Investitionsmöglichkeiten im Gesundheitssektor

der aktuellen SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Nach den jüngsten und in diesem Ausmaß beispiellosen Maßnahmen der Zentralbank sowie dem Versprechen auf fiskalische Stimulierung durch viele große Volkswirtschaften hoffen wir, dass die Aktienmärkte eine gewisse Unterstützung erfahren werden. Für Anleger, die nach relativ sicheren Einstiegsmöglichkeiten in den Markt suchen, sind Investitionen in denGesundheitssektor eine Überlegung wert. Der Sektor hat sich an den meisten Tagen der aktuellen Krise relativ gut entwickelt und Zuflüsse von Anlegern gesammelt (wie in den Grafiken HIER zu sehen ist).

Unter den aktuellen Themen dieses Sektors ist der Wettlauf um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus sicherlich das auffälligste. Investitionen in den gesamten Sektor sind  eine Möglichkeit, den erhofften Erfolg dieses Vorhabens zu sichern.

Ängste vor US-Regulierung gesunken

Die Entwicklungen während der Vorwahlen der US-Demokraten konnten das Risiko verringern, dass einige der härtesten Regulierungsvorschläge in Kraft treten. Nachdem der ehemalige Vizepräsident Joe Biden zum Spitzenreiter der Demokratischen Partei avancierte, stiegen die US-Gesundheitsaktien sprunghaft an, was darauf hindeutet, dass die Investoren Bidens Vision einer Ausweitung des Affordable Care Act dem Plan von Bernie Sanders für die allgemeine Gesundheitsversorgung (Medicare for All) vorziehen.

Es gibt nach wie vor Bedrohungen durch die derzeitige Regierung, aber auch diese könnten nun verringert werden. Die Regierung von Trump hat mehrere Ideen vorgeschlagen, die darauf abzielen, die Kosten für Medikamente durch Medicare zu senken. Diese Bemühungen waren aber aufgrund des heftigen Widerstands der Pharmaunternehmen und der Mitglieder beider politischer Parteien im Kongress vorerst zum Stillstand gekommen. Nun aber gibt die Notwendigkeit einer schnellen Reaktion auf die Bedrohung durch das Coronavirus der Industrie ein starkes Argument gegen den Preisdruck.

Weltweit könnte staatliche Soforthilfe direkt in die Gesundheitsversorgung fließen

Es wird wohl viele Schlagzeilen über die Ausgaben zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie geben, jedoch werden diese nicht zwingend dem gesamten Gesundheitssektor zugutekommen. Die Branchen innerhalb des Sektors haben unterschiedliche Triebkräfte und wirtschaftliche Empfindlichkeiten – die Aufschlüsselung zeigt das Tortendiagramm (LINK).

Viele Unternehmen werden von den Auswirkungen des Coronavirus negativ betroffen sein, wie z.B. durch den Ausfall von Routine-Operationen sowie Verzögerungen bei den klinischen und regulatorischen Zeitplänen und Forschungsausgaben. Die Unterbrechung der Lieferkette im Gesundheitswesen (es gibt bereits einen Mangel an Mustertests, Masken, Kitteln usw.) und die geringere Verfügbarkeit von Generika sind angesichts der starken Abhängigkeit von China bei der Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen ebenfalls problematisch.

Für Unternehmen der Gesundheitstechnologie könnte die Pandemie jedoch Wachstum generieren. Krankenhäuser und Vertriebspartner könnten von den steigenden Zulassungen und Verschiffung von Hilfsgütern profitieren.

Zwei Bereiche im Zusammenhang mit COVID-19 sind besonders interessant: Die Lieferung von COVID-19-Testsätzen und die Entwicklung von Impfstoffen für das Virus. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, könnten den Gesundheitssektor vorantreiben, die überwiegende Mehrheit von ihnen ist im MSCI World Health Care Index notiert.

Ein defensiver Sektor

Das Gesundheitswesen ist angesichts der bereitgestellten Produkte und Dienstleistungen defensiv aufgestellt, was sich in einem relativ stabilen Einkommenswachstum niederschlägt. Der Sektor hat in diesem Jahr im Vergleich zum übrigen Markt relativ geringe Anpassungen der Gewinnprognosen erfahren. Diese Defensivität lässt sich auch durch das niedrige Beta der Aktienkurse verdeutlichen.

Der Sektor wird oft als sicheres Spiel mit hohen Renditen und relativ geringer Verschuldung/Eigenkapital angesehen. Die meisten Unternehmen scheinen über einen ausreichend robusten Cashflow zu verfügen, um die Dividenden weiterhin zu bedienen – was nicht in allen Sektoren der Fall sein wird.

Die aktuellen Flows  bei Sektor-ETFs zeigen, dass   europäischdomizilierten Health Care ETFs (die analysierten Fonds tracken europäische, US und weltweite Healtcare Indizes) die zweitstärksten im Vergleich mit allen Sektoren seit Beginn des Jahres waren. Die von State Street Global Markets in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zeigten, dass institutionelle Anleger relative Nettokäufer von Gesundheitstiteln in Europa, den USA und auch weltweit waren, und dass sie im Durchschnitt aus stark untergewichteten Positionen stammten.

Wie man dieses Thema spielt

Es gibt drei ETFs, über die das Thema Health Care  gespielt werden kann. Um mehr über diese ETFs zu erfahren, einschließlich ihrer vollständigen Performance Geschichte, folgen Sie bitte den untenstehenden Links:

SPDR MSCI World Health Care UCITS ETF
SPDR S&P U.S. Health Care Select Sector UCITS ETF
SPDR MSCI Europe Health Care UCITS ETF

Wie geht es jetzt an den Märkten weiter?

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Menschen, Volkswirtschaften und auch die Finanzmärkte durchlaufen gerade eine schwierige Zeit. Länder auf der ganzen Welt haben dem Coronavirus den Kampf angesagt. Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten ist für Investoren in diesem Umfeld eine Herausforderung. Es gibt dabei keine einfachen Antworten. In diesem Artikel teilen wir unsere Gedanken über die Volatilität der Märkte und die Reaktion der politischen Entscheidungsträger. Anschließend bieten wir unsere Erkenntnisse darüber an, wie Anleger ihre Portfolios so positionieren könnten, dass sie durch diese Zeiten navigieren können.

Ein neuer Höhepunkt der Volatilität

Der CBOE-Volatilitätsindex (VIX), wichtiges Stimmungsbarometer für die Marktvolatilität, hat neue Höchststände erreicht, welche sogar die in der globalen Finanzkrise erreichten Niveaus übertreffen (Abbildung 1). In der Vergangenheit waren solche starken Volatilitätsspitzen nur von kurzer Dauer, aber das durchschnittliche Niveau der Volatilität kann über längere Zeiträume erhöht oder gedämpft ausfallen. Das durchschnittliche Niveau des VIX lag 2019 bei etwa 15.

Quelle: WisdomTree, Macrotrends. Stand 18/03/2020. Der VIX-Index bezieht sich auf den Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange (CBOE). Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der überall auf der Welt geschlossenen Grenzen und abgeriegelten Städte werden in den kommenden Monaten sichtbar sein. Schon jetzt ist klar, dass Unternehmen, egal ob klein oder groß, bereits jetzt einen schweren Schlag einstecken müssen. Sie werden Unterstützung brauchen, um sich wieder zu erholen, und selbst dann werden nicht alle überleben. Daher ist zu erwarten, dass die Volatilität im Jahr 2020 hoch bleiben wird - oder zumindest im Durchschnitt höher als im Jahr 2019.

Reaktion der politischen Entscheidungsträger

Die Zentralbanken schalteten sich mit ihren üblichen Instrumenten der politischen Reaktion rasch ein. Die US-Notenbank und die Bank of England nahmen im März Notfallzinssenkungen vor. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte zusätzliche Anleihenkäufe in Höhe von 750 Milliarden Euro an. Aber da die Zinssätze in vielen entwickelten Märkten bereits nahe bei 0 liegen, erkannten die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit, zusätzliche fiskalische Anreize zu setzen.

Die US-Regierung deutete an, den Kongress um Unterstützung für einen 850 Milliarden Dollar schweren Konjunkturaufschwung bitten zu wollen. Auch die britische Regierung sagte ein Geschäftskreditpaket in Höhe von 330 Milliarden Pfund zu. Wahrscheinlich werden weitere Regierungen fiskalische Maßnahmen ankündigen, um angeschlagene Unternehmen zu unterstützen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Eine Zeit der Defensive

Wie Anleger auf die vorherrschende Marktvolatilität reagieren, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter ihre Risikobereitschaft und ihr Anlagehorizont. Einige entscheiden sich möglicherweise für den taktischen Handel, andere suchen nach attraktiven Einstiegsmöglichkeiten für langfristige Investitionen. In diesem Blog werden wir einige unserer besten Ideen hervorheben, um potenziell robuste strategische Portfolios aufzubauen. Wir werden zudem auf die von Pierre Debru eingebrachten Ideen zu defensiven Anlagen zurückgreifen, und darauf eingehen, warum ein defensiver Ansatz zunehmend relevant und wichtig geworden ist.

Gold bekommt die höchste Medaille

Bei defensiven Vermögenswerten zeigte Gold in der Vergangenheit einen wirksamen Schutz vor Kursverlusten. In den 10 schlechtesten Quartalen für europäische Aktien der vergangenen 20 Jahre verzeichnete das Edelmetall 7 Quartale mit positiver Performance. Gold wird von den Anlegern als ein echter Wohlstandsspeicher wahrgenommen, was es in Zeiten turbulenter Finanzmärkte besonders attraktiv macht. In unserem jüngsten Gold Blog erörterten wir, dass die Preisschwäche von Gold in den letzten Tagen von seinen Safe-Hafen-Eigenschaften zeugt, da sich die Anleger im Zuge der Börsenrückgänge dem Gold als Liquiditätsquelle zugewandt haben. Etwas Ähnliches geschah während der globalen Finanzkrise. Der Goldpreis fiel zunächst im Oktober 2008 aufgrund von Margenausgleich und Liquiditätsbedarf, stieg dann aber bis August 2011 um 170 Prozente an. In Bullenphasen bietet Gold eine Absicherung gegen die Inflation, was es zu einem ausgewogenen Vermögenswert und zu einem wichtigen Instrument für die strategische Vermögensallokation macht.

Die richtige Laufzeit

In unserem Fixed-Income-Blog aus der Artikelserie zu defensiven Assets hebt Pierre Debru hervor, wie Staatsanleihen mit langer Laufzeit ein attraktives Gleichgewicht zwischen Abwärtsschutz und Aufwärtssicherung bieten können. Wenn die Zinsen fallen, entwickeln sich diese Anlagen stark, da die längere Laufzeit ihnen eine höhere Zinssensitivität verleiht. Das Upside kann durch eine Zuwendung zu Ansätzen mit höheren Renditen (Enhanced Yield), die von den nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmarks abweichen, erfasst werden, um eine höhere Rendite zu erzielen.

Ein Oase unter den Währungen

Unter den Währungen ist der US-Dollar in Zeiten erhöhter Marktvolatilität in der Regel ein sicherer Hafen für Anleger. Nach seinem jüngsten Aufschwung scheint der Dollar trotz der Zinssenkung der US-Notenbank wieder an Stärke zu gewinnen (Abbildung 2), was ein frühes Anzeichen dafür ist, dass er seine Safe-Hafen-Eigenschaften ausspielt.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Rohstoffe – führt der einzige Weg nach oben?

Zyklische  Rohstoffe wurden durch den Marktabschwung stark getroffen. Besonders traf  dies bei Öl zu, das nun eine erhebliche Nachfragevernichtung durch die weltweit reichenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus einpreist. (Abbildung 3). Außerdem wird ein höheres Angebot eingepreist, da sich die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Partner (OPEC +) nach ihren Treffen Anfang des Monats nicht auf Durchführungsmaßnahmen zum Marktausgleich einigen konnten. Öl wird in der Welt nach der Corona-Pandemie weiterhin benötigt werden. Die Preiskämpfe zwischen den erdölexportierenden Ländern sind unserer Meinung nach nicht haltbar. Daher scheinen die Risiken für die Ölpreise angesichts der derzeitigen Lage nach oben verzerrt zu sein.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

In ähnlicher Weise preisen auch die Industriemetalle eine erhebliche Nachfrageschwäche ein. Der Bloomberg-Subindex für Industriemetalle ist seit 19. März um fast 20 Prozent gesunken. Wenn die Regierungen ihr Versprechen einlösen, fiskalische Anreize zu schaffen und die Wirtschaft nach dem Ende der Sperrzeit wieder auf die Beine kommt, könnten die Industriemetalle einen Nachfrageschub erfahren.

Ein Allwetter-Ansatz für Anlagen

Die Aktienmärkte hatten es in den letzten einem Monat schwer. Wir glauben, dass ein defensiver Ansatz mit dem Schwerpunkt auf Qualität ein robuster Weg ist, um ein Kern-Engagement in Aktien zu erhalten. Unsere Definition von Qualität konzentriert sich auf Rentabilität, langfristiges Wachstum und einen geringeren Verschuldungsgrad.Unternehmen mit diesen starken Fundamenten haben in der Regel eine bessere Chance, Stress zu widerstehen und nach der Krise wieder stark aufzutreten. Daher kann eine Fokussierung auf Qualität potenziell eine gute Erfassungsquote bieten, d.h. eine defensive Haltung auf der unteren Seite, ohne zu viel von der positiven Seite aufzugeben.

Die kommenden Wochen und Monate werden die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte weiterhin mit großer Unsicherheit belasten. Einige der erwähnten Ideen können den Anlegern helfen, sich durch die Turbulenzen zu navigieren.

Coronacession

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Coronavirus-Pandemie stellt eine globale Gesundheits- und Wirtschafts- und Finanzkrise dar.

Der Begriff „Coronacession“ wurde als Kunstwort für Corona und Recession (Rezession) geboren. Die zentrale Frage ist, wie stark ausgeprägt der Notstand ist und wie lange er andauern wird.

Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist atemberaubend. Die pessimistischen Szenarien von gestern sind die optimistischen von heute. Dieses Umfeld hatte deutlich negative Auswirkungen auf den Finanzmarkt.

Was ist mit dem Gesundheitssystem?

Die hohe Zuwachsrate der bestätigten Neuinfektionen außerhalb Asien ist Besorgnis erregend. Es geht unter anderem darum, dass rund fünf Prozent der Fälle eine intensive Behandlung in einem Krankenhaus benötigen. Wenn zu viele schwere Fälle auf zu wenige Spitalsbetten treffen, steigen die Todesfälle an.

Um eine Überforderung des Gesundheitssystems zu vermeiden, wurden von vielen Regierungen drastische Eindämmungsmaßnahmen wie etwa Ausgangsbeschränkungen gesetzt. Das Schlagwort lautet Social Distancing.

Wie ausgeprägt und wie lange die Maßnahmen der sozialen Isolierung andauern, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wie stark kann die Geschwindigkeit der Zuwachsrate abgebremst werden? Wann wird ein Medikament einsetzbar sein?
  • Wann werden ausreichend Testkits, Schutzausrüstungen und Spitalsbetten zur Verfügung stehen?
  • Wann wird das Verfahren zur Nachverfolgung (Contact Tracing) ausgebaut sein?

Wie die zwei Seiten einer Medaille bedeuten die Maßnahmen zur Isolierung einerseits eine Eindämmung der Ausbreitung des Virus, aber andererseits auch die Auflösung eines Teils des Bruttoinlandsprodukts.

Das BIP ist die Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum, gemessen in einer bestimmten Währung.

Was sind Sekundärrundeneffekte?

Wenn kein Hotelaufenthalt, kein Flug, kein Restaurantbesuch stattfindet, gibt es auch keine Transaktion, die als Beitrag zum BIP gemessen wird. Hier wird deutlich, dass es tatsächlich nicht nur auf das BIP ankommt, wenn es um die Lebensqualität geht. Gesundheit dominiert Wohlstand.

Zumindest eine Zeitlang. Denn die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind dramatisch. Die Schätzungen variieren, aber in einem Zeitraum von drei Monaten könnte das BIP, von Land zu Land unterschiedlich, zwischen fünf und zehn Prozent einbrechen.

Das ist zwar erheblich, aber immer noch nicht der eigentliche Kern des wirtschaftlichen Problems. Tatsächlich geht es um die sogenannten Überwälzungs- und Sekundärrundeneffekte. Wenn der Umsatz eines Unternehmens wegbricht, könnten die fixen Kosten nur noch eine kurze Zeit bedient werden.

Es drohen eine Konkurswelle (Unternehmen hören auf zu existieren), eine Kreditbremse (Banken vergeben keine Kredite) und ein Anstieg der Arbeitslosenraten.

Aus Luft Geld machen

So drastisch die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sind, so umfangreich sind auch Unterstützungsmaßnahmen zur Verhinderung einer Depression (anhaltentende, schwere Rezession).

Die Zentralbanken rund um den Globus verringern den Preis des Geld (den Leitzinssatz) auf null Prozent, erhöhen die Menge des Zentralbankgeldes in schwindelerregende Höhen, gewährleisten eine hohe und günstige Liquiditätsversorgung für die Banken, legen Ankaufsprogramme für Staats- und Unternehmensanleihen auf und versuchen die Dysfunktion am Kapitalmarkt zu bekämpfen (dazu weiter unten).

Die mächtigste „Waffe“ einer Zentralbank ist, dass sie aus Luft Geld machen kann. Natürlich muss mit einer solchen Möglichkeit sorgsam umgegangen werden, aber im Krisenfall wird sie eingesetzt. Die wichtigste Funktion der Zentralbank ist jene des Kreditgebers der letzten Instanz. Wenn sonst niemand Kredite vergibt, übernimmt die Zentralbank diese Funktion.

Die mächtigste „Waffe“ sind Steuereinnahmen

Die mächtigste „Waffe“ des Finanzministeriums in der Krisenbekämpfung sind die gesamten Steuereinnahmen, die aktuellen und die zukünftigen.

Damit können Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt werden, die Arbeitslosenunterstützung bezahlt, Unternehmenskredite- oder -Anleihen garantiert, Krankenversicherungen übernommen, direkte Hilfen gewährleistet und Steuern und Abgaben gestundet werden.

Die mächtigste „Waffe“ des Finanzministeriums in der Krisenbekämpfung sind die gesamten Steuereinnahmen, die aktuellen und die zukünftigen.

Theoretisch könnte das Finanzministerium den Nachfrageausfall (Umsatzeinbruch) der Unternehmen gleich direkt ersetzen. Vorerst wird aber hauptsächlich indirekt geholfen.

Maßnahmen zur Krisenbekämpfung hat es in der Vergangenheit schon viele gegeben. Neu ist das hohe Ausmaß des Zusammenspiels zwischen Zentralbank und Finanzministerium.

Das Finanzministerium garantiert (in manchen Ländern) zum Teil die Anleihen (kurzlaufende Unternehmenskredite), die die Zentralbank kauft. Die Zentralbank kauft in einem hohen Ausmaß die Anleihen, die zuvor vom Staat emittiert worden ist.

Was ist Helikoptergeld?

Der Übergang zum sogenannten „Helikoptergeld“ (neu geschaffenes Zentralbankgeld, das direkt an Staat oder Bürger ausgezahlt wird) stellt keine Singularität sondern eine gleitende Entwicklung dar. In der Vollausprägung würde die Zentralbank direkt oder indirekt über das Finanzministerium jedem Bürger Geld überweisen.

Dieser Schritt wird zurzeit in den USA diskutiert. Die Kernaussage aller an der Wirtschaftspolitik beteiligten Parteien lautet „Koste es, was es wolle“, um die möglichen Sekundärruneneffekte abzufangen.

Marktteilnehmer von den Entwicklungen überrascht

Auch die Marktteilnehmer wurden von den Entwicklungen überrascht. Weil sich das maßgebliche volkswirtschaftliche Szenario seit Jahresanfang scharf von „Erholung der Weltwirtschaft im Jahr 2020“ auf „Kontraktion im ersten Halbjahr mit nach unten gerichteten Risiken“ geändert hat, waren die Kursbewegungen heftig.

Nach den deutlichen Kurseinbrüchen bei den Aktien und Unternehmensanleihen ist mittlerweile ein kräftiger Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr reflektiert. Die Kernfrage für eine Veranlagungsentscheidung ist, ob und wann es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen wird.

Zu den gefallen Aktienkursen kommt, dass die Liquidität für den Wertpapierhandel stark gefallen ist. Viele Wertpapiere können nur noch mit einem erhöhten Preisauf- beziehungsweise –abschlag gehandelt werden.

Dieses Phänomen ist schon von früheren Krisenzeiten bekannt. Die erhöhte Unsicherheit bewirkt einen gleichzeitigen Abverkauf, wodurch die Kursbewegung verstärkt wird.

Dazu gesellen sich technische Markteigenschaften, die die Kursbewegung nochmals verstärken (hoher Anteil von passiven Fonds, geringere Markttiefe aufgrund von regulatorischen Vorschriften, quantitative Signale). Dieser gefallenen Liquidität auf dem Markt begegnen die Zentralbanken mit umfangreichen Anleiheankaufsprogrammen.

Außergewöhnliches Umfeld

Das aktuelle Umfeld ist außergewöhnlich. Es stellt die vergangenen Krisen seit dem zweiten Weltkrieg in den Schatten. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, empfiehlt es sich, Szenarien zu entwerfen.

Szenario 1: Nach dem scharfen Einbruch im ersten Halbjahr, kommt es zu einer wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus werden zurückgefahren und jene zur Eindämmung der Sekundärrundeneffekte (siehe oben) sind erfolgreich.
Das Wirtschaftswachstum weist im Zeitablauf die Form eines „V“ auf. In diesem Fall sind für eine Veranlagung Aktien der Favorit.

Szenario 2: Die Wirtschaft erholt sich nur langsam, weil die wirtschaftspolitischen Maßnahmen nur eingeschränkt funktionieren. Die Stimmung bleibt gedämpft und drückt auf Investitionen, Konsum und den Arbeitsmarkt. Erst im Laufe des nächsten Jahres setzt eine Erholung ein.
Man spricht vom Szenario „U“, weil der Einbruch keine Schlucht sondern ein Tal darstellt. Dieses Szenario spricht für ein gemischtes (breit gestreutes) Portfolio.

Szenario 3: Auf absehbare Zeit findet keine Erholung statt. Die Eindämmungsmaßnahmen könnten länger als gedacht anhalten und die Unterstützungsmaßnahmen könnten nicht effektiv genug sein.
Man spricht vom Szenario „L“. Dieses Umfeld spricht für möglichst kreditsichere Veranlagungen (Staatsanleihen).

FAZIT

Eine erste spürbare Entspannung beziehungsweise Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen wird es wohl erst dann geben, wenn ein Ende der Eindämmungsmaßnahmen absehbar und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der Unterstützungsmaßnahmen hoch ist.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Corona-Krise: Comeback der Märkte ab Sommer möglich

Ein Comeback der internationalen Aktienmärkte wird immer wahrscheinlicher, je näher der Sommer rückt. Dieser Meinung ist Michael Browne, Portfoliomanager bei der Legg-Mason-Investmentboutique Martin Currie.

„Die Erfahrung zeigt, dass das Coronavirus rund sieben Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie in einem Land seinen Höhepunkt erreicht und sich abschwächt, sobald zwanzig bis vierzig Prozent der Bevölkerung infiziert waren“, erläutert der Portfoliomanager. „Demnach könnten die Märkte zwischen Mitte April und Ende Mai den Blick auf das zweite Halbjahr und 2021 richten“, so Browne. Er hält es aus ökonomischer Sicht für einen Vorteil, dass die Corona-Krise Europa während einer Phase ohnehin geringen Wachstums und niedriger Lagerbestände treffe. Auch, dass das Virus die Welt während der Osterferien ausbremse, sei aus Sicht der Wirtschaft ein willkommener Zufall: „An Ostern ist die Produktion ohnehin geringer, weswegen die konjunkturelle Delle aufgrund des Virus weniger stark ins Gewicht fällt“, so Browne.

Wann genau die Aktienmärkte zur Normalität zurückfinden, hänge neben der Eindämmung des Virus von weiteren Faktoren ab. Browne betont, wie wichtig staatliche Maßnahmen für betroffene Wirtschaftszweige sowie eine unterstützende Geldpolitik seitens der Notenbanken seien. Auch Banken selbst müssten Weitblick beweisen, um betroffene Kunden in dieser schwierigen Zeit zu stützen. Damit die Ökonomie in Schwung komme und auch die Märkte den Blick auf das zweite Halbjahr richten könnten, käme es darüber hinaus daraus an, dass Arbeiter und Angestellte in Europa schnell wieder in vollem Umfang tätig werden. „Je schneller eine Rückkehr zur Normalität gelingen kann, desto eher wird dies auch den privaten Konsum begünstigen. In diesem Bereich sind sogar Nachhol-Effekte und damit ein höherer Konsum als üblich möglich“, betont Browne.

Auch langfristig könnten die Lehren aus der Corona-Krise positive Effekte auf die Wirtschaft haben. „Was wir täglich in den Supermärkten beobachten, kann sich in der gesamten Wirtschaft durchsetzen. Lagerhaltung wird langfristig an Bedeutung gewinnen. Auch dürften einige Industriezweige den Pool ihrer Zulieferer erweitern. Dafür sind zunächst Investitionen nötig, die uns dabei helfen können, nach der Krise zur Normalität zurückzufinden“, erklärt Browne. Weiteres Potenzial sieht der Portfoliomanager im Bereich des Gesundheitswesens: „Regierungen werden ihre Lehren aus der Pandemie ziehen und künftig noch stärker darauf achten, vorbereitet zu sein. Dies dürfte höhere Ausgaben im Gesundheitswesen mit sich bringen“, so Browne.

Zwar sieht der Portfoliomanager die Märkte aktuell stark im Bann des Virus, doch hätten Regierungen mit ihrem Willen zu rigorosen Maßnahmen Handlungsfähigkeit bewiesen und sowohl Bevölkerung als auch Wirtschaft ein Stück weit beruhigt. „Sobald sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt und das öffentliche Leben wieder aufgenommen werden kann, werden alle Beteiligten den Blick nach vorne richten. In China deutet sich angesichts niedriger Lagerbestände und einer langsamen Rückkehr zur Normalität bereits eine V-förmige Erholung an“, betont Browne und mahnt dazu, schwache Konjunkturdaten, welche während der tiefsten Krise erhoben wurden, nicht überzubewerten. „Diese Zahlen bilden lediglich den Worst Case ab, sagen aber wenig über die Erholungsbewegung aus“, so der Portfoliomanager von Martin Currie.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

"Weltweite Ausgangssperren führen zu globaler Rezession"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors.

"Der Präsident der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard, rechnet mit einem Anstieg der US-Arbeitslosenquote um 30 Prozent und einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 50 Prozent im zweiten Quartal. Eine ganze Palette von schlechten Prognosen zum BIP. Die US-Regierung kann den Rückgang der Verbraucherausgaben und der Investitionen nicht ausgleichen und der Kongress und der Senat müssen sich darauf einigen, wie die zwei Billionen US-Dollar ausgegeben werden, um diejenigen zu erreichen, die sie benötigen - Einzelpersonen wie Unternehmen.

"Sorgen bereitet jedoch nach wie vor die Liquidität. Die Regulierung muss für die Market-Maker gelockert werden und die Fed sollte die Liquidität und das Vertrauen durch erweiterte Befugnisse des Kongresses stärken. Die Volatilität scheint aufgrund der nach wie vor bestehenden Unsicherheit stetig hoch zu sein, da die totalen Lockdowns eine Ausnahmesituation darstellen. Die Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern deuten darauf hin, dass die aktuelle Krise für die Entwicklungsländer schlimmer ist als die Asienkrise und die globale Finanzkrise. Das Ausmaß und der Umfang dürfte aufgrund der Auswirkungen auf Gesundheit, Sozialfürsorge und Beschäftigung noch viel schlimmer sein. Auch wenn dies besorgniserregend sein kann, sollten wir alles tun, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, und versuchen, nicht in Panik zu geraten".

Pandemie-Notkaufprogramm der EZB

von Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei Western Asset Management.

„Mit dem Pandemie-Notkaufprogramm („PEPP“) der EZB ist die europäische Geldpolitik in zwei Schritten vorgegangen: quantitativ, da der angekündigte Betrag sechs Prozent und mehr des BIP der Eurozone vor Jahresende entspricht, aber auch qualitativ, da das Programm sehr flexibel ist und einige frühere Beschränkungen de facto aufhebt. Solange Covid-19 die gewünschte Umsetzung der Geldpolitik gefährdet – ein sehr wichtiges Feigenblatt für rechtliche Anfechtungen, die zweifellos kommen werden – hat die EZB einen großen Ermessensspielraum bei der Wahl der zu kaufenden Vermögenswerte und kann die betreffenden Beträge bei Bedarf erhöhen. Darüber hinaus hat die EZB mit der Ankündigung dieses Programms im Wesentlichen mitgeteilt, dass sie bereit ist, die selbst auferlegten Emittenten- und Emissionsgrenzen für den Kauf von Staatsanleihen aufzugeben, die bei der höheren Summe der monatlichen Käufe vor dem Ende des PEPP zu einer verbindlichen Beschränkung geworden wären.

Wir erwarten, dass die europäische Peripherie einschließlich Griechenland von diesem Programm besonders profitieren wird, was sich bereits darin zeigt, dass sich die Spreads verengen. Aber der wahre Wert könnte darin liegen, dass es sich um eine unbefristete Verpflichtung zur Unterstützung der Finanzpolitiker handelt, während diese auf nationaler und auf supranationaler Ebene eine Bedrohung der monetären Transmission bekämpfen, wenn die Gespräche über die gemeinsame Ausgabe von Anleihen zustande kommen. Mit anderen Worten: Christine Lagardes unglückliche Bemerkung zur Spreadausweitung wurde teilweise zurückgenommen: Solange sich die Spreads ausweiten, weil sie von Covid-19 infiziert sind, wird die EZB zur Hilfe kommen.“

Die Aktienmärkte verbuchen wieder Zugewinne

Das letzte Update begann mit den Vorzügen des Bloomberg Terminals und auch heute haben wir uns wieder dessen riesiger historischen Datenbank bedient.

Kürzlich berichteten wir über jene zehn Tage, an denen der amerikanische Leitindex S&P500 seine größten Verluste an einem einzelnen Tag erlitt. Diese zehn Tage traten in sechs unterschiedlichen Jahren auf: 1929, 1931, 1937, 1987, 2008 und 2020.

Hätte man zu diesen Zeitpunkten (inklusive jener Tage mit den höchsten Verlusten) den S&P500 gekauft und für zehn Jahr gehalten, hätte man langfristig gute Erträge erwirtschaften können.

Nur wer 1929 und 1931 eingestiegen wäre, hätte über die nächsten 10 Jahre nur magere Zugewinne oder sogar Verluste erlitten.

Wir wollen damit aber nicht sagen, dass aus taktischer Sicht derzeit der beste Einstiegszeitpunkt ist – wir sind in der Regel in den letzten Tagen etwas vorsichtiger geworden. Dennoch haben sich natürlich die Bewertungen von Aktien aus langfristiger Sicht in den letzten Wochen verbessert.

Die Aktienmärkte verbuchen wieder Zugewinne

Zurück ins Heute: die Aktienmärkte konnten deutliche Zugewinne verbuchen. Der S&P500 schloss bei 6% im Plus.

Auch die europäischen Aktienmärkte legten um ca. 3% zu. Ausgelöst wurde dieser Anstieg durch die Ankündigung weiterer fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen:

  • Die US Regierung gab bekannt ca. USD 1.200 Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen, um diese zu stützen und ein starkes Ansteigen der Arbeitslosenraten zu verhindern. Dazu können direkte Geldtransfers an Konsumenten zählen, Hilfen für Klein- und Mittelbetriebe und Steuererleichterungen.
  • Die britische Regierung kündigte ebenfalls ein Maßnahmenpaket an. Dies soll Hilfen bei Hypothekarkrediten, Unterstützungen für Fluglinien und den Einzelhandel umfassen.
  • Die US Notenbank kündigte an, dass sie direkt Geldmarktpapiere von Industrieunternehmen kaufen wird, um so Liquiditätsengpässe in diesem Markt abzufedern.

Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass weitere Maßnahmen in Aussicht gestellt werden.

Ebenfalls positiv für die Märkte war das gute Abschneiden von Joe Biden (einem gemäßigten Demokraten) in den Vorwahlen, die kürzlich in den Bundesstaaten Arizona, Florida und Illinois abgehalten wurden.

Was haben wir in den letzten Tagen und Wochen in den Fonds getan?

In unseren Rentenfonds haben wir die Kassapositionen aufgebaut, um leicht defensiver positioniert zu sein.

Weiters haben wir schon vor längerem die Zinssensitivität in unseren Fonds reduziert. Dies hat uns in den letzten Tagen, in denen die Renditen von Staatsanleihen angestiegen sind, geholfen.

Aktuelle Daten des Coronavirus vom 19.03.2020 (Link hier)

Letztes Update: 19.03.2020; Quelle:  Johns Hopkins University Link


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

"Europa macht nur in der Krise spürbare Fortschritte"

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors.

"Europa macht nur in einem Krisenmoment spürbare Fortschritte. Bei aller Kritik an der Zögerlichkeit der europäischen Staats- und Regierungschefs und der bürokratischen Natur der Politikgestaltung des Kontinents hat Europa schnell reagiert. Darüber hinaus ist die Reaktion breit und aussagekräftig, was die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des virusbedingten 'Shutdowns' begrenzen dürfte. Mit Blick auf die Zukunft werden dadurch auch letztendlich die Erholung vom Virus und das künftige Krisenmanagement verbessert. Die Sorgen um die langfristige Finanzlage Italiens und der Teufelskreis der Staatsfinanzen sollten weniger akut werden, wenn wir den gegenwärtigen Krisenmoment verlassen."

Ist China zurück am Arbeitsplatz?

von Jenny Teng, Senior Fund Manager, Erste Asset Management.

Die noch vor dem Chinesischen Neujahr im Januar verhängten, strengen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, welche eine Absperrzone für 60 Millionen Einwohner der Provinz Hubei und strikte Quarantäne für Hunderte Millionen Menschen mit sich brachten, haben die chinesische Wirtschaft beinahe in die Knie gezwungen.

Als Zeichen, dass die Situation unter Kontrolle ist, hat China seine Bemühungen, die Produktion zu erhöhen und die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zu minimieren, verstärkt.

Wie kommt die Wiederaufnahme der Produktion in China voran?

Das geschätzte Produktionsvolumen lag außerhalb der Provinz Hubei bei 60-70%. In Anbetracht der Tatsache, dass mehr und mehr Gebiete ihre Reiserestriktionen aufheben, sollte sich die Produktion Mitte bis Ende März wieder auf Normalniveau befinden.

Die Wiederaufnahme der Produktion hängt von Region, Sektor und Unternehmen ab. Geographisch betrachtet, hat der Großteil der Provinzen an der Ostküste eine Produktionsrate von über 90% wiederhergestellt, während sich stark infizierte Gebiete wie beispielsweise Hubei nach wie vor auf die Eindämmung des Virus konzentrieren.

Nach Sektoren betrachtet, verzeichnen der Finanz- und der IT-Sektor weitaus höhere Wiederaufnahme-Zahlen, wobei die Grundstoffindustrie langsam wieder in Fahrt kommt.

Mehr als 90% von Chinas verstaatlichten Unternehmen haben die Produktion wieder aufgenommen, während Klein- und Mittelbetriebe noch immer Schwierigkeiten haben, Vollproduktion zu erreichen.

Wie wirkt sich die Situation auf die chinesische Wirtschaft aus?

Die Produktions- und Konsum-Unterbrechung im Januar und Februar wird zu einer Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums in Q1 2020 führen. Darauf sollte eine starke Gegenbewegung in Q2 2020 (q/q) folgen.

Gegen Ende des Jahres sollte sich die chinesische Wirtschaft nach allmählicher Normalisierung wieder auf dem Niveau vor dem Virusausbruch befinden, was ein Wirtschaftswachstum von 5,7% für das Gesamtjahr (j/j) bedeuten würde.

Was die Wirtschaftstreiber anbelangt, so befinden sich geldpolitische und fiskale Lockerungen zur Stimulierung des Wachstums in Umsetzung.

Der Konsum könnte etwas vom verlorenen Boden gutmachen. Die Inlands- und Auslandsnachfrage sollte aufgrund der Lagerergänzung nach dem Produktionsausfall die Nachfrage unterstützen.

Des einen Freud‘, des anderen Leid

Während der Ausbruch des Coronavirus einen Wirtschaftsabschwung in den Bereichen Catering, Einzelhandel und Tourismus verursachte, schuf er für andere Sektoren wie E-Commerce, Online-Learning oder Online-Entertainment Chancen. „Weniger offline, mehr online; weniger Mensch, mehr Maschine“ ist ein starker Trend in vielerlei Wirtschaftszweigen.

Obwohl sich die chinesische Wirtschaft auf dem Weg der Besserung und zur Normalisierung zu befinden scheint, hängt nach wie vor eine Wolke der Unsicherheit über dem Horizont. Die Dauer und Schwere des Coronavirus-Ausbruchs außerhalb Chinas ist derzeit sehr schwer vorherzusagen. Regierungsinterventionen könnten in verschiedenen Ländern eine Reduktion der Nachfrage herbeiführen.

In jedem Falle ist das Coronavirus Stand jetzt ein einmaliger negativer Schock für die Wirtschaft, während Chinas langfristiger Wachstumstrend intakt bleibt.

Der Großteil der Provinzen an der Ostküste hat eine Produktionsrate von über 90% wiederhergestellt

Verlangsamung in Q1 2020, Rebound in Q2 2020


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Weitreichende fiskal- und geldpolitische Schritte

Für uns alle liegt ein ereignisreiches Wochenende hinter uns. Die österreichische Bundesregierung hat weitreichende Maßnahmen, die auch uns im täglichen Leben deutlich beeinflussen werden, erlassen.

Dasselbe gilt – wenn auch in unterschiedlichen Ausmaß – für andere Länder und die Wirtschaft, denn seit Freitag wurden mehrere weitreichende fiskal- und geldpolitische Schritte gesetzt:

  • Am Freitag beschloss die deutsche Bundesregierung ein Maßnahmenpaket, um Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen durch das Corona-Virus zu unterstützten. Der Kreditanstalt für Wiederaufbau (einer Förderbank, KfW) kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Sie solle die kurzfristige Versorgung von Unternehmen (von Klein- bis Großbetrieben) mit ausreichend Liquidität sicherstellen. Somit werden für deutsche Unternehmen bis zu einer halben Billion Euro zur Verfügung gestellt werden. Aus unserer Sicht ist dies ein enorm wichtiger Schritt in Deutschland, denn somit ist sichergestellt, dass kurzfristige Liquiditätsengpässe bei Unternehmen und damit Konkurse verhindert werden können.
  • Ebenfalls am Freitag rief der US Präsident den landesweiten Notstand aus. Dies ermöglicht die Freigabe von Soforthilfen in der Höhe von USD 50 Mrd. Weiters wurde angekündigt, dass keine Zinszahlungen auf Studentenkredite zu leisten sind und Zuschüsse für Krankenstände.

Durch diese Schritte schlossen die Aktienmärkte am Freitag durchwegs im Plus. Europa (EuroStoxx 50) lag bei +1.6%. Am höchsten fielen jedoch die Gewinne in den USA aus. Befand sich der S&P500 tagsüber schon im Plus kam es in der letzten halben Stunde des Handelstags zu einer deutlichen Rallye.

Befeuert durch die Ankündigung von Donald Trump schloss der Leitindex bei +9.3%. Dies war der höchste Zugewinn an einem einzelnen Tag seit 2008.

Zinsschritt der US-Notenbank

Am Sonntag setzte die US Notenbank einen weiteren Zinsschritt. Obwohl dieser erwartet wurde, war der Zeitpunkt (Sonntagnachmittag – Lokalzeit USA) überraschend. Die US Fed senkte den Leitzinssatz um einen ganzen Prozentpunkt auf eine Bandbreite für den Leitzinssatz von 0%-0.25%.

Obwohl die Geldpolitik in einer Krise, die durch einen Angebots-Schock ausgelöst wird, weniger effektiv ist, erleichtert es dennoch weitere fiskalpolitische Maßnahmen. Weiters kündigte die Fed auch ein Anleihenankaufprogramm in der Größe von USD 700 Mrd. an.

Auf den Märkten wurde dieser Zinsschritt jedoch nicht positiv aufgenommen. Die hohe Volatilität zieht sich auch im heutigen Handelstag weiter. In den USA wurde wiederum (wie schon in der letzten Woche) der Handel zwischenzeitlich ausgesetzt.

Sowohl die Börsen in Europa als auch in den USA bewegen sich derzeit bei rund 10% im Minus. Die Maßnahmen der US-Zentralbank sind sehr umfangreich, aber auch sehr außergewöhnlich. Dadurch wird signalisiert, dass die Situation tatsächlich ernst ist.

