Öl-Förderung: Technologie und Entwicklung zu Nachhaltigkeit

von Bernhard Haas, Senior Fondsmanager der Erste AM.

Wir schreiben das Jahr 2005. Österreich feiert 50 Jahre Staatsvertrag und mit Angela Merkel wird erstmals eine Frau deutsche Bundeskanzlerin. In den USA wütet Hurrican Katrina und hinterlässt große Schäden. In der Ölindustrie wird dieses Jahr aber aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben: es gilt als der Beginn des Shale-Booms.

Technologie bei der Förderung von Öl

Durch neue Technologien konnte die Förderquote für Lagerstätten von 5-15% auf 35-45% angehoben werden, wodurch bisher nicht profitable Bohrungen lukrativ wurden. Bei einer dieser Technologien, dem directional drilling, spielte (und spielt) übrigens auch die österreichische SBO aus Ternitz eine entscheidende Rolle.

Während man sich anfangs vor allem auf Gaslagerstätten konzentrierte (da diese größer waren und damit höhere Erträge versprachen), wurden ab 2011 zunehmend Ölfelder erschlossen. Begünstigt durch hohe Ölpreise und eine gute Nachfrage entstand ein komplett neuer Industriezweig, inklusive Nebengewerben wie Banken, Restaurants etc. Die Konjunkturlokomotive nahm wieder Fahrt auf.

Schieferöl-Industrie als Opfer ihres Erfolges

Doch die Shale Industrie sollte bald Opfer ihres eigenen Erfolges werden. In der Vergangenheit wurde der Ölmarkt von einigen wenigen Spielern dominiert, die sich die Preise implizit (die Supermajors in der westlichen Welt) oder explizit (OPEC) untereinander ausmachten.

Hohe Gewinne, schöne Dividenden und ein unerschütterliches Geschäftsmodell führten dazu, dass die Liste der größten Unternehmen regelmäßig von Firmen aus dem Energiesektor dominiert wurde. Diese Balance wurde jedoch durch Shale Oil gestört. Eine Vielzahl von Kleinproduzenten, die alle ihre eigenen Vorstellungen und Träume vom kleinen Anteil am fetten Kuchen hatten, drängte auf den Markt.

Durch dieses Überangebot kam vor allem OPEC unter Druck: da der Kuchen an sich nicht größer wurde, verlor das Kartell zunehmend Marktanteile. Saudi Arabien, als beherrschender OPEC-Spieler zu dieser Zeit, beschloss daraufhin das „Shale Problem“ ein für alle Mal zu lösen.

Stark durch Kredite finanziert

Wie auch viele andere Booms (man denke beispielsweise an den US Hauspreisboom in den 2000ern) war auch der Shale Boom stark durch Kredite finanziert. Saudi Arabien stellte nun die einfache Überlegung auf, dass man durch eine Erhöhung der eigenen Fördermenge die Ölpreise recht schnell nach unten treiben könnte.

Shale Öl hat nämlich ein Problem: es ist etwas teurer als klassische (konventionelle) Förderung. Durch niedrigere Preise könnte somit die Shale Industrie „ausgehungert“ werden, die Banken stellen die Kredite fällig und die Industrie verschwindet so schnell, wie sie aufgetaucht ist.

Mittlerweile wissen wir aber, dass diese Taktik nicht funktioniert hat. Unter anderem konnten die Förderkosten gesenkt werden, sodass die Unternehmen länger „durchhalten“ konnten und schließlich schwanden die eigenen Geldreserven der OPEC-Staaten zunehmend. Die Strategie ging nach hinten los, OPEC musst wieder Förderquoten einführen. Der Ölpreis erholte sich, der Shale-Boom ging nach einem kurzen Luftloch weiter.

OPEC Staaten verlieren Marktanteile

Wir schreiben das Jahr 2019. Die OPEC Staaten verlieren wieder zunehmend Marktanteile, die Stimmung ist angespannt. Russland, das mittlerweile Teil des „OPEC+“ bezeichneten Gremiums ist, wird zunehmend rebellisch (unter anderem bestärkt durch einen einige Jahre vorher etablierten staatlichen Fonds, der Unternehmen in Zeiten niedriger Ölpreise unterstützen soll; welch Zufall!).

Bei einem regulären Treffen kann überraschend keine Einigung auf Förderquoten erzielt werden, der Ölpreis wiederholt daraufhin seine „Tauchübung“. Nach einigem Hickhack kann allerdings wieder ein Kompromiss erzielt werden, die Gefahr einer Wiederholung der Erfahrung von 2014-16 wirkt hier sehr „motivationsfördernd“.

Wir springen ein paar Monate vor, in den Februar dieses Jahres. Covid kommt in Europa an. Was als lokaler Ausbruch in China angefangen hat, entwickelt sich zunehmend zu einem globalen Problem. Nachdem die anfänglichen Maßnahmen in Europa kaum greifen und das italienische Gesundheitssystem praktisch kollabiert, ziehen die Staaten einer nach dem anderen die Reißleine: Lockdown, nichts geht mehr. Keine Autofahrten, keine Flugreisen. Praktisch über Nacht wird aus einer stabilen, leicht wachsenden Nachfrage nach Öl ein Einbruch von über 25%.

An sich wäre das schon schlimm genug um auf die Preise zu drücken, aber es kommt ein weiteres Problem hinzu. Die globalen Öl-Lager sind durch den vorherigen Preiskampf zwischen OPEC+ und der Shale Industrie bereits in der Nähe der Höchststände.

Die Förderung kann in vielen Regionen aber nicht so schnell gedrosselt werden, ähnlich einem Gartenschlauch der auch nach der Abschaltung noch einige Zeit nachwirkt (nur dass wir hier nicht von Minuten sondern aufgrund des hohen Drucks und der technischen Komplexität eher von Wochen und Monaten sprechen). Plötzlich weiß keiner mehr wohin mit dem ganzen Öl, an den US-Börsen sehen wir sogar einen Tag an dem der Preis negativ ist (was aber auch markttechnische Gründe hatte).

Wiedermal muss der OPEC-Ritter in seiner ölverschmierten Rüstung ausreiten um den Markt zu retten. In einem historischen Kompromiss, dem sich nach und nach auch Nicht-OPEC-Länder anschließen, wird eine weitere massive Förderkürzung für die Zeit der Krise beschlossen.

Der Ölpreis beginnt sich zu erholen, unterstützt von einer schrittweisen Öffnung der Wirtschaft, zuerst in China und mittlerweile in Europa. Die US Shale Industrie hat jedoch ein paar Schrammen erlitten: die Fördermenge brach erstmals seit 2016 wieder ein, dafür gleich um 20% innerhalb von 3 Monaten. Die Firmenbilanzen sind angeschlagen, viele kleinere und mittelgroße Firmen schließen sich zusammen um Kosten zu sparen.

Nachhaltige Investments werden zum Mainstream

Aber nicht nur der Markt macht den Ölfirmen zu schaffen. War das Thema „nachhaltig investieren“ bis vor ein paar Jahren nur einigen, wenigen Investoren ein Begriff, so hat sich die Situation zuletzt drastisch geändert. Dank u.a. der „Fridays for Future“ Bewegung und dem damit einhergehenden politischen Umbruch sind „ESG Investments“ mittlerweile im Mainstream angekommen. Sieht man sich die Situation im Energiebereich an muss man sagen: das ist auch gut so.

Während die Unternehmen vor einigen Jahren noch zumindest moralisch (wenn nicht gar rechtlich) zweifelhafte Verhaltensweisen an den Tag legten (Zurückhaltung von eigenen Untersuchungen zur Auswirkung des Klimawandels, Sponsoring von Forschergruppen die sich mit alternativen Erklärungen befassten etc.), hat sich die Situation hier deutlich gebessert.

Viele Unternehmen erkennen nun ihre Verantwortung an, einen Beitrag zur Reduktion der Emissionen zu leisten, sei dies über nachwachsende Treibstoffe (wie sie bspw. die finnische Neste anbietet) eine Änderung des Geschäftsmodells hin zu Strom (wie es viele der Supermajors machen wollen) oder eine gänzliche Neuausrichtung (wie bspw. die Anfangs angesprochene SBO, die verstärkt hochkomplexe Flugzeugteile herstellen will).

Ob dies wirklich am Gewissen der Firmen oder dem politischen und gesellschaftlichen Druck liegt, kann man debattieren, aber Fakt ist: die Unternehmen investieren.

Investitionen kosten natürlich Geld

Diese Investitionen kosten aber natürlich Geld. Die französische Total, die den Anteil an Erneuerbaren am Gesamtumsatz von aktuell 5% bis 2050 auf 40% schrauben will, wird dieses Jahr ca. 20% ihrer Investitionen in den Ausbau des Stromportfolios stecken.

Eine Zahl die in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Da aber gerade in der aktuellen Situation Geld nicht auf Bäumen wächst (im Schnitt reduziert die Branche laut Schätzungen ihre Capex in diesem Jahr um 20%!) muss an andere Stelle gespart werden, unter anderem in der Öl & Gasförderung. Langfristig sollte das dazu führen, dass die Fördermengen sinken, da bestehende Felder zunehmend erschöpfen (die meisten Schätzungen gehen von einer Abschwächung von ca. 4-7% p.a. aus).

Sollte die Nachfrage stabil bleiben, sollte das zu höheren Preisen führen, die dann wiederum einen starken Anreiz schaffen, die Produktion auszuweiten (unter anderem, da in weiten Teilen der USA dieses „ESG Thema“ deutlich skeptischer gesehen wird als in Europa) und der Zyklus wiederholt sich. „Sollte“ ist hierbei jedoch das Stichwort, denn langfristig könnte die zunehmende Elektrifizierung auf die Nachfrage drücken.

Fazit

In der Vergangenheit wurde die schwächelnde Nachfrage aus Europa und den USA vor allem durch China und andere asiatische Länder kompensiert. In einem optimistischen Szenario setzt sich dies solange fort, bis andere Länder (u.a. in Afrika) hier anschließen und wir irgendwann in 10-15 Jahren ein Plateau erreichen. Im pessimistischen Szenario gewinnen neue Antriebstechnologien (Strom, Wasserstoff) deutlich schneller Marktanteile und drücken auf einen wichtigen Teil der Ölnachfrage, während die Produktion nach wie vor zu hoch ist.

Kurzfristig dürfte der Ölpreis weiterhin stark vom weiteren Fortschreiten der Corona-Pandemie abhängen. Wie kann die USA die Situation meistern? Gibt es eine zweite Welle und wenn ja wird es wieder zu einem Lockdown kommen? Oder greifen die Förderkürzungen von OPEC++ und wir sehen eine graduelle Erholung (möglicherweise kurzfristig unterbrochen von diversen politischen Scharmützeln, die in dieser Branche immer wieder vorkommen). Langfristig ist die Kernfrage jedoch wie schnell wir unsere gewohnten Verhaltensweisen ändern und den Verbrauch einschränken. Menschen sind üblicherweise „Gewohnheitstiere“, aber diese Teslas sehen verdammt gut aus…


Unser Dossier zum Thema ESG: https://blog.de.erste-am.com/dossier-overview

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Künstliche Intelligenz im Portfolio-Management“

„Wir glauben daran, dass die technische und fundamentale Analyse zukünftig um den Baustein der Künstlichen Intelligenz ergänzt werden muss“, betont Dr. Sven Schmeier, Leiter des Portfoliomanagements bei Wealthgate. Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Data Mining und Text Mining würden für deutlich genauere Prognosen an den Kapitalmärkten sorgen und höhere Renditechancen bei gleichzeitig deutlich reduziertem Risiko eröffnen, so der Referent des 176. Hedgeworks im Interview.

HEDGEWORK: Herr Schmeier, Sie sind seit vielen Jahren mit dem Thema Künstliche Intelligenz befasst und betonen immer wieder, wie wichtig der Einsatz von KI im Portfolio-Management sei. Weshalb ist das so?

Sven Schmeier: Wir haben in den letzten Jahrzehnten einen zunehmenden Wandel hin zu automatisiertem Handel beobachten können. So hat sich zum Beispiel der automatisierte Handel an der Eurex bereits in den Jahren 2004 bis 2006 vervierfacht und bis dato einen Umsatz von etwa 30 Prozent erreicht (Quelle: Wikipedia). Je nach Grad der Automatisierung werden mittlerweile Orders vollständig ohne menschliches Eingreifen getätigt. Die Funktionsweise, also die automatische Generierung von Kauf- und Verkaufssignalen, basiert meist auf der Analyse von historischen Marktdaten und der Aggregation von Real-time-Kursen. Das funktioniert insgesamt zufriedenstellend – im Normalfall – und versagt in unerwarteten Situationen. Nicht zuletzt ist diese Art von automatisiertem Handel mitverantwortlich für die rasante Talfahrt der Börsen innerhalb der ersten Tage der Corona-Krise. Hier wurde viel Geld vernichtet, allein aus dem Grund, dass alle diese Verfahren ähnlich funktionieren und sich entsprechende Sog-Effekte exponentiell verstärken. Insofern müssen zur künftigen Vermeidung von selbstverstärkenden Effekten intelligentere Verfahren eingesetzt werden, die aus der Eingleisigkeit auszubrechen vermögen. Der Einsatz von Verfahren der Künstlichen Intelligenz ist in der Lage, die benötigten zusätzliche Dimensionen zu erzeugen und die gewünschte und benötigte Robustheit zu garantieren. Das hat unser Globallytics Fund No. 1 eindrucksvoll bewiesen.

HEDGEWORK: Damit stellt sich die Frage, wie konkret KI eingesetzt werden kann?

Sven Schmeier: Es gibt hier verschiedene Ansatz- und Einsatzgebiete für Künstliche Intelligenz. Sie kann zur Gefahrenvermeidung eingesetzt werden, indem wir Modelle trainieren, die speziell in Krisenzeiten einen kühlen Kopf bewahren. Wir können intelligente Bewertungsmethoden einsetzen, die weg von starren Algorithmen und hin zu flexiblen situationsadaptiven Entscheidungen führen. Aufgrund der Flexibilität, speziell von KI-Verfahren aus dem Maschinellen Lernen, können wir wesentlich mehr Daten – sogar Daten, die vermeintlich überhaupt nichts mit Wirtschaft oder Börse zu tun haben – benutzen, sie aggregieren und Informationen extrahieren, um somit Wissen zu schaffen, das dann wiederum die entsprechenden Triggerpoints generiert. 

Gerade die Entwicklungen innerhalb der Forschung und Wissenschaft hin zu sich selbsterklärenden Verfahren lassen auf eine weitere Akzeptanz und den Einsatz solcher Systeme hoffen, die den Menschen mit einbeziehen und ein quasi hybrides Portfoliomanagement schaffen können. Der Computer arbeitet autonom, bis er feststellt, dass Situationen auftreten, die er selbst nicht entscheiden kann. Der Mensch wird dann informiert, der Computer beschreibt die Situation und macht eventuell sogar Lösungsvorschläge, die der Mensch dann abwägt und entscheidet, oder der Mensch macht seinerseits Vorschläge, die vom Computer wiederum in das gelernte Modell eingearbeitet werden können. Das wäre für mich das Szenario der Zukunft.

HEDGEWORK: Sie haben sicher die Auswirkungen von KI auf Portfolios getestet. Was können Sie darüber berichten?

Sven Schmeier: Wir haben einige Auswirkungen speziell unserer KI analysiert und testen sie ständig im laufenden Betrieb. Wie schon viele vor uns haben wir natürlich verschiedene Methoden bzw. publizierte Artikel studiert. Wir haben Methoden evaluiert, die wie bereits erwähnt auf historischen und aktuellen Kursverläufen basieren. Wir haben uns den Problematiken und Lösungen von KI-Verfahren der sogenannten Sentiment-Analyse gewidmet, die derzeit von verschiedenen Anbietern genutzt werden. Hier werden Stimmungen vor allem in den Social Media analysiert und genutzt, um kursbezogene Prognosen zu erstellen. Natürlich haben wir Fundamentalanalysen bzw. deren mögliche Automatisierung beobachtet und sogar teilweise implementiert. Insbesondere haben wir uns auf Methoden konzentriert, die aus dem Natural Language Processing stammen, also aus der automatischen KI-basierten Verarbeitung der natürlichen Sprache. Hier extrahieren wir insbesondere relevante Informationen – die Relevanz wird hierbei von der KI bewertet, nicht vom Menschen – und fügen sie einer weiteren Verarbeitungsstufe zu. Insgesamt aggregieren und konsolidieren wir Informationen aus vielen verschiedenen Quellen und treffen dann Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Basis von Modellen, die aus dem Bereich des Maschinellen Lernen stammen.

HEDGEWORK: Inzwischen gibt es bereits etliche Portfoliomanager, die von sich sagen, KI einzusetzen. Wie können Investoren die Ansätze unterscheiden?

Sven Schmeier: Die Ansätze kann man grob in die oben erwähnten Klassen unterscheiden: Historische und aktuelle Kurse, Fundamentalanalyse, Sentiment-Analyse, Natural Language Processing und eine irgendwie geartete Klassifikation in „Kauf oder Nicht-Kauf“. Viele Anbieter benutzen auch Begriffe wie Big-Data-Analyse oder generell Big Data. Das beschreibt allerdings im Wesentlichen, dass sie sehr viele Daten sammeln, und dann mit den genannten Methoden weiterarbeiten. Hier noch ein kleiner Hinweis: Selten sagt die reine Quantität von Daten zur Entscheidungsfindung etwas aus, die Qualität ist entscheidend. Und natürlich die Güte der Verfahren bzw. der Modelle, die sie benutzen. Gerade das Beispiel Sentiment-Analyse, also das Erfassen von Stimmungen in einer Nachricht, ist für den Menschen häufig sehr leicht, für den Computer hingegen sehr schwer. Beispielsweise der Satz: „Na das ist aber jetzt ganz toll“ wird vom Computer häufig ganz anders bewertet als vom Menschen. 

HEDGEWORK: Lassen Sie uns doch ein wenig tiefer in Ihre Strategie hineinschauen. Wie groß ist das Aktienuniversum, das Sie regelmäßig screenen? 

Sven Schmeier: Unser Aktienuniversum umfasst derzeit rund 1500 Titel. Der Fokus liegt dabei auf Europa, Nordamerika und Japan, wobei wir auch darauf achten, dass bei unseren Titeln ein entsprechendes Handelsvolumen vorhanden ist. Einerseits wollen wir mit unseren Käufen und Verkäufen die Kurse nicht zu stark beeinflussen und andererseits arbeiten wir nicht mit Limits, da wir die Liquidität sofort wieder reinvestieren.

HEDGEWORK: Und wie lange dauert das? 

Sven Schmeier: Um die besten Ergebnisse zu erzielen, hat die Aktualität sowie Qualität der Nachrichten die höchste Priorität und natürlich eine sehr kurze Bearbeitungszeit der KI. Darum ist die Programmierung der KI sehr schlank und effizient. Das betrifft auch die Trainingszeiten. Die tägliche Verarbeitung läuft rund 30 Minuten und berücksichtigt hierbei alle erfassten und relevanten Nachrichten zu potenziellen Titeln aus unserem Anlageuniversum.

HEDGEWORK: Wie viele Aktien finden am Ende den Weg ins Portfolio?

Sven Schmeier: Unsere aktuelle Obergrenze beträgt 33 Titel, welche jeweils mit 3 Prozent des Fondsvermögens gewichtet werden. Eine individuelle Gewichtung pro Titel findet nicht statt. Allerdings können einzelne Titel aufgrund ihrer Performance kurzfristig über- oder untergewichtet sein.

HEDGEWORK: Wie lange ist bei Ihren Investments die durchschnittliche Haltedauer?

Sven Schmeier: Die durchschnittliche Haltedauer beträgt derzeit 10 Tage. Das kann allerdings variieren, sobald es starke Signale für eine kürzere oder längere Haltedauer gibt. Unsere KI bewertet natürlich auch weiterhin Daten bezüglich der Titel im Portfolio, die KI-Modelle sind für verschiedene Entscheidungsaspekte optimiert.

HEDGEWORK: Arbeiten Sie dabei auch mit Derivaten?

Sven Schmeier: Bisher arbeiten wir nicht mit Derivaten. Allerdings sind wir derzeit in der Diskussion darüber, ob uns Derivate als Absicherungsinstrumente dienen können. So hat uns beispielsweise der schwache US-Dollar in den letzten Wochen einige Performancepunkte gekostet. Für uns gilt: falls Derivate zum Einsatz kommen, dann nur als reines Absicherungsinstrument.

HEDGEWORK: Wie können Sie bei diesem doch recht hohen Turnover die Kosten im Griff behalten?

Sven Schmeier: Das ist eine Frage, die uns auch lange beschäftigt hat und die natürlich essentiell ist. Daran sind ja in der Vergangenheit schon andere innovative Fonds gescheitert. An erster Stelle benötigen wir dazu die richtigen Partner, die unsere Orders mit hoher Qualität und zu guten Konditionen abwickeln. Diesen Dienstleister haben wir glücklicherweise gefunden. Als Zweites ist es wichtig, das Fondsvolumen weiter zu steigern, damit sich die Fixkosten pro Order relativieren. Zudem sind es stetige Optimierungen, die uns an dieser Stelle voranbringen. Es könnte zum Beispiel sein, dass wir einen Titel aufgrund seiner maximalen Haltedauer verkaufen – dieser jedoch am selben Tag erneut zum Kauf empfohlen wird. Mittlerweile prüft die KI solche Fälle selbstständig und verlängert dann entsprechend die Haltedauer des Titels. Damit sparen wir uns unnötige Transaktionskosten.

HEDGEWORK: Bestehen in Ihrem Portfolio Sicherheitsmechanismen, um große Kursverluste wie etwa durch Corona vermeiden zu können?

Sven Schmeier: Zum Start vor knapp einem Jahr war unser Ziel, eine Outperformance durch die richtige Auswahl an Titeln mit Hilfe unserer KI zu generieren. Aufgrund der derzeitigen Sondersituation bedarf es aus Risikogesichtspunkten einer zusätzlichen manuellen Liquiditätssteuerung. Unser Plan ist es jedoch, auch diese Aufgabe kurz- bis mittelfristig an die KI zu übergeben. Die ersten Ideen hierzu sind bereits entwickelt und durchlaufen derzeit ein sehr vielversprechendes Backtesting.

HEDGEWORK: Und wie schützen Sie sich davor, dass Informationen falsch ausgewertet werden und falsche Kaufsignale erzeugen könnten? 

Sven Schmeier: Hier müssen wir zwei Fälle unterscheiden – Kaufsignale, die aufgrund falscher Meldungen erzeugt werden und solche, die aufgrund der fehlerhaften Einschätzung durch die KI getroffen werden. Zur Vorbeugung falscher Informationen nutzen wir unterschiedliche Nachrichtenportale und setzen hier auf Redundanz – in der Hoffnung, dass nicht alle von derselben Quelle abgeschrieben haben. Somit wird die Analyse nicht von einzelnen, abweichenden Meinungen verfälscht, sondern die Gesamtstimmung betrachtet. Was die KI betrifft, so evaluieren wir ständig die aktuelle Performanz der trainierten Modelle. Das passiert, indem wir die Ergebnisse unserer Orders in der Rückschau mit den zugrundeliegenden Nachrichten vergleichen und evaluieren. Hierdurch können wir aktiv die Schwellenwerte der Konfidenzen getroffener Entscheidungen kontrollieren und verändern. Einfach gesprochen heißt das: Wir prüfen ständig, wann wir der KI vertrauen wollen und können und wann nicht – das basiert auf mathematischen Erklärbarkeitskomponenten, die ebenfalls Teil der KI sind. Grundsätzlich unterliegt die KI damit einem ständigen Lern- sowie Optimierungsprozess.

HEDGEWORK: Welche Kennzahlen und Faktoren kommen bei Ihrer Strategie zum Einsatz? 

Sven Schmeier: Die KI liefert die Grundlage für die Anlageentscheidung durch das Analysieren der Nachrichten. Eine weitere Qualitätsstufe, die bereits vollautomatisch durch die KI abläuft, ist die Prüfung der Titel auf ihre Qualität. Dazu haben wir ein eigenes Scoringmodell entwickelt. Neben der Profitabilität spielen beispielsweise auch das Umsatzwachstum oder die Verschuldungsquote eine Rolle. Unser Portfolio besteht somit durchgehend aus Aktien, welche ein positives Momentum sowie eine Mindestqualität an Fundamentaldaten aufweisen. 

HEDGEWORK: Welche Rolle spielt bei Ihrer Strategie generell der Faktor Mensch noch?

Sven Schmeier: Bei dem eigentlichen Portfoliomanagement wird die Rolle des Menschen beim Globallytics Fund No. 1 immer geringer. Grundsätzlich sind wir mit der Performance schon sehr zufrieden, da wir vor allem im Year-to-Date-Vergleich eine Outperformance gegenüber allen wichtigen Indizes aufweisen können. Jedoch ist es unser Anspruch, die KI stetig weiterzuentwickeln und zu optimieren. Und deshalb spielt der Mensch quasi hinter den Kulissen eine sehr große Rolle – das sind dann aber eher die Experten für KI und Programmierung, die sich von den Finanzexperten nur mehr beraten lassen. Das Tagesgeschäft läuft bereits fast ausnahmslos über die KI – die Weiterentwicklung und die Ideen werden jedoch weiterhin vom Menschen gesteuert.

HEDGEWORK: Zum Schluss vielleicht noch ein Ausblick, auf welche Art und Weise sich das Thema KI im Portfolio-Management weiterentwickeln wird?

Sven Schmeier: Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass mittel- bis langfristig die KI und der Mensch ein Team darstellen werden, in dem jeder Partner seine Stärken einbringen wird – das gilt nicht nur im Bereich der Geldanlage. Dies bedeutet, dass eine stetige Prüfung und Hinterfragung von KI-Entscheidungen erfolgen sollte, die KI hingegen den Menschen entsprechend durch eine Selbsterklärbarkeit dazu bringen kann, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. So kann die KI beispielsweise volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Korrelationen in kürzester Zeit berechnen. Mehrere Tausend Unternehmen können in Sekunden anhand festgelegter, aber auch erlernter Kriterien gegenübergestellt werden. Die Reihe an Aufgaben, welche eine KI in einem Bruchteil an Zeit für uns übernehmen kann, ließe sich fast endlos fortsetzen. Umgekehrt ist derzeit der Mensch mit seinem Basis- und Hintergrundwissen besser in der Lage Interpretationen vorzunehmen. Allerdings wird auch diese Grenze in Zukunft in Richtung der KI verschoben werden. Insgesamt sind wir daher der Meinung, dass die KI einen massiven Einfluss auf das zukünftige Portfoliomanagement und die zukünftigen Geldanlageentscheidungen haben wird.


Dr. Sven Schmeier

hat Physik und Informatik an der Universität des Saarlandes studiert und 1997 mit dem Diplom (MSc) abgeschlossen. Seine Dissertation in Computerlinguistik beschäftigt sich mit der "Explorativen Suche auf mobilen Geräten". Er ist Leiter des Portfoliomanagements bei Wealthgate und außerdem Chief Engineer und Associate Head of Speech and Language Technology Lab des DFKI, bestehend aus mehr als 30 Forschern, Ingenieuren und Beratern auf verschiedenen Ebenen. Bei Globallytics ist er für die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Basistechnologie verantwortlich, sowie für die Betreuung von KI- und Machine Learning-Verfahren.
Er hat außerdem umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Data Mining und Machine Learning, Mensch-Computer-Dialogsysteme, Informationsextraktion, semantische Suche, Big Data Analytics, Fragebeantwortung und mobile Anwendungen von NLP-Technologien und hat dazu mehr als 30 nationale und internationale Projekte in Forschung und Industrie erfolgreich geleitet. Im Jahr 2004 erhielt er ein Patent für ein Verfahren zur automatischen Klassifikation eines Textes durch ein Computersystem des Deutschen Patentamts.

Wealthgate

ist eine Finanz-Manufaktur, die die Ziele, Wünsche und Ideen der Anlegerkundschaft erkennt und passgenau umsetzt. Basierend auf über 15 Jahren Forschungsarbeit ist es Wealthgate gelungen, KI-Technologien erfolgreich einzusetzen – im Globallytics Fund No. 1. Die Strategie des Fonds basiert auf Künstlicher Intelligenz und einer vollständig digitalen Auswahl eines weltweiten Anlageuniversums. Dabei werden gezielt Unternehmen herausgefiltert, die eine überdurchschnittliche Performance erwarten lassen. Der Globallytics Fund No.1 verwendet rein datengetriebene Strategien auf Basis von wissenschaftlich fundierten Methoden. Je nach Marktsituation beträgt die Aktienquote zwischen 0 und 100 Prozent.
Das wissenschaftliche Modell von Dr. Sven Schmeier und Valentin Häußer beinhaltet verschiedene Faktoren und Kennzahlen, welche die kurzfristige positive Performance von Unternehmen identifiziert. Im Rahmen des Risikomanagements werden die selektierten Positionen nur mit einer kurzen Haltedauer versehen, um langfristige, schwer vorhersehbare, negative Markttendenzen zu vermeiden. 

Mission accomplished

In der Taktischen Asset Allocation wird weiterhin eine vorsichtige Positionierung eingenommen, Aktien bleiben mit einem Schritt untergewichtet, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Diese Entscheidung fußt zunächst auf den jüngsten Entwicklungen in Sachen COVID-19, wobei die durchaus Besorgnis erregenden Entwicklungen der Corona-Zahlen vom Markt momentan weitgehend ignoriert werden. Darüber hinaus ist in den nächsten Wochen im Zuge der Berichtssaison für die Ergebnisse des abgelaufenen zweiten Quartals mit einer Welle an negativen Unternehmensmeldungen zu rechen. Dass es weit verbreitet zu signifikanten Rückgängen bei den Unternehmensgewinnen gekommen ist, sollte nicht weiter überraschen. Nach der starken Erholung der Aktienkurse der letzten Wochen und Monate ist der Markt jedoch korrekturanfällig geworden und die Quartalsberichte könnten als Auslöser für einen Rückschlag herhalten.

Der positive Grundtenor am Markt war in den letzten Monaten sehr stark von den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gestützt. Was die Finanzmärkte betrifft, war es vor allem die Geldpolitik, die zu der Erholung geführt hat. Mit Aktienmärkten und riskanten Segmenten des Anleihenmarktes, die ihre Verluste großteils egalisiert haben, gilt für die Notenbanken jetzt einmal „Mission accomplished“ (=„Mission erfüllt“) und die Motivation für weitere Maßnahmen dürfte bis auf Weiteres gering sein. Somit tritt dieser zuletzt wesentliche Unterstützungsfaktor in den Hintergrund, zumal die Finanzmärkte ja bekanntlich weniger auf den Status quo achten und stärker von der Veränderung beeinflusst werden. Erst wenn die Märkte neuerlich unter Druck kommen sollten, etwa weil der Süden der USA die steigenden Corona-Fallzahlen nicht in den Griff bekommt, würden die Notenbanken wohl wieder einschreiten.

Aktien: Als wäre nichts gewesen?

Anfang März wurde hier die Vermutung publiziert, dass Ende Juni und zumindest bis Jahresende die Aktienmärkte wieder höher stehen könnten als Ende Februar. Dann folgte der Absturz im März. Dennoch, der aggregierte Weltindex (MSCI) steht nun wieder dort, manche Märkte somit auch darüber!

Es liegt aber keine generelle „V-förmige“ Erholung vor, zumindest nicht in allen Regionen und Sektoren. Das Tempo der Erholung war beeindruckend, einige Sektoren wie Technologie oder Pharma haben die Krise sehr gut überstanden, der Index der Technologiebörse NASDAQ notiert nahe dem Allzeithoch! Der Dow Jones, der vor allem auf den „traditionellen“ Unternehmen basiert, hinkt dadurch entsprechend nach. Andere Regionen wie Lateinamerika, obwohl zuletzt wieder etwas Boden gut gemacht, oder Sektoren wie Finanz oder Energie, sind noch weiter davon entfernt und haben noch einen längeren Weg der Erholung vor sich. Auch der ATX leidet an seinem sehr unvorteilhaften Branchenmix.

Aktien USA und Europa: Es dominiert die Zuversicht

Die rasant negative Entwicklung bei der durchschnittlichen Gewinnmarge von Unternehmen aus dem S&P500-Aktienindex verdeutlicht einmal mehr die Dramatik der Folgewirkungen durch das Coronavirus. Für viele Unternehmen sind die Umsätze de facto von einer Woche auf die nächste markant weggebrochen, ein Großteil der Kosten ist jedoch zunächst geblieben, was die Gewinnspanne entsprechend deutlich nach unten drückt.

Auch wenn das Ausgangsniveau vor Ausbruch der Corona-Krise in den USA relativ solide war und viele Unternehmen immer wieder mit sehr rascher Anpassungsfähigkeit positiv überraschen, bis die Gewinne in Relation zum Umsatz wieder anspringen wird es dauern. Am schlechtesten stehen die Gewinnerwartungen – auch in Europa – für die Sektoren Energie, Grundstoffe und Industrie. Wir sehen auch in Anbetracht der zu erwartenden Verbesserung der Fundamentalfaktoren kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist und sind daher mit einem Schritt Aktienuntergewichtung weiterhin vorsichtig positioniert.

Emerging Markets: Unterschiedliche regionale Entwicklung

Durch die Emerging Markets geht ein Riss, der am besten von der Gewinnentwicklung veranschaulicht wird: In Asien kommt es zu einem leichten Rückgang der Gewinnentwicklung, wobei hingegen in Lateinamerika und Europa dramatische Gewinneinbrüche zu verzeichnen sind. Auch bei der Entwicklung der Corona-Krise ist dieser regionale Unterschied zu erkennen, bei dem die äußerst ruhige Entwicklung in Asien hervorzuheben ist. Daher kann die wirtschaftliche Erholung hier sehr stark voranschreiten. Das ist generell positiv, da Asien der weitaus bedeutendste Teil im Emerging-Market-Aktienindex ist.

Ein Blick auf die Märkte: Von einer V-förmigen Erholung ist keine Rede

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Es ist sicher nützlich, wirtschaftliche Daten zu verfolgen. Dennoch ist hierbei Vorsicht geboten. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) ist ein hilfreicher Indikator, um den Zustand der Wirtschaft zu beurteilen. Ein Wert über 50 - zu einem beliebigen Zeitpunkt - signalisiert, dass die wirtschaftliche Aktivität expandiert, ein Wert unter 50 dagegen zeigt eine Konjunkturabschwächung an. Der PMI des verarbeitenden Gewerbes in den Vereinigten Staaten liegt bei über 50 und hat sich seit seinem Stand im April und Mai stark erholt. Ein weiterer ermutigender Indikator ist der Zuwachs von 4,8 Millionen Arbeitsplätzen in der US-Wirtschaft im Juni, nachdem im Mai 2,5 Millionen Arbeitsplätze hinzugekommen waren.

Die Reaktion des Aktienmarktes

Dies sind positive Nachrichten für die Aktienmärkte. Während der viertägigen Arbeitswoche in den USA stieg der S&P 500 Index in der vergangenen Woche um über 2,5 Prozent, während der NASDAQ Composite Index um über 3,4 Prozent zulegte.

Figure 01: PMIs schließen sich mit US-Aktien zur V-Form zusammen

Abbildung 1.jpgQuelle: Bloomberg, Daten vom 4.7.2020- 3.7.20. Der NAPMPMI-Index bezieht sich auf das Institute for Supply Management (ISM) Manufacturing PMI. SPX Index bezieht sich auf den S&P 500 Index. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Warum Vorsicht geboten ist

Die Wirtschaftsdaten sind in der Tat ermutigend und ein Schritt in die richtige Richtung. Sie laufen jedoch nicht auf eine V-förmige wirtschaftliche Erholung hinaus. Investoren sollten daher Folgendes berücksichtigen:

  • PMIs heben die monatlichen Veränderungen der wirtschaftlichen Aktivität hervor. Angesichts der Tatsache, dass die USA (und die Weltwirtschaft) aus den strikten Lockdowns herauskommen, ist eine deutliche Erholung der PMIs nicht überraschend.
  • Die Zunahme von rund 7,3 Millionen Arbeitsplätzen in den USA im Mai und Juni folgt auf den Verlust von 20 Millionen Arbeitsplätzen im April. Die US-Arbeitslosigkeit ist im Juli mit 11,1 Prozent immer noch extrem hoch und wird bei einer weiteren Verbesserung der Wirtschaft ganz allmählich auf ein erträglicheres Niveau zurückkehren.
  • Die Wachstumszahlen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das zweite Quartal 2020 und die Inflationszahlen für Juni dürften im Vergleich zu den Aktienmärkten ein ernüchterndes Bild der Welt zeichnen.
  • Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei, und in den USA ist seit Mitte Juni ein starker Anstieg der täglichen Neuinfektionen zu verzeichnen. Selbst wenn die Pandemie überwunden ist, wird die wirtschaftliche Erholung also wahrscheinlich langsam und stetig verlaufen. Die Anleger sollten sich noch überlegen, welche Aktienengagements ihren Portfolios in der vor ihnen liegenden Unsicherheit Ausgewogenheit und Robustheit verleihen.

Covid19 – Möglicher Impfstoff ist eine logistische Herausforderung

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Investoren begrüßen eine Studie für eine mögliche Impfung gegen das Corona Virus von Pfizer und BioNTech. Die Aktien von Pfizer sind daraufhin kräftig angestiegen. Die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das SARS-COV2 Virus wird für Oktober erwartet und unterstützt.

Selbst wenn der Impfstoff verfügbar ist, wird die Logistik der Herstellung und effektiven Verteilung eines solchen Impfstoffs auf globaler Ebene oder sogar mit großen Ländern nur selten diskutiert.

Verteilungsschlüssel von Impfstoffen in den USA

Impfstoffhersteller produzieren bereits Hunderte von Millionen Dosen

Derzeit befinden sich mehrere Impfstoffkandidaten in der so genannten Risikoproduktion. Die Impfstoffhersteller haben mit der Produktion von Hunderten von Millionen Dosen begonnen, um für den Vertrieb bereit zu sein, sobald ein Kandidat die Phase-III-Studien bestanden hat.

Während die Hersteller einen Teil der finanziellen Last tragen, falls der Kandidat scheitert, wird der größte Teil der Kosten von den Regierungen (im Falle des Impfstoffs von Oxford von den USA über die BARDA) und den NGOs (Gates Foundation) getragen. Es stellt sich auch die Frage der Verdrängung anderer Impfstoffproduktionsketten, ein Problem, das vor allem Schwellenländer betrifft.

Weltweite Verteilung eines Impfstoffs gewaltige Aufgabe

Die Verteilung eines Impfstoffs weltweit und selbst in großen Ländern ist eine gewaltige Aufgabe und erfordert eine strenge staatliche Planung und Überwachung. Die meisten entwickelten Volkswirtschaften verfügen über strategische Spielbücher für Pandemien (hier ist die 250-seitige US-Bibel zu diesem Thema), die jedoch oft mit Blick auf eine Grippepandemie geschrieben wurden. Sie regeln, wer den Impfstoff zuerst bekommt, mit dem allgemeinen Ziel, den Verlust von Menschenleben zu verhindern und die öffentliche Ordnung zu wahren.

Daher werden gefährdete Gruppen, medizinisches Personal, Polizei, Streitkräfte und die Zentralregierung zuerst geimpft. Die Verteilung an die breite Bevölkerung richtet sich dann nach der für einen solchen Einsatz vorhandenen Logistik. In den USA zum Beispiel ist das Center for Disease Control and Prevention (CDC) die einzige Institution, die die Kühlkettenlogistik und die Überwachung einer landesweiten Impfstoffverteilung übernehmen kann.

Sorge um öffentliche Akzeptanz

Während das CDC während der aktuellen Pandemie heftig für seine verpfuschte Handhabung von Tests kritisiert wurde, sollten Bedenken hinsichtlich einer ähnlichen Verhudelei bei der Impfstoffverteilung gegen die erfolgreiche Verteilung des Schweinegrippeimpfstoffs im Jahr 2009 abgewogen werden. Eine weitere Sorge ist jedoch die öffentliche Akzeptanz des Impfstoffs.

Während so genannte „Anti-Vaxxer“ einen kleinen, wenn auch lauten Anteil der Bevölkerung ausmachen, haben viele Menschen Bedenken geäußert, einen Impfstoff zu erhalten, der ihrer Meinung nach durch die Entwicklung gehetzt wurde.

In den meisten Richtlinien der Regierung wird darauf hingewiesen, dass es dringend notwendig ist, dass führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens diesen Bedenken durch konsequente und transparente Aufklärung begegnen. Zur Veranschaulichung des Problems, mit dem zumindest die USA konfrontiert sein könnten, siehe unten.

Überwachung der Versorgungskette essenziell

Eine oft unterschätzte Aufgabe während einer großen Impfkampagne ist die Überwachung, die sicherstellt, dass die Menge an Dosen am richtigen Ort ankommt, dass die Impfstoffe nicht untätig in Verteilungszentren liegen oder auf dem Schwarzmarkt landen, dass unerwünschte Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden und vor allem, dass die Regierung weiß, wer geimpft worden ist.

Eine nationale Impfkampagne erfordert einen effektiven Bürokratieapparat und eine transparente Kommunikation zwischen den beteiligten Regierungsstellen. Cyberabwehr ist in dieser Phase ein oft vernachlässigter Faktor, da feindliche Akteure die Impfkampagne zu diesem Zeitpunkt mit relativ einfachen Mitteln möglicherweise ernsthaft stören könnten.

Fazit

Die Hoffnung für einen möglichen Impfstoff im Oktober unterstützt die positive Entwicklung an den Aktienbörsen. Neben den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wäre ein Mittel gegen das Covid19 das richtige Medikament für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Unternehmensstimmen zum Thema Gesundheit

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen hat Covid-19 der Pharmaindustrie keinen Stillstand, sondern eine Überbelastung beschert. Seit Beginn der globalen Krise versuchen die Unternehmen das Virus so gut wie möglich in den Griff zu bekommen, angefangen von Tests über Medikamente zur Linderung der Symptome bis hin zu Impfstoffen. Vieles konnte bereits erreicht werden, aber vor allem im Bereich der Medikamente zur Behandlung des Virus sowie bei der Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Gesundheit beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Branche. Dabei wurden folgende Fragen gestellt:

Wie wirkt sich Covid-19 auf Ihr Unternehmen aus? Können Ihre Produkte und Dienstleistungen zur Bekämpfung des Virus beitragen?

Die Auswirkungen des Coronavirus variieren von Unternehmen zu Unternehmen und hängen vor allem von dem jeweiligen Geschäftsmodell ab. Während sich beispielsweise Sanofi aus Frankreich stark darauf fokussiert, mit seinen Produkten aktiv an der Bekämpfung des Virus teilzunehmen, konzentriert sich die dänische Firma Novo Nordisk eher darauf, die bestehenden Kunden bestmöglich zu servicieren. Das Unternehmen bedient mit seinen Produkten hauptsächlich chronische Krankheiten wie Diabetes, welche mit dem Coronavirus nicht unmittelbar in Zusammenhang stehen. Aufgrund der vielerorts geltenden Sicherheitsregeln rechnet Novo Nordisk daher vorerst mit einer sinkenden Anzahl an Neukunden. Das Unternehmen zeigt mit einer Spende von 2.000 Tonnen Ethanol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln jedoch soziales Engagement und arbeitet eng mit den Behörden an der Analyse von Covid-19-Tests zusammen. Eine ähnliche Vorgehensweise verfolgt die deutsche Merck, welche für eine Studie der französischen Forschungseinrichtung Inserm das Medikament Interferon-beta 1a (Rebif®) kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Außerdem hat auch Merck sich mit einer Spende von 150.000 Litern Desinfektionsmittel sehr großzügig gezeigt. Die Firma Evotec, ebenfalls aus Deutschland, berichtet davon, dass ihr Geschäft wenig bis gar nicht von Covid-19 betroffen ist. Grund dafür ist, dass Evotec vorwiegend im B2B-Bereich und dort größtenteils innerhalb von langfristigen Partnerschaften mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen, akademischen Instituten und Stiftungen arbeitet. Das Unternehmen bleibt daher von kurzfristigen Änderungen im Endkonsumentenbereich weitestgehend unbeeinflusst.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Engpässe bei der Lieferung wichtiger Arzneimittel zu vermeiden? Planen Sie aufgrund der jüngsten Erkenntnisse Anpassungen Ihrer Lieferkette?

Vor allem zu Beginn der Pandemie war in der Gesellschaft eine gewisse Angst vor Lieferengpässen zu spüren. Dies führte zu auffälligem Einkaufsverhalten, wie beispielsweise im Falle von Toilettenpapier. Im Gesundheitsbereich war es eher der Mangel an Equipment wie Masken und Desinfektionsmitteln als der Mangel an Medikamenten, der es in die Nachrichten schaffte. Dass etwa für die schwedische Firma AstraZeneca Medikamentenmangel kein Thema war, wird mit der Führung eines hohen Lagerbestands an pharmazeutischen Wirkstoffen begründet, während die gesamte Lieferkette einer sorgfältigen Planung der Geschäftskontinuität unterliegt. Durch ein globales Netzwerk an Produktionsstätten war der Nachschub laut Unternehmen zu keiner Zeit gefährdet. Unsicherheiten in der Auslieferung, etwa durch geschlossene Grenzen, umgeht Astra-Zeneca mittels Luftfrachtverkehr. Generell zeigen die kontaktierten Unternehmen durch die größtenteils mögliche Aufrechterhaltung der Produktionskapazitäten eine positive Haltung gegenüber der Entstehung von Engpässen. Auch bei Merck traten keine kritischen Störungen auf, etwaige Lieferverzögerungen beliefen sich auf weniger als sieben Tage. Das Unternehmen sieht sich jedoch zusehends mit zusätzlichen Kosten konfrontiert, um das geforderte Level sowohl in der Beschaffung als auch in der Lieferung aufrechterhalten zu können.

Haben Sie Ihre Pläne für Forschung und Entwicklung aufgrund des Virusausbruchs angepasst? Sind aus der Krise Kooperationen hervorgegangen?

Forschung und Entwicklung (F&E) sind im Gesundheitsbereich essenzielle Faktoren und stellen dementsprechend auch hohe Kosten dar. Woran geforscht und was entwickelt wird, muss daher genau geplant werden. Der Ausbruch des Coronavirus zwang viele Unternehmen, von diesen Plänen abzuweichen. Novartis beispielsweise entschied sich für die kurzfristige Einleitung einer klinischen Studie mit dem Wirkstoff Ruxolitinib (Jakavi®). Vorklinische Studien deuten darauf hin, dass Ruxolitinib die Zahl der Patienten, die aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs Intensivpflege und mechanische Beatmung benötigen, reduzieren könnte. AstraZeneca arbeitet gemeinsam mit der schwedischen Regierung und mehreren Hochschulen an der Entdeckung eines neuartigen Antikörpers, der das SARS-CoV-2-Virus erkennen, binden und neutralisieren kann, um so das Ausmaß der Erkrankung verringern zu können. Darüber hinaus initiierte das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline und der University of Cambridge zur Errichtung neuer Testlabors. Für Sanofi ist es wichtig, neben den zahllosen Studien rund um Covid-19 die laufenden Studien für andere Produktkandidaten nicht aus den Augen zu verlieren. Diese werden daher sorgfältig und fortlaufend evaluiert. Auch Novo Nordisk führt abseits des Coronavirus eingeleitete klinische Studien fort und rechnet mit keinen signifikanten Verzögerungen bei jenen, die sich bereits dem Abschluss nähern. Neue Studien sind jedoch aufgrund der Belastung der Systeme nicht geplant.

Welche Möglichkeiten offenbart die Digitalisierung Ihrem Unternehmen/Ihrer Branche?

Merck sieht in der Digitalisierung eine große Chance für das Gesundheitswesen. Das Unternehmen arbeitet gemeinsam mit der Softwarefirma Palantir Technologies an einer Plattform namens Syntropy. Diese soll es weltweit führenden Experten ermöglichen, im Kampf gegen Krebs und viele andere Krankheiten zusammenzuarbeiten und so das Leben vieler Menschen zu verbessern. Nach Ansicht von Merck generieren Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt eine mit unglaublicher Geschwindigkeit wachsende Menge an biomedizinischen Daten, aber ein Großteil davon sei in Silos innerhalb und zwischen Einrichtungen eingeschlossen. Für Wissenschaftler seien diese kritischen Daten daher häufig nicht zugänglich, ein Umstand, den es laut Merck zu verändern gilt. Auch für Novartis stellt die Digitalisierung von Prozessen eine Schlüsselpriorität dar. Einsatz findet sie vor allem in der Überwachung von klinischen Studien, der Lagerverwaltung und in F&E-Prozessen. Digitalisierung spiegelt sich auch im Kommunikationsverhalten wider. Aufgrund der aktuellen Situation sind virtuelle Besprechungen keine Seltenheit mehr, auch nicht in der Gesundheitsbranche. Die kontaktierten Unternehmen führen Online-Konferenzen sowohl innerhalb der Organisation als auch mit Ärzten und Krankenhäusern durch. Geht es nach Evotec, ist man für die Möglichkeit solcher Konferenzen dankbar, den persönlichen Kontakt können sie dennoch nicht ersetzen.


Die aktuelle Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's NACHHALTIG INVESTIEREN zum Thema Covid-19 und Gesundheit finden Sie links als PDF.

Internet für Alle: Aktien Megatrends

von Bernhard Selinger, Senior Fundmanager der Erste AM.

Egal ob E-Mail, Suche nach Informationen, Einkaufen, Social Media oder Musik/Video-Streaming: das Internet ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aktuelle Ereignisse rund um COVID-19 und dem folgenden sprunghaften Anstieg des Internet-Datenaufkommens (Home-Office, E-Learning, Gaming etc.) haben unsere digitale Abhängigkeit sehr deutlich vor Augen geführt.

Zahlen aus dem jüngsten Bericht der „International Telecommunication Union“ (ITU), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf, belegen auch das historisch starke Wachstum. So stieg zwischen 2005 und 2019 die globale Zahl der Internet-Nutzer im Schnitt um 10% pro Jahr. Während im Jahr 2005 die globale Verbreitung des Internets in der Bevölkerung bei knapp unter 17% lag, war es 2019 schon knapp 54%.

Das sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass aktuell rund 3,6 Mrd. Menschen keinen (oder nur sehr eingschränkten) Zugang zum Internet haben – also über 46% der Weltbevölkerung.

Dabei gibt es enorme Unterschiede hinsichtlich Regionen und Einkommen: während in entwickelten Ländern knapp 90% der Menschen Zugang zu Internet haben, sind es in den ärmsten Ländern nur knapp 20%. Nach Regionen aufgeteilt ist die Internet-Nutzung in Europa am höchsten und in Afrika und einigen Staaten in Süd-Asien am geringsten (Quelle: ITU).

Internet-Nutzung nach Regionen und Wohlstand

„Digitale Inklusion“, die Möglichkeit zur Teilhabe an der digitalen Welt, unabhängig von Geschlecht, Bildung oder Einkommen stellt daher auch ein Ziel der Vereinten Nationen im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) dar. Genau genommen „Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur“, sieht vor „den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologie erheblich zu erweitern sowie in den am wenigsten entwickelten Ländern einen allgemeinen und erschwinglichen Zugang zum Internet bereitzustellen“ (Quelle: Vereinte Nationen).

Entlegene Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte sind beispielsweise mit konventioneller Telekom-Infrastruktur (Glasfaser- oder Kupferleitungen, Mobilfunk-Netze) sehr schwierig zu erschließen und auf Dauer kaum wirtschaftlich rentabel zu betreiben.

Einige Unternehmen haben es sich daher zum Ziel gesetzt, mit Hilfe neuer Technologie, dieses Problem zu überwinden und unabhängig vom Standort eine globale Versorgung mit Breitband-Internet zu ermöglichen.

