Warum die Steuerung der Zinskurve Draghis letzter Coup sein sollte

Die Eurozone sollte einen radikalen geldpolitischen Kurs im japanischen Stil einschlagen, wenn sie eine Japanifizierung verhindern will, argumentiert Steve Donzé, Senior Macro Strategist bei Pictet Asset Management.

Mario Draghis letzter Coup?

Der Chef der Europäischen Zentralbank sollte genau hinschauen, was seine japanischen Kollegen tun.

Die Eurozone mit ihrer unterschiedlich schnell wachsenden Wirtschaft braucht nämlich genauso wie Japan eine radikale Politik zur Steuerung der Renditekurve im japanischen Stil. Das sollte sein letzter Coup sein, bevor er Ende Jahr seinen Hut nimmt.

Japan ist zum globalen Symbol für unorthodoxe Geldpolitik geworden. Seine Experimente mit Helikoptergeld in den 1930er-Jahren und jüngst mit quantitativer Lockerung und negativen Zinssätzen haben anderen Zentralbanken wichtige Erkenntnisse gebracht.

Dank seiner Politik der Steuerung der Renditekurve ist die Bank of Japan wieder einmal in den Fokus der Zentralbanken anderer Länder gerückt, weil die Währungshüter nach Möglichkeiten suchen, die Stützungsmassnahmen zurückzufahren, ohne das Wachstum zu gefährden.

Um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir uns anschauen, wie und warum die japanische Geldpolitik funktioniert.

Im Rahmen der Steuerung der Renditekurve kauft die japanische Notenbank Anleihen mit dem konkreten Ziel, die kurzfristigen Zinssätze bei -0,1% und die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihe bei 0% zu halten.

Das Besondere an dieser Politik ist, dass sie sozusagen eine „getarnte“ Drosselung der quantitativen Lockerung ist. Die BoJ hat es geschafft, ihre jährlichen Anleihenkäufe um 60 Bio. JPY auf 20 Bio. zu reduzieren, ohne dass die Finanzmärkte dadurch beeinträchtigt werden.

So konnte verhindert werden, dass wie 2013 in den USA eine „Drosselungsangst“ ausgelöst wird – damals schnellten dort die Anleiherenditen in die Höhe, nachdem die US-Notenbank ihre Absicht zur Beendigung der quantitativen Lockerung bekanntgegeben hatte.

Eine weitere Errungenschaft der Steuerung der Renditekurve ist, dass Japan langsam aus den Schulden herauswächst, weil die Fremdkapitalkosten unter dem nominalen Wachstum gehalten werden. Das ist ein Hauptmerkmal des von Ray Dalio von Bridgewater als „schöner Schuldenabbau“ bezeichneten Entschuldungsprozesses.

Aus dieser Perspektive käme eine Steuerung der Renditekurve der Eurozone, oder zumindest Teilen davon, zugute. Das gilt insbesondere für Italien, dessen öffentliche Verschuldung in Höhe von 130% des BIP – die zweithöchste der Region nach Griechenland – kein Dauerzustand sein kann.

Die Zinszahlungen des Landes belaufen sich auf 4% des BIP, das ist viermal so viel wie in Deutschland und das Doppelte des OECD-Durchschnitts. Darüber hinaus liegt der Schuldendienst dort 0,9 Prozentpunkte über dem nominalen BIP-Wachstum (siehe Abbildung).

SCHÖN IST ANDERS

Nominale BIP-Rate Italiens im Vergleich zur Rendite der 10-jährigen Anleihe

* Fremdkapitalkosten unter dem nominalen Wirtschaftswachstum
Quelle: Refinitiv; Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1999–31.07.2019 

Eine weitere Parallele zu Japan: Die Peripherie der Eurozone hat Probleme, die private Kreditvergabe zu beleben. Wenn die EZB nicht die Gelddruckmaschine betreibt, könnte es mit der Konjunkturerholung in Südeuropa, wo immer weniger Kredite vergeben werden, bald vorbei sein.

Für eine Region, in der einige Länder eine geldpolitische Straffung brauchen und wieder andere eine Lockerung, könnte ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik im US-Stil grossen Schaden anrichten.

Eine europäische Steuerung der Renditekurve hingegen würde den südlichen Teil des Kontinents gezielt stützen.

Konkret könnte die EZB eine Obergrenze von beispielsweise 0,5% für die 10-jährige Anleihe der Eurozone einführen. Das wäre zwar eine drastische Anpassung, dürfte aber helfen, die Lücke zwischen den Fremdkapitalkosten Italiens und seiner nominalen BIP-Rate zu schliessen, damit das Land seine Schulden entsprechend seiner Wirtschaftsstärke reduzieren kann.

Die Steuerung der Renditekurve könnte auch Druck von den Banken in der Eurozone nehmen, die nicht nur grosse Mengen an Staatsanleihen besitzen, sondern auch Probleme haben, notleidende Kredite im Wert von 800 Mrd. Euro loszuwerden.

Mit dieser Politik würden zum Beispiel italienische Banken entlastet, die insgesamt 28% der Staatsanleihen des Landes halten und vor einem Riesenberg an faulen Krediten stehen.

Das soll aber nicht heissen, dass die Steuerung der Renditekurve einfach zu bewerkstelligen ist. Da der Schuldendienst wegfallen würde, könnten die Regierungen versucht sein, sich mehr Geld zu leihen. Um einer zügellosen Kapitalaufnahme und Ängsten der geldpolitischen Falken wie Deutschland entgegen zu wirken, könnte die EZB die Rendite-Obergrenze von vordefinierten Zielen für die Haushaltsdisziplin abhängig machen.

In der Theorie ist eine Zentralbank, die eine Steuerung der Renditekurve betreibt, verpflichtet, eine potenziell unbegrenzte Menge an Anleihen zu kaufen. In der Praxis aber – und das hat Japan gezeigt – dürften die Anleihenkäufe der EZB insgesamt nach und nach abnehmen, ohne explizites Drosselungsprogramm.

Die EZB müsste darauf vorbereitet sein, ihre Renditeziele genauso vehement zu verteidigen wie die japanische Notenbank, die seit Einführung ihres geldpolitischen Konzepts nur wenige Male auf „unbegrenzte Anleihe-Tender“ zurückgegriffen hat, damit die Zinssätze bei Ausverkäufen am Markt nicht steigen.

Das dürfte jedoch nicht allzu problematisch sein. Die EZB hat sich als flexibel und glaubwürdig erwiesen und ihre politische Unabhängigkeit ist durch einen streng geregelten institutionellen Rahmen gewährleistet.

Die Steuerung der Renditekurve könnte sich als praktische Lösung für das Dilemma erweisen, in dem Draghi steckt. Und sie könnte – und sollte – sein letzter Coup vor seinem Weggang sein.


Über Steve Donzés

Steve Donzés Schwerpunkt liegt auf Liquidität, der Lebensader der Märkte und der Wirtschaft. Als Senior Macro Strategist und Mitglied unserer Strategy Unit hat er leitende Verantwortung für Analysen und Prognosen der globalen Liquiditätsbedingungen. Neben seiner strategischen Arbeit ist Steve Donzé Co-Manager verschiedener Multi-Asset-Anlagestrategien und sitzt im Taktikausschuss des Pictet Pension Fund. Er beteiligt sich regelmässig an der öffentlichen Debatte über die Geldpolitik und äussert sich in der Financial Times und bei Reuters.
Bevor er 2007 zu Pictet Asset Management wechselte, hatte er Positionen bei der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Mission der Schweiz bei der UNO inne.
Steve Donzé besitzt einen Doktortitel der London School of Economics und einen Master-Abschluss des Graduate Institute of International Studies.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Oil be damned

The attack on two Saudi oil facilities has led to a spike in oil prices and delivered another shock to a world economy already suffering from a plethora of downside risks, explains Tim Drayson, Head of Economics at Legal & General Investment Management. Is this the tipping point towards recession?

The Saudi attacks apparently top the biggest disruption in oil supply history at 5.7 million barrels per day. The 19% intraday price move on Monday 16 September was the largest since 1991.

This represents a pure negative supply shock – the worst kind of shock – resulting in less oil output and higher prices. Higher oil prices caused by stronger demand would be less of a problem. Our modelling work suggests that the impact on growth from shocks tends to be multiplicative rather than additive. Economies can cope with one or two shocks if they are otherwise robust but there are thresholds which, once breached, can set off recessionary dynamics.

This shock comes at a time when global manufacturing is already stagnating and the world has become increasingly reliant on the consumer as the sole engine of growth. Could this engine be about to stall, given that consumers are the main loser from high oil prices, which squeeze real incomes?

Oil producers will benefit, while for Saudi Arabia the effect is ambiguous depending on how much output drops versus the higher price it will receive for what it can still produce. But the net effect is clearly negative even before considering that the marginal propensity of oil producers to spend is typically lower than that of the global consumer.

Well oiled

So that is all rather gloomy so far, except that the scale of the shock is much smaller than it first appears. The oil market is significantly larger than in the past so the disruption as a share of the oil market is smaller than previous major shocks. Crucially, everything hinges on how long the disruption to oil supply persists. The peak disruption was large but temporary. Production is already being partially resumed and idle capacity fired up. Customers are also being supplied using special reserves.

Whether it takes a few weeks or months to fully normalise production remains uncertain. But what matters is the intention to increase production and the price reaction. After an initial surge, prices were only up around $6 or 10% after the first day. Assuming this is the price which sticks over the next few months, this is barely noticeable over any longer period. For example, prices fell by around 10 times this amount in 2014.

While we saw this as a positive development at the time, it did not lead to an economic boom (though economists fiercely debated the proportion driven by a positive supply shock from surging US shale oil production versus weakening demand). So why should a tiny reversal of this price decline be adverse?

Econometric models calibrated on previous oil price shocks will tend to overestimate the damage. The 1970s experience was especially problematic because the sustained and massive rise in oil prices led to second-round effects on broader wage and price-setting behaviour. The surge in inflation forced up interest rates, exacerbating the downturn. Today, there is no concern about inflation and central banks are more likely to ease policy in response to higher oil prices.

Second, oil dependency has declined globally. Finally, the US no longer relies on oil imports from the Middle East. Given the disproportionate weight of the US in global financial markets, this reduces the risk of contagion from rising oil prices. Even if prices were to rise by 20% and remain at this level until the end of the year, we would be surprised if this took more than 0.1% off global GDP growth.

Still, this shock comes at an inopportune time and we will be keeping a close watch on oil prices and the potential for geopolitical tension in the area to cause further disruption. However, we remain much more concerned about developments in the trade war. Recent tension has eased at the margin and the market seems to be expecting at least a ceasefire. Problems in the Middle East might even make the US and China less inclined to battle each other over trade, but there are significant risks that talks break down, leading to the imposition of the next round of tariffs. This would raise the threat of recession.


This article has first been published on macromatters.lgim.com.

Wie Megatrends unsere Gesellschaft beeinflussen

Digitalisierung, Energiewende, Klima und Globalisierung. Schlagworte, die heute inflationär verwendet werden. Wenn von Megatrends in der Geldanlage die Rede ist, dann meint man Themen bzw. Entwicklungen, die maßgebliche gesellschaftliche Veränderungen bewirken können.

Wie kann der Lebensstandard in der Zukunft gesichert werden? Wo sind die Wachstumsregionen und welche Innovationen und technologischen Entwicklungen sind in der Zukunft erfolgsversprechend? 44% der Österreicherinnen und Österreicher sehen Digitalisierung als größten Treiber der Gesellschaft, dicht gefolgt von technischen Fortschritt z.B. bei Medizin und Big Data mit 43%.

Nur knapp ein Drittel betrachtet die Automatisierung (33%) oder die Energiewende (29%) als sehr starken Einfluss. Laut einer repräsentativen Studie von Integral im Auftrag der Erste Asset Management (Erste AM) macht der demografische Wandel sogar nur 18% der Befragten Sorgen.

Großteil der Befragten sieht positive Effekte von Megatrends auf ihr Leben

41% der Österreicher sehen grundsätzlich einen positiven Effekt von Digitalisierung auf das eigene Leben, lediglich 14% befürchten einen negativen Einfluss. Insbesondere jüngere Befragte zwischen 16-29 Jahren meinen Digitalisierung werde sich sehr bzw. eher positiv auf ihren Job und ihre sozialen Kontakte auswirken.

„Megatrends sind aus gutem Grund in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsent. Wir stehen am Beginn spannender Entwicklungen: nachhaltige Energiequellen, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz oder virtuelle Realität im Industrie- oder Medizinbereich zeigen aber bereits heute ihr enormes Potential“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Megatrends und Nachhaltigkeit bestimmen die Märkte

Denken wir nur an die Themen wie Automatisierung, das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz, dann wird deutlich, dass neue Geschäftsmodelle entstanden sind, deren wirtschaftliche Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind.

„Die größten Impulse gehen zweifelsohne vom Technologiesektor aus. Sowohl in der Informationstechnologie als auch in der Biotechnologie und in der Umwelttechnologie stehen wir vor bahnbrechenden Entwicklungen“, erklärt Gerold Permoser, Chief Investment Officer Erste AM. Treiber der Technologisierung ist die stetig wachsende Weltbevölkerung, deren Lebensgewohnheiten sich in großen Schritten verändert.

Um 2050 könnte unser Planet, laut UN, bereits ca. 10 Milliarden Menschen zählen (2019: ca. 7,7 Milliarden). Klimawandel und eine ständig wachsende Weltbevölkerung verlangen nach einer Alternative zu klassischen Energiearten. Neben neuen Quellen wie Wind oder Solar, entstehen auch Industrien rund um Themen wie Energieeffizienz und Energieversorgung (intelligente Netzwerke). 79% der ÖsterreicherInnen ist daher, laut eigener Angabe, das Thema Nachhaltigkeit im Sinne von „ökologisch, ethisch und sozial“ wichtig.

In Megatrends investieren

Erste Asset Management hat aktuell den Fonds ERSTE FUTURE INVEST zur Zeichnung aufgelegt. Dabei handelt es sich um einen aktiv gemanagten Aktienfonds – 5 ausgewählte Megatrends werden entweder mit ausgewählten Aktieneinzeltiteln oder spezialisierten Aktienfonds abgebildet.

Da sich Megatrends nicht nach typischen Mustern entwickeln, wird die Veranlagungspolitik des Fonds auf dieser Basis aktiv gesteuert. Auch die Aufteilung zwischen Aktien und Fonds wird laufend angepasst, wobei das Portfolio neben bekannten „Blue Chips“ gezielt attraktive, aber den meisten Anlegern weniger bekannte Mid-Cap-Unternehmen enthalten wird.

„Nicht aus jedem Hype oder Trend wird ein Megatrend. Bei einem Megatrend Fonds geht es um Entwicklungen, die viele Jahre anhalten sollten. Und da reden wir eher über 15 Jahre und länger, vielleicht auch Jahrzehnte“ so Permoser abschließend.


Der ERSTE Future Invest

Der neue Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST investiert in 5 potenzielle Megatrends – wie Gesundheit & Vorsorge, Lebensstil, Technologie & Innovation, Umwelt & saubere Energie und Aufstrebende Märkte, die für AnlegerInnen als attraktiv erachtet werden. Das erfahrene Fondsmanagement der Erste Asset Management beobachtet und bewertet die Megatrends und investiert in diese entweder mit ausgewählten Aktieneinzeltitel oder spezialisierten Aktienfonds.

Über die Studie

Die Erste Asset Management beauftragte das Marktforschungsinstitut Integral mit der Befragung der ÖsterreicherInnen (16-69 Jahre) rund um das Thema Digitalisierung/Megatrends. Die Studie ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren. Insgesamt wurden im Zeitraum von 30. August – 06. September 2019 n=510 Online-Interviews in Österreich durchgeführt.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Kurseinbrüche der Cannabisindustrie – Einstiegschance oder Fluchtursache

von Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

Im August setzte sich, den fünften Monat in Folge, die Talfahrt der Cannabisindustrie an den Börsen fort. Allein im vergangenen Monat verlor der globale Cannabis Index über 10% seiner Kapitalisierung. Wo liegen hierfür die Ursachen und welche Entwicklung lässt sich ableiten? Erlaubt die gegenwärtige Situation nun eine ideale Investition in eine Zukunftsindustrie oder sollte nach einem nahezu halbjährigen Abwärtstrend die Anlage überdacht werden?

Die globalen Player der Hanf-Industrie sitzen in Nordamerika, hier kommen die Kapitalanlagen größtenteils an:

Kanada hat Cannabis ganzheitlich legalisiert, hier gibt es einheitliche Regularien für den Binnenhandel und Export. Hier klemmte es im Detail, die wirtschaftliche Umsetzung nach der politischen Legalisierung musste erst funktional werden. Die Abgabe der Blüten, der Verkauf von cannabishaltigen Getränken und Lebensmitteln, vieles wurde konzipiert und auf den Weg gebracht.

In den USA gelten andere Gesetze. Cannabis ist auf Bundesebene der USA illegal, wenn auch nicht plausibel, gilt es noch immer als hochgefährliches Betäubungsmittel der Stufe 1. In 33 Bundesstaaten ist die medizinische Anwendung legal, in 11 Bundesstaaten ist auch der erwachsenen Konsum als Genussmittel staatlich kontrolliert und legal. In den USA wirken somit gegenwärtig die größten Hindernisse für reales Wachstum. 

Die Finanzwirtschaft hat keine klaren Befugnisse zur Kooperation mit der Cannabisindustrie. Eine Bank, die mit Cannabisproduzenten oder Verkäufern Geschäfte betreibt, gefährdet ihr Vermögen und die Lizenzen. Inhaber von Cannabisunternehmen fällt es schwer Konten zu eröffnen, Versicherungen abzuschließen oder Rentenpläne für ihre Arbeitnehmer zu gestalten. Für die Unternehmen gilt kein Konkursschutz des Bundes. Sie dürfen weitergehend mit den Erlösen des Geschäftes keine Überweisung über Bundesgrenzen hinweg tätigen. Ein Teil Ihrer Geschäftstätigkeiten und Zahlungen müssen die Cannabis-Unternehmer der USA auch 2019 noch in bar abwickeln. Paradox, denn allein in Kalifornien ist der dynamische, legale Markt mit einem Cannabisumsatz von 3,1 Milliarden US-Dollar die am schnellsten wachsende Quelle für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Das „SAFE“-Bankengesetz (Secure and Fair Enforcement), woran der Kongress gegenwärtig arbeitet, löst diese Thematik. Führende Demokraten, aber auch Republikaner, sprechen sich weitergehend für eine bundesweite Legalisierung von Medical Cannabis aus, auch das würde die partizipierende Finanzindustrie klarer strukturieren. Zudem bemühen sich die Größen der Pharma- und Lebensmittelindustrie um die Milliardenerlöse aus der CBD-Industrie. Der nicht berauschende Wirkstoff eignet sich als Medizin und auch als Nahrungsergänzungsmittel und stellt bemerkenswerte Umsätze in Aussicht. Vor der FDA (Food and Drug Assoication) der USA kämpfen nun die Lobbys auch hier um ihr Revier.

Einige weitere, kleinere und größere Hindernisse, wie beispielsweise der aktuelle Lizenzentzug des Unternehmens CannTrust, hat die globale Cannabisindustrie noch zu bewältigen. Das ändert jedoch nichts an der wegweisenden Funktion als Medizin, als nachhaltiger Bio-Rohstoff oder als gewinnbringendes Genussmittel.

So schätzt die ws-hc, unter der Berücksichtigung des Einsatzes von Wagniskapital, die aktuelle Marktbewertung als gesund ein und sieht den Zeitpunkt somit als interessante Einstiegsmöglichkeit in die Hanfindustrie an.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 13 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Augmented Reality hebt Trading und Datenanalyse auf neue Dimensionen

von Dmitry Parilov, Managing Director of Data Solutions and Products bei dxFeed.

Klingt nach Science-Fiction, ist es aber nicht: Der Broker erklärt dem Investor, wie sich bestimmte Kursbewegungen auf dessen Portfolio auswirken und welche Entscheidungen zur Auswahl stehen. So weit, so gewöhnlich. Doch während der Börsenmakler in Frankfurt an seinem Schreibtisch sitzt, ist der Geschäftspartner unterwegs in Hongkong. Das Gespräch findet in einem virtuellen Konferenzraum statt, beide Geschäftspartner nutzen Augmented Reality (AR)-Headsets oder –Brillen. Dreidimensionale Darstellungen von Charts, Grafiken, Kurven und anderen Daten ordnen sich frei schwebend im virtuellen Raum an und lassen sich per Gesten interaktiv bedienen.

Sehen Sie in folgendem Video, wie die nahe Zukunft des Tradings aussehen kann


BU: Trading mit Augmented Reality: Frei schwebende Charts Im virtuellen Raum per Gesten bedienen. Videoquelle: Devexperts. Das Video auf YouTube: https://youtu.be/_CtQrMby1sU 

Die Unterstützung von Trading- und Datenanalyseplattformen durch Augmented Reality stellt Händlern und Investoren eine hoch entwickelte Finanztechnologie bereit, die ihnen die Überwachung und Visualisierung der Finanzmärkte mit einer enormen Informationstiefe ermöglicht. Neuartige oder verbesserte Darstellungen dynamischer Daten durch Heatmaps oder zweidimensionale Bilder, die auf Knopfdruck oder Geste in 3D-Formen übergehen, ermöglichen eine holografische Visualisierung und bieten vollkommen neue Einblicke. So lassen sich beispielsweise Geschäftschancen und hochaktuelle Entwicklungen auf einer intuitiven Oberfläche deutlicher hervorheben, was es Tradern ermöglicht, schneller zu agieren. Dank AR/MR-Technologiesind Nutzer nicht mehr auf die Größe ihres Computer-, Handy- oder Tablet-Displays beschränkt, sondern profitieren von einer echten 360-Grad-Ansicht und nahezu unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten.

Beim Tragen eines AR-Headsets oder einer AR-Brille werden hoch entwickelte holografische Darstellungen der Finanzdaten und -Feeds in das reale Gesichtsfeld des Nutzers eingeblendet. So können beispielsweise Investoren, die in neuen Märkten tätig werden möchten, auf exakte historische Daten zurückgreifen, indem sie die Tick-Market-Replay- und Backtesting-Funktion nutzen, um faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Finanzanalysten, die bestimmte Aktien an einer größeren Börse beobachten wollen, können entsprechende Informationen mit der vollen Datentiefe abrufen und auch visualisieren. Die vergangene Performance der letzten Monate oder Jahre kann ermittelt und in Form einer holografischen Datendarstellung umgehend an den Kunden weitergeleitet werden.

Mit Augmented Reality bekommt der Begriff „Mobiler Arbeitsplatz“ eine ganz neue Bedeutung, denn Kunden oder Finanzberater können in einem virtuellen Konferenzraum zur gleichen Zeit mit Personen vor Ort und (per Videokonferenz) mit Gesprächspartnern, die sich an einem beliebigen Standort auf der Welt befinden, sprechen. Aktionen in der AR-Finanzlandschaft können komplett vertraulich behandelt und vor neugierigen Augen geschützt werden. Oder sie lassen sich im „Zuschauermodus“ für Kollegen und Kunden auf externe Rechner spiegeln, die ebenfalls mit AR-Technologie arbeiten. So können sie gemeinsam die Finanzlandschaft analysieren und mit den Daten interagieren.

Die Technologie hinter der AR-Plattform

Zwar eignen sich sämtliche auf dem Markt erhältlichen AR-Headsets für Trading und Marktdatenanalyse, doch wartet die Finanzwelt auf neue Entwicklungen, die sich in puncto Design und Tragekomfort normalen Brillen annähern und so längere Tragezeiten ermöglichen.

Abhängig vom Gerätehersteller und der Situation können Nutzer Gesten- und Spracherkennung, Bluetooth-Mäuse oder einen Clicker einsetzen, um holografische Objekte zu bedienen. Mithilfe von Software-Editoren, mit denen sich dreidimensionale Orderbücher, Charts oder Volatilitätsflächen erstellen lassen, kann die Software auf jedes „Wearable“-Gerät überspielt werden. Eine der Kernfunktionen AR-gestützter Trading- und Marktdatenanalyse-Plattformen ist jedoch das Streaming von Finanzdaten aus den Kapitalmärkten.

Ergebnis ist ein leistungsstarkes Tool, das beliebige Daten-Feeds an eine AR-gestützte virtuelle Marktdatenstruktur anpassen kann. Die gesammelten und gespeicherten historischen Daten stammen von den wichtigsten Börsen der USA, Kanadas und Europas. Jede einzelne Kursänderung (Tickdaten) wird live gestreamt und kann über das AR-Headset exakt angezeigt und überprüft werden.

Welche Vorteile haben Trader und Analysten durch AR-Unterstützung?

Trading und Datenanalyse mit AR-Unterstützung bieten Finanzdienstleistern eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Höherer Darstellungs-Komfort: Drahtlose AR-Headsets bzw. AR-Brillen ersetzen mehrere, an einem festen Standort installierte Monitore; zudem entfallen die Größenbeschränkungen der Displays von Computern, Mobiltelefonen und Tablets.
  • Mobiles Arbeiten: Durch eine 360-Grad-Ansicht kann der Nutzer buchstäblich überall im Raum arbeiten.
  • Effiziente Zusammenarbeit: Kunden und Kollegen können per Videokonferenz von jedem beliebigen Standort der Welt aus in einem virtuellen Konferenzraum an Projekten mitarbeiten; „Point of View“-Funktionen ermöglichen die Überwachung und gemeinsame Analyse von Finanzdaten, was Missverständnisse vermeidet und den Entscheidungsprozess beschleunigt.
  • Höhere Produktivität: Die holografische Darstellung sorgt für eine verbesserte Marktdatenvisualisierung – ein entscheidender Vorteil für Trader, die auf der Grundlage von Daten wichtige Entscheidungen in kurzer Zeit treffen müssen.
  • Effektive Trainings: Mithilfe der AR/MR-Finanztechnologie können Studenten und Trading-Einsteiger anhand historischer Daten und der Market-Replay-Methode Muster erkennen und analysieren, um sich den Finanzmarkt auf einer tieferen Ebene zu erschließen.
  • Intuitivere Nutzeroberfläche: Die Anzeige, Analyse und Bearbeitung großer Mengen komplexer Daten wird vereinfacht.
  • Zugriff auf historische Marktdaten: Nutzer können zurückliebende Marktaktivitäten über die Tick-Market-Replay-Funktion nachvollziehen, Strategien mit der Backtesting-Funktion testen und gleichzeitig die aktuellen Marktbewegungen im Auge behalten.
  • Jederzeit besser informiert: Integrierte, in Echtzeit übertragene News-Feeds und Finanzinformationen mehrerer Anbieter werden in ein und derselben Textansicht zusammengefasst. Auch das Live-Streaming von News-Kanälen wird unterstützt.

Um sich im Wettbewerb zu behaupten, setzen Banken, Investmentfonds, Hedgefonds, FX-Brokerhäuser, Eigenhändler und Börsen heute zunehmend auf die AR-Technologie. Die treibende Kraft hinter Trading und Datenanalyse via Augmented Reality sind derzeit jedoch Einzel-Trader, Investoren und Berater für Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt. Für sie ist eine effiziente Zusammenarbeit via AR von großem Vorteil.


Über den Autor

Dmitry Parilov ist Managing Director of Data Solutions and Products bei dxFeed, ein Mitglied der VR/AR Association und Tochtergesellschaft von Devexperts. Dmitry begann seine berufliche Laufbahn vor mehr als zehn Jahren in der IT-Branche. Energie und Inspiration schöpft er aus der Leitung weltweiter Projekte für die renommiertesten, auf Telekommunikation und Finanzen spezialisierten Produkt- und Lösungsanbieter. Der erfahrene Manager hat seine Fähigkeiten als strategischer Leiter zahlreicher Tier 1-/Tier 2- und Pre-Sales-Projekte sowie beim Aufbau großer, dezentral arbeitender Teams und Niederlassungen mehrfach unter Beweis gestellt.
Er absolvierte seinen Master of Science in Mathematik an der Saint Petersburg State University und promovierte in mathematischer Analyse (Ph.D.) an dem Steklov Mathematical Institute of Russian Academy of Sciences.

Über dxFeed

dxFeed ist eine Tochtergesellschaft von Devexperts, dessen Fokus auf der Bereitstellung von Finanzmarktdaten und -dienstleistungen liegt. Das Unternehmen liefert weltweit Daten an Buy-Side- und Sell-Side-Institutionen der Finanzbranche, insbesondere an Trader, Datenanalysten, quantitative Analysten und Portfolio-Manager.
Aktuell versorgt dxFeed weltweit mehr als 6 Millionen Endnutzer über direkte und B2B2C-Beziehungen mit Daten. Die Informationen zu mehr als 1,7 Millionen Finanzinstrumenten (Aktien, Futures, Optionen, Indizes, FX, Derivate und Kryptowährungen) stammen aus verschiedenen Börsen Nordamerikas, Europas und anderer Regionen auf der ganzen Welt.
dxFeed hat seinen Hauptsitz in München und betreibt weitere Niederlassungen in New York, Chicago, Istanbul, Porto und Tokio. Mit seinem Portfolio cloudbasierter Datenlösungen stellt es On-Demand-, Echtzeit- und historische Marktdaten, Referenzdaten und Daten zu Kapitalmaßnahmen sowie Market-Replay-, Charting- und aggregierte Daten bereit. Über APIs und Oberflächen-Tools mit vielfältigem Funktionsspektrum liefert dxFeed zudem Lösungen für die Betrugserkennung und komplexe Berechnungen, Multi-Asset-Preiskalkulationstools, Markt-Scanner und -Alerts sowie Lösungen zur Indexautomatisierung und -wartung.
Mit der weltweit ersten AR/VR-Visualisierungslösung für Finanzdaten ist dxFeed Pionier auf diesem Gebiet. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine Suite ausgereifter Datenanalyse-Tools und -Terminals entwickelt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.dxfeed.com.

Globale Abschwächung abzusehen

Die Tendenz zu immer schwächeren globalen Wirtschaftsdaten setzt sich ungebremst fort. Unternehmensgewinne stagnieren noch auf hohem Niveau, das Gewinnmomentum ist jedoch schon rückläufig. Der Handelskrieg der USA, insbesondere mit China, sowie die generelle Verunsicherung in der globalen Exportwirtschaft hinterlassen immer mehr Spuren. Nach dem sukzessiven Einbruch der Frühindikatoren dürfte sich der Produktionssektor vor allem in Europa bereits am Rande einer Rezession befinden. Hingegen profitiert der Dienstleistungsbereich – dieser ist in den USA traditionell von wesentlich größerer Bedeutung – vom derzeit noch starken Arbeitsmarkt und dem guten Konsumklima.

Während in den USA die Wirtschaft im zweiten Quartal noch mit 2 % gewachsen ist, nähert sich die Eurozone der Nulllinie. In Deutschland – sowohl vom Handelskrieg wie auch von strukturellen Veränderungen stark betroffen – war das BIP-Wachstum im zweiten Quartal bereits negativ. In diesem konjunkturellen Umfeld werden auch schwächere Unternehmensergebnisse erwartet.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Rohstoffe und Währungen: Gold glänzt wieder

Wie die Aktienmärkte gaben auch die Energiepreise Anfang August deutlich nach und befinden sich wieder auf dem eher schwachen Niveau vom Juni. Öl und Industriemetalle (dort sind nur Nickelpreise stark im Plus) stehen auch aufgrund des Handelskriegs unter Druck.

Seit einigen Monaten beginnen jedoch Gold und Silber wieder zu glänzen – mit einem Plus von über 20 % seit Mai (bzw. seit Jahresbeginn)! Gold ist nicht nur ein Spekulationsobjekt, es hat auch den Charakter einer Währung: Wenn alle Währungen abwerten und deren Geldmärkte negative Zinsen tragen, profitiert dieses Edelmetall.

Auf den Devisenmärkten war zuletzt wieder eine Abschwächung der Währungen der Emerging Makets zu sehen. Nach der US-Leitzinssenkung drifteten letztlich alle Emerging-Market-­Währungen nach unten, einige verloren sogar stark (Real, Rand), beim Argentinischen Peso muss man von Crash sprechen, er verlor im August 25 %. Wenig Bewegung bei Euro und Dollar, auch das Pfund blieb zuletzt trotz des anstehenden Brexits stabil.

Ölpreisschock - Große geopolitische Erschütterungen könnten folgen

Vor dem Hintergrund der Krise am Golf kommentiert Nitesh Shah, Director Research beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree, den Ölpreisschock.

"Drohnenangriffe von Houthi-Rebellen am Wochenende auf die Anlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco haben die Ölpreise in die Höhe getrieben. Der Ölpreis war in den letzten drei Monaten tendenziell gesunken. Seit heute Morgen jedoch, als die Preise um mehr als 20 Prozent stiegen, hat sich eine abrupte Veränderung vollzogen, die anfänglichen Gewinne lagen bei plus 10 Prozent zum Zeitpunkt des Schreibens. Erste Schätzungen des Schadens deuten auf eine Aussetzung von 5,7 Mio. Barrel Öl hin, was mehr als die Hälfte der saudi-arabischen Produktion bzw. fast 5 Prozent des weltweiten Angebots ausmacht. Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman - der erst knapp eine Woche im Amt ist - sagte, dass durch den Angriff die Gasproduktion um 50 Prozent abgefallen sei.

Die Ölproduktion wurde schwer getroffen. Aber noch größer sind die politischen Auswirkungen. Die Houthi-Rebellen im Jemen werden vom Iran unterstützt. Der Saudi-Jemen-Krieg (Houthi), der seit 2015 geführt wird, wird allgemein als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran angesehen. Der Konflikt könnte sich nun in einen offenen Krieg mit dem Iran verwandeln. Der Iran rasselte vor allem mittels seiner Stellvertreter mit den Säbeln als es im Mai und Juni dieses Jahres auf Angriffe auf Schiffe rund um die für den Öltransport wichtigste Seestraße der Welt, die Straße von Hormuz, kam.

Das relative Fehlen von Nachrichten in den Schlagzeilen hatte den Markt zu der Annahme verleitet, dass es eine Deeskalation der Risiken in der Region gäbe. Erst letzte Woche fielen die Ölpreise an einem einzigen Tag um mehr als 2 Prozent, als Präsident Trump seinen nationalen Sicherheitsberater John Bolton entließ, der allgemein als Iran-Habicht angesehen wurde. Die Ereignisse der letzten Tage sind eindeutig kein Zeichen einer Deeskalation. Wir glauben, dass die geopolitische Prämie für Öl steigen wird, da das Risiko einer militärischen Intervention in der Region von Tag zu Tag wächst."

Geldpolitik stößt an Grenzen

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern den Einlagenzins für Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt, der Leitzins bleibt unverändert auf 0 Prozent. Das Ziel von EZB-Präsident Mario Draghi ist die Finanzierungsbedingungen möglichst günstig zu halten. Ab dem 1. November werden zudem Anleihen für bis zu 20 Milliarden Euro im Monat gekauft.

1. Proaktive, lockere Geldpolitik

Zahlreiche Zentralbanken, allen voran jene in den USA haben in diesem Jahr einen Schwenk von Leitzinsanhebung auf Leitzinssenkung vollzogen. Die Hauptargumente für diese Umkehr waren nicht nur die Eintrübung der Aussichten für das reale Wirtschaftswachstum und die Inflation sondern auch die angestiegene Unsicherheit, ausgelöst durch den an Intensität gewonnenen Konflikt zwischen den USA und China. Das heißt, die Zentralbankpolitiken waren pro- und nicht reaktiv.

Das gilt auch für die Europäische Zentralbank. Mit den gestern, am 12. September gesetzten Maßnahmen (Leitzinssenkung, Anleiheankaufsprogramm, Reinvestition von auslaufenden Anleihen, neue langfristige Finanzierungsmodalitäten für Banken, gestaffeltes System für die Überschussliquidität der Banken) soll das geldpolitische Umfeld nochmals gelockert werden.

Lockerung des Finanzumfeldes

Die Zentralbanken waren damit in der Lage, trotz der Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfeldes Kursanstiege auf den Finanzmärkte zu befördern. Mit einer gewissen Zeitverzögerung wird dies auch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirken.

Ähnliches gilt auch für die Stimulierungsmaßnahmen in China. So soll durch eine Absenkung der Mindestreservesätze für Banken das Kreditwachstum unterstützt werden. Die Maßnahmen waren bis jetzt vergleichsweise moderat. Eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums wurde bis jetzt nur gedämpft aber nicht verhindert.

Abgenommene Effektivität der Geldpolitik – säkulare Stagnation

Das außerordentlich niedrige Zinsniveau befindet sich bereits in der Nähe der sogenannten effektiven Zinsuntergrenze. Auf diesem Niveau können die Leitzinsen nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession zu bekämpfen.

Im Fall einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung würden wir uns in der kuriosen Situation befinden, dass die Zinsen zwar niedrig aber immer noch zu hoch sind. In weiterer Folge könnten wichtige Volkswirtschaften in ein Umfeld abgleiten, das säkulare Stagnation heißt. Die Eigenschaften von diesem Szenario klingen wenig attraktiv aber bekannt:

  1. niedriges Wirtschaftswachstum,
  2. niedrige Inflation,
  3. niedrige Zinsen,
  4. niedriges Gewinnwachstum und
  5. erhöhte Anfälligkeit für eine Rezession,
  6. für eine längere Zeit.

Druck auf andere Politikbereich steigt an

Die Geldpolitik stößt an ihre Grenzen. Das gilt seit einiger Zeit für Japan und jetzt auch insbesondere für die Eurozone. Der klassische Ausweg aus der „Niedrigzinsfalle“ ist eine expansive Fiskalpolitik, sprich: Höhere Budgetdefizite könnten die Nachfrage erhöhen.

Das ist natürlich nur dann nachhaltig, wenn Investitionen gefunden werden, die einen positiven Cash Flow – direkt oder indirekt über zum Beispiel Maßnahmen zum Klimaschutz – versprechen. Für die Eurozone kommt erschwerend dazu, dass nach vor eine gemeinsame beziehungsweise eine koordinierte Fiskalpolitik fehlt (sowie eine gemeinsame Wirtschaftspolitik).

2.Das Volkswirtschaftliche Umfeld

Das volkswirtschaftliche Umfeld kann auf globaler Ebene mit schwachem Wachstum bei niedriger Inflation beschrieben werden. Mit den zur Verfügung stehenden Daten können die drei möglichen realistischen Szenarien 1) „Stabilisierung nach der Abschwächung“, 2) „Abgleiten in die Rezession“ oder 3) „säkulare (langfristige) Stagnation“ nur schwer voneinander unterschieden werden.

Reales globales Wirtschaftswachstum unter dem Potential

Versucht man mit den Konjunkturindikatoren das weltweite reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zu schätzen, erhält man eine Bandbreite von 2% bis 2,3% für das dritte Quartal 2019. Das liegt unter Potenzial, das heißt, unter jenem Wert mit dem die Weltwirtschaft bei Vollauslastung wachsen könnte (2,5% – 3,0%).

Schwache Anzeichen einer Stabilisierung

In den vergangenen Wochen sind Indikatoren veröffentlicht worden, die auf ein Ende der Abschwächung des Wirtschaftswachstums hindeuten. Diese Anzeichen sind allerdings schwacher Natur. Unter anderem hat im Sommer eine Verbesserung bei den Exporten und der Industrieproduktion im asiatischen Raum stattgefunden.

Zudem hat es mit dem Anstieg beim globalen Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor im Monat August eine marginale Verbesserung in jenem Sektor gegeben, den es seit Anfang 2018 am stärksten erwischt hat.

Abwärtsrisiken

Mittlerweile sind negative Überwälzungseffekte vom schwachen Fertigungssektor auf den Servicesektor und den Arbeitsmarkt erkennbar. Bis vor kurzem hat der starke Arbeitsmarkt die persönlichen Einkommen und damit den privaten Konsum unterstützt. Die Arbeitslosenraten sind zwar nach wie vor niedrig, aber das Beschäftigungswachstum ist bereits gefallen. Zudem deuten die umfragebasierten Indikatoren auf eine Fortsetzung der Abschwächung am Arbeitsmarkt an.

Disinflation

In vielen entwickelten Volkswirtschaften sind die Inflationsraten (Konsumentenpreise) unter dem jeweiligen Zentralbankziel. Zudem weisen zahlreiche Preisindikatoren eine fallende Tendenz auf. Der treibende Faktor dafür ist der rückläufige Inflationstrend auf der Produzentenebene. Das reflektiert die stagnierende Fertigung auf globaler Ebene.

Angespannte Geopolitik

Ähnlich wie auf der Wachstumsseite ist auch die geopolitische Seite nach wie vor angespannt. Gleichzeitig gibt es auch hier leichte Anzeichen einer Entspannung:

  • Die Konfrontation zwischen den USA und China ist strategischer Natur. Nach wie vor heben die USA die Zölle auf chinesische Importe an. China reagiert unter anderem damit, die Währung Renminbi gegenüber dem US-Dollar abschwächen zu lassen. Immerhin wurde für Oktober eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den USA und China vereinbart. Die Reaktion: Eine Festigung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar.
  • Mit der neuen Regierung in Italien zwischen PD und M5S ist die Wahrscheinlichkeit für eine Konfrontation zwischen Italien und der Europäischen Kommission gesunken.
  • Das Brexit-Chaos und der Zugang von Premier Johnson zur Politik (Hardball) verunmöglichen eine seriöse Prognose. Der Versuch des britischen Parlaments die Kontrolle über den Brexit-Prozess zu erlangen, hat die Wahrscheinlichkeit für einen ungeregelten Brexit am 31. Oktober nicht wirklich reduziert.