Aktuelle Daten des Coronavirus vom 16.03.2020 (Link hier)

Letztes Update: 16.03.2020; Quelle: Johns Hopkins University Link


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Mögliche Implikationen für die Immobilienwirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie

von Prof. Dr. Tobias Just, FRICS, Universität Regensburg und IREBS Immobilienakademie.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat mittlerweile weite Teile des öffentlichen Lebens in Europa lahmgelegt: Schulen und Universitäten werden (fast) europaweit geschlossen, Veranstal­tungen werden abgesagt, Züge und Flugzeuge sind – falls nicht gestrichen – deutlich unter­ausgelastet, viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice, innereuropäische Grenzen werden geschlossen. In den USA wurde inzwischen der Notstand ausgerufen.

All dies wurde vor zwei Wochen von vielen Menschen noch als sehr unwahrscheinlich einge­schätzt. Die sehr hohe Sterbewahrscheinlichkeit in Norditalien, die anhaltend steigenden Infektionszahlen, v. a. aber die Tatsache, dass nahezu alle europäischen Länder bis zuletzt einem sehr ähnlichen Trend bezüglich der Infektionsverläufe folgen – sozusagen mit wenigen Tagen Verzögerung demselben Verlauf wie Italien zu folgen scheinen –, haben ein Umdenken erzwungen.1 An einem einzigen Tag (13.03.) starben in Italien 250 Menschen. Das sind 100 mehr, als in China gemäß den gemeldeten Daten an der Erkrankung auf dem Höhepunkt der Entwicklung starben, dreimal mehr als in Südkorea bisher insgesamt. In­sofern ist es beruhigend, dass die Experteneinschätzungen von Virologen und Epidemio­logen heute schwerer wiegen als noch vor zwei Wochen – auch in Deutschland. Und es ist auch beruhigend, dass der ökonomische Rat von Finanz- und Wirtschaftsminister eng befolgt wird.

Weil sich die Pandemie in Europa noch auf einem exponentiellen Wachstumspfad befindet, eine halbwegs verlässliche Aussage zur nachhaltigen Mortalitätsrate auch von Experten nicht gegeben werden kann, die vielfältigen Maßnahmenpakete der Regierungen zur Sicherung von Liquidität, Absicherung von Krediten und später wohl auch zur direkten Stabilisierung von Nachfrage auch nicht annähernd in ihrer Dimension und Wirkungsweise bewertet werden können, ist es offensichtlich illusorisch, zu erwarten, dass alle möglichen Implikationen für die Wirtschaft, Gesellschaft und folglich auch die Immobilienmärkte einge­schätzt werden können.

Tatsächlich hängen die kurz- und vor allem mittelfristigen Implikationen entscheidend von Faktoren ab, über die auch heute allenfalls spekuliert werden kann: Wird sich die Entwick­lung im Sommer wie nach einer Grippe beruhigen? Wird es im Herbst eine neue, ähnlich ansteckende Corona-Welle geben? Werden die Antworten dann ähnlich ausfallen müssen wie aktuell, weil das Virus stark mutierte? Wurde ein wirksames Medikament oder ein Impf­stoff gefunden? Wie reagiert die Staatengemeinschaft, wenn irgendwo auf der Welt ein neues Virus beschleunigt Verbreitung findet? Auf keine dieser Fragen gibt es zum aktuellen Stand eine befriedigend beruhigende Antwort; daher sind sehr unterschiedliche Szenarien für die möglichen (immobilien-)wirtschaftlichen Zukünfte denkbar.

In den letzten zwölf Jahren war die aus einer regelrechten Krisenkaskade resultierende Un­sicherheit gut für die Immobilienwirtschaft, da die Melange aus niedrigen Zinsen und hohem Bevölkerungs- und Beschäftigungsanstieg einen hohen Nachfragezuwachs induzierte. Das aktuelle Unsicherheitsniveau hat freilich neue Höhen erreicht: Wie stark die Unsicherheit zuletzt gestiegen ist, zeigt zum Beispiel der VSTOXX, also der Index, der die Volatilität des Eurostoxx-Aktienindex abbildet: Der VSTOXX erreichte im März 2020 Niveaus, die zuletzt im Herbst 2008 erzielt worden waren. Selbst während der Griechenland-Krise zappelte der Eurostoxx nicht so hektisch hin und her wie jetzt. Ist dies also gut für die Immobilienwirt­schaft, weil die Immobilienanlage Sicherheit verspricht?

Es ist unwahrscheinlich, dass die gefühlte Gesetzmäßigkeit „hohe Unsicherheit ist gut für die Immobilienwirtschaft“ in der neuen Gemengelage aufrechterhalten werden kann, und zwar vor allem aus drei Gründen:

  1. Die deutsche Wirtschaft hat bereits 2019 deutlich an Schwung eingebüßt. Eine wachsende Zahl an Ökonomen hat bereits vor der Corona-Krise über Fiskalimpulse laut nachgedacht – nein diese gefordert. Der Corona-Schock trifft die Wirtschaft also in einer Phase, in der sie nach langem Aufschwung empfindsam geworden ist.2 Gleichzeitig scheinen die bis zuletzt rückläufigen Mietrenditen auf (fast) allen Immobilienteilmärkten zu implizieren, dass viele Investoren in ihren Ankaufsmodell­rechnungen dauerhaft steigende Mieten unterstellten. Diese Argumentation ließ sich allenfalls in einem Umfeld ohne gesamtwirtschaftliche Risiken führen. Doch genau dies muss nun neu bewertet werden. Die Abfolge von Pandemie und frei­heitsbeschränkenden Antworten ist ein gleichzeitiger Angebots- und Nachfrage­schock. Die fiskal- und geldpolitischen Impulse mögen die kurzfristigen Lasten mindern, mehr aber auch nicht. Corona zwingt zu einer Neubewertung der Erwartungen.
  2. Da die Beruhigung des öffentlichen Lebens nicht nur das Verarbeitende Gewerbe, sondern nun auch sehr viele Dienstleistungen betrifft (u. a. Tourismus, Messe­wesen, Gastronomie, Kultur, Verkehr, Handel), werden einige als besonders sicher eingeschätzte Branchen neu zu bewerten sein. Vermietungen werden daher zu Recht zu prüfen sein. In den letzten zehn Jahren standen die meisten dieser sicheren Branchen nicht in Frage.3
  3. Banken werden ihre Kreditkonditionen dann neu justieren müssen. Natürlich werden die Garantien der Regierung hier helfen, die akut heftigsten Anpassungen zu dämpfen. Doch Banken könnten das Ausfallrisiko einiger Dienstleistungen dauerhaft neu bewerten müssen. Die Immobilienfinanzierungen würden dann mit­telbar über die Nutzungen neu bewertet werden müssen. Und dies in einer Phase, in der die Banken (aufgrund von Basel IV) sowieso eher höhere Margen für Immobilienfinanzierungen kalkulieren müssen. Kapital würde dann mittelfristig teurer; die staatlichen Rettungsmaßnahmen sind keine Dauerlösung.

Gemäß Daten von RCA ist das Immobilientransaktionsvolumen in Asien in den ersten Wochen 2020 um etwa 50% unterhalb des Volumens der Vorjahre geblieben; in Europa und den USA nicht. Es spricht vieles dafür, dass das Transaktionsvolumen in Europa in ähnlicher Weise einen Dämpfer für Wochen erhält, und es ist fraglich, ob diese Delle in den Folge­quartalen ausgeglichen werden kann.

Hinzu tritt ein möglicherweise erst mittelfristig relevanter Effekt, der dann große Bedeutung erhalten wird, wenn die Unsicherheit tatsächlich nicht nur dieses Frühjahr anhält. Denn dann wird sich das Verhalten von Menschen und Unternehmen allmählich verändern. Die inter­nationale Arbeitsteilung könnte etwas zurückgedreht werden, es könnte mehr Redundanz in die Wertschöpfungsketten eingebaut werden, um die Stabilität der Systeme zu erhöhen, etc. Die meisten dieser Anpassungen dürften zu höheren Transaktionskosten oder weniger Skalierungsmöglichkeiten führen und so erzwingen, dass Kosten an anderer Stelle reduziert werden müssen (oder die Kosten und Inflation steigen). Dies können Personalkosten (z. B. durch Digitalisierung), Prozesskosten (z. B. durch Digitalisierung) oder Standortkosten (z. B. durch Digitalisierung und Standortverlagerung) sein. Der Nettoeffekt für die Fertigungskosten ist offen. Sollte der Nettoeffekt positiv sein, d. h., sollten die Fertigungskosten also schneller steigen als im Status quo, dann wären höhere Inflationsraten zu erwarten.

Aus dieser Gemengelage würde für die Immobilienpreisbildung spürbarer Druck entstehen, weil erstens die Mieterwartungen bereits kurzfristig nach unten angepasst werden müssen, die Kosten tendenziell schneller steigen als bisher erwartet und die Zinsen (wohl allenfalls mittelfristig) tendenziell stärker steigen als bisher prognostiziert. Da hier als Status quo die Erwartungen vor der Corona-Krise als Referenz gewählt wurden, bedeutet dies nicht zwin­gend, dass die Zinsen wirklich steigen werden – schon gar nicht kurzfristig, und auch nicht, dass die Inflationsraten besorgniserregende Höhen erreichen werden. Doch es bedeutet, dass den Preiszuwächsen neue Schranken gesetzt werden. Je länger und heftiger die wirt­schaftliche Pause weltweit greift, umso wahrscheinlicher und größer dürften zudem Fiskalprogramme ausfallen.

Institutionelle Anleger werden sich dann noch stärker auf Anleihen von Ländern guter Bonität stürzen. Es gäbe also (etwas) mehr Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Anleger, und auch dies dürfte sich negativ auf die Immobilienpreisbildung auswirken.4 Welche Immobilien­klasse nun stärker oder weniger stark betroffen sein wird, hängt massiv von der Länge der aktuellen Welle, der Frequenz zukünftiger Wellen, der institutionellen Antwort auf diese Wellen, dem Maßnahmenpaket der Regierungen und insbesondere den Verschiebungen auf den Weltmärkten und in der Gesellschaft ab. Da hier die Unsicherheit mit der Granularität der Prognose zunimmt, dürften in Zukunft v. a. Flexibilität im Sinne von Adaptionsfähigkeit und damit verbunden Liquidität des Objekts wichtiger werden.

Und trotz all dieser plausiblen Belastungsfaktoren wäre es unzureichend, würde nicht auch darauf verwiesen, dass mittelfristig Lernprozesse die Wirtschaft – und dann auch die Immo­bilienwirtschaft – schützen dürften: In Singapur, Korea und Japan verliefen die Ansteckungs­kurven günstiger als in Europa, wahrscheinlich, weil diese Länder durch frühere Erfahrungen vorbereitet waren und rasch angemessen reagieren konnten.5 In keinem dieser Länder wurden Immobilien dauerhaft als Anlageklasse in Frage gestellt, nachdem SARS oder MERS in Asien grassierten. Diese Erfahrung stimmt optimistisch, dass – bei aller berechtigten Sorge um die Gesundheit und auch die Wirtschaft – die stärksten Waffen des Menschen seine Lernfähigkeit und Anpassungsfähigkeit sind und dass diese auch in der aktuellen Krise Lösungen bieten. Wie stark und anhaltend die Immobilienmärkte in Deutschland belastet werden, hängt also auch von der institutionellen Lernfähigkeit hierzulande ab. Zwei rasche Lehren könnten sein, dass es erstens Themen gibt, bei denen wir die Frage nach der richtigen Zuständigkeit neu hochwerfen dürfen, und dass es zweitens Themen gibt, bei denen wir alle, die wir täglich die besten Fußball-Bundestrainerinnen, die besten Finanz­ministerinnen, die besten Zukunftsforscherinnen, die besten Erzieherinnen und die besten Zentralbankerinnen in einer Person sind, einfach den qualifizierten Experten vertrauen, damit keine wertvolle Zeit verloren wird.


1) Sehr eindrucksvoll zu den ähnlichen Trendverläufen in europäischen Ländern: https://www.algebris.com/policy-research-forum/blog/covid-19-facts/. Deutschland hat demnach in Bezug auf Italien nur eine Verzögerung von elf Tagen. Andere Auswertungen schätzen die Verzögerung auf neun Tage.
2) Es werden aktuell die üblichen Buchstabenspiele zum Beschreiben der wahrscheinlichen Rezession aus der Schublade geholt: Die meisten Ökonomen vertrauen auf die Wirksamkeit der verordneten Medizin und vermuten eine V-Rezession – die Wirtschaft bricht heftig ein, erholt sich aber rasch wieder (die aktuell geschätzten Rückgänge des Bruttoinlandsprodukts um rd. 1% im Quartalsvergleich dürften bald kassiert werden, da diese Schätzungen noch vor den drakonischen Maßnahmen getätigt wurden). Die Auswirkungen für die Immobiliennachfrage wären im Falle eines ausgeprägten V dennoch überschaubar. Doch wie 2008 wird auch der L-Typ (und irgendwann sicherlich auch wieder der W-Typ) diskutiert.
3) Kredite und Stundungen helfen auch nur dort dauerhaft, wo die Unternehmen nachhaltig eine auskömmliche Marge erwirtschaften werden, die eine Rückzahlung der Kredite zulässt.
4) Ob dieser Allokationseffekt groß ausfällt, hängt natürlich auch davon ab, wie nachhaltig institutionelle Investoren aus Aktien und Unternehmensanleihen Gelder abziehen.
5) In Italien sind (Stand 15.03.) rd. 410 infizierte Fälle je 1 Mio. Einwohner gemeldet; in Spanien sind es 167, in Deutschland 67. Und die Beschleunigungsphase ist noch nicht zu Ende. In Singapur liegt dieser Wert bei 39, in Japan sogar nur bei knapp 7. Für Südkorea werden zwar nun gegen Ende der Entwicklung 159 Fälle je 1 Mio. Einwohner ausgewiesen, die Sterblichkeit ist aber selbst zu diesem Zeitpunkt deutlich niedriger als aktuell in Italien oder Frankreich.

Dieser Beitrag wurde zuerst von der IRE|BS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Prof. Dr. Tobias Just FRICS

Prof. Dr. Tobias Just FRICS ist Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie und Lehrstuhlinhaber für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg.
IREBS Immobilienakademie GmbH, Kloster Eberbach, 65346 Eltville
Telefon: 06723 9950-30
E-Mail: tobias.just@irebs.de
www.irebs-immobilienakademie.de

Aktien: Nach gutem Start in die „Corona-Baisse“

Um es gleich vorweg zu nehmen, die Performance der Aktienbörsen in der letzten Februarwoche war sehr schwach, mit Verlusten von 5 bis über 10 % in einer Woche. Die Marktvolatilität, der gängige Risikofaktor, sprang ruckartig an, das induzierte weitere Verkäufe. Das Drama hatte nur einen Namen: COVID-19 und dessen mittlerweile globale Ausbreitung.

Die vorläufige Beilegung des Handelsstreits und die dadurch wieder aufkommende Konjunkturhoffnung in China sind vorerst verflogen, wobei China und Asien eine bessere Wertentwicklung als Europa aufweisen. Wachstumsprognosen werden nun laufend korrigiert und vereinzelt werden kurzfristige Gewinnwarnungen veröffentlicht.

Wobei, das ist bereits fast in Vergessenheit geraten, einige Indizes Mitte Februar noch Höchststände aufweisen konnten, der US-Markt mit All-Time-High. So gesehen sind die Verluste seit Jahresbeginn weniger dramatisch.

Rohstofflastige Indizes wie Russland (damit Osteuropa) oder Lateinamerika, dort über die Währung, sind im aktuellen Szenario besonders betroffen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien USA und Europa: Gewinnwachstum abgeflaut

Wie die Grafik zeigt, ist das Gewinnwachstum in den USA aktuell bei null und in Europa sogar negativ. Dies ist einerseits auf Basiseffekte zurückzuführen – etwa auf die vergangene US-Steuerreform –, andererseits auf die schwächelnde globale Konjunktur in 2019, Stichwort Handelskonflikt.

Grundsätzlich wurde für 2020 sowohl eine Belebung des globalen Wachstums ausgehend von China als auch ein damit verbundenes hohes einstelliges Gewinnwachstum erwartet. Dieses positive Szenario ist durch die Folgen des Virusausbruchs wohl nicht mehr aufrecht zu halten.

Die starke Performance der Technologie-Branche war nicht auf einige wenige Titel und auch nicht auf die USA begrenzt, in allen Regionen war die Kursentwicklung der Tech-Unternehmen schon länger weit besser als die der jeweiligen lokalen Märkte. Lediglich in den Emerging Markets startete diese Outperformance verzögert. Wir halten die jüngsten Rückschläge nur für temporär und gehen vorerst weiter von einer besseren relativen Performance des Technologiesektors aus.

Emerging Markets: Rückfall zu befürchten

In der zweiten Jahreshälfte 2019 hatte sich konjunktureller Optimismus breitgemacht. Auch bei der Gewinnentwicklung, insbesondere im asiatischen Raum, hatte sich das zwischenzeitlich manifestiert. Mit der Virusepidemie hat sich dies nunmehr deutlich verändert und die Erwartung bezüglich der Unternehmensdaten verschlechtert sich zusehends, steht doch China als große Volkswirtschaft praktisch seit Wochen still. Damit verwundert es auch nicht, dass Schwellenländeraktien wieder global unter Druck kommen.

Bewährungsprobe für Lagarde: Die Erfahrung fehlt

von Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst der Legg-Mason-Tochter Western Asset Management.

Die EZB hat heute ein Paket geschnürt, das den Schwerpunkt auf die Bereitstellung von Liquidität für Banken zu günstigen Zinssätzen legt, aber keine Zinssenkung vorsieht. Darüber hinaus weitet die EZB das Programm für den Ankauf von Vermögenswerten um 120 Milliarden Euro aus. EZB-Präsidentin Christine Lagarde deutete dabei an, dass der Kauf von Unternehmensanleihen verstärkt werde. Wichtig war Lagarde, dass das Paket einstimmig unterstützt wurde. Mit anderen Worten: Eine Zinssenkung war wohl nicht gegen die Einwände einiger Zentralbanker durchführbar. Lagarde fügte hinzu, dass sie jetzt eine deutliche fiskalpolitische Reaktion der Eurogruppe erwarte.

Die Aussagen Lagardes waren vielleicht etwas zu dünn verglichen mit den Hoffnungen des Marktes auf eine vollständige Flexibilität beim Ankaufprogramm. Lagarde schien zeitweise etwas unsicher zu sein und vermied es, auf ein paar pointierte Fragen zu antworten. Für so einen schwierigen Moment in ihrer Amtszeit scheint die Erfahrung wohl noch nicht zu reichen. So sagte sie beispielsweise, die EZB sei nicht dazu da, die Spreads zu schließen, was technisch gesehen richtig ist. Wir aber denken, dass sie eine solche Aussage angesichts der aktuellen Lage vermieden hätte, wäre die Erfahrung mit den Finanzmärkten größer gewesen.

Aus unserer Sicht ist dies ein gutes Paket für das, was für die EZB machbar ist. Und wir stimmen mit Lagarde überein: Die Einstimmigkeit der EZB war wahrscheinlich wichtiger als eine Zinssenkung um zehn Basispunkte. Der Liquiditätsschub ist massiv und wenn dies, wie von Lagarde gefordert, durch Kreditgarantieprogramme ergänzt wird, sollte es für die Banken gut möglich sein, weitere Kredite zu vergeben. Dies aber müssen die Finanzpolitiker der Eurozone in der kommenden Woche entscheiden.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Verwerfungen am Finanzmarkt – die Szenarien

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Verwerfungen am Finanzmarkt finden eine Fortsetzung. Die Kurse der risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen mit einer niedrigen Kreditqualität fallen.

Im Gegensatz dazu steigen die Kurse jener Wertpapierklassen, denen der Charakter eines „sicheren Hafens“ innewohnt, nämlich kreditsichere Staatsanleihen und Gold. In den Marktpreisen wird in einem zunehmenden Ausmaß eine globale Rezession reflektiert.

4 Unsicherheiten

Der dominierende Faktor für die Marktentwicklung ist die Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19). Dabei geht es im Prinzip um vier Unsicherheiten:

1)    Die Entwicklung des Virus. Nach wie vor nehmen die bestätigen Neuinfektionen von COVID-19 außerhalb Chinas mit einer hohen Zuwachsrate zu. Die Fragen zu den Eigenschaften des Virus können nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Saisonal (abhängig von der Temperatur) oder permanent? Therapie? Impfung? Mutationen? Anzahl der asymptomatischen Fälle?

2)    Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung. Die notwendigen Schritte um die Ausbreitung des Virus einzudämmen haben naturgemäß einen stark negativen Effekt auf die wirtschaftliche Aktivität. Für das erste Quartal 2020 zeichnet sich eine Schrumpfung des globalen Bruttoinlandsprodukts ab.

3)    Die Überwälzungseffekte auf anfänglich nicht betroffene Sektoren und Länder. Das betrifft die Unterbrechung von Lieferketten und die vorsichtigere Haltung hinsichtlich Konsum und Investitionen.

Zudem nimmt das Risiko von zunehmenden Konkursraten zu, weil die Umsätze wegbrechen könnten aber dennoch die fixen Kosten (Steuern, Kreditzinsen) zu bedienen sind. In China zeichnet sich zwar eine Erholung im zweiten Quartal ab, aber die Wahrscheinlichkeit für eine abermalige Schrumpfung in Japan und der Eurozone hat deutlich zugenommen.

Auch für die USA steigen die Rezessionsrisiken an, weil sich das Virus weiter ausbreitet.

4)    Die Maßnahmen zur Dämpfung der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Auf globaler Ebene haben die Zentralbanken bereits mit Lockerungsmaßnahmen reagiert. Das betrifft vor allem Leitzinssenkungen. In Ländern, wo der Leitzinssatz bereits sehr niedrig ist, könnten andere Maßnahmen wie eine zielgerichtete, höhere Liquiditätsversorgung der Banken und höhere Wertpapierankaufs-Programme gesetzt werden.

Damit soll die negative Rückkopplung von einer Verschärfung des Finanzumfelds auf die wirtschaftliche Aktivität eingedämmt werden. Zudem wird über fiskalische Konjunkturpakete nachgedacht. Am wichtigsten sind jedoch jene Maßnahmen, die zunehmende Konkurse verhindern sollen (Kurzarbeit, Moratorien für Steuerzahlungen).

Das Scheitern des Ölkartells

Dazu kommt das Scheitern des Ölkartells OPEC plus Russland. Der massive Kursverfall des Ölpreises hat uneinheitliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft (Öl importierende vs. Öl exportierende Länder).

Die gemeinsame globale Klammer ist, dass dadurch der ohnehin schon zunehmende Druck für niedrigere Inflationsraten nochmals zunimmt. Der Fokus ist aktuell auf jene Öl produzierenden Unternehmen und Länder mit einer hohen Verschuldung gerichtet (sinkende Kreditwürdigkeit).

Unterschiedliche Szenarien

Seit einigen Wochen reflektiert die Kursentwicklung der Wertpapierklassen die Revisionen von anfänglich positiven hin zu negativen volkswirtschaftlichen Szenarien wider:

  • Szenario 1: Erholung im Jahr 2020
  • Szenario 2: schnelle Erholung im 2. Quartal nach dem Einbruch im 1. Quartal – Szenario „V“
  • Szenario 3: Erholung im 2. Halbjahr – Szenario „U“
  • Szenario 4: Mittlerweile stoßen die Kurse in Regionen vor, die immer mehr mit einer Rezession im Einklang stehen – Szenario „L“.

FAZIT

Anders ausgedrückt haben anfangs die kurzfristig orientierten Investoren Aktien verkauft, mittlerweile haben auch die langfristig (konjunkturzyklisch) orientierten Investoren zu kapitulieren begonnen. Der wohl wichtigste Faktor für die weitere Entwicklung der Wertpapierkurse ist die weitere Ausbreitung von COVID-19.

Positiv betrachtet: Wenn die Zuwachsraten an Neuinfektionen spürbar abnehmen, könnte das der Auslöser für eine einsetzende Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen sein.


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Notenbanken, grüne Infrastruktur und 5G: drei Gründe für Optimismus

Die Chancen für eine V-förmige Erholung der Märkte ist zunehmend unwahrscheinlich. Experten der Fondsgesellschaft Legg Mason sehen trotzdem bereits mittelfristig wieder Chancen: Koordinierte Liquiditätsspritzen der Notenbanken, der Aufbau grüner Infrastruktur und die Einführung des 5G-Mobilfunkstandards sollten die Börsen stützen.

Eine zentrale Rolle könnten zuerst Notenbanken und Regierungen spielen: „Obwohl Zinssenkungen wenig dabei helfen, die direkten Folgen des Virus auf der Angebotsseite zu mildern, könnten doch koordinierte Liquiditätsspritzen für die Wirtschaft dafür sorgen, dem Markt eine klare Botschaft zu senden und die Situation zu stabilisieren“, sagt Jeff Schulze, Investmentstratege der Legg-Mason-Tochter ClearBridge Investments.

Auch Investitionen in Infrastruktur könnten inmitten der Krise eine stabilisierende Wirkung haben. „Wir gehen davon aus, dass Investitionen in Infrastruktur ein wichtiges Werkzeug für Regierungen sein werden“, sagt Charles Hamieh von der Legg-Mason-Boutique RARE Infrastructure und verweist insbesondere auf nachhaltige Maßnahmen. „Viele Regionen, wie beispielsweise die EU, Kalifornien oder Virginia, haben sich ambitionierte Klimaziele gesteckt. Die schwachen ökonomischen Aussichten und auch die Folgen der Corona-Krise könnten Katalysatoren dafür sein, diese Ziele früher anzugehen als bislang geplant“, so Hamieh und nennt exemplarisch Projekte für erneuerbare Energie. Hinzu komme, dass nachhaltige Investments nach ESG-Kriterien am Markt auf Zuspruch stoßen.

Neben Investments in regenerative Energien könnte auch der neue Mobilfunkstandard 5G dabei helfen, das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder anzuschieben. 5G gilt als Zukunftstechnologie und Voraussetzung für Entwicklungen im Bereich Internet der Dinge. „Wir gehen davon aus, dass die Einführung des ersten 5G-iPhones im September der gesamten Branche neue Impulse geben wird“, sagt Deepon Nag, Senior Analyst für Technologie bei der Legg-Mason-Tochter ClearBridge Investments. „Hersteller von Smartphones dürften unmittelbar vom neuen Mobilfunkstandard profitieren, aber auch Ausrüster und Zulieferer können zusätzliche Aufträge erwarten“, so der Analyst und verweist darauf, dass steigende Bandbreiten und größere Datenvolumina auch Investitionen in bestehende Infrastruktur nötig machen. „Anders als 3G oder 4G startet 5G weltweit fast zur selben Zeit. Wir erwarten daher, dass sich dieser Standard viel schneller etablieren wird als seine Vorgänger“, so Nag.

Obwohl Investmentstrategen wie Jeff Schulze die aktuelle wirtschaftliche Situation als angespannt bewerten, hätten sich die ersten Maßnahmen der US-Notenbank bereits bewährt. „Die Ausweitung der Bilanz der Notenbank hat die Rezessionsgefahr in den USA deutlich abgemildert. Auch die gesunkenen Ölpreise sind nicht durchweg negativ zu werten und stützen wichtige Branchen wie die Luftfahrt oder auch die Chemieindustrie. Mittels bewährter Maßnahmen aus der Zeit der Finanzkrise und zielgerichteter Investitionen in Zukunftstechnologie kann die Weltwirtschaft bis Jahresende stabilisiert werden“, betont Schulze.


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Markterholung oder mehr Volatilität? Ziehen Sie Wandelanleihen in Betracht

Im gegenwärtigen Umfeld schützen globale Wandelanleihen vor Volatilität in den Portfolios der Anleger, so State Street Global Advisors im aktuellen SPDR Strategie Espresso. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit in Bezug auf das Coronavirus könnten Wandelanleihen auch in den kommenden Monaten einen wichtigen Schutz darstellen.

Der chinesische Caixin-Composite-PMI ist letzte Woche auf 27,5 gestürzt. Zudem sahen wir überraschend positive Zahlen des US-ISM-Manifacturing Index bei 57,3 (gegenüber den prognostizierten 54,8). Auch die europäischen PMIs, gestützt durch eine Notfallkürzung um 50 Basispunkte durch die US-Notenbank am Dienstag, den 3. März, gefolgt von der Bank of Canada am 4. März, zeigten sich besser als erwartet. Die Märkte haben sich nach der Wiederbelebung des demokratischen Kandidaten Joe Biden und seinen starken Ergebnissen des „Super Tuesday“ weiter erholt.

Die Anleger begrüßten die Verschnaufpause nach einem herausfordernden Ende im Februar, wo wir an sechs aufeinanderfolgenden Tagen fallende Aktienmärkte und Abflüsse von Hochzins- als auch von Unternehmensanleihen-ETFs (ca. 7 Milliarden USD in der Woche vom 24. bis 28. Februar) erlebten.

Im gegenwärtigen Umfeld schützen globale Wandelanleihen vor Volatilität in den Portfolios der Anleger. Die Unsicherheit über die Schwere des Coronavirus und seine Auswirkungen auf das globale BIP-Wachstum bleibt aber auch weiterhin bestehen. Wir gehen daher davon aus, dass Wandelanleihen aufgrund ihres Profils weiterhin helfen können, wenn die Märkte mit mehr Volatilität zu kämpfen haben. Es könnte sein, dass wir in den kommenden Wochen beunruhigende Wirtschaftsdaten zu sehen bekommen, da die Wachstumserwartungen angepasst werden und die Märkte weiterhin auf die Coronavirus-Schlagzeilen reagieren.

Globale Wandelanleihen: Update 2020

  • Ein zentrales Thema unter Anlegern ist die Verringerung des Exposures und des Delta-Risikos, während man gleichzeitig in den zugrunde liegenden Wandelaktien investiert bleibt, die auch in diesem Jahr Widerstandsfähigkeit und Wachstumschancen gezeigt haben.
  • Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die globalen Wandelanleihen um -0,20% gegenüber -9,09% (Thomson Reuters Qualified Global Convertible Bond Index USD gegenüber MSCI ACWI Index USD) per Ende Februar 2020 entwickelt.
  • Wandelanleihen haben die Anleger auch teilweise gegenüber High Yield geschützt und den USD-Index um 120 Basispunkte übertroffen.
  • Der Ausverkauf auf dem Markt hat es ermöglicht, dass die Prämien sich verringern und den Anlegern die Möglichkeit geboten, sich zu einem reduzierten Delta-Niveaueinzukaufen, was einen weiteren Schutz gegen Markt-/Makrovolatilität bietet.
  • Insgesamt hat die Anlageklasse dazu beigetragen, die Anleger vor dem Rückzug aus Aktien zu bewahren, wobei die Anleihen seit Jahresbeginn eine überdurchschnittliche Performance aufweisen. Zu den Namen gehören Tesla (+47,2%), Semiconducting Manufacturing (+22,3%), Ring Central (+34,9%) und Service Now (+12,4%).
  • Auf der anderen Seite wurden einige Unternehmen durch die aktuellen Marktbedingungen belastet, wie z.B. NMC Health Jersey Ltd (-40,1%), Intelsat (-36,1%) und Chesapeake Energy (-2,2%). Ihr Beitrag war jedoch geringer, da sie nur 0,33% des Portfolios ausmachen, gegenüber 4,85% bei den drei oben genannten Top-Emittenten.
  • Schließlich haben Wandelanleihen in jeder der vergangenen Perioden, in denen der Volatility Index (VIX) 25 durchbrochen hat (ca. +1 Standardabweichung), den besonderen Schutz gezeigt, den sie durch ihre Konvexität bieten. In der letzten Februarwoche fiel der von unserem ETF nachgebildete Thomson Reuters Qualified Global Convertible Index nur um -4,8% gegenüber -10,4%, die der MSCI ACWI (globaler Aktienindex) fiel. Die Grafik zeigt die wöchentliche Performance des Wandelanleihenindex in USD unhedged gegenüber dem globalen Aktienindex für jede Stufe des VIX.

Ölpreis-Schock und aktuelle Marktanalyse

Erdöl fiel in der Nacht von Sonntag auf Montag um knapp 35%. Dies ist die stärkste Kursbewegung seit 1991. Damals war der Auslöser des Kursverfalls eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, welcher die USA bemächtigte Militäroperationen im Kuwait durchzuführen. Es war der Ausbruch des zweiten Golfkriegs.

Diesmal war der Ausgangspunkt des Kursverfalls in Wien, genauer gesagt in der Helferstorferstraße im 1. Wiener Gemeindebezirk. Am 05. und 06. März hielt die OPEC, welche seit 1965 ihren Hauptsitz in Wien hat, dort eine außerordentliche Sitzung.

Ziel des Meetings war es den Ölpreis, angesichts des Nachfrageschocks durch das Coronavirus, stabil zu halten. Möglich wäre dies nur durch weitere Einschnitte bei der Ölproduktion, also eine Reduktion der Angebots-Seite. In der Vergangenheit wurden diese Einschnitte auf der Produktions-Seite von der OPEC und Russland als Nicht-Mitglied getragen. Doch beim besagten Meeting weigerte sich Russland eine weitere Verengung des Angebots hinzunehmen, was zur Eskalation zwischen Saudi Arabien und Russland führte.

Brent-Ölpreis Entwicklung in US Dollar seit Freitag

Brent (BRN March 2020)/ C0009677409 / ICE Europe (c. Teletrader)

OPECs schwindende Rolle im Ölmarkt

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder)  ist ein Zusammenschluss ölfördernder Länder welche unter der Schirmherrschaft Saudi Arabiens als Ziel hat den Öl Markt und damit auch die Ölpreise zu stabilisieren. Doch die Relevanz der OPEC hat in den letzten Jahren zunehmend abgenommen, was vor allem auf den Schiefergas-Boom in den USA zurückzuführen ist.

Hatte die OPEC in der Vergangenheit noch über 40% des Weltproduktion  Aufgrund des schwindenden Einflusses suchte man in Russland einen neuen Partner, mit welchem man im Rahmen von „OPEC+“ die Stabilität der Ölpreise garantieren konnte.

Freiwillige Reduktion der Öl-Förderung

Insgesamt produzierten die OPEC Mitglieder bereits 2,1 Millionen Barrel pro Tag unter ihren Möglichkeiten, den Großteil der Kürzungen trug Saudi Arabien. Vergangenen Freitag einigte man sich auf zusätzliche Einsparungen von 1,5 Millionen Barrels pro Tag. Der momentane Erdöl-Verbrauch liegt weltweit bei ca. 100 Millionen Barrel pro Tag.

Russland wehrte sich gegen die zusätzlichen Kürzungen mit dem Argument, dass man noch nicht wisse wie stark sich das Corona-Virus auf die Nachfrage nach Erdöl auswirken wird. Damit wurde auch die Verlängerung der bereits bestehenden Kürzungen gestrichen. Ergebnis: jedes OPEC-Mitglied darf nun so viel produzieren wie es will.

Angebots-Überschuss bei schwindender Nachfrage

Das aktuelle Umfeld führt nun zu einem Angebots-Überschuss, die zuvor reduzierte Produktion von 2,1 Millionen Barrels pro Tag fließt nun in den Markt und sucht Käufer. Dies kommt zu einem Zeitpunkt in dem die Nachfrage aufgrund der schwächelnden Wirtschaft und dem Corona-Virus ohnehin schon schwächelt.

Saudi Arabien bietet Käufern einen Rabatt von 6-8$ pro Barrel Öl (ein Barrel Brent kostet zum Zeitpunkt des Schreibens $ 35), um andere Verkäufer aus den Markt zu drängen.

Eine schnelle Lösung des Konflikts ist unwahrscheinlich, sowohl Russland als auch Saudi Arabien wollen nicht klein beigeben. Beide können auch zu Preisen von $ 30 noch profitabel produzieren, allerdings können sie ihren Staatshaushalt bei niedrigeren Ölpreisen nicht balancieren.

FAZIT: Sieger und Verlierer

Zu den großen Verlierern des Ölpreis-Verfalls zählt vor allem die USA. Dort konnte man in den letzten Jahren die Produktion durch Schiefergas stark erhöhen, allerdings sind die Produktionskosten vieler Produzenten höher als der aktuelle Verkaufspreis. Bleibt das aktuelle Preisniveau über längere Zeit wird dies zu einigen Konkursen von Ölproduzenten führen.

Profitieren wird vor allem der Konsument, da die niedrigeren Ölpreise auch an der Tankstelle weitergegeben werden. Auch die Zentralbanken haben mehr Spielraum die Leitzinsen zu senken, da ein niedriger Ölpreis grundsätzlich deflationär wirkt.


Zum Thema „Coronavirus und die Folgen für die Weltwirtschaft“ lesen Sie außerdem diese Analyse von Erste AM Chef-Volkswirt Gerhard Winzer.

Unser Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Corona – Versuch einer Einschätzung

Im Rahmen der Taktischen Asset Allocation wurde die Aktienquote in den Multi Asset Fonds reduziert. Einer der wesentlichen Eckpfeiler für die ursprünglich höhere Aktienquote ist weggefallen, nämlich die Erwartung einer moderaten Belebung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf. Das Coronavirus hat uns in dieser Hinsicht einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Ein weiterer wichtiger Beweggrund für die Reduktion des Risikos liegt in der Tatsache, dass die Auswirkungen des Coronavirus unabschätzbar sind. In einer solchen Situation steht das Vorsichtsprinzip über Ertragsoptimierung. Dies gilt umso mehr angesichts der ersten Umfrageindikatoren aus China, die sich auf den Februar beziehen. Diese deuten auf eine Einschränkung der Wirtschaftsaktivität hin, die weit stärker ist, als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. Auch in der westlichen Welt ist eine solche Entwicklung nicht unwahrscheinlich. Immerhin greifen Behörden (z. B. Verbot von Veranstaltungen), Unternehmen (z. B. Absage von Dienstreisen und Veranstaltungen) und Konsumenten (z. B. Hamsterkäufe, Stornierung von Reisen) zu drastischen Maßnahmen. Diese betreffen nicht zuletzt auch den Dienstleistungsbereich, der in den letzten Jahren die stabile Stütze der Weltwirtschaft war. Diese Maßnahmen können einen selbstverstärkenden Effekt haben. Je vorsichtiger die Behörden und Unternehmen, desto eher wird sich auch der Konsument zurückhalten. Immerhin will sich niemand dem Vorwurf aussetzen, nicht angemessen reagiert zu haben. Dass diese Maßnahmen in vielen Ländern auf ein relativ überschaubares Bedrohungspotenzial treffen, tut dem keinen Abbruch.

Das Virus konnte den Finanzmärkten überraschend lang nichts anhaben. Noch Ende Februar erreichten die Aktienmärkte neue Hochs, obwohl die Nachrichtenlage schon sehr negativ war. Dies deutet darauf hin, dass der Optimismus und die Sorglosigkeit unter Aktieninvestoren nach dem außergewöhnlich guten Aktienjahr 2019 schon extreme Ausmaße erreicht hatte. Die Vehemenz der Kurskorrektur, die mitunter an das Jahr 2008 erinnert, ist zu einem guten Teil auch auf diesen Faktor zurückzuführen. Inzwischen ist die Situation nicht nur abgekühlt. Die einschlägigen Indikatoren für die erwarteten Schwankungen am Aktienmarkt (z. B. VIX Index) haben Panikniveaus erreicht.

„Buy when there is blood in the street“ ist der Ratschlag, der sich auf exakt solche Paniksituationen bezieht. Ob heute, am ersten Handelstag des Monats März, die Zeit für Käufe reif ist, darf jedoch bezweifelt werden. Dies liegt zunächst daran, dass noch Verkäufe von systematischen Anlagestrategien zu erwarten sind. Trendfolgestrategien, Value-at-Risk-Modelle und andere Strategien, die von der Marktvolatilität getrieben werden und/oder auf Wertsicherung abzielen, werden seit der Finanzkrise verstärkt zum Einsatz gebracht, um große Veranlagungsverluste zu verhindern. Gemeinsam haben all diese Ansätze, dass sie prozyklisch agieren. Das bedeutet, dass in den fallenden Markt hineinverkauft wird, was die Abwärtsbewegung verstärkt. All diese Ansätze haben unterschiedliche Parameter und Reaktionszeiten. Einige haben schon reagiert, andere werden in den nächsten Tagen und Wochen noch Aktien verkaufen. Als zweites Argument gegen voreilige Käufe ist das Momentum des Newsflows anzuführen. Bis zuletzt baut sich der Tsunami der negativen Nachrichten immer weiter auf und es ist noch nicht absehbar, wie groß die Welle wird. Erst wenn die Welle bricht und abschätzbar wird, wie groß der Schaden ist, werden sich die Märkte nachhaltig erholen können. Bis dahin ist eine mehrwöchige bis mehrmonatige Phase mit weiterhin starken Schwankungen zu erwarten.

