politischer Katalysator geworden ist. Zu guter Letzt gibt es die jüngste Eskalation zwischen dem Iran und den USA auf ein latentes Kriegsrisiko hin.

5) Das um den Wirtschaftszyklus bereinigte Wirtschaftswachstum und das neutrale Zinsniveau bleiben niedrig

Das anhaltend niedrige Investitionswachstum ist einer der wichtigsten Gründe für das niedrige Produktivitätswachstum und das im Überfluss vorhandene Kapital. Darüber hinaus wächst die arbeitsfähige Bevölkerung (Alter zwischen 15 und 64 Jahren) im OECD-Raum nicht mehr.

Das bedeutet sowohl ein niedriges Potenzialwachstum des Bruttoinlandsproduktes als auch ein niedriges neutrales Zinsniveau (Niveau, das weder restriktiv noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt). Ein möglicher Ausweg wären massive Investitionen im privaten und öffentlichen Sektor zur Eindämmung des Klimawandels.

Im Unterschied zum gefallenden strukturellen Wachstum der entwickelten Volkwirtschaften verzeichnen die Schwellenländer gute Wachstumsraten. Aber auch hier zeichnet sich eine Verlangsamung ab.

Das chinesische Wirtschaftswachstum schwächt sich im Trend ab und Indien hat den Status als die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft im abgelaufenen Jahr verloren.

6) Die Budgetdefizite steigen an

Es gibt vier Argumente dafür, warum in den kommenden Jahren die Staatsdefizite ausgeweitet werden.

1) Die expansiven Geldpolitiken alleine werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um vom Risikoszenario einer säkularen Stagnation wegzukommen (anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen, niedriges Wachstum der Unternehmensgewinne).

2) Der ungebremste Aufstieg jener politischen Bewegungen, die gegen die etablierten Parteien sind, erhöht den Anreiz für Regierungen, die Budgetdefizite auszuweiten.

3) Zumindest solange die Realzinsen negativ sind, ist die Nachhaltigkeit der Schuldendynamik nicht in Gefahr.

4) Die Wichtigkeit von Maßnahmen zur Eindämmung von C02-Emissionen könnte selbst die konservativen Fiskalpolitiker überzeugen, die Budgetdefizite für Infrastrukturinvestitionen im Umweltbereich auszuweiten und mit Sozialmaßnehmen den Umstieg auf erneuerbare Energien zu erleichtern.

7) Der schnelle Anstieg der Verschuldungsquoten seit 2010 erhöht das Risiko von Finanzkrisen

In den entwickelten Volkswirtschaften stagniert die Gesamtverschuldung (staatliche und private Schulden) in Relation zum Bruttoinlandsprodukt seit 2010 bei rund 300%. In den Emerging Market Volkswirtschaften ist die Verschuldung rasant und markant angestiegen (um 54 Prozentpunkte auf 170 % vom BIP, beziehungsweise auf 55.000 Milliarden US-Dollar).

Insgesamt beträgt die globale Gesamtverschuldung 230% in Relation vom Bruttoinlandsprodukt. Der treibende Faktor dafür war die ansteigende Verschuldung im privaten Sektor in China. (Quelle: World Bank, Global Waves of Debt).

Auf die kurze Sicht hat die Verschuldung wenig Einfluss auf Marktbewegungen, erhöht aber die Verletzlichkeit im Krisenfall (Rezession, ansteigende Zinsen, fallender Risikoappetit), erhöht den Druck für Strukturreformen und verringert den Spielraum für Maßnahmen, die die Konjunktur unterstützten. Letzteres war 2019 in China der Fall.

8) ESG-Kriterien sind ein wesentlicher Bestandteil in der Entscheidungsfindung bei Finanzinvestitionen

Die Berücksichtigung von zusätzlichen Kriterien wie Umwelt (E – Environment), Soziales (S – Social) und Staats- und Unternehmensführung (G – Governance), also ESG, ist in der Mitte des Finanzmarktes angekommen.

Deren immer breitere Anwendung impliziert ceteris paribus eine bessere Ertragsentwicklung als von Nicht-ESG-konformen Investitionen.

9) Die erhöhten Bewertungen am Finanzmarkt implizieren eine unterdurchschnittliche Ertragsentwicklung

Der günstigste Zeitpunkt für eine Aktien-Investition ist am Höhepunkt einer Krise (Rezession). Dann sind die Kurse niedrig, das heißt, die geforderten Risikoprämien hoch.

Nach dem außerordentlich guten Jahr 2019 sind die Kurse von vielen Wertpapierklassen jedoch erhöht. Das impliziert eine bescheidene Ertragsentwicklung für die Zukunft.

10) Die risikobehafteten Wertpapierklassen weisen eine bessere Ertragsentwicklung auf als die kreditrisikolosen Anleihen

Das Umfeld favorisiert Aktien vor Staatsanleihen. Das Wirtschaftswachstum nimmt zu (mild), die global Unsicherheit nimmt ab (etwas), die Inflation bleibt niedrig (vorerst), die Geldpolitiken unterstützend (wichtig), ebenso wie die Fiskalpolitiken (wenig).

Das klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich sind die Bewertung bereits überdurchschnittlich und die Risiken für eine Rezession (ansteigende Arbeitslosenraten), eine Schuldenkrise (in den Emerging Market Volkswirtschaften) oder eine geopolitische Eskalation (USA-China, USA-Iran) erhöht.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Es geht leicht mit den Renditen

Zuletzt wurde hier die Frage aufgeworfen, ob das Glas halb voll oder halb leer sei. Mit den doch wieder optimistischeren Konjunkturerwartungen lautet die Antwort „mehr als halb voll“ – so sieht es auch der Chef der US-Notenbank. Die Rentenmärkte gingen zuletzt eher schwächer, die Renditen sind wieder etwas gestiegen, vor allem auch in der europäischen Peripherie. Aber auch in der Kernzone kommt die Null-Linie – von unten gesehen – wieder näher. Sehr lange Laufzeiten der deutschen Bundesanleihen werden wieder mit positiven Renditen gepreist. Ungebrochen stark ist die Entwicklung (aller) US-Anleihen, das ist jedoch zum Teil einem festen Dollar geschuldet. Bemerkenswert ist, dass etwa die US-High-Yield-Anleihen den Boom an den US-Aktienbörsen zuletzt nicht mehr begleiten konnten. Die Emerging Markets, Gewinner der letzten Monate, haben im Vormonat ebenfalls wieder etwas nachgegeben. Dennoch: 2019 ist ein überraschend gutes Jahr für Anleiheinvestoren.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Globale Konjunktur: Abnehmende Konjunktursorgen

Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, kündigte Ende November an, das Glas der US-Wirtschaft sei mehr als nur halb voll und der Leitzins auf genau dem richtigen Niveau. Am US-Geldmarkt wird seit wenigen Wochen ebenfalls keine unmittelbare Zinssenkung mehr eingepreist. Die Renditeanstiege seit Ende August sind folglich auf die abnehmenden Konjunktursorgen zurückzuführen, die sich auf ein – zumindest erhofftes – Ende des Handelskonflikts zwischen den USA und China stützen.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigen eine Fortsetzung der Stabilisierungstendenzen im Hinblick auf die globale Konjunktur. Bei manchen Frühindikatoren, die über Monate hinweg eine scheinbar ungebremste Abwärtstendenz aufwiesen, gab es zuletzt den ein oder anderen Anstieg. So erhöhten sich in einigen Ländern und Regionen die Managerumfragen aus der Industrie, wenngleich sich die absoluten Werte immer noch unter dem Expansionsniveau befinden. Auch die Überraschungsindizes (Economic Surprise Indices) geben wieder Hoffnung.

Geld-/Kapitalmarkt: Neuer Wind in der europäischen Geldpolitik?

In Europa steht die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) in vielerlei Hinsicht im Fokus, will sie doch Anfang 2020 ihre geldpolitische Strategie überprüfen. Die neu amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in ihrer ersten Rede am 14. November bereits die Wichtigkeit des Themas der Nachhaltigkeit hervorgehoben. Unter Umständen gibt es bei der nächsten EZB-Sitzung mehr Informationen, eine Zinsänderung steht im Dezember nicht an. Wie bereits Draghi wird Lagarde vermutlich die Wichtigkeit staatlicher Investitionen hervorheben und fiskalischen Stimulus einfordern.

Euro-Staatsanleihen konnten von dem nun wieder gestarteten Anleihekaufprogramm der EZB bislang kaum profitieren und Anleihen der europäischen Peripherie mussten zwischenzeitlich moderate Renditeausweitungen hinnehmen. Seit Beginn des Kaufprogramms hat die Notenbank pro Woche Anleihen im Volumen von 4,4 bis 9 Milliarden Euro erworben. Rund zwei Drittel davon entfallen auf Staatsanleihen. Wir hatten europäische Staatsanleihen taktisch untergewichtet und behalten diese Untergewichtung weiterhin bei.

Staats- und Unternehmensanleihen: Bodenbildung bei Renditen

Wir sind bezüglich des Ausblicks in den USA vorsichtiger als zahlreiche Kommentatoren und halten negative Überraschungen für möglich. Vor allem Vorlaufindikatoren, die auf Umfragen basieren, deuten auf ein unter Potenzial liegendes Wirtschaftswachstum hin. Wir bauen unsere bislang schon starken Untergewichtungen von Euro-Staatsanleihen weiter aus und erhöhen das starke Übergewicht globaler Staatsanleihen.

Mit einem Brutto-Emissionsvolumen von bislang 330 Milliarden Euro werden wir das emissionsstärkste Jahr der Geschichte des Euro Corporate Bond Marktes (Investment Grade) hinter uns bringen, bisheriger Rekord war 2017 mit 269 Milliarden. Unterstützung liefert mittlerweile auch wieder die EZB, die zuletzt pro Woche knapp eine Milliarde Euro in Euro-Unternehmensanleihen gesteckt hat.

Emerging Markets: Spreadanstiege bei Hartwährungsanleihen

Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht. Im Euro-High-Yield-Segment erwarten wir in den kommenden Monaten ein Ansteigen der Ausfallsrate und ein dadurch bedingtes negativeres Sentiment.

Die Spreadanstiege bei Hartwährungsanleihen waren im November im Wesentlichen „nur" auf eine Schwäche bei problembehafteten argentinischen und ecuadorianischen Anleihen zurückzuführen. Der Rest des Marktes entwickelte sich vergleichsweise gut. Unabhängig von länderspezifischen Themen hat sich unserer Meinung nach die allgemeine Datenlage zuletzt stabilisiert und die Einkaufsmanager-Indizes zeigen keinen weiteren Verfall an.

Wir belassen Hartwährungsanleihen gegenüber globalen und europäischen Staatsanleihen übergewichtet.

Eine Klasse für sich: Anleihenmärkte in asiatischen Schwellenländern

Warum sich Anleger, die eine stabile und attraktive Renditequelle in einem diversifizierten Anleihenportfolio suchen, in asiatischen Schwellenländern umschauen sollten, erklärt Raymond Sagayam, Chief Investment Officer für Fixed Income bei Pictet Asset Management.

Asiatische Anleihen

Nutze jede gute Krise.

Wenn es eine Region auf der Welt gibt, die diesem Ratschlag gefolgt ist, dann ist es Asien.

Zwei Jahrzehnte nach dem Währungscrash in der Region florieren die asiatischen Volkswirtschaften und profitieren von den institutionellen, regulatorischen und Kapitalmarktreformen, die deren internationale Wettbewerbsfähigkeit beflügelt haben.

Die asiatischen Schwellenländer sind mittlerweile die am schnellsten wachsende Region der Welt, mit einem Wirtschaftswachstum von etwas mehr als 6% pro Jahr1. Dank dieser starken Fundamentaldaten gewinnen die asiatischen Anleihenmärkte immer mehr an Tiefe und Vielfalt und werden zum Magnet für eine wachsende Zahl in- und ausländischer Anleger.

Die Anleihen aus dieser Region überzeugen durch attraktive Renditen und niedrige Volatilität und bieten sich als strategisches Engagement für Anleger an, die ordentliche Erträge und Diversifizierung anstreben.

Überblick: Asien hat viel zu bieten

Anleger können aus vier Unteranlageklassen im Universum asiatischer Anleihen wählen: Staatsanleihen, die auf Lokalwährung oder US-Dollar lauten, Unternehmensanleihen und chinesische Onshore-Anleihen, die auf Renminbi (RMB) lauten (siehe Abbildung).

Asiatische Anleihen im Überblick


* Verfallsrendite ** S&P-Ratings 

Quelle: JP Morgan, ChinaBond. Rendite, Duration und durchschnittliches Rating von chinesischen Anleihen in Lokalwährung sind durch Durchschnittswerte für das Pictet-Chinese Local Currency Debt-Portfolio dargestellt. Daten vom 30.06.2018.

  • Asiatische Staatsanleihen in Lokalwährung: Diese Instrumente sind anfälliger für Veränderungen der gesamtwirtschaftlichen Bedingungen im Land. Dieser Markt eignet sich für Anleger, die am langfristigen Wachstum asiatischer Volkswirtschaften sowie am langfristigen Aufwertungspotenzial asiatischer Währungen partizipieren möchten. Es ist auch möglich, dass sich Staatsanleihen in Lokalwährung mit der Zeit zu einer defensiven Anlageklasse entwickeln, wie bei US-Staatsanleihen oder japanischen Staatsanleihen geschehen.
  • Asiatische USD-Staatsanleihen: Dieses auf US-Dollar lautende Universum bietet Anlegern die Möglichkeit, von den starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Asien zu profitieren, ohne einem Währungsrisiko ausgesetzt zu sein. Anleger, die in diese Art von Anleihen investieren, dürften von der wahrscheinlichen Verbesserung des Bonitätsprofils der Emittenten profitieren, was langfristig die Hauptquelle für Kapitalwachstum sein wird.
  • Asiatische USD-Unternehmensanleihen: Diese Anlageklasse setzt sich aus Instrumenten mit hohem Rating zusammen; fast 70% der Emittenten sind mit BBB und höher bewertet. Beim breiteren Markt für Schwellenländeranleihen sind es nur 54%. Die meisten Emittenten sind dank grosser Liquiditätspolster und niedriger Verschuldung im Vergleich zu anderen Regionen wesentlich besser aufgestellt, ihren Schuldendienst zu leisten und ihre Schulden zurückzuzahlen. Der Verschuldungsgrad (gemessen am Verhältnis Nettoverschuldung-EBITDA) asiatischer Unternehmen liegt bei rund 1,7 – in den Schwellenländern dagegen bei 2,1 und in den USA bei 2,8. Hinzu kommt, dass sich asiatische Unternehmensanleihen zu einer immer ergiebigeren Quelle von Investmentgelegenheiten entwickeln, weil lokale Unternehmen statt auf kurzfristige Bankkredite verstärkt Möglichkeiten der längerfristigen Fremdfinanzierung nutzen.
  • Chinesische Onshore-Anleihen: Auf RMB lautende Anleihen sind bereits der drittgrösste Anleihenmarkt der Welt – der immer weiter wächst. Grund hierfür sind die attraktiven Renditen und das Engagement in einer Währung mit starkem Aufwertungspotenzial. Bisher waren chinesische Onshore-Anleihen von den grossen Schwellenländer- und globalen Anleihenindizes ausgeschlossen, aber das dürfte sich bald ändern. Die Massnahmen Pekings zur Liberalisierung des Kapitalmarkts dürften die Aufnahme in die wichtigen weltweiten Anleihenindizes erleichtern – dadurch könnten 286 Mrd. USD in die Anlageklasse fliessen. Wir gehen ausserdem davon aus, dass sich der RMB in den kommenden Jahren zu einer bedeutenden internationalen Währung entwickeln wird. Damit dürfte die Nachfrage nach chinesischen Anlagen im Ausland rasant wachsen und der Wert der Währung langfristig Auftrieb erhalten.

Alle vier Instrumente erzielen in der Regel höhere volatilitätsbereinigte Renditen als viele ihrer Pendants in Schwellen- und Industrieländern (siehe Abbildung).

Lohnendes Risiko-Rendite-Profil 


Alle Indizes auf Basis der Gesamtrendite und in US-Dollar. Quelle: ChinaBond, JP Morgan, Bloomberg. Basierend auf monatlichen Daten vom 30.09.2015–30.06.2018.

Regionale Bindung der asiatischen Anleger ist Stabilitätsanker

Asiatische Anleihen haben bewiesen, dass sie Marktstürme besser abwettern können als Schwellenländeranleihen. Chinesische, auf RMB lautende Anleihen zum Beispiel haben sich bei allen grossen Verkaufswellen in Schwellenländern in den letzten 10 Jahren überdurchschnittlich entwickelt (siehe Abbildung).

Asien kann sich behaupten

Anlagerendite bei grossen Verkaufswellen

Es wurden folgende Zeiträume zugrunde gelegt: Weltweite Finanzkrise (01.08.2008–31.10.2008) EU-Staatsschuldenkrise (15.08.2011–30.11.2011) Drosselungsangst (08.05.2013–31.12.2013) Türkei-Argentinien-Krise (31.07.2018–31.08.2018). Alle Indizes auf Basis der Gesamtrendite und in US-Dollar. Quelle: JP Morgan, ChinaBond, Bloomberg 

Asiatische Anleihen entwickeln sich zudem recht selten im Gleichschritt mit Mainstream-Anlageklassen wie Industrieländeranleihen und -aktien sowie Rohstoffen (siehe Abbildung). 

Es lebe die Unabhängigkeit

Korrelation mit anderen Anlageklassen

* Beides gemischte Benchmarks. 1 = perfekte positive Korrelation, -1 = perfekte negative Korrelation. Quelle: JP Morgan, ChinaBond, Bloomberg, HSBC. Basierend auf monatlichen Daten vom 31.10.2008–30.06.2018. 

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der asiatische Anleihenmarkt ist zum Beispiel nicht besonders anfällig für Veränderungen beim Rohstoffpreis, der mitunter extrem schwanken kann.

Das gilt insbesondere für asiatische Unternehmensanleihen, die nicht so stark in Öl, Gas, Metall und Bergbau investiert sind wie die Anleihenmärkte anderer Regionen2.

Asien setzt auf lokal

Was besonders ins Gewicht fällt: Der asiatische Anleihenmarkt hat eine grosse und stabile inländische Anlegerbasis. Bei dieser Gruppe vorwiegend institutioneller Anleger ist in der Regel der Anlagehorizont länger und die Toleranz gegenüber Währungsschwankungen grösser. Das trägt dazu bei, dass sich die Gesamtvolatilität der Anlageklasse verringert.

In China machen ausländische Anleger nur 2% des auf RMB denominierten Anleihenmarkts aus. Hinzu kommt, dass auf dem asiatischen Kreditmarkt mehr als 70% der Neuemissionen von Anlegern aus der Region gehalten werden (siehe Abbildung).

Lokales Interesse

Verteilung der Neuemissionen asiatischer Unternehmensanleihen, nach Regionen

Quelle: BondRader, JP Morgan, Daten vom 31.08.2018

Zahlen der Asiatischen Entwicklungsbank belegen, dass asiatische Anleger im Durchschnitt mehr als 80% ihrer Portfolios entweder an ihren Heimat- oder regionalen Anleihenmarkt halten3.

Weitere Daten zeigen, dass sich intraregionale Anlagen in Anleihen in den 15 Jahren bis 2016 fast verneunfacht haben4.

Diese regionale Orientierung, auch gerne als „Asian bid“ bezeichnet, dürfte sich weiter verstärken, da Zentralbanken in Asien – wo sich die grössten Devisenreservenbestände der Welt befinden – versuchen, mehrere Billionen Dollar an angespartem Kapital wieder direkt in die Region zurückzuführen.

Die asiatischen Währungshüter haben ein grosses Interesse daran, dass sich die Anleihenmärkte der Region weiterentwickeln, damit die zu starke Abhängigkeit von kurzfristigen Bankkrediten abnimmt und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems durch Projekte wie die „Asiatische Anleihenmarkt-Initiative“ gestärkt wird5.

Der asiatische Anleihenmarkt dürfte sich also zu einer liquiden Mainstream-Anlageklasse entwickeln, die internationale Anleger nutzen können, um ihre bestehenden Schwellenländer- oder globalen Anleihenportfolios zu diversifizieren.


1) Nach Prognosen des IWF werden asiatische Volkswirtschaften 2018 und 2019 mit einer Rate von mindestens 6,5% wachsen.
2) Quelle: JP Morgan, JPM CE MBI Broad Index, Daten vom 31.07.2018
3) Bezug auf acht asiatische Märkte (Hongkong, Indonesien, Korea, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand). Ohne Indien, wo die Allokation in Heimatmärkte bei fast 100% liegt. Quelle: Asiatische Entwicklungsbank, Stand 30.04.2012.
4) Quelle: IWF/Institute for International Monetary Affairs, Daten vom 03.02.2018
5) Die „Asiatische Anleihenmarkt-Initiative“ ist ein Projekt, das im Dezember 2002 von der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) und der Volksrepublik China, Japan und der Republik Korea (zusammen ASEAN+3) ins Leben gerufen wurde, um die Finanzstabilität zu erhöhen und die Anfälligkeit der Region gegenüber einer plötzlichen Umkehr der Kapitalflüsse zu mindern.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie mehr zu den robusten Fundamentaldaten der Region und warum der asiatische Anleihenmarkt auf lange Sicht mit noch grösseren Zuflüssen rechnen kann.


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Über den Autor

Raymond Sagayam kam 2010 zu Pictet Asset Management und ist Chief Investment Officer für Fixed Income.
Bevor er zu Pictet kam, war Raymond Sagayam Geschäftsführer bei Swiss Re Asset Management, wo er sich als Leiter für Dollar- und Euro-Anlagen um Kredit Relative-Value-Strategien kümmerte. Davor arbeitete er für Bank Brussels Lambert (ING) im Handel mit US-Unternehmensanleihen. Er hat mit Unternehmensanleihen aus allen wichtigen Regionen gehandelt und begann seine berufliche Laufbahn 1997 bei ING Barings im Bereich Schwellenländer.
Raymond Sagayam hat einen BSc in Wirtschaft der London School of Economics & Political Science (LSE) und einen Master („Contemporary Theology in the Catholic Tradition“) des Heythrop College der University of London. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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"Vier Szenarien, die für Überraschungen am Horizont sorgen könnten"

von Jesper Koll, Senior Advisor to WisdomTree.

2020 wird ein herausragendes Jahr für Japan werden. Mein Hauptszenario hierfür ist simpel: Japans Exporte werden durch die wieder anziehende chinesische Nachfrage angekurbelt; und die Binnennachfrage überrascht durch starke Unternehmensinvestitionen, fiskalische Unterstützung und eine stetig wachsende Kaufkraft der japanischen Arbeitnehmer. Allerdings wird es darüber hinaus Überraschungen geben, die weder von den quantitativen Modellen der Experten noch von der aktuellen „Konsensweisheit“ der Massen erfasst werden. Hier sind also die Ausreißerszenarien, die mich nachts wach halten. So unwahrscheinlich sie auch erscheinen mögen, jede Bewegung in ihre ferne Richtung wird eine Kursänderung im aktuellen Konsens erzwingen.

1) Japan senkt die Körperschaftssteuer für Firmen, die in Japan ein Asien-Hauptquartier einrichten

Japan ist die unumstrittene Bastion der Stabilität in Asien und könnte leicht zum Standort asiatischer Headquarters sowohl etablierter multinationaler Unternehmen als auch unternehmerischer Neugründungen werden. Um jedoch die "natürlichen Vorteile" Japans wie stabile Politik, wirtschaftsfreundliche Rechtsstaatlichkeit, beste Infrastruktur, hohe Lebensqualität und einen hervorragenden Zugang zu ganz Asien wirklich nutzen zu können, muss ein Hindernis beseitigt werden, nämlich der sehr hohe Unternehmenssteuersatz. Mit grundsätzlich 30 Prozent müssen Unternehmen eine zwei- oder sogar dreimal so hohe Steuerlast tragen wie in Hongkong, Singapur oder anderen asiatischen Hauptstädten. Angesichts steigender politischer Risiken an anderer Stelle braucht Japan nur einen kleinen Schubs. Würde die Körperschaftssteuer für jedes Unternehmen, das seinen Asien-Hauptsitz in Japan errichtet, auf 20-25 Prozent gesenkt, würden viele CEOs ernsthaft in Erwägung ziehen, ihre Asien-Führungsteams zurück nach Tokio zu verlegen. Natürlich werden die japanischen Steuerbehörden gegen diese Idee sein; aber die Führer der jüngeren Generation der Liberaldemokratischen Partei erkennen voll und ganz an, dass 20 Prozent von Etwas besser sind als 30 Prozent von Nichts. Es könnte ein Investitionsboom aus dem Ausland folgen, der nicht nur hochwertige, hochbezahlte Arbeitsplätze für junge und alte Japaner schafft, sondern natürlich auch die Vielfalt und das globale Bewusstsein der lokalen Teams beschleunigt.

2) Der jährlichen Tarifverhandlungen, der "Shunto", bringen 2020 Lohnerhöhungen von vier Prozent, doppelt so viel wie im letzten Jahr

Für eine echte Abkopplung der japanischen Wirtschaft vom Auf und Ab des globalen Konjunkturzyklus braucht die Binnennachfrage und besonders der Konsum einen stärkeren Motor. Nach Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung und des gewerkschaftlichen Lobbying mit dem Ziel langfristiger Arbeitsplatzstabilität statt kurzfristiger Lohnzuwächse ist der Arbeitsmarkt angespannt. Der "Kampf um Talente" sollte mit höheren Löhnen beginnen. Je höher der "Shunto", desto größer sind die Chancen auf positive Wachstumsüberraschungen im Jahr 2020. Gleichzeitig sollten mehr Unternehmen dem Beispiel von Toyota folgen und eine leistungsbezogene Vergütung einführen. In Japan wächst die Dynamik für beide Seiten. Man sollte sich nicht täuschen lassen, denn eine Erhöhung der Basisvergütung plus Leistungszulage ist gleichbedeutend mit einem Konsumboom.

3) Premierminister Abe geht nach Pjöngjang und leitet eine von Japan geführte Modernisierung der Infrastruktur für Nordkorea im Wert von 1 Billion Dollar ein

Für Sicherheits- und Verteidigungsexperten bleibt Nordkorea ein Sumpf, für einen Wirtschaftsexperten sind Nordkorea und Japan dagegen eine geradezu himmlische Verbindung, denn ein reichhaltiges Angebot an natürlichen Ressourcen und Arbeitskräften trifft auf weltweit führende Technologie und Kapital. PM Abe ist ein effektiver Förderer von Infrastrukturprojekten unter japanischer Führung. Eine konstruktive Beteiligung Nordkoreas an der Wirtschaftsdiplomatie würde nicht nur Japans Fortune fördern, sondern könnte ein Vermächtnis schaffen, das den Friedensnobelpreis für Abe Shinzo verdient. Unwahrscheinlich, werden viele sagen, aber so sieht eine friedliche Lösung ohne ein verstärktes wirtschaftliches Engagement aus. Früher oder später wird dies wahrscheinlich passieren.

4) Die US-Notenbank importiert das Geschäftsmodell der Bank of Japan (BoJ) und legt die 10-jährige US-Anleiherendite auf 2,5 Prozent fest

Wenn Trump seinen Wunsch erfüllt und die US-Wirtschaft vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020 auf 3,5-4 Prozent beschleunigt, sind die US-Anleiherenditen im Begriff zu steigen, möglicherweise sogar bis zu fünf Prozent oder mehr für die 10-jährige Anleihe. Immerhin impliziert ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent ein nominales Wachstum von etwa 5-5,5 Prozent, und historisch gesehen lagen die Anleiherenditen selten unter einem nachhaltigen nominalen BIP-Wachstum. Entscheidend ist, dass steigende Renditen den Abwärtsdruck auf US-Risikoassets im allgemeinen - US-Aktien, Immobilien und Kredite - verstärken werden. Um dem zuvorzukommen, könnte der amtierende Präsident schwerlich zögern, die Fed dazu zu zwingen, das Geschäftsmodell der Bank of Japan zu importieren und die US-Long-Anleihe auf einem akzeptablen Niveau von circa 2,5 Prozent zu fixieren und die Wirtschaft im Wahlzyklus damit in den Overdrive-Modus zu schicken.

5) Die Bank von Japan bietet einen "People-Swap" an, bei dem sie den Aktienbestand des Exchange Traded Fund (ETF) an japanische Sparer verkauft.

Die BoJ besitzt fast acht Prozent des japanischen Aktienmarktes, einen Großteil davon durch ihr ETF-Kaufprogramm. Obwohl als Notmaßnahme zur Überwindung der Deflation gerechtfertigt, ist die De-facto-Verstaatlichung des Eigenkapitals durch die Zentralbank aus vielen Gründen kontraproduktiv geworden. Der wichtigste Grund ist der, dass ein reibungsloser Ausstieg kaum vorstellbar und möglicherweise die Angst vor einem Marktcrash groß ist, wenn die BoJ anfängt zu verkaufen. Wer also könnte den BoJ-Aktienüberhang kaufen und damit einen wahrscheinlichen Absturz verhindern? Es gibt nur eine Antwort: Der japanische Sparer, vor allem die ältere Generation (die über 65-Jährigen besitzen mehr als 70 Prozent des japanischen Nettofinanzvermögens). Um einen älteren Sparer dazu zu bringen, seine Bankeinlagen in ETFs zu tauschen, braucht es allerdings echte Anreize, wie beispielsweise Erbschaftssteuervorteile. Wenn die BoJ und das Finanzministerium zusammenarbeiten und ein System entwickeln können, bei dem Privatpersonen ETFs direkt von der BoJ kaufen und diese ETFs von der Erbschaftssteuer befreit werden, könnte die Zentralbank ihre Bilanz innerhalb kurzer Zeit bereinigen. Das Nettoergebnis wäre eine Reprivatisierung japanischer Aktien, ein gesünderes Eigentümerprofil der Unternehmen sowie ein besseres Risiko-Ertrags-Profil für die Bilanzen der privaten Haushalte.


* "Shunto" ist das japanische Wort für die jährlich stattfindende Frühjahrsrunde der Lohnverhandlungen zwischen Großunternehmen und Gewerkschaften.

Was bringt 2020?

Mit Kursanstiegen bei globalen Aktien von über 22 % wird es das Jahr 2019 in die Top Ten der letzten fünfzig Jahre schaffen. Wenn Aktienfonds stark angestiegen sind, reagieren viele Anleger aber nicht mit Zuversicht und neuen Einmalerlägen, sondern mit Zurückhaltung. „Haben die Märkte denn noch Potenzial?“, „Steigt man jetzt nicht zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ein?“, „Muss jetzt nicht irgendwann der große Abschwung kommen?“... Diese und ähnliche Fragen beschäftigen den besorgten Fondskunden.

Historisch gesehen sind solche Befürchtungen allerdings unbegründet. Nach besonders guten Jahren folgten in drei Viertel der Fälle weitere gute Jahre. Nur einmal in den letzten 50 Jahren folgte auf ein besonders gutes Aktienjahr ein großer Absturz, nämlich im Jahr 2000. Historische Vergleiche sprechen also für ein positives Aktienjahr 2020, und die Analyse der Einflussfaktoren kommt zum gleichen Ergebnis. Hier ist zunächst die Politik zu nennen. Der Brexit war bereits zuletzt nicht mehr marktbewegend und wird es auch 2020 nicht sein. Viel wichtiger ist der Blick in die USA, wo im November die Präsidentschaftswahl stattfinden wird. Um seine Chancen zu erhöhen, wird der amtierende Präsident alles für eine starke Wirtschaft und einen steigenden Aktienmarkt tun. Vor allem wird er den Handelskrieg nicht weiter eskalieren lassen. Im Gegenteil, es sind in den nächsten Monaten diesbezüglich konziliante Töne zu erwarten, wie etwa die Verschiebung geplanter Zölle, was sich positiv auf das Geschäftsvertrauen auswirken wird. Rezessionsängste werden dadurch weiter sinken.

Die Inflation und die Zinsen werden unterdessen niedrig bleiben und die Unternehmen weiterhin gut verdienen. Somit ist das Umfeld für Aktien gut, was durch die angespannte Bewertungssituation bei manchen Alternativveranlagungen noch verstärkt wird. Eingeleitet wird das Jahr allerdings von einer spürbaren Korrektur, welche gute Kaufgelegenheiten eröffnen wird.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Geht da noch was?

Gleich vorweg, 2019 sollte generell ein exzellentes Aktienjahr werden. Im letzten Monat haben vor allem zwei Märkte wieder angezogen, die USA und China. Das reflektiert Optimismus in Sachen Handelsstreit und folglich auch in der erwarteten Konjunkturentwicklung. Das führte auch zu neuen Höchstständen im globalen Aktienindex. Auch der etwas schwächere Euro trägt dazu bei, doch auch in Lokalwährung hat der US-Markt wieder All-Time-Highs erreicht und der EMU-Index Euro Stoxx 50 nähert sich wieder dem Hoch von 2015. Zum Gipfel vom März 2000 ist es allerdings noch ein längerer Anstieg.

Zu den Emerging Markets: Mit China fasst auch Emerging Asia wieder Tritt, Lateinamerika fällt hingegen wieder ab, die politischen Krisen färben sich natürlich auf das Investitionsverhalten ab. So gesehen wird auch 2019 kein Jahr der Emerging Markets sein, ausgenommen Russland und damit Osteuropa. Dennoch kann sich ein globaler Indexanstieg von rund 15 % sehen lassen!

Aktien USA und Europa: Uneinheitliches Bild im Leitmarkt USA

Die Märkte, allen voran die USA, konnten in den letzten Wochen deutlich zulegen. Hoffnung auf eine Entspannung beim Thema Handelskonflikt in Kombination mit vereinzelten, vorsichtig optimistischeren Konjunkturdaten sorgten für die nötige Unterstützung. Dem steht jedoch weiter ein eher negatives Bild bei den Gewinndaten gegenüber. Die Wachstumsraten für das Jahr 2019 sind mittlerweile nur mehr leicht positiv – zum Teil sogar negativ – und die Gewinnrevisionen sind unverändert negativ.

Während sich das Umsatzwachstum der Unternehmen aus dem S&P 500 Aktienindex im Verlauf von 2019 relativ stetig bei plus 3 % hielt, lastet auf dem Gewinnwachstum der Basiseffekt aus 2018, da sind die Unternehmensgewinne dank der US-Steuerreform markant angestiegen. Allerdings konnten etwa drei Viertel aller S&P 500-Unternehmen mit ihren Ergebnissen in den letzten Quartalsberichten gegenüber den Analystenschätzungen deutlich positiv überraschen.

Aufgrund des in Summe uneinheitlichen Bildes nehmen wir aktuell keine aktive Positionierung ein.

Emerging Markets: Vorerst weiter warten

Mittlerweile ist bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-Aktien ein Aufwärtstrend zu erkennen, der vor allem vom asiatischen Raum getragen wird. Damit scheint der Gewinnrückgang seit Anfang 2018 beendet zu sein. Dennoch haben sich Schwellenländeraktien im Vergleich zum entwickelten Aktienraum weiter verschlechtert. Einmal mehr gilt: „the trend is your friend“. Und der geht eindeutig neuerlich Richtung US-Aktien. Damit heißt es vorerst weiter warten.

Globales Makroumfeld 2020: Waffenruhe oder Weltuntergang im Handelskonflikt

Chris Gannatti, Head of Research bei WisdomTree, mit einem "Ausblick auf das globale Makroumfeld" als erste Folge einer Prognosereihe zu unterschiedlichen Assetklassen.

Waffenruhe oder Weltuntergang im Handelskonflikt?

Unser Wirtschaftsausblick für 2020 und darüber hinaus hängt davon ab, ob die USA und China ein Handelsabkommen schließen werden oder nicht. Sollte kein Abkommen erzielt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht, deren Anfänge sich bereits abzeichnen. Wir berücksichtigen dabei jedoch, dass in den USA 2020 Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. Obwohl US-Präsident Donald Trump versucht, seine früheren Wahlversprechen wie u. a. die Senkung des Handelsdefizits umzusetzen, wird er es vermeiden, zu einem so entscheidenden Moment eine wirtschaftliche Rezession herbeizuführen. Voraussichtlich wird er versuchen, ein Abkommen zu schließen, jedoch nicht zu einem allzu frühen Zeitpunkt. Rückt dieser näher an die Wahlen, werden die Wähler ihn als denjenigen in Erinnerung behalten, der die US-Wirtschaft aus der Misere gezogen hat. Diese Strategie beinhaltet aber ein hohes Risiko, denn China verliert langsam die Geduld. So weigert sich das Land beispielsweise anzuerkennen, dass man bei den Verhandlungen die von Trump sogenannte „Phase Eins“ eines Abkommens erreicht habe. Die negativen Konsequenzen einer solch hoch riskanten Vorgehensweise könnten für die Weltwirtschaft katastrophal sein. In einem solchen Fall schließen wir eine weiche Landung aus.

Industrieproduktion, nicht Dienstleistungsbranche, Triebfeder des Abschwungs

Die globale Wirtschaft verlangsamte im vergangenen Jahr, was auf den abnehmenden Handel zurückzuführen ist.  Die Industrieproduktion – der wegen des Rückgangs beim Warenhandel am stärksten betroffene Sektor – ist rückläufig. Die Dienstleistungen in den hoch entwickelten Volkswirtschaften florieren aber weiterhin . Da die meisten hoch entwickelten Volkswirtschaften dienstleistungsorientiert sind, hat sich die sinkende Industrieproduktion noch nicht auf die Arbeitsmärkte ausgewirkt. Aufgrund des anhaltenden Handelskonflikts könnte es jedoch zu Zweitrundeneffekten kommen, die zweifellos auch den Dienstleistungsbereich betreffen werden. 

Der geldpolitische Spielraum ist eingeschränkt...

Die Entscheidungsträger haben bereits Maßnahmen ergriffen, um eine wirtschaftliche Rezession abzuwenden. In den Industrieländern wurde der Großteil dieser Maßnahmen bisher durch Währungsinstitutionen übernommen. Die Federal Reserve (Fed) in den USA begann die Zinsen zu senken, und falls sich die Handelsstreitigkeiten fortsetzen, könnte dies auch so weitergehen. In Japan und großen Teilen Europas befinden sich die Zinsen bereits im negativen Bereich, weshalb man sich dort auf die quantitative Lockerung, das sogenannte „Quantitative Easing“ (QE), und, was wahrscheinlicher ist, auf andere kreative Instrumente verlassen muss, um geldpolitische Impulse zu geben. Die quantitative Lockerung hat das negative Image, für eine Vermögenspreisinflation nicht aber für Preissteigerungen bei Gütern bzw. Dienstleistungen zu sorgen und dementsprechend die Investoren und nicht die Privathaushalte zu begünstigen. Die Chinesische Zentralbank (People’s Bank of China) hat ihre Geldpolitik gleichfalls hinsichtlich Zinsen und Mindestreserveanforderungen gelockert.

 ...könnte die Finanzpolitik zur neuen Geldpolitik werden?

Christine Lagarde, die politisch versierte frühere Leiterin des Internationalen Währungsfonds und frühere französische Finanzministerin, trat vor Kurzem ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank an. Gleichzeitig wurde Ursula von der Leyen, dienstältestes Mitglied in Angela Merkels Kabinett, Präsidentin der Europäischen Kommission. Diese neue personelle Kombination wird in den europäischen Institutionen für frischen Wind und kreative Ansätze sorgen. Da die Europäische Zentralbank (EZB) bereits erklärt hat, dass ihr geldpolitischer Handlungsspielraum eingeschränkt ist und sie sich bei finanzpolitischen Institutionen auf die Erfüllung ihrer Aufgaben verlassen muss, ist es durchaus möglich, dass wir uns auf eine Form der sogenannten „Modern Monetary Theory“ zubewegen. Da sie aufgrund seines hohen Exportanteils unter akutem Handlungsdruck steht, könnte sogar die finanzpolitisch konservative Hochburg Deutschland eine andere Tonart anschlagen. Einige Investoren befürchten, dass dies in den kommenden Jahren zu einer hohen Inflation führen könnte und flüchten sich in altbewährte, sichere Anlagen wie Gold. 

Anteil von Schuldverschreibungen mit negativen Renditen steigt aufgrund sinkender Leitzinsen

Immer mehr globale Anleihen werfen negative Renditen ab. Ja, die Investoren bezahlen die Emittenten sogar dafür, dass sie bei ihnen Geld aufnehmen. Noch 2014 war ein solches Phänomen vollkommen unbekannt, doch bereits im vergangenen Jahr 2019 belaufen sich solche Schuldverschreibungen auf fast 14 Trillionen USD. 

Die Nachfrage nach sicheren Anlagen ist so hoch, dass Investoren negative Endfälligkeitsrenditen in Kauf nehmen. In einem solchen Umfeld werden auch andere sichere Anlagen wie das früher für seinen Mangel an Rendite kritisierte Gold zunehmend interessant.