Die durch die geopolitische Ebene erzeugte Unsicherheit kann ganz gut mit einem Indikator in die Welt des Wirtschaftswachstums übersetzt werden. Die Stimmungsindikatoren für den Unternehmenssektor weisen seit Anfang 2018 eine fallende Tendenz auf.

Damit einhergehend ist auch das Wachstum der Unternehmensinvestitionen drastisch gefallen. Eine „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China hätte das Potenzial, die Stimmungslage der Unternehmen zu stabilisieren.

Grafik: Fallende Unternehmensstimmung; Quelle: OECD

Schlussfolgerung

Das Besondere an der aktuellen Situation ist nicht die zyklische Abschwächung der Weltwirtschaft sondern das außerordentlich niedrige Zinsniveau. Denn dadurch ist die Effektivität der Geldpolitik drastisch gesunken und die Wahrscheinlichkeit für eine lange andauernde Stagnation angestiegen.

Positiv betrachtet könnten wir noch einmal die Kurve kratzen. Die bis jetzt gesetzten Lockerungsmaßnehmen der Zentralbanken auf globaler Ebene und die Stimulierungsmaßnahmen in China könnten ausreichen, wenn gleichzeitig die Unsicherheit auf der geopolitischen Seite sinkt, das heißt, wenn die USA und China eine (kosmetische) Übereinkunft erzielen.

Selbst aus einer säkularen Stagnation gäbe es – zumindest theoretisch – einen Ausweg: öffentlich finanzierte Investitionen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Medical Cannabis bereichert das Repertoire der Schulmedizin

Vor wenigen Jahren war medizinisches Cannabis noch stigmatisiert und kaum beachtet. Seitdem ist global einiges geschehen, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. In Israel werden in Pflege- und Altenheimen Patienten mit Cannabis versorgt, das kanadische Gesundheitsamt gibt auf 263 Seiten Anwendungshinweise für Cannabis zur Therapie von vielseitigen Krankheiten und in den USA reduziert sich das Ausmaß der Opioid-Epidemie durch medizinisches Cannabis.

Cannabis gilt nun also in Teilen der Welt als legale Heilpflanze. Eine Heilpflanze ist eine Nutzpflanze, die zu Heilzwecken oder als Arzneipflanze zur Linderung von Krankheiten innerlich oder äußerlich verwendet wird. Sie kann als Rohstoff für Phytopharmaka in unterschiedlichen Formen, aber auch für Teezubereitungen, Badezusätze und Kosmetika verwendet werden.

Cannabis wird für das Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der GMP Richtlinien (Good Manufacturing Pratice) kultiviert. Unter der „Guten Herstellungspraxis“ versteht man einen Maßstab zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung in der Produktion von Arzneimitteln und Wirkstoffen, aber auch bei Kosmetika, Lebens- und Futtermitteln. 

Das somit qualitäts- und reinheitskontrollierte Medical Cannabis hat ein umfassendes Wirkspektrum, das gegenwärtig in hunderten klinischen Studien erfasst und lizensiert wird. Bereits lizensiert sind Medical Cannabis-Medikamente beispielsweise gegen Multiple Sklerose, Epilepsie und zur begleitenden Therapie in der Onkologie. Das pharmazeutische Potenzial von Cannabinoiden und Terpenen ist kaum zu begrenzen und lässt somit auf weitere wegweisende Lizensierungen schließen.

Das Endocannabinoid-System (ECS) wurde vor knapp 30 Jahren entdeckt und Studien, die sich mit seiner Funktion beschäftigen, befinden sich noch in den Kinderschuhen. Obwohl sich die Situation langsam bessert, hat das Jahrzehnte geltende Verbot der Cannabispflanze die klinische Forschung gravierend verlangsamt und behindert. Cannabis ist die einzige Quelle von Phytocannabinoiden, weshalb es ein verbotener Prozess war, das Material für die Studien zu beschaffen. Das ändert sich gegenwärtig, sodass auch hierdurch mit umfassenden Fortschritten zu rechnen ist.

Neben den Patienten, die Linderung ihrer Erkrankung erfahren dürfen, bietet diese Entwicklung maßgeblich eine Chance für Investoren. 


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 12 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

„So lange es nötig ist“

„Die heutige EZB-Sitzung ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie Mario Draghi die Grenzen des EZB-Mandats ausdehnt“, kommentiert Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei der Legg Mason-Tochter Western Asset Management, die heutige Sitzung der europäischen Währungshüter. „Oberflächlich betrachtet mag die Ankündigung fast schon enttäuschen – zumindest im Vergleich zu den Erwartungen des Marktes. ‚Eine Zinssenkung von nur zehn Basispunkten‘ mögen manche unken. Und auch die Wiederbelebung des Anleiheankaufprogramms liegt gerade einmal bei 20 Milliarden. Was dabei jedoch übersehen wird: Die EZB hat heute die logische Verbindung zwischen möglichen Zinsänderungen und einer quantitativen Lockerung auf den Kopf gestellt.“

Was Billmeier damit meint: Bisher war der Kausalzusammenhang stets ein „Wir erhöhen die Zinsen irgendwann, nachdem die Anleiherückkäufe abgeschlossen sind.“ Nach der heutigen Sitzung lautet die Logik jedoch: „Wir hören erst kurz vor einer Zinserhöhung mit den Ankäufen auf.“ Billmeier glaubt deshalb, dass ein Ende des neuen Ankaufprogramms – das zufälligerweise genau dann beginnen soll, wenn die neue EZB-Chefin Christine Legarde ihr Amt antritt und Boris Johnson gerne aus der EU austreten möchte – absolut offen ist.

Der geringer als erwartet ausfallende monatliche Ankaufsbetrag umgeht dabei allein das Problem der aktuellen Knappheit: „Die EZB kann mit der gegenwärtigen Regelung gute zwei bis drei Jahre fortfahren, ohne dass die selbstauferlegten Aufkaufbeschränkungen greifen. Oder anders ausgedrückt: Die EZB hat noch nicht ihr ganzes Pulver verschossen, um Inflation und Inflationserwartungen näher an die Zielmarke von zwei Prozent zu bringen."

Der stete Tropfen ohne erkennbares Ende aus dem Anleiheankaufprogramm sowie die Verknüpfung möglicher Zinserhöhungen mit dem Ergebnis der Kerninflation und den Inflationsvorhersagen würden damit stark mit Draghis Aussage aus 2012 konkurrieren. „Aus einem ‚was auch immer nötig ist‘ wird nun ein ‚so lange es nötig ist“, schließt Billmeier ab.


Über Legg Mason

Die Philosophie von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 780,2 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2019). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook

Bad omen: what the yield curve says about stocks

The inversion of the US yield curve strengthens the bear case for the economy and stock markets, argues Luca Paolini, Chief Strategist at Pictet Asset Management.

A US recession and flat equity markets. If history is any guide, that is what the inverted US yield curve is forecasting.

Yields on benchmark 10-year Treasury bonds have this month fallen below those on 2-year paper for the first time since 2008. That follows an inversion of another part of the curve earlier in the year. The trend isn’t limited to the US either – UK and Swiss curves are also inverted, while Japan is a whisker away (see chart).

TURNING NEGATIVE

Yield spread between 10-year and 2-year government bonds, ppts

Source: Refintiv. Data covering period 01.08.2018-14.08.2019.

According to our research, that means storm clouds are gathering both for the economy and for equity markets. That's because an inverted (or flattening) yield curve has historically proved a reliable predictor of recessions and bear markets in stocks. In the US, for instance, each of the last seven slumps has been preceded by an inversion of the curve.

A US recession typically occurs 1 year after the inversion of the yield curve between 10 and 2 year bonds. That’s because the yield curve has historically been very closely correlated with the output gap – the difference between an economy's current rate of growth and its long-term potential (see chart).

LESSONS FROM HISTORY

Yield spread between 10-year and 2-year Treasury bonds and US output gap, ppts

Source: Refinitiv. Data covering period 14.08.1986-14.08.2024.

If precedent holds, US economic growth is set to decelerate significantly – according to our analysis the curve implies an average real GDP growth of about 1 per cent over the next five years. That average, in turn, likely hides a period of economic contraction.

All of which is bad news for equity markets. Every bull market has started and ended with a US recovery and a US recession since 1950 – and we’ve had 10 recessions since then. This suggests that a major market peak is likely within the next 12 months.

Although the yield curve is just one of a number of variables we use in our asset class return forecast model, the negative spread between the 10-year and 2-year US bond yields indicates US equities could deliver as little as 2 per cent per year over the next five years in nominal terms. That's only marginally below the forecasts in our Secular Outlook and down from an annualised return of about 10 per cent during the previous five years. Factor in inflation, and real returns will be around zero.

In other words, the US yield curve is telling us that the S&P 500 in 5 years’ time will be around 3,000, almost unchanged from current levels. This doesn’t mean the market will flat-line over the whole period. Instead, there’s likely to be considerable volatility – another typical consequence of an inverted yield curve.

An inverted yield curve is consistent with the VIX index – a measure of expected volatility of US equities, based on options pricing – to rise around 30 per cent over the next two years.

What does this mean for investors? Strategically, this is the right time to reduce allocation to equities. Tactically, the market could offer a final “entry point” in this cycle, but the upside is limited in both time and size.


Über Luca Paolini

Als Chief Strategist ist Luca Paolini für die taktische und strategische Asset-Allocation verantwortlich. Er hat fast 20 Jahre Erfahrung als Stratege für Anlageklassen, Regionen und Sektorallokation. Luca Paolini gehört unserer Strategic Unit als Mitglied mit Stimmrecht an. Er teilt auch seine Investmenteinschätzungen in unserem Barometer, dem monatlichen Marktausblick, und dem Secular Outlook, unserer Fünfjahresprognose.
In seiner Funktion als Chefsprecher für die Märkte äussert er sich häufig in der Presse und ist regelmässig auf CNBC, Bloomberg Business und Reuters TV zu sehen.
Bevor er 2012 zu Pictet Asset Management wechselte, war er als Equity Strategist bei Credit Suisse und Investment Strategist bei Union Investment tätig. Er begann seine Laufbahn 2001 bei Allianz Dresdner Asset Management und war dort für die Asset-Allocation und Anlagestrategie verantwortlich.
Luca Paolini besitzt einen Master-Abschluss in International Economics & Management der SDA Bocconi School of Management und einen Laurea Magistrale in Politikwissenschaften der Universität Bologna.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

20 Jahre ESPA Bond Europe High Yield – Innovationen und Entwicklungen

von Bernd Stampfl, Senior Fund Manager Fixed Income Markets der Erste AM.

Als am 7. Mai 1998 Apple seinen ersten iMac vorstellte, steckte ein amerikanische Hard- und Softwareentwickler in seiner größten wirtschaftlichen Krise und mit dem Rücken zur Wand. Nachdem sein damaliger Gründer das Unternehmen im Jahr 1985 verlassen hatte, führten in den Jahren darauf falsche Managemententscheidungen aufgrund unklarer Strategien und einer viel zu umfangreichen Produktpalette zu einer Konzernkrise.

Im Jahr 1997 stand das Unternehmen sogar kurz vor der Pleite, und das Rating des Emittenten wurde von der Ratingagentur Standard and Poors auf B- herabgestuft, den tiefsten Stand in der Firmengeschichte.

Bei dem Unternehmen handelt es sich auch um Apple, und der Gründer hieß Steve Jobs. Steve Jobs verordnete bei seiner Rückkehr in das Unternehmen sofortige, strenge Sparmaßnahmen und begann seine Ideen und Visionen für Apple umzusetzen insbesondere die Entwicklung des Apple iMac.

Beginn des High Yield Marktes für europäische Unternehmensanleihen

Zu dieser Zeit war der Markt für europäische Unternehmensanleihen mit Junk-Rating (High Yield) noch sehr klein. Europäische Emittenten begaben ihre Anleihen aufgrund der Liquidität und der Anzahl der Marktteilnehmer lieber in US-Dollar. Am Jahresende 1997 waren nur 8 Anleihen denominiert in D-Mark und ECU handelbar.

Der vielleicht bekannteste Emittent darunter ist die Firma Geberit aus dem Sanitärbereich mit Sitz in der Schweiz. Alle anderen Unternehmen aus dem Index wurden in den Jahren darauf entweder übernommen oder existieren nicht mehr.

Vor der Einführung des Euros existierte de facto kein europäischer Kapitalmarkt für Unternehmensanleihen geschweige denn High Yield. Es gab bestenfalls illiquide, nationale Märkte segmentiert nach Währung und lokalen Zinsrisiken.

Es gab keinen harmonisierten Standard für Zinsusancen, zentrale Abwicklung, Emissionsprospekte etc. Nach dem zaghaften Beginn mit einzelnen in Vorläuferwährungen des Euro denominierten Anleihen, nahm der europäische High Yield-Markt mit der Einführung des Euro als Buchgeld in 1999 Fahrt auf.

Ein Iphone kam geflogen

Im Jahr 2000 belief sich die Anzahl der Titel bereits auf 60, im Folgejahr auf 97 und am 9. Januar 2007 auf 186, dem Tag als Apple sein erstes iPhone vorgestellt hat. Es war für das Unternehmen nicht nur ein kleiner weiterer Schritt. Mit dem iPhone gelang hier der ganz große Wurf.

In den ersten Jahren erreichte Apple nur einen Marktanteil von 4%, erwirtschaftete aber gleichzeitig über alle Hersteller hinweg 50% aller Gewinne. Und war rund 10 Jahre nach seiner größten Krise ganz oben angekommen.

Es gibt natürlich auch negative Beispiele, das soll aber nicht das Thema sein. Der Blogeintrag möchte auch nicht die Erfolgsgeschichte von Apple per se erzählen, sondern erinnern, dass ein Unternehmen selbst mit Junk-Rating dank einer guten Idee und Investoren, die auch daran glauben, sehr erfolgreich werden kann.

Pleite von Lehman Brothers

In den letzten 20 Jahren, seitdem es den ESPA Bond Europe High Yield gibt, ist vieles passiert. Die vielleicht schwierigsten, aber im Nachhinein auch interessantesten Tage und Wochen, waren diejenigen kurz vor und nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008.

Als sich damals die Risikoaufschläge (die zu bezahlenden höheren Zinsen gegenüber risikolosen Anleihen) für die Unternehmen im Universum fast über Nacht auf das Zwölffache ausweiteten, war es undenkbar, dass der Großteil der Unternehmen weiterbestehen würde. Die Folge von Massenkonkursen wäre u.a. ein massives Ansteigen der Arbeitslosigkeit gewesen.

Durch die koordinierten Interventionen der Zentralbanken wurde der Geldmarkt stabilisiert und das größte Übel verhindert. Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der Anleihen im Universum von 169 auf 229.

Aktuell beläuft sich die Ziffer auf fast 500 Anleihen. Man könnte jetzt vermuten, dass darunter viele Unternehmen sind, die wie Apple damals kurz vor der Pleite stehen. Dem ist aber nicht so.

Neben vielen kleinen Unternehmen, die trotz eines Junk-Ratings gut aufgestellt sind, befinden sich im Universum auch bekannte Namen von Produzenten von Technologien für autonome Fahrsysteme für Automobile oder Weltmarktführer für Energiesysteme für Haushalte, Anbieter von Server-Systemen für Großunternehmen sowie auch Anbieter von digitalen Zahlungssystemen.

Das neue Apple

Vielleicht ist ja in 20 Jahren eines dieser Unternehmen das neue Apple. Das macht die Arbeit auch so interessant, aber auch herausfordernd. Und überhaupt ist, bedingt durch die Niedrigzinspolitik in den Jahren seit der Lehman Pleite, die Anzahl der Investoren am High Yield-Markt rasant gestiegen.

Eine höhere Anzahl an Investoren, gepaart mit gestiegenen Anlagevolumina bedeutet bei einer stabilen Anzahl und Volumen an investierbaren Titeln auch eine vergleichbar höhere Nachfrage nach Papieren. Investoren sind bereit, höhere Preise zu bezahlen auf der Suche nach Rendite.

Ein gut funktionierender Markt für Unternehmensanleihen ist für viele Unternehmen sehr wichtig insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe oder Unternehmen mit einem relativ hohen Kapitalbedarf, um deren Investitionen in Forschung- und Entwicklung zu finanzieren.

Außerdem liefert der Markt für High Yield-Anleihen Bewertungen für die zukünftigen wirtschaftlichen Aktivitäten der emittierenden Unternehmen  angesichts aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen.

Quelle: Erste Asset Management GmbH

FAZIT

Der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark verändert. Ähnlich wie auch das Nutzerverhalten im Internet, das Aufkommen neuer Finanzprodukte oder die Entwicklung von alternativen Energien. Alles verläuft schneller und direkter. Auch die Anlageentscheidungen müssen schneller getroffen und regelmäßig hinterfragt werden.

Der europäische High Yield-Markt startete Ende des vorigen Millenniums mit einer Marktkapitalisierung von knapp EUR 700 Millionen. Zuletzt belief sich die Marktkapitalisierung auf EUR 285 Milliarden. Der Fonds ESPA BOND EUROPE HIGH YIELD war quasi von der Geburtsstunde dieses für Unternehmen wichtigen Marktsegmentes dabei und konnte seit Auflage einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 3,78% erzielen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Digital Assets bieten ein aus Anlegersicht sehr interessantes Risiko-/Renditeprofil“

Insbesondere in den USA investieren namhafte Family Offices sowie auch Endowment-Funds wie die Yale-Stiftung bereits in Digital Assets (Blockchain & Crypto Assets). Anlässlich des 167. Hedgeworks haben Dr. Philipp Cottier und Claus Hilpold von der L1 Digital AG das Thema aufgegriffen, um das gegenwärtig verfügbare Digital Asset Universum – von Liquid Venture bis Arbitrage und Market Making – näher zu beleuchten.

HEDGEWORK: Herr Hilpold, Sie befassen sich bei der L1 Digital AG mit „Digital Assets“. Können Sie beschreiben, was darunter zu verstehen ist und was diese Anlageklasse auszeichnet?

Claus Hilpold: Unter Digital Assets verstehen wir Vermögenswerte, welche vollständig digital abgebildet werden. Es gibt hierfür noch keine einheitliche Definition und Klassifikation. Anlehnend an die International Token Standardization Association kann man das Universum aber beispielsweise nach der ökonomischen Funktion in i.) Zahlungstoken ii.) Nutzungstoken und iii.) Anlagetoken kategorisieren1. In den meisten Fällen werden Digital Assets dezentral und auf einer Blockchain abgebildet. Eine Verschlüsselung erfolgt hierbei über die Kryptographie. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Cryptocurrencies, Crypto Assets oder Tokens zumeist synonym verwendet, wenngleich es hier im Detail durchaus leichte Abgrenzungen bei den Begrifflichkeiten gibt.

HEDGEWORK: Kann man denn hier überhaupt von einer neuen Anlageklasse sprechen?

Philipp Cottier: Im digitalen Zeitalter, in welchem wir uns ohne Zweifel befinden, werden immer mehr Assets digital abgebildet. In diesem Zusammenhang entstehen ganz neue Businessmodelle, welche ausschließlich digital und oftmals dezentral auf einer Blockchain basieren. Mit zwischenzeitlich mehr als 2500 gelisteten Tokens mit einer gesamten Marktkapitalisierung von über 300 Milliarden US-Dollar kann man durchaus attestieren, dass ein neues Segment entsteht2. Nicht erfasst sind hierbei übrigens die mehr als 10.000 nicht gelisteten Private Tokens.
Claus Hilpold: Da Digital Assets zum anderen unkorreliert zu den traditionellen Anlageklassen und auch relativ liquide sind, aber andere Risiko- und Renditeeigenschaften aufweisen, gehen wir davon aus, dass sich Digital Assets mit der Zeit als eigene Assetklasse innerhalb der Alternative Assets etablieren werden.

HEDGEWORK: Welche aktiven Investment-Strategien und Fonds gibt es in diesem Bereich heute schon?

Claus Hilpold: Ich war gerade im April auf einem einwöchigen Researchtrip in den USA, bei welchem wir in New York, Los Angeles und San Francisco eine Vielzahl von aktiven Fondsmanagern getroffen haben. Interessanterweise kann das Lager hier ganz grob in zwei Kategorien aufgeteilt werden. Da gibt es zum einen das Lager der Trading Funds, welche die Grundlage schaffen für einen immer liquider werdenden Markt. Zum Beispiel Long/Short-Strategien mit systematischem Ansatz, Market Making, Arbitrage, CTA Trendfolge, Statistical Arbitrage. Dem steht die zweite Kategorie der sogenannten Fundamental Funds gegenüber. In diese Kategorie fallen Strategien wie Liquid Venture, Fundamental Long-only oder Fundamental Long/Short. Zwischenzeitlich gibt es weltweit über 800 Fonds, wenn man die Fonds mit Venture-Capital-Charakter im Crypto-Bereich miteinbezieht.

HEDGEWORK: Wie sieht ein solcher Fonds typischerweise aus?

Claus Hilpold: Es handelt sich noch um ein sehr junges Segment. Dennoch gibt es mittlerweile einige professionelle Fonds mit mehrjährigem Track Record und einigen Hundert Millionen US-Dollar unter Management, sophistiziertem Risikomanagement und Teamgrößen von 20+ Spezialisten. Typischerweise setzen sich diese Teams zusammen aus Computer Scientists, Mathematicians, Cryptographers und Traders. Die Manager sind vorwiegend in den USA und Ostasien zu Hause, in Europa ist die Blockchain-Industrie noch kleiner. Der Großteil der Industrie ist aber immer noch sehr Wild-West-mäßig unterwegs, das heißt, mit sehr kurzen Live-Track-Records, mangelnder Corporate Governance, großen operationellen Risiken, mit Assets von weniger als zehn Millionen US-Dollar und weniger als fünf Mitarbeitern. Von den oben geschilderten 800 Fonds fallen schon allein dadurch rund 90 Prozent aus dem Raster. Aber wie in jeder neu entstehenden Industrie, trifft man auch hier immer wieder auf Kandidaten, die positiv überraschen. Für das Auffinden dieser Perlen ist sehr viel intensive manuelle Arbeit, Reisen und Networking notwendig. Ganz ähnlich wie es in den 90er-Jahren in der Hedgefonds-Industrie war.

HEDGEWORK: Worauf ist im Besonderen zu achten, wenn Sie derartige Fonds analysieren?

Philipp Cottier: Neben einer fundierten Einschätzung des Teams, dessen Netzwerks und Erfahrung, der Strategie, des Track Records, des Risikomanagements etc. im Rahmen einer extensiven Qualitative Due Diligence kommt an zweiter Stelle gleich die Operational Due Diligence, also die Überprüfung der unabhängigen Serviceprovider wie Administratoren, Depotbanken, Revisoren, aber auch interne Prozesse, die den institutionellen Maßstäben, wie man sie in anderen Asset-Klassen gewohnt ist, Rechnung tragen. Geprüft werden muss, wie die Verwaltung der Private Keys erfolgt? Was die Run-Rate des Asset-Managers ist? Wie die Corporate Governance gelöst und wie der Investmentprozess aufgesetzt ist? Bis hin dazu, ob gegebenenfalls steuerliche Probleme drohen? Dies sind nur ein paar Aspekte, die es zu beachten gilt. Eine geringere Bedeutung bei der Auswahl kommt der Quantitativen Due Diligence zu, dies vor dem Hintergrund der oftmals sehr kurzen und statistisch wenig signifikanten Track Records.

HEDGEWORK: Welches sind bis dato die Investoren im Segment der digitalen Assets?

Philipp Cottier: Aktuell begrenzt sich die Investorenschaft auf Tech-affine HNWIs und Family Offices, sowie einige Stiftungen wie Harvard oder Yale und VC Funds wie Sequoia oder USV. Klassische institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen sehen wir aktuell noch nicht. Vereinzelt liest man, dass gewisse US-Pensionfunds erste Investments in homöopathischen Dosen tätigen – quasi als Testinvestment. Auch Cambridge Associates als internationaler Consultant für vornehmlich institutionelle Investoren hat in einer viel beachteten Studie jüngst dafür geworben, sich diesem Thema zu widmen.

HEDGEWORK: Welche Chancen eröffnen sich einem „unregulierten“ Investor, wie etwa Family Offices hier?

Philipp Cottier: Für mich als Family Investor waren zwei Argumente ausschlaggebend, bei meinen ersten Investitionen in den Blockchain- und Krypto-Bereich im Jahr 2015. Zum einen wurde es immer offensichtlicher, welches disruptive Potenzial diesen Technologien innewohnt. Zum anderen bieten Digital Assets aus anlegertechnischer Sicht ein sehr interessantes Risiko-/Renditeprofil. Nicht selten bringen erfolgreiche Projekte einen Pay-Off, welcher dem zehn-, 20- oder gar 100-Fachen des eingesetzten Kapitals entspricht. Desweiteren herrscht in diesem Bereich, wie eingangs schon geschildert, ein regelrechtes Wild-West-Umfeld vor. Dies bietet dem sophistizierten und erfahrenen Investor die Möglichkeit, von der Informationsasymmetrie zu profitieren und gleichzeitig die Risiken durch Diversifikation einzudämmen.

HEDGEWORK: Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit, das Anlageuniversum der Digital Assets zu klassifizieren, um hier vor lauter Bäumen nicht den Gesamtüberblick zu verlieren?

Claus Hilpold: Es gibt derzeit verschiedene Versuche und Herangehensweisen, um Kategorien, Definitionen und Standards zu definieren. Bei L1 Digital unterscheiden wir Layer-1- und Layer-2-Protokolle, Distributed Apps, Tokenized Assets, Enterprise Blockchains sowie Services/Infrastructure. Zu erwähnen ist aber auch die aus Berlin geführte Initiative der International Token Standardization Association – ITSA, welche zum Ziel hat, ein international anerkanntes Klassifizierungssystem zu etablieren. ITSA erfasst jeden Token, klassifiziert nach verschiedenen Kriterien und versieht diesen mit einer eindeutigen Identifikationsnummer analog der ISIN, die heute bei Wertpapieren Verwendung findet3.

HEDGEWORK: Was sind die Fallstricke in diesem Marktsegment, die es zu beachten gilt?

Claus Hilpold: Neben den oben erwähnten Aspekten der operationellen Due Diligence ist eine der großen Herausforderungen, überhaupt erst den Zugang zu erhalten zu den erfolgsversprechendsten Teams und Fonds. Auch wenn vereinzelt Datenbankanbieter versuchen, das Universum in ihren Datenbanken zu erfassen und so dem zahlenden Investor zugänglich zu machen, haben wir bisher keinen einzigen unserer Fonds, in die wir investiert haben, auf diese Weise gefunden.

HEDGEWORK: Und welches ist Ihre Lösung?

Claus Hilpold: Hier kommt dem Networking und entsprechenden persönlichen Empfehlungen und Kontakten eine hohe Bedeutung zu. Dies heißt auch, dass unser Team bei L1 Digital konstant in Asien, USA und Europa unterwegs ist, für Konferenzen, One-to-One-Meetings, Due Diligence Onsites, Hackathons etc.
Philipp Cottier: Es gilt auch zu beachten, dass Direktinvestitionen in Digital Assets für die meisten institutionellen Investoren aufgrund des regulatorischen Umfeldes, administrativer Überlegungen – Private-Key/Public-Key Handling –, der Komplexität oder schlicht der herausfordernden Diversifikation nicht der geeignete Weg sind. Eine Investition in einzelne Fonds ist denkbar, jedoch aufgrund der bereits besprochenen Herausforderungen auch nur begrenzt geeignet. Aus diesem Grund empfehlen wir, via Dachfonds oder Multi-Manager-Lösungen zu investieren.
Claus Hilpold: Für die meisten institutionellen Investoren wiederum handelt es sich bei Digitalen Assets um eine neue Anlageform. Dementsprechend werden viele Investoren zuerst nur in sehr kleinem Stil investieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Dies sollte dann möglichst breit diversifiziert geschehen, um die hohe inhärente Volatilität der Anlageklasse abzufedern. Gleichzeitig möchte man aber auch aus Effizienzgründen die Team-Ressourcen für ein Investment von ein bis zwei Prozent der Portfolioallokation nicht über Gebühr strapazieren und im Idealfall gerne von einem Knowledge-Transfer profitieren. Dies ist der Ansatz, welchen wir bei L1 Digital verfolgen. Daher bieten wir eine Multi-Manager-Lösung über eine regulierte Fondsstruktur an.

Die Fragen stellte Hedgework-Mitarbeiter Ronny Kohl.


1) Quelle: https://itsa.global/
2) Quelle: https://coinmarketcap.com/de/
3) Quelle: https://itsa.global/

Claus Hilpold, CFA, CAIA,

ist Senior Advisor bei L1 Digital AG. Im Jahr 2008 gründete er die POLARIS Investment Advisory AG in Zürich, ein erfolgreiches Vertriebsunternehmen für alternative Anlageformen an institutionelle Kunden in ganz Europa. Zuvor war er Head Business Development für Deutschland und Österreich bei Harcourt Investment Consulting AG und davor Teil des Derivate- und Strukturierungsteams der Commerzbank. Claus ist verantwortlich für die Vertriebs- und Marketingstrategie bei L1 Digital.

Dr. Philipp Cottier

ist Aufsichtsratsvorsitzender und Mitglied des Investitionsausschusses der L1 Digital AG. Er ist aktiver Investor in Blockchain- und Fintech-Startups, Hedgefonds und Private Equity in Schwellenländern und außerdem Aufsichtsratsmitglied der Crypto Finance AG, der Crypto Fund AG, der Crypto Storage AG und der Siglo Capital Advisors. Zuletzt war er Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Private Equity Investments bei responsAbility Investments, einer im Impact-Bereich tätigen Investmentgesellschaft. Von 1998 bis 2009 war Philipp CEO der Harcourt Investment Consulting AG.

L1 Digital AG

Mit Sitz in der Schweiz konzentriert sich die L1 Digital AG als Investment Adviser auf die Erschließung von Investitionsmöglichkeiten in der Blockchain-Industrie, insbesondere auf die Analyse der besten Krypto- und Blockchainfonds weltweit. Die Firma wurde im Jahr 2018 gemeinsam von Ray Hindi, Dr. Philipp Cottier, Armand van Houten und Claus Hilpold in Zürich gegründet.

Hohe Dividendenrenditen bei UK-Aktien – worauf Fixed-Income Investoren achten sollten

von Chris Gannatti, Head of Research Europa, WisdomTree.

Zeitenwende auf den Anleihenmärkten: Noch vor einem Jahr1 betrug die 10-jährige Rendite für US-Treasuries 2,85 Prozent und die 10-jährige Rendite bei deutschen Bundesanleihen 38 Basispunkte2. Mittlerweile liegen die Zahlen bei 1,51 Prozent bzw. minus 0,68 Prozent3. Während dies kurzfristig eine massive Risikoaversion der Anleger signalisiert, stellt sich die viel wichtigere Frage, was Investoren, die Erträge aus ihren Portfolios benötigen, nun tun können.

Aktien des Vereinigten Königreichs generieren mit derzeit 5,25 Prozent4 die höchste Dividendenrendite der Aktienmärkte der entwickelten Länder. Daraus lassen sich zwei wichtige Aussagen über die aktiven britischen Fixed Income Investoren herleiten: Erstens haben sich die Briten an sehr hohe Dividendenrenditen gewöhnt, denn aus politischer Sicht bevorzugen britische Unternehmen die Auszahlung von Dividenden an ihre Aktionäre viel mehr als den Aktienrückkauf. Zum Zweiten könnten auch Investoren außerhalb Großbritanniens zur Deckung ihres Fixed Income Bedarfs an britischen Aktien Gefallen finden - vorausgesetzt, sie sind in der Lage, eine Vorhersage zum Brexit zu treffen.

Britische Investoren brauchen mehr Diversifikation

Der Blick allein auf das Vereinigte Königreich ist in Bezug auf das Generieren von Dividendenerträgen vielleicht nicht die beste Investmentstrategie, schließlich gehört der Aktienmarkt des Landes mit nur 97 Werten im MSCI UK Index per 31. Juli 2019 im Gegensatz zu 1.554 Werten im MSCI World ex-UK Index5 nicht zu den größten Märkten.

Unterschiede in der Gewichtung der Sektoren berücksichtigen

Die meisten Investoren erkennen den massiven Einfluss, den neue Technologien auf die heutige Gesellschaft haben. Demzufolge richten sich beispielsweise Aktienindizes in den USA und in China immer stärker auf diesen Sektor aus. Mit 17,5 Prozent im IT Sektor weist der MSCI World ex-UK-Index das größte Einzelsektor-Exposure auf (Abb 1). Im Vereinigten Königreich macht dieser Sektor nur etwa 1 Prozent6 aus.

Auf dem britischen Aktienmarkt dagegen ist der Energiesektor mit etwa 17,4 Prozent einer der größten Sektoren. Wir wissen, wie stark Unternehmen von den Preisschwankungen bestimmter Rohstoffe wie Öl beeinflusst werden können. Der MSCI World ex-UK Index weist in diesem Bereich eine Gewichtung von nur 4,75 Prozent auf.

Wir sind der Ansicht, dass Investoren die besonderen Risiken der Informationstechnologie und Energie durch die Kombination von regionalen Aktienertragsstrategien besser ausgleichen könnten.

Ein weiterer Vorteil der Diversifikation ergibt sich aus der Betrachtung des Dividendenwachstums. Im vergangenen Jahr steigerten britische Aktien ihre Dividenden um über 11 Prozent, nicht-britische Aktien dagegen nur um 6,8 Prozent. In den letzten 10 Jahren stiegen die Dividenden britischer Aktien pro Jahr allerdings nur um 4,7 Prozent, nicht-britische Aktien um 6,4 Prozent7. Da wir nicht wissen, woher das zukünftige Wachstum kommen könnte, ist die regionale Diversifikation des Portfolios umso wichtiger.

Rendite ist nicht alles

Bei der Konstruktion von Aktienertragsstrategien gilt die "Renditegewichtung" als unverzichtbar auf dem Weg, die höchstmögliche Rendite zu erzielen. Das größte Exposure stellen daher Unternehmen mit der höchsten individuellen Dividendenrendite dar. Die Gewichtung nach Dividendenrendite ohne Rücksicht auf Erträge, Schulden oder Auszahlungsquoten ist selten, da die meisten Manager die Risiken erkennen und auf unterschiedliche Weisen zu mindern versuchen. Betrachtet man nur den renditegewichteten FTSE UK Dividend+ Index, so ergibt sich am Ende ein Exposure von 28,3 Prozent bei Finanzwerten und 10,6 Prozent bei Versorgungsunternehmen - ganz anders als der MSCI UK Index, der lediglich 19,8 Prozent Finanztitel bzw. 2,9 Prozent Versorger beinhaltet.

Niemand weiß, wie lange die globalen Zinssätze noch auf dem niedrigen Niveau verharren. Sicher ist jedoch, dass Investoren angesichts der alternden Bevölkerung immer mehr feste Erträge erwirtschaften müssen. Wenn ein Portfolio Ertrag generieren soll, sind britische Aktien ein unerlässlicher Bestandteil einer diversifizierten, nicht nur auf Rendite konzentrierten Strategie.


1) 27 August 2018
2) Quelle: Bloomberg, Daten per 27. August 2018.
3) Quelle: Bloomberg, Daten per 27. August 2019.
4) Quelle: Bloomberg, Daten per 31. Juli 2019. UK-Aktien, vertreten durch den MSCI United Kingdom Index und andere Aktienrenditen der entwickelten Märkte, vertreten durch die 22 anderen MSCI-Länderindizes, die als "entwickelte Märkte" eingestuft werden.
5) Quelle: Bloomberg, Bloomberg, beschränkt auf Monatsenddaten für MSCI-Index Komponenten.
6) Bezieht sich auf Gewichtung des Sektors Informationstechnologie innerhalb des MSCI United Kingdom Index. Beschränkung auf Monatsenddaten für MSCI-Index Komponenten
7) Quelle: UK-Aktien beziehen sich auf den MSCI United Kingdom Index. Nicht-britische Aktien beziehen sich auf den MSCI World ex-UK Index. Alle Daten werden zum 31. Juli 2019 gemessen, d.h. eine Jahreszahl bezieht sich auf den Zeitraum vom 31. Juli 2018 bis 31. Juli 2019 und eine 10-Jahreszahl auf den Zeitraum vom 31. Juli 2009 bis 31. Juli 2019. Die Daten basieren auf monatlichen Indexrenditen.

IFA: Smartphone-Hersteller setzen Hoffnungen auf neuen Standard

Noch bis Mitte dieser Woche (11.09.) findet in Berlin die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Die Messe gilt als eine der wichtigsten Veranstaltungen für Unterhaltungselektronik und Kommunikationstechnik. Eine zentrale Rolle spielen bei der IFA daher Neuheiten im Bereich mobile Kommunikation und Smartphones.

Im Zuge dessen werden nicht nur die neuesten Modelle der Öffentlichkeit präsentiert, sondern auch Branchentrends und die Geschäftsentwicklung thematisiert.

Dieses Jahr steht neben faltbaren Smartphones der Datenfunkstandard 5G im Zentrum. Denn die schnellere Datenverbindung gilt als eine Hoffnung für börsennotierten Handyriesen, die sich mit Herausforderungen konfrontiert sehen.

Handelsstreit belastet Markt für Smartphones

So sorgt etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China für Komplikationen. Sanktionen gegen den chinesischen Hersteller von Mobiltelefonen und führenden Netzwerkausrüster Huawei dürften den gesamten Sektor ausbremsen, erwarten Analysten.

Es sei zwar absehbar, dass vor allem der Marktführer Samsung sowie chinesische Rivalen wie Xiaomi einen Teil der Huawei-Kunden anlocken könnten, sagt Anshul Gupta vom Marktforschungsinstitut Gartner: „Ich gehe aber nicht davon aus, dass die wegbrechenden Huawei-Verkäufe komplett von anderen Playern aufgefangen werden. Dadurch wird der Markt noch etwas stärker schrumpfen.“

Für das zweite Quartal errechnet Gartner einen Rückgang der Smartphone-Verkäufe um 1,7 Prozent auf 368 Millionen Geräte. Vor allem die Nachfrage nach teuren Modellen sei zurückgegangen. Zum einen sähen Besitzer von Top-Modellen keinen Grund, ihre Geräte zu erneuern.

Zum anderen gebe es nicht genug Anreize für Nutzer mit Mittelklasse-Telefonen, auf teurere Modelle umzusteigen. Hier hofft man nun auf den 5G-Standard. Die neue Technologie könnte das Interesse an neuen und teureren Smartphones steigern, heißt es.

Smartphone

Hoffnung auf neuen Technologien

Samsung blieb im zweiten Quartal die klare Nummer eins und steigerte seinen Marktanteil nach Berechnungen von Gartner im Jahresvergleich von 19,3 auf 20,4 Prozent. Der Marktanteil von Huawei legte zwar von 13,3 auf 15,8 Prozent zu – sein Absatz verzeichnete aber einen deutlichen Einbruch, nachdem das Unternehmen Mitte Mai von der US-Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt wurde.

Zusätzlich mussten die beiden Anbieter den Verkaufsstart ihrer Falt-Telefone verschieben, nun sollen sie im Herbst verfügbar sein. Während der Branchenprimus Samsung sein „Galaxy Fold“ auf der IFA präsentierte, stand beim chinesischen Konkurrenten Huawei die Vorstellung seines „Mate X“ an.

Samsung gab außerdem bekannt, ein 5G-fähiges Smartphone in der mittleren Preisklasse auf den Markt zu bringen.

Die Hoffnung auf mehr Dynamik am Smartphone-Markt betrifft längst nicht nur die Hersteller. Auch die Industrie ihrer Zulieferer hängt davon ab. Ein Beispiel dafür ist der heimische Halbleiterkonzern ams AG, dessen Aktien an der Zürcher Börse notieren. Sein Aktienkurs kam im Zuge der Handelsstreitigkeiten unter Druck.

Entscheidend für eine Entspannung werden neben den politischen Fortschritten zwischen den USA und China der rasche Ausbau der 5G-Infrastruktur in den einzelnen Ländern sowie die Nachfrage nach neuen Handys sein – und in diesem Bereich sind die Erwartungen an die Internationale Funkausstellung hoch.


In Technologieaktien und Megatrends investieren:

Der neue Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST investiert in 5 potenzielle Megatrends – wie Gesundheit & Vorsorge, Lebensstil, Technologie & Innovation, Umwelt & saubere Energie und Aufstrebende Märkte.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Hanf vs. Krypto

Die Kursentwicklung der jeweiligen Indices der Hanf-Branche und von Kryptowährungen zeigen spezielle Gemeinsamkeiten, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Werden die positiven Eigenschaften beider Sektoren nun miteinander verbunden, so bietet diese Kombination eine gute Perspektive für die Zukunft.

Die Hanf-Branche ist ein Kultthema der modernen Finanzindustrie. Vor wenigen Jahren waren die drei Branchen Cannabis als Genussmittel, Cannabis als Medizin sowie Nutzhanf als nachhaltiger Bio-Rohstoff noch keine Pressemeldung wert. Seitdem gab es eine fulminante, teils globale Entwicklung, sodass die Hanfindustrie innerhalb weniger Jahre ein rasantes Wachstum erlebte und gegenwärtig mit ca. 40 Milliarden Euro kapitalisiert ist.