Zu der Erholung werden auch die Notenbanken beitragen. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Tradition der letzten Jahre ist sehr wahrscheinlich. Ende Juni, spätestens Ende des Jahres werden die Aktienmärkte nach Einschätzung des Verfassers höher stehen als Ende Februar. Der langfristig orientierte Fondsinvestor hat nicht zuletzt deshalb keine Veranlassung, etwas an seiner Veranlagungsstrategie zu ändern.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Notfallzinssenkung der Fed verpufft

von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

Schon einmal reagierte die Federal Reserve (Fed) auf einen internationalen Ausverkauf auf den Aktienmärkten, indem sie am 22. Januar 2008 den Zinssatz für Bundesmittel von 4,25 auf 3,5 Prozent senkte und damit eine Notfallzinssenkung um 75 Basispunkte einleitete. Im Anschluss an diesen Schritt hatte der Offenmarktausschuß der Fed darauf hingewiesen, dass "angesichts einer Abschwächung der Wirtschaftsaussichten und zunehmender Abwärtsrisiken für das Wachstum" Handlungsbedarf bestehe. Im Eiltempo leitete die US-Notenbank bis zum 3. März 2020 ihre erste Notfallzinssenkung seit der Krise von 2008 im Bereich von 50 Basispunkten ein. Diesmal soll die Maßnahme eine Wirtschaft unterstützen, die durch Lieferengpässe in Teilen Asiens unter Druck gerät, welche sich möglicherweise noch verschlimmern könnten.

Die Zinssenkung der Fed könnte den Versuch verkörpern, die Nachfrageseite der wirtschaftlichen Gleichung wieder zu beleben, denn die Coronavirus-Epidemie bewirkt einen Rückgang der Konsumausgaben inmitten eines sich bereits ohnehin verlangsamenden globalen Wachstumsprozesses. In China gingen die Autoverkäufe im Februar um 80 Prozent zurück. Dies ist einer der größten monatlichen Rückgänge in der Geschichte, denn der Konsum wird durch Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus beeinträchtigt. Dies setzt die chinesische Autoindustrie, die sich bereits seit zwei Jahren in einem Rückgang befindet, weiter unter Druck. Auf Angebotsseite verzeichnete die chinesische Industrie ebenfalls eine der schwächsten Aktivitätsphasen in den bisherigen Aufzeichnungen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank von 50 im Januar 2020 auf 35,7 im Februar. Es wird zwar erwartet, dass viele chinesische Fabriken bis Ende dieses Monats wieder höhere Kapazitätsniveaus erreichen werden, dennoch könnten sich erhebliche negative Auswirkungen einstellen, wenn der Virus auf viele Länder übergreift. Die geldpolitische Lockerung der Fed dürfte zwar unmittelbare Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben. Dennoch werden die gewünschten positiven Nachfrageeffekte ohne eine Verpflichtung zu fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen nicht greifen.

Das Coronavirus beginnt sich in ganz Europa auszuweiten. Die Europäische Zentralbank verfügt gleichzeitig über weniger geldpolitische Instrumente, um die Verbrauchernachfrage wieder anzukurbeln. Obwohl wir bislang noch kein starkes Engagement zugunsten fiskalischer Stimulierungsmaßnahmen in Europa sehen - jetzt könnte der Zeitpunkt gekommen sein, der finanzkräftige Länder zur fiskalischen Expansion veranlasst. Dies könnte das geeignete Instrument sein, um die Nachfrageseite der Gleichung anzukurbeln und der Abschwächung des Wachstums in der ersten Hälfte des Jahres 2020 gegenzusteuern".


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg, Stand 04. März 2020

apoAsset zu den Auswirkungen der Viruskrankheit Covid 19

Wir erwarten in den kommenden Wochen aufgrund der Viruskrankheit Covid 19 Gegenwind für die globale Wirtschaft, dessen Ausmaß noch zu beziffern ist, so Kai Brüning und Hendrik Lofruthe, beide apoAsset. Bislang konnten die Unternehmensgewinne in den vergangenen Wochen im Einklang mit der verbesserten Konjunkturstimmung moderat zulegen. Durch die zeitweise Unterbrechung der Lieferketten oder die Einstellung von Verkaufsaktivitäten ist hier jedoch mit Belastungen zu rechnen. Der Aktienmarkt hat im Zuge seiner deutlichen Korrektur bereits auf die Belastung reagiert.

Temporäre Belastungen für die globale Konjunktur

Während die Infektionszahlen in Europa und den USA aufgrund der langen Inkubationszeit noch deutlich zunehmen dürften, sind sie in China seit zwei Wochen rückläufig. Deshalb gehen wir aktuell auch nur von größtenteils temporären Belastungen für die globale Konjunktur aus. Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass das Virus zwar sehr infektiös ist, aber die Erkrankung insgesamt relativ häufig mild (nicht selten völlig symptomlos) verläuft. Auch die Sterblichkeit, die in China bei durchschnittlich ca. 3,5% liegt (und wahrscheinlich überschätzt wird) ist außerhalb – und erst recht in gut gerüsteten Gesundheitssystemen wie bei uns – wahrscheinlich sehr viel geringer. Es gibt begründete Vermutungen, die von 0,2 bis 0,4% ausgehen. Zum Vergleich: Bei der „normalen“ Grippe (Influenza A und B) beobachten wir bei uns in Deutschland in jedem Winter eine erhebliche Übersterblichkeit. Nicht selten geht es dabei um ca. 10.000 bis 30.000 zusätzliche, grippebedingte Tote. Auch in diesem Winter sind schon mehrere hundert Tote eindeutig als Folge der normalen Influenza registriert.

Ungeachtet dessen wirken sich die aktuellen Maßnahmen zu Covid 19 auf die harten Konjunkturzahlen aus. Auch noch drastischere öffentliche Maßnahmen sind nicht auszuschließen. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil dieser negativen Effekte wieder aufgeholt wird.

Gewinner im Gesundheitssektor

Durch den Ausbruch der Epidemie gibt es aber gerade im Gesundheitssektor auch Gewinner. Gilead hat im Eilverfahren ein anti-virales Medikament in die Phase-III-Studie gegeben, welches durch die chinesischen Behörden bevorzugt getestet wird. Qiagen hat gerade einen Test zur Schnelldetektion der Viruskrankheit Covid 19 an Behörden in China, den USA und Europa ausgeliefert. Teladoc profitiert von der Aufforderung zur bevorzugten Nutzung von telemedizinischen Angeboten. Die Aktie legte seit Jahresanfang bis 29.02.2020 um 48,3% zu (Quelle: Bloomberg).

Gibt es Anpassungen in den Portfolios?

Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Covid-19-Diskussion auf den Kapitalmarkt in den nächsten Wochen abklingen werden und suchen in dieser Marktkorrektur gezielt Chancen im Aktienmarkt. Wir halten den Einfluss der Epidemie bzw. drohenden Pandemie für kurzfristig und ohne Auswirkung auf unsere strategischen Investmententscheidungen. Wir halten uns aktuell taktisch bei Investments in konsumnahen Titeln wie Zahnimplantaten zurück und setzen verstärkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle weniger diskretionär sind oder relativ sogar vom Coronavirus profitieren könnten, wie etwa Telemedizin oder Diagnostikanbieter.


Über Kai Brüning, Portfoliomanagement Healthcare

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über Hendrik Lofruthe, Portfoliomanagement Healthcare

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Er gehört als Portfolio Manager Healthcare der apoAsset zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehört neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Epidemien und Pandemien: ihre wirtschaftliche Auswirkung

von Alexander Sikora-Sickl, Head of Global Strategies & Research, Erste Asset Management.

Was ist die wirtschaftliche Auswirkung von Epidemien und Pandemien? Unsere Experten haben wissenschaftliche Reports aus der jüngsten Vergangenheit (2003 bis 2019) durchgearbeitet, um eine möglichst fundierte Einschätzung der Auswirkung von Pandemien auf die weltweite Wirtschaftsleistung zu erhalten.

Die einzelnen Studien untersuchen und vergleichen die Effekte von Epidemien (signifikanter regionaler Anstieg von Neuerkrankungen in einer Region) und Pandemien (länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit) anhand von:

  • Historischen Fallstudien
  • Makroökonomischen Modellen und Simulation von Schocks
  • Simulationen (z.B. versicherungsmathematische Modelle), welche Krankheitsverläufe und Auswirkungen simulieren.

Die meisten Studien bedienen sich historischer Fallbeispiele, um die Parameter in den jeweiligen Modellrechnungen zu kalibrieren.

Während makroökonomische Modelle primär darauf abzielen, die Auswirkungen von sich rasch ausbreitenden Infektionskrankheiten zu quantifizieren, verknüpft die Versicherungsmathematik die zu erwartenden Effekte einer Pandemie mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Auf diese Weise wird versucht, auch die Eintrittswahrscheinlichkeit von Pandemien und deren sozioökonomischen Kosten zu prognostizieren.

Was ist laut Studien zu erwarten?

Wie sich aus den einzelnen Studien ablesen lässt, gehen die jeweiligen Modelle global gesehen von einer relativ geringen wirtschaftlichen Auswirkung aus.

Die gängigste Annahme rechnet mit einem Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung (gemessen am BIP) um 0,6% bzw. 500 Mrd. USD. Gleichzeitig erwartet der Konsensus eine V-förmige Erholung der Wirtschaft innerhalb von 3 bis 12 Monaten.

Regional sind jedoch deutliche Unterschiede zu erwarten, vor allem was die Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Entwicklung von Staaten der 1. Welt und den Entwicklungsländern betrifft.

Die negativste Schätzung einer Studie für einen angenommenen Ebola Ausbruch in Sierra Leone prognostiziert einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes für diesen Staat um 16%.

Gründe hierfür sind die im Vergleich zu Industriestaaten mangelhafte medizinische Versorgung, die generell schlechtere Versorgungslage der Bevölkerung, sowie die hohe Bevölkerungsdichte gepaart mit mangelnder Hygiene (Stichwort Zugang zu sauberen Trinkwasser).

Die Weltbank geht in einer Modellrechnung aus dem Jahr 2013 davon aus, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit einer weltweiten Pandemie mit 1% bis 3% zwar sehr gering ist, dass aber bei einer hohen Infektionsrate (analog der Spanischen Grippe) die Kosten für die Weltwirtschaft bis zu drei Billionen USD betragen könnten.

Quelle: WHO, bearbeitet von Erste AM

Die Berechnungen der Weltbank

Angesichts dieses Ausmaßes mahnt die Weltbank, dass die Staatengemeinschaft zu wenig Präventionsmaßnahmen gesetzt hat.

Die Weltbank rechnet vor, dass jährliche Investitionen von 3,7 Mrd. USD in Präventivmaßnahmen (va. in Entwicklungsländern) die durch Infektionskrankheiten hervorgerufenen Kosten um 37 Mrd. USD senken würden.

Generell gilt, dass die wirtschaftlichen Kosten in all jenen Branchen am größten sind, in denen Kundenkontakt von Angesicht zu Angesicht stattfindet und in denen der Konsum nicht aufgeschoben werden kann.

Dies betrifft zahlreiche Bereiche des Dienstleistungssektors, vor allem den Tourismus und die Freizeitindustrie. Überdurchschnittlich betroffen sind des weiteren Unternehmen mit komplexen und globalisierten Lieferketten, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung einer Pandemie gestört werden.

Kosten einer Epidemie/Pandemie

Auf Länderebene sind jene Volkswirtschaften überproportional betroffen, die eine stärkere Abhängigkeit vom Faktor Arbeitskraft besitzen.

Somit fallen die Kosten einer Epidemie oder Pandemie in Entwicklungsländern mehr ins Gewicht, als in den entwickelten Ländern, deren Wirtschaft einen höheren Grad an Automatisierung und Digitalisierung aufweist.

Auch der Grad der Vernetzung von Regionen ist ein wichtiger Einflussfaktor für die Ausbreitung einer Infektionskrankheit und der Höhe der Kosten. So verbreiten sich Viruskrankheiten in offenen Volkswirtschaften wie in Europa wesentlich schneller, als beispielsweise im Nahen Osten, wo die einzelnen Staaten stärker voneinander abgeschottet sind.

Ein wichtiges Element bei den von Pandemien verursachten Kosten stellt das menschliche Verhalten dar. Die Angst vor einer Ansteckung kann sowohl die Eindämmung erschweren, als auch unmittelbar negative wirtschaftliche Effekte hervorrufen.

Die Soziologie von Quarantäne

Dies beginnt bei der Soziologie der Quarantäne, aus der Menschen, um einer möglichen Ansteckung zu entgehen, auszubrechen versuchen und den Virus dadurch erst recht weitertragen.

Aus der Literatur lässt sich aber auch ablesen, dass sich viele Menschen quasi in Selbstquarantäne flüchten, um einer Ansteckung zu entgehen. Diese Selbstquarantäne beginnt beim Verzicht auf den Besuch von Orten, an denen mit einer erhöhten Ansteckungsgefahr gerechnet wird (Veranstaltungen, Restaurants, Kinos, Reisen, etc.), was einen negativen Effekt auf den Konsum hat.

Wie vergangene Pandemien gezeigt haben, bleiben in besonders betroffenen Gebieten zahlreiche Menschen auch der Arbeit fern, um nicht infiziert zu werden.

Untersuchungen haben ergeben, dass solche selbst auferlegte Schutzmaßnahmen rund 60% der Folgekosten einer Pandemie ausmachen können.

Im Gegenzug resultieren nur etwa 28% der Gesamtkosten aus dem krankheitsbedingten Ausfall von Arbeitnehmern.

Transport & Globalisierung: Rahmenbedingungen haben sich nachteilig verändert

Wenngleich die untersuchten Studien relativ jung sind, stellt sich derzeit die Frage, ob die getroffenen Modellannahmen nach wie vor Gültigkeit besitzen oder ob sich einige Rahmenbedingungen während der letzten Jahre nicht deutlich verändert haben.

Anders ausgedrückt: lassen sich die Ergebnisse der Studien auf den sich ausbreitenden Corona Virus im Jahr 2020 umlegen?

Am auffälligsten ist das weltweit stark gestiegene Verkehrsaufkommen während der letzten Jahrzehnte. Dies betrifft den Gütertransport ebenso, wie die verstärkte Reisetätigkeit von Personen. Hinzu kommt die Globalisierung der Lieferketten, welche in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls deutlich an Bedeutung gewonnen haben.

All dies hat die Verletzlichkeit der Weltwirtschaft erhöht. Schließlich ist das wirtschaftliche Umfeld als herausfordernder zu beurteilen, als bei manch vergangener Pandemie.

Das aktuelle Wirtschaftswachstum befindet sich nach mehreren Jahren des kräftigen Aufschwunges in einer Phase der Abkühlung. Gleichzeitig ist der Anteil Chinas und Südostasiens an der globalen Wirtschaftsleistung während der letzten 10 Jahre deutlich angestiegen.

Eine Pandemie kann heute größere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben

Eine Pandemie, zumal eine, die in China ihren Ausgang genommen hat, könnte in diesem Umfeld daher größere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, als vergangene Seuchen.

Hinzu kommt, dass die Zentralbanken in der anhaltenden Niedrigzinslandschaft wenig Spielraum haben möglichen negativen Auswirkungen effektiv entgegenzuwirken.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 beispielsweise empfiehlt der Europäischen Zentralbank als erste Gegenmaßnahme eine Senkung der Leitzinssätze um 100bp. Ein solcher Schritt wäre heutzutage gar nicht möglich.

Einen weiteren wichtigen Punkt stellen soziale Medien dar, die sich in den vergangenen 10 Jahren in unseren Gesellschaften etabliert haben. Diese Medien können zu Panikverstärkern werden und so die Kosten einer Pandemie zusätzlich in die Höhe treiben.

Auf diesen möglichen Effekt weist zwar die eine oder andere jüngere Studie hin, in Modellrechnungen ist er aber bis Dato noch nicht eingeflossen.

Quelle: IMF

Erste Erkenntnisse zum Corona Virus lassen keinen gravierenden Verlauf erwarten

Zum aktuell grassierenden Corona Virus gibt es aufgrund des frühen Stadiums zwar noch keine abschließenden Erkenntnisse, allerdings lässt der bisherige Verlauf erste Schlüsse zu.

Von der Übertragungsrate scheint der Corona Virus einer Erkältung oder aggressiven Form der Grippe zu entsprechen. Eine infizierte Person reicht in diesem Fall den Virus an zwei bis drei Menschen weiter.

Von der Mortalitätsrate scheint der Covid-19 Virus etwas über jener des gewöhnlichen Grippevirus, aber deutlich unter der des Sars Virus zu liegen.

Des Weiteren zeigt sich bisher, dass die Alterskohorten 70+ und 80+ überproportional von einem schweren Krankheitsverlauf betroffen sind, die arbeitsfähige Bevölkerung (va. die Altersgruppe 20 bis 60 Jahre) hingegen meist einen milden Krankheitsverlauf aufweist.

Veränderung bei den Infektionen in %. Hier sieht man, dass der Anstieg in den letzten Tagen bei 1% oder darunter gelegen hat, die explosionsartige Dynamik von Ende Jänner abfalcht (Quelle: WHO; bearbeitet von Erste AM)

Auch der Verlauf der Anzahl an Neuerkrankungen in China lässt den Schluss zu, dass sich der Zeitraum der Pandemie im Rahmen dessen bewegen dürfte, was auch bei anderen Pandemien (Spanische Grippe, Schweinegrippe, gewöhnliche Grippe, etc.) zu beobachten war. Damals hatte der Höhepunkt der Pandemie bei einer Dauer von etwa drei Monaten gelegen.

Vor diesem Hintergrund ist nach derzeitigem Kenntnisstand und nach Analyse diverser Studien zu diesem Thema davon auszugehen, dass die globale Ausbreitung des Corona Virus sehr wohl eine Auswirkung auf die Weltwirtschaft hat, dieser Effekt allerdings nicht allzu gravierend sein sollte und in etwa 12 Monaten egalisiert sein sollte.


Unser Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Quellen

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Coronavirus-Update: Angst vor dem Unbekannten belastet die Marktstimmung

von Stefan Kuhn, Managing Director und Head of SPDR ETF Deutschland.

Die Furcht vor einer Pandemie hat die globalen Aktienmärkte in dieser Woche hart getroffen, den MSCI-World-Index negativ beeinflusst und mehrere Marktindizes, darunter den S&P 500, in den Korrekturbereich gestürzt. Langfristige Staatsanleihen erreichten rekordtiefe Renditeniveaus und der Goldpreis stieg stark an, da sich die Anleger auf sichere Anlagen konzentrierten. Es ist zwar schwer zu sagen, ob sich diese Trends fortsetzen werden, aber wir gehen davon aus, dass die Märkte in den nächsten Wochen unruhig bleiben werden.

Steigende Abwärtsrisiken verunsichern die Märkte

Nur wenige Dinge können die Marktstimmung stärker negativ beeinflussen als eine rasch steigende Unsicherheit. Während China die Eindämmung der Krankheit in den Griff zu bekommen scheint und sich die Zunahme der Neuinfektionen verlangsamt, sorgt die Übertragung der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) weltweit für zusätzliche Unsicherheit. Immer mehr Behörden haben Eindämmungsmaßnahmen eingeführt oder ziehen diese in Betracht, was auch die wirtschaftliche Aktivität einschränken kann. Auch die Stimmung und das Verhalten der Verbraucher dürften dadurch beeinträchtigt werden. Das bedeutet, dass Investoren Szenarien in Betracht ziehen müssen, in denen sich die Geschäftstätigkeit an mehreren Orten verlangsamt und Unternehmen größere Einnahmeverluste erleiden als ursprünglich angenommen.

Beunruhigender sind jedoch Fälle von Menschen, die weder nach China gereist sind noch mit jemandem in Kontakt waren, der dort war und sich dennoch mit dem Virus infiziert haben. Da das Gesundheitspersonal nicht vollständig versteht, wie das Virus übertragen wird, kann es überall auf der Welt zu überraschenden Ausbrüchen kommen. Unklar ist auch, wie lebensfähig das Virus bei wärmerem Wetter sein wird. Es ist mehr Unsicherheit auf den Markt gekommen und die Bandbreite der möglichen negativen Auswirkungen hat sich erweitert. 

Marktteilnehmer arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten

Es ist schwierig, starke Meinungen zu entwickeln, wenn so wenig über das Virus bekannt ist. Wir waren der Ansicht, dass sich das globale Wachstum im Jahr 2020 nur leicht gegenüber 2019 beschleunigen würde. Der Ausbruch des Virus bedeutet, dass die Wirtschaftsdaten im besten Fall über das erste Quartal hinweg verzerrt bleiben und im schlimmsten Fall die Abwärtsrisiken stark zunehmen werden. Am meisten beunruhigt uns, dass wir weder den Zeitrahmen noch die vollen Auswirkungen vorhersagen können.

Analysen früherer Virenausbrüche liefern einige Hinweise auf mögliche Ergebnisse, aber wir empfehlen größte Vorsicht bei solchen Überlegungen. Chinas Wirtschaft hat sich seit 2003 erheblich verändert, sowohl in Bezug auf ihre Größe, den Mix aus Dienstleistungen/Produktion und ihre Rolle in der Weltwirtschaft. China macht heute 17% des globalen BIP aus, zum Zeitpunkt des SARS-Ausbruchs waren es nur 4%. Innerhalb Chinas ist der Anteil der Dienstleistungen am BIP nach Angaben der Weltbank heute um zehn Prozentpunkte höher als 2003. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Vergangenheit vielleicht kein hilfreicher Ratgeber.

Daher erwarten wir, dass der Markt vermehrt auf Nachrichten reagiert und sich auf Expertenmeinungen und Fakten konzentriert, wenn sich die Situation weiterentwickelt. Dies gilt sowohl für gute als auch für schlechte Nachrichten. Wenn zum Beispiel der Ausbruch in Europa aufgrund des fortgeschrittenen Gesundheitssystems kleiner bleibt als derzeit befürchtet, sinken die Wahrscheinlichkeiten für sehr negative Szenarien. In diesem Fall hätten Investoren wahrscheinlich einen besseren Appetit auf Risikoanlagen. Erinnern Sie sich daran, dass der S&P 500 vor knapp zwei Wochen auf einem Rekordhoch stand, bis ihn die schlechte Stimmung zu Fall brachte. Die Stimmung könnte genauso schnell wieder ins Positive drehen, wie sie gefallen ist.

Beobachten Sie das Verbraucherverhalten und die Fed

Der US-Konsum hatte vor den Ausbrüchen in China und Europa eine sehr positive Dynamik. Der Beschäftigungsbericht vom Januar in Verbindung mit einem soliden Verbrauchervertrauen sollten Ausgaben und Wirtschaftswachstum unterstützen, sobald der Ausbruch in den Vereinigten Staaten gedämpft wird. Ein Rückgang der Verbraucherausgaben, der durch die Angst vor Reisen oder dem Versammeln an öffentlichen Orten ausgelöst wird, könnte jedoch zu einem vorübergehenden Rückgang des BIP führen. Von größerer Sorge wäre alles, was dem Gesamtbild der Beschäftigung schadet. In den kommenden Monaten werden wir mehrere Frühwarnindikatoren sehr genau beobachten, darunter:

  • Die Anzahl der Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen eine Teilzeitbeschäftigung angeben
  • Der Index der durchschnittlichen Arbeitswoche und der Gesamtstundenzahl
  • Entlassungen, Arbeitslosenansprüche und Dauer der Arbeitslosigkeit 

Die Chancen für eine Lockerung der Fed in diesem Jahr sind stark gestiegen - die Fed-Funds Futures preisen bereits eine Zinssenkung bis zum April ein.. Die bislang im ersten Quartal eingegangen Daten waren jedoch im Großen und Ganzen besser als erwartet. Auf der Grundlage der gemeldeten Daten gäbe es für die Fed keinen Grund zum Handeln. Das Problem ist, dass keine dieser Veröffentlichungen die schnell wachsenden Risiken des COVID-19-Ausbruchs erfasst hat.

Für umsichtige Anleger - taktische Absicherungen und Liquidität

Das hohe Maß an Unsicherheit führt zu einigen Umstellungen in unseren Portfolien. Innerhalb unserer langfristigen Portfolios haben wir selektiv die Positionierung in zyklischen Konsumgüterherstellern sowie im Energiesektor reduziert und teilweise die Positionen in nicht-zyklischen Konsumgütern und Versorgungsunternehmen erhöht. Stimmungsbedingte Ausverkäufe führen tendenziell zu wahllosen Verkäufen, was im Allgemeinen Kaufgelegenheiten schafft. Aus diesem Grund haben wir unsere Kassebestände leicht erhöht. 

Auch an den Rentenmärkten verfolgen wir einen konservativen Ansatz. Sowohl die Investment Grade- als auch die High Yield Renditen haben sich gegenüber den jüngsten Niveaus ausgeweitet. Dies hat zwar zu etwas attraktiveren Bewertungen geführt, trotzdem ändern wir unsere Positionierung derzeit nicht. An den Devisenmärkten haben wir im Gegensatz zu anderen Bereichen keine nennenswerten Bewegungen erkennen können. Wir vermuten, dass die Schocks angesichts ihres globalen Charakters die Divergenzen zwischen den einzelnen Ländern nicht verstärkt haben. Bis heute haben wir unsere Währungspositionierung nicht angepasst. 

Innerhalb unserer Portfolios, die sich auf mehrere Anlageklassen und Regime stützen, haben wir Positionen in risikoreicheren Anlagen wie Aktien abgebaut und in traditionell sichere Häfen wie Gold und langlaufende Treasuries umgeschichtet.

Schlussfolgerung

Wir beobachten diese sehr unbeständige Situation weiterhin. Kurzfristig dürfte das Risiko in allen Anlageklassen weiterhin erhöht sein. Aber je länger der Ausbruch andauert, desto höher sind die wirtschaftlichen Kosten. Der Silberstreif am Horizont ist, dass die Wirtschaftstätigkeit rasch wieder aufgenommen werden könnte, sobald das Virus abklingt. In der Zwischenzeit könnte eine unterstützende Reaktion der Zentralbanken die Auswirkungen zumindest teilweise auffangen.

Euro-Unternehmensanleihen 2020: High-Yield oder Investmentgrade?

Unternehmensanleihen bescherten Investoren im vergangenen Jahr gute Erträge. Doch wie wird es 2020 weitergehen? Und sollte man eher auf High-Yield-Anleihen setzen oder doch lieber im Investmentgrade-Segment (Credits) nach Chancen suchen?

Aktuelle Marktsituation

Sowohl High-Yield-Anleihen als auch Credits sind aktuell solide unterstützt: Niedrige Inflation und moderates Wirtschaftswachstum lassen derzeit recht wenig Raum für größere Renditeanstiege. Eine extrem lockere Notenbankpolitik und anhaltender „Anlagenotstand“ bei vielen Investoren ermöglichen den allermeisten Unternehmen (sehr) günstige Refinanzierungsmöglich- keiten. Das hält die Ausfallsraten weiter niedrig. Sie werden in den kommenden Monaten zwar leicht ansteigen, doch ist dies im Markt bereits weitgehend eingepreist. Von Investorenseite ist der mögliche Mehrertrag gegenüber Staatsanleihen weiterhin ein starkes Kaufargument.

Die politischen Störfaktoren bei Handelskonflikt und Brexit haben sich im Verlauf des letzten Jahres abgeschwächt. Daneben gibt es aber eine ganze Reihe von weiteren Unwägbarkeiten und Risiken. Die Schwäche in der Automobilindustrie könnte sich beispielsweise vertiefen und auf andere Industriebereiche überspringen. So üppig die Liquiditätsversorgung durch die Notenbank und so groß der Anlagennotstand auch ist: Investoren sind auf den historisch niedrigen Renditeniveaus durchaus selektiv und neigen rasch zum Rückzug, sobald sich ernsthafte Probleme bei einzelnen Unternehmen abzeichnen. In den USA etwa hat es der Energiesektor – speziell bei Schiefergasproduzenten – bereits seit längerem sehr schwer, sich über Banken oder Bondmärkte neues Kapital zu beschaffen. Das könnte (in moderatem Ausmaß) auch für einige Autobauer und ihre Zulieferer zu einem Problem werden, sofern sich die Situation in der Branche weiter verschlechtert.

Coronavirus als Gamechanger?

Das neue Coronavirus hat das Potenzial, zusätzliche Verwerfungen in etlichen Branchen und Unternehmen herbeizuführen, sei es durch (zeitweilig) wegbrechenden Konsum oder durch Unterbrechungen in den globalen Lieferketten. Während es kurzfristig wohl vor allem darauf ankommen wird, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wird es in weiterer Folge entscheidend sein, ob und wie rasch ein wirksames Mittel zur Behandlung produziert werden kann. Eine Prognose dazu ist derzeit sehr schwierig. Marktkonsens ist aktuell, dass die negativen Effekte zeitlich vorwiegend auf das erste Quartal und geografisch weitgehend auf China konzentriert sein werden und dass es im Verlauf des zweiten Quartals zu einer starken V-förmigen Erholung der Wirtschaft kommen wird. Sofern dies eintritt, dürften die Wachstumseinbußen zum größten Teil zügig aufgeholt werden. Auf das Gesamtjahr 2020 gerechnet sollte in diesem Fall der negative Nettoeffekt – in China und erst recht außerhalb – überschaubar bleiben. Das ist gegenwärtig weitgehend auch unser Basisszenario.

Marktausblick 2020

Nach der starken Performance 2019 wird sich die Spreadeinengung bei Credits und High-Yield in diesem Jahr wohl bei weitem nicht im selben Tempo fortsetzen.

Credits: US-Emittenten dürften auch 2020 das deutlich niedrigere Renditeniveau im Euro für zahlreiche Emissionen nutzen, voraussichtlich in ungefähr gleichem Umfang wie 2019. Mangels Alternativen dürfte der Markt trotz hoher Bewertungen durch Kapitalzuflüsse gut unterstützt bleiben. Hinzu kommen die umfangreichen Liquiditätsspritzen der Notenbanken. Dennoch sind die Märkte aufgrund der sehr hohen Bewertungen anfälliger für Korrekturen. Ein Fokus auf Qualität sollte sich einmal mehr auszahlen und dürfte sowohl unter Ertrags- als auch Risikoaspekten noch an Bedeutung gewinnen. Unter Wahrung dieses strategischen Grundsatzes könnten etwaige Korrekturen zum Zukauf bei ausgewählten Einzelpositionen (beispielsweise Einzeltitel mit höherem Beta und/oder längerer Duration) genutzt werden.

High-Yield: Angesichts eines bestenfalls moderaten Wachstumsausblicks und eines Berges von negativ rentierenden Anleihen ist die Marktstimmung bereits seit längerem in einem Ungleichgewicht: Investoren werden gleichzeitig von Angst und Gier getrieben. Während der weiterhin schwache Welthandel und geringes Wachstum die Anleihen zyklischer Unternehmen sowie der spekulativsten Bonitäten belasten, jagen die Investoren nach Renditen in jenen Bereichen des Marktes, die noch Qualität und zugleich positive Renditen bieten. Vor dem Hintergrund anhaltender Negativzinsen bietet die derzeitige durchschnittliche Marktrendite bei High-Yield-Anleihen aufgrund des höheren Risikos einen attraktiven Mehrertrag von um die drei Prozent, der für leicht steigende Renditen und leichte Spreadausweitungen in unserem Basisszenario ausreichend kompensieren sollte. Daher erwartet das Fondsmanagement für High-Yield-Anleihen eher geringe positive absolute Erträge, sieht zugleich aber das Potenzial für relativen Mehrertrag aufgrund nur moderat steigender Ausfallsraten.

Credits oder High-Yield?

Prinzipiell lässt sich diese Frage pauschal nicht sinnvoll beantworten. Hinzu kommt, dass die Grenze zwischen beiden Marktsegmenten stärker verschwimmt. Bekanntlich hat sich sowohl in den USA als auch in Europa das schwächste Investmentgrade-Segment (BBB) in den letzten Jahren massiv aufgebläht. Ende 2019 umfasste es bereits rund 60 Prozent aller non-financial Investmentgrade-Corporates in Euro und rund ein Drittel der Euro-financials). Entsprechend stark ist auch die Zahl potenzieller „gefallener Engel“ angestiegen (also von Unternehmen, die sich schon bei recht geringfügigen Herabstufungen unvermittelt im High-Yield-Segment wiederfinden, was mitunter mit erheblichen negativen Auswirkungen auf ihre Refinanzierungsmöglichkeiten und auf ihre Investoren verbunden ist). Nicht zuletzt angesichts dessen ist die Überlegung, ob man eher in Credits oder eher in High-Yield investiert, nur ein Teil der relevanten Fragestellung und das wie mindestens ebenso wichtig.

Betrachtet man beispielsweise die Wertentwicklung des Raiffeisen-Europa-HighYield in 2019, dann fällt auf, dass seine Outperformance in ganz überwiegendem Maße auf die Bottom-up Einzeltitelauswahl zurückzuführen war. Der Fokus des Fonds auf Qualität zahlte sich aus und überkompensierte 2019 die relativen Einbußen aus der etwas defensiveren Top-down Fondsausrichtung. Ein Jahr zuvor war es dem Fondsmanagement ebenfalls gelungen, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Der Fonds hielt 2018 trotz eines spürbar negativen Ergebnisses für den Markt weitgehend seinen Wert. Ähnliches gilt für die Creditfonds der Raiffeisen KAG, wie den Raiffeisen-Euro-Corporates oder den Raiffeisen 304 – Euro Corporates. An dieser Stelle muss jedoch festgehalten werden, dass Performanceergebnisse der Vergangenheit keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung eines Investmentfonds zulassen.

Wir sind davon überzeugt, dass auch 2020 eine gute Einzeltitelauswahl und ein konsequentes, intelligentes Risikomanagement wesentliche Performancetreiber sein werden. Ob man derzeit also besser in High-Yield oder in Credits aufgehoben ist, hängt von der individuellen Situation des einzelnen Investors ab. Nicht zu unterschätzen ist dabei das „wie“ solcher Investments.

Ein gutes aktives Anleihemanagement mit starkem Fokus auf Qualität und Risikomanagement könnte sowohl auf der Ertrags- als auch auf der Risikoseite eine wesentliche Rolle spielen.

Negativzinsen sind auch in den USA möglich

Die US-Notenbank hält die Leitzinsen als einzige der Großen derzeit noch im positiven Bereich. Im nächsten wirtschaftlichen Abschwung könnte auch die Fed gezwungen sein, negative Zinsen einzuführen. „Die Angst davor ist groß, die Auswirkungen müssen aber nicht negativ für die Märkte sein“, sagt Michael Bazdarich, Mitglied des Pension Solutions Team bei Western Asset. Dafür sind allerdings einige Bedingungen zu erfüllen.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis negative Zinsen auch in den USA Einzug halten“, sagt Bazdarich. In der Eurozone und in Japan sind die Negativzinsen bereits seit Jahren gang und gäbe. „Die EZB arbeitet seit 2014 mit Minuszinsen, die japanische Notenbank seit 2016“, so Bazdarich. Die Notenbanken wollen auf diese Weise die schwache Wirtschaft ankurbeln und einen Absturz in eine Rezession verhindern. Ob die Negativzinsen hier wirklich hilfreich sind, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

In jedem Fall aber zeigen die Beispiele aus Europa und Japan, wie Unternehmen, Banken und der Staat mit negativen Zinsen umgehen. „Daraus lassen sich Rückschlüsse für die USA ziehen“, sagt Bazdarich. Sicher sei, dass der Ruf nach weiteren Zinssenkungen kommen werde, vor allem vonseiten der Politik, sobald die wirtschaftliche Dynamik nachlasse. „Und rein technisch werden auch die US-Banken keine Probleme haben, mit Minuszinsen umzugehen“, so Bazdarich.

Bei Anleihen ist es ganz einfach: Da ein negativer Kupon nicht ausgeschrieben werde, rutschten die Renditen einfach über höhere Kurse ins Minus. „Bei Pensionsverpflichtungen und Versicherungen ist es etwas komplexer“, sagt Bazdarich. Hier verlängern sich Laufzeiten und die Bewertungen steigen. Bei Geldmarktfonds sieht man eine andere Möglichkeit: Hier werden nicht die Renditen ins Minus gedrückt, sondern die Zahl der Fondsanteile für die Investoren verringert – was einer negativen Rendite gleichkommt. „In den USA wird durchaus ernsthaft diskutiert, ob negative Zinsen rechtlich zulässig sind“, sagt Bazdarich. „Dies ist aus unserer Sicht aber mit einem klaren ja zu beantworten.“

In den USA liegen die Leitzinsen derzeit bei 1,75 Prozent. „Um eine Rezession abzumildern oder zu verhindern, hat die Fed in den vergangenen Abschwüngen jeweils Zinskürzungen von mehr als 500 Basispunkten vorgenommen“, sagt Bazdarich. In der nächsten Abkühlung hat die Fed also nur zwei Möglichkeiten: „Entweder sie tut nichts, um die Wirtschaft zu stützen. Oder sie geht in die Minuszinspolitik“, so Bazdarich. „Wir gehen davon aus, dass der Druck der Politik und der Märkte so groß sein wird, dass die Fed ins Minus gehen wird.“

Anders als in Europa und Japan, wo sich Investoren wie weite Teile der Bevölkerung recht reibungslos mit Minuszinsen abgefunden haben, könnten die Vorbehalte in den USA aber größer sein. „Wir gehen davon aus, dass die Einführung von Negativzinsen nicht ohne großen Aufschrei verläuft“, sagt Bazdarich. Möglich ist auch, dass die Menschen dann anfangen, große Mengen Bargeld zu horten. „Das aber liefe der Absicht der Notenbanken entgegen“, so Bazdarich. Bargeld in Schließfächer zu stecken, sei kontraproduktiv für die Wirtschaft. „Es geht darum, möglichst viel Geld in produktivere Assets zu bekommen, etwa an den Aktienmarkt“, sagt Bazdarich. Deshalb werde das Horten von Bargeld erschwert. In Europa etwa sei der 500-Euro-Schein bereits aus dem Verkehr gezogen worden. „Ähnliches wird auch in den USA diskutiert“, sagt Bazdarich. Wenn auch auf beiden Seiten des Atlantiks eher mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität und Geldwäsche. „Wobei die Geld-Horter oder deren Helfer vielleicht auch bald schon als unerwünscht gelten werden“, sagt Bazdarich.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Rückenwind für Alternative Anlagestrategien

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

In Zeiten hoher Volatilität und niedrigerer Renditen muss man sich an den Finanzmärkten nach Alternativen Strategien umsehen. Diese sind vor allem eines: ein Bündel von Investmentkonzepten.

An der Börse stehen „lang & kurz“ nicht für zeitliche Dimensionen. „Long/Short-Equity“ Strategien sind Aktienportfolios, deren Abhängigkeit zum Aktienmarkt gesteuert wird, und bis auf Null reduziert werden kann. Darin umgesetzt sind nicht nur Prognosen für steigende, sondern auch für fallende Kurse, wenn für ausgewählte Aktien eine negative Entwicklung erwartet wird.

„Managed Futures“ Strategien setzen auf Trends, die steigend oder fallend ausgeprägt sein können. Häufig werden sie als Absicherungsstrategie verwendet, um sich gegen die Volatilität der Aktienmärkte abzusichern. Die Entscheidungen dahinter treffen systematische Berechnungsmodelle, die den Faktor der menschlichen Emotion ausschließen.

Eine „Global Macro“ Strategie ist eine Investmentfondsstrategie, die in erster Linie auf den makroökonomischen und politischen Voraussetzungen verschiedener Länder beruht. „Global Macro“ Strategien nehmen fundamentale, ökonomische Entscheidungen vor und können positive oder negative Positionierungen eingehen.

Wie „Managed Futures“ Strategien handeln sie auf allen Finanzmärkten, das heißt Aktien, Anleihen, Zinsen, Währungen und Rohstoffe. Ein Sonderfall sind „Unconstrained Bond“ Strategien im Anleihenbereich, deren Investmentzugang vorsieht auch für fallende Staatsanleihenkurse aufgestellt zu sein.

Rückenwind durch das Marktumfeld

Die aktuelle Situation an den Investmentmärkten ist besonders positiv für Alternative Strategien. Folgende Faktoren wirken 2020 unterstützend:

  • Wachstumsstarke Aktien werden vom Markt – nach einem Rückschlag im August 2019 – wieder als sehr aussichtsreich eingeschätzt.
  • „Long/Short-Equity“ Strategien haben die Möglichkeit, darauf gezielt zu reagieren. Und haben es zuletzt erfolgreich getan.

Entwicklung des Faktors Wachstum (Aktien USA)

Chart 1: S&P 500 Growth Index / S&P 500 Value Index (Bloomberg: SGX Index dividiert durch SVX Index); 02/2015-02/2020, wöchentliche Daten

Anleiherenditen, also die Effektivverzinsung einer Anleihe, haben sich innerhalb einer Bandbreite stabilisiert. Stetige Renditen wirken für „Managed Futures“ Strategien günstig, da keine Trendbrüche auftreten. Ein Trend ist, wenn der Kurs eines Wertpapiers fortlaufend neue Hochpunkte oder neue Tiefpunkte, also eine bestimmte Richtung, entwickelt.

Für „Long-Short/Equity“ Strategien bedeuten sie das Ausbleiben von plötzlichen Sektoren- oder Stil-Wechseln, die auf Renditeänderungen folgen.

Anleiherenditen (USA 10 Jahre)

Chart 2: US Treasury Yield (Bloomberg: GTUSD10Y Govt), 02/2015-02/2020; wöchentliche Daten

Der Faktor Momentum, also die „Schwungkraft“ der Kurse trägt 2020 wieder zu den Aktienerträgen bei. Positives Momentum ermöglicht es „Long/Short-Equity“ Strategien, Portfolios für einen längeren Zeitraum unverändert zu lassen und Anpassungskosten zu vermeiden.