China fungiert nicht mehr als Stoßdämpfer

Sollten wir uns tatsächlich auf eine weitere Rezession zubewegen - werden dann alle geld- und finanzpolitischen Institutionen in die Vollen gehen? So lockerte China nach der Finanzkrise von 2008 die Geldpolitik und steckte viel Geld in Infrastrukturprojekte. Dies wird am prozentualen Anteil der Bruttoanlageninvestitionen Chinas am BIP deutlich, der 2009 deutlich zunahm, während er in anderen Industrienationen rückläufig war. Das Land erweiterte sein Urbanisierungsprogramm und baute dabei viele neue Straßen und Städte. Davon profitierten sowohl die globalen Rohstoffmärkte als auch die Weltwirtschaft.

Wir bezweifeln, dass sich dies wiederholt, denn China ist diesmal zu hoch verschuldet. Die Reaktion Chinas auf die Konjunkturabschwächung ist bisher aufgrund des widersprüchlichen Wunsches, die Finanzierung zurückzuschrauben, verhalten (vor allem wegen der Schattenbanken, die bei der Verbreitung von Krediten in den letzten zehn Jahren zu erfolgreich waren). 

Kreditvolumen sind die Ansprüche anderer einlagennehmender Unternehmen gegenüber dem privaten Sektor (von IFS), außer im Fall von Brasilien, bei dem das Kreditvolumen an den privaten Sektor durch die Monetary Policy and Financial System Credit Operations festgestellt und von der Banco Central do Brasil veröffentlicht wird, und im Fall von China, wo das Kreditvolumen der gesamten sozialen Finanzierung, bereinigt um die Schulden-Swaps von Lokalbehörden, entspricht.

Die Bereitschaft Chinas, die Rolle des globalen Stoßdämpfers zu übernehmen, hängt nun am seidenen Faden. Nach der großen Finanzkrise blieb das Land bei einer Politik der Währungsaufwertung. Heute lässt China eine Abwertung seiner Währung entsprechend den Fundamentaldaten zu . In der Tat schließen wir nicht aus, dass auch andere Länder eine an rein nationalen Interessen ausgerichtete Politik der Währungsabwertung verfolgen.

Es bestehen Abwärtsrisiken. Doch was geschieht, wenn ein Handelsabkommen bereits frühzeitig erzielt wird?

Wir fokussieren uns auf die Abwärtsrisiken, da die Präsidentschaftswahlen erst am 3. November 2020 stattfinden. Unseres Erachtens könnte die Wirtschaft bis dahin großen Schaden nehmen, wenn der Handelskonflikt bis spät ins Jahr hinein anhält. Sollte ein Handelsabkommen allerdings schon frühzeitig im Jahresverlauf erzielt werden, könnte es zu einer Verlängerung der Rally bei zyklischen Anlagen wie Aktien kommen, was wir über die letzten fünf Jahre hinweg beobachten konnten. Das schon seit einiger Zeit unterbewertete  Öl und auch die Industriemetalle könnten sich erholen. Eine Normalisierung der Geldpolitik könnte wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Zentralbanken könnten anstreben, den zuvor verlorenen Handlungsspielraum wieder auszubauen. Es ist jedoch fraglich, ob das internationale Vertrauen je in vollem Umfang wiederhergestellt werden wird. Die Schwellenmärkte, scheinbar häufig Opfer politischer Entscheidungen der USA, könnten zögern, zum Status quo zurückzukehren. Man muss wissen, dass viele Zentralbanken in Schwellenländern ihre Reserven diversifiziert und diese beispielsweise aus dem US-Dollar in Gold umgeschichtet haben. 

Ein Abkommen zwischen den USA und China bedeutet außerdem nicht gleichzeitig den Abschluss eines globalen Abkommens. Nach dem „erfolgreichen“ Abschluss von Handelsabkommen mit Kanada, Mexiko und daraufhin China (falls es zu einem Deal kommen wird), ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die USA auf Europa konzentrieren werden. Das Land hat bereits mit der Einführung von Zöllen auf europäische Autoimporte gedroht. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für europäische Autos und machen 29 Prozent des Werts aller aus der EU exportierten Autos aus. US-Unternehmen exportieren im Vergleich dazu nur 19 Prozent ihres auf Autos entfallenden Exportwerts nach Europa. Um die Handelsvolumen zu relativieren, sollte beachtet werden, dass der globale Autohandel 8 Prozent des Welthandels ausmacht, was deutlich über den 3 Prozent liegt, die den Handelsströmen zwischen den USA und China zufallen. Deshalb könnte das globale Tauziehen um den Autohandel viel Schaden anrichten.


Wenn nicht anders angegeben, stammen die Daten ausschließlich von Bloomberg.

The year of change

Even though markets appear to underappreciate some critical risks, there are still reasons for investors to be cheerful. Sonja Laud, Chief Investment Officer, and Emiel van den Heiligenberg, Head of Asset Allocation, both Legal & General Investment Management, explain why global growth may ultimately disappoint investors even as recession fears abate, the many ways in which the US election could disrupt markets appear under-priced, and why a style rotation from growth to value could have a significant impact in 2020.

Please find the full investment outlook for the year ahead here: https://www.lgim.com/uk/en/insights/o...

Rückblick Börsen 2019 – ein Jahr schier unendlicher Geschichten?

Über weite Teile gestaltete sich das Jahr 2019 für die Anleger weltweit wie eine Art Fortsetzungsgeschichte aus dem Vorjahr: Die beherrschenden Themen blieben der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie das Hin und Her um den Brexit.

Erst gegen Jahresende schienen sich – wenn auch noch keine endgültigen Lösungen – zumindest wichtige Fortschritte abzuzeichnen.

Im Jahresverlauf belegten sich die beiden größten Volkswirtschaften wechselseitig mit neuen Zöllen und wirtschaftspolitischen Vergeltungsmaßnahmen.

Geprägt war der Handelskonflikt vor allem von widersprüchliche Ankündigungen vonseiten des US-Präsidenten Donald Trump, Fristen und Aufschüben, die die Aktienmärkte teils stark bewegten.

Handelskonflikte hielten Anleger in Atem

Im Dezember konnte schließlich ein Teilabkommen zwischen den USA und China und damit ein tatsächlicher Erfolg der Gespräche vermeldet werden konnte.

Bereits davor hatten die Aussichten auf eine solche Einigung etwa den Dow Jones Industrial Index auf neue Höchststände getrieben: Im Juli überschritt der prominenteste Leitindex des US-Aktienmarktes erstmals die Marke von 27.000 Punkten.

Im November knackte er dann mit 28.000 Punkten die nächste Rekordmarke. Auf Jahressicht verbesserte sich der Dow Jones um etwa 22,7 Prozent auf 28.621,39 Punkte (Stand 27.12.2019 ca. 11.15 Uhr).

Auch Investoren in Europa dürften mit der allgemeinen Marktentwicklung 2019 zufrieden sein: Der Euro-Stoxx-50 gewann über das Jahr um 26,1 Prozent, für den Frankfurter DAX ging  es um 26,3 Prozent nach oben und der ATX der Wiener Börse legte um 17,6 Prozent zu (Stände je zum 27.12.2019 ca. 11.15 Uhr).

Diesseits des Atlantiks wurde vor allem das Ringen um den Brexit gebannt verfolgt. Einen vorläufigen Schlusspunkt setzten hier die Parlamentswahlen in Großbritannien.

Sie ließen nach einer wechselhaften Entwicklung einen Austritt Großbritanniens zu den Konditionen eines von Wahlgewinner Boris Johnson zuvor neu verhandelten Brexit-Vertrages als wahrscheinlichsten Ausgang des Brexit erscheinen.

Angesichts eines lange befürchteten „Hard-Brexit“ ohne vertragliche Regelungen mit der EU, wurde dies an den Märkten als zumindest nicht schlechtestes aller Ergebnisse aufgenommen.

Wechselhafte Signale sorgten für Gesprächsstoff

Im Frühjahr und Sommer hatte ein Phänomen auf den Anleihenmärkten für Aufsehen gesorgt: Die Zinskurve von US-Anleihen zeigte erstmals eine inverse Entwicklung, bei der für kurzfristige Staatspapiere höhere Renditen verlangt werden als für Anleihen mit längerer Laufzeit.

Dies gilt als verlässliches Vorzeichen einer Rezession, was an den Finanzmärkten große Aufmerksamkeit erhielt. Ein weiterer Markt, der sich von Handelskonflikten und politischen Entwicklungen geprägt zeigte, war das Rohölgeschäft.

Nach einigen gescheiterten bis verhalten verlaufenden Börsengängen, setzte es ebenfalls zum Jahresende einen fulminanten Schlusspunkt bei den IPOs: Mit Saudi-Aramco gelang dem Saudi-Arabischen Ölriesen der größte Börsengang aller Zeiten.

Ausblick auf ein spannendes nächstes Jahr

Der in vielen Bereichen wechselhafte Verlauf des Jahres nahm schließlich ein optimistisches Ende. Im neuen Jahr werden sich die Anleger wohl einmal mehr mit Fragen beschäftigen müssen, die ihnen bekannt vorkommen werden:

  • Wie wird sich der Brexit kurzfristig auswirken und kann Boris Johnson mit neuer Machtbasis weitere Anpassungen auf den Weg bringen, das Land auf neue wirtschaftliche Beine zu stellen?
  • War das Teilabkommen zwischen den USA und China ein erster Schritt zu einer langfristigen Lösung ihrer Handelsstreitigkeiten, oder wird der Weg dorthin noch steiniger und weiter als gedacht?

Ein Ereignis, das eine für all diese Fragen wichtige Entscheidung bringen wird, wird jedenfalls 2020 noch stärker in den Mittelpunkt treten: Die US-Präsidentschaftswahlen, die mit dem kürzlich gestarteten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump bereits im Vorfeld eine Verschärfung erfuhren.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Fact(or) Fiction

Using a factor framework to identify drivers of performance helps us explore the issue of whether active UK managers have a bias to size or any other factors, explains Francis Chua, Fund Manager at Legal & General Investment Management.

Investing in active UK equity managers has sometimes been considered synonymous with investing in UK small-caps. The small-cap effect has been discussed before, notably by my colleague Justin Onuekwusi here, so I won’t repeat the theory behind it. Instead, I will explore the factor landscape of active UK equity managers.

Have you ever wondered if their exposure to size has been persistent across time? If it is, this would suggest that managers will lean on the small-cap premium regardless of economic regime. Our analysis of the manager universe shows that the exposure to size has indeed been a persistent factor across time and has been increasing over the past five years. Using a multivariate regression on monthly returns, we analyse contributions to manager excess returns from factors, shown in the chart below. The bars represent contribution to excess return from each factor; for instance, in 2009 roughly 40% of each unit of excess return is attributable to quality (investing in stocks with higher profitability and less debt) and roughly 25% to size.

In 2019, for the first time, we see size as the most influential factor for the 'average' active UK equity manager. The persistence of size across time supports the narrative that moving down the market-cap spectrum is an alpha lever regularly used by managers.

We also see that exposure to the size factor has increased over time. This could be an indication that there is greater confidence in taking on higher risk, but it is more likely that this is the result of sector positioning by managers today (for instance, being underweight the energy sector and overweight consumer discretionary names).

The chart is also interesting in that it shows the absence of value (investing in 'cheap' companies, as measured against their fundamental metrics); are there any value managers left in the UK?

A different picture without size

The reason value is missing from the chart above is because its effect is dominated by size. To put this differently, value managers also invest in small-caps and the size effect dominates the overall analysis. Repeating the analysis and excluding size, this time we see value become more prominent.

The number of value managers has grown, both in absolute terms and as a proportion of the active-manager universe. Our analysis shows that in 2009, 61 managers had exposure to value, roughly 43% of the universe. In 2019, the number of managers with exposure to value jumps to 150, which is nearly a 250% increase in absolute terms. The number of managers in the universe has also increased over the past 10 years, so as a proportion this works out to be 67%. Today, more than half of the active-manager universe offers exposure to value, but note that nearly all of these value managers will have a bias to size (if you’re interested, our analysis suggests only six value managers today don’t have exposure to size). As our first chart above shows, the effect from size will likely dominate exposure to value.

Missing low volatility?

For any investor concerned about recession, we see two possible options in the UK equity market: increase exposure to quality and/or to low volatility (investing in stocks with smaller price moves). From the charts above, we see quality has been a mainstay of active UK equity managers.

What about low volatility? Similar to value, over the past 10 years we’ve seen an increase in exposure to low volatility; in 2009 a mere 8% of the managers had statistically significant exposure to low volatility, while today the number is closer to 21%. Nonetheless, it remains the least influential factor, in terms of its impact on performance, amongst active UK equity managers.

Implications for manager selection

Getting exposure to low volatility as a factor is possible, but requires investors to cast the net wider and also potentially accept other incidental exposure to factors such as quality and value. By our estimates, 75% of managers offer exposure to more than one factor (outside size). Single-factor managers, the size factor aside, are thus a smaller part of the universe.

Returning to the point about size, investors should bear in mind that whichever factor exposure they seek, there is likely to be an inherent size bias. As we’ve shown in the first chart, the effect from size could dominate the risk and/or return of their investments; in the context of the overall portfolio, this should be taken into account.

The active UK equity manager universe offers exposure to a range of factors, and building a portfolio through a factor lens helps to identify drivers of performance and also aids portfolio construction.

If you’re looking for a refresher on factor-based investing, you can read this piece by Andrzej Pioch here.


This article has first been published on macromatters.lgim.com.

Wahlausgang in Großbritannien: Brexit nun so gut wie sicher

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich brachten einen klaren Wahlsieg für die konservative Partei unter dem Vorsitz von Boris Johnson. Unter den möglichen zukünftigen Beziehungen zwischen den Briten und der Europäischen Union fällt ein Szenario weg: der Verbleib in der EU.

Politische Lähmung beendet

Der lähmende Konflikt zwischen der Regierung, die für den Austritt aus der EU eingetreten war, und dem Parlament, das sich in vielen Abstimmungen quergelegt hatte, ist damit entschieden: Ein Brexit Großbritanniens aus der Europäischen Union Ende Jänner 2020 ist so gut wie sicher.

Der Austrittsvertrag ist ausverhandelt. Weil das Hauptthema der Wahl der Ausstieg aus der EU war, kann ein eindeutiger Wählerwille abgeleitet werden. Auf einen Wahlsieg im Sinne einer relativen Mehrheit hatten die Umfragen bereits hingedeutet.

Die Kernfrage war, ob die Torys auch eine absolute Mehrheit im Parlament erreichen werden. Tatsächlich hat die konservative Partei mit 364 Sitzen einen Vorsprung von 79 Sitzen und damit die größte Mehrheit seit 1987 errungen.

Kaum Zeit für Freihandelsabkommen mit der EU

Der Austrittsprozess ist allerdings Ende Jänner noch (lange) nicht zu Ende. In dem zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich verhandelten Austrittsvertrag wurde eine Übergangsperiode zwischen dem Austrittszeitpunkt (Ende Jänner 2020) und den zukünftige Beziehungen bis Ende 2020 festgelegt.

Da bleibt kaum Zeit ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren. Bis spätestens Ende Juni 2020 muss bekanntgegeben werden, ob die Frist um maximal zwei Jahre (Ende 2022) verlängert werden soll.

Auf der negativen Seite bleibt damit das Risiko eines ungeordneten („harten“) Brexit nach dem Auslaufen der Übergangsperiode, wenn kein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem VK zustande kommt.

Auf der positiven Seite haben die Tories nicht nur die absolute Mehrheit gesichert. Boris Johnson ist nun auch mit einem Polster ausgestattet, etwaige Abweichler (Hardliner), die gegen das noch zu auszuhandelnde Freihandelsabkommen mit der EU sein könnten, zu verkraften.

Fazit

Die chaotischen Zustände im Vereinigten Königreich waren einer der Gründe für die kräftig gefallene Unternehmensstimmung in vielen Ländern.

Gemeinsam mit der nun gestiegenen Aussicht für ein Handelsabkommen zwischen den USA und China sind zwei wichtige Voraussetzungen für eine milde Erholung des Wirtschaftswachstums sowohl in Europa als auch auf globaler Ebene erfüllt. Teilweise war dieses Szenario bereits in den Marktpreisen enthalten.

Die Renditen von Staatsanleihen steigen ebenso wie die Aktienkurse und das Britische Pfund gegenüber dem US-Dollar und dem Euro seit einigen Monaten. Der Wahlsieg der Tories wird diese Entwicklung verstärken.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Börsengänge 2020: Licht und Schatten in der Tech-Welt

Das Jahr 2019 hielt für die Tech-Branche einige Enttäuschungen bereit: So entpuppte sich der langerwartete Börsengang von Uber als Misserfolg, von dem das Unternehmen sich bis heute nicht erholt hat. Im November kam es zu einem regelrechten Ausverkauf. Insgesamt kamen Aktien im Wert von fast einer Milliarde US-Dollar auf den Markt, der Kurs rutschte um 14 Prozent. Hoffnungsträger WeWork wiederum hat es gar nicht erst an die Börse geschafft. Der IPO wurde abgesagt, nachdem WeWork seine Bewertung stetig gesenkt hatte. Diese soll für den Börsengang unter 20 Milliarden US-Dollar gelegen haben – gegenüber einer vorherigen Bewertung von 47 Milliarden Dollar.

Das zeigt ein grundlegendes Problem der Branche auf: Viele junge Unternehmen sind sehr hoch bewertet, ohne bisher Gewinne erwirtschaftet zu haben. Das birgt zwar Risiken, Anleger müssen sich aber nicht abschrecken lassen. Auch heute noch bieten IPOs die Chance, bereits frühzeitig an einer Erfolgsgeschichte teilzuhaben, wie es damals bei Amazon oder Netflix der Fall war. Wichtig ist jedoch, sich nicht von hohen Bewertungen blenden zu lassen und das Geschäftsmodell kritisch zu betrachten. Auch 2020 gibt es wieder einige Börsenneulinge. Die Fondsboutique GAMAX Funds wirft einen ersten Blick auf drei potenzielle IPO-Kandidaten, ihre Stärken und ihre Risiken.

Didi Chuxing: Zwischen Marktführerschaft und Mordfällen

Auch wenn die Branche der Fahrdienstanbieter und ihre Investoren noch am Uber-IPO zu knacken haben – immer wieder werden Gerüchte über einen möglichen Börsengang des chinesischen Anbieters Didi Chuxing laut. Didi ist der weltweit größte Anbieter von Fahrdienstleistungen und bietet neben eigenen Fahrern, die ihre Privatautos nutzen, auch die Vermittlung von Taxis, Chauffeurdiensten, Mietautos und Reisebussen an. Bereits 2016 übernahm das Unternehmen das China-Geschäft von Wettbewerber Uber und expandierte zuletzt in Länder wie Australien, Mexiko und demnächst Costa Rica. Ein möglicher Börsengang wäre mehrere Milliarden Dollar schwer, schwarze Zahlen schreibt das mit 57 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen jedoch noch nicht.

Größtes Risiko: Das Unternehmen hat seit einiger Zeit mit einem Sicherheits- und Reputationsproblem zu kämpfen, nachdem 2018 zwei Passagierinnen von ihren Fahrern getötet wurden. Zwar hat der Fahrdienst mit gesteigerten Sicherheitsvorkehrungen reagiert, der Einbruch der Fahrgastzahlen zwang das Unternehmen jedoch zu Sparmaßnahmen. 2018 verzeichnete Didi einen Verlust von 1,6 Milliarden US-Dollar.

Größte Stärke: Didi ist trotz aktueller Probleme der größte Ride-Sharing-Anbieter in China und deckt mit seinem Service geografisch die größte Fläche ab. Bereits 2018 registrierte die App mehr als 10 Milliarden Einzelfahrten. 2019 hatte Didi nach eigenen Angaben 550 Millionen registrierte Nutzer. Auch für die Zukunft scheint das Unternehmen gut gerüstet: Didi betreibt die größte Elektroautoflotte in China, inklusive eines Netzwerks an Ladestationen. Zudem ist geplant, in Shanghai einen autonomen Fahrservice mit Robo-Taxis zu launchen.

Robinhood: Aktien-App für Millennials

Das 2013 in Kalifornien gegründete Startup ermöglichte als erster Anbieter den kostenlosen Aktien und ETF-Handel per App, inzwischen ist – zumindest auf dem US-amerikanischen Markt – auch der Handel mit Optionen und Kryptowährungen möglich. Neben dem Kauf und Verkauf von Aktien bietet die App weitere Funktionen wie den Zugang zu Wirtschaftsartikeln und -videos, Analystenratings oder Benachrichtigungen bei Preisänderungen an. Anleger, die sich tiefergehend informieren möchten, können einen Premium-Account anlegen, der sie zusätzlich mit detaillierten Marktinformationen und Research-Reports versorgt. Hauptzielgruppe sind jüngere Anleger aus der Millennial-Generation zwischen Ende 20 und Ende 30. Die Idee überzeugt die Geldgeber: Robinhood hat bereits mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt und ist zurzeit mit ambitionierten 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Aktuell expandiert die Plattform nach Großbritannien.

Größtes Risiko: Robinhood ist zurzeit noch defizitär und die Konkurrenz schläft nicht. Das ehemalige Alleinstellungsmerkmal des kostenfreien Aktienhandels wird inzwischen international von mehreren FinTechs kopiert. In Deutschland gehört zum Beispiel das Startup Trade Republic Bank zur Konkurrenz, in Großbritannien Revolut und Freetrade und in den USA Firsttrade und M1 Finance.

Größte Stärke: Die Stellung als Markt-Pionier und starke Wachstumsraten. Die Plattform zählte im Dezember 2019 mehr als 10 Millionen Accounts. Zum Vergleich: Ende 2018 betrug die Nutzerzahl 6 Millionen. Das entspricht einem Wachstum von 66 Prozent. Als First Mover konnte Robinhood sich damit einen großen Vorsprung verschaffen und die strategisch wichtige Zielgruppe der tech-affinen Millennials an seine Marke binden.

Airbnb: Disruptiver Marktführer

Der Community-Marktplatz hat vor elf Jahren den Trend zur Shared Economy mitbegründet und schreckt mit der Vermittlung von Unterkünften die Hotelbranche in mehr als 191 Ländern auf. Das Unternehmen arbeitet seit 2016 profitabel und hat bisher mehr als 4,8 Milliarden US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Die aktuelle Marktbewertung beläuft sich auf rund 31 Milliarden US-Dollar. Private Anleger hoffen schon länger auf eine Chance, an der Erfolgsgeschichte teilzuhaben. Bereits 2018 war ein Börsengang im Gespräch, jetzt könnte es laut Aussagen von CEO Brian Chesky 2020 soweit sein.

Größtes Risiko: Dem Geschäftsmodell werden zurzeit Steine in Form von politischen Regulierungen in mehreren Städten weltweit in den Weg gelegt, zum Beispiel in Berlin, Boston und Toronto. Hinzu kommt, dass Airbnb ein weiterer Anbieter ist, der aufgrund von Gewaltverbrechen mit Reputationsproblemen zu kämpfen hat: Bei einer Halloween-Party in einem über Airbnb vermieteten Haus in Kalifornien kamen 2019 bei einer Schießerei fünf Menschen ums Leben. CEO Chesky twitterte daraufhin, in Zukunft gezielt gegen unautorisierte Parties vorgehen und das manuelle Screening von „high risk“ Buchungen verstärken zu wollen.

Größte Stärke: Airbnb ist First Mover in einem neuen Marktsegment, das die Spielregeln für die weltweite Hotelbranche verändert. Inzwischen macht die Plattform klassischen Hotels nicht nur Privatkunden, sondern auch Geschäftsreisende streitig. So investierte sie jüngst in die Firma Zeus Living, die unmöblierte Privathäuser in Firmenunterkünfte umwandelt und vermietet.

Risiko gehört zum Geschäft

Dies ist nur eine Auswahl an potenziellen IPO-Kandidaten. Die Liste möglicher Börsengänge im nächsten Jahr ist deutlich länger. Anleger sollten also nichts überstürzen. Wichtig ist, sich vor einem Investment intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen auseinanderzusetzen. Jedes Geschäftsmodell birgt Risiken, entscheidend ist jedoch, wie eine Firma darauf reagiert. Airbnb und Didi haben schnell Konsequenzen gezogen. Das bedeutete besonders im Fall Didi zwar kurzfristig Einbußen bei Fahrgastzahlen und Umsätzen, verbessert langfristig jedoch die Sicherheit der Dienstleistungen und zahlt auf die Reputation ein. „Es kommt auf langfristiges Denken an“, sagt GAMAX Fondsexperte Tommaso Tabacchi. „Sowohl bei der Unternehmensführung als auch bei der Investment-Strategie. Anleger, die sich nicht nur an vielversprechenden Bewertungen orientieren, sondern das Unternehmen als Ganzes im Blick haben, können bei einem frühzeitigen Einstieg attraktive Renditen erwirtschaften.“


Über GAMAX Funds

Die Fondsboutique GAMAX Funds wurde 1992 gegründet und gehört seit 2001 zum italienischen Finanzdienstleistungskonzern Mediolanum Banking Group. Aktuell verwaltet GAMAX in drei Fonds ein Vermögen von rund 1 Milliarden Euro (Stand: 28.2.2019). Mit dem GAMAX Funds Junior und dem GAMAX Funds Asia Pacific bietet die Boutique zwei aktiv gemanagte Aktienfonds für ein gezieltes Investment in starke Marken sowie in den wachstumsstarken asiatisch-pazifischen Raum.

„Klimaschutz stärken, sozial-ethische Aspekte aber nicht vergessen.“

Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Bank, bezieht zu den jüngst vorgestellten Eckpunkten eines Green New Deal der Europäischen Union Stellung:

„Mit der Vorstellung der Eckpunkte zum Green Deal hat die Europäische Kommission einen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Wandel eingeleitet. Es ist richtig und wichtig, den bevorstehenden Herausforderungen aus der Klimaveränderung aktiv und ohne Zögern zu begegnen.

Die zukünftigen Maßnahmen, Initiativen und Veränderungsprozesse, um die Klimaneutralität Europas bis 2050 zu erreichen, werden enorme finanzielle wie personelle Kapazitäten in Anspruch nehmen. Zwar stellt die Europäische Kommission heraus, dass mit der Umsetzung des Green Deals zur sozialen Gerechtigkeit beigetragen wird, dennoch sollte Europa dabei nicht ein anderes Ziel, zu dem sie sich verpflichtet hat, aus den Augen verlieren: Erst im September 2015 wurde die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung angenommen. Kernstück der Agenda 2030 bilden die 17 Ziele, die Sustainable Development Goals (SDGs). Auch bei der Umsetzung der SDGs hat sich die EU entschlossen, die Vorreiterrolle zu übernehmen.

Europa hat sich somit zwei ambitionierte Ziele gesetzt, wenngleich der Green Deal in ökologischen Aspekten als Teil der Agenda 2030 verstanden werden könnte. Es bleibt aus Sicht der Evangelischen Bank die Sorge, dass zwar die klimarelevanten Ziele der Agenda 2030 im Fokus der EU stehen, aber die sozial-ethischen Ziele wie hochwertige Bildung, Armuts- und Hungerbekämpfung oder der Abbau von Ungleichheiten an Priorität und Kapitalzufluss verlieren könnten.

Die Evangelische Bank richtet seit diesem Jahr ihre unternehmerischen Aktivitäten konsequent an den SDGs aus. Wesentlich für diese Entscheidung war, dass durch die SDGs die ökologischen, ökonomischen und sozial-ethischen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Für die Evangelische Bank stehen alle drei Säulen im Einklang miteinander und setzen den Rahmen für ihr unternehmerisches Handeln.“


Die Evangelische Bank – DIE Nachhaltigkeitsbank

Die Evangelische Bank eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, nachhaltiges Kreditinstitut. Als moderner Finanzdienstleister bietet sie Spezial-Know-how und umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 7,7 Mrd. Euro ist die Evangelische Bank eG die größte Kirchenbank und zählt zu den zehn größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. Die Evangelische Bank ist als nachhaltig führende Kirchenbank Deutschlands Finanzpartner der Kirchen, Diakonie, Caritas, Freien Wohlfahrtspflege und der Sozialwirtschaft sowie aller privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Rund 440 Mitarbeiter betreuen bundesweit etwa 19.000 institutionelle Kunden und ca. 72.000 private Kunden an 13 Standorten.

6 Meinungen – Die Weltwirtschaft 2020 aus Kundensicht

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Nach zahlreichen Dienstreisen in Zentral- und Europa, wo unser Ausblick für das nächste Jahr diskutiert wurde, sollen in diesem Beitrag einige Meinungen von Kunden zusammengefasst werden und mit unserem Basisszenario vergleichen werden.

Kundenmeinung Nummer 1: Das globale Wirtschaftswachstum bleibt niedrig. Eine Erholung ist nicht in Sicht.

Erste AM Meinung: Die Anzeichen für eine Bodenbildung im vierten Quartal 2019 haben zugenommen.

  1. Für die schwachen Sektoren (Industrieproduktion) gibt es zunehmend Anzeichen für eine milde Erholung. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor ist bereits das vierte Mal in Folge angestiegen.
  2. Die negativen Überwälzungseffekte auf den Arbeitsmarkt sind zwar erkennbar (abnehmendes Beschäftigungswachstum), das Ausmaß ist bis dato jedoch beschränkt.
  3. Die Wirtschaftspolitiken haben in diesem Jahr einen positiven Impuls erzeugt. Das betrifft die Geldpolitiken (Leitzinssenkungen, Anstieg der Zentralbankgeldmenge in den USA und in der Eurozone), die Fiskalpolitiken (leichte Ausweitungen der Budgetdefizite in den entwickelten Volkswirtschaften, deutlicher Anstieg in China) und die Kreditpolitik in China (leichter Anstieg des Kreditwachstums).
  4. Zu Guter Letzt bedeutet die Aussicht auf einen Mini-Deal zwischen den USA und China eine leichte Abnahme der geopolitischen Risiken.
  5. Weil die Marktstimmung bis August 2019 sehr negativ war und die Unternehmensstimmung noch immer sehr negativ ist, ist auch die Hürde für eine Verbesserung niedrig. Tatsächlich ist die Marktstimmung gemessen am ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen bereits das vierte Mal in Folge angestiegen. Diese positiven Entwicklungen werden ausreichen, damit das reale globale Wirtschaftswachstum im Laufe des Jahres 2020 von unterdurchschnittlich (unter dem Potential) in Richtung Potential ansteigt.

Kundenmeinung Nummer 2: Die Inflation bleibt niedrig

Erste AM Meinung: Tatsächlich bleibt im Basisszenario die Konsumentenpreisinflation niedrig. Vorerst.

Denn trotz der wahrscheinlichen Erholung des Wirtschaftswachstums im nächsten Jahr wird die Produktionslücke negativ sein. Zudem wird die niedrige beziehungsweise sogar negative Güterpreisinflation nach wie vor einen dämpfenden Einfluss auf die Konsumentenpreise ausüben.

Der Arbeitsmarkt ist jedoch fest (niedrige Arbeitslosenraten), weshalb das Lohnwachstum in einigen Ländern bereits angestiegen ist. Weil gleichzeitig das Produktivitätswachstum niedrig geblieben ist, hat das Wachstum der Lohnstückkosten zugenommen.

Bis dato hat sich dieser Kostenzuwachs beim fallenden Wachstum der Unternehmensgewinne bemerkbar gemacht (Margendruck). Das Risiko dafür, dass die Konsumentenpreisinflation mit einer großen Zeitverzögerung doch zunimmt, ist auf kurze Sicht gering, auf lange Sicht jedoch von Relevanz.

Kundenmeinung Nummer 3: Die Effektivität der Geldpolitiken ist niedrig

Erste AM Meinung: Die Geldpolitik hat mehr Kraft als allgemein angenommen, auch wenn die Effektivität abgenommen hat.

Die Lockerung der Geldpolitiken im Jahr 2019 war der Hauptgrund für den Kursanstieg der meisten Wertpapierklassen in diesem Jahr. Diese Lockerung des Finanzumfeldes wird mit einer Zeitverzögerung von einigen Monaten die wirtschaftliche Aktivität unterstützen. Die Frage ist natürlich, ob das Ausmaß der Lockerung ausreichend war.

Wir befinden uns in der besonderen Situation, dass das Zinsniveau bereits sehr niedrig ist. Die Zentralbanken sind nicht mehr in der Lage, im Fall von zunehmenden Rezessionsrisiken die Leitzinsen um mehrere Prozentpunkte zu senken.

Die Zentralbanken können nicht nur den Preis des Geldes (den Zinssatz), sondern auch die Geldmenge verändern. Tatsächlich haben die Zentralbanken in den USA und in der Eurozone die Geldpolitik auf eine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge (M0) umgestellt. Aber auch diese mengenmäßige Lockerung hat nur noch eine geringe Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.

Die Zentralbanken können allerdings nicht nur den Preis des Geldes (den Zinssatz), sondern auch die Geldmenge verändern. Tatsächlich haben die Zentralbanken in den USA und in der Eurozone die Geldpolitik auf eine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge (M0) umgestellt. Aber auch diese mengenmäßige Lockerung hat nur noch eine geringe Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.

Ein nächster, noch expansiverer Schritt wäre die Veränderung des Zentralbankzieles. Im Jahr 2020 könnte die US-Zentralbank das Inflationsziel auf einen langen, auf den aktuellen Zeitpunkt zentrierten Durchrechnungszeitraum umstellen.

Dabei wird für die Erreichung des Inflationsziels nicht nur die erwartete, sondern auch die vergangene Inflation berücksichtigt. Weil die Inflation in den vergangenen Jahren unter dem Zentralbankziel lag, würde das für die kommenden Jahre Inflationsraten erfordern, die über dem Inflationsziel liegen.

Unsere aktuelle Einschätzung für die Fed ist, dass die Leitzinsen nicht angehoben werden, auch wenn die globale Unsicherheit abnimmt und das reale Wirtschaftswachstum ansteigt. Die Umstellung auf ein durchschnittliches Inflationsziel würde bedeuten, dass die Fed die Leitzinsen nicht anhebt, auch wenn die Inflation ansteigt.

Die Fed besitzt eine hohe Glaubwürdigkeit und ihre Geldpolitik ist effektiver als jene in der Eurozone und in Japan.  Die Marktreaktion wäre ein deutlicher Anstieg der langlaufenden Renditen von Staatsanleihen und eine damit einher gehende Versteilung der Kurve.

Das heißt, der Unterschied zwischen den lang laufenden Renditen und den Geldmarktzinsen würde zunehmen. Der Markt würde damit einen langfristigen Anstieg auch der Geldmarktzinsen einpreisen. Die Fed hat eine Vorreiterrolle für unkonventionelle Geldpolitik. Diese Maßnahme würde auch auf andere Zentralbanken und Märkte ausstrahlen.

Kundenmeinung Nummer 4: Die Fiskalpolitiken bleiben restriktiv, weil das Schuldenniveau bereits sehr noch ist.

Erste AM-Meinung: Die Fiskalpolitiken sind auf globaler Ebene bereits leicht expansiv.

Die relevante Maßzahl ist hier das um den Wirtschaftszyklus bereinigte Budgetdefizit exklusive Zinszahlungen. Das Aggregat für den OECD-Raum weist einen deutlichen Rückgang von 2010 (-5% vom Bruttoinlandsprodukt) bis 2017 (-0,03% vom BIP) auf.

Die Staaten haben die strukturellen Budgetdefizite verringert und das Wirtschaftswachstum nach unten gedrückt. Danach ist eine Ausweitung der Defizite zwei Jahre in Folge auf heuer 1,4% erfolgt.

Es gibt vier Argumente dafür, warum in den kommenden Jahren die Staatsdefizite ausgeweitet werden.

  1. Die expansiven Geldpolitiken alleine werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um vom Risikoszenario einer säkularen Stagnation wegzukommen (anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen, niedriges Wachstum der Unternehmensgewinne).
  2. Der ungebremste Aufstieg jener politischen Bewegungen, die gegen die etablierten Parteien sind, erhöht den Anreiz für Regierungen, die Budgetdefizite auszuweiten.
  3. Zumindest solange die Realzinsen negativ sind, ist die Nachhaltigkeit der Schuldendynamik nicht in Gefahr.

Das vierte Argument überschneidet sich mit einer weiteren, ausgeprägten Kundenmeinung.

Kundenmeinung Nummer 5: Die Berücksichtigung von nachhaltigen ESG Kriterien ist wichtig (Environmental, Social and Governance)

Erste-AM Meinung: Das ist ein weiterer Hinweis dafür, dass das ESG-Thema in der Mitte des Finanzmarktes angekommen ist. 

Die Wichtigkeit von ESG könnte selbst die konservativen Fiskalpolitiker überzeugen, die Budgetdefizite für Infrastrukturinvestitionen im Umweltbereich auszuweiten.

Auch aus der Europäischen Zentralbank kommen Signale, wonach für die Ausgestaltung der Geldpolitik ESG-Kriterien aufgenommen werden können.

Kundenmeinung Nummer 6: Viele Wertpapierklassen sind bereits sehr hoch bewertet. Das Risiko einer Blase, ebenso wie die Nachfrage nach AI ist erhöht.

Erste AM-Meinung: Die überdurchschnittlichen Bewertungen stellen keine Überbewertung dar, weil die Zinsen gefallen sind. So lange sie auf einem niedrigen Niveau bleiben (wenn auch im nächsten Jahr etwas höher), bleiben die Bewertungen erhöht aber im Gleichgewicht.

Ein nachhaltiger, deutlicher Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus ist ohne eine massive Ausweitung der Budgetdefizite schwer vorstellbar. Danach sieht es im nächsten Jahr nicht aus. Dieser gute Nachricht (keine Überbewertung) folgt sogleich eine weniger gute: Die erhöhten Gleichgewichts-Bewertungen implizieren niedrige zukünftigen Erträge (Returns).

Die Nachfrage nach alternativen Veranlagungsformen (AI – Alternative Investments), zum Beispiel Private Equity, wird groß bleiben.

Im Zuge der Diskussionen sind noch zahlreiche andere Themen behandelt worden: Überalterung; fallende Investitionstätigkeit der Unternehmen; niedrige Produktivität; Digitalisierung; Rückbau der Globalisierung; Nachhaltigkeit des Euro; Geopolitik (US-China, Brexit); subjektive Inflation höher als die veröffentlichte, und so weiter. Um die Lesbarkeit dieses Artikels nicht zu strapazieren (nicht zu lange), werden diese Themen beim Jahresausblick 2020 behandelt werden, der im Jänner veröffentlicht werden wird.

FAZIT

Zusammengefasst sind wir etwas optimistischer als die wahrgenommene Kundenmeinung. Eine Formel könnte lauten: ESG plus Fiskalpolitik plus Geldpolitik ergibt weniger ESG Risiken und einen Ausweg aus dem Szenario einer säkularen Stagnation.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Johnsons Wette zahlte sich aus

Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree, zum Wahlsieg der Konservativen Partei bei den Parlamentswahlen in Großbritannien:

"Nachdem Johnsons überstürzte Brexit-Vereinbarung mit der EU mißlang, hat seine Wette auf eine vorgezogene Wahl zur Überwindung der Blockade im Parlament nun zu seinen Gunsten funktioniert. Sein Wahlmantra "Get Brexit Done" brachte ihm über Nacht den entscheidenden Sieg bei den britischen Wahlen ein. Mit der absoluten Mehrheit der Konservativen Partei steht nunmehr fest, dass das Vereinigte Königreich auf dem besten Weg ist, die Europäische Union bis Januar 2020 zu verlassen. Das Austrittsabkommen des britischen Parlaments bis zum jetzigen Stichtag 31. Januar ist nun sicher zu erreichen. Die Höhe der Mehrheit gibt Johnson zudem erheblichen Handlungsspielraum bei den Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zur EU. Im Manifest der Konservativen Partei wurde zugesagt, die Übergangszeit bis zum endgültigen Austritt Großbritanniens nicht über 2020 hinaus zu verlängern. Wir erwarten jedoch, dass eine Verlängerung nach einer Interimsphase am 1. Juli beantragt und zu gegebener Zeit auch gewährt wird. Das Risikosentiment und die Vermögenswerte dürften sich zunächst erholen, wobei erneute Unsicherheiten möglich sind. Die Schottische Nationalpartei ist auf dem besten Weg, in Schottland signifikante Fortschritte zu erzielen. Erneute Forderungen Schottlands nach einem weiteren Unabhängigkeitsreferendum sind daher möglich.