Kryptowährungen sind seit 2008 ein viel diskutiertes Thema der Finanzindustrie, funktional durch die Blockchain Technologie. Unbestritten ist es ein innovatives Thema der FinTech Branche, wäre da nicht der horrende Energieverbrauch. Es gibt mittlerweile über 1000 Kryptowährungen mit einem summierten jährlichen Energieverbrauch und CO2 Ausstoß gleichzusetzen mit einer Million Trans-Atlantik Flügen, oder aber dem jährlichen Energieverbrauch einer Volkswirtschaft wie Irland. In Zeiten der globalen Klimakrise wird somit die fehlende Nachhaltigkeit deutlich.

Die Kursentwicklung der jeweiligen Indices zeigen hingegen spezielle Gemeinsamkeiten. 
Zeitweise ein astronomisches Wachstum gepaart mit einer extremen Volatilität. 
Gegenwärtige Kurseinbrüche der Cannabisindustrie gingen Kurseinbrüche der bekanntesten Kryptowährungen Bitcoin, Litecoin oder Ethereum voraus. Die Branchen verhalten sich häufig alternierend zur etablierten Finanzindustrie und bieten ein vielseitiges zukünftiges Potenzial.

Hanf bietet zudem bereits ein reales Wirtschaftswachstum und einen vielseitigen Umweltschutz. Arbeitsplätze entstehen und Steuern werden generiert, wie in Kanada, Kalifornien oder Colorado bereits ersichtlich ist. Die junge nordamerikanische Cannabis-Industrie wächst, auch wenn die Branche teils durch fehlende Infrastrukturen gebremst wird und letztendlich politisch beeinflusst wird.



Während politische und ökonomische Unruhen die Finanzmärkte verstimmen, gilt Bitcoin als Piraten-Devise und alternativer Hafen. Genau als die USA und China gegenseitig Strafzölle verhängen befindet sich der Bitcoin wieder auf einem Höhenflug.

Ebenso ist die Krypto-Industrie nicht frei von Skandalen, wie etwa als der Chef einer kanadischen Krypto-Börse verstarb, seine Passwort geschützten Zugänge mit ins Grab nahm, und über 115.000 Kunden ca. 150 Millionen Dollar verloren.


Sollte es zukünftig tatsächlich eine Energiewende geben, in der erneuerbare Energien gänzlich etabliert werden, sind Kryptowährungen ein gefragtes Zahlungsmittel ohne negative Konsequenzen für die Umwelt. Potenziell ein Zahlungsmittel der Zukunft.

Aktuell sollte Investoren bewusst sein, dass Bitcoins und Co. außerordentlich energiebedürftige digitale Währungen darstellen, während die Hanfindustrie Biorohstoff, Medizin und ein Genussmittel liefert. Werden die positiven Eigenschaften beider Sektoren nun miteinander verbunden, so bietet diese Kombination eine gute Perspektive für die Zukunft. 


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 11 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Monetary taps: not so wide open

In positioning for huge central bank stimulus, investors have put themselves in a tight spot, explains Steve Donzé, Senior Macro Strategist at Pictet Asset Management.

An opening of the monetary taps. This is what stock markets have come to expect whenever global growth stumbles.

But this time round, it would take a truly monumental effort for the world's major central banks to deliver the kind of monetary easing equity investors are hoping for.

According to our model, the S&P 500’s current valuation implies a monetary stimulus of as much as USD1.5 trillion over the coming 12 months, or 2.5 per cent of global GDP.1

If investors are right, this would represent a sharp reversal of the current trend. The amount of new liquidity provided by central banks has been contracting at a rate of 0.5 per cent in the past six months.

Yet there is a strong chance investors could be wrong – not least because the gap between the expected and current volume of liquidity provision as a proportion of GDP is at its widest in a decade.

EXPECTATION VS REALITY

Major 5 central bank policy liquidity flow, 6-month rolling, % of GDP

Source: Pictet Asset Management, Refinitiv

We think central banks will press on the monetary accelerator again – but with far less force than markets are discounting.

Supersized bond buying from the European Central Bank – likely to be announced in September – should add EUR600 billion of fresh stimulus. Yet even when we add to that another four interest rate cuts from the US Federal Reserve – a liquidity injection worth USD200 billion – and the Swiss National Bank’s currency intervention – euro zone bond buying worth CHF10 billion in the past four weeks – monetary authorities will struggle to meet the market’s lofty expectations.

Investors should, then, brace themselves for disappointment.


1) Our model on liquidity, along with business cycle, valuation and market technicals, forms the basis of our assessment of the global market environment which we use to build multi asset portfolios. Policy liquidity flow is calculated as central bank net liquidity injection over preceding 6 months, as % of nominal GDP, using current-USD GDP weights (US: 37.9%, China: 24.5%, EMU: 23.6%, Japan: 9.0%, UK: 5.0%). Implied liquidity calculated using regression of S&P 500 index against global policy liquidity stock. Sources: Pictet Asset Management, Refinitiv.

Über Steve Donzés

Steve Donzés Schwerpunkt liegt auf Liquidität, der Lebensader der Märkte und der Wirtschaft. Als Senior Macro Strategist und Mitglied unserer Strategy Unit hat er leitende Verantwortung für Analysen und Prognosen der globalen Liquiditätsbedingungen. Neben seiner strategischen Arbeit ist Steve Donzé Co-Manager verschiedener Multi-Asset-Anlagestrategien und sitzt im Taktikausschuss des Pictet Pension Fund. Er beteiligt sich regelmässig an der öffentlichen Debatte über die Geldpolitik und äussert sich in der Financial Times und bei Reuters.
Bevor er 2007 zu Pictet Asset Management wechselte, hatte er Positionen bei der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Mission der Schweiz bei der UNO inne.
Steve Donzé besitzt einen Doktortitel der London School of Economics und einen Master-Abschluss des Graduate Institute of International Studies.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Signale aus dem Akti­enmarkt selbst sind mehrheitlich negativ

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist nach wie vor der größte Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft und für die Finanzmärkte. Dies gilt allerdings nicht nur im negativen Sinne. Das haben nicht zuletzt die Entwicklungen im August gezeigt. Den beiderseitigen Ankündigungen neuer und höherer Zölle folgten unmit­telbar beschwichtigende Worte. Entsprechend werden auch die Märkte hin und her geworfen. Es scheint, dass keine der beiden Parteien als Verlierer vom Platz gehen möchte, immerhin könnte das vom politischen Gegner als Schwä­che ausgelegt werden. Andererseits können weder die USA noch China eine Rezession ge­brauchen. Der Ausgang bleibt somit ungewiss. Dies macht jegliche Kapitalmarkteinschätzung nicht einfacher. Fest steht allerdings: wenn man mit einem Schlauchboot auf einen Wasserfall zufährt, gibt es einen bestimmten Punkt, an dem kein Gegenrudern mehr hilft, man wird von der Strömung in die Tiefe gerissen. Momentan sind wir vermutlich (oder hoffentlich) noch vor diesem Punkt. Das zeigen die Wirtschaftsdaten, die zwar im Produktionsbereich sehr schwach sind, im Dienstleistungsbereich allerdings noch recht robust aussehen. Die Unternehmen ver­dienen gut, die – für die Finanzmärkte relevan­ten – Aussichten werden aber kontinuierlich nach unten revidiert. Die Signale aus dem Akti­enmarkt selbst sind mehrheitlich negativ. Technische Indikatoren wie Momentum und Marktbreite haben sich spürbar verschlechtert. Die Daten zur Investorenstimmung sind unter­ dessen uneinheitlich. In Summe rechtfertigen die Indikatoren eine Reduktion der Aktienquote in der Taktischen Asset­-Allocation. Dies geschieht zu Gunsten von Edelmetallen. Gold und Silber haben in den letzten Wochen nach jahrelangen Abwärtstrends ein Lebenszeichen von sich gegeben. Die guten Gründe für stei­gende Preise dürften nunmehr stärker wahrgenommen werden.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Der Zinssenkung folgte Abschwächung

„Buy on rumours, sell on facts.“ Gleich nach der vom Markt heiß ersehnten Leitzinssenkung der US­-Noten­bank drehten die Aktienmärkte global nach unten. Nun traten wieder Konjunkturängste und die Folgen des wieder eskalierenden Handelskonflikts der USA mit China und der übrigen Welt in den Vordergrund. Letztlich verloren im August alle Märkte, allen voran die Emerging Markets: nicht nur China und damit Asien, auch Russland und Osteuropa sowie Latein­amerika, vor allem durch die Argentinien-­Krise. Dort verlor auch die Währung beträchtlich.

Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) ist zuletzt wieder angestiegen, jedoch von Krisenniveaus weit entfernt.

Die Marktindizes liegen seit Jahresbeginn noch deutlich im Plus, letztlich befinden wir uns seit Ende April in einer Seitwärtsbewegung. Die Aussicht auf weitere Lockerun­gen der führenden Notenbanken besteht weiter. Aber die Emerging Markets haben gesamtheitlich im August die halbe Jahresperformance aufgeben müssen, man sieht, dass das Eis doch recht dünn geworden ist.

Aktien USA und Europa: Nur noch seitwärts

Die Märkte tendierten in den letzten Wochen seitwärts, wobei weiterhin weniger Fundamentaldaten im Mittel­ punkt stehen, als vielmehr erneut politische Themen wie etwa die Handels- und Geldpolitik. Trotz der in den USA bis zuletzt mit positivem Grundton verlaufenden Berichterstattung, das Wachstum bei den Unternehmensgewinnen schwächt sich global gesehen deutlich ab: Für den Weltaktienindex ist die Dynamik in den letzten Monaten zunehmend negativ. Die 12-­Monats­ veränderung ist nur noch einstellig positiv, während die 6-Monatsveränderung bereits ein negatives Vorzeichen aufweist.

In Anbetracht der rückläufigen konjunkturellen Vorlaufindikatoren, den zunehmend vorsichtig werdenden Ausblicken der Unternehmen und den negativen Analystenrevisionen bei den Gewinnschätzungen, ist mit schwächeren Unternehmensergebnissen in den kommenden Berichtsperioden zu rechnen.

Aufgrund sich weiter verschlechternder Fundamentaldaten gehen wir aktuell eine Aktienuntergewichtung ein.

Emerging Markets: Schwacher August und weiter Vorsicht

Die Diskussionen, inwieweit eine globale Rezession bevorsteht und das Hin und Her im Handelskonflikt sind eine Gemengelage, die für Emerging Markets nichts Gutes bedeutet. Daher verlief der August für Emerging-Market­-Aktien recht enttäuschend, auch im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten. Zuletzt hat sich auch der Gewinntrend wieder entgegen den zuletzt aufgekommenen Erholungstendenzen verschlechtert. Wir bleiben weiter dabei, Emerging-Market-Aktien vorsichtiger zu gewichten bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-­Market-­Aktien jedoch attraktiv bewertet.

Argentinien weint (wieder) – Analyse zur Lage

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Alberto Fernandez, der linksgerichtete Herausforderer des im Amt befindlichen Präsidenten Mauricio Macri, gewann die Vorwahlen im August in überzeugender Manier.

Kein einziger Meinungsforscher hätte auf so einen Ausgang getippt, womit auch der Markt am falschen Fuß erwischt wurde. Fernandez gilt als dem Kirchnerismus verbunden, wobei er allerdings bestrebt ist, diesen Eindruck nicht zu bestätigen.

Ungeachtet dessen ist seine Vizepräsidentschaftskandidatin Christina Kirchner, welche vor Mauricio Macri das Präsidentenamt innehatte und für die vollkommene Isolation des Landes von den internationalen Kapitalmärkten während ihrer Amtsperiode verantwortlich zeichnet.

Kommende Wahlen verschrecken Anleger

Die letztlich ausschlaggebenden Wahlen werden am 27. Oktober abgehalten, aber derzeit sieht eine zweite Amtsperiode für Macri eher unwahrscheinlich aus. Diese Aussicht verschreckt die Anleger, da sie die Rückkehr zu einer unorthodoxen und populistischen Einstellung zum Markt sowie eine provokative Haltung dem IWF gegenüber unter einem Fernandez-Kabinett befürchten.

Die Anleihekurse am Sekundärmarkt fielen auf ein Niveau, welches Zahlungsunfähigkeit als fast sicheres Ereignis einkalkulierte.

Die weit verbreitete Angst im Markt macht es bereits beinahe unmöglich für Argentinien, sich am lokalen Kapitalmarkt zu refinanzieren. Dies veranlasste die Behörden dazu, eine verpflichtende Reprofilierung für in Kürze fällig werdende, lokale Schuldtitel zu verhängen.

Kein Schuldenschnitt

Darüber hinaus kündigte Macri an, eine „freundschaftliche und freiwillige Reprofilierung“ der Auslandsschulden Argentiniens anzustreben, dies allerdings ohne Schuldenschnitt („haircut“).

Auch verwies er auf die „Notwendigkeit“ von Gesprächen hinsichtlich der Rückzahlungsstruktur bestehender IWF-Kredite, womit er den Fonds – welcher das Macri-Kabinett bis dato nach Kräften unterstützt hat – womöglich vor den Kopf stoßen könnte. Fernandez ist konkrete Informationen bezüglich seiner Haltung zu derlei Maßnahmen bisher schuldig geblieben.

Dies ist von Relevanz, da es im Falle eines Wahlsiegs womöglich seinem Kabinett obläge, selbige in die Tat umzusetzen.

Erste Runde an Kapitalkontrollen

Über das Wochenende implementierten die argentinischen Behörden die erste Runde an Kapitalkontrollen, um dem Abfluss von Devisenreserven Einhalt zu gebieten.

Die Bedienung von Auslandsschulden ist bisher noch nicht von den Kontrollen betroffen.

Mittlerweile steht das Land bei den meiste Rating-Agenturen auf „Selective Default“ (d.h. teilweise, selektive Bedienung bzw. Nichtbedienug von Schulden). Solch eine Situation wird vermutlich zu einem Kreditereignis am CDS-Markt führen.

Es ist schwer abzuschätzen, ob die derzeitigen Preisniveaus ein Restrukturierungsergebnis exakt reflektieren, aber ceteris paribus sind wir unserer Meinung nach nahe an Verwertungsniveau.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Handelskriege schmerzen - Edelmetalle als Oase in der Rohstoff-Wüste

von Nitesh Shah, Director Research und Rohstoff-Experte bei WisdomTree.

Präsident Trumps und Präsident Xis endloses Zaudern bei den Handelsgesprächen tragen zur Angst auf dem Markt bei. Nicht nur die Rohstoffmärkte, auch die großen Aktienmärkte und andere zyklische Anlagen leiden. Das Zaudern der Lenker beider Supermächte erinnert an König Midas legendäre Macht in der griechischen Mythologie. Edelmetalle - insbesondere Gold und Silber - scheinen die Oase in der ausgetrockneten Wüste der Investitionsmöglichkeiten zu sein. In diesem Monat geht es nicht nur um Handelskriege, die Investoren Sorgen bereiten: Geopolitische Bedenken im Nahen Osten, die Wirtschaftskrise in Argentinien, ein womöglich harter Brexit und soziale Unruhen in Hongkong – um nur einige Themen zu nennen. Die Panik beansprucht die Märkte, viele Kommentatoren sprechen von der nächsten globalen Rezession. Eine vorübergehende Umkehrung der US-Anleihezinskurve wurde von vielen als unheilvolles Zeichen für eine möglicherweise bevorstehende US-Rezession angesehen. Negative Bruttoinlandsprodukte in Großbritannien und Deutschland im zweiten Quartal 2019 wirken als Problembeschleuniger. Obwohl wir darauf verweisen, dass es in der Vergangenheit mehr Kurveninversionen als Rezessionen gegeben hat und die Inversion sowieso nur vorübergehend war. Es ist klar, dass sich die Aufmerksamkeit der Anleger und der Zentralbanker nun auf die Vermeidung der nächsten Krise konzentriert.

Die Diskussionen darüber, wie die nächste Krise vermieden werden kann, werden beim Jackson Hole Symposium noch in dieser Woche anschwellen. Auf der in Wyoming stattfindenden Konferenz tauschen Zentralbanker, Wissenschaftler und Ökonomen aus der ganzen Welt ihre Ansichten aus. In einer Phase von Handelskriegen und wetteifernden Währungsabwertungen stellt sich die Frage, ob die Zentralbanken bereit sind, eine globale Antwort zu geben, oder ob es im Ergebnis bei einer "Beggar-the-neighbour“ Politik kommt, die einem einzelnen Land auf Kosten anderer Länder hilft? Die Furcht vor Letzterem wird die Entschlossenheit des Marktes, defensive und schwer zu verwertende Hard Assets zu halten, noch einmal verfestigen. Da wir wissen, dass Handelskonflikte von bestimmten politischen Entscheidungsträgern an sich leicht gelöst werden können, besteht auch die Gefahr, dass es verfrüht sein könnte, wenn die Notenbanken den Markt mit Liquidität überschwemmen, da dies die Vermögenswerte weiter verzerren könnte. In dieser Phase der Unsicherheit greifen die Anleger zu Recht nach Absicherungsinstrumenten.

17 Billionen US-Dollar negativ verzinsliche Anleihen weltweit und die Angst vor einem konjunkturellen Abschwung könnten Investoren dazu veranlassen, nach alternativen Anlagen zu suchen. Rohstoffe sind wahrscheinlich eine Anlaufstelle. Obwohl einige davon im Fadenkreuz des Handelskrieges stehen, werden die Vorteile von Finanzinstrumenten, die durch harte Vermögenswerte gestützt werden, genau analysiert. Das Argument für Zero-Yielding-Assets wie Gold und Silber ist aus historischer Sicht stark, wenn die Alternativen dazu Assets mit negativen Erträgen sind.

Ergebnisse nach Sektoren:

  • Agrarrohstoffe stehen im Mittelpunkt des US-amerikanischen und chinesischen Handelskonflikts. Steigende Handelsspannungen in Verbindung mit besser als erwarteten Ernteprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) haben die Performance der meisten Agrarrohstoffe im vergangenen Monat beeinträchtigt, mit Ausnahme von Sojaöl. Die Short-Positionierung bei den meisten Agrarrohstoffen mit Ausnahme von Sojaöl und Lean-Schweinen ist gestiegen und unterstreicht das Bären-Sentiment.
  • Edelmetalle waren eine Oase in der ausgetrockneten Wüste der Rohstoffe. Die defensiven Eigenschaften von Gold und Silber sind in verunsicherten Finanzmärkten gefragt, wo nicht absehbar ist, wie sich die Finanzmärkte entwickeln werden, wenn Handelskriege andauern und sich die Zentralbanken auf der ganzen Welt auf eine einfache politische Festlegung einstellen.
  • Industriemetalle stehen unter Druck angesichts des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts. Sie sind aufgrund ihres zyklischen Charakters in der Regel Konjunktureinflüssen gegenüber am empfindlichsten. Die erneute Eskalation der Handelskriege, die Stärke des US-Dollars und die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft haben den Industriemetallkomplex belastet.
  • Globale Nachfragebedenken treiben die Energiepreise nach unten. Der Energiekomplex hatte einen negativen Monat, da schwache Wirtschaftsdaten und die Fortsetzung des Handelsstreits zwischen den USA und China Bedenken hinsichtlich einer geringeren Nachfrage über einen längeren Zeitraum aufkommen ließen.

Können wir einen holistischen Marketplace gründen, der als Vehikel für nachhaltige Produkte dient?

Die Interessen verschiedener Gesellschaftsschichten stehen häufig im Konflikt. Mit einem holistischen Marketplace, der sich Profiten zwar nicht verweigert, aber das Ziel hat, zum Vorteil Aller zu sein, wollen wir mit unserem Startup KayKay verschiedene Interessen vereinen, erklärt Martin Kreitl, Initiator von KayKay. Für dieses Konzept suchen wir derzeit mutige Investoren und Interessenten.

Digitale Kaufberatung durch KayKay

Das spezifische Ausgangsproblem, das unser Startup KayKay lösen möchte, hat jeder schon einmal erlebt. Man sucht im Internet ein passendes Produkt für ein Bedürfnis oder einen Konsumwunsch. Je nach Shopping-Charakter eines Menschen kann dies ein zeitaufwendiger und anstrengender Prozess sein. Am Ende bricht man den Such- oder Kaufprozess dann doch wieder ab, weil man sich von der Auswahl erschlagen fühlt und eine wirklich hilfreiche digitale Kaufberatung fehlt. Kein Wunder, denn neuropsychologische Studien belegten jüngst, dass das nahezu endlose Produktregal entscheidungstechnisch höchst ineffizient ist.

Insbesondere die Suche nach nachhaltigen Produkten im E-Commerce empfinden wir derzeit als nur sehr unzufriedenstellend gelöst.

Wir wollen deshalb einen skalierbaren Marketplace für nachhaltige Produkte erschaffen. Als nachhaltig definieren wir alle Produkte, die ein staatliches Umweltzeichen oder etabliertes Vereinszeichen tragen dürfen. Anstatt sich klassischerweise auf der Suche nach dem passenden Produkt durch einen schier endlosen Produktkatalog zu klicken, wird man bei KayKay durch ein mehrschichtiges KI-Beratungssystem zum passenden Produkt geführt, ohne dabei bevormundet zu werden.

Durch drei Features, die dem Nutzer das Auffinden und Aussuchen von Produkten vereinfacht, hebt sich KayKay von anderen Produktkatalogen zusätzlich ab:

  1. Das grundlegendste Feature unseres mehrschichtigen Beratungssystems sind die authentischen Produktkarten. Jede Produktkarte besitzt umfassende Informationen zum Produkt. Über unsere Smartphone-App kann zusätzlich jeder ein Video zu einem Produkt erstellen. So kann ein Handwerker, der sich mit nachhaltigen Wandfarben auskennt, das jeweilige Produkt in einem Video rezensieren; oder eine Beauty-Bloggerin kann mit dem Smartphone ein Produkt aus der Bio-Kosmetik in einem Video vorführen. Ein solches Video lässt es zu, dass ein potentieller Käufer einen schnelleren und authentischeren Eindruck über das jeweilige Produkt gewinnen kann als dies beispielsweise durch reine Fotos oder geschriebene Rezension der Fall wäre.
  2. Das nächste Feature ist das Produkt-Clustering ähnlich einer Google Maps Karte. Durch unseren speziellen Clustering-Algorithmus lässt sich aus einer Produkt-Datenbank eine virtuelle Produktwelt erstellen, bei denen statt Häuser in einer Stadt Produktkarten in mehreren Subclustern zu sehen sind, die zusammen ein großes Sortimentcluster ergeben. Sucht man nun ein Produkt oder mehrere Produkte einer Nische, so wird man zum jeweiligen Produkt oder Subcluster hinein gezoomt und kann sich die Produkte genauer ansehen und vor allem deren Relationen zueinander intuitiv nachvollziehen.
  3. Das dritte Feature ist das Quartettkartenspiel zur Produktauswahl. Dabei können maximal 16 Produkte für ein Quartettkartenspiel ausgewählt werden. Es müssen jedoch nicht zwingend 16 Stück ausgewählt werden. Die restlichen Produkte werden durch unseren DeepLearning-Algorithmus aus den Gemeinsamkeiten der bisher ausgewählten Produkte ergänzt. Dann spielt man ein Produkt gegen ein anderes Produkt und entscheidet sich für das besser Zusagende bis ein Siegerprodukt übrig bleibt. Auf diese Weise lasst sich auf transparente Weise ein Entscheidungsprozess begleiten.

In drei Schritten vom Affiliate über einen Marketplace zur Genossenschaft

Um KayKay am Markt zu etablieren leiten wir in Phase 1 (Pre-Seed) des Geschäftsmodells von unserer Plattform per Affiliate-Links zu den jeweiligen Shops von nachhaltigen Herstellern (z.B. Weleda, Hess Natur) weiter, auf denen ein nachhaltiges Produkt gekauft werden kann und erhalten im Falle eines Kaufs eine Affiliate-Provision. In Phase 2 werden wir zum dann Marketplace. Wir entwickeln eine Schnittstelle, bei der überregionale sowie lokale Hersteller oder Händler von nachhaltigen Produkten sich bei uns anmelden und seine Produkte anbieten kann.

Die eigentliche Vision, die uns jedoch antreibt, ist ein holistisches System nach dem Vorbild des lange verschollenen Buches »Solidarismus: Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen« von Rudolf Diesel. Rudolf Diesel schlug bereits 1903, sehr grob zusammengefasst und auf heute übertragen, eine Genossenschaftsbank vor, in die jedes Mitglied beispielsweise 1€ pro Monat, also 12€ pro Jahr, einzahlt. Bei beispielsweise 10 Millionen freiwilligen Mitgliedern kommen so jedes Jahr 120 Millionen Euro in die Kassen. Dieses Geld wird einzig und allein dafür verwendet, denjenigen Menschen, die unternehmerische Ideen umsetzen wollen und dafür einen Kredit bei einer anderen Bank beantragen wollen, die Bürgschaft zu übernehmen. Dieses Geld würde also nur gebraucht werden, wenn eine Bürgschaft tatsächlich in Anspruch genommen werden müsste. Ansonsten könnte es möglicherweise gar am Anleihenmarkt sehr langfristig angelegt werden. Im Gegenzug zur Bürgschaft verpflichtet sich der Kreditnehmer bei Erfolg seiner Unternehmensidee seine Produkte an die Mitglieder der Bank (für eine gewisse Zeit oder eine gewisse Stückzahl) zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. Selbstverständlich können hierbei die Produkte auch an Menschen außerhalb der Bank zu einem im Markt konkurrenzfähigen Preis verkauft werden.

In Phase 3 wollen wir deshalb mit einer Bank kooperieren. Zunächst können Menschen, die die digitale Plattform KayKay gut finden und gerne nutzen, für einen Jahresbetrag, beispielsweise 12€ oder auch 50€, Mitglied unserer Genossenschaft werden. Dafür erhalten sie einige Vorteile auf der Plattform und vor allem Zugang zu allen Produkten, die im Selbstkostenpreis-Programm entstehen. Will nun beispielsweise jemand eine kleine fast vollautomatisierte Schuhfabrik mit 3D-Drucker in Deutschland aufbauen und einen Kredit in Höhe von beispielsweise 10 Millionen Euro bei einer Kreditbank beantragen, so würde KayKay die dafür benötigte Bürgschaft übernehmen, sofern gewisse Auswahlkriterien erfüllt sind. Diese Fabrik würde nun beispielsweise Schuhe aus recyceltem Plastik produzieren und im freien Markt für 50€ verkaufen. Mitglieder der Genossenschaft würden diese Schuhe für einen Selbstkostenpreis erhalten, der vielleicht bei 5€ liegen würde.

Auf diese Weise würde sich ein holistisches System kreieren lassen, welches sowohl ökologisch als auch sozial nachhaltig agiert und innovative Ideen fördert.

Wir wollen mit KayKay holistischen Marketplace gründen, der sich Profiten zwar nicht verweigert, aber das Ziel hat, zum Vorteil Aller zu sein.

Für dieses Konzept suchen wir derzeit mutige Investoren und Interessenten.


Über den Autor

Martin Kreitl ist Initiator von KayKay und wird künftig als Geschäftsführer die Vision von KayKay voranbringen. Gleichzeitig übernimmt er das User Experience Design. Er absolvierte ein Diplom als Designer (Visuelle Kommunikation) an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und ein Auslandssemester and der Zürcher Hochschule der Künste im Master »Transdiziplinarität«.
Mail: servus@kaykay.app
Web: martinkreitl.com 

Teammitglieder

Elisabeth Keck wird die Rolle des CFO übernehmen und damit betriebswirtschaftliche und juristische Fragestellungen verantworten. Sie absolvierte zunächst ein Diplom (FH) in Biotechnologie, dann ein Diplom (FH) in Wirtschaftsingenieurwesen und befindet sich nun in den letzten Zügen ihres juristischen Staatsexamens.

Michael Zitzelsberger übernimmt die Rolle des CTO und damit die Erstellung und Weiterentwicklung der Software und Systemarchitektur. Er absolvierte ein Diplom (FH) in Informatik. Er arbeitete als Freiberufler für Kunden wie beispielsweise Audi und Skoda.

Gesucht: Ein Netz des 21. Jahrhunderts, das Energie für eine kohlenstofffreie Zukunft liefert

Erneuerbare Energie ist günstig geworden und im Überfluss vorhanden. Jetzt brauchen wir nur noch eine moderne Netzinfrastruktur, damit wir diese Energie besser nutzen können, erklärt das Clean Energy Advisory Board von Pictet Asset Management.

Indiana ist von allen US-Bundesstaaten der zweitgrößte Kohlekonsument. Und gehört gleichzeitig zu den 10 größten Produzenten in den USA. Warum also hat der Bundesstaat beschlossen, Kohle zu verbannen? Die Antwort ist einfach: die Kosten.

Indiana, das seit den 1830er Jahren Kohle abbaut, wendet sich jetzt von fossilen Brennstoffen ab und stellt auf Solar- und Windenergie um, weil sich dadurch – so der größte regionale Versorger – mehrere Milliarden US-Dollar für die Verbraucher einsparen lassen.

Indiana ist kein Einzelfall. Auch in anderen US-Bundesstaaten und anderen Ländern sind die Kosten für die Erzeugung erneuerbarer Energie stark gesunken, sodass Solar- und Windenergie den fossilen Brennstoffen bald den Rang ablaufen wird.1

Das sind gute Neuigkeiten für die Städte und Länder, die auf der einen Seite die für die Erderwärmung mitverantwortlichen Kohlenstoffemissionen senken müssen, auf der anderen Seite aber der explodierenden Nachfrage nach Strom im Zuge des rasanten Wachstums vernetzter Geräte, Fahrzeuge und Gebäude Rechnung tragen müssen.

Günstige und saubere Energie ist jedoch nutzlos, wenn sie nicht dort hingelangt, wo sie benötigt wird, und das Tag und Nacht, ohne Unterbrechung. An dieser Stelle kommt das Stromnetz ins Spiel.

Stromnetze stimmen die erzeugte Strommenge auf die Last bzw. die entnommene Menge ab. Die heutige Netzinfrastruktur ist allerdings durch extreme Wetterereignisse wie Hurrikans und Waldbrände stark angeschlagen und kann die Flut an erneuerbarer Energie gar nicht bewältigen.

Aufgrund der Unberechenbarkeit von Sonne oder Wind sind diese Energiequellen auch wenig geeignet für eine Energieversorgung in großem Stil.

Die Welt muss also eine moderne Übertragungsinfrastruktur entwickeln.

Um sich über mögliche Lösungen zu informieren, haben Mitglieder des Pictet-Clean Energy Advisory Board (AB) und das Investmentteam der Strategie vor kurzem das National Renewable Energy Laboratory (NREL) in Denver und das Electric Power Research Institute in Palo Alto besucht, zwei Einrichtungen, die für ihre wegweisende Forschung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien bekannt sind.

Dort konnten sich unsere AB-Mitglieder selbst von den Fortschritten bei Technologie auf Basis von erneuerbarer Energie überzeugen und bekamen ganz neue Einblicke in den Infrastrukturbedarf, der aus der Verbreitung von Elektrofahrzeugen resultiert, sowie in die Herausforderungen und Chancen bei der Integration des wachsenden Anteils erneuerbarer Energie in das Stromnetz.

Aus alt mach neu

Das aktuelle Netz basiert auf einem Ein-Wege-System, bei dem Elektrizität von den Kraftwerken zu den privaten Haushalten und den Unternehmen fließt. Die Übertragung erfolgt sowohl über lange als auch kurze Strecken in Form von Wechselstrom.

Der Wechselstrom hat sich seit seiner Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts, als er siegreich aus dem Stromkrieg hervorging und zum Standard für Stromnetze in aller Welt wurde, kaum verändert.

Mithilfe eines Transformators kann die Spannung problemlos hoch- oder heruntergesetzt werden. Seine größte Schwäche ist jedoch, dass er auf seinem Weg Energie verliert. Bei einer gegebenen Spannung ist der Verlust bei einem Wechselstromsystem gut doppelt so hoch wie bei einem Gleichstromsystem, mit dem sich Energie günstiger und effizienter über sehr lange Strecken transportieren lässt.

Noch deutlicher werden die Nachteile von Wechselstrom beim Transport von erneuerbarer Energie, weil Energie aus Solar-, Wind- und Wasserkraft in der Regel weit weg vom Ort der Nutzung erzeugt wird.

Aus diesem Grund beläuft sich bei Wechselstromnetzen die Stromerzeugungskapazität aus erneuerbarer Energie auf gerade einmal 15% des gesamten Strommixes, so Schätzungen unserer AB-Mitglieder.

Eine Erhöhung dieses Anteils könnte das Netz destabilisieren und zu regelmäßigen Stromausfällen führen.

Anders sähe es mit Gleichstrom aus.

KRÄFTEMESSEN

Wie UHGÜ die Integration erneuerbarer Energie in das Netz beschleunigt

Quelle: Pictet Asset Management, Tepco, CEERT

In ihrer modernen Form ist die Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (UHGÜ) sogar noch leistungsstärker und ermöglicht die Übertragung von Spannungen bis 1.100 kV, beim herkömmlichen Gleichstrom sind es nur 1,5 kV.

UHGÜ kann auch nicht vernetzte Wechselstrom-Übertragungssysteme in verschiedenen Gebieten verbinden (siehe Abbildung). Das bedeutet, dass ein UHGÜ-basiertes Makronetz den Betreibern die Möglichkeit bietet, verschiedene Quellen sauberer Energie hunderte oder tausende Kilometer entfernt anzuzapfen und dann je nach Bedarf und Wetter zwischen den Quellen zu wechseln.

Fast zehn Jahre, nachdem China als erstes Land der Welt UHGÜ einführte, wurde dort Anfang 2019 die längste und leistungsstärkste UHGÜ-Leitung der Welt in Betrieb genommen. Die Leitung hat eine Gesamtlänge von über 3.000 Kilometern – mehr als die Entfernung zwischen London und Moskau. Sie transportiert 66 Mrd. Kilowatt Strom pro Stunde aus dem entlegenen Nordwesten des Landes – wo in ausreichendem Masse Solar- und Windkraft vorhanden ist – zu dem dicht besiedelten Osten und versorgt 50 Millionen Haushalte mit Energie.

UHGÜ erfreut sich auch in anderen Ländern wachsender Beliebtheit: So plant Europa eine Modernisierung seiner Netzinfrastruktur, mit dem ehrgeizigen Ziel, selbst zu einer „Kupferplatte“ zu werden. Ein starkes innereuropäisches Übertragungsnetz würde die grenzüberschreitende Stromverteilung von Regionen mit viel Sonne oder Wind hin zu Gebieten mit viel Regen und Wolken erleichtern.

Deutschland zum Beispiel entwickelt eine UHGÜ-Trasse für den Transport erneuerbarer Energie vom windreichen Norden zu den verbrauchsintensiven Regionen im Süden.

Das als Südlink bezeichnete, 800 km lange Projekt trägt dazu bei, dass Deutschland sein nationales Ziel – die Gewinnung von 65% seiner Energie aus erneuerbaren Quellen bis spätestens 2030 (zurzeit sind es 38%) – erreicht.

Kritiker sagen, die hohen Investitionskosten für UHGÜ sind ein großes Hindernis für deren Akzeptanz.

Die langfristigen Vorteile könnten jedoch enorm sein. Nach Einschätzung unseres Wissenschaftlichen Beirats amortisieren sich Infrastrukturprojekte in Europa in der Regel nach drei bis fünf Jahren dank Einsparungen durch höhere Effizienz.

Die Netzinfrastrukturprojekte in Europa amortisieren sich in der Regel nach drei bis fünf Jahren dank Einsparungen durch höhere Effizienz.

Wind aus Wyoming

Die USA, der weltgrößte Energiekonsument, steigt ebenfalls auf Gleichstrom um.

Das 3 Mrd. US-$ schwere TransWest Express Project sieht die Installation einer UHGÜ-Übertragungsleitung für den Transport von Windkraft aus Wyoming über eine Strecke von mehr als 1.000 Kilometern nach Kalifornien vor. Dort ist man gierig nach sauberer Energie, weil damit die Ziele für die Kohlenstoffreduzierung erreicht werden sollen.

Das NREL schätzt, dass sich dadurch Einsparungen von 1 Mrd. US-$ für die Verbraucher in Kalifornien erzielen lassen.2

Untersuchungen des Earth System Research Laboratory haben ergeben, dass sich mithilfe solcher Stromnetze, die eine bessere Nutzung des enormen Windkraftpotenzials ermöglichen, die Kohlenstoffemissionen um 80% gegenüber den Ständen von 1990 senken lassen.3

Investition in eine saubere Welt

Dank neuer und innovativer Netztechnologien kann erneuerbare Energie schnell Fahrt aufnehmen. Damit brechen goldene Zeiten für Anleger an, die von dem langfristigen Wandel zu einer kohlenstoffarmen Welt profitieren dürften.

Das Pictet-Clean Energy Portfolio investiert in Unternehmen, die eine wichtige Rolle beim Umstieg auf saubere Energie spielen.

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Branche bietet eine Fülle an Investmentmöglichkeiten, da der Markt bis 2026 mit einer CAGR von fast 9% auf 16,3 Mrd. US-$ anwachsen dürfte.4

Technologien, die für das UHGÜ-System genutzt werden, dürften ebenfalls ein Wachstum erfahren. Nehmen wir zum Beispiel industrielle Halbleiter, die unverzichtbar für den Betrieb von Stromnetzen sind.

Silizium-Chips werden für die Umwandlung von Strom zwischen verschiedenen Wechsel- und Gleichspannungen und in verschiedenen Frequenzen benötigt, was wiederum hilft, Energieverlust zu minimieren und einen stabilen Stromfluss zu gewährleisten.

Die Nachfrage nach industriellen Halbleitern dürfte sich zwischen 2016 und 2022 auf 81 Mrd. US-$ verdoppeln, mit einem Wachstum von 10% pro Jahr.5


1) Die globalen gewichteten durchschnittlichen Stromgestehungskosten von Solar-PV-Großkraftwerken sind zwischen 2010 und 2017 von ca. 0,36 US-$ um 73 % auf 0,10 US-$ pro kWh gesunken. Quelle: International Renewable Energy Agency
2) https://www.nrel.gov/docs/fy14osti/61192.pdf
3) https://www.nature.com/articles/nclimate2921
4) Stratistics MRC, 8.3.2019
5) PWC

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Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Hanf, Nachhaltigkeit und die Weltklimaziele

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf sämtliche Weltregionen. Es bedarf neben den globalen Handelswegen und der aktuellen Thematik um Freihandelsabkommen unbedingt regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Aber was kann Hanf in dieser komplexen Sachlage bieten?

Das Eis der Polkappen schmilzt ab, der Meeresspiegel steigt. In einigen Regionen kommt es häufiger zu extremen Wetterereignissen und zunehmenden Niederschlägen, während andernorts verstärkt extreme Hitzewellen und Dürren auftreten. Im Juli wüteten Großfeuer nahe des Nordpols in Russland und Kanada. Gegenwärtig brennt es flächendeckend um den Äquatorraum: Sowohl in der Amazonasregion als auch im Süden des afrikanischen Kontinents. Indonesien verlegt für veranschlagte 30 Milliarden Dollar die Hauptstadt von Jakarta nach Borneo, um den Gefahren des steigenden Meeresspiegels entgegenzuwirken.

Die nötigen globalen Gegenmaßnahmen sind umfassend. Sie beinhalten, unter anderem, die Reduktion von Treibhausgasemissionen, petrochemischen Kunststoffen, und der industriellen Massentierhaltung; den Schutz von Forst bzw. Waldbeständen; und die Nutzung erneuerbare statt fossiler Energie. Um die Versorgung und Sicherheit zukünftiger Generationen jedoch sicherzustellen, bedarf es neben den globalen Handelswegen und der aktuellen Thematik um Freihandelsabkommen unbedingt regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten.

Was kann Hanf in dieser komplexen Sachlage bieten?

  • Hanf ist ein regionaler Bio-Rohstoff mit unzähligen Verwendungszwecken:
    Infrastrukturprojekte, beispielsweise, bleiben bei wachsender Weltbevölkerung unabdingbar. Biobasierte Baustoffe können ein Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zum einen speichern sie CO2, das die Hanf-Pflanzen im Wachstum aufgenommen haben, in Form von Kohlenstoffverbindungen für vergleichsweise lange Zeiträume, zum anderen ist der Energieaufwand zur Herstellung häufig gering. So haben Hanffasern einen Energiebedarf zur Herstellung von ca. 10 MJ/kg, Glasfasern benötigen ca. 55 MJ/kg und Carbonfasern ca. 130 MJ/kg.
  • Hanf hat Potenzial, Waldflächen zu schützen:
    In Brasilien wird u.a. Brandrodung für die Erschließung landwirtschaftlicher Fläche betrieben. Diese Flächen werden zumeist für die Nutztierhaltung als auch für die Produktion von Soja-Protein als Futtermittel verwendet. Hanf bietet ein besser verträgliches Protein als Soja und wächst überregional. Hanf liefert somit ein regionales veganes Protein, welches in der zukünftigen Welternährungsfrage eine Schlüsselrolle spielen kann. Des Weiteren werden noch immer Waldflächen zur Herstellung von Papier und Verpackungsmaterial gerodet, obwohl Hanf um ein Vielfaches schneller wächst und funktionalere Fasern bietet.

Mit der Legalisierung der Nutzhanfindustrie im Dezember 2018 in den USA beginnt nun eine ökologische Trendwende. Einerseits verspricht die Industrialisierung umfassendes Wachstum, andererseits einen möglichen Umweltschutz. In Hanf zu investieren bedeutet in die Zukunft zu investieren.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 10 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Wer hat Angst vor der inversen Zinskurve?