Entwicklung des Faktors Momentum (Aktien Europa, USA)

Chart 3: EU Momentum Long/Short Index, US Momentum Long/Short Index (Bloomberg: MSEEMOMO Index, MSZZMOMO Index), 02/2015-02/2020; wöchentliche Daten

Zugang für Anleger

Für die Umsetzung der Investmentidee rate ich zu Fonds, die über Strategien diversifiziert sind. Zugleich wird die Auswahl der Manager abgedeckt. ALPHA DIVERSIFIED 3 bietet als Multistrategie-Fonds Anlegern diese Chancen. Um dem aktuellen Umfeld Rechnung zu tragen, wurde das Portfolio im 4. Quartal 2019 dynamischer gestaltet.

Das aktuelle Marktumfeld schafft Rückenwind für Alternative Strategien, die ein Bündel von Investmentideen umfassen. Sie sind als Fonds unkompliziert investierbar.


Der ALPHA DIVERSIFIED 3 ist ein UCITS-konformer Absolute-Return-Dachfonds und setzt den Schwerpunkt auf die Alternativen Investmentstrategien wie beispielsweise „Global Macro“, „CTA Managed Futures“, „Long/Short-Equity“ und „Long/Short-Equity Marketneutral“. Der Fonds strebt insgesamt ein asymmetrisches Risiko-Ertragsprofil an, d.h. die eingesetzten Strategien sind darauf ausgerichtet, das allgemeine Verlustrisiko zu begrenzen und traditionelle Anlageklassen zu ergänzen.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Dividendenstrategien in europäischen Aktienmärkten

von Stefan Kuhn, Managing Director und Head of SPDR ETF Deutschland.

Trotz potentiell erhöhter Volatilität sehen wir immer noch gute Chancen an den europäischen Aktienmärkten. Für Investoren, die langfristig in europäische Aktien investieren möchten - aber auch für Investoren mit einem defensiveren Ansatz, können Dividendenstrategien mit eingebautem Qualitätsfilter ein hilfreicher Ansatz sein.

Das produzierende Gewerbe der Eurozone (z.B. Deutschland und Frankreich) scheint 2019 einen kurzfristigen Tiefpunkt erreicht zu haben. Darüber hinaus lagen die PMIs der Eurozone am Freitag, den 21. Februar, über den Erwartungen, angeführt vom deutschen Industriesektor, der ein 13-Monatshoch von 47,8 gegenüber dem Analysten-Konsens von 45,0 (und dem vorherigen Niveau von 45,3) verzeichnete.

Darüber hinaus hat die EZB den Technokraten Mario Draghi durch die diplomatische Christine Lagarde ersetzt. Mit diesem Wechsel werden die Marktteilnehmer immer optimistischer, dass Lagarde in Ländern wie Deutschland erfolgreich für fiskalische Stimulierungsmaßnahmen und so für eine Förderung des Wachstums eintreten kann. Während negative Zinssätze in Europa zur Stabilisierung des Produktionssektors beigetragen haben, suchen die Marktakteure nach neuen (fiskalischen) Investitionen zur Steigerung der Nachfrage und Förderung des Wachstums.

Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob das Jahr 2020 die lang erwartete Angleichung in der Eurozone (im Vergleich zu den USA) bringt. Da der Großteil des verbleibenden Gegenwinds in den aktuellen Bewertungen steckt, könnte dies eine Chance für europäische Aktien darstellen.

Um mehr darüber zu erfahren, warum einkommensorientiertes Investieren im aktuellen Umfeld sinnvoll ist, lesen Sie bitte unsere aktuelle Studie.

Wie man dieses Thema spielen kann

Die Familie der S&P Dividend Aristocrats Indizes wählt aus einer breit gefächerten Basis von Qualitätsunternehmen aus, die regelmäßig ihre Bardividenden angehoben haben und kombiniert Dividendenwachstum mit Dividendenrendite, um Anlegern durch eine defensivere Portfoliohaltung zu helfen, sich gegen Unsicherheiten zu wappnen. Hier finden Sie Einzelheiten zum Europe Dividend Aristocrats-Fonds, der Anlegern diese defensiven Eigenschaften bietet und gleichzeitig die Investitionsquote in Aktien hoch hält.

Was Anleihelaufzeiten im Portfolio bewirken

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

Der vorige Teil II dieser Reihe konzentrierte sich auf defensive Aktienstrategien und zeigte, wie Exposures von Quality oder Multi-Faktor zur Bewältigung der aktuellen Unsicherheit auf den Weltmärkten dienen können.

Diesmal behandeln wir festverzinsliche Wertpapiere in lokaler Währung, d.h., auf festverzinsliche Assets in der Heimatwährung des Anlegers. Wir nehmen Euro-Vermögenswerte für Euro-Anleger in den Blick, unsere wichtigsten Ergebnisse jedoch sprechen für andere Währungen, wie beispielsweise auf US-Dollar lautende Assets für US-Dollar-Anleger. Ein besserer Einblick in einige der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen festverzinslichen Anlagen soll Investoren dabei unterstützen, ihre Portfolien vor Aktienrisiken zu schützen. Dazu heben wir die Diversifizierungskraft längerfristiger Anlagen und das potenzielle Risiko einer unkontrollierten Flucht hin zu Quality hervor.

Welche Assets das richtige Gleichgewicht zwischen einem ein Multi-Asset-Portfolio vor Aktienabwärtsbewegungen schützenden defensiven Profil und einem angemessenen Aufwärtspotenzial zur Bewältigung unsicherer Perioden und spätzyklischer Rallys erbringen, stellten wir im ersten Teil dieser Reihe mithilfe eines defensiven Frameworks und seiner vier Hauptmerkmale - Risikominderung, Vielseitigkeit und Asymmetrie der Renditen, Diversifikation und Bewertung - vor.

Fixed Income: Aushängeschild für defensive Vermögenswerte

Historisch gesehen geht ein Multi-Asset-Portfolio von einem 60/40 Prozent Asset-Mix mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent festverzinslichen Vermögenswerten aus. Dieser Mix soll ein Exposure der historisch überlegenen Renditen von Aktien ermöglichen und gleichzeitig die Diversifizierungsvorteile zu gewähren, die in festverzinslichen Assets stecken. In diesem Rahmen gelten festverzinsliche Vermögenswerte als ultimative defensive Werte, die im Falle eines Aktienabschwungs eine gewisse Dämpfung bieten. Das ist teilweise auf ihre geringere Volatilität, aber vor allem auf ihre negative Korrelation mit Aktienrenditen zurückzuführen.

In Abbildung 1 betrachten wir die durchschnittliche monatliche Performance verschiedener festverzinslicher Anlagen (linke Achse) während verschiedener Aktienmarktregime. Referenzindex hierbei ist der Europe STOXX 600. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage während der beiden für Aktien negativen Regime geben uns einen Einblick in ihre Risikominderungseigenschaften. So verlieren die europäischen Aktienmärkte (i) in einem bestimmten Monat mehr als 5 Prozent oder zwischen 0 und 5 Prozent (ii), was durch die blauen Balken veranschaulicht wird. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage in den beiden für Aktien positiven Regimen liefern Information über die Asymmetrie ihres Profils und ihre Fähigkeit, in guten Zeiten eine positive Performance zu erzielen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Bezüglich der Ergebnisse auf der Seite der Risikominderung ist zu konstatieren, dass Cash und Staatsanleihen ihr Versprechen, positive Renditen in beiden für Aktien negativen Regimen zu bringen, einhalten. Erwähnenswert ist auch, dass Staatsanleihen der Eurozone nicht nur Drawdowns wie bei der Cash Position reduzieren, sondern auch einen positiven Aufschwung bewirken. Mit zunehmendem Kreditrisiko innerhalb eines festverzinslichen Assets verflüchtigt sich die Wirkung der Risikominderung tendenziell. In den letzten zwei Jahrzehnten verhielten sich Hochzins- und Schwellenländeranleihen ähnlich wie Aktien.

Auf der anderen Seite gilt bei den für Aktien positiven Regimes: Je höher das Kreditrisiko des festverzinslichen Vermögenswerts, desto besser seine Performance. Die Cash Position unterstreicht perfekt die Fallstricke, die sich aus der ausschließlichen Konzentration auf die Risikoreduzierung ergeben. Auch wenn diese Position in den Drawdown-Szenarien sehr gut abschneidet, profitiert sie nicht von der starken Preissteigerung, die andere Anleihen in wirtschaftlich besseren Zeiten aufweisen, und kann daher nicht als mittel- bis langfristige Investition angesehen werden.

Langfristige Staatsanleihen - Balance zwischen Risikominderung und Aufwärtspotenzial

Abbildung 2 veranschaulicht Staatsanleihen und die Auswirkungen von Laufzeit und Ratings auf deren Leistungsprofil. In Bezug auf die Risikoreduzierung ist ihre Performance bei Aktienabschwüngen umso höher, je höher die Bonität des Vermögenswerts rangiert (siehe EUR Treasury AAA). Dies ist teilweise auf das Verhalten der Anleger zurückzuführen. Sie neigen in Krisenzeiten dazu (wie deutschen Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen), Geld in nicht riskante Safe-Haven Anlagen zu allokieren. Interessanterweise hat die Geschichte in Phasen fallender Aktienkurse gezeigt, dass die Verlängerung der Laufzeit der vorteilhafteste Hebel war - sogar besser als die Erhöhung der Kreditqualität (siehe EUR Treasury 15+ gegenüber EUR Treasury 1-3). Anlagen mit langer Laufzeit zeigen in Szenarien fallender Aktienkurse und steigender Anleihepreise (Anleiherendite fällt)eine größere Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Zinssätze.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den täglichen Renditen in EUR.Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

In den beiden anderen Regimen führt eine Erhöhung der Bonität festverzinslicher Anlagen zu einer erheblichen Verschlechterung der Performance. AAA-Staatsanleihen weisen wie Cash in jedem Marktszenario außerhalb von Aktiencrashs eine sehr starke Performance-Belastung auf, was zu hohen Opportunitätskosten für das investierte Geld führt.

Der Effekt einer Änderung der Laufzeit scheint dagegen je nach Bonität zu variieren. Für AAA-Staatsanleihen erhöht eine Verlängerung der Laufzeit die Underperformance in Regimen, in denen sich Aktien positiv entwickelten. Bei Anleihen mit geringerer Qualität wie italienischen Staatsanleihen (Rating A- / BBB) verbessert eine Verlängerung der Laufzeit die Performance. Tatsächlich bieten Staatsanleihen der Eurozone mit langer Laufzeit (Durchschnittsrating AA- / A +) aufgrund ihrer negativen Korrelation mit Aktien und ihres höheren Volatilitätsprofils eine starke Outperformance bei Drawdowns von Aktien, liefern jedoch auch in anderen Regimen eine starke Performance.

Unterm Strich erzielen Staatsanleihen durchschnittlicher Kreditqualität und langer Laufzeit (siehe EUR Treasury 5-7 oder 15+) eine bessere Risikominderung als Cash-Positionen. Deutsche Bundesanleihen oder EUR Treasuries zeigen mittlerweile ein Aufwärtspotenzial, das nahe oder auf dem Niveau von EUR-Unternehmensanleihen liegt.

In Abbildung 3 ist zu beobachten, dass Staatsanleihen und insbesondere höher bewertete Staatsanleihen gemäß früheren Erkenntnissen eine stark negative Korrelation zu Aktien aufweisen, während Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen eine hohe positive Korrelation aufweisen. Wenn man lediglich die Korrelation während der Aktien-Drawdowns in den Blick nimmt, scheint höhere Volatility wie Anlagen mit längerer Laufzeit oder Unternehmensanleihen stark davon zu profitieren, wobei die Korrelation deutlich stärker abnimmt als bei anderen Anlagen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren. 

Auf der Suche nach Rendite zur Verbesserung der langfristigen Performance

Sobald der Asset Allocation-Mix ausgewählt wurde, der am besten zum Risikoprofil des Anlegers passt, muss der Implementierungsprozess in den Blick gefasst werden. Fixed Income ist eine weitläufige Anlageklasse mit unendlich vielen Möglichkeiten, in ein bestimmtes Segment zu investieren. In erneuter Anknüpfung an unser Framework besteht das Ziel darin, das gesuchte Verhalten der Anlageklassen unter Berücksichtigung der Bewertungen der Anlageklassen zu extrahieren (d. h., die Rendite zu verbessern, die wir aus den zugrunde liegenden Vermögenswerten extrahieren können). Durch systematische Strategien ist es unseres Erachtens möglich, das Ertragspotenzial eines festverzinslichen Segments wie Treasuries oder Aggregate zu verbessern. Die Nutzung günstiger Gelegenheiten, die Verlagerung der Exposures zwischen unterschiedlichen Ländern sowie Durations-Bereiche innerhalb dieses Segments können die Rendite steigern und damit das langfristige Ergebnis eines Portfolios verbessern. Insbesondere eine Treasury-fokussierte Strategie, die im Durchschnitt eine höhere Rendite und eine geringfügig höhere Duration als herkömmliche Benchmarks aufweist, ermöglicht eine Leistungsverbesserung in guten wirtschaftlichen Szenarien und dieselbe Defensivität in Abschwungphasen. Im nächsten Teil IV widmen wir uns der Suche defensiver Vermögenswerte, die sich auf Währungen konzentrieren.

Das Coronavirus erreicht Weltkonzerne

Die Ausbreitung des Coronavirus ist aktuell das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Mitte Februar zeichneten sich bereits konkrete Folgen für Konzerne weltweit und den globalen Handel ab. In der Vorwoche sorgte der US-Elektronik-Riese Apple in diesem Zusammenhang für Aufsehen.

Apple teilte mit, seine Umsatzziele für das erste Quartal 2020 zu verfehlen. Erst drei Wochen zuvor hatte der iPhone-Hersteller die Spanne für seinen Umsatz im ersten Jahresviertel auf 63 bis 67 Milliarden Dollar (nach 58 Mrd. USD im Vorjahresquartal) geschätzt. Eine neue Prognose wurde nicht ausgegeben.

Nachfrage und Lieferketten sind beeinträchtigt

Die Börsen weltweit reagierten zunächst mit klaren Verlusten auf die Umsatzwarnung, weil Apple als besonders wichtiger Vertreter der Branche gilt und seine Aktie ein Zugpferd der US-Technologiebörse NASDAQ ist. Die Leitindizes konnten die Abschläge, die durch die neuerliche Verunsicherung ausgelöst worden waren, jedoch schnell wieder aufholen und wie im Fall des deutschen DAX schon bald wieder zu ihrer Rekordjagd zurückkehren.

Marktbeobachter befürchten dennoch, dass sich mittelfristig wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Epidemie niederschlagen könnten. Denn eine Reihe von Zulieferunternehmen, andere Technologieriesen und Branchen mit starker Abhängigkeit von China könnten dem Beispiel von Apple folgen. Einerseits haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus dazu geführt, dass Lieferketten durch vorübergehende Fabrikschließungen gestört wurden und daher die Nachfrage teilweise nicht gedeckt werden kann.

Andererseits blieben in China viele Geschäfte geschlossen, was den Absatz in dem wichtigen Markt erheblich beeinträchtigt. Dies spürten neben Elektronikunternehmen auch Luxusgüterkonzerne, für die China eine entscheidende Wachstumsregion darstellt. Adidas, der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt meldete einen Geschäftseinbruch in China seit dem chinesischen Neujahr am 25. Jänner um etwa 85 Prozent.

Auch österreichische Konzerne spüren Einschnitte

Darüber hinaus wurden zwei Dutzend Messen und Branchenkonferenzen wie etwa die Automesse in Peking und die weltgrößte Mobilfunkmesse MWC in Barcelona abgesagt, wodurch sich möglicherweise Geschäfte in Milliardenhöhe verzögern.

Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S teilte zwar mit, dass alle drei seiner Produktionsstätten in China inzwischen wieder in Betrieb seien. Dennoch hat das börsennotierte Unternehmen seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2019/20 von bisher 1,03 Milliarden Euro auf 960 Millionen Euro gesenkt. Die Erwartungen der Marge beim Gewinn ohne Zinsen, Abschreibungen und Steuern (EBITDA) wurde von zuvor 20 bis 25 auf nunmehr 18 bis 20 Prozent reduziert.

Konjunkturmaßnahmen aber kein rasches Ende der Epidemie in Sicht

Unterdessen wurden in Asien Rufe nach staatlichen Konjunkturhilfen lauter. Südkoreas Präsident forderte in einer Kabinettssitzung, alle Möglichkeiten zu erwägen. Die Regierung von Singapur will umgerechnet 3,7 Milliarden Euro einsetzen, um Folgen für den Arbeitsmarkt und die Lebenshaltungskosten abzufedern. Weitere 530 Millionen Euro sollen in den Gesundheitssektor fließen. Auch Hongkong erhöht die Hilfsmittel, um die Folgen der Epidemie auf die Wirtschaft abzufedern.

Nach Einschätzung eines führenden chinesischen Fachmanns wird sich die Lage um den Virus möglicherweise erst Ende April stabilisieren: „Das ist eine sehr grobe Schätzung“, sagte Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung. Mit einem Höhepunkt des Ausbruchs im ganzen Land sei voraussichtlich bis Ende Februar zu rechnen. „Den Höchststand zu erreichen, bedeutet aber nicht den Wendepunkt“, mahnte der Mediziner zur Vorsicht.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aussichten für Weltwirtschaft vorsichtig optimistisch, aber es bleiben Risiken

Die Aussichten für eine allmähliche Erholung des Weltwirtschaftswachstums bleiben vorsichtig optimistisch, sind aber nicht ohne Risiken. Darauf weist Kim Catechis hin, Leiter Anlagestrategie bei der Legg-Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie.

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert in seinem jüngsten World Economic Outlook im Januar ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im kommenden Jahr. Der verhaltene Optimismus für die nächsten zwei Jahre gründet auf der Erwartung, dass einige Schwellenländer zu ihren langfristigen durchschnittlichen Wachstumsraten zurückkehren, darunter Indien, aber auch Brasilien, Mexiko, Russland und die Türkei. Dieser Optimismus wird untermauert durch die verbreiteten Zinssenkungen des vergangenen Jahres, die sich jetzt auswirken. „Für Investoren ist dies ein recht guter Hintergrund für globale Investments und ein gutes Vorzeichen für die Renditen im Jahr 2020. Aber es gibt zwei nicht zu übersehende Hauptrisiken: die Verschlechterung der weltweiten Handelsaktivitäten sowie die weitere Verzerrung der Wertschöpfungskette des Technologiesektors“, betont Catechis. Darüber hinaus seien weitere kritische Faktoren zu berücksichtigen, wie etwa die wirtschaftlichen Folgen des Brexits und der Klimawandel.

Hauptrisiko 1: Welthandel verschlechtert sich

2019 war kein gutes Jahr für die führenden Handelsnationen. Das globale Warenhandelsvolumen war in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 Prozent zurückgegangen. Deutschland verzeichnete ein Minus von 4,7 Prozent. Eine weitere Verschlechterung des Handels droht insbesondere, wenn der „Zollkrieg“ zwischen den USA und China anhält und sich auf andere Länder ausbreitet. „Zudem zeichnet sich eine potenziell heikle Handelsauseinandersetzung zwischen den USA und Europa ab. Die EU, der größte Verbrauchermarkt der Welt, hat sich zum wichtigsten Regulierungsorgan der Welt entwickelt, eine Rolle, die der US-Regierung nicht gefällt“, erläutert Catechis.

Hauptrisiko 2: Wertschöpfungskette des Technologiesektors wird weiter verzerrt

Das zweite Hauptrisiko liegt darin, dass die Wertschöpfungskette des Technologiesektors durch die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China weiter verzerrt wird. Das würde dem Wachstum, den Investitionen und den Erträgen kurzfristig erheblich schaden. Zwar ist dieses Szenario am deutlichsten in der Technologie zu erkennen, aber es hat auch Auswirkungen auf jede Lieferkette in der globalen Wirtschaft. „Unternehmen haben Jahrzehnte daran gearbeitet, ihre Lieferketten zu optimieren. Nicht nur die Unternehmensgewinne sind gestiegen, auch die Verbraucher haben davon profitiert. Jetzt kommt eine neue Komponente ins Spiel, die schwer einzuschätzen und grundsätzlich instabil ist: die Politik“, so Catechis.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
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Batteries: one size doesn’t fit all

Batteries don’t just come in sizes like AAA and AA anymore, and new battery technologies are creating new battery applications, explains Luca Ramotti, ETF Analyst at Legal & General Investment Management.

In 2016 Sir James Dyson, the founder of the iconic vacuum-cleaner manufacturer, announced his company’s plans to develop a radically new electric vehicle, committing to invest £2 billion in the project. But last October, Dyson announced it was ditching this project and would be reallocating the funds to other products, including battery technology.

This strikes us less as a negative indicator for the electric-vehicle market, and more as a positive endorsement of the innovative and disruptive growth potential of new types of battery to which investors can gain exposure.

Electric vehicles are certainly one of the most promising areas of growth for battery producers, but batteries are now being deployed everywhere – from the portable electronic devices we all know and own to large-scale utility projects.

Currently, lithium-based batteries are undisputedly the dominant technology in almost every application, having unseated the previous nickel-cadmium standard. Lithium-ion batteries triumphed thanks to their relative stability, security, lower weight, and longer life span.

Yet we should not assume that lithium ion will always be the pre-eminent battery technology; the choice of most appropriate battery for any given use requires some trade-offs. We have identified seven factors that need to be taken into account:

  1. Safety: a key characteristic for every type of battery, from electric vehicles and mobile phones to utility-scale energy storage systems. Everyone remembers the media coverage of exploding smartphones.
  2. Power density: the amount of power that a battery can deliver per kilogram of weight.
  3. Energy density: the storage capacity per kilogram of weight.
  4. Velocity of recharge: the time necessary to recharge the battery. Batteries’ recharging process is not linear, and some batteries may be able to reach 80% of their charge rapidly.
  5. Life span: how many life cycles or years a battery can be used before its degradation affects its capacity. Batteries can start degrading as soon as they get out of the factory, irrespective of their usage, and some of them can be damaged if completely discharged.
  6. Temperature performance: the ability of a battery to work in different conditions and environments.
  7. Cost: the overall cost of a battery pack.

Li-ion roars

Manufacturers have learned how to use different cathode materials to improve different attributes of their lithium-ion batteries to make them better suited for different uses. For example, consider this non-exhaustive list of the different types of lithium-ion batteries:

  • Lithium cobalt oxide batteries (LCO) are often used in portable devices such as smartphones and laptops due to their low weight. However, this type of battery has a relatively short lifespan and doesn’t cope well with extreme temperatures.
  • Lithium nickel cobalt aluminium (NCA) batteries are used in the Tesla S Model. This technology provides impressive energy levels and ultra-fast charging, able to reach an 80% charge in 30 minutes. The large battery of the Tesla S Model provides a high driving range of over 400 kilometres, but at the expense of battery weight.
  • Lithium nickel manganese cobalt (NMC) is currently the most popular chemistry for electric vehicles other than Tesla. NMC batteries accounted for nearly 28% of global electric-vehicle sales in 2018, and are expected to account for 63% by 2027.
  • Lithium titanate (LTO) allows ultra-fast charging without stress, but at the cost of a lower capacity.
  • Lithium iron phosphate (LFP) is considered extremely safe and can deliver high power. LFP batteries can function in most environments with greater adaptability to different temperatures, so are often used in industrial vehicles.

And this is just some of the variety in the lithium family of batteries alone; alternative technologies are carving out their own niches in the battery market, notably in energy storage. In this space, li-ion batteries are constrained because they work best in mild temperatures.

Battery assiduous

One of the most promising technologies in this field is sodium-sulfur batteries, which are less sensitive to external temperatures. Furthermore, they allow for a longer period of storage and so reduce the total system cost. One of the leaders in this market is the Japanese manufacturer NGK Insulators, which provided sodium-sulfur battery systems for a 108MW/648MWh project completed in January 2019 in Abu Dhabi.

220 years have passed since Alessandro Volta paired copper and zinc discs separated by a layer of cardboard and salted water. Now, thanks to some recent breakthroughs, the battery technology market is again in an early growth phase, ready to power the next technological revolution.

Investors should be aware that the opportunities opened by battery technologies go beyond the adoption of electric vehicles. We have witnessed exceptional growth in storage capacity throughout the world and technological progress in this space is a vital step forward in the transition to a world that uses more renewable energy world.

The battery technology market is continually evolving. It is hard to say now which chemistry, if any, will become the standard. The price and supply of the raw materials adds further complexity to the chemistry. In recent years, for example, manufacturers have been trying to reduce the amount of lithium in their batteries due to the metal’s high price.

For investors looking to participate in this secular growth theme, we therefore believe it is crucial to gain exposure through a diversified portfolio spanning the full value chain of the battery market.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Rede von Brexit-Chefunterhändler David Frost am Montag

James Binny, Global Head of Currency bei State Street Global Advisors, zur Rede von David Frost, Brexit-Chefunterhändler und Berater von UK-Premierminister Boris Johnson, am Montag in Brüssel:

„Zum Beginn der Verhandlungen ist auf beiden Seiten mit wenig Kompromissbereitschaft zu rechnen. Dieses Säbelrassen wird zu einer gewissen Währungsvolatilität führen - allerdings weniger stark als im letzten Jahr und die Kursspanne des Pfunds ist aufgrund der gesunkenen Unsicherheit höher. Während die Spannungen im Laufe des Jahres noch zunehmen könnten, wäre es für den britischen Premierminister Boris Johnson, der den "Brexit geschafft" hat, vorteilhaft, wenn das Thema jetzt etwas in den Hintergrund tritt, damit er sich auf andere Prioritäten konzentrieren kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum Jahresende eine Art von Deal erreicht wird, ist zwar hoch und es muss noch einiges verhandelt werden, aber Johnson kann behaupten, dass er die Deadline nicht weiter verschoben hat.“

Turbulenter Start ins Jahr für Ölpreis

Die Ölpreise sind zum Jahresstart stark unter Druck geraten. In der Vorwoche kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich rund 54 US-Dollar. Anfang Jänner waren es noch fast 70 Dollar pro Fass gewesen. Als Hauptgrund für den Preisrückgang wurde an den Märkten die Sorge um die Folgen des Coronavirus in China angeführt.

Angesichts der Lungenkrankheit werden Auswirkungen auf die chinesische Konjunktur und damit eine spürbar niedrigere Nachfrage nach Öl befürchtet. So blieben etwa Betriebe auch nach den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest geschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Doch die Situation in China ist nur ein Aspekt der aktuellen Preisschwäche am Ölmarkt.

Coronavirus nicht einziger Belastungsfaktor

Die US-Energiebehörde EIA hat in ihrem aktuellen Monatsbericht ihre Prognosen für die Öl-Nachfrage deutlich gesenkt. Für das erste Quartal 2020 hat die EIA ihre Erwartungen für die tägliche Nachfrage um 900.000 Fass gegenüber der Schätzung im Jänner reduziert.

Spannend dabei ist, dass davon lediglich ein Minus von 320.000 Fass auf einen sinkenden Bedarf in China zurückgeführt wird. Dies könnte darauf hinweisen, dass eine mögliche Konjunkturschwäche in den OECD-Ländern (auf die eine Reduzierung der Prognosen um 500.000 Fass entfällt) als relativ höher eingeschätzt wird.

Auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat ihre Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl kräftig gesenkt. Aus ihrer Sicht dürfte die Nachfrage im ersten Quartal um durchschnittlich 440.000 Barrel pro Tag niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, wie aus dem Monatsbericht der OPEC hervorgeht.

Hält die Ölpreisstütze?

Vor diesem Hintergrund hat ein Komitee der OPEC ihren Mitgliedern und weiteren kooperierenden Ländern der OPEC+ bis Ende Juni eine zusätzliche Kürzung der vereinbarten Fördermengen um 500.000 Barrel pro Tag empfohlen.

Die zusätzliche Einschränkung soll Anfang März bei einem Treffen in Wien beschlossen werden. Doch im Vorfeld deutete sich verstärkter Widerstand gegen die Maßnahmen zur Preisstabilisierung an: Russland blockierte zunächst die Ausweitung der Produktionskürzungen und kündigte an, den Vorschlag des OPEC-Komitees genau zu „studieren“.

US-Lagerbestände bereits stark gestiegen

Erst im Dezember hatten sich wichtige Förderstaaten auf eine stärkere Drosselung um eine halbe Millionen Barrel pro Tag geeinigt. Ob im März eine erneute Einigung gelingt, ist fraglich. Zumal mit den USA ein aufstrebender Ölproduzent außerhalb der OPEC+ weiterhin keine Einschränkungen signalisiert.

Die zuständige US-Behörde hat ihre Prognose für das Wachstum der Weltnachfrage nach Öl in diesem Jahr um täglich 300.000 Barrel auf eine Million pro Tag reduziert. Dies dürfte jedoch vor allem zu einem verstärkten Lageraufbau und damit für höheren Druck auf die Preise führen – wie auch die offiziellen US-Lagerbestände nahelegen, die in der Vorwoche überraschend doppelt so stark zulegten wie erwartet.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Über die Wirkung von Aktienstrategien“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

In der vergangenen Woche stellten wir zum Auftakt unserer Themenreihe ein Modell vor, mit dessen Hilfe Anleger beurteilen können, mithilfe welcher Assets und Investitionen sie unsichere Zeiten meistern und mögliche künftige Krisen bewältigen können. Heute zeigen wir auf, welche Assets am besten geeignet sind, um die Anlegerportfolios gegen etwaige bevorstehende Kursrückschläge bei Aktien zu schützen. Wir stellen zudem die potenziellen Opportunitätskosten für jeden Vermögenswert auf, falls der Drawdown nicht eintritt. Im Folgenden zeigen wir, dass traditionell defensive Aktienstrategien wie Minimum Volatility (Min Vol) oder Utilities in der Regel eine starke defensive Wirkung, aber auch begrenzte Aufwärtspotenziale aufweisen, während Faktoren wie Qualität, hohe Dividende oder Multi-Faktor ein ausgewogeneres Risiko-Rendite-Profil bieten, das mehr Flexibilität ermöglicht.

Aus Sicht von Euro-Anlegern gibt es unendlich viele Aktienkörbe, in die investiert werden könnte. Wir konzentrieren uns jedoch auf einige der gängigen klassischen Körbe aus Regionen (Europa, USA und Schwellenländer), Branchen und Faktoren. Bei den Sektoren konzentrieren wir uns auf 11 GICS-Sektoren (Global Industry Classification Standard) von Aktien aus Industrieländern. Darüber hinaus fokussieren wir 7 typisch klassische Faktoren, d.h. Minimum Volatility, Quality, Value, High Dividend, Size, Growth und Momentum sowie einen Multifaktor-Ansatz für Aktien aus Industrieländern (Weitere Informationen zu den verwendeten Indizes untenstehend).

Das Ausbalancieren von defensiver Wirkung und Aufrechterhalten des Aufwärtspotenzials ist der Versuch der Quadratur des Kreises

Unser Modell konzentriert sich auf 4 Aspekte: Risikominderung, Asymmetrie der Renditen oder Vielseitigkeit/Diversifikation und Bewertung.

Nachfolgende Abbildung konzentriert sich auf die Risikominderung und zeigt die Outperformance der verschiedenen Aktienmärkte in Drawdown-Perioden im Vergleich zum MSCI World. Hier sind definitiv 3 unterschiedliche Aktienkörbe zu unterscheiden:

  • Körbe mit höherem Risiko wie Finanzen, IT oder Europa, die in den meisten Zeiträumen eine Underperformance aufweisen und dem Markt auch eine allgemeine Underperformance liefern.
  • Körbe, die einen „Mittelweg“ wählen und somit keine starke Neigung nach oben oder unten gegenüber der Benchmark haben. Aktien aus Schwellenländern (EM) weisen insgesamt eine leicht verbesserte Wertentwicklung und geringere Drawdowns in vier Perioden auf, was den starken Vorteil der geografischen Diversifikation unterstreicht. US-Aktien profitieren von der Stärkung des US-Dollars in Krisenzeiten.
  • Defensive Körbe, die in allen Perioden eine Outperformance zeigen und insgesamt stark überdurchschnittlich abschneiden. Sie beinhalten zum einen Sektoren, wie Health Care, Basiskonsumgüter und Versorger und zum anderen Strategien wie Minimum Volatility und Quality.

Abb 1_Outperformance vs MSCI World in periods of equity drawdowns.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Vor September 2018 wurde MSCI World Communications von MSCI World Telecommunications vertreten. Weitere Details zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Diese erste Analyse hebt die 5 Vermögenswerte hervor, die in der Vergangenheit den höchsten Schutz bei Aktien-Drawdowns gezeigt haben. Als nächsten Schritt wollen wir das Aufwärtspotential dieser Vermögenswerte untersuchen, um ihre Vielseitigkeit zu beurteilen

Abb_2_Upside and Downside Capture vs MSCI World.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

In Abbildung 2 vergleichen wir, wie viel von der negativen Wertentwicklung der Aktien aus Industrieländern (bzw. der positiven Wertentwicklung) von den verschiedenen Aktienkörben (als positive bzw. negative Marktposition bezeichnet) erfasst wird. Von den 5 defensiven Körben, die wir in Abbildung 1 herausgegriffen haben, landen in Abbildung 2 vier in der Position unten links. Das bestätigt ihre Fähigkeit, den Aktienkursrückgänge historisch abzufedern, zeigt aber auch deutlich, wie viel von der Aufwärtsbewegung geopfert wird. Die Minimum Volatility Strategie zeigt beispielsweise ein Upside Capture von nur 70 Prozent.

In der Mitte des Diagramms scheinen 5 Körbe, nämlich Quality, High Dividend, Momentum, Multi-Factor und Energy, einen ausgewogeneren Kompromiss mit einer Upside Capture von über 90 Prozent und einer Downside Capture von unter 95 Prozent zu bieten. Solche Körbe würden einem Portfolio mehr Vielseitigkeit bieten. Insbesondere Multi-Factor weist mit einer starken Asymmetrie zwischen Upside Capture Ratio und Downside Capture Ratio ein sehr interessantes Profil auf.

Insgesamt ist Quality der einzige hier als defensiv hervorgehobene Ansatz, der einen ausgewogenen Kompromiss aufweist.

Geografische Diversifizierung zeigt starke Wirkung

Unser drittes Kriterium, die Diversifikation, spielt in der Regel in allen Anlageklassen, beispielsweise in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere, eine größere Rolle als innerhalb einer bestimmten Anlageklasse. In Abbildung 1 zeigen Schwellenländer jedoch in allen vier der sechs betrachteten Zeiträume eine leichte Outperformance. Dies zeigt, was eine Diversifizierung weg vom eigenen Anlegermarkt hin zu anderen Regionen bewirken kann.

Vielseitigkeit und Verhalten bei Zinsschocks

Abgesehen davon sind das Verhalten und die Korrelation zu Zinsbewegungen interessante Aspekte bei Aktieninvestments. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstiegs im Laufe des Jahres 2020 ist alles andere als null, denn die Renditen in Europa sind bereits tief negativ und auf historischen Tiefstständen angelangt. Dies sollte in Bezug auf das Verhalten des Aktienkorbs berücksichtigt werden.

Abbildung 3 zeigt deutlich, dass die Aktienkörbe mit Minimum Volatility oder Utilities den Drawdown am ehesten reduzieren, jedoch in Perioden steigender Gewinne eine Underperformance aufweisen. Ausgewogenere Körbe wie Quality, Energy oder High Dividend, scheinen jedoch weniger anfällig für diese Verschärfung zu sein, was sie zu einem starken Kandidaten für die Auswahl eines defensiven Portfolios macht. Multi-Factor scheint aus diesem Blickwinkel heraus unter diesen defensiven Körben am effizientesten zu wirken und zeigt in diesen Zeiträumen eine starke Performance.

Abb 3 Annualised outperformance depending on 10Y Bund Change.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

Insgesamt scheint es unter Aktienkörben, bei denen der Drawdown historisch sank, zwei relativ getrennte Familien zu geben. Die erste, mit traditionell defensiven Assets wie Min Vol oder Utilities, weist eine sehr starke Defensivität, aber auch eingeschränktes Upside Capture und in der Tat anleihenähnliche Merkmale hoher Zinsempfindlichkeit auf. Die zweite Familie aus Quality, High Dividend, Multi-Faktor oder Energy bietet zwar defensive Charakteristika, ist jedoch ausgewogener, was eine größere Vielseitigkeit ermöglicht.

Warum sich bewertungsgesteuerte Strategien auszahlen

Ein letzter zu berücksichtigender Aspekt ist die Bewertung der Assets. Nicht selten werden einige Sektoren oder Stile nach einer Phase der Marktübertreibung sehr teuer. Praktiker werden sich an den Lauf bei Minimum Volatility-Aktien im Jahr 2016 erinnern, in jüngerer Zeit bei FANGs (Facebook, Amazon, Netflix, Alphabet).

Wir sind von Bewertungsdisziplin fest überzeugt. Deshalb beinhaltet unsere Strategie einen Mechanismus zur Steuerung der Bewertung in unseren Portfolios durch Aktienscreening und Neugewichtung. Regelmäßiges Rebalancing hilft zudem dabei, Verschiebungen in der Gewichtung zu vermeiden. Insbesondere konzentrieren sich unsere Flaggschiff-ETFs (Equity Exchange Traded Funds) auf das Exposur in High Dividend und Quality durch klar definierte systematische Strategien. Diese investieren in die relevantesten Aktien und gewichten diese gleichzeitig durch Bardividenden, um ein angemessenes Bewertungsniveau aufrechtzuerhalten. Multifaktorstrategien profitieren von der Tatsache, dass Value einer der Faktoren bei der Aktienauswahl ist, weshalb auch die Bewertungen ziemlich genau kontrolliert werden.

Aktien: Das Jahr begann, wie das vorige geendet hat...

... nämlich mit steigenden Kursen an den Aktienbörsen, zumindest bis Mitte Jänner. Vor allem Technologiewerte und einige Emerging Markets, wie auch Russland und China, konnten gut zulegen. Die Beilegung des Handelsstreits und die wieder aufkommende Konjunkturhoffnung in China und damit Asien unterstützten diesen guten Start ins neue Jahr.

Dann kam das Coronavirus in die Quere und Börsen reagieren ja bekanntlich recht heftig auf negative Nachrichten, gerade wenn sie sich ohnehin in einer technisch überkauften Lage befinden. Die Volatilität sprang an, es folgte die schwächste Woche seit August 2019. Leidtragend war nicht nur China, sondern auch exportorientierte Märkte wie Europa. Die Auswirkungen treffen kurzfristig vor allem den Dienstleistungssektor (Tourismus) und zyklische Werte. Wie robust die Aktienmärkte dennoch sind, zeigen die USA – vor allem im Technologiesektor – und damit der Welt­Index, der sich kaum erschüttern ließ.

Der schwache Start des ATX hat seine Gründe in der Indexzusammensetzung mit Dominanz von Finanz, Öl und zyklischen Werten.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien USA und Europa: Gewinnwachstum kann entscheidend werden

Die Entspannung im Handelskonflikt in Kombination mit vereinzelten vorsichtig optimistischeren Konjunkturdaten sorgte generell für eine gute Unterstützung der Aktienmärkte. Im Gegensatz zu 2018 waren im vergangenen Jahr die Unternehmensgewinne kein relevanter Faktor. Das Gewinnwachstum war de facto null, somit erhöhten die Kursgewinne am Aktienmarkt die Bewertung merklich. Dennoch sollten heuer Unternehmensgewinne wieder ein bestimmender fundamentaler Faktor werden.

Die Gewinnqualität – gemessen an der erzielten Marge – war bisher respektabel, zieht man in Betracht, dass sich die Kostenbasis (Löhne, Gehälter, Rohstoffe) für die Unternehmen sukzessive erhöht hat.

Für das Jahr 2020 wird derzeit in den USA mit einem Gewinnwachstum von 9 % gerechnet, wobei die Prognosen vom Jahresbeginn in der Regel in den Folgemonaten nach unten revidiert werden. Trotz einiger kurzfristig warnender Signale setzen wir auf eine weitere Verbesserung bei den Fundamentaldaten und sind daher nun in Aktien übergewichtet.

Der asiatische Raum scheint sich mittlerweile konjunkturell zu erholen. Das findet mittlerweile auch bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-­Aktien seinen Niederschlag: der Gewinnrückgang, der seit Anfang 2018 angehalten hat, scheint beendet zu sein. Damit konnten sich Schwellenländeraktien im Vergleich zum entwickelten Aktienraum endlich wieder von der etwas freundlicheren Seite zeigen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, zumindest nach der aktuellen Irritation.

Wie sich die Coronavirus-Epidemie auf den Anleihensektor auswirkt

by Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy, WisdomTree.

Die Finanzmärkte starteten ungewöhnlich gut ins Neue Jahr. Normalerweise blicken die Marktteilnehmer auf die US-Notenbank und/oder die konjunkturelle Entwicklung. Diesmal stand allerdings das Coronavirus im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zur Bewertung dieses Ereignisses ist der Einblick aus der Perspektive der Anleihenmärkte hilfreich, vor allem wenn man den Vergleich zum Ausbruch von SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) im Zeitraum von November 2002 bis Juli 2003 zieht.

