Impact Investing: die Strategie zur Bewältigung ökologischer Herausforderungen

Impact Investments sind in der Finanzwirtschaft momentan in aller Munde. Es handelt sich um Investitionen mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite auch positive, messbare soziale und ökologische Auswirkungen zu erzielen. Der wachsende Impact-Investment-Markt stellt Kapital zur Verfügung um die dringendsten Herausforderungen der Welt in Bereichen wie erneuerbare Energien, Klimaschutz, Mikrofinanzierung sowie eine erschwingliche und zugängliche Grundversorgung wie Wohnen, Gesundheitswesen und Bildung zu bewältigen.

Impactfonds – das „Sahnehäubchen“ der nachhaltigen Investmentbranche

„Lange Zeit war es den Fondsgesellschaften überlassen, zu beurteilen, ob ein Fonds ein Impactfonds ist oder nicht. Mit dem Vorteil, innovative, neue Produkte schaffen zu können und dem Nachteil des Greenwashing durch Trittbrettfahrer“, betont Walter Hatak, Leiter Nachhaltige Investments in der Erste Asset Management. Die Offenlegungsverordnung der Europäischen Union, die Anfang März 2021 in Kraft getreten ist, stellt neue Transparenzregeln zu Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken in Finanzanlageprodukten und nachteiligen Auswirkungen auf. Die darin enthaltenen Artikel 9 Fonds haben vereinfacht gesagt das Ziel, neben Performance eine positive Wirkung, also Impact für die Gesellschaft zu generieren.

Der Impact muss messbar und sichtbar sein

Für die Impactfonds der Erste AM lassen wir jährlich ein extern beauftragtes Impactscreening durchführen, wo gemessen wird, welcher Impact durch die im Fonds investierten Titel erzielt werden konnte. Damit am Ende des Jahres ein positiver Impact berichtet werden kann, ist zuvor die Auswahl der richtigen Titel entscheidend. Dies können Aktien von Unternehmen sein, die Lösungen gegen den Klimawandel anbieten. Im festverzinslichen Bereich kommen Green Bonds oder Climate Awareness Bonds in Frage, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

„Es geht bei Impact nicht zwangsweise um Umweltthemen. Auch soziale Themen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern durch Mikrokredite spielen eine wichtige Rolle für uns als Unternehmen“, so Hatak.

Viele Wege führen zum Impact-Ziel

Positiver Impact kann über unterschiedliche Wege erzielt werden. Die Erste AM nutzt hier sämtliche verfügbare Nachhaltigkeitswerkzeuge: einerseits durch die Fondsprodukte selbst, andererseits durch die Stimmrechtausübung und Unternehmensdialoge.

So wird über unseren ERSTE GREEN INVEST in Unternehmen veranlagt, die es zu ihrem Geschäftszweck gemacht haben, den Klimawandel zu bekämpfen und natürliche Ressourcen wie Wasser möglichst effizient zu nutzen. Im ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT wird über Green Bonds, Climate-Awareness Bonds und Social Bonds gezielt in jene Projekte investiert, die sicherstellen sollen, dass unsere Nachfolgegenerationen einen lebenswerten Planten vorfinden werden. Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE erlaubt es dort Kapital zur Unternehmensgründung und damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen, wo es ansonsten keinen oder nur erschwerten Zugang zu Finanzierungen gibt.

Durch die Ausübung der Stimmrechte, Einbringung von Aktionärsanträgen zu ökologischen und sozialen Themen sowie Investorendialoge können Fondsgesellschaften Druck auf Unternehmen ausüben. Dadurch wird auch abseits von Impactfonds positive Wirkung erzielt. Die Erste AM übte im Jahr 2020 Stimmrechte auf 363 Hauptversammlungen für über 3 Milliarden Euro Volumen aus. 

Und die anderen Fonds haben keinen Impact?

„Aus unserer Sicht hat jede Investmententscheidung eine Auswirkung, die unabhängig von der Produktschiene gemessen werden sollte. Aus diesem Grund sind wir 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs dem Montréal Carbon Pledge beigetreten und veröffentlichen jährlich den CO2-Fußabdruck sämtlicher Publikumsfonds auf unserer Homepage“, so Hatak. Als Unternehmen sind wir stolz seit Beginn der Messung, auch dank unserer firmenweiten Mindeststandards, bei den CO2-Emissionen immer unterhalb des Gesamtmarktes gelegen zu sein. Zusätzlich veröffentlichen wir seit 2017 die Wasserrisiken in unseren Responsible Aktienfonds und haben die Berechnung heuer erstmalig auf die Responsible Rentenfonds ausgeweitet.

Selbst wenn es der Welt gelingt die Emissionen stark zurückzuschrauben, werden sie weiter steigen. Ähnlich wie ein tropfender Wasserhahn, der langsam aber stetig die Badewanne füllt, bis sie eines Tages übergeht. „Unser erklärtes Ziel muss die Klimaneutralität sein. Durch Impactfonds investieren wir in jene Unternehmen und in jene Projekte, die entscheidend dazu beitragen, den tropfenden Wasserhahn ein für alle Mal abzudrehen“, so Hatak abschließend.


Lesen Sie alles über Impact Investing, Greenwashing und Interviews mit Experten zum Thema in unserem ESGenius Newsletter hier: https://blog.de.erste-am.com/dossier/impact-investing/

Der ERSTE GREEN INVEST ist ein Impact Fonds, der sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder z.B. der Wasserwirtschaft veranlagt. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.

Warnhinweis Erste Green InvestWarnhinweis Erste Responsible Microfinance

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die Stärke von Mid Cap-Anlagen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Während viele Investoren dazu neigen, bei der Aktienallokation an Large Caps und Small Caps zu denken, sollten sie unserer Meinung nach auch Mid Caps in Betracht ziehen. Sowohl die historische Performance als auch die Sektordiversifizierung legen nahe, dass Mid Caps einen Platz im breiteren Portfolio eines Anlegers haben sollten.

Mid Caps: ein Bereich, den man leicht vergisst

Obwohl viele Anleger bei ihren US-Aktienallokationen an Large Caps gegenüber Small Caps denken, gibt es ein Marktsegment, das tendenziell weitgehend übersehen wird: die Mid Caps. Im europäischen ETF-Bereich haben Investoren mehr als 220 Milliarden US-Dollar in US Large Cap-ETFs gesteckt, während Mid Cap-Strategien nur 1,4 Milliarden* US-Dollar angezogen haben.

Wir sind der Meinung, man sollte dem Mid Cap-Bereich mehr Aufmerksamkeit schenken und nennen dafür zwei Hauptgründe: Performance und Diversifizierung. 