Mitte August sorgte ein kleines Beben an den New Yorker Börsen für Aufregung. Sowohl der Dow Jones Industrial Index als auch der Nasdaq Composite Index gingen am 14. August mit satten Einbrüchen von je mehr als 3  Prozent aus dem Handel. Massive Indexverluste an den Aktienmärkten weltweit waren die Folge.

Dabei hatten in den Tagen zuvor Signale einer Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China eigentlich für hervorragende Stimmung unter den Anlegern gesorgt. Auch der US-Präsident hatte sich nicht auffällig geäußert. Was hatte  also den plötzlichen Einbruch an den Börsen verursacht?

Was verrät die Zinskurve über die Wachstumserwartungen?

Am US-Anleihenmarkt war die Rendite für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren unter jene für zehnjährige Schuldverschreibungen gefallen. Eine solche seltene Situation erzeugt eine inverse Zinskurve. Zuletzt war dies 2007 Fall und allen Rezessionen der US-Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahrzehnten ging eine inverse Zinskurve voraus. Daher gilt die als zuverlässiger Vorbote einer Rezession.

Denn wenn Anleger dem Staat Geld leihen, begnügen sie sich üblicherweise bei kurzfristigen Anleihen mit einer niedrigeren Rendite als bei Anleihen, die über zehn oder mehr Jahre laufen. Die Logik dahinter ist einfach: Je kürzer die Laufzeit, umso überschaubarer ist das Risiko der Anlage und damit sinkt die geforderte Verzinsung.

Warum spielt die inverse Zinskurve so eine große Rolle?

Eine inverse Zinskurve deutet darauf hin, dass sich diese Einschätzung der Anleger umgekehrt hat. Sie halten dann das kurzfristige Risiko für höher als jenes für länger laufende Investments. In anderen Worten halten sie es für möglich, dass sich das Wirtschaftswachstum demnächst so sehr abschwächt, dass es dem Staat schwerer fallen wird, seine Schulden zurückzuzahlen.

Gleichzeitig rechnen sie langfristig mit niedrigeren Zinsen, weil sie davon ausgehen, dass die Zentralbanken der Wirtschaft mit billigerem Geld unter die Arme greifen werden müssen.

In diesem Umfeld wird es auch für Unternehmen und Konsumenten teurer, sich kurzfristig Geld zu leihen. Sie schieben daher Investitionen und Kaufentscheidungen auf, weil sie davon ausgehen, dass die Zinsen zu einem anderen Zeitpunkt wieder günstiger werden.

Dies reduziert Investitionen und Konsum, die einen großen Teil wirtschaftlicher Aktivitäten ausmachen und reduziert so tatsächlich das Wirtschaftswachstum.

Warum hat sich die Zinskurve gedreht?

Die Rendite kurzfristiger Anleihen hängt stark von der Zinspolitik der jeweiligen Notenbank ab, weil die Leitzinsen die Attraktivität anderer Finanzprodukte maßgeblich beeinflussen. Langfristige Staatspapiere werden eher von den Inflationserwartungen geprägt, da Anleger bei langen Laufzeiten besonders auf Wertstabilität achten.

In den vergangenen Jahren hat die Federal Reserve (Fed) die Zinsen schrittweise angehoben, was die Renditen zweijähriger Bonds antrieb. Als sie im März überraschend ankündigte, die Geldpolitik wieder zu lockern, normalisierte sich die Zinskurve noch einmal.

Doch als die Fed im Juli schließlich das erste Mal seit 2008 die Leitzinsen senkte, flachte die Zinskurve weiter ab und invertierte zuletzt schließlich.

Grund dafür sind die zunehmenden Sorgen, dass sich die globale Wachstumsschwäche getrieben durch Handelskonflikte weiter ausbreitet und lockerere Geldpolitik allein dagegen nicht mehr ankommen könnte.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die Krise in Argentinien: Ansteckungsgefahr für die Schwellenländer?

Welche Auswirkungen haben die aktuellen Ereignisse in Argentinien auf das Marktgeschehen in den Schwellenländern? Nach Ansicht von Magdalena Polan, Senior Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), sind diese eher begrenzt und spiegeln vielmehr eine länderspezifische Entwicklung wider. Auch die moderate Haltung der Fed sowie die anhaltend niedrigen G3-Durchschnittszinsen dämmen eine mögliche Ansteckungsgefahr durch die Krise in Argentinien ein. Dennoch komme die Änderung der politischen Perspektiven durch die aktuellen Wahlergebnisse in Argentinien für Schwellenländer zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Märkte passten sich immer noch an die Eskalation im Handelskrieg, die Schwäche des chinesischen Yuan als Reaktion auf die neuen Zölle, sowie die fehlenden positiven Wachstumssignale aus China an. „Der US-Zinsausblick, die weitere Entwicklung in China, sowie die Entwicklung des globalen Wachstums und weltweiten Handelsvolumens werden für die Vermögenswerte der Schwellenländer relevanter sein als die aktuelle Situation in Argentinien. Diese kann jedoch negative Tendenzen an den Weltmärkten verstärken“, erläutert Polan.

„Natürlich besteht das Risiko, dass die Inhaber umfassender argentinischer Vermögenswerte nun gezwungen sind, Barmittel zur Deckung von Abflüssen aufzubringen. Das könnte Auswirkungen auf andere Schwellenländer mit guten Fundamentaldaten und Liquidität haben, da diese aufgrund ihrer guten Performance leicht verkauft werden können“, so Polan. Zudem sei denkbar, dass die aktuelle Entwicklung in Argentinien den Fokus auf Länder mit schwachen Fundamentaldaten lenken könnte. „Investoren könnten dann mögliche Risiken neu bewerten wollen. Etwa, ob andere Schwellenländer eine Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigen, oder ob mögliche politische Veränderungen Reformen oder einer umsichtigen makroökonomischen Politik im Wege stehen“, argumentiert die Ökonomin.

Doch insgesamt sind sowohl die Anlageklasse Emerging Markets als auch die Zahl und Vielfalt der Anleger in EM-Assets angewachsen. Nach Ansicht Polans dämme das die Folgen länderspezifischer Entwicklungen in einzelnen Schwellenländern auf den Gesamtmarkt ein. „Die Marktteilnehmer haben das im vergangenen Jahr erlebt: Sowohl die Türkei als auch Argentinien standen unter starkem Marktdruck, ebenso wie die brasilianischen Vermögenswerte vor den Präsidentschaftswahlen. Dennoch fielen die Reaktionen in anderen Schwellenländern eher verhalten aus, obwohl die Märkte zu diesem Zeitpunkt noch Leitzinsanhebungen der US-Notenbank Fed für 2019 und einen stärkeren US-Dollar erwarteten“, unterstreicht Polan.

Allerdings könnte das Wachstum in den lateinamerikanischen Nachbarländern erneut unter einer wahrscheinlichen Verlangsamung des argentinischen Wachstums leiden, die durch den jüngsten Ausverkauf der Währung und das potenzielle Risiko eines erneuten Kapitalabflusses verursacht wird. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch noch zu früh, das genaue Ausmaß der Krise in Argentinien zu definieren. Es gilt, die politischen Antworten und die damit verbunden möglichen Auswirkungen sowie die Dauer der Devisenschwäche weiter zu beobachten“, schließt die Ökonomin.

Eine italienische Tragödie – Mezzoforte

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste Asset Management.

Seit seiner Berufung zum Ministerpräsidenten Italiens, wird Giuseppe Conte mit der Figur des Arlecchino verglichen. In Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ begibt sich der schusselige Diener in den Dienst zweier Verliebter, ohne dass die von dessen Doppelgleisigkeit wissen.

Arlecchinos Konstrukt aus Täuschungen und Lügen führt beinahe zum Selbstmord der beiden, endet aber letztlich doch glücklich. Das Ende von Giuseppe Contes politischer Karriere hingegen glich eher einem tragischen Lehrstück nach Manier eines Niccolo Machiavelli.

Beflügelt durch gute Umfragewerte für die Lega Nord sprach Parteichef und Innenminister Matteo Salvini im August Conte und damit auch dem Regierungspartner Luigi di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung das Vertrauen ab. Bevor der Misstrauensantrag im Senat zur Abstimmung kam, gab Conte am 20. August seinen Rücktritt bekannt.

Im Folgenden sei skizziert, welche Auswirkungen die politischen Verwerfungen auf Italien, Europa und die Märkte haben könnten.

Italia che sarà, sarà

Wenn auch in der internationalen Presse in Bezug auf Italien zurzeit oft die Wörter Chaos oder Krise verwendet werden, könnte man zynisch entgegenhalten, dass die momentanen Zustände im italienischen Kontext nicht außergewöhnlich sind. So war die letzte Legislaturperiode mit 437 Tagen zwar kürzer als der Schnitt von 625 Tagen seit Ende des 2. Weltkrieges, aber statistisch gesehen lag die Zerfallswahrscheinlichkeit der Regierung bereits bei 43%.

Kommentatoren legen momentan einen großen Fokus auf die Wahlarithmetik, um herauszufinden ob Italien ein Premier Salvini „droht“. Vergessen wird dabei, dass die Regierung in Italien im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich weniger Befugnisse hat.

Gerade diesen Umstand versuchte Contes Vorgänger Matteo Renzi ja erfolglos per Referendum zu ändern. Auch mit einem Premier Salvini läge die Zukunft Italiens immer noch zu einem großen Teil in den Händen namloser Bürokraten und des besonnenen Staatspräsidenten Sergio Mattarella.

Europa und der kranke Mann am Tiber

Beim letzten Italienurlaub fiel einem vielleicht der ein oder andere Carabiniere mehr auf, aber die Autobahn, auf der jener seine Runden zieht, ist immer noch so baufällig wie vor Antritt der Regierung Conte. Besonders Luigi di Maio hatte seinen Wählern Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes versprochen.

Geliefert hat die Regierung vor allem symbolische Aktionen im Bereich der Außen- und Fremdenpolitik. In Wirtschaftsfragen fanden die rechte Lega mit ihren protektionistischen Bestrebungen und die eher linke Fünf-Sterne-Bewegung mit ihren Versprechen für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu wenige Anknüpfungspunkte.

Egal wie die nächste Regierung in Italien aussieht, die jüngsten Vorfälle haben es geschafft, Italien wieder ganz nach oben auf die Gesprächsordnung in den europäischen Hauptstädten zu bringen. Zuwanderung, Lohnwachstum, Infrastruktur – diese Herausforderungen wird Italien nicht ohne Hilfe Europas lösen können.

Gerade in Zeiten niedrigster Zinsen sollte man durch Lockerung der Maastricht-Regeln Italien erlauben, das stagnierende Wirtschaftswachstum zu befeuern, diese Einsicht macht sich zunehmend auch in Brüssel, Berlin und Paris breit.

Nebenschauplatz auf der globalen Bühne

Bei den Italien-Schlagzeilen der letzten Wochen möchte man meinen, an den Märkten müssten große Bewegungen stattgefunden haben. Im Gegenteil jedoch trottete im letzten Monat der italienische Aktienleitindex MIB im Gleichschritt mit dem deutschen DAX dahin.

Auch auf der Rentenseite blieb im selben Zeitraum der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer gegenüber deutschen Staatsanleihen relativ konstant bei etwa 200 Basispunkten (bp) mit Ausnahme eines kurzen Sprungs auf 235 bp. Der Renditeaufschlag liegt damit ziemlich genau in der Mitte zwischen den Werten vor der Wahl der Regierung Conte im März 2018 (~125 bp) und dem Höhepunkt des Budgetstreits mit der EU im Oktober 2018 (~300 bp).

spread 10 jahre italien vs. deutschland

Grund für diese vermeintliche Indifferenz der Märkte dürfte die Prevalenz global gesehen größerer Themen wie Handelskrieg und Brexit sein. Bei all den Unkenrufen zu Italien ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose der weiteren Entwicklung sehr schwierig.

Viele Anleger scheinen daher im Abwartemodus zu sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Ruhe spätestens mit Beginn des Wahlkampfes in Italien enden wird. Speziell die strauchelnde Fünf-Sterne-Bewegung wird vermutlich wieder mit großen Wahlversprechen aufhorchen lassen.

Besonders Rentenanleger, die keine Lust auf böse Überraschungen aus dem politischen Eck haben, sollten daher vorerst einen Bogen um italienische Staatsanleihen machen, frei nach dem Motto: Italien – lieber auf dem Teller als im Portfolio


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein natürliches Heilmittel wird zu einem neuen Milliardenmarkt

Die Wirtschaftsprognosen sind atemberaubend. So stellen verschiedenste Analysten fest, dass der gegenwärtige CBD-Markt bereits Milliardenumsätze generiert und eine Vervielfachung in den nächsten Jahren wahrscheinlich ist, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

CBD steht für Cannabidiol – eines von über hundert pflanzlichen Cannabinoiden aus der Hanf-Pflanze, zu denen auch das allgemein bekanntere Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) zählt. Darin befinden sich neben pharmazeutisch vielversprechenden Cannabinoiden auch wirksame Terpene (ätherische Öle).

Die Lebensmittelindustrie ringt gegenwärtig noch mit der Pharmaindustrie um die Lizenzierung dieses biologischen Präparats. So wird auf Politischer Ebene debattiert, bis zu welcher Wirkstoffintensität das Präparat frei verkäuflich vertrieben werden darf und ab wann ein pharmazeutischer Vertrieb nötig ist.

Die WHO (World Health Organization) hat CBD bereits als unbedenklich eingestuft; somit gäbe es kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.

Aber was verspricht sich die Industrie von der Beimischung von CBD in Getränken, Nahrungsmitteln und Arznei? Eine ganze Menge!

Die vielfältigen positiven Eigenschaften des non-psychoaktiven, also nicht berauschenden, Cannabinoids lassen sich hervorragend vermarkten. Große Teile der Weltbevölkerung könnten von dem Wirkungsspektrum profitieren.

 CBD wirkt:

  • Analgetisch - schmerzstillend bzw. lindernd
  • Antiinflammatorisch - Entzündungshemmend
  • Antioxidativ – Radikalfänger von schädlichen freien Radikalen
  • Neuroprotektiv – Schutz von Nervenzellen und Nervenfasern
  • Antikonvulsiv – Anti-Epileptisch, krampflösend
  • Antiemetisch – Brechreiz und Übelkeit lindernd
  • Antiproliferativ – Anti Gewebe-vermehrend
  • Autophagie steigernd –   Abbau und Verwertung von fehlerhaften Zellen
  • Anxiolytisch – Angst- bzw. Anspannungslösend
  • Antipsychotisch – gegen Psychose wirkend
  • Immunsupressiv - immunologische Reaktion unterdrückend
  • Antibakteriell – gegen Bakterien wirkend
  • Knochenstimulierend – Knochen aufbauend
  • Antidiabetisch – gegen Diabetes wirkend
  • Schlaffördernd
  • Haut protektiv
  • und viel mehr

Eine Vielzahl von vielversprechenden Unternehmen forscht an dem Bio-Präparat, um verschiedenste Produkte zu entwickeln und am Markt zu etablieren. Die Produktpalette ist bereits beachtlich und wächst stetig - die ursprüngliche Hanfblüte wird in facettenreiche Formen gewandelt.

Pharmazeutisch lassen sich verschiedenste Szenarien zur Verwendung von CBD etablieren. Auch als Genuss- oder Nahrungsergänzungsmittel erfreut es sich größter und weiterwachsender Beliebtheit.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 9 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

China bald an Bord?

Nach Jahren des Wartens dürfte es bald soweit sein, dass China in den vielbeachteten JP Morgan GBI-EM GD Index aufgenommen wird, erklärt Mary-Therese Barton, Head of Emerging Market Debt bei Pictet Asset Management.

Fast geschafft?

Wir gehen davon aus, dass chinesische Anleihen demnächst in den am häufigsten nachgebildeten und am meisten investierten Index für Schwellenländer-Staatsanleihen in Lokalwährung Einzug halten werden.

Im April wurde China bereits in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index und den Bloomberg Barclays Emerging Markets Local Currency Bond Index aufgenommen, aber chinesische Anleihen sind weiterhin von dem stärker beachteten JP Morgan GBI-EM GD ausgeschlossen.

Bislang hat der JP Morgan GBI-EM GD Index Länder wie Indien und China aufgrund historischer Hürden, die ausländischen Anlegern den Zugang zu diesen Anleihemärkten erschwerten, ausgeschlossen. GD steht für „Global Diversified“ und dieser Index ist so konzipiert, dass er von Anlegern leicht nachgebildet werden kann. (Hinweis: In der JP Morgan GBI-EM Broad-Indexreihe für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sind Indien und China seit deren Einführung enthalten, aber nur sehr wenige aktive Anleger nutzen diese Index-Reihe.)

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH LAND (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Angesichts der Größe des chinesischen Anleihemarkts spricht alles dafür, dass die Gewichtung im JP Morgan GBI-EM GD bei 7–10% liegen wird. 10% ist der zulässige Höchstwert für ein einzelnes Land in diesem Index, damit reiht sich China neben Polen, Mexiko, Indonesien und Brasilien ein (siehe oben).

Abgestufte Aufnahme

Falls und wenn JP Morgan die Aufnahme Chinas in den Index ankündigt, dürfte diese stufenweise erfolgen, beginnend mit 1% pro Monat bis zur Zielgewichtung. Dadurch wäre die Region Asien insgesamt ähnlich gewichtet wie Europa und hätte eine höhere Gewichtung als Lateinamerika.

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH REGION (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Der Zugang zum chinesischen Markt für lokale Anleihen ist in den letzten Jahren erheblich einfacher geworden, insbesondere mit Bond Connect, das ausländischen Anlegern den direkten Zugang zu chinesischen Lokalanleihen direkt über die Börse Hongkong ermöglicht. Früher mussten ausländische Anleger einen langwierigen Prozess durchlaufen, der die Zuteilung einer QFII (Qualified Foreign Institutional Investor)-Quote durch die chinesische Devisenaufsichtsbehörde SAFE vorsah, außerdem musste eine lokale Clearingstelle mit internationaler Abwicklung gesucht werden.

Dieser Prozess war kompliziert und dauerte lange und die zugeteilten Quoten waren oft niedriger als von den Anlegern beantragt. Fast alle diese Hürden sind mittlerweile beseitigt, sodass chinesische Anleihen alle Voraussetzungen für eine Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index erfüllen.

Welche Auswirkungen hat die Aufnahme?

Kurzfristig hat die Aufnahme Chinas in den Index keine nennenswerten Auswirkungen. Wir investieren schon seit Jahren über Zinssätze und die Währung in chinesische lokale Märkte. Unsere Asian Local Currency Debt-Strategien zum Beispiel nutzen den JP Morgan JADE Broad Index, in dem chinesische Onshore-Anleihen bereits 10% ausmachen. Viele unserer Fonds investieren bereits über Bond Connect in chinesische Onshore-Anleihen, wir waren damals Vorreiter.

Die Aufnahme in den Index wäre ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi. – Mary-Therese Barton

Was die Aufnahme Chinas in den Index mittel- bis langfristig bedeutet, darf jedoch nicht unterschätzt werden. Wie vor kurzem in einem unserer Artikel thematisiert, ist die fortschreitende Öffnung des chinesischen Onshore-Anleihemarkts eine ganz große Sache. Nach unserer Einschätzung wäre die Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi.


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Über die Autorin

Mary-Therese Barton kam 2004 zu Pictet Asset Management und leitet den Bereich Emerging Debt. Bevor sie ihre jetzige Position im Jahr 2018 antrat, war sie Senior Investment Managerin im Team. Mary-Therese fing als Analystin für Schwellenländeranleihen an. Bevor sie zu Pictet kam, war sie bei Dun & Bradstreet als Ökonomin für die Analyse europäischer Länder zuständig. Mary-Therese Barton erwarb am Balliol College der Universität Oxford einen BA (Hon) in Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sie hat außerdem einen MSc mit Auszeichnung in Finanzentwicklung vom Zentrum für Studien in Finanzmanagement, SOAS (School of Oriental and African Studies), Universität London. Zudem ist sie diplomierte Chartered Financial Analystin (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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LGIM kommentiert die aktuelle politische Krise in Italien

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle politische Krise in Italien:

„Mit dem Rücktritt von Italiens Premierminister Giuseppe Conte endet die rein zeremonielle Rolle des Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Er entscheidet nun darüber, ob eine alternative Regierung geformt werden kann oder vorgezogene Neuwahlen notwendig sind. Oberste Priorität wird dabei eine Lösung haben, die eine Verabschiedung des Haushaltsbudgets im Herbst sicherstellt und so verhindert, dass es zu einer automatischen Mehrwertsteuererhöhung von drei Prozentpunkten im nächsten Jahr kommt.

Obwohl die politische Unsicherheit insgesamt hoch bleibt, werden die Spannungen mit der EU nicht im selben Maß aufflammen wie 2018. Die Europäische Kommission verfolgt weiterhin eine pragmatische Einstellung im Hinblick auf haushaltspolitische Fehlentwicklungen. Das gilt vor allem, wenn das Wachstum in der Eurozone generell schwächelt und Länder wie Frankreich aller Voraussicht nach die 3-Prozent-Defizitgrenze überschreiten werden.“

Made in Africa – Freihandelsabkommen bietet Chancen für kleine Unternehmen

Abseits des Rampenlichts von weltwirtschaftlich prominenten Themen wie Brexit und Handelskonflikt haben 54 von 55 afrikanischen Ländern ein Freihandelsabkommen ratifiziert. Das Abkommen wird mit dem Inkrafttreten im Jahr 2020 die wirtschaftlichen Spielregeln auf dem Kontinent nachhaltig verändern und einen riesigen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Von diesem werden voraussichtlich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Investoren profitieren können.

„Das Hauptziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren in Afrika abzubauen, um eine Freihandelszone mit großem Potenzial für Unternehmen zu schaffen“ sagt Yann Groeger, Regional Manager Afrika bei BlueOrchard. „Gerade die aufstrebende Mittelschicht Afrikas und eine wachsende junge Bevölkerung dürften von diesem Abkommen profitieren. Schon heute leben auf dem Kontinent 1,2 Milliarden Menschen; in 80 Jahren werden es laut Bevölkerungsforscher 4 Milliarden sein, verglichen mit schätzungsweise 5 Milliarden Menschen in Asien. Laut der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) wird sich dadurch auch die Produktionsleistung von 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 930 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 nahezu verdoppeln. Das stellt einen gewaltigen neuen Markt dar, auch für Investoren.

Zollabbau als Katalysator für den afrikanischen Binnenhandel

Trotz der vielerorts fehlenden Infrastruktur und oft hohen Kosten für den Transport von Waren, zieht der afrikanische Binnenhandel weiter an. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Anteil bereits um 20 Prozent erhöht – mit steigender Tendenz. Das Freihandelsabkommen wird wohl einen rapiden Zollabbau auslösen, von dem vor allem Klein- und Mikrounternehmen profitieren dürften. Dafür müssten jedoch die richtigen Anreize, wie zum Beispiel die Teilnahme an der Governance der Produktion, gesetzt werden. Wie der UNCTAD-Report berichtet, wird das Abschaffen der Zollbarrieren Kleinstunternehmen die Möglichkeit bieten, Teil von regionalen Wertschöpfungsketten zu werden und damit deutlich mehr abzusetzen.

Das klingt zwar noch sehr theoretisch, weist aber bereits Erfolge auf: Am Beispiel von Tee hat sich in Kenia gezeigt, wie auf nationaler Ebene kleine landwirtschaftliche Betriebe in die Wertschöpfungskette eingebunden werden können. Durch das Erhöhen des Anteils in der Verarbeitungs- und Vermarktungsphase erhalten die Landwirte in den Teefabriken mehr Mitspracherecht. Sie stellen etwa 70 Prozent der inländischen Teeproduktion bereit, wovon schätzungsweise rund 500.000 Haushalte leben können. Dies sind erfolgreiche Strukturen, die aufgrund des Freihandelsabkommens auf regionaler Basis weitergedacht werden können, beispielsweise durch das Erweitern auf die umgebenden Länder Kenias wie Uganda, Ruanda oder Tansania. Ähnliche Situationen finden sich in der Kakao-, Baumwoll- oder Getreideproduktion. Dies könnte mittel- bis langfristig für Investoren interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

Durch den Beschluss und die Ratifizierung des afrikanischen Freihandelsabkommens ist bereits viel auf den Weg gebracht worden. Allerdings müssen noch einige entscheidende Details des Abkommens ausgearbeitet werden. Ein heikles Thema sind vor allem die Ursprungsregeln, die definieren, welche „Staatsangehörigkeit“ ein Produkt hat. Aber eines dürfte sicher sein: Afrika wächst durch diesen Beschluss zusammen.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 6 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com

Gold könnte bei dauerhaft erhöhten geopolitischen Risiken auf über 1800 US Dollar steigen

von Nitesh Shah, Director – Research, WisdomTree.

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Monaten um 14 Prozent zugelegt. Der Zuwachs geht mit einem plötzlichen Renditerückgang bei US-Staatsanleihen und einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlagen einher. Wie wir in unserer Analyse „Goldmarkt als Maß aller Dinge“ausführten, haben die steigenden Spannungen zwischen den USA und China in Form von Handels- und Währungskonflikten auf dem Markt für Nervosität gesorgt, wodurch sich wiederum die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöht hat. Sowohl der Markt als auch die Trump-Regierung scheinen die US-Notenbank (Fed) zum Handeln gezwungen zu haben. Die Zornanfälle auf dem Markt haben die Entscheidungen der Fed klar beeinflusst: Die Zentralbank passte ihren geldpolitischen Kurs an, nachdem die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres ins Wanken geraten waren. Die unentschlossene Vorgehensweise der Trump-Regierung beim Krisenthema Handel hat ebenso dazu geführt, dass die Fed eine Zinssenkung, quasi als „Versicherung“, durchgeführt hat. Die Fed Fund Futures zeigen, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres erwarten, und dies wird die Renditen von US-Staatsanleihen voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau halten. 

Der Ausblick auf die Wirtschaft, die Zinsen und die Währungskurse hat sich seit der Veröffentlichung unseres Goldausblicks im vergangenen Monat ganz offensichtlich verändert. Im Folgenden bieten wir einen aktualisierten Ausblick für das Edelmetall und fokussieren uns auf ein Szenario, in dem die Unsicherheit im geopolitischen Bereich und auf den Finanzmärkten auf einem erhöhten Niveau verbleibt.

Prognose des Basisszenarios

Unserer neuen Prognose für das Basisszenario zufolge steigt der Goldpreis im zweiten Quartal 2020 auf 1550 US Dollar pro Unze – ein Plus gegenüber einem Wert von 1500 US Dollar Mitte August 2019. Diese Prognose basiert darauf, dass die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen und der US-Dollar-Korb sich auf ihren aktuellen Ständen von 1,65 Prozent bzw. 97 halten. Unseren Erwartungen nach wird die Inflation bei rund 1,8 Prozent liegen. Obwohl ein negativer Preisdruck unseres Erachtens nicht unmittelbar bevorsteht, wäre eine über diesem Stand liegende Inflation nicht mit den Zinssenkungen der Fed vereinbar. Den Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge befindet sich die spekulative Positionierung auf dem Markt für Goldtermingeschäfte mit 346.000 Kontrakten netto long auf einem stark erhöhten Niveau. Dieser Stand liegt nur knapp unter dem Allzeithoch von 348.000 Kontrakten netto-long vom Juli 2016. Die Marktstimmung hat sich bei Gold innerhalb kurzer Zeit sehr schnell geändert. Im November 2018 war die Stimmung bei dem Metall so schwach, dass die spekulative Positionierung netto short ausfiel. Da sich die Positionierung nie lange auf einem so hohen Stand wie dem heutigen gehalten hat, fahren wir die Positionierung in unserem Basisszenario auf bescheidenere 120.000 Kontrakte netto long zurück.

Abbildung 1: Goldpreisprognose

 
Quelle: WisdomTree Model Forecasts, Bloomberg Historical Data, Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 13. August 2019. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Was, wenn sich die spekulative Positionierung auf einem hohen Niveau hält?

In unserem Basisszenario sind wir konservativ und senken die spekulative Positionierung auf einen Stand, der sich am langfristigen Durchschnitt orientiert. Doch was, wenn die spekulative Positionierung bis ins zweite Quartal 2020 so hoch bleibt wie heute (also bei 346.000 Kontrakten netto long)? Unser Modell zeigt, dass dies die Goldpreise auf fast 1815 US Dollar pro Unze. treiben würde.

Abbildung 2: Spekulative Positionierung in Goldfutures


Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand der Daten: 13. August 2019. Schätzungen sind kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Mehrere geopolitische und finanzielle Risiken haben die Positionierung in Gold auf ein erhöhtes Niveau getrieben:

  • Die Handelsgespräche zwischen den USA und China sind zum Stillstand gekommen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines größeren Protektionismus zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten erhöht.
  • Die Befürchtungen des Markts, dass die Fed bei angespannten Arbeitsmärkten und einer nicht nachgebenden Inflation mit einer Lockerung der Geldpolitik einen Fehler begeht.
  • Die steigende Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits unter dem neuen britischen Premierminister.
  • Zunehmende Kontroversen im Nahen Osten, da der Iran die Anreicherung von Uran über den im Rahmen des Nuklearabkommens erlaubten Mengen fortsetzt. Angriffe auf Frachtschiffe um die Straße von Hormus – die von einem Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls passiert wird – haben die Spannungen in der Region nach der Verhängung von Strafsanktionen gegen Teheran durch die Trump-Regierung zusätzlich verschärft.
  • Die argentinische Wirtschaft und die Aktien-/Anleihenmärkte befinden sich erneut in der Krise, was Ängste über einen größeren Ausverkauf im Bereich Emerging Markets verbreitet.
  • Erneut aufflammende politische Unsicherheit in Italien aufgrund eines Misstrauensantrags gegen den amtierenden Premier.

Politische Unruhen in Hongkong, wo der Widerstand gegen ein Auslieferungsgesetz, nach dem das Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Straftäter in Festlandchina vollzogen werden könnte, Forderungen nach breiteren demokratischen Reformen ausgelöst hat.

Obwohl viele dieser Probleme theoretisch schnell gelöst werden könnten, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Praxis nicht der Fall sein wird. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China laufen beispielsweise bereits seit mehr als zwei Jahren ohne klare Lösung, da die Erwartungen beider Seiten offenbar viel zu weit voneinander entfernt liegen. Es ist nicht klar, was für eine Annäherung der beiden Seiten sorgen könnte. Auch beim Brexit scheint es sich um ein unlösbares Problem zu handeln – die Einzelheiten des von der vorherigen britischen Premierministerin May verhandelten Abkommens sind für die derzeitige Regierung unter Johnson unannehmbar und die Europäische Union ist nicht willens, die wichtigsten Stolpersteine zu verhandeln. Da der Iran sich offensichtlich in der politischen Isolation befindet, scheinen die Chancen höher, dass das Land sein Säbelrasseln fortsetzen wird, als sich den Forderungen der USA zu beugen.

Falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert, könnte die spekulative Positionierung sogar noch weiter steigen. Sollte die Positionierung auf 400.000 Kontrakte netto long ansteigen, könnte der Goldpreis unserem Modell zufolge auf 1875 US Dollar/Unze zulegen – nur einen Hauch unter dem Goldpreis-Allzeithoch von 1900 US Dollar/Unze vom 5. September 2011.


Nitesh Shah, Director Research

beim auf ETPs spezialisierten US-Vermögensverwalter WisdomTree.
Nitesh Shah ist Director im Researchteam von WisdomTree. Zuvor war er bei ETF Securities als Commodities Strategist tätig, bevor das Unternehmen im April 2018 von WisdomTree übernommen wurde. Shah ist bereits seit 16 Jahren als Ökonom und Stratege tätig. Seine Erfahrung reicht über ein breites Spektrum an Märkten und Anlageklassen.
Bevor Shah zu ETF Securities kam, arbeitet er als Ökonom für europäische strukturierte Finanzmärkte bei Moody's Investors Service und ist dort Mitglied des globalen Makroökonomie-Teams. Zuvor ist er als Wirtschaftswissenschaftler beim Pension Protection Fund und als Aktienstratege bei Decision Economics tätig. Shah startet seine Karriere bei der HSBC Investment Bank.
Shah absolvierte ein Bachelor-Studium an der renommierten London School of Economics und hält einen Master of Arts in International Economics and Finance der Brandeis University (USA).

Wichtige Informationen

Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.

A Secular Outlook - US Equities

High valuations, inverted US yield curve, wage inflation, fewer buybacks... A tough environment for US equities is, in a nutshell, what Luca Paolini is expecting for the next five years. Pictet Asset Management's Chief Strategist looks at what to expect for the US equity market over the next half decade.

You can download the full Secular Outlook for an in-depth analysis at am.pictet.

Further information on the Secular Outlook (in German) can be found here; and please find Luca Paolini's view on emerging markets here.

Das Spiel mit dem Feuer

Die Aussichten verdunkeln sich. Tweets des US-Präsidenten Donald Trump haben zuletzt den fragilen Waffenstillstand zwischen den USA und China zunichte gemacht. Das Timing war denkbar ungünstig. Führende US-Unterhändler - Steven Mnuchin und Robert Lighthizer – waren gerade von einer Wiederaufnahme der Gespräche in Shanghai zurückgekehrt. „Trump hielt sich offenbar nicht an seine Berater, als er mit Wirkung zum 1. September Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die verbleibenden Importe aus China im Wert von 300 Milliarden US-Dollar ankündigte, von denen einige nun auf Dezember verschoben wurden“, kommentiert Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM), die Lage.

Dies werde sich direkt auf hochkarätige Konsumgüter auswirken, pünktlich zur besten Urlaubs-Shopping-Zeit. Das unerwartete Vorgehen der Amerikaner habe China schockiert. Die Chinesen hielten Trump wahrscheinlich für zu unzuverlässig und zu unvernünftig, um sich mit ernsthaften Verhandlungen zu beschäftigen. Die Vertrauensbasis sei nicht mehr vorhanden. „Chinas Kalkül ist es womöglich, den USA zunehmend Schmerzen zuzufügen, um nach den Präsidentschaftswahlen 2020 einen Regierungswechsel herbeizuführen. Die Reaktion der USA, China als Währungsmanipulator zu bezeichnen, als Antwort auf eine leichte Abschwächung des Renminbi, hat die Spannungen nur noch weiter angeheizt“, sagt Drayson.

Die direkten Auswirkungen sind laut dem Ökonom eher überschaubar, das US-Wirtschaftswachstum könnte sich um 0,2 Prozent verringern. Insgesamt betrachtet, summierten sich aber die negativen Nachrichten. Das globale Wachstum habe sich im letzten Jahr bereits deutlich abgekühlt. Angesichts der schwierigen Investitionsbedingungen könnte sich der Rückgang der Produktion aufgrund der gestiegenen Lagerbestände verschärfen. „Wir befürchten, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, an dem das Vertrauen stärker geschädigt wird und Unternehmen ihre Investitionen und ihre Beschäftigung reduzieren. Letzteres würde auch die Verbraucherstimmung eintrüben, die bisher trotz allem relativ gut gewesen ist.”

Zwei weitere Faktoren tragen nach den Worten Draysons ebenfalls zu den Abwärtsrisiken bei. Erstens sei der Ansatz des neuen britischen Premierministers und seines Pro-Brexit-Kabinetts aggressiver als gedacht. „Wir waren daher gezwungen, unsere Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Deal zu erhöhen. In diesem Szenario erwarten wir, dass Großbritannien rasch in eine Rezession gerät, gefolgt von der Eurozone“, konstatiert der Experte. Für die Eurozone wäre dies eindeutig problematisch, da keine politischen Instrumente zur Verfügung stehen, um den Schock zu kompensieren. Wenigstens die Federal Reserve (Fed) habe Spielraum, zinssensible Teile der Wirtschaft wie den Wohnungsbau zu stimulieren. Die Fed, die in diesem Jahr weitere Kürzungen vorsehe, sei bisher einer der Gründe gewesen, warum man die US-BIP-Prognose nicht stärker herabgesetzt habe. „Wir bezweifeln nicht, dass die Fed alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen wird, wenn der Handelskrieg die Rezession noch stärker bedroht“, so Drayson.

Der zweite Punkt sei zwar ein Nischenbereich für Ökonomen, wirke sich jedoch auf Rezessionsindikatoren und Markteinschätzungen aus. Im Rahmen der jährlichen US-Benchmark-Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen seien die Unternehmensgewinne stark nach unten revidiert worden. Das Einkommen sei den Haushalten zugewiesen worden und zeige sich in einer höheren persönlichen Sparquote. „Unsere BIP-Komponentenmodelle deuten jetzt auf ein stärkeres Wachstum der Verbraucherausgaben hin, das durch geringere Unternehmensinvestitionen ausgeglichen wird – das BIP bleibt dabei insgesamt unverändert. Durch die Verschiebung der Zusammensetzung ist der zuvor anfällige Unternehmenssektor jedoch noch stärker gefährdet“, sagt Drayson und ergänzt: „Zwei unserer Rezessionsindikatoren – Gewinnmargen und Finanzierungslücke – bewegen sich jetzt auf den roten Bereich zu.“ Indessen werde der Haushaltssektor noch robuster. Unterm Strich sei die Auslösung einer Rezession in diesem Zyklus unwahrscheinlich. Darüber hinaus hätten schwächere Investitionen negative Auswirkungen auf den US-Fertigungszyklus, der tendenziell einen größeren Einfluss auf die US-Aktien- und Kreditmärkte habe, als dies durch die Gewichtung des BIP impliziert werde.

Inmitten der Dunkelheit gibt es jedoch eine positive Entwicklung: Die USA haben sich auf ein Haushaltsabkommen geeinigt und die Schuldengrenze um ein paar Jahre außer Kraft gesetzt. „Damit ist ein wichtiges Abwärtsrisiko beseitigt. Aber die Finanzpolitik ist dabei, neutraler zu werden, nachdem sie im vergangenen Jahr fast ein Prozent zum Wachstum beigetragen hat. Alles in allem ist eine weltweite Rezession nicht unser Basisszenario. Zugleich ist dies ist die größte Sorge, die wir seit der Krise im Euroraum haben“, resümiert Drayson.

Wieder einmal für lange Zeit im tiefen Tal

Da uns die niedrigen Zinssätze erhalten bleiben werden, ist es für Anleiheanleger besonders wichtig, das richtige Verhältnis von Risiko und Rendite zu finden, erklärt Ella Hoxha, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Wenn Ihnen jemand vor zwanzig Jahren eine 10-jährige Anleihe mit einer Rendite angeboten hätte, die kaum die Inflation deckt, hätten Sie sicher dankend abgelehnt. In dem heutigen Niedrigzinsumfeld hingegen würden Sie vielleicht doch ernsthaft über das Angebot nachdenken.

Als Österreich im vergangenen Monat seine 100-jährigen Anleihen verkaufte, übertraf die Nachfrage das Angebot um das Fünffache – das Papier wurde mit einer Rendite von gerade einmal 1,2% verkauft. Das klingt absurd, ist aber vielleicht gar nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass Anleihen im Gesamtwert von 13 Bio. US-$ weltweit unter null Prozent rentieren.

Daran dürfte sich so bald nichts ändern. Die jüngsten Äußerungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank lassen darauf schließen, dass die Zinssätze in den kommenden Monaten weiter sinken werden.

Anleger, die auf der Suche nach Ertrag sind, scheinen in der Klemme zu stecken: Entweder sie nehmen niedrigere Renditen in Kauf oder sie gehen mehr Risiko ein.

Die Entscheidung muss aber gar nicht so radikal schwarz-weiß sein – mit dem richtigen Ansatz können Anleger von einem ausgewogenen Verhältnis von Rendite und Risiko profitieren.

Bei der Pictet-Absolute Return Fixed Income Strategie hat jahrelang die Idee, dass die Zinssätze längere Zeit auf extrem niedrigem Niveau verharren, unser Denken bestimmt. 

Historisch betrachtet hat die hohe Staatsverschuldung Wirtschaftswachstum gebremst und die Inflation niedrig gehalten. Das wiederum hat zu niedrigen Anleiherenditen geführt (siehe Abbildung). Wir gehen davon aus, dass sich diese Trends fortsetzen, auch wenn kurzzeitige Änderungen der wirtschaftlichen Bedingungen gelegentlich eine härtere Gangart der Zentralbanken auslösen können (wie wir Anfang des Jahres sehen konnten).

NIEDRIGE INFLATION, NIEDRIGE RENDITEN

Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe, %, und Kernteuerungsrate, % im Jahresvergleich

Quelle: Bloomberg. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.01.1962–28.06.2019.

Wir spüren Gelegenheiten in Bereichen auf, in denen andere sich nicht trauen zu investieren, gleichen das Risiko aber auf Portfolioebene mit Sicherungsgeschäften aus. 

Unpopuläre Anleihen

Am risikoreicheren Ende des Spektrums sehen wir Wertpotenzial bei US-Unternehmensanleihen mit BBB-Rating, der niedrigsten Investment-Grade-Stufe. Die Preise in diesem Segment sind unter Druck geraten und diese Anleihen werden jetzt mit einem attraktiven Aufschlag gehandelt. Viele der großen Emittenten dieser Kategorie, darunter einige etablierte Konzerne, müssen nach Fusionen und Übernahmen Schulden abbauen. Im Zuge dessen entwickeln sich ihre Anleihen zu interessanten Anlagegelegenheiten.

Unternehmensanleihen dürften auch von den Zinssenkungen der US-Notenbank und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Schub profitieren.