Das Pfund Sterling stieg aufgrund der Exit-Umfragen deutlich gegenüber dem US-Dollar und erreichte mit 1,351 den höchsten Stand seit Mai 2018. Die Inflation dürfte sich verlangsamen, da mit dem einem stärkeren Pfund auch Argumente für Zinssenkungen zu einem späteren Zeitpunkt gegeben sind. Wir erwarten höhere Renditen bei Staatsanleihen wegen der Kombination aus zurückgehenden Erwartungen kurzfristiger Zinssenkungen und einem Anstieg der Nachfrage nach Save-Haven Assets. Der FTSE 100 dürfte von der Rally beim britischen Pfund nicht profitieren, da 80 Prozent seiner Umsätze im Ausland erzielt werden. Allerdings dürften inländische Aktien, die sich bereits seit Anfang September besser entwickelt haben, von den aktuellen Wahlergebnissen noch einmal Rückenwind bekommen. Auch europäische Aktien dürften insgesamt höher notieren; insbesondere erwarten wir, dass sich die Finanzdaten, die stark mit dem Risiko eines No-Deal-Brexits korreliert sind, kurzfristig besser entwickeln werden."


Datenquelle: Bloomberg per 12. Dezember 2019.

Innovation für eine gesündere Welt

Von Big Data bis hin zu Smart Beds – Technologie revolutioniert unsere Gesundheit und eröffnet attraktive Investmentgelegenheiten, zeigt Lydia Haueter, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Technologie formt unsere Welt neu. Gesundheit ist da keine Ausnahme. Der Druck, neue Arzneimittel und sonstige Gesundheitsprodukte zu entwickeln, wird immer grösser, weil die Weltbevölkerung altert und zunehmend gesundheitsbewusst ist.

Dadurch erschliesst sich ein ganz neues Universum von Investmentchancen. Prognosen zufolge dürfte sich zum Beispiel das Gewicht des Gesundheits-IT-Sektors in den kommenden fünf Jahren bis 2024 auf über 390 Mrd. US-$ verdoppeln.

Was noch viel schneller wächst, ist das Volumen der generierten gesundheitsbezogenen Daten.

ABB. 1 Länger leben

Durchschnittliche weltweite Lebenserwartung bei Geburt, gesamt (in Jahren)

Quelle: Weltbank DataBank. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 1960–2018.

Da die Genomsequenzierung heute nicht mehr die Welt kostet, werden mittlerweile ganze Populationen sequenziert, um krankheitsassoziierte Gene zu finden. Die grössten Player in der Gesundheits-IT sind aber Krankenversicherungen wie United Health.1 Für sie sind Daten der Schlüssel für Kostenkontrolle und höheren Nutzen für die Versicherten. Durch die Identifizierung von Hochrisikogruppen und prophylaktische ärztliche Check-ups lassen sich Kosten einsparen und Leben retten.

Ein weiterer Bereich, in dem Daten helfen können, ist die Prävention unerwünschter Arzneimittelwirkungen – die vierthäufigste Todesursache in den USA und Kanada nach Herzerkrankungen, Krebs und Schlaganfall.2 Software-Algorithmen wie die von Tabula Rasa HealthCare, einem Unternehmen aus New Jersey, können helfen vorherzusagen, wie Patienten auf Arzneimittel reagieren und wie sich gleichzeitig eingenommene Medikamente gegenseitig beeinflussen. Ärzte können die Informationen dann nutzen, um die Dosierung so anzupassen, dass Nebenwirkungen minimiert werden, oder von vornherein andere Medikamente zu verschreiben.

Solche Technologie wird mit dem Altern der Bevölkerung umso wichtiger. Prognosen der UN zufolge wird bis 2050 ein Viertel der Bevölkerung in Europa und Nordamerika mindestens 65 Jahre alt sein. Und genau das ist die Altersgruppe, die am meisten Medikamente einnimmt: Daten von CDC zufolge nehmen 40 Prozent dieser Gruppe in den USA und 50 Prozent im Vereinigten Königreich mehr als fünf Arzneimittel ein.3

Macht der Verbraucher

Die Rolle von Technologie im Gesundheitswesen beschränkt sich nicht auf ärztliche Versorgung. Innovative Unternehmen reagieren auf die wachsende Nachfrage nach Hilfsmitteln, mit denen die Menschen ein gesünderes Leben führen können – diese Nachfrage dürfte mit zunehmenden Wohlstand der Gesellschaften steigen.

ABB. 2 Höhere Ausgaben

US-Gesundheitsausgaben pro Kopf (aktuell in US-$)

Quelle: Weltbank DataBank. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 2000–2016.

Unternehmen wie Sleep Number, ein Hersteller intelligenter Schlafsysteme, stösst genau in diesen wachsenden Markt vor. Schlafmangel hängt mit körperlichen und seelischen Problemen zusammen und viele Menschen bekommen nicht genug Schlaf – mit der Folge, dass ihre Leistungsfähigkeit darunter leidet.4

Die Betten von Sleep Number sind mit dem Smartphone des Nutzers vernetzt und mit Funktionen wie einer automatischen Anpassung bei Veränderung der Liegeposition oder dem Wärmen der Füsse als Einschlafhilfe ausgestattet. Es gibt sogar eine Funktion gegen Schnarchen, die den Oberkörper in eine höhere Lage bringt, damit die Atemwege frei bleiben.

Sauberes Wasser, saubere Luft und hochwertige, nährstoffreiche Ernährung sind für ein gesundes Leben genauso wichtig. Die Sorge über globale Probleme wie Umweltverschmutzung und Fettleibigkeit nimmt zu und die Verbraucher werden zunehmend wählerisch und kaufen lieber Produkte mit klaren Vorteilen für Gesundheit und Umwelt.

Gesundheit ist das oberste Anliegen der Gesellschaft. Mit unterschiedlichen Lebenssituationen sind unterschiedliche gesundheitliche Herausforderungen verbunden. Einige davon werden durch unser Gesundheitssystem abgedeckt, um andere wiederum muss sich der Einzelne selbst kümmern.

Wenn wir Gesundheit nicht nur aus medizinischer Perspektive, sondern ganzheitlich betrachten, können wir echte Wachstumstrends bei diesem faszinierenden Thema aufspüren.

DIE PICTET-HEALTH STRATEGIE

Mächtige Megatrends

Wir sind überzeugt, dass Wachstum im Gesundheitssektor durch mächtige globale Megatrends angetrieben wird. Technologische Entwicklungen wie Big Data, künstliche Intelligenz und vernetzte Geräte sind die eine Sache. Die andere ist die alternde Bevölkerung. Die Verbraucher sind zunehmend informierter, setzen sich intensiv mit Gesundheit auseinander und legen Wert auf einen individualisierten Ansatz.

Ganzheitliche Herangehensweise

Gesundheit ist weit mehr als nur Medizin. Die Pictet-Health Strategie konzentriert sich auf Unternehmen aus dem gesamten Spektrum, vom Erhalt der Gesundheit über deren Wiederherstellung bis hin zur Finanzierung.

Gezieltes und diversifiziertes Portfolio

Wir investieren nur in Unternehmen, deren Beitrag zur Gesundheit belegbar und wissenschaftlich fundiert ist. Unser Portfolio ist global diversifiziert und bietet eine geringe Korrelation zu traditionellen Aktienanlagen.


1) United Health, Tabula Rasa HealthCare und Sleep Number befinden sich im Pictet-Health Portfolio.
2) Pharmacology: principles and practice, M. Hacker et al, 2009
3) Medication usage change in older people (65+) in England over 20 years: findings from CFAS I and CFAS II, Lu Gao et al, 2017
4) Waking up to the health benefits of sleep, University of Oxford, Royal Society for Public Health 

Erfahren sie mehr über thematisches Investieren:

Über die Autorin

Lydia Haueter kam 2016 zu Pictet Asset Management und ist Investment Managerin im Thematic Equities Team. Ihre Laufbahn begann Lydia Haueter 2011 bei Bellevue Asset Management als Analystin für Biotech-Aktien; dort wurde sie dann Investment Managerin (Small-Mid Cap Biotech). Lydia Haueter hat einen Master of Science in Systembiologie von der ETH Zürich und ein Diplom als Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Japan setzt auf Pragmatismus statt reine Geldpolitik oder Twitterbotschaften

von Jesper Koll, Senior Advisor von WisdomTree.

Der japanische Premierminister Abe verlieh seinem Führungsanspruch in Fragen der Wirtschaftspolitik letzte Woche einen enormen Schub, als sein Kabinett ein gewaltiges zusätzliches Finanzausgabenpaket genehmigte. Dies unterstreicht Japans herausragende Stellung unter den G7-Ländern als einzige Regierung, die in der Lage ist, eine rationale, pragmatische und entschlossene antizyklische Finanzpolitik zu betreiben. Japan verschwendet keine Zeit. Amerikanische und europäische Staatslenker dagegen scheinen festzustecken und gezwungen, ihre eigene Unfähigkeit zu kompensieren, eine gezielte, innovative und zeitgemäße Finanzpolitik zu entwerfen und umzusetzen, indem sie ständig insistieren, dass die Zentralbanker mehr tun müssen. Abe und sein Team schaffen Tatsachen. Mit Blick auf 2020 hat Japan nun das niedrigste Rezessionsrisiko.

Aus politischer Sicht ist es verlockend zu überlegen, warum nur noch Abes Japan und Xies China als die einzigen großen politischen Ökonomien übrig bleiben, in denen die herrschende Elite Lehren aus der einseitigen globalen Besessenheit von der Geldpolitik zu ziehen scheint. Als Instrument für ein effektives Krisenmanagement ist die Geldpolitik absolut geeignet; aber nur allzu gut dokumentiert sind sinkende wirtschaftliche Renditen und die unverhältnismäßig negativen Auswirkungen der umfassenden Währungsabhängigkeit auf die soziale Stabilität, um nicht ernst genommen zu werden. Unterm Strich sind sowohl die japanische als auch die chinesische Regierungselite viel zu einig und pragmatisch, um die Zukunft ihrer Nationen dem Mantra des "cut rates, buy assets, and good things will happen" anzuvertrauen. Was teilen Japan und China, was der "Westen" nicht hat? Beide verfügen über funktionierende Regierungen: China durch ein undemokratisches Top-Down-Diktat und Japan durch die De-facto-Mehrheit in einem demokratisch gewählten Parlament. Man könnte auch sagen: „Diejenigen, die es können, tun es; diejenigen, die es nicht können, twittern.“

Finanziell sollte der positive Einfluss der Finanzpolitik auf die Marktleistung nicht unterschätzt werden. Ja, die Größe ist entscheidend, und das neue Finanzpaket von Abe besteht aus eindrucksvollen 26 Billionen japanischen Yen, fast fünf Prozent des BIP. Davon steht etwa die Hälfte der Mittel bereit, die vor allem durch einen Neustart der öffentlichen Infrastrukturausgaben das BIP direkt speisen. Bei einem Teil dieser Ausgaben handelt es sich um nahezu unmittelbar ausführungsbereite Projekte zum Wiederaufbau der durch die diesjährige verheerende Taifun-Saison verursachten Zerstörungen, während der andere Teil im späteren Verlauf des Jahres 2020 schrittweise investiert wird, um einer konjunkturellen Abschwungphase nach den Olympischen Spielen entgegenzuwirken. Insgesamt sollte Japans BIP im Jahr 2020 um rund 0,5-0,75 Prozent steigen. Die Konsensus-Prognosen für die Zukunft müssen nach oben korrigiert werden.

Das "Team Abe" verdient also zehn von zehn Punkten für rechtzeitiges, entschlossenes und pragmatisches antizyklisches politisches Handeln. Aber wie sieht es mit echten politischen Strukturmaßnahmen aus, die Japans potenziell längerfristiges Wachstum erhöhen könnten? Hier gibt es noch mehr zu tun.

Vor allem zwei wichtige wirtschaftspolitische Maßnahmen sollten die Chancen eines zukünftigen Wohlstand Japans sowie das historische Erbe von Abe als Wirtschaftspolitiker deutlich stärken. Hinsichtlich des ersten Vorschlags gibt es bereits erste echte Impulse, zum zweiten Vorschlag werden wir wohl erst im kommenden Jahr mehr hören.

Aus Japan muss erstens eine Startup-Nation, ein Ökosystem des Unternehmertums werden. Nichts sichert historisch gesehen den nachhaltigen Wohlstand mehr als eine blühende Unternehmenskultur. Der Anstieg der Unternehmerzahl um ein Prozent erhöht das potenzielle BIP um ca. 0,5 Prozent. Das bedeutet, dass Japan seine potenzielle Wachstumsrate leicht verdoppeln könnte. Hierzu gibt es bereits gute Nachrichten: Der Steuerrat der Regierung hat gerade einen Steueranreiz für Unternehmensinvestitionen in Start-ups vorgeschlagen, wobei 25 Prozent aller Start-Up-Investitionen bis zu eine Million Dollar steuerlich absetzbar sind. Für 2020 ist dieser Steueranreiz darauf ausgerichtet, den bereits im Entstehen begriffenen Trend von Corporate Venture Capital in Japan anzuschieben. Hierzu ist zu sagen, dass dieser Steueranreiz nur für Venture-Capital-Investitionen von Unternehmen gilt und nicht für reine Risikokapitalfonds. Dennoch sollte der Nettoeffekt dieses Steueranreizes ein positiver Impuls für Japans längerfristiges Wachstumspotenzial und seine Unternehmensgewinne darstellen.

Zweitens muss Japan die Ansprüche auf Sozialleistungen durch die Einführung von Bedürftigkeitstests reduzieren. Es stellt eine pragmatische Lösung dar, die Beiträge im Verhältnis zum Nettofinanzvermögen zu erhöhen, um ein größeres Maß an sozialer Fairness zu schaffen und die Nachhaltigkeit des japanischen Gesundheits- und Sozialversicherungssystems zu gewährleisten. Tatsächlich beginnen Abes junge Nachfolger in der Liberalen Demokratischen Partei bereits damit ernsthaft zu untersuchen, wie dies erreicht werden kann. Für eine Nation, die davon besessen ist, die Kluft zwischen den Vermögenden und den Mittellosen zu minimieren, könnte sich die Prüfung der Mittelbereitstellung für öffentliche Dienstleistungen durchaus als politisch populär erweisen. Wenn dies mit einer stärkeren Deregulierung im medizinischen Dienstleistungssektor einhergeht, dürften die Nettoauswirkungen dazu beitragen, das Wachstumspotenzial zu steigern und Haushaltsschieflagen zu verringern.

Im Großen und Ganzen ist Japan auf dem Weg zu einem beispielhaften politischen Pragmatismus, wobei sowohl der unmittelbare zyklische als auch der längerfristige strukturelle Ausblick für überraschende Aufwärtsbewegungen in 2020 und darüber hinaus sorgen werden. Vor dem Hintergrund attraktiver Bewertungen und einer rekordverdächtigen Untergewichtung der Positionierung in- und ausländischer Investoren könnte Japan im Olympiajahr 2020 zu den Top-Performern aufsteigen.

„Agenda 2020 – nachhaltig, alternativ und digital: Fondsbranche im Umbruch“

Auch im Jahr 2020 stehen verschiedene neue Regulierungsthemen an, beispielsweise ein KAGB- und AIFMD-Review, die Sustainable Finance Initiative sowie die Regulierung von elektronischen Wertpapieren. Themen, die für Investoren von­ Belang sind, wie Frank Dornseifer, Geschäftsführer beim Bundesverband Alternative Investments e.V., befindet. Im Interview mit Hedgework beschreibt er die Auswirkungen.

HEDGEWORK: Herr Dornseifer, wir hören immer öfter, dass Investmenthäuser verschiedenste Budgets kürzen oder streichen müssen, um die Kosten der Regulierung stemmen zu können. Welche Regulierungsmaßnahmen stehen uns denn als nächstes ins Haus? 

Frank Dornseifer: Das Phänomen, welches Sie beschreiben, nenne ich gerne Regulierungstetris. Ständig fällt ein neuer (Regulierungs-)Baustein in das (Regulierungs-)Spielfeld und man versucht, diese lückenlos zu stapeln. Gelingt dies nicht und türmen sich nicht abgebaute Reihen bis zum oberen Spielfeldrand auf, ist das Spiel zu Ende. Im übertragenen Sinne heißt das, dass Aufwand und Kosten für Regulierung die eigentliche Geschäftstätigkeit zum Teil übermäßig belasten und im Extremfall dazu führen, dass Finanzinstitute aus dem Markt ausscheiden müssen.

HEDGEWORK: Welche Steine fallen denn jetzt gerade ins Feld? 

Dornseifer: Da kommen einige Regulierungsbausteine nicht ganz unerwartet eingeflogen, denn diverse Regulierungsakte wie die AIFM-Richtlinie, die Solvency-II-Richtlinie oder die Bankenregulierung CRR stehen auf dem turnusmäßigen Prüfstand, eben weil der Zeitpunkt für die Überprüfung schon mit der damaligen Verabschiedung festgeschrieben wurde. Aber neben diesen Reviewprozessen gibt es natürlich auch eine Reihe von neuen Regulierungsbausteinen, mit denen die Branche umgehen muss. An erster Stelle natürlich die Sustainable Finance Initiative der EU mit ihren zehn Maßnahmenpaketen. Während manche Rechtsakte hierzu bereits beschlossen sind, gibt es noch eine Reihe von weiteren Maßnahmen, insbesondere Durchführungsrechtsakte, die noch verhandelt bzw. von den europäischen Aufsichtsbehörden erarbeitet werden müssen.

Apropos europäische Aufsichtsbehörden, auch deren Kompetenzen, Ausgestaltung sowie die Finanzierung werden derzeit im Rahmen des Reviews debattiert. Hier geht es vor allem um Zentralisierung versus Subsidiarität. Wir fühlen uns mit einer regulatorisch langjährig vertrauten und örtlich nahen Aufsicht jedenfalls wohler als mit einer zentralisierten Aufsicht in Paris.

HEDGEWORK: Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht für die (alternative) Finanzbranche von besonderer Relevanz?

Dornseifer: Für die AI-Branche, deren Geschäftsmodell und Wettbewerbsfähigkeit ist natürlich der Review der AIFM-Richtlinie von großer Bedeutung. Mittlerweile kristallisieren sich vorläufige Schwerpunkte des anstehenden AIFMD-Reviews heraus. Diese reichen von nationalen Privatplatzierungsregelungen und Drittstaatenpass über Risiko- und Liquiditätsmanagement und Vergütung bis hin zum Verwahrstellenpass und Digitalisierungsthemen. Es besteht zwar Einvernehmen, dass es nicht zu einer grundlegenden Novellierung der AIFM-Richtlinie kommen soll, nichts destotrotz muss dieser Prozess sorgfältig beobachtet und begleitet werden, zumal immer auch mit unerwarteten Vorstößen aus einzelnen Mitgliedstaaten gerechnet werden muss, wie etwa einem Single Rule Book für die Asset-Management-Branche, in dem UCITS- und AIFM-Richtlinie zusammengefasst werden sollen. Ebenso wurde vereinzelt eine Harmonisierung der Regelungen zur Kreditvergabe durch Investmentfonds gefordert. Diese Beispiele machen deutlich, dass auch die AIFMD-Novelle ein volatiler Prozess ist, der unsere volle Aufmerksamkeit und Begleitung erfordert, gerade in den aktuellen Gesprächen der sich neu konstituierenden EU-Kommission mit den Mitgliedsstaaten. Im neuen Jahr erwarten wir dann den Bericht der EU-Kommission zum AIFMD-Review mit konkreten Vorschlägen zu Änderungen. Möglicherweise gewinnt dieser Prozess auch durch die jüngst von der EZB im Financial Stability Review geäußerten Sorgen über die vermeintliche Risikofreude der Asset Manager eine neue Dynamik.

HEDGEWORK: Lassen Sie uns auch einen Blick auf die anstehende Novellierung des KAGB werfen. Was steht hier auf der Agenda?

Dornseifer: Hier geht es vor allem um die Umsetzung der europäischen Richtlinie zum grenzüberschreitenden Fondsvertrieb, die als zentrale Inhalte Regelungen zum sogenannten Pre-Marketing und zur Reverse Solicitation enthält.

HEDGEWORK: Was bedeutet das konkret?

Dornseifer: Es geht zum einen um die Bereitstellung von Informationen über Anlagestrategien oder Anlagekonzepte für Investoren, bevor ein Fonds aufgelegt und bei der Aufsicht angezeigt ist. Dieses Antesten ist für Fondsmanager genauso wichtig wie für Investoren und es gab hier in der Vergangenheit auch keine Beanstandungen zum Verfahren. Ab Juni 2021 ist dann auch das Pre-Marketing anzeigepflichtig, was schon einen bürokratisch fragwürdigen Mehraufwand darstellt. Noch schlimmer ist aber der Umstand, dass in dem Land, in dem der Fondsmanager das Pre-Marketing angezeigt hat, professionelle Investoren einen entsprechenden Fonds nur dann aktiv nachfragen und zeichnen dürfen – Reverse Solicitation –, wenn der Fonds auch formell bei der Aufsicht angezeigt ist. Gerade davor haben wir die EU-Institutionen und die Bundesregierung nachdrücklich gewarnt und selbst die Aufsichtsbehörden sehen diese Bürokratie kritisch. Wir hoffen, dass die Bundesregierung hier am Ende doch noch nachsteuert.

HEDGEWORK: Der Gesetzgeber plant auch, Deutschland zu einem führenden Standort für Sustainable Finance auszubauen. Dafür müsste er aber erst noch einige Weichen stellen. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten?

Dornseifer: Als erstes muss die Bundesregierung verstehen und anerkennen, dass der Finanzplatz Deutschland eben nicht nur aus Banken und Versicherungen besteht, sondern mit der Asset-Management-Branche eine dritte Säule hat, die zudem in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Deutschland wird nur dann zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort, wenn besonderes Augenmerk auf die Fondsbranche gelegt wird, wenn die Wettbewerbsbedingungen für das Aufsichts- und Steuerrecht der Fonds aufeinander abgestimmt sind. Schwerfällige Dauerthemen wie die Umsatzsteuer auf die Management Fee oder ein Investmentsteuerrecht, welches die Anlagemöglichkeiten von Spezialfonds limitiert, haben dazu beigetragen, dass Deutschland als Fondsstandort bereits viel Boden verloren hat. Ohne deutliche ­Signale bei der Fondsregulierung werden wir in diesem Sektor bei Sustainable Finance nicht punkten.

HEDGEWORK: Vielleicht noch ein Sprung zur weiteren Digitalisierung. Wo stehen wir denn bei der Einführung von elektronischen Wertpapieren?

Dornseifer: Die Einführung von elektronischen Wertpapieren ist längst überfällig. Wir leben mit der Globalurkunde, die in einem Tresor aufbewahrt wird, wertpapiertechnisch noch in der Steinzeit. Der entsprechende Gesetzentwurf soll im Frühjahr kommen und da sind wir schon sehr gespannt. Die Fragen lauten: beschränkt sich die Digitalisierung auf Wertpapiere und Fondsanteile, bekommen wir ein Wertpapierregister, oder übernimmt diese Funktion die Blockchain, und gelingt es, zivil- bzw. sachenrechtliche Fragestellungen pragmatisch auszuklammern? 

HEDGEWORK: Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Dornseifer: Erfahrungsgemäß ist die deutsche Gesetzgebung träge wie ein Supertanker. Sorgfalt ist natürlich sehr wichtig. Gegebenenfalls gelingt es aber, diese wichtigen Zukunftsthemen konzertiert voranzutreiben. Eine erste vorgeschaltete Anhörung von BMJ und BMF zu diesen Themen war jedenfalls sehr produktiv. 

HEDGEWORK: Abschließend gefragt – wie ist der Stand der Regulierung von Krypto-Assets und was steht uns hier ins Haus?

Dornseifer: Auch wenn dieses Thema in der institutionellen Kapitalanlage derzeit noch wenig Beachtung findet – digitale Assets sind auf dem Vormarsch. Mit der Einführung des Krypto-Verwahrgeschäfts im KWG hat der Gesetzgeber seinen ersten Schritt auf diesem Feld gemacht, nachdem die BaFin bei der aufsichtsrechtlichen Qualifizierung von Krypto-Assets wichtige und pragmatische Vorarbeit geleistet hat. Krypto-Assets sind ohnehin schon für alternative Investmentfonds erwerbbar, allerdings fehlt im KAGB noch eine ausdrückliche Klarstellung zur Verwahrung dieser Assets.


Frank Dornseifer ist Geschäftsführer beim Bundesverband Alternative Investments e.V., Bonn, und für die Verbandsaktivitäten Recht, Regulierung, Politik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er ist seit über 18 Jahren in unterschiedlichen Funktionen im Investment-, Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht aktiv. Nach seinem Studium in Bonn, Dublin und Lausanne arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt in einer internationalen Anwaltssozietät in den Gebieten Gesellschafts- und Wertpapierrecht. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit als stellvertretender Referatsleiter bei der BaFin im Grundsatzreferat Investmentaufsicht und als Repräsentant im Investment Management Committee der Organisation der internationalen Wertpapieraufsichtsbehörden IOSCO, bevor er im Jahre 2007 zum BAI wechselte. 
Dornseifer ist auch Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Investment- und Gesellschaftsrecht und Herausgeber von Kommentaren zum KAGB/InvG und zur AIFM-Richtlinie. Der Finanzausschuss des Bundestages und das Europaparlament haben ihn mehrfach als Sachverständigen in Gesetzgebungsverfahren zum Kapitalmarktrecht benannt.

Der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI) ist die assetklassen- und produktübergreifende Interessenvertretung für Alternative Investments in Deutschland und hat zum Ziel, den Bekanntheitsgrad alternativer Anlagestrategien und -klassen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Der BAI wurde 1997 in Bonn gegründet, der Kreis der Verbandsmitglieder setzt sich aus allen Bereichen der professionellen Alternative Investment-Branche zusammen. 219 nationale und internationale Unternehmen sind derzeit Mitglied im BAI. 

KONTAKT

Bundesverband Alternative Investments e.V.
Frank Dornseifer
Tel.: +49 (0)228-96987-50
E-Mail: dornseifer@bvai.de
Internet: www.bvai.de 

“The Only Way Out Is Through”

State Street Global Advisors, the asset management business of State Street Corporation (NYSE: STT) has today published its 2020 Global Market Outlook, predicting recession will be avoided through a continuation of growth, subject to the global economy “sidestepping substantial risks” to maintain momentum.

“2020 is not a year of recession,” said Rick Lacaille, global chief investment officer at State Street Global Advisors. “We expect the global economic recovery to continue into 2020 against a backdrop of continued monetary easing, policy shifts and persistent pockets of resilience. Low inflation, robust consumer spending and a relatively strong global services sector combine to propel the cycle forwards. There are clear risk factors but overall, we expect world real GDP growth of 3.4 percent, up from our projection of 3.2 percent in 2019.”

State Street Global Advisors’ forecasts predict sufficient pillars of strength to carry global growth forwards. Investors can expect to find pockets of resilience and opportunity in this environment, despite a macro investment landscape that is expected to throw up significant challenges.

Risk factors increasingly prominent

Risks are expected to emerge on a number of fronts, notably increasing geopolitical tensions and lingering policy uncertainty. In this climate, choosing where to invest will matter, with focus falling on select risk assets. With this in mind, four key areas are likely to coalesce as key questions for investors:

  • Geopolitics: What will be the outcome with respect to Brexit, trade tensions, Iran, US impeachment proceedings, and more?
  • Economic resilience: Can consumers sustain strong spending without fundamental resolution?
  • Policy: Will the policy response extend beyond monetary intervention to include fiscal stimulus?
  • Structural reform: Will the pace of reform pick up in emerging markets and in Europe?

Positive outcomes in these areas would offer notable boosts to Europe and emerging markets even more than the US, which has less room for improvement.

Equities offer value in North America but risks arise in other territories

Into 2020, central bank support is expected to warrant an overweight position to equities, although this outlook may be tempered by increasingly stretched valuations, compounded by ongoing trade risk and persistent bouts of market volatility.

“Robust domestic demand and healthy consumer spending data lend weight to US equities, where recent monetary policy accommodation has increased risk appetite and reduced the risk of recession“, commented Lori Heinel, deputy global chief investment officer for State Street Global Advisors. “By contrast, European equities, while more attractively valued, remain vulnerable to persistent political and structural uncertainties. Shifts in fiscal policy and greater political clarity around Brexit, as well as movement on much needed structural reform, could unlock value in European equities.”

Long term growth potential in emerging market (EM) and Asia Pacific equities

“Despite current headwinds, over the longer term, value may be realized in EM equities, although investors may require a bit of patience”, said Kevin Anderson, head of investments in the Asia Pacific region at State Street Global Advisors. “Catalysts to value creation in emerging markets include a pickup in flows as the EM benchmark expands, modulation in US-China trade tensions and increasing allocation to EM by global funds, alongside improving fundamentals in domestic markets and longer-term GDP growth due to demographics and structural reforms. As we await those catalysts, it’s important to note that currently EM equity returns are relatively widely dispersed which suggests opportunity for careful stock selection.”

Volatility expected as lower rates in fixed income markets persist

Low rates in fixed income markets are widely anticipated. Rates outside of Europe and Japan offer a premium, but the level of premium has tripped lower in recent months, a trend that broadly looks set to continue into 2020. However, further factors may come into play, creating opportunities in this space. Accommodative monetary policy, including policy rate moves and potential ongoing quantitative easing should keep longer term rates anchored and support improved GDP growth.

This, in turn, should see a favourable backdrop for corporate issuers with stable ratings expected in this market. Corporate bond holders may also expect to see additional benefits through improved market technicals with issuances trending lower and ECB purchases likely to drive prices up. The risk of a less favorable economic outcome remains a risk and investors may wish to be discerning with their allocations to lower grade credit options. Within EM, Chinese government bonds warrant particular consideration, as they offer both yield and diversification benefits, and their addition to the EM bond benchmark in 2020 is likely to result in substantial flows.

Currency and climate risk are key additional considerations

Geopolitical risks stand as key currency drivers in 2020. Ongoing Brexit uncertainties into the new year continue to generate risks for European investors. While volatility itself is relatively tame, investors should be wary of complacency – stretched valuations signal the potential for big moves ahead. The US dollar is expensive but is awaiting a catalyst for reversion, potentially presented in the form of a cessation of trade tensions.

Increasingly investors are focusing on longer-term thematic risk drivers, key among them being climate risk and the potential impact to company resilience. “We continue to view climate risk as a key consideration embedded into virtually all market segments and industries”, said Lacaille. “Climate change poses risks for financial markets as they attempt to digest climate’s impact on economic growth on society and on the global energy mix”.


To see State Street Global Advisors’ full 2019 Mid-Year Global Market Outlook content, visit ssga.com/GMO.

About State Street Global Advisors

For four decades, State Street Global Advisors has served the world’s governments, institutions and financial advisors. With a rigorous, risk-aware approach built on research, analysis and market-tested experience, we build from a breadth of active and index strategies to create cost-effective solutions. As stewards, we help portfolio companies see that what is fair for people and sustainable for the planet can deliver long-term performance. And, as pioneers in index, ETF, and ESG investing, we are always inventing new ways to invest. As a result, we have become the world’s third largest asset manager with nearly US $2.95 trillion* under our care.

* This figure is presented as of September 30, 2019 and includes approximately $64 billion of assets with respect to SPDR products for which State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) acts solely as the marketing agent. SSGA FD and State Street Global Advisors are affiliated.

Ausblick auf das Jahr 2020 für börsennotierte Infrastruktur

Für das Jahr 2020 erwartet First State Investments eine positive Entwicklung und attraktive Investitionschancen im Bereich börsennotierter Infrastruktur. Zwar sei nicht mit dem gleichen Rückenwind von den Zinsen wie im Jahr 2019 zu rechnen, die hohen Eintrittsbarrieren für Wettbewerber, die starke Preissetzungsmacht sowie das nachhaltige Wachstum des Sektors sind jedoch nach wie vor die Stärke dieser Assetklasse.

Folgende sechs Trends hat das Team um Rebecca Myatt, Portfoliomanagerin des Sustainable Listed Infrastructure Fund bei First State, für das kommende Jahr identifiziert:

1. Die Suche nach Rendite

Das anhaltend niedrige oder negative Zinsumfeld stellt Investoren, die nach Rendite suchen, auch weiterhin vor Herausforderungen. Ein essenzieller Vorteil börsennotierter Infrastruktur ist die Höhe der Erträge, die sie generiert, denn die Anlageklasse hat in der Vergangenheit eine verlässliche Dividende zwischen drei und vier Prozent gezahlt – und die Ausschüttungen können mit der Zeit sogar noch steigen.

2. Kontinuierliche Weiterentwicklung im Bereich erneuerbare Energien

Die Rentabilität von neuen Anlagen im Bereich erneuerbare Energien sind schon heute weitaus attraktiver als die Stromerzeugung durch Kohle, sodass wir im kommenden Jahr mit weiteren Stilllegungen von Kohlekraftwerken rechnen. Seit dem Jahr 2010 wurden in den USA bereits 102 Gigawatt Erzeugungskapazität durch Kohle vom Netz genommen – bis Ende des Jahres 2025 dürfte sich dieser Wert sogar auf 119 Gigawatt erhöhen. An deren Stelle treten vor allem Solar- und Batterieanlagen. Nachdem sich die Solarenergie in einigen sonnigen Teilen der Welt zur kostengünstigsten Lösung entwickelt hat, erwarten wir, dass deren Wachstumsraten die der Windenergie übertreffen. Wenn zudem Batteriehersteller ihre ohnehin schon beeindruckenden Kostensenkungen fortsetzen, werden sie dazu beitragen, einerseits die Intermittenz erneuerbarer Energien weiter zu verringern und andererseits die Kosten für erneuerbare Energie zu senken.

3. Mehr Aufmerksamkeit auf den Transportsektor

Mit der bereits begonnenen Dekarbonisierung des Energiesektors richtet sich das Augenmerk nun auf den Transportsektor, der heute die größte Quelle für Kohlenstoffemissionen darstellt. Regierungen auf der ganzen Welt fördern den Ausbau ihrer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge (EV), um das Einführen von EV in der Öffentlichkeit zu ermöglichen und auf das Erreichen der Netto-Null-Energieverbrauchsziele hinzuarbeiten. Von dieser Entwicklung können regulierte Versorgungsunternehmen profitieren, da eine zunehmende Elektrifizierung zu einer höheren Auslastung führt. Zudem erzielen sie in der Regel eine zulässige Rendite auf die Investitionen, die für die EV-Ladeinfrastruktur und die intelligenten Netze erforderlich sind, die gebaut werden müssen, um die höhere Auslastung effizient zu steuern.

4. Höheres Ansehen von Sustainable Development Goals

Der einst ambivalente US-Finanzmarkt beginnt nun zu erkennen, dass bei Investoren die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) – sowie ESG-Richtlinien im weiteren Sinne – von Bedeutung sind. Im Jahr 2020 werden wir daher weiterhin eng mit Unternehmen zusammenarbeiten, die wir beobachten und in die wir investieren, um sowohl eine bessere Offenlegung ihrer nachhaltigen Entwicklung als auch die Verantwortung in Bezug auf das Einhalten ihrer SDG-Ziele zu fördern. Wir gehen davon aus, dass sich dadurch die Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen, noch stärker von denen unterscheiden werden, die erst am Anfang ihrer Überlegungen zu diesen Themen stehen.

5. Investitionen in Infrastruktur durch den privaten Sektor nehmen weiter zu

Angesichts der weiter steigenden Staatsverschuldung sehen wir eine zunehmende Bedeutung für Infrastrukturfinanzierung durch den privaten Sektor. Für das kommende Jahr erwarten wir daher eine Vielzahl neuer Investitionsmöglichkeiten: Erstens in Form von Aktienemissionen von Unternehmen, die neue Investitionen finanzieren möchten, zweitens durch Restrukturierungen von Unternehmen, die nicht zum Kerngeschäft gehörende Anlagen veräußern und drittens durch das Privatisieren von Strom- und Gasversorgern, Mautstraßen, Flughäfen und Wasser-/Abwasserunternehmen.

6. Das politische Umfeld bleibt unsicher – zumindest bis zu einem gewissen Grad

Während politische und rechtliche Risiken nach wie vor die größte Bedrohung für den Infrastruktursektor darstellen, sind sich Politiker aller Couleur bezüglich der Notwendigkeit einig, dass veraltete Infrastruktur ersetzt oder erneuert werden muss. Dies ist nicht nur für ein reibungsloses Funktionieren von Städten von Bedeutung, sondern auch für eine prosperierende Gesellschaft. Und auch wenn der Klimawandel ein kontroverses politisches Thema bleiben dürfte, steht das wirtschaftliche Argument für den Austausch älterer, ineffizienter Kohlekraftwerke durch erneuerbare Energien.“

Cyber-Medizin – Künstliche Intelligenz löst eine Revolution in der Gesundheitsversorgung aus

von Rolando Grandi, Fondsmanager Echiquier Artificial Intelligence, LFDE - La Financière de l’Échiquier.

In rund 40 Jahren könnte es so weit sein: Ab etwa 2060 soll das Programm „Endless“ ermöglichen, die menschliche „Seele“ – die persönlichen Daten einer Person – in einen künstlichen Empfängerkörper zu transplantieren. So lauten die kühnen Pläne der französischen Vorstandsvorsitzenden des digitalen Startups Transparence im gleichnamigen Buch des französischen Schriftstellers Marc Dugain1. Mag diese brillant erdachte Zukunftsvision noch in weiter Ferne liegen, schon jetzt entstehen in der Medizin durch Künstliche Intelligenz (KI) ganz neue Behandlungsmethoden, die die Gesundheitsversorgung revolutionieren. Angesichts der weltweiten Zunahme der Gesundheitskosten, die bis zum Jahr 2022 auf 10.000 Milliarden US-Dollar steigen dürften2, sind digitale Anwendungen in der Medizin überall auf der Welt auf dem Vormarsch. Künstliche Intelligenz gilt als die Hoffnung unserer Zeit – vor allem in der Medizin.

Cyber-Medizin senkt Kosten

Denn hier kann die KI ihr Potenzial in verschiedenen Bereichen entfalten: in der Biotechnologie, der Epidemiologie, bei e-Therapien, beim Einsatz von Chirurgie-Robotern und intelligenten Prothesen, in der pharmakologischen Überwachung und vielem mehr. An allen medizinischen Fronten werden Fortschritte und Durchbrüche erzielt. KI revolutioniert die Effizienz in der medizinischen Forschung und senkt dabei die Kosten. So musste das US-Medtech-Unternehmen Illumina bisher jährlich eine Million US-Dollar für die DNA-Sequenzierung aufwenden. Im Jahr 2019 waren es nur noch ganze 1.000 US-Dollar. Und in den nächsten zehn Jahren dürften diese Kosten auf 100 US-Dollar sinken. Die Generierung flächendeckender und strukturierter Datenmengen ermöglicht die KI-basierte Entwicklung von Medikamenten und personalisierten Therapien für jeden Patienten.

Beschleunigte Therapieentwicklung

Die 2019 erfolgte Gründung des europäischen KI-Startup-Inkubators AI Factory for Health durch Microsoft und den britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca ist äußerst vielversprechend. Betreut werden vor allem Start-ups, die sich auf Onkologie spezialisiert haben, wie beispielsweise Owkin. Dieses von einem Mathematiker und einem Onkologen gegründete, auf „Machine Learning“ für medizinische Anwendungen spezialisierte Start-up mit Sitz in Paris und New York verwendet KI und Big Data, um die Forschung für Krebstherapien zu beschleunigen und gleichzeitig die Vertraulichkeit der Patientendaten zu gewährleisten. Ein revolutionärer Ansatz für KI, der bereits Früchte trägt: Owkin hat im Oktober eine bahnbrechende Entdeckung im Bereich der Tumorbiologie gemacht.

E-Health: Fit und in Hochform

In China mit seinen zwölf Millionen medizinischen Fachkräften für 1,4 Milliarden Einwohner revolutionieren virtuelle Assistenten den Zugang zur medizinischen Versorgung. Gesundheitsplattformen wie WeChat von Tencent oder Good Doctor von Ping An Healthcare & Technology – die ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 verdoppelt haben – sind stark auf dem Vormarsch. Obwohl Europa den Sprung noch nicht gewagt hat: An Gesundheits-Apps fehlt es auch hier nicht. Qare (Frankreich) ermöglicht zum Beispiel den Zugang zu einer von der Krankenkasse erstatteten Online-Sprechstunde auf dem Smartphone. Könnte das eine Lösung für die medizinische Versorgungswüste sein?

Medizinroboter: Assistenzärzte der Zukunft

Weitere KI-basierte Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten bietet die Robotik, deren Marktvolumen sich 2019 weltweit auf 6,5 Milliarden US-Dollar belief. Dank der Erfolge der Robotikforschung sind Medizinroboter wahrnehmungs- und entscheidungsfähig, führen präzise Handlungen aus und sind daher aus dem Gesundheitssektor nicht mehr wegzudenken: Pflegeroboter animieren ältere und hilfsbedürftige Heimbewohner zu kognitiven Übungen, intelligente Prothesen reparieren oder optimieren den menschlichen Körper, Medizinroboter verbessern die Fertigkeiten von Chirurgen. Ein Beispiel ist das Da Vinci-Chirurgiesystem von Intuitive Surgical, das weltweit bereits fünf Millionen Operationen durchgeführt hat. Zudem hat ein 5G-gesteuerter Roboterarm in diesem Jahr für einen chinesischen Chirurgen die erste Gehirnoperation ausgeführt – in 3.000 Kilometern Entfernung. Eine Premiere.