Sicherlich beschäftigen sich auch andere Finanzexperten mit der Analyse dieser Situation. Allerdings stellte ich fest, dass der SARS-Ausbruch nicht im luftleeren Raum stattfand. Das aktuelle Coronavirus und der damit verbundene Risk-Off-Trade1 sind zweifellos Haupttriebkraft der jüngsten Entwicklungen im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, insbesondere was den Markt der US-Treasuries (UST) angeht. Nachdem wir uns in die Materie vertieften (und zur Zeit des SARS-Ausbruchs auch auf den Märkten aktiv waren), stellten wir fest, dass die SARS-Episode vor 17 Jahren nicht unbedingt die Hauptursache für die dann folgende Zinsentwicklung war. Damals waren die Anleger noch mit den Folgen der Anschläge von 9/11, der Anthrax-Angst Ende 2001 sowie mit dem Corporate Governance-Skandal (Enron und WorldCom) beschäftigt. Aus makroökonomischer Sicht gewegten sich die USA gerade erst aus der Rezession des Jahres 2001 heraus, die US-Notenbank befand sich mit der Rückführung des US-Leitzinses von 6,50 auf 1,00 Prozent bis Juni 2003 mitten in einem aggressiven Zinssenkungszyklus.

Einige wichtige Highlights und Grafiken, die den Zeitraum der SARS-Ausbruch von November 2002 bis Juli 2003 veranschaulichen:

  • Die 10-Jahres-Rendite für UST fiel an einem Punkt um etwa 105 Basispunkte, lag aber am Ende fast 25 Basispunkte über dem vor der SARS-Nachricht „auf Band“ veröffentlichten Renditeniveau.
  • Die 3-Monats-/10-Jahres-Renditekurve flachte an einem Punkt um etwa 75 Basispunkte ab, war aber 50 Basispunkte breiter als im November 2002.
  • Die 2-Jahres/10-Jahres-Spanne der UST verringerte sich nur um etwas weniger als 15 Basispunkte, war aber Ende Juli 2003 um 55 Basispunkte höher.
  • Das reale US-BIP fiel im 4. Quartal 2002 auf einen Tiefststand von plus 0,6 Prozent, schnellte aber im 3. Quartal 2003 auf plus 7,0 Prozent zurück.
  • Die Spreads bei US-Investment Grade und High Yield Bonds waren durchweg rückläufig und verringerten sich um 84 bzw. 365 Basispunkte.

US Treasury 10-Yr Yield.pngQuelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

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Quelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Hier sind einige wichtige Highlights der aktuellen Epidemiephase:

  • Die Rendite 10-jähriger UST fiel seit Beginn der Coronavirus-Schlagzeilen um etwa 30 Basispunkte
  • Die 3-Monats-/10-Jahreskurve der UST verengte sich um ähnliche 30 Basispunkte, was den oben erwähnten Rückgang der 10-Jahres-Rendite widerspiegelt und ist nun bei minus 2 Basispunkten wieder invertiert.
  • Die Kurve der 2- und /10-jährigen UST flachte um 6 auf plus 19 Basispunkte ab.
  • Die Spreads bei Investment Grade (IG) Bonds erhöhten sich um bescheidene 5 Basispunkte, während die Spreads bei High Yields (HY) um mehr als 65 Basispunkte anstiegen.

Zwar ist Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 weitaus stärker von globalem Einfluss geprägt als noch vor 17 Jahren. Es besteht kein Zweifel, dass sich der Ausbruch des Corona-Virus negativ auf das chinesische BIP und damit auf das globale Wachstum auswirken wird. Ausgehend von einem Epidemie-Höchststand im ersten Quartal scheinen sich die Schätzungen auf einen Widerstand von etwa 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten für China und 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte in Bezug auf die globalen Wachstumsaussichten zu konzentrieren. Die USA sind davon zwar nicht isoliert, doch die Auswirkungen auf das reale BIP dürften dort derzeit nur wenige Prozentpunkte betragen. Tatsächlich liegt der US-amerikanische Gesamthandel mit China, ausgedrückt in Prozent des BIP, im niedrigen einstelligen Bereich.

Sobald die Epidemie ihren Höhepunkt erreicht hat, ist zu erwarten, dass sich die Geschichte auf dem UST-Markt wiederholt, wobei die 10-Jahres-Rendite wieder näher an 2 Prozent heranrücken könnte und die erwähnten Zinskurven wieder steiler ausfallen dürften. Die 3-Monats/10-Jahres-Kurve dürfte zudem wieder in den positiven Bereich zurückgehen. Auch die Spreads bei High-Yield-Bonds könnten sich ausgehend von den derzeitigen Niveaus etwas verengen.

Jegliche konjunkturelle Verlangsamung wird sich wahrscheinlich in den folgenden Quartalen wieder umkehren, und zwar in gewissem Umfang. Was die Fed betrifft, so wurde auf der Sitzung des Offenmarktausschusses im Januar unterstrichen, dass sich die Politik in einer Warteschleife befinde, obwohl die Fed Funds Futures in diesem Jahr zwei Zinssenkungen einpreisten.


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg, Stand 30.1.20.

1) Risk-Off-Trade: Stimmung der Unsicherheit bezüglich der allgemeinen Marktbedingungen

Signifikantes Wachstumspotenzial spricht für Investments in Infrastruktur

Signifikantes Wachstumspotenzial, stabile Cashflows, die Inflationsabsicherung und die geringe Korrelation zu den meisten wichtigen Anlageklassen sprechen aktuell für Investments in Infrastruktur. „Wir erwarten, dass das Infrastrukturvermögen in der kommenden Dekade global um 114 Prozent wächst und bis 2030 ein Volumen von 110 Billionen US-Dollar erreichen wird“, prognostiziert Shane Hurst, Senior-Portfoliomanager des Legg Mason RARE Infrastructure Value Fund.

Dabei werde sich das Vermögen in den entwickelten Industrienationen voraussichtlich von 27 auf über 50 Billionen US-Dollar fast verdoppeln, während es sich in den Schwellenländern sehr wahrscheinlich von 22 auf über 60 Billionen US-Dollar nahezu verdreifachen wird. Der private Sektor spiele bei der Finanzierung eine immer größere Rolle. Bei börsennotierten Infrastrukturinvestments, die von der Entwicklung besonders profitieren, liegt sein Anteil schon heute bei über 40 Prozent.

Energie und Transport als Wachstumsmotoren

Die Veränderung des Energiemix, die Sanierung bestehender Anlagen und zusätzliches Wachstum durch neu entstehende Anlagen treiben laut Hurst die Ausgaben für Infrastruktur. In den Industrienationen stehen in den kommenden zwei Jahrzehnten vor allem die Themen Wartung, Upgrades und Kapazitätsausweitung im Vordergrund. Die Experten von RARE Infrastructure rechnen mit Investitionen in die Energieversorgung und -effizienz von 2018 bis 2040 in Höhe von weltweit 20 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig erwarten sie von 2018 bis 2038 beispielsweise einen Zuwachs des Flugpassagieraufkommens von 144 Prozent. In den Schwellenländern prägen Bevölkerungswachstum und Verstädterung die weitere Entwicklung. 2030 wird es vermutlich 43 Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern gegenüber 33 im Jahr 2018 geben; bis 2030 werden voraussichtlich 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, gegenüber 55 Prozent im Jahr 2018.

Börsennotierter Infrastrukturmarkt als alternative Option

Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, stehen dafür grundsätzlich zwei Wege offen: nicht-börsennotierte und börsennotierte Investment-Vehikel. Dabei wurde die Allokation in die Anlageklasse Infrastruktur zunächst zum größten Teil auf private Markttransaktionen und nicht-börsennotierte Infrastrukturfonds ausgerichtet. Die seit etwa 2011 deutlich gestiegene Nachfrage nach nicht-börsennotierten Infrastrukturanlagen konnte allerdings nicht durch eine entsprechende Zunahme des Angebots gedeckt werden. Diese Dynamik in Verbindung mit stimulierenden monetären Rahmenbedingungen hat einen erheblichen Abwärtsdruck auf die Renditen ausgeübt und den Kapitaleinsatz in nicht-börsennotierte Infrastrukturanlagen immer schwieriger gemacht. Dagegen bietet der börsennotierte Infrastrukturmarkt den Anlegern viele Investitionsmöglichkeiten: „Bei hochwertigen Infrastrukturaktien hat der Investor die Flexibilität, seinen Anlagehorizont wählen oder ändern zu können“, erläutert Hurst. Diese Flexibilität, aber auch größere Liquidität und niedrigere Gebühren seien Vorteile börsennotierter gegenüber nicht-gelisteter Infrastrukturinvestments.

Aktienuniversum für börsennotierte Infrastrukturanlagen

Der Schwerpunkt liegt dabei auf defensiven Anlagen, die stabile Erträge über die Wirtschaftszyklen hinweg bieten wie Gas-/Elektrizitätsübertragung und -verteilung, Wasser und Abwasser; zum anderen auf Wachstumswerten, die zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Dazu gehören beispielsweise Flughäfen, Mautstraßen, Eisenbahnen oder Häfen. „Für Investitionen in den börsennotierten Infrastrukturmarkt eignen sich vor allem die größten und liquidesten Unternehmen weltweit, etwa 200 lassen sich hier identifizieren“, sagt Hurst. Stabile Cashflows und die wachsende Vermögensbasis haben hier zwischen 2012 und 2018 zu einem durchschnittlichen jährlichen Dividendenwachstum von rund sieben Prozent geführt. Das Netto-Wachstum der Sachanlagen lag im selben Zeitraum bei 7,7 Prozent.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

"Investoren sollten der deutschen Politik früher als später mehr Aufmerksamkeit schenken"

Elliot Hentov, Leiter des Policy Research bei State Street Global Advisors, zur aktuellen politischen Lage in Deutschland und deren Auswirkungen auf den Markt:

"Die Erwartungen an einen größeren Politikwechsel durch die Merkel-ähnliche Nachfolgerin waren insbesondere in Fiskal- und Eurozonenfragen sehr gering. Nun erscheint eine ernsthafte Möglichkeit, dass die nächste deutsche Regierung bei den staatlichen Investitionen, der Besteuerung und der verstärkten Integration der Eurozone vorankommt - ganz zu schweigen von der grünen Politik, die laut Umfragen in der Regierungsbeteiligung zu erwarten ist. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass sich Deutschland weiter polarisiert und in Bezug auf politische Initiativen noch mehr stagniert. Schließlich wirft die Frage der Nachfolge auch die Möglichkeit auf, dass die Wahlen bereits 2020 statt 2021 stattfinden, was vielleicht einige längerfristige Trends vorwegnehmen könnte - alles in allem sollten Investoren der deutschen Politik früher als später mehr Aufmerksamkeit schenken."

Anleihen: War das ein guter Start ins neue Jahr?

In Europa, insbesondere in den Kernmärkten der Eurozone, war im letzten Quartal etwas „die Luft draußen“ und die Renditen drifteten von deutlich negativ wieder langsam zur Null-­Linie. Auch im Jänner sah es anfangs nach einer Prolongation aus, bis die Marktpanik durch das Coronavirus die Lage drehte. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen – Inbegriff eines sicheren Hafens – fielen in diesem Risk­-Off-­Szenario um 20 Basispunkte. Diese kurzfristige Rentenrally betraf vor allem jene Märkte, die im Dezember noch deutlich nachgegeben haben, also auch UK und USA.

Auch die Unternehmensanleihen, begleitet von hohen Emissionsvolumen, hatten einen guten Start ins neue Jahr. Anleihen aus den Emerging Markets, die üblicherweise auf Aktienschwächen und Volatilität sensibler reagieren, konnten sich gut halten. Auf den ersten Blick also ein guter Start ins neue Jahr.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: EZB startet Review-Prozess

Beim jüngsten Meeting der Europäischen Zentralbank (EZB) am 23. Jänner 2020 gab es erwartungsgemäß keine Änderung des Leitzinses. Laut Christine Lagarde wird die EZB aber bis Jahresende nicht im „Auto­-Pilot-­Modus“ fahren. Ein angekündigtes EZB-Review soll die quantitative Formulierung von Preis­ stabilität, Nutzung geldpolitischer Werkzeuge, Analyseansätze und Kommunikationspraktiken der EZB umfassen und bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Anmerkung: Die aktuelle geldpolitische Strategie wudde 1998 verabschiedet und zuletzt 2003 konkretisiert. Das Thema nachhaltiger Investments wird seitens der EZB ebenfalls an Bedeutung gewinnen, möglicherweise könnten nachhaltige Unternehmensanleihen im Rahmen des monatlichen Kaufprogramms bevorzugt behandelt werden.

Im tourlichen Zinsentscheid der US­-Fed Ende Jänner 2020 wurde – erwartungsgemäß – das aktuelle Zinsziel von 1,5 % bis 1,75 % nicht angetastet. Frühestens ab Herbst 2020 ist eine Zinssenkung im Ausmaß von etwa 25 Basispunkten vom Markt eingepreist.

Staats- und Unternehmensanleihen: Risikoprämien der Unternehmensanleihen bleiben tief

Europäische Staatsanleiherenditen tendierten zuletzt leicht nach oben und entfernten sich damit weiter von den Analysten-Konsensschätzungen, die etwa deutsche zehnjährige Staatsanleiherenditen Mitte 2020 bei 0,40 % sehen. Abgesehen von der aktuellen Lage um das Coronavirus teilen wir in unserer längerfristigen Sicht diese Meinung nicht und bleiben bei unserer Untergewichtung von Euro-Staatsanleihen gegen­ über Unternehmensanleihen (BBB bis BB Ratings) bzw. Emerging-Market-­Anleihen. US-Staatsanleihen bleiben übergewichtet.

Die Aktivität am Primärmarkt ist zu Jahresbeginn in der Regel ein guter Stimmungsindikator für Unternehmensanleihen. Vor allem in den USA übertrifft das bisherige Emissionsvolumen jenes der Vergleichsperiode im Vorjahr deutlich. Allgemein ist das Emissionsvolumen von USD Corporate Bonds und von Financial Bonds (Euro & US-Dollar) auffällig hoch.

Wir denken, dass dieses Stimmungsbild auch in den kommenden Wochen wieder dominiert und die Risikoprämien tief bleiben.

Emerging­-Market­-Hartwährungsanleihen feierten im wahrsten Sinne des Wortes einen Spread-Rutsch ins neue Jahr 2020, die Renditen sind auch im Vergleich zu Lokalwährungsanleihen stärker gefallen. In Anbetracht der erwarteten abermaligen Ausweitung der globalen Notenbankbilanzen und der lockeren Geldpolitik bleibt unsere Übergewichtung dieser Assetklasse aufrecht. Hinzu kommt, dass die Einigung beim „Deal“ zwischen den USA und China das positive Sentiment unterstützen sollte.

Virus stellt asiatische Schwellenländer vor große Herausforderungen

Die Aussichten für die Schwellenländer standen vor kurzem noch auf Wachstum: Die verarbeitende Industrie im Aufschwung, reichlich Liquidität der Zentralbanken und Phase eins des US-China-Handelsabkommens waren hierfür „vertrauensbildende Maßnahmen“. Der Ausbruch des Coronavirus bringt jedoch völlig neue Herausforderungen für die kommenden Wochen und Monate mit sich, urteilt das Multi-Asset-Team von Nikko Asset Management:

Gewiss wird der schwächere Konsum in China die asiatischen Schwellenländer belasten. Weniger sicher ist, welche Auswirkungen das Virus auf die Lieferketten haben wird. Vorsicht ist geboten, zumindest bis die genauen Ausmaße besser sichtbar sind. Unter der wahrscheinlichen Annahme, dass eine Pandemie vermieden wird, dürfte sich die Nachfrage genauso stark erholen wie 2003 nach dem SARS-Ausbruch.

Asien: Chancen im Norden

Die Nachfrage in Asien steigt, insbesondere im nördlichen Raum der Region. Taiwan und Südkorea sehen Verbesserungen im Handel – insbesondere bei Halbleitern und Elektronik, wo der Fertigungszyklus endlich aufwärts tendiert. Chinas Wachstum ist schwach, wird aber dank seiner hohen Qualität in das Wachstum und die Erträge des Privatsektors einfließen. Das Coronavirus ist für die chinesische Nachfrage kurzfristig eindeutig negativ, aber der größte Teil der verlorenen Nachfrage sollte kompensiert werden, sobald der Erreger effektiv eingedämmt ist. Die Erholung in China und Asien steht noch am Anfang; daher könnte ein virusinduzierter Schock den Nachfragezyklus wieder unterbrechen. Sollte es jedoch erforderlich sein, verfügt das Land noch über genügend politische Munition, um die Nachfrage zu stützen.

Indien: Coronavirus-Ausbreitung wäre verheerend

Die ASEAN-Staaten werden die Auswirkungen des schwächeren chinesischen Konsums zu spüren bekommen, vor allem im Tourismus, der so gut wie zum Erliegen gekommen ist. Die Region profitiert nach wie vor von den umgestalteten Lieferketten und einem bevorstehenden fiskalischen Schub; die relativ schwache lokale Nachfrage macht sie jedoch anfällig. Indien leidet nicht nur unter schwachem Wachstum; seine verfügbaren Gegenmaßnahmen sind auch begrenzt. Die jüngste Senkung der Unternehmenssteuern wird sich nicht stark auf das Wachstum auswirken, und sie verringert künftige politische Optionen. Die indische Inflation ist kürzlich in die Höhe geschnellt, was auch die geldpolitische Lockerungskapazität verringert. Indien ist eine relativ geschlossene Wirtschaft und daher weniger abhängig von der Nachfrage aus China. Aber seine Infrastruktur ist marode. Ein Ausbruch des Coronavirus könnte verheerende Auswirkungen haben.

China: Technologie-Chancen vs. Virus-Einbußen

Die Ertragsaussichten für Chinas Technologie-, Software- und Konsumsektoren sind recht gut. Kurzfristig könnte sich der Konsum jedoch vor allem auf Online-Verkäufe beschränken. Unterdessen erhöht MSCI die Gewichtung chinesischer A-Aktien in seinen Indizes weiter. Die Anleger bleiben in diesen Papieren deutlich untergewichtet, auch wenn die Kapitalströme von Hongkong nach China weiter steigen.

Viele Beobachter hielten im vergangenen Jahr mehr Anreize für erforderlich, um die chinesische Nachfrage wieder auf Kurs zu bringen. Die Regierung aber hielt an ihren Plänen fest: Sie verzichtete auf eine große kreditinduzierte Erholung und hielt stattdessen an ihrer Reformagenda fest, von der ein Großteil darauf abzielte, die Nachfrage des Privatsektors anzukurbeln. Nach wie vor investiert der Staat, inzwischen allerdings in den Sektoren Computer und Kommunikation, was umso wichtiger ist, als die USA drohen, Zulieferungen von Unternehmen wie Huawei abzuziehen. China produziert inzwischen 5 % des weltweiten Halbleiterangebots, gegenüber praktisch Null vor einem Jahr. Chinas Tech-Ambitionen in Verbindung mit dem bevorstehenden 5G-Rollout haben dem Hardware-Zyklus einen gesunden Schub verpasst. Zwar ist das Ausmaß der durch den Coronavirus verursachten Unterbrechung der Lieferketten derzeit schwer abzuschätzen, doch haben zuletzt ausgerechnet Live-Übertragungen aus Krankenhäusern die Wahrnehmung von 5G in einer Öffentlichkeit erhöht, die nach Neuigkeiten über das Virus sucht. Taiwan und Südkorea sind ebenfalls nach wie vor gut aufgestellt, um von der 5G-Einführung zu profitieren.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 230,9 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern über 200** Finanzfachleute mit über 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 300 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2019.
** Stand 30. September 2019 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Die Sorgen- und Liebkinder in Lateinamerika

von Peter Paul Pölzl, Erste Asset Management.

Bei einer Lateinamerika Konferenz in London teilten Mitglieder nationaler Zentralbanken, professionelle Anleger unterschiedlicher Investmenthäuser als auch lokale Vertreter aus Lateinamerika ihre Einblicke in die Region und gaben einen Ausblick für das kommende Jahr.

Die aktuelle Situation in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru waren die Kernthemen bei diesem Gedanken-Austausch. Der Grundtenor für Investoren war recht freundlich, mit einhergehenden aufwärts- und abwärts gerichteten Risiken.

Milde Erholung des Wachstums

Lateinamerika blickt auf ein Jahrzehnt eines besonders niedrigen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes zurück. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist die strukturelle Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China und der damit einhergehende deutliche Rückgang der Rohstoffpreise. Für das vergangene Jahr schätzt der Internationale Währungsfonds ein reales Wachstum von lediglich 0,2 Prozent im Jahresabstand. Dazu gesellen sich soziale Unruhen und politische Konflikte.

Die Risiken bleiben sowohl aufwärts und abwärts gerichtet. Positive Beiträge zur wirtschaftlichen Situation in Lateinamerika könnten das leicht anziehende Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene, der beruhigte Handelskonflikt zwischen den USA und China, abflauende politische Risiken und höhere Rohstoffpreise bringen.

Läuft der Zinssenkungszyklus 2020 aus?

Zudem kann weiterhin Unterstützung auf der monetären Ebene (Leitzinssenkungen) erwartet werden. Im Unterschied zum vergangenen Jahr wird das Ausmaß der geldpolitischen Lockerungen allerdings nur mehr in einem geringen Ausmaß ausfallen. Im Jahr 2019 haben es die Leitzinssenkungen der US-amerikanischen Zentralbank (Fed) und die generell rückläufigen Inflationsraten (4. Quartal 2019: rund 3,2 Prozent p.a.; Quelle: Erste AM) wichtigen Zentralbanken in Lateinamerika ermöglicht, den jeweiligen Leitzinssatz zu senken.

Der über die Länder aggregierte Leitzinssatz beträgt aktuell rund 5 Prozent. Das Ende der Leitzinssenkungen in den USA und die leicht anziehende Inflation sprechen für ein Auslaufen des Zinssenkungszyklus in Lateinamerika im ersten Halbjahr 2020. Die Ausnahme stellt Mexiko dar. Hier könnte auch in der zweiten Jahreshälfte 2020 der Leitzinssatz gesenkt werden.

Auf der staatlichen Seite wird der Fokus weiterhin auf die Konsolidierung der Staatsfinanzen liegen. Das um die Zinszahlungen bereinigte Budgetdefizit in Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird gemäß der Schätzung des Internationalen Währungsfonds von minus 1 Prozent im vergangenen Jahr auf nur noch minus 0,5 Prozent fallen.

Auch wenn auf der Konferenz mitunter von einer „kontrolliert expansiven“ Fiskalpolitik gesprochen wurde, stellt dieser Rückgang einen wachstumsdämpfenden Effekt dar. Positiv betrachtet: Die Staatsverschuldung könnte sich bei knapp unter 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes konsolidieren.

Es wird noch uneinheitlicher

Der zentrale Risikofaktor für die kommenden Jahre stellt ein ausbleibender Anstieg des Wirtschaftswachstums in Lateinamerika in einem Umfeld von niedrigen Rohstoffpreisen und einem niedrigem globalem Wachstum dar. Ebenso werden soziale Unruhen und politische Spannungen in Lateinamerika weiterhin im Blickfeld bleiben und über die nächsten Jahre zu beobachten sein.

Diese führen zu steigenden heterogenen Risiken in der Region, welche auch im heurigen Jahr eine wichtige Rolle spielen werden. Der Unterschied zwischen den „guten“ und „schlechten“ Ländern wird noch größer.

Als „Sorgenkinder“ fallen insbesondere folgende Länder ins Auge:

  • Argentinien: Aufgrund von Zahlungsunfähigkeit wird das Land gezwungen sein Umschuldungsmaßnahmen zu treffen, die mit einem Kapitalverzicht für Investoren verbunden sein werden. Kapitalverkehrskontrollen sind bereits seit 2019 in Kraft.
  • Chile: Die aktuellen Proteste und sozialen Unruhen stellen den größten politischen und wirtschaftlichen Test der chilenischen Institutionen seit der Rückkehr zur Demokratie dar. Weiters steht Chile 2020 vor einem historischen Umbruch und schreibt seine Verfassung neu. Optimisten glauben, dass die Prinzipien, die Chiles Wirtschaft erfolgreich gemacht haben – eine offene Wirtschaft, die Achtung des Privateigentums, eine unabhängige Zentralbank und eine solide makroökonomische Politik –, beibehalten werden. Pessimisten sind hingegen weit weniger zuversichtlich und sehen als Risiko, dass etwaige Maßnahmen zum sozialen Ausgleich überschießen könnten. Die Unsicherheit darüber könnte die private Investitionstätigkeit bremsen.

Die Liebkinder in Lateinamerika:

  • Kolumbien: Die dynamische inländische Nachfrage unterstützt das Wirtschaftswachstum in Kolumbien. Allerdings zeigte im vergangenen Jahr der Arbeitsmarkt leichte Schwächen. Zudem steht für 2020 als zentraler Risikofaktor das Leistungsbilanzdefizit im Fokus (IWF: rund 4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt). Kolumbien genießt jedoch das Wohlwollen der Investoren.
  • Peru: Die peruanische Wirtschaft wies solide volkswirtschaftliche Indikatoren auf und genießt ein gutes Vertrauen der Investoren. Die erhöhte Nachfrage nach lokalen Staatsanleihen sowie das positive Sentiment über die peruanische Wirtschaft ließ die Renditen im letzten Jahr fallen.
  • Brasilien: Durch die Erholung von der schwersten Rezession der Geschichte (2014 bis 2016), sowie das gestiegene Vertrauen durch die von der neuen Regierung geschaffenen Reformen, genießt Brasilien wieder das Wohlwollen der Investoren.
  • Mexiko: Nach einem Jahr ohne Wirtschaftswachstum kann Mexiko im Jahr 2020 die Trendwende schaffen und mithilfe von wiederholt starken Makro-Fundamentaldaten sowie dem USMCA-Handelsabkommen mit den USA und Kanada einen leichten Anstieg des Wirtschaftswachstums erwirtschaften.

Suche nach Rendite

Im aktuellen globalen Niedrigzinsumfeld suchen Anlegerinnen und Anleger nach attraktiven Renditen. Eine Antwort auf diese Frage lautet Lateinamerika. Ein selektives Verhalten wird aufgrund der steigenden uneinheitlichen Risiken wichtig sein, wenn es darum geht die Chancen auf dem Kontinent in 2020 zu evaluieren. Die Unterschiede in den aktuellen Rendite-Niveaus spiegeln die unterschiedlich eingepreisten Risiken wider. Aus diesen Gründen bleibt ein aktives Management im Vordergrund.

Renditen von Lokalwährungsanleihen

Daten per 03.02.2020; Quelle: Bloomberg, JP Morgan (GBI-EM Div Index) Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Währungen tendieren zur Schwäche

Die politischen und sozialen Unruhen brachten im vergangenen Jahr nicht nur die Wirtschaft in Turbulenzen. Auch die Währungen kamen unter Druck. Sowohl der argentinische und der chilenische Peso als auch der brasilianische Real erreichten historische Tiefststände gegenüber dem US-Dollar.

In Argentinien und Chile sah man sogar Devisenmarktinterventionen der nationalen Zentralbanken um die lokalen Währungen zu stabilisieren. Eine Ausnahme hingegen war der mexikanische Peso, der im Jahresvergleich seitwärts lief.

Die meisten Währungen der Region haben sich in den letzten Wochen des Jahres gegenüber dem US-Dollar gefestigt. Das kann hauptsächlich auf den Optimismus in Bezug auf das „Phase 1 Abkommen“ über die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China zurückgeführt werden.

Im Unterschied zur auf der Konferenz vertretenen Meinung sehen wir für die wichtigsten Währungen in Lateinamerika das Potenzial für eine leichte Festigung. Die Währungsentwicklung bleibt naturgemäß ein wesentlicher Risikofaktor für Lokalwährungsanleihen.

Lokalwährungsanleihen werden attraktiv

Das Umfeld für Lokalwährungsanleihen in Lateinamerika wird etwas günstiger. Das Risiko für Leitzinsanhebungen ist kleiner als jenes von Zinssenkungen. Zudem könnte die tendenzielle Währungsabschwächung ein Ende finden. Der aktuelle Fall des zeigt jedoch, dass nicht prognostizierbare Ereignisse einen Strich durch die Rechnung machen können.

Investieren in Lokalwährungsanleihen

Eine Möglichkeit bequem und breit gestreut in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer zu investieren bietet der Fonds ERSTE BOND EM GOVERNMENT LOCAL. Es werden dabei vor allem Länder aus Zentral- und Osteuropa, Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika ausgewählt.

Daneben können auch Unternehmensanleihen von Emittenten aus den jeweiligen Staaten beigemischt werden. Der Lateinamerika-Anteil im Portfolio beträgt derzeit cirka ein Drittel*. Den langfristig hohen Ertragschancen stehen das Risiko hoher Kursschwankungen und das Fremdwährungsrisiko gegenüber (Details siehe Link).

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Vorteile für den Anleger

  • Breite Risikostreuung durch die Auswahl von Anleihen verschiedenster Schwellenländer.
  • Langfristig hohe Ertragschancen.
  • Chance auf jährliche hohe Ausschüttungen.

Zu beachtende Risiken

  • Emerging Markets unterliegen traditionell hohen Schwankungen, mittlere bis hohe Kursschwankungen sind daher möglich.
  • Erhöhtes Risiko durch Beimischung von Emittenten mit mittlerer bis geringer Schuldnerbonität.
  • Aufgrund der Anlage in Fremdwährungen kann der Fondsanteil durch Wechselkursänderungen belastet werden.
  • Kapitalverlust ist möglich.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Die Offensive gewinnt das Spiel, die Defensive die Meisterschaft“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

2020 bleibt wegen vielerlei offenen Themen ein Jahr der Unklarheiten. Zu diesen gehören der Abschluss des US-chinesischen Handelsabkommens, die langfristigen Auswirkungen der US-amerikanischen Schulden in Höhe von 14 Billionen US-Dollar oder das unkalkulierbare Ergebnis der US-Wahlen im November. Bereits einige Wochen nach Jahresbeginn gewannen diese Risiken mit dem Ausbruch der Nahost-Krise und den Spannungen zwischen USA und Iran sowie der von China ausgehenden Virusepedemie an Dynamik. Betrachtet man Aktienengagements in unsteten Zeiten wie diesen, besteht eine inhärente Spannung, denn es gilt, sich auf zwei ähnlich wahrscheinliche Szenarien vorzubereiten: einen plötzlichen Crash und eine spätzyklische Rallye.

Vor diesem makroökonomischen Hintergrund ist die Portfoliokonstruktion von größter Bedeutung. Ziel ist der Aufbau eines vielseitigen Portfolios, das sich schnell ändernden Marktbedingungen anpassen und unerwarteten Ereignissen widersetzen kann. Mit anderen Worten geht es um die Bildung von Portfolios, die sich defensiv verhalten, aber gleichzeitig auch an Markterholungen partizipieren können.

Hier werden wir uns darauf konzentrieren, wie wir von Natur aus defensive Assets finden und definieren.

Defensive Assets schneiden in Perioden sinkender Aktienkurse erfreulich ab

Wenn man die Bedeutung der Risiken in den einzelnen Assets eines typischen Multi-Asset- betrachtet, liegt die größte Risikoquelle in der starken negativen Wertentwicklung von Aktien, d.h. in sinkenden Aktienkursen. Tatsächlich zeigt die Analyse einer beispielhaften, verbreiteten Portfolioallokation von 60 Prozent europäische Aktien und 40 Prozent Euro-Anleihen einen Risikobeitrag von 90 Prozent aus dem Aktienanteil. Es ist daher nur natürlich, dass defensive Vermögenswerte tendenziell im Gegensatz zu Aktien, sozusagen als „Anti-Aktien“-Assets, definiert werden, d. h. als Vermögenswerte, die bei Kursrückgängen gut abschneiden.

Konzentrieren wir uns mit der folgenden Abbildung auf diese erste Definition und betrachten sechs bekannte Zeiträume, in denen Aktien Negativperformance aufwiesen: die Tech-Blase (September 2000 bis März 2003), die Finanzkrise (Juli 2007 bis März 2009), die Euro-Krise I (April 2010 bis Juli 2010), die Euro-Krise II (Mai 2011 bis Oktober 2011), die China-Krise (April 2015 bis Februar 2016) sowie das vierte Quartal 2018. Der untere Teil der Grafik zeigt die Performance des STOXX Europe 600 Total Return Index über diese Zeiträume (graue Schattierung).

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Weitere Informationen zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen

Aktien verhalten sich zyklisch und schneiden daher in den oben genannten Krisenphasen historisch unterdurchschnittlich ab. Sowohl Rohstoffe als auch Hochzinsanleihen verhalten sich in allen sechs Drawdown-Perioden relativ zyklisch und weisen gleichfalls eine negative Wertentwicklung auf, wenn auch weniger als Aktien. Am anderen Ende des Spektrums lieferten Gold-, Bargeld- und Staatsanleihen in all diesen Zeiträumen historisch gesehen eine starke positive Wertentwicklung. Interessanterweise zeigt der japanische Yen in den meisten Perioden auch ein Verhalten vom Typ „Sicherer Hafen“.

Klassifizierung defensiver Assets

Gold, Bargeld, Yen oder Staatsanleihen performen gut in Phasen sinkender Aktienkurse und könnten die Kursrückgänge einwandfrei ausgleichen. Häufig sind die Verluste jedoch heftig und werden durch unvorhersehbare Ereignisse ausgelöst. Anleger haben keine Kristallkugel, die ihnen mitteilt, wann sie die oben genannten defensiven Vermögenswerte einsetzen sollen, am besten kurz vor der Trendwende nach unten. Daher könnten sie die Notwendigkeit in Betracht ziehen, für längere Zeit in defensive Vermögenswerte investiert zu bleiben, um sich auf mögliche Schocks vorzubereiten. Die damit verbundenen Opportunitätskosten können erheblich sein und sind je nach Anlage sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund führen wir einen detaillierteren Rahmen zur Klassifizierung dieser Vermögenswerte ein. Dieser Rahmen basiert auf 4 Überlegungen:

  • Risikoreduzierung, d. h. Reduzierung von Drawdowns, Volatilität etc.
  • Asymmetrie der Renditen, d.h. Vielseitigkeit als Fähigkeit des Vermögenswerts, mehr von der Wertentwicklung eines Vermögenswerts sowohl in steigenden als auch in fallenden Phasen einzufangen und Opportunitätskosten zu reduzieren (d. h. die Wertentwicklung, von der ein Anleger nicht profitiert hat, weil er in einen anderen Vermögenswert investiert war).
  • Diversifikation, d. h. unkorreliertes Verhalten gegenüber dem Rest des Portfolios und insbesondere gegenüber Aktien
  • Bewertung, d. h. ein billigerer Vermögenswert weist normalerweise weniger Spielraum für negative Wertentwicklung und auch weniger Crowding-Effekte auf

Um die Vielseitigkeit eines Portfolios zu verbessern, ist es wichtig, für potenzielle Investments alle vier Aspekte zu berücksichtigen.

Risikoreduzierung

Interessanter Ausgangspunkt zur ersten Überlegung ist das Gesamtrisiko. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um das Risiko in der Finanzierung auszudrücken: Volatilität, Tracking Error, relativer Drawdown u. a. Entgegen der weit verbreitenden Meinung sind solche Meßgrößen nicht vollständig austauschbar, und die Einstufung von Vermögenswerten gegenüber einer Meßgröße führt nicht zu den gleichen Ergebnissen wie die Einstufung gegenüber einer anderen. Gold weist beispielsweise eine aktienähnliche Volatilität auf, aber keine aktienähnlichen Drawdowns, die von seiner inhärenten positiven Schrägheit profitieren.

Insgesamt würde die Auswahl der Risikokennzahlen variierend von den Beschränkungen und Zielen der Anleger abhängen. Im weiteren liegt das Hauptaugenmerk auf den während der Drawdown-Phasen realisierten Performance.

Asymmetrie der Renditen

Nach der Fähigkeit zur Risikominderung ist das zweitwichtigste Merkmal eines defensiven Assets seine Vielseitigkeit, d. h. seine Fähigkeit zur Erzeugung einer Asymmetrie der Renditen. Bei der Vorbereitung auf eine Phase der Unsicherheit ist es wichtig, sich nicht nur auf das „Schlimmste“, sondern darüber hinaus auch auf andere Szenarien wie zum Beispiel eine unerwartete spätzyklische Rallye vorzubereiten.

Diversifikation

Im Kontext des Portfolios ist Diversifizierung maßgeblich. Einige Vermögenswerte verhalten sich derart asynchron, dass sie einem Portfolio unabhängig von ihren übrigen Eigenschaften einen Nutzen bringen. Staatsanleihen Yen und Gold zum Beispiel fallen in mit einer stark negativen Korrelation zu Aktien auf.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bewertung

Die Bewertung findet vor allem innerhalb der einzelnen Anlageklassen Anwendung, denn ihr Maß ist sehr unterschiedlich. Deshalb betrachten wir sie nicht über die Anlageklassen hinweg. Der hier geschaffene Rahmen soll Investoren bei der Beurteilung helfen, mit welchen Vermögenswerten und Investitionen sie unsichere Zeiten überstehen und mögliche zukünftige Krisen bewältigen können. Gold und Staatsanleihen haben sich bereits als starke Herausforderer erwiesen.

Coronavirus: Epidemie in China stört Erholungsszenario

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Zu Jahresbeginn sind die Märkte mit einer negative Entwicklung konfrontiert: Die Ausbreitung des Coronavirus in China und die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung. Die Märkte haben mit Kursrückgängen bei Aktien, Energie und Industriemetallen sowie Kursanstiegen bei kreditsicheren Anleihen reagiert.

Milde Erholung der Weltwirtschaft

Die Abschwächung des realen globalen Wirtschaftswachstums hat rund zwei Jahre gedauert. Mit einem Wert von rund 2 Prozent im Quartalsabstand (auf das Jahr hochgerechnet) war das Wachstum der Weltwirtschaft im vierten Quartal 2019 besonders schwach.

In den vergangenen Wochen haben die Anzeichen für eine Bodenbildung zugenommen. Insbesondere im schwachen Fertigungssektor verbesserten sich die Frühindikatoren. Hervorzuheben ist der Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor, der seit August 2019 eine leicht steigende Tendenz aufweist.

Leichte Erholung im Fertigungssektor

Quelle: JP Morgan Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Gut gelaufene Märkte

Diese positive Entwicklung war in den Marktpreisen zu Beginn des Jahres bereits enthalten. Seit September 2019 sind die Kurse risikobehafteter Wertpapierklassen gestiegen (positives Momentum). Die Marktteilnehmer waren mehrheitlich auf steigende Kurse positioniert (Übergewichtung von Aktien).Die Bewertungsmaßzahlen waren überdurchschnittlich. In einem solchen Umfeld sind die Märkte anfällig für eine Korrektur.

Coronavirus war Auslöser für Korrektur

Der exponentielle Anstieg der Infektionsraten und die außerordentlich scharfen Maßnahmen in China zur Eindämmung der Ausbreitung haben zu einem Anstieg der Risikoaversion der Investoren geführt.

Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Monate hätte es jedes beliebige ernstzunehmende Ereignis gewesen sein können. Die Eskalation zwischen dem Iran und den USA war nicht stark genug, die Epidemie in China schon.

Exponentiell ansteigende Infektionen mit dem Coronavirus (2019-nCov)

Quelle: IMF Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Ursache für Abschwung?

Die Unsicherheit ist gestiegen: Werden die negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum so stark sein, um die wahrscheinliche, milde Erholung des globalen Wirtschaftswachstums abzuwürgen? Sowohl das das Ausmaß (gering oder stark), die Dauer (ein Quartal oder länger) als auch die Breite (China, Asien oder global) der Auswirkungen sind unklar.

Jedenfalls ist positiv zu werten, dass das Wachstum der neuen Infektionen abnimmt. Die Zuwachsrate vom dritten auf den vierten Februar betrug 19 Prozent, eine Woche davor lag sie bei 35 Prozent. Diese abnehmende Tendenz ist der wichtigste Grund dafür, dass das Basisszenario „milde Erholung der Weltwirtschaft“ unverändert bleibt.

China ist wichtig

In China wurden Fabriken wurden geschlossen, Reisen verboten, Städte abgeriegelt und Quarantänen festgelegt. Das öffentliche Leben ist in manchen Städten zum Stillstand gekommen. Die angestellten Vergleiche zu früheren Fällen (SARS im Jahr 2003) hinken in einem wesentlichen Punkt: Die Bedeutung von China hat zugenommen.

Der Anteil von China am Welt-Bruttoinlandsprodukt ist von damals rund 9 Prozent auf knapp 20 Prozent im vergangenen Jahr angewachsen. Zudem sind die Wertschöpfungsketten auf globaler Ebene integriert. Ein Ausfall bei einem wichtigen Baustein beeinflusst das gesamte System.

Zunehmender Anteil von China am Welt-Bruttoinlandsprodukt

Quelle: IMF Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Zentralbanken als Stabilisator

Die Zentralbank in China (People‘s Bank of China) hat mit einer Zufuhr von zusätzlicher Liquidität reagiert um die Wirtschaft und die Märkte zu stabilisieren. Die in den Marktpreisen abgebildeten Erwartungen für die zukünftigen Zentralbank-Leitzinsen drehten innerhalb kurzer Zeit auf noch weitere Senkungen.