Performance

Langfristig bieten Mid Caps tendenziell höhere risikobereinigte Renditen als Large Caps und Small Caps. Und selbst in absoluten Zahlen, wenn wir die rollierenden 5-Jahres-Renditen seit dem Start des Index im Jahr 1995 betrachten, hat der S&P MidCap 400 Index den S&P 500 in 73 %** der Zeiträume übertroffen.

Diversifizierung

Anleger, die weiterhin in US-Aktien investieren möchten, aber wegen der Konzentration auf Technologiewerte innerhalb des S&P 500 Index beunruhigt sind, können auch den S&P MidCap 400 Index als Möglichkeit zur Diversifizierung ihres Engagements nutzen. 

Der S&P MidCap 400 Index ist weitaus diversifizierter als der S&P 500, wobei der größte Sektor, die Industrieunternehmen, nur 18,3 % des Index ausmachen. Die Gewichtung des Technologiesektors ist massiv reduziert und macht nur 14,3 % des Gesamtindex aus, verglichen mit mehr als einem Viertel der Gewichtung im S&P 500. Der Mid-Cap-Index ist auch viel stärker in anderen zyklischen Sektoren engagiert, wobei der Finanzsektor mit 15,8 % und der zyklische Konsumgütersektor mit 14,6 % den zweitgrößten Anteil ausmachen.

Aufgrund dieser geringeren Gewichtung des Technologiesektors und der höheren Gewichtung der stärker zyklisch ausgerichteten Sektoren könnte der S&P MidCap 400 Index besser positioniert sein, um eine Outperformance zu erzielen, wenn die valueorientierte und zyklische Rotation im weiteren Verlauf des Jahres weiter an Fahrt gewinnt.

Zugang zu diesem Engagement mit SPDR ETFs

Anleger können über den SPDR S&P 400 U.S. Mid Cap UCITS ETF, den größten und kostengünstigsten in Europa verfügbaren S&P MidCap 400 ETF, ein Engagement im S&P MidCap 400 Index aufbauen. Um mehr über diesen ETF zu erfahren und die vollständige Performance-Historie zu sehen, besuchen Sie bitte die Fondsseite.


*Quelle Morningstar Direct zum 31. März 2021
**Quelle: State Street Global Advisors, Morningstar Direct, Stand: 31. März 2021

Ausfall des Hedgefonds Archegos Capital zieht weite Kreise

Der Ausfall des US-Hedgefonds Archegos Capital zieht immer weitere Kreise und dürfte mehrere Großbanken teuer zu stehen kommen. Zuletzt hat die Credit Suisse vor hohen Verlusten gewarnt, da ein Hedgefonds ihren Nachschusspflichten nicht nachgekommen war. Insidern zufolge handelt es sich um Archegos. Das Bankhaus erwartet nun im Zusammenhang mit dem Ausfall Belastungen im Ausmaß von 4,4 Mrd. Schweizer Franken und fürchtet einen Verlust von rund 900 Mio. Franken im ersten Quartal. An den Börsen waren die Aktien zahlreicher Bankaktien vor dem Hintergrund der Schieflage zuletzt zeitweise massiv unter die Räder geraten.

Der Hedgefonds Archegos Capital des Investors Bill Hwang hatte in großem Umfang auf US-Aktien und teilweise dubiose chinesische Technologieaktien gesetzt. Der Fonds war Kunde bei zahlreichen renommierten Investmentbanken und kaufte über sie mit teilweise geliehenem Geld in Milliardenhöhe die entsprechenden Aktien. Die Aktien wurden dabei als Sicherheit für die Kreditlinien bei den Banken hinterlegt. Mit den Käufen auf Pump trieb der Fonds auch die Kurse „seiner“ Aktien teilweise kräftig nach oben. So war ViacomCBS zeitweise eine der erfolgreichsten US-Aktien.

Nach einer Kapitalerhöhung des US-Medienkonzerns fielen die Viacom-Aktien allerdings wieder, und die Banken forderten von Archegos Capital zusätzliche Sicherheiten für die Kreditlinien. Archegos konnte diesen Nachschussforderungen, sogenannten Margin Calls, allerdings nicht nachkommen. Hwang strebte laut Medienberichten eine Lösung mit den Banken an, scheiterte aber. Der Fonds geriet in Folge ins Straucheln und brach zusammen.

Medien zufolge konnten sich die kreditgebenden Banken nicht auf eine geordnete Abwicklung des Fonds einigen. Einige der Banken begannen die als Sicherheit hinterlegten Aktien zu verkaufen. So konnte laut Medien die Deutsche Bank ein Aktienpaket im Umfang von 4 Mrd. Dollar abstoßen. Die Bank kam nach eigenen Angaben ohne Verluste aus dem Deal mit Archegos heraus. Auch Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Credit Suisse sollen Aktienpakete verkauft haben. Mit den Verkäufen wurden teilweise in einer Kettenreaktion weitere Kursverluste ausgelöst, einige Banken dürften dabei das Nachsehen gehabt haben.

Zahlungsausfall des Fonds beschert Investmentbanken Milliardenverluste

Laut Medienberichten soll sich das Ausmaß der von Archegos gehaltenen Aktienpakete auf 20 bis 30 Mrd. Dollar belaufen haben. Analysten schätzen, dass sich die Verluste branchenweit auf bis zu fünf Mrd. Dollar oder sogar mehr belaufen. Finanzkreisen zufolge dürften Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS und die Deutsche Bank nur minimale Schäden erlitten haben. Stark betroffen seien dürften aber Credit Suisse und der japanische Finanzkonzern Nomura. Zuletzt hatte Nomura vor möglichen Belastungen in Höhe von etwa 2 Mrd. Dollar gewarnt.

Bei der Credit Suisse wurden bereits Konsequenzen gezogen. Das Hedgefonds-Debakel ist für die zweitgrößte Bank der Schweiz bereits der zweite Fehlschlag in diesem Jahr. Zuvor hatte die Pleite des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Capital die Credit Suisse getroffen. Investmentbank-Chef Brian Chin und Risikochefin Lara Warner verlieren nun ihre Jobs. Die Konzernleitung verzichtet auf Boni. Zudem setzt die Bank den Rückkauf eigener Aktien aus und will die Dividende kappen. Auch die Ratingagentur Standard & Poors hat bereits reagiert und ihren Ratingausblick für die Credit Suisse von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt.