NEGATIVE KORRELATION

Rollierende Korrelation über 5 Jahre: US-Unternehmensanleihen mit BBB-Rating gegenüber US-Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Pictet Asset Management. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.2001–30.06.2019.

Diese Wertpapiere würden jedoch sehr empfindlich auf einen starken Abschwung oder eine Rezession reagieren. Das ist vielleicht nicht unser Basisszenario, aber unser Ansatz beruht auf der Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten und Risiken. Unser Ziel ist es, alle möglichen Szenarien zu analysieren, die Gewinne für unsere Anleger bringen könnten, nicht nur bei Marktaufschwüngen, sondern auch bei -abschwüngen. Eine Long-Position in BBB-Anleihen an sich ist gemessen an diesem Ziel zu risikoreich, daher müssen wir einen kosteneffizienten Weg finden, um das Risiko zu senken und dennoch attraktive Renditen zu erzielen.

In diesem Fall bedeutet das, die Position abzusichern, indem in US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit – 10 bis 30 Jahre – investiert wird. In der Vergangenheit korrelierten die Renditen dieser Staatspapiere konsequent negativ mit denjenigen von BBB-Unternehmensanleihen, was für die Absicherung perfekt ist (siehe Abbildung). Wenn es der US-Wirtschaft schlecht geht, werden die US-Zinssätze noch weiter nach unten gehen als aktuell erwartet und dort lange Zeit verharren – davon profitieren Staatsanleihen mit längerer Laufzeit. Wir haben diese Position während des Ausverkaufs am Markt zu Jahresbeginn aufgenommen.

In ähnlicher Weise haben wir in Europa unsere Allokation in Investment-Grade-Unternehmensanleihen durch den Kauf länger laufender deutscher Bundesanleihen abgesichert – hier haben wir uns auf Emittenten aus der Immobilienbranche konzentriert.

Schwellenländer nicht unterschätzen

Die Chancen, ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Volatilität zu erreichen, sind nicht auf die Industrieländer beschränkt. Auch in den Schwellenländern gibt es sie.

Schwellenländeranleihen reagieren in der Regel besonders empfindlich auf Veränderungen der US-Zinssätze. Daher dürften Zinssenkungen durch die US-Notenbank einer Anlageklasse zugutekommen, die bereits von der Transformation Chinas zu einer ausgewogeneren Wirtschaft profitiert.

Auf US-Dollar lautende Schwellenländeranleihen bieten daher die Möglichkeit, in den kommenden Jahren attraktive volatilitätsbereinigte Renditen zu erwirtschaften. Abgesehen von ihrem langfristigen Potenzial sind die Schwellenländer allerdings auch bekannt für kurzfristige Volatilitätsschübe. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Risiko mit Short-Positionen in verschiedenen Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar reduzieren können.

Es ist bekanntermaßen schwer vorherzusagen, welchen Weg Märkte, Volkswirtschaften und die Politik einschlagen werden. Und wir möchten nicht unsere Performance aufs Spiel setzen, nur weil die Konjunkturprognosen falsch sind. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, langfristige Strukturtrends zu erkennen und in die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu investieren, während wir bei jeder Chance die Risiken abwägen und streuen. Jetzt, wo die Zinssätze am Tiefpunkt, Anleihen hingegen auf Rekordhoch sind, halten wir diesen Ansatz für sehr sinnvoll.


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Über die Autorin

Ella Hoxha gehört seit Dezember 2018 als Senior Investment Manager dem Global Bonds Team an und ihr Schwerpunkt liegt auf globalen Zinssätzen und Devisen. Sie ist von Wellington Management zu Pictet gewechselt, wo sie über sieben Jahre als Managing Director und Fixed Income Portfolio Manager tätig war und sich in dieser Funktion hauptsächlich mit Absolute-Return-Strategien für das Global Bonds Team beschäftigte. Davor war sie bei Invesco Asset Management beschäftigt, wo sie über acht Jahre als Senior Portfolio Manager dem Global Bonds Team angehörte und mehrere globale und regionale Portfolios verwaltete, darunter den Invesco European Bonds Fund. Ella Hoxha besitzt einen MSc in International Finance der University of Westminster und einen BA Hons in Business Finance der Oxford Brookes University. Darüber hinaus ist sie Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Keine deutliche Konjunkturerholung in den kommenden Quartalen

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle deutsche BIP-Prognose für das zweite Quartal:

„Der leichte Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal, vermutlich aufgrund der Belastung durch den schwächelnden Nettohandel, bestätigt, dass das verarbeitende Gewerbe in einer Flaute steckt. Zurückzuführen ist das zum Teil auf die Abkühlung des globalen Wachstums. Angesichts steigender Gesamtinvestitionen und wachsenden Konsums scheint das aber nur begrenzt Auswirkungen auf die Binnennachfrage zu haben.

Indes bleibt das Unternehmensklima schwach, und der Arbeitsmarkt schwächelt. Wir erwarten daher keine deutliche Konjunkturerholung in den kommenden Quartalen.“

„Vorhersagen von Meteorologen sind verlässlicher“

Dieser Börsensommer ist wohl alles, nur nicht ruhig. Insbesondere der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt für Turbulenzen an den Börsen und schürt Rezessionsängste. Jeff Schulze, Investmentstratege bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments, warnt jedoch davor, sich nur auf die Signale des Aktienmarktes zu verlassen. Seiner Meinung nach sind die Vorhersagen von Meteorologen verlässlicher als der „allwissende Aktienmarkt“ – der im Vergleich viel zu selten richtig liegt, wenn es darum geht, einen wirtschaftlichen Abschwung anzukündigen. „Am Anfang vorheriger Rezessionen gab der Markt im Schnitt zehn Prozent nach. Entsprechend werden Kursrückgänge in dieser Größenordnung als Marktsignal für ein erhöhtes Rezessionsrisiko gewertet. Läge der Markt genauso oft richtig, wie es Meteorologen tun, hätten es seit 1965 ganze 28 Rezessionen geben müssen. Tatsächlich waren es aber nur sieben – und genau deshalb stehen Wetterfrösche im direkten Vergleich so gut da“, fasst Schulze die Fakten zusammen. Er gibt außerdem zu bedenken, dass es allein in den letzten zehn Jahren seit der Finanzkrise etwa sechs Korrekturen von mindestens zehn Prozent gegeben habe, also eine etwa alle zwei Jahre.

Sein Ratschlag für Anleger lautet daher, auch weitere Rezessionsindikatoren in die Analyse einfließen zu lassen und nicht nur den Aktienmarkt. Bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments schaut man sich beispielsweise auch Finanzindikatoren wie Credit Spreads oder die Yield Curve an, analysiert inflationäre Faktoren wie Rohstoffpreisänderungen, bewertet den Gesundheitszustand der Konsumseite – etwa über die Arbeitslosenquote – und evaluiert die allgemeine Geschäftstätigkeiten, etwa anhand von Umsatzrenditen.

Aktuell steht das Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboard auf gelb, was für Schulze jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass nach gelb auch rot folgt: „Es gibt sie einfach nicht, die berühmte Kristallkugel. Unser Dashboard gibt uns aktuell Grund zur Vorsicht. Von den letzten elf Malen, als das Dashboard auf gelb stand, folgte in sieben dieser Fälle eine Rezession. Vier Mal folgte hingegen auf gelb wieder ein grün.” Was Schulze damit meint: Es besteht durchaus die Chance, dass sich die Wirtschaft erholt und eine Rezession damit abgewendet werden kann. „Der größte Treiber für eine wirtschaftliche Verbesserung ist historisch gesehen die Fed. Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft“, gibt Schulze zu bedenken und führt weiter aus: „Die Fed hat sowohl 1995-96 als auch 1998 die Zinsen um 75 Basispunkte gesenkt. 2015-16 wurden die Zinsen anders als vom Markt erwartet nicht vier Mal, sondern nur einmalig erhöht, was unterm Strich 75 Basispunkte sind, die die Zinsen nicht angehoben wurden.“

Es bleibt also abzuwarten – auch mit Blick auf das weitere Vorgehen der Fed – ob die „Ampel“ des Legg Mason Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboards bald wieder grün leuchtet oder in ein Dunkelrot umschlägt. Wenn die Historie etwas gelehrt hat, so glaubt Schulze, dann dass sich die Tendenz in den nächsten ein bis zwei Quartalen eindeutig zeigen wird. Unabhängig davon geht Schulze davon aus, dass der Aktienmarkt kurzfristig weiter steigen wird. Ein gelbes Signal führe typischerweise zu einem positiven Aktienumfeld in den Monaten unmittelbar nach dem Signalumschwung. Und genau das erleben wir derzeit: Ein Aufwärts an den Märkten, obwohl die Wirtschaft zunehmend Anzeichen von Stress signalisiert.

Renditen auf Tauchstation

Ist mit der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen – erstmals seit zehn Jahren – um 25 Basispunkte zu senken, nun die bereits erwartete Zinswende nach unten eingetreten? Die US-Fed bleibt für weitere Schritte offen.

Mit dieser Entscheidung und den vom Markt ebenso erwarteten monetären Lockerungen in Europa war der Höhenflug der Rentenmärkte bis zuletzt ungebrochen. Insbesondere die „riskanteren“ Marktsegmente wie Emerging Markets und Unternehmensanleihen erreichen Renditetiefs wie seit längerem nicht gesehen. Diese Märkte können von einem neuen Liquiditätsschub der führenden Zentralbanken am meisten profitieren. Auch die Staatsanleihen gehen in die gleiche Richtung fallender Renditen, zehnjährige deutsche Bundesanleihen werden nun zu Renditen unter minus 0,4 % gehandelt, in der Schweiz weisen aktuell bereits alle (!) Laufzeiten deutlich negative Renditen auf.

Die Währungskomponente spielt durch den leicht schwächeren Euro wieder eine Rolle, US- und Emerging-Market-Anleihen konnten – in Euro – zusätzlich profitieren.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: USA setzt Startschuss zu Leitzinssenkungen

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, von denen nun abermals eine lockerere Geldpolitik erwartet und auch im Markt gepreist wird. EZB-Präsident Draghi warnte am 25. Juli 2019 davor, dass der wirtschaftliche Ausblick in der Eurozone „schlimmer und schlimmer" werde. Die Inflationsrate in der Eurozone (2. Quartal 2019: 1,4 %) liegt weit unter dem Ziel von knapp unter 2 % und dürfte weiter sinken. Die Wachstumsraten könnten in Anbetracht der aktuellen Konjunkturindikatoren nachhaltig unter das langfristige Potenzialwachstum fallen.

Für September wird allgemein damit gerechnet, dass die EZB abermals ein Anleihekaufprogramm ankündigen wird, um dem entgegenzuwirken. Die Schätzungen gehen von einem monatlichen Kaufvolumen von 30 bis 45 Milliarden Euro ab Jänner 2019 für zumindest zwölf Monate aus. Negative Renditen bei risikoarmen europäischen Staatsanleihen bleiben bis auf Weiteres nichts Ungewöhnliches.

Staats- und Unternehmensanleihen: Renditen auf Tauchstation

Euro-Anleihen konnten einmal mehr von der Erwartung baldiger Zinssenkungen seitens der EZB profitieren. Der Marktanteil von globalen Anleihen mit negativen Renditen ist zuletzt wieder markant angestiegen. Mario Draghis Kassandrarufe hinsichtlich des schwachen Wirtschaftsausblicks in der Eurozone und der Notwendigkeit fiskalpolitischer Unterstützung bleiben ungehört. So meinte der deutsche Finanzminister Scholz kürzlich, er habe „keine Pläne, die staatliche Geldbörse zu zücken“.

Im Juli sahen wir schwächere Wirtschaftsdaten, eine abermalige Welle von Unternehmens-Gewinnrevisionen und höher erwartete High-Yield-Ausfallsraten. Die Renditeabstände (Spreads) der Euro-High-Yield-Bonds mit niedrigem Rating (B und CCC) stiegen in diesem Umfeld trotz einer erwarteten geldpolitischen Lockerung der EZB, die Spreads der Investmentgrade-Anleihen sanken hingegen.

Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Emerging Markets

Die Risikoprämien von Hartwährung-Staatsanleihen notieren mittlerweile rund 100 Basispunkte enger als noch zu Jahresbeginn 2019, obwohl Konjunkturindikatoren eine Wachstumsschwäche andeuten. Die globalen Handelsdaten haben sich ebenfalls nicht erholt. Die Treiber sind nicht die Fundamentaldaten, sondern die (erwarteten) geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken. Wir erhöhen unser Übergewicht von Emerging-Market-Hartwährung-Staatsanleihen.

Negativ-Rückkopplung treibt Safe Haven Assets an

von Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Das Spiel zwischen Trump, China und der US-Notenbank (Fed) führt zu einer negativen Rückkopplungsschleife, die dazu führen dürfte, dass Anlagen wie Gold und Silber im Laufe des Jahres 2019 weiter hoch notieren. Trumps Ankündigung, die Zölle auf die verbleibenden chinesischen Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ab dem 1. September 2019 auf 10 Prozent zu erhöhen, hat die Finanzmärkte erschüttert und den Weg für einen signifikanten Marktverkauf geebnet. Die Ankündigung erfolgte zufällig einen Tag nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (BOMK) vom 30. bis 31. Juli 2019. Wie erwartet senkte die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte (bps) und beendete das Programm der Quantitativen Straffung. Die eigentliche Überraschung gab es auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, auf der der Fed-Vorsitzende Jay Powell kämpferisch auftrat, als er auf die Zinssenkung nur als "zyklische Anpassung der Politik" und "nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen" anspielte und damit die Aussicht auf weitere Zinssenkungen dämpfte. Powell nannte auch die Handelsunsicherheiten als eine der drei Säulen, die zur Entscheidung über die Senkung der Quartalspunkte führten.

Trumps Ankündigung einer Zollerhöhung für chinesische Waren ist höchstwahrscheinlich eine Taktik, die von ihm verwendet wird, um die Fed zu veranlassen, die Zinsen weiter zu senken. Diese zielt darauf ab, den Schlag auf das US-Wirtschaftswachstum abzumildern, während Trump den Einsatz gegen China erhöht. Gleichzeitig ist China entschlossen, die führende Wirtschaftsmacht der Welt zu sein und wird sich von Trump nicht aufhalten lassen. Als Reaktion auf Trumps Zollankündigung hat die chinesische Regierung staatliche Unternehmen angewiesen, die Einfuhr von US-Agrarprodukten einzustellen und hat den chinesischen Yuan abgewertet. China ist sich auch strategisch des übergreifenden Ziels von Trump bewusst - die US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu gewinnen, und wird wahrscheinlich eine härtere Handelsposition einnehmen, um Trumps Chancen auf den Sieg zu verringern. Die Realität ist, dass das US-Wirtschaftswachstum bisher stabil erscheint.

Der jüngste Beschäftigungsbericht bestätigt, dass sich die US-Verbraucher weiterhin in einer stabilen Verfassung befinden, sich aber das Wachstum der Arbeitsplatzschaffung verlangsamt. Das Lohnwachstum bleibt gedämpft und der PCE Core Deflator liegt bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich (yoy), was die letzte Zinssenkung der USA rechtfertigt. Wir glauben, dass die Fed nur dann wieder zum Handeln gezwungen sein wird, wenn sich die Verschlechterung des Welthandels sich auf die US-Wirtschaft auszuwirken beginnt. Dies scheint wahrscheinlich zu sein, da die US-Regierung und die chinesische Regierung in der Handelspolitik eine harte Haltung einnehmen.

Die Goldpreise notieren auf einem 6-Jahres-Hoch, da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen. Die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit im Welthandel belebt den Safe-Haven-Status von Gold und steht weiterhin im Vordergrund der Anleger. Dies zeigt sich an den Netto-Positionierungsdaten für spekulative Futures auf Goldfutures, die nun bei 292.847 Kontrakten liegen - mehr als eine Standardabweichung über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, so die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Zudem beliefen sich die Netto-Notenbankkäufe im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen, 57 Prozent mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit ihrer Aufnahme als Nettokäufer im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Council (WGC).

Diese Rekordkäufe der globalen Zentralbanken unterstreichen die Notwendigkeit, ihre Reserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren. Der Kauf von Gold durch die Zentralbank ist in der Regel das klebrigere Geld und darf nicht unterschätzt werden. Gold steht auch in umgekehrter Relation zum US-Dollar, und wir erwarten, dass sich die weitere Schwäche des US-Dollars entfalten wird. Dies ist auf den zusätzlichen Druck von Trump auf die Fed, den reduzierten Renditevorteil des Dollars gegenüber Alternativen außerhalb des US-Dollar und die Ausweitung der Staatsverschuldung zurückzuführen ist, die mit dem Wirtschaftswachstum der USA überproportional wachsen wird. Die historische Verwendung von Silber als Währung, ein Mittel zur Werterhaltung und seine starke Korrelation zum Halten (fast 80 Prozent) in den letzten zehn Jahren sprechen dafür, dass Silber inmitten des volatilen Marktumfelds auf der Erfolgswelle des Goldes mitschwimmen wird.

Schwaches Wachstum mit Risiken

Die jüngste Konfrontation zwischen den USA und China in den Bereichen Handel und Währung hat zu zeitweiligen Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Sind die negativen Implikationen eines andauernden US-China Konflikts stark genug, um einen Abschwung beziehungsweise eine Rezession zu verursachen?

Treibende Faktoren

Die Bewegung der Marktpreise wird seit einigen Monaten vor allem von zwei Faktoren beeinflusst. 1) Die Geldpolitik wird immer unterstützender. Seit Anfang 2019 haben 16 Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz gesenkt. Bis Jahresende werden noch mehr Maßnahmen folgen, zum Beispiel von der Europäischen Zentralbank. 2) Der Konflikt zwischen den USA und China auf multiplen Ebenen erhöht die Unsicherheit und dämpft die Unternehmensstimmung sowie die Investitionstätigkeit beziehungsweise die Industrieproduktion. Je nachdem wie die Dimensionen Größe, Dauer und Umfang des jeweiligen Faktors ausgeprägt sind, steigen beziehungsweise fallen die Assetpreise.

Ausgangssituation: Zinsen bei null Prozent

Zinsen zeigen die Tendenz, im Fall einer Verschlechterung des Umfelds (ansteigend Unsicherheit, rückläufiges Wirtschaftswachstum) zu fallen. Die aktuelle Ausgangssituation ist jedoch bereits von einem sehr niedrigen Zinsniveau charakterisiert. Zinsen fallen zwar weiterhin, allerdings immer schwerer. Das gilt vor allem für die Eurozone, wo die Zinsen bereits negativ sind.

  • Generell gilt: der Preis des Geldes (die Zinsen) gleichen das (gewünschte) Sparen und das (gewünschte) Investieren aus. Je geringer das Zinsniveau, desto weniger attraktiv wird das Sparen und umso attraktiver wird das Investieren.
  • Geldpolitik weniger effektiv: Wenn die Zinsen ein niedriges Niveau erreicht haben, wird die Geldpolitik immer ineffektiver. Die Leitzinsen können eben nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession abzufangen. Das impliziert, dass eine Rezession größere Auswirkungen hat als in der Vergangenheit (höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Assetpreise).
  • Säkulare Stagnation: Wenn die Zinsen nicht mehr in dem nötigen Ausmaß fallen können, um die wirtschaftliche Aktivität ausreichend zu stimulieren, bleibt das Wirtschaftswachstum niedrig.
  • New Normal: Das niedrige Zinsniveau stellt damit kein (zyklisch bedingtes) außergewöhnliches sondern ein normales Niveau dar.
  • Schulden: Je niedriger das Zinsniveau, desto nachhaltiger wird der Schuldenbestand. Weil die Schuldenquoten allerdings weiter ansteigen, werden in der Zukunft Zinsanstiege unwahrscheinlicher.
  • Bewertung: Je niedriger das Zinsniveau, desto höher die Bewertung von Assetklassen. Dieser Effekt war auch in den vergangenen Monaten zu beobachten. Zahlreiche Wertpapierklassen weisen kräftige Kursanstiege auf. Allerdings: Ein überdurchschnittlicher Ertrag (Return) innerhalb von kurzer Zeit bedeutet ceteris paribus unterdurchschnittliche Erträge in der Zukunft.
  • Alternative Assets: Je niedriger das Zinsniveau und je höher die Bewertung der traditionellen Assetklassen, desto mehr steigt die Nachfrage beziehungsweise die Suche nach alternativen Veranlagungsformen an (zum Beispiel nach Kryptowährungen).
  • Ausweg: Der klassische Ausweg aus dieser „Zinsfalle“ ist eine sehr expansive Fiskalpolitik, massive Investitionen mit staatlicher Unterstützung.

Rückbau der Globalisierung

Die Ankündigung der USA im September die Zölle auf noch mehr Importe aus China anheben zu wollen und die darauf folgende Abschwächung der chinesischen Währung Renminbi haben zu Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus. Die Risiken sind klarerweise nach unten gerichtet, es gibt jedoch Argumente dafür, dass die Konfrontation nicht aus dem Ruder läuft:

  • Strategisch: Die Konfrontation zwischen den USA und China ist offensichtlich strategischer Natur, das heißt, sie bleibt für lange Zeit bestehen.
  • Zyklisch: Auch aus zyklischer Sicht hat der Konflikt an Intensität gewonnen. Die USA erhöhen die Zölle und führen Handels-Beschränkungen im Technologiesektor ein, China antwortet mit Gegenmaßnahmen.
  • Kein Nachgeben: Die Bereitschaft auf der chinesischen Seite, dem steigenden Druck aus den USA nachzugeben, ist gering. Die drei Bedingungen von China gelten weiterhin: 1) Liste der zu kaufenden US-Güter soll vernünftig sein; 2) bestehende Zölle und Beschränkungen sollen reduziert werden; 3) Vereinbarung soll die Würde Chinas respektieren.
  • Währungsinterventionen: China hat im August mit einer Abschwächung der Währung (Renminbi) geantwortet. Die USA haben China daraufhin als Währungsmanipulator gekennzeichnet. Kurioserweise war die Aktion der chinesischen Zentralbank (PBOC) darauf gerichtet, den vom Markt generierten Abschwächungsdruck des Renminbi zuzulassen. Das heißt die PBOC hat nicht mehr interveniert (Renminbi gekauft, US-Dollar verkauft). Der Titel „Währungsmanipulator“ hat zwar keine praktische Relevanz, könnte jedoch Präsident Trump die moralische Rechtfertigung für eine Währungsintervention geben (Abschwächung des US-Dollar). Das hätte wahrscheinlich markant negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
  • Währungsturbulenzen: Die Abschwächung des Renminbi bedeutet einen Wirtschaftsstimulus für China. Allerdings mit einem wichtigen Nachteil: Die Wirtschaftsprobleme in China werden exportiert. Damit haben auch andere Länder einen Anreiz, ihre Währung abzuschwächen. Es droht eine Abwertungsspirale.
  • Beschränkung für die USA: Die Taktik der USA, den Druck auf China mit Zöllen und anderen Beschränkungen zu erhöhen, wird durch die negativen Implikationen für die eigene Wirtschaft und die Finanzmärkte beschränkt.
  • Fed: US-Präsident Trump scheint hier schon vorzubauen, indem er den Druck auf die Zentralbank erhöht, die Leitzinsen zu senken. Strategisch betrachtet wäre es ein ernstes Problem, wenn die wichtigste Zentralbank der Welt an Glaubwürdigkeit einbüßen sollte. Auf kurze Sicht könnte die Schuld für eine etwaige Rezession der Fed gegeben werden, weil sie eben nicht die Leitzinsen ausreichend gesenkt hat.
  • Beschränkung für China: Auch China hat einen Anreiz, den Konflikt nicht zu eskalieren. Es geht um den Marktzugang zur größten Volkswirtschaft der Welt und um den Zugang zu wichtigen Technologien. Zudem läuft die Abschwächung des Renminbi einem wichtigen strategischen Ziel zuwider: Für die Etablierung einer Reservewährung und den Ausbau des Finanzmarktes ist eine stabile Währung eine Voraussetzung. Auch kurzfristig betrachtet birgt die Abschwächung die Gefahr in sich, dass ähnlich wie im Jahr 2015 eine Kapitalflucht aus China einsetzen könnte (auch wenn Beschränkungen das verhindern sollen).

manufacturing confidence

Schlussfolgerung

Das reale globale Wirtschaftswachstum liegt etwas unter dem Potenzial (Durchschnittswachstum). Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen stagnieren, während die kräftigen Bereiche Arbeitsmarkt und Servicesektor langsame Erosionsmerkmale aufweisen. Aktuell sind die Umfragen zur Unternehmensstimmung ein wichtiger Indikator für die Abschwächung der Rezessionswahrscheinlichkeit. Selbige fallen seit Anfang 2018. Der massive Schwenk der Geldpolitik von „Leitzinsanhebung“ auf „Leitzinssenkung“ hat die Kurse von zahlreichen Wertpapierklassen kräftig unterstützt. Das Zinsniveau ist jedoch bereits sehr niedrig, weshalb zusätzliche positive Impulse der Zentralbanken bescheiden sein werden. Wenn die Einschätzung Bestand hält, dass der Konflikt zwischen den USA und China nicht substanziell eskaliert, werden die Auswirkungen zwar negativ aber nicht stark genug sein, um eine globale Rezession auszulösen. Die Gültigkeit der Annahme wird in den kommenden Monaten mit Indikatoren wie jenen zur Unternehmensstimmung zu testen sein.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Sprudelnde Steuereinnahmen, gesellschaftliche Vorzüge und vielversprechende Investitionen

Die globale Prohibition von Cannabis bröckelt, so Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Großteile Nordamerikas und Europas sowie Teile Südamerikas und Asiens nutzen Medical Cannabis. 11 Staaten der USA sowie Kanada haben auch die Genussmittel-Anwendung von Cannabisblüten für Erwachsene legalisiert. 

Allen voran Colorado, der westlich-zentral-amerikanische Bundesstaat hat bereits 2014 Cannabis vollumfänglich legalisiert. Das bedeutet neben der medizinischen Anwendung auch den Erwachsenen Konsum als Genussmittel staatlich reguliert.

Für den Bundesstaat Colorado könnte es nach dieser Entscheidung kaum besser laufen. Seit 2014 wurden Cannabis-Produkte im Wert von ca. 6 Milliarden Dollar verkauft, allein im vergangenen Jahr 2018 wurden 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt. Das resultiert in Steuereinnahmen von 266,5 Millionen Dollar, summiert über 1 Milliarde Dollar Steuereinnahmen in den 4 Jahren seit der Legalisierung. Colorado hat 6 Millionen Einwohner – miteinbezogen sind Anreihen-Staaten und Tourismus.

Laut seriösen Statistiken sinkt die Zahl der jugendlichen Konsumenten stetig. Die legale Cannabis-Industrie verkauft das Genussmittel für Erwachsene in Fachgeschäften, sogenannten Dispensaries. Die Zahl der Schwarzmarkt-Dealer, die keinen Jugendschutz einhalten, sinkt. Das Interesse und der Reiz an dem nun legalen Cannabis nehmen scheinbar ab. Es gibt weitergehend weder eine steigende Anzahl von Verkehrsunfällen noch von anderen Ordnungswidrigkeiten oder Verbrechen.

Für Deutschland locken, laut einer renommierten Studie von Prof. Dr. Justus Haucap, Steuereinnahmen in Höhe von mindestens 2.66 Milliarden Euro jährlich sowie zehntausende legale, neue Arbeitsplätze. Weitergehend fiel ein beträchtlicher Aufwand für Justiz- und Polizeiapparat nicht mehr an.

Auch bei unseren Nachbarn gibt es volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Zustimmung. Da die bisherige, restriktive Gesetzgebung in Frankreich ihre Wirkung verfehlt habe, plädieren Experten des renommierten Rats für Wirtschaftsanalysen CAE (conseil d’analyse économique) für die Legalisierung von Cannabis. Der Rat ist direkt dem Premierminister Frankreichs unterstellt und soll der Regierung bei politischen Entscheidungen helfen. Das bisherige System von Verboten in Frankreich, das seit 50 Jahren gefördert werde, sei ein Misserfolg, so die Autoren. Trotz einer der strengsten Gesetzgebungen in der EU gehöre Frankreich zu den größten Konsumenten von Cannabis. Das Land könne bei einem jährlichen Konsum von 500 bis 700 Tonnen Cannabis Steuereinnahmen von bis zu 2,8 Milliarden Euro erzielen. Zudem entstünden auch hier die erwähnten positiven Eigenschaften für die Gesellschaft.

Neben der pharmazeutischen Anwendung und der Verarbeitung als Bio-Rohstoff, bringen die möglichen massiven Steuereinnahmen der Genussmittelbranche eine politische Entwicklung in Schwung, die der Legalisierungs-Thematik und der Hanf-Industrie weitergehende Kraft verleiht.

Schätzungen gehen von einem jährlichen globalen Genussmittel-Cannabis-Umsatz von 344 Milliarden Euro aus. Es wäre wünschenswert, diese seit Jahrzehnten ohnehin bestehende Schwarzmarkt-Industrie in eine legale, steuerzahlende Industrie zu wandeln. Wie das funktioniert, zeigen uns bereits Teile Nordamerikas.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 8 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Aktien zwischen Geldpolitik und Wirtschaftsdaten

Nach der jüngsten EZB-Sitzung ist klar, dass es wieder Lockerungsschritte in der Geldpolitik geben wird. Die letzten Daten geben der Notenbank recht, oder zumindest eine Rechtfertigung. Die Inflation ist weit vom Ziel der Notenbanken entfernt und Teile der Wirtschaft – siehe Produktionssektor – schwächen sich immer stärker ab. Die Befürworter meinen, die Notenbank habe unbegrenzte Mittel und würde ihr Ziel früher oder später erreichen. Die Gegner monieren, dass die bisherigen Maßnahmen nichts gebracht hätten außer eine Perversion des Anleihenmarktes. Die Aktienmärkte sitzen zwischen den Stühlen. Die Liquiditätsschwemme trifft zwar (noch) nicht direkt auf den Aktienmarkt, durch sinkende Zinsen und Renditen eröffnet sich jedoch für den Aktienmarkt der Spielraum für höhere Bewertungen. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Liquidität und Volatilität negativ, also je mehr Liquidität, desto geringer die Volatilität. Geringeres Risiko bedeutet wiederum höhere Bewertungen.

Trotzdem handeln viele Aktienmärkte im Nirgendwo. Europa, Japan und Emerging Markets sind trotz aller Bemühungen immer noch unter den Niveaus von Anfang 2018. Der US-Markt überstrahlt einfach alles mit den großen Technologie-Werten, die den Markt zu Höchstständen treiben. US-Industriewerte haben übrigens auch seit anderthalb Jahren keinen neuen Höchststand mehr gesehen. Weite Teile des globalen Aktienmarktes leiden unter der Abschwächung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne.

Momentan sind die Faktoren Liquidität und Fundamentaldaten im Gleichgewicht, eine neutrale Haltung daher weiterhin gerechtfertigt. Wie wird sich das auflösen? Entweder die Wirtschaftsdaten erholen sich (unterstützt etwa durch Fortschritte im Handelskonflikt) oder der Produktionssektor zieht den Dienstleistungssektor mit nach unten in die Rezession. Mit mehr Evidenz in die eine oder andere Richtung werden wir uns wieder aktiver positionieren als zuletzt.

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Aktien: Anhaltende Hochstimmung

Heuer gibt es kein Sommerloch, denn der US-Markt hat im Juli wieder ein Allzeithoch erreicht! Teilweise bessere Unternehmensdaten und vor allem die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen trieben die Stimmungslage nach oben. Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) sank zeitgleich auf weit unterdurchschnittliche Werte. Ausschlaggebend sind aber weniger fundamentale Daten, die globale Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte – eventuell sogar längerfristige – monetäre Lockerung der führenden Notenbanken. Das lässt auch Handelskonflikte oder politische Spannungen um den Iran in den Hintergrund treten.

Osteuropa (Russland) ist 2019 weiter top, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus – wobei Deutschland aktuell eher stagniert. China und damit auch Emerging Asia sind im zweiten Quartal aufgrund des Handelskonflikts zurückgefallen. Durch das große Gewicht Asiens liegt auch der globale Emerging-Market-Aktienindex deutlich hinter den „entwickelten Märkten“.

Globale Konjunktur: Konjunkturindikatoren tendenziell unter Druck

Beim Blick auf die Wirtschaftsdaten stehen die vorauseilenden Frühindikatoren, etwa die Einkaufsmanagerindizes aus der Industrie, weiter unter Druck. Die Unsicherheit rund um den Handelskonflikt lastet insbesondere auf der Exportindustrie (z. B. deutsche Autohersteller). Die Economic Surprise Indices, welche die Abweichung aller veröffentlichen Konjunkturdaten in Relation zum Analystenkonsens abbilden, sind allesamt im negativen Terrain. Die Daten fallen also mehrheitlich schwächer aus als die Prognosen der Volkswirte. Die sogenannten harten Daten zum Arbeitsmarkt, zum Konsum oder auch zum Immobilienmarkt halten sich allerdings noch relativ stabil auf hohem Niveau.

Die aktuell und auch mittelfristig erwarteten niedrigen Inflationszahlen eröffnen zudem den Notenbanken Spielraum für expansive Schritte. Diese sind mit der US-Leitzinssenkung soeben angelaufen. Auf der Unternehmensebene dürften die US-Unternehmensgewinne auch in der laufenden Berichtssaison positiv überraschen, wenngleich der Ausblick verhalten ausfällt.

Aktien USA und Europa: Feste Märkte dank Geldpolitik-Erwartungen

Die Aktienmärkte entwickelten sich in den letzten Wochen tendenziell seitwärts, weiterhin stehen weniger die Fundamentaldaten im Mittelpunkt, als vielmehr politische Themen wie Handelspolitik und vor allem die Geldpolitik. Denn die internationalen Notenbanken erweisen sich einmal mehr als wichtigster Unterstützungsfaktor.

Relativ gute aktuelle Berichtssaison in den USA: Obwohl im Vorfeld der Veröffentlichungen zum zweiten Quartal ein rückläufiges Gewinnwachstum erwartet wurde, fällt die Zwischenbilanz etwa der Hälfte aller S&P 500-Unternehmen positiv aus. Dennoch tendieren die Gewinnrevisionen der Analysten auf Basis des Ausblicks der Firmenchefs sowohl in den USA wie auch in allen anderen Regionen nach einer Erholung im Frühjahr nun wieder nach unten. In Europa stellen sich die Quartalsberichte im Gegensatz zu den USA durchwachsen dar und es mehren sich insbesondere in der Exportwirtschaft Gewinnwarnungen infolge erschwerter operativer Rahmenbedingungen.

Wir behalten aktuell unsere neutrale Aktiengewichtung in den Portfolios bei.

Emerging Markets: Es sind nicht die Fundamentaldaten

Die leichte Erholung bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-Aktien setzt sich fort. Insbesondere bei Aktien aus dem asiatischen Raum ist das bemerkenswert, da hier der Einfluss des Handelskonflikts und der damit einhergehende Rückgang des Welthandels den stärksten Niederschlag finden sollte. Dennoch war die Kursentwicklung im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten sehr verhalten. Daher haben wir Emerging-Market-Aktien weiter vorsichtiger gewichtet bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-Market-Aktien attraktiv bewertet.

Volkswirtschaften in Mitteleuropa – losgelöst von der Eurozone

Die mitteleuropäischen Staaten trotzen der schwächelnden Eurozone mit starken Wachstumsraten, so Nikolay Markov, Senior Economist bei Pictet Asset Management. Was sind die Gründe dafür und wie können Investoren davon profitieren?

Die Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa konnten überraschend kräftige Wachstumsraten erzielen und sich dadurch offensichtlich vom schwächelnden Euroraum loslösen. Ihre Widerstandsfähigkeit verdanken sie einer regen Binnennachfrage, gestützt von Verbraucherkrediten. Wie lange kann dieser Trend anhalten und wie können Investoren davon profitieren?

STEIGENDE VERBRAUCHERKREDITE IN DEN V4-STAATEN

Abb. 1: Zunahme der Verbraucherkredite in den V4-Staaten

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Daten vom April 2019

Dabei sind drei Einflussfaktoren zu berücksichtigen. 

1. Angespante Lage auf dem Arbeitsmarkt

Historisch niedrige Arbeitslosenquoten und ein starkes Beschäftigungswachstum sorgen für eine deutlich angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt und beflügeln zugleich die Verbraucherausgaben (siehe Abb. 2 und Abb. 3 unten).

AUFGRUND DER SINKENDEN ARBEITSLOSIGKEIT UND DES BESCHÄFTIGUNGSWACHSTUMS IST DIE LAGE AUF DEM ARBEITSMARKT ANGESPANNT

Abb. 2 (links): Arbeitslosenquote / Abb. 3 (rechts): Beschäftigungswachstum

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Links: Daten aus Ungarn und Rumänien vom März 2019; Daten aus Polen vom April 2019; Daten aus der Tschechischen Republik vom Mai 2019. Rechts: Daten aus der Tschechischen Republik und aus Ungarn vom März 2019; Daten aus Polen und Rumänien vom April 2019.

Infolgedessen stiegen die Nominallöhne in allen V4-Staaten merklich an, von 7,1 % in der Tschechischen Republik bis hin zu 21,6 % in Rumänien. In der Eurozone liegt dieser Wert bei gerade einmal 2,4 %. 

IM UNTERSCHIED ZUR EUROZONE SIND DIE LÖHNE IN DEN V4-STAATEN GESTIEGEN

Abb. 4: Nominallöhne, % im Jahresvergleich, gleitender 6-Monats-Durchschnitt

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Daten aus der Tschechischen Republik, aus Ungarn und der Eurozone vom März 2019. Daten für Polen und Rumänien vom April 2019.

2. Lohninflation zieht Verbraucherpreisinflation nach sich

Die zweite Stufe des Transmissionskanals, d. h. von der Lohn- hin zur Verbraucherpreisinflation, ist auch in den V4-Staaten eingetreten – im Gegensatz zum Euroraum. Sowohl die Gesamtteuerung als auch die Kerninflationsrate sind gestiegen (siehe Grafik unten).

DIE LOHNSTEIGERUNGEN SCHLAGEN SICH IN DER INFLATION NIEDER

Abb. 5: Durchschnitt der Gesamtteuerung und der Kernrate des VPI, % im Jahresvergleich

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Daten vom Mai 2019; Daten für die Eurozone vom Juni 2019.

3. Zentralbanken

Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks wären verstärkte Maßnahmen seitens der Zentralbanken zur Eindämmung der Inflation zu erwarten. Außer in Tschechien und mit Einschränkungen in Rumänien fehlt dieses Element jedoch bislang im gesamten Szenario.

ZENTRALBANKEN REAGIEREN LANGSAM AUF DEN INFLATIONSDRUCK

Abb. 6 (links): wichtigste Leitzinsen der Zentralbanken / Abb. 7 (rechts): VPI-Inflation und Inflation des Erzeugnispreisindexes in Rumänien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Links: Alle Daten vom Juni 2019; Daten für die Eurozone vom Mai 2019.
Rechts: Inflation des Erzeugerpreisindexes im April 2019, VPI-Inflation im Juni 2019.

Besonders besorgniserregend ist die Lage in Rumänien. Dort liegt die Inflation mittlerweile über dem angestrebten Wert (siehe Abb. 7 oben rechts), nachdem die Zentralbank letztes Jahr eine Normalisierung der Geldpolitik eingeleitet, die restriktiven Maßnahmen anschließend aber ausgesetzt hat.

Investoren in den V4-Staaten sollten auf eine baldige Normalisierung der Geldpolitik achten. Dies liegt an den positiven innerstaatlichen Bedingungen, die zu einer höheren Kerninflation beitragen. In der Eurozone wünscht man sich solche Verhältnisse, befindet sich aber in dieser Hinsicht leider am anderen Ende. Dennoch müssen Investoren auch eine Auge darauf haben, dass einige Volkswirtschaften aufgrund der wachsenden Leistungsbilanzdefizite, der Verschlechterung des Staatsetats und der steigenden Staatsverschuldung gefährdet sind. Dies trifft insbesondere auf Rumänien und Ungarn zu.

Fazit

Die V4-Staaten sind aufgrund ihres lohninduzierten Wachstums weitgehend immun gegen die Stagnation in der Eurozone. Nach unserer Auffassung bieten sich dadurch Investitionsmöglichkeiten insbesondere bei den Aktien (siehe nächster Abschnitt).

EINSCHÄTZUNG UNSERES EMERGING EUROPE EQUITY TEAMS

von Christopher Bannon, Senior Investment Manager, Pictet Emerging Europe.

Mit der Flut steigen zwar alle Boote, ein Wirtschaftsboom sorgt dagegen nicht immer für steigende Aktien. Dies ist gerade in den V4-Staaten zu beobachten. Auffallend ist zum Beispiel die in Polen seit Jahresbeginn anhaltende Underperformance in maßgeblichen Indexsektoren wie Finanzen oder Energie, wohingegen im Mid-Cap-Bereich der Basiskonsumgüter und Kommunikationsdienstleistungen eine starke Outperformance zu verzeichnen ist.

VERBRAUCHERORIENTIERTE SEKTOREN FÜHREN DAS WACHSTUM AN

Abb. 8: MSCI-Indizes für Polen

Quelle: Pictet Asset Management, Bloomberg L.P., vom 30.06.2019

Das konsumdominierte Wachstum ging auf Kosten von Banken und Energieunternehmen, die das Rückgrat an Steuereinnahmen für einen expansiven Politikkurs bilden.

Darüber hinaus sind die Märkte der V4-Staaten im Vergleich zu den maßgeblichen gleichrangigen Ländern* Russland und Türkei teuer (siehe Grafik unten).