Hier setzten die Marktteilnehmer auf den etablierten Zusammenhang zwischen zunehmender Wachstumsunsicherheit, Verschärfung des Finanzumfeldes und Lockerung der geldpolitischen Haltung.

Diese Schlüsse zieht die Erste AM

  • Das Basisszenario „milde Erholung des Weltwirtschaftswachstums“ wird beibehalten. Diese wird jedoch nicht wie ursprünglich veranschlagt bereits im ersten Quartal 2020 sondern im zweiten Quartal Eine Fortsetzung der tendenziellen Verbesserung bei einigen wichtigen Wirtschaftsindikatoren wird im ersten Quartal wahrscheinlich ausbleiben.
  • Das nach unten gerichtete Risiko (Tail-Risiko) hat jedenfalls zugenommen.
  • Blick man über die kurze Sicht hinaus, bleiben risikobehaftete Wertpapierklassen wie Aktien attraktiver als Anleihen mit einer niedrigen Rendite wie Staats- und Unternehmensanleihen in der Eurozone.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Kandidaten gelten als wirtschaftsfreundlicher

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International, zum angekündigten Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und als Parteivorsitzende der CDU:

„Nach der Ankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und auch als Parteivorsitzende zurückzutreten, scheint der Weg frei für eine Schärfung des CDU-Profils. Nahezu alle jetzt im Spiel befindlichen möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer (Friedrich Merz, Markus Söder, Jens Spahn, Achim Laschet) gelten als wirtschaftsfreundlicher als die aktuelle CDU-Vorsitzende. Neue Positionierungen vor allem bei der Wachstums-, Investitions- und Steuerpolitik könnten folgen und sollten in Folge positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft haben. Wir gehen davon aus, dass eine solche Profilschärfung von Seiten der Unternehmen in Deutschland ausdrücklich begrüßt wird.“

Prognosen – interessant und irrelevant!

Der Jahresbeginn ist traditionell die Zeit der Ausblicke für das angebrochene Jahr. Banken und Fondsgesell­ schaften versorgen ihre Kunden mit Prognosen zu Aktien, Anleihen, Währungen und anderen Marktsegmenten. Heuer fallen die meisten Voraussagen positiv aus, vor allem was die Aktienmärkte betrifft. Dafür gibt es gute Gründe. Die wirtschaftliche Entwicklung ist weiterhin moderat positiv. Ein robuster Arbeitsmarkt unterstützt Konsum und Dienstleistungen. Der Industriebereich dürfte sich nach dem Abschwung der letzten Monate stabilisie­ren. Unterdessen bleibt die Inflation niedrig. Das erlaubt den Notenbanken, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen, im Klartext: negative Zinsen und Anleihenkäufe in der Eurozone, negative Realzinsen in den USA.

Die Unternehmen verdienen gut, wobei die Zuwachsraten im Einklang mit der Gesamtwirtschaft nur moderat ausfallen werden. In Summe ist dies ein gutes Umfeld für Aktien, auch wenn kurzfristige Korrekturen auftreten werden. Die aktuelle Markthektik um das Coronavirus ist ein solcher Moment.

Was könnte abseits davon noch schief gehen? Oft wird hier das Thema Inflation genannt. Wenn diese signifikant anstiege, wäre das außerordentlich negativ für viele Marktsegmente. Staatsanleihen ohnehin, aber vermutlich auch andere Anleihensegmente und Aktien würden unter die Räder kommen. Andere führen politische Risiken ins Treffen. Diesbezügliche Befürchtungen sind aber übertrieben, weil politische Börsen bekanntlich von kurzer Dauer sind. Schließlich wird bisweilen auch von einer kommenden Rezession gesprochen, immerhin sei der aktuelle Wachstumszyklus der längste der Geschichte und der Abschwung eine Frage der Zeit. Das stimmt grundsätzlich, aber aktuell belegen das die Daten nicht. Übrigens: Fondsanleger sollten sich ohnehin nicht an solchen Prognosen halten. Erstens ist die sinnvolle Behaltedauer eines Fonds viel länger als ein Jahr und zweitens können Prognosen ja auch falsch sein. Siehe 2019, das in dieser Form niemand erwartet hat.

Die Lage rund um die Corona-­Epidemie halten wir natürlich unter Beobachtung, haben aber aktuell noch keinen Grund zu wirklicher Sorge.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF. 

Globale Konjunktur: Geht es wieder aufwärts, oder...

Momentan heißt es: konjunkturelle Stabilisierung und insbesondere bei den Frühindikatoren auch Verbesserung im asiatischen Raum. Außerdem bleiben die Daten aus dem Arbeits-­ und Immobilienmarkt sowie aus dem Konsumbereich auf solidem Niveau. Einer dieser Indikatoren, der für eine Fortsetzung der seit nunmehr zehn Jahren andauernden positiven Konjunkturphase spricht, ist das immer noch gute Beschäftigungswachstum in den USA. Und – damit eng verbunden – das für die binnenorientierte US-Wirtschaft bedeut­ same Konsumentenvertrauen sowie die Immobilien­ Nachfrage, bei der sich ebenfalls nach wie vor positive Tendenzen zeigen.

Auch die Politik der Notenbanken sollte zunächst expansiv bleiben. Zuletzt hat sich daher erfreulicherweise die generelle Datenlage, gemessen am Economic Surprise Index, aufgehellt. Frühindikatoren, wie etwa die Managerumfragen im Industriebereich, insbesondere in China, aber auch in Europa, haben sich verbessert oder zumindest stabilisiert. Der Einfluss der Corona-Epidemie wird sich noch zeigen.

Rohstoffe und Währungen: Unruhiger Start im Jänner

Die konjunkturgetriebene Erholung der Rohstoffmärkte im Dezember konnte sich Anfang Jänner noch fortsetzen, brach jedoch mit der Markthektik um den Virusausbruch zusammen. Das Eis war doch noch zu dünn, die Energiepreise gaben über 10 % nach und notieren wieder nahe den Tiefständen des Vorjahres. Die Industriemetalle (Kupfer!) folgten fast ohne Verzögerung dieser Trendwende. Das sind konjunktursensible Werte und ein Nachfrageausfall aus China hinterlässt Spuren.

Lediglich der schon im Vorjahr feste Goldpreis hat sich in diesem Szenario erwartungsgemäß gut entwickelt, andere Edelmetalle wie Silber und Palladium, die ja auch von der Industrie nachgefragt werden, hingegen nicht.

Es scheint, als hätte das Coronavirus stärkere – negative – Auswirkung auf den Euro als auf den chinesischen Yuan. Dollar, Yen, Pfund und natürlich der Schweizer Franken, gerne als sichere Häfen gesehen, konnten krisenbedingt Ende Jänner zule­ gen, einige Emerging Markets verloren hingegen.

Strukturwandel in der Fiskalpolitik

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Arsenal an Werkzeugen, die einer Zentralbank zur Bekämpfung einer Rezession zur Verfügung stehen, ist ziemlich leer geräumt. Damit steigt der Druck auf die Fiskalpolitik, einen größeren Anteil in der Steuerung der Konjunktur zu übernehmen.

Nach dem abgetretenen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat auch der scheidende Gouverneur der Zentralbank im Vereinigten Königreich (Bank of England), Mark Carney, auf die Gefahr hingewiesen, dass Zentralbanken nicht mehr in der Lage sein würden, dem nächsten größeren Abschwung ausreichend mit Leitzinssenkungen zu begegnen.

Niedriges Zinsniveau

Der Ausgangspunkt ist das außerordentlich niedrige Zinsniveau. Der neutrale Zinssatz ist deutlich auf ein sehr niedriges Niveau gefallen. Der neutrale Zinssatz ist jener Zinssatz, der weder unterstützend noch restriktiv auf das Bruttoinlandsprodukt wirkt und im Einklang mit Vollbeschäftigung und einer stabil niedrigen Inflation ist.

Dieser Zinssatz ist einer der wichtigsten Bausteine in der Volkswirtschaftslehre, aber naturgemäß nur mit einer erheblichen Unsicherheit zu schätzen. Einer der bekanntesten Schätzungen zufolge (Laubach / Williams von der US-amerikanischen Zentralbank) beträgt er für die USA 0,61 Prozent und für die Eurozone 0,2 Prozent. Dieser Zinssatz ist ein realer Zinssatz, wird bereinigt um die Inflation.

Dazu kommt, dass der neutrale Zinssatz nicht notwendigerweise der Leitzinssatz einer Zentralbank, sondern eher die Verzinsung eines globalen Portfolios von Staatsanleihen ist. Denn das Ausmaß von allen Finanzprodukten ergibt auf globaler Ebene mittlerweile einen Wert von 400.000 Milliarden US-Dollar. Das übersteigt um das Fünffache das globale Bruttoinlandsprodukt von 80.000 Milliarden US-Dollar und verdeutlicht, warum die negative Rückkopplung von Kursrückgänge bei Wertpapieren auf das Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt werden muss.

Die Rendite eines Index globaler Staatsanleihen (Bloomberg / Barclays) beträgt im 10-Jahres-Durchschnitt 1,4 Prozent. Abzüglich der durchschnittlichen Inflation im OECD-Raum (1,9‘Prozent p.a.) ergäbe das eine Schätzung für den realen neutralen Zinssatz auf globaler Ebene von -0,5 Prozent.

Schlussfolgerung: Der nominelle Zinssatz kann nicht mehr viel fallen. Und der reale Zinssatz fällt nur dann substanziell, wenn die Inflation deutlich steigt. Die expansiven Geldpolitiken alleine werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um vom Risiko-Szenario einer säkularen Stagnation wegzukommen (anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum, erhöhte Arbeitslosigkeit, niedrige Inflation, niedrige Zinsen, niedriges Wachstum der Unternehmensgewinne).

Gefallenes Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Niedrige Investitionen

Der Zinssatz ist der Preis für Kapital. Wenn der Zinssatz niedrig ist, gibt es auf globaler Ebene entweder zu viel Kapital oder zu wenig Investitionen.

6 Gründe für das deutliche gefallene Zinsniveau

  1. Demografie: Der bedeutendste Einflussfaktor ist die demografische Entwicklung. Das Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung fällt seit vielen Jahren. Mittlerweile stagniert diese Bevölkerungsgruppe im OECD-Raum nur noch. Das bedeutet unter anderem eine geringere Notwendigkeit an Investitionen. Erst auf die lange Sicht könnte die Überalterung der Gesellschaft ein ansteigendes Zinsniveau bewirken, wenn die Pensionisten die Sparquote verringern.
  2. Digitalisierung: Diese benötigt weniger Investitionen im Vergleich zu früheren Innovationen und ist disruptiv (ersetzt bestehende Unternehmen und Strukturen).
  3. Produktivität: Ähnlich wie bei der demografischen Entwicklung bedeutet ein fallendes Produktivitätswachstum anfangs eine geringere Nachfrage (Konsum und Investitionen). Erst langfristig könnte das gefallene Produktivitätswachstum zu einem Anstieg der Inflation (und der Zinsen) führen.
  4. Investitionen: Die niedrige Investitionstätigkeit ist ein wesentlicher Grund für das niedrige Zinsniveau. Der stark steigende Bedarf von Investitionen in den Umweltbereich könnte tatsächlich ein „Game Changer“ sein.
  5. Ungleichheit: Die Einkommensunterschiede zwischen den unteren und oberen Einkommensgruppen haben zugenommen. Das hat den Spardruck in den unteren Einkommensgruppen erhöht. Auch hier könnte es langfristig betrachtet zu einer Trendumkehr kommen. Denn die zunehmende Ungleichheit ist einer der wichtigsten Gründe für die zahlreichen populistischen Bewegungen. In der Tendenz bedeuten sie eine inflationäre Politik (Anti-Globalisierung, höhere Budgetdefizite). Für die etablierten Regierungen steigt der Anreiz, die Budgetdefizite auszuweiten, um nicht abgewählt zu werden.
  6. Schulden: Die angestiegenen Staatsschulden haben im OECD-Raum bis vor kurzem für eine restriktive Fiskalpolitik gesorgt, sprich: das Wirtschaftswachstum gedämpft: Das um den Wirtschaftszyklus bereinigte Budgetdefizit ist im OECD-Raum von 2010 (-5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt) bis 2017 (-0,03 Prozent vom BIP) deutlich gesunken. Danach ist eine leichte Ausweitung der Defizite zwei Jahre in Folge auf 1,4 Prozent im Jahr 2019 erfolgt.

Struktureller Anstieg der Budgetdefizite

Argumente, die gegen eine strukturelle Ausweitung der Budgetdefizite angeführt werden:

  1. Es besteht eine Notwendigkeit für die „kreative Zerstörung“ (alte Unternehmen werden durch neue ersetzt).
  2. Konsumenten würden die Sparquote erhöhen, wenn die Budgetdefizite ansteigen (wahrscheinlich noch nie geschehen).
  3. Die Schulden müssen von der nächsten Generation zurückgezahlt werden (deflationäre Wirkung), erhöhen die Verletzlichkeit in einer Krise, verringern den budgetären Spielraum und könnten auf  lange Sicht das Vertrauen in die Währung beeinträchtigen.

Die Kritikpunkte treffen nur teilweise zu und übersehen zwei wichtige Gesichtspunkte: Solange das Zinsniveau unter dem nominellen Wirtschaftswachstum liegt, ist die Schuldendynamik nachhaltig. Das heißt, es besteht ein struktureller Spielraum für die Bekämpfung des Klimawandels (höhere strukturelle Budgetdefizite).

Zyklische Budgetpolitik

Zudem berühren die obigen Kreditpunkte nicht die Kernaussage der beiden Zentralbank-Chefs, Draghi und Carney, die eine zyklische Fiskalpolitik als Ersatz für die mangelnde Effektivität der (zyklischen) Geldpolitik meinen. Ausweitung der Budgetdefizite im konjunkturellen Abschwung, Verringerung der Defizite im Aufschwung.

Dieses Werkzeug ist bis dato noch mangelhaft ausgebildet. Die sogenannten automatischen Stabilisatoren wirken (zum Beispiel: Anstieg der Arbeitslosenversicherung in der Rezession), reichen aber nicht aus. Zudem wird auf die Verringerung des Defizits gerne vergessen. Der Bedarf für eine zyklische Budgetpolitik ist jedenfalls angestiegen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Coronavirus: the economic and market impact

Ben Bennett, Head of Investment Strategy and Research at Legal & General Investment Management, explains, what sort of economic impact the coronavirus and associated disruption will have.

This year started so well for markets: the UK general election provided Brexit clarity, Presidents Donald Trump and Xi Jinping declared a trade-war ceasefire, and global manufacturing activity looked as though it was on the mend. All this after global central banks turned the liquidity taps on, encouraging investors to get stuck in to equity and credit markets across the globe.

But then came along the coronavirus. Now I’m not an expert in epidemics, so I’m not going to make any predictions about the disease. But here at LGIM, we do have a fair bit of expertise on economic growth and financial markets. Without passing judgment on the reaction to the outbreak, the facts are that China has extended holidays in a number of provinces, impacting hundreds of millions of people and countless factories, and many countries have cancelled air travel to China and restricted the ability of Chinese citizens to enter their country. What sort of economic impact does this have?

Here are a few observations:

  • By looking at the relationship between infection rates and economic growth during the 2003 SARS epidemic, our economics team weighted different Chinese provinces by the severity of the outbreak, estimating that total Chinese GDP in the first quarter could be around 3% lower than last year. This assumes that the situation doesn’t materially worsen.
  • A second method is to reduce the growth in our models of all provinces that are currently shut down by a similar amount. In doing so, we have estimated what activity is likely to have stopped and what might still be taking place. This method suggests that each week of closure is worth around 3% of GDP in the first quarter. So if things take two more weeks to reopen, then just double this.
  • The two methods come out with similar numbers, so let’s put the range somewhere between 3% and 6% of GDP in the first quarter. At first glance this seems a lot, but we think it should prove temporary – this has generally been the case in recent years when natural disasters or epidemics interrupted economic activity. So, assuming there is a rebound in the second quarter, the impact over the whole of 2020 is likely to be much smaller, perhaps around 1% of Chinese growth.
  • And then you have to consider Chinese policy support. Policymakers in the country have already announced interest-rate cuts and bank liquidity injections, aiming to avoid credit crunches and mass layoffs. And I wouldn’t be surprised if we see accelerated government spending in the form of new investment projects or targeted tax cuts in the coming weeks.
  • We’ve also looked at the impact such a Chinese slowdown would have on the rest of the world. My colleagues will write about this in future blogs, but away from tourism and supply-chain disruptions, we’re not all that worried.

The major caveat is that the epidemic could get worse. We’re assuming things get back to normal in a couple of weeks, but if China shuts down for a lot longer, or if the disease spreads globally, then the disruption could become much more severe. You don’t simply add up the 3% GDP decline for each week; you have to compound supply-chain chaos as well as the potential for over-levered entities to get into trouble even if authorities try their best to help. So, like everyone, we’ll be watching the data on infections and how policymakers react very closely indeed.

What about markets? Again, I can make some observations:

  • A few markets have already reacted, notably government bond yields, Chinese equity markets, oil, and high-yield credit (this is at least partly due to the number of oil companies within this index).
  • Interestingly, global equity and investment-grade credit markets haven’t been much affected. Even emerging-market assets, away from certain Chinese sectors like travel, have been pretty resilient. Indeed, the fall in government bond yields has helped investment grade and emerging-market debt post positive returns over this period.
  • Given the above economic analysis, I can see why broader markets have been robust, under the assumption that the disease is brought quickly under control and the global growth impact is small and temporary. But if things get worse, then I can imagine quite a bit of downside for global markets.

One option for investors is to reduce risk in assets that have thus far been resilient – you’re not losing much upside at these levels even if the virus is quickly beaten. Instead, you could add a bit of risk in those markets I mentioned that have already moved.

What I can say with relative certainty is that the next few days will prove critical in determining whether the coronavirus proves a transitory market risk or whether we need to recalibrate our base case of a supportive macro backdrop for 2020.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

„Investieren wie ein Digitalunternehmer“

Internet-Unternehmen spielen nach Ansicht von Jan Beckers eine zunehmend wichtige Rolle am weltweiten Aktienmarkt. Viele dieser Unternehmen werden sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren im Wert vervielfachen, was Investoren Chancen für attraktive Renditen eröffnet, so der Gründer von BIT Capital und Referent beim 171. Hedgework weiter. In seinem Vortrag zeigt er auf, wie spezielle Branchenkenntnisse und ein Expertennetzwerk sowie solide Fundamentalanalysen und innovative Datenauswertungen in überdurchschnittliche, nachhaltige Renditen umgemünzt werden können.

HEDGEWORK: Herr Beckers, Sie haben einen Aktienfonds namens Global Internet Leaders aufgelegt, mit dem Sie in die weltweit aussichtsreichsten Internetfirmen investieren wollen. Das haben Ihre Wettbewerber auch so vor Augen. Was machen Sie anders?

Jan Beckers: Als Internetunternehmer und Seriengründer verfüge ich selbst über viel Erfahrung, Know-How und ein entsprechendes Netzwerk in diesem Bereich. Unser Ziel ist es, die Unternehmen zu finden, welche die breite Masse der Anleger noch gar nicht kennt. Durch unsere langjährige Erfahrung im Internetsektor, sowohl als Investoren als auch als Unternehmer, sind wir in der Lage, eben diese Unternehmen schneller zu identifizieren als andere Fondsmanager und so sehr früh entstehende Trends im Technologiebereich zu erkennen und einzusteigen. Da wir persönlich mit einem signifikanten Betrag in die Global Internet Leaders Fonds investiert sind, sitzt das Management von BIT Capital mit den Anlegern in einem Boot. Außerdem bieten wir Anlegern in unserem Publikumsfonds verschiedene Vergütungsformen an – zum Beispiel eine performanceorientierte Variante, in der die Investoren uns erst dann vergüten, wenn die Performance 7,0 Prozent im Jahr übersteigt.

HEDGEWORK: Welche Unternehmen kommen für den Fonds grundsätzlich infrage?

Beckers: Wir haben uns auf Investments in börsennotierte Internetunternehmen spezialisiert, meist mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 30 Milliarden USD. Aus einem Anlageuniversum von potenziell relevanten Internetunternehmen filtern wir anhand qualitativer und quantitativer Filter etwa 150 Unternehmen heraus, die wir langfristig für attraktiv halten und kontinuierlich beobachten. Daraus wählen wir dann die attraktivsten 15 bis 30 Aktien für unser Portfolio aus.

HEDGEWORK: Welche Besonderheit müssen die mitbringen, um sich für ein Investment zu qualifizieren?

Beckers: Wir konzentrieren uns auf erstklassige Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial in attraktiven Märkten. Wir identifizieren dominante Trends im Internet und investieren dann in jene Unternehmen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesen Trends profitieren werden. Sie sollen in vier oder fünf Jahren die beherrschenden Unternehmen in ihren Märkten mit nachweislich überlegener Wirtschaftlichkeit sein. Die Selektion basiert dabei auf den Grundprinzipien des Value Investing – wir haben den Ansatz aber für Technologiewerte weiterentwickelt. Neben einem starken Wachstum ist für uns auch die Unternehmensqualität von besonderer Bedeutung. In Verbindung mit sektorspezifischen Daten und Expertengesprächen zu Geschäftsmodell, Technologie und Humankapital versuchen wir zu ermitteln, wie lange ein Unternehmen wohl weiter wachsen wird.

HEDGEWORK: Auf welche Unternehmenskennziffern legen Sie größeren Wert?

Beckers: Ein wesentlicher Faktor bei unserer Investitionsentscheidung ist die Attraktivität der aktuellen Bewertung des jeweiligen Unternehmens. Bei diesem Kriterium fallen am häufigsten Firmen aus unserer Selektion heraus. Wir verfolgen einen aktiven Ansatz und nutzen daher auch fortlaufende Indikatoren, um sicherzustellen, dass wir zu den richtigen Zeitpunkten in den richtigen Unternehmen investiert sind. Diese Unternehmen weisen sehr häufig die Gemeinsamkeit auf, dass sie Plattformen etablieren, von welchen alle Akteure ihrer Wertschöpfungskette profitieren und diese Plattformen dann sehr schnell skalieren. Es hat sich als bewährt erwiesen, ein florierendes Ökosystem aufzubauen, in dem alle Stakeholder einen Anreiz haben, zum Erfolg beizutragen.

HEDGEWORK: Um wirklich aussichtsreiche Titel herauszupicken, braucht es zudem viel Erfahrung und wohl auch den richtigen Riecher. Was qualifiziert Sie hierfür?

Beckers: Die Analyse von Internetunternehmen kann nicht auf eine Handvoll Messdaten reduziert werden. Wir sammeln Informationen aus unserem globalen Expertennetzwerk, um gut geführte Branchenführer zu identifizieren, die an öffentlichen Märkten zu angemessenen Preisen verfügbar sind. Dafür braucht es entsprechende Erfahrung. Als Business Angel habe ich früh in Tech-Unternehmen investiert und später selbst über 20 Internetunternehmen gegründet. Dadurch kenne ich sowohl die Unternehmer- als auch Investorenseite sehr gut. Zudem investiere ich seit 2006 in Internetaktien – mit sehr guten Investmenterfolgen. Angefangen habe ich mit 16 Jahren, als ich meine Eltern dazu überredete, die Führerscheinersparnisse für mich in Aktien von Electronic Arts zu investieren.

HEDGEWORK: Können Sie ein paar Beispiele für erfolgreiche Investments nennen?

Beckers: In meinem Unternehmensportfolio ist finleap ein gutes Beispiel, weil wir mit mehr als 10 erfolgreichen FinTech-Gründungen wie solarisBank, Clark oder Element einen starken Impuls für Deutschlands aufstrebende Rolle als FinTech-Standort gegeben haben. Als Privatinvestor habe ich in den acht Jahren vor dem Start von BIT Capital eine von Ernst & Young geprüfte und bestätigte Performance von 26,3 Prozent p.a. erzielt. Besonders hervorheben würde ich hier zum Beispiel Tencent, bei denen ich früh investiert habe. Und bei der Global Internet Leaders Strategie lohnt es sich, Roku und The Trade Desk zu erwähnen. Auch hier sind wir früh eingestiegen und die Werte haben sich sehr zur Freude unserer Investoren vervielfacht.

HEDGEWORK: Von welchen Firmen bzw. bei welchen Warnsignalen würden Sie hingegen die Finger lassen?

Beckers: Wir lassen die Finger von Unternehmen, die nach klassischen Finanzkennzahlen zwar vermeintlich günstig aussehen, aber keine hohe Unternehmensqualität aufweisen.

HEDGEWORK: Sie zielen mit Ihrem Fonds auf langfristig ausgerichtete Anleger ab. Glauben Sie, dass das Thema Internet dauerhaft trägt?

Beckers: Die Digitalisierung wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich stärker bemerkbar machen und verschiedene Schlüsseltechnologien werden auch traditionelle Unternehmen langfristig umkrempeln. Deshalb sind wir überzeugt davon, dass Investments in Internet- und Technologieaktien auch in 10 Jahren noch eine sehr rentable Anlage sein werden. Was hierbei sehr interessant ist: Seit Auflage unseres Fonds vor ungefähr 18 Monaten hinken Internet-Aktien deutlich hinter dem breiteren Technologiemarkt hinterher. Dies ist in den letzten zehn Jahren nur zweimal der Fall gewesen – und hat jedes Mal zu einer starken Aufholjagd bei Internet-Titeln geführt.

HEDGEWORK: Die Konzentration auf Internetfirmen könnte man auch als Klumpenrisiko bezeichnen. Sehen Sie diese Gefahr? Und wie gehen Sie ggf. dagegen an?

Beckers: Das sehe ich anders. Wir wollen mit der Global Internet Leaders Strategie ja nicht den nächsten breit gestreuten, Benchmark-nahen Aktienfonds etablieren, der den MSCI World nach Kosten um x Prozent schlägt, sondern auf Basis unserer Branchenkenntnis echten Mehrwert für unsere Investoren liefern. Diese Spezialisierung macht sich nicht nur durch ein zweistelliges Alpha gegenüber unserer langfristigen Benchmark bemerkbar, sondern auch in der Korrelation gegenüber dem MSCI World, die unterhalb von 0,5 liegt, was einen echten Diversifikationsnutzen liefert.


Jan Beckers (links, mit Uwe Lill) ist Gründer von BIT Capital und Excutive Chairman der IONIQ Group. Er entdeckte seine Leidenschaft für Aktien bereits in der Jugend. Nach seinem BWL-Studium in Münster hat er ab 2007 in Berlin eine Vielzahl erfolgreicher Internet-Unternehmen aufgebaut und hierbei weit über 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Er wurde 2014 von Ernst & Young als Deutschlands “Unternehmer des Jahres” ausgezeichnet.
Als Business Angel beteiligte Jan sich an den frühen Finanzierungsrunden von Unternehmen wie Delivery Hero (Restaurant Marktplatz) und Clio (SaaS) und investierte noch vor dem IPO in Mitarbeiteranteile von Facebook und Linked-In.
Dem Aktienmarkt blieb er über all die Jahre kontinuierlich eng verbunden und nutzte sein Marktverständnis als Internet-Unternehmer, um frühzeitig auch bei den spannendsten börsennotierten Internet-Unternehmen dabei zu sein. 

BIT (Berlin Investment Technology) Capital ist ein Asset Manager, der sich auf Investments in börsennotierte Internetunternehmen fokussiert. Das Team investiert aus Europa heraus weltweit – insbesondere in den USA, China und Europa – und verfolgt einen aktiven und datengetriebenen Investmentansatz, mit dem je nach Strategie konzentriert in bis zu 30 besonders aussichtsreiche Unternehmen investiert wird.
BIT Capital ist eine BaFin-regulierte Vermögensverwaltungsgesellschaft. Sämtliche Anlegergelder und Aktien der hauseigenen Fonds werden von renommierten Banken und Verwahrstellen gehalten. 

KONTAKT

BIT Capital GmbH
Julian Brosch
Tel.: +49 175 9059155
E-Mail: julian.brosch@bitcap.com
www.bitcap.com 

ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT: Rückblick 2019 & Ausblick 2020

2019 war insgesamt ein sehr freundliches Aktienjahr, die globalen Märkte konnten Kurszuwächse von mehr als 30% verbuchen. Wie hat sich der Nachhaltigkeitsfonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT geschlagen?

Solar und Windenergie die bestimmenden Faktoren

Von den Themen im Fonds hat sich im vergangenen Jahr insbesondere der Bereich Solarenergie überaus erfreulich entwickelt und konnte, gemessen am Invesco Solar ETF sogar einen Anstieg um 69% verzeichnen.

Die Gewichtung des Solarsegments im WWF Stock Environment mit beinahe 20% lieferte dementsprechend auch positive Beiträge zur Performance des Fonds.

Stark entwickelte sich auch der Bereich Abfallwirtschaft & Recycling, während sich das Thema Wasser mit einem Anstieg von 30,8% (Bloomberg World Water Index) marktkonform zeigte. Unter der Gesamtmarktentwicklung lag die Performance des Bereichs Transport mit 24,8% (Bloomberg World Transportation Index), vor allem aber das Thema Windenergie.

Der Bloomberg Windenergieindex zeigte trotz des freundlichen Marktumfelds auf Jahresbasis einen Rückgang von mehr als 5%. Durch die relativ niedrige Gewichtung von Aktien aus dem Bereich Windenergie von weniger als 6% konnten die negativen Auswirkungen auf den Fonds allerdings in Grenzen gehalten werden.

Titelselektion entscheidend

Den größten Beitrag zur überdurchschnittlichen Entwicklung des Fonds im abgelaufenen Jahr lieferte die Titelselektion. Bei Enphase Energy bestätigte sich der 2018 durch das neue Management gestartete Turnaround und die Aktie konnte ihren Höhenflug 2019 ungebremst fortsetzen.

Mit einem Anstieg von mehr als 430% war der Titel das erfolgreichste Investment des Fonds im vergangenen Jahr. Aber auch andere Solarwerte wie Solaredge (+175%), Daqo (+118%) oder Xinyi Solar (+115%) lieferten wesentliche Beiträge zur Performance des Fonds.

Daneben zeigten vor allem Titel aus dem Bereich Brennstoffzelle/Wasserstoff deutliche Zugewinne. So konnten Hydrogenics (208%, Übernahme), Ballard Power (183%) oder Nel ASA (+90%) den Gesamtmarkt deutlich outperformen.

Diverse Übernahmen sorgten aber auch bei Aktien aus anderen Bereichen für größere Kurssprünge und entsprechend positive Performancebeiträge: Maxwell Technologies (von Tesla übernommen, +103%), Bellamy’s Australia (+78%), Pattern Energy (+59%) oder Huaneng Renewables (51%) sind nur einige Beispiele dafür.

Aussichten von Unternehmen aus dem Umweltbereich

Die Übernahmeangebote setzten sich auch zum Jahreswechsel fort (Aquaventure, Terraform Power) und zeigen die interessanten Aussichten von Unternehmen aus dem Umweltbereich. Auch der Bereich Brennstoffzellen setzte seine Anstiege im neuen Jahr ungebremst fort. Einzelne Titel konnten alleine in den ersten Wochen des neuen Jahres um 50% bis 70% zulegen.

Während die Bewegung in diesem Bereich zumindest kurzfristig zur Vorsicht mahnt, bleiben die Aussichten für andere Themen im Fonds unverändert positiv.

Vor allem das Solarsegment sollte, trotz der starken Anstiege des Vorjahres, aufgrund weiter gefallener Kosten bei gleichzeitig steigenden Wirkungsgraden auch weiterhin interessante Zukunftsaussichten bieten.

In vielen Teilen der Welt zählt Solarenergie mittlerweile zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung, womit die Notwendigkeit von Subventionen wegfällt, was insgesamt sehr positiv zu beurteilen ist.

Die in den vergangenen Jahren deutlich gefallenen Preise für Batterien (- 80% seit 2010, alleine seit 2015 haben sich die Kosten für Batterien halbiert!) verhelfen nicht nur der Elektromobilität zum Durchbruch sondern werden in absehbarer Zeit dazu führen, das Solar- bzw. Windenergie inkl. Speicherung die günstigste Form der (schwankungsfreien) Stromerzeugung darstellen, was unweigerlich zu einer weiteren Beschleunigung der Nachfrage führen wird. Aber auch andere Bereiche des Fonds wie Recycling (Stichwort: Plastik) oder Wasser rücken immer stärker ins Bewusstsein von  Bevölkerung und Politik und sollten daher auf Jahre deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen.

FAZIT

Letztendlich wird die Entwicklung des Fonds aber auch im Jahr 2020 stark davon abhängen, wie sich die internationalen Aktienmärkte entwickeln. In einem anhaltend freundlichen Umfeld sind auch die Aussichten für den Erste WWF Stock Environment positiv einzuschätzen. Im November werden die Wahlen in den USA jedenfalls noch einmal für Spannung sorgen –  nicht zuletzt für Fonds aus dem Umweltbereich. Die größten Gewichtungen des Fonds liegen aktuell im Bereich „Erneuerbare Energie“ (31%) gefolgt von „Energieeffizienz“ (20%), Wasser (15%) sowie Mobilität, Energiespeicherung und Recycling (jeweils ~9%).


Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT investiert weltweit in Unternehmen der Umweltbranche. Dabei stehen folgende Themen im Vordergrund: Wasseraufbereitung und -versorgung, Recycling und Abfallwirtschaft, Erneuerbare Energie, Energie-Effizienz und Mobilität. Zwischen Erste Asset Management und WWF (World Wide Fund for Nature) besteht seit Oktober 2006 eine Kooperation, in deren Rahmen das Fondsmanagement durch einen vom WWF initiierten Umweltbeirat unterstützt wird. Gleichzeitig spendet die Erste Asset Management einen Teil ihrer Einnahmen dem Wasserschutzprogramm des WWF Österreich.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

ESG-Ratings – fünf häufige Fallstricke

ESG-Ratings haben sich mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil bei die Wertpapier-, Fonds- und Mandatsauswahl entwickelt, was zu einer steigenden Zahl an Datenanbietern geführt hat. Allerdings bringen ESG-Ratings eine Reihe von Herausforderungen mit sich, über die sich Anleger und Asset Manager im Klaren sein müssen.

ESG-Bewertungen haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und betrachten heute ein Unternehmen in der Regel nicht mehr nur auf Basis einer potenziell vorhandenen ESG-Policy, sondern vor allem auf Basis des tatsächlichen Unternehmensverhaltens. Dennoch sollten Investoren bei der Verwendung externer ESG-Ratings Vorsicht walten lassen. „Es gibt nach wie vor Fallstricke und bisweilen widersprüchliche Ergebnisse", so Jeroen Bos, Head of Specialised Equity & Responsible Investing bei NN Investment Partners (NN IP). „Diese Fallstricke können jedoch überwunden werden.“

NN IP hat fünf häufige Fallstricke identifiziert, mit denen Investoren bei der Nutzung externer ESG-Ratingagenturen rechnen müssen:

Größere Unternehmen werden tendenziell begünstigt

ESG-Ratings lassen oft eine Größen-Bias erkennen, größere Unternehmen schneiden im Durchschnitt besser ab. Das bedeutet aber nicht, dass größere Unternehmen tatsächlich stärker auf die Umwelt oder die Gesellschaft achten. Meistens liegt das bessere Rating daran, dass größere Unternehmen über mehr Ressourcen verfügen, um ihre ESG-Politik und ihre Aktivitäten in diesem Bereich herauszustellen und zu reporten.

Branchenneutralität kann zu widersprüchlichen Ergebnissen führen

Die meisten ESG-Bewertungsmethoden sind allen Branchen gegenüber neutral eingestellt. Das bedeutet, dass es in jeder Branche die gesamte Bandbreite an ESG-Bewertungen gibt. Selbst in Branchen mit ernsthaften Nachhaltigkeitsproblemen – wie Öl, Gas und Tabak – schneiden einige Unternehmen bei den ESG-Kennzahlen sehr gut ab, z.B. aufgrund einer vorhandenen und auf dem Papier detaillierten ESG-Policy.

Die Korrelation zwischen ESG-Ratings ist gering

Untersuchungen von CSRHub zeigen, dass die Korrelation zwischen den ESG-Bewertungen verschiedener Ratingagenturen sehr gering ausfallen und bei nur 0,3 liegen kann. Das weist auf eine deutliche Inkonsistenz hin. Weitere Studien bestätigen diese Diskrepanz. Das veranschaulicht den subjektiven Charakter von ESG-Bewertungen, der zum Teil auf die verschiedenen Bewertungsmethoden zurückzuführen ist. Dennoch können die Erkenntnisse und Argumente, die den einzelnen ESG-Bewertungen zugrunde liegen, natürlich sehr hilfreich sein.

Viele Ratings werden von der Zeit überholt

Die Bewertungen der traditionellen ESG-Ratingagenturen können überholt sein, die aktuelle ESG-Bewertung eines Unternehmens kann durchaus genau seiner Bewertung von vor drei Jahren entsprechen. Das lässt sich zum Teil darauf zurückführen, dass der Bewertungsturnus sehr lang ist und sich zudem bestimmte ESG-Datenpunkte in der Regel nicht stark verändern. Es besteht die Gefahr, dass sich Veränderungen in den zugrunde liegenden ESG-Trends erst nach einiger Zeit in den ESG-Ratings niederschlagen. Mittlerweile gibt es jedoch neue ESG-Ratingagenturen, die sich durch den Einsatz neuer Technologien auf zeitnahe, situationsbedingte und auf dem Nachrichtenfluss basierende ESG-Daten konzentrieren, die sich häufiger aktualisieren.

Es gibt kaum Reporting-Standards

Die Erhebung solider, umfassender Daten bleibt eine Herausforderung. Das liegt hauptsächlich daran, dass Unternehmen nicht verpflichtet sind, umfangreich über verschiedenste ESG-Daten zu berichten. Obwohl viele Unternehmen freiwillig ESG-Informationen zur Verfügung stellen, mangelt es oft an Konsistenz, weil die Aufsichtsbehörden nicht in dem Maße Standards festlegen, wie sie es z. B. bei Finanzdaten fordern.

Jeroen Bos: „ESG-Ratings basieren sehr stark auf Meinungen, weniger auf Fakten. Daher ist es entscheidend, die dem jeweiligen Rating zugrunde liegenden Standpunkte zu verstehen. Da ESG-Bewertungen des gleichen Unternehmens von verschiedenen Rating-Agenturen sehr unterschiedlich ausfallen können, sind die Kombination verschiedener Quellen und deren Verknüpfung mit eigenen Analysen notwendig.“

Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit positivem ESG-Momentum bessere risikobereinigte Renditen aufweisen als Unternehmen mit stagnierenden ESG-Scores, selbst wenn diese hoch sind. Deshalb ist es wichtig, die ESG-Fortschritte der Unternehmen in den Fokus zu rücken und nicht ihre verschriftlichte ESG-Policy. Darüber hinaus können Investoren durch aktiven Dialog mit den Unternehmen erheblich zur Verbesserung der ESG-Daten beitragen. Nicht zuletzt könnten neue Technologien wie Natural Language Processing (NLP), das natürliche Sprache erfasst und Texte computerbasiert mithilfe von Algorithmen verarbeitet, unsere ESG-Erkenntnisse weiter vertiefen, da dank NLP die Vollständigkeit, Aktualität und Qualität der Datensätze verbessert werden kann.


Über NN Investment Partners

NN Investment Partners (NN IP) ist der Asset Manager der NN Group N.V., einer an der Euronext Amsterdam gehandelten Aktiengesellschaft. NN IP hat seinen Hauptsitz in Den Haag, in den Niederlanden und verwaltet insgesamt rund 287 Mrd. Euro* (313 Mrd. US-Dollar*) Assets under Management für institutionelle Kunden und Privatanleger weltweit. NN IP beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und ist in 15 Ländern in Europa, USA, Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten vertreten. *Stand: 30. September 2019
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.nnip.com und www.nn-group.com

UK equities: Rule Britannia?

After a few years of being ‘uninvestable’ for some global investors, a much less uncertain political landscape is making the UK stock market interesting again. We’re long, explains Lars Kreckel, Global Equity Strategist at Legal & General Investment Management.

You can’t really blame international investors for steering clear of UK equities over the past few years. Even for someone based in the UK and with a keen interest in politics, it has been nigh-on impossible to stay on top of the many political twists and turns. The sheer number of market-relevant open questions was mind boggling. Who controls the Brexit process? Who will be the Conservative leader? Will there be an early election? Who will be the next prime minister? Could there be a far-left prime minister? When will Brexit happen? What form will Brexit take?

With UK equities only accounting for a small part of global equity benchmarks, it would have taken a disproportionate amount of time and effort to stay on top of all these developments. It was easier not to be involved and focus scarce research time on other topics.

This trend left a mark in a lot of places. Fund-flow data showed unprecedented outflows from UK equity funds. Surveys repeatedly flagged the UK as far and away the least popular region for equity investors. One of my personal favourites was an October survey showing the UK as the region investors thought was least likely to outperform over the next decade. Capitulation.

In equity terms, this political risk premium was reflected in a broad de-rating against other regions. UK stocks traditionally trade on a higher dividend yield, but the yield gap between the FTSE 100 and MSCI World indices roughly doubled over the past few years. It’s a similar picture on earnings multiples. Most of the UK’s underperformance in the run up to the EU referendum had been driven by a lack of earnings growth. But since then, de-rating has contributed a large part of the underperformance.