Laser statt Funkwellen

Viele neue Lösungsansätze für eine möglichst großflächige Versorgung mit Breitband-Internet wurden durch Fortschritte im Bereich der Übertragungstechnik ermöglicht. Daten-Übertragung über weite Strecken mittels Laser, im Gegensatz zu Funkwellen, bietet beispielsweise deutliche Vorteile hinsichtlich Geschwindigkeit (höhere Bandbreite), Kosten (höhere Energieeffizienz, keine Lizenzen notwendig) sowie Sicherheit („Abhören“ unmöglich). Mynaric zum Beispiel ist ein technologisch führendes Unternehmen in der Herstellung von Laser-Kommunikationsgeräten.

Nach Jahren von Forschung und Entwicklung läuft aktuell die Serien-Fertigung an. Boden-gestützte Laser, angebunden an ein Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz, könnten Daten mit hoher Bandbreite an erdnahe Satelliten (LEO – low-earth-orbit) oder unbemannte Fluggeräte (Ballon, Dronen) weitergeben werden, welche wiederum über Funkwellen (RF – radio-frequency) mit einer Vielzahl von Endgeräten verbunden sind.

Laser-Kommunikation Darstellung

Quelle: Mynaric

Endgeräte reichen vom klassischen Smartphone oder Laptop zu einer Vielzahl von „Internet of Things“ (IoT) Anwendungen, beispielsweise bei Produktionsbetrieben („Smart Factories“) oder in der Landwirtschaft („Smart Farming“). Eine Fülle von Sensoren, welche bei derartigen Anwendungen zum Einsatz kommen, generiern eine bis dato nie dagewesene Menge an Daten.

Schätzungen gehen davon aus, dass eine „Smart Factory“ bis zu 1 Petabyte (1,000 Terabyte) Daten am Tag generieren könnte (Quelle: Intel) – das wären ungefähr 1 Mrd. Minuten Musik im mp3-Format oder 160 Millionen E-Books).

Die Fluggeräte, wenn auch untereinander mittels Laser verbunden, können auf diesem Weg weite Distanzen überbrücken und daher auch entlegenste Regionen mit Breitband-Internet versorgen.

The new space race

Softbank – „HAPS“

„HAPS“ („High Altitude Platform Station“) beschreibt ein unbemanntes Flugobjekt mit einer Flugelspannweite von 78 Metern, welches, in einer Höhe von rund 20 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von rund 110 km/h über einem Ziel kreisend, ein Gebiet in einem Radius von rund 200 Kilometern mit Daten versorgen könnte.

Schichten der Atmosphäre

Quelle: Screenshot HAPS; Website: https://www.hapsmobile.com/en/#concept

Die 10 Propeller werden über Solarpanele, welche sich an der Oberseite der Flügel befinden, mit Energie versorgt. Die Datenübertragung zwischen Basis-Station am Boden und Fluggerät, genauso wie die Verbindung mehrerer Fluggeräte untereinander, könnte mittels Laser über weite Distanzen ermöglicht werden.

Unter guten Bedingungen – in der Stratosphäre herrscht üblicherweise eine nur sehr geringe Windgeschwindigkeit – könnte der Hawk 30 bis zu 7 Monate ohne Unterbrechung im Einsatz sein (Quelle: Softbank).

HAWK 30

Quelle: Screenshot HAPS; Website: https://www.hapsmobile.com/en/#concept

Alphabet – „Loon“

Einen etwas anderen Weg schlägt die Alphabet-Tochter „Loon“ ein: statt Flugzeugen werden mit Helium gefüllte Ballons verwendet an deren Ende Solar-Panele sowie das Equipment für die Datenübertragungen hängen. Die rund 12 Meter hohen sowie 15 Meter breiten Ballons steigen (genau wie der „HAPS“ Gleiter) auf eine Höhe von rund 20 Kilometern über dem Erdboden. Ein Algorithmus nützt durch gezieltes Auf- und Absteigen Änderungen bei Windströmungen um autonom über einen definierten Gebiet stationiert zu bleiben.

Ballon und mobile Startplattform

Quelle: Loon

Die Reichweite für die Datenversorgung eines Ballons wird von Alphabet mit rund 40 Kilometern angegben. Jedoch besteht auch hier die Möglichkeit mehrere Ballons mittels Laser zu verbinden – entsprechende Tests wurden bereits erfolgreich absolviert.

Über eine Distanz von 100 Kilometern konnte eine Laser-Verbindung zwischen zwei Ballons über Stunden unterbrechungsfrei und mit sehr hoher Bandbreite (155 Mbit/s) aufrecht erhalten werden.

Die Ballons kamen auch bereits bei Katastrophen erfolgreich zum Einsatz z.B. im Oktober 2017 in Puerto Rico um nach dem Hurrican „Maria“ rasch eine Mobilfunk-Notversorgung für Hilfskräfte und Betroffene errichten zu können (Quelle: Loon).

SpaceX – „Starlink“

Den technisch vermutlich anspruchsvollsten Weg geht das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX: ein Netzwerk von hunderten erdnaher Satelliten (LEO – low-earth-orbit) soll in einer Höhe von rund 550 Kilometern die gesamte Erde abdecken.

Während geostationäre Satelliten (GEO – geostationary earth orbiter) sich in Umlaufbahnen in einer Höhe von rund 36,000 Kilometern synchron zur Erde bewegen, ermöglichen erdnahe Satelliten aufgrund der geringeren zurückzulegenden Distanz der Funkwellen eine deutlich schnellere Kommunikation.

SpaceX – Falcon 9 Trägerrakete

Quelle: unsplash

Im Moment befinden sich 538 „Starlink“ Satelliten im Orbit – die erste Ausbaustufe (geplant Ende 2021) sieht 1.584 Satelliten vor. Die rund 260 kg schweren Satelliten sind eine Eigenentwicklung von SpaceX, ebenso wie die Falcon 9 Trägerraketen, welche die Satelliten in die Erdumlaufbahn befördert.

Gegen Ende des Jahres ist weiters geplant, alle Satelliten mit Laser-Kommunikationsgeräten auszustatten, um einen schnellen Datenaustausch im Satelliten-Netzwerk zu ermöglichen. Die Kommunikation der Satelliten mit den Endgeräten am Boden erfolgt wiederum über Funkwellen. (Quelle: SpaceX).

Fazit

Digitalisierung zählt zu einem der Megatrends im ERSTE FUTURE INVEST. Die COVID-19 Krise hat diesen Trend noch weiter beschleunigt, sei es im Bereich E-Commerce, E-Learning oder durch Cloud- und Streaming-Anwendungen. Gefragter denn je sind daher auch kreative technische Lösungen um die „digitale Kluft“ zwischen Ländern zu schließen und „Internet für Alle“ Wirklichkeit werden zu lassen.

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein aktiv gemanagter, globaler Aktienfonds, der in Megatrends („zukunftsträchtige“ Themen) investiert. Im Zuge der Titelselektion werden Aktien ausgewählt, die einem oder mehreren der folgenden Trends zugeordnet sind: Gesundheit und Vorsorge, Lebensstil, Technologie und Innovation, Umwelt und saubere Energie sowie aufstrebende Märkte.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen. Die vorhandenen Daten sind aufgrund der kurzen Zeitspanne nicht aussagekräftig. Quelle: Erste AM


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Liegt die Zukunft der Wirtschaft in der Cloud?

von Chris Gannatti, Head of Research, Europe, WisdomTree.

Auch wenn "Krisen" und "Marktstörungen" nicht so selten sind, wie wir gerne glauben möchten, so hatten sie doch selten so bedeutende Auswirkungen auf das tägliche Leben, wie wir es bei der Covid-19-Pandemie gesehen haben.

Cloud Computing löst Probleme, wie wir sie früher mit der auf Diskette befindlichen Software kannten. Die Cloud aktualisiert diese heute auf die neueste Version und bietet Lösungen für Probleme zum Download. Zwar gab es diese Vorteile schon vor Covid-19, da seit Ausbruch der Pandemie so viele Menschen gezwungen waren, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Realisierung dieser Vorteile hat sich jedoch aufgrund der Krise stark ausgeweitet.

Wenn wir einen Blick auf die Dienste werfen, die von Cloud-Unternehmen angeboten werden, sehen wir viele, die speziell aufgrund der Covid-19-Pandemie eine steigende Nachfrage verzeichnen. So hat die Pandemie zum Beispiel der Netzwerkdatenübertragung und der Cybersicherheit einen hohen Stellenwert eingeräumt, da viele Mitarbeiter in der Lage sein mussten, relativ schnell von überall aus zu arbeiten. Unternehmen wie Fastly und Zscaler, die sich diesen Herausforderungen stellen, haben in diesem Umfeld gut abgeschnitten und ihre Einnahmen im Jahresvergleich um 38.1 Prozent1 bzw. 39.7 Prozent2 gesteigert. Ähnlich verhält es sich mit Videokonferenzen, die für Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, zu einem unverzichtbaren Instrument geworden sind. Die Nachfrage nach einem zuverlässigen Dienst für diejenigen, die eine virtuelle Verbindung benötigen, hat dazu geführt, dass der Umsatz von Zoom im Vergleich zum Vorjahr um 169 Prozent3 gestiegen ist.

Dies ist nur eine Momentaufnahme davon, wie einige der marktführenden Cloud-Unternehmen während der Pandemie zurechtkamen. Es ist vernünftig, sich zu fragen, wie die Zukunft des Geschäfts in einer Welt nach der Corona-Pandemie aussehen wird, und ob das Arbeiten von zu Hause aus zur neuen Norm wird. Wenn das der Fall ist, müssen die Unternehmen ihre Pläne für den Übergang zur Cloud beschleunigen. Dieser Übergang wird ein Segen für die Cloud-Branche sein. Es ist fast unvorstellbar, dass Unternehmen wieder aus der Cloud aussteigen, wenn man bedenkt, wie wichtig sie in den letzten Monaten für die Geschäftskontinuität war. So gesehen kommt man leicht zu der Überzeugung, dass die Zukunft des Geschäfts auf der Cloud beruhen könnte.

Das Analysehaus Gartner hat für das Jahr 2020 einen weltweiten Umsatz von 266 Milliarden US-Dollar für öffentliche Cloud-Dienste prognostiziert. Im Jahr 2022 könnten es Gartner zufolge etwa 354 Milliarden US Dollar sein, d.h. fast 100 Milliarden Dollar mehr in nur zwei Jahren. Wenn sich die Schätzungen der Analysten als richtig erweisen, entspricht dies einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 15-16 Prozent, was einen Anstieg von 266 Milliarden US Dollar im Jahr 2020 auf 354 Milliarden US Dollar 2022 bedeuten könnte4.

Angesichts des Potenzials der Cloudanbieter, liegt es auf der Hand, dass dieser Sektor für Investoren attraktiv ist. Cloud Computing könnte ein Weg für ein spezifischeres Engagement bei Technologieunternehmen mit ganz anderen Wachstumsaussichten im nächsten Jahrzehnt sein. Unserer Ansicht nach haben die Software- und Geschäftsmodellvorteile von Cloud-Unternehmen in der Vergangenheit zu besseren Margen, mehr Wachstum, freiem Cashflow und Effizienzmerkmalen im Vergleich zu Softwareunternehmen ohne Cloud Computing geführt.

Gegenwärtig gibt es Tausende von privaten Cloud-Unternehmen und 86 von ihnen gelten als "Einhorn"-Unternehmen im Wert von mehr als 1 Milliarde US Dollar. Der Blick auf dieses aktive Ecosystem eröffnet die Vorstellung über das zukünftige Potential der Cloud, denn viele der disruptiven, spannenden Ideen kommen von diesen neuen Firmen. Bis 2030 könnte mehr als 80 Prozent der Unternehmenssoftware in der Cloud betrieben werden5.


1) Fastly Announces First Quarter 2020 Financial Results https://investors.fastly.com/files/doc_financials/2020/q1/1Q20-Shareholder-Letter-FINAL.pdf
2) Zscaler Reports Third Quarter Fiscal 2020 Financial Results https://ir.zscaler.com/static-files/ef576930-524f-440c-a8fd-5c92b0d446fb
3) Zoom Reports First Quarter Results for Fiscal Year 2021, https://investors.zoom.us/news-releases/news-release-details/zoom-reports-first-quarter-results-fiscal-year-2021
4) Source: “Gartner Forecasts Worldwide Public Cloud Revenue to Grow by 17% in 2020.” Gartner Press Release. 13 November 2019.
5) Source: Deeter, April 2020.

Bieten Gesundheitsaktien Schutz in der Pandemie?

von Vinay Thapar, Portfoliomanager für US-Wachstumsaktien und das International Health Care Portfolio von AllianceBernstein.

Der Gesundheitssektor hat sich selbst in den schwierigsten Märkten als zuverlässiger, sicherer Hafen erwiesen. Doch die Coronavirus-Pandemie wirft Fragen nach seiner Widerstandsfähigkeit auf.

Bieten Gesundheitsaktien Schutz in der Pandemie?

Der Gesundheitssektor hat sich selbst in den schwierigsten Märkten als zuverlässiger, sicherer Hafen erwiesen. Doch die Coronavirus-Pandemie wirft Fragen nach seiner Widerstandsfähigkeit auf. Wenn man über die Pandemie hinaus auf die Veränderungen schaut, die die gesamte Branche erfasst haben, können Anleger defensive Gesundheitsaktien finden, die auch langfristige Wachstumsaussichten bieten.

Aktien des Gesundheitswesens haben sich im ersten Quartal besser entwickelt als alle anderen Sektoren. Im MSCI World Index fiel der Gesundheitssektor um 10,8 %, während die Benchmark in lokaler Währung um 20,1 % fiel (Abbildung, Diagramm links). Die Sektoren mit der schlechtesten Performance, wie Finanzen und Energie, fielen gar um 30,2 % respektive 43,0 %. Dagegen stellte das Gesundheitswesen einen relativ soliden Sektor in einem unsicheren Umfeld dar. Unsere Analyse zeigt, dass die Gesundheitsbranche während des jüngsten Abschwungs eine bessere relative Performance im Vergleich zum MSCI World erzielte als in früheren Marktkrisen (Abbildung, Diagramm rechts).


Abbildung: Bedingungen verschlechtern sich mit der Ausbreitung von COVID-19

Trotz ihrer guten relativen Wertentwicklung steht die Gesundheitsbranche vor Herausforderungen. Insbesondere wurden vielerorts Arztpraxen, die nicht direkt dem Bedarf im Zusammenhang mit Viren dienen, geschlossen, von Allgemeinmedizinern, Familienkliniken und Tierärzten bis hin zu anderen medizinischen Einrichtungen.

Große medizinische Einrichtungen und Netzwerke sind ebenfalls stark betroffen. Das liegt daran, dass sie elektive Operationen, Behandlungen chronischer Krankheiten, Orthopädie und andere Dienstleistungen, die den größten Teil ihrer Einnahmen generieren, für die Behandlung von COVID-19-Patienten zurückgestellt haben. Auch die Zahl der unfallbezogenen Operationen ist stark zurückgegangen, weil weltweit weniger Menschen Auto fahren, Fahrrad fahren, Sport treiben oder zu Fuß ins Freie gehen, weil sie zu Hause bleiben müssen. Wir glauben, dass die Krankenhäuser noch einige Zeit kämpfen werden, selbst wenn ihnen massiv geholfen wird, wie etwa durch mindestens 100 Milliarden US-Dollar aus dem CARES-Gesetz in den USA.

Auch die Arzneimittelunternehmen sind nicht immun. Als Antwort auf den weltweiten Ruf nach Virusbehandlungen und einem Impfstoff haben die großen Pharmakonzerne die sonstigen medizinischen Forschungsarbeiten in ihren Pipelines gebremst.

Es ist ein gemischtes Bild, aber alle Unternehmen des Gesundheitswesens haben ein beunruhigendes Merkmal gemein: Keines versucht auch nur zu erraten, wie hoch die Gewinne in den nächsten sechs Monaten sein werden. Doch trotz der getrübten Aussichten glauben wir, dass für die meisten Unternehmen im Gesundheitssektor der Nachfrageeinbruch durch die Krise nicht von Dauer sein wird.

Blick über die reine Wissenschaft hinaus

Kurzfristig sind viele Unternehmen des Gesundheitswesens dabei, dem Ruf nach dringend benötigter Hilfe nachzukommen. Diejenigen, die sich zum Beispiel auf Tests, Behandlungen und Schutzausrüstungen spezialisiert haben, beschleunigen die Produktion während der Krise exponentiell.

Die Reaktion ist beispiellos. Aber was den Gesundheitssektor zu einem Dauerbrenner macht, sind die Unternehmen, die alle Widrigkeiten überstehen. Deshalb ist es wichtig, über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse hinauszublicken und die Grundlagen jener Gesundheitsunternehmen zu betrachten, die für die Zukunft gerüstet sind.

Pandemie beschleunigt Wandel

Wie jeder Sektor umfasst auch das Gesundheitswesen viele Spezialgebiete, von denen einige direkt vom Umbruch profitieren können. Zum Beispiel können technologische Innovationen das Arzt-Patienten-Verhältnis revolutionieren. Da das Coronavirus Patienten dazu zwingt, Ärzte aus der Ferne zu konsultieren, glauben wir, dass sich die Einführung der sogenannten Telemedizin jetzt beschleunigen und eine neue Norm für Routineuntersuchungen und nicht dringende medizinische Konsultationen über Computer oder mobile Geräte schaffen wird.

In ähnlicher Weise erforschen Pharmaunternehmen virtuelle Produktmarketingstrategien, die das alte Kontaktmodell zwischen Außendienstmitarbeitern und medizinischen Fachkräften vor Ort auf den Kopf stellen werden. Tatsächlich hat das Gesundheitswesen bei der Einführung neuer Technologien in der Vergangenheit nur zögerlich Fortschritte gemacht. Es bedurfte einer Krise, um einen Innovationsschub auszulösen.

Heute auf Heilung hoffen, aber für morgen investieren

Angesichts der weltweiten massiven Anstrengungen wurden auch Hoffnungen auf einen Coronavirus-Impfstoff oder ein Heilverfahren geweckt. Doch man sollte es unserer Überzeugung nach unterlassen, in reine Hoffnungen auf ein Blockbuster-Medikament gegen COVID-19 zu investieren. Investments sollten langfristig ausgerichtet sein, keine binäre Wette auf einen plötzlichen Gewinn eingehen, egal wie hoch der Einsatz ist. Und in ein Unternehmen zu investieren, das davon überzeugt ist, dass es den Impfstoff entdecken könnte, ist unserer Ansicht nach hochriskant.

Sicherlich wird das Unternehmen, das den Impfstoff gegen COVID-19 findet, der große Gewinner sein, auch wenn Vermarktungschancen und Profitabilität insgesamt bescheiden sein könnten. Aber die Vorhersage wissenschaftlicher Durchbrüche ist keine umsichtige Auswahlstrategie für Gesundheitsaktien. An erster Stelle stehen solide Fundamentaldaten wie gesunde Bilanzen und dauerhafte Wettbewerbsvorteile.

Gesundheitsaktien bieten sowohl defensive Attribute als auch Wachstumspotenzial

Aus einer defensiven Perspektive betrachtet profitiert der Gesundheitssektor von einem stetigen Strom von Kunden, die seine vielfältigen Produkte und Dienstleistungen benötigen. Gleichzeitig verändert die rasante Innovation im Gesundheitswesen alles, von der Diagnostik und Roboterchirurgie bis hin zu minimal-invasiven Therapien und Technologien. Wir sind davon überzeugt, dass dieses ausgewogene Profil nicht nur in einer Krise, sondern auch in einer letztlichen Erholung sowohl Widerstandsfähigkeit als auch Wachstumsaussichten bietet.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 28. Mai 2020.

Vinay Thapar

Vinay Thapar ist Senior Vice President und Portfoliomanager für US-Wachstumsaktien und das International Health Care Portfolio. Thapar stieß im Jahr 2011 zu AllianceBernstein (AB) und war zuvor drei Jahre lang Senior Investment Analyst für das globale Gesundheitswesen bei American Century Investments. Davor arbeitete er acht Jahre lang bei Bear Stearns in der Biotech Equity Research Group. Thapar hat einen Bachelor of Arts in Biologie von der New York University und ist CFA-Charterholder. Standort: New York.

ACATIS äußert sich zu Wirecard

Kapitalmarktexperte Stefan Riße führte ein Video-Interview mit Dr. Hendrik Leber, Geschäftsführender Gesellschafter der ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, zum Fall „Wirecard“. Dr. Leber erklärt, weshalb er im Oktober 2017 Wirecard in die internationalen ACATIS Aktienfonds gekauft hatte, dann aber Ende 2018 nach einem Gespräch mit CEO Markus Braun große Zweifel am Geschäftsmodell von Wirecard bekam und konsequent die Aktie aus allen Fonds abverkaufte, damals noch mit gutem Gewinn für die Anleger.

Neben Dr. Leber kommen auch die beiden Indien-Experten Sidd Mehta-Thomas und Kimi Venkataraman aus Bangalore, Indien, zu Wort, die ihrerseits über das Geschäftsgebaren von Wirecard recherchiert hatten und eine Vielzahl von Ungereimtheiten dabei fanden.

China am Weg zurück zur alten Stärke?

Die Corona Pandemie hat China schwer getroffen. Noch dazu gilt das Land mit dem weltweit zweithöchsten Bruttoinlandsprodukt als Ausgangspunkt des Virus und muss sich teilweise aus Furcht vor einer „zweiten Infektionswelle teilweise wieder abschotten, wie die jüngsten Bilder aus der Hauptstadt Peking zeigen.

Dabei wird übersehen, dass China die Krise bisher relativ gut gemeistert hat und das Wachstum der Industrieproduktion wieder angezogen hat. Auch die Verschuldung ist trotz diverser Hilfsmaßnahmen und Steuererleichterungen der Regierung „im Rahmen“ geblieben. Ein Umfeld, in dem Investoren Ausschau nach geeigneten Investitionsmöglichkeiten halten. Dafür bietet sich der chinesische Anleihenmarkt an.

Rendite, die sich sehen lassen kann

Im Ranking der größten Staatsanleihenmärkte steht China bereits an 3. Stelle – nach den USA und Japan. Vergleicht man die durchschnittliche Verzinsung der großen Staatsanleihenmärkte, so ist China ziemlich der einzige Markt, den man mit dem Wort „Rendite“ in Zusammenhang bringen kann, betont Mario Kaudela, Experte im Produktmanagement der Erste Asset Management.

Während US-Treasuries mit 10-jähriger Restlaufzeit eine jährliche Rendite von 0,70 Prozent liefern und deutsche Staatsanleihen eine negative Verzinsung von -0,44 Prozent aufweisen, bieten chinesische Obligationen eine Rendite von aktuell 2,92 Prozent (Quelle Refinitiv Datastream, 23.6.2020).

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen

Quelle: Refinitiv Datastream; Stand: 23.06.2020

Erholungstendenz nach Corona

Die globale Pandemie, die in der chinesischen Provinzstadt Wuhan ihren Ausgang nahm, hat der chinesischen Wirtschaft im 1. Quartal ordentlich zugesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte um 6,8 Prozent und war damit erstmals seit 1992 negativ.

Dennoch erwarten die Analysten von Moody’s für das heurige Gesamtjahr ein Wachstum von 1 Prozent. Nächstes Jahr sollte sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft auf 7,1 Prozent beschleunigen. Der Rückgang durch den Shutdown ist relativ zu betrachten: Jedes Jahr zum Chinesischen Neujahr wird die Wirtschaft runter gefahren. Ein Shutdown „der anderen Art“. Das ist also nichts Außergewöhnliches.

Diese Phase wurde durch die Pandemie quasi „verlängert“. Immerhin ist die Industrieproduktion nach dem massiven Einbruch im Mai wieder um 4,4 Prozent gewachsen verglichen zum Vorjahreswert. Die Einzelhandelsumsätze liegen aber noch unter den Werten von 2019.

Regierung und Notenbank drehen den Geldhahn auf

Indes kommen klare Initiativen der Politik und der Notenbank, um die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen. Der Volkskongress der Regierungspartei, der Ende Mai tagte, hat sich 3 wesentliche Ziele gesetzt:

  • Wirtschaftliche Erholung
  • Stabiler Arbeitsmarkt
  • Öffnung der Wirtschaft und der Finanzmärkte

Ein explizites Wachstumsziel wurde dabei nicht formuliert. Vor allem das Bekenntnis zur Öffnung und Stärkung der Finanzmärkte kann als positives Signal für internationale Investoren gewertet werden.

Die Regierung will die Wirtschaft so schnell wie möglich vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie schützen und Akzente zur Wiederbelebung setzen. Das vom Volkskongress in die Wege geleitete Maßnahmenpaket ist umfangreich und von Gewicht.

Hier die wesentlichsten Punkte:

  • Reduktion der Mehrwertsteuer auf Exporte (ausgenommen Güter mit hoher Luftverschmutzung und hohem Ressourceneinsatz)
  • Steuererleichterungen bis Ende 2020 im Ausmaß von 500 Mrd. US-Dollar
  • Erhöhung der Investitionen in das Gesundheitssystems
  • Eigene COVID-19 Bonds
  • Investitionen in die Infrastruktur und in das Gesundheitswesen im Ausmaß von 6,5 Prozent des BIP

Das sind aber nur die großen Eckpfeiler. Weitere Maßnahmen sind:

  • Steuern auf Produkte zur Eindämmung der Pandemie sollen gestrichen werden
  • Klein- und Kleinstbetriebe können eine Steuerstundung bis März 2021 in Anspruch nehmen
  • Renovierung von städtischen Gemeindebauten als Teil eines Konjunkturprogrammes
  • Gutscheine für Konsumenten
  • Reduktion des Strompreises für Unternehmen um 5 Prozent

Damit der Arbeitsmarkt vor allem im urbanen Umfeld wieder in Schwung kommt sollen hier mehr als 9 Millionen Jobs geschaffen werden und Trainings zur Aus- und Weiterbildung angeboten werden.

Neben der Regierung hat auch die chinesische Notenbank Initiativen gesetzt, die sich sehen lassen können.

  • Liquiditätsmaßnahmen 420 Mrd. US-Dollar im Februar und 3 Mrd. US-Dollar im März
  • Stundung von Krediten für Klein- und Mittelbetriebe bis März 2021
  • Geschäftsbanken sollen die Kreditvergabe an Klein- und Kleinstbetriebe um 40 Prozent erhöhen
  • Wechselkurs soll möglichst stabil gehalten werden (gegenüber einem Währungskorb)
  • Senkung des Mindestreservesatzes für Banken, die dadurch mehr Mittel haben um Kredite zu vergeben
  • Senkung der kurzfristigen und mittelfristigen Zinssätze

Handelskonflikt noch nicht ausgestanden

Über all dem schwebt der noch lange nicht ausgestandene Handelskonflikt zwischen China und den USA. Das beiderseitige Säbelrasseln hat zuletzt wieder an Intensität zugenommen. Der Wahlkampf in den USA könnte das Klima in den nächsten Monaten beeinträchtigen. Ebenso sind die Autonomiebestrebungen Hongkongs Auslöser für Spannungen zwischen den Supermächten.

ERSTE BOND CHINA: Baustein zur Diversifikation

In der Vergangenheit zeigten chinesische Staatsanleihen eine sehr geringe Korrelation mit traditionellen Anleihenmärkten wie beispielsweise europäische Staats- oder Unternehmensanleihen. Auch zu Aktienmärkten zeigen chinesische Staatsanleihen eine geringe Korrelation, weshalb sie eine interessante Möglichkeit zur Beimischung in ein bestehendes Portfolio sind.

Wer somit an ein Wiedererstarken der chinesischen Wirtschaft glaubt und einen Baustein zur Diversifikation des eigenen Portfolios sucht, für den bietet der Anleihenfonds ERSTE BOND CHINA eine Perspektive. Er verfolgt das Ziel in am chinesischen Festland gehandelte, von der Volksrepublik China begebene oder garantierte Anleihen in Lokalwährung zu investieren. Dieser Tage feierte der ERSTE BOND CHINA seinen 1. Geburtstag.

Quelle: EAM; Hinweis: Aufgrund der erst sehr kurzen Laufzeit hat diese Darstellung der Wertentwicklung nur wenig Aussagekraft.

FAZIT

Neben der im internationalen Vergleich attraktiven Rendite, können AnlegerInnen an einem möglichen Anstieg der chinesischen Währung partizipieren. „Gerade in den letzten Wochen ist der Euro gegen den Yuan stärker gelaufen, worunter der Fonds etwas gelitten hat“, so Experte Kaudela.

Sollte China wieder zurück zu seinem Wachstumspfad finden, könnte das aktuelle Wechselkursverhältnis sowie das aktuelle Renditeniveau von 2,9 Prozent ein interessantes Einstiegsniveau darstellen. Sollte sich die Pandemie negativ auswirken, so wären wohl eine sinkende Rendite und damit höhere Bond-Preise die Folge.

Grundsätzlich sollten AnlegerInnen eine Anlagedauer von mindestens 6 Jahren einplanen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Irrationaler Übermut auf den Aktienmärkten überdeckt Risiken in der Realwirtschaft

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Seit Jahresbeginn fast 11 Prozent Gesamtrendite. Die Stimmung bei Anlegern in den techlastigen NASDAQ-Composite-Index ist heiter und 2020 bislang ein großartiges Jahr. Das Leben an der Wall Street verläuft entsprechend gut. Bei anderen Anlegern, deren Vermögen auf den S&P500-Index ausgerichtet ist, herrscht zwar etwas mehr Nervosität, weil deren Renditen nicht so überragend ausfielen. Schlaflose Nächte haben Sie dennoch nicht, denn sie sehen, dass die Kurve ihres Index schnell ansteigt.

In der Realwirtschaft gingen im April 20 Millionen Arbeitsplätze verloren, und im Mai wurden nur 2,8 Millionen wieder zurückgewonnen. Nach den jüngsten Daten vom Juni liegt die Arbeitslosenquote in den USA jetzt bei 13,3 Prozent, im Februar lag die Quote noch bei 3,5 Prozent. Die US-Wirtschaft schrumpfte nach revidierten Schätzungen im ersten Quartal um annualisierte 5 Prozent. Dann kam es zu den Lockdowns, die alle Aktivitäten zum Stillstand brachten. Die Wachstumszahlen für das zweite Quartal werden dementsprechend besorgniserregender sein. Der erwähnte Zuwachs von 2,8 Millionen Arbeitsplätzen im Mai wurde an der Wall Street weithin gefeiert, während man andernorts auf Konjunkturprogramme von der Regierung wartete, um das Essen auf den Tisch bringen zu können.

Aktienmärkte und Realwirtschaft - diese beiden Universen waren in der Vergangenheit eng miteinander verbunden. Jetzt scheinen für beide unterschiedliche Realitäten zu gelten. Aktienkurse prognostizieren zukünftige Aktivitäten. Dies hängt stark von der Verfassung der zugrunde liegenden Wirtschaft ab. Wie sich die Aktienrenditen in der zweiten Hälfte dieses Jahres entwickeln werden, hängt von dieser Schlüsselfrage ab: Ist der Markt über sich selbst hinausgewachsen, oder prognostizieren die Aktienkurse richtig, was als eine schnellere als erwartete Erholung der Wirtschaftstätigkeit enden könnte?

Die Wirtschaft dürfte viel Arbeit vor sich haben, wenn die Aktienmärkte Recht haben. Noch nie waren die beiden Welten seit der globalen Finanzkrise so weit voneinander entfernt. Was ist die Ursache dafür und was sollten Anleger angesichts dieser neuen Verhältnisse tun?


Source: WisdomTree, Bloomberg. Data as at 17/06/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Wo steht die US-Notenbank Fed? Auf der Seite der Realwirtschaft oder der Aktienmärkte?

Nach dem heftigen Crash Mitte März, als die Coronavirus-Pandemie die Märkte stärker in Mitleidenschaft zog, kam es zu einer starken Erholung der Aktienmärkte. Viele Investoren haben die Baisse "gekauft" und damit den Märkten geholfen, sich zu drehen und ein positives Momentum aufzubauen. Die Märkte fanden Trost in den Wirtschaftsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Zentralbanken auf der ganzen Welt prognostizierten schnell eine starke Erholung für 2021.

Den heiligen Gral jedoch stellte die Intervention der US-Notenbank (Fed) und anderer Zentralbanken auf der ganzen Welt dar. Ein monetärer Stimulus auf die Realwirtschaft wirkt – wenn überhaupt - nicht unmittelbar. Wachstum entsteht, wenn die Menschen Geld ausgeben. Aber diese halten sich in Zeiten erhöhter Unsicherheit zurück. Wenn die Beschäftigungssituation einer Person auf der Kippe steht, ist es unwahrscheinlich, dass sie sich ein neues Auto oder Haus kaufen wird - selbst wenn die Zinsen niedrig sind. Ein monetärer Stimulus führt jedoch zu einer sofortigen Liquiditätsspritze für die Finanzmärkte. Erhöhen Anleger jedoch das Risiko in ihren Portfolios, indem sie Aktien kaufen, weil diese attraktiv sind oder weil "es keine Alternative gibt"? Wenn sicherere Alternativen keine oder sogar negative Renditen aufweisen, sind die Anleger dann gezwungen, mehr Risiko einzugehen?


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten per Stand 17. Juni 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Abbildung 2 zeigt den klaren Zusammenhang zwischen der US-Geldmenge und steigenden Aktienbewertungen. Denken Sie daran, dass das Verhältnis von Terminkurs zu Gewinn das Verhältnis zwischen dem heutigen Kurs einer Aktie und dem erwarteten Gewinn im nächsten Jahr ist. Versierte Anleger hinterfragen die Nützlichkeit dieser Kennzahl vor allem dann kritisch, wenn die erwarteten Gewinne derart ungewiss sind. Aber genau das ist der Punkt. Eine ungewisse Ertragslage würde eine vernünftigere Bewertung in den Preis einfließen lassen.

In den 1970er und 1980er Jahren, als die Fed-Zinssätze zweistellig waren, lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für US-Aktien oft im einstelligen Bereich. Im Laufe der Zeit führten die Geldmengenexpansion der Fed und der Kauf von Vermögenswerten zu einem Rückgang der Zinssätze, was die Risikobereitschaft der Anleger erhöhte und die Aktienbewertungen in die Höhe trieb. Dies war allgemein ein stetiger Prozess bis zum laufenden Jahr, denn sowohl der Umfang der Bilanz der Fed als auch die Aktienbewertungen stiegen stark an.

Nun ist der Preis einer Aktie der Gegenwartswert, den Investoren künftigen Cashflows für die Dauer des Bestehens des Unternehmens beimessen. Aber hier liegt der Kern der Diskussion. Diese Unternehmen müssen auch nach Überwindung der Krise weiter bestehen. Wie Buchhalter sagen würden, braucht es ein "going concern", ein gut gehendes Geschäft. Kluges Investieren erkennt die Risiken. Was die Risiken verdeckt, ist irrationaler Übermut.

Wer die Risiken ignoriert, lässt sie nicht verschwinden

Am Donnerstag, 11. Juni, fiel der S&P-500-Index um rund sechs Prozent, als der von der Fed präsentierte düstere Wirtschaftsausblick die Märkte überraschte. Der CBOE-Volatilitätsindex (VIX) stieg am selben Tag von 27 auf fast 44, als die Anleger in Scharen Schutz suchten. Am 16. Juni legten die Märkte wieder zu, als die Fed ihre Entscheidung zum Aufkauf von Unternehmensanleihen bekräftigte. Die "Fed Put" kam ins Spiel - und setzte damit erneut eine Preisuntergrenze, von der sie sich wieder erholen konnten. Die zugrunde liegende wirtschaftliche Realität blieb unverändert.

Eine ganze Reihe von Risiken steht am Horizont, während sich die Märkte gleichzeitig nach vorne bewegen: Eine zweite Welle der Pandemie könnte die Regierungen zwingen, den Lockdown wieder zu verschärfen; zunehmende Konkurse könnten das Vertrauen der Unternehmen beeinträchtigen; verlorene Arbeitsplätze können dann vielleicht nicht wiederhergestellt werden; und leider könnte sich die U-förmige wirtschaftliche Erholung in einen „Nike-Swoosh“ bzw. ein "W" verwandeln. Nicht zu vergessen sind zudem die Handelskriege, die Märkte und die Weltwirtschaft zwei Jahre lang vor Ausbruch der Pandemie geplagt haben. Angesichts der erneuten Spannungen zwischen den USA und China in jüngster Zeit im Zusammenhang mit dem Sicherheitsgesetz für Hongkong ist das Problem noch lange nicht gelöst.

Ein klügerer Ansatz zum Umgang mit den Risiken

Ein defensiver Ansatz könnte dazu beitragen, die Risiken zu bewältigen, die wir derzeit an den Märkten sehen. Dies bedeutet nicht, dass wir auf potenzielle Aufwärtsgewinne verzichten müssen. Defensiv zu sein ist vielmehr gleichbedeutend mit einem ausgewogenen Investitionsansatz. Es bedeutet, die Risiken zu erkennen und eine Widerstandsfähigkeit des Portfolios aufzubauen, um im Laufe der Zeit ein besseres risikobereinigtes Ergebnis zu erzielen. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu haben, was in der Realwirtschaft passiert. Es geht darum, ein Portfolio aufzubauen, das Schocks standhält. Beispielsweise dann, wenn eine Zentralbank das Offensichtliche sagt, so wie die Fed mit ihrer Aussage, dass die anhaltende globale Pandemie wirtschaftliche Herausforderungen schaffen wird.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, defensive Portfolios aufzubauen. Wir wissen, wie wichtig es ist, dies auch umzusetzen. Deshalb widmen wir einen ganzen Abschnitt auf unserer Website ein Framework für defensive Assets. Autor Pierre Debru zeigt zu dieser Thematik Prinzipien auf, die für den Aufbau robusterer Portfolios erforderlich sind.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Datenstand per 17.06.2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Defensive Anlagen tragen dann zum Erfolg bei, wenn sie am meisten gebraucht werden. Bedenken Sie die starke Outperformance von Gold gegenüber Aktien in diesem Jahr (siehe Abbildung 03). In einem Portfolio ersetzt das Gold die Aktien nicht, sondern hat lediglich eine ergänzende Funktion. Andere defensive Anlageklassen tun dasselbe - wenn auch auf unterschiedliche Weise. Einer der bekanntesten Grundsätze lautet, nicht alle Eier in einen Korb zu setzen. Darüber sollten alle Anleger nachdenken.

Und erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an das Gebot der Nächstenliebe? Vielleicht ist dies etwas, worüber die Akteure auf den Aktienmärkten nachdenken sollten. Ihr Schicksal scheint sich von dem ihrer Nachbarn in der realen Wirtschaft zu unterscheiden, aber beider Wege werden sich irgendwann kreuzen. Das müssen sie auch.


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg mit Stand vom 17. Juni 2020.

„Ausblick nach dem Lock-Down: Aktien bieten weiterhin Chancen“

von Alexander Chamier, Senior Portfolio Manager für die Bereiche Renten & Multi Asset der Apo Asset Management GmbH (apoAsset).

Nach der Lockerung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Lock-Downs“ setzt die Konjunktur zur Erholung an. Zeitgleich sind die Bewertungen für Aktien massiv gestiegen. Noch sind die Investoren allerdings defensiv aufgestellt. In den Markt könnte noch viel Liquidität fließen. Das bietet Anlegern weiterhin Chancen. Dies gilt erst Recht für Aktien aus dem Gesundheitssektor. Diese sind relativ zum Gesamtmarkt historisch günstig bewertet.

Die globale Konjunkturerholung hängt am seidenen Faden des Covid-19-Infektionsverlaufs.

Die globale Konjunktur hat im zweiten Quartal 2020 bedingt durch die Covid-19-Pandemie einen schockartigen Einbruch erlebt. Auch Europa befindet sich aktuell in einer tiefen Rezession, vielleicht fällt der Rückgang noch stärker aus als in der Finanzmarktkrise 2008/2009. Die Regierungen der einzelnen Länder sowie die Zentralbanken haben weltweit rasch reagiert und massive geld- und fiskalpolitische Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, welche das Ausmaß der Finanzmarktkrise 2008/2009 überschreiten. Nachdem der gesellschaftliche und wirtschaftliche „Lock-Down“ im Zuge der Stabilisierung der globalen Infektionswelle gelockert werden konnte, werden Anzeichen sichtbar, dass sich die Konjunktur bereits auf dem Weg der Erholung befindet. Sollte eine große zweite Infektionswelle vermieden werden, ist von einer deutlichen Erholung im zweiten Halbjahr auszugehen. Aufgrund des sehr starken Einbruchs ist aber erst im Laufe des Jahres 2021 zu erwarten, dass die wirtschaftliche Aktivität das Niveau von Ende 2019 wieder erreicht.

Wir werden uns an höhere Bewertungen am Aktienmarkt gewöhnen müssen!

Die Aktienmärkte sind aufgrund des globalen Konjunktureinbruchs im März regelrecht eingestürzt. Kursrückgänge um bis zu 38 % (Quelle: Bloomberg; Index: Eurostoxx 50; Zeitraum: 19.02.2020-18.03.2020) in nur 4 Wochen haben sogar die Bewegungen aus dem Jahr 2008 in den Schatten gestellt. Allerdings haben Aktien fast ebenso schnell zur Erholung angesetzt. Getrieben von einer Stabilisierung der Infektionswelle und einer regelrechten Liquiditätsflut haben Aktien einen Großteil der Verluste bereits wieder ausgeglichen. Die Kombination von stark reduzierten Gewinnprognosen und der jüngsten Aktienmarktrallye hat zu Bewertungen am Aktienmarkt geführt (Kurs-Gewinn-Verhältnis (KVG) in Europa: 17,9), welche wir bisher nur aus der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre kannten (KGV auf Basis der geschätzten Gewinne; Quelle: MSCI, Thomson Reuters; Stand: 12.06.2020). Langfristig mag man zu Recht argumentieren, dass diese keine besonders attraktiven Einstiegsgelegenheiten bieten. Man muss sich aber vor Augen führen, dass das in Europa grassierende Negativzinsumfeld seit Jahren kaum Alternativen bietet. Dem Club der Niedrigzinsen sind die USA in den letzten 12 Monaten beigetreten. Am Immobilienmarkt haben wir ebenfalls eine Neubewertung in den vergangenen Jahren erlebt. Insofern ist es gut vorstellbar, dass diese hohen Bewertungen am Aktienmarkt uns noch eine Zeit begleiten und erst durch den Anstieg der Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren abgebaut werden. Auf kurzfristige Sicht ist bemerkenswert, dass taktische Stimmungs- und Positionierungsdaten trotz der stark angezogenen Bewertungen keine Warnsignale geben. Teilweise sprechen Positionierungsdaten noch für ein sehr defensives Agieren der Investoren – dies bietet Chancen. Es scheint noch eine Menge Liquidität an der Seitenlinie zu warten, welche in den Aktienmarkt kommen könnte. Sollte eine zweite Infektionswelle vermieden werden, sehen wir daher mittelfristig, trotz der jüngsten Erholungsrallye, mehr Chancen für Aktien als für sichere Staatsanliehen.

Gesundheits-Aktien historisch günstig bewertet.

Während die Aktienmarktbewertungen in den letzten Wochen teilweise Augenreiben und Bauschmerzen auslösen, erscheinen Gesundheitsaktien relativ günstig bewertet. Während die Unternehmensgewinne am Gesamtmarkt eingebrochen sind, haben sich die Gewinnschätzungen am Gesundheitsmarkt sehr stabil entwickelt. Entsprechend sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Gesundheitsaktien viel weniger als am Gesamtmarkt gestiegen. Die relative Bewertung von Gesundheitsaktien erscheint gegenüber dem Gesamtmarkt so günstig wie seit 10 Jahren nicht mehr (KGV auf Basis der geschätzten Gewinne Europa Healthcare 17,5 vs. Europa Gesamtmarkt 17,9; Quelle: MSCI, Thomson Reuters; Stand: 12.06.2020). Wir sehen daher für diese Branche nicht nur aufgrund des strukturell stärkeren Gewinnwachstums ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis.


Über Alexander Chamier

Alexander Chamier, CFA, ist seit 2015 Teil des Portfoliomanagements der Apo Asset Management GmbH (apoAsset) und als Senior Portfolio Manager für die Bereiche Renten & Multi Asset zuständig. Davor war der gelernte Bank- und Diplom-Kaufmann bei der Union Investment Institutional GmbH als Portfoliomanager Multi Asset/Investmentstratege tätig. Weitere Station seines Berufslebens war die AXA Konzern AG. Alexander Chamier ist verheiratet und Vater von 2 Kindern.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist einer der führenden Anbieter von Anlageprodukten mit Gesundheitsprofil. Seit über 20 Jahren entwickelt und managt das Unternehmen Investmentfonds für private und institutionelle Anleger. Weitere, langjährige Schwerpunkte sind Multi-Asset-Fonds sowie Rentenfonds. apoAsset wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Anlegermagazin „Focus Money“ als eine der besten Fondsanlage-Gesellschaften Deutschlands. Die Fondsmanager der apoAsset bilden zusammen mit der Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH, einem hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat sowie den Gesellschafter Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Derzeit verwalten das Unternehmen ein Fondsvermögen von insgesamt rund 3,5 Mrd. Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Chancen bei Eurozonen-Aktien mit Low-Volatility und Dividenden spielen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Die globalen Aktienmärkte haben im Jahr 2020 im Zusammenhang mit COVID-19 und der damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwächung einen erheblichen Rückschlag erlebt. Angesichts des Zeitpunkts und der Schwere, mit der die Pandemie kritische Länder wie Frankreich und Italien traf, sowie der Sektorzusammensetzung der europäischen Indizes war der Rückgang bei den Aktien der Eurozone besonders stark. Diese reagieren sehr empfindlich auf Ölpreise, Konsumgüter und Tourismus/Reisen und korrelieren viel weniger mit dem Technologiesektor (der verhältnismäßig stark vom Handel mit der "virtuellen Wirtschaft" profitiert hat). Das hat zu einer relativen Erholung der Aktien der Eurozone geführt, die aus der Sicht der Wertpapierpreise hinter den USA zurückbleiben – obwohl die großen europäischen Volkswirtschaften etwas früher wieder geöffnet haben.

Wie wir schon seit geraumer Zeit diskutieren, bereiten sich die Anleger angesichts der sich weiter stabilisierenden Aktienvolatilität zunehmend auf einen Markt vor, der wieder auf der Grundlage von Fundamentaldaten handeln wird. Die Erholung verläuft nach wie vor langsam und es ist wahrscheinlich, dass sich die Unternehmen infolge der globalen Pandemie strukturellen Veränderungen unterziehen werden. Wir sind noch weit davon entfernt, Klarheit über eindeutige Gewinner zu haben, aber die Märkte erholen sich weiter. Der US-Markt hat fast alle Verluste der letzten Jahre wieder wettgemacht, und die wichtigsten Indizes nähern sich wieder ihren Allzeithochs von vor der Krise. Die Indizes der Eurozone werden weiterhin von Anlegern verkauft.

Die relative Möglichkeit, diese Erholung durch Aktien der Eurozone mitzuspielen, ist für Anleger nach wie vor attraktiv, vorausgesetzt, sie können das Portfolio durch das Eingehen von Long-Positionen in Aktien mit niedriger Volatilität und stabilen Dividendenstrategien schützen. Während viele Indizes auf risikoärmere, weniger volatile Aktien abzielen, bietet SPDR-ETFs eine Strategie mit geringer Volatilität, die einer einfachen, aber effektiven Methodik folgt.

Die von unserem SPDR ETF verfolgte Low-Volatility-Strategie in der Eurozone bietet zwei wichtige Merkmale, die sie von den Minimum-Volatility-Indizes unterscheiden. Indizes mit geringer Volatilität sind weitgehend "uneingeschränkt", was ihnen mehr Flexibilität bei der Ausrichtung ermöglicht und sie sind "dynamischer", da sie häufiger ein Rebalancing vornehmen. Diese Unterscheidungen tragen dazu bei, dass niedrige Volatilität im Vergleich zu Minimum-Volatility-Strategien oft die geringste Volatilität (d.h. das höchste Faktorrisiko) aufweist. Wie die Abbildung 1 zeigt, bietet der EURO STOXX Low Risk Weighted 100 Index (den unser ETF nachbildet) das stärkste Exposure gegenüber dem (niedrigen) Volatilitätsfaktor.

Abbildung 1: Vergleich des aktuellen FaCS-Aktiv-Exposure (vs. EURO STOXX Index)

Flughäfen – Einstiegschancen durch Covid-19

Ruhig und leer ist es am Himmel geworden. Wie lange Flughäfen noch auf Minimalbetrieb laufen ist offen. Sicher ist jedoch: Investoren bieten sich jetzt Kaufgelegenheiten, so Edmund Leung, Portfolio Manager im Global Listed Infrastructure Securities Team von First State Investments.

„Covid-19 hat den Flugverkehr in eine Art Winterschlaf versetzt“, sagt Edmund Leung, Portfolio Manager im Global Listed Infrastructure Securities Team von First State Investments. „Die Pandemie, genauer die damit verbundene Unsicherheit, Reisebeschränkungen und geschlossenen Grenzen haben die Passagierzahlen um 97 Prozent einbrechen lassen. Als Antwort darauf haben Flughäfen ihre Kapazitäten um 90 Prozent reduziert.

Passagiere sind ihre größte Einkommensquelle, weshalb Flughäfen als zyklisch, aber dennoch resilient gelten. Abhängig vom Geschäftsmodell macht der Flugbetrieb zwischen 40 Prozent und 60 Prozent des Umsatzes eines Flughafens aus, der Einzelhandel an den Terminals zwischen 20 Prozent und 30 Prozent und Eigentum, Parkplätze und andere Investments die restlichen 10 Prozent bis maximal 40 Prozent.

Puffer für die Schwankungen im Flugbetrieb war historisch der Einzelhandel, der in Flughäfen von geringen Mieten und hohen Margen profitiert. Doch auch diese Einnahmequelle ist in den vergangenen Wochen entfallen.

Wann sich die Lage bessert, ist offen. Die größte Unbekannte ist, wann das Covid-19-Virus so weit unter Kontrolle ist, dass Regierungen und Passagiere die Lage wieder als sicher genug zum Reisen einschätzen. Und so ist es auch noch zu früh, um beurteilen zu können, wie langfristig der aktuelle Nachfrageschock Flughäfen schadet.


Source: BITRE, Union Pacific, First Sentier Investors.

Hoffen lässt der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte, in denen sich der Sektor von mehreren Krisen erholt hat. Darunter waren Kriege, Pandemien und Terroranschläge. Der Terroranschlag auf das World Trade Center 2001 senkte die Nachfrage nach Flügen für zwei bis drei Jahre. Nachdem die Sars-Pandemie im Jahr 2003 abgeklungen war, dauerte es jedoch nur drei Monate bis die Passagierzahlen ihr Vorkrisenniveau erreichten. Gesunkene Ticketpreise und steigende Haushaltseinkommen haben die Nachfrage nach Flügen nach Krisen beschleunigt.

Kein Flughafen ist gegen die Folgen der Corona-Pandemie immun, doch werden einige sie besser überstehen als andere. Am besten positioniert für diese lange Periode der Unsicherheit sind Objekte mit einer stabilen Bilanz, an einem wirtschaftlich starken Standort und einem attraktiven Passagiermix. Durch breite Ausverkäufe sind in der Krise dort Kaufgelegenheiten entstanden. Investoren können die günstigen Kurse nutzen, um Qualität in ihren Portfolios stärker zu gewichten.“


Über First State Investments

First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. In Australien ist First State Investments mittlerweile unter dem Namen First Sentier Investors tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten.

Reisebranche hofft nach Grenzöffnungen auf rasche Erholung

Mit den anlaufenden Grenzöffnungen vieler europäischer Länder hofft auch die schwer angeschlagene Reisebranche auf eine Wiederbelebung des zuletzt praktisch zum Stillstand gekommenen Reiseverkehrs und Tourismus. Insbesondere die teilweise existenzbedrohten Airlines hoffen auf ein rasches Wiederhochfahren des Flugbetriebs.