Finanzmarktregulierer diskutieren derzeit eifrig, wie derartige Pleiten in Zukunft verhindert werden könnten. Auch US-Finanzministerin Janet Yellen will die Risiken für das Finanzsystem durch Hedgefonds stärker untersuchen lassen. Dazu soll eine eigens dafür geschaffene Expertengruppe wiederbelebt werden. Archegos Capital wurde als „Family Office“ geführt, also eine Art exklusiver privater Verwalter nur für das eigene Vermögen. Da Hwang theoretisch nur sein eigenes Geld investierte hatte, galten für ihn weniger strikte Richtlinien als für andere Hedgefonds, die Kundengeld investieren. Möglicherweise wird die US-Börsenaufsicht SEC ihre Regeln hier nun nachschärfen. Sollte sich zudem herausstellen, dass Hwang doch auch mit fremdem Geld agiert hatte, bekäme er ohnedies Probleme mit den Aufsehern.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Große Hedgefondspleiten gab es schon in der Vergangenheit

Archegos Capital ist dabei kein Einzelfall, schon in der Vergangenheit hatten einzelne spektakuläre Hedgefonds-Pleiten große Wellen geschlagen. So führte die Russlandkrise 1998 und der Ausfall russischer Staatsanleihen zum Beinahe-Konkurs des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM). Da die umfangreichen Investitionen des Fonds weitere Gefahren für die Finanzmärkte darstellten, hatte die US-Notenbank damals mit Hilfe eines Bankenkonsortiums eine Kapitalspritze in Höhe von über 3 Milliarden Dollar organisiert und den Hedgefonds damit gerettet. Für Schlagzeilen sorgte auch der Hedgefonds des einstigen Starinvestors Bernard Madoff, der über eine Art Pyramidensystem seinen prominenten Anlegern hohe Renditen vorgegaukelt hatte.

Hedgefonds sind in der Vergangenheit oft ins Gerede gekommen, da ein Misslingen ihrer teilweise riskanten Anlagestrategien Kettenreaktionen in der Finanzbranche und den Märkten auslösen können. Dabei erfüllen Hedgefonds durchaus wirtschaftliche Funktionen. Hedgefonds können über eine breite Palette von alternativen Finanzinstrumenten und Investments teilweise größere Risiken eingehen als traditionelle Fonds, da sie die Risiken innerhalb des Fonds gegeneinander absichern, also „hedgen“ können.

Quelle: BarclayHedge 2021

Hedgefonds übernehmen mit ihren alternativen Anlagestrategien oft eine wichtige Rolle

So setzen Hedgefonds oft auf steigende Kurse in einem Marktsegment, wetten aber gleichzeitig über derivative Instrumente oder Leerverkäufe auf fallende Kurse in einem anderen. Dafür verkaufen Hedgefonds etwa geliehene Aktien, die sie erst später bei einem niedrigeren Kurs kaufen und zurückgeben wollen. Hedgefonds verwenden zudem oft Hebeltechniken um bei kleinem Einsatz durch zusätzlich geliehenes Geld große Renditen erzielen zu können.

Ihren Anlegern können sie damit bei höherem Risiko auch hohe Erträge bieten. Die alternativen Strategien der Hedgefonds ermöglichen zudem, dass sie auch in Börsenflauten Erträge erzielen können. Auch einige Pensionsfonds investieren daher aus Diversifikationsmotiven einen kleinen Teil ihres Anlageportfolios in Hedgefonds, quasi als Gegengewicht für traditionellere Anlagepositionen.

Am Markt übernehmen Hedgefonds mit ihren Investments auch quasi das Risiko für andere, die sich gegen Risiken absichern wollen. Sie stellen Liquidität zur Verfügung damit Risiko wie eine Ware gehandelt werden kann. Einige Vermögensverwalter wie etwa BlackRock sind mit dem Milliarden-Dollar-Vermögen ihrer Kunden auch in großem Stil direkt an zahlreichen börsenotierten Unternehmen beteiligt.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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„Inflation auf dem Vormarsch – ein Risiko für fast alle Anlageklassen“

Basierend auf einem quantitativen und fundamentalen Ansatz identifiziert Martin Roßner von ThirdYear Capital aktuell ein ungewöhnlich hohes Inflationsrisiko, worauf nur die wenigsten Investoren vorbereitet sein dürften. Im Interview mit Hedgework erklärt Roßner die Notwendigkeit inflationsrobusten Investierens.

Hedgework: Herr Roßner, Sie sehen die Inflation auf dem Vormarsch. Seit Jahrzehnten sind wir an niedrige Inflation und meist fallende Zinsen gewöhnt. Was ist diesmal anders?

Martin Roßner: Als Reaktion auf die Pandemie sind sowohl geld- als auch fiskalpolitische Unterstützungen deutlich höher als in der Zeit nach der globalen Finanzkrise 2008/2009. Historische Pandemien waren als Nachfrageschocks zwar disinflationäre Ereignisse, allerdings verringert die ursprünglich nicht einplanbare Bereitstellung des Impfstoffs den Bedarf an finanzieller Überbrückung. Die politische Unterstützung ist deswegen überdosiert und erzeugt im Falle einer zeitnahen und nachhaltigen Überwindung der Pandemie das größte Inflationsrisiko seit 40 Jahren.

Hedgework: Wo sehen sie – regional betrachtet – derzeit das größte Inflationsrisiko?

Roßner: Die relativ rasche Verteilung des Impfstoffs und die bereits ansteigende Mobilität erzeugen ein akutes Inflationsrisiko in den USA. Güterpreise sind bereits während der Pandemie deutlich angestiegen. Wenn man diesen Anstieg auf Dienstleistungen nach der Verteilung des Impfstoffs überträgt, entstehen Inflationsraten weit über dem von der Fed tolerierten Niveau. Zusätzlich riskiert der aktuelle Kurs der Politik die Entstehung inflationärer Tendenzen am Arbeitsmarkt. Die Divergenz zwischen der scheinbar unbesorgten Fed und ökonomischer Realität erzeugt Risiken für die Finanzmärkte.

Hedgework: Was bedeutet das für andere Regionen, insbesondere für Europa?

Roßner: In den meisten Ländern werden im Laufe des Jahres nicht nur Preisanstiege, sondern auch von den USA exportierte finanzielle Risiken zur Restriktion für die Politik führen. Finanzielle Abflüsse aus Entwicklungsländern machen Finanzmärkte dort besonders riskant. Auch in der Eurozone wird die vermeintlich gestärkte finanzielle Stabilität getestet werden, sobald steigende Inflation den Handlungsspielraum der EZB einschränkt.

Hedgework: Welche Indikatoren haben sie dafür?

Roßner: In der eigenen Global-Makro-Strategie nutzen wir „Nowcasts“ für kurzfristige Vorhersagen von Kerninflation, Gesamtinflation und Löhnen. Diese werden ergänzt um führende Indikatoren und Finanzmarktdaten. Ein makroökonomisches Ungleichgewicht erzeugt nämlich in der Regel Turbulenzen an den Finanzmärkten, bevor es in den ökonomischen Daten vollständig auftaucht. Hedgefonds-Blow-ups aufgrund von Short-Positionen in viralen Aktien wie Gamestop oder Pleiten wie bei der Greensill-Bank bestätigen anekdotisch die Existenz unerwarteter Risiken.