Die Anwendungsbereiche für KI sind sehr vielfältig und der Markt boomt. Schätzungen zufolge wird die Bruttowertschöpfung des Gesundheitssektors in den Industrieländern 2035 ganze 2.260 Milliarden US-Dollar betragen und nach Berücksichtigung des KI-Beitrags sogar 2.721 Milliarden US-Dollar3. Das ist mehr als das BIP Frankreichs.


1) Transparence, M. Dugain, Gallimard, 2019
2) 2019 Global Health Care Outlook, Global Healthcare Sector Issues in 2019, Deloitte
3) How AI boosts Profits and Innovation, Accenture & Frontier Economics, 2017

Über LFDE - La Financière de l’Échiquier – www.lfde.com

LFDE - La Financière de l'Échiquier hat sich seit der Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Die Kernkompetenzen liegen bei der Titelauswahl in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt seine überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren und Vertriebspartnern nachhaltige Produkte und Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundenanlagen ermöglichen. LFDE verwaltet mittlerweile ein Vermögen von rund 9 Milliarden Euro und beschäftigt in Frankreich und den Niederlassungen in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und den Benelux-Ländern mehr als 130 Mitarbeiter. LFDE gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in Frankreich in den Bereichen der Vermögensverwaltung über die Entwicklung, Auswahl, die Zusammenstellung und das Angebot von vollständigen Lösungen für professionelle Vermögensverwalter sowie deren Kunden.

„Rohstoffe treten auf der Stelle – Aktien zeigen sich erholt“

von Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

Wir warten immer noch auf eine Bestätigung eines "Phase 1-Abkommens“ zwischen den USA und China, wobei der Begriff "Phase 1" wirklich nur von den USA verwendet wird. In Ermangelung eines Abkommens könnte es am 15. Dezember zu einer Erhöhung der US-Zölle auf chinesische Waren kommen, obwohl wir glauben, dass die Frist zur Fortsetzung der Verhandlungen noch weiter bis zur letzten Minute hinausgeschoben werden könnte. So oder so - wir sind nicht zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr ein sinnvolles Abkommen erreicht wird - die Phase 1 als ein erster Teilvertrag wird sowieso kein umfassendes Abkommen darstellen. Vor diesem Hintergrund werden defensive Absicherungen über Gold trotz der vorzeitigen Erholung an den Aktienmärkten in der Gunst der Marktteilnehmer bleiben.

Industriemetalle: Wenig Optimismus herrscht vor

Der Bereich der Industriemetalle teilt nicht den gleichen Optimismus wie die Aktienmärkte. Sie gaben im vergangenen Monat um 4,8 Prozent nach, angeführt von Nickel mit minus 14,0 Prozent. Der Grund liegt in der Besorgnis über die Auswirkungen auf die Nachfrage angesichts länger andauernder Handelszwistigkeiten. Der Sektor der Energiewirtschaft konnte sich gegen den Trend der Preisrückgänge im Rohstoffkomplex behaupten, aber ob die dort verzeichneten Gewinne anhalten werden, wird von der politischen Sitzung der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) Anfang Dezember abhängen. Wir erwarten, dass das Kartell die aktuellen Versorgungseinschnitte zumindest verlängert, wenn nicht sogar vertieft, denn dies dürfte die einzig sinnvolle Maßnahme sein.

Angesichts zaghafter Anzeichen für einen beginnenden Aufschwung in der US-Wirtschaft wird die US-Notenbank am 10. und 11. Dezember am Status quo festhalten. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am 12. Dezember die politischen Rahmenbedingungen ändern wird, aber unter der neuen Präsidentin könnte die EZB zum ersten Mal seit acht Jahren Hinweise über eine Kursänderung in den kommenden Monaten geben. Die Zentralbanken werden es generell vermeiden, die Märkte in Schrecken zu versetzen, da die Liquidität in den letzten Wochen des Jahres tendenziell abnimmt.

Im Jahresrückblick liegen Edelmetalle vor Rohstoffen

Im Rückblick der vergangenen 12 Monate verzeichneten Edelmetalle mit einem Plus von 18 Prozent die deutlich bessere Performance im Rohstoffkomplex. Einzelne Rohstoffe wie Nickel mit plus 33 Prozent und Palladium mit plus 58 Prozent haben sich aus spezifischen Gründen außerordentlich gut entwickelt. Wieder einmal hat Erdgas die Energiebilanz belastet, während die Öl- und Produktpreise gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind.

Da das Angebot der Nicht-OPEC-Staaten weiter zunimmt, steigt der Druck auf die OPEC, das Angebot zu verknappen und so das globale Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Die sinkende Zahl der Ölförderanlagen in den USA sind Warnsignal dafür, wie nachhaltig das Produktionswachstum in einer Zeit schwacher Preise sein kann. Bei der Performance von Agrarrohstoffen und Getreide ergab sich im letzten Monat eine Aufspaltung. Die kurze Rallye bei Kaffee, Kakao und Zucker trug dazu bei, dass sich die Preise der Soft Commodities - mit Ausnahme von Baumwolle – erholten. Getreide verzeichnete dagegen - angeführt von Mais, Sojabohnen und Weizen - aufgrund schwächerer Ernteaussichten einen Rückgang bei den spekulativen Nettopositionierungen. Die Unsicherheit der Handelsvereinbarungen belastet den Sektor der Industriemetalle erneut. Diese notierten nach einer leichten Erholung im Vormonat einen weiteren schwierigen Monat, da sich das an den Aktienmärkten vorherrschende bullishe Sentiment nicht ganz auf den Sektor der Basismetalle niederschlug. Industriemetalle haben wegen des ausbleibenden Durchbruchs zwischen den USA und China beim Thema Handel nicht im Wert bewegt. Einzig Palladium ist ein Lichtblick in diesem für Edelmetalle weiterhin eintönigen Monat. An den Aktienmärkten herrschte dagegen allgemein eine risikofreundliche Marktstimmung, was auf die guten Wirtschaftsdaten des dritten Quartals in den USA sowie auf den verhaltenen Optimismus an der amerikanisch-chinesischen Handelsfront zurückzuführen war. Die Preise für Edelmetalle gaben im Lauf des Monats nach, da die Nachfrage nach Safe-Haven Investments nachgab. Palladium überstrahlte den Sektor der Edelmetalle und steigerte damit seine Zuwächse der Monate weiter.

Schnäppchen, Umsatz und Dividende: Hoffnungen für Anleger im US-Einzelhandel

In den USA fiel am vergangenen Freitag der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel. Traditionell gelten die Aktionstage „Black Friday“ und „Cybermonday“ nach Thanksgiving als Auftakt für die umsatzstarken Wochen vor dem Jahreswechsel. Doch das alljährliche Spektakel bietet nicht nur Käufern eine Flut an Angeboten und Rabatten, es ist vor allem ein Gradmesser für die wichtigste Stütze der US-Konjunktur.

Unterschätzter Wirtschaftstreiber

Denn die Konsumausgaben privater Haushalte sind für rund zwei Drittel des gesamten Bruttoinlandsprodukts der USA verantwortlich. Im dritten Quartal 2019 waren es Daten des Bureau of Economic Analysis zufolge sogar 68,1 Prozent. Dieser hohe Anteil gestaltete sich über die vergangenen Jahre konstant hoch und gilt gerade in Zeiten ansonsten geringerer wirtschaftlicher Dynamik als verlässliche Stütze der Wirtschaftsleistung.

Neben der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung ist das Geschäft vor allem für Investoren großer Handelskonzerne von Bedeutung. Gute Umsätze begünstigen attraktive Dividendenmöglichkeiten und so blicken auch Anleger gespannt auf das Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr gestaltet sich das Umfeld jedoch gemischt.

Unterschiedliche Ausgangslagen für Einzelhandels-Aktien

Der weltgrößte Online-Händler Amazon rechnet etwa angesichts harter Konkurrenz im wichtigen Schlussquartal mit einem deutlich schwächeren Geschäft als Börsenexperten. Für das Geschäftsquartal, in den Thanksgiving und Weihnachten fallen, stellt der Konzern Nettoerlöse zwischen 80 und 86,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten erwarteten bisher im Schnitt einen Umsatz von 87,37 Mrd. Dollar.

Andererseits hat der größte US-Einzelhändler Wal-Mart im dritten Geschäftsquartal dank florierender Online-Verkäufe besser als erwartet abgeschnitten. In den drei Monaten bis Ende Oktober kletterte der Gewinn im Jahresvergleich um mehr als 90 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Indikatoren deuten auf soliden Konsum hin

Jüngsten Daten des Handelsministeriums in Washington zufolge, haben die US-Einzelhändler im Oktober ihren Umsatz leicht steigern können. Ihre Erlöse kletterten um 0,3 Prozent zum Vormonat, und damit etwas stärker als Ökonomen erwartet hatten. In den Monaten davor entwickelten sich die Umsätze teils überraschend deutlich stärker.

Allerdings hat sich laut dem Forschungsinstitut Conference Board im November die Stimmung der US-Verbraucher unerwartet eingetrübt. Das entsprechende Barometer fiel gegenüber Oktober von 126,1 Zählern auf 125,5 Punkte. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet.

Die Ökonomen der Federal Reserve (Fed) bleiben insgesamt zuversichtlich: „An diesem Punkt des langen Aufschwungs sehe ich das Glas weit mehr als halbvoll“, sagte jüngst der Notenbankchef Jerome Powell. Dies ist auch aufgrund des privaten Konsums der Fall, der im dritten Quartal um 2,9 Prozent zulegte. Damit dürfte alles für ein Weihnachtsgeschäft angerichtet sein, das nicht nur Konsumenten und Ökonomen, sondern auch Anlegern Freude bereitet.

ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA: mit „gutem Gewissen“ auf chancenreiche US-Aktien setzen

Konsum-Aktien spielen auch im ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA eine Rolle. Dieser auf US- und kanadische Aktien fokussierte Fonds ist in börsennotierten Unternehmen aller Größenordnungen investiert. Die Auswahl der für den Fonds in Frage kommenden Aktien geschieht auf Basis der nachhaltigen Kriterien der Erste Asset Management. Werte wie Procter & GamblePepsi oder das Bezahlunternehmen VISA sind derzeit prominent im Portfolio vertreten.

Der ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA bietet die Chance auf hohe Wertsteigerungen so wie in diesem Jahr und in den letzten 5 Jahren. Als AnlegerIn muss man sich bewusst sein, dass es jederzeit zu stark schwankenden Kursen kommen kann und auch ein Kapitalverlust möglich ist. Eine längere Behaltedauer von mindesten 6 Jahren ist daher zu empfehlen.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Datum: 29.11.2019

Sowohl 2019 als auch im Schnitt der letzten 5 Jahre erfuhr der ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA eine hohe Wertsteigerung.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Has momentum lost its mojo?

Historically it has often paid to buy into assets that have already performed well recently. That has led to investors deliberately targeting momentum as a source of return. But in currencies, it's gone terribly wrong in recent years.

John Roe, Head of Multi-Asset Funds at Legal & General Investment Management, with a warning tale about why factors can fail if there's a big change in market dynamics.

Moderates Wachstum als Treiber für die Kapitalmärkte in 2020

Erste Asset Management (Erste AM) blickt auf ein überdurchschnittlich gutes Anlagejahr zurück. Dank der überaus positiven Entwicklung nahezu aller Anlageklassen und erfreulicher Neuzuflüsse hat sich das Anlagevolumen von 58,5 Mrd. Euro zum Ultimo 2018 auf 63,7 Mrd. Euro (per 31.10.2019) gesteigert.

Das bedeutet einen Zuwachs von 8,9% und das Jahr ist noch nicht zu Ende. „Wer 2019 in Fonds investiert war, wurde durch eine außergewöhnliche Performance belohnt“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Nachhaltiges Fondsvolumen wächst deutlich zweistellig

Noch deutlicher fiel das prozentuelle Plus beim Volumen der Nachhaltigkeitsfonds aus: Waren es zu Jahresbeginn noch 5,4 Mrd. Euro, so kletterte das nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) verwaltete Volumen Ende Oktober auf 6,2 Mrd. Euro, was einem Zuwachs von 16,8% entspricht.

Mit insgesamt 15 nachhaltigen Publikumsfonds und mehreren Spezialfonds ist die Erste AM im Nachhaltigkeitsbereich Marktführerin in Österreich.

Wir nehmen eine Pionierrolle im Bereich Ethik und Nachhaltigkeit ein: Bereits 2001 wurde der erste nachhaltige Publikumsfonds aufgelegt. Nachhaltigkeit ist in unseren Augen kein Schlagwort, sondern entspricht unserer Überzeugung, dass ökologische und soziale Faktoren für unsere KundInnen langfristig eine bessere Performance bringen“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Milde Erholung des globalen Wirtschaftswachstums

Eine milde Erholung der Weltwirtschaft 2020 ist wahrscheinlicher geworden“, betont Anlagechef (Chief Investment Officer) Gerold Permoser. Seit etlichen Monaten werde von einer möglichen Abflachung der Weltwirtschaft gesprochen. „Einzelne Wirtschaftsindikatoren weisen darauf hin, dass die Weltkonjunktur nicht mehr ganz so rund läuft, aber von einer Rezession sind wir weit entfernt“, so Permoser.

Der private Konsum und die niedrige Arbeitslosigkeit stützen die Weltwirtschaft. Die Inflation verharre auf einem niedrigen Niveau und sei „unter Kontrolle“.

Die Börsen gelten gemeinhin als Vorlaufindikator für wirtschaftliche Entwicklungen und sind gerade nahe neuer Allzeit-Hochs bzw. haben diese übersprungen. Dagegen sind die Kurse der kreditsicheren Staatsanleihen nach ihrem Allzeit-Hoch Anfang September gefallen.

Um einer Konjunkturabflachung vorzubeugen haben die internationalen Notenbanken neuerlich die Geld- und Zinspolitik gelockert.

Permoser: „Die Börsen spiegeln die Zuversicht über den weiteren Konjunkturverlauf wider. Die Zuversicht überwiegt die Unsicherheiten, und das ist gut für die Kapitalmärkte.“

Deeskalation im Handelsstreit USA-China

Die Aussicht auf eine Übereinkunft im Konflikt zwischen den USA und China hat zugenommen. Diese wird zwar voraussichtlich nicht alle Konfliktbereiche (Handel, Technologie, Finanzen, Währung, Patentschutz) betreffen, aber immerhin könnten sich die beiden Länder auf einen „Waffenstillstand“ einigen.

Als belastend Themen stellen sich für Erste Asset Management der schwache Automobilsektor und damit verbunden eine „maue“ Geschäftslage im verarbeitenden Gewerbe dar, die der zyklischen Entwicklung geschuldet seien.

Bullenmärkte enden in der Regel in einem Feuerwerk

Auch 2020 sei die Erzielung positiver Renditen im Niedrigzinsumfeld die größte Herausforderung für Investoren. Die Aussicht auf eine Erholung der Weltkonjunktur und die moderate Bewertung in Relation zu den Unternehmensgewinnen machen Aktien auch 2020 zu einem attraktiven Anlageinstrument.

Das Ertragspotenzial von Dividende plus Gewinnwachstum liege zwischen 6 und 8 Prozent. Die Alternativen zu Aktien und Aktienfonds seien „überschaubar“, unterstreicht Heinz Bednar.

Dass der Aktienbullenmarkt nun schon seit über einem Jahrzehnt anhält, sei Tatsache und habe den AnlegerInnen im Laufe der Jahre überdurchschnittliche Gewinne beschert. „Wir sind trotz der mehr als zehnjährigen Hausse positiv gestimmt, was eine Fortsetzung des Aufwärtstrends 2020 betrifft. Die positiven Signale überwiegen“, so Bednar.

Asiatische Aktien besonders chancenreich

Im Aktiensegment sehen die Fondsmanager von Erste Asset Management Werte aus Asien als besonders aussichtsreich ein, aber auch die Börsen der USA, Europas, Japans und der Schwellenländer Zentral- und Osteuropas sollten nicht enttäuschen.

Bei den Branchen liegt der Fokus auf Rohstoffaktien, Industrie- und Konsumwerten sowie Finanzwerten. Neben Aktien sehen die Experten der Erste Asset Management höher rentierenden Unternehmensanleihen im Euro-Raum und in den USA sowie Anleihen der Schwellenländer in Hart- und Lokalwährung als attraktive Anlageklassen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Vielfältige Facetten des Risikos - Worauf Anleihe-Investoren achten sollten

von Lidia Treiber, Director - Research bei WisdomTree.

Das Anlagerisiko bei Anleihen liegt in der Bereitschaft und der Fähigkeit der Emittenten, die Schulden zurückzuzahlen. Je nachdem, welche Anlageklasse in der Anleihe abgebildet wird, ist das Ausfallrisiko einer Anleihe unterschiedlich zu bewerten.

Schwellenmarktanleihen: Politische Risiken dominieren

Um die Fähigkeit zur Schuldentilgung bei Emerging Market Sovereign Bonds (EM Sov) einschätzen zu können, sind grundlegende Aspekte eines Landes zu berücksichtigen: Ein starkes Wirtschaftswachstum, eine stabile Währung, die Ertragsfähigkeit (d. h. operative Steuereinnahmen), Schuldenlast und verbesserte demografische Merkmale.

Die Bereitschaft eines Schwellenlands zur Schuldentilgung hängt unmittelbar mit der Staatsführung bzw. dem bestehenden politischen System zusammen. Es ist durchaus möglich, dass eine Regierung beschließt, ihre Schulden nicht zurückzuzahlen, auch wenn sie aus fundamentaler Sicht dazu in der Lage ist. Das politische Risiko darf bei der Betrachtung der Exposition in Schwellenländer nicht außer Acht gelassen werden und schlägt sich normalerweise in den Bewertungen der Ratingagenturen nieder.

Bei Engagements in Schwellenländer-Staatsanleihen in Landeswährung müssen Anleihegläubiger zudem mit Abwertungsrisiken umgehen. Die Regierung eines Schwellenlandes kann die landeseigene Währung abwerten und dabei technisch kein Ausfall- oder Kreditereignis generieren. Dies sollten Anleger berücksichtigen, wenn sie das Risiko-Ertrags-Verhältnis zwischen Schwellenländer-Staatsanleihen und anderen festverzinslichen Risikoaktiva vergleichen.

High-Yield-Anleihen: Ausfallraten hängen vom Marktumfeld ab

Emittenten, die von den Ratingagenturen als hochverzinslich eingestuft werden, erhalten diese Bewertung ebenfalls in Anlehnung an die mit den Anleiheinhabern vereinbarte Fähigkeit und Bereitschaft, Zinsen und Kapitalbetrag zurückzuzahlen. Emittenten, bei denen ein Ausfallrisiko in Bezug auf Zins- oder Tilgungszahlungen besteht, erhalten ein High Yield bzw. Non-Investment Grade Rating. Um Investoren für den Kauf ihrer Emission zu gewinnen, zahlen Emittenten dann in der Regel einen höheren Kupon als Emittenten mit Investment Grade-Rating. Eine Anleihe gilt als Non-Investment-Grade-Anleihe, wenn ihre Bonität von Standard & Poor's und Fitch unter BBB- und von Moody's unter Baa3 liegt.

Die Ausfallraten für Emittenten mit hohen Renditen steigen in der Regel, wenn das Marktumfeld negativ ist. Dies erzeugt Druck auf die Emittenten, wie dies während der Finanzkrise 2008 der Fall war. Das Risiko wird in der Regel neu bewertet und der von Investoren erwartete optionsbereinigte Credit Spread (OAS) kann erheblich steigen, wie es am amerikanischen High Yield Markt, unter Berücksichtigung des hier als Referenz geltenden ICE BofAML US-High Yield Master II OAS-Index (US HY-Index), der Fall war. Der US-High Yield-Index erreichte im November 2008 einen Höchststand von fast 2000 Basispunkten über US-Staatsanleihen. Derzeit – per 31. Oktober 2019 - liegt er bei rund 398 Basispunkten.

Wandelanleihen: Anleger profitieren vom Aufwärtspotential des Unternehmens

Wandelanleihen, sogenannte Convertibles, sind ebenfalls festverzinsliche Schuldtitel von Aktiengesellschaften. Der Emittent schüttet Zinsen aus, kann die Anleihe aber in eine vorgegebene Anzahl an Stammaktien oder Aktien umwandeln. Die Umstellung von einer Anleihe auf eine Aktie kann entsprechend des Anleiheprospekts zu bestimmten Zeiten erfolgen und liegt normalerweise im Ermessen des Anleiheinhabers.

Aus Sicht der Emittenten besteht der Vorteil der Emission von Wandelschuldverschreibungen darin, dass der Emittent die Schuldverschreibungen in vielen Fällen zu einem niedrigeren Kupon anbieten kann, als dies bei einer Anleihe ohne Wandelschuldverschreibung der Fall wäre. Der Anleiheinhaber kann die Anleihen in Aktien umwandeln und damit potenziell von dem damit verbundenen Aufwärtspotenzial profitieren. Typischerweise sinkt die Rendite je höher der Wert der Umwandlungseigenschaft ist.

Unter Bonitätsgesichtspunkten handelt es sich bei mehr als 50 Prozent der Wandelanleihe-emissionen um Anleihen ohne Rating, wobei die andere Hälfte hauptsächlich zwischen High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen beinhaltet1. Wandelanleihen werden in der Regel von Unternehmen mit niedriger Bonität und hohem erwarteten Wachstum ausgegeben. Tesla Motors beispielsweise haben bereits 2014 eine große Anzahl an Wandelschuldverschreibungen emittiert. Damals wiesen sie nur geringe bis negative Gewinne aus und konnten Anlegern niedrigere Kupons anbieten als es mit festverzinslichen Anleihen zum gleichen Zeitpunkt möglich gewesen wäre. Die Kouponzahlung für ihre Wandelschuldverschreibungen lag zwischen 25 und 125 Basispunkten, weit unter dem Niveau, dass sie mit anderen Anleihen aufgrund ihrer damals schwachen Fundamentaldaten erreicht hätten. 

Additional-Tier-1-Convertible Bonds, kurz CoCo-Bonds: Positiver Trend bei den Ratings europäischer Banken

Additional-Tier-1-Convertible Bonds haben sich als Anlageklasse nach der Finanzkrise von 2008 entwickelt mit dem Ziel, das Systemrisiko im globalen Bankensystem zu verringern. Die sogenannten AT1-CoCos werden in der Regel von europäischen Banken ausgegeben, um ihre Kapitalbeschaffung aufgrund der nach der Finanzkrise strengeren Basel-III-Kapitalanforderungen zu stärken.

Innerhalb der Kapitalstruktur einer Bank gehören AT1-CoCo-Anleihen zu den Nachranganleihen. Diese gelten als Hybrid-Instrumente, die unter bestimmten Bedingungen (Auslöser) in Aktien umgewandelt oder abgeschrieben werden können. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass die Wandlung oder Abschreibung zu einem Zeitpunkt erfolgt, der eher für den Emittenten günstiger ist als für Anleger. Deshalb ist auch ein Renditeaufschlag erforderlich, damit das Risiko-Rendite-Profil überhaupt attraktiv ist.

Anleger von AT1-CoCos tendieren dazu, die Fundamentaldaten der Emittenten zu analysieren, wenn sie das Instrument erwägen. Banken mit starken Fundamentaldaten und Kapitalreserven neigen in der Regel weniger dazu, den Einsatz des Konvertierungsmechanismus zu fordern. Der Benchmark für die Anlageklasse, der Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1-Index von iBoxx, besteht größtenteils aus Schuldtiteln großer europäischer Banken, deren vorrangige Anleihen derzeit ein Rating bei „Investment Grade“ aufweisen. Insbesondere 24 Prozent2 des Index setzen sich aus Anleihen zusammen, die von den Ratingagenturen mit BBB bewertet und von global systemrelevanten Banken (GSIBs) begeben wurden.

Generell profitierten AT1-CoCos emittierende europäische Banken von einer Verbesserung ihrer Fundamentaldaten mit Rating-Upgrades um fast 36 Prozent im Jahr 2017, 30,2 Prozent im Jahr 2018 und bereits 9,3 Prozent im Jahr 20193. Dies spiegelt einen positiven Trend für das Segment der europäischen Banken wider, da die Anzahl der Upgrades die der Downgrades in den letzten drei Jahren übertrafen. Der langfristige S&P-Ausblick für das Jahr 2019 für die Stichprobe der europäischen Banken, die AT1 CoCos emittieren, zeigt, dass der Sektor im Jahr 2019 weitgehend stabil ist. 33 Banken wiesen eine stabile Prognose auf, sieben Banken eine positive und nur sechs Banken eine negative Prognose4. Das durchschnittliche Rating der AT1-Cocos emittierenden europäischen Banken, beträgt Ende September 2019 A-. 

Die Darstellung der jeweiligen Rendite festverzinslicher Risikoaktiva je Laufzeiteinheit veranschaulicht die unterschiedliche Renditeentwicklung in diesen Anlageklassen (Abb. 1).

Abbildung 1


Quelle: WisdomTree, Markit, Bloomberg. Daten Stand 1. Oktober 2019 spiegeln Zahlen nach der Neugewichtung wieder. Rendite ist Yield-to-Worst, Effektive OA-Dauer ist die effektive, optionsbereinigte Duration. Markit-Indizes verwenden für die Rendite eine dauerangepasste Marktwertgewichtung. Der AT1 CoCos ist der iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index, der US HY ist der iBoxx USD Liquid High Yield Index, der EUR HY ist der iBoxx EUR Liquid High Yield Index, der EM Gov ist der iBoxx USD Liquid Emerging Markets Sovereigns Index und die Wandelanleihen werden durch die Titel des Bloomberg Barclays Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD repräsentiert.

Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Während alle Anleiheinstrumente unterschiedliche Renditeprofile bieten, ist die Korrelationsmatrix (Abb. 2) dieser Risiko-Exposures gleichfalls erwähnenswert. Es ist zu erkennen, dass ein breit gefächertes Engagement in Risikoaktiva innerhalb von Anleihen von Vorteil ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Aktiva nicht perfekt korrelieren und eine Diversifizierung dazu beitragen kann, das potenzielle Risiko-Ertragsprofil von Anlegerportfolios bei unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen zu verbessern.

Abbildung 2


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. für den Zeitraum vom Freitag, 31. Dezember 2013 bis zum 30. Februar 2019. Basiert auf monatlichen Renditen und enthält Backtesting-Daten. Alle Indizes lauten auf ihre Basiswährung (in der Tabelle angegeben). Alle Anleihenindizes sind Total-Return-Indizes. Alle Aktienindizes sind Net-Total-Return-Indizes. AT1 CoCos EUR H ist der iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index (EUR hedged), US HY ist der iBoxx USD Liquid High Yield Index, EUR HY ist der iBoxx EUR Liquid High Yield Index, EM Gov ist der iBoxx USD Liquid Emerging Markets Sovereigns Index und die Wandelanleihen werden durch die Bestandteile des Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD von Bloomberg Barclays repräsentiert.

Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Quellenangaben

1Quelle: Bloomberg. Daten per 31. Oktober 2019. Das Rating entspricht dem von Bloomberg angegebenen allgemeinen Qualitätsrating basierend auf dem konservativen Durchschnitt von Moody's, S & P und Fitch, ausgedrückt in der Moody's-Nomenklatur. Moody's, S & P und Fitch sind die drei wichtigsten Ratingagenturen, die Ratings vergeben, die die Fähigkeit eines Schuldners zur Rückzahlung von Schulden durch rechtzeitige Kapital- und Zinszahlungen sowie die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls bewerten. Moody's weist Anleiheratings von Aaa, Aa, A, Baa, B, Caa, Ca, C zu, wobei WR und NR als zurückgezogen und nicht bewertet gelten. Standard & Poor's und Fitch weisen Anleiheratings mit AAA, AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C und D zu.Ratings unter Baa3 von Moody's oder BBB- von S & P und Fitch gelten als Non-Investment Grade. Der bedingte Wandelanleihenmarkt wird durch die Bestandteile des Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD von Bloomberg Barclays repräsentiert.
2Quelle: WisdomTree, Markit. Daten per 30. September 2019.
3Quelle: WisdomTree, Markit. Daten per 30. September 2019. Unsere Stichprobe basiert auf europäischen Banken innerhalb der Markit-Indizes, die AT1-CoCos unter Berücksichtigung der S & P-Bonität emittieren.
4Quelle: Bloomberg. Daten zum Ratingausblick per 6. November 2019. Unsere Auswahl an Emittenten basiert auf europäischen Banken innerhalb der Markit-Indizes, die AT1 CoCos unter Berücksichtigung der S & P-Bonität zum 30. September 2019 emittieren. 

Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.

Eurozone: ein Plan für eine freundlichere Zukunft

Das neue Massnahmenpaket der Eurozone zur Konjunkturbelebung könnte der Wirtschaft den grössten geld- und fiskalpolitischen Schub seit 2008 geben. Ausserdem ist es ein Zeichen dafür, dass sich die Region auf eine solidere Basis stellt, erklären Sabrina Khanniche, Senior Economist, und Steve Donzé, Senior Macro Strategist, beide Pictet Asset Management.

Langsam zeichnen sich die Konturen eines neuen Plans zur Belebung des Wachstums in der Eurozone ab, nur wenige Tage, nachdem Ursula von der Leyen ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Kommission angetreten und Christine Lagarde ihre Rolle als EZB-Chefin übernommen hat.

Dieser Plan verspricht die stärksten koordinierten Impulse seit der Finanzkrise 2008.

Ausgehend von dem Haushaltsentwurf 2020, welcher der Europäischen Kommission vorgelegt wurde, rechnen wir damit, dass die Eurozone die grosszügigsten Steuersenkungen seit 2010 vornehmen wird, ein fiskalpolitischer Impuls in einer Grössenordnung von 0,3% des BIP.

Der Grossteil des Impulses wird von Deutschland ausgehen, dessen produktionslastige Wirtschaft kurz vor der Rezession steht. Der fiskalpolitische Kurs Deutschlands, konjunkturzyklusbereinigt und bereinigt um bestimmte Einmaleffekte, wird im nächsten Jahr von -0,7% in 2018 auf expansive 0,8% steigen.

Aber selbst das wird wohl nicht ausreichen. Auf Deutschland entfällt rund ein Drittel des BIP der Eurozone und unseren Analysen zufolge wird der Ausgabenplan für 2020 dem Land höchstens 0,4 Prozentpunkte Wachstum bescheren (siehe Abbildung).

FISKALPOLITISCHER IMPULS FÜR DEUTSCHLAND


Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv und Bloomberg, Daten vom 08.11.2019

Es ist daher keine grosse Überraschung, dass der deutsche Gesetzgeber versucht, seine langgehegte Politik des ausgeglichenen Haushalts zu lockern.

Kanzlerin Angela Merkel sagte im Oktober, dass sich die Deutschen nicht an der Schwarzen Null festbeissen sollten und dass Investitionen in die Zukunft ebenfalls Priorität haben. Finanzminister Olaf Scholz schlug zudem vor, dass die Regierung 50 Mrd. Euro zusätzlich ausgeben sollte.

Auch der IWF drängt Deutschland zu öffentlichen Investitionen. In diesem Sinne erklärte auch die neugewählte Kommissionspräsidentin, dass sie einen Plan für nachhaltige Investitionen vorlegen werde, durch den Mittel in Höhe von 1 Bio. Euro für die nächsten zehn Jahre bereitgestellt werden sollen.1

Berlin kann auch Sozialversicherungsbeiträge senken oder Anreize zum Kauf langlebiger Güter bieten – das würde den Einkommen der privaten Haushalte sofort einen Impuls geben und die Konsumausgaben stärken.

Damit fiskalpolitische Impulse jedoch Wirkung zeigen, muss auch die Zentralbank ihren Beitrag leisten. Höhere Staatsausgaben können nämlich einen kontraproduktiven Effekt haben und zu einem Anstieg der Fremdkapitalkosten führen.

Die EZB ist bereits dabei, die Geldmenge im Finanzsystem zu erhöhen, um die Zinssätze niedrig zu halten.

Das neue Massnahmenpaket, das im September vorgestellt wurde, sieht Anleihenkäufe von 20 Mrd. Euro pro Monat vor. Falls sich an diesem Umfang bis zum selbst auferlegten Ende des Programms nichts ändert, dürfte die Zentralbank in den kommenden beiden Jahren eine halbe Billion Euro ins System pumpen.2  Dadurch würde sich die Liquidität auf ihren höchsten Stand seit 2014 erhöhen und über dem 12-Jahres-Durchschnitt liegen.3

Die EZB könnte auch ihr bestehendes Kreditprogramm „Targeted Longer Term Refinancing Operations“ (TLTROs) wieder auflegen. Im Extremfall könnte sie die Bedingungen dieses Programms drastisch lockern, indem sie z. B. angeschlagenen Banken eine unbefristete Kreditlinie gewährt. Sie könnte aber auch auf eine Steuerung der Zinskurve wie in Japan zurückgreifen.

Die neue EZB-Chefin Lagarde muss aber vielleicht gar nicht so weit gehen. Sollten sich aber die globalen Konjunkturbedingungen verschlechtern, haben die EZB und die Regierungen der Mitgliedstaaten noch einiges in ihrer Trickkiste, um das Wachstum zu beleben.

Aus diesen Gründen – wie auch in unserem Secular Outlook dargelegt – wird in der Eurozone in den kommenden Jahren das Fundament für eine freundlichere Zukunft gelegt.

Erfahren Sie mehr zu den Perspektiven Europas.


1) https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/political-guidelines-next-commission_en.pdf
2) Die EZB beschränkt das Volumen ihrer möglichen Staatsanleihenkäufe je Mitgliedstaat auf 33% der insgesamt in Umlauf befindlichen Anleihen.
3) Summe der von den Notenbanken neu zur Verfügung gestellten Liquidität und der von Banken und Nichtbanken neu zur Verfügung gestellten privaten Liquidität, in Prozent des nominalen BIP

Über die Autoren

Sabrina Khanniche ist seit 2011 als Ökonomin im Fixed Income-Team bei Pictet Asset Management beschäftigt. Vor Pictet war sie vier Jahre als Finanzingenieurin bei Groupama Asset Management tätig und in dieser Funktion für die Analyse und Modellierung von Hedgefondsrisiken zuständig. In dieser Rolle veröffentlichte und präsentierte sie ihre Arbeiten auf internationalen Fachkonferenzen. Frau Khanniche hat an der Universität Paris West Nanterre La Défense einen Masterabschluss und einen Doktortitel erworben.

Steve Donzé kam 2007 zu Pictet Asset Management. Er ist Senior Makro-Stratege im Team International Multi Asset und beitragendes Mitglied des Strategie-Teams von Pictet Asset Management. Steve Donzé erwarb einen MA am Graduate Institute of International and Development Studies (IHEID) und einen PhD an der London School of Economics.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Künstliche Intelligenz als Investition in die Zukunft

Investitionen in Zukunftstechnologien sind eine spannende Sache und eröffnen Chancen auf Gewinne in der Zukunft. In mehreren Beiträgen haben wir uns bereits mit den wichtigsten Entwicklungen beschäftigt, auch auf dem Gebiet der Gesundheits- und Umwelttechnologien. Heute geht es um das Thema „künstliche Intelligenz“. Bernhard Selinger, Fondsmanager des ERSTE FUTURE INVEST, gibt einen Einblick, welche Megatrends unser Leben in den nächsten Jahren verändern werden.

Künstlicher Intelligenz (per Definition ein Teilgebiet der Informatik, verbunden mit Automatisierung und maschinellem Lernen), wird zugeschrieben verschiedenste Bereiche des alltäglichen Lebens von Grund auf verändern zu können. Als eine Art Wegbereiterin kann die Digitalisierung gesehen werden. Sie schreitet seit Jahren unaufhaltsam voran und ist in beinahe jeden Lebensbereich vorgedrungen.

Folglich sind die Anforderungen an Rechner- und Speicherkapazität sowie Internet-Bandbreiten beinahe exponentiell im Steigen begriffen. Künstliche Intelligenz soll auf immer mehr Anwendungsfelder ausgerollt werden.

Die Mobilfunk-„Evolution“ von 5G zu 6G

5G ist heute in aller Munde –  das ultraschnelle Mobilfunk-Netz, das gerade ausgerollt wird. Aktuelle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass 5G in weniger als 10 Jahren schon wieder überholt sein könnte. Höhere Frequenzen (4G rund 3GHz bzw. 5G bis zu 30GHz), die für größere Bandbreiten benötigt werden, gehen üblicherweise mit einer geringeren Reichweite einher.

Das ist nicht ganz unproblematisch, zumal die Infrastruktur auch hierzulande noch hinter her hinkt. Die Anzahl an benötigten Basisstationen könnte demnach auch bei einem Wechsel auf 6G noch einmal deutlich steigen.

Auch die Sicherheitsanforderungen an die Telekom- und Netzwerkinfrastruktur werden kontinuierlich steigen – mit interessanten Möglichkeiten für Nischenplayer, die hier Lösungen bieten (z.B. Cyan).

Computer Rechenleistung verdoppelt sich alle paar Jahre

Die anfallenden Datenmengen wollen in vernünftiger Zeit verarbeitet und ausgewertet werden. Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Prozessorgeschwindigkeit von Computern alle paar Jahre verdoppelt – bei annähernd gleichbleibenden Kosten.

In den letzten Jahren hat diese Entwicklung an Fahrt verloren, zumal mittlerweile physische Limits beim Chipdesign erreicht sind: Auf modernen Prozessoren von ein paar Quadratmilimetern finden Milliarden an Transistoren Platz.

Leiterbahnen sind nur noch ein paar Atome breit. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass auf Basis der aktuellen Siliziumtechnologie bei rund 5-7 Nanometern (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter) endgültig Schluss ist mit weiteren Verkleinerungen. Der US-Chipproduzent Intel stellte im August 2019 die ersten 10 Nanometer Chips („Ice Lake“) vor. 7 Nanometer Chips befinden sich aktuell in der Entwicklungsphase und sollen nicht vor 2021 in den Handel kommen.

Bei grafikintensiven Anwendungen wie 3D-Design oder Virtual Reality (Dassault Systeme) kommen spezielle Grafik-Chips zum Einsatz. NVIDIA sehen wir in diesem Zusammenhang besonders gut positioniert.

Das große Match zwischen Netflix und Disney

Das große Match zwischen Netflix und Streaming-Newcomer Disney wird neben dem Content- Angebot auch über künstliche Intelligenz entschieden werden. Wer hat auf Basis der gesammelten Nutzerdaten seinen Algorithmus am besten trainiert um neuen Zusehern die für sie passendsten Filme und Serien vorschlagen zu können?

Chinesen Vorreiter bei automatisierten Fastfood-Bestellungen

Ähnliches kann man bei Fastfood-Selbstbedienungsterminals beobachten. Während manche einfach nur das Menü anzeigen, werden bei schlaueren Terminals Vorschläge auf Basis personenbezogener Daten gemacht: Beispielsweise gibt man seine Bonusclub-Daten ein, wo neben dem Alter und dem Geschlecht auch bisherige Bestellungen gespeichert sind.

Weiters können Faktoren wie Tag, Uhrzeit oder auch Wetter miteinbezogen werden. Yum China ist seit Jahren in diesem Bereich Vorreiter. KFC – neben Pizza Hut und Taco Bell die wichtigste Marke von Yum China – geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt auf den sprachgesteuerten Bestellroboter „Dumi“.

Der Roboter, der in Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinenbetreiber Baidu entwickelt wurde, ist in der Lage unterschiedliche lokale Dialekte zu verstehen. Er erkennt das Geschlecht, das Alter und sogar die Stimmung von seinem Gegenüber und passt die Menüvorschläge entsprechend an.

Der Branchenriese McDonalds hat erst kürzlich erkannt, dass er hier Aufholbedarf hat und investiert – allerdings mit Jahren Verspätung – vermehrt in digitale Bestellterminals, Apps und Datenauswertung.

Autonomes Fahren – Software macht den Unterschied

Eine der derzeit anspruchsvollsten Anwendungen für künstliche Intelligenz ist das autonome Fahren. Neben einer Vielzahl von technischen Systemen, wie Prozessoren, Kameras oder verschiedensten Sensoren (Radar, LIDAR, Ultraschall) ist es vor allem Software, die mit Hilfe eines Algorithmus Objekte erkennen und räumlich zuordnen kann.

Der Begriff „Machine Learning“ beschreibt den Prozess, bei welchem der Algorithmus durch Hinzugabe weiterer Daten trainiert und somit die Vorhersagen verbessert werden können. Wenn beispielsweise in das System zigtausende Bilder von roten Ampeln (aus verschiedenen Blickwinkeln, bei unterschiedlichem Wetter usw.) eingelesen und spezifische Merkmale definiert werden, kann der Algorithmus auf den von den Kameras aufgenommenen Bildern eine „echte“ rote Ampel im Straßenverkehr zuverlässig erkennen und entsprechend reagieren.