We don’t expect the political risk premium to disappear overnight: while there is less uncertainty than last year, there are still some unanswered questions and global portfolios are not all adjusted instantly. As of mid-January, about a quarter of the outflows has reversed as well as a smaller proportion of the relative de-rating.

We initiated a long position in UK equities against other developed markets ahead of the December election. With valuations forming a significant part of the investment case, we expect to hold this position for longer than just a tactical bounce.


This article has first been published on macromatters.lgim.com.

Fixed Income: Raus aus der Nische

Weil Niedrigzins immer öfter Negativzins bedeutet, suchen viele Investoren nach Alternativen. Echte Alternativen sind aber nur Strategien, die die Liquidität nicht zu stark einschränken oder das Risikobudget zu stark belasten. „Solche Anlagen findet man in Nischen, nicht auf dem breiten Markt“, sagt Stephan Bannier, Leiter des Deutschland-Geschäfts von Legg Mason. „Die Stärke liegt in der Kombination der Nischen zu Strategien.“

Dabei sind bei vielen Kunden Kapitalerhalt und Einkommenserzielung gleich wichtige Ziele – die allerdings gemessen am Risiko in verschiedene Richtungen zeigen. „Der entscheidende Punkt ist, die Kombination von Chancen möglichst nicht zu einer Kombination von Risiken werden zu lassen“, sagt Bannier. Werden bei der Asset Allokation beispielsweise globale ökonomische Zusammenhänge berücksichtigt, lassen sich auch scheinbar unzusammenhängende Risiken gegeneinander stellen und so ausgleichen. „Beispielsweise könnte das Thema China und die weitere Entwicklung des Renminbi durchaus eine Rolle spielen“, so Bannier. „Abgesichert werden kann es direkt, aber etwa auch durch den Einsatz von Währungsprodukten auf den koreanischen Won und den Taiwan-Dollar.“ Diese stehen als große Handelspartner Chinas in engem Verhältnis, trotzdem lassen sich aus den Unterschieden bessere Risiko-Rendite-Profile gewinnen und in den Strategien einsetzen.

Diese Strategien sind einem beständigen Wandel unterworfen. „In den vergangenen drei Jahren hatten wir am Anleihemarkt jeweils andere Werttreiber, als der Marktkonsens es zum Jahresstart erwartet hatte“, sagt Bannier. Kein Wunder also, dass Investoren ständig nach Anlagealternativen suchen, die sie in ihre Rentenallokation integrieren können. „Vor Lehman waren High-Yield-Anleihen exotisch, heute sind sie quasi eine etablierte Anlageklasse und auch Emerging Market-Anleihen rücken immer stärker in den Fokus.“ Insofern sorgt die gezielte Kombination verschiedener Nischen auf der einen Seite also für einen steten Wandel der Portfolios. „Auf der anderen Seite sind die Korrelationen innerhalb der Strategien genau wie zu herkömmlichen Fixed-Income-Portfolios sehr gering und vergleichsweise stabil“, sagt Bannier. „Das macht solche Nischen-Kombinations-Strategien zu idealen Bausteinen für eine Diversifikation.“

Und zu einer möglichen Quelle für laufende Erträge: „Es ist derzeit schwierig, in den ganz klassischen Rentensegmenten Geld zu verdienen“, sagt Bannier. Ältere Anleihen mit auskömmlichem Kupon notieren in der Regel über dem Nominalwert, sodass es einen weiteren Rückgang des Zinsniveaus braucht, um überhaupt noch Rendite zu erzielen. „Hier lohnt es sich in jedem Fall, weltweit nach neuen Chancen zu suchen“, sagt Bannier. Diese Suche sollte ohne Scheuklappen erfolgen. „MBS und ABS etwa, die für die Finanzkrise damals verantwortlichen Strukturen, sind heute aufgrund einer strengen Regulierung interessante Alternativen auf der Credit-Seite. Doch viele Marktteilnehmer meiden dieses Marktsegment aufgrund ihrer Erfahrungen von damals kategorisch.“ Diese systematische Ausklammerung führt dazu, dass die überschüssige Liquidität in Anleihesektoren fließt, die hinsichtlich Rendite und Kreditqualität schlechter dastehen.

„Solche verkannten Segmente können ein hilfreicher Bestandteil von Portfolios sein, mehr als Beimischung denn als Core-Investment“, sagt Bannier. Fonds wie der Legg Mason Brandywine Global Credit Opportunities, der Legg Mason Western Asset Structured Opportunities oder der Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser bieten auf unterschiedliche Weise Zugang zu Nischen beziehungsweise kombinieren die besten Ideen abseits der ausgetretenen Pfade. „Das Management hat hier große Freiheiten, was sich in den teils unkonventionellen Zusammensetzungen der Fonds auch zeigt“, sagt Bannier. Verbindendes Element ist die starke Ausrichtung auf das Thema Diversifikation bei gleichzeitig strengem Risikomanagement. Ziel ist es, mehr Rendite zu erzielen als herkömmliche Rentenstrategien und gleichzeitig eine niedrigere Volatilität zu schaffen als etwa reine High-Yield-Portfolios.


Über Legg Mason

Die Philosophie von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM““. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 803,5 Milliarden US-Dollar (Stand: 31. Dezember 2019). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der Webseite oder im Newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Investoren die eine Value-Anlagestrategie verfolgen, sollten selektiv vorgehen, um Fallstricke zu vermeiden

von Stefan Kuhn, Managing Director und Head of SPDR ETF Deutschland.

Die Unternehmen, die im letzten Jahrzehnt die Erholung der globalen Aktienmärkte vorangetrieben haben, kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. In den USA haben beispielsweise innovative Unternehmen aus den Bereichen Technologie- und Kommunikationsdienstleistungen (oft als FAANGs + Microsoft bezeichnet) den Aufwärtstrend maßgeblich bestimmt. In Europa haben vor allem Luxus-Einzelhandelsmarken an Reichweite in neue Märkte gewonnen und so den etablierten Unternehmen der Konsumgüterindustrie geholfen.

Die Aktien, die in den entwickelten Märkten während der Markterholung „funktioniert“ haben, haben eines gemeinsam, es handelt sich dabei um Unternehmen, die vor allem bei Verbrauchern Wachstum gezeigt haben. Gleichzeitig haben spezifische regionale Herausforderungen in den traditionellen Value-Sektoren wie dem Industriesektor (USA) und dem Finanzsektor (Europa) zu einer relativen Unterperformance geführt.

Zu Beginn eines neuen Jahrzehnts stellt sich für jeden Anleger die Frage, ob die wertorientierten Anlagen weiterhin hinter den breiten Marktindizes zurückbleiben werden oder nicht. Der Gegenwind, mit dem die Unternehmen in den USA (Unsicherheit im Welthandel) und in Europa (Unsicherheit durch den Brexit) konfrontiert sind, hat sich wieder beruhigt. Unterdessen scheinen die Bewertungen von „funktionierenden“ Aktien zunehmend teuer, was die Anleger dazu veranlasst, deren Werthaltigkeit zu überdenken.

Im 4. Quartal 2019 konnten wir sehen, dass Anleger ihr Geld wieder in europäische Value-ETFs investierten (siehe Abbildung 1 im Original -> Link). Trotz der anhaltenden Herausforderungen durch das Wahljahr in den USA sowie den negativen Renditen in Europa glauben wir, dass die Kapitalflüsse der Anleger nach einem Jahrzehnt der Underperformance die Tendenz zeigen, Untergewichtungen auf Value zu reduzieren. Wer auch weiterhin auf wertorientierte Investments setzen möchte, sollte sich überlegen, ob Anlagestrategien wie etwa Value-Exposure-Select helfen können, etwaige Fallen zu vermeiden.

Wie kann eine Exposure-Select-Strategie Anlegern helfen wertorientierte Anlagen zu nutzen und gleichzeitig Wertfallen zu vermeiden?

Investoren, die Value-Strategien anwenden, um von billigen Aktien zu profitieren, müssen jedoch ihre Portfolios gegen Aktien schützen, die auch aus gutem Grund billig sind. Exposure-Select-Strategien können Anlegern den Zugang zu einem starken Value-Faktor-Exposure ermöglichen, während sie gleichzeitig versuchen, Wertfallen zu vermeiden, und zwar indem sie auch qualitative Faktoren berücksichtigen. SPDR® ETFs bieten eine Reihe von Value-Exposure-Select-Strategien sowohl für US- als auch für europäische Investments.

Weltwirtschaftsforum im Zeichen des Klimaschutzes

Beim traditionellen Weltwirtschaftsforum (WEF) von 21. Bis 24. Jänner im Schweizer Skiort Davos bekam zwar der Klimaschutz die meiste Aufmerksamkeit. Aber die etwa 3.000 hochrangigen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten auch andere brennende Themen wie Handelskonflikte und ein faireres Steuersystem. Zu Beginn des Treffens präsentierte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine neuen Prognosen für die Weltwirtschaft.

IWF erwartet wieder mehr Wachstum

Dem IWF zufolge gewinnt das globale Wachstum im laufenden Jahr leicht an Tempo. Nach Einschätzung der Währungsfonds-Experten dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,3 Prozent wachsen, während das Wachstum für das vergangene Jahr auf 2,9 Prozent beziffert wird. Allerdings wurden die Erwartungen gegenüber der Prognose vom Oktober 2019 leicht gesenkt. Damals hatte der IWF für 2020 ein Wachstum von 3,4 Prozent erwartet. Für 2021 revidierte der Währungsfonds die Prognose auf 3,4 Prozent, nach zuvor 3,6 Prozent. Die leicht gesenkten Schätzungen seien vor allem der schwächeren Entwicklung in Indien geschuldet. Das große Schwellenland leidet derzeit unter heftigen politischen Unruhen. Aber auch neue Spannungen im Handel zwischen den USA und der Europäischen Union stellen für die IWF-Chefökonomin Gita Gopinath ein Risiko dar.

Klimaschutz über Greta vs. Trump hinaus

Vor diesem Hintergrund ließ die EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen mit Aussagen in Davos aufhorchen, wonach die EU-Kommission nicht vor Zöllen und anderen Importschranken zurückschrecken werde, sollten internationale Handelspartner weniger klimafreundlich produzieren als europäische Unternehmen.

Darüber hinaus nutzten Manager großer Finanzkonzerne das WEF, um die wirtschaftliche Bedeutung klimaschonender Geschäftsmodelle zu betonen. So sprach sich etwa der CEO der Bank of America für „nachhaltige Geschäftsmodelle, die langfristige Gesellschaftsziele adressieren“ aus. Der Vermögensverwalter Blackrock kündigte an, grünen Investments Vorrang geben zu wollen: „Wir müssen festhalten, dass Klimarisiken auch Investitionsrisiken sind“, sagte Vizechef Philipp Hildebrand. Investmentberater von Mercer berichteten bereits von einem „Druck“, nachhaltige Investments anzubieten. Der Chef des größten Versicherungskonzerns Europas, Allianz, forderte wiederum eine Diskussion über geeignete Maßnahmen zum Kohleausstieg. Insgesamt entstand der Eindruck, die Konzerne versuchen, den nötigen Einschnitten etwas Positives abzugewinnen: „Nachhaltigkeit ist eine unserer größten Geschäftsmöglichkeiten, weil es darum geht, wie man die physische Welt auf lange Zeit werterhaltend betreibt“, fasste Accenture-Deutschland-Chef Frank Riemensperger zusammen.

OECD hofft auf Steuerreformen noch 2020

Abseits von Klimafragen wurde der Verbesserungsbedarf des globalen Steuersystems thematisiert. Bis spätestens Juli hofft die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), sich auf konkrete Zahlen einigen zu können, so dass das zweite Halbjahr für die Umsetzung neuer Steuerregelungen genutzt werden kann. Unter dem Dach der OECD arbeiten die Staaten an einer globalen Mindeststeuer für Konzerne sowie einer neuen Form der Besteuerung von Internetfirmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Über den Coronavirus, andere Börsengefahren und Veranlagungschancen

Wolfgang Zemanek, Zins-Chef der Erste Asset Management, spricht im Interview mit Paul Severin über die Ansteckungsgefahr des Coronavirus für die Börsen und andere Risikofaktoren, die derzeit das Sentiment an den Kapitalmärkten beeinflussen. Zusätzlich hat er für uns zwei Anlagetipps und Veranlagungschancen, die er im heurigen Jahr für besonders interessant einschätzt.

Investoren sind Risiken ja gewohnt. Welchen Einfluss hat der Coronavirus auf die Börsen?

Die Situation erinnert frapant an die Sars-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003. Damals starben weltweit fast 800 Menschen. Der Virus hat damals die Schlagzeilen und auch das Sentiment der Investoren beeinflusst.

Dieses Mal ist es nicht anders. China hat Wuhan, eine Stadt mit 11 Millionen Einwohnern, quasi geschlossen. Sämtliche Flüge und Zug- und Busverbindungen wurden storniert, U-Bahn und Transferdienste innerhalb der Stadt suspendiert. Zum aktuellen Zeitpunkt sind etwa 30 Mio Menschen unter Quarantäne und damit mehr Einwohner als z.B Australien hat.

Das sorgt für Unruhe auch an den Börsen und beeinflusst das ansonsten recht gute Investmentklima, da davon auch ein Risiko für die volkswirtschaftliche Entwicklung ausgeht.

Welche anderen Risiken siehst Du?

Politisch sind es primär die US-Wahlen. Die Frage ist ob Trump im November wieder gewählt wird, oder vielleicht doch ein demokratischer Kandidat mehr Chancen hat. In dieser politischen Unsicherheit verbergen sich Risiken, da die Börsianer mögliche Steuererhöhungen seitens eines demokratischen Kandidaten negativ interpretieren könnten. Das kann die Märkte negativ beeinflussen.

Von der Handelskonfliktseite hat sich das Risiko etwas gelöst. Die Handelsgespräche mit China werden vor den US Wahlen als Erfolg vermarktet, vom Tisch ist der Konflikt allerdings noch lange nicht. Dazu gibt es geopolitische Risiken, Stichwort Iran, die nicht einschätzbar sind.

Die Anleihemärkte legten im Vorjahr kräftig zu und zwar über alle Anleiheklassen. Was waren die Hauptgründe dafür?

Die Hauptgründe dafür war, wenn wir in der Börsensprache bleiben „the large negative sentiment shock“, den wir ausgelöst durch den Handelskonflikt USA-China letztes Jahr hatten. Dieser Faktor hat das ganze Jahr über das Sentiment an den Börsen und damit auch das Investitionsverhalten der Unternehmen massiv beeinflusst.

Die sehr vorsichtige Einschätzung was die Konjunktur betrifft führte auch dazu, dass die Zentralbanken die Geldpolitik massiv lockerten um den abwärts gerichteten konjunkturellen Aussichten rasch entgegenzuwirken.

Die Inflation blieb tief und entfernte sich teilweise von den Vorstellungen der Zentralbanken. Viele Zentralbanken u.a. EZB und US-Fed senkten ihre Leitzinsen. Die EZB nahm das Anleihenankaufprogramm wieder auf. Dies war ausschlaggebend für die sehr gute Performance der Anleihenmärkte.

Die sehr vorsichtige Einschätzung was die Konjunktur betrifft führte auch dazu, dass die Zentralbanken die Geldpolitik massiv lockerten um den abwärts gerichteten konjunkturellen Aussichten rasch entgegenzuwirken.

Die Inflation blieb tief und entfernte sich teilweise von den Vorstellungen der Zentralbanken. Viele Zentralbanken u.a. EZB und US-Fed senkten ihre Leitzinsen. Die EZB nahm das Anleihenankaufprogramm wieder auf. Dies war ausschlaggebend für die sehr gute Performance der Anleihenmärkte.

Interessant, dass in so einem Umfeld die Aktienmärkte so gut marschiert sind.

Ein Grund dafür ist in der lockeren Geldpolitik zu finden. Eines der Hauptinvestmentthemen ist seit langer Zeit die verzweifelte Suche nach Rendite. Wo gibt es noch Ertragsmöglichkeiten?

Jeder Privatanleger weiß, dass man am Sparbuch nur mehr sehr wenig erhält. Das gilt genauso für institutionelle Großanleger. Bei manchen Staatsanleihen sind wir bei längeren Laufzeiten immer noch unter der Null-Rendite-Linie – siehe Deutschland.

Bei Unternehmensanleihen, Schwellenländer Anleihen und bei Aktien gibt es noch Renditen. Deshalb gehen viele Investoren in diese Anlage-Klassen, also auch in Aktien.

Warum sind die Renditeaufschläge aufgrund der schwächeren Konjunktur nicht angestiegen?

Auch hier spielen die Notenbanken eine wichtige Rolle. Das schnelle Reagieren der Zenktralbanken auf die Eintrübungen am Konjunkturhimmel reduzierte die Abwärtsrisiken erheblich. Die Notenbankenhaben die Märkte mit Liquidität geflutet.

Die EZB kauft Unternehmensanleihen mit guten und sehr guten Bonitäten und hat dadurch auch anderen Anleihenanlageklassen positiv beeinflusst. Das zieht sich über viele Anlageklassen.

Wie ist das Marktsentiment aktuell?

Das Marktsentiment hat sich etwas verbessert, vor allem durch die Einigung des Phase I Deals im Handelskonflikt zwischen USA und China. Das führte dazu, dass zum Beispiel die Bank of Japan die Konjunkturerwartungen für heuer und 2021 nach oben genommen hat.

Andere Zentralbanken könnten diesem Beispiel folgen. Die Situation rund um den Coronavirus darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren.

Was erwartet uns im laufenden Jahr seitens Geldpolitik? Wird es Zinserhöhungen geben?

Die Zentralbanken sind in einer abwartenden Position, sozusagen „on hold“. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich den Spielraum komplett offen gelassen. Solange die Inflationsziele (Anmerkung: 2%) nicht erreicht sind, wird die lockere Geldpolitik anhalten. Für heuer ist davon auszugehen, dass seitens der EZB nichts kommen wird, die Leitzinsen werden vermutlich unverändert bleiben.

Auch die US-Notenbank wird aus heutiger Sicht on hold sein. Das ist derzeit eingepreist. Sollten die Konjunkturdaten etwas fester ausfallen als erwartet, gibt es Spielraum für leichte Renditeanstiege. US-Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit rentieren derzeit bei etwa 1,80%.

Wenn man das mit der Bewertung von vor dem letzten Sommer in etwa vergleicht, bevor die große Angst der Rezession die Märkte beeinflusst hat, waren diese Renditeniveaus etwa 20 bis 40 Basispunkte höher. In diesem Jahr ist ein Renditeanstieg in dieser Höhe durchaus möglich. Ausnahme ist Großbritannien. In UK könnten wir eine Leitzinssenkung sehen. Eventuell bereits Ende Jänner, Hauptgrund ist die Unsicherheit durch die möglichen negativen Auswirkungen des Brexit auf die Konjunktur in UK.

Die negativen Renditen bleiben uns erhalten?

Über die Zinskurve betrachtet ist der kurze Bereich, also bei kurzen Laufzeiten, im negativen Bereich. Die zehnjährigen Renditen bei deutschen Staatsanleihen kann ich mir bei Null vorstellen, derzeit sind wir hier bei etwa -0,20%. Es wäre auch kein Wunder wenn man leicht darüber gehen würde.

Ich würde das begrüßen, das wäre eine gesunde Entwicklung. Das was wir jetzt sehen ist eine nach wie vor ungewöhnliche Situation. Ich wäre froh darüber, dass sich diese Situation normalisiert.

Die negativen Leitzinsen sind unpopulär. Wenn man als Zentralbank da herauskann, zum Beispiel wenn die Inflation etwas anspringt, oder das Wirtschaftswachstum passt, dann werden die Zentralbanken das ausnutzen. Die schwedische Zentralbank hat zum Beispiel den ersten Schritt in diese Richtung schon vorexerziert.

Sie hob im Dezember die Leitzinsen von -0,25% auf Null an. Allerdings, die nach wie vor sehr tiefen Renditeniveaus, sprich das Niedrigzinsumfeld in Summe, bleibt uns aus Anlegersicht erhalten. Wir werden uns da nicht deutlich davon wegbewegen.

Du verantwortest die aktiv gemanagten Anleihefonds der Erste Asset Management. Bist Du zufrieden mit der Performance?

In dem Fall ist die Frage sehr einfach zu beantworten. Wir überprüfen unsere Strategien kontinuierlich und passen sie an neue Erkenntnisse bzw. Gegebenheiten an. Das Ziel ist die Qualität unsere Produkte im Interesse unserer Kunden hoch zu halten.

Diese Arbeit trägt Früchte. Wir haben Teams für die Duration-Steuerung, Länderauswahl, Titelauswahl und für die Auswahl welche Anleiheklassen gerade interessant sind. Nahezu alle Strategien der einzelnen Teams gingen auf. Zum Beispiel bei der Duration-Steuerung, also bei der Einschätzung der Veränderungen was die Zinskurve betrifft, konnten wir sowohl in fallenden als auch steigenden Märkten profitieren.

Auf Länderebene haben wir speziell auf Carry gesetzt. Das bedeutet, dass wir z.B. Länder in der Peripherie der Eurozone übergewichtet haben. Durch die Zinspolitik der EZB konnten wir über die Einengung der Risikoaufschläge zusätzliche Erträge einfahren. Ich muss meinem Team in Summe gratulieren. Unsere Fonds liegen im Konkurrenzvergleich sehr gut.

Wenn man in das heurige Jahr hineinblickt, welche Anleihenfonds sind aus Deiner Sicht interessant?

Aus meiner Sicht wird es sehr wichtig sein flexibel zu bleiben und sich auf die jeweiligen Börsengegebenheiten anzupassen. Bei uns findet sich die Flexibilität der Strategien im ERSTE TOTAL RETURN FIXED INCOME wieder.

Dieser Fonds wurde erst vor kurzem auch für Privatanleger geöffnet. Er umfasst die Expertise von meinem gesamten Team: Zinskurve, Länderseite, Titelselektion, Währungseinschätzung. Zum Beispiel können wir sogar in einem Umfeld von steigenden Renditen, das ja generell schlecht für Anleihenmärkte ist, das Zinsänderungsrisiko deutlich reduzieren und damit für den Anleger Performance erzielen. Natürlich muss man das richtig erwischen, der Fonds hat aber diese Flexibilität.

Gibt es noch ein Thema, das für dich darüber hinaus besonders interessant ist?

Des Weiteren finde ich die chinesischen Lokalwährungsanleihen sehr interessant. Der Zeitpunkt der Auflage im Juni letzten Jahres war im Nachhinein betrachtet aufgrund des sich plötzlich verschärfenden Handelskonflikts zwischen den USA und China vielleicht ungünstig.

Dennoch, seit Fondsauflage und auch seit Jahresbeginn liegt der Fonds bereits deutlich im Plus. China bleibt auf Jahre hinaus als Anlageklasse interessant. Viele Investoren werden aufgrund von Benchmarküberlegungen chinesische Lokalwährungsanleihen kaufen.

Die Zinspolitik in China bleibt locker und der Yuan sollte nach der Entspannung des Handelskonflikts stabil bleiben. Derzeit bremst natürlich der Coronavirus die Stimmung. Die Renditen von den chinesischen Lokalwährungsanleihen in Yuan in unserem Fonds liegen derzeit bei etwa 3,0%.

Spannend ist der Zugang für Privatanleger zu den chinesischen Anleihen in Yuan. Als privater Anleger hat man kaum Zugang zu lokalen, chinesischen Anleihen. Das ist ein großer Vorteil. Wir haben als Erste Asset Management spezielle Anbindungen, um am chinesischen Anleihenmarkt zu veranlagen. Hier kann der Anleger die Vorteile von einem Investmenfonds ausnutzen. China ist nicht wegzudenken.

Vielen Dank für das Interview.


Wichtige rechtliche Hinweise

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Erste Auswirkungen des Virenausbruchs in China

von Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree.

Der Ausbruch des neuartigen Coronavirusstamms in Wuhan, China, und dessen Ausbreitung auf andere Länder gibt den Finanzmärkten Anlass zur Sorge. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Coronaviren (CoV) eine große Virenfamilie, die Erkältungskrankheiten bis hin zu schwereren Erkrankungen wie das Nahost-Atemwegssyndrom (MERS-CoV) und das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS-CoV) verursachen. Bis zum 22. Januar 2020 hat die nationale Gesundheitskommission Chinas 571 bestätigte Fälle von CoV-Stamm in China (darunter 444 in Hubei) und 393 Verdachtsfälle gemeldet. Die Investoren sind besorgt über die mögliche Verbreitung der Infektionen aufgrund der starken Reisesaison vor dem chinesischen Mond-Neujahrsfest.

Rückblick auf frühere Ausbrüche

Die Finanzmärkte beginnen bereits, die negativen Auswirkungen des Ausbruchs einzupreisen, wobei der CNY abwertete und der Hang-Seng-Index am 21. Januar mit -2,8 Prozent den bisher größten Tagesrückgang im Jahr verzeichnete. Nach Recherchen in Baidu nehmen die Bedenken der Bevölkerung zu. Mehrere Virenausbrüche in den letzten Jahren haben die Besorgnis über eine umfassendere Pandemie geweckt - SARS (2003), H1N1(2009) und H7N9 (2013). Von diesen wurde SARS in den letzten Tagen am häufigsten genannt, weil dieses Virus ebenfalls ein bisher unbekannter CoV-Stamm war, der angeblich vom chinesischen Festland ausging und sich schließlich weltweit ausbreitete und 800 Todesfälle verursachte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von SARS waren erheblich, aber nur von kurzer Dauer. In Hongkong kam es während des Ausbruchs von März bis Juni 2003 zu einem starken Rückgang der Reise-, Tourismus- und Einzelhandelsaktivitäten. Wie schwerwiegend die wirtschaftlichen Auswirkungen sind, ist noch unklar. Es ist davon auszugehen, dass sie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sind, wenn sie dem Muster historischer Fälle folgen. Wir glauben, dass das öffentliche Bewusstsein diesmal höher ist, was zum Teil auf die schnellere Reaktion der Behörden, die Nutzung des Internets und der sozialen Medien sowie die Bekanntheit des SARS-Virus zurückzuführen ist.

Die am stärksten gefährdeten Sektoren

Der CoV wird wahrscheinlich Auswirkungen auf die Transportindustrie haben. Fluggesellschaften wie China Southern werden wohl am stärksten betroffen sein, da sie gemessen an der Sitzkapazität den höchsten Marktanteil (38%) haben. Da die Verbraucher dazu neigen werden, zu Hause zu bleiben, um dem CoV nicht ausgesetzt zu sein, ist von negativen Auswirkungen auf Einzelhandel, Freizeitparks, Restaurants und Kinos auszugehen, da diese Sektoren normalerweise aufgrund der Saisonabhängigkeit vom chinesischen Neujahrsfest profitieren würden. Demgegenüber dürften Online-Gastronomie, verpackte Lebensmittel und Lebensmitteleinzelhändler von einer Verschiebung der Verbraucherpräferenzen profitieren, denn die Konsumenten werden überfüllte öffentliche Einrichtungen vermeiden. Der CoV-Ausbruch wird wahrscheinlich auch zu Störungen in den in Wuhan ansässigen Offline-Nachhilfeinstitutionen (AST) führen. Das Büro für Bildung in Wuhan hat die Aussetzung der Nachhilfekurse nach der Schule (AST) ab dem 21. Januar 2020 angekündigt. Während des SARS-Ausbruchs im Jahr 2003, als die Schule und die AST-Einrichtungen in bestimmten Regionen geschlossen wurden, erlebte der Fern- und Online-Unterricht ein bemerkenswertes Wachstum. Neben Peking, Zhengzhou, Xi'an und Nanjing ist Wuhan eine der wichtigsten Städte zur Rekrutierung und Ausbildung von Online-Lehrern und Tutoren für die meisten chinesischen Online-Bildungsunternehmen.

Für eine genauere Beurteilung des Ausmaßes der CoV-Infektionen ist es noch zu früh. Wir gehen von einer kurzen Dauer der Krise aus, wenn man dem Muster historischer Fälle folgt. Die langfristigen Aussichten Chinas hängen weiterhin entscheidend davon ab, wie sehr sich das Reich der Mitte weg von der alten Formel des industriellen Wachstums in Richtung der Wachstumstreiber der "New Economy" wie Konsum und Informationstechnologie bewegt. Wir gehen davon aus, dass sich die derzeitige Rallye am chinesischen Aktienmarkt bei anhaltender Volatilität bis ins Jahr 2020 hinein fortsetzen wird.

Rückläufige Wachstumserwartungen könnten Triebfeder für Anleiherenditen sein

von Lidia Treiber, Associate Director Research, WisdomTree.

Festverzinsliche Anlageklassen haben sich 2019 generell gut entwickelt, da die Investmentströme in Staatsanleihen aufgrund der zunehmenden Sorge um ein rückläufiges globales Wachstum, Handelskonflikte und Brexit stark gestiegen sind. Während die Nachfrage nach historisch sicheren Anlagen stieg, gaben die Renditen für Staatsanleihen nach, wodurch sich viele europäische Staatsanleihen in den Bereich negativer Zinsen begaben. In der Zwischenzeit haben die Forderungen der Investoren nach Anleihen mit höherer Verzinsung bei Risikoaktiva für Unterstützung gesorgt. Dieses Jahr flossen bis zum 4. Oktober 2019 bisher 40,22 Milliarden USD in Exchange Traded Funds (ETFs) für festverzinsliche Wertpapiere in Europa, ein Anteil von fast 53 Prozent an allen Exchange Traded Product (ETP)-Strömen, wobei die Ströme für Fixed-Income-ETFs weltweit im zweiten Quartal des Jahres einen neuen Meilenstein erreicht haben.

Bedeutende festverzinsliche Anlageklassen US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen schnitten besser ab als die meisten wichtigen festverzinslichen Anlagen, im bisherigen Jahresverlauf zum 12. November 2019 mit einem Plus von 15,22 Prozent. Dies entspricht einer ihrer besten Renditen seit fast zehn Jahren, da die Investoren in einem Umfeld negativer Zinsen auf der Suche nach hochwertigen Erträgen sind. Ebenso überraschten europäische Staatsanleihen die Investoren. Sie starteten mit sehr niedrigen Renditen in das Jahr und konnten im selben Zeitraum eine Rendite von fast 10 Prozent erwirtschaften. Eine festverzinsliche Anlageklasse, die angesichts dieses Zeitrahmens im Vergleich zu ihrem Aktien-Pendant Renditen im zweistelligen Bereich erzielen konnte, waren Additional Tier 1 Contingent Convertible Bonds (AT1-CoCo-Anleihen). Durch regulatorische Anforderungen wie Basel III und andere Maßnahmen waren europäische Banken dazu gezwungen, ihre Kapitalreserven zu verbessern. Aufgrund dessen ist das europäische Bankensystem 2019 sehr viel besser mit Kapital versorgt, als dies in der letzten Finanzkrise der Fall war. AT1-CoCo-Anleihen sind nicht in den großen europäischen Referenzindizes enthalten und können Diversifizierungsvorteile für andere Risikoaktiva bieten, was zu ihrer Beliebtheit beigetragen hat.

Renditen langfristig niedrig

Unseres Erachtens werden die Leitzinsen 2020 einem ähnlichen Muster folgen wie 2019, da die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) den Markterwartungen niedrigerer Leitzinsen nachkommen wird, auch wenn ihre derzeitigen Zinsvorhersagen anhand der „Dot-Plots“ auf einen härteren Kurs schließen lassen. Da die Wirtschaftsdaten weiterhin die führenden Indikatoren für zukünftige geldpolitische Entscheidungen darstellen, werden schwächere Daten, angeführt von Europa, die Renditen 2020 voraussichtlich belasten. Wenn wir uns die Nominalrenditen auf der US-Zinsstrukturkurve heute im Vergleich zu vor fast zehn Jahren ansehen, haben sich die Zinsen in diesem Marktzyklus auf einem sehr viel niedrigeren Niveau normalisiert als vor der Krise 2008. Der allgemeine Verlauf der Zinsstrukturkurven für die USA, Großbritannien und Europa erscheint jeweils relativ flach, worin sich sehr viel niedrigere Wachstums- und Inflationserwartungen in der Zukunft widerspiegeln. Zum Ende des Jahres 2007 lagen die langfristigen Renditen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren in den USA knapp unter 4,5 Prozent, in Großbritannien leicht über 4,0 Prozent und ebenso in Deutschland bei knapp über 4,5 Prozent. Wenn wir nun einen Blick auf den 15. November 2019 werfen, stellen wir bei den Renditen für 30-jährige Staatsanleihen eine hohe Abweichung in diesen drei Regionen fest: Die Renditen für Bundesanleihen sind nahe 0 Prozent, die Renditen für britische Gilts knapp über 1 Prozent und sogar die Renditen von US-Treasuries betragen rund 2 Prozent. Die Wachstumserholung in entwickelten Märkten seit der letzten Finanzkrise fiel moderater aus als dies nach früheren Krisen der Fall war. Europa befindet sich in einem unkonventionellen geldpolitischen Umfeld und das neue Programm zur quantitativen Lockerung wird die Renditen am langen Ende voraussichtlich nach unten ziehen und Risikoaktiva begünstigen. Generell erwarten wir, dass die Renditen am langen Ende eingeschränkt bleiben werden, sollten wichtige europäische Länder nicht deutliche finanzpolitische Impulse setzen, die sich auf die Wachstums- und Inflationserwartungen der Zukunft auswirken könnten. Angesichts der weiteren wirtschaftlichen Folgen des Brexit und der noch in diesem Jahr anstehenden US-Präsidentschaftswahlen, dürften beide Volkswirtschaften zu großen Teilen von den Ergebnissen dieser beiden Ereignisse beeinflusst werden.

Längere Duration in Betracht ziehen

In einem Umfeld, in dem einige Investoren beginnen, ihr Aktienrisiko möglicherweise durch Risikobudgetierung ihrer Portfolios zu senken, könnte eine Allokation in einem diversifizierten Korb aus festverzinslichen Anlageklassen dabei helfen, das Risiko-Rendite-Profil der Portfolios zu verbessern. Unseres Erachtens könnte ein Engagement mit einer langen Duration bei festverzinslichen Allokationen ein nützliches Instrument zur Portfoliodiversifizierung sein, das die Widerstandskraft gegen eine Korrektur der Aktienmärkte erhöhen könnte. Festverzinsliche Anlagen mit hoher Duration zeichnen sich historisch im Durchschnitt durch eine höhere Volatilität und höhere langfristige Renditen aus. Wenn es bei Aktien steil abwärts geht, bietet die Duration im Durchschnitt tendenziell jedoch eine bessere positive Performance als Engagements in Anleihen mit kürzerer Duration.

Im Zusammenhang mit Multi-Asset-Portfolios erhöhen Anlagen mit höherer Duration im Laufe eines vollen Wirtschaftszyklus tendenziell die Sharpe Ratio des Portfolios. Dabei wird angenommen, dass sich die Allokationen in einem Portfolio zu 60 Prozent auf Anleihen und zu 40 Prozent auf Aktien verteilen und für den Anleihenanteil des Portfolios Indizes mit unterschiedlichen Fälligkeitsprofilen eingesetzt werden. In diesen hypothetischen Szenarien war die Sharpe Ratio des Portfolios am höchsten, bei dem die Allokation in Anleihen im Korb mit der längsten Laufzeit platziert wurde. 

Taktische Allokation im Bereich Kredite

Obwohl die optionsbereinigten Aufschläge für Investment-Grade und Hochzinsanleihen seit der Marktkorrektur vom Dezember 2018 generell enger geworden sind, wird das aktuelle makroökonomische Umfeld langfristig niedriger Zinsen voraussichtlich Unterstützung für Unternehmensanleihen geben, die eine Renditeoptimierung bieten. Wenn sich das verlangsamte Wachstum beginnt, in den Bilanzen der Unternehmen niederzuschlagen, wird eine Outperformance bei Unternehmensanleihen voraussichtlich stärker auf den Fundamentaldaten basieren. Eine einzigartige Dynamik bei Unternehmensanleihen, die die Nachfrage in den Kundenportfolios weiter antreiben wird, sind die Diversifizierungsvorteile, die Unternehmensanleihen einem Portfolio mit Anleihen mit höherer Duration bieten können. Dies ist der Fall, da Treasuries und Unternehmensanleihen historisch gesehen eine Renditediversifizierung bieten, vor allem dann, wenn es auf den Aktienmärkten bergab geht.

Investoren in Unternehmensanleihen könnten im gesamten Verlauf des Jahres 2020 Volatilitätsphasen erleben. Obwohl die Investoren aufgrund der erhöhten Marktunsicherheit bezüglich ihrer Risikopositionen eher rückwirkend reagieren, wird sich die Nachfrage nach Kredit voraussichtlich fortsetzen, da die Renditen europäischer Staatsanleihen wahrscheinlich nicht die Einkommensverbesserung bieten werden, nach der viele Investoren suchen. Im Bereich Kredit sind AT1-CoCo-Anleihen weiterhin eine interessante Anlageklasse, da die Emittenten von AT1-CoCo-Anleihen – typischerweise europäische Banken – generell über ein InvestmentGrade-Rating verfügen. Die fundamentale Kreditqualität des europäischen Bankensektors ist 2019 relativ stabil geblieben. Betrachten wir die von Standard & Poor’s (S&P) gemeldeten Emittenten Ratings der europäischen Banken, die AT1-CoCo-Anleihen ausgeben, geht der Trend seit 2017 mehr in Richtung Ratingaufwertungen als Ratingabwertungen, was auf bessere Fundamentaldaten der Emittenten hindeutet. Außerdem werden sich die Anlagenkäufe der EZB voraussichtlich günstig auf die Finanzierungskosten von Banken auswirken und somit einem Teil der nachteiligen Auswirkungen negativer Zinsen auf das Bankensystem entgegenwirken. AT1-CoCo-Anleihen, die am unteren Ende der Kapitalstruktur der Banken, gleich über dem Bankvermögen, angesiedelt sind, bieten eine Renditeoptimierung gegenüber höherrangigen Bankschuldverschreibungen. Die Investoren müssen jedoch die Eigenschaften von AT1-CoCo-Anleihen in Betracht ziehen und bestimmen, ob das Risiko-Ertrags-Profil mit den allgemeinen Zielen ihres Portfolios vereinbar ist. Angesichts des wirtschaftlichen Hintergrunds ist dies unseres Erachtens eine der festverzinslichen Anlageklassen, die auch im Jahr 2020 weiterhin gut abschneiden könnte.


Alle Daten von Bloomberg, sofern nicht anders angegeben.

US-Banken berichten von Licht und Schatten im Finanzsektor

An der Wall Street startete in der Vorwoche die Berichtsaison traditionell mit den größten US-Banken. Ihre Ergebnisse für das Schlussquartal 2019 vermitteln einen guten Eindruck darüber, wie das Vorjahr an den Finanzmärkten lief. Außerdem lassen sich daraus interessante Trends für Anleger ablesen.

Grund genug, sich einen Überblick über den Auftakt der Berichtsaison zu verschaffen. Grundsätzlich zeichneten die Quartalsergebnisse ein differenziertes Bild des US-Finanzsektors. Während einige Geldhäuser Rekordgewinne verbuchen konnten, spürten andere die Herausforderungen der Branche stärker.

Niedriges Zinsniveau und Rechtsstreite belasten

Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve im Vorjahr drei Mal die Leitzinsen senkte, machten die niedrigen Zinsen den Banken zu schaffen. Dies betraf unter anderem den Kreditriesen Wells Fargo.

Seine Erträge fielen im vierten Quartal um 5 Prozent auf 19,9 Mrd. Dollar, der Gewinn brach verglichen mit dem Vorjahreswert um mehr als die Hälfte auf 2,9 Mrd. Dollar ein. Bei Wells Fargo kamen Rückstellungen von 1,5 Mrd. Dollar hinzu, mit denen sich der Konzern für Konsequenzen andauernder Rechtskonflikte wappnet.

Ebenfalls von Rechtskosten beeinträchtigt zeigte sich das Ergebnis des ehemaligen Branchenprimus Goldman Sachs, der im Gesamtjahr 2019 noch 8,5 Milliarden Dollar (nach 10,5 Mrd. 2018) Gewinn verbuchte. Auch bei der Bank of America gingen die Gewinne zurück.

Hier fiel alleine im Schlussquartal der Überschuss im Privatkundengeschäft um fast ein Zehntel. Als Grund dafür nannte die Bank of America explizit den Rückgang des Zinsüberschuss.

Geschäft mit Anleihen boomt

Einen Lichtblick lieferte das starke Geschäft mit Anleihen. So meldete Morgan Stanley im abgelaufenen Jahresviertel einen Rekordgewinn. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verdoppelten sich laut Morgan Stanley die Gebühreneinnahmen aus dem Handel mit Anleihen sogar.

Im Gesamtjahr stieg der auf die Aktionäre entfallende Überschuss um vier Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.

Nachdem Morgan Stanley am vergangenen Donnerstag seine Bücher geöffnet hatte, schlossen seine Aktien mit einem satten Plus von mehr als 6 Prozent und trugen damit dazu bei, dass der Leitindex S&P 500 auf einen neuen Rekordstand vorrücken konnte.