Hedgework: Wie schnell kann denn Ihr Szenario zur Realität werden?

Roßner: Der Fortschritt beim Impfen und die vorausschauende Natur der Märkte bedeuten, dass die beschriebenen Risiken noch vor dem Sommer an die Oberfläche kommen können. 

Hedgework: Was würde das für die verschiedenen Anlageklassen bedeuten – welche wären besonders betroffen, welche weniger oder gar nicht?

Roßner: Aktuell sind Staatsanleihen und Gold im Abverkauf. Die nötige Rücknahme politischer Unterstützung macht die meisten anderen Anlageklassen ebenfalls riskant. Die scheinbare Flucht von Kapital in zyklische Märkte wie den DAX als vermeintlich sicheren Hafen ist vermutlich nicht nachhaltig, weil Inflation schlussendlich ein Bremsen des Konjunkturzyklus erfordert.

Hedgework: Wie sollten sich Investoren darauf einstellen?

Roßner: Investoren sollten in diesem komplexen Umfeld frühzeitig und in der Breite Risiko reduzieren, um Kapital zu erhalten.

Hedgework: Viele vermeintlich inflationstreibenden Faktoren, wie das Wiederanheben der Mehrwertsteuer, die Erholung der Rohstoffpreise oder der Konsumstau, sind hinlänglich bekannt. Das müsste den handelnden Akteuren doch Luft verschaffen, sich auf das beschriebene Szenario vorzubereiten und entsprechende Weichen zu stellen – oder sehen Sie das anders?

Roßner: Niedrige Inflation und meist fallende Zinsen sind in den Portfolios der meisten Investoren tief verankert. Ähnlich wie im Jahr 2000 werden einige sophistizierte institutionelle Investoren davon profitieren, dass die Herde der Privatinvestoren im Durchschnitt komplett unvorbereitet ist. Privatinvestoren sind wegen der ungewöhnlich hohen spekulativen Aktivität in überschwänglichen Märkten der lebendige Inflationsschutz der Fed. Allerdings wird ein enormer negativer Wohlstandseffekt benötigt, um Inflation effektiv entgegenzuwirken.

Hedgework: Wie werden Ihrer Einschätzung nach die Notenbanken reagieren – sehen Sie denn überhaupt die Möglichkeit einer Zinsanhebung?

Roßner: Die Fed wartet mit der finanziellen Straffung ab, bis schwache Wirtschaftssektoren gestärkt und andere Länder nicht mehr in der Rezession sind. Danach sollten sich Investoren nicht darauf verlassen, dass systemrelevante Risiken eine unmittelbare Restriktion für die Rücknahme geldpolitischer Unterstützung darstellen. Zum Beispiel rückt ein Fed-Put an den Aktienmärkten in ungewöhnlich weite Ferne. Amerikanische Banken wurden in einem Stress-Test der Fed kürzlich spezifisch darauf geprüft, ob sie einem Abverkauf von 55% an den Aktienmärkten standhalten können.

Hedgework: Ihre Marktanalysen basieren auf einem „quantamentalen“ Ansatz. Können Sie erklären, was dahintersteckt?

Roßner: Wir investieren quantitativ und fundamental – was wir als quantamental bezeichnen – in liquide Anlageklassen wie Aktien, Staatsanleihen, Inflation und Währungen. Die systematische Strategie nutzt kurzfristige wirtschaftliche Prognosen, um historische Ursache-Wirkungs-Ketten in Echtzeit zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu antizipieren. Der Ansatz des quantamentalen Investierens soll die Chance auf Profite sowohl aus fundamentalen Trends als auch aus größeren Wendepunkten an den Kapitalmärkten eröffnen. Um die entscheidende Flexibilität an Wendepunkten zu haben, verzichtet die Strategie bewusst auf technische Elemente wie Trendsignale.

Hedgework: Bietet dieser Ansatz auch Möglichkeiten, um vom Inflationsrisiko zu profitieren?

Roßner: Der Ansatz zielt auf Absolute Returns ab, also auf deutlich positive Renditen, so unabhängig wie möglich von der Marktumgebung. Das erfordert nicht nur Renditepotenzial, sondern auch Risikobegrenzung und Differenzierung. Positionierung in Zinskurven, Währungen und Short-Investments erzeugen derzeit sowohl Renditepotenzial als auch Differenzierung. Die Risikobegrenzung mit Hilfe umfangreicher Risikomaße wird in volatilen Märkten besonders wertvoll.

Hedgework: Wie lange arbeiten Sie schon mit diesem Ansatz und was hat er bislang gebracht?

Roßner: ThirdYear Capital wurde 2015 gegründet und optimierte stetig den quantamentalen Makro-Ansatz. Seit August 2020 wird dieser Ansatz im ART Global Macro UCITS-Fonds umgesetzt.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Martin Roßner ist seit März 2015 Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital. Zuvor sammelte er über 8 Jahre Erfahrung bei der Man Group in verschiedenen Bereichen wie Global-Macro-Research, Risikomanagement und Asset Allokation. Er ist Träger eines Master-Abschlusses in Quantitative Economics der Universität St. Gallen und hat zahlreiche Weiterbildungsexamen wie CFA, CAIA und FRM bestanden.

ThirdYear Capital ist Anbieter „quantamentaler“ Global-Macro-Strategien und Fondsberater des ART Global Macro UCITS Fonds. „Quantamental“ wird dabei als Kombination aus quantitativ und fundamental verstanden. Mit Hilfe von Daten und Technologien wird ein tiefes Verständnis der Volkswirtschaft auf liquide Anlageklassen angewendet. Im spezifischen Ansatz von ThirdYear Capital nutzt die systematische Strategie das Nowcasting (kurzfristige wirtschaftliche Prognosen), um historische Ursache-Wirkungs-Ketten in Echtzeit zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu antizipieren. 