DIE V4-STAATEN SIND IM VERGLEICH ZU MASSGEBLICHEN GLEICHRANGIGEN LÄNDERN TEUER

Abb. 9: Schätzungen für die V4-Staaten

Quelle: Pictet Asset Management, Factset, vom 30.06.2019

Insgesamt sehen wir die Volkswirtschaften der V4-Staaten als Märkte für eine Stockpicking-Strategie, wo wir selektiv in vielversprechende Werte investieren. Aktuell halten wir vorrangig Papiere an polnischen Unternehmen, die von Konsumausgaben abhängig sind, und meiden den Finanz- und Bankensektor.


* MSCI EM Europe Index

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Über die Autoren

Nikolay Markov kam 2013 als Volkswirt zur Fixed Income-Abteilung bei Pictet Asset Management. Davor arbeitete er bei der Geldpolitikanalyse der Schweizer Nationalbank, wo er Untersuchungen zu den Regeln der Geldpolitik für die Schweiz durchführte. Vor dieser Position arbeitete er als Lehr- und Forschungsassistent an der Universität Genf und nahm an internationalen akademischen Konferenzen teil. Nikolay Markov hat einen PhD in Volkswirtschaft von der Universität Genf und erwarb am Studienzentrum der Schweizer Nationalbank in Gerzensee ein PhD-Zertifikat.

Christopher Bannon kam 2007 zu Pictet Asset Management und ist heute Senior Investment Manager im Emerging Markets Equities Team mit Spezialisierung auf Schwellenländer Europas und Russland.
Christopher Bannon kam 2007 als Risikomanager zu Pictet, bevor er 2011 ins Emerging Equities Research Team wechselte, wo er sich auf den Energiesektor in den globalen Schwellenmärkten spezialisierte. Christopher Bannon begann 2005 seine berufliche Laufbahn bei Citigroup, wo er 18 Monate als Analyst in der Abteilung für titelspezifische Ereignisse arbeitete.
Christopher Bannon schloss das Trinity College Dublin mit einem BA (Hons) in Mathematik und Philosophie ab und erwarb dann am Imperial College London einen MSc (mit Auszeichnung) im Finanzwesen. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Handelskrieg: Die Eskalationsspirale dreht sich weiter

Nächste Runde im Handelskrieg: Präsident Trump hat angekündigt, alle verbleibenden Importe aus China ab dem 01. September mit Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent zu belegen. Das betrifft Waren im Gegenwert von rund 300 Milliarden US-Dollar. „Praktisch wird der betroffene Warenwert deutlich geringer ausfallen. Importe aus China stürzen bereits jetzt ab – seit Jahresbeginn um 12 Prozent – und werden wahrscheinlich noch deutlich weiter fallen“, kommentiert Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM). Der Einbruch des Handels zwischen den USA und China sei bereits jetzt größer als während der Finanzkrise.

Die vorherigen Strafzölle hätten vor allem Investitionsgüter und Zwischenerzeugnisse betroffen und schienen in den US-amerikanischen Lieferketten teilweise absorbiert worden zu sein. Die neuen Zölle hingegen würden direkt prominente Konsumgüter wie Kleidung, Schuhe, Videospiele, Fernseher, Telefone und Sportartikel treffen. „Wenn Trump sagt, er wolle China mit immer neuen Abgaben herausfordern, wird auch der Mehrheit der US-Bevölkerung klar werden, dass dann die USA darunter leiden. Die Verbraucher bekommen jedoch vom Einzelhandel die Erklärung, dass die Preissteigerungen auf Trumps neue Zölle zurückgehen“, erklärt der Ökonom. Er prognostiziert einen weiteren Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent und einen Anstieg der Kerninflation um 0,1 Prozent, vorausgesetzt 50 Prozent laufen durch. Zudem seien indirekte Auswirkungen auf das Geschäftsklima sowie die finanziellen Rahmenbedingungen zu erwarten. „Die Strafzölle werden zwar die Staatseinnahmen verbessern, aber der Haushalt ist inzwischen festgeschrieben“, so Drayson. Es bestehe also nur wenig Spielraum, mit den Mehreinnahmen die Folgen abzumildern.

„Die Fed kann einen Teil der Auswirkungen ausgleichen“, so Drayson. Der Markt habe bereits eine Leitzinssenkung im September vollständig eingepreist. Allerdings sei die Fed eher zurückhaltend, über die bereits eingepreisten Wachstumsimpulse hinaus aktiv zu werden. „Zum einen besteht die Möglichkeit, dass Trump plötzlich umschwenkt und ein Abkommen abschließt. Zum anderen missbilligt die Notenbank Trumps Versuche, sie zu Zinssenkungen zu drängen“, macht Drayson deutlich. Sollten sich die Strafzölle unmittelbar inflationär auf die Konsumgüter auswirken, könnte es für die Fed einfacher sein, Trumps Forderungen zu widerstehen.

Wie werde China zurückschlagen? Peking habe bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. „Die chinesische Führung wird ihren Ansatz ändern und dazu übergehen, den USA größtmöglichen Schaden zuzufügen. Das Ziel ist, einen Regierungswechsel bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020 herbeizuführen“, sagt er. Trump werde wahrscheinlich noch stärker auf seine erfolglose Strategie setzen, China zu Strukturreformen zu zwingen, denen Peking nicht zustimme.

In der Zwischenzeit geht Drayson von weiteren Konjunkturmaßnahmen in China aus. Darüber hinaus werde die chinesische Führung bereit sein, den Renminbi auf über 7 RMB gegenüber dem Dollar abzuwerten. „Das wird die Auswirkungen zwar teilweise ausgleichen, aber wir erwarten dennoch einen weiteren Rückgang des offiziell prognostizierten chinesischen Wirtschaftswachstums für 2020 von 0,2 Prozent“, argumentiert Drayson. „US-Wirtschaftsunternehmen werden in China ein zunehmend schwieriges Terrain vorfinden. Unmittelbar über gestiegene Regulierung, Strafen und Ungleichbehandlung; mittelbar durch einen patriotischen Boykott von US-Marken. Vermutlich wird China zudem eine Kampagne führen, um Tourismusreisen in die USA zu unterbinden“, schließt Drayson.

Drohender „Hard-Brexit“ drückt Pfund weiter nach unten

Der neue britische Premierminister, Boris Johnson, bereitet Großbritannien auf einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union vor. Der Nachfolger von Theresa May hat sein Regierungsteam vor allem mit Brexit-Hardlinern besetzt.

Sollte es keine weiteren Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der EU geben, werde Großbritannien die Union am 31. Oktober diesen Jahres ohne eine eigene vertragliche Regelung der künftigen Beziehungen verlassen, heißt es derzeit aus London.

Der „Hard-Brexit“ wurde lange als wirtschaftlich ungünstigster Ausgang des ersten EU-Austritts der Geschichte beschrieben. Nun könnte dieses schlimmste Szenario tatsächlich Realität werden. Schon jetzt spürt das Vereinigte Königreich massive Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit, die der Brexit verursacht. Besonders sichtbar wird dies etwa beim Kurs des britischen Pfunds.

Historische Tiefstände

Die konjunkturellen Risiken des Brexit belasten den Wert der britischen Währung stark. Bereits unmittelbar nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 war das Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen. Nach der mit 51,9 % knappen Mehrheit für den Austritt rutschte es unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Mehr als drei Jahre und drei Regierungschefs später tendierte der Pfund-Kurs in der Vorwoche nun im Bereich von 1,21 US-Dollar.

Seit dem Votum verbilligte sich das Pfund zum Euro um etwas mehr als 13 %, alleine in den vergangenen zwölf Monaten ging es 2,8 % abwärts. Der Wechselkurs wirkt sich stark auf Beteiligungen und Anlageprodukte aus, die in der Finanzmetropole London gehandelt werden.

Am Aktienmarkt steht den klaren Währungsverlusten jedoch eine grundsätzlich positive Tendenz gegenüber. Der Leitindex der Londoner Börse FTSE-100 beispielsweise hat seit Juni 2016 um über ein Fünftel zugelegt. Während ein niedrigerer Pfundkurs britische Produkte außerhalb des Königreichs attraktiver macht, wird es für Briten teurer, etwa aus der Eurozone zu beziehen.

Doch entscheidend für die weitere Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien werden nicht Wechselkurseffekte sondern Handelshemmnisse sein. Diese werden in Form von weniger Rechtssicherheit, Zöllen und höherem Bürokratieaufwand durch einen „Hard Brexit“ wieder stärker erwartet.

Brexit: kurs britisches pfund in euro

Gegenmaßnahmen in Haushalts- und Geldpolitik

Davon scheint selbst die neue Regierung in London überzeugt: Sie hat in der Vorwoche 2,1 Milliarden Pfund zusätzlich für Vorbereitungen auf einen Brexit veranschlagt. Insgesamt hat das Finanzministerium damit für das laufende Haushaltsjahr 4,2 Milliarden Pfund eingeplant, um auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet zu sein.

434 Millionen Pfund sollen eingesetzt werden, um etwa die Medizinversorgung durch zusätzliche Frachtkapazitäten, Lager und Vorräte sicherzustellen. Einer der Knackpunkte dürfte die Grenze zwischen dem EU-Land Irland und der britischen Provinz Nordirland werden, an der Kontrollen drohen, die dann den Warentransport verlangsamen und verteuern.

Die britische Notenbank will unterdessen auf einen harten Brexit nicht automatisch mit einer Änderung ihrer Zinspolitik reagieren. Das stellte der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney, Ende Juni bei einer Anhörung im Parlament klar.

Die britischen Währungshüter ließen den Leitzins zuletzt einstimmig unverändert bei 0,75 %. Zugleich betonten sie, eine „stufenweise und begrenzte“ Straffung der Geldpolitik werde nötig, um ihr Inflationsziel in den kommenden Jahren zu erreichen. Eine Zinserhöhung stehe aber unter dem Vorbehalt, dass der Brexit reibungslos gelinge – eine Annahme, die aktuell nicht an Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Bei der Reaktion sei neben Angebot und Nachfrage eben der Pfund-Wechselkurs zu berücksichtigen, sagte Carney.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Sag niemals Niedrigzins!

Mehr Spannung für Ihr Bond-Portfolio – mit globalen Lokalwährungsanleihen

von Susanne Hellmann, DekaBank.

Gute Nachrichten für alle, die wehmütig an die guten alten Zinsen zurückdenken: Hohe laufende Zinserträge sind auch heute noch möglich! Rentenorientierte Anleger können ihr Portfolio durch granular gestreute Anlagen in Lokalwährungen ergänzen und sich damit die Chance auf überdurchschnittliche Ausschüttungen und zusätzliches Kurspotenzial nutzen. Weiterer positiver Effekt: Eine höhere Diversifikation.

Harte Währungen, harte Konditionen

Sprechen Anleger über Währungsinvestments, dann assoziiert man damit in erster Linie die großen Schwergewichte wie US-Dollar, Euro, britisches Pfund, Schweizer Franken oder den japanischen Yen. Doch auch wenn die Zinssätze für langlaufende US-Staatsanleihen wieder eine nennenswerte Höhe erreicht haben, bieten die Kupons von Anleihen in den anderen Hartwährungen keinen wirklichen Grund zur Euphorie: Echte Rendite-Pick-ups gibt es nur für ein deutlich höheres Durations- und/oder Kreditrisiko. Ein Engagement in Fremdwährung wird zudem von vielen institutionellen Investoren noch immer eher als Spekulation denn als solide Positionierung empfunden und am besten möglichst zügig abgesichert.

Ziel: Überrendite. Richtung: Emerging Markets

Fakt ist jedoch: Schwellenländer und Frontier Markets repräsentieren einen Großteil der weltweiten Wirtschaftskraft und profitieren besonders stark von der Globalisierung. Für eine Anlage in diesen Märken sprechen insbesondere eine relativ geringe Staatsverschuldung und eine gute Wachstumsdynamik. Diese liegt oft über denen der westlichen Industrienationen.

Für eine Anlage sprechen insbesondere eine relativ geringe Staatsverschuldung und eine gute Wachstumsdynamik.

Geringe Staatsverschuldung

Die Verschuldungsquote von Schwellenländern ist oft deutlich geringer als in Industrienationen.

Starke Wachstumsdynamik

Kontinuierlich steigender Anteil der Emerging Markets am weltweiten Wirtschaftswachstum.

Fünf Gründe für ein Investment in Emerging & Frontier Markets:

1.     Kontinuierlich niedrige Renditen in der Eurozone

Der gegenwärtige Renditedruck führt zu Kapitalzuflüssen in den Emerging Markets. Steigendes internationales Interesse, höhere Liquidität und Nachfrage nach lokaler Währung kann zu steigenden Preisen führen.

2.     Globales Wirtschaftswachstum schwächt ab

Schwellenländer sollten auch zukünftig weiterhin höhere Wachstumsraten als Industriestaaten bieten. Eine globale Rezession ist derzeit nicht zu erwarten.

3.     USA und US-Dollar verlieren an Dominanz

US-Renditen sollten in nächster Zeit nur moderat steigen. Auch ein Trend in Bezug zu Euro oder US-Dollar ist nicht zu erkennen. Stattdessen zeichnet sich bereits ein paar Jahren ein globaler Trendwechsel ab, in dessen Folge der US-Dollar an Dominanz verlieren wird.

4.     Geringe Inflationsgefahren

Die globalen Zentralbanken sollten weiterhin eher zu einer lockeren Geldpolitik neigen.

5.     Krise in den Schwellenländern nicht in Sicht

Landesspezifische Risiken, wie etwa Wahlen in Argentinien oder Deleveraging in China, lassen sich durch breite Diversifikation und höhere Zinserträge abfedern.

Währungen neu denken!

Anleger, die überproportionale Ausschüttungen fordern, aber auch überschaubare Wertschwankungen tolerieren, sollten sich dem Markt für Fremdwährungsanlagen vorurteilsfrei nähern: Vergleicht man die Renditen eines beliebigen Emittenten für eine in Hartwährung und eine in lokaler Währung begebene Anleihe mit identischer Laufzeit, ist die lokale Variante sehr oft die attraktivere Alternative. Die Rendite-Spreads in Lokalwährung sind deutlich höher als bei Euro- oder US-Dollar-Denominierung und ermöglichen zusätzliche Erträge.

Robuster Investmentprozess für solide Ergebnisse

Mit einer Anlage in lokalen Währungen aus Schwellenländern und Frontier Markets können Anleger an vergleichsweise hohen Kupons partizipieren, sich die Chance auf mögliche Wechselkursgewinne sichern und schließlich ihre risikoadjustierte Rendite deutlich verbessern – sofern sie die Auswahl der Länder, Emittenten und schließlich die Selektion der Einzeltitel in einen soliden, bewährten Prozess überführen, über globale Marktzugänge und Referenzbanken verfügen und auf eine hohe Expertise im laufenden Management von Währungs- und Anleihepositionen zurückgreifen können.

Schritt 1: Quality first!

Wer Wert auf Qualität legt und von der aufwendigen fundamentalen Analyse einzelner Unternehmen absehen möchte, konzentriert sich auf supranationale, staatliche oder staatsnahe Emittenten sowie Förderbanken und Finanzinstitutionen weltweit und legt den Schwerpunkt auf lokale Währungen – ohne sich darauf zu beschränken. So benötigen Entwicklungsbanken oftmals lokale Währungen zur Kreditvergabe an Unternehmen auf dem Heimatmarkt, unter anderem für Projektfinanzierungen. Zugleich begeben andere Institutionen Hartwährungsanleihen mit attraktiven Zinssätzen, um ihren Auslandsverpflichtungen nachzukommen. 

Das grundsätzlich weltweite Auswahluniversum an Ländern und Währungen wird dabei lediglich durch etwaige Anlagebeschränkungen für ausländische Investoren, begrenzte Konvertierbarkeit oder unzureichende Liquidität für institutionelle Bedürfnisse eingeschränkt.


Anlageinstrumente

Der Schwerpunkt liegt auf liquiden und gut bewertbaren fest oder variabel verzinslichen Wertpapieren, aber auch inflationsgebundenen Anleihen.


Schritt 2: Top-down zu Land und Währung

Ist das Auswahluniversum hinreichend definiert, gibt die fundamentale Analyse der möglichen Zielländer und -währungen Aufschluss über deren Attraktivität für eine Investition. Im Interesse des Anlegers stehen neben der wirtschaftlichen Entwicklung insbesondere politischer Konsens und Stabilität. Makroökonomische Kennzahlen zur Solvenz, Liquidität und Stabilität fungieren als objektiv-quantitative Entscheidungsparameter für eine mögliche Investition.

Auf Basis der kurz- bis mittelfristigen Marktperspektiven unter Berücksichtigung von Inflationsentwicklung und etwaiger Wechselkurseffekte erfolgt die Szenario- und Performance-Simulation. 


Währungen brauchen Expertise.

Wechselkursentwicklungen von Lokalwährungen sind oftmals von anderen Einflussfaktoren abhängig als Hartwährungen. Die Bewertung des Trade-offs zwischen Zinschance und Wechselkursrisiko erfordert höchste Expertise in der qualitativen und quantitativen Analyse.


Schritt 3: Bottom-up zum Portfolio

Bei der Erstellung einer Empfehlungsliste für die Einzeltitelselektion stehen die mittelfristige Bonität der Emittenten und die Liquidität der Wertpapiere im Vordergrund. Die Analyse umfasst u. a. eine Relative-Value-Betrachtung gegenüber vergleichbaren Wertpapieren, Emittenten und Neuemissionen. Für die Auswahl einzelner Anleihen ist die lokale Zinsstrukturkurve von großer Bedeutung. In der Praxis hat sich bereits oft herausgestellt, dass längere Laufzeiten weder eine lohnenswerte Zusatzrendite noch die nötige Liquidität aufweisen, weshalb die durchschnittliche Duration des optimierten Portfolios vergleichsweise niedrig ist (derzeit unter drei Jahren).


Wer absichert, verliert.

Mit einer qualitativ hochwertigen Auswahl und einer extrem granularen Diversifikation von Emittenten, Währungen und Restlaufzeiten lassen sich die Länder-, Kredit- und Liquiditätsrisiken bereits deutlich reduzieren. Eine Absicherung der Wechselkursrisiken kostet Anleger mindestens den Renditevorteil gegenüber dem Euro. Zumeist sind aber Forward-, Swap- und Optionsmärkte nicht hinreichend entwickelt oder liquide und Absicherungen daher nur zu sehr hohen Kosten verfügbar. In Einzelfällen können Derivate dennoch zur Absicherung eingesetzt werden.


Schritt 4: Lokal anlegen, global diversifizieren

Anleger sollten eine wirklich globale Diversifikation anstreben – wer sich nur auf die größten Emerging Markets, wie etwa die BRICS-Staaten oder die Next Eleven beschränkt, vergibt nicht nur Renditechancen, sondern reduziert auch die möglichen Diversifikationseffekte.

Eine intelligente Gleichgewichtung der Währungen innerhalb definierter Marktgrößen – für Frontier Markets etwa 1 Prozent, für mittelgroße Märkte ca. 2 Prozent und für etablierte Emerging Markets rund 3 Prozent – sorgt für eine höchst granulare Risikostreuung über Länder und Emittenten. Unter diesen Bedingungen kann das Zielportfolio über 70 Währungen, mehr als 300 Emittenten und über 1000 Anleihen umfassen.


Durchhalten zahlt sich aus

Handelskosten, also die Geld-Brief-Spanne und Transaktionsgebühren, sind bei Engagements in Schwellenländern und ihren Finanzinstrumenten deutliche höher als etwa in der Eurozone. Ein intelligenter Ansatz reduziert die Handelskosten, indem Anleihen in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten werden.


Schritt 5: Integriertes Risikomanagement durchführen

Risikomanagement und -controlling erfordern angesichts der Anzahl der Währungen und Positionen klar definierte Prozesse und eine permanente Überwachung der Risiko- und Performance-Kennziffern.

  • Länderrisiken
  • Kreditrisiken
  • Zinsrisiken
  • Wechselkursrisiken
  • Liquiditätsrisiken
  • operationelle Risiken

Die Strategie im Überblick

Anlageziel

  • Realisierung einer höheren Rendite als in Euro-Anleihen
  • Benchmarkfreie Strategie

Investmentuniversum

  • global
  • staatliche, staatsnahe und supranationale Emittenten, Banken
  • Fokus auf Lokalwährungen aus Emerging Markets, Frontier Markets und Industrienationen

Management

  • aktiv, fundamentalanalytisch (qualitativ und quantitativ)
  • systematische Entscheidungsfindung
  • Kombination von langjähriger Expertise und mathematischer Modellierung

Ansatz

  • Fokus auf kontinuierlich hohe Ausschüttungen
  • granulare Diversifikation
  • kurze Duration
  • Endfälligkeitsansatz (Held to maturity)  

Ziele eines typischen Anlegers

  • Erzielung hoher regelmäßiger Ausschüttungen
  • Sicherung einer Chance auf Zusatzerträge durch Währungs- und Kursgewinne
  • Wertschwankungen sollten toleriert werden 

Über die Deka

Die DekaBank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften bildet sie die Deka-Gruppe. Mit Total Assets in Höhe von rund 276 Mrd. Euro (per 31.12.2018) sowie rund 4,7 Millionen betreuten Depots ist sie einer der größten Wertpapierdienstleister und Immobilien-Asset Manager in Deutschland. Sie eröffnet privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu einer breiten Palette an Anlageprodukten und Dienstleistungen. Die DekaBank ist fest verankert in der Sparkassen-Finanzgruppe und richtet ihr Angebotsportfolio ganz nach den Anforderungen ihrer Eigentümer und Vertriebspartner im Wertpapier¬geschäft aus.

Deka Institutionell ist der Partner für institutionelle Anleger in der Deka-Gruppe. Ihr Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette professioneller Asset Management- und Kapitalmarktdienstleistungen ab. Ein betreutes institutionelles Vermögen von rund 139 Mrd. Euro spiegelt das wachsende Vertrauen professioneller Anleger in die Produkte und Leistungen der Deka wider. Das Spektrum umfasst die ganze Bandbreite des institutionellen Asset Managements und Liquiditätsmanagements sowie des Kredit- und Risikomanagements. Abgerundet wird das Angebot durch Serviceleistungen wie Master-KVG, als Kern des Asset Servicing, und Verwahrstelle.

Kontakt

Susanne Hellmann

Abteilungsleiterin Vertrieb Institutionelle Anleger
DekaBank

susanne.hellmann@deka.de
+49 (0) 69 71 47 – 87 64

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten.

Cobots: Die Zukunft der Industrie

Menschen, die eng mit Robotern zusammenarbeiten, sind die Zukunft der Industrie, aber Sicherheit hat oberste Priorität, so der Verwaltungsbeirat von Pictet Asset Management.

Violine spielende Roboter haben vielleicht ein millionenfaches Publikum auf YouTube, aber diejenigen, die wirklich die Welt verändern, sind die, welche profane Aufgaben mit einem hohen Grad an Präzision ausführen und die menschlichen Kollegen nicht gefährden.

Die Entwicklung von Robotern, die in direkter Nähe zu Menschen eingesetzt werden können, ist erst seit einigen Jahren möglich, dank größerer Rechenleistung und immer kleineren Sensoren und Motoren. Daraus hat sich ein Spezialgebiet entwickelt, das sich auf Industriecluster wie das dänische Odense konzentriert, einem ehemaligen Zentrum für Schiffsbau, das Mitglieder des Pictet-Robotics Advisory Board vor kurzem besucht haben.

In den 1980er Jahren, als dänische Werften gegen die Billigkonkurrenz z. B. aus Südkorea ankämpfen mussten, fingen weitsichtige Werftbesitzer an, nach Wegen zu suchen, bestimmte qualifizierte, vor allem aber profane Aufgaben wie routinemäßige Schweißarbeiten zu automatisieren. Ein hoher Zuschuss an den lokalen Zweig des Dänischen Technologischen Instituts legte den Grundstein für die Entwicklung eines bedeutenden Zentrums für Robotik. Heute beschäftigen sich in Odense 4.000 Menschen mit Robotik – damit ist Dänemark eines der größten Robotikländer der Welt.

Da das Hauptaugenmerk auf kommerziellen Anwendungen liegt, ist die Arbeit der Robotikunternehmen in Odense nicht ganz so glamourös wie die der Wissenschaftler am MIT, die humanoide Maschinen entwickeln. Die Technologie ist aber nicht weniger komplex oder beeindruckend – das beste Beispiel sind die von Universal Robots, einem zu Teradyne gehörenden Unternehmen aus Odense, gebauten kollaborativen Maschinen.*

Montageroboter zum Beispiel sind in der Industrie schon lange gang und gäbe, aber Roboter, die autonom und doch eng mit Menschen zusammenarbeiten, sind eine noch sehr junge Entwicklung, so das Advisory Board.

AUFSTIEG DER ROBOTER

 Gesamtjahresumsatz weltweit, in Tsd.Quelle: Barclays Research. Prognosen vom 15.02.2016.

Industrieroboter, die nicht einfach nur strikt vorgegebene Aufgaben abarbeiten oder auf einen menschlichen Bediener angewiesen sind, können qualifizierte Arbeiter entlasten, die sich dann komplexeren Aufgaben widmen können. Sie sind sogar eine noch größere Hilfe, wenn sie mit diesen Arbeitern zusammenarbeiten oder in nächster Nähe zu ihnen arbeiten.

Cobots zum Beispiel können Montagearbeiten übernehmen und unliebsame Routineaufgaben ausführen, sodass ihre menschlichen Kollegen Zeit für Aufgaben mit einem höheren Mehrwert wie Qualitätskontrolle und individuelle Anpassungen haben.

Indem nach Möglichkeit Standardkomponenten ergänzend zu den intern konstruierten Teilen verwendet werden, können die Unternehmen aus Odense schnell Industrieroboter für spezielle Einsatzzwecke bauen und ganze Arbeitssysteme entsprechend den Anforderungen der Kunden konzipieren.

Kein Wunder, dass bis 2025 mit mehr als 728.000 verkauften Einheiten dieser Robotersysteme gerechnet wird – das entspricht einem Umsatz von 11.5 Mrd. US-$ pro Jahr. Barclays Equity Research zufolge hatte der Markt 2017 einen Wert von gerade mal 800 Mio. US-$, nachdem er 2012 praktisch aus dem Nichts heraus entstanden ist. Ein Großteil der Nachfrage kommt aus der Automobil- und Technologiebranche.

Adieu Plackerei

Durch diese Form der Automatisierung zum Beispiel bleiben den Arbeitern mühselige Lagerarbeiten wie Materialtransporte erspart. Roboter wie die von Mobile Industrial Robots*, einem anderen Unternehmen aus Odense, gebauten Flurfördergeräte werden zunehmend in Verteilzentren eingesetzt. Ein drittes Unternehmen beschäftigt sich mit Roboterschweißen und zielt damit auf einen großen Markt ab, an dem immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die die nötigen Fähigkeiten für diese Tätigkeit besitzen (in Großbritannien z. B. ist der typische Schweißer im Durchschnitt 55 Jahre alt).

Dorthin zu gelangen, war jedoch eine enorme Herausforderung. Cobots, die auf große Mengen hochwertiger Sensordaten angewiesen sind, konnten erst im Zuge der Entwicklung komplexerer Sensoren und durch Fortschritte bei der Rechenleistung für die Verarbeitung dieser Daten gebaut werden, so das Advisory Board.

Auch die KI leistet einen wesentlichen Beitrag – weil sich Industrieroboter dadurch viel leichter anlernen lassen. In einigen Fällen zum Beispiel müssen die Roboter nicht mehr mit Computercode programmiert werden, sondern können durch menschliche Bediener durch die Aufgaben geführt werden. Der Mensch steuert direkt die Arme des Roboters, der so während der Arbeit lernt.

ANNÄHERUNG

Formen der Zusammenarbeit mit IndustrieroboternGrüner Bereich: Arbeitsplatz des Roboters; gelber Bereich: Arbeitsplatz des Arbeiters. Quelle: IRF, basierend auf: Bauer et al. (2016)

Da Menschen keine Roboter sind, müssen sich diese autonomen Roboter aus Sicherheitsgründen an unterschiedliche Bedingungen anpassen können. Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssen kollaborative Industrieroboter in der Lage sein, Menschen in ihrer Umgebung zu erkennen und ihre Tätigkeit sofort zu unterbrechen oder Platz zu machen, wenn Verletzungsgefahr besteht. Sobald die Gefahr vorüber ist, müssen sie ihre Arbeit sofort wieder aufnehmen können. Fortschritte in diesem Bereich werden durch die neueste Technologie erleichtert.

Um die Sicherheit des Menschen zu gewährleisten, müssen sich Roboterhersteller nach Normen richten, die von der International Organization for Standardization (ISO) festgelegt wurden. Die Sicherheit ist das Teuerste an diesem Prozess – das ist vielleicht auch der Grund, warum die chinesische Regierung sich nicht mehr der ISO unterwerfen, sondern ihre eigenen Sicherheitsstandards entwickeln möchte. Macht China damit wirklich ernst, besteht die Gefahr, dass die Sicherheit der Arbeiter zu kurz kommt, weil es nur noch um billig billig geht.

Da den Faktoren Sicherheit, Kosten und Anpassungsfähigkeit immer stärker Rechnung getragen wird, werden menschliche Arbeiter zunehmend mit Cobots zusammenarbeiten. Roboter werden verstärkt menschliche Aufgaben übernehmen, im Wesentlichen aber gefährliche oder anstrengende Tätigkeiten, sodass für den Menschen die interessanten, abwechslungsreichen Tätigkeiten übrigbleiben. Und Mensch und Roboter werden immer mehr Seite an Seite arbeiten.


* Die Pictet-Robotics Strategie investiert in Teradyne, zu dem Universal Robots und Mobile Industrial Robots gehören

Erfahren Sie mehr zu Robotikindustrie: Die Robotik-Industrie

Über das Beratungsgremium

Jede thematische Strategie profitiert von einem engagierten Beratungsgremium namhafter Wissenschaftler, Unternehmer und Akademiker. Dies ermöglicht uns, unsere Ansichten gegen Fachleute in ihren jeweiligen Bereichen zu testen und uns damit ein vertieftes Verständnis für das regulatorische Umfeld und die Trends zu verschaffen, die das Thema unterstützen.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 167 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

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50 Jahre Mondlandung: Privatunternehmen im Weltraumgeschäft

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, betraten mit Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Menschen den Mond. Das Apollo-Programm war damals kein kommerzielles Projekt, sondern vor allem politisch motiviert. Immerhin galt es für die USA im kalten Krieg nach dem Sputnik-Schock das Rennen zum Mond gegen die Sowjetunion zu gewinnen.

Inflationsbereinigt kostete der „große Schritt für die Menschheit“ nach heutigen Maßstäben weit über 100 Milliarden Dollar. Doch die Umwegrentabilität für die Privatwirtschaft kann kaum unterschätzt werden. So fanden viele der Innovationen des Mondlandeprogramms ihren Weg in die Privatwirtschaft und sind aus dem heutigen Alltagsleben kaum mehr wegzudenken, von Mikrochips bis zu drahtlosen Bohrmaschinen.

Seit 1972 hat mittlerweile kein Mensch mehr den Mond betreten, doch die Raumfahrtindustrie hat sich extrem gewandelt. Schon in den 1960ern setzte die NASA auf private Zulieferer wie Boeing, doch damals wurden Weltraumprogramme primär von staatlichen Agenturen betrieben.

Mittlerweile spielen privatwirtschaftliche Unternehmen eine bedeutende Rolle im Weltraumgeschäft: Etwa als Zulieferer für Raumfahrzeuge und Bodenausrüstung, als Transporteure von Lasten ins All oder als Betreiber und Nutzer von Satelliten.

SpaceX macht bei Raketenstarts NASA und ESA Konkurrenz

Raumfahrt im großen Stil betreibt etwa das aufstrebende US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. SpaceX setzt beim Bau seiner Raketen auf Großproduktion und Wiederverwertbarkeit und macht damit öffentlichen Agenturen wie etwa der ESA Konkurrenz als Transporteur von Lasten ins All.

Das Unternehmen ist mittlerweile Marktführer bei Satellitenstarts und befördert laufend Wetter- oder Kommunikationssatelliten ins All und betreibt Versorgungsflüge zur internationalen Raumstation ISS.

Auch andere Firmen streben derzeit in den attraktiven Markt. So ist im Juli mit der Firma iSpace erstmals einem privaten chinesischen Raumfahrtunternehmen der Start einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn gelungen. Und auch in Europa drängen Private vor.

Der staatliche Schweizer Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Ruag plant derzeit Akquisitionen im Umfang von 500 Mio. Franken um seine Raumfahrtssparte auszubauen und will 2021 oder 2022 an die Börse gehen.

marktvolumen weltweite weltraumwirtschaft

Der gesamte Weltraummarkt hatte laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft 2018 eine Größe von rund 360 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 125 Mrd. Dollar auf die bodenbasierte Ausrüstung. Die Übertragung von TV-, Radio- oder Breitbandsignalen ist mit 102 Mrd. der wichtigste kommerzielle Service. Regierungsaktivitäten und die bemannte Raumfahrt kommen derzeit auf knapp 83 Mrd. und sind damit nur das drittwichtigste Segment.

Das könnte sich aber bald ändern. Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten US-Astronauten auf den Mond zurückkehren, danach soll es weitergehen zum Mars. Auch andere Staaten wie etwa China oder Indien und sogar private Unternehmen nehmen mittlerweile den Mond ins Visier.

Anfang Mai präzisierte etwa Amazon-Chef Jeff Bezos seine kommerziellen Ambitionen bezüglich des Erdtrabanten: Mit dem Landegerät „Blue Moon“, das von seiner Firma Blue Origin entwickelt wird, möchte er sich in Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde NASA am neuen Wettlauf zum Mond beteiligen.

Für die europäische Weltraumagentur ESA tüfteln derzeit der Raketenbauer ArianeGroup und das deutsche Unternehmen PTScientists an Plänen für eine unbemannte Landung auf dem Mond vor dem Jahr 2025.

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Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Fed hält die Tür für weitere Zinssenkungen offen

Zum gestrigen FOMC Meeting ein Kommentar von Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree:

"Endlich hat das Federal Open Market Committee (FOMC) der US Notenbank Fed getan, was weithin erwartet wurde und den Leitzins um einen Viertelpunkt gekürzt. Die Fed gab zudem bekannt, dass sie ihre Bilanzreduzierungen im August, zwei Monate früher als bislang angekündigt, beenden würde. Angesichts der für die Fed typischen Sprachwahl, der „Fed Speak“, den sich ändernden Markterwartungen und der jüngsten Erholung auf dem Arbeitsmarkt war es für die politischen Entscheidungsträger an der Zeit, der Spekulation ein Ende zu setzen. Die nunmehr beschlossene Zinssenkung um 25 Basispunkte passt zwar zum Narrativ der „Zusicherungs-Politik“ der Fed, lässt aber dennoch die Frage offen, was die Zukunft bringen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gegensatz zur Juni-Sitzung des FOMC beschränkte sich das Treffen diesmal auf die übliche Grundsatzerklärung und die Pressekonferenz des Vorsitzenden Jerome Powell. Mit anderen Worten: diesmal gab es keine blauen Dotplots (die langfristigen Prognosen für den Leitzins). An der Grundsatzerklärung, die die Fed als ihre offizielle politische Haltung ansieht, wurde gegenüber der Juni-Sitzung wenig verändert. Dazu gehört die Formulierung, man werde „entsprechend handeln", was die Tür für zusätzliche Zugeständnisse in diesem Jahr offen hält. Tatsächlich sind diejenigen, die einen Zinsschritt von 50 Basispunkten erwartet hatten, vom Ergebnis des Juli-Meetings ein wenig enttäuscht. Man hat den Fokus nun auf eine weitere Zinssenkung in der nächsten FOMC-Sitzung vom 17. bis 18. September verlagert.

Denken Sie daran zurück, dass diese Zinssenkung wirklich nicht auf der Grundlinie der Fed-Prognose für die US-Wirtschaft beruhte; es war vielmehr der Versuch der stimmberechtigten Mitglieder, den möglichen negativen Auswirkungen der Handelsunsicherheit und der Verlangsamung des globalen Wachstums entgegenzuwirken. Wäre die Fed nicht zurückgerudert, hätten die Geld- und Anleihemärkte die politischen Entscheidungsträger in die Ecke gedrängt. Trotz der Tatsache, dass die finanziellen Bedingungen in den USA vor diesem Treffen einfacher waren als zu Beginn der Zinserhöhung durch die Fed Ende 2015, gab es Bedenken hinsichtlich einer Verschärfung der Marktbedingungen ohne eine Zinssenkung. Die Fed befindet sich mit dieser Entscheidung also möglicherweise wieder im "datengetriebenen" Modus und es scheint, als ob die Geldpolitik in diesem Jahr immer noch in Richtung einer weiteren Zinssenkung tendiert.

Fazit

Im Vorfeld der FOMC-Sitzung suchten die Fed-Fonds-Futures (Terminkontrakte, die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Bezug auf das Leitzins-Niveau abbilden) nach einer Zinssenkung von 100 Basispunkten bis Ende 2020. Hier könnte es für den US Treasury Markt (UST) heikel werden. Während wir im Laufe dieses Jahres als Erweiterung der heutigen "Zusicherungs-Police“ noch einen weiteren Rückgang um 25 Basispunkte sehen können, sieht unser Basisszenario keine zusätzliche Zinssenkung um 50 Basispunkte vor. Die Geld- und Anleihemärkte haben also bereits viele gute Nachrichten an der Zinsfront eingepreist, so dass es den Anschein hat, dass die Enttäuschung im UST-Markt gestiegen ist, insbesondere wenn die Fed nur die Hälfte der derzeit erwarteten Zinssenkungen liefert."

„Generell waren die Märkte von der fehlenden Forward Guidance der Fed enttäuscht“

Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle Zinssenkung der Fed:

„Für die Fed gestaltet es sich als schwierig, die Märkte, die auf eine Unterstützung durch die US-Notenbank setzen, weiterhin positiv zu überraschen. Doch die Hoffnung auf eine Zinssenkung um mehr als 25 Basispunkte war angesichts solider Wirtschaftsdaten und der lockeren Finanzkonditionen nicht angemessen. Generell waren die Märkte von der fehlenden Forward Guidance der Fed enttäuscht - dies räumt der Notenbank jedoch mehr Flexibilität ein. Die fehlende Forward Guidance spiegelt sich auch im Komitee wider, das sich über den Bedarf weiterer Stimuli uneinig ist. Denn es gibt keinen Präzedenzfall dafür, wie man auf Handelskonflikte reagieren sollte.“

Pestizide, Futtermittel und Fleischkonsum – Die Food Revolution

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Die Entwicklung der Welternährung ist durch die stetig wachsende Nachfrage nach Produkten aus Tierhaltung, geprägt. Wo ist der Fleischkonsum am meisten gestiegen?

Die Food Revolution, also die vermehrte Nachfrage nach Fleischprodukten, findet vor allem in Entwicklungsländern statt, die den größten Anteil am Bevölkerungswachstum tragen und Fleischprodukte nachfragen. Laut Welternährungsorganisation FAO hat sich die weltweite Fleischproduktion seit 1965 von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Der Verbrauch und die Produktion von Fleisch könnten bis 2050 um 120 Prozent steigen.

Historisch sind große Teile des Konsumwachstums auf China und Brasilien zurückzuführen: der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum wuchs von 30,7 kg in den 1980ern auf 36,4 kg in 1997/1999. Vor allem die in dieser Periode stark wachsende Schweinefleischproduktion in China erklärt diesen Effekt, ohne China wäre der weltweite Durchschnitt annähernd unverändert geblieben. In Brasilien stieg der Fleischkonsum zwischen 1975 bis 1990 um 55%.

Die FAO rechnet außerdem damit, dass sich Schwellenländer an die sogenannte „western diet“ mit starkem Fleischanteil, angleichen werden.

Die Fleischproduktion ist an Futtermittel gebunden

Gebunden an die wachsende Nachfrage nach Fleisch ist auch der steigende Bedarf an Futtermitteln (hauptsächlich Getreide und Ölsaaten) deren Anbau aber auch negative Umwelt- u. Klimaeffekte haben kann:

  1. Durch den großflächigen Anbau von Futtermittel werden Primärwälder verdrängt, die ein wichtiger CO2- Speicher sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Australien wie ein WWF-Bericht aus dem Jahr 2018 beschreibt: hier wird 88% der gerodeten Waldfläche in Weideland umgewandelt. In Südamerika wurden zwischen 1990 und 2015 90 Mio. Hektar Waldfläche für Sojaanbau und Weidezwecke gerodet, wobei Soja auch als Futtermittel dient um z.B. die europäische Fleischnachfrage zu bedienen.
  2. Der Einsatz von Kunstdünger ist sowohl Energie- als auch CO2-intensiv und belastet die Umwelt. Durch übermäßigen Eintrag auf Feldern (man spricht auch von Eutrophierung) geraten auch angrenzende Ökosysteme wie Fließgewässer in Mitleidenschaft, denn der erhöhte Nährstoffgehalt im Wasser macht diese Systeme für sensible Lebensformen unbewohnbar.
  3. Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls eingesetzt werden, haben negative Umwelteinflüsse und werden einer karzinogenen Wirkung wegen, verdächtigt.

Bayer AG & Monsanto Co: Punitive Damages

Nach der Übernahme von Monsanto Co. durch die Bayer AG kam es in den Vereinigten Staaten zu mehreren Klagen bzgl. des Herbizids „Roundup“, dass sich im Produktportfolio der Monsanto Co. befindet und einer karzinogenen Wirkung wegen unter Verdacht steht.