Neben hohen Einnahmen aus dem Anleihenhandel berichteten die erfolgreichen Banken trotz niedrigerer Zinsen von einem guten Geschäft mit Privatkunden. Die robuste US-Konjunktur hielt den Konsum der Amerikanerinnen und Amerikanern in Schwung, hieß es. Die Citigroup führt einen guten Teil des Gewinnanstiegs um 8 Prozent im Gesamtjahr auf 19,4 Milliarden Dollar auf die Ausgabefreude der Kreditkartenkunden zurück.

Fed sieht weiter moderates Wachstum

An den Rahmenbedingungen für das Bankengeschäft in den USA dürfte sich auch in diesem Jahr wenig ändern. Die Federal Reserve geht davon aus, dass einerseits aufgrund der niedrigen Inflation die Zinsen niedrig bleiben werden.

Andererseits rechnet die Fed mit weiter moderatem Wachstum der Wirtschaft und leicht steigende Konsumausgaben. Dies geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht hervor, den sie im Umfeld der Bankenergebnisse in der Vorwoche veröffentlicht hat.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wie die Ölmärkte auf weitere geopolitische Schocks reagieren

von Mobeen Tahir, Associate Director und Rohstoffexperte, WisdomTree.

Nachdem der Chef der iranischen Revolutionsgarde Qassem Soleimani bei einem US-Luftangriff in Übersee getötet wurde stiegen die Ölpreise in der ersten Woche des neuen Jahres an. Die Spannungen in der Region steigen immens , denn das irakische Parlament beschloss, das US-Militär aus dem Land auszuweisen. Das wiederum veranlasste US-Präsident Trump dazu, dem Land mit Sanktionen zu drohen. Das war am 8. Januar des neuen Jahres. Brent, das zum Ende des dritten Quartals im vergangenen Jahr mit rund 59 US Dollar pro Barrel gehandelt wurde, bewegte sich an diesem Tag bei 69 US Dollar.

In unserem jüngst veröffentlichten Jahresausblick 2020 betonten wir, dass die Ölmärkte angesichts der Fragilität im Nahen Osten keine angemessenen geopolitischen Risikoprämien eingepreist haben. Nachfolgend analysieren wir, was durch die Öl-Futures-Kurven eingepreist wird. Zudem stellen wir zur Diskussion, welche Richtung die Ölmärkte nehmen könnten.

Prämie des geopolitischen Risikos fehlt

Die Brent-Preise wurden im Oktober 2018, als die USA Sanktionen gegen den Iran ankündigten, mit rund 85 US Dollar pro Barrel gehandelt. Seitdem sind die Preise erheblich gefallen, da die Märkte aufgrund des lauen globalen Wirtschaftswachstums auf den Rückgang der Nachfrage fixiert waren. Der Zeitraum dazwischen war jedoch nicht frei von Schwankungen. Besonders merkwürdig ist jedoch, wie schnell nach Eintritt eines „geopolitischen“ Ereignisses die zunächst stark angestiegenen Olpreise stets wieder sanken. Zur Veranschaulichung dessen dient der Drohnenangriff auf saudische Ölfabriken im September 2019. Infolgedessen nahmen die Bedenken hinsichtlich der Ölversorgung auf den Weltmärkten zu, die Preise stiegen. Als die saudischen Behörden versicherten, dass der Schaden unter Kontrolle sei gingen sie schnell zurück. Angesichts der Spannungen in der Region in den letzten Monaten wurde eine dem geopolitischen Risiko angemessenen Prämie bei Öl nicht eingepreist. Die jüngsten Preisaktivitäten könnten ein frühes Indiz dafür sein, dass dies allmählich geschieht und wir uns einer faireren Preisspanne für Brent von etwa 70 bis 75 US Dollar pro Barrel nähern.

Was uns in Backwardation befindliche1 Futures-Kurven sagen

Eine in Backwardation befindliche Futures-Kurve zeigt normalerweise an, dass der Markt eher bereit ist, für eine schnelle Lieferung mehr zu zahlen als abzuwarten. Dies deutet auf eine kurzfristige Knappheit des Rohstoffs hin. Die Brent- und WTI-Kurven haben in den letzten drei Monaten eine deutlich stärkere Backwardation erfahren. Der Anstieg der Front-End-Preise begann im Oktober letzten Jahres, als die Märkte weitere Angebotskürzungen der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) einpreisten. Die OPEC und ihre Verbündeten, bekannt als OPEC plus, haben ihre Lieferungen um 0,5 Mio. Barrel pro Tag gesenkt, um die Gesamtmenge im Vergleich zum Stand von Oktober 2018 auf 1,7 Mio. Barrel pro Tag zu senken. Die steile Backwardation in den Kurven zeigt jedoch, dass Öl-Futures die Preisbildung wie folgt vornehmen:

  1. Das Angebot wird über längere Laufzeiten reichlich sein, da Engpässe aufgrund eines kurzfristigen Schocks durch mehr Ölquellen ausgeglichen werden können (z. B. könnte die OPEC das Angebot beeinflussen).
  2. Geopolitische Risiken werden allmählich dadurch eingepreist, dass die Kurve am vorderen Ende steiler wird.

Wenn die geopolitischen Spannungen anhalten oder sogar eskalieren, dürften die Ölpreise unter Aufwärtsdruck geraten. Die Front-End-Preise für Öl können volatil sein. In den letzten Monaten sind die Ölkurven nach geopolitischen Ereignissen rückläufiger geworden, bevor sie wieder abflachten. Um zu dem Schluss zu kommen, dass eine geopolitische Risikoprämie angemessen eingepreist wurde, müsste die Backwardation bestehen bleiben, solange die Risiken bestehen.

Die Ereignisse der letzten Woche hatten einen etwas stärkeren Einfluss auf Brent als eine internationalere Öl-Benchmark als auf WTI, das tendenziell stärker von der Angebots- und Nachfragedynamik in den USA beeinflusst wird.

Was geschieht jetzt?

Die Ölmärkte dürften weiterhin auf die Entwicklungen zwischen den USA und Iran reagieren. Ein regelrechter Konflikt zwischen beiden könnte zu einem großen Angebotsschock führen und die Straße von Hormus könnte für ein Drittel des globalen Ölvolumens, das derzeit durch sie fließt, unzugänglich werden. Ebenso könnte eine Deeskalation der jüngsten Spannungen die Nerven der Marktteilnehmer beruhigen und die Ölpreise dazu veranlassen, erneut zu sinken, wie dies angesichts anderer geopolitischer Ereignisse im vergangenen Jahr in der Region der Fall war.

Angesichts der Ungewissheit und des vorhandenen Spielraums würde die Rationalität vorschreiben, dass die Märkte das geopolitische Risiko bei Öl einpreisen, bis eine sinnvolle Lösung der Hauptprobleme zwischen den USA und dem Iran in Sicht ist. Angesichts der anhaltenden Spannungen werden die Märkte dieses Risiko wahrscheinlich stärker wahrnehmen und die Ölpreise so stützen. Wenn die Märkte jedoch wieder selbstgefällig werden und die Prämie demzufolge sinkt, bevor alle Probleme gelöst sind, könnte Öl als sehr gute Absicherung geopolitischer Risiken darstellen, da die Preise theoretisch immer dann steigen, wenn ein geopolitisches „Ereignis“ eintritt.


1) Eine Futures-Kurve wird als in Backwardation bezeichnet, wenn ihr Kassa- oder Barpreis höher als der Terminkurs ist. Die gegenteilige Situation, bei der der Terminkurs höher ist als der Kassa- oder Barpreis, wird als Contango bezeichnet.

Multi-Asset-Ausblick für das Jahr 2020

von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager, Fixed Income and Multi Asset Solutions bei First State Investments.

“Für das Jahr 2020 erwarten wir ein weiterhin unregelmäßiges Wirtschaftswachstum, anhaltende Handelsstreitigkeiten sowie geopolitische Spannungen. Für Anleger bedeutet dies, dass diese Risiken gegenüber den Vorteilen einer zunehmend lockeren Geldpolitik, einem starken Konsumverhalten sowie dem Potenzial eines sich beruhigenden Handelsstreits zwischen China und den USA während der US-Wahlen abgewogen werden müssen.

Mit Blick auf die US-Wirtschaft gehen wir davon aus, dass die bislang historisch betrachtet längste Wirtschaftswachstumsperiode auch in diesem Jahr anhalten wird. Zudem erwarten wir, dass China seine Wirtschaft weiter stabilisiert - sofern keine signifikanten externen Ereignisse dies beeinflussen. Zusätzlich dürften die verzögert eintretenden Auswirkungen der globalen geldpolitischen Lockerung Rückenwind für die finanziellen Rahmenbedingungen schaffen und die Konjunktur weiter fördern.

Wenngleich wir keine Zunahme von Unternehmensinvestitionen erwarten, wird der starke Konsum in den USA weiter anhalten und die Wirtschaft des Landes stützen. Zudem haben die Verbraucher zuletzt ihren Verschuldungsgrad weiter reduzieren können, erleben ein starkes Beschäftigungs- und Lohnwachstum und profitieren derzeit von steigenden Vermögenswerten. Im Hinblick auf die globale Wirtschaft gehen wir von einer weiterhin gedämpften Inflation aus. Dabei haben wir unsere Erwartungen für Schwellenländer jüngst gesenkt. Europa hofft auf ein rasches Beilegen der Handelsstreitigkeiten mit den USA, um seine Wachstumsprognosen anheben zu können, da die Europäische Zentralbank keine tragfähigen fiskalpolitischen Optionen zu haben scheint. Wir halten es auch für unwahrscheinlich, dass es Europa gelingen wird, ein wirksames QE-Programm aufzulegen.

Was unsere Portfolioallokation für das Jahr 2020 betrifft, so fokussieren wir uns primär auf globale Aktientitel in entwickelten Märkten sowie Anleihen mit kurzer Laufzeit und Schuldtitel. Während die Aktienmärkte global auch weiterhin ein Allzeithoch verzeichnen dürften, konzentrieren wir uns nach wie vor auf Fundamentaldaten und rufen uns in Erinnerung, dass Bullenmärkte nicht aus Altersschwäche sterben. Daher gehen wir davon aus, dass globale Aktien ein Renditewachstum nahe dem historischen Trendniveau erreichen werden, wobei die Schwellenländer von einer möglichen Schwäche des US-Dollars nach der geldpolitischen Wende profitieren könnten. Bei globalen Staatsanleihen und dem Rohstoffsektor bleiben wir weiterhin zurückhaltend.

Im Laufe des Jahres 2019 haben wir unser Engagement in längerfristigen Staatsanleihen reduziert, da der betreffende Wertpapierhandel die Wachstumsaussichten belastete und die Renditen sanken. Negative Renditen, insbesondere in Europa, verdeutlichen das Ausmaß der negativen Wachstums- und Inflationserwartungen. Wir gehen davon aus, dass die verbesserten Konjunkturaussichten die langfristigen Zinssätze anheben, ihre Zinskurven dadurch steiler werden und in der kommenden Zeit zu negativen Renditen für die Anleger führen wird. Wir bevorzugen festverzinsliche Anlagen in Schwellenländern, von denen wir glauben, dass sie eine Diversifizierung zu attraktiven Renditen bei höherem Wachstum bieten, trotz einer sich verlangsamenden Wirtschaft."

Warum Flexibilität am Anleihenmarkt gefragt ist

von Mario Kaudela, Produktmanagement der Erste Asset Management.

Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds wird die Jagd nach Rendite immer komplexer. Um laufende Erträge erwirtschaften zu können, müssen Anleiheinvestoren immer höhere Risiken eingehen. Viele Anleger nutzen deshalb die Expertise eines erfahrenen Fondsmanagements und investieren in einen flexibel gesteuerten Anleihenfonds.

Was kann man sich unter einem flexibel gesteuerten Anleihenfonds vorstellen?

Ein flexibler Anleihenfonds kann in die unterschiedlichsten Anleihesegmente investieren und hat damit die Möglichkeit, Chancen am Anleihemarkt zu nutzen.

Der Fonds sucht dabei laufend nach den aus seiner Sicht attraktivsten Anleihesegmenten, zum Beispiel nationale und internationale Staats- und Unternehmensanleihen, inflationsgeschützte Anleihen, Hochzinsanleihen, Emerging Market-Anleihen und Hypothekenanleihen.

Welche Fonds werden von der Erste Asset Management in dieser Kategorie angeboten?

Ein Fonds mit einer sehr hohen Flexibilität ist der im Jahr 2018 gestartete ERSTE FIXED INCOME PLUS. Je nach Markteinschätzung kann dabei die Gewichtung von Risikoanleihen im Fonds zwischen null Prozent und 100 Prozent schwanken.

Bis zu 100% Risikoanleihen? Gibt es auch Fonds für konservativere Anleger?

Mit dem ERSTE SELECT BOND und dem ERSTE SELECT BOND DYNAMIC bietet die Erste Asset Management bereits seit 2002 bzw. 2007 Anleihendachfonds an.

Um den Herausforderungen des Niedrigzinsumfelds besser begegnen zu können, wurden diese beiden Fonds mit Jänner 2020 auf die flexible Anlagestrategie des ERSTE FIXED INCOME PLUS umgestellt. Gleichzeitig wurden die Grenzen für den Anteil an Risikoanleihen angepasst.

Wie sehen nun die neuen Grenzen für Risikoanleihen im ERSTE SELECT BOND und ERSTE SELECT BOND DYNAMIC aus?

Damit der flexible Investmentansatz Wirkung zeigen kann, wurde im ERSTE SELECT BOND der maximale Anteil an Risikoanleihen von 10 Prozent auf 25 Prozent erhöht. Im ERSTE SELECT BOND DYNAMIC wurde der maximale Anteil an Risikoanleihen von 60 Prozent auf 50 Prozent reduziert.

Dafür kann der ERSTE SELECT BOND DYNAMIC ab sofort bis zu 10 Prozent in Fonds mit alternativen Anleihestrategien  investieren.

Fondsname Anteil Risikoanleihen*
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% (bislang bis zu 10%)
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 50% (bislang bis zu 60%)

*Risikoanleihen sind beispielsweise High Yield Anleihen oder Schwellenländeranleihen

Das offene Fremdwährungsrisiko kann in allen Fonds bis zu 25% betragen.

Fondsname Offenes Fremdwährungsrisiko Alternative Investments
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% 0%
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 25% Bis zu 10%
ERSTE FIXED INCOME PLUS Bis zu 25% Bis zu 30%

 

Somit gibt es nun die Auswahl aus drei flexiblen Anleihendachfonds mit unterschiedlicher Risikoausprägung.

Die angegebenen Portfoliopositionierungen bzw. Bandbreiten auf dem Stand der Marktentwicklung zum Redaktionsschluss. Im Rahmen des aktiven Managements können sich die genannten Portfoliopositionierungen jederzeit ändern.


Warnhinweise gemäß InvFG 2011

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

A closer look at the crisis in Argentina

by Tim Drayson, Head of Economics at Legal & General Investment Management.

Despite the slowdown in global growth, which now appears to have stabilised, very few countries are currently suffering a proper recession. The notable exceptions are Hong Kong and Argentina.

As an economist, holidays are a chance to study the anatomy of a downturn first hand (and to be described as an ‘econ geek’ by my 14-year-old daughter). As I live with a currently weak currency in Britain, a dollar-pegged Hong Kong and riots were not appealing; more enticing was the two-thirds depreciation of the Argentine peso (ARS) over the past couple of years.

Strolling through Buenos Aires revealed a country in crisis and the ravaging effects on poverty of a 50% inflation rate. As Magda highlighted over a year ago, Argentina has become stuck in its high inflation, high external debt and depreciation quicksand, which assistance from the International Monetary Fund (IMF) has so far been unable to solve.

Some prices had failed to adjust to the currency collapse and so appear remarkably cheap for tourists, while imported luxury brands had risen in line with the depreciation. Restaurant prices were about one-third the cost of London. Regulated taxi fares meant a 10-minute cab journey was around 100 pesos (barely over a dollar). The tips were gratefully received. The underground was embarrassingly cheap at 20 pesos (due to price freezes since March which implies increased subsidy and fiscal cost). But they were also clean, punctual and air conditioned – South West Trains, please note!

Setting the peso

The one business which is clearly booming is clandestine foreign exchange. There is a desperate shortage of dollars due to capital controls, the impending sovereign debt restructuring, and punitive taxes on trade. Furthermore, nobody wants to save in pesos because of the expected future depreciation, preferring dollars in bank safety deposit boxes.

Official foreign exchange outlets are a bureaucratic nightmare with restrictions on the amounts of dollars which can be exchanged. The banks are unattractive with huge fees and severe limits on cash withdrawals. This has led to cries of ‘cambio, cambio’ on every street corner in the centre of Buenos Aires.

After negotiating a price, clients are led into tiny rooms down side streets (known as ‘Cueva’ – an exchange office hidden inside a regular business unit which is a façade to cover the real transactions) to see the boss and receive rates currently at least 20% better than the official exchange rate.

If like me you don’t fancy the risk of dealing with an unlicensed entity, many of the shops and restaurants took card payments and were happy to offer discounts to tourists or take dollars at favourable exchange rates. The unofficial exchange rate is posted on the blue dollar website or can be calculated by taking the dollar and peso prices of the same assets listed on different stock exchanges.

So what’s the trade recommendation (other than visiting Argentina with a suitcase full of dollars and a security guard)?

The real depreciation is already substantial and, while confidence is unlikely to be restored under fears of another profligate Peronist Fernandez-Kirchner government, it is hard to short the peso given the carry costs and exchange-rate management. Sovereign bonds are already priced for a major default.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Thematische Aktien: Bausteine eines diversifizierten Portfolios

Anleger können unabhängig von ihrem Ansatz für den Portfolioaufbau einen Teil ihres Vermögens in thematische Aktien investieren, so Stephen Freedman, Senior Produktspezialist im Thematic Equities Team von Pictet Asset Management.

Übersicht

Aktienanleger haben die Investmentwelt traditionell in Länder oder Regionen unterteilt. Der Vorteil dieser Klassifizierung ist, dass sie einfach ist. Aber ganz so einfach, wie es scheint, ist es doch nicht. Anleger könnten zum Beispiel versucht sein zu glauben, dass der FTSE-100 die britische Wirtschaft abbildet. In Wirklichkeit aber erzielen die Bestandteile des Index deutlich mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

Diese Anomalien erklären, warum bei der Allokation von Kapital heute verstärkt auch andere Dimensionen berücksichtigt werden. Thematische Aktien bieten Anlegern die Möglichkeit, am Wachstum in Bereichen der Wirtschaft zu partizipieren, die sich der traditionellen Klassifikation entziehen. Investmentthemen wie Robotik und saubere Energie sprengen die Grenzen von Branchen, Ländern und Regionen. Ausserdem sind sie als Portfoliobausteine greifbarer.

In diesem Kommentar erläutern wir, wie Anleger thematische Aktien zum Bestandteil ihrer Portfolios machen können. 

Dazu schauen wir uns drei Ansätze an:

  • Thematische Aktien als Satelliten-Investment in einem "Core-Satellite-Konzept"
  • Thematische Aktien als ein Instrument, um einer globalen Aktienallokation oder einem „Carve-out“ gerecht zu werden
  • Thematisch diversifizierte globale Aktienportfolios

Thematische Aktien in einem "Core-Satellite-Portfolio"

Für Anleger, die ohne grossen Aufwand thematisch investieren möchten, bietet sich die "Core-Satellite-Strategie" an.

Bei diesem Ansatz wird das Portfolio zweigeteilt: Der "Core-Teil“ beinhaltet traditionelle Anlagen wie Aktien und Anleihen. Er strebt die Erzielung der Marktrendite („Beta“) an.

Im Gegensatz dazu investieren die „Satelliten“, die zwar kleiner sind, aber bis zu einem Viertel des Gesamtkapitals eines Portfolios ausmachen können, in unkonventionelle Anlagen. Allokationen in Satelliten erfolgen entweder langfristig – mindestens drei Jahre – oder für kürzere Zeiträume im Rahmen einer taktischen Anlagestrategie. In jedem Fall besteht das Anlageziel entweder darin, zusätzliche Alpha-Quellen zu erschliessen (d. h. eine Rendite, die über derjenigen des Marktes liegt oder unabhängig von der Marktrendite ist) oder das Risiko zu diversifizieren.

Abb. 1: Thematische Aktien in einem "Core-Satellite-Portfolio"


Nur zur Veranschaulichung. Quelle: Pictet Asset Management

Thematische Aktien sind aus mehreren Gründen ein effizientes Satelliten-Investment. Zunächst einmal werden Themenaktien von Unternehmen ausgegeben, die keinen bedeutsamen Platz in grossen Indizes wie dem MSCI World einnehmen. Das Universum thematischer Investments enthält einen grösseren Anteil an spezialisierten Unternehmen mit relativ geringer Kapitalisierung und Schwellenländeraktien. Hinzu kommt, dass das Angebot thematischer Investments breit gefächert ist – es gibt fast genauso viele Themenaktien wie in traditionellen globalen Aktienindizes vertretene Unternehmen.

Um die Effizienz von thematischen Aktien als Satelliten-Investments zu veranschaulichen, haben wir eine Analyse mithilfe einer Portfoliooptimierung durchgeführt. Dabei werden Kennzahlen wie Rendite, Volatilität und Korrelation von Anlagen herangezogen, um festzustellen, mit welcher Kombination von Wertpapieren sich das optimale Portfolio zusammenstellen lässt. Das optimale Portfolio für eine bestimmte erwartete Rendite ist dasjenige mit der niedrigsten erwarteten Volatilität.

Portfoliooptimierung: Thematische Aktien in einem ausgewogenen Portfolio

Konkret analysiert unsere Studie den Effekt einer Integration thematischer Aktien in ein diversifiziertes Portfolio – dessen Anlagen sich in unterschiedlichen Prozentsätzen auf Aktien und Anleihen verteilen (jeweils dargestellt durch den MSCI ACWI Index und den BofA Merrill Lynch Global Government Bond Index).

Unser Ziel ist es, die optimale Grösse der Allokation in Themenaktien zu bestimmen.

Eine detaillierte Beschreibung der Methodik – die auf einer Stichprobe monatlicher Beobachtungen zu den thematischen Portfolios von Pictet Asset Management und den erwarteten Renditen für die globalen Aktien- und Anleihenindizes beruht – finden Sie im Anhang.

Die Stichprobenanalyse thematischer Einzelstrategien wird aus verschiedenen Gründen herangezogen.

Erstens wird davon ausgegangen, dass der Anleger nicht in der Lage ist, im Voraus die thematische Strategie mit der besten Performance auszuwählen. Zweitens bildet die Methode die typische Investmententscheidung bzw. eine Allokation in eine Einzelthemen- statt in eine Mehrthemenstrategie nach.

Drittens geht bei Heranziehung eines Einzelthemen-Portfolios die Methode davon aus, dass es keine Verbesserungen des Risiko-Rendite-Verhältnisses gibt, die sich sonst aus einer diversifizierten Mehrthemenstrategie ergäben.

Die Analyse zeigt, dass ein optimales "Core-Satellite-Portfolio" abhängig vom Renditeziel eines Anlegers 20% seines Gesamtkapitals thematischen Aktien zuweisen würde (Abb. 2).

Abb. 2: Simulation A – Allokation in thematische Aktien in einem gemischten Anleihen-Aktien-Portfolio

Allokation in thematische Aktien, %, in gemischtem Anleihen-Aktien-Portfolio gemäss Renditeziel*

* Ergebnisse basieren auf einer Portfolioptimierung, wie im Anhang erläutert. Historische Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019; prognostizierte Renditen für den MSCI World Index und den BofAML Government Bond Index beziehen sich auf den Zeitraum 31.03.2019–31.03.2024.
Alle Renditen sind in US-Dollar angegeben. 

Um die Validität dieser Beobachtungen zu überprüfen, haben wir eine zweite Studie mit anderen Variablen durchgeführt.

Diese Analyse, die ebenfalls im Anhang beschrieben ist, basiert auf einer Portfoliosimulation anhand historischer Daten der vergangenen zehn Jahre. In diesem Fall verteilt sich das Vermögen des Basisportfolios wie folgt: 60% globale Aktien und 40% globale Anleihen; es werden dieselben Indizes wie bei der ersten Studie herangezogen. Die Daten zu den thematischen Aktien werden aus denselben Quellen und mit derselben Methodik bezogen.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich das optimale Portfolio aus einer Kernallokation zusammensetzt, deren Anlagen sich gleichmässig auf die verschiedenen Anleihen verteilen, ergänzt um eine Allokation von 18% in thematische Aktien. Die Volatilität ist bei diesem Kern-Satelliten-Portfolio genauso hoch wie bei einem Aktien-Anleihen-Portfolio im Verhältnis 60/40, aber die Rendite ist höher. Die positive Renditedifferenz beträgt 0,2 Prozentpunkte pro Jahr (gebührenbereinigt).

Abb. 3: Simulation B – Thematische Allokation in einem Portfolio mit einem Mix aus Aktien und Anleihen

Rendite und Volatilität, % annualisiert, von 60/40-Portfolio und diversifiziertem Portfolio mit thematischer Aktienallokation

* Ergebnisse einer Portfolioptimierung, wie im Anhang beschrieben. Die Studie vergleicht Rendite und Volatilität eines ausgewogenen 60/40 Aktien-Anleihen-Portfolios mit denen eines 50/50 Aktien-Anleihen-Portfolios mit zusätzlich 18% Allokation in thematischen Aktien.

Thematische Aktien als Carve-out

Auch wenn der "Core-Satellite-Ansatz" recht beliebt ist, nehmen die meisten professionellen und privaten Anleger ihre Kapitalallokation nach Regionen vor. Bei dieser Strategie wird das Investmentuniversum in grosse regionale Blöcke wie Nordamerika, Westeuropa und Asien-Pazifik-Raum unterteilt.

Abb. 4: Thematische Aktien in einem Portfolio, dessen Kapital nach Regionen zugeteilt wird


Nur zur Veranschaulichung. Quelle: Pictet Asset Management

Auf den ersten Blick scheinen thematische Aktien in einem solchen Portfolio nicht gerade gut aufgehoben zu sein. Thematische Anlagestrategien sind meist von Natur aus global, überschreiten regionale Grenzen.

Dennoch spricht vieles dafür, eine Allokation in „anderen globalen Aktien“ neben grösseren regionalen Allokationen aufzubauen (Abb. 3).

Bei regionalen Investments geht es darum, das Kapital auf Anlagen zu verteilen, die sich nicht im Gleichschritt entwickeln, aber dieser Ansatz hat auch seine Tücken. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass sich die regionalen Aktienmärkte synchron entwickeln können, vor allem in Zeiten hoher Volatilität. Daher kann die Integration einer differenzierten globalen Anlageklasse wie thematischen Aktien helfen, Risiko- und Renditequellen zu diversifizieren.

Einige thematische Aktienstrategien sind als Ergänzung regionaler oder länderbasierter Portfolios besser geeignet als andere. Am besten funktionieren Strategien, die in mehrere Anlagethemen gleichzeitig investieren und somit breiter diversifiziert sind; sie können daher einen grösseren Teil einer globalen Aktienallokation ausmachen.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie, wie Sie thematische Aktien als Instrument der Portfoliodiversifizierung einsetzen können.


Methodik der Portfoliooptimierung

Die Ergebnisse in Abb. 2 resultieren aus folgender Vorgehensweise: Zunächst erstellen wir 100 zufällige thematische Rendite-Zeitreihen. Mit anderen Worten: Für jede monatliche Beobachtung im Überprüfungszeitraum ziehen wir die historische Rendite einer zufällig ausgewählten thematischen Aktienstrategie aus der Palette von Pictet Asset Management aus. Dieser Prozess setzt keine besonderen Fähigkeiten bei der Strategieauswahl voraus. Folgende Strategien wurden in die Studie einbezogen: Water, Security, Health, Biotech, Premium Brands, Clean Energy, Digital, Timber, Nutrition, Robotics, SmartCity, Global Environmental Opportunities und Global Thematic Opportunities.
Die Renditen der thematischen Strategien sind in US-Dollar angegeben, gebührenbereinigt und beziehen sich auf die Anteilsklasse P. Die Angaben basieren auf den von Bloomberg bezogenen Fondsdaten. Wir nutzen historische Daten für den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019. Wir erstellen dann mithilfe der historischen Renditen für den MSCI ACWI Index und den BofAML Global Government Bond Index eine Kovarianz-Matrix für jeden der 100 Simulationsläufe.
Für die Renditeschätzungen der nächsten fünf Jahre für globale Aktien und globale Staatsanleihen stützen wir uns auf das selbstentwickelte Prognosemodell der Pictet Asset Management Strategy Unit, dessen Methodik im Folgenden beschrieben ist.
Auf Grundlage der zufallsgestützten Kovarianz-Matrizen und Renditeschätzungen werden dann 100 Effizienzkurven („Efficient frontiers“) erstellt, die Auskunft über die optimale Verteilung auf die drei Anlageklassen geben. Die genannten und in Abb. 2 dargestellten thematischen Aktienallokationen stellen das 33. Percentil der Allokation in thematische Aktien für das jeweilige Renditeziel dar. Bei zwei Drittel der Simulationen ist die empfohlene Allokation grösser als die in der Abbildung dargestellte.
Eine detailliertere Beschreibung der Portfoliooptimierung nach dem Mean-Variance-Ansatz finden Sie hier: http://www.columbia.edu/~mh2078/FoundationsFE/MeanVariance-CAPM.pdf
Die Ergebnisse in Abb. 3 basieren auf einer Simulation, bei der wir ebenfalls historische Daten für den Zeitraum 31.12.2008–31.08.2019 verwendet haben. Wir berechnen das ex-post Risiko- und Renditeverhalten eines ausgewogenen Aktien-Anleihen-Portfolios, bei dem 60% auf Aktien verteilt werden, die im MSCI ACWI Index vertreten sind, und 40% auf Anleihen, die im BofA Merrill Lynch Global Government Bond Index vertreten sind. Die Renditen sind in US-Dollar angegeben. Für die Berechnung der historischen Renditen und Volatilität des thematischen Aktienuniversums gehen wir genauso vor wie bei der Portfoliooptimierung oben.
Wir haben anschliessend 500 Simulationen durchgeführt, bei denen ein 50/50 Anleihen-Aktien-Portfolio durch ein thematisches Satelliten-Investment ergänzt wurde, um dasselbe durchschnittliche Risiko zu erreichen wie beim 60/40 Portfolio. Die Volatilität der thematischen Aktienallokation lag bei den 500 Simulationsläufen im Durchschnitt bei 18% und war damit genauso hoch war wie beim 60/40 Portfolio, aber mit einer höheren Rendite.

Über den Autor

Stephen Freedman kam 2019 zu Pictet Asset Management als Senior Produktspezialist im Thematic Equities team. Bevor er zu Pictet kam, war Stephen bei der UBS Wealth Management tätig, wo er zuletzt als Leiter für nachhaltige Investitionslösungen für den amerikanischen Raum zuständig war, mit Sitz in New York. Davor war er in verschiedenen Funktionen der Investmentstrategie tätig, darunter als Leiter der thematischen Anlagestrategie und als Leiter der taktischen Asset Allokation. Er startete seine Karriere 1998 als Volkswirt und Analyst für öffentliche Ordnung bei der UBS in Zürich. Seit 2019 hält er Vorlesungen in Umweltfinanzierung an der Universität in New York. Stephen erwarb einen Doktortitel sowie einen Master in Volkswirtschaft an der Universität St. Gallen. Er ist CFA Charterholder und wurde von der Global Association of Risk Professionals mit dem Titel FRM ausgezeichnet.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Konjunkturerholung in Europa verliert an Schwung

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree.

Die europäischen Aktienmärkte leiden unter dem Zusammenfluss externer und interner Schwierigkeiten, globale Spannungen im Handel, die Konjunkturabschwächung in der chinesischen Wirtschaft, strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie und die andauernde Unsicherheit um den Brexit. Seit 2013 schneiden die europäischen Aktienmärkte schlechter ab als die US-Aktienmärkte, wobei der Abstand seit 2000 am größten ist. Value-Aktien spielen im Vergleich zu den USA in Europa eine größere Rolle, während Wachstumsaktien in den USA einen höheren Anteil haben. Seit der großen Finanzkrise haben Wachstumsaktien Value-Aktien deutlich überholt, was ebenfalls der mangelnden Wertentwicklung in Europa zuzuschreiben ist. Die europäische Gemeinschaftswährung wird gegenüber dem US Dollar derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2017 gehandelt, doch für europäische Exporteure hat sich daraus bisher kein Wettbewerbsvorteil ergeben. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 flossen Mittel im Wert von 8,1 Mrd. US Dollar aus Exchange Traded Funds (ETFs) für in der Eurozone angesiedelten Aktien ab, was den starken Pessimismus gegenüber europäischen Aktien untermauert. Aufgrund des verhaltenen Ausblicks sind defensive Sektoren der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu zyklischen Sektoren überlaufen. Europa kann nur dann ein Trendwende schaffen, wenn es zu einer Kombination aus Fortschritten in den Verhandlungen beim Welthandel, einer Erholung bei Value Aktien und sinnvollen finanzpolitischen Impulsen kommt.

Schwäche in der Industrie zieht auch Dienstleistungssektor nach unten

Bei der Verschlechterung der europäischen Wirtschaftsdaten zeichnet sich kein Ende ab. Der Einkaufsmanagerindex Flash Eurozone Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI) fiel mit einem Wert von 45,6 im September auf seinen schlechtesten Stand seit fast sieben Jahren, ein Rückgang von 47 Punkten gegenüber August. Die Schwäche war auch im Dienstleistungssektor zu beobachten, wo der Flash Eurozone Services PMI ein achtmonatiges Tief erreichte. Dies ist ein besorgniserregendes Anzeichen. Abschwünge werden häufig zuerst im Industriesektor entdeckt und dann an den Dienstleistungssektor weitergegeben, da die Industrie tendenziell schneller auf sich verändernde Nachfragebedingungen reagiert. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Schwäche auf die Inlandsnachfrage auswirkt, war ein weiterer Rückgang in der Beschäftigungskomponente des Composite PMI auf ein Niveau, das mit stagnierender Beschäftigung und einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit einhergeht.

Europas Nachzügler Deutschland

Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, war von dem durch die Handelskonflikte und den Abschwung in China am stärksten betroffen, da der Export 47 Prozent am BIP ausmacht. Dies wurde anhand des aktuellen Rückgangs beim Industrie-PMI von 43,1 auf 41,4 im September offensichtlich, dem schlechtesten Stand seit mehr als zehn Jahren. Deutschland hat einen großen Anteil an der Autoproduktion. Die Einführung neuer Emissionstests durch die EU trugen ebenfalls zum Verlust des Momentums in der Branche bei. Die Tatsache, dass Deutschland über eine Supply Chain verfügt, die den Kontinent umspannt und 29 Prozent des BIP der Eurozone ausmacht, lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass auch andere westeuropäische Volkswirtschaften die negativen Folgen einer Rezession in Deutschland zu spüren bekommen würden. Zu allem Übel hat die Welthandelsorganisation (WTO) die USA zur Erhebung von Zöllen auf europäische Luftfahrt- und Luxusgüter im Wert von fast 7,5 Mrd. US Dollar ermächtigt, da dem europäischen Flugzeughersteller Airbus SE illegale staatliche Zuschüsse bereitgestellt worden waren. Sollte die Trump-Regierung die Zölle einfordern, ist es wahrscheinlich, dass dies Vergeltungsmaßnahmen durch die EU nach sich ziehen und den Handelskonflikt zwischen den beiden Nationen weiter vertiefen würde. Am 20. September gab die Bundesregierung ein Klimapaket im Wert von 54 Mrd. Euro bekannt, das auf die Erreichung des Emissionsziels 2030 abzielen soll. Den Erwartungen nach soll dieses Paket aus vorhandenen Überschüssen im Energie- und Klimafonds finanziert werden, was einen geringfügigen finanziellen Impuls von netto weniger als 1,6 Prozent des BIP beinhaltet.

Geld- und Finanzpolitik müssen Hand in Hand gehen

Am 12. September legte die EZB ein umfangreiches Lockerungspaket mit folgendem Inhalt auf: Senkung des Einlagenzinssatzes um 10 Basispunkte, Neuauflage von Nettokäufen im Rahmen ihres Wertpapierkaufprogramms (Asset Purchase Programme; APP) mit monatlich 20 Mrd. Euro, großzügigere gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) und Einführung eines zweistufigen Einlagenzinssatzes zur Abmilderung der Kosten aus negativen Zinsen für Banken. Die Probleme in Europa lassen sich jedoch nicht allein durch Geldpolitik lösen. Das Hauptproblem in Europa ist nicht ein mangelnder Zugang zu Kapital für Unternehmen oder hohe Kapitalkosten, sondern eine mangelnde externe und interne Nachfrage. Aufgrund externer Erschütterungen wie Handelsstreitigkeiten, Brexit und Konjunkturschwäche in China sind die Nachfragebedingungen weiterhin schlecht. Deshalb muss in Europa bei der Finanzpolitik, die strenger ist als nötig, mehr getan werden, um die internen Nachfragebedingungen zu stärken. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi brachte diese Gedanken auch bei seiner letzten EZB-Pressekonferenz zum Ausdruck. Hierbei betonte er, dass die Finanzpolitik nun den Staffelstab von der geldpolitischen Lockerung übernehmen müsse, denn es sei unwahrscheinlich, dass die Wachstums- und Inflationsziele ohne die Rolle der Finanzpolitik erreicht werden könnten. Der aktuelle mehrjährige Finanzierungsrahmen deckt die Jahre 2014–2020 ab und umfasst 1.087 Mrd. Euro bzw. 1 Prozent des BIP der EU.

Die Vorbereitungen für den neuen Haushalt der Europäischen Union (EU) für 2021–2027 sind bereits in vollem Gange. Ein neuer mehrjähriger Finanzierungsrahmen für den Zeitraum 2021–2027 wurde von der Europäischen Kommission (EK) vorgeschlagen und zielt auf ein Budget von ungefähr 1,3 Trillionen Euro ab, das sich auf ein breites Spektrum unterschiedlicher politischer Prioritäten der Europäischen Union verteilt. Der neu vorgeschlagene mehrjährige Finanzierungsrahmen soll die soziale Dimension der Union stärken. Für nächstes Jahr wird die Europäische Kommission die Umsetzung der Programme fortsetzen, die im mehrjährigen Finanzierungsrahmen 2014–2020 genehmigt wurden, während sie die Annahme des vorgeschlagenen mehrjährigen Finanzierungsrahmens 2021–2027 voranbringt.

Bewertungen weiterhin zugunsten Europas

Europäische Bewertungen werden gegenüber denjenigen für die USA historisch gesehen mit einem Abschlag gehandelt. Laut des konjunkturbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (CAPE) werden europäische Aktien (CAPE von 18,35) im Vergleich zu US-Aktien (CAPE von 20,54) mit einem Abschlag von 10,6 Prozent gehandelt. Historisch gesehen haben europäische Unternehmen außerdem einen höheren Gewinnanteil an die Aktionäre in Form von Dividenden ausgeschüttet als in den USA. Höhere Dividendenrenditen in Europa von 3,71 Prozent, verglichen mit 1,9 Prozent bei US-Aktien, verbessern den Investment Case für europäische Aktien, vor allem in einer Zeit, in der globale Schuldverschreibungen im Wert von fast 14 Trillionen USD negativ verzinst werden.

Überhöhtes Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts

Der verhaltene Ausblick der Investoren hat zu einem überhöhten Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts geführt, nämlich bei Wachstums-, Large-Cap- und international exponierten Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Value- im Vergleich zu Wachstumsaktien ist so niedrig wie seit 2005 nicht mehr.

Obwohl europäische Small-Cap-Aktien eine Prämie von 6 Prozent auf die Dividendenrendite bieten, werden sie im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt gegenüber Large-Cap-Aktien auf KGVBasis mit einem Abschlag von 5 Prozent gehandelt. International exponierte europäische Aktien schneiden seit 2007 um 44 Prozent besser ab als ihre inländischen Pendants.


Soweit nichts anderes angegeben, stammen die Daten von Bloomberg.

10 Thesen für die Märkte 2020

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Hauptherausforderungen für das Anlagejahr 2020 sind der US-Wahlkampf, Brexit und Handelsstreit. Ist die Furcht geopolitische Eskalation übertrieben? Hier unsere 10 Thesen für die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2020:

1) Das reale globale Wirtschaftswachstum steigt mild an

Die Abschwächung des Wachstums dauert nun bereits zwei Jahre an.

Fünf Hauptgründe dafür sind:

  1. eine „Normalisierung“ nach den hohen Wachstumsraten im Jahr 2017
  2. die Leitzinsanhebungen in vielen Teilen der Welt bis Ende 2018 um die Inflation niedrig zu halten
  3. die Maßnahmen in China um das Kreditwachstum einzudämmen
  4. die angestiegene Unsicherheit, die durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China ausgelöst wurde
  5. die Probleme im Autosektor aufgrund einer Verschärfung von Emissionsgrenzen.

All diese negativen Impulse haben das Wachstum auf ein Niveau gedrückt, das unter dem Potential liegt. Mittlerweile hat auf breiter Front eine Entspannung eingesetzt, die eine Wachstumsbeschleunigung bewirken wird.

Die Zentralbanken haben das geldpolitische Umfeld gelockert, sprich: die Leitzinsen gesenkt, in China w