Endlich wieder Wachstum

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Ein Jahr und ein paar Tage sind vergangen, seit die Weltbörsen im März letzten Jahres ihren Tiefpunkt infolge der Covid-19-Krise erreicht hatten. Dieser damals extrem negativen Vorwegnahme künftiger fundamentaler Entwicklungen folgte ein sehr deutlicher Einbruch bei den Unternehmensgewinnen. Das zweite Quartal 2020 hat mit einem Minus von 31 % den stärksten Gewinnrückgang im Jahresvergleich seit der globalen Finanzkrise 2008 hervorgebracht. Zu beachten ist allerdings, dass mit der Berichterstattung über exakt dieses sehr negative zweite Quartal 2020 ein Phänomen begonnen hat, das wir inzwischen bei jeder nachfolgenden Berichtssaison und auch nahezu im selben – historisch gesehen, weit überdurchschnittlichen – Ausmaß beobachten konnten: Die Tendenz der deutlich positiven Überraschungen in Relation zu den Analystenschätzungen. Denn für das genannte zweite Quartal 2020 war ein noch wesentlich dramatischerer Gewinneinbruch infolge der Gesundheitskrise und der wirtschaftlichen Auswirkungen erwartet worden. Der Markt blickt jedoch meist mit einem gewissen Grundoptimismus voraus und honoriert einerseits diese positiven Überraschungseffekte und preist andererseits infolge dessen eine ähnliche Tendenz auch für das nächste Quartal. Zurecht, wie bereits erwähnt. Denn seit dem zweiten Quartal 2020, konnten insbesondere US-Unternehmen die Erwartungen des Marktes nicht nur erfüllen, sondern Quartal für Quartal bei weitem übererfüllen. Bereits das vierte Quartal 2020 hat schon wieder eine leicht positive Gewinnentwicklung gegenüber dem Vorjahr hervorgebracht. Nun folgen mit dem ersten und zweiten Quartal 2021 jene beiden Berichtsphasen, die erwartungsgemäß infolge des Basiseffekts und der klaren Erholungstendenzen der Weltwirtschaft die im heurigen Jahr höchsten positiven Veränderungsraten bei den Unternehmensergebnissen aufweisen sollten.

Staatsanleihen: weiterhin Zurückhaltung bei deutschen und französischen Papieren

Bei Euro-Staatsanleihen – vor allem bei französischen und deutschen Papieren – bleiben wir weiterhin zurückhaltend. Ausgenommen sind italienische Staatsanleihen, die wir neutral sehen. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sehen wir im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) als chancenreicher.

Unternehmensanleihen: erwarteter Newsflow sollte Anleiheklasse unterstützen

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) betrachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als bessere Wahl. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von uns beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: Risikoprämien ohne wesentlichen Aufwärtsdruck

Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sehen wir weiterhin positiv und sind entsprechend positioniert. Emerging Markets-Hartwährungsanleihen mussten seit Anfang 2021 im Zuge stärker steigender US-Renditen und einer steileren US-Zinskurve leichte Verluste hinnehmen. Ihre Risikoprämien blieben jedoch nahezu unverändert. Wir denken, dass die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen keinen wesentlichen Aufwärtsdruck verspüren werden.

Entwickelte Aktienmärkte: positives Kapitalmarktumfeld zu erwarten

Die internationalen Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen weiter zulegen, wobei die Gewinnerliste von zyklischeren Marktsegmenten angeführt wird. Trotz negativer Nachrichten zum Thema Covid-19 (weitere Mutationen) stützen die positiven Gewinnrevisionen sowie der Impffortschritt etwa in den USA. Kurzfristig mahnen verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht (überkaufte Marktsituation), wir erwarten aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld.

Schwellenländer-Aktien bleiben zuletzt hinter entwickelten Märkten zurück

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets ist in den letzten Wochen ein klarer Trend gut erkennbar: Aktien des Wachstumsbereichs ("Growth") sind im aktuellen Marktumfeld steigender Renditen deutlich mehr belastet als Aktien aus dem Wertebereich ("Value"). Nachdem mittlerweile Aktien aus dem Wachstumsbereich im Emerging-Markets-Index sehr hoch gewichtet sind, kommt es aktuell zu einer Underperformance von Emerging Markets vs. entwickelter Märkte. Der Aufholprozess zyklischer aufgestellter Regionen setzt sich fort.

Rohstoffe: Energiepreise befinden sich in Konsolidierungsphase

Die Rohstoffmärkte zeigen sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite. Nach den Anstiegen im Jänner und Februar befinden sich zuletzt vor allem die Energiepreise in einer Konsolidierungsphase. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld, mit steigenden Renditen in den USA, präsentierten sich Edelmetalle hingegen schwächer.


* Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Wie steht es um die globalen Aktienmärkte?

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Die globalen Aktienmärkte starteten kraftvoll ins neue Jahr und legten weiter zu, womit der Bullenmarkt nunmehr schon fast ein Jahr andauert. Allerdings hat sich die Marktstruktur in den letzten paar Monaten deutlich verändert.

Ein rascher Blick zurück auf die Entwicklung des Aktienmarktes in 2020

In 2020 rasselte die globale Wirtschaft in eine unvorhergesehene Rezession, als sich die diversen Regierungen bemühten, die Ausbreitung des Coronavirus durch landesweite Lockdowns und Einschränkungen der Mobilität zu verhindern. Dadurch fielen die Aktienindizes in einer selten zuvor gesehen Geschwindigkeit und brachten somit den längsten Bullenmarkt der Geschichte zu einem Ende.

Die seitens wichtiger Zentralbanken und Regierungen rasch ergriffenen Maßnahmen stimmten die Investoren jedoch schnell wieder freundlich. Die Flut an liquiden Mitteln und fiskalen Stützungsmaßnahmen resultierte in erhöhter Nachfrage auf den Finanzmärkten und steigenden Aktien- und Anleihepreisen.

Eine lockere Geldpolitik auf globaler Ebene führte zu historisch niedrigen Renditen. In den USA erreichten die 10J-Renditen im August mit 0,51% einen Allzeit-Tiefststand, und viele Eurozonen-Länder sind derzeit in der Lage, Schuldtitel mit negativer Verzinsung zu emittieren. 

Während niedrige Zinsen vor allem die Aktien in den USA unterstützten, sah man deutlich unterschiedliche Performance-Raten in den einzelnen Sektoren. Die zyklischeren Segmente des Aktienmarktes, z.B. Banken und der Energiesektor, verblieben auf den niedrigsten Niveaus seit Jahren. Die deutlichsten Nutznießer der Pandemie kamen aus dem Technologiesektor in den USA, der im S&P 500 stark gewichtet ist.

Die Verlagerung von Büroarbeit und Unterhaltung in die eigenen vier Wände trieb die Aktien jener Unternehmen an, die solcherlei Nachfrage befriedigen konnten, wie z.B. Netflix, Zoom und Logitech, neben vielen anderen. Zu Beginn der Erholungsphase, in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld und versorgt mit einem hohen Volumen an Liquidität, waren Anleger vorrangig an bestimmten Sektoren am Aktienmarkt interessiert, nämlich den schon erwähnten Technologieaktien und Unternehmen, die sich mit erneuerbarer Energie beschäftigten.