Denn ohne milliardenschwere Rettungspakete würden einige Airline-Gruppen wohl vor dem Aus stehen. Von März bis Mai war der Flugverkehr in Europa und vielen anderen Regionen wegen der weltweiten Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie praktisch vollständig zum Erliegen gekommen.

Nach einem Tiefpunkt im April mit einem Einbruch von weltweit mehr als 90 Prozent kam der Flugverkehr bisher nur schleppend in die Gänge. So wurden im Mai am Flughafen Wien 20.202 Reisende gezählt, das sind 0,7 Prozent des Vorjahreswertes. Die Flugbewegungen verzeichneten im Mai ein Minus von 95,6 Prozent. Ähnliche Zahlen meldete zuletzt der deutsche Flughafenbetreiber Fraport.

So wurden in Frankfurt, dem größten Airport Deutschlands, im Mai zwar wieder mehr Passagiere abgefertigt als noch im April. In Frankfurt lag die Zahl der Passagiere dennoch um 95,6 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Auch im Juni dürften die Passagierzahlen in Europa trotz des langsam anlaufenden Flugverkehrs noch massiv unter den Vorjahreswerten liegen. Der internationale Branchendachverband der Fluggesellschaften IATA prognostiziert für die meisten europäischen Länder im Juni Einbrüche um die 60 Prozent. Passagiere buchen derzeit auch deutlich kurzfristiger als früher. 41 Prozent der Tickets werden derzeit erst drei Tage vor dem Flugdatum gebucht, das mache es schwierig für Fluggesellschaften, den Bedarf einzuschätzen und ihre Flugpläne zu erstellen, sagte IATA-Chefökonom Brian Pearce.

Eine beschleunigte und koordinierte Lockerung der Beschränkungen und Wiederaufnahme des Flugbetriebs in Europa ist laut IATA nun entscheidend, wenn das Schlimmste verhindert werden soll. Mehr als sechs Millionen Jobs in der Branche stehen laut IATA auf dem Spiel.

Weltweit erwartet die IATA für 2020 einen Nettoverlust der Airlines von 84 Mrd. Dollar (75 Mrd. Euro). Der Branchenverband fordert daher auch weiter staatliche Hilfen in Form von Finanzspritzen und längere Lockerungen bei der Zuteilung von Start- und Landeslots an die Airlines. Eigentlich müssen Fluggesellschaften 80 Prozent ihrer erlaubten Slots nutzen, sonst können sie ihre Slots an Konkurrenten verlieren. Diese Regel war zu Beginn der Krise gelockert worden.

Milliarden-Rettungspakete sind auf dem Weg

Milliardenschwere staatliche Rettungspakete für die Airlines sind vielerorts bereits auf dem Weg. Bereits beschlossen wurde ein Rettungspaket für die Lufthansa-Tochter AUA. Je 150 Mio. Euro schießen die Republik Österreich und Eigentümer Lufthansa zu. Darüber hinaus gibt es einen 300 Mio. Euro schweren staatlich garantierten Bankkredit für die AUA.

Noch nicht abgesegnet ist das geplante Lufthansa-Rettungspaket. Der staatliche deutsche Rettungsfonds WSF soll über eine Kapitalerhöhung für 306 Mio. Euro mit 20 Prozent bei der AUA-Mutter einsteigen. Weitere 5,7 Mrd. Euro sollen über eine Stille Einlage fließen, dazu kommen 3 Mrd. Euro in Form eines Kredites der Staatsbank KfW. Der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele lehnte eine Staatsbeteiligung an der Lufthansa zuletzt allerdings ab, die entscheidende Hauptversammlung am 25. Juni könnte daher noch zur Zitterpartie werden. Ohne Staatshilfe würde der Airline-Gruppe nach Einschätzung des Lufthansa-Vorstands Ende Juni das Geld ausgehen.

Frankreich hat zuletzt ein 15 Mrd. Euro schweres Rettungspaket für die Luftfahrtbranche auf den Weg gebracht. Darin enthalten sind Kredithilfen in Höhe von 7 Mrd. Euro für die Air France. Die Luftfahrtbranche hat für Frankreichs Wirtschaft eine große Bedeutung, denn allein bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus mit der Schaltzentrale in Toulouse arbeiten rund 48.000 Menschen.

Reiseveranstalter in den roten Zahlen

Auch börsenotierte Reiseveranstalter und Tourismuskonzerne sind mit der Corona-Pandemie in die Krise geschlittert. Der Reiseveranstalter TUI verbuchte in seinem abgelaufenen Geschäftshalbjahr von Oktober bis März unterm Strich einen Verlust von 892 Mio. Euro und war damit mehr als zweieinhalb Mal so tief in den roten Zahlen wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt brachen die Umsätze von Reisebüros und -veranstaltern in Deutschland laut Daten des statistischen Bundesamts im ersten Quartal um rund 23 Prozent ein.

Der börsenotierte US-Kreuzfahrtkonzern Carnival meldete für sein zweites Quartal einen Nettoverlust von 4,4 Mrd. Dollar. Vor einem Jahr hatte Carnival noch 451 Mio. Dollar verdient. Der Umsatz des Konzerns, zu dem auch der deutsche Kreuzfahrtanbieter Aida gehört, brach von 4,8 Mrd. auf 700 Mio. Dollar ein. Der international tätige US-Hotelriese Marriott meldete für das erste Quartal einen verhältnismäßig glimpflichen Umsatzrückgang von 7 Prozent, der Gewinn brach allerdings um 91 Prozent ein.

Nun hofft die Branche auf eine Erholung des Reiseverkehrs mit den jüngsten Grenzöffnungen. In Europa haben viele Länder ihre Grenzen zuletzt geöffnet oder stehen kurz davor. Bereits seit 5. Juni konnte man von Österreich in die östlichen Nachbarländer Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Slowenien auflagenfrei reisen. Deutschland, Liechtenstein und die Schweiz öffneten ihre Grenze für Österreicher und andere EU-Bürger Mitte Juni. Mit Dienstag fielen die österreichischen Einreisebeschränkungen für die meisten anderen europäischen Länder. Seit Sonntag gibt es keine Beschränkungen mehr für Reisen nach Spanien bzw. für die Rückkehr nach Österreich.

Flugbetrieb und Tourismus fahren langsam wieder hoch

Die AUA hat ihren Flugbetrieb zuletzt wieder aufgenommen. Im Juni sind fünf Prozent des Vorjahresangebotes im Programm, sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Im Juli soll das Angebot auf 20 Prozent steigen, dann soll es auch das Comeback der Langstrecke geben.

Bis zum Jahresende seien 50 Prozent „gegenüber Normalzeiten“ geplant. Die AUA-Mutter Lufthansa will im September wieder 90 Prozent aller ursprünglich geplanten Kurz- und Mittelstreckenziele sowie 70 Prozent der Langstreckenziele anfliegen. Auch die irische Ryanair hat ihren Linienflugbetrieb von und nach Deutschland wieder aufgenommen. Ab 1. Juli sollen wieder 200 Strecken von und nach Deutschland verfügbar sein. Ab August will die Airline auch wieder von Wien aus fliegen.

Buchungen kommen langsam in Schwung

Auch die Tourismusbranche kommt wieder in die Gänge, wenn auch vorerst nur verhalten. Bei TUI läuft das verzögerte Sommergeschäft jetzt an. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen in den kommenden Wochen schrittweise immer mehr Ziele angesteuert werden. Ungefähr ein Viertel des Programms für die Hauptsaison sei derzeit ausgebucht. In der vergangenen Woche habe das Interesse der Kunden laut TUI „spürbar“ zugenommen.

„Insbesondere Deutschland und Belgien verzeichnen eine deutliche Erholung“, hieß es. In Deutschland, Österreich und auch Mallorca wurden erste TUI-Hotels geöffnet, im Juli sollen weitere Mittelmeer-Ziele folgen.

Ob die gelockerten Reisevorschriften der Branche Aufwind verleihen werden, hängt nun auch stark von der Reisebereitschaft der Verbraucher ab. Italiens Tourismus stellt sich etwa trotz der Lockerungen auf massive Einbrüche im Sommer ein. Laut einer Studie des Touristikerverbands Assoturismo dürften sich in diesem Sommer die Zahl der Ausländer, die in Italien urlauben gegenüber dem Vorjahr halbieren.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

US-Wahlen: Die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf den Markt

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors.

"Obwohl die amerikanisch-koreanischen Spannungen im Vorfeld der US-Wahlen wahrscheinlich zunehmen werden, können die Märkte diese Belastung ignorieren, da Nordkorea zwar eine Gelegenheit verspüren könnte, die Zugeständnisse der USA zu nutzen, aber es ist unwahrscheinlich, dass es die Kurse wichtiger Vermögenswerte dauerhaft beeinflussen wird. Daher sollte jeder Anstieg der Risikoprämien abgezinst werden.

Im Gegensatz dazu sind die Beziehungen zwischen den USA und China wesentlich und bieten nach wie vor sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsrisiken. Wir gehen davon aus, dass die Eskalation vor der Wahl im November eingedämmt werden kann, da Präsident Trump versucht, die Stimmung an den Aktienmärkten während der Wahlkampf-Hauptsaison zu stabilisieren und seine Anti-China-Position daher auf die Wahlkampfrhetorik beschränkt. Der Iran, dessen Wirtschaftskrise ohne eine geopolitische Neuausrichtung unhaltbar ist, bleibt ein weiterer geopolitischer Risikofaktor. Trumps Zurückhaltung gegenüber einer militärischen Beteiligung könnte zu Fehlkalkulationen führen, die überraschend bärischen Gegenwind erzeugen könnten".

Rentenmärkte: Zurück zur Normalität?

Am Höhepunkt des „Corona­ Crashs“, Ende März, verloren selbst die ansonst sicheren Staatsanleihen deutlich. Zuletzt trat nun wieder Beruhigung und Normalisierung ein, stark unterstützt durch die Anleihenkäufe der Zentralbanken. Staatsanleihen sind, generell gesprochen, 2020 wieder im Plus. Mit Abstand in Führung liegen die US-Treasuries, die von der raschen und deutlichen Zinssenkung der US-Notenbank profitieren konnten, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Mit der Verbesserung der globalen Stimmung erfahren auch die Unternehmensanleihen wieder gute Nachfrage, eine allgemeine Einengung der Renditeabstände ist die Folge. Im Segment der höheren Kredit-Risiken setzten im Mai auch High-Yield- und Emerging-Market-Anleihen ihre Erholung fort, wenn auch von weit tieferen Niveaus. Lokale Fundamentaldaten spielen in den Schwellenländern dabei eine untergeordnete Rolle. Die Phase der strikten Risikovermeidung („Risk­ off“) ist also überwunden, es herrscht somit wieder Zuversicht, obwohl wirtschaftlich vieles noch bevorsteht.

Geld-/Kapitalmarkt: Globale Nullzinspolitik die Lösung?

Nun ist die globale Nullzinspolitik erreicht: Die US-Notenbank hat Ende April beschlossen den Leitzins in der Bandbreite von 0 bis 0,25 % zu belassen, an gar negative Zinsen – siehe EZB – wird aber nicht gedacht. Daneben sind auch die global aggregierten Staatsanleiherenditen nach jahrzehntelanger Talfahrt nahe dem Null-Niveau angelangt.

Bisher noch nie dagewesene umfangreiche Fiskalpakete und geldpolitische Maßnahmen in Kombination mit der Aussicht auf eine voranschreitende Normalisierung des Wirtschaftslebens lassen die Investoren aktuell sämtliche Risikofaktoren ausblenden. „Corona“ ist ja tatsächlich keine Finanzkrise, sondern eine globale Gesundheitskrise mit extremen wirtschaftlichen Folgen. Die Liquiditätslage hingegen ist üppiger alsje zuvor, zumindest in der Geldwirtschaft.

Dazu kommen nun die – etwa von der EZB seit längerem, früher allerdings in wesentlich geringerem Umfang geforderten – Fiskalstimuli. Gerade das jüngst vorgestellte 750-Milliarden-Euro-Programm der Europäischen Kommission wurde vom Markt freudig aufgenommen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Sinkende Risikoprämien

Innerhalb des Universums europäischer Staatsanleihen bevorzugen wir europäische „Peripherieanleihen” gegenüber europäischen Kernländern wie insbesondere Deutschland oder Frankreich. In Summe wird davon ausgegangen, dass die Risikoprämien am Staatsanleihenmarkt – entgegen der fundamentalen Verfassung der meisten Staaten – vorerst weiter sinken werden. Daher wird auch die Übergewichtung von US-Staatsanleihen gegenüber Euro-Staatsanleihen beibehalten, ebenso das Übergewicht von UK-Staatsanleihen.

Nachdem wir Euro-Unternehmensanleihen (Investmentgrade) zuletzt bereits übergewichtet hatten, erhöhen wir dieses Übergewicht. Wir nehmen eine Position bei US-High-Yield-Anleihen ein, zumal sich die Refinanzierungsmöglichkeiten für diese Unternehmen etwas verbessert haben. Dieses Segment profitiert auch von einem wieder steigenden Ölpreis. Die Renditeaufschläge am Euro-High-Yield-Markt sind ebenfalls gesunken, hier sehen wir die unterstützenden Faktoren aber weniger ausgeprägt.

Emerging Markets

Das Übergewicht an Hartwährungsanleihen, im Vormonat bereits erhöht, wurde aktuell beibehalten. Diese Anleihenklasse bleibt für uns unverändert eine der attraktiveren, zumal wir einen Großteil der durch die Krise ausgelösten fundamentalen Probleme hier bereits eingepreist sehen. Wir finanzieren das Übergewicht durch ein Untergewicht bei europäischen Staatsanleihen.

Dividendentitel und Corona – worauf man achten sollte

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Speziell in Krisenzeiten fürchten Anleger nicht nur Kursverluste, sondern auch Ausfälle von Dividendenzahlungen. Diese Ängste sind nicht unbegründet, nach Berechnungen der DZ Bank sind die Zahlungen der DAX Unternehmen in früheren Rezessionen um gut 25% reduziert worden. Aufgrund des Ausmaßes der Corona-Krise könnten die Ausfälle sogar noch stärker ausfallen. Speziell in Europa gab es zudem politischen Druck die Dividendenzahlung ausfallen zu lassen, speziell dann wenn öffentliche Fördergelder in Anspruch genommen werden.

Diskussionen, die für dividendenstarke Unterrnehmen nicht förderlich sind. In diesem Blog wollen wir uns mit der aktuellen Situation der Dividendenkaiser beschäftigen, vor allem mit der Frage wie sich High Dividend Aktien in der Krise bisher gehalten haben:

Value und High Dividends hinken der Gesamtperformance in 2020 hinterher

Auch wenn Anfang Juni eine Value Phase (Outperformance zyklischer Aktien) begonnen hat, stand das Jahr 2020 bislang ganz im Zeichen von Qualitäts- und Growth Aktien (profitable Wachstumsunternehmen). Das ist verständlich, da Wachstumswerte stärker von einem Zinsrückgang profitieren und während einer Krise die Nachfrage nach Qualität generell hoch ist. In diesem Zusammenhang stellt sich oft die Frage, ob Dividendentitel einen Schutz vor negativer Performance liefern. Wie aus Chart 1 ersichtlich ist, war dem nicht so. Generell haben Dividendenwerte in der aktuellen Krise underperformt, d.h. schlechter als der Gesamtmarkt abgeschnitten.

Chart 1: Relative Faktor-Performance Global (Quelle: Thomson Reuters)

Eine globale Betrachtung überdeckt naturgemäß regionale Unterschiede, wie zum Beispiel Dividendenhöhe oder Qualität der Unternehmen, weshalb wir den Gesamtmarkt auf unterschiedliche Regionen aufteilen wollen. Wir betrachten jeweils zwei Portfolios, zum einen jene Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite (DY) sowie jene mit einer unterdurchschnittlichen.

Chart 2: Regionale Performance nach Dividendenrendite (Quelle: Bloomberg)

Die regionale Betrachtung ergibt ein einheitliches Bild. Wie aus Chart 2 ersichtlich ist, haben Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite in 2020 deutlich schlechter abgeschnitten als jene Unternehmen, die keine oder eine unterdurchschnittliche Rendite aufweisen. In den USA ist das Bild extrem mit einer positiven Performance von 11,8% der „Wenig“-Ausschütter gegenüber -7,6% der High Dividend-Unternehmen. D.h. mit Unternehmen, die keine oder geringe Dividende ausschütten konnte man global ein positives Ergebnis erzielen, während man mit Dividenden-Zahler im Minus liegt.

Wenn es regional schon kaum Unterschiede gibt, wollen wir analysieren, ob dies innerhalb der Sektoren der Fall ist. Abermals erkennen wir in Chart 3, dass Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite deutlich schlechter abgeschnitten haben als ihr Gegenstück.

Energieversorger, Gesundheitsaktien und Industrietitel haben sich behauptet

Allerdings offenbart Chart 3 eine wichtige Erkenntnis. Das Ausmaß der negativen Performance ist nicht einheitlich. Finanz-, Energie und Telekom (Communication Services) Unternehmen haben deutlich schlechter abgeschnitten als Unternehmen aus dem Industrie, Gesundheit-oder Versorger-Sektor.

Dies ist wenig überraschend, da die Investoren (zu Recht) befürchten, dass Unternehmen aus gewissen Sektoren ihre Dividendenzahlungen kürzen oder zur Gänze ausfallen lassen. Im Finanzbereich wird befürchtet, dass aufgrund der Krise viele Unternehmen und Privatpersonen ihre Kredite nicht begleichen können, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Dividendenpolitik. In Europa haben einige Banken beabsichtigte Dividendenzahlung vom Frühsommer auf den Herbst verschoben, wenn das Ausmaß der Krise besser abschätzbar ist.

Im Energiesektor leiden viele Unternehmen unter dem massiven Preisverfall des Öls. Eine Dividendenkürzung ist unter diesen Umständen zu erwarten, auch bei großen Konzernen, die bislang eine sehr kontinuierliche Auszahlungspolitik verfolgt haben. Der Telekom-Sektor ist normalerweise für eine kontinuierliche Auszahlungspolitik bekannt. Der Zusammenbruch des Tourismus hinterlässt aber auch in diesem Sektor Suren, da das lukrative Roaming Geschäft wegbricht. Andere Sektoren haben weniger Probleme.

Der Gesundheit-Sektor profitiert eher von der Krise und hat kaum mit Gewinneinbußen zu rechnen. Ähnlich verhält es sich im Versorger-Sektor.

Chart 3: Sektor Performance Dividendenrendite (source: Bloomberg)

Chart 3 lässt vermuten, dass die Kontinuität der Dividendenzahlungen von großer Bedeutung ist.

Nicht die Höhe der Dividende ist relevant sondern die Stabilität

Für Anleger ist es wichtig neben der Dividendenhöhe auf die Stabilität der Dividenden zu achten. Im High Dividend-Bereich müssen Anleger unterscheiden zwischen zyklischen und nichtzyklischen Sektoren. Der Finanz- und Energiesektor zählen zu den zyklischen Sektoren, die Wahrscheinlichkeit für den Ausfall der Dividenden in einer Krise (Rezession) ist deutlich höher.

Dies ist seit langem bekannt, weshalb vor allem in den USA die Dividenden-Aristokraten einen besonderen Stellenwert einnehmen: Dividenden-Aristokraten sind Aktien, welche mindestens 25 Jahre lang eine Dividende zahlten und diese stetig jedes Jahr erhöhen konnten.

Aber auch in Europa gewinnt die Strategie immer mehr Anhänger. Im Unterschied zu den USA gibt es aber kaum Unternehmen mit einer 25-jährigen kontinuierlichen Dividendenpolitik, weshalb hier die Regel etwas aufgeweicht wurde: Euro-Dividenden-Aristokraten sind Unternehmen, welche mindestens 10 Jahre lang eine Dividende zahlten und diese jedes Jahr konstant gehalten oder erhöht haben.

Gemäß dieser Definition gibt es aktuell 123 US Dividenden-Aristokraten und 42 Euro Dividendenaristokraten. Die Zahlen verdeutlichen, wer auf Dividenden-Kontinuität setzt kommt an einem Übergewicht in den USA nicht vorbei. In keinem anderen Land gibt es Unternehmen, die eine derart lange stabile Dividendenpolitik aufweisen können.

Stabilität zahlt sich aus. Diese Unternehmen genießen ein überdurchschnittliches Vertrauen bei den Investoren. Um eine solche Stabilität zu gewährleisten muss die Qualität des Business Modell passen. Nur wenige schaffen es in diesen Kreis der erlauchten Unternehmen. Wie aus Chart 4 ersichtlich ist, konnten die Dividenden-Aristokraten den Gesamtmarkt seit 2002 outperformen, während die Gesamtheit der High Dividend Aktien den Markt deutlich underperformt hat. Dies zeigt einmal mehr, dass es nicht ausreicht auf die Dividendenhöhe zu achten, sondern die Stabilität von großer Bedeutung ist.

Chart 4. Dividenden Aristokraten (source: Bloomberg)

Kennzahlen der US Dividenden-Aristokraten

Tabelle 1: Performance Kennzahlen US Aristokraten (Quelle: Bloomberg)

Die US-Aristokraten haben nicht nur den Gesamtmarkt und die restlichen High Dividenden Aktien outperformt, sondern dies bei einer geringeren Volatilität geschafft. Zudem ist der maximale Drawdown während einer 1-Jahresperiode mit -37,9% deutlich geringer ausgefallen als beim Gesamtmarkt und der High Dividend Gesamtheit. Dies zeigt deutlich, dass bei der Auswahl von Dividendenaktien Vorsicht geboten ist, da viele zyklisch sind und dementsprechend deutlich riskanter als der Gesamtmarkt sind.

Chart 5: US Aristokraten 2020 (Quelle: Bloomberg)

Chart 6: Euro Aristokraten 2020 (Quelle: Bloomberg)

Langfristig erfolgsversprechend, kurzfristig weniger erfolgreich

Wie aus Chart 5 und Chart 6 ersichtlich ist, konnten die Dividendenaristokraten weder in den USA noch in Europa den Gesamtindex in 2020 bislang outperformen. Der Rückgang fiel sogar etwas heftiger aus, die Erholung aber ebenso. Wenn wir einen Blick auf die Sektorgewichtung der Aristokraten in Europa und in den USA werfen wird sich diese Aussage etwas relativieren. Das Jahr 2020 war bislang (Stichtag 8.6.2020) geprägt von einer positiven Performance der Sektoren IT und Healthcare. Wie aus Chart 7 erkennbar ist, sind diese Sektoren in einem High Dividend Portfolio stark unterrepräsentiert.

Chart 7: Sektor Gewichte EURO, US Aristokraten im Vergleich Gesamtuniversum (Quelle: Bloomberg)

Chart 7 zeigt deutlich, dass in einem High Dividend (Aristokraten) Portfolio die Sektoren Industrie, Grundstoffe (Materials) und Versorger stark übergewichtet sind. IT und Communication Services (Telekom und Medien) sind hingegen stark unterrepräsentiert.

Sehr interessant ist zudem, dass viele Dividenden-Aristokraten gleichzeitig ESG Leader sind, nämlich 58% der europäischen Dividenden-Aristokraten. Kein einziges Unternehmen fällt in die Kategorie ESG Laggards (MSCI Methodik).

Diese Erkenntnis ist durchaus interessant. Unternehmen, die eine stabile Dividendenpolitik betreiben, verhalten sich offenbar auch in anderen Bereichen nachhaltig.

Chart 8: Dividendenperformance nach ESG Klassifikation (Quelle: Bloomberg)

Eine Kombination aus ESG und hoher stabiler Dividende macht Sinn

In unserem ERSTE RESPONSIBLE STOCK DIVIDEND verfolgen wir genau diese Strategie: In diesem Fonds finden ausschließlich Aktien Berücksichtigung, welche den strengen Nachhaltigkeitskriterien der EAM entsprechen. Gleichzeitig wird bei der Aktienselektion sowohl auf eine deutlich überdurchschnittliche Dividendenrendite, als auch auf eine hohe Dividendenqualität geachtet. Des Weiteren investiert der Fonds ausschließlich in großkapitalisierte Unternehmen, deren Aktienkurs in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlichen Schwankungen (geringe Volatilität) unterworfen war.

Resümee

Auch wenn stabile High Dividend Unternehmen während der Krise nicht überzeugen konnten, erwartet der Autor über längere Sicht eine überdurchschnittliche Entwicklung. Längerfristige Betrachtungen zeigen, dass vor allem Dividenden-Aristokraten nicht nur die Unternehmen mit einer instabilen Dividendenpolitik sondern auch den Gesamtmarkt outperformen können. Es ist deshalb essentiell nicht nur auf die Höhe der Dividende zu achten, sondern auf die Kontinuität. Andernfalls ist eine Underperformance vorprogrammiert. Wer diesen Ratschlag befolgt ist mit großer Wahrscheinlichkeit zudem auch ein nachhaltiger Investor.

Dividenden-Aristokraten sind im IT und Gesundheit-Sektor stark unterrepräsentiert, weshalb sich diese Strategie auch für Anleger eignet, die bereits in diesen Sektoren investiert sind und eine vielversprechend Diversifikation suchen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Alte Bekannte: die Welt nach der Akutphase der Corona-Krise

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Wird die Welt nach der Akutphase der Corona-Krise anders aussehen als vorher?

Solange epidemiologische Faktoren eine Rolle spielen, sicherlich ja. So lange kein Impfstoff auf breiter Basis einsetzbar beziehungsweise Herdenimmunität erreicht ist, werden Themen wie Antikörper-Tests, Rückverfolgung von Kontakten, Quarantänemaßnahmen und soziale Distanzierung das Zusammenleben beeinflussen. Wir wollen jedoch strukturelle wirtschaftliche und politische Zusammenhänge beleuchtet werden.

Bounce-Back

Zuvor noch ein Update zum zyklischen wirtschaftlichen Ausblick: Der Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität im Februar in China sowie in den Monaten März und April im Rest der Welt war katastrophal. Mittlerweile werden die Eindämmungsmaßnahmen in immer mehr Ländern gelockert.

Zahlreiche Wirtschaftsindikatoren für Mai (umfragebasierte Indikatoren zur Unternehmens- und Konsumentenstimmung sowie alternative Indikatoren zum Elektrizitätsverbrauch) weisen eine Verbesserung auf. Tatsächlich sind überdurchschnittliche Wachstumsraten in den kommenden Monaten wahrscheinlich, solange es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt (W-förmige Erholung).

Um möglichst zu gewährleisten, dass es sich um keinen „Dead Cat Bounce“ handelt (L-förmige Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes), sind die Wirtschaftspolitiken extrem expansiv geworden. Die fiskalischen (Budgetdefizite) und die monetären (Drucken von Zentralbankgeld) Stimuli wurden und werden ausgeweitet.

Die V-förmige Erholung bleibt das optimistische Szenario: Schnelle Erholung des gesamten BIP-Einbruchs. Keine permanenten negativen Effekte. Das Basisszenario lautet nach wie vor auf eine U-förmige wirtschaftliche Erholung: Die Erholung nach dem Einbruch dauert länger (zwei Jahre oder länger). Es gibt permanente negative wirtschaftliche Effekte.

Szenarien für das Wirtschaftswachstum

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wird ein Blick auf strukturelle Entwicklungen gelegt, zeigt sich, dass die Corona-Pandemie eher bereits bestehende Trends verstärkt als neue schafft.

Ansteigende Staatsverschuldung: Um die möglichen Überwälzungs- und Sekundärrundeneffekte, wie etwa eine Konkurswelle und anhaltend hohe Arbeitslosigkeit einzudämmen, haben viele Staaten Hilfspakete geschnürt. Für die zweite Phase haben einige Staaten bereits Konjunkturprogramme verlautbart. Die damit einhergehende Ausweitung der Budgetdefizite führt zu einem drastischen Anstieg der Staatsverschuldung. Die OECD rechnet mit einem Anstieg der Staatsschuldenquote auf 137% des Bruttoinlandsproduktes für 2020.

Niedrige Effektivität der Zinspolitik: Als Reaktion auf den Einbruch der Wirtschaft haben viele Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz gesenkt. Für die entwickelte Welt beträgt der Leitzinssatz nur noch 0%, für die Emerging Market Economies nur noch 3%. Das bedeutet zweierlei. A) Die ohnehin geringe Effektivität der Zinspolitik ist weiter gefallen. Zinsen können als Reaktion auf eine Rezession nicht viel mehr gesenkt werden. Es droht das Szenario einer säkularen Stagnation. In diesem Umfeld sind die Zinsen sehr niedrig. Sie müssten dennoch weiter abgesenkt werden, um stimulierend auf die wirtschaftliche Nachfrage zu wirken. Das geht aber nicht, weil das Zinsniveau an eine (theoretische) Untergrenze (Effective Lower Bound) anstößt. Das Ergebnis sind anhaltend niedrige Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt, bei der Inflation und bei den Unternehmensgewinnen sowie erhöhte Arbeitslosenraten. B) Die Zinsen haben auch nach oben hin nur einen geringen Spielraum.

Finanzrepression: In der Zusammenschau mit den hohen Staatsschulden können die Zinsen und die Renditen von Staatsanleihen nicht mehr stark ansteigen. Die Staatsschuldendynamik ist so lange nachhaltig, so lange der Zinssatz auf die Staatsschuld unter dem nominellen Wirtschaftswachstum liegt. Für die letzten fünf Jahre liegt diese Schwelle für die entwickelte Welt bei rund 3,5%. Nötigenfalls können die Zentralbanken einen starken Renditeanstieg mit der Einführung einer Zinsobergrenze verhindern (Yield Curve Control). Immerhin hat davon bereits mit dem Präsidenten der New York Fed, John Williams, ein prominenter Zentralbanker gesprochen.

Zentralbanken kaufen Anleihen: Darüber hinaus haben die großen Zentralbanken die Anleiheankaufsprogramme hochgefahren. Die aggregierte Zentralbankbilanz der G4 ist mittlerweile auf 45% des Bruttoinlandsproduktes angestiegen. Aber auch Zentralbanken in den Emerging Markets haben Kaufprogramme begonnen. Am Anfang der Krise war es die Motivation der Zentralbanken den Finanzmarkt zu beruhigen. Die Nachfrage nach Cash war deutlich angestiegen. Mittlerweile scheint die Hauptmotivation zu sein, das große Emissionsvolumen an (Staats-)anleihen aufzufangen. Theoretisch stellt das keine monetäre Finanzierung der Staatsbudgets dar, solange die Zentralbank die Anleihen wieder verkauft. Das ist jedoch zweifelhaft.

Grafik: Stark ansteigende Zentralbankliquidität Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

(Vorerst) niedrige Inflation: Die erste Phase der Coronakrise übt einen Druck auf sinkende Inflationsraten aus (Disinflation). Für das nächste Jahr ist der Fokus darauf gerichtet, ob es den Unternehmen gelingen wird, etwaige höhere Kosten an die Konsumenten weiter zu geben. Das könnte zu einer einmaligen Verschiebung der Preise nach oben führen (überraschend höhere Inflationsraten im nächsten Jahr). Im Basisszenario bleiben die Inflationsraten auch im nächsten Jahr niedrig, weil die Arbeitslosenraten erhöht (negativer Output Gap) und das Lohnwachstum niedrig bleiben werden. Selbst wenn die Arbeitslosenrate auf ein sehr niedriges Niveau gesunken sein wird, ist nicht klar, ob die Inflation tatsächlich anzieht (flache Phillips Kurve). Auf lange Sicht könnte die sehr expansive Geldpolitik vor allem dann zu einem signifikanten Anstieg der Inflation beitragen, wenn sich das Hauptziel der Zentralbank von der Erreichung des Inflationsziels auf die Gewährleistung einer nachhaltigen Staatsschuldendynamik verschiebt. In diesem Fall würden die Leitzinsen nicht angehoben werden beziehungsweise würden die Staatsanleihen in der Zentralbankbilanz nicht reduziert werden, obwohl das Inflationsrisiko zunimmt. Nachsatz: Auf absehbare Zeit wird es diesen Zielkonflikt wahrscheinlich nicht geben.

Niedriges Produktivitätswachstum: Bereits vor der Coronakrise war das Produktivitätswachstum niedrig. In den letzten fünf Jahren betrug es im Durchschnitt lediglich 0,8% im Jahresabstand. Vor allem die anhaltend niedrigen Unternehmensinvestitionen, aber auch der Rückbau der Globalisierung (dazu später), die wahrscheinliche Tendenz in Richtung mehr Versorgungssicherheit (weniger Just-In-Time), und möglicherweise auch die höhere Einflussnahme des Staates in den privaten Sektor sprechen zumindest gegen einen Anstieg des niedrigen Produktivitätswachstums.

Niedrige Investitions- und Ausgabenbereitschaft im privaten Sektor. Der Rückstau an Investitionen könnte anfangs zu einem überdurchschnittlichen Investitionswachstum führen. Danach wird die Investitionstätigkeit wahrscheinlich auf ein mediokeres Niveau fallen. Dafür sprechen die Einkommens- und Gewinnverluste, die ansteigende private Verschuldung und die erhöhte Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Zudem könnten die Unternehmenskonkurse ansteigen und wird es einige Jahre dauern, bis die Arbeitslosenraten das niedrige Niveau von 2019 erreicht haben werden. Damit einher gehend wird das Lohnwachstum niedrig bleiben.

Digitalisierung und Klimawandel: Der Bedarf eines stattlichen Konjunkturprogramms und die strukturellen Trends A) Digitalisierung sowie B) Klimawandel haben zumindest in der Europäischen Union zu Vorschlägen für einen Ausbau der staatlich geförderten Programme in diesen Bereichen geführt.

Integrative Schritte in der Europäischen Union: Das bekannte Muster, wonach unliebsame aber notwendige integrative Schritte in der EU erst in einer Krise stattfinden, ist auch während der Coronakrise erkennbar. Für die EU, vor allem aber für die Eurozone, würde ein anhaltendes Auseinanderlaufen der volkswirtschaftlichen Kenngrößen (Wirtschaftswachstum, Inflation, Produktivität, Arbeitslosigkeit, Verschuldung) die Wahrscheinlichkeit für ein Auseinanderbrechen ansteigen lassen. Staatliche Investitionen sollten sich an der wirtschaftlichen Notwendigkeit, nicht an der Kreditwürdigkeit eines Landes orientieren. Der jüngste Vorschlag der Europäischen Kommission (Next Generation EU), wonach die EU Anleihen im Ausmaß von Euro 750 Milliarden begeben könnte und Euro 500 Milliarden in Form von Zuschüssen verwendet werden würden geht in die Richtung Transferunion.

Rivalität zwischen den USA und China: Die Rivalität zwischen der größten Volkswirtschaft der Welt und dem aufstrebenden China hat in den vergangenen Jahren an Intensität gewonnen. Auch in den vergangenen Monaten haben sich die Beziehungen verschlechtert (Hong Kong, Exportbeschränkungen für Halbleiter). Der Konflikt hat negative Implikationen auf mehreren Ebenen. Unter anderem dämpft die dadurch entstandene Unsicherheit die Unternehmensstimmung und damit die Investitionstätigkeit der Unternehmen.

Globalisierung im Rückbau: Nach der Großen Rezession 2008 / 2009 haben die globalen Exporte und Importe einen deutlich geringeren Wachstumspfad eingeschlagen. Mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China hat der Welthandel sogar eine fallende Tendenz eingeschlagen. Die Coronakrise hat zu einem deutlichen Einbruch der Exporte und Importe geführt. Im Bereich Handel könnte die Coronakrise zwei bleibende Auswirkungen haben. A) Die Tendenz zur staatlichen Unterstützung von strategischen Industrien beziehungsweise zur Abschottung könnte durch eine zunehmende protektionistische Grundhaltung verstärkt werden und damit schlussendlich auch nicht strategische Industrien betreffen. B) Der Ruf nach mehr Versorgungssicherheit betrifft generell die Reduktion der Just-In-Produktion und den Aufbau der Produktion von medizinischen Produkten in der Nähe des Endverbrauchs. Auch diese Entwicklung könnte überschießen und zu einem Rückgang des Welthandels in Sektoren außerhalb des Gesundheitsbereichs führen.

TINA: Die Triebfeder für Finanzinvestitionen wird in absehbarer Zeit abermals mit „There-Is-No-Alternative“ zu risikobehafteten Wertpapierklassen beschrieben werden können. Die Kombination von anhaltend sehr niedriger Verzinsung von Staatsanleihen, die Verbesserung der Wirtschaftsdaten und die sehr hohe von den Zentralbanken erzeugte Liquidität unterstützt Veranlagungsformen wie Aktien und Unternehmensanleihen. Das allgemeine Risiko liegt in einer Asset Price Inflation. In diesem Szenario kommt es zu einer Abkopplung der Wertpapierpreise von den Wirtschaftsdaten. Denn obwohl es keine Alternative zu riskanten Veranlagungen zu geben scheint, ist mit diesem Ansatz natürlich noch nicht gesagt, welche Veranlagungen zu welchem Zeitpunkt am günstigsten sind.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Warum Infrastrukturinvestitionen trotz Covid-19 lohnen

Leere Autobahnen, Flughäfen und Züge sowie unterbrochene Lieferketten, haben das Interesse an Infrastrukturinvestments in den letzten Wochen gedrückt. Das ist nicht immer berechtigt. Edmund Leung, Portfolio Manager im Global Listed Infrastructure Securities Team von First State Investments, erklärt, in welchem Segment der Sektor Chancen bietet und warum.

„Unser Alltag findet jetzt online statt“, sagt Edmund Leung, Portfolio Manager im Global Listed Infrastructure Securities Team von First State Investments. „Virtuelle Calls mit Kollegen und Kunden unterteilen den Arbeitstag und nach Feierabend erholen wir uns mit Videospielen, Skype und Netflix. Während die Straßen leer sind, ist die Datenautobahn überlastet. Nach Angaben einiger Telekommunikationsanbieter hat der Internetverkehr seit Ausbruch der Covid-19 Pandemie um bis zu 60 Prozent zugenommen, wie aus einem Bericht der OECD hervorgeht.

Damit Mobilfunknetze und Internetverbindungen trotz des steigenden Datenverbrauchs stabil bleiben, müssen Telekommunikationsdienstleister ihr Netzwerk ausbauen. Wir sind überzeugt, dass die Umsätze der Anbieter der entsprechenden Infrastruktur spätestens in der mittleren Frist steigen werden. So wird die Nachfrage nach Funktürmen wachsen, wenn dort mehr Flächen angemietet werden, um beispielsweise Antennen anzubringen. Eigentümer von Telekommunikationsinfrastruktur können daher sogar von Kontakt- und Ausgehbeschränkungen sowie Büroschließungen profitieren, im Gegensatz zu vielen anderen Infrastrukturunternehmen.

Auch unabhängig davon, wann und wie stark Regierungen die Vorgaben lockern, sind die Aussichten für Vermieter von Funktürmen positiv. Der steigende Datenverbrauch ist ein langfristiger Trend, besonders die Nachfrage nach mobilen Daten wächst stetig. Seit Jahren verlagern wir unseren Alltag ins Internet: Streaming statt Fernsehen, Online-Banking statt Filialbesuch und Online-Shopping statt Einkauf im Laden. Der Ausbruch des Coronavirus hat diese Entwicklung nur beschleunigt, nicht ausgelöst.

Zum Wachstum des Sektors trägt auch der anstehende Umstieg auf 5G bei, die neue Generation des Mobilfunknetzes, die ein dichteres Netz an Funktürmen benötigt. Positiv für Unternehmen und ihre Investoren ist dabei, dass die Einstiegshürden hoch sind und die Mietverträge mit fünf bis zehn Jahren lange Laufzeiten haben. Daher haben Eigentümer von Funktürmen eine hohe Preissetzungsmacht. Pro Jahr können sie die Mieten um durchschnittlich drei Prozent anheben. Wir erwarten, dass das US-Kerngeschäft dieses Jahr um fünf Prozent wachsen wird, was einen Anstieg der Cashflows um acht bis neun Prozent wahrscheinlich macht.“


Über First State Investments

First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. In Australien ist First State Investments mittlerweile unter dem Namen First Sentier Investors tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten.

Die Marke 3000

Fast zeitgleich haben der Euro Stoxx 50 Index und der S&P 500 Index die 3000er Marke wieder überwunden, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Manche sprechen von technischen Marken, deren Überspringen Gutes verheißt. Und das mag durchaus sein, denn der Markt ist bekanntlich zu einem wesentlichen Teil von Psychologie und Stimmung getrieben. Allerdings ist das Sentiment der Anleger im umgekehrten Sinne zu lesen. Bedeutet: eine sehr schlechte Stimmung unter den Marktteilnehmern ist oft ein Vorzeichen für eine positive Marktentwicklung. Diverse Indikatoren deuten darauf hin, dass viele Anleger trotz der Markterholung der letzten zwei Monate immer noch vorsichtig sind. Eine Marktanalyse, die an diesem Punkt endete, käme daher zu dem Ergebnis, dass Aktien übergewichtet sein sollten. Jetzt kommen aber die Fundamentaldaten ins Spiel, also Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne. Gerade bei letzteren stehen noch dramatische Einbrüche ins Haus. Dies wird der Markt nicht ohne Korrekturen verkraften, weshalb bis auf weiteres an der vorsichtigen Position festgehalten wird. Der scheinbare Gleichlauf um die „Schwelle 3000“ ist aber auch eine Bestätigung der bedauerlichen Underperformance europäischer Aktien. Denn vor genau 10 Jahren lag der Euro Stoxx 50 bereits bei 2600, der S&P 500 bei 1100. Man muss kein Finanzmathematiker sein, um zu sehen, dass der Performanceunterschied massiv ist. Natürlich kann man alles gut begründen. Die großen und sehr erfolgreichen Technologie- und Internetunternehmen gibt es in den USA und nicht hierzulande. Und US-Banken performen seit Jahren stabil, während man das von den heimischen Finanzwerten – zumindest im Aggregat – nicht behaupten kann. In der nächsten Konjunkturerholung werden europäische Werte allerdings eine neue Chance bekommen. Immerhin sollten die hiesigen Exporteure von einem Anspringen des Welthandels profitieren. Spätestens dann sollten auch die attraktiven Aktienbewertungen ins Auge springen, während die US-Unternehmen schon relativ teuer sind.

Aktien: Erholungsrally hält an, und dann?

Rückblickend gesehen setzte vielerorts bereits ab Ende März eine überraschend starke, nahezu V-förmige Erholung ein, die bis heute – wenn auch abgeflacht – andauert. Auch im längerfristigen historischen Vergleich ist diese Erholung außerordentlich. Es wird also mehr über zukünftige Wachstumsraten spekuliert als über gegenwärtige, recht dramatische Rezessionsszenarien.

Doch das gilt nicht gleichermaßen für alle Marktsegmente. Technologie- und Pharmatitel profitieren deutlich mehr als Industrie-, Finanz oder Konsumgüter. Deshalb weisen auch US-Indizes, insbesondere Titel der „Tech­Börse“ NASDAQ, wesentlich bessere Performance auf als beispielsweise Europa. Erst Ende Mai konnten vernachlässigte Branchen etwas aufholen. Emerging Markets können noch nicht mithalten, vor allem Lateinamerika ist stark und mehrfach betroffen, denn schon vor COVID-19 waren die Konjunkturaussichten teilweise schwach. Auch China verlor insbesondere durch die politischen Spannungen in Hongkong zuletzt etwas.

Globale Konjunktur: Optimismus berechtigt?

Derzeit überhäufen sich kurzfristig aktualisierte Konjunkturprognosen. Sie haben eines gemein: das Fehlen valider Parameter über den weiteren Verlauf der Corona-bedingten Maßnahmen und folglich über das Verhalten von Konsumenten und Unternehmen. Die führende Volkswirtschaft USA kann als Beispiel im Schaubild dienen: War die Konsumlaune bis Februar praktisch durch nichts zu erschüttern und hielt sich der entsprechende Index seit mehreren Jahren auf historischem Höchstniveau, so ist diese Messgröße zuletzt doch deutlich eingebrochen.

Zum einen, weil auch in den USA der klassische Konsum infolge des Lockdowns der Geschäfte in vielen Bundesstaaten und Regionen gelitten hat. Zum anderen, weil die Arbeitslosigkeit in einem noch nie gesehenen Ausmaß und in kürzester Zeit nach oben geschnellt ist, verbunden mit entsprechender Verunsicherung bei den sonst so stabilen US-Konsumenten. Die Prognosen streuen einigermaßen, die Märkte scheinen sich jedoch mit einem optimistischen Pfad einer schnellen Überwindung der Krise anzufreunden.

Aktien USA und Europa: US-Markt wieder führend

Die internationalen Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen weiter beeindruckend stark. Obwohl die Gewinnentwicklung schon für das erste Quartal entsprechend negativ ausgefallen ist und nun die aktuelle und durchaus realistische Erwartung auch ein deutlich negatives zweites Quartal sieht.

Der US-Aktienmarkt, gemessen am S&P 500 Index, entwickelt sich schon seit Jahren mit wenigen kurzen Unterbrechungen stärker als sein Pendant in der Eurozone (Euro Stoxx 50). Diese Entwicklung hat sich auch 2020 fortgesetzt, obwohl sich Europa seit den Tiefstständen im März anfänglich stärker erholen konnte.

Dies ist einerseits auf die Branchenzusammensetzung der Indizes zurückzuführen, andererseits auf die bessere Gewinnentwicklung der amerikanischen Unternehmen. Auch wenn die europäischen Aktien derzeit billiger erscheinen, favorisieren wir vorerst aus den genannten strukturellen Gründen den US-Markt. Und wir sehen bei den aktuellen Fundamentaldaten auch kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist.

Emerging Markets: Vieles eingepreist!?

Unsere Sichtweise in Bezug auf die Schwellenländer hat sich zuletzt nicht geändert.

In der globalen Erholung, zumindest Stabilisierung, auch bei den Rohstoffpreisen, konnten sich auch die Aktien aus den Emerging Markets zuletzt verbessern. Abseits von regionalen Besonderheiten zeigt die Branchenebene das Dilemma: Zwar sind die Bereiche Health Care und Telekom seit Jahresbeginn sogar im Plus, die zyklischen Sektoren wie Finanz, Energie/Grundstoffe und Industrie wiegen aber schwer auf der Wertentwicklung. Schwellenländer sind zumeist „zyklischer“ aufgestellt und die Dynamik der IT-Branche fehlt zumeist.

Cash is King: Emissionsflut bei Unternehmensanleihen

von Hannes Kusstatscher, Fund Manager – Fixed Income, Erste AM.

Viele Unternehmen stellt der Ausbruch des neuartigen Coronavirus und die damit einhergehende Veränderung des Konsumverhaltens vor eine existentielle Krise. Sektoren wie Luftfahrt und Hotellerie droht der völlige Einbruch des Umsatzes über mehrere Monate und viele andere müssen mit starken Einbußen rechnen.

Als sich das Virus erstmals Ende Februar schlagartig in Europa verbreitet hat und erste Gegenmaßnahmen ergriffen wurden, hat das auf den Finanzmärkten zu starken Turbulenzen geführt. Die Liquidität von Unternehmen, d.h. die Fähigkeit kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, rückte dabei schnell in den Fokus der Anleger.

Der plötzliche Einbruch der Einnahmen kann in kurzer Zeit oft nicht durch Ausgabenkürzungen ausgeglichen werden. Solche Maßnahmen sind schmerzhaft für die Gesamtwirtschaft. Sie führen zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und lösen Sekundärrundeneffekte aus. Daher ist es für Unternehmen in erster Linie wichtig ihre Bilanzen zu kräftigen und mit frischem Kapital vorzusorgen, um die Zeit bis nach Corona zu überbrücken. Während dies zu Beginn der Krise nur unter größter Mühe und zu hohen Kosten möglich war, hat sich die Situation mittlerweile dank verschiedener fiskal- und geldpolitischer Unterstützungsmaßnahmen entschärft.

Liquiditätskrise am Anleihenmarkt

Der Ausbruch des Virus in Europa Ende Februar hat auf den Finanzmärkten schnell zu einem Abverkauf geführt. Dadurch haben sich auch die Aufschläge für das Kreditrisiko (Kreditspreads) bei Unternehmensanleihen massiv ausgeweitet.

Quelle: ICE BofA Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Quelle: ICE BofA Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Diese Aufschläge sind ein Indikator dafür, für wie wahrscheinlich Investoren einen Kreditausfall über die Restlaufzeit der Anleihen gegenüber relativ sicheren Staatsanleihen halten. Für Anleihen mit Investment Grade Rating (IG) in US-Dollar hat sich der Spread im März fast vervierfacht und ist von 100 auf 400 Basispunkte gestiegen (100 Basispunkte = 1 Prozentpunkt, Anm.), während sich der Spread bei Unternehmensanleihen in Euro mehr als verdoppelt hat.

Durch den Einbruch des Wirtschaftslebens war bei vielen Unternehmen ein zusätzliches Bargeldpolster plötzlich überlebensnotwenig geworden. Die Investoren an den Kapitalmärkten scheuten sich allerdings dieses bereitzustellen. So brach der Markt für Neuemissionen (Primärmarkt) von Unternehmensanleihen ab Ende Februar völlig zusammen.

In der Woche zwischen dem 23. Februar und 28. Februar 2020 wurden in US-Dollar gerade einmal 6 Neuemissionen auf den Markt gebracht, und in Euro war es sogar nur eine Emission. Eine wichtige Finanzierungsform für Unternehmen war somit völlig ausgetrocknet. Viele Unternehmen mussten sich nach anderen Finanzierungsquellen umsehen.

Dabei wurde kurzzeitig alles zu Barem gemacht was zu verkaufen ging. Nicht nur Aktien sind dadurch in den ersten Märzwochen stark gefallen. Auch mit Gold und den als sehr sicher geltenden Staatsanleihen, die normalerweise in solchen Marktphasen an Wert gewinnen, ging es im Preis nach unten. Kurzlaufende unterjährige Unternehmens- und Kommunalanleihen, die von Unternehmen oft zum Zwischenparken von Cash-Beständen genutzt werden und häufig als Äquivalent zu Bargeld gesehen werden, kamen ebenfalls stark unter Druck.

Letztendlich mussten die Banken einspringen und Unternehmen kurzfristig mit Darlehen versorgen. Auch diese stießen damit bald an ihre Kapazitätsgrenzen. So wurde es notwendig, von politischer Seite aus einzugreifen.

Zentralbanken stellen Liquidität sicher

Liquiditätskrisen werden meistens durch fehlendes Vertrauen ausgelöst. Wenn sie nicht sofort bekämpft werden, können sie verheerend sein, da Unternehmen keinen Zugang mehr zu Kapital haben. Dadurch können sie kurzfristige Rechnungen nicht mehr begleichen, was zum Bankrott führt. Die EZB und Fed haben die Situation schnell erkannt und rasch interveniert.

Am 03. März hat die Fed ihre Zinsen als Sofortmaßnahme erstmals um einen halben Prozentpunkt gesenkt und in einer Sondersitzung am 15. März nochmals um einen weiteren vollen Prozentpunkt. Zusätzlich dazu wurden ab Mitte März mehrere Programme aufgesetzt, um den Zugang zum Kapitalmarkt zu sichern.

Die Fed hat dabei sogar das erste Mal in ihrer Geschichte angekündigt in Zusammenarbeit mit dem US Treasury Department Unternehmensanleihen zu kaufen und Unternehmen direkt am Primärmarkt zu finanzieren, sollten ihnen Investoren kein Kapital mehr bereitstellen wollen. Auch die EZB hat beginnend mit Mitte März zusätzliche Maßnahmen getroffen, um das Finanzsystem zu stützen. Es wurden mehrere neue Pakete aufgelegt und das Anleihen-Kaufprogramm massiv aufgestockt. Zusammen mit der Ankündigung von großen fiskalpolitischen Maßnahmen hat das dafür gesorgt, dass sich die Lage langsam wieder entspannt hat und die Kreditspreads (Risikoaufschläge) nach und nach gefallen sind.