Erfolgt das Training mit neuen Daten selbstständig – wenn also der Algorithmus seine „Erfahrung“ nutzt um sich selbst zu verbessern – spricht man auch von „Deep Learning“. Waymo, ein Unternehmen der börsennotierten Alphabet, ist im Bereich autonomes Fahren einer der aussichtsreichsten Kandidaten.

Das Unternehmen hat den besten Algorithmus in der Branche entwickelt basierend auf einem riesigen Datenschatz: In den letzten 10 Jahren haben Waymo Fahrzeuge rund 10 Millionen autonom gefahrene Kilometer abgespult. Aktuell sind rund 600 Fahrzeuge in Phoenix, Arizona, im Einsatz. Zudem startete Waymo zu Beginn des Jahres einen ersten kommerziellen Robo-Taxi Service.

ERSTE FUTURE INVEST – Der Fonds für alle Megatrends

Nicht aus jedem Hype oder Trend wird ein Megatrend. Künstliche Intelligenz hat das Potenzial wichtige langfristige technologische Veränderungen zu bewirken. Die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz beeinflusst nicht nur unser tägliches Leben sondern eröffnet auch neue Investitions-Möglichkeiten.

Wenn Anleger Megatrends erkennen und frühzeitig in entsprechende Aktien investieren, können sie unter Umständen ansehnliche Renditen erzielen. Vor diesem Hintergrund investiert der neue Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST in 5 potenzielle Megatrends – wie Gesundheit & Vorsorge, Lebensstil, Technologie & Innovation, Umwelt & saubere Energie und Aufstrebende Märkte, die für AnlegerInnen als attraktiv erachtet werden.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Gesundheits-Apps – auch ein Rezept für Anleger?

Ab 2020 übernehmen Krankenkassen die Kosten für vom Arzt verschriebene Gesundheits-Apps. Mit dem entsprechenden Gesetz, das am 07. November 2019 verabschiedet wurde, leistet der Gesetzgeber nicht nur der Digitalisierung im Gesundheitswesen Vorschub. Er schafft außerdem die Voraussetzung, dass sich neben den bisher weit über 100.000 Apps, die sich vor allem Lifestyle, Fitness und Ernährung widmen, auch eine steigende Anzahl von Gesundheits-Apps aus den Bereichen Diagnostik und Therapie etablieren. Um Patienten, die sich bislang auf die hauseigenen Angebote ihrer Krankenkasse oder auf die Berichte von Stiftung Warentest verlassen mussten, die Auswahl zu erleichtern, soll mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine zentrale Instanz für die Beurteilung von Gesundheits-Apps geschaffen werden.

Nutzen und ethische Fragen

Auch wenn Medikamentenpreise oft als zu hoch kritisiert werden und neue Therapien für seltene Krankheiten mit bis zu siebenstelligen Beträgen Schlagzeilen machen, so fällt der Löwenanteil der Gesundheitsausgaben doch für die Behandlung an. Durch die geplanten Gesundheits-Apps auf Rezept können enorme Behandlungskosten, wie sie z.B. durch mehrfache Diagnostik entstehen, eingespart werden.

So vielversprechend die Gesundheits-Apps auf Rezept auch sind: Noch stehen die ethischen Fragen nach Datenhoheit und -schutz und nach einer möglichen Unterwanderung des Solidaritätsprinzips der Krankenversicherung im Raum, die geklärt werden müssen. Klar ist aber auch: Die Durchdringung der Medizin mit digitalen Lösungen wird fortschreiten, weil sie signifikante Vorteile für die Gesundheitsversorgung bietet. Gesundheits-Apps sind dabei nur ein Baustein und werden schon bald Teil unseres immer stärker vernetzten Alltags sein.

Wo es Bedarf gibt

Gesundheits-Apps, bei denen es um mehr als Lifestyle und Fitness geht, adressieren oft Krankheitsfelder, bei denen der Patient bzw. sein Verhalten eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Behandlung hat. Diabetes und das zugehörige Insulinmanagement sind so ein Fall. Aber auch psychische Krankheiten, bei denen schnelle Hilfe sehr wichtig ist, Patienten aber oft erst Monate auf einen Termin warten müssen, sind ein vielversprechender Ansatzpunkt für „erste Hilfe“ durch eine App oder telemedizinische Konsultation.

Eine lohnende Entwicklung aus Anlegersicht?

Der Markt für Gesundheits-Apps ist noch sehr jung. Daher gibt es bislang kaum investierbare, d.h. börsennotierte Unternehmen, die sich auf die Entwicklung von Gesundheits-Apps konzentrieren. In diesem Feld tummeln sich zahlreiche Start-ups und sogar die Krankenkassen selber bieten entsprechende Gesundheits-Apps an. Da in Deutschland gerade erst die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Verschreiben von Apps geschaffen wurden, hält sich der Umsatz in diesem Bereich noch in Grenzen. Hier lohnt der Blick ins Ausland, wo es bereits einzelne Unternehmen gibt, die ihr Geld mit Gesundheits-Apps verdienen. Livongo aus den USA beispielsweise ist erst im Sommer an die Börse gegangen und bietet eine ganze Reihe von Apps oder App-ähnlichen Lösungen an, mit denen Patienten, Verwandte und Ärzte die Behandlung von chronischen Krankheiten besser überwachen und umsetzen können. Fest steht: In den nächsten Jahren dürfte der Markt für Gesundheits-Apps wachsen, sich ausdifferenzieren und auch für Investoren vielfältiger und attraktiver werden.


Über Hendrik Lofruthe

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Er gehört als Portfolio Manager Healthcare der Apo Asset Management GmbH (apoAsset) zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health und apo Medical Balance sowie für den neu aufgelegten apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehört neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de

Asset managers must do more – and not just on climate change

We are proud of our voting record on climate issues, but our engagement goes far beyond that – and we still can and must do more, explains Sacha Sadan, Director of Corporate Governance at Legal & General Investment Management.

When asset managers have hit the headlines lately, it has rarely been good news. That has of course been painfully apparent over the past few weeks, but was also evident in a more subtle but insidious way.

The Guardian published an article highlighting not only the extent to which large asset managers invest in fossil-fuel companies, but also their routine opposition to shareholder motions related to climate change. And just today a report characterised some fund managers as being ‘too cosy with companies on climate crisis’.

Whether or not asset managers should have any exposure to oil and gas is a contentious topic, but it seems clear that where they do have voting rights in these stocks they should – at the very least – be cast in favour of greater transparency around businesses’ climate plans.

Almost every asset manager now espouses the importance of investing responsibly and reflecting environmental, social, and governance considerations into ESG-branded funds, but the Guardian article makes plain that many are not putting this rhetoric into practice.

At LGIM, we feel we can speak out on this topic because we do speak out. The Guardian’s analysis highlighted our longer-term record, and this year alone we have continued to consistently back ‘climate-critical’ shareholder resolutions.

Unfortunately, there is significant variation in industry practice. While the new research published today found many investors are too ‘cosy’ with companies on the climate crisis, it simultaneously praised LGIM as one of the ‘top five’ best performers in terms of its voting record on climate issues.

Where there is less variation is in the industry’s tendency to agree that investors selling out of high-carbon sectors will not solve the climate challenge.

While there remain buyers of fossil fuels, the mere act of divesting from companies owning those hydrocarbons will not reduce the impact on the climate from those fossil fuels being burnt. Nor does this necessarily mean climate-related risks have been reduced, if – as often happens in practice – divestment results in overexposure to seemingly low-carbon industries such as financials; i.e. to the lenders and insurers of the very same fossil-fuel assets.

We agree that engagement is preferable to divestment, but believe that forceful engagement is needed. As the new UK Stewardship Code recognises, “asset owners and asset managers play an important role as guardians of market integrity and in working to minimise systemic risks” such as climate change.

It is therefore incumbent on asset owners to raise their expectations; on asset managers to put a professed commitment to ESG principles into action; and on key intermediaries such as investment consultants, ratings agencies and proxy voting advisers to accelerate the process.

With the new code pushing investors for timely disclosure of their full voting record, alongside rationales for contentious votes (such as abstentions or votes against shareholder proposals), we expect to see more progress.

New: here’s resolutions

There are already some positive signs. Over the summer, the Harvard Business Review noted that the proportion of total shareholder resolutions focused on environmental and social issues had grown from around 33% between 2006 and 2010 to over 50% by 2017.

Morningstar has reported that during the 2019 proxy voting season, which ended in June, investors had their say on 177 shareholder resolutions addressing environmental and social concerns. The average shareholder support for these resolutions was 29%, up from 25% last year, and 14 resolutions won a majority of voted shares.

As investors become more engaged, it is also important not to take a narrow view of companies, but also consider the impact of wider issues like deforestation in supply chains, or of the emissions associated with companies’ products. The impact on government policy is also important, which is why LGIM is also a consistent supporter of resolutions calling on companies to review and suspend membership from any trade associations whose lobbying activities are inconsistent with the Paris Agreement.

With the emergence of the largest-ever group of investors calling on governments to step up their climate ambitions – a group LGIM has joined – it is essential that corporate lobbying is aligned with this goal.

Investors who are sceptical about such engagement should remember that these more muscular attempts to raise ESG standards via resolutions are not a zero-sum game; they benefit the entire market. By working together as asset managers, we can influence boards and improve corporate conduct.

E – and SG

Importantly, this isn’t and shouldn’t just be about the environment. The focus on environmental policies is understandable given the climate emergency, but we at LGIM are equally committed to social and governance factors.

We champion diversity through our engagement activities, for example. In 2018, we voted against more than 100 board chairs in the UK over the lack of diversity in their companies. We also regularly promote good governance practices through our votes, on issues such as board independence, auditor rotation, or the alignment of pension contributions between executives and the workforce.

Importantly, when we express our commitment to higher ESG standards through our entire voting weight – we vote as LGIM on every stock across our entire equity book, not fund by fund – it sends a powerful message.

Our clients and the market would benefit even more if the industry took a more consistent approach, encouraging investee companies to improve their practices and turning the direction of travel towards a sustainable future.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Nachfrage am Ölmarkt verliert Dynamik erst ab 2030

Vor dem Hintergrund der weltweiten Debatte über geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz wurde der Jahresbericht der Internationalen Energiebehörde (IEA) Mitte November mit Spannung erwartet. Dieser lieferte unter anderem Hinweise auf die mögliche Entwicklung der Öl-Nachfrage, die wiederum maßgeblich für die Preise ist, deren Bedeutung weit über die Erdölindustrie hinausgeht.

Bis 2025 bleibt das Wachstum der Nachfrage robust

Die IEA zeichnet in ihrem aktuellen Bericht ein differenziertes Bild der zu erwartenden Veränderungen durch die Bemühungen, den Ausstoß von Treibhausgasen einzudämmen. Ihr zufolge wird die Nachfragedynamik bei Öl wegen der Zunahme von Elektroautos und energiesparenden Fahrzeugen stark zurückgehen. Allerdings werde aus heutiger Sicht diese Entwicklung voraussichtlich erst ab den 2030er Jahren einsetzen: „Das Wachstum der Nachfrage bleibt bis 2025 robust“, sagte IEA-Direktor Fatih Birol.

In den kommenden fünf Jahren rechnet die Agentur mit einem jährlichen Anstieg der weltweiten Ölnachfrage um durchschnittlich eine Million Barrel pro Tag und erst danach dürfte das Nachfragewachstum nachlassen. Ab 2030 wird schließlich nur mehr mit einer Zunahme um 100.000 Barrel pro Tag gerechnet. Im Vergleich zu ihren Prognosen aus dem Vorjahr hat die IEA die Erwartungen hier halbiert.

Kurzfristig ist für die Nachfrage die Entwicklung der Weltkonjunktur zentral. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) schätzt das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung aktuell sowohl für heuer als auch für 2020 konstant auf 3 Prozent. Dies geht aus dem monatlichen Ölmarktreport der OPEC hervor, der nur einen Tag nach dem Jahresbericht der IEA veröffentlich wurde.

Saudi Aramco: größter Börsengang aller Zeiten

Die OPEC schätzt die Nachfrage nach Öl aus ihren Mitgliedsländern in diesem und im nächsten Jahr trotz der weltweit steigenden Nachfrage weiterhin leicht rückläufig ein. Grund dafür ist die zunehmende Bedeutung anderer Förderländer – allen voran der USA.

Am 5. Dezember treffen sich Vertreter der OPEC mit verbündeten Staaten, um angesichts der aktuellsten Einschätzungen über eine Verlängerung der Förderbeschränkungen zu beraten, mit denen sie die Preise stabilisieren wollen. Allgemein wird erwartet, dass die Fördermengen nicht weiter gesenkt, aber zumindest konstant gehalten werden.

Für das führende OPEC-Mitglied Saudi-Arabien fällt das Treffen in eine besonders spannende Zeit: Denn inzwischen können Anleger Aktien des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco zeichnen. Aramcos Börsenwert wird auf bis zu 2.000 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Zeichnungsfrist für Anteile des mit Abstand wertvollsten Unternehmens der Welt endet nur einen Tag vor dem OPEC-Treffen. Längerfristig stabile Aussichten auf den Ölmarkt dürften dem größten Börsengang aller Zeiten gelegen kommen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aufwärtskorrektur beim Ölpreis möglich

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Seit Monaten herrscht auf dem Ölmarkt eine flaue Stimmung. In sieben der letzten acht Wochen waren die US-Öllagerbestände höher als es die Ergebnisse der Bloomberg Konsensus-Umfrage konstatierten. Dies trug zum pessimistischen Sentiment bei. Selbst die zweiwöchige Schließung der Keystone Pipeline, die kanadisches Öl in die USA bringt, tat wenig dazu, die Preise nach oben zu treiben.

Angesichts dieser schwachen Preissituation ist die Anzahl der Öl-Bohranlagen in USA zurückgegangen. Dennoch bleibt die US-Ölproduktion auf Spitzenniveau konstant.


Quelle: WisdomTree, Baker Hughes, Energy Information Administration, Daten per 8. November 2019

Die USA zogen angebohrte, aber noch unfertige Bohrlöcher, sogenannte „DUCs“ heran, die zu Zeiten höherer Preise gebaut, aber für die zukünftige Nutzung geschlossen wurden, um die Produktion auf gleicher Höhe zu halten. Die DUC-Bestände können jedoch nicht ewig währen. Eine Ära schwacher Preise setzt die Schieferöl-Produzenten unter Druck. Chesapeake Energy beispielsweise gab vergangene Woche eine "Going-Concern"-Warnung heraus. Niedrigere Produktionsmengen könnten im Laufe der Zeit zu einer Aufwärtskorrektur der Preise führen.


Quelle: WisdomTree, Daten per September 2019

Was für eine Erholung der Weltwirtschaft spricht

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

In den vergangenen Wochen ist das Szenario einer Erholung  der Weltwirtschaft wahrscheinlicher geworden. Dem Lehrbuch entsprechend sind die Kurse der Aktienindizes angestiegen und die Kurse der kreditsicheren Staatsanleihen gefallen.

Darüber hinaus hat sich der US-Dollar, dem oftmals eine antizyklische Eigenschaft innewohnt, gegenüber einem Währungskorb abgeschwächt. In dem Blog sollen für diese Entwicklung sowohl die Gründe als auch die notwendigen Voraussetzungen für eine Fortsetzung beschrieben werden.

Positive Entwicklungen

  • Die Aussicht auf eine Übereinkunft im Konflikt zwischen den USA und China hat zugenommen. Diese wird zwar voraussichtlich nicht alle Konfliktbereiche (Handel, Technologie, Finanzen, Währung, Patentschutz) betreffen, aber immerhin könnten sich die beiden Länder auf einen „Waffenstillstand“ einigen. Das bedeutet, dass die nach unten gerichteten Risiken für die Weltwirtschaft abgenommen haben (Tail-Risiken).
  • Die Hinweise für eine Stabilisierung in den schwachen beziehungsweise kaum wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft haben zugenommen. Das betrifft die sowohl die Industrieproduktion als auch die Unternehmensinvestitionen. Ein wichtiger Indikator in diesem Bereich ist der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor, der im Monat Oktober bereits das dritte Mal in Folge angestiegen ist. Auch bei jenem Indikator der am kräftigsten seit Anfang 2018 gefallen ist – die Unternehmensstimmung – gibt es vorsichtige Hinweise für eine Bodenbildung.
  • Tatsächlich sind generell die Stimmungsindikatoren stärker gefallen als die realwirtschaftlichen Indikatoren (Produktion, Konsum). Konstruktive Ereignisse hinsichtlich der globalen und geopolitischen Unsicherheit hätten die Kraft eine Trendumkehr einzuleiten.
  • Die Zentralbanken kaufen wieder Staatsanleihen (auf Netto-Basis). Die Federal Reserve kauft zwar nur kurzlaufende Staatspapiere (T-Bills), aber der Effekt einer zunehmenden Liquidität bleibt. Der Effekt ist eine Lockerung des Finanzumfelds (Financial Conditions), sprich: viele Assetpreise sind in diesem Jahr angestiegen. Mit einiger Zeitverzögerung wirkt das unterstützend für das Wirtschaftswachstum.
  • Auch die Fiskalpolitiken wurden lockerer, zwar nur in einem geringen Ausmaß, aber immerhin. Die relevante Maßzahl ist in diesem Zusammenhang das Staatsbudget exklusive Zinszahlungen, bereinigt um die Effekte des Wirtschaftszyklus in Relation zum Potenzialoutput der Volkswirtschaft. Das Aggregat für den OECD-Raum ist von 2018 auf 2019 um 0,4 Prozentpunkte auf minus 1,4 Prozent mehr ins Minus gerutscht. Das übt einen marginal positiven Impuls auf das Wirtschaftswachstum aus.
  • Beim Kreditumfeld ist vor allem die Entwicklung in China hervorzuheben. Von Anfang 2016 bis Ende 2018 war der Kreditimpuls negativ, d.h, die Veränderung des Kreditwachstums in Relation zum Wirtschaftswachstum war negativ. Neben der angestiegenen geopolitischen Unsicherheit und der Reduktion der globalen Zentralbankgeldmenge war das wahrscheinlich einer der Hauptgründe für die Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Seit Anfang 2019 ist der Kreditimpuls in China positiv – wenn auch nur leicht.

Diese positiven Entwicklungen sind allerdings gerade einmal stark genug, um eine weitere Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums anzuhalten. Für eine Trendumkehr reicht es wahrscheinlich nicht aus. Welche Entwicklungen sind dazu nötig? Natürlich müssen die bereits eingetretenen positiven Faktoren Bestand halten. Vor allem drei Eckpunkte sind relevant:

  • Die negativen Überwälzungseffekte von den schwachen auf die guten laufenden Sektoren Konsum / Services müssen gering bleiben. Hier ist die Nachrichtenlage weniger erfreulich. Das Beschäftigungswachstum hat sich bereits abgeschwächt und der Einkaufsmanagerindex für die Beschäftigungslage deutete auf einen weiteren Rückgang hin. Das bedeutet eine Erosion für die wichtigste Säule des Wirtschaftswachstums, den privaten Konsum. Für eine Trendumkehr ist es mithin zu früh. Das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich für einige Quartale niedrig (unter dem Potenzial) bleiben.
  • Die Einschätzung, dass die Lockerung der Geldpolitik ausreichend effektiv war, um die Abschwächung des Wirtschaftswachstums zu stabilisieren mag stimmen. Allerdings signalisiert die Zentralbank in den USA ein Ende der Leitzinssenkungen (insgesamt um 0,75 Prozentpunkte auf eine Band von 1,5% – 1,75%). Das bedeutet eine höhere Hürde für die anderen Zentralbanken, die Leitzinsen zu senken. Anders ausgedrückt: der globale Zinssenkungszyklus läuft aus. Chairman Powell von der Federal Reserve hat allerdings klar gemacht, dass die Hürde für Leitzinsanhebungen groß ist. Diese würden vor allem im Fall eines nachhaltigen Inflationsanstiegs angedacht werden, weniger im Fall eines höheren Wirtschaftswachstums. Schlussfolgerung: die Geldpolitiken müssen locker bleiben.
  • Zu guter Letzt: Die Unternehmensgewinne müssen wieder wachsen. In den vergangenen Monaten ist das Gewinnwachstum der Unternehmen weltweit deutlich gefallen. Mittlerweile stagnieren diese. Das hat sowohl mit dem Ertragswachstum zu tun, das ebenso wie das nominelle Wirtschaftswachstum gefallen ist, als auch mit einem zunehmenden Wachstum der Lohnstückkosten.

Aufgrund des immer noch engen Arbeitsmarktes hat in zahlreichen Ländern eine Beschleunigung des Lohnwachstums eingesetzt. Das ist generell erfreulich. Weil allerdings das Produktivitätswachstum auf einem niedrigeren Niveau verharrt, ist das Wachstum der Lohnstückkosten angestiegen. Das kann theoretisch einen Druck für eine höhere Konsumentenpreisinflation bedeuten, oder aber einen Druck auf die Gewinnmargen. Genau das ist in den vergangenen Quartalen eingetreten. Im Erholungsszenario sinkt der Druck auf die Gewinnmargen der Unternehmen, wahrscheinlich über ein höheres Ertragswachstum.

Schlussfolgerung: Der Auftrieb für die risikobehafteten Wertpapierklassen kommt immer weniger von den Leitzinssenkungen der Zentralbanken (die auslaufen), sondern vor allen von den abnehmenden, nach unten gerichteten Risiken (Tail-Risiken), getrieben von der Aussicht auf einen Mini-Deal zwischen den USA und China.

Für eine Trendumkehr beim Wirtschaftswachstum müssen die negativen Überwälzungseffekte gering und die Zentralbankpolitiken locker bleiben sowie die Unternehmensgewinne wieder wachsen. Das könnte noch einige Quartale dauern.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Einschätzungen zur Asset-Allocation: Es klart ein wenig auf

Die Zentralbanken öffnen erneut die Geldschleusen und wirken damit den Sorgen über Wachstum und Unternehmensgewinnen entgegen. Die Aussichten für Schwellenländeranlagen verbessern sich daher, erklärt das Strategy Unit von Pictet Asset Management.

Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank treten erneut auf das geldpolitische Gaspedal. Die USA und China halten sich mit ihren Kampfansagen im Handelsstreit zurück. Und unser Konjunkturfrühindikator lässt erste positive Anzeichen erkennen.

Hinter China allerdings stehen nach wie vor Fragezeichen und in Deutschland ist die Lage weiterhin sehr angespannt. Insgesamt scheint es aber, dass sich die globale konjunkturelle Grosswetterlage aufhellt. Wir haben daher beschlossen, unsere Aktienallokation von untergewichtet auf neutral zu erhöhen, einhergehend mit einer Reduzierung unserer Liquiditätsposition.

MONATSÜBERSICHT: ASSET-ALLOCATION

November 2019

Quelle: Pictet Asset Management

Unseren Konjunkturzyklusindikatoren zufolge liegen die globalen Wachstumsaussichten weiter unter dem Potenzial, aber unser Frühindikator deutet auf eine gewisse konjunkturelle Verbesserung in den kommenden Monaten hin. Dies ist zum Grossteil auf zunehmend positive Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe und der Industrie in den USA sowie das erstaunlich robuste Konsumverhalten der Amerikaner zurückzuführen. Wenn die handelspolitischen Gespräche zwischen China und den USA in einen Kompromiss münden – und sei er auch noch so zaghaft –, dürfte sich das Geschäftsklima deutlich verbessern.

Eine Entspannung im Handelsstreit wäre vor allem für China von Vorteil. Auch wenn die Frühindikatoren des Landes auf eine Verbesserung hindeuten, wird die Wirtschaft weiterhin durch den Rückgang privater Investitionen, die schwachen Konsumausgaben und den massiven Abbau der Bestände infolge der Afrikanischen Schweinepest belastet. Deutschland, das vermutlich in einer Rezession steckt, wartet aufgrund seiner Abhängigkeit von Fertigung und Exporten ebenfalls sehnsüchtig auf gute Nachrichten von der Handelsfront.

ABB. 1. RICHTUNGSWEISEND

Globaler Konjunkturfrühindikator, 3M/3M annualisiert

Quelle: Pictet Asset Management. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.01.2017 bis 30.09.2019.

Die globalen Liquiditätsbedingungen sind für die risikoreicheren Anlageklassen neutral. Die US-Notenbank scheint erpicht darauf zu sein, ihre quantitative Straffung mit Eingriffen am Repo-Markt wieder zurückzufahren. Offiziell ist das zwar keine quantitative Lockerung, aber der Effekt ist der gleiche. Gleichzeitig hat die Fed dreimal ihre Leitzinsen gesenkt.

Auf dieser Seite des Atlantiks legt die EZB ihr eigenes Lockerungsprogramm auf – ein Abschiedsgeschenk ihres scheidenden Präsidenten Mario Draghi. Hinzu kommt die starke private Kreditvergabe in der Eurozone. Einige Schwellenländer haben ebenfalls mit Zinssenkungen begonnen.

China hat noch nicht nachgezogen. Das Land kümmert sich weiter vorrangig um die Bekämpfung von Schattenbanken, während die steigende Inflation – infolge der verheerenden Schweinepest – den Handlungsspielraum der Zentralbank einschränkt. Ein Handelsabkommen könnte jedoch etwas mehr Flexibilität bringen.

Unsere Bewertungsindikatoren haben sich im vergangenen Monat nicht wesentlich verändert, trotz der Rally bei Risikoanlagen und des Ausverkaufs am Anleihenmarkt. Aktien sind im Allgemeinen angemessen bewertet, wobei innerhalb der Anlageklasse die USA weiterhin sehr teuer sind und das Vereinigte Königreich sehr günstig. Staatsanleihen sind teuer – und Unternehmensanleihen extrem teuer.

Die markttechnischen Indikatoren haben sich gegenüber dem Vormonat ebenfalls kaum verändert – leicht positiv für Anleihen und Aktien sowie unter Berücksichtigung saisonaler Effekte weitgehend neutral für beide Märkte. Bei Staatsanleihen aus der Schweiz und Japan kehren sich die Trendsignale ins Negative.

Erfahren Sie mehr darüber, warum wir Schwellländeraktien und den Finanzsektor übergewichten und warum wir Schwellenländeranleihen in Lokalwährung bevorzugen.


Die vollständige Markteinschätzung und Asset Allocation - November 2019 finden Sie hier. Pictet Asset Management hebt Schwellenländer und Finanzen auf übergewichtet an und stuft zyklische Konsumgüter auf untergewichtet herab. Pictet Asset Management favorisiert Schwellenländeranleihen in Lokalwährung aufgrund des sich bessernden Konjunkturausblicks und attraktiver Wechselkurse.

Über das Pictet Strategy Unit

Die PSU (Pictet Strategy Unit) ist eine firmeneigene Investmentgruppe, die unseren Investmentteams und Kunden Empfehlungen für die Allokation von Aktien, Anleihen, liquide Mittel und Rohstoffe ausarbeitet.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Unterschiedliche Signale

Je nach Betrachtung kann ein Glas halb voll oder halb leer sein. Die Rentenmärkte senden unterschiedliche Signale aus. Eigentlich wären schwächere Konjunkturdaten und wieder expansivere Notenbanken ja eine gute Unterstützung. Doch die Märkte gingen zuletzt eher schwächer: die Renditen sind wieder etwas gestiegen, der Bullenmarkt legt eine Pause ein – oder ist das die Bodenbildung nach einem langen Zyklus fallender Renditen?

Wenn auch der abgelaufene Monat schwächer verlief, das Gesamtjahr steht prächtig da. Selbst in Deutschland – alle Laufzeiten weisen hier negative Renditen auf – liegt die Wertentwicklung noch über 4 %. Unternehmensanleihen liegen entsprechend höher, bei ihnen lebt die Fantasie durch das erwartete Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank weiter.

Gewinner der letzten Monate waren sicherlich die Emerging Markets, vor allem in lokaler Währung. Dort können einige Regionen die erlittenen Rückschläge langsam wieder aufholen. Allen voran liegen weiterhin die US-Unternehmensanleihen, synchron zum Boom an den US-Aktienbörsen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Steigende Renditen trotz expansiver Zentralbanken

Noch bevor das monatliche Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank Ende Oktober/Anfang November gestartet ist, sind die Renditen europäischer Staatsanleihen relativ deutlich angestiegen. Gleichzeitig präsentierte sich die konjunkturelle Verfassung der europäischen Wirtschaft zunehmend schwächer. Beide Aspekte hätten im Normalfall für sinkende oder unverändert niedrige Renditen sprechen sollen. In einem Umfeld negativer Zinsen zeigt sich jedoch, dass es den Normalfall nicht mehr gibt. Vor allem sorgte vermutlich die positive Nachrichtenlage in Bezug auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China für Renditeanstiege.

Wir hatten europäische Staatsanleihen (vor allem Deutschland und Frankreich) taktisch untergewichtet und behalten diese Untergewichtung weiterhin bei. Bei US-Staatsanleihen erwarten wir eine Versteilerung der Zinskurve (5 vs. 30 Jahre) und wir gehen von einem engeren Interkontinentalspread (Renditediffe- renz US 10 vs. DE 10 Jahre) aus.

Staats- und Unternehmensanleihen: EZB-Kaufprogramm läuft wieder an

Die US-Notenbank befindet sich noch mitten im Zinssenkungsmodus, sie möchte damit in erster Linie negativen Effekten aus dem Handelsstreit mit China vorbeugen. Zuletzt ist die US-Zinskurve deutlich angestiegen und nun wieder positiv geneigt. Die Hinweise sind vage, aber eine US-Rezession inklusive lauter geldpolitischer Begleitmusik scheint in den kommenden 12 Monaten möglich. Wir übergewichten US-Anleihen und erwarten eine steilere US-Zinskurve.

Euro-Unternehmensanleihen bleiben im Rahmen unserer Taktischen Asset-Allocation ein wesentlicher Baustein. Vor allem mit dem Beginn der monatlichen Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (20 Milliarden Euro ab Anfang November 2019) gehen wir davon aus, dass gute Bonitäten zu den größeren Profiteuren zählen werden. Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht. Im Euro-High-Yield-Segment erwarten wir in den kommenden Monaten ein Ansteigen der Ausfallsrate und ein dadurch bedingtes negativeres Sentiment.

Emerging Markets: Stabilisierung

Die Datenlage hat sich zuletzt zwar nicht verbessert, aber zumindest auf niedrigem Niveau stabilisiert. So zeigen etwa die Einkaufsmanager-Indizes für die Emerging Markets keinen weiteren Verfall an, in einigen Regionen sogar leichte Aufwärtstendenzen.

Am Rentenmarkt kann mit moderat niedrigeren Risikoprämien für Hartwährungsanleihen gerechnet werden. Somit belassen wir diese Anleihen gegenüber globalen und europäischen Staatsanleihen weiterhin übergewichtet. Emerging-Market-Aktien konnten sich in der relativen Entwicklung seit August stabilisieren, dennoch gehören sie im Jahr 2019 zu den relativen Verlierern im Spiel der globalen Aktienmärkte. Verantwortlich dafür ist die schwache Entwicklung des globalen verarbeitenden Gewerbes, das von Natur aus einen größeren Niederschlag bei Aktien aus den Emerging Markets findet. Die Gewinnentwicklung, insbesondere im asiatischen Raum, scheint einen Boden auszubilden. Daher ist es aus unserer Sicht nicht mehr angebracht, die Region unterzugewichten.

Time to seize the European small cap equity opportunity

von Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree.

Macro-economic data in Europe has been weak since the start of 2018. Global macro headwinds linked to the US – China trade wars coupled with domestic structural issues such as tightening of emission regulations are to blame. Sentiment towards European equities is at its weakest point evident from the record outflows of US$8.1Bn from European linked Exchange Traded Funds (ETFs) in the first 10 months of 2019. We believe investors’ loss of confidence is probably overdone. As of late European economic data is starting to stage a turnaround especially when compared to US macro-economic data evident from the chart below.

Figure 1: European economic data starts to improve


Source: WisdomTree, Bloomberg as of 21 October 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Early lead of small caps price performance could signal further upside in macro data

European small cap stocks have historically tracked the annual change in Eurozone industrial production since 2000. The chart below illustrates the annual change of industrial production in the Eurozone with a 3-month lag plotted against the performance of small versus large cap European stocks. Its worth noting that the industrial sector constitutes the highest sector weight across European Small caps (22%) in comparison to large caps (11%)1. The improvement in price performance of small versus large cap European stocks has historically signalled a rebound in Eurozone industrial production.

Figure 2: Small vs large cap stock performance compared to EU Industrial Production (3-month lag)


Source: WisdomTree, Bloomberg as of 30 September 2019.
Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Brexit and German Fiscal boost – the next catalysts for European small caps

There are a few catalysts on the horizon that could trigger further upside in Eurozone industrial production, such as (1) improvement in Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) lead indicators (2) additional fiscal easing from Germany (3) easing of Brexit related uncertainty as the odds of a No-deal reduces. While the withdrawal bill passed Parliament “in principle” on 22 October, the government was defeated on the fast-tracking of the implementation. The EU has agreed to postpone the Brexit deadline until 31 January 2020 to allow Boris Johnson more time to persuade members of Parliament to ratify the deal he struck on October 17. The UK will now hold a general election on December 12 in an attempt to break the deadlock. The United Kingdom (UK) is the largest and oldest small cap market in Europe, representing 33% of the small cap universe in Europe. As we receive more clarity on the path UK might follow in its departure from the EU, we believe it will pave the way for further upside across European small cap stocks permitting a greater willingness to invest. The next largest small cap region by market cap is Germany – accounting for 11% of European small cap market share1. Germany, Europe’s largest economy has been hit hardest by trade, the Chinese slowdown and the ongoing US-China trade wars. The fact that Germany has a continent-wide supply chain that accounts for 29% of Eurozone GDP raises the probability of Germany’s slide into recession negatively impacting other Western European economies. So far, the German government announced a €54Bn climate spending package aimed at reaching the 2030 emissions reduction target on 20 September 2019. This is expected to be financed from existing surpluses in the energy and climate fund implying a minor net fiscal net boost of less than 1.6% of GDP. We believe this is far from sufficient to fight the downturn of the German economy. We expect the recent run of weak economic data releases from Germany to eventually persuade the German finance minister Olaf Scholz to unleash a more meaningful round of fiscal stimulus.

Small cap stocks are not a value trap

European small cap stocks are attractively valued compared to large cap stocks. The Price to Earnings ratio (P/E) of small versus large cap European stocks is trading at a 7% discount compared to its long-term average since 2007. The estimated dividend yields for MSCI Europe Small Cap real time Index at 2.97% is in line with the long-term average since 2007. Leverage for small caps is only slightly higher that of its large cap peers, confirmed by Net Debt to Earnings before interest, tax, depreciation and amortization (EBITDA) at 3.91 vs 3.79x respectively. Owing to the cautious outlook on Europe, there has been an overcrowding in defensive sectors which constitute a larger proportion of large caps compared to small caps.1 Free cash flow yields of European small cap stocks also remain healthy at 3.62x.

Figure 3: Small cap vs large cap European stocks are trading at a 7% discount to their long-term average


Source: WisdomTree, Bloomberg as on 30 September 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Interestingly relative earnings momentum of small versus large cap European stocks has started to improve over the second half of 2019 and this is clearly being reflected in the outperformance of small versus large cap European stocks, which we believe is still at a nascent stage.

Figure 4: Small cap vs large cap European price performance versus earnings momentum 3-month % change


Source: WisdomTree, Bloomberg as on 30 September 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

European small cap stocks are known to be more inefficient than large caps which offers a greater possibility of alpha generation. While sentiment remains weak across Europe, favourable valuations, positive earnings momentum coupled with a slowly improving macro backdrop could provide a timely opportunity to invest in European small cap stocks.


1) Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Batterie oder Brennstoffzelle – wer macht das Rennen?

von Clemens Klein, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Volkswagen investiert in den kommenden Jahren 40 Milliarden Euro in den Bereich Elektromobilität. Bis 2030 sollen 300 neue, batteriebetriebene Modelle lanciert und ab 2025 jährlich 2,5 Millionen Elektroautos abgesetzt werden. Einen ganz anderen Weg geht Hyundai.

Der koreanische Autokonzern setzt auf Wasserstoff und investiert Milliarden in den Aufbau einer Brennstoffzellenproduktion. Bis 2030 will das Unternehmen jährlich 500.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb produzieren und damit weltweit zum Marktführer in dieser Technologie werden. Doch welcher Technologie gehört die Zukunft?

Brennstoffzellen- oder Wasserstoffautos

Genaugenommen sind Brennstoffzellen– oder Wasserstoffautos auch Elektroautos1. Nur wird der Elektromotor nicht mittels einer Batterie betrieben, sondern von einer Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt.

Der Wasserstoff wird, wie vom Verbrennungsmotor gewohnt, innerhalb weniger Minuten getankt und ermöglicht Reichweiten von bis zu 700 Kilometer. Emissionen gibt es so gut wie keine – aus dem Auspuff kommt Wasserdampf.

Wasserdampf als einzige Emission, große Reichweite, schnelles Tanken – das Rennen scheint entschieden. Doch die Realität sieht anders aus. Während im vergangenen Jahr 2 Millionen Elektroautos neu zugelassen wurden und die weltweite Flotte auf mittlerweile 5 Millionen Fahrzeuge angestiegen ist, fuhren Ende 2018 gerade einmal 10.000 Wasserstoffautos rund um den Globus, 4.000 mehr als im Jahr zuvor.

Wie so oft sind es vor allem die Kosten, die über den Erfolg einer Technologie entscheiden. Und hier haben die in der Anschaffung ohnehin schon nicht ganz günstigen Elektroautos, dank dem rasanten Rückgang der Batteriepreise in den vergangenen Jahren, ganz klar die Nase vorn.

Auch im Betrieb sind die batteriebetrieben den Brennstoffzellenmodellen kostenmäßig überlegen. Und dann wäre da noch die Infrastruktur. In Österreich gibt es aktuell gerade einmal 5 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann.

Ist die zuletzt wieder aufkeimende Euphorie rund um die Brennstoffzelle, die sich auch in der Kursentwicklung der an der Börse gelisteten Unternehmen widerspiegelte, also einmal mehr nur ein Strohfeuer? Aus unserer Sicht nicht.

Zu überzeugend sind die Vorteile dieser Technologie, wie die Möglichkeit der längerfristigen Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie, die Nutzung bestehender Leitungsnetze, kurze Betankungszeiten sowie große Reichweite.

Batteriebetrieben oder Brennstoffzelle

Dazu kommt, dass der zur Gewinnung von Wasserstoff benötigte „Rohstoff“ Wasser nahezu unbegrenzt zur Verfügung steht. Wissenschafter der Standford University haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, Wasserstoff auch aus Meerwasser zu gewinnen, das bekanntlich 97% der Wasserreserven der Erde darstellt.

Und dass die Kosten neuer Technologien mit steigender Verbreitung dramatisch sinken können, haben Beispiele wie Wind- und Solarenergie, die mittlerweile in vielen Teilen der Welt die billigste Formen der Stromerzeugung darstellen, ebenso wie der Kostenrückgang bei Batterien von mehr als 85% während der vergangenen 10 Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Batteriebetrieben oder Brennstoffzelle, klar scheint jedenfalls, dass sich das Zeitalter der Verbrennungsmotoren nach einem 100-jährigen Siegeszug dem Ende zuneigt. Über die Notwendigkeit, einen der großen Verursacher für Treibhausgase, den Transportsektor, sauberer zu gestalten, besteht in vielen Ländern Konsens.

Norwegen will ab 2025 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zulassen, Holland, Schweden, Dänemark und weitere Länder, planen den Ausstieg bis 2030 und eine Reihe weiterer Staaten sieht das Ende der Verbrenner spätestens im Jahr 2040 gekommen.

Aber ist dieser Umstieg ökologisch wirklich sinnvoll? Immer wieder tauchen Studien auf, die zu belegen versuchen, alternative Antriebstechnologien wären nur geringfügig oder gar nicht umweltfreundlicher als die derzeit dominierenden Verbrennungsmotoren.

Klar ist: auch batteriebetriebene ebenso wie Brennstoffzellenautos verursachen Treibhausgas-, Stickoxid- sowie Partikelemissionen. Das liegt vor allem am Produktionsprozess für die Fahrzeug- sowie die Akku- bzw. Brennstoffzellenherstellung.

Bei Elektroautos kommen dazu Emissionen die bei der Produktion des benötigten Stroms, bei Wasserstoffautos jene Emissionen, die bei der Herstellung des Wasserstoffes anfallen. Im Betrieb verursachen beide Technologien keine Treibhaus- oder Stickoxidemissionen.