Der technologielastige Nasdaq-Index legte 2020 um mehr als 40% zu, und das trotz des deutlichen Verfalls gleich zu Beginn der Pandemie. Um zyklische und sogenannte Value-Aktien machten Anleger auch noch Monate, nachdem der S&P 500 zu steigen begonnen hatte, einen Bogen.

Impfungen als Signal für Sektorrotation

Die Verlagerung in der Sektor-Performance kam in Q4 2020, als klar wurde, dass wir uns der Zulassung der ersten Impfungsvarianten näherten. Die Neuigkeiten führten zu einer veränderten Stimmung im Markt, als Investoren ihren Blick auf jene Sektoren zu richten begannen, die von der Normalisierung am meisten profitieren würden, d.h. Banken, den Automobilsektor, Tourismus usw.

Zu diesem Zeitpunkt erreichten ein paar der FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google)-Aktien, welche allesamt Nutznießer der Lockdowns während der Pandemie waren, neue Allzeit-Höchststände (und werden seitdem unter jenen Ständen gehandelt). Joe Bidens Wahlsieg befeuerte die Sektorrotation in Richtung zyklischer Aktien zusätzlich, da seine Wahlversprechen – inklusive einem massiven Stimuluspaket und Investitionen in grüne Infrastruktur – als konjunkturbelebend angesehen wurden.

Darüber hinaus gewannen die Demokraten am 5. Januar dieses Jahres unerwartet auch die Mehrheit im Senat, was in einer erhöhten Wahrscheinlichkeit resultierte, dass Bidens Pläne tatsächlich Realität werden könnten.

Das bedeutet, dass sich, obschon man die heurige Aktien-Performance bis dato auf den ersten Blick als einfache Fortführung des Trends der letzten zwölf Monate ansehen kann, in Wahrheit die Ranglisten der Gewinner und Verlierer deutlich verändert haben. Der Optimismus im Zusammenhang mit der Covid-Impfung sowie die sehr lockere Geldpolitik und die erhöhten Fiskalaufwendungen vor allem in den USA ließen zyklische und Value-Aktien in der Gunst der Anleger wieder steigen.

Höhere Renditen und deren Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Vielerlei Faktoren legen eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft in 2021 nahe. Es besteht ein massiver Nachfrageüberhang seitens der Anleger, die Ersparnisse vieler Konsumenten sind aufgrund der von den Regierungen gesetzten Unterstützungsmaßnahmen vielerorts hoch, und die einzelnen Volkswirtschaften wie auch der Tourismus sollten langsam, aber sicher, mit dem Fortschreiten der Impfprogramme wieder geöffnet werden.

Da die Fed bisher keine Sorge über einen möglichen, längerfristigen Anstieg der Inflation an den Tag legt, testen die Anleger die Grenzen der Zentralbank aus, indem sie Anleihen verkaufen und so die Renditen in die Höhe treiben. Generell gesprochen, gibt es zwei Lesarten höherer Renditen: Langfristige Renditen spiegeln die wirtschaftlichen Wachstumserwartungen wider; ein Anstieg bedeutet daher, dass die Investoren von einer Wachstumsbeschleunigung ausgehen, was positiv ist. Allerdings sind die Renditen auch an die Inflationserwartungen gekoppelt. Wenn letztere steigen, so tun dies die Renditen ebenfalls. Das Erreichen des Fed-Inflationszieles von 2% wäre positiv zu werten, aber für den Fall, dass die Inflation über das Ziel hinausschießt, kann man davon ausgehen, dass der Anleiheabverkauf weiter.

10J US-Renditen sind heuer bis dato um mehr als 70 BP angestiegen (und um mehr als 100 BP seit ihren Allzeit-Tiefs). In Europa verzeichnete die Rendite der deutsche Bundesanleihe ebenfalls einen Anstieg, wenngleich nicht im selben Ausmaß wie die US Treasury-Renditen. Höhere Renditen üben Druck vor allem auf Aktien mit ambitionierten Bewertungen aus, von denen viele den sogenannte Growth-Kategorie angehören.

Das liegt daran, dass die Gewinne dieser Unternehmen eine längere Duration aufweisen, d.h. auf Basis ihrer höheren Wachstumsrate weiter in der Zukunft liegen. Allerdings bedeuten steigende Zinsen eine Verringerung des Barwerts der zukünftigen Unternehmensgewinne aufgrund von höheren Abzinsungsraten. Die verwundbarsten Marktsegmente sind jene, die in der Anfangsphase der Erholung die beste Performance verzeichneten, d.h. Big Tech und erneuerbare Energien.

Daher konnte der Nasdaq-Index mit seiner starken Technologie-Gewichtung heuer erst einen Gewinn von 1% verbuchen, während der industrielastige Dow-Jones-Index schon mehr als 7% gewonnen hat. Zyklische Sektoren wie Banken, Energie und Automobil sind in solch einem Umfeld bevorteilt, da ihre Unternehmensgewinne mit kurzer Duration versehen sind, d.h. dass selbige rasch auf das verbesserte wirtschaftliche Umfeld reagieren und weniger stark von steigenden Zinsen betroffen sind.

Im heurigen Jahr erwirtschafteten zyklische und Value-Aktien bisher eine starke Outperformance, wobei Europa die USA aufgrund seiner höheren Exposure in zyklischen Sektoren hinter sich lassen konnte.

Wo geht die Reise hin?

Derzeit ist das wahrscheinlichste Szenario, dass zyklische und Value-Aktien ihre relative Outperformance beibehalten werden. Auf globaler Ebene wurden die Wirtschaftsprognosen erst neulich nach oben revidiert, und die Gewinnschätzungen lassen sowohl in den USA als auch in Europa auf zweistellige Wachstumsraten schließen. Wenn das Impfprogramm auf Schiene bleibt und sich die Impfung auch gegen neue Varianten des Coronavirus als effizient herausstellt, deuten alle Zeichen auf eine starke Erholung der Wirtschaftsaktivität hin, vor allem in der zweiten Jahreshälfte.


Mehr über die ERSTE AM Aktienfonds finden Sie hier: https://www.erste-am.at/de/private-anleger/unsere-fonds/aktienfonds 

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aufstieg der SPACs - Warum die Investition jetzt sinnvoll ist

In anderen Teilen der Welt bereits als neue Anlagestrategie bekannt, kommen sogenannte SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) in Deutschland gerade erst an. Der Börsen-Trend aus den USA verspricht Investoren hohe Kapitalerträge, aber auch Risiko. Anleger investieren dabei in ein zunächst leeres Unternehmen, das als sogenannter SPAC-Mantel an die Börse geht. Im nächsten Schritt wird mit einem bereits existierenden Unternehmen fusioniert, wodurch sich dieses den eigenen langwierigen Börsengang erspart. Investoren profitieren hingegen von größerer Transparenz und beträchtlichen Gewinnchancen. Freedom Finance Germany ermöglicht als erster Online-Broker auch deutschen Privatanlegern Zugang zu SPACs. Eine interessante Fusion des SPAC New Beginnings Acquisition Corp. mit dem US-amerikanischen Unternehmen Airspan Networks ist diesen Sommer geplant.

Auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten suchen sowohl Anleger als auch private Unternehmen neue Optionen, Kapital zu realisieren. SPAC IPOs erfreuten sich in den letzten Monaten vor allem in den USA äußerster Beliebtheit. Insgesamt wurden 2020 mehr als 200 SPAC-Transaktionen mit einem Volumen von über 64 Milliarden US-Dollar abgewickelt.1 Dazu wird ein Unternehmen, das erstmal kein Geschäft oder Produkt hat, als sogenannter SPAC-Mantel gegründet. Ziel ist es, dieses Unternehmen an die Börse zu bringen und mit dem dort eingesammelten Geld ein bereits bestehendes Unternehmen zu übernehmen. „Mit Hilfe eines SPAC Börsenganges können Unternehmen leichter an Kapital kommen, ohne dabei den langwierigen Prozess eines traditionellen IPOs durchmachen zu müssen“, erklärt Andrey Wolfsbein, Börsenexperte bei Freedom Finance Germany. Kunden von Freedom Finance bekommen sofortigen Zugang zu vielen verfügbaren SPACs und werden durch die eigenentwickelte Handelsplattform Freedom24 betreut.

Man muss sich des Risikos bewusst sein

SPACs sind grundsätzlich nicht neu, doch wurden sie in der Vergangenheit eher mit Vorsicht betrachtet. „Wer sein Geld in ein SPAC investiert, muss sich des hohen Risikos durchaus bewusst sein“, so Wolfsbein weiter. Man kaufe immerhin einen Börsenmantel, ohne dabei zu wissen, welche Firma am Ende integriert wird und müsse sich dabei auf die oft namhaften SPAC-Gründer verlassen. Anders als bei regulären IPOs dauert die Erstellung eines SPAC Börsenganges nur wenige Wochen. Auch die niedrigen Zinsen und die von den meisten Zentralbanken angewandte quantitative Lockerungspolitik haben das Geschäft mit den Firmenhüllen so lukrativ gemacht. Zudem bieten SPACs eine Möglichkeit, um während der erhöhten Marktvolatilität einer Pandemie an die Börse zu gehen. Im Vergleich zum traditionellen Börsengang besteht mehr Sicherheit hinsichtlich der Transparenz, denn Unternehmen, die in die Firmenmäntel übernommen werden, geben meist mehr Informationen preis, als üblicherweise in IPO-Prospekten zu finden sind. Wer außerdem mit der Firmenübernahme letztlich nicht einverstanden ist, kann seine Aktie zurückgeben und bekommt das investierte Geld zurück.

Airspan Networks: Durch Fusion an die Börse

Die Fusion des SPAC New Beginnings Acquisition Corp. (NBA) und dem Entwickler und Lösungsanbieter für 4G- und 5G-Netzwerke Airspan Networks ist für das dritte Quartal dieses Jahres geplant. Für Anleger bietet sich dabei eine interessante Investitionsmöglichkeit. Das Unternehmen Airspan Networks ist unter anderem Hauptlieferant von Geräten für die Bereitstellung von 5G-Netzen für große Telekommunikationsunternehmen wie Huawei oder Samsung. Darüber hinaus ist das Unternehmen führend im Bereich Fixed Wireless Access-Lösungen, beides stark wachsende Märkte. Der Unternehmenswert von Airspan Networks mit SPAC NBA wird sich auf etwa 837 Millionen US-Dollar belaufen, der Eigenkapitalwert wird 912,13 Millionen US-Dollar, bei einem Aktienkurs von 10,18 US-Dollar, betragen.


1) https://www.cnbc.com/2020/12/07/the-2021-outlook-for-the-booming-spac-market-and-traditional-ipos.html

Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 140.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 2,5 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäi-scher Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direk-ten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen, russi-schen und asiatischen Märkten.

Kryptowährungen - ohne Regulierung geht es nicht

von Vincent Mortier, Deputy Chief Investment Officer bei Amundi.

Kryptowährungen sind technische Innovationen, die eine inklusivere Form des Finanzwesens versprechen. Sie können aber das geldpolitische Monopol der Zentralbanken nicht herausfordern, ohne das gesamte Finanzsystem zu gefährden. Es liegt nun an den Regulierungsbehörden, Rahmenbedingungen für die Nutzung dieser Assets zu schaffen und die finanzielle Stabilität zu sichern.

Die Covid-19-Krise hat den Kryptowährungen einen spektakulären und sicherlich auch spekulativen Schub verschafft. Können Kryptowährungen aber wirklich mit offiziellen Währungen in ihren traditionellen Funktionen konkurrieren? Der Boden ist zumindest bereitet: Dazu zählen die technologische Disruption und eine durch Blockchain möglich gewordene dezentrale Finanzwelt, aber auch die zunehmende Digitalisierung der Volkswirtschaften mit dem Wunsch nach einer digitalen Währung. Hinzu kommt nun die Suche nach neuen sicheren Häfen in einem Umfeld, in dem Staatsverschuldung und Inflationserwartungen steigen und ein Misstrauen gegenüber dem traditionellen Finanzsystem um sich greift.

Aber alle Kryptowährungen stellen nicht nur neue Chancen, sondern auch rechtliche, regulatorische und aufsichtsrechtliche Herausforderungen dar: Rechtssicherheit, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und andere Formen der illegalen Finanzierung sowie Cybersicherheit sind betroffen. Der Bitcoin repräsentiert etwa 60Prozent der gesamten Kapitalisierung von Kryptowährungen mit mehr als 1.700 Mrd. USD im März 2021 (Quelle: Coinmarketcap). Die restlichen 40 Prozent setzen sich aus einer großen Anzahl von sehr heterogenen Produkten zusammen.