Der Bayer AG wurde vorgeworfen, die rechtlichen und Reputationsrisiken unterschätzt zu haben, die durch die Akquisition von Monsanto Co. entstanden sind und welche sich auf den Unternehmenswert negativ auswirken könnten. Der internationale Stimmrechtsberater ISS (International Shareholder Services) schlug daher vor, diese Fehleinschätzung auch in der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands bei der diesjährigen Hauptversammlung Rechnung zu tragen.

In einer Reaktion der Bayer AG wurde darauf hingewiesen, dass nach Ergebnissen zahlreicher Studien ein Zusammenhang zwischen Roundup und karzinogenen Erkrankungen ausgeschlossen werden könnte.

In den Vereinigten Staaten kam es jedoch bereits zu 3 Gerichtsurteilen, die das Gegenteil beschlossen, bei der letzten Gerichtsverurteilung im Mai wurde einem klagenden Ehepaar die bis dato höchste Strafe von über zwei Milliarden Dollar zugesprochen. „Punitive damage“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Strafe über den eigentlichen Schaden hinausgeht um unter anderem als Abschreckungssignal zu dienen. Bezüglich ihrer Glyphosat Produkte sieht sich die Bayer AG in Amerika mit rund 13.000 Klagen konfrontiert.

Auch über ein Einsatz-Verbot von Glyphosat wird vielerorts diskutiert: in Los Angeles wurde ein solches bereits eingeführt, mit dem Hinweis, dass das Herbizid nicht mehr einzusetzen sei, bis öffentliche Gesundheitsstellen und Umweltbeauftragte sicherstellen, dass der Einsatz bedenkenlos sei und auch in Österreich konnte sich eine Mehrheit für ein solches Verbot finden.

Bayer-Vorstand nicht entlastet

Bei der Hauptversammlung am 26.4.2019 wurde schließlich mit 56%er Mehrheit beschlossen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr nicht zu entlasten sei, der Aufsichtsrat jedoch mit 66% schon. Bei diesem Ergebnis spricht man auch von symbolischem Charakter, da wie auch schon in der Vergangenheit bei Klimaanträgen (Exxon Mobil, 2017) bewiesen wurde, Investoren ihr Stimmrecht auch zunehmend einsetzen, um Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren, die sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken könnten. 

Fleisch


Wichtige rechtliche Hinweise

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Leben auf Pump: Erdüberlastungstag

In weniger als sieben Monaten hat die Menschheit alle Ressourcen der Erde für 2019 verbraucht, so Pictet Asset Management. Mit unserem Modell quantifizieren wir die Auswirkungen, die die Aktivitäten des Menschen und die weltweit grössten Unternehmen auf die Umwelt haben.

Der 29. Juli 2019 ist ein Datum, das wir alle rot in unserem Kalender markieren sollten.

Denn das ist der Erdüberlastungstag, der Tag, an dem die Menschheit die gesamten natürlichen Ressourcen eines Jahres aufgebraucht hat – Ressourcen wie etwa Holz, Fisch, Wasser und Mineralien.

Den Rest des Jahres zapfen wir die Vorräte an, die eigentlich zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen sollten, und produzieren dabei Abfallprodukte wie Kohlendioxid.

Besorgniserregend ist, dass der Überlastungstag, der von der Non-Profit-Organisation Global Footprint Network (GFN) berechnet wird, seit Anfang der 1970er Jahre, als der Ressourcenbedarf der Menschheit erstmals in der Geschichte die Kapazitäten der Natur überschritt, jedes Jahr früher erreicht wird.

Die Untersuchungen von Pictet Asset Management ergeben ein ähnlich alarmierendes Bild. Sie zeigen, dass die Aktivitäten des Menschen und die daraus entstehenden Abfallprodukte das Ökosystem unseres Planeten auf potenziell unumkehrbare Weise verändern.

Unsere Analysen, die sich auf das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen (Planetary Boundaries, PB) – ein Instrument zur Messung der Biokapazität – stützen, quantifizieren den Ressourcenverbrauch und die Abfallproduktion jeder einzelnen der mehr als 100 Branchen, aus denen sich die Weltwirtschaft zusammensetzt.

Das vom Stockholm Resilience Centre entwickelte Modell untersucht den Zustand des Ökosystems in neun ökologischen Dimensionen – darunter Wasserverbrauch, Landnutzung und Abbau der Ozonschicht –, um so den ökologischen „sicheren Handlungsspielraum“ zu definieren, innerhalb dessen sich die Aktivitäten des Menschen abspielen sollten.

Fünf dieser Belastungsgrenzen sind bereits überschritten.

Nehmen wir den biochemischen Eintrag von Stickstoff und Phosphor in die Umwelt als Beispiel.

Stickstoff und Phosphor sind Makronährstoffe, die im grossen Massstab in Düngemitteln zum Einsatz kommen. Infolge der intensiven Landwirtschaft, der industriellen Produktion und des Bevölkerungswachstums ist die Konzentration von Makronährstoffen in unseren Flüssen und Meeren auf ein gefährliches Niveau gestiegen, das zu einem übermässigen Algenwachstum führt.

Das ist ein Problem, denn Algen entziehen dem Wasser Sauerstoff und töten somit Wasserpflanzen und Fische – ein Prozess, der als Eutrophierung bezeichnet wird. Wissenschaftler schätzen, dass die Bereiche ohne Sauerstoff im Meer, die sogenannten „Todeszonen“, heute viermal grösser sind als noch in den 1950er Jahren und dadurch marine Ökosysteme rund um den Globus bedroht sind1.

Unsere Analysen auf Branchenebene haben ergeben, dass heute 40 Prozent mehr biochemische Abfallprodukte freigesetzt werden, als die Umwelt vertragen kann.

Doch die Situation ist nicht völlig hoffnungslos.

Es gibt Anzeichen dafür, dass Massnahmen zum Umweltschutz – seien es politische Initiativen oder neue innovative Technologien, die der Zerstörung der Umwelt entgegenwirken – langsam Früchte tragen.

Laut dem GFN wurde der Erdüberlastungstag zwischen den 1970er Jahren und 2014 jedes Jahr durchschnittlich drei Tage früher erreicht. Seitdem hat sich diese Entwicklung jedoch auf weniger als einen Tag pro Jahr verlangsamt.

Auch unser Modell gibt Grund zur Hoffnung. Es zeigt, dass es manchen Zweigen der Forstwirtschaft und anderer umweltbezogener Sektoren gelingt, weniger biochemische Abfälle zu produzieren, unter anderem mithilfe innovativer Technologien im Bereich Luft-, Gewässer- und Bodenreinhaltung.

Diese Unternehmen tragen wesentlich dazu bei, unsere ökologische „Schuldenlast“ zu verringern und dem Leben auf Pump ein Ende zu setzen.

GEO and eutrophication_AM

Investments gegen die biochemische Verschmutzung

Das PB-LCA-Konzept liegt dem Aufbau unseres Pictet-Global Environmental Opportunities (GEO) Portfolios zugrunde.

Die Unternehmen in diesem Portfolio haben eine erheblich geringere biochemische Bilanz als die im MSCI All-Country World Aktienindex vertretenen.

EIN GROSSER UNTERSCHIED

Biochemische Einträge pro Jahr in kg Stickstoffäquivalent pro 1 Million USD Jahresumsatz
Abbildung Biochemische Einträge
Quelle: Pictet Asset Management, Daten vom 31.12.2018.

Was zeichnet die Pictet-Global Environmental Opportunities Strategie aus?

Die Strategie investiert in Aktien von Unternehmen in zukunftsträchtigen Umweltbranchen, die einen aktiven Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen unseres Planeten leisten. Die Anlagen werden aus einem breiteren Universum der 3.500 umweltbewusstesten Aktiengesellschaften der Welt auswählt – Unternehmen, die die Kriterien unseres hauseigenen PB-LCA-Konzepts erfüllen.

Bei der Strategie handelt es sich um ein konzentriertes Portfolio mit 50–60 Aktien von Unternehmen, die in Bereichen wie Umweltreinhaltung, Wasserversorgung, erneuerbare Energien, Abfallmanagement und nachhaltige Landwirtschaft tätig sind.

Unsere Global Environmental Opportunities Strategy hat ein ähnliches Risiko-Rendite-Profil wie eine wachstumsorientierte Strategie und ist eine sinnvolle Ergänzung zur Aktienallokation in einem globalen Portfolio.


1) https://science.sciencemag.org/content/359/6371/eaam7240

Eine englische Version dieses Beitrags finden Sie hier: Living beyond our means: Earth Overshoot Day

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

European equities: which style has been in vogue this year?

European shares made a strong advance in the first half of 2019, but the gains were not evenly spread across the market, shows Simon Corcoran, Investment Specialist, UK & European Equities, at Schroders.

Given the headlines over the past six months, it feels a little odd to realise that European equities are up 16% in the same timeframe. From trade wars to slowing economic growth to Brexit, there are plenty of reasons why the market shouldn’t have rallied. But the gains perhaps look less surprising when we dig into the detail behind them.

We looked at the return for the overall index - MSCI Europe – and then for four style factors within this index: growth, quality, high dividend yield and value.

Style factor definitions:

  • Growth companies may currently be growing at a faster rate than the overall market, and/or have higher potential for future growth.
  • Quality is defined by low debt, stable earnings, consistent asset growth, and strong corporate governance.
  • Dividend yield is calculated by dividing the dividend per share by the price per share; a high dividend yield could be a sign a stock is underpriced, or it could be that the stock is under pressure and future dividends may not be so high.
  • Value refers to those stocks that have low prices relative to their fundamental value. This is commonly tracked by metrics such as price to earnings (a company’s share price divided by its profits).

As the table below shows, growth and quality have been the factors in greatest demand in the past six months. Returns from these parts of the market have significantly outpaced returns from value and high dividend yield stocks.

index-style-ytd-return.jpgPast Performance is not a guide to future performance and may not be repeated. 

The uncertain economic backdrop may be one reason why investors have favoured stocks with these growth and quality attributes. After all, this economic cycle has been very long. As we move towards the end of a cycle, investors often look for those businesses with reliable, predictable earnings that can potentially fare better than the rest of the market in a slowdown or recession.

The MSCI Europe Quality and Growth indices have outperformed the Value index by over 10%. Sectors such as industrials, technology, luxury goods and food products form a large weighting within these indices and have led the gains.    

There is considerable overlap between the MSCI Europe Quality and Growth indices. The table below shows eight stocks that are among the top ten constituents by size in both indices, and the returns posted by these stocks in the six months to the end of June. Only AstraZeneca has failed to outperform the broader MSCI Europe index. 

stock-ytd-return-valuation.jpgAny reference to securities are for illustrative purposes only and not a recommendation to buy/and or sell.

As well as offering quality and growth characteristics, large companies such as these are often favoured in times of uncertainty due to their size. Larger companies are often assumed to offer greater stability than small companies, and have usually weathered a number of economic cycles successfully.  

What does this mean for valuations? The chart below shows the forward price-to-earnings ratio for the next 12 months for MSCI Europe Quality relative to MSCI Europe Value. It shows that investors have recently been willing to pay a larger premium than they did previously for quality stocks.

Quality valuations have become elevated

quality-valuations-have-become-elevated.jpg

Martin Skanberg, fund manager, says;

“Such a situation can persist for some time, but is unlikely to do so indefinitely. There are signs recently that the quality rally is fading as companies struggle to meet lofty growth expectations. That said, it is impossible to time precisely when the trend might change. As investors, we look for the best trade-off between risk and reward that we can find”.


This information is not an offer, solicitation or recommendation adopt any investment strategy.  If you are unsure as to the suitability of any investment please speak to a independent financial adviser.

For more on the factors driving the market, see why growth stocks look vulnerable.

See our Alpha Equity strategic capability page for further equity insights.

This article has first been published on schroders.com.

Wird aus der Wasserpistole wieder eine Bazooka?

Wird aus einer harmlosen Wasserpistole der europäischen Notenbank wieder eine voll nachgeladene Bazooka? Diese Frage stellt sich Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei der Legg Mason-Tochter Western Asset Management, nach der heutigen EZB-Sitzung.

„Mit der heutigen Sitzungserklärung und der Pressekonferenz will EZB-Präsident Draghi aus der Wasserpistole, die nach dem Ende des Wertpapierankaufprogramms vergangenen Dezember übriggeblieben war, eindeutig wieder die ursprüngliche Bazooka machen. Die Kombination aus einer ausdrücklichen Fokussierung auf die Zielsymmetrie und einer essentiellen Überprüfung aller politischen Hebel in den entsprechenden Ausschüssen ist definitiv ein starkes Signal der Kompromissbereitschaft für die kommenden Quartale. Darüber hinaus sehen wir, dass die Beweislast für einen Handlungsbedarf deutlich stärker mit Draghis Rede im portugiesischen Sintra Ende Juni übereinstimmt als mit der Sitzung des EZB-Rates am 6. Juni und damit den Weg zur lockeren Politik der Tauben zementiert.

Auf der anderen Seite gab es in der Pressemitteilung keinerlei Hinweise darauf, die (selbstgesetzten) Aufkaufbeschränkungen zu lockern, wohingegen ein Tiering eindeutig erwähnt wird. Während Draghi dies auf der Presskonferenz auf die Arbeit des Ausschusses zurückführt, kann es durchaus auch ein Zeichen dafür sein, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Mehrheit im EZB-Rat für diesen zusätzlichen Schritt gibt. Mit anderen Worten: Es ist gut möglich, dass eine Neuauflage der quantitativen Lockerung weiter entfernt ist als manch andere Maßnahme, die auf der nächsten EZB-Sitzung im September bekannt gegeben werden könnte.

Wir glauben, dass eine deutliche Lockerung der Ankaufbeschränkungen die kompromissbereite Haltung glaubwürdiger machen und den Druck einer erneuten QE-Runde nehmen würde. Dies wäre ein ernsthaftes Nachladen der Bazooka. Von der Marktperspektive gehen wir davon aus, dass sich die Renditeabstände zwischen den europäischen Kernländern und der Peripherie weiter verkleinern sollten.“

„Geldpolitische Lockerung wird kommen"

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die EZB-Sitzung:

„Die EZB mag diejenigen enttäuscht haben, die sich nach einem Übermaß an schwachen Stimmungsdaten eine sofortige Zinssenkung erhofften, aber ihre Absichtserklärung ist klar: Die geldpolitische Lockerung wird kommen, und zwar bald. Mögliche Optionen sind dabei ein abgestufter Einlagenzinssatz, weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen und Zinssenkungen. Draghi und der Rest des EZB-Rates wollen so demonstrieren, dass ihnen die Instrumente nicht ausgegangen sind. Die Stärkung ihrer Glaubwürdigkeit hat eindeutig oberste Priorität, und sie können nicht länger leugnen, dass die Inflationserwartungen verankert sind."

Living beyond our means: Earth Overshoot Day

Humans have consumed a year's worth of natural resources in less than seven months, explains Pictet Asset Management. Our model quantifies the environmental impact of over-consumption.

July 29 is the date everyone should mark in their diary in 2019.

That’s because it is Earth Overshoot Day, the day when humans will have used up a year’s worth of the planet’s natural resources, such as timber, fish, water, and minerals.

For the rest of the year, we will be drawing down on what will be available for future generations - using more than the Earth can naturally replenish in a 12-month period - and producing waste such as carbon dioxide emissions as we do so.

What is worrying is that Overshoot Day, calculated by non-profit organisation Global Footprint Network (GFN), has fallen earlier every year since the start of the 1970s.

Pictet Asset Management's research paints a similarly alarming picture. It shows that human activity, and the waste it generates, is leading to potentially irreversible changes to the planet’s ecosystem.

Our analysis, which is based on a bio-capacity measurement tool called the Planetary Boundaries (PB) framework, quantifies resource consumption and waste emissions across each of the 100-plus industries that make up the global economy. 

Developed by the Stockholm Resilience Centre, the model assesses the state of the ecosystem along nine environmental dimensions – which include water use, land use and ozone depletion among others – to set the ecological “safe operating space” within which human activities should take place.

Already, five of those thresholds have been breached.

Take the biochemical flow of nitrogen and phosphorus for example.

Nitrogen and phosphorus are macronutrients that are used extensively in fertilisers. Intensive farming, industrial activity and population growth have increased the volume of macronutrients in rivers and oceans to dangerous levels, triggering excessive growth of algae.

This is a problem because algae deplete oxygen in water, killing aquatic plants and fish in a process called eutrophication. Scientists estimate that sea areas with zero oxygen, or “dead zones”, have quadrupled since 1950s, threatening marine ecosystems around the world1.

Our industry level analysis shows biochemical waste is being released at a rate that is 40 per cent more than the environment can handle.

However, it’s not all doom and gloom.

There are signs that efforts to stop environmental damage – be it policy measures or new innovative technologies to address ecological degradation – are starting to pay off. 

According to GFN, throughout the 1970s to 2014, Overshoot Day fell earlier each year by an average of three days. Since then, however, the pace has slowed to less than a day per year.

Our model also gives reason for optimism. It shows that some of the industries serving forestry and other environmental sectors are managing to reduce the amount of biochemical waste they produce, aided by innovative technologies in areas such as pollution-control.

These companies play an important role in helping us pay our environmental "debt" and live within our means.

GEO and Eutrophication

Investing to mitigate biochemical pollution

The PB-LCA framework is used in the construction of our Pictet-Global Environmental Opportunities (GEO) portfolio.

Stocks in GEO have a significantly lower biochemical footprint than those represented in the MSCI All-Country World equity index. 

MAKING AN IMPACT

Biochemical flows per year in kg, nitrogen-equivalent, per USD million of annual revenueBiochemical flows chartsSource: Pictet Asset Management, data as of 31.12.2018

Here's how Pictet-Global Environmental Opportunities strategy works:

  • The strategy invests in the shares of companies within a thriving environmental industry that are making an active contribution to safeguarding the world’s natural resources.
  • Investments are chosen from a broader universe consisting of the world’s 3,500 most environmentally-responsible publicly-held firms – companies that meet the criteria of our proprietary PB-LCA framework.
  • The strategy is a concentrated portfolio of 50 to 60 stocks, operating in fields such as pollution control, water supply, renewable energy, waste management and sustainable agriculture.
  • With a risk-return profile similar to that of a growth-oriented investment strategy, Pictet AM's Global Environmental Opportunities can be used to complement an equity allocation within a global portfolio.

1) https://science.sciencemag.org/content/359/6371/eaam7240

Please find a German version of this article here: Leben auf Pump: Erdüberlastungstag

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„2040 werden 60 Prozent aller Neuwagen E-Autos sein“

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf die Folgen der Erderwärmung verwiesen wird bzw. Lösungsmöglichkeiten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene diskutiert werden. In vielen Wirtschaftszweigen ist der Wandel schon heute spürbar. Die Finanzwirtschaft mit ihren Investitionen bietet einen Hebel um die Dekarbonisierung der Wirtschaft und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Die Erste Asset Management beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit den Umwelttechnologien von heute und morgen. Über den Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT kann man sich an den spannendsten Unternehmen beteiligen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Natur und im Kampf gegen den Klimawandel. In unserem Interview beschreibt Fondsmanager Clemens Klein die Folgen der demografischen Entwicklung und welche neuen Umwelttechnologien erfolgversprechende Anwendungen erwarten lassen.

Ist der Klimawandel wieder ein in Mode gekommener Begriff oder eine Realität, der wir ins Auge sehen müssen?

Clemens Klein: Es braucht nicht allzu viel Fantasie um festzustellen, dass sich unser Klima verändert. Überschwemmungen ebenso wie Dürren, Verwüstungen durch Hurrikans, Luftverschmutzung in den Großstädten – die Naturkatastrophen der letzten Jahre häufen sich. Sie mahnen uns, wie wichtig die Begrenzung der Emission von Treibhausgasen und nachhaltiges Wirtschaften generell sind.

Der Klimagipfel von Paris mit seiner Erkenntnis, dass der maximale Temperaturanstieg 1,5 Grad Celsius betragen darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, ist beinahe schon vergessen?

Clemens Klein: Nein, allein dadurch, dass in vielen Ländern Klimaschutz ein zentrales Thema im politischen Diskurs geworden ist, zeigt schon, dass sich was bewegt. Das Abkommen von Paris war eine wichtige Weichenstellung und hat die Grundlage und das Regelwerk für die notwendigen Schritte und Maßnahmen festgelegt. Was momentan noch fehlt, ist die rasche Umsetzung auf Einzelstaaten-Ebene. Aber der Druck auf die Politik, das Abkommen umzusetzen, von Seiten der Bevölkerung wächst laufend. Und wir werden auch nicht darum herumkommen: Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf rund 10 Milliarden und bis 2100 weiter auf rund 11 Milliarden Menschen anwachsen (derzeit: 7,7 Milliarden).

Treiber dieses Wachstums sind Asien und Afrika, die gemeinsam zur nächsten Jahrhundertwende rund 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen werden. Dazu kommt der Trend zur Urbanisierung und damit verbunden steigenden Einkommen: Heute schon leben 55 Prozent der Menschen in Städten. 2050 werden es 70 Prozent sein. Die Menschen, die dort leben benötigen Strom, Wasser, Transportmittel, konsumieren zunehmend nach westlichen Gewohnheiten und verursachen wachsende Müllberge. Es braucht daher neue Technologien, um diese Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie glaubhaft sind Sie als Asset Manager in Sachen Kohlendioxid-Verringerung? Welche Aspekte berücksichtigen Sie in der Kapitalanlage?

Clemens Klein: Erste Asset Management unterzeichnete 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs den Montréal Carbon Pledge. Diese internationale Investoreninitiative wurde Ende 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch die Messung und Veröffentlichung von CO2-Emissionen der in den Aktienfonds gehaltenen Unternehmen, langfristig zu einer Reduktion der Treibhausgase beizutragen. Mittlerweile ist diese Initiative auf über 120 Investoren angewachsen, die über 10.000 Milliarden Dollar an Vermögenswerten verwalten.

Wodurch unterscheidet sich der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT von anderen nachhaltigen Fonds Ihres Hauses?

Clemens Klein: Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT konzentriert sich als Themenfonds ausschließlich auf Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit mit Umwelt- sowie Klimaschutz in Zusammenhang steht. Unsere Philosophie ist es, Unternehmen zu identifizieren, deren Produkte und Dienstleistungen für die Bewältigung der Auswirkungen von Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung oder Wachstum der Mittelklasse bzw. der damit verbundenen Folgen wie Treibhausgasemissionen, Klimawandel, Knappheit von Ressourcen und ein erhöhtes Abfallvolumen von entscheidender Bedeutung sind.

Damit sich unsere Leser etwas vorstellen können: Nennen Sie uns die wichtigsten Themen, die sich im ERSTE STOCK WWF ENVORNMENT widerspiegeln.

Clemens Klein: Solar- und Windenergie zählen mittlerweile in vielen Ländern der Welt zu den billigsten Technologien zur Stromerzeugung. Damit wird sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre auch künftig, unabhängig von Förderungen weiter fortsetzen. Darüber hinaus werden neue Märkte wie Indien, Südamerika aber auch Afrika zu Schlüsselmärkten für die Wind- und Solarindustrie. Der Anteil der Solarenergie an der weltweiten Energieerzeugung wird von derzeit 3 Prozent bis 2050 in Richtung 30 Prozent steigen. Gleiches nehmen wir für den Einsatz der Windenergie an. Der weltweite Strom wird ‚a la long‘ sauberer werden.

Neue Antriebstechnologien wie Elektroautos und Wasserstoffautos und Biotreibstoffe der dritten Generation werden weiter an Bedeutung gewinnen. Auch hier sind es neben Umweltaspekten vor allem fallende Kosten, die für überdurchschnittliche Wachstumsraten sorgen werden. Nirgendwo sonst wird der technologische Fortschritt so mit Spannung beobachtet wie bei der neuen Generation von Fahrzeugen. Laut Bloomberg New Energy Finance werden im Jahr 2040 E-Autos 60 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen. Im Jahr 2016 lagen die Schätzungen noch bei 35 Prozent.

In Europa ist Norwegen jetzt schon führend und mehr als die Hälfte aller Neuwagen sind Elektrofahrzeuge: Neben steuerlichen Anreizen darf man dort mit einem E-Auto auf Busspuren fahren und braucht keine Autobahnvignette bezahlen. Wir dürfen aber nicht die Augen vor den Problemen verschließen: Wir benötigen sichere, erschwingliche Batterien mit genügend Reichweite. Und wir müssen einerseits klären, woher die Rohstoffe für die Produktion kommen und ebenso, was am Ende der Nutzungsdauer mit den Batterien geschieht. Unternehmen müssen ausweisen, dass zB ihre Lieferanten nicht Kobalt aus dem Kongo verwenden. Damit hätten wir als nachhaltige Investoren keine Freude.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Wind- und Solarenergie, aber auch dem zu erwartendem starken Wachstum der Elektromobilität gewinnen Themen wie Optimierung des Energie-Transports, aber auch „Smart Grid“ (intelligente Netzwerke) und „Smart Metering“ (intelligente Stromzähler) sowie Energiespeicher in Form von z.B. Batteriesystemen, aber auch Wasserstoff („Power to Gas“) stark an Bedeutung.

Die globale Wassernachfrage wird aufgrund der angeführten Megatrends bis 2050 um mehr als 50 Prozent zunehmen. Urbanisierung und steigende Einkommen führen zu einem geänderten Konsumverhalten. Daher sind hohe Investitionen in die Infrastruktur, Verbrauch- und Kostensenkung, Hygiene, Wasseraufbereitung aber auch Meerwasserentsalzung erforderlich.

Das globale Abfallvolumen wird sich bis 2025 gegenüber 2014 auf 6 Millionen Tonnen pro Tag verdoppeln und könnte bis 2100 weiter auf 11 Millionen Tonnen pro Tag ansteigen. Schon jetzt gelangen jedes Jahr mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht dem Gewicht von 16 Burj Chalifa, des aktuell höchsten Gebäudes der Welt oder 32.000 Wiener Riesenrädern. Ohne Maßnahmen, die der gigantischen Müllexplosion Einhalt gebieten, droht 2050 gewichtsmäßig mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren zu sein. Abfallvermeidung, Abfalltrennung und -sammlung, Abfallwiederverwertung und Recycling werden neben neuen Verpackungstechnologien zu zentralen Themen im Umweltbereich.

Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um auf Ihre Watchlist zu kommen? Und was muss geschehen, dass es in den ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT aufgenommen wird?

Clemens Klein: Wir legen Wert darauf, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens zum überwiegenden Teil von den von uns erwarteten Entwicklungen profitiert. Neue Technologien, die zur Lösung der durch die erwähnten Megatrends hervorgerufenen Auswirkungen beitragen, werden laufend ausgewertet und in das Portfolio aufgenommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dadurch auch viele jüngere und kleinere oder mittelgroße Unternehmen im Portfolio vertreten sind.

Wie gehen wir dabei vor? Zunächst werden laufend Unternehmen identifiziert, die die strengen Anforderungen der definierten Fondsstrategie erfüllen. Neue Ideen werden nach Prüfung durch den WWF sowie eines externen Research-Partners einem Umweltbeirat zur Entscheidung über die Aufnahme ins investierbare Anlageuniversum vorgelegt.

Aus dem investierbaren Universum erfolgt dann die Entscheidung über die Aufnahme ins Portfolio nach eingehender qualitativer sowie quantitativer Analyse durch uns als Fondsmanager. Ziel und Teil der Strategie ist es, Unternehmen über lange Perioden, entsprechend den langen Trends, die sie mit ihren Produkten oder Dienstleistungen bedienen, im Portfolio zu behalten. Einzelne Unternehmen befinden sich seit Auflage des ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT im Jahr 2001 durchgehend in den Beständen des Fonds. Abhängig von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen, makroökonomischen Faktoren oder dem allgemeinen Marktumfeld erfolgt primär eine Anpassung der Themen und Gewichtungen im Fonds.

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Veranlagungen in den Bereichen „Erneuerbare Energie“, „Energieeffizienz“ sowie „E-Mobilität“, die gemeinsam mehr als 60 Prozent der Portfoliostruktur repräsentieren. In den Bereichen „Erneuerbare Energie“ sowie „E-Mobilität“ sehen wir in den nächsten Jahren das größte Wachstumspotential. Dazu zählen aber auch komplementäre Technologien wie „Energiespeicherung“, „Selbstfahrende Autos“ oder „Intelligente Stromnetze“, die von den erwarteten Entwicklungen profitieren werden.

Können Sie uns einige Unternehmen im Fonds verraten, die die Umwelt nachhaltig „bearbeiten“ und ökologisch/klimaschonend wirtschaften?

Clemens Klein: Zu den größten Positionen zählen beispielsweise First Solar, eines der führenden Unternehmen im Solarbereich, TPI Composites, ein spezialisierter Hersteller von Rotorblättern für die Windindustrie, Xylem, führend im Bereich Wasserinfrastruktur, Wasseranalyse und Wasseraufbereitung aber auch Tomra Systems, der Weltmarktführer im Bereich Abfalltrennung, Abfallsortierung und Recycling.

Welche anderen (Umwelt)-Technologien spielen im Fonds eine wichtige Rolle?

Clemens Klein: Wasserstoff bzw. Brennstoffzellen, Meerwasserentsalzung, Wärmedämmung, oder effiziente Beleuchtungssysteme. Ein interessantes Unternehmen ist z.B. NEL ASA wegen Power to Gas- Energiespeicherung. Eines noch: Wo hohe Gewinnchancen, da auch höhere Risiken. Generell gilt für eine Investition in Umweltaktien, dass man eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und auch stärkere Kursschwankungen vertragen muss.


Seit mehr als 10 Jahren gehen die Umweltschutzorganisation WWF und Erste Asset Management einen gemeinsamen Weg für den Klima und Umweltschutz. Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT, dessen Anlagepolitik der WWF mitträgt, berücksichtigt sowohl wirtschaftliche als auch soziale und ökologische Kriterien. Für die Aufnahme in das Portfolio kommen nur Unternehmen in Frage, die ihre Verantwortung beim Kohlendioxid-Ausstoß und Wasserverbrauch ernst nehmen. Ein Anlagebeirat mit dem WWF prüft, ob die strengen Umweltvorgaben und Ausschlusskriterien eingehalten werden. Diese Partnerschaft beinhaltet auch eine Unterstützung der WWF-Flusserhaltungs- und Klimaschutzprojekte. Immerhin kamen der Natur dadurch bereits mehr als zwei Millionen Euro zugute.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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A Secular Outlook - Emerging Markets

After the longest equity bull market ever over the past ten years, change is in the air for investors. Chief Strategist at Pictet Asset Management, Luca Paolini, gives his view on emerging markets for the next five years.

Further information on the outlook for different asset classes over the next five years can be found in Pictet Asset Management's Secular Outlook. Please find further information here and the full Secular Outlook here.


Über den Autor

Luca Paolini kam 2012 als Chefstratege zu Pictet Asset Management. Davor arbeitete er als Aktienstratege bei Credit Suisse Securities, wo er für die Vermögens-, Sektor- und geografische Allokation verantwortlich war. Von 2005 bis 2007 war er bei Union Investment als Anlagestratege tätig. Luca Paolini begann seine Karriere 2001 bei Allianz Dresdner Asset Management. Im Rahmen seiner Tätigkeit im Bereich Asset-Allokation und Anlagestrategie wurde er zum Prokurist befördert. Luca Paolini hat einen Master in Volks- und Betriebswirtschaft von der SDA Bocconi School of Management in Mailand und ein Laurea Magistrale in Politikwissenschaften von der Universität Bologna.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Telefon: 069-79 5009 1224
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WTI versus Dubai - Begrenzte Preisdifferenz vor Inkrafttreten der neuen IMO-Vorschriften

von Nitesh Shah, Director Research und Rohstoffexperte beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Neue Vorschriften in Bezug auf den Schwefelgehalt in Bunker- bzw. Schiffskraftstoffen, die von der Internationalen Maritime Organisation (IMO) erlassen wurden und ab Anfang 2020 gelten, dürften die Nachfrage nach schwefelarmen, leichten Rohölen wie den West Texas Intermediate (WTI) auf Kosten des schwefelreichen und schweren Rohöls erhöhen. Schwefelarme Rohöle erfordern eine weniger aufwändige Raffination, um sie zu Endprodukten zu verarbeiten, die den neuen Regularien entsprechen.

Infolgedessen sehen wir einen begrenzten Preisabschlag bei WTI-Rohöl im Verhältnis zum schwefelreicheren Dubai. Zwischen 2016 und 2018 weitete sich der Abschlag aus, da es bei Schweröl zu Lieferengpässen kam, während leichtere Öle reichlich vorhanden waren. Die Produktion von Schweröl ist im Zuge der angebotssteuernden Politik der OPEC und Kanadas sowie wegen des Produktionseinbruchs in Venezuela zurückgegangen. Unterdessen hat der Anstieg der Schieferöl-Förderung in den USA das Angebot an leichteren Rohölen weltweit erhöht. Da wir uns der Umsetzung der IMO Anfang 20201 nähern, ist es wahrscheinlich, dass die Nachfrage nach leichterem und schwefelarmem Rohöl steigt und damit die Preisdifferenz zwischen WTI und Dubai im Jahr 2019 sinken wird.

WTI_vs_Dubai_new.png


1) Die Internationale Maritime Organisation wird den Schwefelgehalt aller Schiffskraftstoffe ab 2020 auf 0,5 Prozent begrenzen, mit Ausnahme von Kraftstoffen, die in Regionen verbrannt werden, die bereits an niedrigeren Schwefelgrenzwerten liegen.

Bank of Japan officially enters the currency wars

The Bank of Japan’s stance at its July meeting is aimed at stopping the yen appreciating, explains Piya Sachdeva, Economist at Schroders.

The Bank of Japan (BoJ) today signalled readiness to expand stimulus “without hesitation” if downside risks to inflation were to rise.

Until now, the BoJ had acknowledged downside risks to both growth and inflation, but had given little explicit guidance that it would ease policy. It has kept more quiet than the Federal Reserve (Fed) and European Central Bank (ECB).

There were no major changes to the overall monetary policy framework at the BoJ’s July meeting. The short term policy rate was kept on hold at -0.1%, the 10-year government bond yield target kept at “around zero per cent”, alongside an unchanged ¥80tn annual pace of JGB purchases.

In its quarterly Outlook Report that accompanied the announcement, the BoJ yet again revised its inflation forecasts* down to 0.8% year-on-year (y/y) and 1.2% y/y in (fiscal year) 2019 and 2020, respectively. These exclude the effects of the upcoming consumption tax hike.

The growth projection for 2019 was edged down slightly to 0.7% y/y and remain unchanged at 0.9% y/y for 2020.

Ultimately, inflation well below its target is nothing new to the BoJ and its growth projections actually remain fairly healthy by Japanese standards.

Its “ready to act” stance is aimed at stopping the Japanese yen from appreciating against a backdrop of heighted expectations for easing from both the Fed and the ECB. In other words, the BoJ has officially entered the currency wars.

It is well known to investors that the BoJ has little to ease further, given that interest rates are already negative and a full blown asset purchase programme. We believe that the BoJ will be reluctant to ease further, but so far will be quite happy about its ability to keep the yen fairly stable.


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Renminbi-Anleihen: Silberstreif am Horizont

Warum die Demografie in China die Internationalisierung des dortigen Markts für Lokalwährungsanleihen beschleunigt erklärt Cary Yeung, Head of Greater China Debt bei Pictet Asset Management.

Chinas alternde Bevölkerung könnte für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zum Problem werden, andererseits aber auch dazu beitragen, dass aus dem 13 Bio. US-$ schweren Anleihenmarkt eine internationale Anlageklasse wird.

Um zu verstehen warum, schauen wir uns zunächst den Zusammenhang zwischen Demografie, Ersparnissen und Zahlungsbilanz eines Landes an.

In China lag der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – also derjenigen zwischen 15 und 64 – vor rund zehn Jahren auf dem höchsten Stand und wird UN-Prognosen zufolge bis 2030 auf 52 Prozent zurückgehen.

Da die Bevölkerung immer älter wird, steigen auch deren Gesamtausgaben – hauptsächlich für Gesundheit und Ruhestand. Die Rentenausgaben zum Beispiel steigen seit 2012 pro Jahr schneller als die Renteneinnahmen.

Die durchschnittliche jährliche Rentenlücke in China dürfte 2050 bei 1,41 Bio. RMB liegen, aktuell sind es 50 Mrd. RMB.1

Um diese Lücke zu schließen, muss das Land auf seine Ersparnisse zurückgreifen; diese dürften bis 2030 von einem Höchststand von 46% auf unter 40% des BIP fallen.

Aufgrund dieses Umstands sowie des gleichzeitigen Anstiegs der Ausgaben des Landes ist es nur eine Frage der Zeit, bis China sich in ein Leistungsbilanzdefizit manövriert – also mehr verbraucht als es produziert.

Diese Entwicklung hat entscheidende Konsequenzen für den chinesischen Anleihenmarkt.

Wenn es tatsächlich so weit kommt, muss das Land dieses Defizit finanzieren, indem es sich mehr Geld im Ausland beschafft. Mit anderen Worten, China wird von einem Kapitalexporteur zu einem Importeur.

Peking hat erkannt, was auf das Land zukommt, und ergreift eine Reihe von Maßnahmen, um die Kapitalmärkte zu liberalisieren und seine Attraktivität für ausländische Investoren zu erhöhen.

Entscheidend für den Erfolg dieser Reformen ist die Öffnung des chinesischen Onshore-Anleihenmarkts.

Im Zuge der Aufnahme chinesischer Anleihen in die großen Benchmarks globaler Indexanbieter können Anleger nicht umhin, in diese Anlageklasse zu investieren.

Nach Einführung des „Bond Connect“-Programms 2017, das ausländischen Anlegern die Möglichkeit bot, in Hongkong ohne Onshore-Konto mit Anleihen zu handeln, ist China jetzt auch auf die Lieferung-gegen-Zahlung-Abwicklung umgestiegen, um die Abrechnungsrisiken zu minimieren.

Peking hat außerdem ausländischen institutionellen Anlegern eine dreijährige Steuerbefreiung auf Anleiheerträge bis November 2021 gewährt. Darüber hinaus plant die Volksrepublik China, die Vorschriften für Repo-Geschäfte und sonstigen Derivathandel für ausländische Anleger zu lockern.

Diese Schritte sowie weitere geplante Maßnahmen zur Öffnung des Markts sorgen dafür, dass RMB-Anleihen zunehmend Bestandteil internationaler Portfolios sind.

Im 1. Quartal 2019 befanden sich Anleihen im Wert von rekordhohen 271 Mrd. US-$ im Besitz ausländischer Anleger, Ende 2018 waren es nur 160 Mrd. US-$. Das liegt zum Teil auch daran, dass globale Indexanbieter chinesische Anleihen in ihre großen internationalen Anleihen-Benchmarks aufnehmen.

In den Global Aggregate Bond Index von Bloomberg-Barclays sind im April chinesische RMB-Anleihen eingezogen – diesem Beispiel werden weitere Indexanbieter folgen. Alles in allem dürfte die Aufnahme Chinas in die großen Indizes dem Land in den kommenden Jahren Zuflüsse von fast 300 Mrd. US-$ bescheren.

Internationale Anleger sind zurzeit mit weniger als 3 Prozent in der Anlageklasse investiert, aber die Volksrepublik China geht davon aus, dass sich dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren auf 10–15 Prozent vervielfachen wird.

Korrelation und Währung

RMB-Anleihen weisen besondere Merkmale auf, sodass ihre Aufnahme in ein internationales Anleiheportfolio dessen Risiko- und Renditedynamik verändern kann.

Wie Abb. 1 zeigt, korrelieren die Renditen von RMB-Anleihen nicht sehr stark mit irgendeiner der großen globalen Anlageklassen – weder mit Anleihen noch mit Aktien.

ABB. 1 ES LEBE DIE UNABHÄNGIGKEIT

Korrelation chinesischer Onshore-Anleihen mit anderen Anlageklassen (%, 100 = perfekte Korrelation)

Quelle: Chinabond, JP Morgan, HSBC, Bloomberg. Alle Indizes auf Basis der Gesamtrendite und in US-Dollar, sofern nicht anders angegeben. Basierend auf monatlichen Daten vom 31.10.2008–31.12.2018.

Die Renditen von RMB-Anleihen sind höher als bei Staatsanleihen aus Industrieländern.

Die Rendite auf fünfjährige chinesische Staatsanleihen liegt bei 3,1%, im Vergleich dazu sind es 1,9% bei US-Staatsanleihen, -0,24% bei japanischen Staatsanleihen und -0,67% bei deutschen Bundesanleihen, jeweils mit gleicher Laufzeit.

Anleger in RMB-Onshore-Anleihen dürften auch vom Potenzial der chinesischen Währung, sich zu einer internationalen Währung zu entwickeln, profitieren. Mit diesem strukturellen Trend dürfte langfristig eine Aufwertung des Renminbi einhergehen, sodass sich Anlegern in Onshore-Anleihen eine weitere Renditequelle erschließt.

Die Internationalisierung der chinesischen Währung nimmt in Asien bereits Gestalt an.

Die Region hat sich zu einem regelrechten RMB-Block entwickelt, da die benachbarten Handelspartner Chinas Verträge in der chinesischen Währung abwickeln.