Eine aktuelle Studie des Bundesumweltamtes kommt daher zum Ergebnis, dass abhängig vom Strommix die Emissionen beider Technologien bei Treibhausgasen um bis zu 87%, bei Stickoxid um bis zu 66% unter jenen von Verbrennungsmotoren liegen.2


1) Zur Vereinfachung werden batteriebetriebene Elektroautos im Weiteren als Elektroautos bezeichnet, wasserstoffbetriebene als Brennstoffzellen- oder Wasserstoffautos.
2) Quelle: Ökobilanz alternativer Antriebe, Umweltbundesamt 2018

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

An alternative approach to investing in Japan Inc

Japan is an especially rich hunting ground for equity investors looking to achieve long-term capital growth with a market neutral approach, explains Teruhiko Nishimura, Head of Total Return Japanese Equities at Pictet Asset Management.

For Japan, August 2, 2018 was a momentous occasion.

That was the day when the country’s stock market overtook China’s to become the world’s second biggest, regaining the title it lost four years earlier.

Valued at just over USD6 trillion, Japan’s stock market is undoubtedly one of the most liquid in the world. However, ironically, it is also among the most inefficient: share prices can deviate markedly from fair value.

FIG. 1 MIND THE GAP

Analyst estimates and company guidance for Nintendo's FY2019-2020 operating profit in JPY bln

Source: Bloomberg, Pictet Asset Management, data as of 30.10.2019

Why these discrepancies? It’s partly to do with information scarcity. Compared with its peers, the Japanese stock market is under-researched – about 42 per cent of companies listed in the TOPIX index have no sell-side analyst coverage whatsoever.

This compares with about 1 per cent for the equivalent index in the US, the S&P 1500.1 But even those companies which do have broker coverage experience a wide dispersion in analyst estimates - there is often a significant gap between company guidance and what counts for consensus market forecasts.

Take the case of gaming and entertainment giant Nintendo. Among 21 analysts who cover the firm, there’s a 40 per cent gap between the highest and lowest estimates for the operating profit for fiscal year ending March 2020 (see FIG. 1).

The company's own guidance, in line with the most conservative estimate, stands 15 per cent below the consensus forecast. And Nintendo is not an isolated example – the experience is the same for many other Japanese companies, which can lead to wild swings in share prices during earnings results seasons.

Another distinguishing feature of Japan’s stock market is its investor base. Its deep liquidity and low transaction costs have made it popular with foreign investors, who make up on average at least half of daily trading volume.2

That has a significant bearing on market dynamics. During episodes of stress, such as an emerging market crisis or a China-driven sell-off, this group of investors tends to liquidate their Japanese assets, regardless of corporate fundamentals, and use the money to cover losses elsewhere.

Conversely, during rallies foreign investors tend to chase the market higher, often reacting to specific corporate events or domestic developments (see FIG. 2). As such, their presence tends to expose the market to swings in global investor sentiment, which can lead to higher volatility.

FIG. 2 GAIJIN INFLUENCE

TOPIX moves (%) and net purchase by foreigners on a 12-week moving average basis in JPY bln

Source: Bloomberg , data covering period 15.06.2001 and 11.10.2019

At the same time, the market is host to another distinctive block of investors whose trading activities do not always pay regard to corporate fundamentals.

These include the Bank of Japan and the Government Pension Investment Fund, which together are the biggest shareholders in well over 400 companies on the Tokyo Stock Exchange’s first section, nearly one quarter of all issues. What is more, the BOJ now owns nearly 80 per cent of Japan’s exchange-traded fund market, having bought almost JPY29 trillion of the product since 2013.3

It is because of these idiosyncrasies that the Japanese stock market lends itself especially well to alternative investment approaches.

Market neutral for Japan

We believe investors looking to improve the diversification of their current allocation should consider an equity market neutral approach focused on Japan.

This distinctive investment style combines long and short equity positions and seeks to produce returns almost exclusively from “alpha” – or the security-specific return generated by a skilled investor manager.

At the same time, it aims to limit “beta” exposure, or risks stemming from overall market movements. It seeks to generate superior risk-adjusted returns in all market phases, without relying on the overall direction of the equity market.

Our market neutral portfolio, or PTR-Akari, combines bottom-up stock selection with insight into Japan-specific, technical market factors. The strategy, which invests in liquid and mainly large cap stocks, aims to identify attractive investment opportunities while achieving a low correlation to the broader market.

The portfolio, managed by a team of experienced investment professionals based in Tokyo, is made up of individual “strategies” within the various sub-sectors.

Each strategy contains a combination of long and short positions designed to extract uncorrelated, company-specific sources of returns independent of market moves – we hold single or multiple long or short positions and hedge them against single stocks, or sometimes a customised basket.

Japan’s wide market breadth, as well as its low stock borrowing cost – the cheapest in Asia – mean that we can find optimal hedges within each industry sub-sector.

While targeting overall beta to be neutral,4 we also take steps to diversify our industry exposure. At the same time, we seek to identify and hedge other common systematic risks – they include moves in foreign exchange and interest rates as well as broader stock market shifts driven by style rotations. This fine-tuning helps ensure our portfolio's returns are not correlated with those of the market.

Japan's wide market breadth and its low stock borrowing cost mean that we can find optimal hedges within each industry sub-sector.

Global value chain analysis

To identify investment opportunities, we typically analyse Japanese companies from the perspective of their global value chains – the full range of activities involved in the production of a good or service.

For example, a smart phone may be designed in one country but assembled in another, using labour and materials from several suppliers from around the world. All of these sub-sectors make up a smart phone value chain.

This approach allows us to analyse companies beyond the traditional industry framework used by mainstream equity benchmarks and gives us a broader perspective, which helps to determine how competitive or profitable a particular Japanese firm is in the context of the global economy.

This also helps us to identify sources of return that cannot be replicated easily by exchange-traded funds.

We form our strategies by analysing relevant stocks within a certain value chain and anticipating domestic or global events which could trigger changes in their earnings outlook or financial positions.

For example, when we look at the electric appliances sector, we consider it through the value chains of technology, machinery and chemical goods. We see demand picking up for electric components after years of stagnation because industries such as automobile are using more electric parts to enable automation and data analysis. Similarly, the rollout of faster 5G networks is creating diverse investment opportunities across value chains.

Dynamic investment process for a diversified portfolio

Our investment process starts with screening around 2,200 Japanese companies for liquidity and market capitalisation.5

Among those which make the cut, we analyse corporate fundamentals from the perspective of global value chains, meeting company management in the process. We put a particular focus on market moves and forecast changes around the earnings season – a period when we tend to find rich trading opportunities given significant gaps in sell-side earnings estimates.

Here, our investigations go far below the surface. For example, we may gather intelligence from a diverse set of companies – including small-cap in which we do not invest – to validate a growth outlook of a certain firm we’re looking to invest into. This also helps us gauge the extent of the gap between various sell-side estimates and our own earnings forecasts.

This screening takes the potential investment candidates down to about 200-300. We then use our extensive industry experience in buy-side, sell-side and running proprietary trading books to choose optimal entry and exit points and maximise opportunities which the market presents.

In doing so, we take into account Japan-specific technical factors, including supply and demand of stocks, different trading patterns of domestic and foreign investors, seasonality and share buybacks.

FIG. 3 NO ATTACHMENT

Monthly correlation of various investment strategies

Source: Bloomberg, Pictet Asset Management. Calculated for the period 30.10.2016 – 30.09.2019 

We fine-tune the portfolio, taking into account factors such as size, liquidity and technical signals. At the same time, we seek to eliminate residual market risks.

Our final portfolio has around 150 positions across up to 80 strategies.

Japan is a market that is often overlooked but offers potentially rewarding opportunities. Our distinctive investment approach focusing on the world's third largest economy has proven to be resilient during times of market stress and should therefore appeal to investors who wish to diversify their existing global equity portfolios with returns that are uncorrelated with those of other asset classes.

FIG. 4 DOWNSIDE PROTECTION

Five worst months of the TOPIX vs Strategy, %*

Strategy’s relative performance since inception during worst five months for TOPIX.
Source: Bloomberg, Pictet Asset Management, data as of 30.09.2019


1) Source: Pictet Asset Management and Bloomberg as of 07.09.2018
2) Tokyo Stock Exchange’s first section trading volume data as of 18.10.2019. Source: Tokyo Stock Exchange
3) Source: Nikkei
4) We aim to limit the range of beta to be between -0.2 and +0.2. vs Topix Index
5) The initial universe includes companies listed on TOPIX, Nikkei, Tokyo Stock Exchange Mothers. Only the 500 or so stocks which either have market capitalisation of over USD1 billion or average daily trading volume of over USD10 million form our investable universe.

* For illustrative purposes only. The representative strategy performance is composed of actual gross returns for the Japanese Equities L/S segment within PTR-Diversified Alpha from 10.10.2016 to 30.09.2018 and actual gross returns for the PTR-Akari JPY fund from 01.10.2018, the first full month since the fund was launched, to present. During the period, the segregated segment followed the same investment approach as the PTR-Akari fund and was managed by the Akari investment team. The PTR-Diversified Alpha fund is a Luxembourg SICAV that invests primarily in market-neutral strategies managed by selected Pictet AM teams. These investment strategies have exposure to various financial assets (equities, bonds and other debt-related securities, financial derivatives) globally. Note: All performance data are shown in JPY, gross of fees and based on daily returns. Please note that a standalone vehicle will be subject to fees and expenses such as management, performance, administration, operational etc. that will result in lower net returns for your investment. Past performance is not a reliable guide to future performance. Performance data does not include the commissions and fees charged at the time of subscribing for or redeeming shares. The value of investments and the income from them may fluctuate and investors may not get back the full amount invested. The strategy is unconstrained by a benchmark. TOPIX is a reference index, provided for comparison purposes only. This reference index does not influence the portfolio construction process and the securities included in this index may differ from the strategy’s investment universe. Source: Pictet Asset Management, as of 30.09.2019.

More from Pictet AM’s Total Return Team

About the author

Teruhiko Nishimura joined Pictet Asset Management in 2016 as Head of Total Return Japanese Equities and co-manager of the Total Return Japanese Equities strategy.
Prior to joining Pictet, Teruhiko was Chief Investment Manager at Mizuho, responsible for an in-house hedge fund.
Teruhiko was the head of Asian capital goods team at Credit Suisse and covered Japanese and Korean equities before taking an MBA from INSEAD.
Teruhiko is currently working on a doctoral dissertation on management science at Kyoto University.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Telefon: 069-79 5009 1224
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Indexausschlüsse – aber wohin verschwindet das Geld?

Viele Kunden sind der Ansicht, dass ein an ESG-Kriterien ausgerichteter Indexfonds unter keinen Umständen in Sektoren wie Öl und Gas investiert sein sollte. Wird dies auf einen globalen Index angewandt, wird die Allokation neu verteilt, hauptsächlich auf die ohnehin schon stark vertretenen Technologie- und Finanzsektoren. Was zuvor ein breiter Marktindex war, ist plötzlich ein sehr begrenztes Anlageuniversum geworden.

Im Podcast in englischer Sprache spricht Legal & General Investment Management über die unbeabsichtigten Folgen von Ausschlüssen ganzer Sektoren und untersucht, wie Anleger ihre ESG-Kriterien optimal umsetzen und ihren Tracking Error minimieren können.

Die Talfahrt der Cannabis Stocks 2019

Bereits seit 7 Monaten setzt sich die abwärts Rally der Cannabis Aktien fort. Allein im Oktober verlor der kanadische Cannabis Index 18 % sowie der US Index 6 %. Das strapaziert die Hanfaffinen Anleger auf das Äußerste. Natürlich bedeutet das ebenfalls: Man konnte seit 2016 die führenden Titel der Branche nicht mehr so günstig einkaufen. Für Investoren, die mit dem Einstieg in die Cannabis Industrie liebäugeln, könnte somit die gegenwärtige Situation äußerst interessant sein, so Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

Für bereits investierte Anleger ist das Marktniveau eine Geduldsprobe. Generell war klar, dass ein Investment in die junge Industrie Risikokapital darstellt und langfristig ausgelegt sein sollte.

Amerikanische Finanzhäuser betreiben seit Anfang 2019 erste Short-Derivat Produkte auf die Cannabis Industrie. Somit verdienen Investoren Geld am Kursverfall der Industrie. Für gewöhnliche Anleger mit einem Long-Term-Fokus ein eher unangenehmes Finanz-Instrument.

Die E-Liquid Industrie der USA erlitt durch eine grassierende Lungenkrankheit deutliche Vertrauenseinbußen. Auch wenn die Situation mittlerweile unter Kontrolle erscheint und die Medien andere Spektakel in den Vordergrund stellen, es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Zudem ist der Zwist der Lebensmittel- und Pharmaindustrie rund um das hochwirksame Bio-Präparat Cannabidiol (CBD) noch immer nicht beigelegt. Die Lobby-Riesen streiten auf dem amerikanischen Parkett (FDA) und dem europäischen Kontinent um die Lizenz und Vertriebserlaubnis des in der Cannabispflanze enthaltenen Wirkstoffs.

Eine positive Erwartungshaltung birgt die Legalisierungsthematik in Mexiko. Hier entschied das Bundesgericht, das eine Legalisierung dem mexikanischen Grundgesetz entspräche, somit ist das Parlament im Zugzwang. Die Frist für eine funktionale Gesetzgebung wurde allerdings Ende Oktober verschoben. Eine Legalisierung von Cannabis würde dem Land mit 130 Mio. Einwohnern eine neue Dynamik verschaffen und die massiven Kartell-Strukturen des Schwarzmarktes aufweichen.

Grundsätzlich gibt es mittelfristig nahezu weltweit Bemühungen Cannabis zu legalisieren. Luxembourg wird voraussichtlich 2020/21 das erste europäische Land mit einer funktionalen Cannabis Liberalisierung sein, welches eine hohe Symbolkraft mit sich brächte. 

Medizinisches Cannabis hat mittlerweile einen akzeptablen Stellenwert in der modernen Schulmedizin. Vor wenigen Jahren noch als Droge stigmatisiert finde es nun in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und Teilen Asiens sowie Afrikas breite und ausweitende Anwendung.

Durch technologischen Fortschritt und die legalen Rechtsräume entstand eine regelrechte Forschungswelle. Während im vergangenen Jahrhundert kaum klinische Studien durchgeführt wurden, werden gegenwärtig über 350 klinische Studien spezifisch um Cannabinoide ausgeführt und versprechen weitere Patente und Lizenzen.

Auch der nachwachsende Rohstoff aus der Nutzhanf Pflanze findet weitere Verwendung. Die Industrie steckt teils noch in den Kinderschuhen, dennoch kann man behaupten das Nutzhanf „best in class“ der regenerativen Rohstoffe ist. Dieser Umstand findet in der gegenwärtigen Klima-Debatte größtmöglichen Zuspruch. Politik und Gesellschaft fordern exakt derlei Innovationen um Konsum aus der Lebensmittel-, Bau-, Textil- und Verpackungsindustrie mit einem bestmöglichen Umweltschutz zu verbinden.

Auch wenn Hanf Aktien aktuell schwere Zeiten durchleben, langfristig gibt es genügend aussichtsreiche Perspektiven, um positiv voraus zu schauen.

Am Freitag, den 8. November 2019 sind signifikante 2,2 Milliarden Dollar in den Cannabis-Markt geflossen, der globale Hanf Index legte über 5% zu. Ein Indikator, dass die Talsohle möglicherweise durchschritten wurde.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Konjunkturelle Abschwächung setzt sich fort

Mit dieser Aussage übertitelt das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) die jüngste Einschätzung der österreichischen Wirtschaft. Die Abschwächung zeige sich vor allem in der Industrie und am Bau, während die Dynamik in Konsum und Dienstleistungen weiterhin robust verlaufe. Österreich spiegelt somit – als offene kleine Volkswirtschaft wenig überraschend – die internationalen Trends gut wieder. Allerorten ist das erwähnte Auseinanderklaffen von schwachem Industriebereich und robustem Dienstleistungssektor zu beobachten. Die Industrie leidet vor allem unter dem Handelskonflikt, während Dienstleistungen und Konsum von der guten Beschäftigungslage profitieren.

Wie wird sich die Lücke schließen – durch Erholung der Industrie oder durch Absacken der Dienstleistungen? Diese Frage wird wohl in Washington und Peking entschieden werden, denn der Handelskrieg gilt als größter Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft und somit auch als wesentlicher Grund für die Zurückhaltung bei den Ausrüstungsinvestitionen.

Eine andere Ungereimtheit ist weniger stark präsent, nämlich jene zwischen „weichen“ Umfragedaten und „harten“ Wirtschaftsdaten. Dabei zeigt sich, die Stimmung ist schlechter, als es die harten Daten rechtfertigen. Beispiel: die US-Industrieproduktion, Kategorie harte Daten, wächst zwar nicht mehr, fällt aber auch nicht. Die dazu passende Umfrage, der ISM-Index, liegt jedoch auf dem tiefsten Niveau seit dem Rezessionsjahr 2009.

In den letzten Jahren war es oft so, dass die Realität den negativen Erwartungen der Befragten nicht vollumfänglich gefolgt ist. Der Aktienmarkt dürfte angesichts von Kursen nahe der Jahreshochs auch diesmal eine solche Entwicklung antizipieren. Dass zyklische Aktien zuletzt deutlich besser gelaufen sind, ist auch als Zeichen der Zuversicht zu verstehen. Für eine abschließende Bestätigung fehlt allerdings Klarheit bezüglich des Handelskonfliktes sowie eine Stabilisierung beziehungsweise Erholung relevanter Indikatoren. Daher halten wir bis auf Weiteres eine neutrale Aktienquote.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Neue Höchststände

Im Gegensatz zu den Rentenmärkten ist bei den Aktien das Glas eindeutig voll. Gegen Ende Oktober versuchten die Aktienmärkte, die sich seit Mai in einer Konsolidierungsphase befanden, wieder einmal nach oben auszubrechen, der globale Aktienindex (MSCI World) erreichte dabei einen neuen Höchststand. Das war nicht ausschließlich dem US-Aktienmarkt zu verdanken, sondern auch der guten Performance in Europa. Hier wurde einiges aufgeholt, der DAX hat sogar den Dow Jones eingeholt! Dabei sind – typisch für solche Phasen – die Volatilitätsindizes wieder unter die langjährigen Durchschnitte gefallen. Das nennt sich gerne „Risk-on-Szenario“.

Jedenfalls waren, nach einem schwächeren August, die letzten beiden Monate wieder sehr gut. Vorne liegt wieder Russland – ein Teil der Wertentwicklung kommt aus der Währung – und damit Osteuropa. Auch Lateinamerika (Brasilien) sowie China und damit Asien sahen einen guten Monat Oktober. Generell sollten die Voraussetzungen für ein gutes Aktienjahr 2019 gegeben sein.

Aktien USA und Europa: Feste Märkte aber stagnierende

Die entwickelten Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen von ihrer freundlichen Seite. Unterstützung kommt dabei unverändert von den internationalen Notenbanken, auch die politischen Risiken sind zumindest kurzfristig etwas in den Hintergrund getreten. Der Blick auf die Fundamentaldaten relativiert dies, sind doch die Gewinnwachstumsraten für das Jahr 2019 mittlerweile nur mehr leicht positiv und die Gewinnrevisionen unverändert negativ.

Der Gewinn je Aktie, kalkuliert für den S&P 500 Index für die jeweils letzten 12 Monate, stagniert seit einigen Quartalen auf hohem Niveau, die Dynamik ging verloren. Allerdings ist hierbei der Sonderfaktor US-Steuerreform enthalten, der das Gewinn-Niveau entsprechend stark angehoben hat. Dieser Basiseffekt ist ebenso zu berücksichtigen, wie der Umstand, dass die Unternehmen etwa über den Lohndruck (Stichwort Arbeitsmarkt) doch einen gewissen Margendruck zu stemmen haben.

Aufgrund des in Summe uneinheitlichen Bildes nehmen wir aktuell keine aktive Positionierung ein.

ESG-Regulierung – Auswirkungen auf deutsche (alternative) Asset Manager

von Dr. Harald Glander und Daniel Lühmann, Rechtsanwälte bei Simmons & Simmons LLP, anlässlich des 169. Hedgeworks.

Environmental, Social and Governance – ESG sind Begriffe, welche nicht erst seit der Konsultation des Entwurfs des Merkblatts der BaFin zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken, Aufmerksamkeit unter den unterschiedlichen Akteuren im Finanzsektor erfahren haben. Sie stehen in Zusammenhang mit den ehrgeizigen Klimaschutz-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitszielen der EU, welche wesentliche Auswirkungen auf den europäischen Finanzsektor haben. Eine Einschätzung.

Ende September 2019 hat die BaFin den Entwurf eines Merkblatts zum Umgang mit dem Thema „Nachhaltigkeitsrisiken“ zur Konsultation gestellt. Darin weist sie darauf hin, dass verbindliche gesetzliche oder aufsichtsrechtliche Vorgaben im Hinblick auf Nachhaltigkeitsrisiken durch das Merkblatt weder abgeschwächt noch erweitert werden sollen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die noch ausstehenden europäi­schen Konkretisierungen zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken bei den im Anwendungsbereich des Merkblatts befindlichen Unternehmen. Dennoch möchte die BaFin den von ihr beaufsichtigten Unternehmen eine Orientierung im Umgang mit diesem Thema geben. Dazu definiert die BaFin in ihrem Entwurf den Begriff „Nachhaltigkeitsrisiken“.

Unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips sieht die BaFin das von ihr veröffentlichte Merkblatt als ein Kompendium von Good-Practices, das in den unterschiedlichen Unternehmen Anwendung finden soll. Somit stellt dieses beispielsweise für AIF-KVGen eine Ergänzung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement, wie sie in der KAMaRisk niedergelegt sind, dar.

Aktionsplan und Legislativvorschläge der EU-Kommission: Die Initiative der BaFin ist im Zusammenhang mit den europäischen Bemühungen zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums zu betrachten. Der Aktionsplan der Kommission soll das Erreichen der Klimaziele der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 sicherstellen. Durch die Annahme der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen sowie des Übereinkommens von Paris über den Klimawandel im Jahr 2015 hat sich die EU verpflichtet, eine nachhaltige Gesellschaft und Wirtschaft zu fördern. Insoweit hat sich die EU unter anderem dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen ihrer Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2030 um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken.

Um die vereinbarten Klimaziele erreichen zu können, werden nach Einschätzung der EU-Kommission jährlich bis zu 180 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen benötigt. Auf Grundlage des von der Kommission im März 2018 vorgestellten Aktionsplans zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums, soll dieser Investitionsrückstand durch die Hilfe des europäischen Finanzsektors aufgeholt werden. Der Fondsindustrie als Schnittstelle zwischen Investoren und (alternativen) Investments kommt dabei eine tragende Rolle zu.

Der Aktionsplan der Kommission berücksichtigt die Empfehlungen einer von ihr im Jahr 2016 eingesetzten hochrangigen Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen. Unter dem Eindruck der Empfehlungen der Sachverständigengruppe verfolgt die Kommission mit dem Aktionsplan drei Ziele. Kapitalflüsse sollen zunächst auf nachhaltige Investitionen umgelenkt werden, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erzielen. Ferner sollen durch die Umsetzung des Aktionsplans die finanziellen Risiken, welche sich aus Klimawandel, Ressourcenknappheit, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigt werden. Schließlich soll auf lange Sicht die Transparenz in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit gefördert werden.

Die Umsetzung der zuvor genannten Ziele soll durch zehn Maßnahmen sichergestellt werden. Kernpunkte dieser Maßnahmen sind die Einführung eines europäischen Klassifikationssystems für nachhaltige Tätigkeiten (sog. Taxonomie). In diesem Zusammenhang hat die Kommission im Mai 2018 drei Legislativvorschläge zur Umsetzung des Aktionsplans veröffentlicht. Zentrales Element der Vorschläge ist die Taxonomie-Verordnung, auf deren Grundlage der Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messbar gemacht werden soll. Zu den Legislativvorschlägen der Kommission zählt auch die Offenlegungs-Verordnung. Diese sieht umfassende Offenlegungspflichten bezüglich der Nachhaltigkeitsrisiken für beispielsweise Finanzportfolioverwalter, AIF- und OGAW-Verwaltungsgesellschaften vor.

Änderungen europäischer Richtlinien und Level-2-Maßnahmen: Neben den Legislativvorschlägen der Kommission soll die Umsetzung des Aktionsplans durch Änderungen europäischer Richtlinien und dazugehöriger Level-2-Maßnahmen unterstützt werden. Hierzu hat die Kommission unter anderem die ESMA im Juni 2018 aufgefordert, Vorschläge für eine Implementierung von Nachhaltigkeitsrisiken und -faktoren durch die Änderung der OGAW-Richtlinie, der AIFM-Richtlinie sowie der zweiten Finanzmarkt-Richtlinie samt Level-2-Maßnahmen bis Ende April 2019 vorzubereiten. Mit den durch die ESMA erarbeiteten und bereits konsultierten Änderungsvorschlägen soll erreicht werden, dass einerseits zugelassene OGAW- und AIF-KVGen Nachhaltigkeitsrisiken und -faktoren aufgrund eines prinzipienbasierten Ansatzes in ihre interne Prozesse integrieren. Insoweit umfasst die Empfehlung der ESMA Vorgaben bezüglich der organisatorischen Anforderungen, der Verhaltenspflichten sowie an das Risikomanagement der KVGen. Andererseits sollen ESG-Präferenzen in die Prozesse und Verfahren der Unternehmen im Anwendungsbereich der zweiten Finanzmarkt-Richtlinie implementiert werden. Wertpapierdienstleistungsunternehmen sollen demnach künftig die ESG-Präferenzen ihrer Kunden abfragen und diese Präferenzen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungserbringung berücksichtigen.

Auswirkungen auf die Fondsindustrie: Das durch die BaFin zur Konsultation gestellte Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken kommt für die betroffenen Unternehmen zu keinem idealen Zeitpunkt. Mit dem Merkblatt unterstreicht die BaFin ihre Absicht, Nachhaltigkeit im Finanzsektor zu einem aufsichtsrechtlichen Schwerpunktthema zu machen. Nach Abschluss der Konsultation wird erwartet, dass dieses als Grundlage für die aufsichtliche Praxis der BaFin dienen wird. Dieser Umstand steht im Spannungsverhältnis zu der Umsetzung der europäischen Regulierungsbestrebungen. Zwar nimmt die Umsetzung des Aktionsplans der Kommission durch die Entwicklungen weiter Konturen an. Es wird aber wohl nicht zum zeitlichen Gleichlauf mit der BaFin-Initiative kommen. Insoweit ist durch die ausstehenden europäischen Konkretisierungen zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die unternehmens­eigenen Prozesse ein mehrstufiger Implementierungsprozess zu erwarten. Dies macht es nicht nur den betroffenen Unternehmen, sondern auch den (regulierten) Investoren schwer, einen gemeinsamen Nenner im Investitionsprozess zu finden. Durch den Druck der Kapitalgeber gibt es bereits jetzt auf der Seite der Investoren viele individuelle Kriterien, die im Rahmen eines nachhaltigen Investments Beachtung finden sollen.

Auch auf der politischen Ebene scheinen die europäischen und nationalen Bestrebungen in Bezug auf eine nachhaltige Finanzwirtschaft auseinanderzulaufen. So wird die Bundesregierung durch den Sustainable-Finance-Beirat bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsfinanzierung unterstützt. Trotz der pluralistischen Zusammensetzung des Beirats, sind die betroffenen Unternehmen nicht durch ihre Interessenvertretungsverbände (bspw. BAI oder BVI) als Mitglieder des Beirats vertreten. Dies hat unter den betroffenen Verbänden zu Kritik geführt. Sind sie jedoch auf der europäischen Ebene am Gesetzgebungsprozess beratend beteiligt.

Trotz der Kritik am Status quo wird die Zukunft zeigen, ob die europäischen und nationalen Initiativen zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft führen und positive Auswirkungen auf die Klimaschutz-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsziele der EU haben werden.


Dr. Harald Glander

ist Rechtsanwalt und Partner bei Simmons & Simmons und im Bereich Financial Services und Investmentfonds am Frankfurter Standort von Simmons & Simmons tätig. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Freien Universität Berlin und der University of Cape Town (LL.M.) hat er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Dr. jur. promoviert.

Daniel Lühmann

ist Rechtsanwalt und Supervising Associate im Bereich Financial Services und Investmentfonds der inter­nationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons und am Frankfurter Standort tätig.

Simmons & Simmons LLP

ist eine führende Rechtsanwaltskanzlei mit über 1.500 Mitarbeitern in Asien, dem Nahen Osten und Europa. In Deutschland unterhält die Kanzlei Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main und München. Ein Schwerpunkt der internationalen Beratungstätigkeit von Simmons & Simmons stellt der Sektor Asset Management und Investmentfonds dar. 

KONTAKT

Simmons & Simmons LLP

Dr. Harald S. Glander, LL.M.
Tel.: +49 (0)69 90 74 54-44
Mail: harald.glander@simmons-simmons.com

Daniel Lühmann, LL.M.
Mail: daniel.luehmann@simmons-simmons.com
Tel.: +49 (0)69 90 74 54-25

Internet: www.simmons-simmons.com 

Sprechen Sie Krypto – welche Krypto-Währungen gibt es?

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Das Thema Libra ist wieder aktuell. Derzeit überwiegen aber die kritischen Stimmen, womit eine Realisierung aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich erscheint.

Für uns ein Anlass das Thema Krypto-Währungen ganz allgemein zu beleuchten. Laut der Internetseite Coinmarketcap gibt es per 15.10.2019 2980 Krypto-Währungen mit einer Marktkapitalisierung von $226,9 Mrd. Wie ist diese Zahl aber einzuordnen? Die meisten haben von Bitcoin gehört (die mit Abstand bedeutendste Krypto-Währung), heißt das, dass 2979 Krypto-Währungen mit Bitcoin als Zahlungsmittel konkurrieren? Die einfache Antwort lautet NEIN.

Jede Krypto-Währung verfolgt ein unterschiedliches Ziel. Wir wollen in diesem Blog nicht auf die unterschiedlichen Absichten eingehen, präsentieren aber im Folgenden eine einfache Unterteilung, nach der man diese Krypto-Währungen einordnen kann. Damit wird schnell klar, dass es sich bei den meisten sogenannten Krypto-Währungen gar nicht um eine Währung handelt.

Eine Währung zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus:

  • Tauschmittel
  • Recheneinheit
  • Wertspeicher

Selbst Bitcoin erfüllt diese drei Eigenschaften nur zum Teil. Als Tauschmittel kann Bitcoin mitunter eingesetzt werden, aber bei weitem nicht flächendeckend. Die meisten Käufer halten Bitcoin als Wertspeicher (viele sprechen von Gold 2.0), das gilt umso mehr, wenn ein Staat eine schwache Währung hat (Bsp. Venezuela, Argentinien, Türkei, u.a.). Die mitunter wichtigste Eigenschaft, die Recheneinheit, ist nicht gegeben. D.h. mit ganz wenigen Ausnahmen werden keine Produkte in Bitcoin-Einheiten angeboten.

Dazu kommt, dass ein Staat bestimmt was eine offizielle Währung ist. Eine Währung ist dann staatlich anerkannt, wenn ein Kreditgeber diese als Rückzahlung akzeptieren muss (im englischen Legal Tender). Außerdem bestimmt der Staat womit man Steuern zahlen kann (der Kanton Zug in der Schweiz akzeptiert Steuerzahlungen in Bitcoin, in Japan ist Bitcoin Legal Tender).

Ein besserer Ausdruck statt Krypto-Währungen wäre demnach digitale Token, klingt aber nicht so spannend. Alle diese Token haben gemein, dass sie „nur“ digital existieren und von einer Software produziert werden, die kryptographische Verschlüsselungsmethoden anwendet.

Jeder, der sich ein wenig für diese Token interessiert sollte wissen, dass man diese grob gesprochen in 3 Gruppen einteilen kann, die ich im Folgenden kurz beschreiben möchte:

Payment Token

Dazu zählen beispielsweise Bitcoin, Bitcoin Cash, Dash, Monero u.a. Die Entwickler dieser Token verfolgen das Ziel ein Token anzubieten, der als Tauschmittel eingesetzt werden kann. D.h. die Token wurden als Zahlungsmittel entwickelt um Produkte zu erwerben.

Zu den Payment Token zählen auch sogenannte Stable Coins, also Token, die an eine Währung wie z.B. US Dollar gekoppelt sind (z.B. Tether). Im weitesten Sinne fällt auch die angedachte digitale Währung Libra in diese Kategorie. Im Gegensatz zu den oben genannten Payment Tokens hat Libra aber ein Unternehmen (Facebook mit Partner) als Emittenten.

Facebook sieht sich derzeit massivem Widerstand seitens vieler Regulierungsbehörden ausgesetzt, womit die Realisierung des Projekts sehr fraglich ist. Viele Staaten glauben, dass Libra systemrelevant sein könnte und wollen ihr Währungsmonopol keineswegs in Frage stellen.

Einige Partner wie Visa oder Mastercard haben  sich bereits von diesem Projekt distanziert.

Utility Token

Mehr als 90% der „Krypto-Währungen“ fallen in diese Kategorie.

Diese Token wurden dazu entwickelt um bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Token können aber nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden Viele haben solche Token in ähnlicher Form schon kennengelernt ohne diese als Währung zu bezeichnen.

Vielleicht haben Sie schon einmal einen Flug mit Miles und More Punkten bezahlt. Oder Sie waren Autodrom fahren. Um das Gerät in Bewegung zu setzen müssen Sie 3€ in einen Plastik-Chip wechseln. Kein Supermarkt würde aber diesen Plastik-Chip als Bezahlmittel anerkennen.

So verhält es sich auch mit den Utility Tokens. Viele haben im ICO-Boom diese Token fälschlicherweise als Investment eingestuft – ein fataler Fehler. Utility Token sind nicht reguliert, wozu auch? Die FMA reguliert auch keine Autodrom-Chips.

Security Tokens

Security Token sind eine junge, aber vielversprechende Token-Kategorie. Im Gegensatz zu Utility Token sind diese reguliert. D.h. jemand der einen  Security Token auf den Markt bringt unterliegt der Prospektpflicht und benötigt eine Genehmigung einer Regulierung.

Security Token sind Aktien oder Anleihen ähnlich. D.h. der Besitzer eines Security Tokens hat bestimmte Rechte, wie z.B. Eigentumsanspruch, Stimmrecht, Dividendenanspruch. Wie funktionieren Security Token? Jeder kann Token generieren, allerdings benötigt man eine Rechtsanwaltskanzlei, die eine Verbindung zwischen dem Token und einem realen Asset herstellt.

Dazu kommt die Genehmigung einer Regulierung. Doch was wird tokenisiert? Derzeit sind es hautsächlich Immobilien, Kunstwerke, Juwelen, etc. es ist zum Beispiel möglich eine Immobile mit einem Gegenwert von 2Mio. zu tokenisieren. D.h. jemand kauft diese Immobilie, gründet dazu eine Zweckgesellschaft und begibt 200 Token im Gegenwert von €10,000.

Der Besitzer eines Token besitzt nun 0,5% dieser Immobile und erhält den entsprechenden Gegenwert der Miteinnahmen.

Noch sind diese Token schwer handelbar, weil es an funktionieren Märkten fehlt. Allerdings bereiten sich traditionelle Börsen darauf vor den Handel mit diesen Security Tokens aufzunehmen. Security Tokens haben das Potenzial das Finanzwesen deutlich zu verändern.

So wird es in absehbarer Zukunft auch möglich sein ohne Bankverbindung Aktien oder Fondsanteile in Form von Security Tokens zu erwerben. Wer heute schon Aktien, Indices oder Rohstoffe in Form von Security Tokens erwerben möchte, kann dies z.B. auf der Internetseite currency.com realisieren.

FAZIT

Krypto-Währungen werden sehr unterschiedlich eingesetzt. Auch im Wertpapierbereich hält die  Technologie langsam Einzug. Wir beobachten die Entwicklung genau. Auf der Veranlagungsseite sind Kryptowährungen für uns als Erste Asset Management kein Thema. Dafür fehlen wichtige Voraussetzungen. Auf der Technologieseite ist jedoch einiges zu erwarten.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Institutionelle Investoren setzen weiter auf Immobilien

von Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer der Deka Immobilien.

Die Expo Real 2019 hat verdeutlicht, dass die Nachfrage von institutionellen Investoren nach Immobilienanlagen weiterhin hoch ist. Dabei steht unter anderem Deutschland weiter im Fokus von Anlegern. Dies verwundert im aktuellen extremen Niedrigzinsumfeld nicht, das nach Meinung unserer Volkswirte in der Eurozone noch einige Zeit bestehen bleiben sollte. Für den Erwerb von qualitativ hochwertigen und renditestarken Objekten braucht es deshalb heute einen sehr guten Zugang zum Immobilienmarkt und eine tief­greifende Expertise. Im anhaltenden Niedrigzins­umfeld treffen Investments in Immobilien nach wie vor den Nerv der Anleger. Im Jahr 2018 lag das Trans­aktions­volumen gewerblich genutzter Immobilien in Deutschland bei gut 60 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Zunahme von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer Verdreifachung gegenüber 2010. Addiert man außerdem gewerbliche Wohn­immobilien wie Wohnportfolios und Pflegeimmobilien hinzu, ergibt sich ein Gesamtvolumen von 79 Milliarden Euro. Mit dieser Entwicklung sind auch die Immobilienpreise in Deutschland in den vergangenen Jahren kräftig nach oben geklettert. Dazu kommt, dass die Leerstandsquote vor allem in den deutschen Metropolen und zunehmend auch in B-Lagen sukzessive zurück­geht, während das Neubauvolumen im Gewerbebereich auf absehbare Zeit moderat bleiben dürfte. In attraktiven B-Städten wie Hannover, Bremen, Bonn oder Essen sind die Leerstände traditionell noch niedriger als in den A-Städten. Das Neubau­volumen ist geringer und wird häufig durch Eigennutzer dominiert. Daher haben sich auch hier aufgrund des Angebotsmangels die Bürospitzenmieten erhöht. Teilweise verzeichnen dort Cityrandlagen mit hohem Neubauanteil höhere Mieten als die kleinteilig strukturierten Innenstädte. 

Investoren schätzen Deutschlands Stabilität

Gleichzeitig erfreut sich Deutschland bei internationalen Investoren großer Beliebtheit. Auch wenn die Konjunktur unter den internationalen Handels­streitigkeiten leidet und das Wirtschaftswachstum 2019/20 laut dem Makro Research der DekaBank mit 0,4 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent schwächer ausfällt, sind die Rahmenbedingungen für die Binnenwirtschaft weiterhin stabil. Die Arbeitslosigkeit lag im September dieses Jahres nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 4,9 Prozent. Die Löhne steigen 2019 weiter kräftig an, was sich dank der maßvollen Inflation auch in Realeinkommenszuwächsen niederschlägt. Die öffentliche und private Verschuldung ist im internationalen Vergleich niedrig. Diese guten Rahmenbedingungen hat sich in den vergangenen Jahren bereits der Domus-Deutschland-Fonds zunutze gemacht. Da dieser vollständig investiert ist, hat die Deka mit dem Domus-Deutschland-Fonds Nr. 2 ein Nachfolgeprodukt auf­gelegt, das auf dem Erfolgsrezept des Vorgänger­produkts aufbaut.

Der Fokus der Investmentstrategie liegt wie beim Vorgängerfonds zum einen bei Core-Immobilien, also qualitativ hochwertigen Gebäuden in A-Lagen mit langlaufenden Mietverträgen und bonitätsstarken Mietern. Und zum anderen bei Core+-Immobilien, sowie ein kleiner Teil Value-Add-Immobilien mit möglichen Wertsteigerungspotenzial durch aktives Mieter- und Asset-Management. Dazu zählen Gebäude, die auf Grund von Leerstand oder geringerer Qualität Entwicklungs­­­potenziale bieten. Ferner profitieren Investoren auch bei dem neuen Domus-Fonds von einer konsequenten Liquiditätssteuerung, einem umfassenden und transparenten Reporting und der tief gehenden und langjährigen Expertise des Deka-Immobilienteams. 

Seit der Auflage des Fonds Domus-Deutschland-Fonds Nr. 2 im Jahr 2018 sind bereits neun Immobilien mit einem Immobilienvermögen in Höhe von rund 310 Millionen Euro in das Sondervermögen übergangen. Das erste Bürogebäude des Fonds war das DOCK1MAINZ. Der fünfgeschossige Büroneubau, der im Jahr 2017 direkt am Wasser im Neubaugebiet Zollhafen Mainz fertiggestellt wurde, weist eine Mietfläche von 5.900 Quadratmeter auf. Das moderne Multi-Tenant-Bürogebäude, zu dem auch 52 Tiefgaragenstellplätze gehören, überzeugt durch eine exzellente Nachhaltigkeit sowie durch eine hohe Flexibilität bei der Flächennutzung. So lassen sich die einzelnen Büroeinheiten individuell als klassische Einzelbüros, effiziente Kombibüros oder Open-Space-Areas darstellen, wobei jedes der vier Regelgeschosse mit einer, zwei oder auch vier Büroeinheiten belegt werden kann.