US-Renditen wieder auf Vorkrisenniveau

Durch die beträchtliche Zinssenkung der Fed um 1,5 Prozentpunkte sind die Renditen von Unternehmensanleihen in US-Dollar wieder auf Vorkrisenniveau gefallen. Unternehmensanleihen in Euro rentieren noch etwas höher. Unternehmen können sich aber weiterhin recht günstig Kapital besorgen.

Rekordvolumina am Primärmarkt

Während Ende Februar und Anfang März für mehrere Wochen fast keine neuen Anleihen begeben werden konnten, haben Unternehmen in den vergangenen beiden Monaten die Gelegenheit intensiv genutzt um sich mit frischem Kapital einzudecken und für die kommenden Monate vorzusorgen.

In den USA wurden so ab dem 15. März wieder zunehmend Anleihen emittiert und in Euro wurden Unternehmen eine Woche später wieder aktiv, auch wenn der Neustart noch etwas holprig war. Unternehmen mussten Investoren anfangs mit lukrativen Prämien gegenüber den Renditen ihrer Bonds am Sekundärmarkt locken. Das zurückgekehrte Vertrauen in den Markt und starke Rückflüsse von Kapital ließen die Nachfrage nach Neuemission allerdings bald in die Höhe schnellen.

Nachdem bereits der März ein Rekordmonat für Neuemissionen von Unternehmensanleihen in US-Dollar war, haben die Unternehmen im April nochmal eins draufgelegt und laut Bloomberg mit über 300 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekord am Primärmarkt aufgestellt. Ein ähnliches Bild zeigt sich für Unternehmensanleihen in Euro. War der März hier noch recht durchschnittlich und Unternehmen eher vorsichtig mit Neuemissionen, so haben sie im April insgesamt fast 67 Mrd. EUR an neuen Anleihen begeben.

Das waren so viele wie noch nie zuvor. Auch der Mai zeigte ein ähnliches Bild. Mit 267 Mrd. Emissionsvolumen in US-Dollar und 62 Mrd. in EUR konnte er den April zwar nicht mehr toppen, reiht sich damit aber auf Platz 2 ein. Das Emissionsvolumen in US-Dollar ist seit Jahresanfang fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. In Euro liegt es um fast 60 Prozent über dem Vorjahreswert.

Viele Unternehmen haben sich mittlerweile genügend Barreserven beschafft, um ihren Zahlungsverpflichtungen in den kommenden Monaten nachzukommen. Die Fälligkeiten ihrer Kredite und Anleihen wurden in die nächsten Jahre verschoben. Coca ColaPepsi oder Disney haben beispielsweise in den letzten Wochen langfristige US-Dollar Anleihen begeben und damit ihre Commercial Paper Programme ersetzt. Diese kurzfristige Finanzierungsform mit Laufzeiten zwischen 30 und 270 Tagen ist im derzeitigen Marktumfeld weniger gefragt. Durch die tiefen Zinsen sind länger laufende Anleihen auch für Unternehmen interessanter.

Quelle: Bloomberg

Fazit

Für die Unternehmen ist das alles vorläufig ein gutes Zeichen. Durch das frische Kapital ist die Zahlungsfähigkeit vorerst gesichert, auch wenn die Normalität erst in einigen Monaten einkehren wird. Langfristig kann sich die zunehmende Verschuldung allerdings negativ auf das Wachstum auswirken.

Unternehmen müssen mehr Ressourcen für Zinszahlungen und die Rückzahlung der Schulden bereitstellen und es bleibt möglicherweise weniger Kapital für Projekte und Investitionen übrig. Zunächst gilt es jedoch die kommenden Monate zu überstehen und dafür ist ein solider Kapitalpuffer äußerst wichtig.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Demand for cloud services drives strong revenue growth

by Chris Gannatti, Head of Research, Europe, WisdomTree.

The Covid-19 pandemic has been a very difficult period for global investors. From 19 February 2020 to 23 March 2020, currently the lowest recent point, the MSCI ACWI Index lost more than 33% of its value. Since 23 March 2020, however, the situation has improved for global equities, with the MSCI ACWI Index appreciating more than 36% through 2 June 2020. 

For 2020 year-to-date, we’ve seen the MSCI ACWI Index deliver a return of -7.26%. From a sector perspective:

  • During the downdraft (3 worst decliners)
    • Energy, as the price of oil was also dropping precipitously, was down 51.85%.
    • Financials, as there have been concerns about future non-performing loans, were down 41.44%.
    • Industrials were down 38.21%.
  • During the subsequent rally (3 best performers)
    • Energy, as the price of oil underwent a bit of recovery, was up 56.6%.
    • Materials were up 45.0%.
    • Consumer Discretionary was up 40.6%
  • For Year-to-Date 2020
    • Tech and Healthcare are the only two sectors in positive territory.
    • Financials and Energy are still down more than 22%.

It’s easier to follow good news

The contrarians amongst us may be thinking that Financials and Energy have really been hit hard by the Covid-19 pandemic, so there may be veritable “bargains” available there. However, with negative headlines, dividend cuts or cancellations, and possibilities of increasing non-performing loans, these certainly aren’t easy sectors to be comfortable with at present1.

Behaviourally speaking, it’s much easier to go after the more positive announcements, even if companies able to make more positive announcements would usually tend to have higher valuations. This may be an example of what is happening within cloud computing companies presently2.

Amidst the Covid-19 pandemic, cloud computing companies are delivering strong revenue growth

Within Figure 1, we look at the top 10 companies from within the BVP Nasdaq Emerging Cloud Index and take the most recent reported year-over-year growth in revenue. A few things were immediately clear:

  • Zoom Video Communications stands out. The company reported earnings results on 2nd June 2020 and highlighted year on year growth in revenue from $122 million to $328 million3, or 169%.
  • Datadog and Crowdstrike, while not having the overall brand recognition of Zoom in the current period, delivered year over year growth in revenues in the 80-90% range. 
  • Within this chart it’s important to keep in mind that what looks like lower year over year revenue growth, is actually still in the 20-40% range. Zoom is so high that it repositions the vertical scale, but to be clear all of these firms have grown revenues strongly through their most recent announcements.

Figure 1: Year-over-Year Revenue Growth for Top 10 Emerging Cloud Companies


Source
: Bloomberg, with the 10 companies selected being those with the 10 highest weights within the BVP Nasdaq Emerging Cloud Index as of 2 June 2020. Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value. You cannot invest directly in an index

Cloud company services have been in-demand

These companies are in fact representative of providing services that have seen demand rising during the Covid-19 Pandemic.

  • Fastly, Datadog and Zscaler, broadly speaking, are involved with helping networks deal with spikes in traffic and security in different ways. The pandemic has placed a premium on network data transmission and cybersecurity, as many employees needed to be able to work from anywhere quite quickly.
  • Zoom has generated a lot of attention, when people are forced to connect virtually, suddenly the demand for reliable video conferencing increases substantially. Twilio also operates in the communications space.
  • Shopify has made a name helping businesses jump into ecommerce efficiently. Wix.com specialises in helping users more easily develop presences on the web.
  • Docusign takes a formerly physical action, signing a piece of paper, into the virtual world. 2U is helping universities undertake a transition to providing more and more of their services online.
  • Okta provides an extremely useful service in a world that places more importance on using applications, since it seeks to improve security and helps people store passwords to multiple different web pages, among other things.

We don’t know exactly how the Covid-19 pandemic will influence the future of how business is done or how humans interact, but it’s becoming clear that the services of these types of companies may have become more important for the foreseeable future.


Unless otherwise stated, the data source is Bloomberg data source as of 2 June 2020.

1) As of 02 June 2020
2) As of 02 June 2020
3) Zoom Reports First Quarter Results for Fiscal Year 2021, https://investors.zoom.us/news-releases/news-release-details/zoom-reports-first-quarter-results-fiscal-year-2021

Immobilien sind weiter gefragt

Wegen der Corona-Krise blicken viele Investoren gespannt auf die Immobilienmärkte. Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Investorennachfrage nach Immobilien und damit die Immobilienpreise stabil bleiben. Durch die Hilfsaktionen der Notenbanken und der Staaten ist viel Geld im Umlauf und die Zinsen werden noch auf längere Zeit bei Null bleiben. Das stützt Anlegen in Immobilien.

Trotzdem steuern wir auf eine der schwersten Rezessionen seit den 1930-er Jahren zu. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Da stellt sich für Investoren natürlich die Frage, ob der Immobilienboom der letzten Jahre in so einem Umfeld anhalten wird und wie sehr Immobilienfonds von der Krise betroffen sind? Dieter Kerschbaum von der Erste AM sprach mit Peter Karl, Vorsitzender der Geschäftsführung der ERSTE IMMOBILIEN KAG, über die Aussichten für die Immobilienmärkte und Immobilienfonds in Zeiten von Corona.

Wie geht es der ERSTE Immobilien KAG und den beiden Immobilienfonds in Corona-Zeiten?

Immobilienfonds waren in den letzten Jahren stark gefragt und an dieser Situation hat sich auch durch Corona nichts geändert. Im Gegenteil. Durch die Rettungsmaßnahmen der Notenbanken wird weltweit neues Kapital in den Kreislauf der Geldwirtschaft gepumpt, um die Wirtschaft vor Kollateralschäden zu bewahren.

Das allgemeine Zinsniveau wird dadurch in den nächsten Jahren gedämpft bleiben, wodurch die Immobilienmärkte gut unterstützt bleiben sollten. Das Volumen der beiden ERSTE Immobilien-Fonds ist seit Jahresbeginn trotz Corona leicht gestiegen. Wir halten Ende April bei einem Gesamtvolumen von 2,3 Milliarden Euro.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wie haben die enormen Kursschwankungen an den Börsen die Immobilienfonds beeinflusst?

Gar nicht. Immobilienfonds notieren nicht an der Börse. Ihr Preis orientiert sich an den laufenden Mieterträgen sowie an der Entwicklung am Immobilienmarkt. Angebot und Nachfrage an den Finanzmärkten haben keinerlei Auswirkungen auf die Immobilienfonds.

Aber die großen Dellen, die die weltweite Pandemie verursacht hat, werden zu spüren sein?

Natürlich ist der Immobilienmarkt von dieser globalen Rezession betroffen. Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, dass Immobilien als Anlageklasse auch in Zukunft von Investoren gefragt sein werden. Es sind weiterhin keine Zinssteigerungen zu erwarten, also fehlt es an Alternativen. Immer wichtiger wird bei der Immobilienanlage die Differenzierung nach Lage und Nutzungsart.

So wird es für Nutzungsarten, die stärker von der Corona-Krise und der Rezession betroffen sind bzw. schwierigere Lagen aus unserer Sicht höhere Risikoabschläge geben. Gute Qualität in guten Lagen wird zumindest stabil bleiben.

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen, die besonders betroffen sind, wie z.B. in der Gastronomie und im Tourismus, ist alles andere als rosig. Sind die Fonds der ERSTE Immobilien KAG mit Mietausfällen infolge von Corona konfrontiert und wenn ja, wie stark beeinträchtigen diese voraussichtlich die Rendite?

Beide Immobilienfonds sind gut aufgestellt. Der Großteil der Objekte sind Wohnimmobilien. Sowohl für den ERSTE IMMOBILIENFONDS als auch für den ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS gilt außerdem, dass der überwiegende Teil der Geschäfts- und Büroflächen an Unternehmen vermietet ist, die nicht von einer Schließung betroffen waren und sind. Das sind z.B. zahlreiche Lebensmittelsupermärkte sowie Behörden, Apotheken oder Ärzte. Natürlich gibt es aber auch einzelne Flächen (zB Gastronomie oder Kindergärten), die von Schließungen betroffen waren. Diese wirken sich aber auf Grund des sehr kleinen Anteils am Portfolio für die Fonds nur minimal aus.

Der überwiegende Anteil der Objekte in ihren Fonds sind also Mietwohnungen. Wie sieht es da aus? Kommen die Mieten herein, können sich die Menschen die Mieten noch leisten, wenn sie arbeitslos geworden sind oder sich in Kurzarbeit befinden?

Die beiden Fonds verfügen über ein breit gestreutes Portfolio mit rund 7.400 Wohnungen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Österreich über ein im internationalen Vergleich sehr gutes Sozialsystem verfügt. Neben den bestehenden sozialen Leistungen wie Arbeitslosengeld, Beihilfen, etc. greift die Republik in diesen Zeiten unterstützend mit weiteren Maßnahmen wie Kurzzeitarbeit aktiv ein.

Diese Mechanismen federn die Auswirkungen der Krise im Wohnungsmarkt ab. Außerdem macht sich bezahlt, dass wir beim Aufbau unseres Wohnportfolios immer darauf geachtet haben, dass die Mieten für eine breite Schicht von Nutzern auch leistbar sind. Tatsache ist jedenfalls, dass wir bisher keine Corona-bedingten Mietausfälle zu verzeichnen haben und nur eine Hand voll Mieter um eine Stundung angefragt haben.

Es kann aber trotzdem der Fall eintreten, dass Mieten nach einer gewährten Stundung nicht einbringlich ist. Dies würde dann einen Ausfall der Mieteinnahme der Wohnung bedeuten. Aus aktueller Sicht gehen wir aber wie gesagt nur von geringen Auswirkungen auf die Performance der Fonds aus.

Was plant die ERSTE Immobilien KAG in nächster Zeit? Können die beiden Fonds für neue AnlegerInnen geöffnet werden? Wann wird man wieder Anteile kaufen können?

Der Wohnbereich ist nach wie vor gut nachgefragt. Denn Wohnen zählt zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Die demografische Entwicklung ist dabei ausschlaggebend. In Zeiten von hohen Arbeitslosenraten spielt der Faktor Leistbarkeit natürlich eine zentrale Rolle. Auf der Angebotsseite ist die Lage nach wie vor unverändert: Es sind leider immer noch relativ wenige attraktive Objekte am Markt.

Wir prüfen laufend verschiedene Immobilien bzw. Projekte für einen möglichen Ankauf. Hier zeichnet sich eine Investmentmöglichkeit ab. Daher können wir den ERSTE IMMOBILIENFONDS am 2. Juni wieder für den Erwerb von Anteilen öffnen, was uns sehr freut.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Vorgezogene OPEC Plus -Tagung könnte die Voraussetzung für eine Ausweitung der Produktionskürzungen schaffen

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Die OPEC+ hatte sich auf ein früher als ursprünglich geplantes Treffen vorbereitet. Dies trieb die Ölpreise in die Höhe. Streitigkeiten über die Einhaltung der Quoten lassen jedoch Zweifel an einer Vorverlegung des Treffens auf den heutigen Donnerstag aufkommen. Sollte das Treffen tatsächlich diese Woche stattfinden, dürften die Ölpreise am 3. Juni die Tagesverluste wieder wettmachen. Dies könnte dazu führen, dass Brent über 40 US Dollar pro Barrel und WTI über 38 US Dollar pro Barrel steigen.

Angesichts der raschen Vernichtung der Nachfrage und eines Angebotsüberhangs aus der Zeit, als das Kartell in einen Preiskrieg verwickelt war, schien die Herausforderung für die OPEC+, die Ölmärkte ins Gleichgewicht zu bringen, als sie Anfang Mai 2020 schließlich Förderkürzungen akzeptierte, unüberwindbar. Die Förderkürzungen von 9,7 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) - die größte jemals koordinierte Förderkürzung - erschienen uns nicht ausreichend, um die Märkte in Balance zu bringen, da diese Kürzungen nur zwei Monate (Mai und Juni) gedauert hätten, bevor sie sich bis Ende dieses Jahres auf 7,7 mb/d verlangsamen und von Januar 2021 bis April 2022 wieder auf 5,8 mb/d zurückgehen sollten. Doch die Nachfrage (von einem niedrigen Niveau ausgehend) scheint erste Anzeichen einer Erholung zu zeigen. Es könnte sein, dass die OPEC+ die Kürzungen um 9,7 mb/d um mehrere Monate verlängert. Das dürfte sich positiv auf den Ölpreis auswirken. Die OPEC+ hatte darüber diskutiert, ihr politisches Treffen vor dem geplanten Treffen am 10. Juni auf den 4. Juni vorzuverlegen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels war die Datumsänderung noch nicht bestätigt. Russlands anfängliches Zögern, die Kürzungen zu verlängern, scheint überwunden zu sein, aber Russland und Saudi-Arabien sind sich einig, dass alle Mitglieder zuvor die Compliance verbessern müssen.

Warum wäre es sinnvoll, das Datum des Treffens zu ändern? Weil viele OPEC-Mitglieder in den ersten Wochen des Monats (für den Folgemonat) über ihre Preise und Absatzmengen entscheiden, bietet ihnen ein Treffen Anfang Juni eine gewisse Flexibilität bei den Versandentscheidungen im Juli. Wenn man bis zum 10. Juni warten würde, würden die Mitglieder Entscheidungen auf der Grundlage von Kürzungen um 7,7 mb/d treffen. Es wird schwierig sein, eine Erweiterung auf eine Produktionskürzung von 9,7 mb/d (oder eine Erhöhung der Kürzungen) umzusetzen, wenn man es bei der Sitzung am 10. Juni belässt. Ein vorgezogenes Abhalten des Treffens deutet darauf hin, dass die Bereitschaft besteht, für eine längere Zeit tiefere Einschnitte vorzunehmen.

Es versteht sich von selbst, dass sich die Ergebnisse eines OPEC+-Treffens selten im Voraus absehbar sind. Bei seinem Treffen im März 2020 kam das Kartell ohne jeden Deal davon, obwohl sich alle OPEC-Kernmitglieder für eine Kürzung aussprachen. Russland - der größte Nicht-OPEC-Partner - war mit den vorgeschlagenen Kürzungen nicht einverstanden. Dieser Schock löste einen Preiskampf aus. Im April dauerten die Dringlichkeitssitzungen der Gruppe Tage, nachdem Mexiko - ein weiterer Nicht-OPEC-Partner - sich weigerte, der ihm zugeteilten Quote zuzustimmen. Erst US-Präsident Trump - ein langjähriger Kritiker des Kartells - stimmte den Kürzungen im Namen Mexikos zu, um die Pattsituation aufzulösen. Das Drama um die Verschiebung des Sitzungstermins ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, das Verhalten der OPEC vorherzusagen.

Laut einer Umfrage von Bloomberg scheint die Einhaltung der Quoten auf einem Niveau von 77 Prozent moderat zu sein. Die üblichen Nachzügler wie Irak und Nigeria scheinen die Bemühungen zu untergraben. Russland, ein Land, das sich normalerweise nicht so recht an die Quoten hält, scheint jedoch im Mai nahe daran gewesen zu sein, die Produktion auf das Quotenniveau zu bringen.

Seit dem letzten Treffen am 12. April ist die Produktion von Brent um 23 Prozent gestiegen, während WTI um 61 Prozent gestiegen ist. Allerdings gab es in diesem Zeitraum eine beträchtliche Volatilität auf dem Ölmarkt (einschließlich der WTI-Preise, die zum ersten Mal ins Negative sanken). Angesichts des starken Contango auf dem Markt war es für die Anleger schwierig, Renditen in der Nähe dieser Niveaus zu erzielen. Allerdings ist der Contango in der Tat auch erheblich zurückgegangen. Wenn die Ölpreise weiter steigen, könnten die Anleger dem Spot näher kommen.

China erholt sich weiter

von Jenny Teng, Senior Fund Manager, Erste Asset Management.

Als Land, wo die COVID-19-Krise zuerst zuschlug, aber auch zuerst wieder abebbte, kehrt China nunmehr langsam zum Normalzustand zurück. Die Aprilzahlen bestätigen die Widerstandskraft der chinesischen Wirtschaft und die anhaltende Erholung von den negativen COVID-19-Auswirkungen.

Die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich sprungartig von negativen 1,1% im März auf +3,9% im April. Exporte erhöhten sich um 3,5% und läuteten somit eine deutliche Trendwende zum Rückgang im März von 6,6% ein. Investitionen in Anlagevermögen und Einzelhandelsverkäufe sanken zwar weiterhin, dies aber mit verminderter Geschwindigkeit.

Das Muster der allmählichen Rückkehr zum Alltag findet sich auch im chinesischen Kraftfahrzeugmarkt und Immobilienmarkt wieder. Die Anzahl verkaufter Fahrzeuge verdoppelte sich beinahe im März und stieg dann nochmals um 50% im April (im Monatsvergleich), nach einem Absacken um 75% im Februar.

KFZ-Umsätze großteils wieder auf Vorkrisenniveau

Quelle: Verband der Automobilindustrie China Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Diese Erholung hob das Umsatzvolumen Fahrzeugsektor wieder über das Niveau von April 2019. Chinas Hauspreise und die Aktivitäten im Immobiliensektor nahmen ebenfalls wieder Fahrt auf. Laut dem Staatlichen Amt für Statistik der Volksrepublik China National Bureau of Statistics (NBS) stiegen die Hauspreise in 70 Städten Chinas im April um 5,2% im Jahresvergleich.

Die Aktivitäten im Immobilienmarkt sind merklich hochgeschnellt und befinden sich nunmehr wieder ungefähr auf historisch durchschnittlichem Niveau. Immobilieninvestitionen liegen nun wieder im positiven Wachstumsbereich mit +6,9% im Jahresvergleich im April, womit dieser Sektor die generelle Erholung bei den Anlageinvestitionen anführt.

Die Arbeitsmarktkonditionen verbesserten sich deutlich im April, ebenso war eine beständige Erholung der Aktivitäten festzustellen. Ein Update des Arbeitsmarktreports seitens des NBS zeigt eine Erhöhung der Arbeitslosenrate auf 6,0% im April, doch gleichzeitig fiel die Unterbeschäftigungsrate (d.h. in Angestelltenverhältnis aber freigestellt) dramatisch von 18,3% Ende März auf 3,5% Ende April (bzw. von 76 Millionen auf 15 Millionen).

V-förmige Erholung der Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsätze

Quelle: Staatliches Amt für Statistik der Volksrepublik China Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Es besteht nach wie vor Gegenwind

Neben einer potenziellen zweiten COVID-19-Welle und dem Absinken der globalen Nachfrage ist eine ernsthafte Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China unter den größten Abwärtsrisiken für die chinesische Wirtschaft heuer einzuordnen.

Die Coronavirus-Pandemie hat die Spannungen zwischen den USA und China wieder in ein Akutstadium zurückgeführt. Da das Phase 1-Abkommen mit den USA, welches am 15. Januar geschlossen wurde, nur eine temporäre Lösung darstellte, kommt die neuerliche Eskalation nicht überraschend. Fundamentale Änderungen in der Beziehung zwischen den USA und China waren die Treiber der Konfrontation in den Bereichen Handel, Technologie, Finanzen und Geopolitik, vor allem im Wahljahr in den USA.

Hongkong findet sich im Kreuzfeuer der Spannungen wieder. Während des Nationalen Volkskongresses kündigte China an, ein neues Nationales Sicherheitsgesetz für Hongkong erlassen zu wollen. Das neue Gesetz verbietet Abspaltung, Umstürze, Einmischung von außen und Terrorismus.

Ein ähnliches Gesetz war schon 2003 vorgeschlagen, doch nach Massenprotesten letztlich verworfen worden. Dieser überraschende Schritt von Peking ließ Sorgen über eine ungewisse Zukunft Hongkongs wiederaufleben und erhöht auch das Risiko der weiteren Verschärfung der Spannungen mit den Vereinigten Staaten.

Politischer Ausblick

China verhängte den ersten Teil des Maßnahmenkatalogs gegen die COVID-19-Krise im Februar. Die fiskalischen Maßnahmen beinhalten ein Stimuluspaket von etwa 3,5% des BIP. Der Umfang ist somit im Vergleich zu anderen größeren Volkswirtschaften und Chinas eigenem Konjunkturprogramm im Ausmaß von 10% des BIP während der globalen Finanzkrise relativ moderat.

Auf geldpolitischer Ebene beinhaltete der Katalog eine Liquiditätsspritze, die Verringerung der Minimumreservequote (Required Reserve Ratio, RRR) und die Reduzierung des Leitzinssatzes sowie von wichtigen Zinssätzen am Finanzmarkt. Darüber lässt man erhöhte regulatorische Nachsicht walten, um Unternehmen dabei zu unterstützen, die zeitweilige Störung zu überstehen. Dessen ungeachtet muss die Hilfe seitens der Politik noch deutlicher ausfallen, so China eine stärkere Erholung in der zweiten Hälfte dieses Jahres und im nächsten Jahr begünstigen will.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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What happens when central banks buy equity ETFs?

It is not unthinkable that other major central banks could follow the Bank of Japan’s lead and buy equity ETFs; the Japanese experience offers lessons on how ETF investors can support society more broadly, shows Cosmo Elms, Head of ETF Business Development at Legal & General Investment Management.

Perhaps we shouldn’t be surprised by the radical measures central bankers have introduced via ‘QE infinity’ in recent weeks. In March, our head of inflation and rates strategy argued that “we shouldn’t have any doubt about the Fed’s ability and willingness to fix the cracks in the Treasury market”. Last year, our head of economics supposed that the Federal Reserve (Fed) could even follow other monetary authorities into negative interest rates.

Yet it was still a shock when, in March, the Fed announced that it would start buying corporate bonds and would even act as the ultimate buyer of last resort for exchange-traded funds (ETFs) that invest in them, given ETFs provide a convenient instrument through which to buy a wide range of securities in a single trade. It followed this with an even bolder announcement in April that it could begin purchasing high-yield ETFs.

Could deteriorating economic conditions prompt the Fed go even further and offer the ultimate intervention – buying equity ETFs? In March, Boston Fed President Eric Rosengren said that the central bank could be permitted “to purchase a broader range of securities or assets”, a hint that stocks could be on the Fed’s shopping list if both short-term interest rates and 10-year Treasury rates approach the zero lower bound.

Buying ETFs is not only on the agenda of US policymakers, either. Also in March, Peter Kažimír – who sits on the European Central Bank’s Governing Council on behalf of Slovakia – stated that he would not “rule it out for the future”.

Unprecedented times call for, well, precedented measures. After all, one major central bank has been using ETFs as part of its stimulus efforts for a decade now.

Japanese lessons

Back in 2010, the Bank of Japan decided to start buying equity ETFs up to a limit of 450 billion yen. That activity has increased significantly since then, with the annual maximum reaching 12 trillion yen in March this year.

The nature of the Bank’s purchases has changed over time too. Initially, it used only ETFs tracking the mainstream Topix and Nikkei 225 indices. But in 2015, it decided to allocate to ETFs focused on companies “proactively making investments in physical and human capital”.

At a time of immense social and economic disruption, that may be a path other central banks and policymakers wish to take too, rather than just using monetary intervention to prop up asset prices.

But does it work? A newly updated study available from the National Bureau of Economic Research can help us answer that question. The paper examines the impact of the Bank of Japan’s ETF purchases on a host of financial and corporate metrics, concluding that the programme did appear to enhance the valuations of the underlying stocks and so encouraged those companies to make greater use of equity financing and increase their book assets.

However, it seemed that the money raised by companies was not invested particularly productively; most of it sat in cash on corporate balance sheets. There was a very slight increase in employment associated with the ETF purchases, but no statistically significant impact on research and development expenditure, for example.

One caveat to all this is that the Bank of Japan does not vote with the shares it owns in companies through ETFs. This reflects the Bank’s stated aim of its purchases, namely to lower the risk premium of equities rather than influence the country’s boardrooms, so it does not use its shareholder rights to push for any environmental, social, or governance (ESG) priorities.

Politicising monetary policy in such a way would obviously be an immensely difficult endeavour for any central bank, and state authorities who wish to influence corporate governance have powerful legislative tools in any case.

Other ETF investors, though, can and should exercise their rights purposefully, in our view. The experience in Japan demonstrates that allocation decisions can shape corporate behaviour, albeit in that instance just by incentivising companies to raise more money. More active owners could achieve much more.

We believe active engagement, through investment stewardship with impact, is a key pillar of responsible investing and should be incorporated across every portfolio.


This article has first been published on lgimblog.com.

Ausblick für Silber: „Das Gold des armen Mannes holt auf“

von Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

Noch bis vor Kurzem hinkte Silber den Entwicklungen dieses Jahres hinterher. Es konnte größtenteils nicht mit dem Anstieg bei Gold mithalten. Das ändert sich jetzt. Die Gold-Silber-Ratio, ein Maß dafür, wie günstig Silber gegenüber Gold ist, befand sich im vergangenen Jahr auf einem erhöhten Niveau (d. h., Silber war sehr günstig). Obwohl die Ratio in den letzten Wochen gesunken ist, wird sie im kommenden Jahr nicht auf ein normales Niveau zurückkehren. Unseren internen Prognosen zufolge könnte der Silberpreis bis Ende des Jahres deutlich von 17,10 US Dollar pro Feinunze auf rund 26,50 US Dollar steigen und daraufhin zum Ende des ersten Quartals 2021 auf 21,40 US Dollar sinken. Diese Prognose beinhaltet den Gegenwind durch eine sinkende Nachfrage aus der Industrie. Versorgungsstörungen könnten deshalb ein Aufwärtsrisiko darstellen.

Mehr Mr. Hyde als Dr. Jekyll

Die Performance von Silber war dieses Jahr bis ungefähr Mitte Mai 2020 überaus enttäuschend. Es verhielt sich mehr wie ein Industriemetall als ein Edelmetall. Unserem Modell zufolge handelt es sich bei Silber um ein Hybridmetall, doch in letzter Zeit scheint seine starke historische Korrelation mit Gold aus dem Ruder zu laufen.

Abbildung 1: Preisentwicklung von Silber, Gold und Industriemetallen im bisherigen Jahresverlauf


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.01.2020 bis 18.05.2020. Data basieren auf den Subindizes des Bloomberg Commodity Index. Der Bloomberg Industrial Metals Subindex beinhaltete Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Gold ist dieses Jahr um über 13 Prozent gestiegen, Silber hingegen entwickelte sich um 4 Prozent1 rückläufig. Dies führte zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf bisher noch nie beobachtete Stände. Je höher die Ratio, desto günstiger ist Silber im Vergleich zu Gold. Auf einem Höhepunkt von 122 im März 2020 lag die Ratio um mehr als 4 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Erst Mitte Mai sank sie unter 3 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Entweder ist Silber sehr günstig oder es ist zu einer langfristigen Änderung in der Beziehung zwischen Silber und Gold gekommen. In letzter Zeit begann Silber gegenüber Gold aufzuholen. Die Korrelation zwischen den beiden Metallen könnte sich fortsetzen.

Abbildung 2: Gold-Silber-Ratio


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.06.1990 bis 18.05.2020. Daten basierend auf den Edelmetallpreisen der London Bullion Market Association. StA entspricht dem Abstand vom Durchschnitt als Anzahl der Standardabweichungen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Modell

In unserem Artikel „Gold and silver: similar, but different“ (Gold und Silber: ähnlich, aber anders) argumentierten wir, dass die Kursentwicklung von Silber zu 80 Prozent mit Gold korreliert ist. Im Rahmen unserer Modellierung ist Gold deshalb der Faktor, der den Silberkurs am stärksten beeinflusst. Jedoch halten wir folgende Variablen ebenso für wichtige Einflussfaktoren:

  • Erhöhung der Produktionstätigkeit – Silber findet zu mehr als 50 Prozent2 in Anwendungen der Industrie (im Gegensatz zu Gold, bei dem dieser Anteil weniger als 10 Prozent beträgt). Stellvertretend für die industrielle Nachfrage verwenden wir den Global Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI).
  • Erhöhung der Silberbestände – steigende Bestände signalisieren eine höhere Verfügbarkeit des Metalls und wirken sich deshalb negativ auf die Kurse aus. Stellvertretend verwenden wir die Bestände von Terminbörsen.
  • Erhöhung der Investitionen im Bergbau (Capex) – je mehr Minen investieren, desto höher wird das potenzielle Angebot in Zukunft ausfallen. Deshalb rechnen wir für diese Variable eine 18-monatige Verzögerung ein. Angesichts der Tatsache, dass das meiste Silber als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle gewonnen wird, beziehen wir den Investitionsaufwand (Capex) der wichtigsten 100 Bergbaugesellschaften mit ein (nicht nur auf Silber spezialisierte Bergbauunternehmen). 

Gold wird noch nie da gewesene Hochs erreichen

In „Goldausblick für das erste Quartal 2021: Bislang unbekanntes Terrain" haben wir unsere Prognosen für Gold für zwei wirtschaftliche Szenarien dargelegt – eine V-förmige und eine U-förmige wirtschaftliche Erholung. Ein U-förmige wirtschaftliche Erholung scheint immer wahrscheinlicher, daher nutzen wir dies als Basis für unseren Silberausblick. Bei der U-förmigen wirtschaftlichen Erholungsprognose unterstellen wir, dass sich die globale Wirtschaft bei der Erholung von COVID-19 schwertut. Die von den Zentralbanken und Finanzbehörden bereitgestellten Fazilitäten werden stark in Anspruch genommen und ausgeweitet. Es könnte deshalb zu weiteren Lockerungsmaßnahmen kommen. In diesem Umfeld könnte Gold auf 2200 US Dollar pro Feinunze steigen. Unabhängig von einer V- oder U-förmigen wirtschaftlichen Erholung zeigt unsere interne Prognose, dass Gold auf noch nie da gewesene Hochs steigen wird. Bei einer U-förmigen wirtschaftlichen Erholung könnte es sich über einen längeren Zeitraum auf einem Niveau über 2000 US Dollar pro Feinunze halten.

Schwache Prognose für Silber

Beim Wachstum könnte Silber Gold unseres Erachtens überholen. Silber könnte bis Ende dieses Jahres trotz einer schwachen industriellen Nachfrage und anwachsender Bestände auf 26,50 US Dollar pro Feinunze steigen. Ausgehend von einem Preis von 17,10 US Dollar pro Feinunze (19/05/2020) zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (19.05.2020), entspräche dies einem Zuwachs von fast 55 Prozent. Er würde nicht ausreichen, um die Gold-Silber-Ratio auf ein normales Niveau zurückzuführen. In der Tat könnte die Ratio immer noch fast eine Standardabweichung über dem Durchschnitt liegen. Wenn unsere Goldprognose für das vierte Quartal 2020 von 2.100 US Dollar pro Feinunze korrekt ist und die Gold-Silber-Ratio sich normalisiert, würde der Silberpreis über 30 US Dollar liegen. Unseres Erachtens wird die Ratio angesichts der schwachen Industrienachfrage im kommenden Jahr nicht auf einen normalen Stand zurückkehren. Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 könnte Silber auf 21,40 US Dollar pro Feinunze nachgeben, während Gold weiter auf 2.200 US Dollar zulegen könnte. Dies würde zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf 102 führen. 

Abbildung 3: WisdomTree Silberprognose


Quelle: WisdomTree (Prognosen), Bloomberg (historische Daten), Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 19. Mai 2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Die Industrienachfrage dürfte sich langsam erholen

Für die Manufacturing Purchasing Managers Indices (Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe) – unsere Ersatzgröße für die Silbernachfrage aus der Industrie – prognostizieren wir eine Erholung gegenüber den aktuellen Krisenständen. Die Erholung wird jedoch langsam vor sich gehen und innerhalb des Prognosehorizonts möglicherweise nicht über 50 steigen (Grenze zwischen Kontraktion und Wachstum). Da die Lockdown-Maßnahmen im aktuellen Umfeld nur langsam gelockert werden können und obwohl all die geld- und finanzpolitischen Lockerungsmaßnahmen die natürliche Nachfrage nach industrieller Aktivität möglicherweise stärken werden, wird sich diese Erholung im Vergleich zu 2009 langsamer entwickeln. 

Abbildung 4: Global Manufacturing Purchasing Managers Indices (PMIs)


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 05.02.2009 bis 04.05.2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.
 

Angebot aus dem Silberabbau könnte steigen

Der Abbau von Silber ist seit vier Jahren rückläufig. Die Hauptursachen liegen in der sinkenden Qualität des Erzes in mehreren großen Primärsilberminen, eine geringere Silberproduktion in Kupferminen und erheblichen Störungen in großen Silberminen.

Die Höhe der Investitionen in Minen – eine der Ersatzgrößen unseres Modells – ging in den letzten Monaten zwar deutlich zurück, verzeichnete vor 18 Monaten jedoch noch einen Anstieg. Um in unserem Modell die Zeit widerzuspiegeln, bis eine Erhöhung der Investitionen zu einem merklichen Anstieg der Abbaumenge führt, rechnen wir eine Zeitverzögerung von 18 Monaten ein. Gegenwärtig könnten sich diese erhöhten Investitionen erwartungsgemäß niederschlagen und demzufolge das Angebot einen Teil der Preiszuwächse bei Silber wettmachen.

Betrachtet man die Lage jedoch auf mikroökonomischer Ebene, gibt es Grund zur Annahme, dass der Silberabbau dieses Jahr rückläufig sein wird. Aufgrund von COVID-19 wurde der Bergbau in Regionen mit hoher Silberproduktion wie Mexiko, Peru, Bolivien und der kanadischen Provinz Quebec vorübergehend eingestellt. Während wir in unserem Modell also auf möglichen Gegenwind durch einen Anstieg des Angebots hinweisen, besteht ein Aufwärtsrisiko beim Preis, falls es im Zusammenhang mit COVID-19 zu Störungen kommt.

Abbildung 5: Investitionswachstum durch Bergbauunternehmen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Silberbestände der Börsen steigen

In Bezug auf einen anderen Angebotsindikator – die Silberbestände –limitiert uns die beschränkte Datenlage hinsichtlich der globalen Bestände ein, weshalb wir die Bestände von Terminbörsen als Ersatzgröße heranziehen. Diese sind in den letzten Jahren unermüdlich angestiegen. Obwohl dies schwer mit den sinkenden Abbaumengen der letzten Jahre zu vereinbaren ist, erklärt es die relativ schwachen Silberpreise.

Hierbei ist zu beachten, dass eine Unterscheidung zwischen registriertem und qualifiziertem Bestand besteht. „Qualifiziert“ bedeutet, dass das Metall die Anforderungen der Börse erfüllt, jedoch nicht als Sicherheit für eine Transaktion am Terminmarkt eingesetzt wird. „Registriert“ bedeutet dagegen, dass das Metall die Anforderungen erfüllt und als Sicherheit für Transaktionen am Terminmarkt eingesetzt wird. Da das qualifizierte Metall leicht in registriertes Metall umgewandelt werden kann, verwenden wir die Gesamtmenge. Die meisten Zuwächse werden jedoch bei qualifiziertem und nicht bei registriertem Metall verzeichnet. Die Ursache dafür könnte einfach in der verstärkten Lagerung in COMEX-Lagerhäusern, anstatt in anderen Lagerhäusern liegen. Gleichwohl dämpft die größere Quelle sichtbarer Bestände den Preis von Silber. Unseren Erwartungen zufolge wird dies beim Preis auch weiterhin für Gegenwind sorgen.

Abbildung 6: Silberbestand


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Fazit

Obwohl eine sinkende Industrienachfrage und potenzielle Anstiege des Angebots bei Silber für Gegenwind sorgen, sollte seine Korrelation mit Gold ihm starken Rückenwind geben. Diese Korrelation war in den letzten Monaten zwar schlecht, in den letzten Wochen scheint es jedoch, dass sich beide Metalle wieder annähern. Unsere Annahme zu den Angebotszuwächsen, die dem Modell zufolge auf der Behandlung von Zuwächsen des Investitionsaufwands basiert, könnte sich als irreführend erweisen. Das Silberangebot aus dem Bergbau könnte aufgrund der Einschränkungen durch COVID-19 in der Tat auf einem niedrigeren Niveau verbleiben. Deshalb könnte der Preis von Silber einem Aufwärtsrisiko unterliegen.


1) Im Jahr zum 18. Mai 2020, basierend auf Spotdaten von Bloomberg.
2) Laut Daten des Silver Institute.

Wie haben nachhaltige Unternehmen in der Corona-Krise performt?

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Die Corona-Krise bestimmt die Aktienmärkte seit nunmehr drei Monaten. Es begann mit einer rasanten Talfahrt (20.2.2020), die den Weltindex innerhalb von 4 Wochen um 35% korrigieren ließ. Es folgte, für viele überraschend, eine durchaus kräftige Erholung, die den angefallenen Verlust (bis 19.5.2020) halbierte. Wir können getrost von drei ereignisreichen Monaten sprechen.

In diesem Blog interessiert uns aber wie sich Unternehmen mit unterschiedlichen ESG-Ratings in dieser Phase entwickelt haben. Es gibt unzählige Rating-Agenturen, die Unternehmen nach den Kriterien

  • Umwelt (Environment – E)
  • Soziales (Social – S)
  • Verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance G)

beurteilen und bewerten. Generell werden diese drei Kriterien berücksichtigt, wobei nicht nur die Schwerpunkte variieren können, sondern zum Teil auch die Schlüsse, die die Rating Agenturen daraus ziehen. In diesem Blog werden die ESG-Ratings von MSCI angewandt. 

1. ESG Ratings nach MSCI

MSCI verwendet eine regel-basierte Methode um Industrie -Führer und -Nachzügler zu identifizieren und berücksichtigt dabei die Industriezugehörigkeit. Unternehmen werden dahingehen bewertet, welchen ESG Risiken sie ausgesetzt sind und wie sie diese Risiken managen.

Im Folgenden interessiert uns wie sich Unternehmen mit unterschiedlichen Ratings in der Corona Krise bisher verhalten haben. Insbesondere natürlich, ob Unternehmen mit einem guten Rating eine bessere Performance aufweisen konnten, als Unternehmen mit einem „schlechten“ Rating.

Um diese Frage zu beantworten, hat der Autor unterschiedliche Portfolios gebildet, wobei die Unternehmen kapitalgewichtet wurden. Als Beobachtungszeitraum haben wir die Periode 20.2.2020-20.5.2020 (drei Monate) gewählt. Um regionale Unterschiede zu identifizieren wurden folgende Portfolios analysiert, jeweils nach den oben beschriebenen ESG Rating Klassen:

  • Developed Markets
  • Emerging Markets
  • USA
  • Europa ex UK
  • UK
  • Japan

Wie sich im Folgenden zeigt, gibt es durchaus regionale Unterschiede.

2. Entwickelte Länder (Developed Markets) versus Entwicklungsländer (Emerging Markets)

In den entwickelten Ländern hat es zwischen den Leader und den durchschnittlich bewerteten Unternehmen kaum Unterschiede gegeben (siehe Graphik 1). Allerding zeigt sich ein deutlicher Unterschied von 17,8% zwischen den Unternehmen mit einem AAA-Rating und solchen mit einem CCC-Rating. Das legt den Schluss nahe, dass es sich auszahlt vor allem die Nachzügler zu meiden. In Summe konnten die Leader die Laggards (kapitalgewichtet) um 1,5% outperformen.

Bei den Emerging Markets ist das Ergebnis überraschend, denn die Unternehmen mit einem positiven Rating haben deutlich underperformt (Graphik 2). Die Laggards haben sich in der Krise bisweilen mit –6,9% deutlich besser als die Leader mit -12,9% gehalten.

ESG Performance: Developed Markets (Grafik 1) vs Emerging Markets (Grafik 2)

Interessant ist auch die Frage welcher der drei ESG-Faktoren, den stärksten Performancebeitrag geleistet hat. In diesem Zusammenhang können wir feststellen, dass Unternehmen mit einem „guten“ E-Rating sowohl in den Developed Markets (Outperformance 6,0%) als auch in den Emerging Markets (3,5%) outperformen konnten (siehe Graphik 3 und 4).

Weniger Augenmerk haben die Investoren offensichtlich auf das S-Rating gesetzt, weder in den Developed noch in den Emerging Markets konnte damit eine bessere Performance erzielt werden. Das G-Rating hingegen hat in den Developed Market eine Rolle gespielt (+3,4%), während in den Emerging Markets dieser Faktor keine Relevanz hatte.

ESG Performance – nach Faktoren E-S-G: Developed Markets (Grafik 3) vs Emerging Markets (Grafik 4)

3. Europa versus USA

Die ESG Leader in Europa haben mit -16,9% die Laggards mit -23,0% deutlich outperformt. In den USA zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Vorreiter konnten die Nachzügler um 4,2% ouperformen (-8,6% versus -12,9%).

Auffallend ist der extreme Performance-Unterschied (33,2%) zwischen den mit AAA bewerteten Firmen versus den am schlechtesten beurteilten Unternehmen (CCC).

ESG Performance: Europa (Grafik 5) vs USA (Grafik 6)

4. Japan und United Kingdom (UK)

In Japan lässt sich kein Performancevorteil der Leader gegenüber den Laggards ausmachen. Beide haben die durchschnittlich bewerteten Unternehmen hinter sich lassen können. Der Unterschied in UK hingegen ist markant und so wie wir es erwarten würden. Die Leader konnten mit -15,3% die Laggards mit -43,3% deutlich hinter sich lassen.

ESG Performance Japan (Grafik 7) vs UK (Grafik 8)

5. Resume

Die vorliegenden Zahlen untermauern, dass man mit Unternehmen, die ein positives ESG -Rating aufweisen bislang besser durch eine Krise gekommen ist. Zumindest trifft dies auf die Developed-Markets zu. In den USA war der Unterschied zwischen den Leader und den Laggards am größten.

In den Emerging Markets scheinen noch andere Gesetze zu gelten. Hier konnte zumindest nicht in der kurzen Beobachtungsperiode (18.2.2020-18.5.2020) ein Performance-Vorteil festgestellt werden. Im Gegenteil, die schlechter bewerteten Unternehmen konnten die Leader signifikant outperformen.

Das kann auch damit zusammenhängen, dass es vergleichsweise noch wenige Emerging Markets ESG Fonds gibt. Wenn wir nur das E-Rating heranziehen können wir aber global einen positiven Beitrag feststellen, inklusive den Emerging Markets.

Generell kann festgestellt werden, dass besser bewertete Unternehmen auch über einen längeren Zeitrahmen outperformen konnten. Dies lässt den Schluss zu, dass ESG-Faktoren in die Bewertung von Unternehmen mit einbezogen werden muss. Unternehmen mit einem guten Rating verdienen eine Prämie, während für schlechter bewertete Unternehmen ein Discount angesetzt werden muss.

Analysten, die diesen Fakt nicht berücksichtigen werden positiv bewertete Unternehmen generell als teuer empfinden und schlechter bewertete Unternehmen vermeintlich als günstig einstufen. Der bevorstehende Green-Deal der EU wird diese Tendenz eher noch verstärken.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aktienmärkte zumeist freundlich, aber mit nachlassendem Schwung

In den meisten Staaten flaut die Covid-19-Pandemie inzwischen ab oder sie breitet sich zumindest nicht mehr mit wachsender Dynamik aus. Das gilt im Grundsatz interessanterweise für sehr unterschiedliche Lockdown-Regimes. Andererseits hat China eine Region mit rund 100 Millionen Menschen erneut unter Quarantäne gestellt. Man spricht aber zugleich von angeblich nur wenigen Dutzend neuen und fast ausschließlich importierten Fällen.

Für die Finanzmärkte verfestigt sich damit das Szenario einer schrittweisen Rückkehr zu „normaleren“ weltwirtschaftlichen Szenarien. Für einige Branchen, etwa Flugwesen, Tourismus, Kultur- und Sportveranstaltungen wird es eine solche Rückkehr bis auf Weiteres aber wohl kaum oder nur sehr eingeschränkt geben. Langfristig betrachtet könnte die Pandemie auch Prozesse beschleunigen, die ohnehin schon begonnen hatten (Homeoffice, Telearbeit, De-Globalisierung, De-Urbanisierung). Diese werden auch nach einem Ende der Covid-19-Problematik weiterlaufen und zu möglicherweise drastischen Veränderungen in vielen Wirtschaftszweigen führen. Nicht wenige Unternehmen in vielen Branchen werden möglicherweise ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen.

Die Aktienmärkte zeigen sich regional und vor allem nach Branchen weiter extrem unterschiedlich. Die Erholung der letzten Wochen ist bei zyklischeren, konjunktursensitiven und von der Pandemie stark betroffenen Sektoren sehr viel schwächer ausgeprägt als etwa im Technologie- und im Healthcare-Bereich. Das zeigt sich sowohl zwischen den als auch innerhalb der einzelnen Länder und Regionen, beispielsweise in den USA: Nasdaq (+4 % seit Jahresbeginn) versus Russel 2000 (-19 %). Zugleich wird daran deutlich, dass sich die Aktienmärkte keineswegs völlig von den realwirtschaftlichen Gegebenheiten abgekoppelt haben, wie ein bloßer Blick auf die großen US-Indizes Nasdaq oder S&P500 nahelegen könnte. In Europa endeten in den letzten Tagen die Leerverkaufsverbote in etlichen Ländern, was in einigen Fällen offenbar auch sofort von einigen Marktteilnehmern zu neuen (Leer-)Verkäufen genutzt wurde. In Österreich etwa war zu beobachten, dass ohne neue Nachrichten vor allem jene Aktien kurzzeitig stark abverkauft wurden, die sich in den Wochen seit Erlass des Leerverkaufsverbots besonders gut erholt hatten.

Staatsanleihen der Euro-Kernländer und der USA bewegten sich per Saldo wenig, während Anleihen der Euro-Peripheriestaaten sowie Unternehmens- und Schwellenländeranleihen zulegten. Der Konkurs des traditionsreichen globalen Autovermieters Hertz zeigt zugleich, dass auch gewaltige Fiskalprogramme und Notenbankhilfen keine Garantien gegen Firmenpleiten und Anleiheausfälle bieten. Die Rohölpreise erholen sich weiter (+20 % in den letzten zwei Wochen), nachdem die Lagerkapazitäten in den USA wohl doch erst einmal ausreichen werden, sich der Angebotsrückgang scheinbar sehr schnell vollzieht und China offenbar große Mengen Öl (zu Ausverkaufspreisen) abnahm. Der Goldpreis hält sich recht stabil auf hohem Niveau.

Wirtschaftsdaten außerhalb Chinas weiterhin schwach

Die Konjunkturdaten fielen zuletzt fast überall sehr schlecht aus und lagen teilweise noch unter den bereits sehr niedrigen Erwartungen. An den Märkten hakt man das bislang weitgehend ab und fokussiert sich stattdessen auf die kommende Erholung. China lieferte diesbezüglich gute und schlechte Nachrichten. Gute dahingehend, dass die chinesische Industrieproduktion fast schon wieder auf Vor-Corona-Niveau liegt. Schlechte insofern, als dass der fiskalische Stimulus (aktuell ca. 6,5 % - 8,5 % der jährlichen Wirtschaftsleistung) weiterhin zurückhaltender ausfällt als von den meisten erwartet bzw. erhofft wird. Zudem verzichtet Peking erstmals seit Jahrzehnten sogar auf ein explizites Wachstumsziel für das heurige Jahr. Damit ist man nicht gezwungen „auf Teufel komm raus“ zu stimulieren, um bestimmte Zielwerte zu erreichen. Zudem darf dies als weiteres Indiz dafür gesehen werden, wie fragil und unwägbar die weltwirtschaftliche Situation ist. Man scheint sich auch deshalb in Peking einiges Pulver trocken halten zu wollen. Abgesehen davon, dass der Spielraum für weitere Schulden deutlich geringer ist als vor einem Jahrzehnt, verspürt man dort derzeit wohl auch geopolitisch wenig Neigung, abermals die ganze Welt aus dem Konjunkturtal zu stimulieren. Das gilt umso mehr, als die USA zuletzt ihren Konflikt mit China verbal kräftig eskalierten und teils auch schon neue Maßnahmen gegen chinesische Unternehmen setzen. Dies lediglich als US-Wahlkampfgetöse oder reines innenpolitisches Ablenkungsmanöver abzutun, dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach als ebenso kurzsichtig erweisen wie ähnliche Vorhersagen direkt nach Trumps Amtsantritt.

Noch keine grundlegende Neueinschätzung der kurz- und mittelfristigen Marktsituation

Vor zwei Wochen haben wir markttechnisch die meisten kurzfristigen Triebfedern für die starken Kurszuwächse seit März als weitgehend erschöpft ansehen. Die Seitwärtsbewegung seither scheint dies zu bestätigen. Auch die Volatilitäts-Indizes liegen bei Aktien, Anleihen und auch bei Öl in den USA in etwa dort, wo sie sich vor zwei Wochen befanden. Dass sie sich seither nicht stärker nach unten entwickelten, ist speziell beim kräftig erholten Öl bemerkenswert und ebenfalls ein Signal für weiter bestehende Kursrisiken.