Der Renminbi ist zu einem wichtigen Anker für asiatische Währungen geworden. Unsere Ökonomen schätzen, dass die Schwankungen des Renminbi für 15% der Veränderungen bei asiatischen Wechselkursen verantwortlich sind – 2006 war sein Einfluss gleich null. Auf den RMB-Block entfallen rund 23% des weltweiten BIP, 2006 waren es gerade mal 5%.

Dies lässt darauf schließen, dass die globalen Zentralbankreserven in Zukunft zu 13% aus Renminbi bestehen werden, das Siebenfache des aktuellen Bestands.

Das chinesische Seidenstraßen-Infrastrukturprogramm „One Belt, One Road“, mit dem das Land die Kreditvergabe und den Handel in Renminbi ankurbeln möchte, dürfte die Internationalisierung des Renminbi ebenfalls beschleunigen, ebenso wie Kapitalzuflüsse in den Finanzmarkt des Landes und die Öffnung seines Versicherungs- und Bankensektors.

Risikomanagement

Chinesische Onshore-Anleihen entwickeln sich unübersehbar zu einer wichtigen Anlageklasse, auf die internationale Anleger in ihren diversifizierten Portfolios nicht mehr verzichten wollen. Anleger müssen jedoch eine sorgfältige Auswahl treffen.

Der jüngste Ausfall der börsennotierten Anleihe des chinesischen Einzelhändlers Neoglory hat rechtzeitig an die Risiken erinnert, die mit Unternehmen in stark verschuldeten Sektoren verbunden sind.

Wir sehen jedoch keine systemischen Refinanzierungsrisiken in der Anlageklasse. China tut viel dafür, um das Wachstum der Unternehmensverschuldung einzudämmen (siehe Abb. 2).

Durch diese gezielten Maßnahmen kann Peking einerseits die Schulden aus den Konjunkturbelebungsimpulsen der Vergangenheit abbauen und andererseits kleine und private Unternehmen unterstützen – die am meisten unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China zu leiden haben.

ABB. 2 AUF DER ZIELGERADEN

Gezielte politische Maßnahmen zum Abbau der Verschuldung im privaten Sektor

Quelle: Volksrepublik China, IWF, Pictet Asset Management, Daten vom 03.07.2019

Der Abstand zwischen Kreditwachstum und nominalem BIP hat sich von 7,3% im Jahr 2014 auf 1% in 2018 verkleinert.2

Ebenfalls beruhigend ist, dass die Ausfallrate Chinas mit weniger als 1,5% unter derjenigen vieler Industrie- und anderer Schwellenländer liegt.3

Der Markt für auf RMB lautende Onshore-Anleihen dürfte sich in den kommenden Jahren stark vergrößern, um den veränderten Erfordernissen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Rechnung zu tragen. Aus den genannten Gründen können internationale Anleger diesen Markt einfach nicht mehr ignorieren.


1) Wuhan Universität und Chinese Academy of Labour and Social Security, Sustainability 2019,11, 1418; doi:10.3390/su11051418
2) Basierend auf der Differenz zwischen Sozialfinanzierung ohne Eigenkapital und nominalem BIP-Wachstum. Quelle: Pictet Asset Management, Refinitiv und CEIC
3)  Nachlaufende Ausfallquote 12 Monate bis April 2019. Quelle: Bank of America Merrill Lynch

Mehr zu chinesischen Anleihen:

Über den Autor

Cary Yeung kam 2014 als Leiter für Greater China Debt zu Pictet Asset Management. Zuvor war er bei Taikang Asset Management in Hongkong für den Bereich Fixed Income verantwortlich und Portfoliomanager für verschiedene asiatische Anlagen in festverzinslichen Produkten zuständig.

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Chinese Growth Story – Was für eine Fortsetzung spricht

Johannes Scheuplein, Junior Fund Manager der Erste Asset Management, erklärt, warum der Handelskrieg mit den USA nicht das Ende der Entwicklungsgeschichte bedeutet und was für die Fortsetzung der Wachstums-Story Chinas spricht.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichem: Der Handelskonflikt traf die Märkte im Mai hart und das chinesische Wirtschaftswachstum hat weiter an Dynamik verloren. Allerdings kann der Handelskonflikt nicht ewig weitergehen.

Trump hat seine Kandidatur für die nächsten Präsidentschaftswahlen angekündigt, und wenn er sein Image als pragmatischer Geschäftsmann aufpolieren möchte, so sieht er sich gezwungen mit China ein Handelsabkommen zu schließen.

Sein Wahlkampf 2016 stützte sich auf drei Wahlversprechen. Das erste – Deregulierung und Steuersenkungen – hat er eingehalten. Das zweite – die Lösung des Immigrationsproblems und der Bau einer Mauer, für die Mexico zahlen soll – ist nach wie vor ungelöst. Daher besteht für Trump eine gewisse Dringlichkeit beim dritten Wahlversprechen – die Handelsbedingungen zwischen den USA und China neu zu ordnen – einen Erfolg zu verbuchen. Obwohl der Handelskrieg zu einem Technologiekrieg ausgeweitet und das chinesische Unternehmen Huawei hart getroffen wurde, hat China in Form von Rohstoffen auch Druckmittel gegenüber den USA und darüber hinaus genügend Möglichkeiten die Auswirkungen des Handelskrieges zu mildern.

Mit dem US-China-Friedensabkommen und der weicheren Haltung gegenüber Huawei haben sich zudem die Gespräche während des G20-Gipfels als konstruktiv erwiesen. Interessanterweise wurden die Zugeständnisse von US-Seite angekündigt und von den Chinesen nicht vollständig bestätigt. Ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass China die Oberhand hat und die USA einen Deal wirklich dringend brauchen?

Spielraum für Geldpolitik

Wachstums-Story China LeitzinsenAbbildung 1, Quelle: Bloomberg

Im Vergleich zu den meisten Industriestaaten hat China nach wie vor Spielraum für geldpolitische Maßnahmen (siehe Abbildung 1). Die jüngsten Fiskalpolitik konzentrierte sich eher auf Steuersenkungen (so wurden letztes Jahr Senkungen im Umfang von 1,4% des BIP und heuer von etwa 2% des BIP angekündigt) anstelle von Infrastrukturinvestitionen.

Aufgrund der hohen Sparquote (etwa 40% des verfügbaren Einkommens, verglichen mit 10% in den USA) könnte sich der Effekt nicht unmittelbar einstellen, doch auf lange Sicht sollten die Steuersenkungen zu einer besseren Ressourcenallokation führen, da Individuen und Unternehmen bei der Veranlagung überschüssiger Ersparnisse Risiko-Ertrags-Erwägungen miteinbeziehen werden.

Die höheren Ersparnisse werden auch den jüngsten Kreditboom relativieren. Wenn man die Ersparnisse in Betracht zieht, so erscheint die Nettokreditsumme weniger überwältigend. Darüber hinaus könnten Ersparnisse auch das sich verlangsamende Kreditwachstum kompensieren.

Wachstums-Story China Sparquote Abbildung 2, Quelle: Bloomberg

Von Alibababa zur politischen Struktur

Die politische Struktur Chinas kommt langfristigen strukturellen Entscheidungen ebenfalls entgegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern verfügt in China die Regierung über die Möglichkeit, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, die sich langfristig bezahlt machen, da sie bei keiner Wählerschaft auf Stimmenfang gehen müssen. Dies führt zu einer höheren Stabilität bei politischen Entscheidungen mit einem langfristigen Zeithorizont.

Dies ist bei Langzeitprojekten wie China 2025 und der Belt Road Initiative (BRI) augenscheinlich. Die BRI zielt auf höhere Marktintegration ab. Die Infrastrukturinvestitionen könnten zu einer verringerten Abhängigkeit von den USA führen und Ricardianischem Wachstum analog zur Europäischen Integration führen.

Ein höheres Handelsvolumen in Renminbi (RMB) könnte auch den Anspruch des RMB, zu einer Leitwährung zu werden, stärken und gleichzeitig die Verwundbarkeit gegenüber der US-amerikanischen Strategie, den US-Dollar als Waffe in geopolitische Konflikte einzubringen, verringern.

Was China 2025 angeht, so lässt sich beobachten, dass China mehr und mehr versucht , in der Wertschöpfungskette weiter nach oben zu klettern. Der Technologiesektor im Speziellen ist ein gutes Beispiel, dass China zunehmend unabhängiger vom Rest der Welt wird.

Alibaba, Baidu und Tencent sind alles chinesische Unternehmen, die konkurrenzfähige Alternativen zu Amazon, Google und Co anbieten. Auch an der Front der Elektromobilität ist China sehr gut aufgestellt, da man bereits sehr früh mit Subventionen angefangen hat.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich alles um strukturellen Wandel dreht. Der hohe Anteil an staatlichen Unternehmen in der chinesischen Volkswirtschaft und die schwachen Urheberrechte bergen ein enormes Potential an Ineffizienzen, die in Zukunft behoben werden können.

Eine der Hauptaufgaben, mit denen sich China konfrontiert sieht, ist die Stärkung des Privatsektors und die Verringerung der Export- und Investitionsabhängigkeit durch die Erhöhung privater Ausgaben. China hat offensichtlich Bestrebungen in diese Richtung etwas zu tun. Die Reformthemen der Kommunistischen Partei Chinas beinhalten u.a. die Verbesserung der Sozialversicherung mittels einer Gesundheits- und Pensionsvorsorgereform. Eine verbesserte Sozialversicherung könnte letztlich zu einer Reduktion der Sparquote und somit zu erhöhtem Konsum führen.

Der Handelskonflikt sollte generell nicht als Übel angesehen werden, sondern als Chance für weitere Reformen in China. Angesichts des Drucks seitens der USA und des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums könnte sich China in Zukunft weiter dazu verpflichten geistiges Eigentum zu schützen.

Genau das wäre eine gute Neuigkeit für China-Investoren. Die Öffnung der Wirtschaft wird China die Möglichkeit geben das Wachstum durch Technologietransfers weiter voranzutreiben. Es gibt bereits Beispiele von Joint Ventures mit Unternehmen wie z.B. BMW, in denen ausländische Unternehmen einen Mehrheitsanteil halten.

Die Quintessenz ist letztendlich, dass noch ein enormes Verbesserungspotenzial besteht und dass China bereits dabei ist, seine strukturellen Probleme in Angriff zu nehmen. Obwohl große Unsicherheit besteht, scheint es das Risiko wert zu sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der Integration Chinas in die globalen Finanzmärkte kann man davon ausgehen, dass die Aufnahme in große Benchmark-Indizes im Anleihen- und Aktienbereich weiter Impulse liefern wird. Die Wachstums-Story von China ist noch nicht vorbei.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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What is “energy transition” and why does it matter to investors?

The switch to renewable energy is gathering pace and is likely to prove hugely disruptive, explains Mark Lacey, Head of Commodities at Schroders.

Renewable energy is well on its way to becoming a core part of our energy mix. In May this year, the UK went a full week without using coal to generate power for the first time since 1882. Clean energy sources are increasingly being used as cost effective and low emission alternatives to coal, oil and gas.

But renewable energy makes up just a small part of the global energy mix at present. This needs to rise substantially if we are to meet climate targets, including the Paris agreement designed to limit temperature rises to 2°C. We therefore need a rapid switch to renewable sources of energy.

There have been two previous transitions to new sources of energy: from traditional biofuels (such as wood) to coal in the late 19th century, and from coal to oil and gas in the mid 20th century. The chart below shows how the global energy mix has changed since 1800.

Change-in-global-energy-consumption-283180.jpg

As the chart shows, renewables are currently just a small part of the picture. But we think they could reach a 30-40% share of the total mix in the next 30 years.

Both of the two previous energy transitions were long-term structural changes that proved hugely disruptive. Use of coal was spurred by the introduction of the steam engine. The transition to oil & gas was driven by the move to the internal combustion engine. These technologies then powered enormous changes in society.

While full adoption of coal took around 70 years and full adoption of oil and gas took around 50 years, we think the full adoption of renewables will take closer to 30 years, essentially happening much more quickly. This is because it will be driven by forced change; the severity of the threat posed by climate change means government policy simply has to support the energy transition to renewables. 

But switching to energy generated by renewables and away from fossil fuels is only one part of the energy transition. Just as crucial is the development of the infrastructure needed to enable the switch. For example, wind and solar farms can generate a huge amount of power when it’s windy or sunny, but this will need to be stored until it’s needed by consumers.

Similarly, there will need to be huge investment in the transmission and distribution networks to support increased demand for electricity rather than other forms of energy. In addition, a significant amount of investment is needed to make the entire system more efficient and this involves a large amount of technology-driven investment. An important part of this demand is the growing popularity of electric vehicles and therefore new, large-scale charging infrastructure for these will be needed.

To sum up, when we talk about energy transition, generating power from renewables is only part of the picture. The mass introduction of electric transport infrastructure, energy storage, improved transmission and distribution networks, coupled with the increased usage of technologies to improve energy efficiency, are all part of the transition too. We expect this to prove hugely disruptive to the energy industry over the next few decades.


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Starker Juni bringt Höchststände

„Sell in May and go away“ wäre diesmal ein schlechter Rat gewesen, denn im Juni wurde die Korrektur aus dem Mai nahezu völlig aufgefangen, der US-Aktienmarkt (S&P 500 Index) erzielte sogar ein neues Allzeithoch. Die Wertentwicklung 2019 liegt auch global wieder im zweistelligen Bereich – und das bereits zur Jahresmitte! Ausschlaggebend waren wohl nicht fundamentale Daten, die Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte monetäre Lockerung der US-Notenbank und infolge auch der EZB und anderer führender Notenbanken. Die Erwartung fortgesetzter Liquiditätspolitik lässt auch eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China oder den USA-Iran-Konflikt in den Hintergrund treten.

Gewinner der ersten Hälfte 2019 war sicherlich Russland und damit Osteuropa, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus. China und damit auch Emerging Asia sind im 2. Quartal zurückgefallen, verständlich angesichts des von den USA ausgehenden Handelsstreits.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Globale Konjunktur: Pro und Contra bei Konjunkturdaten

Bei den Konjunkturdaten stehen weiter rückläufige Frühindikatoren für Produktion und Export infolge des Handelskonflikts den bislang stabilen Arbeitsmarkt- und Konsumdaten sowie den positiven Managerumfragen im Dienstleistungsbereich gegenüber. Auch die Entwicklung am Immobilienmarkt zeigt zwar eine gewisse Konsolidierung auf hohem Niveau, aber noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Schwächung. Dennoch, die rückläufige Inflationsentwicklung und insbesondere die zuletzt deutlich niedriger gepreisten Inflationserwartungen könnten für die US-Notenbank FED Leitzinssenkungen rechtfertigen, wenngleich die aktuelle US-Konjunktur und die bis dato geringe Arbeitslosenrate solche Maßnahmen derzeit nicht zwingend notwendig erscheinen lassen.

Positive und negative Einflussfaktoren gleichen sich derzeit nicht nur bei den Wirtschaftsdaten, sondern auch bei den Unternehmensdaten aus. Die Stimmung am Aktienmarkt hat sich durch die Erholung im Juni wieder aufgehellt und auch die technische Analyse ergibt ebenso wie die Marktbreite ein konstruktives Bild.

Aktien USA und Europa: Rally trotz abflauender Konjunktur

Obwohl der Höhepunkt in den Gewinnwachstumsraten im Verlauf des Vorjahres erreicht wurde, sind die Zuwachsraten der letzten 12 Monate immer noch deutlich positiv. Die Gewinnschätzungen wurden zwar angesichts einzelner Warnungen von Unternehmen zuletzt wieder mehrheitlich nach unten revidiert, dennoch stellt sich das erwartete Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr 2019 und für 2020 trotz abflauender Konjunkturdynamik noch immer durchaus positiv dar.

Die relative Performance zwischen Large Caps und Small Caps in den USA bewegt sich in Zyklen. Seit 2016 haben sich die Aktien der großkapitalisierten Werte mit wenigen Unterbrechungen wesentlich besser entwickelt als die Aktien kleinerer Titel. Nunmehr hat diese Outperformance neue Höchststände erreicht. Eine vorläufige Gegenbewegung käme daher nicht unerwartet. Noch dazu, wo die eher binnenmarktorientierten kleineren Werte weniger vom laufenden Handelskonflikt der USA mit China betroffen sein sollten. Wir haben uns hier entsprechend positioniert.

Niedrige Zinsen und ein solider Konsumsektor stützen das Wachstum

Der vereinbarte Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen den USA und China steht auf dünnem Eis und ist so unsicher, dass womöglich ein einziger Tweet von US-Präsident Donald Trump ausreichen würde, um ihn zunichte zu machen. Die Unsicherheiten rund um den Handelskonflikt und seine möglichen Folgen scheinen der globalen Produktion und dem Handel mehr Schaden zugefügt zu haben, als zunächst angenommen. Vor allem China bekam die Auswirkungen des Handelskrieges zu spüren: Bis Ende Mai gingen die Warenexporte in die USA um 14 Prozent zurück. Daneben wirkt sich der Handelskrieg störend auf die Lieferketten aus und sorgt für rückgestellte Investitionen, da Unklarheit über die Produktionsstandorte herrscht. „Dennoch bleiben unsere Wachstumsprognosen positiv“, sagt Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM).

Gründe dafür hat der Experte einige. So habe unter anderem der Rückgang der globalen Rendite dazu beigetragen, dass der Dienstleistungs-Sektor und die Beschäftigungsrate relativ gut gesichert sind. Darüber hinaus hätten sich die US-Rezessionsindikatoren in den letzten Monaten hinsichtlich der Margen verbessert, da der Druck auf die Schuldendienstkosten nachließ. „Besonders hervorzuheben sind die soliden US-Verbraucherdaten und die niedrige Inflation, die für höhere Realeinkommen sorgt. Der Wohlstand nimmt zu und Kredite sind leichter zugänglich“, führt Drayson fort. Auch das Verbrauchervertrauen sei sehr hoch und stehe im Einklang mit einem anhaltend robusten Wachstum der Konsumausgaben, die mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmachten. „Die Produktionsindustrie hingegen macht nur acht Prozent der Beschäftigungsrate aus. Sofern dieser Wirtschaftsbereich nicht signifikant nachlässt, ist eine Rezession unwahrscheinlich“, resümiert Drayson.

Niedrige Hypothekenzinsen dürften auch den Wohnungsmarkt stützen. Zwar haben Wohnungsbauinvestitionen das Wachstum in den vergangenen Quartalen geschmälert, in der zweiten Jahreshälfte könnten sie sich jedoch positiv entwickeln. „Sollte es nicht zu einer Eskalation im Handelskrieg kommen, dürfte das Gesamtwachstum positiv ausfallen, selbst wenn die Unternehmensinvestitionen stagnieren“, so Drayson.

Neben dem Ausgang der Handelsgespräche seien auch die Haushaltsgespräche im Kongress der Vereinigten Staaten entscheidend: „Bleibt eine Einigung aus, steht die USA vor einer moderaten Fiskalklippe, denn die diskretionären Ausgaben würden 2020 bedingt durch die Budgetobergrenze unter der bestehenden Gesetzgebung um drei Prozent sinken.“

Zusammenfassend geht der Experte davon aus, dass der Zyklus weiter anhalten und das Wirtschaftswachstum 2020 weiter zunehmen werde. „Die Hauptrisiken ergeben sich aus politischen Fehlern, die hinsichtlich des Handelskriegs und in der Fiskalpolitik entstehen könnten. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass jeder Schock durch die Bereitschaft der Fed abgefedert wird, auf Anzeichen von wirtschaftlicher Schwäche zu reagieren“, schließt Drayson.

Marktausblick für das 2. Halbjahr 2019

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das erste Halbjahr 2019 ist vorbei. Auf dem Finanzmarkt verzeichneten viele Wertpapierklassen deutliche Kursanstiege. Gleichzeitig deutete die fallende Tendenz bei zahlreichen Wirtschaftsindikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes hin. Lesen Sie in unserem Marktausblick, wie das zusammenpasst.

Stagnation im Fertigungssektor

Zwischen der 2. Jahreshälfte 2018 und dem 1. Quartal 2019 ist die Weltwirtschaft am Potenzial gewachsen. Das ist jener Wert, der langfristig erwartet werden kann  – das heißt über einen Wirtschaftszyklus hinweg betrachtet. Das Potenzial-Wachstum liegt zwischen 2,5 und 3 Prozent. Der Gütersektor musste eine Abschwächung hinnehmen: Sowohl das Wachstum der Industrieproduktion als auch jenes der Unternehmensinvestitionen ist auf ein niedriges Niveau gefallen.

Die Güterexporte schrumpften sogar. Die Frühindikatoren für diese Sektoren, wie etwa der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Manufacturing Overall“, Quelle: JP Morgan) zeigen eine weitere Abschwächung in Richtung Stagnation an: für die Produktion und die Investitionen beziehungsweise eine weitere Schrumpfung der Güterexporte.

Erosion im Servicesektor

Im Unterschied dazu blieb der Servicesektor bis zum ersten Quartal vergleichsweise stark. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor ist im Juni zwar leicht angestiegen, der rückläufige Trend seit dem vergangenen Jahr ist aber eindeutig (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Services Business Activity“, Quelle: JP Morgan).

Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren

marktausblick Winzer Grafik Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wachstum unter Potenzial

Betrachtet man die Unterkomponente „Output“ für die beiden Sektoren Fertigung und Services zusammen, schlägt der letzte Wert (51,2) ein Wachstum des realen globalen Bruttoinlandsproduktes zwischen 2,0 und 2,5 Prozent auf das Jahr hochgerechnet vor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output/business activity“).

Abschwächung des Beschäftigungswachstums

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Teilen der Welt Dank der wirtschaftlichen Boom-Phase der vergangenen Jahre nach wie vor kräftig, sprich: die Arbeitslosenraten sind niedrig, und das Lohnwachstum steigt langsam aber doch an. Das unterstützt das Einkommens- und Konsumwachstum.

Allerdings sind auch hier Abschwächungstendenzen erkennbar (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „ All-industry Employment). Sollte das Wirtschaftswachstum tatsächlich unter Potenzial fallen, würde das mit einer Abschwächung des Beschäftigungswachstums einhergehen.

Abwärtsdruck bei der Inflation

Die Inflationsraten in den entwickelten Volkswirtschaften sind niedrig. Gleichzeit fallen sowohl die markt- als auch die umfragebasierten Inflationsindikatoren (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output Prices“).

Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum unter dem Potenzial hat sich das Risikoprofil für den Inflationsausblick markant verschoben, nämlich von einer ansteigenden Inflation in Richtung einer fallenden Inflation.

Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten

marktausblick Winzer Grafik 2Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Abnahme der politischen und geldpolitischen Risiken

Gleichzeitig haben aufgrund von zwei Entwicklungen die nach unten gerichteten Risiken abgenommen:

  • Erstens wurde Ende Juni am Rande des G20-Treffens in Japan eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen China und den USA verkündet. Damit ist die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation im Handels- und Technologiestreit vom Tisch. Bis auf weiteres werden die USA keine weiteren Zollanhebungen auf chinesische Importe vornehmen. Die mittel- und langfristigen Konfliktpotenziale bleiben natürlich bestehen.
  • Zweitens haben zahlreiche Zentralbanken eine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung auf Lockerung vorgenommen. Für die USA werden Leitzinssenkungen im Ausmaß von insgesamt einem Prozentpunkt innerhalb eines Jahres in den Marktpreisen reflektiert. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte Ende Juli ist sehr wahrscheinlich. Noch vergangenen September ging man von Leitzinsanhebungen um insgesamt 0,8 Prozentpunkte aus.

Lockerung der Geldpolitik

Die bis Ende 2018 begonnene Normalisierung der Leitzinsen (Anhebungen) und der Zentralbankbilanz (Schrumpfung) stand im Widerspruch zur Konjunkturabschwächung.

Nunmehr deuten Zentralbanken Lockerungsschritte an beziehungsweise haben bereits einige Zentralbanken mit Leitzinssenkungen reagiert. Die verwendeten Argumente der Zentralbanken können in drei Kategorien unterteilt werden:

Erstens, geringer Spielraum

Der Abstand der Leitzinsen zur Zinsuntergrenze ist bei den meisten Zentralbanken gering. In der Vergangenheit reagierten Zentralbanken auf eine Rezession mit Leitzinssenkungen im Ausmaß von mehreren Prozentpunkten . Das ist nun nicht mehr möglich. Leitzinsen können nur noch in einem geringen Ausmaß in den negativen Bereich abgesenkt werden.

Zweitens, erhebliche Schätzfehler

Um die Kernvariablen Beschäftigung und Inflation zu prognostizieren, verwenden die Zentralbanken zahlreiche volkswirtschaftliche Modelle. Jede Modellprognose hat jedoch Schätzfehler. Darum blicken die Zentralbanken nicht nur auf Punktprognosen, sondern auch auf die Streuung und verwenden aufgrund der inhärenten Modellunsicherheit nicht nur ein sondern mehrere Modelle. Seit einigen Jahren treffen die vom Zustand des Arbeitsmarktes abgeleiteten Inflationsprognosen (Anstieg) nicht zu. Die sogenannte Phillips-Kurve (Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenrate) ist verstärkt einer kritischen Betrachtung ausgesetzt. Zudem ist die Modellierung eines Handelskonfliktes mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite bei der Schätzung des neutralen Leitzinssatzes. Das ist jener Zinssatz der weder dämpfend noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Die ersten beiden Punkte implizieren rascher als früher auf eine Eintrübung des Umfeldes zu reagieren.

Drittens, Veränderung der Reaktion

Wie soll die Zentralbank auf das volkswirtschaftliche Umfeld reagieren? Aktuell geht es vor allem um die Frage, ob die Vergangenheit berücksichtigt werden soll. In vielen Ländern war die Inflation über Jahre hinweg unter dem Inflationsziel der jeweiligen Zentralbank. Wenn das langfristige Inflationsziel der Zentralbank erreicht werden soll (oftmals bei 2 Prozent), würde das eine angestrebte Inflation für die kommenden Jahren erforderlich machen, die über dem Inflationsziel liegt. Wenn die Zentralbanken tatsächlich auf eine solche Sichtweise umstellen, würde das eine noch lockerere geldpolitische Haltung bedeuten.

Marktausblick

Die wichtigsten Gründe für die umfassenden Kursanstiege können mit der vergleichsweise frühen Reaktion der Zentralbanken auf die Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfelds sowie dem „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China erklärt werden. Für den Marktausblick auf des 2. Halbjahr geht es vor allem um eine Frage: Wie kräftig wird der schwache Gütersektor den Servicesektor, die Beschäftigung und die Inflation beeinflußen?

Dies wird die Gewinnentwicklung der Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 sind die Gewinne  geschrumpft. Solange es die Zentralbanken schaffen, das Wirtschaftswachstum etwas unter dem Potenzial zu stabilisieren und kein externer Schock eintritt (Handelsstreit, „harter“ Brexit, Krieg mit dem Iran), bleibt der Ausblick vorsichtig optimistisch für die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Anleihen mit höherem Kreditrisiko, Unternehmensanleihen). Mit einer Fortsetzung der überdurchschnittlichen Kursanstiege sollte jedoch nicht gerechnet werden.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Investment-Chancen in die moderne Pharmaindustrie

Neben den Anwendungen an Patienten, die sich nebenwirkungsarme Linderung von Volkskrankheiten sowie seltenen, schweren Krankheiten erhoffen dürfen, wird durch absolvieren von klinischen Studien eine Patentierung vollzogen, die Investoren berechtigt aufhorchen lässt, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

So betrachtet man beispielsweiße den Branchen Primus der Cannabinoiden Medizin - GW Pharmaceuticals - aus Großbritannien.

Das von GW patentierte Medikament „Sativex“ wird bereits in mehreren Ländern zur Behandlung von Multiplen Sklerose Spastiken angewandt. Dieses Medikament besteht ca. im Verhältnis 1:1 aus synthetischem THC, das unter dem Prädikat „Dronabinol“ bekannt ist, und natürlichem 
Cannabidiol (CBD).

Gegenwärtig liegt die größte Erwartung auf dem Medikament „Epidiolex“.

2018 gelang es GW das erste pflanzliche Cannabismedikament von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zuzulassen. Das CBD-Medikament wurde zur Behandlung von zwei seltenen und schweren Formen der Epilepsie zugelassen.

GW meldete für das Medikament im Q4 einen höheren Umsatz als die Analysten erhofften. Bis Anfang des Jahres schien das GW-Vertriebsteam mit rund 70 % aller Epilepsie behandelnden Ärzte Kontakt aufgenommen zu haben. Epidiolex wird bereits für mehr als 80 % der Amerikaner mit einer privaten Krankenversicherung, 90 % der Managed-Medicaid-Verwender sowie 99 % der staatlichen Medicaid-Versicherten Kosten übernommen und angewandt.

Laut Analysten kann allein in den USA das Medikament Epidiolex jährlich einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar erwirtschaften. Nun liegt der Fokus weitergehend auf der europäischen Zulassung von Epidiolex, was GW in diesem Jahr erwartet.

Weitere Zulassungen für die Medikamente Sativex und Epidiolex werden nicht nur für Regionen, sondern auch Krankheitsbilder erwartet. GW arbeitet an verschiedenen Cannabinoid-Präparaten, die etwa gegen Tuberkulosekomplexes (TSC), Autismus-Spektrum-Störungen, Glioblastom (Gehirntumor) sowie Schizophrenie therapieren sollen.

Auch wenn GW nun ein Vorreiter der Cannabinoiden Pharmazie ist, halten sie natürlich kein Monopol auf die Patentierung von Cannabinoiden. Dutzende vielversprechende Unternehmen forschen an Cannabis-Medikation für ein breites Anwendungsspektrum. Betrachtet man nun die Investitionschancen in die Cannabinoide Medizin kann man erwartungsvoll in die Zukunft blicken.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 6 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Wasserstoff-Fahrzeuge: Endlich vor dem Durchbruch?

Jules Verne beschrieb in seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“ bereits 1874 „Wasser als Brennstoff der Zukunft“. Die Bemühungen um wasserstoffbetriebene Fahrzeuge weckten seither jedoch eher Assoziationen mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“. In den letzten Jahren liefen ihnen zudem Batteriefahrzeuge den Rang ab. Wasserstoffantriebe könnten dennoch das zentrale Element künftiger E-Mobilität bilden, möglicherweise auch in Koexistenz mit dem Batterieantrieb, erklärt Stephan Meier, Investment Writer bei der Raiffeisen KAG.

Wasserstoff ist energiereich, faktisch unbegrenzt verfügbar und als Verbrennungsprodukt fällt im Grunde nur Wasser an. Trotz dieser positiven Voraussetzungen gibt es bislang nur sehr wenige wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, vor allem aufgrund technologischer Hürden und mangelnder Wirtschaftlichkeit. In einigen Bereichen ändert sich das aber zusehends.

Wasserstoff ist im Universum zwar das häufigste Element, in freier Form auf der Erde aber kaum verfügbar. Er wird heutzutage vorrangig aus Erdgas extrahiert, zum Teil auch aus Erdöl oder Biomasse. Dabei wird mit den Standardverfahren jedoch ähnlich viel CO2 freigesetzt wie beim Verbrennen von Öl und Gas. Nur sehr wenig Wasserstoff wird derzeit durch das Aufspalten von Wasser (Elektrolyse) erzeugt. Dieses Gewinnungsverfahren macht den eigentlichen grünen Reiz einer Wasserstoffwirtschaft aus, benötigt aber viel Elektroenergie. Wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist es nur, wenn dafür Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt wird, vorzugsweise solcher, der ohnehin gerade nicht anderweitig verwendbar ist.

Dieser könnte in Form von Wasserstoff zugleich kostengünstig gespeichert werden. Damit ließe sich auch ein ganz zentrales Problem beim Ausbau erneuerbarer Energien lösen. Denn nur mit Speichermöglichkeiten, für die bei Wind und Solar zeitweise anfallenden Stromüberschüsse, ist der Ausbau dieser Energiegewinnung wirklich sinnvoll. Pumpspeicherwerke oder Batterien werden dafür bei weitem nicht ausreichen. Erneuerbare Energiegewinnung und den Transportsektor koppeln zu können, ist ein Hauptargument für den Wasserstoff. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2017 könnte allein die Überschussleistung der bis 2050 geplanten Wind- und Solarkapazitäten den gesamten deutschen Straßenverkehr mit Wasserstoff versorgen. Im Fahrzeugbereich ließe sich Wasserstoff ganz konventionell in einem Ottomotor verbrennen.

WASSERSTOFF: THEMA FÜR GROSSFAHRZEUGE IM DAUERBETRIEB – WENIGER FÜR PKWS

Die Fahrzeughersteller konzentrieren sich aber eher auf den Elektroantrieb mit Hilfe einer Brennstoffzelle. Die Gesamtkosten für Anschaffung und Betrieb eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs (Fuel Cell Electric Vehicle, kurz: FCEV) liegen dabei noch weit über denjenigen von Batterie- oder Verbrennungsfahrzeugen und die Energiebilanz für den Gesamtprozess (Strom zu Strom) ist sehr dürftig. Inklusive Herstellen, Speichern und anschließendem Rückverstromen von Wasserstoff beträgt der Wirkungsgrad derzeit weniger als 50 %. Batterien sind da weit effizienter. Doch ihre Herstellung verschlingt oft enorme Ressourcen, sie sind schwer, groß und nur begrenzt verfügbar. Für Schwerlastanwendungen mit großen Reichweiten und Dauerbetrieb (LKWs, Busse, Schiffe, Züge) sind Batterieantriebe kaum geeignet. Hier werden weltweit in wachsendem Maße Brennstoffzellen eingesetzt, zumal die benötigten Wasserstofftanks sich dort besser unterbringen lassen und die erforderliche Infrastruktur überschaubarer ist. Bei PKWs hingegen bleiben Batterien wohl auf absehbare Zeit das Mittel der Wahl für E-Mobilität.

ZAHLREICHE HERAUSFORDERUNGEN

Bislang muss Wasserstoff für Lagerung, Transport und Bereitstellung stark komprimiert oder verflüssigt werden. Das kostet abermals Energie, erfordert teure Betankungsanlagen und birgt Sicherheitsrisiken. Einen Ausweg bieten möglicherweise neue Metallhydrid- und LOHC-Technologien. Flüssige organische Wasserstoffträger (Liquid Organic Hydrogen Carriers, kurz: LOHC) können durch chemische Reaktion Wasserstoff aufnehmen und wieder abgeben. In LOHC gespeicherter Wasserstoff ist völlig ungefährlich und für den Transport lässt sich die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen, etwa Pipelines oder Tanklaster. Der Trägerstoff LOHC ist dabei hunderte Male verwendbar. Vor allem für stationäre Speicherung und für Großfahrzeuge wie Busse, Schiffe oder Züge könnte er deutliche Vorteile bieten und bei großen Speichermengen sehr viel günstiger sein als Batterien. Für PKWs ist das LOHC-Konzept auf absehbare Zeit nicht umsetzbar.

Mit sehr viel höheren Stückzahlen ließen sich die Kosten für Herstellung und Betrieb von FCEV und die nötige Infrastruktur deutlich senken, doch verhindern die hohen Preise bislang eine entsprechende Nachfrage. Genau diese Kostendegression gibt es derzeit bei batteriebetriebenen Elektroautos (Battery ElectricVehicle, kurz: BEV). Deshalb und aufgrund des hohen regulatorischen Drucks zur CO2-Reduktion forcieren fast alle Automobilhersteller gegenwärtig die Batterietechnologie. Zwar verfolgen sie den Wasserstoffantrieb meist trotzdem weiter. Das Risiko besteht jedoch, dass gerade die europäischen Autokonzerne sich zu sehr auf den Batterieantrieb fixieren und Alternativen wie Wasserstoff zu wenig beachten. China dagegen betrachtet Wasserstoff und die Brennstoffzelle offenbar als essenzielle Zukunftstechnologien, potenziell sogar noch vor Batteriefahrzeugen. Mittels hoher Subventionen und Investitionen sollen auch hier die notwendige kritische Masse und die globale Technologieführerschaft erreicht werden.

Eine Studie des Forschungszentrums Jülich sieht in etwa vergleichbar große Kosten für Aufbau und Betrieb einer BEV-respektive FCEV-Infrastruktur. Sie empfiehlt eine intelligente Kombination beider Konzepte, statt eines Entweder-oders, um die jeweiligen Stärken beider Technologien auf verschiedenen Anwendungsfeldern zu verbinden.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Elektromobilität“ finden Sie links als PDF.

Cybersicherheit: Die Sterne stehen günstig

Geopolitische Spannungen, mehr Regulierung und das neue 5G. Dieses ungleiche Sternentrio strahlt über der Cybersicherheitsbranche und deren Anlegern, so das Advisory Board von Pictet Asset Management.

Trumps Angriff auf Huawei machte einmal mehr deutlich, dass der Handelskrieg mit China viel bedeutsamer ist als das US-Handelsdefizit. Im Wesentlichen geht es bei dem Streit um die nationale Verteidigung – ein Segen für die Sicherheitsbranche und diejenigen, die darin investieren. 

ABB. 1 AUSGABEBOOM

Weltweite Ausgaben für Sicherheitslösungen, in Mrd.US-$ 

Quelle: IDC, 2018 

In einer Welt, in der Informationen Macht bedeuten, ist es mehr der digitale als der physische Raum, der am meisten geschützt werden muss – das hat die russische Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen in den USA 2016 über soziale Medien eindrucksvoll gezeigt.

Die Abwehr disruptiver Angriffe sowie der Schutz von Informationen und der Bürger vor Datenausschleusung und potenziell schädlichen Einflüssen sind zu nationalen Prioritäten für viele Industrieländer geworden.

Die globalen Ausgaben für Cybersicherheit wachsen um rund 10% pro Jahr – das ist dreimal so viel wie die breitere Wirtschaft – und dürften bis 2021 auf  120 Mrd. US-$ steigen (siehe Abb. 1).

Wir gehen davon aus, dass geopolitische Spannungen der Branche und den Renditen für die Anleger zusätzlich Auftrieb geben werden.

Europa auf dem Vormarsch

Die Sicherheitsbranche, die ihren Ursprung in Nordamerika hat, wird zunehmend auch in anderen Ländern stark. Europa bringt immer mehr vielversprechende Innovationen und Unternehmen im Bereich der Cybersicherheit hervor – das konnten wir und die Fondsmanager nach ausführlichen Gesprächen vor Ort und Treffen mit Startups überall auf dem Kontinent feststellen.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Erstens: Die Regierungen in Europa haben erkannt, dass sie es alleine nicht schaffen können. In der gesamten Region haben sie sich mit Cybersicherheitsunternehmen zusammengetan – im Rahmen einer EU-Initiative stehen Gelder in Höhe von 450 Mio. Euro für eine neue privat-öffentliche Partnerschaft in diesem Bereich zur Verfügung. Im Vereinigten Königreich werden durch steuerliche Anreize Investitionen in Technologie-Startups, die sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden, gefördert; davon profitieren auch Cybersicherheitsunternehmen.

Zweitens: Europa kann aus einem enormen Wissenspool auf dem Gebiet der Sicherheit schöpfen. Als nach der Schuldenkrise 2008 Arbeitsplätze in der europäischen Finanzbranche abgebaut wurden, wechselten viele der klügsten Köpfe des Kontinents in die Technologiebranche.

Drittens: Regulierung. Mit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGV) der EU 2018 hat die Nachfrage nach Cybersicherheit branchenweit zugenommen.

Viertens: Europäische Unternehmen sind sehr gut aufgestellt, da die Feindseligkeiten zwischen den USA und China neue Möglichkeiten für Sicherheitsdienstleistungen von Dritten eröffnen.

Die Schätzungen gehen auseinander, aber Analystenunternehmen gehen von einem zweistelligen jährlichen Wachstum für den europäischen Cybersicherheitsmarkt in den kommenden fünf Jahren aus.1

ABB. 2 EIN PROBLEM, DAS MIT 13 MRD. US-$/JAHR ZU BUCHE SCHLÄGT

Kosten von Cyberangriffen 2018 nach Angriffsart, Mrd. US-$

Quelle: Accenture, „The cost of cybercrime“, 2019

Herausforderung „Internet der Dinge“

Das wiederum dürfte die Branche in eine bessere Lage versetzen und ihr die Möglichkeit geben, die mit dem Wachstum des „Internet der Dinge“ verbundene Herausforderung zu meistern.

Da überall auf der Welt die 5G-Technologie eingeführt wird, werden mehr Geräte denn je mit dem Internet verbunden sein. 2021 könnten es 25 Milliarden verbundene Geräte weltweit sein, aktuell sind es rund 14 Milliarden. Diese Geräte – vom Kühlschrank bis zur Türklingel – könnten ein Viertel aller Ziele von Cyberangriffen ausmachen.2

Mit der wachsenden Zahl verbundener Geräte explodiert auch das Volumen privater Daten, deren Richtigkeit und Echtheit immer schwieriger zu überprüfen sind. KI-Tools könnten dabei helfen, während langfristig vermutlich Quantencomputing die nötige Schnelligkeit und Kapazität für die Bewältigung des Volumens bieten wird.

Cyberkonsolidierung

Zusammen bilden die neuesten technologischen Entwicklungen, regulatorischen Veränderungen und der stärkere Fokus der Regierungen auf Verteidigung angesichts der geopolitischen Spannungen ein außerordentlich fruchtbares Umfeld für Wachstum – und Investmentgelegenheiten –  in der Cybersicherheitsbranche.

Ein Beleg hierfür ist die Welle an Fusionen und Übernahmen. Zu den spektakulärsten Transaktionen gehörte die Übernahme von Imperva (befand sich zum Zeitpunkt der Übernahme im Portfolio von Pictet-Security) durch