Im ersten Quartal 2019 wurden neben dem Ankauf der Büroimmobilie Hamburg Süderstrase, zwei Einzelhandelsimmobilien in Göttingen und Detmold sowie ein Ibis Styles Hotel in Stuttgart erworben. Im dritten Quartal 2018 war bereits die Büroimmobilie „Office One“ in das Liegenschaftsvermögen des Fonds ein­geflossen. Der Neubau in Stuttgart mit einer vermietbaren Fläche von mehr als 14.200 qm und 318 PKW-Parkplätzen im angrenzenden Parkhaus wurde im Mai 2018 fertiggestellt. Die Flächen sind vollständig und langfristig an die Trelleborg Sealing Solutions Germany GmbH, einen Nutzer mit hoher Bonität, vermietet. Die Immobilie ist wie das ebenfalls erworbene Ibis Styles Hotel im Synergie-Park Vaihingen angesiedelt. Das langjährig etablierte und größte Gewerbegebiet der Hauptstadt Baden-Württembergs verfügt über eine sehr gute Verkehrsanbindung und wird durch weitere Projektentwicklungen in Zukunft eine zusätzliche Aufwertung erfahren.

Dadurch konnte das Immobilienportfolio insbesondere im Bereich der Nutzungsarten Hotel und Einzelhandel weiter diversifiziert werden. Aktuell befinden sich weitere Objekte in der Ankaufsprüfung, die bei einem positiven Verlauf der Due Diligence das Immobilienportfolio künftig stärken werden. Die aktuelle sektorale Allokation setzt sich wie folgt zusammen: 52 Prozent Büro, 25 Prozent Einzelhandel, rund 9 Prozent Hotel und 4 Prozent Logistik. Die Immobilien zeichnen sich durch eine junge wirtschaftliche Alters­struktur und langfristige Mietvertrage mit einer durchschnittlichen Rest­laufzeit von 9,5 Jahren aus. Der Fonds steht für weitere Investitionen offen. Das nächste Closing ist am 30. November 2019 geplant.


Über Torsten Knapmeyer

Torsten Knapmeyer ist seit Oktober 2009 Geschäftsführer der Deka Immobilien Investment und WestInvest GmbH. Er verantwortet das gesamte Fondsmanagement der Deka Immobilien sowie die Produktentwicklungen und die Vertriebsunterstützung.


Über Deka Institutionell

Deka Institutionell ist der Partner für institutionelle Anleger in der Deka-Gruppe. Ihr Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette professioneller Asset Management- und Kapitalmarktdienstleistungen ab. Ein betreutes institutionelles Vermögen von rund 150 Mrd. Euro spiegelt das wachsende Vertrauen professioneller Anleger in die Produkte und Leistungen der Deka wider. Das Spektrum umfasst die ganze Bandbreite des institutionellen Asset Managements und Liquiditätsmanagements sowie des Kredit- und Risikomanagements. Abgerundet wird das Angebot durch Serviceleistungen wie Master-KVG, als Kern des Asset Servicing, und Verwahrstelle. Weitere Informationen finden Sie unter www.deka-institutionell.de.

Kontakt

Deka Institutionell – Vertriebsservice
+49 (0) 69 71 47 - 11 17
deka-institutionell@deka.de

Notizen

Die wesentlichen Anlegerinformationen, die Verkaufsprospekte und die Berichte erhalten Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank. Oder von der DekaBank, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de.

Ärger mit den Anleihen

Patricia Schuetz, Senior-Kundenportfoliomanagerin im Fixed Income Team, und Thomas Hansen, Senior Investment Manager im Global Bonds Team, beide Pictet Asset Management, erklären, warum Anleiheanleger über eine Allokation in Absolute-Return-Strategien nachdenken sollten.

Renditekorrelation: Ausgewählte festverzinsliche Anlageklassen und ARFI-Strategie von Pictet AM

Man kann es gut verstehen, dass Anleiheanleger sich gerade ein wenig desorientiert fühlen. In den zehn Jahren nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts mussten sie sich von alten Überzeugungen verabschieden, die sie für unumstösslich hielten. Anleihen mit negativer Rendite zum Beispiel sind mittlerweile Realität.

Aufgrund konsequenter quantitativer Lockerung lag das Volumen der negativ rentierlichen Anleihen seit 2016 zu keinem Zeitpunkt unter 6 Bio. US-$. (Die Zahl ist vor kurzem sprunghaft auf 17 Bio. US-$ angestiegen).

Auch die Zeiten, in denen die Staatsanleihenmärkte als Oase der Ruhe galten, sind vorbei. An einem einzigen ereignisreichen Tag im Mai 2018 stieg die Rendite der 2-jährigen italienischen Staatsanleihe um sage und schreibe mehr als 150 Basispunkte, der schlimmste Ausverkauf seit über 25 Jahren. In den USA gab es im Oktober 2015 den „Flash Crash“, bei dem die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen binnen 12 Minuten um 160 Basispunkte schwankten. Die US-Notenbank warnt davor, dass es solche Episoden in Zukunft häufiger geben wird, da passives Investieren und algorithmischer Handel immer mehr an Bedeutung gewinnen.1

Für Anleiheanleger ist die Sache noch komplizierter. Auch die Definition dessen, was Diversifizierung eines Anleiheportfolios bedeutet, muss neu angelegt werden – weil die verschiedenen festverzinslichen Anlageklassen, aus denen sich der globale Anleihemarkt zusammensetzt2 , in den letzten Jahren näher zusammengerückt sind. Die Korrelation der Renditen von US-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen war in den vergangenen drei Jahren höher als in den letzten zehn (Abb. 1).

Anleger können diese neue Realität natürlich einfach hinnehmen und sich damit abfinden, dass sie ein volatileres Portfolio besitzen.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Absolute-Return-Anleihestrategien (ARFI) nutzen. Diese Strategien sind von Anleihe-Benchmarks losgelöst und können beliebige moderne Risikomanagementmethoden anwenden – und damit Renditen erzielen, die vom Anleihemarkt unabhängig sind.

Aus diesen Gründen können sie als Puffer – und Ergänzung – für ein traditionelles Anleiheportfolio dienen.

IM GLEICHSCHRITT

Renditekorrelation im Vergleich zu US-Staatsanleihen: Investment-Grade, High-Yield und USD-Schwellenländeranleihen

Quelle: Bloomberg; Daten beziehen sich auf den Zeitraum 30.06.2009–31.07.2019 und sind dem Bloomberg Barclays US Credit Index, Bloomberg Barclays US High Yield Index und Bloomberg Barclays US Dollar Aggregate Emerging Market Bond Index entnommen.

In der Regel streben ARFI-Fonds ein bestimmtes Renditeniveau über einen bestimmten Zeitraum an, ausgedrückt in einem Zuwachs in Prozentpunkten gegenüber einem Kreditzinssatz oder der Inflation.

Die Investmentmanager unserer ARFI-Strategien wenden zur Erreichung dieses Ziels einen vielschichtigen Ansatz für die Portfoliozusammenstellung an.

Zunächst einmal muss das Anlageuniversum breit abgestützt sein. Investments sollten aus einem möglichst weiten Spektrum an einfach handelbaren Anleihen, Währungen und Derivaten bestehen. Investments should be chosen from the widest possible range of easily-tradeable bonds, currencies and derivatives.

Zudem muss das Augenmerk stärker auf die strukturellen Trends, die die Anleiherenditen beeinflussen, und weniger auf zyklische und volatilere Faktoren wie Konjunkturwachstum und Inflation gerichtet werden.

Zu guter Letzt muss es bei jeder Investmentidee eine entsprechende Absicherung geben, um das bestmögliche Verhältnis von Risiko und voraussichtlicher Rendite zu gewährleisten.

Von den Benchmarks losgelöst

Anleiheanleger kombinieren beim Aufbau diversifizierter Portfolios häufig passive und aktive Long-only-Strategien.

Diese beiden Ansätze sind aber gar nicht so konträr, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei beiden müssen die Anleger mit den Schwächen der nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmarks zurechtkommen.

In vielen Fällen gibt es kaum Unterschiede zwischen aktiv verwalteten Long-only-Portfolios und ihren passiven Pendants. Beide sind in mehr oder weniger gleichem Umfang den Verschiebungen am breiteren Markt ausgesetzt. Plötzliche Veränderungen der Zinserwartungen oder der Benchmark-Zusammensetzung belasten Indextracker und aktive Long-only-Portfolios gleichermassen.

Nehmen wir die Staatsschuldenkrise in Griechenland. Indexorientierte Anleger waren damals doppelt gestraft. Zum einen erlitten Anleiheanleger Verluste, bis griechische Wertpapiere aus den grossen Indizes der Eurozone flogen. Dann fuhren indexorientierte Anleger erneut Verluste ein, als sie die anschliessende Rally verpassten. Ein weiteres Beispiel für die Schwächen der Indexnachbildung ist Venezuela. Die zunehmende Präsenz des Landes in vielen Benchmarks im Vorfeld seiner Wirtschaftskrise traf Schwellenländeranleger schwer. Solche Probleme treten an den Märkten für Unternehmensanleihen noch häufiger auf.

Passive und Long-only-Anleihenfonds sind auch anfällig für das sogenannte asymmetrische Durationsrisiko. Die Duration ist eine Kennzahl, die Auskunft über den voraussichtlichen Kapitalverlust oder -gewinn eines Anleihenfonds bei einem Anstieg oder Rückgang der Zinssätze um 1% gibt. Je höher die Duration eines Portfolios ist, desto empfindlicher reagiert es auf Veränderungen der Zinssätze. In den Jahren seit 2008, die durch starke Zinssenkungen und quantitative Lockerung gekennzeichnet waren, hat sich eine „lange“ Duration ausgezahlt.

Da aber die Leitzinsen vermutlich nicht mehr so stark gesenkt werden wie in den letzten Jahren, hat die Duration einen geringeren positiven Effekt auf die Gesamtrendite eines Anleiheportfolios. Mit anderen Worten: Es gibt eine Asymmetrie in der künftigen Richtung der Zinssatzentwicklung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinssätze stark sinken, ist niedriger als die Wahrscheinlichkeit, dass sie stabil bleiben oder steigen.

Jetzt wird auch klar, warum es sinnvoll ist, indexorientierte Anleiheportfolios mit solchen zu kombinieren, deren Renditen nicht dem Einfluss von Anleihe-Benchmarks unterliegen.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von ARFI-Strategien ist, dass sie auf mehrere Renditequellen setzen. Sie erwirtschaften Renditen aus Veränderungen der Zinssätze (Duration), der Kreditwürdigkeit von Emittenten (Bonitätsaufschlag) und Währungen. Investments werden aus einem möglichst breiten Spektrum an handelbaren Wertpapieren ausgewählt. Schwellenländeranleihen und -währungen, Investment-Grade- und Non-Investment-Grade-Anleihen und andere Schuldtitel wie Credit Default Swaps gehören alle zum Investmentmix.

Werden die Risiko- und Renditequellen auf diese Weise diversifiziert, lassen sich mit ARFI-Strategien in allen Phasen des Konjunktur- und Finanzzyklus Gewinne erzielen, d. h. mit ihrer Aufnahme in eine festverzinsliche Allokation lassen sich die volatilitätsbereinigten Renditen verbessern.

ABSOLUTE-RETURN: VOM MARKT LOSGELÖST


Quelle: eVestment Analytics, Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.05.2016–31.06.2019; Renditen der Pictet AM Absolute Return Fixed Income-Strategie in US-Dollar (ohne Absicherung), vor Gebühren. Die Renditen verringern sich um Managementgebühren und andere Aufwendungen.
*Daten zu den Renditen globaler Anleihen sind dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index in US-Dollar (ohne Absicherung) entnommen.

Erfahren Sie, auf welchen langfristigen Trends unser Portfolio aufgebaut ist.


1) Siehe „Inexplicable spikes still imperil Treasury market: Fed's Brainard“, Reuters, 3. Dezember 2018 https://uk.reuters.com/article/us-usa-fed-brainard/inexplicable-spikes-still-imperil-treasury-market-feds-brainard-idUKKBN1O21VP
2) Wie durch die globalen Anleiheindizes von Bloomberg Barclays repräsentiert

Über Patricia Schuetz

Patricia Schuetz kam 2014 als Senior-Kundenportfoliomanagerin zum Fixed Income Team von Pictet Asset Management.
Davor war sie vier Jahre Senior-Kundenportfoliomanagerin bei Invesco Asset Management, wo sie sich auf Global-Makro- und Kreditstrategien konzentrierte, einschliesslich Schwellenmärkten und Absolute-Return-Strategien. Davor arbeitete sie fünf Jahre als Account Managerin für PIMCO in London. Sie bringt über 25 Jahre Branchenerfahrung mit.
Patricia Schuetz hat einen MBA der Columbia University in New York, einen BS in Business Management und einen BA in Deutsch der Bradley University in Illinois. Sie ist auch Chartered Financial Analystin (CFA).

Über Thomas Hansen

Thomas Hansen kam 2011 zu Pictet Asset Management und ist Senior Investment Manager im Global Bonds Team. Vor seinem Eintritt bei Pictet war Thomas Hansen für die Bewertung von forderungsbesicherten europäischen Wertpapieren (ABS) bei Interactive Data verantwortlich. Zwischen 2006 und 2010 arbeitete er als Portfolioanalyst bei Western Asset Management mit Schwerpunkt auf ABS, gedeckten Anleihen, supranationalen Anleihen, Staats- und Agency-Anleihen. Im Jahr 2006 war er als Assistant Fund Manager bei Baltic Property Trust tätig. Seine Laufbahn begann er 2004 als Assistant Portfoliomanager bei Nykredit. Thomas Hansen hat einen Master in Finance & Business von der Universität Aarhus in Dänemark. Er hat einen MBA Abschluss von der London Business School. Er ist ausserdem Chartered Financial Analyst (CFA) und erwarb das Investment Management Certificate.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Can ESG and diversification be compatible in portfolio construction?

The first generation of ESG strategies excluded whole sectors from investors’ portfolios. Dave Barron, Head of Index and Smart Beta at Legal & General Investment Management, explains what effect this has on investors' exposure and how investors can best balance ESG and portfolio diversification.

Geldpolitik allein kann die Probleme Europas nicht lösen

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree, anlässlich des Antritts der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Das Hauptproblem Europas ist nicht der fehlende Zugang von Unternehmen zu Kapital oder hohe Kapitalkosten, sondern vielmehr eine unzureichende externe und interne Nachfrage. Aufgrund äußerer Schocks wie Handelskriege, Brexit und Konjunkturabschwächung in China bleiben die globalen Nachfragebedingungen weiterhin schwach. Aus diesem Grund muss die Finanzpolitik in Europa, die nach wie vor restriktiver als notwendig ist, mehr tun, um die Binnennachfrage zu stützen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi schloss sich dieser Überlegung auch auf der jüngsten Pressekonferenz der EZB an, auf der er betonte, dass eine monetäre Lockerung nunmehr angebracht sei, da Wachstums- und Inflationsziele ohne fiskalpolitische Eingriffe kaum erreicht werden dürften. Es wird immer deutlicher, dass die Geldpolitik allein die Probleme Europas nicht lösen kann. Christine Lagardes künftige Hauptrolle wird darin liegen, Länder mit Haushaltsüberschüssen wie die Niederlande und Deutschland davon zu überzeugen, mehr zu investieren, um das Wachstum zu unterstützen.

Innerhalb der EZB herrscht derzeit eine tiefe Spaltung. Einige Mitglieder des EZB-Rates bezweifeln die Wirksamkeit negativer Zinssätze und die quantitative Lockerung zur Verbesserung der Kreditvergabe. Darüber hinaus gibt es die Besorgnis, dass sich Minuszinsen auf inländische Sparkassen und Banken ungünstig auswirken werden. Die Leiter der französischen und österreichischen Zentralbanken haben sich öffentlich gegen die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der EZB ausgesprochen. Der unerwartete Rücktritt von Sabine Lautenschläger, die zu den geldpolitischen Falken zählt, ist ein weiteres Zeichen für die Uneinigkeit innerhalb der EZB. Aus Berichten im Anschluss an die EZB-Sitzung geht hervor, dass 9 von 25 Ratsmitgliedern ihre Ablehnung des kürzlich vom ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi angekündigten Lockerungspakets zum Ausdruck brachten. In diesem Zusammenhang wird Christine Lagarde auch damit beauftragt, die Kohärenz zwischen den Mitgliedern des EZB-Rates zu verbessern. Letztendlich wird sie nur auf diese Weise in der Lage sein, den Rat geschlossen zu vertreten und damit den Investoren eine effektive und glaubwürdige Kommunikation zu ermöglichen.

Cry Me A Rio de la Plata – Argentinien hat gewählt

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Am Wochenende fand die Präsidentenwahl in Argentinien statt. Alberto Fernández besiegte mit 48% der Stimmen den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri (40,4%). Ein zweiter Durchgang wird nicht notwendig sein.

Das Ergebnis für Macri ist besser als erwartet, es wird zumindest für eine starke Opposition im Parlament und daher für eine grössere Ausgewogenheit bei der Verabschiedung neuer Gesetze sorgen. Fernández gilt als linksorientierter Politiker, mit einer Nähe zum Peronismus/Kirchnerismus.

Der Finanzmarkt befürchtet eine populistische und unorthodoxe Wirtschaftspolitik von Fernández (im Gegensatz zu jener  Macris).

Massive Kapitalflucht aus Argentinien

Das Wahlergebnis war abzusehen und hat bereits zu einer massiven Kapitalflucht mit einhergehender Schrumpfung der internationalen Devisenreserven geführt.

Die Landeswährung kollabierte und die Refinanzierungfähigkeit des Landes in fremder Währung wurde so gut wie unmöglich. Bereits am Sonntag verschärfte die Zentralbank die Kapitalverkehrskontrollen massiv, um ein weiteres Ausbluten der Reserven zu verhindern.

Eine neuerliche Umschuldung wird daher unvermeidbar. Auch wenn Alberto Fernández immer wieder von „Restrukturierung Uruguay Style“ redet (KEIN ex ante Kapitalschnitt, nur „freiwillige“ Ausdehnung der Laufzeiten), so ist davon auszugehen, dass ein Schuldenverzicht seitens der Gläubiger (sogar seitens Währungsfonds!) unausweichlich ist.

Es scheiden sich die Geister bei der Einschätzung, wie groß dieser Kapitalschnitt tatsächlich werden könnte, die Szenarien bewegen sich momentan zwischen 20-60%. Wobei die derzeitigen Kurse eher die höhere Ziffer reflektieren.

Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger

Der Währungsfonds hat seine Auszahlungen unter dem laufenden Programm bis auf weiteres eingestellt. Es ist nicht auszuschließen, dass Anleihen ausgegeben vor 2016 (vor Amtsantritt Macris, daher bereits mindestens einmal umgeschuldet) präferenziell behandelt werden, wenngleich diese Hypothese mit großen juristischen Bedenken behaftet ist.

Da jedoch alle post 2016 Anleihen mit sogenannten CAC-Klauseln (Collective Action Clauses) versehen sind, dürfte bei deren Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger zu rechnen sein.

Angesichts der prekären Wirtschaftslage des Landes erwarte ich mir eine zeitnahe Bekanntgabe der Schlüsselpositionen: Wer verhandelt mit den Gläubigern, wer mit dem Währungsfonds, wer wird Finanzminister? Die notwendigen Massnahmen sollten jetzt rasch angekündigt und ergriffen werden, um dem Land und den Investoren wieder Planungssicherheit zu geben.

Auch wird interessant sein zu beobachten, welche Rolle der Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner zukommen wird. Sie war für die völlige Isolation des Landes von den internationalen Kapitalmärkten verantwortlich. Ein zu großer Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen würde vom Markt mit Unwohlsein aufgefasst werden.

Währungsfonds als flexibler Partner

Der Währungsfonds (IWF) hat sich in den letzten Tagen weiter als flexibler  „Partner“ des Landes angeboten. Diese Haltung ist angesichts des schieren Volumens (ca $ 50 Mrd.) aushaftender  IWF Kredite auch nicht besonders überraschend. Bevor der IWF allerdings konkreter werden kann, bedarf es natürlich vorhergehender Sondierungsgespräche mit den neuen Verhandlungsteams, die ja bisher noch nicht genannt sind.

Exkurs CHILE

Die massiven sozialen Unruhen wurden von Studentenprotesten bezüglich einer eher  unscheinbaren Erhöhung von Tarifen des öffentlichen Transportes ausgelöst.

Dies lässt auf eine viel breitere Unzufriedenheit in der Bevölkerung schließen. Das Land genießt ein A1 Investment Grade und kann solide makroökonomische Daten vorweisen. Daran wird sich voraussichtlich auch kurzfristig nichts ändern. In einem drastischen Schritt hat Präsident Sebastián Piñera die gesamte Regierung zum Rücktritt aufgefordert und sucht mittels breitest möglicher Inklusion aller gesellschaftlichen Stakeholder ein neues Regierungsprogramm mit einem neuen Team auf die Beine zu stellen.

Noch zeigt sich die Bevölkerung skeptisch und hält den Druck „der Straße“ aufrecht. Der Markt reagiert bisher relativ gelassen, der 5 Jahres Credit Default Swap des Souveräns dehnte sich von 32 Bps (17.10.2019) auf derzeit 37 Bps aus.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

"Erwarten von der Fed die dritte Zinssenkung in diesem Jahr"

von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager bei First State Investments, zur heutigen Fed-Sitzung.

Wir erwarten von der Fed die dritte Zinssenkung in diesem Jahr, und zwar um 25 Basispunkte. Die Wirtschaftsdaten deuten weiterhin auf eine Abkühlung der Konjunktur hin, insbesondere in den Bereichen Unternehmensinvestitionen und der produzierenden Industrie. Wenngleich das Konsumverhalten hoch war, weisen die Einzelhandelsumsätze im September auf eine Abkühlung hin. Wir haben unsere Exposure in US-Aktien aufgrund ihrer Bewertungen reduziert und eine Reallokation zugunsten japanischer und britischer Aktien vorgenommen. Zudem haben wir kürzlich unsere langjährige Exposure zum US-Dollar aufgegeben, da wir attraktivere Optionen in den Schwellenländern, insbesondere in Europa, sehen.

Wahl in Argentinien: Checks and Balances könnten Politik mäßigen

Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die Wahl in Argentinien:

Wie zu erwarten, hat Alberto Fernández die Präsidentschaftswahl gewonnen und wird am 10. Dezember vereidigt.

Fernández gewann mit 48 Prozent der Stimmen gegenüber Macri mit einem Stimmenanteil von 40,5 Prozent. Überraschenderweise schnitt Macri besser ab als zunächst erwartet. Der Vorsprung von Fernández verringerte sich auf 7,5 Prozent, was für Macri eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorwahlen, den PASOs, bedeutete. Die einleitende Rede von Fernández wurde als moderat empfunden. Eindeutig als positiv zu bewerten ist das womöglich heute stattfindende Treffen zwischen Macri und Fernández, um den Regierungswechsel einzuläuten. Eine ebenfalls gute Nachricht ist der Sieg Larettas im Kampf um das Bürgermeisteramt der Stadt Buenos Aires, der somit einen Ausgleich zu Kicillof darstellt, den neuen Gouverneur der Provinz Buenos Aires (der Junto por el Cambio konnte auch mehrere andere Provinzen wie Cordoba, Santa Fe und Mendoza gewinnen). Obwohl Fernández immer noch den Senat kontrolliert, kann man von einer beinah gleichmäßigen Sitzverteilung im Kongress sprechen. Angesichts des besser als erwarteten Abschneidens von Cambiemos scheint es gewisse ‚Checks and Balances‘ zwischen beiden Lagern zu geben, die möglicherweise die Politik mäßigen könnten.

Argentinien verschärfte zudem am späten Sonntag nach dem Wahlsieg Fernández die Kapitalverkehrskontrollen. Nun bilden 200 US-Dollar pro Monat das Maximum, das über Bankkonten transferiert werden darf. Zuvor lag der Wert bei 10.000 US-Dollar pro Monat. Auch dies stellt keine größere Überraschung nach der Wahl dar.

Der Markt wird sich nun auf die Ernennungen des Kabinetts rund um Fernández konzentrieren und den Verlauf der IWF-Gespräche im Blick behalten. Lokale Medien berichten, dass Fernández heute ein Team für die Wirtschaftspolitik in der Übergangsphase ernennen wird.

"Argentinien muss unverzüglich ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm umsetzen"

Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt bei Legal & General Investment Management (LGIM), zur Präsidentschaftswahl in Argentinien:

Diesen Sonntag hält Argentinien Wahlen über das Präsidentenamt, die Hälfte des Kongresses und ein Drittel des Senats ab. Gewählt wird auch in einigen verbleibenden Provinzen wie Buenos Aires, die bevölkerungsreichste Provinz. Die Stimmabgabe ist für die 33 Millionen wahlberechtigen Stimmen obligatorisch.

Der Fokus liegt auf der Präsidentschaftswahl. Ein Kandidat muss entweder insgesamt 45 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnen, oder mindestens 40 Prozent erreichen und 10 Prozent Vorsprung zu seinem nächsthöheren Wahlgegner aufweisen, um in der ersten Runde zu gewinnen. Erfüllt keiner der Kandidaten diese Voraussetzungen, ist für den 24. November eine Stichwahl zwischen den beiden meistgewählten Kandidaten geplant.

Favoriten sind der amtierende Präsident Mauricio Macri von der Cambiemos-Koalition und Alberto Fernandez von den Peronisten.

Fernandez schlug den Amtsinhaber in den Vorwahlen vom 11. August mit rund 48 Prozent der Stimmen – 15 Prozentpunkte mehr als Macri. Damit sind beide Bedingungen für einen Sieg in der ersten Runde erfüllt. Der Märkte gehen weitesgehend davon aus, dass Präsident Macri nicht in der Lage sein wird, diesen Rückstand aufzuholen. Die jüngsten Umfragen deuten darauf hin, dass sich der Abstand zwischen den beiden Kandidaten seit den Vorwahlen zugunsten von Fernandez auf 22,5 Prozentpunkte erhöht hat. Es ist daher wahrscheinlich, dass Alberto Fernandez die erste Runde für sich entscheiden wird.

In unserem Basiszenario gehen wir davon aus, dass Alberto Fernandez die Wahlen in der ersten Runde gewinnen wird. Darüber hinaus glauben wir, dass ein Sieg in der ersten Runde von den Märkten positiv aufgenommen wird. Denn Argentinien muss unverzüglich ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm umsetzen, die Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder aufnehmen und sich mit Investoren auseinandersetzen, um die Schulden des Staates umzuprofilieren/umstrukturieren

Nach den IWF-Treffen in Washington DC vor einigen Tagen konzentrierten sich die Treffen mit dem IWF und Fernandez auf die Ambition der potenziellen neuen Regierung, den Dialog mit dem IWF fortzusetzen. Auch wenn dies als positives Zeichen zu werten ist, war die Wirtschaftspolitik bislang nicht Teil der Agenda. Fernandez hielt sich vage, als er Details zu seinen Wirtschaftsplänen skizzierte, wahrscheinlich aufgrund der anhaltenden Kampagne, in der sich Macri und Fernandez befinden. Allerdings soll die IWF-Mission in der nächsten Woche nach den Wahlen in Argentinien eintreffen. Ich vermute, dass wir bald mehr Details zu der Wirtschaftspolitik von Fernandez erhalten werden. Wir wissen, dass Fernandez einen Sozialpakt mit Unternehmen und Gewerkschaften schließen will, um sich beispielsweise auf die Löhne zu einigen. Der Markt spekuliert auch, dass die jüngsten Kapitalkontrollen verschärft werden, festgelegte Richtlinien gibt es aber noch nicht. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass Fernandez versucht, Exporteure zu fördern (teilweise um frische US-Dollar ins Land zu holen), und dass er einen wettbewerbsfähigen Wechselkurs anstrebt.

IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Wirtschaftsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren.

Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen und den Finger „auf den Puls“ des Marktgeschehens zu legen.

Die relevantesten Erkenntnisse: synchronisierter Slow-Down Modus

90% aller Länder befinden sich in einem synchronisierten Slow-Down Modus und einem Entglobalisierungschock. Der IMF sieht für 2019 das globale Wirtschafts-Wachstum bei ca. 3%. Für 2020 kann auf Grund einer verhaltenen Preisentwicklung bei Rohstoffen für die Emerging Markets im Durchschnitt nicht mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Die USA werden nicht in eine Rezession rutschen und China kein Hard Landing produzieren.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist strukturell langfristiger Art, vor dem Hintergrund Sicherheit, Intellectual Property und Tech. Chinas Hauptinteresse ist nur, die Situation nicht noch schlechter werden zu lassen. Tarife und Handelsrestriktionen werden nicht so schnell zurückgenommen werden.

Die Auseinandersetzung beschleunigt Chinas Strategie der selektiven Entkoppelung („Disengagement“) und Bemühen, das Land auf eine mehr konsum- und dienstleistungsorientierte Basis zu stellen. Ein Ausdehnen der Sanktionen auf Finanzinstrumente gilt angesichts ungewisser internationaler Auswirkungen als unwahrscheinlich.

Der Handelszwist schadet dem Rest der Welt vermutlich mehr als den USA und China selbst. Die momentan propagierte „Phase 1“ in der Beilegung des Konfliktes wird eher als Waffenstillstand zu betrachten sein.

USMCA (Nachfolger von NAFTA) wird kein Opfer der Entwicklungen rund um ein Impeachment von Präsident Trump. Die Ratifizierung seitens der USA wird in Q1/2020 erwartet (vielleicht sogar schon Dezember 2019).

Die Emerging Markets Sorgenkinder

In Argentinien wird auf Grund der schieren Grösse ein Kapitalverzicht auch auf IMF Kredite notwendig sein. Der IMF zeigt sich „flexibel“, aber konkrete Details bezüglich Neuverhandlung des Finanzpaketes werden erst nach den am 26.10.19 stattfindenden Präsidentschaftswahlen bekannt werden. Für die privaten Gläubiger gehen die Schätzungen zum Kapitalschnitt auseinander (40-60%).

  • Venezuela: Die Kohäsion in der Opposition ist brüchig und macht der Regierung Maduro derzeit keine ernsthaften Probleme. Eine (komplizierte) Umschuldung sämtlicher Auslandsschulden ist nach wie vor unumgänglich, hat aber immer noch keinen offiziellen „Startschuss“ seitens des Schuldners bekommen.
  • Ecuador: Die sozialen Unruhen wurden vorerst beendet, die Regierung sucht mittels einer breiten gesellschaftlichen Einbeziehung nach konsensualen Lösungen für die prekäre Budgetsituation. Der IMF zeigt sich sehr kooperationswillig.
  • Zambia: Keine ernsthaften Massnahmen zur Lösung der Verschuldungssituation erkennbar. Sollte es dabei bleiben, besteht Umschuldungsgefahr.
  • Libanon: Das Modell der Staatsschuldenfinanzierung mithilfe von Bankeinlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für die Unterstützung seitens arabischer Freunde (Saudi Arabien ?) in einer Stresssituation. Wackelkandidat.

Die Emerging Markets Liebkinder

  • Brasilien: Weiterhin Vertrauen in die kommenden Strukturreformen. Wird als „Best Performer 2020“ gesehen.
  • Ukraine: Die fiskalen Spannungen wurden erfolgreich bereinigt. Der Reformstau wurde reduziert und die Beziehungen zum Währungsfonds sind offenbar sehr gut.
  • Kolumbien: Mit 3,4% (2019) höchstes Wachstum aller EM Investmentgrade-Länder. Erwirtschaftung eine Primärüberschusses (+0,6%) in 2019. FDI und Remittances machen ca. 6.1%/GDP aus, bei einem Leistungsbilanzdefizit von -4,4% in 2019.
  • Russland und Ägypten genießen ebenfalls das Wohlwollen der Investoren.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wenige Katalysatoren, die das Wirtschaftsklima im Euroraum verbessern

Ein Kommentar zur EZB-Sitzung von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager bei First State Investments:

„Wir erwarten, dass Draghis letzte Pressekonferenz an der Spitze der EZB ohne besondere Vorkommnisse und Zinsänderungen verläuft. Die Wirtschaftsdaten spiegeln weiterhin eine grundlegende Schwäche des Euroraums wider und die EZB dürfte abermals auf die bestehenden Abwärtsrisiken hinweisen. Die neue Präsidentin Lagarde steht vor der Herausforderungen, Länder wie Deutschland und die Niederlande davon zu überzeugen, Wachstumschancen über die Fiskalpolitik zu unterstützen, anstatt sich ausschließlich auf die Geldpolitik zu verlassen. Kurzfristige Erfolge scheinen hier jedoch gering, da die von den Ländern im Verlauf dieses Monats in Brüssel vorgelegten Haushaltspläne nur einer leichten fiskalischen Expansion dienen. Wir haben uns daher für eine anhaltende Schwäche des Euros und eine Verengung der Peripherie-Spreads positioniert, da wir derzeit nur wenige Katalysatoren sehen, die das Wirtschaftsklima im Euroraum verbessern.“

Effizienz und Elektrotrend: Alles klar zur Verkehrswende?

von Mark Lewis, globaler Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management.

Die Steigerungsraten sind beeindruckend: Die Zahl der in Deutschland im September neu zugelassenen Elektroautos ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 150 Prozent gestiegen. Bei den Plug-in-Hybriden beträgt der Zuwachs immerhin noch über 50 Prozent, so die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Und das ist nur der Anfang. Der Anstieg wird wohl auch in den kommenden Monaten anhalten, er könnte sogar noch größer werden. Besonders im nächsten Jahr, wenn viele neue Elektroautos auf den Markt kommen werden.

Der Haken dabei: Die absoluten Zahlen sind indes noch klein, kaum 6.000 neue Batterieautos sind im September zugelassen worden. Doch die Autohersteller haben 2020 zum Jahr des Umbruchs erklärt: Opel macht den Anfang mit dem Corsa-e, Volkswagen bringt seinen neuen ID.3 zu den Händlern. Porsche hat den Taycan im Angebot, Jaguar den I-Pace und die süddeutschen Premiumhersteller Audi, Daimler und BMW wollen besonders mit neuen Plug-in-Hybriden punkten.

Abb. 1: Neuzulassungen bei E-Autos

Geringer Anteil: Fast 48.000 Elektroautos kamen 2019 neu auf die deutschen Straßen – von insgesamt gut 47 Millionen Pkw allein hierzulande.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Stand: September 2019

Elektroautos auf dem Vormarsch

Der Siegeszug der Elektroautos weltweit dürfte wohl spätestens in fünf Jahren nicht mehr aufzuhalten sein: So gehen die Analysten von DNV GL davon aus, dass Elektroautos 2024 kostentechnisch gleichauf mit Verbrennern liegen werden, was ihren gesamten Lebenszyklus vom Kauf bis zum Betrieb und Reparaturen angeht. Den „Electric Car Tipping Point“ – den Zeitpunkt, wo bereits jedes zweite Auto mit einem Elektromotor unterwegs sein wird – erwarten Experten der Boston Consulting Group um das Jahr 2030.

Allerdings werden sie sich wohl nur dann flächendeckend durchsetzen können, wenn auch der Aufbau einer Infrastruktur gelingt. Auch hängt der Erfolg der Elektroautos davon ab, wie sehr sich Käufer von möglichen Reichweiteneinschränkungen beeindrucken lassen und welche Maßnahmen die Regierung für oder gegen Elektroautos trifft. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sind sie – verglichen mit herkömmlichen Fahrzeugantrieben – schon jetzt deutlich im Vorteil.

Erneuerbare sind siebenmal wirtschaftlicher als Öl

In einer aktuellen Untersuchung „Wells, Wires and Wheels“ ermittelten wir den Energy Return on Capital Invested (EROCI). Betrachtet wird, welchen Energieertrag Öl und erneuerbare Energien abwerfen, wenn diese Energie zum Antrieb von Autos und anderen leichten Nutzfahrzeugen genutzt wird. Sprich: Wie weit kommt man aktuell mit einem Investment von 100 Milliarden US-Dollar?

Das Urteil ist mehr als eindeutig: Schon heute bringen bei gleichem Kapitaleinsatz mit Wind- und Solarenergieprojekten betriebene Elektroautos sechs bis siebenmal mehr Energie auf die Straße als solche, deren Benzinmotoren im weitesten Sinne mit Öl betrieben werden. Der Unterschied ist weniger deutlich, wenn man von Dieselfahrzeugen ausgeht, doch auch dann sind Wind- und Solarenergie immer noch drei- bis viermal so effektiv wie der Verbrennungsmotor. Der „Break-Even-Point“, also die Schwelle, an der für dasselbe Geld dieselbe Menge an Antriebsenergie zur Verfügung steht, liegt demnach bei etwa 9 bis 10 Dollar pro Barrel Öl, wenn dieses in Benzinmotoren fließt und 17 bis 19 Dollar pro Barrel bei Dieselmotoren. Damit Öl wettbewerbsfähig bleibt, müsste der Preis also deutlich fallen: Brent-Öl kostet derzeit 60 US-Dollar, während die Sorte WTI für 54 Dollar gehandelt wird (Stand vom 18. Oktober 2019).

Der Ölpreis muss auf 10 Dollar pro Barrel sinken

Sprit ist schlicht zu teuer, gerade langfristig betrachtet: Um das Mobilitätsniveau von Benzin aus dem Jahr 2018 für die nächsten 25 Jahre zu halten, sind Investitionen von schätzungsweise 24,6 Billionen US-Dollar notwendig. Die Kosten für neue Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien liegen dagegen bei nur 4,6 bis 5,2 Billionen Dollar. Kurz: In diesem Zeitraum die gleiche Mobilität aus Benzin zu erzielen wie mit erneuerbaren Energien im Zusammenspiel mit Elektrofahrzeugen, kostet etwa sechs bis siebenmal so viel. Denn auch Ölquellen sprudeln nicht ewig. Um den aktuellen Versorgungsstandard zu halten, müssen jedes Jahr rund zehn Prozent der Förderstätten ersetzt werden. Und die Erschließung neuer Ölfelder wird laufend teurer, weil die einfach zu erreichenden Lagestätten vielfach bereits erschlossen sind. Wind und Sonne stehen dagegen fast unbegrenzt zur Verfügung.

Selbst wenn man die die Kosten für den Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur berücksichtigt, also die Erweiterung der Übertragungs- und Verteilungsnetze, um die zusätzlichen Strommengen zu bewältigen, die aus all den neuen Wind- und Solarkapazitäten entsteht, zeigt die Analyse: Die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien schlägt die von Öl glasklar. Egal, ob in Form von Benzin oder Diesel, die Tage von Öl als Kraftstoff für Autos sind gezählt.

Einfach mal 41 Prozent des globalen Ölbedarfs ersetzen

Das hat weitreichende Folgen für die Mineralölkonzerne. Der Ölindustrie erwächst hier – erstmals in ihrer Geschichte – eine ernstzunehmende Bedrohung für ihr Geschäftsmodell: Derzeit entfallen 36 Prozent der Rohölnachfrage auf den Betrieb leichter Nutzfahrzeuge und anderer Fahrzeuge, die sich für die Elektrifizierung eignen. Weitere 5 Prozent fließen in die Stromerzeugung. Die konkurrierenden, erneuerbaren Energien könnten also leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen. Für sie sprechen die kurzfristigen Grenzkosten von Null, ihre Umweltfreundlichkeit und dass sie einfacher zu transportieren sind.

Abb. 2: Ölnachfrage

Harte Konkurrenz: Die erneuerbaren Energien könnten leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen.

Quelle: BNP Paribas Asset Management

Allerdings: Die Ölindustrie genießt derzeit einen massiven Größenvorteil gegenüber Wind- und Solarenergie. 2018 lieferte Öl 33 Prozent der weltweit benötigten Energie, verglichen mit nur 3 Prozent gespeist aus Wind und Sonne. Doch dieser Vorsprung schmilzt. Vor 100 Jahren hätte auch die Ölindustrie nicht dieselbe Energie liefern können wie heute. Sie hat über Jahrzehnte eine globale Lieferkette aufgebaut, während Wind und Sonne erst am Anfang der gleichen Entwicklung stehen.

Elektrofahrzeuge sind (noch) zu teuer

Und: Noch sind Elektroautos vergleichsweise teuer. Seit dem Sommer vermarktet Opel den Corsa-e als „Volkselektroauto“ ab einem Einstiegspreis von 29.900 Euro. Auch die Konkurrenten VW, Honda oder Mini Cooper bieten aktuell E-Autos für „jedermann“ für knapp 30.000 Euro. Günstiger ist das Solarauto des Münchner StartUps Sono Motors. Den Sion gibt es für nur 16.000 Euro – doch der Preis gilt ohne Batterie. Die kann man mieten; beim Kauf schlägt sie mit nochmals 9.500 Euro zu Buche.