Viel wird jetzt vor allem von zwei Faktoren abhängen. Zum einen: Bestätigen die Wirtschaftsdaten der kommenden Wochen einen beginnenden kräftigen weltwirtschaftlichen Turnaround, den zumindest ja die Aktienmärkte bereits weitgehend eingepreist haben? Zum anderen: Wie schnell gibt es Fortschritte bei Behandlungen und/oder Impfstoffen für Covid-19? Bei Letzteren wechseln sich zuversichtlich stimmende Meldungen mit solchen, die den Optimismus wieder dämpfen, ab. Es gibt jede Menge vielversprechender Ansätze für Impfstoffe, aber per Saldo noch wenig, was einen raschen Durchbruch erkennen lässt. Die jüngsten Daten zur Behandlung von Erkrankten mit Gileads Remdesivir waren insgesamt eher enttäuschend.

Die Maßnahmen zur Reduktion des absoluten Risikos in all jenen Fonds und Portfolios, die maßgeblich von der Taktischen Asset Allocation gesteuert werden, bestehen weiterhin. Sie werden fortlaufend überprüft und in den nächsten Tagen steht auch die turnusmäßige monatliche Diskussion der Taktischen Asset Allokation an. Zu betonen ist dazu einmal mehr, dass die Risikoreduktion nicht so sehr aus einer Marktmeinung zur nächsten großen Marktbewegung entspringt. Vielmehr ist sie davon geleitet, dass in der aktuellen extremen Situation Kapitalschutz weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung hat.

Einstieg in eine EU-Schuldenunion?

Frankreichs Präsident und die deutsche Bundeskanzlerin stellten ein EU-Wiederaufbauprogramm in Höhe von rund 500 Milliarden Euro vor. Das Geld dafür soll von der EU-Kommission am Kapitalmarkt aufgenommen und über den EU-Haushalt zum Teil als nicht rückzahlbare Zuwendungen verteilt werden, vor allem an wirtschaftlich schwächere und besonders hart von der Krise getroffene Staaten. Zwar sind diese Gemeinschaftsschulden damit fürs Erste auf einzelne konkrete Projekte bezogen und keine „Corona-Bonds“, wie ursprünglich etwa von Frankreich und anderen Ländern gefordert. Kritiker fürchten aber trotzdem einen Dammbruch und den faktischen „Einstieg in eine EU-Schuldenunion durch die Hintertür“. Ablehnung und Kritik kam vor allem aus Österreich, Schweden, Dänemark und den Niederlanden. Der Gegenentwurf dieser Gruppe will Kredite statt Zuschüsse und sicherstellen, dass das Ganze eine einmalige und zeitlich eng befristete Ausnahme bleibt. Welche Lösung am Ende gefunden wird, dürfte sich in den kommenden Tagen etwas deutlicher abzeichnen, wenn die EU-Kommission ihrerseits Stellung zu den bisherigen Vorschlägen nimmt.

Key risks to monitor in AT1 CoCos

by Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

2020 has been a remarkable year for investors. A Covid-19 induced lockdown across the world, and a subsequent market crash has changed the shape of the global economy. In the months following the crash, investors have been looking at risk assets as they seek to take advantage of undervalued opportunities for growth. Some industries have been hit hard; some have weathered the storm and others have prospered. Going into January it would have been difficult to foresee buoyant industries being hurt so dramatically.

To give a sense of the impact, almost half of the FTSE 100 has either cut, cancelled, or delayed decisions around dividend disbursements until a later date1. The European banking sector is no different. The European Central Bank has requested Eurozone banks to stop dividend payments and share buybacks this year to help preserve cash levels amid the economic backdrop of Covid-19.

Sticking with the subject of European banks but looking at Additional Tier 1 Contingent Convertible Bonds (AT1 CoCos), there has been no intervention yet. Regulators have not requested banks to stop the coupon payments of their outstanding AT1 CoCos. Forcing banks to stop the coupon payments of their AT1 CoCos may upset credit spreads of other parts of the bank’s capital structure and create spread widening in the more senior bank debt as well, if investors worry about the financial position of banks. Regulators may be considering their actions and the risk that specific actions may have in creating distress in the banking system amid the existing global economic crisis.

We see three key factors that are interesting to monitor amid the current backdrop:

  • Bail-in risk (write down or equity conversion): While this remains a key risk given the market uncertainty around the economic impact of Covid-19 and rising loan loss provisions at banks globally, at the moment this risk appears to be somewhat mitigated by the reported high capital ratios of European banks. Common equity tier 1 ratios for the European banks are relatively high relative to their maximum trigger ratios which are typically 5.125% and 7%. It is important to note that AT1 CoCos allow for a supervisory body to establish when the point of nonviability of a bank has been reached and a statutory bail-in set up is required. Historically, regulators have treaded this line carefully as it could create a lack of clarity for this asset class.
  • Coupon non-payment risk appears to be mitigated at the moment as high capital ratios reported at the banks is a positive indicator that banks are meeting their capital adequacy requirements, as deemed by the regulator, to continue to pay coupons. It is interesting to note that CoCo coupons are subject to a maximum distributable amount when they must be cancelled, this is aimed at making sure banks maintain the required capital buffers. Smaller regional banks with lower capital buffers may face greater pressures in this area as they may have lower buffers and more limited access to capital markets than larger banks with higher capital buffers.
  • AT1 CoCos not called at first call date (extension risk): this risk is rising as credit markets have been facing a broad-based repricing of risk and yields have risen from the lows of January 2020. Banks with AT1 calls in the next 12 months may choose to extend to the next call date as new issuance cost have risen significantly amid the market environment.

Most issuers, in 2019, called their AT1 CoCos in the run up to their first call in the cases where it was economically sound and, in many cases, replaced existing CoCos with new issuance. Banco Santander was the exception as they did not call one of their Euro denominated AT1 CoCos on their first call date, meanwhile calling their US Dollar denominated AT1 CoCos shortly afterwards. Most recently in 2020, Deutsche bank (DB) decided not to call their US Dollar denominated AT1 CoCos with their first call date in April 2020. The next call date for these AT1 CoCos appears to be in 5 years’ time and DB may decide to call these bonds then when market conditions may be more normalised.

Fundamental credit strength and guidance from the regulator are important aspects to monitor when considering which issuers are in a better position to withstand the current market conditions. Investors that are comfortable with the credit fundamentals of European banks and believe that the regulators may take steps to aid the European banks during the Covid-19 crisis to avoid broad systemic risks in the banking system may consider actively looking at the asset class. While a level of risk is inherent in risk assets, whether equities or AT1 CoCos, investors need to find comfort in them before allocating to any asset class.

Autobranche leidet unter Corona-Pandemie

Die Coronakrise hat auch der Autobranche historische Absatzeinbrüche beschert. So hat der europäische Herstellerverband ACEA zuletzt dramatische Einbrüche bei den Autozulassungen vermeldet. Im April wurden in der EU 270.682 Neuwagen zugelassen, das waren um 76 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Laut ACEA ist das der stärkste monatliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen. Insgesamt kamen in der EU von Jänner bis April 2,75 Millionen Neuwagen auf die Straße, ein Einbruch von 39 Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr. Grund war der fast vollständige Stillstand sowohl der Autoproduktion als auch des Autohandels in Folge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

In Österreich fiel der Rückgang der Autoneuzulassungen im Monat April mit knapp 65 Prozent etwas glimpflicher aus, von Jänner bis April liegt der Einbruch am heimischen Automarkt mit rund 42 Prozent aber nahe dem EU-Schnitt.

Stärkster Einbruch an Neuzulassungen in Italien und Spanien

Am stärksten fielen die Einbrüche in den besonders stark von der Pandemie betroffenen Ländern aus: Im April kamen die Neuzulassungen in Italien mit minus 98 Prozent und in Spanien mit minus 97 Prozent praktisch völlig zum erliegen. In den Monaten Jänner bis April zusammengerechnet fielen die Neuzulassungen in beiden Ländern auf rund die Hälfte des Vorjahreswerts.

Ähnlich dramatisch ist der Rückgang in dem mittlerweile aus der EU ausgetretenen Großbritannien mit minus 97 Prozent im April und minus 43 Prozent von Jänner bis April. In Skandinavien, wo die Einschränkungen des öffentlichen Lebens weniger stark waren, sank der Absatz im April hingegen nur um rund ein Drittel.

Auch die großen europäischen Automobilschmieden waren von den Einbrüchen entsprechend betroffen. So gingen von Jänner bis April die Neuzulassungen von Automobilen der Konzerngruppen Fiat Chrysler (minus 48 Prozent), Renault (minus 47 Prozent), Peugeot (minus 44 Prozent) und Volkswagen (minus 33 Prozent) massiv zurück. Noch deutlicher waren die Rückgänge bei den japanischen Herstellern Mazda (minus 54 Prozent) und Honda (minus 51 Prozent). Am glimpflichsten davon kamen hingegen Toyota(minus 24 Prozent) und Volvo (minus 29 Prozent).

Europas größter Autohersteller Volkswagen hatte zuletzt für April einen Absatzeinbruch in Deutschland von rund zwei Drittel gemeldet. Damit habe sich der Heimatmarkt verglichen mit anderen europäischen Ländern noch einigermaßen gut gehalten, sagte VW-Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Europaweit sei der Absatz der Marke VW um mehr als 83 Prozent eingebrochen. In den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich seien im vergangenen Monat fast gar keine Autos verkauft worden.

Weiter gefragt sind trotz der Krise Elektroautos. So hat sich laut einer Untersuchung des Center of Automotive Management die Zahl der neuzugelassenen Elektrofahrzeuge in Deutschland von Jänner bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 63.000 verdoppelt.

Rasante Einbrüche weltweit, aber erster Lichtblick in China

Auch weltweit fällt der Autoabsatz derzeit rasant. In den USA, wo die Viruskrise gerade ihre volle Wucht entfaltet, sanken die Verkäufe im April um 47 Prozent. In Brasilien, wo das Virus ebenfalls grassiert, brach der Absatz um 77 Prozent ein.

Einziger Lichtblick ist China, wo sich der Pkw-Markt nach der Coronakrise inzwischen erholt. Nach einem Zusammenbruch des chinesischen Automarkts zu Jahresbeginn, geben die Absatzzahlen von April erstmals Anlass für vorsichtigen Optimismus, zumal die Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen hat, um die Autokonjunktur wieder anzukurbeln.

Im Februar wurde in China noch ein Zusammenbruch der Autoabsätze um fast 80 Prozent verzeichnet, im März lag der Rückgang noch bei 40 Prozent. Im April betrug das Minus laut Daten des Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) nur mehr 5,5 Prozent.

Die Zahlen des Herstellerverband China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) zeigen für April überhaupt nur mehr ein glimpfliches Minus von 2,6 Prozent. Die CAAM misst den Absatz der Hersteller an Händler, die PCA zählt den Verkauf an Endkunden. Chinas größter Autobauer SAIC erwartet nun für das zweite Quartal dank einer Erholung der Nachfrage und staatlicher Unterstützung eine Zunahme der Autoverkäufe.

Gesamtjahr 2020 dürfte Chinas Automarkt Minus bescheren

Das Gesamtjahr 2020 dürfte Chinas Automarkt aber dennoch ein dickes Minus bescheren. Der Branchenverband CAAM erwartet, dass der Absatz in China heuer um bis zu 25 Prozent einbrechen könnte. Sollte sich die Corona-Pandemie eindämmen lassen, könnte sich der Rückgang laut CAAM auf rund 15 Prozent eindämmen lassen.

Damit würde der größte Automarkt der Welt das dritte Jahr in Folge schrumpfen. Wegen des Zollstreits mit den USA und der schleppenden Konjunktur hatte der chinesische Markt bereits in den beiden vergangenen Jahren geschwächelt.

Betroffen sind davon auch die deutschen Automobilkonzerne Volkswagen, BMW und Daimler, für die China der wichtigste Einzelmarkt ist. Volkswagen rechnet aber angesichts der jüngsten Absatzzahlen damit, in Mai in China wieder die Vorjahresniveaus zu erreichen.

„Es ist klar zu erkennen, dass China die V-Form durchlaufen wird“, sagte der Volkswagen-Vertriebschef Stackmann mit Blick auf die Erholungskurve. Demnach folgt auf einen rasanten Rückgang bei Ausbruch der Pandemie, ein sehr schneller Wiederanstieg der Pkw-Verkäufe. Für Europa sieht Stackmann eine solche Entwicklung aber nicht, vor allem in Südeuropa dürfte die Erholung noch dauern.

Im Mai sollte sich die Lage entspannen

Im Mai dürfte sich die Lage in Europa zwar etwas entspannen, da viele Länder die Corona-Beschränkungen schon lockern. Branchenvertreter und Berater halten trotzdem ein Konjunkturprogramm für notwendig, um die Nachfrage wieder anzukurbeln.

Viele Menschen dürften wegen der Wirtschaftskrise vorsichtig sein und kostspielige Neuanschaffungen aufschieben. Die Lockerungen und Wiedereröffnungen der Autohäuser werden sich nach Meinung von Experten daher noch nicht in höheren Verkaufszahlen niederschlagen.

Mit raschen Konjunkturhilfen kann die deutsche Autobranche aber vorerst nicht rechnen. Hersteller, Händler und Kunden müssen bis in den Juni hinein auf eine Entscheidung der Regierung warten, ob der Staat die von der Branche dringend ersehnten Auto-Kaufprämien zahlt und damit der Industrie auf die Beine hilft.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

When risk is literally ‘off the charts’

by Tim Armitage, Quantitative Strategist at Legal & General Investment Management.

Good market-risk indicators are hard to come by. While many price- or sentiment-based indicators are good at highlighting what type of risk environment we have been in, precious few can claim to give a contemporaneous – let alone forward-looking – signal that the market is moving into a significantly different regime.

One indicator that we use as part of our risk-environment toolkit has proved useful in flagging such regime changes. Referred to internally as the TIM (Turbulence In Markets) monitor, it uses a similar methodology to State Street Global Markets’ Tail Risk Monitor.

The TIM monitor aims to provide a characterisation of the current financial market environment and the likelihood of extreme losses, based on the combined information from two indicators developed by Mark Kritzman, a professor at MIT: the Systemic Risk Index, which measures equity market fragility, and the Turbulence Index, a measure of ‘unusualness’ in global equity returns.

When equity markets are healthy, volatility can be caused by numerous market drivers or factors. History has taught us that when market volatility is driven by only a few factors, the system itself becomes more fragile and susceptible to large dislocations. The Systemic Risk Index uses a statistical technique called principal component analysis to determine how dominant a few factors are in explaining equity market volatility, and therefore how fragile the system is.

But fragility in and of itself doesn’t cause large dislocations; a catalyst is required. Hence the TIM monitor also uses the Turbulence Index to measure how unusual global equity sector returns have been compared to history. Unusualness can be characterised as either heightened volatility or a breakdown in correlations, and is often both in combination.

The TIM monitor can identify three distinct regimes – Watch, Warning, and Alert – dependent on the level of turbulence and the rate of change in systemic risk. Both sides of the equation need to be elevated for the monitor to move into Alert; a high level of turbulence is concerning, but if it transpires at a time of low market fragility it is much less so.

TIM flies

Needless to say, equity markets proved to be both fragile and extremely turbulent in the first quarter, so much so that the TIM monitor was – quite literally – off the charts. The monitor moved into Alert territory on 25 February, with the S&P 500 index down around 7.5% from its peak at that point; after that the index continued to fall a further 30% to its low on 23 March.

But what since then? The monitor has remained in Alert, and while turbulence has fallen somewhat as equities have rallied from their lows, the Systemic Risk Index has remained uncomfortably high (although as a consequence the rate of change, used in the monitor, has fallen), indicating that worryingly few factors continue to drive equity markets.

This may just reflect the fact that a small number of key drivers have been propelling the market back up again – swift and comprehensive monetary policy responses over the past decade have had a tendency to do exactly that in times of stress. Or it may be that markets remain especially prone to another large shock.

Though there are many inputs to our decision-making process, the warning sign from the TIM monitor is reflected in our positioning: far from chasing the rally, we are being careful not to assume stability in the risk environment. We may well learn that the worst is behind us, and that our caution is unjustified. But if that isn’t the case – well, then the TIM monitor probably needs a bigger chart.


This article has first been published on lgimblog.com.

Wie geht es mit Aktien während der Krise weiter?

Interview mit Peter Szopo, Chefaktienstratege Erste Asset Management, zur aktuellen Lage an den Kapitalmärkten und der Positionierung im Flaggschiff-Aktienprodukt ERSTE STOCK GLOBAL und ERSTE FUTURE INVEST. Das Interview führte Paul Severin, Communications und Digital Marketing der Erste AM.

Die Aktienbörsen haben sich von den Tiefstständen am 23.3. wieder deutlich erholt. Sollte man sich mit Zukäufen bei Aktien noch zurückhalten, oder auf eine Korrektur warten und dann erst einsteigen?

Kurzfristige Marktzyklen sind systematisch, d.h. mit einer gewissen Zuverlässigkeit, nicht prognostizierbar. Der Index der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq hat etwa trotz Krise das Jahresanfangsniveau bereits wieder erreicht, was nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre.

Aktuell gibt es beträchtliche Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Virusepidemie und wie Unternehmen und Konsumenten auf die Lockerung der Restriktionen reagieren werden. Die nach wie vor klügste Strategie ist es,regelmäßig und diszipliniert über Fondssparpläne in den Aktienmarkt zu investieren und damit die Einstiegskurse über verschiedene Marktphasen zu verteilen und von langfristig steigenden Kursen zu profitieren.

Wann werden sich die Märkte wieder soweit stabilisiert haben, dass ein Einstiegszeitpunkt in Aktien für vorsichtige und konservative Investoren gekommen ist?

Die Schwankungsfreudigkeit an den Börsen ist nach wie vor sehr hoch und wird noch in den nächsten Monaten über den langfristig gewohnten Niveaus bleiben. Der optimale Einstiegszeitpunkt lässt sich ohne die sprichwörtliche Kristallkugel nicht bestimmen, aber regelmäßige Investments in den Aktienmarkt stellen sicher, dass man von steigenden Kursen profitiert.

Mittelfristig, wenn sich die Wirtschaft vom aktuellen Schock erholt und vor allem die Unternehmensgewinne wieder nach oben drehen, bleiben die Aussichten für Aktien positiv. Bei den aktuell niedrigen Zinsniveaus ist davon auszugehen, dass Aktien über einen Drei- bis Fünfjahreszeitraum die attraktivste Anlageklasse bleibt.

Nicht nur Investoren warten auf einen Impfstoff gegen das Corona Virus. Wie stark sind Pharmaaktien im Portfolio gewichtet?

US-Aktien im Allgemeinen und Pharmaunternehmen in den USA und anderen Märkten haben einen signifikanten Anteil an den Positionen, die wir in unseren globalen Portfolios halten.

Im Erste Stock Global, unserem wichtigsten globalen Aktienprodukt, etwa halten wir aktuell fast ein Fünftel des Fondsvermögens in Pharma- und andere Medizinunternehmen. Unsere Positionen inkludieren Branchenriesen wie Abbott Laboratories und Thermo Fisher Scientific.

Ich möchte aber kein einzelnen Titel hervorheben, wichtig ist die Diversifikation nach Therapiefeldern, die Streuung zwischen reifen Pharmazieunternehmen mit einem breiten Arzneiportfolio und fokussierten Researchunternehmen wie Novo Nordisk, die in spezifischen, zukunftsträchtigen Pharma-Segmenten Forschung betreiben. Und auch Unternehmen, aus dem Bereich der Medizintechnik dürfen nicht fehlen und sind im Portfolio vertreten.

Wie wichtig ist die US-Börse in einem globalen Aktienportfolio?

Die US-Börse ist natürlich ein wichtiger Markt für einen globalen Aktienfonds. Aktuell hält der Stock Global, der seit Jahren von Andreas Rieger, dem EAM-Spezialisten für globale Aktienfonds, erfolgreich gemanagt wird, über 60% des Vermögens in den USA. Der Fokus liegt auf Qualitätsaktien mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten. Technologieunternehmen wie Alphabet oder Microsoft, Online-Retailer wie Amazon oder Alibaba Group aber auch bekannte und spannende Konsumgüteraktien wie Nike sind vertreten.

Wichtig ist in jedem Aktienportfolio die Diversifikation zwischen Brachen und Regionen sowie zwischen Großunternehmen und mittelgroßen, oft nicht so bekannten Unternehmen, die erfolgreiche spezifische Marktnischen besetzen. Oft sind das gerade Unternehmen, die auch aus ESG-Sicht attraktiv sind, also bei Umwelt-, sozialen und Governancekriterien ausgezeichnet abschneiden.

Vielfach wird empfohlen bei Aktien auf dividendenstarke Papiere zu setzen. Aufgrund der aktuellen Krise schütten aber viele Unternehmen plötzlich keine Dividenden mehr aus?

Die Fähigkeit und Bereitschaft von Unternehmen, die Aktionäre durch Ausschüttung an den Gewinnen teilhaben zu lassen, wird auch künftig ein wichtiges Kriterium bleiben. Man darf die aktuellen, politisch motivierten Turbulenzen nicht überbewerten.

Wichtig ist es, Unternehmen im Portfolio zu haben, deren Geschäftsmodell nicht auf dauerhaften Staatsinterventionen und –zuwendungen beruht. Dividenden, die operativ verdient werden, wird es auch künftig geben, und sie werden in der Titelselektion für unsere Fonds eine Rolle spielen.

Aktienfonds der Erste Asset Management haben sich mehr oder weniger parallel zu den großen Aktienindizes aufgrund der Corona Krise nach unten bewegt. Warum ist das so?

Gerade in volatilen Krisenphasen steigt die Korrelation zwischen Aktien stark an, d.h. dass die massiven Kursausschläge mehr oder weniger alle Aktien erfassen. Sich den Marktturbulenzen völlig zu entziehen ist unmöglich. Allerdings hat sich gerade in dieser Krise der Fokus auf Qualitätsaktien mit einer soliden Bilanzstruktur und guter Profitabilität bisher positiv niedergeschlagen.

Der Erste Stock Techno etwa ist trotz aller Turbulenzen im Markt seit Jahresbeginn im Plus, und hat dabei besser abgeschnitten als das Aktiensegment, in dem er investiert. Und der Erste Stock Global oder auch der Erste Future Invest haben seit Jahresbeginn deutlich weniger verloren als es die Gesamtmarktentwicklung erwarten ließe.

Das ist in einer turbulenten Phase wie zuletzt durchaus beachtlich und bestätigt, dass mit der richtigen Titelselektion und Portfoliokonstruktion die Risiken aktiv gesteuert werden können.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.


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"China und die Folgen der Krise"

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors:

"Wir haben vielleicht zwei Monate länger auf den Nationalen Volkskongress Chinas warten müssen, aber er hat uns nicht enttäuscht. Erstens ist die Entscheidung, Hongkong ein neues Sicherheitsgesetz aufzuerlegen, ein ziemlich starkes Signal des Selbstvertrauens und zeigt deutlich, dass Peking glaubt, gegenüber den USA in der Welt nach der COVID-Krise stärker aufzutreten. Die gleichzeitige Verpflichtung zur Aufrechterhaltung des Handelsabkommens der Phase Eins ist jetzt nur noch ein Feigenblatt, um Zeit für eine geopolitische Eskalation bis zum Jahresende zu gewinnen. Trotz der bevorstehenden US-Strafmaßnahmen wird die relative Leistung des chinesischen Aktienmarktes stärker davon abhängen, wie geschickt die entwickelten Volkswirtschaften ihren Ausstieg aus dem Lockdown bewerkstelligen. Zweitens teilen wir das Bedauern des Marktes darüber nicht, dass China sich von seinem BIP-Wachstumsziel verabschiedet hat und begrüßen die Konzentration auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. In einer Welt der fiskalischen Flexibilität ist es leichter, Beschäftigungsziele zu erreichen und es ist weniger wahrscheinlich, dass es zu Ungleichgewichten früherer Zeiten kommt. Als Folge davon winken höhere Anleiherenditen. All dies spricht zwar für eine weitere Abweichung von den entwickelten Volkswirtschaften, aber der Diversifizierungsvorteil untermauert weiterhin die Attraktivität chinesischer Vermögenswerte.“

Emerging Markets: Wo der Einbruch des Ölpreises die politische Stabilität gefährdet

Auch im zweiten Quartal 2020 steht Covid-19 im Zentrum der Aufmerksamkeit, während die Weltwirtschaft schrumpft. Die Trends, die die gegenwärtige Krise auslöst, schwächen die Volkswirtschaften der Schwellenländer unterschiedlich stark, zum Beispiel ihre Schuldentragfähigkeit oder Leistungs- und Steuerbilanzen. Das gilt auch für die politische Stabilität. Sobald die Welle des blindwütigen Verkaufens abklingt, sollten Investoren daher zwischen festverzinslichen Wertpapieren unterschiedlicher Länder differenzieren.

Der Ausbruch von Covid-19 hat die politischen und wirtschaftlichen Probleme im asiatisch-pazifischen Raum verschärft. Noch hält die erste Phase des Handelsabkommens zwischen China und den USA. Wahrscheinlich steht auch die Tür für weitere Verhandlungen im Laufe des Quartals offen. Doch ist fraglich, ob China die vereinbarten Importe abkaufen kann und ob die USA diese überhaupt liefern können. China versucht, seine Wirtschaft mithilfe der Geldpolitik und gezielter Maßnahmen für Schlüsselindustrien anzukurbeln. Angesichts des tiefen Wachstumseinbruchs zu Beginn dieses Jahres und den Herausforderungen, die auf die exportorientierte Wirtschaft zukommen, scheint eine rasche Erholung jedoch unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass andere asiatische Länder versuchen, die Gelegenheit zu nutzen, dass westliche Unternehmen ihre Lieferketten von China weg diversifizieren wollen. Die Gefahr eines erneuten, vom Ausland ausgehenden Corona-Ausbruchs – wie in Japan oder Hongkong – ist ein weiteres Risiko für das Wachstum Chinas.

Der andauernde Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien in Verbindung mit der Pandemie wird erdölproduzierende Länder im Nahen Osten und Nordafrika belasten. Auch dort gibt es Unterschiede: Während die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait ihre Sozialausgaben voraussichtlich nur leicht kürzen müssen und negative politische Folgen vermeiden können, sind Länder mit weniger Energie- und Finanzreserven wie Oman und Bahrain dazu gezwungen, die Ausgaben stärker als ihre wohlhabenderen Nachbarn zu senken. Wir erwarten jedoch nicht, dass dies soziale Unruhen provoziert.

In Ecuador hingegen gefährden die niedrigen Ölpreise die Haupteinnahmequelle der Regierung. Das Land kämpft, um seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Das bietet der Opposition und den indigenen Demonstranten eine erneute Gelegenheit, die Regierung herauszufordern. Mit seinen Schulden kämpft auch Argentinien, dessen Wirtschaft zusammenbricht. Die neue Regierung hat die selbst gesetzte Frist versäumt, bis zum 31. März einen Schuldenrestrukturierungsplan auszuarbeiten. Die Shutdowns wegen Covid-19 verlangsamen diesen Prozess zusätzlich. Ebenso eingetrübt sind die Konjunkturaussichten Chiles. Rund die Hälfte der Gesamtexporte des Landes bestehen aus Kupfer, wovon der größte Teil wiederum nach China geht. Der Ausbruch des Virus hat weitere soziale Unruhen verhindert, aber wirtschaftliche Sorgen und das Verfassungsreferendum (das auf Q4 verschoben wurde) verstärken die Probleme.

Russland wird seine Rücklagen anzapfen und damit die Sozialausgaben auf dem bisherigen Niveau halten können. Trotz des niedrigen Ölpreises kann Moskau dies für ein Quartal durchhalten. Das wird der Regierung helfen, das gewünschte Ergebnis bei der Volksabstimmung über die Verfassungsänderung zu erzielen, sobald Covid-19 nachlässt. In Eurasien hingegen werden die meisten erdölproduzierenden Länder mit großen Ausfällen konfrontiert, die sie zwingen werden, ihre Ausgaben zu kürzen oder ihre Schulden zu erhöhen. Aserbaidschan, das ebenfalls über hohe Raffineriekapazitäten verfügt, wird die wirtschaftlichen Folgen der Krise möglicherweise besser bewältigen können als andere Länder in der Region.

Der Einbruch des Ölpreises ist auch für die erdölproduzierenden Länder in Subsahara-Afrika, darunter Ghana, Gabun und Angola, verheerend. Um die dadurch entstehende Haushaltslücke zu schließen, müssen sich die Länder entweder um höhere Schuldenfinanzierung bemühen oder zusätzliche Hilfen beim IWF und anderen internationalen Organisationen beantragen. Nigeria wird zu Sparmaßnahmen gezwungen sein, wie etwa öffentliche Ausgaben und Subventionen zu kürzen. Auch Privatisierungspläne muss es überdenken. Bleibt der Ölpreis unter 30 bis 40 US-Dollar pro Barrel, wird das Land seine Währung in diesem oder im kommenden Quartal wahrscheinlich abwerten müssen. Der Druck der Opposition auf den nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari wird zwar zunehmen, was sich aber nur geringfügig auf die politische Stabilität auswirken wird, da die nächste Wahl planmäßig im Jahr 2023 stattfindet. Während die Weltwirtschaft mit den Folgen des Coronavirus kämpft, bleibt auch Südafrikas Konjunktur schwach. Die Regierung wird vorschlagen, die Lohn- und Gehaltskosten des öffentlichen Dienstes deutlich zu reduzieren. Doch werden die Gewerkschaften drohen, gegen Kürzungen zu streiken.


Über First State Investments

First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. In Australien ist First State Investments mittlerweile unter dem Namen First Sentier Investors tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten.

Wie wirkt sich die Covid-19 Pandemie auf den Mikrofinanzmarkt aus?

von Martin Cech, Senior Fundmanager der Erste Asset Management.

Im 1. Quartal 2020 breitete sich die Covid-19 Pandemie über alle Erdteile aus und wird in Folge von einer Gesundheitskrise zu einer globalen Wirtschaftskrise, die alle Wirtschaftsräume schwer – und vielfach in einem noch nicht abschätzbaren Ausmaß – belasten wird.

Notenbanken reagierten und lockerten teilweise deutlich ihre Geldpolitik, so reduzierte die US FED ihren Leitzinssatz in zwei Schritten um 150 Basispunkte auf 0,0 % – 0,25%. Auch Regierungen und Förder- bzw. Entwicklungsbanken stellen unfassbare hohe Summen zur Eindämmung von Arbeitslosigkeit und Firmenzusammenbrüchen in Aussicht. So kündigten beispielsweise die G20-Staaten Ende März ein Paket über USD 5 Billionen an.

Trifft die Coronavirus Ausbreitung Entwicklungs- und Schwellenländer genauso hart?

Die einzelnen Länder wurden bisher sehr unterschiedlich von der Pandemie getroffen, dennoch finden praktisch überall mehr oder weniger rigorose Lockdowns statt. Laut offizieller Statistik sind derzeit 187 Länder weltweit betroffen.

Mikrofinanz bedeutet Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sonst keinen Zugang zu diesen haben. Mikrofinanz ist keine Spende, sie trägt aber zur Bekämpfung der Armut bei. Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE ist derzeit durchgerechnet in 87 Ländern investiert und die breite geografische sowie auch regionale (Land / Stadt 54% : 46%) und sektorale Streuung sollen hier eine gute Diversifikation bieten.

Argumente dafür, dass die Pandemie in den investierten Entwicklungs- und Schwellenländern eine nicht so starke Ausbreitung erzielt, liegen an der demografischen Struktur sowie an der wiedereintretendne Erholung in einigen Ländern Asiens. Dennoch stellt Covid-19 viele Mikrofinanzkunden vor riesige Herausforderungen, ihr Geschäft weiter aufrecht zu erhalten bzw. Kreditraten zurück zu zahlen.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Aufgrund der vielfach stark in Mitleidenschaft gezogenen Geschäftsgrundlagen erfolgten von zahlreichen Mikrofinanzinstituten (MFI) Anfragen für Tilgungsstundungen derer Darlehen. In diesem Fall sollte die langjährige kooperative Zusammenarbeit zwischen den Managern von Mikrofinanzfonds und den weltweiten Mikrofinanzinstituten für konstruktive Lösungen hilfreich sein.

Das Ziel ist hier gemeinsam Wege zu finden, die für alle Seiten verträglich sind und eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeiten ermöglichen.

Bei der Auswahl der Kreditvergabe an MFIs wurde immer schon großes Augenmerk auf solide Risikokennzahlen, eine stabile Qualität des zugrundliegenden Kreditportfolios und eine gute Rentabilität gelegt.

Die Vergabe von Neukrediten erfolgt derzeit noch selektiver und konservativer und sowohl in den Zielfonds als auch auf Dachfondsebene werden derzeit größere Kontobestände gehalten.

Wie hat sich der Mikrofinanzfonds geschlagen?

Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE verlor im März 1,46% und liegt seit Anfang des Jahres bei -1,09%. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die negative Wertentwicklung im März nicht aus tatsächlichen Kredit- und Zinsausfällen resultierte, sondern erhöhte Länderrisiken in den Bewertungen schlagend geworden sind. Weiters erfolgten Abwertungen bei Beteiligungen an MFIs, die derzeit einen Anteil von 3,2% im Fonds ausmachen.

Dritter Belastungsfaktor in der Wertentwicklung war die Abwertung zahlreicher Währungen, dies teilweise von Ländern, bei denen Rohstoffe einen hohen Anteil in der nationalen Wertschöpfungskette haben.

Das Darlehensportfolio konnte bei durchschnittlichen Zinssätzen von 6 – 7 % in EUR bzw. USD sowie 11 – 13% in Lokalwährungen positive Beiträge zur Wertentwicklung liefern. Auch die Absicherungskosten von USD-Positionen wurden durch die reduzierte Zinsdifferenz zwischen EUR und USD deutlich geringer.

Die größten Regionen im Fonds sind Süd/Südostasien mit 20,7% gefolgt von Zentralasien mit 15,8%, Zentralamerika mit 14,5% und Südamerika mit 10,3%. Der Anteil in Sub-Sahara Afrika beträgt 4,7%. Derzeit sind auf Dachfondsebene Investments in 396 verschiedene MFIs sowie 68 Agriculture Value Chain Actors erfasst. Der Anteil weiblicher Kreditnehmer beträgt 63%, das durchschnittliche Darlehen an Endkunden EUR 6.890.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

In den nächsten Monaten erwarten wir erhöhte Volatilitäten am Mikrofinanzmarkt. Dies wird einerseits auf Wertaufholungen bei Währungen und marktbewerteten Mikrofinanzanleihen als auch weitere Bewertungsabschläge in Folge von Rückstellungen für vergebene Darlehen zurückzuführen sein.

Mittelfristig ist jedoch wieder mit steigender Kreditnachfrage zu rechnen, um den Grundgedanken von Mikrofinanz – Menschen in ärmeren Weltregionen eine berufliche Existenz zu bieten – weiter verfolgen zu können.

Quelle: Erste Asset Management. Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.


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Entspannung bei Pandemie und Notenbank-Liquidität treiben Aktienkurse

In den letzten zwei Wochen ist es an der Corona-Front in Europa und weiten Teilen Asiens vergleichsweise ruhiger geworden. Auch in den USA weist der Trend der Neuinfektionen und Todesfälle inzwischen nach unten. Das hat die Finanzmärkte deutlich beflügelt und lässt in vielen Ländern erste spürbare Lockerungen der Gegenmaßnahmen zu. Vor allem die Aktienmärkte haben das bereits weitgehend vorweggenommen. So liegt der S&P500 seit Jahresbeginn weniger als zehn Prozent im Minus. Der Technologie-Index Nasdaq ist sogar schon wieder im Plus, ebenso einige Branchen, wie etwa Gesundheitsaktien.

Betrachtet man diese Kursniveaus, dann würde man nicht vermuten, dass die US-Arbeitslosenrate soeben von einem 50-Jahrestief auf ein 90-Jahreshoch explodiert ist und weite Teile der Wirtschaft mit den Folgen der Pandemie und der weltweit verordneten Lockdowns kämpfen.

Man könnte meinen, US-Aktien hätten die schwerste Rezession seit Jahrzehnten bereits wieder ausgepreist, noch bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dieses Urteil trifft aber nur bedingt zu. Tatsächlich dürften es vor allem die gewaltigen Finanzspritzen der Notenbanken weltweit sein, die die Kurse auf den Finanzmärkten derzeit treiben. Der Blick allein auf die US-Indizes (die stärker denn je von einigen wenigen Technologiewerten dominiert sind) verstellt zudem den Blick darauf, dass auch in den USA sehr viele Aktien weit von ihren Höchstständen entfernt sind – besonders jene von kleineren und stärker binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen.

Außerhalb der USA waren die Erholungen vielerorts ebenfalls stark, kamen aber bei weitem nicht an die Dynamik der US-Aktienmärkte heran. Der MSCI World steht derzeit noch vor wichtigen technischen Hürden.

Wachsender Optimismus über rasche, kräftige Erholung

Allgemein hat man an den Märkten das Jahr 2020 bereits als „verlorenes Jahr“ für Unternehmensgewinne „abgehakt“ und fokussiert sich auf eine derzeit weithin erwartete starke („V-förmige“) Erholung der Unternehmensgewinne in 2021 und 2022. Das ist zumindest das derzeit vielfach zu lesende und hörende Narrativ, und es entbehrt auch nicht einer gewissen Logik. Die Crux dabei ist aber, dass die wirtschaftlichen Szenarien für die kommenden Jahre alles andere als gewiss sind. Es bleiben viele Erholungs-Szenarien möglich, auch solche, die weniger günstig sind als das vielzitierte „V“. Nach wie vor kann beispielsweise niemand sagen, welche langfristigen Folgen die aktuelle Krise für Volkswirtschaften und Unternehmen haben wird. Viel wird davon abhängen, wie viele und welche Arbeitsplätze tatsächlich nur vorübergehend wegfallen und wie viele Jobs und Unternehmen es trotz aller staatlichen Hilfsprogramme künftig nicht mehr geben wird. Das wegfallende Einkommen und damit die Nachfrage des einen ist bekanntlich der verlorene Umsatz eines anderen. Hier droht im negativen Fall einiges an Zweit- und Drittrundeneffekten. Auch dazu lassen sich derzeit noch kaum verlässliche Prognosen abgeben, selbst wenn man optimistisch unterstellt, dass die Volkswirtschaften jetzt schrittweise wieder in Gang kommen und es keine größeren Rückfälle in Lockdown-Szenarien geben wird.

Kurzfristig drohen größere Schwankungen bei Aktien

Markttechnisch gehen wir davon aus, dass die meisten kurzfristigen Triebfedern für die starken Kurszuwächse der letzten Woche weitgehend erschöpft sind. Das gilt etwa für die im März extrem überverkaufte Marktsituation, für vormals bestehende Shortpositionen vieler kurzfristig agierender Marktteilnehmer und für die Möglichkeiten der Notenbanken, nochmals „nachzulegen“. Zugleich werden die veröffentlichten Wirtschaftsdaten bis auf Weiteres schwach sein – mit dem Potenzial für erhebliche Überraschungen in beide Richtungen. Im Gegenzug bedeutet das, dass weitere Erholungen bei den Aktien zunehmend schwieriger werden und die Volatilität wohl eher wieder steigen dürfte.

Werden die Tiefstkurse vom März nochmals getestet oder auch unterschritten? Durchaus möglich, aber keineswegs ein „Muss“. Das Potenzial für kräftige Korrekturen und größere Schwankungen ist jedoch erheblich, im Einklang mit den weiter bestehenden volkswirtschaftlichen Risiken und Unwägbarkeiten. Angesichts dessen bleibt es derzeit auch bei den Maßnahmen zur Reduktion des absoluten Risikos in all jenen Fonds und Portfolios, die maßgeblich von der Taktischen Asset Allocation gesteuert werden. Zu betonen ist, dass dies nicht so sehr aus einer Marktmeinung zur nächsten großen Marktbewegung entspringt. Vielmehr ist es davon geleitet, dass in der aktuellen extremen Situation Risikoreduktion und Kapitalschutz weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung haben.

Langfristig attraktive Niveaus in einigen Assetklassen

Aus strategischer Sicht sind bzw. waren die Kursniveaus der letzten Wochen in diversen Assetklassen durchaus attraktiv. Dementsprechend haben wir diese in der Strategischen Asset Allokation auch zu deutlichen Zukäufen genutzt, etwa bei Aktien und Emerging-Markets-Anleihen. In kurzfristigen Zeithorizonten zieht es das Fondsmanagement derzeit unter Risiko-Ertragsaspekten vor, eher auf nicht-direktionale Strategien zu setzen und es ist damit in den letzten Monaten auch recht gut gefahren. Derzeit sind etwa europäische Aktien gegenüber (den bereits sehr weit nach oben gelaufenen) US-Aktien, Emerging-Markets-Aktien sowie gegenüber den Aktienmärkten der pazifischen Region übergewichtet. Generell werden derzeit eher defensive Aktien gegenüber stark zyklischen bevorzugt. Mit Zinskurvenstrategien sollte sich bei US-Staatsanleihen weiterhin Geld verdienen lassen. Und bei Staatsanleihen sieht das Fondsmanagement generell noch immer mehr Potenzial in den USA als in den Euro-Kernländern.

Karlsruhe vs. EU: Für die Märkte derzeit noch kaum von Belang

Bezüglich der Eurozone darf ein kurzer Hinweis auf das jüngste Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe nicht fehlen. Es sorgt zwar für viel mediale Diskussion, aber vergleichsweise wenig Bewegung auf den Märkten. In den kommenden Wochen wird vermutlich noch etliches über die rechtlichen Befugnisse der Mitgliedsstaaten gegenüber der Europäischen Union und das Potenzial für eine europäische Verfassungskrise aufgrund des Konflikts zwischen dem höchsten deutschen und dem höchsten EU-Gericht zu hören und zu lesen sein. Für die Finanzmärkte ist das Ganze derzeit aber weitgehend folgenlos, zumal sich die unmittelbare Forderung des deutschen Höchstgerichts wahrscheinlich relativ einfach erfüllen lässt. Die EZB dürfte – die von Karlsruhe ja grundsätzlich akzeptierten – QE-Maßnahmen in jedem Fall weiterführen und auch das neue PEPP-Programm ist derzeit nicht akut in Gefahr. Etwas schwieriger stellt sich jenseits pragmatischer Lösungen der eigentliche, tieferliegende Konflikt über die künftige Gestaltung Europas dar. Dass die EU-Kommission nun (als Reaktion auf das Urteil eines von dieser Regierung unabhängigen Gerichts) öffentlich ein Verfahren gegen die deutsche Regierung erwägt, ist politisch und atmosphärisch fragwürdig. Für die Finanzmärkte ist das alles aber wohl bis auf Weiteres nur ein Randthema.

Trotz Corona: Nachhaltige Fonds erweisen sich als krisenfest

Auch in der Corona-Pandemie setzen Investoren weiterhin auf nachhaltige Anlageprodukte. Viele Nachhaltigkeitsfonds haben in der Krise sogar deutlich besser abgeschnitten als konventionelle Investments. Das belegt für die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM), Asset-Management-Tochter der Evangelischen Bank, die Analyse der Zahlen für das 1. Quartal 2020. Demnach flossen allein in den Februar- und Märzwochen, in denen Teile des Kapitalmarkts praktisch zum Erliegen gekommen waren, noch zweistellige Millionenbeträge in die konsequent nachhaltig ausgerichteten Fonds der EB-SIM. Dabei konnte sich die durchschnittliche Performance der nachhaltigen Anlageprodukte durchaus sehen lassen und schnitt in den meisten Fällen besser ab als der Vergleichsindex der konventionellen Konkurrenz.

Trotz unvermeidlicher Kurseinbrüche erwiesen sich die nachhaltig ausgerichteten Fondsprodukte der EB-SIM in der Corona-Krise insgesamt als widerstandsfähiger als ihre herkömmlichen Pendants. Die Abwärtsbewegungen seit Ausbruch der Pandemie fielen gerade bei aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds mit dem Schwerpunkt Europa deutlich weniger stark aus. „Unser Befund bestätigt damit den Trend, auf den Analysen jüngst schon hingedeutet haben: Für eine stark wachsende Zahl an Investoren ist die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Auswahl von Wertpapieren ein wesentliches Instrument zur Begrenzung von Risiken – ganz zu Recht, wie das vergleichsweise erfolgreiche Abschneiden während des Corona-Abverkaufs zeigt“, so Dr. Oliver Pfeil, CIO der EB-SIM.

So hat der EB-Öko-Aktien-Fonds in der extremen Drawdown-Periode zwischen dem 19.02. und dem 23.03. zwar 27,5 Prozentpunkte eingebüßt. Er schlug damit allerdings die Benchmark um 6,3%. Der Vergleichsindex hatte um 33,8 % nachgegeben. Seit Jahresanfang bis Ende April hatte der Vergleichsindex Verluste von 10,2 % zu verzeichnen, während der EB-Öko-Aktien nur um 6,9% nachgab – ein Vorteil von 3,4 % für das Nachhaltigkeitsprodukt der EB-SIM.

Der relative Vorteil nachhaltiger Investments bezieht sich nicht nur auf die Aktienseite, sondern auch auf andere Asset-Klassen. Bei den Anleihen belegt auch das Abschneiden des in Schwellenländer-Unternehmen investierenden EB -SEMCOR (Sustainable Emerging Marktes Corporate Bonds) die Robustheit des nachhaltigen Ansatzes: Während die Benchmark in der Drawdown-Phase um 12,8 % nachgab, büßte der EB-SEMCOR um 12,5 % ein. Seit Jahresbeginn bis Ende April schnitt der SEMCOR mit einem Minus von 7,3% ab, der Vergleichsindex immerhin minus 7,7%. Ähnlich widerstandsfähig zeigte sich der Mischfonds EB-SMAI, der eine nachhaltig ausgerichtete Multi-Asset-Strategie verfolgt. Büßte die Benchmark seit Jahresbeginn 7,5 % ein, verzeichnete der EB-SMAI einen Rückgang von 5,6%.

„Die Zahlen belegen, dass wir in der Drawdown-Phase mit unserem aktiven Nachhaltigkeitsansatz einen substantiellen Mehrwert für unsere Kunden erzielt haben“, betont Dr. Pfeil. Schließlich bleibe als weiterer Vorzug der positive Impact der nachhaltigen Investments – selbst in schwächeren Phasen der Fonds. „Der sinnvolle, wirkungsorientierte Effekt des eingesetzten Kapitals bleibt auf jeden Fall bestehen.“

Die Gründe für die relativ gute Performance der Nachhaltigkeitsfonds sind vielfältig. „Nachhaltige Aktienfonds sind häufig eher defensiv positioniert, da sie in einem selektiven Investmentprozess in Qualitätsunternehmen mit starkem ESG-Profil investieren, die auch in Krisenzeiten relativ stabile Erträge aufweisen“, erläutert Dr. Pfeil. Diese Strategie habe erfolgreich zur Downgrade-Minimierung beigetragen. Als weiterer Faktor komme das aktive Risikomanagement dazu. Dank der Möglichkeit kurzfristigen Eingreifens erwiesen sich aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds oft als widerstandsfähiger. „Die Kombination macht den entscheidenden Performance-Vorteil aus.“

Durch die Corona-Krise sehen Experten allerdings auch das „S“ in ESG mit einer stärkeren Bedeutung versehen. „Gerade in Krisenzeiten trennt sich etwa beim Umgang mit Mitarbeitern, aber auch Zulieferern sehr deutlich die Spreu vom Weizen – wie man jetzt auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt beobachten kann“, erläutert Berenike Wiener, Head of CSR & Sustainable Finance der Evangelischen Bank.

Der Trend zum besseren Abschneiden nachhaltiger Anlageprodukte besteht nicht nur in der Krise. „Doch gerade die deutlich bessere Performance der hauseigenen Fonds auch unter schwierigen Rahmenbedingungen bestätigt uns bei der EB-SIM in unserer strategischen Ausrichtung und Fokussierung auf ausgewählte, ausschließlich nachhaltig orientierte und aktiv gemanagte Investmentprodukte“, betont Dr. Pfeil.


EB – Sustainable Investment Management GmbH

Die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM) ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Evangelischen Bank, deren Spezialprofil nicht nur in der erfolgreichen Vermögensanlage, sondern vor allem in der erfolgreichen Integration von ökonomischen und ESG-Faktoren liegt. Hierunter werden Faktoren aus der Ökologie und dem Umweltschutz, dem sozialen Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern sowie eine ethische, verantwortungsvolle Unternehmensführung zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für den ethisch nachhaltigen Ansatz der EB-SIM, der in voller Übereinstimmung mit der werteorientierten, nachhaltigen Geschäftsstrategie der Muttergesellschaft, der Evangelischen Bank (EB), liegt.
Die EB-SIM, eine 100-prozentige Tochter der Evangelische Bank eG, der größten Kirchenbank Deutschlands, betreut mit mehr als 25 Mitarbeitern zum Jahresende 2019 ca. 4,5 Mrd. EUR in 100 Mandaten bzw. Fonds. Das wertebasierte Asset Management bildet seit mehr als 30 Jahren eines der Kerngeschäftsfelder der EB und wurde im Dezember 2018 als eigenständiges Geschäftsfeld ausgegründet. Der Sitz der EB-SIM GmbH ist in Kassel. Das Unternehmen wird durch Ulrich Nötges und Dr. Oliver Pfeil (CIO) geleitet. Alle Anlagekonzepte des Unternehmens entsprechen mindestens den Kriterien des EKD-Leitfadens für ethisch-nachhaltige Geldanlagen. Darüber hinaus orientiert sich das Portfolio Management der EB-SIM bei seinen Investitionen an den 17 Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Weitere Informationen online unter www.eb-sim.de

EZB hält trotz Urteil des deutschen Verfassungsgerichts an Anleihenkäufen fest

Die Europäische Zentralbank (EZB) will trotz des jüngsten Urteils des deutschen Verfassungsgerichts an ihren Anleihenkäufen festhalten. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte zu Beginn der Vorwoche in einem Urteil die billionenschweren Anleihenkaufprogramme der EZB als teilweise verfassungswidrig einstuft.

Damit stellten sich die Verfassungsrichter auch gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH), der die Anleihenkäufe im Dezember 2018 als rechtens einstufte.

Die EZB-Notenbanker zeigten sich von dem Urteil bis dato unbeirrt. Die EZB sei eine unabhängige Institution, die rechenschaftspflichtig gegenüber dem Europäischen Parlament sei und durch ihr Mandat angetrieben werde, sagte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag in einer Konferenz der Nachrichtenagentur Bloomberg.

„Wir werden weiterhin tun, was immer nötig ist, um dieses Mandat zu erfüllen“, so die EZB-Chefin. „Wir sind entschlossener denn je, für günstige Finanzbedingungen in allen Wirtschaftssektoren und Ländern zu sorgen, damit dieser beispiellose Schock gedämpft wird“, sagte auch der EZB-Vize Luis de Guindos.

EZB hat seit 2015 schon 2,6 Billionen in Wertpapierkäufe gesteckt

Zwischen 2015 und 2018 hatte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere gesteckt – den größten Teil über ihr „Public Sector Purchase Programme“ (PSPP), auf das sich das Urteil bezieht. Im November 2019 wurden die Käufe neu aufgelegt, zunächst in vergleichsweise geringem Umfang von 20 Milliarden Euro im Monat.

Mit den Anleihenkäufen will die EZB eine drohende Deflation verhindern, nachdem ihre Zinssenkungen nicht ausreichend Wirkung gezeigt hatten. „Quantitative Lockerung“ oder „Quantitative Easing“ (QE) heißt das im Fachjargon.

Notenbanken versuchen normalerweise über die Steuerung ihrer Leitzinsen geldpolitische Ziele, wie Geldwertstabilität oder Wirtschaftswachstum, zu erreichen. Nach der Finanzkrise haben viele Notenbanken ihre Leitzinsen aber schon auf praktisch null gesenkt und dieses Instrument ausgeschöpft.

In diesem Fall können Notenbanken auf unkonventionelle Maßnahmen wie „Helikoptergeld“ oder eben Anleihenkäufe zurückgreifen.

Vor der EZB sind schon andere Zentralbanken diesen Weg gegangen. Vorreiter war die japanische Notenbank, die 2001 ein Anleihenkaufprogramm gestartet hatte um gegen die Deflation im Land vorzugehen.

2008 hatte die US-Notenbank im Kampf gegen die Finanzkrise ein gewaltiges Anleihenkaufprogramm angekündigt, nachdem sie ihren Leitzins zuvor schon auf null gesenkt hatte. Seit 2009 betreibt auch die britische Zentralbank Anleihenkäufe.

Im Rahmen dieser Programme kaufen die Notenbanken private oder öffentliche Wertpapiere, wie etwa Staatsanleihen, von den Geschäftsbanken auf. Durch diese Käufe wird die Geldbasis und die Liquidität der Banken erhöht, gleichzeitig wird das Zinsniveau am Anleihenmarkt dadurch gesenkt.

Damit soll die Kreditnachfrage, die Investitionstätigkeit und der private Konsum angekurbelt, aber auch eine zu niedrige Inflation bekämpft werden. Die EZB versucht über ihr Kaufprogramm auch ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent zu erreichen. Davon ist sie derzeit freilich weit entfernt. Der Verbraucherpreisanstieg im Euroraum lag zuletzt bei 0,4 Prozent, angesichts der Krise stellt sich die EZB auf einen weiteren Rückgang ein.

Käufe laut Urteil keine verbotene Staatsfinanzierung, aber fehlende Prüfung verfassungswidrig

Kritiker der Anleihenkaufprogramme führen oft an, dass es sich dabei um eine verdeckte Form von Staatsfinanzierung handeln könnte. Schon 2017 hatte das deutsche Verfassungsgericht sich mit der Frage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gewandt, ob es sich bei den EZB-Anleihenkäufen um eine verbotene Staatsfinanzierung handelt.

Der EuGH hatte in seinem viel beachteten Urteil die Käufe aber für rechtmäßig erklärt. Auch die Verfassungsrechtler in Karlsruhe haben die EZB in ihrem aktuellen Urteil in diesem Punkt „freigesprochen“. Verfassungswidrig sei aber, dass die EZB nicht die Verhältnismäßigkeit ihrer Maßnahmen überprüft habe. Die Notenbank hätte etwa auch die wirtschaftlichen Folgen für Sparer, Aktionäre und Immobilienpreise prüfen müssen.

Der EZB-Rat müsse nun in einer Frist von drei Monaten zeigen, dass das Kaufprogramm verhältnismäßig sei. Ansonsten sei es der deutschen Bundesbank untersagt, nach einer Übergangsfrist von höchstens drei Monaten, daran teilzunehmen.

Die Bundesbank ist mit einem Anteil von gut 26 Prozent der größte Anteilseigner der EZB, entsprechend groß ist ihr Kaufvolumen.

Der Deutsche Bundestag sollte als Konsequenz des Urteils per Gesetz Informationen von der Bundesbank über EZB-Aktivitäten anfordern. Das wird in einer Reuters vorliegenden vertraulichen juristischen Analyse des Bundestags vorgeschlagen.

Der Bundestag soll die Verhältnismäßigkeit der EZB-Anleihenkäufe prüfen und fortlaufend über das Kaufprogramm informiert werden, heißt es in dem Papier. Zudem müsse die Verhältnismäßigkeit der Ankaufprogramme in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Die Europa-Juristen des Bundestags erwarten keine großen Auswirkungen des Urteils auf das Anleihenkaufprogramm PSPP, auf das es sich bezieht. Auch Analysten erwarten, dass die EZB die Verhältnismäßigkeit nachweisen und die PSPP-Anleihenkäufe fortsetzen wird.

Obergrenzen könnten Pandemie-Notfallprogramm betreffen

Schwieriger könnte es werden, wenn man das Urteil auf das heuer aufgelegte 750 Mrd. Euro schwere Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) der EZB beziehen würde.

Denn laut Urteil ist das das Verbot der Staatsfinanzierung nur dann gewahrt, wenn der EZB-Anteil an einer Staatsanleihe 33 Prozent nicht übersteigt und die EZB ihre Käufe auf die einzelnen Länder entsprechend dem Anteil der lokalen Notenbanken am EZB-Kapital aufteilt.

Genau diese Ankaufobergrenzen und Aufteilungsschlüssel werden im Rahmen des neuen PEPP-Anleihekaufprogramms aber flexibel gehandhabt. Das dürfte es der EZB nun schwieriger machen und ihren Spielraum einschränken.

Die EZB könnte nun darauf verweisen, dass das Pandemie-Programm nicht von dem Urteil erfasst wird, oder die Grenzen und Schlüssel auch hier einhalten. Jedenfalls dürfte die EZB auch an ihrem PEPP-Krisenprogramm unbeirrt festhalten, erwarten Analysten.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Rentenmärkte driften auseinander

Es gibt aktuell nur einen Markt, der die Krisenstimmung im März unbeschadet überstanden hat: US-Staatsanleihen. Die massive Leitzinssenkung der Fed und das wieder forcierte Anleihen-Kaufprogramm konnten noch einiges Kurspotenzial heben. Andere Staatsanleihen verloren in der Markthektik Mitte März, konnten sich im April jedoch wieder einigermaßen erholen. Die Erwartung hoher Budgetdefizite schlägt sich noch nicht nieder.

Ganz anders die Lage bei den Spread-Produkten, also Anleihen mit Renditeaufschlag (Risikoprämie): Hochzinsanleihen verloren deutlich, die Renditeabstände aus 2008/09 wurden allerdings nicht erreicht. Am stärksten kamen jedoch die Anleihen aus den Schwellenländern unter Druck, dort lasten zusätzlich die oft schwachen Währungen auf der Wertentwicklung. Die deutliche Erholung an den Aktienmärkten konnte sich hier nur gedämpft auswirken. Somit driften die bis Februar weitgehend im globalen Gleichlauf befindlichen Rentenmärkte deutlich auseinander. Ein Resultat aktuell hoher Risikovermeidung, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die vollständige Ausgabe finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Staatliche Interventionen bestimmend

Globale Nullzinspolitik: Die US-Notenbank hat Ende April beschlossen den Leitzins in der Bandbreite von 0 bis 0,25 % zu belassen, das bleibt bis auf Weiteres aufrecht. Notenbankchef Powell deutete auch an, dass die „Schlacht noch lange nicht gewonnen“ sei. Die Fed, die EZB und andere führende Notenbanken kaufen massiv Anleihen am Markt auf oder weiten Kreditlinien aus.

Diese Interventionen wirken sich nicht nur auf die Renditen der Staatsanleihen aus, sondern auch auf die Renditeaufschläge der Unternehmensanleihen, die nach den starken Anstiegen im März nun wieder zurückgekommen sind. Diese Unterstützungsmaßnahmen halten den Zugang zum Primärmarkt aufrecht, mit erstaunlichen Rekorden bei Emissionsvolumina. Dadurch sinken die unmittelbaren Refinanzierungsrisiken der Unternehmen, die wiederum Dividendenzahlungen kürzen und Investitionsvorhaben verschieben. Auf der Sicherung der kurzfristigen Liquiditätsversorgung liegt das Hauptaugenmerk der Unternehmen, wovon in erster Linie Gläubiger profitieren. Diese Entwicklung kann noch anhalten.

Staats- und Unternehmensanleihen: Unsicherheiten bleiben

Die Krise wird vor allem wieder die Schuldentragfähigkeit der europäischen Peripherieländer in Frage stellen. Dies gilt umso mehr, wenn man von keinem finanzierungstechnischen Zusammenhalt der Eurozone-Länder ausgeht. Wir erwarten diesen allerdings schon und mit der zunehmenden Anzahl an bewältigten Krisen in der Eurozone steigt unsere Zuversicht. Wir bleiben bei der Übergewichtung von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen.

Bei Unternehmensanleihen hoher Qualität (Investmentgrade) erfolgt die Generierung des Cashflows in der aktuellen Krise weniger durch operative Einnahmen, sondern durch Fremdkapitalemissionen. Dies wird langfristig zwar die Bonitätsprofile belasten (Ratingagenturen reduzieren bereits flächendeckend die Kredit-Ratings), kurzfristig ist dieses Vorgehen aber alternativlos. High-Yield-Unternehmen fehlt praktisch seit über einem Monat der Zugang zum Anleihen-Primärmarkt, weshalb wir hier noch zurückhaltend sind. Aber wir übergewichten wieder Euro-IG-Unternehmensanleihen.

Emerging Markets: Von der Krise stark betroffene Regionen

Viele Schwellenländer sind von der Rohstoffpreisentwicklung bzw. damit verbundenen Exporterlösen abhängig. Deren Entwicklung verlief vor dem Hintergrund der aktuellen Krise zuletzt sehr schwach, weshalb die Risikoprämien der Anleihen weiterhin auf hohen Niveaus verharrten. Wir sehen jedoch einen Großteil der auf uns zukommenden fundamentalen Probleme bereits eingepreist. Hartwährungsanleihen bleiben für uns eine der attraktiveren Anleiheklassen. Aus diesem Grund erhöhen wir diese Position gegenüber Euro-Staatsanleihen etwas.

Brent Rohöl: Vom Außenseiter zum Champion?

von Nitesh Shah, Rohstoffexperte und Director Research bei WisdomTree.

In den letzten Wochen, als Rohöl auf neue Tiefststände gefallen ist, haben viele Investoren auf eine Erholung gesetzt und sich entsprechend positioniert. Aber welche Rohöl-Benchmark sieht derzeit attraktiver aus? Das meiste Interesse der Finanzcommunity gilt dem WTI. So verzeichnete WisdomTree beispielsweise Zuflüsse in Höhe von 2,7 Milliarden US Dollar in WTI1 Exchange Traded Products (ETPs) im Vergleich zu 0,7 Mrd. USD in Brent ETPs2. Der bislang übersehene Brent könnte sich jedoch als überlegenere Benchmark erweisen. 

Vergangene Woche diskutieren wir in „Eine Geschichte zweier Benchmarks“ die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden großen Öl-Futures-Kontrakten: Brent und WTI. Die beiden Benchmarks für leicht süßes Rohöl ähneln sich, in wirtschaftlicher Hinsicht ist jedoch Brent aus folgenden Gründen zu bevorzugen:

  • Im vergangenen Monat scheint Brent angesichts der Marktvolatilität robuster gewesen zu sein als WTI.
  • Die Contango-Situation3 bei Brent ist derzeit niedriger als bei WTI. Was darauf hinweist, dass der Rollwiderstand in Brent weniger aggressiv ist als in WTI.
  • Mit Blick auf die Erholung des Ölpreises in der Vergangenheit stellen wir fest, dass der Preis für Brent den für WTI im Allgemeinen übertrifft.
  • Wir haben argumentiert, dass das Abkommen der OPEC Plus4 zur Reduzierung der Produktion kurzfristig nicht ausreicht. Die koordinierten Kürzungen großer internationaler Akteure könnten jedoch darauf hindeuten, dass sich Brent stärker erholt als erwartet.

Es gilt nun, diese Argumente zu überprüfen.

Marktvolatilität und negative Preise

Wir befinden uns in einer Periode beispielloser Ölvolatilität5. Bisher ist Brent eleganter mit dieser Volatilität umgegangen.

Am 20. April 2020 wurde ein kurz vor Ablauf stehender Nymex WTI-Kontrakt negativ gehandelt6, ein einmaliger Vorgang für Rohöl-Futures-Kontrakte. Für die meisten Menschen war das eine Überraschung. Rückblickend identifizieren wir aber eine wichtige Sicherheitslücke im WTI-Kontrakt: da es sich um ein sogenanntes „Deliverable Future“ handelt, müssen bestimmte Schritte unternommen werden, um eine Lieferung zu vermeiden. Ein „Deliverable Future Contract“ bedingt, dass ein Investor, der einen Long-Futures-Kontrakt hält, nach Ablauf des Kontraktes 1000 Barrel Öl erhält (Vertragseinheiten in 1000 Barrel), es sei denn, der Vertrag wird geschlossen (durch Abschluss eines Gegengeschäfts). In normalen Zeiten gehen diese Vorgänge reibungslos vonstatten und es besteht keine Gefahr, dass versehentlich Barrel von Öl angenommen werden müssen. Tatsächlich führt laut Energy Information Administration (EIA) nur 1 Prozent der Kontrakte zu einer Lieferung. Kurz vor Auslauf des WTI-Vertrags vom Mai trieb jedoch eine Kombination aus geringer Liquidität und Infrastrukturbeschränkungen den Preis in den Keller. Jene, die versuchten, WTI-Kontrakte für Mai am 20. April zu schließen, warteten möglicherweise sehr lange und konnten niemanden finden, der bereit war, die andere Seite des Vertrags in einem Markt mit geringer Liquidität zu übernehmen. Besonders besorgniserregend waren fehlende Lagerkapazitäten in Cushing, Oklahoma, wo die Verträge abgeschlossen werden. UVP-Daten zeigen, dass das Arbeitslager zwischen 76 Prozent und 81 Prozent gefüllt war (was weit über der normalen Rate von unter 50 Prozent liegt). Darüber hinaus wurde die verbleibende Kapazität höchstwahrscheinlich vermietet oder anderweitig gebunden. In diesen verzweifelten Zeiten bezahlten einige Futures-Investoren, die WTI-Kontrakte schlossen, die andere Partei, um den Vertrag vor Ablauf zu schließen und die Lieferung zu vermeiden, da die Lagerung zu schwierig und/oder kostspielig wurde. Dadurch wurde die Benchmark mehrere Stunden lang in den negativen Bereich getrieben.

Das an der Intercontinental Exchange (ICE) gehandelte Brent leidet weniger unter negativen Preisen. Um es deutlich zu sagen - die ICE hat nicht entschieden, dass negative Preise unmöglich sind, aber als Vertrag mit Barausgleich ist der Anreiz für negative Preise schwerer zu identifizieren. Barausgleich bedeutet, dass den Inhabern der Futures die Differenz zwischen dem Anfangspreis und der Endabrechnung nach Ablauf des Kontraktes entweder gutgeschrieben oder abgezogen wird. Das Gerangel um Lagerkapazitäten oder einen Käufer, der Zugriff auf verfügbare Lagerkapazitäten hat, existiert nicht, wodurch diese Ursache für negative Preise beseitigt wird.

WTI-Futures, die zwei unterschiedliche Märkte - physische Lieferungen und spekulativ orienterte Finanzmarktakteure - bedienen, stießen auf Hindernisse. Brent hingegen verfügt über einen Terminmarkt für Beide. Für den physischen Austausch (EFP) gibt es außerdem einen außerbörslichen Mechanismus (bilaterale Verhandlungstransaktion), mit dem sichergestellt wird, dass sich der physische Markt und der Terminmarkt nicht unkontrolliert voneinander lösen. In den letzten Wochen hat sich die Spanne zwischen physischen Märkten und Terminmärkten vergrößert, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass Brent-Futures auf Null oder darüber hinaus weiter ins Minus fallen.

Da der Juni-Brent-Kontrakt am 30. April auslief, schien der Übergang zum Juli-Brent-Kontrakt als aktiver Vertrag nahtlos zu funktionieren. Gegen Ende des Marktes am 30. konvergierte der Juli-Preis zum Schlusskurs des Juni-Kontrakts von 25,39 USD / Barrel und erholte sich dann am nächsten Handelstag wieder.

Grafik 1: Brent Juli hat Brent Juni am 30. April nahtlos als aktiven Kontrakt übernommen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2020 unter Verwendung von Intraday-Handelsdaten in USD. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Brent ist zwar teurer als WTI, aber nicht übermäßig teurer. Das heißt, die Anleger zahlen nicht zu viel für eine stabilere Preisbenchmark. In den letzten 10 Jahren betrug der Brent-WTI-Spread 7,79 USD / Barrel7. Heute liegt dieser Spread bei 7,36 USD / Barrel - ganz im Einklang mit diesem historischen Durchschnitt.

Rollwiderstand bei Brent weniger aggressiv

Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakte ab, nicht den physischen Spotpreis (Kassageschäft). Warum ist das wichtig? Wir beschreiben nun, warum die Form der Futures-Kurve einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtrendite einer Öl-Futures-Anlage haben kann. Zurzeit ist Brent in einer Position mit niedrigerem Contango als WTI. Dies könnte potenziell neue Investoren in Brent gegenüber neuen Investoren in WTI begünstigen.

Grafik 2: Die Brent-Futures-Kurve ist weniger steil als die WTI-Futures-Kurve


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand am 4. Mai 2020. Beachten Sie, dass der aktive Vertrag für WTI Juni ist, während der aktive Vertrag für Brent Juli ist. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

Brent hat WTI in Erholungsphasen oft übertroffen

Historisch gesehen zeigten Brent und WTI eine sehr starke Korrelation8. Eine Erholung bei der einen Rohöl-Benchmark ist also sehr wahrscheinlich auch bei der Anderen zu beobachten. Im Rahmen der Analyse von vier Perioden von Ölpreiscrashs, auf die eine Preiserholung folgte, stellten wir fest, dass Brent WTI übertraf (siehe Abbildung 3). Diese basieren alle auf Bloomberg Commodity Subindices Excess Return-Serien, die die Auswirkungen fortlaufender Verträge berücksichtigen [9]. Dies ist wichtig, da die Form der Futures-Kurve die Rendite für einen Anleger wie oben beschrieben beeinflusst.

Grafik 3: Erholungsphasen begünstigten im allgemeinen Brent im Vergleich zu WTI


Hinweis: Die Diagramme zeigen ein Jahr vor und nach dem Tiefstpreis. Indexiert auf 100 ein Jahr vor dem Preistief.
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Über vier getrennte Zeiträume von zwei Jahren: 10. Dezember 1997 bis 10. Dezember 1999, 15. November 2000 bis 1. November 2002, 12. Februar 2008 bis 12. Februar 2010 und 11. Februar 2015 bis 11. Februar 2017. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

OPEC-Maßnahmen könnten Brent überproportional begünstigen

Jeder Ölpreiscrash und jede anschließende Erholung weisen ihre eigenen Ursachen und Verlaufswege auf. In der Erholungsphase zeigen sie jedoch alle eine Gemeinsamkeit. Und diese liegt in den Bemühungen der OPEC-Mitglieder, die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Die Richtgröße für OPEC-Mitglieder ist gewöhnlich Brent und demzufolge reagiert Brent häufig stärker auf OPEC-Maßnahmen als WTI.

Obwohl wir der Ansicht sind, dass der Deal der OPEC-Plus-Staaten unzureichend ist, um die Märkte kurzfristig ins Gleichgewicht zu bringen10, lässt der auf Langlebigkeit ausgerichtete Deal auf ein längerfristiges Marktgleichgewicht hoffen. Erfreulicherweise begannen Saudi-Arabien und Russland bereits vor dem offiziellen Start des Deals im Mai 2020 mit der Produktionskürzung (eine der Sorgen war, dass die Kürzungen sehr spät beginnen). Unter der Annahme, dass das Abkommen eingehalten wird, könnte Brent WTI erneut übertreffen.

Kurzfristig könnte es in den USA zu einer Insolvenzwelle im Öl- und Gassektor kommen, was die Produktion in den USA senken würde. In der Tat handelt es sich bei den USA auch um einen der agileren weltweiten Produzenten, die zeitnah beginnen könnten, die Produktion relativ schnell anzupassen. Die staatliche Hilfe für den unter Druck stehenden Öl- und Gassektor könnte jedoch die Produktionsanpassung verlangsamen. In einem Präsidentschaftswahljahr halten wir dies für wahrscheinlicher. Die jüngsten Justierungen der US-Notenbank Fed öffnen mehr Unternehmen des Öl- und Gassektors auch den Zugang zum „Main Street-Darlehensprogramm“11.

Die US-Schieferproduktion in Binnengebieten der USA hat zum Erreichen der Exportziele größere Hürden zu überwinden, wenn die Transportschiffe schon Monate im Voraus ausgebucht sind, um Öl zu lagern. Zudem sind die Pipelines, mit denen das Öl an die Küste gebracht wird, stark frequentiert. Der Anpassungsprozess der USA könnte folglich heute langsamer vonstatten gehen als in der Vergangenheit.

Unterm Strich gehen wir davon aus, dass die Maßnahmen der OPEC Plus (die Brent begünstigen) ein stärkerer Katalysator für das globale Marktgleichgewicht sein können als die Maßnahmen der Nicht-OPEC-Plus-Staaten (einschließlich den USA). Das G20-Treffen am 10. April 2020 zeigte, dass Länder außerhalb der OPEC Plus kaum bereit sind, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen.


1) West Texas Intermediat
2) Daten vom 1. Januar 2020 bis zum 1 Mai 2020
3) Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Spot-Preis. Contango tritt normalerweise auf, wenn ein Vermögenspreis im Laufe der Zeit voraussichtlich steigen wird. Dies führt zu einer ansteigenden Vorwärtskurve
4) Organisation der erdölexportierenden Länder und ihrer Partnerländer
5) Siehe An age of unprecedented oil volatility, 27. März 2020
6) Siehe Nymex WTI front month futures trade negative, 21. April 2020
7) 4. Mai 2010 bis 4. Mai 2020 unter Verwendung der Bloomberg-Front-Month-Daten
8) 0,95 von März 1990 bis März 2020 basierend auf monatlichen Daten unter Verwendung von Bloomberg Commodity Subindices
9) Siehe Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakten ab, nicht den physischen Spot. Warum ist das wichtig?, Mai 2020 https://www.wisdomtree.eu/de-de/-/media/eu-media-files/other-documents/research/market-insights/wisdomtree_market-insight_commodity-etps-exposed-to-futures-contracts.pdf
10) Siehe OPEC+ reaches a historic deal: but is it enough?, 14. April 2020
11) Größere und höher verschuldete Unternehmen qualifizieren sich ab dem 30. April 2020 für das Programm in einem Schritt, der weithin so interpretiert wurde, dass er kleine Ölunternehmen berücksichtigt werde.

Hohe Schwankungen auch beim Goldpreis

von Hans Engel, Global Equity Research Expert, Erste Group.

Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn in US-Dollar um 12,4 Prozent bzw. in Euro um plus 16,4 Prozent gestiegen (Stand: 30.04.2020, Quelle: Bloomberg).

„Safe-Haven“ für Investoren

Für die signifikant positive Performance gab es mehrere Ursachen. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist in den letzten Wochen auf Rekordhochs angestiegen. Investoren nutzten Gold wegen der durch die Corona-Krise entstandenen Unsicherheit als „Safe-Haven“.

Während die Aktienindizes fielen, stieg der Goldpreis teilweise kräftig an. Aufgrund des Preisanstiegs ist global der Absatz an Schmuckgold zurückgegangen. Physisches Gold wird von den Anlegern aktuell verstärkt nachgefragt.

Gemäß der Daten der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission waren in den letzten Monaten vor allem große Händler mit einem sehr kurzfristigen Fokus am Goldmarkt aktiv.

Dies erklärt auch die derzeitigen sehr hohe tägliche Schwankungsfreudigkeit des Goldpreises, da verstärkt Spekulanten am Marktgeschehen teilnehmen. Die Kursschwankungen sind seit Ende Februar sprunghaft angestiegen und liegen inzwischen auf einem extrem hohen Niveau, das auch von Aktienindizes selten erreicht wird.

Notenbank-Politik unterstützt Goldpreis

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins in den letzten Wochen mehrmals gesenkt. Die Fed Funds Rate beträgt nur mehr Null bis 0,25 Prozentpunkte. Zinssenkungen unterstützen den Aufwärtstrend des Goldpreises. Die Opportunitätskosten der Gold-Haltung in Form entgangener Renditen ist damit gering.

Des weiteren ist die Ausweitung der Bilanzsummen der globalen Notenbanken ein positiver Faktor, der für einen mittelfristigen Goldpreisanstieg spricht. Die Furcht vor steigender Staatsverschuldung bei gleichzeitiger Finanzierung über die Notenbanken motiviert Anleger in Gold zu investieren, weil bei physischem Gold kein Kreditrisiko (Emittentenrisiko) besteht.

Ausblick: Aufwärtstrend intakt

Die Investment-Nachfrage nach Gold dürfte wegen der stark angestiegenen Volatilität an den Finanzmärkten hoch bleiben. Die jüngsten Zinssenkungen in den USA, die global niedrigen Renditen und der voraussichtlich abschwächende US-Dollar sind positive Faktoren, die für einen moderat steigenden Goldpreis sprechen.

Die deutlich erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit und die immer noch hohe Volatilität an den Aktienmärkten unterstützt die Aufwärts-Preistendenz. Der Aufwärtstrend ist auch technisch betrachtet intakt. Er dürfte mittelfristig andauern, voraussichtlich aber weniger stark ausgeprägt als im April.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Anatomie einer Erholung

Der schärfsten Aktienkorrektur der Geschichte folgte eine steile Erholung, noch bevor die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in vollem Umfang greifbar sind. Die meisten Märkte konnten die Hälfte bis zwei Drittel der Verluste wieder aufholen. Einige Profiteure der Krise, wie die Bereiche Technologie oder Gesundheit, lagen zuletzt, bezogen auf den Jahresbeginn, sogar schon wieder im positiven Bereich. All das scheint vielen angesichts des Sturms, der über die Weltwirtschaft fegt, schwer nachvollziehbar. Daher hier ein Erklärungsversuch, der nicht zuletzt auch für eine Einschätzung der nächsten Zukunft notwendig ist. Erstens: Nach starken Abverkäufen folgen zwangsläufig Gegenbewegungen. Diese sind von technischen Faktoren getrieben, beispielsweise decken ultrakurzfristige Marktteilnehmer ihre Leerverkäufe zurück. Überdies haben Stimmungslage (Sentiment) und Positionierung im Verlauf des März negative Extremwerte erreicht – und das sind auch oft Vorzeichen für steigende Märkte. Zweitens: Ob die wirtschaftliche Erholung einem V, einem U oder einem anderen Buchstaben gleicht, ist Gegenstand der Diskussion. Viele Prognosen, wie etwa jene des Währungsfonds, gehen in Richtung V, wenn man sich das erwartete Wirtschaftswachstum 2021 ansieht. Der Markt nimmt diese Erholung vorweg. Und drittens reagieren die Notenbanken mit beispiellosen Maßnahmen. Diese zielen zuallererst auf die Stabilisierung der Finanzmärkte ab. Wenn sie signalisieren, ihre weitgehend unbeschränkten Möglichkeiten auch in Zukunft zu nützen, stützt das alle Marktsegmente. Viele Marktteilnehmer folgen hier dem Motto „Don’t fight the Fed!“.

Unsere Einschätzung dazu: Erstens sind die kurzfristigen technischen Treiber ausgelaufen, zweitens werden auch bei einem V die Daten der nächsten Monate dramatisch negativ sein. Letztlich, drittens, die Notenbanken bleiben zwar ein gewichtiger Unterstützungsfaktor, können kurzfristig allerdings nicht mehr signifikant nachlegen. Daher rechnen wir mit weiterhin hoher Volatilität und mit deutlichen Rücksetzern, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die vollständige Ausgabe finden Sie links als PDF.

Aktien: Licht am Ende des Tunnels?

Oder nur der entgegenkommende Zug? Nach den dramatischen Marktbewegungen im März, die teilweise panische Ausmaße angenommen hatten, trat im April trotz schlechter Nachrichtenlage eine markante Beruhigung ein. Der Welt-Index, getrieben vor allem durch die USA, legte mit plus 10 % im April eine beachtliche Erholung vor – entgegen weiter alarmierender Gesundheits- wie Wirtschaftsdaten.

Die im Vormonat schon vermutete zumindest kurzfristige Bodenbildung fand somit statt, der Grund liegt hauptsächlich in globalen staatlichen Interventionen, also monetären und fiskalischen Unterstützungen in bisher noch nie gesehenem Umfang. Das führte vor allem zu Rückdeckungen von Verkaufspositionen, eine breite Investorennachfrage muss noch folgen. Aus heutiger Sicht am besten davongekommen sind Asien und China, am schlimmsten erwischt hat es Lateinamerika: die Gründe sind vielschichtig, einerseits bereits vorhandene politische und wirtschaftliche Krisen, andererseits der Verfall der Rohstoffpreise. Auch die Währungen der Schwellenländer kamen zusätzlich unter Druck.

Globale Konjunktur: Nach dem Lockdown

Die Folgen des staatlich verordneten Stillstands, etwa für die europäische Wirtschaft, lassen sich beispielsweise anhand der Einkaufsmanagerindizes verdeutlichen. Sowohl der Index für den Industriebereich als auch, noch deutlicher, der Index für den Dienstleistungssektor sind deutlich eingeknickt. Auch das Konsumentenvertrauen in der Eurozone hat durch die erhöhte Unsicherheit infolge der Pandemie und die stark negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gelitten.

Auch in den USA liegt ein ähnlich dramatischer Befund vor, die New York Fed errechnet bereits jetzt einen Einbruch der US-Wirtschaft um etwa 12 % im Jahresvergleich.

Auch die Revisionen der Unternehmensgewinne kennen derzeit in allen Regionen nur eine Richtung, dennoch überwiegen aktuell die weiterhin negativen Überraschungen. Obwohl die Berichtssaison derzeit noch im Gange ist, wird das erste Quartal 2020 wohl mit einem deutlichen Gewinnrückgang abgeschlossen werden. Und die nationalen Lockdowns reichen ja weit ins nächste, das zweite Quartal hinein.

Aktien USA und Europa: Markante Kurserholung

Negative Konjunktur- und Gewinndaten werden in der aktuellen Erholung ausgeblendet, der treibende Faktor ist einmal mehr die umfangreiche Zentralbankenliquidität.

Die stärksten Revisionen der Gewinnschätzungen gab es in den Ländern mit den höchsten COVID-19 Fallzahlen bzw. den negativsten Ansteckungsdynamiken. In Ländern, die im „Corona-Zyklus” schon weiter fortgeschritten sind, waren die Gewinnrevisionen bei weitem nicht mehr so dramatisch. Auf die jüngsten Kursentwicklungen hatte dies nur bedingt Einfluss. Auffällig ist vor allem die doch recht gute Performance von US-Small-Caps und Russland, während man in Japan eigentlich eine bessere Kursentwicklung hätte erwarten können. Hier spielten unter anderem Unterschiede in den Branchengewichtungen der einzelnen Länder und Wechselkursbewegungen eine Rolle.

Kurzfristig steht für uns weiterhin das Risikomanagement und damit eine vorsichtige Portfolioausrichtung im Vordergrund. Angesichts der markanten Kurserholung steigt das Risiko für erneute Kursrücksetzer.

Emerging Markets: Von der Krise stark betroffene Regionen

Auch Aktien aus den Emerging Markets konnten sich zuletzt erholen. Auf Sektorebene sind die Bereiche Gesundheit und Telekom seit Jahresbeginn mittlerweile sogar im Plus. Am stärksten unter Druck hingegen die zyklischen Sektoren wie Finanz, Energie und Industrie. Die Gewinnentwicklung geht deutlich zurück und trifft jene Regionen stärker, die „zyklischer“ aufgestellt sind. Und das Tief bei den Gewinnen ist noch nicht erreicht, da auch hier die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin rückläufig ist.

"Schwellenländer: Abwärtsrisiken werden sich auf wohlhabende Regionen übertragen"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors:

"Da die Beschränkungen der Lockdowns allmählich aufgehoben werden und wir mit den belastenden Kompromissen zwischen Gesundheit und Wirtschaft konfrontiert sind, ist mehr globale Zusammenarbeit erforderlich. Wissenschaftler und Gesundheitsexperten erfahren immer noch neue Erkenntnisse bei Testergebnissen, Fortschritten bei Impfstoffen, Ergebnissen sozialer Distanzierung und Virusmutationen. Infolgedessen sollten wirtschaftliche und soziale Maßnahmen mit diesen Erkenntnissen aufgebaut und weiterentwickelt werden."

"Die G7- und G20-Staaten standen während der globalen Finanzkrise im Mittelpunkt, weshalb jede Nation ihre Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage und den globalen Lieferketten verstehen muss. Die Schwellenländer sind für die Erholung der Industrieländer von großer Bedeutung, da diese Schwellenländer mit höheren Abwärtsrisiken von Rezessionen und Arbeitsplatzverlusten konfrontiert sind, die sich mit der Zeit wahrscheinlich auf andere wohlhabendere Regionen übertragen werden."

Coronakrise dämpft Erwartungen an Geschäftszahlen in den USA

Die erste Berichtssaison des Jahres 2020 wird thematisch von der Coronakrise beherrscht. Obwohl die Lungenkrankheit abgesehen von China in den meisten Ländern mit März erst im letzten Monat des ersten Quartals zu einem massiven Problem wurde, wirken sich die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Pandemie bereits beträchtlich aus.

Nicht nur bereits veröffentlichte Ergebnisse fielen deutlich schwächer aus. Anleger und Analysten erwarteten wegen der Folgen des weltweiten Kampfs gegen das Virus auch noch mittelfristig weniger Gewinn.

Gedämpfte Erwartungen

Im Vorfeld der ersten Zahlenvorlagen in den USA zeichnete sich bereits ein starker Rückgang der Gewinne ab. Daten von Refinitiv zufolge wurden Mitte April beispielsweise für die Unternehmen im US-Leitindex S&P 500 durchschnittlich knapp 13  Prozent weniger Gewinn im ersten Jahresviertel verglichen mit der Vorjahresperiode erwartet.

Besonders hohe Gewinnrückgänge wurden im Energiesektor (-55 Prozent) erwartet. Industrie-, Konsumgüter- und Finanzkonzernen wurde um etwa ein Drittel weniger Gewinn zugetraut.

Vorsichtsmaßnahmen schlagen sich nieder

In den USA eröffnen traditionell die großen Banken den vierteljährlichen Zahlenreigen: Bei Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup hatte sich der Gewinn im ersten Quartal halbiert. Beim Branchenprimus JPMorgan schrumpfte er um gut zwei Drittel, bei Wells Fargo um fast 90 Prozent.

Am besten schlug sich im Branchenvergleich noch Morgan Stanley mit einem Gewinnrückgang von 30 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar. Damit fiel die erste Runde der Geschäftsberichte auf den ersten Blick noch unerfreulicher aus als befürchtet. Doch noch sind die niedrigeren Gewinne vor allem auf Vorsichtsmaßnahmen der Banken zurückzuführen. Sie bildeten Rücklagen, um auf mögliche Kreditausfälle ausgelöst durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vorbereitet zu sein.

Auch Gewinner im trüben Umfeld

Neben Schwierigkeiten für Unternehmen zeichnen sich besonders für Privathaushalte schwere Zeiten ab. So haben in den USA in den ersten fünf Wochen der Pandemie mehr als 26 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ihre Jobs verloren. Dies wird wiederum die Umsätze konsumabhängiger Konzerne belasten.

Trotz der trüben Aussichten profitierten andere Unternehmen vorerst sogar von der aktuellen Situation. Ausgangbeschränkungen und Abstandsregelungen begünstigten etwa das Geschäft von Kommunikationsdienstleistern. Als plakatives Beispiel dafür dient der Videostreaming-Anbieter Netflix. Er meldete in der Vorwoche 15,8 Millionen neue zahlende Kunden und damit fast doppelt so viele Neukunden, wie von Analysten erwartet worden war.

Der Quartalsumsatz von 4,5 Milliarden im Q1 2019 auf 5,8 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei 709 Millionen, mehr als doppelt so hoch wie im Vorquartal.

Pharmaunternehmen und Gesundheitskonzerne stehen angesichts der Corona-Herausforderungen ebenfalls im Fokus. So halfen etwa Bevorratung durch Konsumenten dem Arzneimittelhersteller Eli Lilly, dessen Umsatz um gut 15 Prozent auf 5,86 Mrd. kletterte. Beim französischen Branchenkollege Sanofi stiegen die Erlöse zum Jahresstart um rund 7 Prozent auf knapp 9 Mrd. Euro, wie der Konzern vor dem Wochenende mitteilte.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich ohne Wechselkurseffekte um fast 16 Prozent auf 1,63 Euro. Der Gewinn unterm Strich legte um 48 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro zu. Etwa die Hälfte des Wachstums sei mit der Erhöhung von Lagerbeständen im Zuge der Covid-19-Krise zu erklären, hieß es.

Während die Regierungen weltweit mit Hilfspaketen und Konjunkturhilfen versuchen, die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise möglichst schnell einzudämmen, stehen in den kommenden Tagen Quartalsberichte weitere prominenter Aktiengesellschaften dies- und jenseits des Atlantiks auf dem Programm.

Auch darunter könnte sich die ein oder andere positive Überraschung finden. Den Daten von Refinitiv zufolge könnten sich diese neben dem Kommunikations- und dem Gesundheitssektor auch unter den Versorger-, oder Technologiewerten finden.


Wichtige rechtliche Hinweise

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Niedrige Energiepreise infolge der COVID-19-Pandemie ziehen Zuckerpreise nach unten

von Aneeka Gupta, Director, Research, WisdomTree.

Die Preise für Zucker fiel auf 9,34 Cent1 und erreichten damit den niedrigsten Stand eines Frontmonats-Kontrakts seit September 2007. Der rapide Rückgang der Energiepreise aufgrund einer Kombination von Angebots- und Nachfrageschocks inmitten der COVID-19-Pandemie hat weitreichende negative Auswirkungen auf die Zuckerpreise. Denn neben anderen Produkten dient Zuckerrohr der Herstellung von Ethanol. Der Einbruch der Energiepreise zog die Ethanolpreise nach unten und macht die Herstellung von Ethanol demzufolge weniger attraktiv. Die spekulative Netto-Futures-Positionierung bei Zucker-Futures ist im Vergleich zum Vormonat um 120 Prozent zurückgegangen, was auf einen Anstieg der Shortpositionen um 49 Prozent zurückzuführen ist und damit das Ausmaß der Baisse bei den Zuckerpreisen unterstreicht.

Abbildung 1: Spekulative Netto-Positionierung auf Zucker-Futures stark rückläufig


Quelle: Kommission für den Warenterminhandel, WisdomTree vom 21. April 2020. Bitte beachten Sie: Standardabweichungsmaß für das Ausmaß der Variation oder Streuung einer Menge von Werten. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Sinkende Nachfrage nach Ethanol in Brasilien belastet Zuckerpreise

In der Saison 2019/20 wurden in Brasilien inmitten einer reichhaltigen Versorgungslage nur 34 Prozent und 2018/19 nur 35 Prozent des Zuckerrohrs zu Zucker verarbeitet. Derzeit ist die Verarbeitungssaison in Brasilien, weltgrößter Zuckerexporteur, im Gange. Bei niedrigen Energiepreisen sinkt die Nachfrage nach alternativen Kraftstoffen wie Ethanol, weshalb wir jetzt einen höheren Anteil des Zuckerrohrs erwarten, der zu Zucker verarbeitet wird. Brasilien verfügt über eine umfangreiche Flotte von Flexible-Fuel-Vehicles, Fahrzeugen, die sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol betrieben werden können. Der brasilianische Ethanolsektor bat die Regierung um finanzielle Unterstützung, damit die Branche in Erwartung eines Rückgangs der Nachfrage nach Ethanol sechs Milliarden Liter Ethanol lagern kann. Darüber hinaus belastet zudem der schwache brasilianische Real die Zuckerpreise. Die brasilianische Währung verzeichnet im Jahr 2020 ihr bisher schwächstes Währungsjahr für Schwellenländer. Dies wird wahrscheinlich einen Anreiz für höhere Zuckerexporte aus Brasilien auf dem Weltzuckermarkt schaffen. Denn der schwächere Real ermutigt die Produzenten, mehr Zucker auf den Exportmärkten anzubieten, da dies ihre Einnahmen in USD erhöht.

Zucker-Konsum aufgrund der COVID-19-Pandemie unter Druck

Der industrielle Verbrauch von Zucker wird sich wahrscheinlich abschwächen, da Lebensmittel- und Getränkefabriken aufgrund von Produktionsstopps in Getränkefabriken und teilweiser Schließung von Restaurants betroffen sind. Während der Zuckerverbrauch der Haushalte sich kaum verändern dürfte und sogar steigen könnte, wird er nicht ausreichen, um den Rückgang des industriellen Verbrauchs auszugleichen. Während der großen Finanzkrise ging das Wachstum des weltweiten Zuckerverbrauchs im Erntejahr 2008/09 um zwei Prozent zurück. Wenn man dies als Anhaltspunkt nimmt, könnte sich der weltweite Zuckerverbrauch um einen vergleichbaren Betrag verlangsamen, solange der Lockdown andauert.

Der globale Zuckermarkt wird wahrscheinlich im Erntejahr 2020/21 wieder ins Gleichgewicht kommen

Nach Angaben des brasilianischen Beraters Job Economia wird Brasilien im Jahr 2020/21 voraussichtlich 41 Millionen Tonnen Zucker produzieren, gegenüber 30 Millionen Tonnen im Jahr 2019/20. Auch 2020/21 wird das Land rund 30 Millionen Tonnen Zucker exportieren.

Abbildung 2: Anteile der größten Zuckerproduzenten im Erntejahr 2018/19


Quelle: WisdomTree, International Sugar Organisation per 31 December 2019

In Thailand, zweitgrößter Exporteur der Welt, dürfte die Zuckerrohrverarbeitung im Erntejahr 2019/20 jedoch aufgrund der Dürre auf ein Zehnjahrestief von 75 Millionen Tonnen gesunken sein. In Indien führte der erste übermäßige Monsun seit 25 Jahren zu erheblichen Verzögerungen bei der Zerkleinerung in diesem Erntejahr. Der Ausbruch von COVID-19 verursachte eine weitere Produktionsverzögerung. Infolgedessen ging die Zuckerproduktion bis Mitte April im Jahresvergleich um 13 Prozent zurück und dürfte das Jahr mit einem niedrigen Wert von 27 Millionen Tonnen abschließen, bevor sie sich bis zum Erntejahr 2020/21 wieder auf über 30 Millionen Tonnen erholt. In den Ländern der Europäischen Union (EU) wird erwartet, dass die Gesamtzuckererzeugung mit 16,2 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben wird, da sich die Ernteerträge von einem fünfjährigen Tief erholen. In China scheint die Zuckerproduktion dem letzten Erntejahr zu entsprechen und könnte das Jahr mit 10 Millionen Tonnen beenden. Vor dem Hintergrund der hohen Produktion aus Brasilien, einem der größten Lieferanten, wird es immer wahrscheinlicher, dass der globale Zuckermarkt im Erntejahr 2020/21 zu einem Überschuss zurückkehren wird, was den Druck auf die Zuckerpreise weiter erhöhen wird.

Abbildung 3: Globaler Markt für Zucker: Überschuß in der Erntesaison 2020/21 wahrscheinlich


Quelle: International Sugar Organisation, WisdomTree per 24. April 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Leistung, und alle Investitionen sind Risiken und Unsicherheiten unterworfen.


1) Source: Bloomberg per 28. April 2020

Tag der Arbeit: Wirtschaftspolitik wegen hoher Arbeitslosigkeit gefordert

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Betrachtet man die Geschichte des Tags der Arbeit, erschließt sich auch die Wahl des Datums für diesen Feiertag. Seinen Ursprung hat der Tag der Arbeit in den USA des 19. Jahrhunderts. Die Industriearbeiter litten damals unter schlechten Arbeitsbedingungen sowie niedrigen Löhnen. Im Jahr 1886 riefen deshalb Handel- und Arbeitergewerkschaften zu einem mehrtägigen Generalstreik auf, und zwar am 1. Mai des Jahres. Hauptziel war die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich.

Grund für die Wahl des Datums war die Tatsache, dass damals in den USA jeweils zum 1.Mai alte Arbeitsverträge ausliefen, neue wurden geschlossen. Deshalb hieß der 1.Mai damals auch „Moving Day“. Rund 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben beteiligten sich am ersten Tag des Generalstreiks. Mit dabei waren auch die Streikenden der Arbeiterstadt Chicago. Dort kam es am dritten Tag des Generalstreiks während einer Kundgebung zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Auslöser war eine Splitterbombe, die auf Polizeibeamte geworfen wurde. Es gab viele Tote und Verletzte. Schließlich erreichten die Gewerkschaften doch noch die Umsetzung ihrer Forderung. Ab dem 1. Mai 1890 galt in den USA der 8-Stunden-Arbeitstag.

Am 1. Mai 2020, dem „Tag der Arbeit“ gibt es heuer wenig zu feiern. Die Anzahl an Arbeitslosen könnte wegen der weltweiten Pandemie auf 50 Millionen wachsen. Jedoch lebt die Chance, den wirtschaftlichen Stillstand aufzuholen und die Arbeitslosenraten zu senken.

Kurzfristig starker Rückgang der Beschäftigungslage

Zahlreiche Indikatoren deuten auf einen deutlichen Rückgang der Beschäftigung beziehungsweise auf einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenrate in vielen Ländern hin. Das kann unter anderem an den Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung abgelesen werden. Der Internationale Währungsfonds (IMF) veranschlagt für die entwickelten Volkswirtschaften einen Anstieg der Arbeitslosenrate von 4,8 Prozent der Erwerbsbevölkerung im Jahr 2019 auf 8,2 Prozent in diesem Jahr. Für nächstes Jahr wird ein Rückgang auf 7,2 Prozent erwartet. Das bedeutet einen Anstieg der Arbeitslosigkeit für heuer um 70 Prozent. Selbst im nächsten Jahr wird die Arbeitslosigkeit immer noch mit 30 Prozent über dem Ausgangsniveau liegen. Die Weltbank schätzt die gesamte Erwerbsbevölkerung der „reichen“ (High- Income) Länder auf 616 Millionen Personen. Daraus ergibt sich eine Arbeitslosenzahl von rund 30 Millionen im vergangenen Jahr. Dieses könnte heuer um 20 Millionen auf 50 Millionen anwachsen.

Schattenwirtschaft besonders betroffen

Dabei trifft es die Schwächsten ganz besonders. Denn die Schattenwirtschaft ist stark betroffen. Die ILO (International Labor Organization) schätzt, dass rund 1,6 Milliarden Arbeiter in der Schattenwirtschaft ihre Existenzgrundlage verlieren könnten. Das ist beinahe die Hälfte der globalen Erwerbsbevölkerung (3,3 Milliarden). Im ersten Monat der Krise könnten die Beschäftigten in der Schattenwirtschaft rund 60 Prozent ihres Einkommens verloren haben.

Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt deutlich

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Arbeitslosigkeit wird zurückgehen – permanente Effekte zu erwarten

Seit der zweiten April-Hälfte nehmen die Ankündigungen für eine schrittweise Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen zu. Die katastrophalen Wirtschaftsindikatoren für den Monat April werden sich im Monat Mai etwas verbessern. Es wird jedoch ein permanenter Schaden bleiben. In einigen europäischen Ländern helfen die Kurzarbeitsprogramme. Dennoch ist ein Einkommensverlust entstanden. Zudem werden selbst bis Ende 2021 die Arbeitslosenraten nicht vollständig auf das Ausgangsniveau gesunken sein. Darüber hinaus wird auf globaler Basis die Einkommensungleichheit zwischen den „armen“ und den „reichen“ Ländern zunehmen.

Wirtschaftspolitik gefordert

In den kommenden Quartalen wird der wirtschaftliche Rahmen für die kommenden zehn Jahre abgesteckt werden. Option Nummer 1: Staatliche Sparprogramme um die angestiegene Verschuldung zu reduzieren. Das würde wahrscheinlich ein anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum bei einer erhöhten Arbeitslosigkeit zur Folge haben (säkulare Stabnation). Option Nummer 2: Das Schnüren von Konjunkturpaketen nach den Hilfsprogrammen. Daraus würde sich die Chance ergeben, das verlorene Bruttoinlandsprodukt aufzuholen und die Arbeitslosenraten auf das Ausgangsniveau zu senken.

Koordinierte Vorgehensweise wichtig

Das ist jedoch noch nicht alles. Denn es ist eine zwischen den Staaten koordinierte Vorgehensweise wichtig. Diese würde den gesamten wirtschaftsstimulierenden Effekt erhöhen. Zudem müssten die Konjunkturprogramme symmetrisch sein. Die Höhe der Konjunkturprogramme sollte sich nicht an der Kreditwürdigkeit eines Landes sondern der wirtschaftlichen Notwendigkeit orientieren. Das betrifft nicht nur das angespannte Verhältnis zwischen den Ländern innerhalb der Eurozone. Insbesondere die Schwellenländer und die ärmsten (Low-Income) Länder haben einen hohen Kapitalbedarf. Der IMF hat diesen Bedarf unlängst auf rund 2500 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Fazit

Mit der Verbesserung der Wirtschaftsindikatoren wird sich auch die Situation am Arbeitsmarkt entspannen. Die Schattenwirtschaft ist aktuell besonders von der Vollbremsung der Wirtschaft betroffen. Welche langfristigen Auswirkungen zu erwarten sind, hängt davon ab wie die Wirtschaftspolitik in den kommenden Quartalen ausfallen wird. Eine länderübergreifende Koordination bei Konjunkturprogrammen und eine Unterstützung für „arme“ Länder würden helfen.


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Wichtige rechtliche Hinweise

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Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Rückkehr in eine normalere Welt?

Die jüngsten Entwicklungen bei den Pandemie-Zahlen in Europa, den USA und weiten Teilen Asiens geben Anlass zu Optimismus. Die drastischen Gegenmaßnahmen dürften in den kommenden Wochen fast überall nach und nach zurückgefahren werden. Gegenläufige Tendenzen, wie etwa in Singapur, mahnen zwar zur Vorsicht. Sie dürften den generellen Trend zur Lockerung und einem Hochfahren der Volkswirtschaften aber nicht stoppen. Selbst bei weniger guten Pandemiezahlen wird man künftig aber schwerlich in das bisherige Regime zurückfallen können. Zu groß sind die wirtschaftlichen und sozialen und damit mittelbar auch die gesundheitlichen Kosten mit jeder weiteren Woche von „Lockdowns“. In weiten Teilen Süd- und Südostasiens beispielsweise kamen „Lockdowns“ und Grenzschließungen mitten zur Haupterntezeit und die neue Aussaat kann ebenfalls nicht mehr lange warten. Können die zahlreichen Gastarbeiter aus anderen Ländern nicht schnell wieder in ihre Zielländer einreisen, drohen Hungerkatastrophen, unbezahlbare Lebensmittelpreise (Reis kletterte bereits auf ein 7-Jahres-Hoch) und Massensuizide von ruinierten Bauern. In diesem Fall wäre die imaginäre Kur definitiv schlimmer als die Krankheit selbst. In den USA und Teilen Europas beginnt auch die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen. Auf Dauer lässt sich auch nur schwer mit imaginär geretteten Leben argumentieren gegen ganz real zerstörte wirtschaftliche Existenzen.

Damit rückt zunehmend die Frage in den Fokus der Märkte, wie schnell die Weltwirtschaft zu normaleren Verhältnissen zurückkehren kann und wie diese neue Normalität in den kommenden Quartalen und Jahren vermutlich aussehen wird? Wer wird sich schneller und stärker erholen, wer weniger? Diesbezüglich wird es ganz gravierende Unterschiede zwischen Branchen, Regionen und einzelnen Unternehmen geben. Viel wird dabei nicht nur vom Umfang, sondern auch der konkreten Ausgestaltung der fiskalischen Programme abhängen, die sich mit dem Wiederaufbau beschäftigen, im Gegensatz zu den aktuellen Nothilfeprogrammen, die die schlimmsten unmittelbaren Folgen der Krise auffangen sollen.