All dies ist erst ein Anfang, um Durchschnittsverdienern die E-Mobilität schmackhaft zu machen. Doch schon 2024 könnten sich die Preise für Elektroautos denen von herkömmlichen Fahrzeugen angeglichen haben. Dann werden die Karten neu gemischt und den Ölkonzernen droht womöglich das gleiche Los wie den europäischen Versorgern in den letzten zehn Jahren: Sie hatten den Ausbau der Wind- und Solarenergie zunächst verpasst und Milliarden Euro in Anlagen zur Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen versenkt.

Das Klimapaket als Boost für die Verkehrswende

Auch die Politik ist in der Pflicht, sie hat jetzt die Chance, die Energiewende und den damit verbundenen Nutzen für Umwelt und Gesundheit gezielt zu fördern. Etwa über steuerliche Anreize für Elektrofahrzeuge, wie sie etwa in Norwegen erfolgreich waren, eine verbesserte Ladeinfrastruktur und entsprechende Energiespeichertechnologien.

Die Bundesregierung formulierte ihre nächsten Schritte dazu Mitte September, im aktuellen Klimaschutzplan. Demnach will die Große Koalition emissionsarme Fahrzeuge bis 2025 von der Kfz-Steuer ausnehmen und die Kaufprämie für Elektroautos erhöhen. Vorgesehen ist auch der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Bis 2030 sollen insgesamt eine Million öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Bisher sind es erst rund 20.000. Und es bleibt abzuwarten, ob die Zuwachszahlen hier ähnlich schnell steigen wie bei den neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland.


Über BNP Paribas Asset Management

BNP Paribas Asset Management ist der unabhängige Vermögensverwalter von BNP Paribas, einem der weltweit größten Finanzunternehmen. BNP Paribas Asset Management verwaltet 575 Milliarden Euro Vermögen (Stand: 30. Juni 2019) mit verschiedensten aktiven, passiven und quantitativen Investmentlösungen für eine Vielzahl von Anlageklassen und Regionen. Mit rund 500 Investmentexperten und 500 Kundenbetreuern ist BNP Paribas Asset Management für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Anleger in 71 Ländern tätig und engagiert sich seit 2002 in vielen Bereichen der Nachhaltigen Investments (SRI).

Was kann die Finanzindustrie zur Erreichung der Pariser Klimaziele tatsächlich leisten?

Das Pariser Klimaabkommen definiert als Ziel, die Erderwärmung unter 2°C zu halten und Finanzmittel mit einer emissionsarmen Entwicklung in Einklang zu bringen. Dieses Abkommen wurde auch von Österreich ratifiziert. Der zusätzliche Finanzierungsbedarf für die Erreichung dieses Vorhabens ist enorm. Allein für Österreich wird für die Energiewende von einem Finanzierungsbedarf von 29 Mrd. Euro für die Stromerzeugung und 20 Mrd. Euro für den Ausbau der Netze ausgegangen. Auf europäischer Ebene wird der jährliche Investitionsbedarf von der Europäischen Kommission auf etwa 180 Mrd. Euro geschätzt (bis 2030). Für die Sektoren Energie, Transport, Wasser und Abfall insgesamt auf rund 270 Mrd. Euro p.a. „Die Finanzindustrie kann und muss einen substanziellen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten, sonst wird man diesen Bedarf nicht stemmen können“, so Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG gestern Abend (16. Oktober 2019) im Rahmen einer Future Talks-Veranstaltung der Raiffeisen KAG in Wien.

Die Zeit drängt: Finanzinstitute müssen Produkte und Dienstleistungen regulatorisch auf Nachhaltigkeit ausrichten.

Christine Würfel, Leitung Group Regulatory Transparency bei der Raiffeisen Bank International bestätigt, dass „Sustainable Finance“ immer größere Priorität erlange. „Zur Zielerreichung lege der Gesetzgeber und die Aufsicht eine enorme Geschwindigkeit vor und dies mit einem Nachdruck, der an die Zeiten nach der Finanzkrise 2009 zur Etablierung der ‚Banking Union‘ erinnere“, so Würfel. Ein „Green Deal“ sei ein Kernziel der Europäischen Kommission und solle Europas Markenzeichen werden. Das hieße, Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen. Auch die internationalen und europäischen Aufseher stellen die Klimarisiken ins Zentrum der Finanzstabilität. Und das Thema Nachhaltigkeit erhält bei vielen Unternehmen und Banken wie auch der RBI große Bedeutung. Bereits 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums und veröffentliche erste Legislativvorschläge. Heuer wurden Mandate der Europäischen Bankenaufsicht zur Evaluierung der Einbeziehung von ESG Risiken in aufsichtsrechtliche Überprüfungen und eines „Green Supporting Factors“ erteilt. Im Juni wurden die neuen EBA-Richtlinien zur Kreditvergabe und -überwachung veröffentlicht und auch Leitlinien für die Berichterstattung über klimabezogene Unternehmensinformationen festgelegt. Eine schrittweise Anwendung all dieser Maßnahmen sei bereits bis 2022/23 vorgesehen.

Drei Kernziele – zehn Maßnahmen

„Der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums hat drei Kernziele definiert, die mit zehn Maßnahmen erreicht werden sollen und zwar auf dem Weg über die Kapitalmarktfinanzierung wie auch über die Bankenfinanzierung“, so Würfel. Dabei gehe es um eine Neuausrichtung der Kapitalflüsse hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, die Einbettung der Nachhaltigkeit ins Risikomanagement und die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit. Als Maßnahmen für die Kernziele nennt Würfel vor allem die Taxonomie-Verordnung als einheitliches Klassifikationssystem, die Verordnung zu Offenlegungspflichten und für Referenzwerte/Benchmark. „Diese Vorschriften sollen dazu dienen, Transparenz zu schaffen – beim Kunden, Finanzinstitut, Unternehmen und Investor. Es solle Klarheit geschafft werden, dass dort wo nachhaltig draufstehe, auch nachhaltig drin sei.“

Taxonomie – ein gemeinsames Verständnis für den Begriff „nachhaltig“

Bei der EU-Offenlegungsverordnung gehe es, so Heinz Macher, Leiter Regulation, Tax & Compliance bei der Raiffeisen KAG, um die Festlegung harmonisierter Vorschriften, die von Finanzmarktteilnehmern und Finanzberatern anzuwenden seien. Nachhaltigkeitsrisiken müssten transparent dargestellt werden und nachteilige Nachhaltigkeitswirkungen in den Prozessen berücksichtigt werden. Auch sei die Bereitstellung nachhaltigkeitsbezogener Informationen über Finanzprodukte zu gewährleisten. Bei der EU-Taxonomie-Verordnung gehe es darum, ein gemeinsames Verständnis für den Begriff „nachhaltig“ zu definieren. Ein einheitliches Klassifikationssystem (=einheitliche Taxonomie) soll festlegen, welche Tätigkeiten „nachhaltig“ sind. Heinz Macher: „Damit wird der Rahmen vorgegeben, den die Mitgliedstaaten und die Europäische Union bei der Einführung von Kennzeichnungen für nachhaltige Finanzprodukte berücksichtigen müssen. Gerade für nachhaltige Fondsmanager sei die Taxonomie von großer Bedeutung. So sollen beispielsweise für als ökologisch nachhaltig vermarktete Unternehmensanleihen („Green Bonds“) einheitliche Anforderungen gelten.“

Finanzwirtschaft kann Klimakrise nicht lösen, aber Lösungen finanzieren

Die Finanzwirtschaft könne die Klimakrise zwar nicht lösen, aber sie könne Lösungen finanzieren, so Aigner. Mittlerweile hätten 2.600 Asset Owner und Asset Manager die PRI der Vereinten Nationen1 unterzeichnet, eine 2006 gegründete Investoreninitiative. „Diese Unterzeichner verwalten fast 100.000 Mrd. Dollar Assets under Management. Nur 1 % davon wären ein Bruchteil der durchschnittlichen jährlichen nominellen Erträge dieses Volumens, etwa die Hälfte des aktuellen verfügbaren Volumens an Green Bonds und etwa das 2,5fache des österreichischen Sozialprodukts“, so Aigner. „Die Mittel sind vorhanden. Sie müssen nur genutzt werden.“ Nachhaltiges Veranlagen unterstützt erwiesenermaßen die Reduktion von CO2-Emissionen. Die Raiffeisen KAG bekenne sich voll und ganz zu diesen Zielen und werde mittelfristig ihre gesamte Fondspalette auf nachhaltige Investments umstellen, so Aigner.

Nachhaltigkeit spricht neue Anlegergruppen an

Schon jetzt ist die Raiffeisen KAG die Nummer 1 bei nachhaltigen Publikumsfonds in Österreich.2 Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix ist mit einem Volumen von 1,6 Mrd. (Stand 30. September 2019) nicht nur der größte nachhaltig gemanagte Fonds Österreichs, sondern auch der insgesamt größte österreichische Publikumsfonds. Mit dem nachhaltig gemanagten Produktangebot gelingt es der Raiffeisen KAG neue Anlegergruppen zu gewinnen. Raiffeisen hat mit seinem großen Vertriebsnetz, den regionalen Bankfilialen, einen extrem starken Hebel. Mit diesem können Investorinnen und Investoren in ganz Österreich, aber auch in Zentral- und Osteuropa über die Netzwerkbanken erreicht werden. Das Volumen nachhaltig gemanagter Assets beträgt mit EUR 5,9 Mrd. bereits 15 % des Gesamtvolumens (EUR 37,2 Mrd. per Ende September 2019).

Nachhaltige Investmentstrategien im Wandel: vermeiden, unterstützen, Einfluss nehmen

In den vergangenen Jahren hätten sich auch die Investmentansätze der Anbieter stark verändert. So würde ESG-Integration eine wesentlich wichtigere Rolle spielen als noch vor wenigen Jahren. Auch der mehrdimensionale Investmentansatz der Raiffeisen KAG geht weit über einfache Negativkriterien hinaus und basiert auf den drei Ebenen der ESG-Integration „Vermeiden“, „Unterstützen“ sowie „Einflussnahme“. Das Zusammenwirken möglichst aller drei Elemente ist Voraussetzung für ein verantwortungsvolles Management von nachhaltigen Fonds. Selbstverständlich fließen auch die finanzielle Bewertung und das Potential des Titels in die Investmententscheidung mit ein.

Änderungen bewirken

„Nachhaltig investieren heißt, einen sehr aktiven Investmentstil anzuwenden. Das bedeutet, über das Negativ- und Positivscreening hinauszugehen und aktiv mit Unternehmen in Kontakt zu treten oder die mit Aktien verbundenen Stimmrechte auszuüben“, erklärt Aigner. Die Einflussnahme in Form von Unternehmensdialog und Stimmrechtsausübung ist wichtig, denn als Großanleger steht die Raiffeisen KAG in der Verantwortung, wie sie Geld anlegt. Dazu muss man die Unternehmen, in die veranlagt wird, gut kennen und auch hinterfragen, welche Rolle soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Strategie des jeweiligen Unternehmens spielt. Unternehmensdialoge und auch Stimmrechtsausübung als Mittel der Einflussnahme sind in der Regel umso erfolgreicher, je höher die Anteile am Unternehmen, sprich je mehr Aktien, damit verbunden sind. Sehr häufig werden Unternehmen im Rahmen des Unternehmensdialogs zu mehr Transparenz veranlasst, manchmal auch zu einer Strategieänderung. Deshalb ist bei Unternehmensdialogen und Stimmrechtsausübung die Bildung von Koalitionen unter verantwortungsbewussten Investoren auch sehr sinnvoll und notwendig. Die Raiffeisen KAG setzt große Anstrengungen in dieses Thema. Pro Jahr werden rund 200 Unternehmen kontaktiert. Natürlich sind diese sehr verschieden, was die Intensität betrifft. Die Dialoge finden auch auf unterschiedlicher Ebene statt: in Einzelgesprächen, im Rahmen von Themenresearch für unsere Publikationen und teilweise mittels spezifischer Plattformen gemeinsam mit anderen Investoren.


1) Grundsätze für verantwortungsvolles Investieren
2) Die Raiffeisen KAG ist mit 21,5 % (EUR 1,764 Mrd.) Marktführerin bei nachhaltigen Publikumsfonds in Österreich (Stand 12/2018). Die Erhebung erfolgt einmal jährlich im Februar von der rfu – Mag. Reinhard Friesenbichler Unternehmensberatung.

Ausblick 2020: Drei Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Wachstum der Weltwirtschaft befindet sich an einem kritischen Punkt. Das reale Wirtschaftswachstum hat sich seit einigen Quartalen abgeschwächt. Mittlerweile befindet sich das Wachstumsniveau unter dem Potential, also jenem Wert, der bei optimaler Auslastung aller Ressourcen erreicht werden könnte.

Wie immer zeichnen die Frühindikatoren für die weitere Entwicklung ein gemischtes Bild. In weiterer Folge werden drei Szenarien für den Rest des Jahres sowie für 2020 vorgestellt.

Aktuelles Umfeld: Wirtschaftswachstum unter dem Potential

  • Auf der negativen Seite ist der konjunkturelle Abschwung gekennzeichnet von einer scharfen Abwärtsbewegung bei den Wachstumsraten für den Fertigungssektor / den Güterexporten und den Unternehmensgewinnen sowie einem Einbruch bei der Unternehmensstimmung.
  • Begleitet wurde diese Entwicklung von einer erhöhten geopolitischen Unsicherheit (USA-China Konflikt).
  • Auf der positiven Seite hat der gut laufende Servicesektor / der private Konsum das Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt unterstützt. Es können zwar negative Überwälzungseffekte vom schwachen Fertigungssektor auf die anderen Sektoren festgestellt werden, diese sind aber nur moderat. Hier ist vor allem der Arbeitsmarkt hervorzuheben. Das Beschäftigungswachstum ist zwar nicht mehr so hoch wie im vergangenen Jahr, aber immer noch gut genug, um die Arbeitslosenraten auf einem niedrigen Niveau zu halten.
  • Die Geldpolitiken haben, geführt von der US-amerikanischen Zentralbank, auf diese Eintrübung der Konjunktur mit Lockerungsschritten geantwortet. Das Besondere an dieser Situation ist, dass das Zinsniveau bereits sehr niedrig ist. Aber auch die Fiskalpolitiken wirken bereits mild unterstützend auf das Wirtschaftswachstum.

Für die drei Szenarien wird nun an jeder dieser vier Stellschrauben in einem unterschiedlichen Ausmaß gedreht:

Szenario 1: Erholung

Es findet eine leichte Beschleunigung beim realen globalen Wirtschaftswachstum von 2,0% – 2,3% im zweiten Halbjahr 2019 auf das Potenzialwachstum im nächsten Jahr statt (2,7%-3.0%, Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet).

Dafür ist erstens eine Stabilisierung der Industrieproduktion nötig. Tatsächlich ist der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor zuletzt zweimal in Folge angestiegen. Zweitens wird ein kosmetisches Abkommen zwischen den USA und China erreicht und es kommt zu einer Einigung zwischen dem UK und der EU über den Brexit.

Drittens findet eine Stabilisierung beim rückläufigen Beschäftigungswachstum statt. Damit bleibt der private Konsum gut unterstützt. Viertens war die expansivere Ausgestaltung der Geldpolitiken ausreichend, um eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum zu haben.

Wesentlich für die Finanzmärkte ist, dass A) das Gewinnwachstum der Unternehmen ansteigt. Das bedeutet, der einsetzende Anstieg beim Umsatzwachstum ist kräftiger als die Fortsetzung beim ansteigenden Wachstum der Lohnstückkosten. B) Das beschleunigte Gewinnwachstum wirkt stärker als der mit dem Szenario einhergehende Zinsanstieg.

In diesem Szenario verzeichnen kreditsichere Staatsanleihen Kursverluste und Aktien Kursanstiege. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet minus 2%, jene für globale Aktien auf plus 4%.

 Szenarios für US Staatsanleihen

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Szenario 2: Rezession

Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen schrumpfen und ziehen die anderen Sektoren, vor allem den Arbeitsmarkt, mit nach unten. Das ansteigende Wachstum der Lohnstückkosten sorgt für schrumpfende Unternehmensgewinne.

Eine Intensivierung im Konflikt zwischen den USA und China würde den Abschwung noch verstärken. Weil die Leitzinsen bereits sehr niedrig sind, kann die Geldpolitik nicht mehr demensprechend entgegensteuern. Die Fiskalpolitiken reagieren, wenn überhaupt, zu spät auf den Abschwung mit einer Ausweitung der Budgetdefizite.

Dieses Szenario ist positiv für kreditsichere Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen wie etwa Aktien.

Das gilt allerdings nur für Anleihen, deren Rendite noch hoch genug ist, um Renditerückgänge zuzulassen, das heißt, nicht für Staatsanleihen in der Eurozone und in Japan. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 7%, jene für globale Aktien minus 12%

Szenarios für globale Aktien

Szenario 3: Stagnation

Dieses Szenario ist von einer kuriosen Situation charakterisiert: Das Zinsniveau ist zwar sehr niedrig, aber immer noch zu hoch um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Zinsen können nicht weiter fallen weil sie an die sogenannte effektive Zinsuntergrenze anstoßen. Die Geldpolitik kann keinen relevanten Stimulus mehr erzeugen.

Das Wirtschaftswachstum bleibt unter dem Potential und die Arbeitslosenraten steigen auf ein erhöhtes Niveau an. Weil die Volkswirtschaften offen sind, das heißt mit anderen Volkswirtschaften über Handels- und Finanzströme im Austausch stehen, können auch andere Länder in diese Situation hineingezogen werden.

Der Wirkungsmechanismus passiert vor allem über Finanzzuflüsse, die eine Festigung der Währung und fallenden Zinsen verursachen. Wirft man einen Blick auf Festigung des US-Dollar und die fallenden Renditen von US-amerikanischen Staatsanleihen, kommt einem das bekannt vor.

Um aus dieser „Zinsfalle“ herauszukommen liegt der Druck auf die Fiskalpolitik. Es wäre eine massive Ausweitung der Budgetdefizite für staatlich finanzierte Investitionen nötig. Wen das nicht geschieht, bleibt das Wirtschaftswachstum für eine längere Zeit niedrig.

Man spricht von einer säkularen Stagnation. Auch dieses Szenario ist positiv für Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen, allerdings nicht zu ausgeprägt wie im Szenario für eine Rezession.

Natürlich gilt das nur für Anleihen, die eine positive Rendite versprechen. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 2,5%, jene für globale Aktien minus 4%.

Zusammengefasst ist das fundamentale Umfeld für die Finanzmärkte herausfordernd. Die konjunkturelle Entwicklung könnte mit dem Erholungsszenario noch einmal die Kurve kratzen, aber die Risiken sind nach unten gerichtet.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Hochzinsanleihen: Hier fließen weiterhin Erträge

Hochzinsanleihen gehören zu den wenigen Märkten, die noch einen positiven realen Ertrag bieten, erklärt Andrew Wilmont, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Anleiheanlegern stehen harte Zeiten bevor. Der Fluch der negativen Renditen lastet nicht mehr nur auf Staatsanleihen, sondern zunehmend auch auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Aktuellen Zahlen zufolge sind weltweit Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 15 Bio. US-$ betroffen (siehe Abb. 1).

ABB. 1 FLUCH DER NEGATIVEN RENDITEN

Globale Anleihen mit negativen Renditen, Marktkapitalisierung in Mrd. US-$

Quelle: Refinitiv. Daten vom 31.01.2014 bis 25.09.2019, Bloomberg Barclays Global Aggregate Index

Gleichzeitig wird der öffentliche Schuldenberg immer grösser. Das ist aber nicht das einzige Problem.

Unternehmensanleihen sind generell immer schwerer zu kaufen und zu verkaufen. Das liegt daran, dass Banken, die als Marktintermediäre üblicherweise Anleihen im Wert von mehreren Milliarden Dollar bunkerten, bis sich ein Käufer fand, nicht mehr bereit oder imstande sind, solche Risiken in ihren Bilanzen zu tragen.

Dadurch erhöht sich das Potenzial von Marktvolatilität. Ebenso verhält es sich mit dem Wachstum passiver börsengehandelter Fonds (ETFs). In der ersten Jahreshälfte entfielen auf sie 65% der Zuflüsse in europäische Hochzinsanleihen, so Daten von JP Morgan zufolge. Diese Anlagevehikel kaufen in der Regel nur die liquidesten Anleihen, die von den am stärksten verschuldeten Unternehmen begeben werden.

Bei einem Markteinbruch könnte sich die Liquidität dieser Anleihen mehr als ein Fluch als ein Segen erweisen. Da sie in schwierigen Zeiten einfacher abgestossen werden können, könnten sie schwere Verluste erleiden. Bei einem Ausverkauf sind sie die ersten, die Verluste erleiden.

Auf den ersten Blick scheint das für Hochzinsanleihen ein Desaster zu sein. Das ist aber nicht ganz richtig. Die Fundamentaldaten von Non-Investment-Grade-Anleihen deuten darauf hin, dass sie einen Konjunkturabschwung gut abfedern können.

In ihrer Resilienz spiegelt sich zum Teil der Umstand wider, dass der Grossteil der Rendite im Hochzinsuniversum mit dem Kupon erzielt wird. Über einen Konjunkturzyklus gesehen – vom Wachstum bis zur Rezession – werden 110% der Gesamtrendite bei Hochzinsanleihen aus Erträgen erzielt, sodass ein im Durchschnitt kleiner Kapitalverlust problemlos kompensiert wird. Das bedeutet, dass die Anlagerenditen nicht von starkem Wirtschaftswachstum abhängen, sondern von der Fähigkeit der Unternehmen, ihren Zinsdienst zu leisten.

Eine stabile bzw. selbst eine leicht schrumpfende Wirtschaft dürfte ausreichen, um diese Rückzahlungen zu gewährleisten. Zwischen Mitte 2011 und Mitte 2016 zum Beispiel – einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum in der Eurozone konstant unter 2% lag und der Block den grössten Teil seiner Rezession erlebte – lagen die Renditen europäischer Hochzinsanleihen im Durchschnitt bei 7,8% p.a., gegenüber 5,1% bei Aktien1.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Zusammensetzung des europäischen Hochzinsmarkts weniger zyklisch ist als die seines US-Pendants. Der grösste Sektor in den USA, auf den mehr als 15% des Markts entfallen, ist Energie. In Europa hingegen liegt Telekommunikation mit einem Anteil von 12% vorn.

Kreditwürdigkeit wird besser

Eines der Hauptrisiken am Hochzinsmarkt sind Ausfälle, und sowohl Standard & Poor's als auch Moody’s gehen für 2020 von einem Anstieg aus. Die Lage ist jedoch nicht ganz so düster, wie es auf den ersten Blick scheint.

Zunächst einmal scheinen zwar die Ausfallraten zu steigen, aber sie liegen weiterhin auf historischen Tiefständen und das dürfte auch so bleiben. Zudem ist das europäische Hochzinsuniversum heute kreditwürdiger als in der Vergangenheit – das durchschnittliche Rating liegt bei BB- und nur 5% der Anleihen sind mit CCC, dem niedrigsten Rating, bewertet.

Hinzu kommt, dass den Bewertungen das begrenzte Angebot zugute kommt: Der europäische Hochzinsmarkt ist in den letzten Jahren stark geschrumpft.

Wir befinden uns jetzt in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und der Hochzinsmarkt bietet weiterhin attraktive Chancen und ist bei einer konservativen Verwaltung eine zunehmend lohnendere Quelle für Ertrag (siehe Abb. 2).

ABB. 2 LOHNENDE QUELLE FÜR ERTRAG

Europäische Unternehmensanleihen nach Rating, Yield-to-Worst, %

Basierend auf den Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Indizes.
Quelle: Bloomberg. Daten vom 29.06.2018 bis 28.06.2019.

ANSATZ VON PICTET AM FÜR EUROPÄISCHE HOCHZINSANLEIHEN

Risikokontrolle

Risikokontrolle ist das A und O. Kapitalerhalt und Vorhaltung von Liquidität stehen im Zentrum unseres Ansatzes. Wir konzentrieren uns daher auf Diversifizierung, was insbesondere bedeutet, dass wir nicht mehr als 5% einer bestehenden Emission erwerben, Anleiheemissionen meiden, die zu klein und daher nicht liquide genug sind, und Obergrenzen für Branchenallokationen festgelegt haben. Sowohl auf Ebene einzelner Anlagen als auch des Gesamtportfolios sind wir bestrebt, das richtige Verhältnis von Risiko und potenziellen Renditen zu finden, notfalls sichern wir die Investments auch ab.

Fachkompetenz

Unsere Analysten sind Branchenspezialisten und haben sowohl Investment-Grade- als auch Hochzins-Unternehmensanleihen im Auge. Sie machen sich somit ein Gesamtbild von der jeweiligen Branche und erkennen frühzeitig Chancen, die sich aus Rating-Migrationen ergeben, wie z. B bei der ewigen Anleihe von Vodafone, die im August auf High-Yield herabgestuft wurde.

Ertragschancen

Zur Maximierung der Ertragschancen nutzen wir Bottom-up-Analysen, um den Markt auf Preisanomalien zu durchforsten. Heute sind die Anleihen von zyklischen und nicht-zyklischen Unternehmen ähnlich bewertet, aber Unternehmen, deren Gewinne stark vom Konjunkturzyklus abhängen, werden bei einem Konjunkturabschwung volatiler sein als diejenigen, deren Waren und Dienstleistungen immer nachgefragt werden. Wir sind daher in nicht-zyklischen Werten wie Telekommunikation und Kabelanbietern übergewichtet. Hingegen waren wir im vergangenen Jahr sowohl in italienischen als auch britischen Unternehmensanleihen untergewichtet, weil wir der Auffassung waren, dass sich in den Bewertungen nicht die jeweiligen politischen Risiken dieser Länder widerspiegeln.


1) Basierend auf der Wertentwicklung des ICE BofAML Euro High Yield Constrained Price Index und des EuroSTOXX 50 Price Index zwischen dem 30.06.2011 und 30.09.2016.

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Über Andrew Wilmont

Andrew Wilmont ist seit 2018 bei Pictet Asset Management beschäftigt und Senior Investment Manager in unserem Developed Credit Markets Team, das sich auf europäische Hochzinsanleihen konzentriert. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er vier Jahre bei Neuberger Berman als Managing Director für den Bereich europäische Hochzinsanleihen verantwortlich. Zwischen 2005 und 2014 leitete er das European/Global High Yield Team bei Axa Investment Managers. Andrew Wilmont begann seine Laufbahn im High-Yield-Segment als Corporate Analyst bei der Saudi International Bank in London, als 1997 die ersten europäischen Hochzinsanleihen aufgelegt wurden. Er besitzt einen MSc in Business und einen LLM in Corporate Law der Vrije Universiteit, Amsterdam. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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„Risikoarme“ Staatsanleihen?

Mittlerweile hat die US-Notenbank die Leitzinsen zweimal gesenkt, die Rentenmärkte sind – trotz kurzfristiger Rückschläge – seit Jahresbeginn in prächtiger Verfassung.

Auch die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank hat Spuren hinterlassen, allerdings eher dämpfende. Hier war die Erwartung doch etwas höher und der September brachte keine Beiträge zur Wertentwicklung. Dennoch: 6–9 % in Euro-Anleihen, Italien sogar wider Erwarten deutlich darüber – ein sehr gutes Jahr für Investoren dieser risikolosen (?) Asset-Klasse. Der weiter schwächer gehende Euro hat zuletzt weniger die US-Anleihen, sondern vielmehr UK- und Emerging-Market-Anleihen währungsseitig unterstützt. Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Emerging-Market-Währungen nach einem recht schwachen Sommer nun etwas erholt haben.

US-Anleihen sind hingegen weiterhin die Ertragsbringer des Jahres, die höheren laufenden Renditen und Währungsgewinne machen den Großteil der Differenz zu Euro-Anleihen aus.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Anleihekaufprogramm läuft wieder an

Die Renditen der Staatsanleihen stiegen bis Mitte September doch deutlich an, zumal die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren weniger stark negativ ausfielen (Europa) oder positiv zu überraschen wussten (USA). Mit der nochmaligen Senkung des Einlagesatzes auf - 0,5 % und der Entscheidung, abermals ein Anleihekaufprogramm zu starten – ab November 20 Milliarden Euro pro Monat –, änderte die Europäische Zentralbank (EZB) das Bild: Die Renditen driften wieder nach unten. Hinzu kam, dass die US-Fed wenige Tage später den Leitzins um 25 Basispunkte senkte, der mittlerweile zweite Schritt, ein dritter wird bis Jahresende vom Markt erwartet beziehungsweise „eingepreist“.

Auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt ein schwer kalkulierbares Risiko, das sowohl die US-Fed als auch die EZB abzufedern versuchen. In Europa steigt unserer Einschätzung nach allerdings der politische Widerstand gegenüber den Anleihekäufen, wir bleiben im Rahmen der Taktischen Asset-Allocation in europäische Staatsanleihen untergewichtet.

Staats- und Unternehmensanleihen: „Risikoarme“ Staatsanleihen?

Globale Staatsanleihen zeichnen sich nicht nur durch niedrige oder negative Renditen aus, wir beobachten auch etwa seit Jahresbeginn steigende implizite Volatilitäten an diesen Märkten. Vor allem Anfang September sprang dieses Angstbarometer an den Anleihemärkten stärker an als an den Aktienmärkten. Staatsanleihen stellen somit einen zunehmend unangenehmeren, risikoreicheren Teil eines diversifizierten Portfolios dar. In Erwartung sinkender Renditedifferenzen (Spreads) bleiben wir bei unserem Übergewicht von risikoreicheren Emerging-Market-Staatsanleihen gegenüber europäischen Staatsanleihen.

High-Yield-Unternehmensanleihen kompensieren unserer Einschätzung nach mittlerweile bei weitem nicht mehr die inhärenten Risiken. Bei dem aktuellen Spreadniveau und erwarteten Ausfallsraten von 4 % (Ratingagentur Moody's per Ende August 2020) sind die Ertragsaussichten am High-Yield-Markt so trübe wie zuletzt 2007/08. Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht.

Emerging Markets: Anleihen weiter attraktiv

Hingegen bleiben Emerging-Market-Anleihen in Hartwährung eines der attraktivsten Segmente. Der Handelsstreit zwischen den USA und China spielt in diesem Zusammenhang eine nicht unwichtige Rolle, die wesentlichste Dynamik passierte zuletzt jedoch nicht im asiatischen, sondern im lateinamerikanischen Raum, wo nicht nur für Argentinien die Konjunkturprognosen von Analysten zuletzt deutlich nach unten genommen wurden. Wir behalten unser Übergewicht von Emerging-Market-Staatsanleihen in Hartwährung gegenüber europäischen Staatsanleihen bei.

Die Ernährung der Zukunft – wird Fleisch zum nächsten Stranded Asset?

Ein Beitrag von Damian Pilka, Spezialist Investmentfonds, anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober 2019 zu Problemen in der Landwirtschaft. Der zweite Teil des Beitrags zu Lösungen und Produkten folgt in der kommenden Woche.

In der öffentlichen Debatte über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutieren Politiker*innen und Expert*innen besonders gerne über den Ausbau der Erneuerbaren Energie und den Verzicht auf Kohle sowie den Umstieg auf das Elektroauto. Doch mit E-Autos allein, die mit 100 Prozent Solar- oder Windstrom angetrieben werden, wird der Wandel zu einer CO2-neutralen Wirtschaft nicht gelingen. Eine ebenso große Herausforderung ist die Art und Weise, wie wir Nahrung produzieren. Denn in der Landwirtschaft liegen die CO2-Emissionen in etwa achtmal höher als im gesamten privaten Verkehr und fast doppelt so hoch wie im gesamte Transportsektor.

Die gute Nachricht: Es scheint sich in der Branche etwas zu ändern, haben doch Discounter wie Lidl oder Aldi immer mehr Öko-Produkte oder vegane Lebensmittel im Angebot. Am Kapitalmarkt feierte das amerikanische Unternehmen Beyond Meat, ein Hersteller veganer Burgerpatties aus Erbsenproteinen, jüngst ein vielbeachtetes Börsendebüt. Die schlechte Nachricht: Weltweit gibt es eine langfristige Tendenz zu mehr Fleischkonsum, Fettleibigkeit und ungesundem Essen. Angesichts dieser Relevanz und Widersprüchlichkeit lohnt ein näherer Blick: Wie wird sich die Ernährung ändern? Geht es um Anpassungen oder grundlegenden Wandel? Und welche Branchen sind davon genau betroffen? Ist die Fleischproduktion, wie wir sie heute kennen, vielleicht gar das nächste Stranded Asset aus Investorensicht?


Abbildung 1: Quelle EPA: https://www.epa.gov/ghgemissions/global-greenhouse-gas-emissions-data

Teil 1: Die Landwirtschaft der Gegenwart: Probleme über Probleme


Tierproduktion mit höchstem Flächenverbrauch

2000m² - das ist die Anbaufläche, die jedem Menschen auf der Welt rechnerisch zur Verfügung steht. Die Formel dahinter ist einfach: Die Gesamtfläche landwirtschaftlich nutzbarer Fläche, das sind ca. zwei Drittel der Landmasse, geteilt durch die Weltbevölkerung. Auf dieser Fläche lassen sich 8.500kg Kartoffeln, 2.500kg Bohnen oder Futtermittel für 250kg Fleisch anbauen. Von den Kartoffeln werden 9 Menschen durchschnittlich satt, vom Fleisch nicht einmal ein einziger Mensch. In der Praxis wird die landwirtschaftliche Fläche ungleich genutzt. Mehr als 40 Prozent wird für die Nutztierhaltung benötigt, nur 7 Prozent dagegen für die Herstellung pflanzlicher Produkte. Dabei liefern pflanzliche Produkte 80 Prozent die für Menschen nötige Energie und sogar 70 Prozent der nötigen Proteine.


Abbildung 2: Quelle: Our World in Data Base on UN Food and agricultural Organization (FAO) Statistics https://ourworldindata.org/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png 

Hohe CO2-Emissionen in der Rindertierhaltung

Es ist also vor allem die Nutztierhaltung, für die der Großteil der Fläche verbraucht wird – und die auch eine Vielzahl an Problemen verursacht. Mehr als 80 Prozent der gerodeten Waldflächen werden zur Produktion von Rindfleisch genutzt. Das Ausmaß dieser Zerstörung ließ sich im Sommer in Brasilien beobachten. Neben sozialen Folgen wie der Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen oder unrechtmäßiger Landnahme ist auch die ökologische Bilanz verheerend. Statt dass diese mit hoher Biodiversität gesegneten Flächen Kohlenstoffdioxid binden, dient das dort angebaute Soja in der Regel als Futtermittel für Tiere in der Massentierhaltung und führt zu erheblichen Treibhausgasemissionen. So werden beim Anbau der Futtermittel massiv Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Das Futtermittel muss transportiert werden. Und schließlich produziert eine Kuh in der intensiven Massentierhaltung 2-5 Tonnen CO2-Äquivalente. Zur Veranschaulichung: Weltweit gibt es zwischen 1-1,4 Milliarden Kühe. Das entspricht Treibhausgasemissionen 2-6 Mrd. Tonnen CO2. Der jährliche CO2-Ausstoß von Deutschland beträgt im Vergleich 800 Mio. Tonnen.


Abbildung 3: Emission der Länder Quelle: https://www.climatewatchdata.org/ghg-emissions?gases=178&source=43
Anzahl der Kühe: https://www.statista.com/statistics/263979/global-cattle-population-since-1990/ https://www.dw.com/en/roughly-15-billion-cows-on-the-planet/a-39865474
Methan je Kuh: Journal of Environmental Protection http://file.scirp.org/Html/4-6702462_51796.htm

Weitere Folgen: Gesundheitsschäden, Tierwohl, prekäre Arbeitsverhältnisse, Stress

Nicht nur aus klimatischer oder ökologischer Sicht ist die Tierproduktion bedenklich. Verarbeitetes Fleisch (Geräuchertes Fleisch, Salami, usw.) wurde von der Weltgesundheitsorganisation als ebenso krebserregend wie z.B. Asbest oder Tabak eingestuft. Der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren (insbesondere in Milch- und Eierprodukten) erhöht die Risiken für Herz- und Kreislauferkrankungen und für Insulinresistenzen, besser bekannt als Diabetes Typ II. Die Behauptung, Fleisch oder tierische Produkte wären für die menschliche Ernährung notwendig, ist wissenschaftlich nicht mehrheitsfähig. Laut vieler Ernährungsgesellschaften (insbesondere der großen US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics) ist eine pflanzliche Ernährung in allen Lebensabschnitten für eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen geeignet. Der Konsum von tierischen Produkten ist damit eine Wahl, keine Pflicht.

Auch stellt sich die ethische Frage nach dem Tierwohl. In der von Wissenschaftlern verfassten „Cambridge Declaration on Consciousness” heißt es, dass „nicht-menschliche Tiere“ die gleiche Wahrnehmung des Bewusstseins haben wie Menschen. Damit wurde explizit nicht ausgedrückt, dass Tiere menschliche Intelligenz aufweisen, jedoch in der Lage sind zu fühlen und sich ihrer Selbst bewusst sind. Obwohl es für die Gesundheit also nicht notwendig ist und zudem enorme Ressourcen verbraucht, ist die industrialisiere Tötung von empfindungsfähigen Wesen gesellschaftlich akzeptiert. Jede Sekunde werden 20 Tiere in Deutschland geschlachtet. Insbesondere die Zustände in der Massentierhaltung widerlaufen aufs Extremste der Deklaration. Denn dort werden systematisch Ferkel ohne Betäubung kastriert, männliche Küken bei vollem Bewusstsein ebenso wie hochschwangere Milchkühe getötet oder für Kosmetische Zwecke Tierversuche unternommen.

Hinzu kommt, dass die Angestelltenverhältnisse vieler Mitarbeiter*innen in Schlachthäusern durch Werkverträge mit ausländischen Sub-Unternehmern prekär sind, sie häufig an Posttraumatischen Stress leiden. In keinen anderen Branchen ist die Quote höher als in der Fleischindustrie. Und bei all diesen Herausforderungen wurde immer noch nicht diskutiert, wie wir den Hunger in der Welt mit dieser verschwenderischen Produktion von Lebensmittel bekämpfen wollen.

Doch wie sehen Lösungen aus? Welche neuen Produkte und Anbieter drängen an den Markt? Welche Auswirkung kann dies auf die derzeitige Landwirtschaft haben? Lesen Sie dazu kommende Woche im zweiten Teil, wie sich die Landwirtschaft in den nächsten Jahren verändern wird.


Damian Pilka ist seit 2013 als Wertpapierspezialist in der Angebotsentwicklung der GLS Bank tätig. Der ausge-bildete Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft ist insbesondere für die Be-treuung und Auflage von Alternativen Investmentsfonds zuständig.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Wie die GLS Bank zu Ernährung und Landwirtschaft steht

Wie in ihren öffentlich zugänglichen Anlage und Finanzierungsbedingungen festgeschrieben, investiert in und finanziert die GLS Bank Unternehmen, die in der Erzeugung, Verarbeitung und dem Handel von und mit landwirtschaftlichen Produkten und gesunden Lebensmitteln gemäß den anerkannten Richtlinien der ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft tätig sind. Der Einsatz von Mineraldüngern, Pestiziden sowie gentechnisch veränderten Organismen, Massentierhaltung und industrielle Fleischverarbeitung sind durch diese Richtlinien ausgeschlossen. In ihren politischen Forderungen verlangt die GLS Bank eine konsequente Abgabe auf die Nutzung von Pestiziden und Stickstoffdünger. Sie unterstützt die Ackergiftkampagne des Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft.
Die GLS Bank ist in keinem der im Artikel erwähnten Unternehmen investiert (Stand 17.10.2019).

Reduziert ESG Ihre Diversifikation?

Diversifikation ist die Grundlage für moderne Portfolios, die vom Nobelpreisträger Harry Markowitz als „the only free lunch“ für Anleger bezeichnet wird. Aber könnte der Trend zu Investitionen nach den Grundsätzen von Umwelt, Soziales und Governance (ESG) die Diversifikation schwächen? Unser neuer Researchartikel untersucht diese wichtige Frage und quantifiziert die unerwarteten Auswirkungen des Ausschlusses von Sektoren wie Energie und Tabak.

Legal & General Investment Management beleuchtet im neuen Researchartikel die Fragen:

  • Wenn Sie nicht mehr in fossile Brennstoffe oder Tabak investieren, wohin fließt Ihr Geld dann? Und wie wirkt sich das auf das Risikoprofil Ihres Portfolios aus?
  • Welche Branchen diversifizieren ein Portfolio? Und sind diese konsistent, oder ändern sie sich im Laufe der Zeit?
  • Führt das Ausschließen von Energie zu versehentlichen Faktorverzerrungen? Und sind dies strukturelle Faktoren oder variieren sie, ohne dass die Anleger dies bemerken?

Den Researchartikel finden Sie hier.