Enttäuschender EU-Gipfel zum Wiederaufbau

Bei den Verhandlungen über das Wiederaufbauprogramm für die EU hat es in der vergangenen Woche kaum Fortschritte gegeben. Die Ergebnisse waren insgesamt enttäuschend für die Märkte, die ohnehin schon nicht mit großen Erwartungen in den EU-Gipfel gegangen waren. Ein Kernproblem ist wieder einmal die prinzipiell ungelöste Zukunft der EU. Länder wie Frankreich und Italien möchten die aktuelle Krisensituation gern nutzen, um das von ihnen schon lange angestrebte Aufnehmen gemeinschaftlicher Schulden durchzusetzen. Dem steht heftiger Widerstand unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich entgegen. Für diese ist ein großangelegtes Wiederaufbauprogramm möglich, auch ohne, dass man dafür in eine faktische Fiskalunion einsteigen muss. Langfristig wird es mit ziemlicher Sicherheit Lösungen geben, gleich welcher Art, nötigenfalls auch in sehr großem Umfang. Kurzfristig bleiben aber etliche Fragezeichen, speziell in Bezug auf Italien. Eine Herabstufung mit Verlust des Investment-Grade-Siegels steht im Raum, wobei der diesbezügliche Überprüfungstermin durch Standard&Poor‘s am vergangenen Freitag weder ein Downgrade (das war ohnedies unwahrscheinlich) noch einen verschlechterten Ausblick brachte.

Die EZB hat für den Fall eines Downgrades in ihren letzten Beschlüssen bereits Vorkehrungen getroffen, ohne dabei explizit Bezug auf Italien zu nehmen. Dass sie künftig Sicherheitsleistungen auch in Form von Nicht-Investment-Grade-Anleihen zulässt und selbst auch solche Bonds unter bestimmten Bedingungen kaufen kann, dürfte zumindest sicherstellen, dass bei einer etwaigen Herabstufung Italiens nicht sofort die nächste Euro-Krise droht. Langfristig ist schwer zu sehen, wie sich Italien ohne implizite (Teil-)Garantien durch die anderen EU-Länder und/oder die EZB finanzieren soll. Ein „Herauswachsen“ aus der rasant steigenden Verschuldungsquote ist aus heutiger Sicht komplett unrealistisch. Auf der anderen Seite ist es genauso unrealistisch, mit Italien ähnlich zu verfahren wie mit Griechenland. Auf den Märkten kamen italienische und spanische Staatsanleihen in der letzten Woche unter Druck, nicht zuletzt aufgrund sehr starker Emissionstätigkeit beider Länder. Auf der anderen Seite ist die EZB bis auf weiteres aber bereit und auch in der Lage, zu starke Spreadausweitungen durch Käufe zu verhindern. Im Interesse der gesamten Eurozone wird sie dies auch bis auf weiteres sicherstellen.

In den Rentenfonds waren und sind wir derzeit bei italienischen Staatsanleihen grundsätzlich neutral positioniert. Es wurde aber aus Risikomanagementerwägungen eine Italien-Shortposition im Vorfeld der EU-Beratungen eingegangen, so dass derzeit eine Untergewichtung italienischer Staatsanleihen besteht. Diese wird in den kommenden Tagen je nach Marktentwicklung und Nachrichtenlage möglicherweise angepasst.

Aus langfristiger, strategischer Sicht stellen Renditeaufschläge von 260 Basispunkten über 10jährigen deutschen Bundesanleihen, wie sie in der vergangenen Woche zeitweise zu beobachten waren, durchaus attraktive Niveaus dar. In der Strategischen Asset Allocation wurden daher in den letzten Tagen entsprechende Käufe bei italienischen Staatsanleihen getätigt.

Reduziertes Risiko auf der Aktienseite scheint weiterhin geboten

Keine wesentlichen Positionsveränderungen gab es hingegen in der kurz- bis mittelfristig ausgerichteten Taktischen Asset Allocation. Die aus Risikoüberlegungen erfolgten Aktienuntergewichtungen werden vorerst beibehalten und die Situation täglich neu betrachtet und bewertet. Für den Moment drängen sich sowohl aus markttechnischer Sicht als auch fundamental noch keine Veränderungen auf. Die schwerste globale Rezession seit vielen Jahrzehnten und gewaltige Unwägbarkeiten sowie anhaltend hohe Volatilitäten an den Aktienmärkten sprechen derzeit für ein Beibehalten des Sicherheitsfokus. Die kräftige Erholung des S&P500-Aktienindex mag, oberflächlich betrachtet, große Zuversicht im Markt signalisieren. Doch ist sie sehr stark von einer Handvoll großer Technologieaktien getrieben. Microsoft, Amazon, Apple, Alphabet (Google) und Facebook machen zusammen inzwischen mehr als 20 % der gesamten Marktkapitalisierung des S&P500 aus. Diese schlechte Marktbreite ist technisch negativ zu werten. Anderswo haben sich die Aktienmärkte sehr viel weniger stark erholt, etwa in Teilen Europas und in vielen Schwellenländern.

Ende des Nachhaltigkeitstrends oder nur eine Delle?

Verliert das Thema Nachhaltigkeit bei Regierungen und Unternehmen angesichts der Krise an Priorität? Zu einem gewissen Grad mag das tatsächlich der Fall sein, zumindest für den Moment, geht es doch in vielen Bereichen derzeit um Überlebenskampf und blankes Krisenmanagement. In solchen Situationen werden naturgemäß viele Projekte hinterfragt oder verschoben, und Nachhaltigkeitsprojekte sind davor nicht gefeit. In den geäußerten Einstellungen widerspiegelt sich nach Beobachtungen unseres Nachhaltigkeitsteams aber in keiner Weise eine Abkehr von Nachhaltigkeitsbestrebungen, weder in der Politik, noch bei den Unternehmen. Die EU hat schon mehrfach bekundet, an ihrem ehrgeizigen Aktionsplan festzuhalten und auch viele Unternehmen betrachten nachhaltigeres Wirtschaften unverändert als wichtigen Wettbewerbsfaktor und wesentliches Element der eigenen Zukunftssicherung.

Während die Bereitschaft zu mehr Nachhaltigkeit intakt zu sein scheint, könnte es bei den verfügbaren Ressourcen sowohl bei Staaten als auch in der Wirtschaft in den kommenden Jahren etwas anders aussehen. Verlässliche Aussagen dazu sind aktuell aber noch nicht möglich. Vorstellbar ist sicherlich, dass das eine oder andere Nachhaltigkeitsprojekt verzögert, weil knappere zeitliche und materielle Ressourcen für andere Prioritäten verwendet werden. Es könnte also zwar die eine oder andere Delle und Verzögerung im Nachhaltigkeitstrend geben. Dass er durch die aktuellen Ereignisse aber aus der Bahn geworfen wird, ist extrem unwahrscheinlich. Möglich ist andererseits aber auch, dass sich der gesamtgesellschaftliche Fokus noch verbreitert und beispielsweise neben den zuletzt sehr stark präsenten Umwelt- und Klimaschutz-Aspekten auch Themen wie Soziales, Gesundheitswesen, Versorgungssicherheit, regionale Kreisläufe etc. stärker zur Geltung kommen.

Aktienstrategien im Vergleich: Qualität setzt sich durch

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Die Auswahl von Aktien auf Basis von bestimmten Faktoren ist in letzter Zeit wieder populär geworden. Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine neue Entwicklung. Bereits in den 90er Jahren gab es zahlreiche akademische Publikation die beschreiben, dass es Aktien mit bestimmten Eigenschaften gibt, die einem Teil der modernen Portfoliotheorie von Markovitz aus dem Jahr 1952, und zwar dem Risikobegriff, widersprachen.

Diese Theorie besagt, dass eine höhere Wertentwicklung (Performance) nur mit einem höheren Risiko zu erzielen ist. Die Realität hat dieser Theorie in vielen Fällen widersprochen.

Doch was sind das für Eigenschaften, die eine bessere Wertentwicklung, und zwar risikobereinigt, in Aussicht stellen? Untersucht und vorgestellt wurden Dutzende solcher Kriterien, wobei nur wenige bis heute allgemein anerkannt sind:

Aktienfaktoren (bzw. Aktienstrategien) – Übersicht

Value-Strategie Aktien werden auf Basis von Bewertungskennzahlen ausgewählt (z. B. niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oder hohe Dividendenrendite
Momentum-Strategie Aktien, die in der Vergangenheit z. B. über die letzten 6 oder 12 Monate den Markt in der Wertentwicklung geschlagen haben
Size-Strategie Aktien die nur eine niedrige Börsenkapitalisierung haben, sogenannte Small Caps
Qualitätsaktien-Strategie Aktien von Unternehmen mit hochprofitablen Geschäftsmodellen, niedrigem Verschuldungsgrad und einer stabilen Gewinnentwicklung
MinVola-Strategie Aktien mit einer geringeren Schwankungsfreudigkeit (niedrige Volatilität) im Vergleich zu einem Aktienindex


Im weiterem Sinn kann man auch Emerging Markets Aktien als Faktorstrategie dazu zählen, oder Growth-Strategien. Wobei es für den Faktor Growth/Wachstum bis heute keine einheitliche Definition gibt.

Manchmal wird die vergangene Gewinnentwicklung für die Portfoliozusammensetzung herangezogen, oft ist es auch die zukünftig erwartete Gewinnentwicklung oder die Aktienkursdynamik (Preis-Momentum), manchmal eine Kennzahl wie ein hohes Preis/Buchwert-Verhältnis.

Eine mögliche Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt ist die eine Sache, doch wie verhält es sich mit dem Risiko? 

Gerade in turbulenten Börsenzeiten, haben viele Investoren ein Bedürfnis nach Sicherheit. Ein Maß für die Sicherheit ist die Volatilität. Je geringer die Volatilität, desto weniger schmerzhaft sollten die Verluste in schwierigen Phasen ausfallen. Wenn der Gesamtmarkt fällt, sind fast alle Aktien davon betroffen. Allerdings kann das Ausmaß recht unterschiedlich ausfallen.

Bezogen auf die bekanntesten Faktoren, betrachten wir in Graphik 1 das Risiko (x-Achse)/ Ertragsprofil (y-Achse) unter Berücksichtigung der letzten 20 Jahre:

Ertrags-Risikoprofil verschiedener Aktienstrategien (- 20 Jahre)

Grafik 1; Quelle: Bloomberg; Erste Asset Management; annualisierte Werte. In den Auswertungen sind keine Spesen oder Steuern berücksichtigt; eigene Berechnungen

Alle genannten Aktienstrategien (Faktoren) konnten über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Outperformance generieren (allerdings nicht zwangsläufig zur selben Zeit). Unter einer Faktor-Performance verstehen wir die Wertentwicklung (Performance) eines Portfolios mit Aktien, die eine dieser oben genannten Eigenschaften teilen.

Die Faktoren Momentum, Qualität, Wachstum und MinVola weisen ein geringeres Risiko als der Gesamtmarkt auf.

Qualitätsaktien in turbulenten Zeiten bevorzugt

Hohe Dividenden, Value, Small Caps und Emerging Markets konnten ebenfalls outperformen, allerdings verbunden mit einem höheren Risiko. Gerade in turbulenten Zeiten ist aber ein geringes Risiko eine willkommene Eigenschaft.

Investoren sollten derzeit also Qualitätsaktien, Wachstumsaktien und Aktien mit niedriger Volatilität bevorzugen. Aktien mit überdurchschnittlichem Risiko werden in einer Börsenkorrektur wahrscheinlich stärkere Verluste einfahren.

Value-,Small-Caps und Emerging Markets mit herben Verlusten in der Krise

Aktuell befinden sich die Aktienmärkte mitten in einer Korrektur. Vom 20. Feb.-24.März hat ein globales Aktienportfolio über 30% an Wert eingebüßt, konnte allerdings in den folgenden 20 Tagen um 28% zulegen.

Die Faktoren haben sich in dieser Zeit recht unterschiedlich verhalten, wie aus der Graphik 2 ersichtlich ist. Value und Small Cap Aktien haben herbe Verluste einstecken müssen, während Qualitäts-, Wachstums-, Momentum und MinVola-Aktien sich weitaus besser halten konnten.

Damit bestätigt sich die Aussage aus Graphik 1, dass manche Faktoren weniger riskant sind als andere Faktoren.

Wertentwicklung verschiedener Aktienstrategien im Vergleich (2020)

Grafik 2; Quelle: Bloomberg

Neben Value (siehe oben) und Small Caps (Unternehmen mit einem geringer Börsenwert), zählten erwartungsgemäß auch die Emerging Market (Aufstrebende Märkte in Asien und Südamerika z.B.) Aktien zu den Verlierern. Value Aktien haben zwar eine niedrige Bewertung (z.B: Kurs/ Buchwert, Kurs/ Gewinn-Verhältnis), dies hat allerdings zumeist einen Grund und bietet keineswegs Schutz vor überdurchschnittlichen Verlusten.

Diese Aktien sind stärker von einer konjunkturellen Entwicklung abhängig und verhalten sich dann unvorteilhaft, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern.

Das heißt, wer eine schnelle Erholung nach der Corona-Krise erwartet, kann jetzt attraktiv bewertete Value Aktien kaufen. Eine sogenannte V-Erholung wird allerdings nur mehr von einer Minderheit erwartet.

Qualitätsaktien auf lange Sicht interessant

Wer weiterhin eine schwierige Börsenphase erwartet und langfristig dennoch die Chance auf eine bessere Wertentwicklung als der gesamte Aktienmarkt wahren möchte, greift jetzt zu Qualitätsaktien mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum und geringer Schwankungsfreudigkeit.

Gerade diese Aktien eignen sich für Anleger mit einem langen Anlagehorizont und für Anleger, die nicht ständig ihr Portfolio an die konjunkturelle Entwicklung anpassen wollen.

Veranlagungstipps für die Strategie Qualitätsaktien

Der ERSTE EQUITY RESEARCH investiert in Qualitätsaktien. Die Basis für die Titelauswahl ist die öffentlich zugängliche Empfehlungsliste des Erste Group Research. Diese Aktienliste besteht zu ca. 80% aus „Global Playern“, also den wichtigsten und größten Unternehmen ihrer Branche, und zu 20% aus sogenannten „Rising Stars“. Das sind Unternehmen, die in den kommenden Jahren zu Global Playern werden könnten.

Das aktuelle Fondsportfolio besteht aus 49 Aktien, wobei zurzeit Titel aus Branchen bevorzugt werden, die weniger konjunkturabhängig sind als andere. Das sind z. B. die Gesundheitsbranche oder Informationstechnologie, welche zusammen etwa die Hälfte des Fonds ausmachen. Vom derzeitigen wirtschaftlichen Abschwung stark betroffene Branchen wie Tourismus, Freizeit, Automobil oder Rohstoffe sind im Fonds aktuell nicht vertreten.

Weitere  Aktienfonds, die bei der Titelauswahl auf hohe Qualität und Wachstum setzen sind der ERSTE STOCK GLOBAL und der ERSTE FUTURE INVEST. Diese Fonds haben sich in der aktuellen Krise gut gehalten.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Mit Digital Health aus der Krise

von Kai Brüning und Hendrik Lofruthe, beide apoAsset.

Der Gesundheitssektor hat die Corona-Krise an der Börse bisher am besten überstanden, insbesondere Unternehmen im Bereich Digital Health. Gerade hier macht die Pandemie den großen Nachholbedarf sichtbar, aber auch das große Potenzial für Patienten, Ärzte und Anleger.

Die Pandemie beschleunigt die Nachfrage nach Digital Health enorm

Viele Unternehmen aus aller Welt erschließen dieses Potenzial zunehmend, seien es Telemedizin, elektronische Patientenakten, Krankenhaus- und Praxis-IT oder Künstliche Intelligenz in der Medizin. Hier tummeln sich Technologie-Giganten wie Alphabet, Alibaba, Amazon, Apple, Microsoft oder Samsung, aber auch viele kleinere Spezialisten und Pioniere. Die Pandemie wirkt hierbei wie ein Katalysator, denn virtuelle und digitale Anwendungen werden aktuell schneller adaptiert als je zuvor.

Die Grundlage für eine mögliche Outperformance wird jetzt gelegt

Dabei entstehen jetzt neue Gelegenheiten für selektive Käufe. Ein Vorteil ist, dass sich viele Digital-Health-Modelle auf Dienstleistungen für Unternehmen und Institutionen konzentrieren (business-to-business). Große Teile der Umsätze sind dabei wiederkehrend, das Risiko ist also begrenzt. Neue Vertragsabschlüsse sind im aktuellen Umfeld noch schwierig. Doch in jedem Fall ist mit steigenden Investitionen zu rechnen, denn die Systemrelevanz von Gesundheit ist sehr deutlich geworden.

Drei Beispiele, warum Digital Health künftig wichtiger wird – nicht nur bei Pandemien

Künstliche Intelligenz (KI): Aktuell richtet sich die öffentliche Wahrnehmung vor allem auf die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19. Das erfordert Studien mit riesigen Datenmengen. Der Einsatz von KI kann deren Auswertung künftig stark verbessern und beschleunigen. Auch bei der Früherkennung und Steuerung von Pandemien, zum Beispiel über Tracing-Apps, kann KI eine sehr hilfreiche Rolle spielen.

Telemedizin: Sie ist derzeit gefragt wie nie. Auch vor Covid-19 haben verschiedene Studien gezeigt: Etwa zwei Drittel aller Erstkonsultationen wären ohne physische Anwesenheit eines Arztes möglich (oder gar nicht notwendig). Telemedizin soll Ärzte nicht ersetzen, sondern die Arzt-Patienten-Kommunikation digital ermöglichen. Die Herausforderung für die Anbieter ist dabei vor allem die Optimierung der Prozesse im Hintergrund. Die entsprechenden Algorithmen müssen Ärzte, Patienten, Abrechnungsdienstleister und Versicherungen optimal zusammenführen.

Gesundheitsmanagement: Wenn die Daten und Prozesse in den Kliniken, Praxen, Laboren und Gesundheitsämtern vollständig digitalisiert sind, wird auch die Diagnostik und Behandlung sehr viel effizienter, besser und schneller. Hier dürfte die Pandemie den Wandel ebenfalls beschleunigen.

Welchen Digital-Health-Unternehmen die Corona-Krise zugutekommt

Wir setzen aktuell verstärkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle relativ stabil sind (hoher Anteil wiederkehrender Umsätze) oder die für die Herausforderungen der Corona-Pandemie besonders zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen anbieten. Im Bereich Telemedizin gehören dazu beispielsweise Teladoc (USA), der weltweit größte Anbieter von Telemedizin in rund 130 Ländern und 30 Sprachen, und Ping An Healthcare and Technology (China), eine Plattform für Telemedizin, Gesundheitsakten, Terminverwaltung und Medikationsmanagement. Ein anderes Beispiel ist das Unternehmen Vocera (USA), das kabellose, stimmengesteuerte Kommunikationslösungen für Krankenhäuser und Praxen entwickelt. Es ermöglicht damit eine ansteckungsarme Kommunikation. Zum breiten Portfolio unserer Gesundheits-Investments gehört auch CompuGroup Medical (Deutschland), der europaweit größte Anbieter von Praxismanagement-Software. Hier sind mehr als 60% der Umsätze vertraglich gesichert und wiederkehrend, was für eine relativ hohe finanzielle Stabilität sorgt.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt und verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA. Er gehört seit 2015 als Portfolio Manager Healthcare der apoAsset zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,2 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Flugverkehr und Umweltbelastung

von Gernot Mayr, Senior Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Seit dem ersten Flug der Gebrüder Wright im Jahre 1903 in Kitty Hawk, North Carolina, hat sich viel getan. Der moderne Flugverkehr ermöglicht Reisen in die entlegensten Gegenden der Erde innerhalb kürzester Zeit, die Erschließung neuer Geschäftsfelder und einen globalen Warenaustausch ungeahnten Ausmaßes. Flugzeuge sorgen für Wohlstand und Wachstum und sind die Voraussetzung für viele Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Neben den erwähnten Vorzügen hat der Flugverkehr allerdings auch massive Folgen für die Umwelt.

Flugzeuge werden mit Verbrennungsmotoren betrieben. Als Treibstoff kommt zumeist Kerosin, ein Mitteldestillat der Erdölproduktion, zum Einsatz. Kerosin besteht aus Kohlenwasserstoffen, zumeist Alkanen, mit einer Länge von 9 bis 13 Kohlenstoffatomen. Damit ähnelt Kerosin dem Diesel, enthält aber vermehrt etwas leichtere Moleküle (mit relativ geringer Streuung der Molekülgröße) und weist meist eine etwas geringere Dichte auf. Bei der Verbrennung von Kerosin wird Energie frei und als Nebenprodukt entstehen das vor allem für den Klimawandel – und damit für den Menschen – relevante Kohlendioxid und Wasser. In kleineren Mengen werden auch weitere Verbrennungsprodukte wie zum Beispiel Ozon oder Schwefeldioxid erzeugt.

Bei der Umweltbeeinträchtigung durch den Flugverkehr unterscheidet man vier Bereiche: den Beitrag zur Klimaveränderung, die allgemeine Verunreinigung der Luft, die Verunreinigung von Wasser und die Geräuschentwicklung. Während die Verunreinigung von Luft und Wasser sowie die Geräuschentwicklung lokale Phänomene sind, ist der Beitrag zur Klimaveränderung ein globales Problem, das durch die Entwicklungen der vergangenen Jahre verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Neben dem Kohlendioxid, dessen Beitrag zum Klimawandel mittlerweile relativ gut untersucht ist, haben auch andere bei der Verbrennung von Kerosin entstehende Stoffe wie Ozon (O3), Stickoxide (NOX), Schwefelverbindungen (u. a. SO2) und das erzeugte Wasser (H2O) Einfluss auf den Treibhauseffekt, wobei hier die Wechselwirkungen mit dem Klima zum Teil noch relativ unbekannt sind.

Insbesondere die Effekte von Kondensstreifen und der dadurch unter gewissen Umständen entstehenden Zirruswolken sind nicht geklärt. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der klimatologische Gesamteffekt des Fliegens größer ist als der Beitrag des entstehenden CO2 alleine.

Schätzungen zufolge erzeugte der zivile, kommerzielle Flugverkehr im Jahre 2018 ca. 900 Millionen Tonnen CO2. Bei 38 Milliarden Tonnen anthropogener Kohlendioxidproduktion liegt der Beitrag von zivilen Flugzeugen bei ca. 2,5 %.Von den 900 Millionen Tonnen entfielen 80 % auf den Passagier-, 20 % auf den Gütertransport. Schreibt man die Emissionen jenen Ländern zu, in denen die Flugzeuge starten, dann sind die Top-5-Länder wenig überraschend die Vereinigten Staaten, China, das Vereinigte Königreich, Japan und Deutschland.1 Wäre die EU ein Land, wäre sie auf Platz zwei.

Als Passagier kann man mit ca. 80 g CO2 pro geflogenem Kilometer rechnen, bei Flügen von unter 500 Kilometern steigt dies auf ca. 160 g an. Zum Vergleich: Ein Golf VI 1.6 TDI (77 kW Automatik) erzeugt laut Herstellerangaben 123 g CO2/km. Das gilt natürlich pro Fahrzeug, fahren vier Personen mit dem Auto, sind das ca. 30 g pro Kilometer und Person. Sowohl über die CO2-Produktion der militärischen Luftfahrt als auch über jene der privaten Luftbewegungen (kleine Turbo-prop-Maschinen und Business-Jets) liegen keine genauen Daten vor.

In Summe beziffert das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet) den Anteil des gesamten Flugverkehrs am anthropogenen Treibhauseffekt mit ca. 3,5 %. Die Schätzungen über die von Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen gehen von 38 Gigatonnen aus.2 In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass diese Schätzungen mit großer Vorsicht zu betrachten sind, viele Schätzungskomponenten sind nur äußerst vage. Die genaue Menge des von Menschen erzeugten sowie des auf natürliche Weise freigesetzten Kohlendioxids kennt niemand.

ALTERNATIVEN VORHANDEN?

Um die Effekte zu reduzieren, wird an alternativen Antriebskonzepten gearbeitet. Die Überlegungen reichen von Bio-Kerosin, Kerosin, das nicht aus Erdöl gewonnen wird, bis Ethanol. Unabhängig davon, ob diese Alternativen wirklich geeignet sind, um die Emissionen nachhaltig zu senken, ist ein flächendeckender kommerzieller Einsatz von alternativen Antrieben bis auf weiteres nicht absehbar.

Der Einsatz von Bio-Kerosin, hier werden die Kohlenwasserstoffe aus hydrierten Pflanzenölen gewonnen, ermöglicht es zwar, die gleichen Flugzeuge weiter zu verwenden, birgt aber die gleichen Probleme wie andere Bio-Treibstoffe. Wenn zum Anbau von Raps- oder Palmöl Wälder abgeholzt werden oder wenn durch die erhöhte Nachfrage die Nahrungsmittelpreise steigen, wird die Umwelt- bzw. soziale Verträglichkeit dieser Alternativen in Frage gestellt. Das Präfix „Bio“ deutet in diesem Zusammenhang nur auf den pflanzlichen Ursprung hin, nicht auf die Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft. Aus diesen Gründen soll die nächste Generation von Bio-Kerosin aus biologischen Abfällen bzw. Recyclingmaterial hergestellt werden.3

Mit einem flächendeckenden Einsatz von Bio-Kerosin ist aber in naher Zukunft nicht zu rechnen, da der Preis von Bio-Kerosin weit über dem Preis von aus Erdöl erzeugtem Kerosin liegt.

Im Jahr 2018 wurden ungefähr 39 Millionen kommerzielle Flugbewegungen gezählt.4 Die Steigerungsraten im vergangenen Jahrzehnt sind enorm und dürften ca. 5 % pro Jahr betragen haben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schätzt für die nächsten 20 Jahre eine Verdopplung der Passagierzahlen. Auch wenn in Europa Flughäfen wie Berlin oder auch Wien Kapazitäten erhöhen, liegt das wahre Wachstum im Fernen Osten. Alleine in China sind in den nächsten 15 Jahren über 200 neue Flughäfen geplant.

Neben dem Beitrag zum Treibhauseffekt ist auch die allgemeine Verschmutzung von Luft sowie von Wasser ein Thema. Problematisch ist hier das aus Flugzeugen in der Regel nur in großen Höhen abgelassene Kerosin, von dem laut Spezifikation auch nur ein Bruchteil den Boden erreichen darf. Dennoch kann dieser Treibstoff Landschaften kontaminieren.5

Eine spezielle Umweltbeeinträchtigung ist die Lärmentwicklung, die aufgrund der steigenden Flugbewegungen ebenfalls zunimmt. Neben dem subjektiven Unwohlsein bei Lärmbelastung gibt es Hinweise auf physische oder psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden.6 Der konkrete Nachweis von Ursache-Wirkungs-Beziehungen gestaltet sich hier allerdings schwierig.

Moderne Flugzeuge werden aufgrund neuerer Technologien, aus Kostengründen und dank strengerer Vorschriften effizienter und geräuschärmer gebaut als früher, durch die zu erwartenden Kapazitätserweiterungen werden diese Effekte jedoch mehr als aufgehoben. Dementsprechend ist im Flugverkehr auf absehbare Zeit von keiner sinkenden Umweltbelastung auszugehen.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Flugverkehr“ finden Sie links als PDF.

1) ICCT, international council on clean transportation, Graver, Zhang, Rutherford, CO2 emissions from commercial aviation, 2018
2) EU publications: Fossil CO2 and GHG emissions of all world countries 2019 report study
3) Aviations Fuel Guide,Version 2, Dezember 2018
4) ICCT, a. a. O.
5) Deutsches Umweltbundesamt, Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Treibstoffschnellablass, 2008
6) Deutsches Umweltbundesamt, Dr. Greiser, Greiser, Risikofaktor nächtlicher Fluglärm, 2010

Analyse in 10 Punkten – Langfristige Folgen der Corona-Pandemie

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Corona-Pandemie hat die Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Für einen großen Teil der Menschheit sind (oft) Leben und sehr häufig Lebensgrundlagen bedroht. Die Weltwirtschaft ist mit einer schweren Rezession konfrontiert. Sowohl das volkswirtschaftliche Angebot als auch die Nachfrage haben sich aufgrund der Eindämmungsmaßnahmen zum Teil in Luft aufgelöst. Der Welthandel ist eingebrochen. Die Lieferketten sind unterbrochen.

Auf dem Finanzmarkt haben sich zahlreiche Zustandsgrößen (die Financial Conditions) verschlechtert. Regeln für die Neuverschuldung der Staaten werden außer Kraft gesetzt. Die Geld- und Fiskalpolitik verschmelzen. Grundlegende Freiheiten wie der freie Reiseverkehr sind eingeschränkt. Ebenso steht die internationale Solidarität auf dem Prüfstand.

Die Faktoren, die den zukünftigen Verlauf bestimmen, sind nur mit großer Unsicherheit einzuschätzen. In diesem Beitrag sollen einige mögliche langfristige Folgen skizziert werden.

  1. Ausmaß des Einbruchs
  2. Dauer des Einbruchs
  3. Unsicherheiten bleiben
  4. Nur teilweise Erholung 
  5. Hohe Verschuldung
  6. Sparen oder investieren?
  7. Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik
  8. Inflation
  9. Produktivität
  10. Fazit

1) Ausmaß des Einbruchs

Nur in einer Dimension hat die Unsicherheit deutlich abgenommen: Die veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren für die Monate März und April bestätigen die Annahme eines markanten Einbruchs der wirtschaftlichen Aktivität.

Die OECD schätzt in ihrem Basisszenario einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von im Durchschnitt 25 Prozent ab dem Zeitpunkt der Eindämmungsmaßnahmen.

2) Dauer des Einbruchs

Auch hinsichtlich der Dauer des Einbruchs kann eine Schätzung mit zunehmender Zuversicht abgegeben werden als noch vor einem Monat. Mittlerweile ist ein Rückgang der Neuinfektionsrate eingetreten. Tatsächlich zeichnen sich vorläufige Lockerungsmaßnahmen für den Monat Mai ab.

Einige Länder haben bereits damit begonnen. Die brachiale Eindämmung der Reproduktionsrate wurde mit dem Einsatz eines Breitschwertes erreicht: Quarantäne, Geschäftsschließungen, soziale Distanzierung, Ausgangs- und Reisbeschränkungen.

Um die Reproduktionsrate auf einem niedrigen Niveau (unter eins) zu halten ist ein Waffenwechsel auf das Florett notwendig. Massiver Ausbau der Ressourcen für Kontaktverfolgung, Testungen (Antikörper und Infektion), Hygienemaßnahmen, Schutzmasken.

3) Unsicherheiten bleiben

Zahlreiche andere Faktoren bleiben mit großer Unsicherheit behaftet:

  • Die Eigenschaften des Virus (Mutationen).
  • Die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen (Zeitpunkt für die Fertigstellung)
  • Die Effektivität von Eindämmungsmaßnahmen (weitere Infektionswellen).

4) Nur teilweise Erholung

Falls sich die Wirtschaft im 2. Halbjahr erholt, veranschlagt der Internationale Währungsfonds eine Kontraktion des globalen Bruttoinlandsproduktes im Ausmaß von 3,0 Prozent im Jahr 2020, gefolgt von einem Wachstum von 5,8 Prozent im darauffolgenden Jahr.

Dieser Verlauf ähnelt jedoch nicht einem V-förmigen sondern einem U-förmigen Verlauf des Bruttoinlandsproduktes. Das im 1. Halbjahr 2020 in Luft aufgelöste Bruttoinlandsprodukt wird nicht bis Ende 2021 aufgeholt. Der kumulierte globale Verlust an nicht produzierten Gütern und Dienstleistungen beziehungsweise Einkommen wird für die Jahre 2020 und 2021 auf rund 9.000 Milliarden US Dollar geschätzt.

Die Hauptgründe für die nur teilweise Erholung sind Einkommensverluste von Unternehmen und Arbeitnehmern, Überwälzungs- und Rückkopplungseffekte von einem Sektor beziehungsweise Land zum anderen sowie unkoordinierte Eindämmungs- und Lockerungsmaßnahmen.

5) Hohe Verschuldung

Zumindest ein anhaltender Effekt der Pandemie-Krise ist klar: Die Verschuldungsniveaus werden sprunghaft ansteigen. Der Internationale Währungsfonds veranschlagt für die globale staatliche Neuverschuldung (Budgetdefizit) in diesem Jahr einen Wert von knapp 10 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Das wird zu einem sprunghaften Anstieg der globalen Staatsschuldenquote von 83 Prozent im vergangenen Jahr auf 96 Prozent in diesem Jahr führen. Für die Staatsschuldenquote in den entwickelten Volkswirtschaften wird ein Anstieg von 105 Prozent auf 122 Prozent veranschlagt.

6) Sparen oder investieren?

Bisher haben die Staaten an drei Stellschrauben gedreht.

  1. Maßnahmen den Virus betreffend (Forschung).
  2. Eindämmungsmaßnahmen.
  3. Wirtschaftliche Maßnahmen zur Linderung der Eindämmung.

Die nächste, noch ausständige Schraube könnte das wirtschaftliche Umfeld für das nächste Jahrzehnt bestimmen. Zur Wahl stehen zwei Optionen: Sparen oder Investieren? Das wird bestimmen, ob der Wohlstandsverlust (die 9.000 Milliarden US-Dollar) permanent sein wird und ob der Wachstumspfad des Bruttoinlandsproduktes der vergangenen Jahre gehalten werden kann.

7) Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik

Die Wahl der Optionen ist also nicht so eindeutig wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Wer soll zusätzliche, staatlich finanzierte, konjunkturpolitische Maßnahmen bezahlen? Der Ausgangspunkt ist das Verhältnis des Zinsniveaus zum nominellen Wirtschaftswachstum. Solange die Zinsen unter dem Wachstum liegen, ist die Staatsschuldendynamik nachhaltig.

Das gilt auch dann, wenn das Schuldenniveau sehr groß ist. In einigen wichtigen Ländern (USA, Deutschland) ist das tatsächlich der Fall. Sollten die Zinsen doch über das Wachstumsniveau ansteigen, könnte die Zentralbank intervenieren und eine Zinsobergrenze einziehen (Yield Curve Control).

Eine weitere Charakteristik der Pandemie-Krise ist die graduelle Verschmelzung der Geld- und Fiskalpolitik. Das Finanzministerium erhöht das Budgetdefizit und die Zentralbank erhöht die Anleiheaufkäufe (auch für Staatsanleihen). Theoretisch handelt es sich nur dann tatsächlich um eine Monetisierung der Staatsschuld, wenn die Anleiheaufkäufe permanent sind.

Von der politischen Seite wird der temporäre Charakter dieser Aktion betont. Praktisch betrachtet werden die Staatsanleihen für eine lange Zeit auf den Büchern der Zentralbank liegen bleiben. Dadurch bleibt auch die zusätzlich geschaffene Zentralbankliquidität im System und bleiben die Leitzinsen für eine längere Zeit auf einem niedrigen Niveau.

Diese Aussage gilt für beide Optionen (sparen oder investieren), wobei bei Option zwei die Chance auf einen Ausweg bestehen bleibt.

8) Inflation

Ein Zuviel an nachfrageseitigem im Vergleich zu angebotsseitigem Stimulus bei einer gleichzeitigen Monetisierung der Staatsschuld würde (theoretisch) einen Anstieg der Inflation bewirken. Das richtige Maß eines nachfrageseitigen Stimulus zu finden, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen (Reflation), ist naturgemäß schwer.

Das gilt insbesondere in der aktuellen Situation. Zu viel Stimulus könnte Inflation bedeuten, zu wenig Stimulus Deflation.

9) Produktivität

Weitere permanente Effekte der Pandemie-Krise sind mögliche Beeinträchtigungen des physischen Kapitals als auch des Humankapitals. Beides würde ein (noch) geringeres Produktivitätswachstum implizieren.

Wenn die Zeit der Arbeitslosigkeit zu lange dauert (die Pandemie zu lange dauert), könnten Fähigkeiten verloren gehen. Zudem könnte auch auf der physischen Seite der Kapitalstock in einigen Sektoren dauerhaft beschädigt bleiben (Verkaufsstellen, Tourismus, Transport, Bürogebäude, Fabriken, Gastronomie, Film, Sport). Darüber hinaus könnte zumindest für einige Produkte Druck entstehen an mehreren Standorten zu produzieren.

Dieser Aufbau an Redundanzen würde eine geringere Effizienz und höhere Kosten zugunsten einer höheren Versorgungssicherheit bedeuten. Auch hier könnte die angebotsseitige Fiskalpolitik ansetzen. Zu guter Letzt würde ein genereller Rückbau der Globalisierung zu einem Rückgang des Produktivitätswachstums und einer höheren Inflation führen.

10) FAZIT

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auf kurze Sicht ein Desaster. Auch auf mittlere Sicht werden negative Auswirkungen zu spüren sein, weil der Wachstumseinbruch vom ersten Halbjahr 2020 bis Ende 2021 wahrscheinlich nicht aufgeholt werden kann. Auf lange Sicht ist zumindest ein Effekt absehbar: Die Verschuldungsquoten werden angestiegen sein. Die Herangehensweise an dieses Phänomen könnte das kommende Jahrzehnt prägen.


Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Den Nutzen der Dividendenstabilität erkennen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Unserer Meinung nach sollten sich Faktorinvestoren für einen Markt positionieren, der sein Augenmerk auf langfristige Fundamentaldaten legt. Da COVID-19 weiterhin die Wirtschaft bedroht, eignet sich die Methode der Dividendenaristokraten gut, um die stabilsten Dividendenauszahler ins Visier zu nehmen.

Die Geschwindigkeit und Enge des jüngsten Marktabschwungs sowie die große Anhäufung von Bargeldbeständen lassen auf einen Markt schließen, der nicht auf Fundamentaldaten basiert. Seit Ende Februar sind die Anlegerportfolios gezwungen, den Belastungen, die durch den weltweit koordinierten gesellschaftlichen Lockdown verursacht werden, standzuhalten. Während die Auswirkungen auf die entwickelten Marktwirtschaften noch lange nicht überwunden sind, scheinen die Aktien der Industrieländer den ersten Schock verdaut zu haben.

Portfolios, die zur Erzielung von Einkommen investieren, sehen sich in einem Umfeld, in dem soziale Umbrüche die Realwirtschaft erschüttert haben, besonders mit der Frage „Wie stabil sind die Dividenden?“ konfrontiert. Der Rückgang der Verbrauchernachfrage in einer Zeit hoher Unternehmensverschuldung hat viele Anleger dazu veranlasst, sich die Frage zu stellen, ob die Unternehmen weiterhin die erforderlichen Cashflows generieren werden, um regelmäßige Bardividenden an die Aktionäre auszuschütten.

Da die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Pandemie die Dividenden weiterhin bedrohen, ist die Investment-Methode der Dividendenaristokraten besonders gut geeignet, die stabilsten Dividendenzahler ins Visier zu nehmen. Primäre Komponente bei der Aktienauswahl in dieser Strategie ist die langfristige Erfolgsbilanz (5-20 Jahre in Folge) bei der Aufrechterhaltung (oder Erhöhung) der regelmäßigen Bardividende, die an Aktionäre ausgeschüttet wird. Unternehmen, die in der Lage sein werden, ihre Dividendeneinnahmen aufrechtzuerhalten, werden dies in ihren Gewinnberichten bekräftigen wollen. Daher stellt die Gewinnsaison des 1. Quartals eine interessante Gelegenheit für Strategien wie die der Dividendenaristokraten dar, da sie auf diese Firmen abzielen.

Was das regionale Exposure anbelangt, so bevorzugen wir weiterhin die USA auf einer relativen Basis für Aktienanleger. Die USA hinken zwar einigen entwickelten europäischen Volkswirtschaften (z.B. Deutschland) hinterher und weisen auch zu einigen asiatischen Ländern (z.B. China und Südkorea) bereits einen Rückstand bei der Wiederöffnung auf, dennoch glauben wir, dass die zugrundeliegende fundamentale Stärke (vor der Pandemie) die Widerstandsfähigkeit und Erholung der US-Aktienpreise unterstützen wird, sobald der Markt zu seinen Fundamentaldaten zurückkehrt. Nach der Neugewichtung der US-Dividendenaristokraten im Januar hat ein durchschnittliches Unternehmen seine Dividende 37 Jahre in Folge erhöht. Darüber hinaus haben 51 Titel ihre Dividende seit über 40 Jahren erhöht (siehe Abbildung 1).

Anlegern, die über eine Überbewertung des US-Dollars besorgt sind - die zum Teil durch eine zunehmende Anhäufung von auf Dollar lautenden Bargeldbeständen verursacht wird - bietet der SPDR® S&P® U.S. Dividend Aristocrats EUR Hdg UCITS ETF Zugang zur US-Aktien-Dividendenstory mit einem Exposure, das vollständig gegenüber dem Euro abgesichert ist.

Die Grundlage der Strategien der Dividendenaristokraten ist die langfristige Dividendenbilanz. Aus diesem Grund ist man in diesen Strategien zwar nicht vor Dividendenkürzungen gefeit, doch ist es nach wie vor wichtig, dass die Anleger den Wert der Dividendenstabilität erkennen. Diese Indexfamilie ist für das aktuelle Umfeld einzigartig positioniert, da sie Unternehmen auswählt, deren Managementteams nachweislich bestrebt sind, regelmäßige Bardividenden zu erhalten.


1) Siehe Indexbeschreibung in der Tabelle im Original für eine Erklärung der Hedging-Methodologie. Bitte lesen Sie die vollständige Index-Methodologie für vollständige Details.

US Ölsorte WTI: Frontmonats-Futures-Handel negativ

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Der heute auslaufende Terminkontrakt auf die US-Ölsorte WTI für Mai - Nymex West Texas Intermediate - wurde gestern kurzzeitig nahe minus 40 US Dollar/pro Barrel gehandelt und liegt derzeit bei 1,42 Dollar/pro Barrel1. Im Laufe des heutigen Tages wird der aktive Kontrakt zum Kontrakt für Juni, der bei 21,40 Dollar/pro Barrel gehandelt wird2.

Grafik 1: Preis des Intraday WTI-Öl-Kontrakts für Mai 2020


Quelle: Bloomberg, 21/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Wenn man sich eine generische WTI-Preisgrafik für den Frontmonat Mai anschaut (Grafik 1), kommt man in die Versuchung zu denken, dass man mit dem Übergang zum Juni-Kontrakt fast 60 US Dollar pro Barrel aus dem Nichts verdienen könnte. Aber das ist kaum möglich, es sei denn, Sie haben genügend physischen Lagerraum, um das gelieferte Öl einen Monat lang zu lagern.

Der Grund für den negativen Preis gestern war, dass die Öllagerung sehr schwierig wird. Leute werden derzeit dafür bezahlt, Öl zu übernehmen und zu lagern. Mit dem auslaufenden Vertrag kommt es zur Öllieferung zwischen dem 1. Mai und dem 31. Mai, so dass diejenigen, die einen langen Kontrakt haben und das Öl physisch erhalten, es irgendwo lagern müssen.

Ebenso hätten die Besitzer des Kontrakts vom Mai 2020 diesen höchstwahrscheinlich vor den gestrigen großen Preisbewegungen verlängern müssen und sich so vor großen Verlusten bewahrt. Wie die untenstehende Grafik  des WTI-Preises zeigt, hielten alle anderen WTI-Ölterminkontrakte einen positiven Preis und fielen nicht annähernd so stark wie die Kontrakte im Frontmonat.

Grafik 2: Vergleich der verschiedenen WTI-Ölterminkontraktpreise


Legende: Verträge in obiger Grafik: CLKO - Mai 2020, CLMO - Juni 2020, CLNO - Juli 2020, CLQO - August, CLUO - September.
Quelle: Bloomberg, 20/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bloomberg Commodity Oil Subindex

Der Vergleichsindex Bloomberg Commodity Oil Subindex folgte dem Mai-Kontrakt bis zum 7. April, begann dann aber zwischen dem 8. April und dem 15. April auf den Juli-Kontrakt überzugehen. Dieser Index hätte also nicht den gleichen Preisrückgang wie der generische WTI-Preis in Grafik 1 erfahren.


1) 7am GMT am 21/04/2020
2) 7am GMT am 21/04/2020

Euro-Unternehmensanleihen: Das Virus ändert (fast) alles

Unternehmensanleihen gerieten in den letzten Wochen stark unter Druck. Je niedriger die Ratingklassen, umso höher fielen im Allgemeinen die Kursverluste aus. Investmentgrade-Anleihen haben seit Jahresbeginn rund sechs bis sieben Prozent an Wert verloren, High-Yield-Anleihen ungefähr das Doppelte davon. Die Ratingagenturen haben angesichts des sich dramatisch verschlechterten globalen Konjunkturbildes mit einer Vielzahl von Herabstufungen reagiert. Selbst sie wagen aber nicht, eine Prognose festzulegen, sondern operieren mit verschiedenen Szenarien.

Aktuelle Marktsituation

Ein schlagartig massiv verschlechterter weltwirtschaftlicher Ausblick, Risikoreduktion bei Investoren und gewaltiger plötzlicher Finanzierungsbedarf in vielen Branchen haben einen geradezu „perfekten Sturm“ an den Unternehmensanleihemärkten entfacht. Selbst die an sich hochliquiden US-Staatsanleihemärkte blieben zeitweilig nicht von Verwerfungen verschont. Gewaltige Fiskalprogramme und enorme Liquiditätshilfen der Notenbanken haben aber recht zügig erst einmal den allergrößten Druck aus den Märkten genommen. In diesem Zusammenhang war das Umschwenken der US-Notenbank, die nunmehr auch bereit ist, Unternehmensanleihen zu kaufen, zweifellos ein „game changer“. Wenngleich die Liquiditätssituation an den Kreditmärkten noch immer etwas angespannt ist, konnten bereits zahlreiche Unternehmen wieder Neuemissionen platzieren. Allerdings mussten sie dafür teilweise deutlichen Renditeaufschläge zum Sekundärmarkt bieten. Die zurückliegenden zwei Wochen haben dennoch eine wahre Flut an Neuemissionen gesehen; teilweise wurden neue Rekordmarken gesetzt.

Zu beobachten ist, dass der CDS-Markt und die Kassamärkte derzeit divergieren: Während es bei den CDS recht deutliche Erholungen gab, war eine solche bei den Kassapreisen bislang kaum zu verzeichnen. Ein Faktor dabei sind die sehr zahlreichen Neuemissionen. Sie werden mit teils erheblichen Renditeaufschlägen zum Sekundärmarkt platziert und führen dementsprechend zu einem signifikanten Re-pricing bei den Kassakursen bestehender Emissionen. Festzustellen ist dabei auch, dass sich die Credit-Märkte (gemessen an den CDS-Kursen) bislang weniger stark erholt haben als die Aktienmärkte und die Akteure dort die wirtschaftlichen Perspektiven offenbar weniger optimistisch einschätzen als die Marktteilnehmer auf den Aktienmärkten.

Bestimmte Probleme in einigen Branchen bestanden zugleich ja auch schon vor dem Ausbruch der Pandemie. Sie haben sich allerdings nochmals deutlich verschärft. Vor allem in den USA etwa betrifft das sehr stark den Energiesektor, speziell die Schieferöl-/Schiefergasindustrie. In Europa – aber eigentlich weltweit – steckte die Autobranche einschließlich seinen Zulieferern auch schon vor Corona in erheblichen Schwierigkeiten. Tourismusunternehmen und andere Dienstleister sind durch die Krise als neue große Sorgenkinder hinzugekommen.

Die Ratingagenturen haben – wenig überraschend – zahlreiche Herabstufungen vorgenommen und viele bestehende Ratings sind „under review“. Eine Welle weiterer negativer Ratinganpassungen in den kommenden Wochen ist faktisch sicher.

Markt-Ausblick

Die Anleihekurse reflektieren diese Perspektive bereits in erheblichem Umfang. Das bedeutet aber nicht, dass die Kurse schon „ihren Boden" gefunden haben. Es sind zweifellos Szenarien möglich, in denen es zu weiteren Kursrückgängen kommt. Ebenso sind aber auch Entwicklungen realistisch denkbar, die wesentlich weniger negativ verlaufen.

Euro-Unternehmensanleihen in den Investmentgrade- und High-Yield-Segmenten widerspiegeln in fast allen Ratingklassen aktuell bereits sehr extreme Ausfalls- und Recovery-Szenarien. Kreditrisikoprämien der Ratingkategorien AA bis B kompensieren bereits für Ausfallsraten, die nie zuvor registriert wurden. Selbst unter der Extrem-Annahme einer Recovery Rate von null Prozent wären sogar Ausfallsraten, wie sie in der Großen Depression der 1930er Jahre zu beobachten waren, überkompensiert. Hinzu kommt, dass Geld- und Fiskalpolitik in ungleich stärkerem Maße engagiert sind als damals. Die Ratingagentur Moodys legt sich beispielsweise auch nicht auf ein Szenario fest, sondern operiert mit drei verschiedenen Szenarien und versucht, eine wahrscheinlichkeitsgewichtete Aussage daraus abzuleiten. Moody’s erwartet in Abhängigkeit der Szenario-Annahmen einen Anstieg globaler Ausfallsraten auf 6,8 % (kurzer, heftiger Abschwung), 16,1 % (Finanzkrise) oder gar 20,8 % (sehr schwere Rezession/Depression).

Diese breite Streuung der Schätzungen veranschaulicht gut das allgemeine Dilemma – sowohl für Investoren als auch Emittenten. Mangels Visibilität zu Dauer und zum Umfang der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind das Ausmaß der Umsatzeinbußen und künftige Kapitalerfordernisse kaum abschätzbar – weder für Unternehmen noch für Investoren. Weitgehend unklar ist darüber hinaus die weitere Geschäftsentwicklung nach dem Ende der Quarantäne-Maßnahmen. Die Welt post-Corona könnte sich in vielerlei Hinsicht erheblich von der Welt unterscheiden wie wir sie bisher kennen.

Credits: Mit der Einschränkung, dass sich in der aktuellen Situation angesichts extrem hoher Unwägbarkeiten allerorten und kaum vorhandener Visibilität nur sehr bedingt Aussagen treffen lassen, bleibt das Fondsmanagement vorsichtig optimistisch für den Investmentgrade-Bereich gestimmt. Auf Sicht der kommenden 12 Monate werden wieder engere Spreads erwartet. Für das Investmentgrade-Segment dürften sie in rund einem Jahr ungefähr bei 190 liegen. Zu beachten ist beim Thema „eingepreiste Szenarien“, dass die Marktpreise und Spreads natürlich nicht nur Ausfalls- und Downgrade-Wahrscheinlichkeiten wiederspiegeln, sondern in erheblichem Umfang auch Liquiditätsprämien enthalten. Diese dürften sich bei einer Marktberuhigung und verbesserter Visibilität auch wieder spürbar zurückbilden.

Ein latentes Risiko stellen zweifellos weiterhin die BBB- gerateten Anleihen dar, die bei Herabstufungen ins High-Yield-Segment abrutschen könnten („fallen angels“). Wie stark dieses Risiko jedoch tatsächlich schlagend wird, lässt sich derzeit kaum vorhersagen, zumal Fiskalprogramme und Notenbankkäufe gerade im Investmentgrade-Segment als unterstützende Faktoren wirken. Mögliche weitere Maßnahmen der Regierungen und/oder Notenbanken könnten etwaige Prognosen auch im positiven Sinne jederzeit über den Haufen werfen.

HighYield: Inmitten vieler Negativnachrichten sollte nicht übersehen werden, dass sich der Euro-High-Yield-Markt seit der Globalen Finanzkrise vor 10 Jahren stark gewandelt hat und heute eine erheblich höhere Emittentenqualität aufweist als damals. Während 2008/2009 rund 40 % der Emittenten BB geratet waren, sind es heute über 70 %. Das wird natürlich nicht verhindern können, dass die Ausfallsraten kräftig ansteigen werden, je nachdem, welches weltwirtschaftliche Szenario schlagend wird. Die Unternehmen im High-Yield-Segment sind aber zumindest in Europa im Allgemeinen finanziell solider aufgestellt als noch vor 10 Jahren. Das Fondsmanagement sieht die von der Ratingagentur Moody’s im extremen Szenario veranschlagten Ausfallsraten als äußerst pessimistisch an.

Es spricht vieles dafür, dass die aktuellen Kursniveaus trotz der verschlechterten weltwirtschaftlichen Perspektiven auf langfristige Sicht werthaltig sind und grimmigere Szenarien einpreisen, als sie letztlich eintreten werden. Dennoch sind auch tiefere Kursniveaus – insbesondere temporär – nicht auszuschließen, sind doch High-Yield-Spreads (mit aktuell ca. 720 Basispunkten) noch recht weit von den Extremwerten entfernt, die sie zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 erreicht hatten und die beispielsweise im Falle einer längeren, schweren Rezession denkbar wären.

Es spricht vieles dafür, dass auf Gesamtmarktebene die schlimmsten Kursrückgänge und Spreadausweitungen hinter uns liegen. Ob damit bereits „der“ Boden erreicht wurde, lässt sich naturgemäß immer nur rückblickend beantworten. Es ist für Investmententscheidungen aber auch nur bedingt relevant, zumal Indizes und Gesamtmarktbetrachtungen ja auch nur wenig Aussagekraft für die konkrete Situation bei den Unternehmen im Fondsportfolio haben. Manchem mag es angesichts der stark verschlechterten weltwirtschaftlichen Situation paradox erscheinen, aber Investments in Unternehmensanleihen weisen derzeit sicherlich ein deutlich besseres Risiko-Ertragsprofil auf als etwa zu Jahresbeginn oder zu vielen anderen Zeitpunkten der letzten Jahre. Wir bleiben auch in der Krise und unter teils sehr schwierigen Marktbedingungen unserem langjährig bewährten Fokus auf Qualität treu. Gute Einzeltitelauswahl und ein konsequentes Risikomanagement bleiben wesentliche Erfolgsfaktoren und Performancetreiber. Auch wenn die Ergebnisse der Vergangenheit naturgemäß keine Rückschlüsse auf die Zukunft zulassen, ist das Fondsmanagement sehr zuversichtlich, auch künftig mit seinen langjährig bewährten Strategien und seiner Expertise Mehrwert für die Fondsanleger zu schaffen.

Biotechnologie-Branche auf der Suche nach COVID-Mittel

Das Corona-Virus hat die Wirtschaft und die Börsen fest im Griff. Auf der Suche nach einem geeigneten Medikament zur Bekämpfung der Pandemie lassen die Versuche des US-Pharmakonzern Gilead Hoffnung aufkeimen.

Harald Kober, Senior Fondsmanager des Aktienfonds ERSTE STOCK BIOTEC, führt diese Aktie u.a. im Portfolio und sieht weltweit verstärkte Investitionen in das Gesundheitswesen.

Ein Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Science zeigt einem Medienbericht zufolge Erfolge bei der Behandlung von COVID-19-Patienten. Was hat es dabei genau auf sich?

In einer Studie der University Chicago Medicine führte das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit, so dass fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden konnten, wie aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der Onlineplattform für Medizinnachrichten, STAT, hervorgeht.

Wie beurteilen Sie die Chancen auf eine Zulassung?

Es ist noch zu früh um daraus Schlüsse über eine baldige Heilmethode zu ziehen: Die Studie war keine randomisierte kontrollierte Studie. Deshalb sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Erste randomisierte Studienergebnisse sind bis Ende April zu erwarten. Im Fall von positiven Studienergebnissen könnte noch im Mai/Juni 2020 eine Zulassung von Remdesivir zur Behandlung von COVID 19 erfolgen. Die Studien konzentrieren sich dabei vorwiegend auf schwer erkrankte Patienten im Spital.

Wie wird Remdesivir eingesetzt?

Remdesivir wird IV (intra-venös) verabreicht. Das muss daher durch Ärzte erfolgen. Die Produktion des Medikamentes ist recht aufwendig und die verfügbaren Dosen sind limitiert.

Laut Aussagen von Gilead möchte das Unternehmen bis Ende 2020 mehr als 1 Million Einheiten produziert haben. Die Produktionskapazitäten können mit Hilfe von anderen Unternehmen ausgebaut werden.

Die Aktie von Gilead, die sich auch im Portfolio  ERSTE STOCK BIOTEC befindet, ist als Folge dieser Nachrichten Donnerstag nachbörslich um über 18 Prozent gestiegen? Wie ist der Anstieg zu bewerten?

Wir haben die Aktien mit über 5 Prozent im Fonds prominent gewichtet. Aber das hat verschiedene Gründe, nicht nur wegen COVID 19. Auch wenn dieser Anstieg für die Anteilscheininhaber erfreulich ist muss man relativieren, dass die Remdesivir-Euphorie schon 15 Milliarden US-Dollar von der Marktkapitalisierung von Gilead vor dem gestrigen nachbörslichen Anstieg ausgemacht hat.

Durch den nachbörslichen Anstieg sind weitere 20 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung dazu gekommen. Insgesamt also 35 Milliarden US-Dollar für eine Therapie einzupreisen ist schon sehr viel. Zudem hat Gilead angekündigt hat, dass es das Medikament zum Selbstkostenpreis vertreiben wird. Ob das das große Geschäft wird?

Im Zuge der weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie sind Aktien aus dem Bereich Gesundheit verstärkt ins Blickfeld der Investoren gerückt. Viele Aktien im Fonds sind aus den USA, wo die Preispolitik umstritten war. Wird sich das nun ändern?

Die COVID-19 Pandemie wird weltweit zu verstärkten Investitionen im Gesundheitswesen führen. Es hat gezeigt, dass es einen großen Mangel an Schutzausrüstung, Testkapazitäten, Spitalsbetten und geeigneten Medikamenten gibt. Hier wird insbesondere die Forschung (R&D) davon profitieren. Denn es zeigt sich, wie wichtig Innovation als Antwort auf lebensgefährliche Bedrohungen (Pandemien/Krankheiten) ist.

Vielleicht ist das auch COVID-19 ein Anlassfall um bei der Preisgestaltung auch die gesamtwirtschaftlichen Opportunitätskosten zu betrachten. Und Innovation wird nur dann stattfinden, wenn sich das auch auszahlt!


Über den Fonds: ERSTE STOCK BIOTEC

Der ERSTE STOCK BIOTEC investiert vor allem in Unternehmen der entwickelten Märkte aus dem Bereich Biotechnologie. Der Großteil der Unternehmen ist in den USA zu finden.

Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Starke Erholung mit Fragezeichen

In der vergangenen Woche gab es starke Erholungsbewegungen bei Aktien und riskanteren Anleihesegmenten (Unternehmensanleihen, Emerging-Markets-Anleihen). US-Aktien verzeichneten den stärksten Wochenzuwachs seit 46 Jahren. Unterdessen haben allein in den vergangenen zwei Wochen 16 Millionen US-Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt. Nicht nur dieser Kontrast wirft Fragen auf (siehe weiter unten), so angenehm und ermutigend die Kursanstiege zweifellos sind.

Auch Unternehmensanleihen legten kräftig zu. Das gilt vor allem für die USA, nachdem die Notenbank zusätzliche und unerwartete Hilfsmaßnahmen ankündigte. Die Fed wird unter bestimmten Bedingungen zusammen mit dem US-Finanzministerium nun auch US-Unternehmensanleihen aus dem High-Yield-Segment kaufen. Speziell könnten künftig auch Anleihen von Nicht-Finanzinstituten erworben werden, die vom Investmentgrade-Bereich in den High-Yield-Bereich herabgestuft wurden, die so genannten „fallen angels“. Nachdem das bonitätsschwächste (BBB)Segment innerhalb des Investmentgrade-Universums in den letzten Jahren stark angewachsen ist, droht(e) von solchen Herabstufungen erhebliche Gefahr für die US-Creditmärkte. Entsprechend positiv reagierten die Finanzmärkte auf die Ankündigung der Notenbank.

Gute Nachrichten gab es auch in der Eurozone, für Investoren und für die von der Wirtschaftskrise und der Pandemie besonders hart getroffenen Staaten. Die EU-Finanzminister einigten sich grundsätzlich auf weitere Hilfen im EU-Rahmen und wollen diese im Rahmen des ESM-Mechanismus umsetzen. Gemeinsame Anleihen oder sonstige formal vergemeinschaftete Schulden der EU-Länder soll es aber weiterhin nicht geben.

Zumindest teilweise positive Nachrichten kamen vom Ölmarkt. Hier haben sich die OPEC-Plus Staaten sowie weitere Länder (beispielsweise USA; Kanada, Norwegen) auf weitreichende, wenn auch temporäre, Förderkürzungen geeinigt, die von einigen Beobachtern aber noch immer als zu gering eingeschätzt werden.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleiben viele Fragen, beispielsweise die folgenden:

  1. Die Fed-Maßnahmen verbessern zwar die Liquidität der Unternehmensanleihemärkte und können – dank dadurch verbessertem Kapitalzugang – wohl auch die Überlebenschancen einiger Unternehmen verbessern. Doch in wieweit kann die Fed tatsächlich verhindern, dass Unternehmen pleitegehen und dass die Ausfallsraten kräftig steigen?
  2. Es ist weiterhin sehr ungewiss, wann und wie gut die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst. Die jüngsten Handels- und Produktionsdaten aus China waren teilweise besser als erwartet, doch stellt sich hier beispielsweise die Frage, wer all diese Güter denn abnehmen soll, wenn sich ein großer Teil von Chinas Handelspartnern im Lockdown befinden?
  3. Nach den jüngsten Kurszuwächsen liegt der marktbreite S&P500-Index seit Jahresbeginn nur noch rund 13 % im Minus. Widerspiegelt ein Kursrückgang von 13 % (16 % vom Allzeithoch) bereits ausreichend die Risiken aus der wohl schlimmsten globalen Wirtschaftskrise seit den 90er Jahren, nebst einem ziemlich unklaren Erholungspfad? (Weniger als ein Viertel der Befragten in der jüngsten Fondsmanager-Survey der Bank of America erwartet beispielsweise eine V-förmige Wirtschaftserholung.)
  4. Wie nachhaltig wird die temporäre Einigung auf Förderkürzungen auf die Ölmärkte wirken? Reicht dies, um für die öl-exportierenden Schwellenländer und viele Ölunternehmen ernsthafte Finanzprobleme abzuwenden?
  5. Zweit- und Drittrundeneffekte auf der Angebots- und Nachfrageseite sind selbst bei einem schnellen Ende der aktuellen Lockdowns unausweichlich, wenn auch schwer zu quantifizieren. Ein signifikanter Teil von Einkommen, Jobs und Wertschöpfungen wird vermutlich dauerhaft verlorengehen bzw. Jahre benötigen, um wieder ersetzt zu werden, selbst wenn das Coronavirus in Kürze keine Rolle mehr spielen sollte (eine für sich genommen schon optimistische Annahme). Hinzu kommen schon vor der Pandemie begonnene Umbauten bei den globalen Lieferketten. Die Auswirkungen all dessen auf einzelne Branchen und Regionen (positive wie negative) sind derzeit noch kaum zu quantifizieren.

Die Unwägbarkeiten bleiben also sehr hoch und damit auf absehbare Zeit vermutlich auch die Schwankungsbreiten auf den Märkten. Beispielhaft zur Illustration der Größe der Unwägbarkeiten: Jede weitere Woche des „Lockdowns“ bedeutet für die französische Wirtschaft ca. 0,7 % - 0,9 % weniger Wirtschaftsleistung, aufs Gesamtjahr gerechnet! Im Gegenzug hätte jede Woche, um die die Lockdowns früher enden, entsprechend positive Effekte.

Unter diesen Umständen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht derzeit weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios haben wir seit unserem letzten Update keine grundlegenden Änderungen vorgenommen. Basierend auf langfristigen, fundamentalen Einschätzungen hatten wir im Rahmen der strategischen Asset Allokation ja bereits vor einiger Zeit erste Zukäufe getätigt. Wir halten diesbezüglich weiter Ausschau nach attraktiven Kaufgelegenheiten.

„Megatrends sind nicht aufzuhalten“

Interview mit Fondsmanager Bernhard Selinger zur Entwicklung des Fonds und der Aktienbörsen unter dem Coronavirus, wie er den Megatrends-Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST derzeit ausrichtet und die Situation einschätzt. Das Interview führte Dieter Kerschbaum von der Erste AM.

Die Technologie- und Wachstumsaktien wurden im März ebenfalls von der Ausbreitung von COVID-19 getroffen. Wie hat sich das auf den ERSTE FUTURE INVEST ausgewirkt und wie hat er sich im aktuellen Umfeld geschlagen?

Der Fonds konnte sich den Marktverwerfungen nicht entziehen, weist aber im Vergleich zum globalen Aktienmarkt einen deutlich geringeren Kursrückgang auf – auf Sicht Jahresbeginn bis Ende März verlor der Fonds rund 15 Prozent, der globale Aktienmarkt knapp 20 Prozent.

Die Idee des konzentrierten Trend-Portfolios, mit Fokus auf eine langfristige Ausrichtung und Titelselektion nach qualitativen Kriterien, hat die erste Bewährungsprobe somit bestanden. Auch die breite thematische Streuung der Megatrends – von Gesundheit über Umwelt bis Technologie – half in der Abwärtsphase.

Die Aktienmärkte unterliegen derzeit sehr hohen Kursschwankungen. Wie verhalten sich die AnlegerInnen in dieser Phase?

Die anhaltenden Zuflüsse in den Fonds deuten darauf hin, dass die AnlegerInnen einen kühlen Kopf bewahren und Marktübertreibungen auch für einen Einstieg nützen. Auch Sparpläne werden aufgrund des Durchschnittskosten-Effekts gerne dazu verwendet Schwankungen etwas auszugleichen.

Im Fonds wurden die Kursrückgänge für selektive Zukäufe von bestehenden Positionen genützt. Speziell US Blue Chips im Bereich Software und E-Commerce wurden aus Bewertungssicht wieder attraktiver.

Aktuell verbringen viele Menschen viel Zeit in den eigenen vier Wänden und haben oft auch ihren Arbeitsplatz dorthin verlegt – welche Unternehmen sind davon besonders stark betroffen bzw. können davon auch profitieren?

Besonders schwierig ist es für Branchen, die von den Ausgangssperren unmittelbar betroffen sind wie z.B. Kinos, Restaurants oder Cafes. Dieser sozusagen entgangene Konsum wird üblicherweise später nicht einfach nachgeholt. Anders ist das beim Kauf eines neuen Fernsehers oder Autos. Das könnte auch ein paar Wochen später nachgeholt werden.

Jemand aber, der aufgrund von Home-Office nicht mehr seinen täglichen Kaffee am Weg zur Arbeit beim Bäcker konsumiert, wird dies vermutlich nicht in der darauffolgenden Woche nachholen, indem er sechs Becher auf einmal kauft.

Andererseits gibt es Unternehmen, die von den Quarantäne-Maßnahmen weniger stark betroffen waren bzw. von der neuen Situation sogar profitieren konnten. Auf den Fonds bezogen wären beispielsweise Sun Art Retail, ein chinesischer Supermarkt-Betreiber mit starkem Fokus auf Online-Bestellungen sowie das chinesische Logistik-Unternehmen ZTO Express, zu nennen.

Diese Unternehmen profitierten von der landesweit stark gestiegenen Nachfrage nach Hauszustellungen. GDS Holdings, ein Betreiber von Rechenzentren in China, konnte sich die stark gestiegene Internet-Nutzung (Home-Office, E-Learning, Gaming etc.) zunutze machen.

Hat der jüngste Ölpreis-Verfall Auswirkungen auf den Fonds?

Titel aus unmittelbar betroffenen Branchen wie Öl- und Gas-Förderung werden aufgrund ihres Geschäftsmodells nicht in den Zukunftsthemen-Fonds aufgenommen. Trotzdem hat sich der stark gefallene Ölpreis auf das Portfolio ausgewirkt. Denn auch Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energie wurden von der scharfen Korrektur des Ölpreises mitgerissen.

Meiner Meinung nach in einem übertriebenen Ausmaß: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Rohöl-Preis und der Nachfrage nach erneuerbaren Energiequellen wie Solar- oder Windkraft. Elektrizität wird kaum aus Öl (weniger als 5 Prozent der weltweiten Stromerzeugung) sondern hauptsächlich aus Ergas oder Kohle gewonnen.

Zudem sind Solar und Wind aufgrund von großen Investitionen in den Sektor und anhaltend fallenden Strom-Gestehungskosten deutlich wettbewerbsfähiger als in der Vergangenheit. Im Moment ist lediglich eine allgemein geringere Strom-Nachfrage aufgrund der aktuell geringeren wirtschaftlichen Aktivität zu beobachten. Aber – überspitzt formuliert – COVID-19 wird abklingen, während die Herausforderungen des Klimawandels bestehen bleiben.

Das Gesundheitswesen ist auch Teil der Zukunftsbranchen im Fonds. Derzeit läuft die Suche nach einem Impfstoff oder Medikament. Gibt es Unternehmen, in die der Fonds investiert, die davon profitieren könnten?

Absolut, zuletzt gab es vielversprechende Meldungen von Abbott Laboratories, einem weltweit tätigen Medizintechnik-Unternehmen und Marktführer bei Diagnose-Geräten für Blutanalyse. 60 Prozent der weltweiten Blut- und Plasmaspenden werden beispielsweise von Abbott-Geräten untersucht.

Derzeit werden in den USA Abbott-Laborgeräte (m2000 Reihe) für großflächig durchgeführte PCR-Tests (Polymerase-Ketten-Reaktion, Anm.) auf den Nachweis von COVID-19 und Antikörpern eingesetzt. Rund 175 Geräte befinden sich landesweit in Universitäten und Spitälern im Einsatz. Sie werten rund um die Uhr automatisiert eingehende Proben von tausenden Tests aus.

Wie geht es jetzt an den Börsen weiter?

Wir sahen in der letzten Woche wieder deutliche Kurssteigerungen. Die machen natürlich Mut für die Zukunft. Aber machen wir uns nichts vor: Vieles hängt jetzt davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft global betrachtet wieder erholen wird. Je nachdem, wie sich die Nachrichtenlage darstellt, werden sich AnlegerInnen auf Kursschwankungen einstellen müssen.

Aber die Megatrends kann das Virus nicht aufhalten.

Was raten Sie derzeit Anlegern?

Wie beschrieben konnte erfreulicherweise bereits einiges wieder aufgeholt werden. Das stimmt uns zuversichtlich mittel- bis langfristig. Regelmäßig ansparen mit dem s Fondsplan macht auf jeden Fall Sinn, wenn man an die Zukunft und das Potenzial der Megatrends glaubt. Ja und die nötige Portion Gelassenheit – Motto „Nerven bewahren“.


Über den Fonds

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein aktiv gemanagter, globaler Aktienfonds, der in Megatrends („zukunftsträchtige“ Themen) investiert. Im Zuge der Titelselektion werden Aktien ausgewählt, die einem oder mehreren der folgenden Trends zugeordnet sind: Gesundheit und Vorsorge, Lebensstil, Technologie und Innovation, Umwelt und saubere Energie sowie aufstrebende Märkte.

Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

In der Zwischenzeit dürften die Ölpreise schwanken

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors.

Wir hatten damit gerechnet, dass es im späteren Verlauf dieses Frühjahrs zu größeren Lieferengpässen kommen würde, aber das beispiellose OPEC+ Abkommen tritt erst am 1. Mai in Kraft. Das ist fast zwei Monate nach dem Beginn des Coronavirus-Schocks, der die Nachfrage seither um etwa 20 Prozent reduziert hat. Infolgedessen wurden die Lagerbestände massiv aufgestockt, und auch in den kommenden Monaten wird es ein erhebliches Überangebot geben. Auch wenn die OPEC+ Vereinbarung hilfreich ist, wird ein sinnvolles Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erst dann wiederhergestellt werden können, wenn Klarheit über die Erholung der Nachfrage herrscht. In der Zwischenzeit dürften die Ölpreise schwanken und weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet sein, bis sie in der zweiten Hälfte dieses Jahres einen starken Aufschwung erleben und sich dann bei etwa 25 Prozent unter ihrem Niveau vor der Krise einpendeln dürften.

Bedenken hinsichtlich der Veräußerung von Vermögenswerten der an Öl gebundenen Staatsfonds sind nicht marktrelevant, aber der große Finanzierungsbedarf dürfte dazu beitragen, die Renditen aller ölproduzierenden Schuldner in den Schwellenländern hoch zu halten. Dies könnte sich durch eine wahrscheinliche Rückkehr der herkömmlichen geopolitischen Risiken nach der Coronavirus-Krise mit einer Flucht der Anleger in sichere Werte und einer anhaltenden Dollar-Stärke noch verschärfen.

OPEC plus: Reicht das historische Abkommen aus?

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Nach der vom 6. März bis zum Osterwochenende andauernden Sackgasse, zeigen sich die OPEC+1 Staaten endlich bereit, die Ölförderung erneut zu drosseln. Der Schmerz war zu groß: Infolge sinkender Nachfrage und gleichzeitig steigendem Angebot fielen die Brent-Ölpreise auf ein 18-Jahres-Tief2. Nach der „Griechischen Tragödie“ am 6. März, in der sich eine Kluft zwischen Saudi Arabien und Russland auftat, war es jedoch ein schwieriges Unterfangen, die Produzenten wieder zusammenzubringen. Dieses Hindernis wurde überwunden, indem US-Präsident Trump ein Gespräch zwischen Präsident Putin (Russland) und König Salman (Saudi-Arabien) vermittelte. Doch damit endete die Rolle der USA in diesem Abkommen nicht. Nachdem Mexiko mit der dem Land zugeteilten Kürzung von 400.000 Barrel pro Tag nicht einverstanden war, schritten die USA ein und stimmten damit implizit einer Kürzung in Abstimmung mit Mexiko zu. Dies zeigt deutlich, dass die USA ebenso verzweifelt wie die Mitglieder des Kartells auf eine Verringerung des Überangebots und höhere Ölpreise drängen.

Verfahrene Situation: Mexiko verweigert Kürzungen

Die wegen der Weigerung Mexikos verfahrene Situation führte am Donnerstag, 9. April zu großen Verzögerungen im Verfahren. Bis zum Treffen der G20-Länder am Freitag, 10. April war immer noch keine Einigung erzielt worden. Das G20-Treffen unter dem Vorsitz Saudi-Arabiens war eine Gelegenheit für die Verbraucherländer, das für sie sichtbare Ausmaß der Nachfragevernichtung zum Ausdruck zu bringen, und aufzuzeigen, was sie tun, um das Angebot zu reduzieren (auch in Ländern, die große Produzenten sind). Das Kommuniqué dieses Treffens war jedoch schwach, es enthielt keine tragfähigen Zahlen in Bezug auf das tatsächliche Engagement. Anscheinend hatten die ursprünglichen Entwürfe des Kommuniqués mit der Draghi-Sprache der EZB im Sinne von „What ever it takes“ einen viel stärkeren Wortlaut. Die vorliegende verwässerte Fassung scheint jedoch das Ergebnis einer mangelnden Übereinstimmung und des Misstrauens unter den Mitgliedern zu sein.

Der Deal

Die OPEC+-Vereinbarung in ihrer jetzigen Form lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Produktionskürzungen von 9,7 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) von Mai bis Juni 2020 im Vergleich zu den Niveaus vom Oktober 2018 für die meisten Länder
  • Der Referenzpunkt für Russland und SaudiArabien liegt bei 11mb/d (das ist höher als die im Oktober 2018 produzierte Menge)
  • Die Kürzungen verjüngen sich von Juli 2020 bis Dezember 2020 auf 7,7 mb/d und dann weiter auf 5,8 mbar/d im Zeitraum Januar 2021 bis April 2022
  • Einzelne Länderquoten sind noch nicht auf der Website der OPEC verfügbar

Reicht die Vereinbarung aus?

Die nun erreichte Vereinbarung stellt die umfangreichste jemals koordinierte Kürzung der Ölförderung dar. Die Schlüsselfrage ist, ob es ausreichen wird, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Da die Prognosen in bezug auf den Nachfrageeinbruch im April 2020 bei 15-22mb/d liegen und diese Maßnahmen erst im Mai in Kraft treten3, ist kurzfristig mit einem erheblichen Überhang zu rechnen. Die Vereinbarung gilt jedoch bis 2022, so dass eine Produktionseinschränkung das Überangebot am hinteren Ende auffangen könnte. Offensichtlich weiß niemand genau, wie lange und in welchem Umfang der mit COVID-19 verbundene Nachfrageeinbruch andauern wird. Zumindest der zweite Teil des doppelten Schocks auf den Ölmärkten - die Angebotssteigerung - wird damit in Angriff genommen.

Extremer Contango bleibt

Kurzfristig gehen wir davon aus, dass der extreme Contango4 auf dem Ölmarkt bestehen bleiben wird. Obwohl es keine verlässlichen Daten über die globale Lagerkapazität gibt, deutet die Tatsache, dass die Tankerraten im März 2020 um 116 Prozent5 gestiegen sind, darauf hin, dass die Lagerung an Land zur Neige geht und daher die schwimmende Lagerung sehr gefragt ist. Darüber hinaus liegt der Preis für West Texan Intermediate in Cushing bei einem Aufschlag von 6 US-Dollar gegenüber West Texan Intermediate in Magellan East Houston (31. März 2020). Dies deutet darauf hin, dass auf dem Festland gelagertes Öl mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber dem an der Küste gehandelt wird. Da die Vereinbarung erst im Mai in Kraft tritt und Saudi-Arabien Öl mit dem stärksten Abschlag seit Jahrzehnten nach Asien verkauft, gehen wir davon aus, dass das kurzfristige Überangebot und die Preisschwäche das vordere Ende der Futures-Kurve für Rohöl mit einem starken Abschlag zum hinteren Ende der Kurve halten werden.


1) Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) ist ein Kartell von 13 Öl Produzenten. OPEC+ ist das Kartell und 10 Partnerländer.
2) Siehe: An age of unprecedented oil volatility
3) Bloomberg-Umfrage 31. März 2020
4) siehe: An age of unprecedented oil volatility. Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Kassapreis. Contango tritt gewöhnlich dann auf, wenn erwartet wird, dass der Preis eines Vermögenswerts im Laufe der Zeit steigen wird. Dies führt zu einer nach oben geneigten Futures Kurve.
5) Quelle: Die Daten von Bloomberg basieren auf Very Large Crude Carrier (VLCC) und die letztendliche Quelle ist SSY

Dividenden von Infrastruktur-Aktien dürften deutlich über dem Marktniveau liegen

von Susanne Reisch, CFA, Senior Portfolio Manager, Infrastruktur-Aktien, BANTLEON.

Die Empfehlung einiger europäischer Regierungen und Aufsichtsbehörden, Gewinnausschüttungen zu kürzen, trifft Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen. Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. Dies betrifft jedoch nicht alle Sektoren gleichermaßen. Die Renditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Während in anderen Sektoren der Einfluss der Coronavirus-Krise auf die Geschäftsentwicklung lange nachhallen wird, können Basis-Infrastruktur-Unternehmen Zahlungen aufgrund der Stabilität ihrer Geschäftsmodelle schnell wieder anheben und bereits 2021 wieder die Vor-Krisen-Dividendenniveaus erreichen.

Dividendenrenditen sind deutlich gefallen, aber nicht jeder Sektor ist gleich betroffen

Während der durch die Coronavirus-Krise ausgelösten Kapitalmarktturbulenzen war auch bei Aktien eine Flucht in sichere Häfen zu beobachten, also in Unternehmen, die solide Bilanzen haben sowie vermeintlich attraktive – und sichere – Dividendenrenditen boten. Nachdem einige europäische Regierungen und Aufsichtsbehörden die Empfehlung ausgesprochen haben, Dividenden zu kürzen, steht die Ausschüttungspolitik der Unternehmen nun erneut auf dem Prüfstand. Die Vorgabe trifft naturgemäß Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen (2020er Dividenden, die gezahlt oder bereits bekanntgegeben wurden). Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur für die Dauer der erwarteten Rezession auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. In diesem Umfeld ist eine sorgfältige Analyse der Motive für die Kürzungen wichtig: Handelt es sich um das Ergebnis einer deutlichen Verschlechterung der Ertragslage des Unternehmens oder um politischen Druck und taktisch motivierte Maßnahmen? Eine Analyse der bisherigen Entscheidungen zu Kürzungen oder Streichungen zeigt, dass nicht alle Sektoren gleich betroffen sind. Die Dividendenrenditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Im Gegensatz zu anderen Sektoren sind Kürzungen hier weitgehend auf einen temporären politischen Druck zurückzuführen, während die Liquiditätssituation der betroffenen Unternehmen stabil ist. Lediglich im Bereich Transport-Infrastruktur zeigen sich fundamental begründete Kürzungen, die auf die höhere Volatilität der Erträge in diesem Bereich zurückzuführen sind.

Die meisten Unternehmen des Eurostoxx50, die ihre Dividenden gekürzt oder die Entscheidungen auf das Ende des Hauptversammlungszeitfensters verschoben haben, gehören zu den Sektoren Banken, Reisen & Freizeit sowie Industriegüter. Aufgrund der staatlichen Eingriffe ist allerdings auch die geografische Aufteilung relevant. So haben bereits 60% der französischen und 33% der deutschen Unternehmen aus dem Eurostoxx50 ihre Dividenden gekürzt. Während aus Deutschland nur sehr wenige Infrastruktur-Unternehmen börsennotiert sind, hat vor allem die Entscheidung der französischen Regierung eine sehr negative Auswirkung auf die absoluten Dividendenniveaus für 2020. Dass weitere Regierungen sich der Empfehlung Frankreichs und Deutschlands anschließen, ist derzeit nicht auszuschließen. Zu spüren sein werden die niedrigeren Dividenden in den Monaten April und Mai, wenn die meisten europäischen Unternehmen normalerweise Dividenden ausschütten. Ob das Aussetzen von Dividendenzahlungen über spätere Sonderdividenden ausgeglichen wird, ist aktuell ungewiss und wird stark vom Verlauf der Rezession abhängen.

Das wahre Risiko vieler Unternehmen liegt in der 2021er Dividende

Ein weiteres Risiko bergen die 2021er Dividenden. Sie werden aus den Erträgen des Geschäftsjahres 2020 gezahlt, welche für die meisten Unternehmen tief ausfallen werden. Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im Jahr 2020 um bis zu 8% schrumpfen wird. Entsprechend ist mit einer deutlichen Korrektur bei den Unternehmensgewinnen zu rechnen. Man könnte hier Einschnitte von über 40% sehen. In diesem Umfeld haben Basis-Infrastruktur-Aktien den Vorteil, dass sich ihre robusten und weitestgehend konjunkturunabhängigen Geschäftsmodelle weniger schlecht entwickeln sollten. Der Einbruch der Dividendenniveaus ist bei diesen Unternehmen ein kurzfristiger Effekt, unabhängig vom operativen Geschäft. Dementsprechend sind in diesem Segment des Aktienmarktes die Chancen groß, dass viele Unternehmen die 2021er Dividenden auf dem Niveau der Vorjahre beziehungsweise im Einklang mit ihren Dividendenplänen zahlen können.

Dividendenstrategien werden sich in den nächsten Jahren deutlich unterscheiden

Entscheidend für eine attraktive Dividendenstrategie im Kontext der Coronavirus-Krise wird somit kurzfristig das Land der Börsennotierung und mittelfristig die Robustheit der Geschäftsmodelle sein. Während Kürzungen von Investitionsplänen und Dividenden bei stark unterkapitalisierten Unternehmen nahe liegen, sollten Unternehmen mit starken Bilanzen ihre Dividenden weiterhin zahlen können. Aufgrund des staatlichen Einflusses und des sich in Kürze schließenden Fensters für Hauptversammlungsentscheidungen – hierzu gehört auch die Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen – werden die 2020er Dividendenzahlungen stark betroffen sein. Für 2021 erwarten wir bereits eine deutliche Entspannung und den Wegfall staatlicher Einflussfaktoren.

Eurostoxx50-Dividenden-Futures kollabierten im März


Quellen: Bloomberg, Bantleon; Stand: 31. März 2020

Liquidity conditions slowly improve

by Altaf Kassam, Head of Investment Strategy & Research EMEA at State Street Global Advisors.

Across regions and asset classes we are seeing liquidity conditions slowly improve, although there’s still a lot of healing needed.

In equities, markets are slowly improving, with spreads starting to narrow in some areas. General liquidity is still challenged, however, and may remain that way as long as overall volatility remains higher.

In fixed income, investors have shifted their buying interest back toward risk, corporate issuers have been locking in financing at low Treasury rates (albeit high spreads) to secure liquidity for the next phase in the cycle, as the Fed has been easing off on purchases. The effort to improve liquidity is working: where transacting in Treasuries cost 10 times its ‘normal’ rate through much of the month of March we’ve now come down to a level about 5 times normal. Agency MBS too have seen much more stability and improved liquidity that is working through the system.

In foreign exchange, the positive risk environment has continued to support improved liquidity and a slight improvement in bid-ask spreads, as well as order book depth. Trading spreads are now much more attractive than most of March, but still much higher than in early January. USD carry is stable near 12bps against the G10 average while the cross-currency basis continues to point to a saturation of USD liquidity in currency forward markets. USD forward market yields are below USD Libor yields.

Auch Renten kein sicherer Hafen

Man könnte meinen, in Aktienkrisen weisen Staatsanleihen stets die Funktion eines sicheren Hafens auf. Das stimmt diesmal nur bedingt, nämlich bis Mitte März. Da erreichten Renditen länger laufender Staatsanleihen Rekordtiefs, in der Eurozone teilweise im deutlich negativen Bereich. Als dann im Marktstress ein globaler Ausstieg aus allen „riskanten“ Positionen erfolgte – die Suche nach Liquidität war nun dominierend – kamen selbst „sichere“ Staatsanleihen unter Druck. Am Ende waren nur noch die US-Treasuries Fels in der Brandung, diese profitierten auch von den massiven Leitzinssenkungen der US-Notenbank. Ende März trat, wie auch auf den Aktienmärkten, eine gewisse Beruhigung ein. Wesentlich dramatischer ist die Lage bei „Spread-Produkten“, also Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmensanleihen, insbesondere High Yield bzw. Emerging Markets. Deren Kurse fielen proportional zu den Aktienmärkten, die erreichten Renditeabstände waren seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesehen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Die Notenbanken bestimmen den Weg

Der Interkontinentalspread, also die Renditedifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen ist schon bis Februar deutlich gesunken, nun ist er regelrecht eingebrochen. Unser deutliches Übergewicht von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen macht sich weiter bezahlt.

Sind US-Anleihen wohl doch der sichere Hafen? Oder sind es die wieder aufgenommenen massiven Anleihekäufe (Staats- und Hypothekaranleihen) der US-Fed, die im März den Leitzins um mittlerweile 1,5 Prozentpunkte gesenkt hat? Nun hat auch die USA Nullzinspolitik.

Es war vor beinahe 8 Jahren, als der EZB-Chef der Eurokrise mit der Ankündigung „whatever it takes... and believe me, it will be enough” einen verbalen Schlusspunkt setzte. Nun wird abermals und massiv „all in“ gegangen, auch die Fiskalpolitik schnürt weltweit nie dagewesene Konjunkturpakete. Es sollen in den Industrienationen bis zu 10 % des Sozialprodukts aufgewendet werden.

Staats- und Unternehmensanleihen: Große Unterschiede

Der Staatsanleihenmarkt bleibt von den quantitativen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken getrieben, nun haben diese ihre Kaufabsichten vor allem für diese Anleiheklasse abermals deutlich artikuliert. Dies wird auch notwendig sein, da durch die Krisenabwehr das Nettoemissionsvolumen vieler Staaten deutlich ansteigen wird.

Neben unserer Übergewichtung von US- gegenüber deutschen Staatsanleihen nehmen wir nun eine Übergewichtung von italienischen gegenüber französischen Staatsanleihen vor.

Die Ertragserwartungen des Unternehmenssektors wurden im März sowohl von Analysten als auch von den Unternehmen selbst radikal nach unten revidiert. Die negativen Revisionen fallen mittlerweile stärker aus als im Herbst 2008. Noch fehlt die Visibilität in Bezug auf die tatsächliche Entwicklung der Ausfallsraten im High-Yield-Segment. Können die damaligen Ausfallsraten von 13 % (Europa) bzw. 14 % (USA) übertroffen werden? Wir nehmen erstmals seit langem keine Position bei Unternehmensanleihen ein, weder Über- noch Untergewichtung.

Emerging Markets: Schäden noch nicht absehbar

Die Dauer der Pandemie und das konkrete Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden sind nicht absehbar. Hartwährungsstaatsanleihen haben aktuell an Attraktivität gewonnen, werden aber auch in den kommenden Wochen mit starker Volatilität und zunehmenden Ausfallsrisiken konfrontiert sein. Wir sehen jedoch einen Großteil der fundamentalen Probleme bereits eingepreist und übergewichten diese Anleiheklasse gegenüber europäischen Staatsanleihen.

Ausnahmezustand

Es fällt schwer, die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie in Worte zu fassen. Die Anzahl der Erkrankten und Toten bewegt sich scheinbar unaufhaltsam nach oben, was beispiellose Maßnahmen notwendig macht. Demokratie und Freiheitsrechte werden eingeschränkt und das Leben des Einzelnen in einen fundamental veränderten Modus gezwungen. Sich den Kopf über taktische Risikomaßnahmen in der Asset Allocation zu zerbrechen, erscheint dabei fast nebensächlich. Die Verantwortung für unsere Kunden und das anvertraute Vermögen endet aber auch in diesem Ausnahmezustand nicht, weshalb die volle Konzentration darauf gerichtet ist, diese Phase bestmöglich zu meistern. Dabei müssen wir uns eingestehen, dass wir weder den weiteren Verlauf der Pandemie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen seriös einschätzen können. Ja, es gibt mittlerweile den einen oder anderen Anhaltspunkt, aber mehr nicht.

An dieser Stelle kann eine der Hauptaussagen des letztmonatigen Kommentars wiederholt werden: In einer solchen Situation steht das Vorsichtsprinzip über Ertragsoptimierung. Wir haben deshalb im Verlauf des März sowohl die Aktienquote als auch das Zinsänderungsrisiko signifikant reduziert. Die Entscheidung hinsichtlich der Aktien wurde zuletzt bestätigt, auch wenn sich die Märkte in den letzten Tagen zu stabilisieren scheinen.

Das Übergreifen der Pandemie auf die USA dürfte wohl noch für ausgeprägte Volatilität sorgen. Das Zinsänderungsrisiko wurde hingegen normalisiert, weil hier aufgrund der jüngsten Aussagen diverser Notenbanken das Bedrohungspotenzial begrenzt sein dürfte.

Kurzfristig wird die Marktentwicklung somit von ausgeprägter Unsicherheit gekennzeichnet sein. Wer einen längeren Horizont hat, etwa jenen der empfohlenen Behaltedauer unserer Fonds, findet schon jetzt interessante Möglichkeiten vor.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Beispiellose global-synchrone Marktbewegungen

Die Lage verdüsterte sich, nachdem es Ende Februar noch weniger dramatisch aussah. Es ist wohl auch schon in Vergessenheit geraten, dass ja einige Indizes Mitte Februar noch Höchststände aufweisen konnten, der US-Markt sogar mit All-Time-High. Mit der globalen Ausbreitung der Corona-Pandemie erfolgte im März aber auch der weltweite Einbruch der Aktienmärkte. Extreme Tages- und Wochenverluste und heftige Gegenbewegungen halten die Welt in Atem. Die Marktvolatilität, der gängige Risikofaktor am Finanzmarkt, erreichte im März Extremwerte, erst Ende des Monats trat eine Gegenbewegung und dann etwas Beruhigung ein. Immerhin stiegen die Aktien Ende März auch um rund 10 % in einer Woche, was den stärksten Wochengewinn seit 11 Jahren bedeutet. Und es gibt derzeit ein kleines Licht am Horizont: Chinas Aktienmarkt ist am wenigsten unter Druck, ein Indiz der Erholung. Ebenso lassen die letzten Tage im März die Suche nach einer Bodenbildung vermuten, aber die Lage bleibt fragil.

Globale Konjunktur: Lockdown

Die Welt kämpft derzeit vor allem mit der Eindämmung der weiteren Verbreitung des Coronavirus. Der Lockdown weiter Teile des sozialen aber auch des wirtschaftlichen Lebens zur Reduktion persönlicher Kontakte ist hierbei die wesentlichste Maßnahme.

Damit kommt die globale Wirtschaft einem temporären Stillstand nahe. Dramatisch negative Auswirkungen auf die Wachstums- und Arbeitsmarktzahlen sind anhand erster Indikationen absehbar. Obwohl erst wenige konkrete Daten zur Verfügung stehen, verdeutlicht die Abrisskante bei den Surprise Indizes in allen Regionen, dass die oftmals schon deutlich nach unten angepassten Prognosen dennoch mehrheitlich negativ übertroffen werden.

Die sich täglich verändernde Nachrichtenlage bestimmt weiterhin die Entwicklung an den Aktienmärkten und macht damit kurzfristige Prognosen fast unmöglich. Die unmittelbaren Folgen für die globale Konjunktur werden jedoch greifbarer, auch in den erwarteten Unternehmensgewinnen beginnen sich die Folgen dieser Krise nun deutlich zu manifestieren.

Aktien USA und Europa: Steiniger Weg vor uns

Im aktuellen Umfeld erachten wir Fundamentaldaten als weniger relevantes Anzeichen dafür, dass im Kampf gegen die Pandemie echte Fortschritte erzielt werden. Seit dem globalen Ausbruch der Krise haben Aktienmärkte aus Ländern, die schon weiter im Zyklus der Ansteckung bzw. erfolgreicher in der Bekämpfung derselben sind, sich besser gehalten als solche aus „Nachzüglerländern". Nicht nur absolut, sondern vor allem risikoadjustiert.

Wir glauben, dass die regionalen Ansteckungsraten in den nächsten Wochen weiter im Fokus der Anleger stehen werden und erfolgreiche „Coronabekämpfer" sich besser entwickeln werden. Das Gewinnwachstum für den MSCI Weltaktienindex inklusive Emerging Markets (basierend auf den rollierenden 12-Monatsergebnissen) war bereits Ende Februar zweistellig negativ. Während sich die Gewinnentwicklung in den Schwellenländern schon seit Ende Jänner deutlich negativ zeigt, sind nun ähnliche Entwicklungen in den entwickelten Regionen zu erwarten.

Emerging Markets: Schäden noch nicht absehbar

Lag das Auge des Hurrikans im Jänner und Februar eindeutig über China, so ist der Sturm nun weiterge zogen. Die verheerenden Verwüstungen der Corona-Pandemie werden zunehmend sichtbar: So zeigen Vorlaufindikatoren historische Tiefstände an und BIP-Wachstumszahlen werden laufend nach unten revidiert. Mittlerweile wird ein stärkerer Rückgang als in der Krise von 2008 erwartet.

Am wenigsten Visibilität gibt es noch immer auf der Unternehmensseite, wobei hier ebenso deutliche Gewinnrückgänge erwartet werden. Bisher regiert die Hoffnung auf einen kurzen Absturz.

Dow Jones: Eine kurze Krisengeschichte

Das Coronavirus ist in der vergangenen Woche auch in den USA voll angekommen. Anfang dieser Woche verzeichnet die Johns Hopkins Universität mehr als 300.000 bestätigte Infektionen mit der neuartigen Lungenkrankheit – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Während neben den gesundheitlichen Folgen die wirtschaftlichen Auswirkungen noch kaum zu beziffern sind, ordnet sich der damit verbundene Kurseinbruch an den Börsen in die Reihe der größten Börsencrashs der Geschichte ein.

Als wohl bekanntester Aktienindex der Welt bietet der Dow Jones Industrial Index einen spannenden Überblick der gravierendsten Krisen aus Sicht der Finanzmärkte. Noch im Februar dieses Jahres erreichte der „Dow“ die höchsten Stände seiner 136 Jahre langen Geschichte.

Am Höhepunkt einer Rekordjagd, die etwa im September des Vorjahres begann, stieg der Index auf über 29.500 Punkte. Nur wenige Wochen später fand sich der Dow Jones auf einem Level von unter 19.000 Punkten wieder, einem Punktestand, den er seit 2016 nicht mehr unterschritten hatte.

Am 16. März brach der Dow Jones um 12,9 Prozent oder 2.997,10 Punkte auf 20.188,52 Punkte ein. Dies war der schwächste Handelstag seit dem „schwarzen Montag“ im Jahr 1987.

Weltfinanzkrise und Turbulenzen nach der Jahrtausendwende

Bis dahin war der Einbruch des „Dow“ wenige Tage nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Ende September 2008 der größte Tagesverlust in absoluten Zahlen gewesen. Damals war  der Dow innerhalb eines Tages um 777,68 Punkte abgerutscht.

Das Ereignis markierte den Start der bisher letzten Wirtschaftskrise, die ausgelöst von einer Spekulationsblase um Immobilien und Finanzprodukten auf Basis von Kreditobligationen erst Banken weltweit in Turbulenzen brachte und später viele Staaten vor allem in Europa in eine hohe Verschuldung trieb.

Schon am 13. Oktober 2008 konnte der Dow zwischenzeitlich mit einem Plus von 11,08 Prozent seinen bis dahin größten Tagesgewinn verbuchen, dies änderte jedoch nichts an der grundsätzlichen Talfahrt, die erst Anfang März 2009 auf Höhe von 6.500 Punkten ihren Tiefpunkt erreichen sollte.

Im April 2010 fand sich der Dow schließlich nach etwas mehr als eineinhalb Jahren wieder auf dem Niveau von Vorkrisenzeiten. Doch auch über diesen Punkt hinaus sollten die Folgen der weltweiten Finanzkrisen die Wirtschaft beeinträchtigen.

Eine ebenfalls beachtliche Verwerfung hatte es kurz nach der Jahrtausendwende gegeben: Als die US-Börsen am 17. September 2001 das erste Mal nach den Anschlägen vom 11. September wieder öffneten, sackte der Dow um 684,81 Punkte ab. Dies war in absoluten Zahlen der drittgrößte Tagesverlust seiner Geschichte. Prozentual büßte er 7,1 Prozent ein.

Darüber hinaus kam der Einbruch nur wenige Monate nach dem Platzen der Dot-Com-Blase. Der Dow erreichte erst im März 2006 wieder vergleichbar hohe Punktestände.

Schwarze Tage im 20. Jahrhundert

Bis zu den jüngsten Kursrutschen galt das Jahr 1987 als das schwärzeste an den Aktienmärkten nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 19. Oktober 1987 brach der Dow um 22,6 Prozent ein.

Das war prozentuell gesehen der größte Tagesverlust seiner Geschichte. In den fünf Jahren zuvor hatte er insgesamt rund 250 Prozent zugelegt. Die USA kämpften zu dieser Zeit jedoch mit einem massiven Handelsbilanzdefizit und die Inflation wurde im Vorfeld des Börsenkrachs zunehmend zum Problem, bevor die US-Notenbank erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen hob.

Darüber hinaus hatte sich an den Devisenmärkten eine derartige Verunsicherung breit gemacht, dass selbst das Vertrauen in den US-Dollar nachließ. Der Dow Jones brauchte bis Sommer 1989 um erstmals wieder auf die Höhe von vor dem Crash zurückzukehren.

Das letzte verhältnismäßig gleichbedeutende Ereignis hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 55 Jahre zurück gelegen. Bereits im Jahr 1929 hatte es einen „Schwarzen Montag“ gegeben, der einem „Schwarzen Donnerstag“ gefolgt war und auf den noch ein „Schwarzer Dienstag“ unmittelbar folgen sollte. Am 28. Und 29. Oktober 1929 brach der Dow um insgesamt 23 Prozent ein.

Der 12,8-prozentige Kurseinbruch vom 28. Oktober blieb bis zum „Schwarzen Montag“ 1987 der größte Tagesverlust. Ausgelöst war er durch das Platzen einer Spekulationsblase worden, die sich aufgrund fehlender Regulierung und Kontrolle sowie mangelndem Wissen vieler Anleger gebildet hatte.

Der Börsencrash von 1929 läutete die Große Depression ein, die die US-Gesellschaft maßgeblich prägen sollte. Es dauerte bis deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg, dass der Dow Jones das hohe Niveau von vor dem großen Absturz wieder erreichen konnten: Im Herbst 1954.

Auslöser und Reaktion auf Krisen entscheidend

Das erste Quartal 2020 des berühmtesten Aktienindex der Welt wird zweifelsohne als eines seiner schlechtesten in die Geschichte eingehen: In den ersten drei Monaten 2020 verlor er mehr als 26 Prozent seines Wertes.

Wie seine Historie jedoch zeigt, muss ein tiefer Fall nicht zwangsläufig eine besonders lange Durststrecke für Anleger bedeuten. Entscheidend für die Erholung sind neben den Gründen für den Einbruch, vor allem die Lehren und Reformen, die Politik und Investoren daraus ableiten.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Stabilisierung auf den Märkten, aber noch keine Entwarnung

Die vergangene Woche stand im Zeichen vorsichtiger Stabilisierung auf den Finanzmärkten. Die Schwankungsbreiten gingen nach den extremen Kursausschlägen der letzten Wochen etwas zurück. Für Entwarnung scheint es aber weiterhin viel zu früh. Vorhersagen über den Verlauf der Pandemie und der weltwirtschaftlichen Entwicklung gleichen nach wie vor einem Stochern im Nebel. Angesichts dessen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios wurden seit unserem letzten Update keine grundlegenden Änderungen vorgenommen.

Aktiengewichtung bleibt reduziert, Fokus weiterhin auf Risikomanagement

Die ganz große Panik an den Finanzmärkten scheint fürs erste vorüber. Die Kurssschwankungen haben in den letzten Tagen etwas abgenommen. Für eine Entwarnung auf den Risikomärkten (Aktien, Spreadprodukte, Rohstoffe) ist es gleichwohl weiterhin zu früh. Zu beachten ist, dass auch bei einem baldigen Ende der „Lockdowns“ die Weltwirtschaft ja nicht im Handumdrehen auf den Vor-Corona-Modus zurückschalten kann. Unterbrochene Lieferketten, Zweitrundeneffekte von Angebots-, Nachfrage- und Ölpreisschocks sowie die Nachwirkungen von enormen Einkommensverlusten werden noch lange zu spüren sein, trotz aller Fiskalpakete. Bestimmte Branchen, wie etwa der Tourismus, werden außerdem nur sehr langsam wieder zur Normalität zurückkehren können. In weiterer Folge betrifft das beispielsweise auch Hersteller von Luxusgütern, Flugzeugbauer, Fluggesellschaften, die Werbebranche, Ölkonzerne und viele mehr. Die Unwägbarkeiten für Volkswirtschaften, Unternehmen und Finanzmärkte bleiben bis auf weiteres sehr hoch und damit ebenso das Risiko für weitere größere Kursschwankungen.

Es lassen sich plausible Argumente sowohl für deutlich höhere als auch deutlich niedrigere Aktienkurse finden, je nachdem, wie schnell oder wie langsam und wie umfassend sich die Weltwirtschaft erholt. Unter diesen Umständen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht aktuell weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios haben wir seit unserem letzten Update daher auch noch keine grundlegenden Änderungen vorgenommen. Bei Branchen und Regionen hingegen gibt es durchaus einige aktive Positionierungen – beispielsweise eine Übergewichtung von Asien exklusive Japan und eine Untergewichtung Japans oder eine Longposition in Energieaktien gegenüber Versorgern. Bei Anleihen sind beispielsweise US-Staatsanleihen zu Lasten von Euro-Staatsanleihen übergewichtet. Zudem besteht eine kleine Longposition bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen. Das Fondsmanagement betrachtet diese Assetklasse als weiterhin aussichtsreich, sieht den Zeitpunkt für ein stärkeres Aufstocken allerdings noch nicht gekommen.

Emerging Markets: Sehr unterschiedlich von der Krise betroffen

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben in den vergangenen Wochen natürlich auch stark gelitten, ebenso die Volksw