Dabei gibt es drei Arten von Kryptowährungen. Einige direkte Konkurrenten von Bitcoin haben auch eine „offizielle Berufung“ als Währung. Hierzu zählt zum Beispiel Litecoin, die neuntgrößte Kryptowährung nach Kapitalisierung, mit rund 13 Milliarden USD. Andere ermöglichen Smart Contracts, eine automatische Ausführung in der Blockchain von Vereinbarungen, die zuvor zwischen den Mitgliedern eines Netzwerks formalisiert wurden. Eine dritte Kategorie schließlich sind Stablecoins, digitale Vermögenswerte, die einen festen Wert im Vergleich zu traditionellen Währungen haben und häufig für Transaktionen mit anderen Kryptowährungen oder für internationale Überweisungen verwendet werden. Stablecoins sind wohl die direktesten Konkurrenten für offizielle Währungen. Ihr rasantes Wachstum beginnt die Aufmerksamkeit auf die Risiken zu lenken, die sie für das Finanzsystem darstellen könnten; insbesondere, wenn eine von ihnen plötzlich nicht mehr in der Lage sein sollte, ihren festen Wert zu halten.

Investoren begeistern sich für Krypto

Immer mehr Unternehmen, institutionelle Investoren und Investmentfonds sind insbesondere an Bitcoin interessiert. Zahlungsplattformen, wie Paypal, akzeptieren sie als Zahlungsmittel. Dennoch: Bitcoin hat keine intrinsische Rendite, und es gibt keinen natürlichen Schutz gegen Kapitalverlust. Kryptowährungen besitzen keinen realen wirtschaftlichen Basiswert, es gibt kein Bewertungsmodell. Nachfrage und Angebot hängen nicht voneinander ab. Das Angebot ist begrenzt und wird nicht von einer zentralen Behörde gesteuert. Es ist wahrscheinlich, dass die Nachfrage durch den Grad der zukünftigen Regulierung geprägt wird.

Kryptowährungen zielten ursprünglich darauf ab, Transaktionskosten zu senken und den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erweitern. Sie könnten sich zu einem globalen Zahlungssystem entwickeln, das schneller, billiger und inklusiver ist als aktuelle Zahlungssysteme.

Die Vorteile:

  • Erleichterung von vertraulichen Transaktionen und Vermögensübertragungen in einem dezentralisierten Netzwerk
  • Reduktion der Transaktions- und Transferkosten
  • Freier Zugang für jeden mit Internet
  • Volles Eigentum an dem Vermögenswert, mit einem manipulationssicheren Schlüsselsystem als Alleininhaber

Die Nachteile:

  • Fehlende Regulierung und Anonymität begünstigen Cyberkriminalität, Schwarzmarkt, Geldwäsche und Steuerhinterziehung
  • Für Anwender birgt die Dezentralisierung neue Risiken, wie Datenverlust, kein Zugang zu den Daten, wenn ein Server physisch beschädigt wird, Cyber-Attacken ausgesetzt ist oder der Server dauerhaft vom Internet getrennt wird
  • Mangelnde Konvertierbarkeit und Liquidität
  • Irreversibilität von Transaktionen und Volatilität
  • Gefahr des Hackens
  • Risiko der finanziellen Instabilität

Spreu vom Weizen trennen

Die Vorteile der Innovation zu nutzen und gleichzeitig ihre Auswüchse zu kontrollieren, ist die Herausforderung für Regulatoren und Zentralbanken im 21. Jahrhundert. Sie vereint meist das Ziel, schnellere, zuverlässigere und günstigere Zahlungssysteme zu fördern, sowohl national als auch zwischen den Ländern. Es ist klar, dass Blockchain eine Möglichkeit bietet, die finanzielle Inklusion zu verbessern. Aber ihr Einsatz als Zahlungsmittel ist momentan potenziell destabilisierend und birgt systemische Risiken.

Totale Anonymität und rechtliche Immunität scheinen bei der Entwicklung dieser Vermögenswerte eine zentrale Rolle zu spielen. Die Regulierungsbehörden der G7 sind daher entschlossen, diese Ökosysteme zu regulieren. Danach werden sich die Preise der Kryptowährungen sicherlich deutlich anpassen. Aber sobald das regulatorische Umfeld geklärt ist, könnten Kryptowährungen wieder erstarken, dieses Mal auf den Bedürfnissen eines integrativeren Wirtschafts- und Finanzsystems aufbauend.

Unternehmen, institutionelle Investoren und Investmentfonds sind sehr interessiert, mehr digitale Assets zu halten. Diese sind sicherlich vielversprechend, aber immer noch spekulativer Natur.


Quelleninformationen und weitere Informationen finden Sie in den aktuellen Amundi Investment Insight Blue Paper März und im Amundi Research Center.

Keine Angst vor einer »Spacokalypse«

von Oliver Scharping, Portfolio Manager des Asset Managers BANTLEON.

Die Situation Anfang März wirkte surreal: Chamath Palihapitiya verkauft seine privaten Anteile an Virgin Galactic, dem ersten großen SPAC-Deal dieser Dekade. Der Kurs des Hype-SPACs Churchill Capital IV bricht um mehr als 50% seit Bekanntgabe der Fusion mit Lucid Motors ein. Der Bloomberg-Index für Post-Deal SPACs sinkt um mehr als 20% vom Hochpunkt im Februar. Und der Nachrichtensender CNBC spricht von einer »Spacokalypse«, während Bloomberg News berichtet, dass Hedgefonds angeblich anfangen, auf fallende Kurse bei SPACs zu setzen. Gleichzeitig reiben sich spezialisierte Fondsmanager aufgrund glänzender Aussichten die Hände.

SPACs (Special Purpose Acquisition Vehicles), wie die auf Übernahmen ausgelegten Mantelgesellschaften genannt werden, die vielversprechende Zielunternehmen suchen, sind erst seit ein paar Monaten wieder im deutschsprachigen Raum aktiv. Vorher waren sie nach magerer Performance hierzulande für mehrere Jahre von der Bildfläche verschwunden. Erst der jüngste SPAC-Boom in den USA führte bei uns zu einer Renaissance: Nach dem Lakestar Spac I, dem ersten SPAC dieser Dekade, initiiert von Venture Capitalist Klaus Hommels mit Sitz in Zürich (bekannt für seine Investitionen in Xing, Facebook, Skype, Revolut und Klarna), ist Mitte März auch das viel umjubelte SPAC von Entrepreneur und Investor Christian Angermaier (Frontier Acquisition Corp.) an die Börse gegangen. Da führt die plötzliche Preiskorrektur zu großer Verunsicherung bei vielen Anlegern. Ist der SPAC-Boom etwa schon vorbei, bevor er richtig begonnen hat?

Preisrückgang war eine gesunde Korrektur

»Ruhe bewahren« ist das Beste, was Anleger jetzt tun können. Nach der großen Euphorie im SPAC-Markt folgte Anfang März schlichtweg eine gesunde Korrektur: Der durchschnittliche Aufschlag zum Treuhandvermögen der Pre-Deal SPACs war nämlich zwischenzeitlich auf über 25% gestiegen. Dass 1 Euro Treuhandvermögen langfristig nicht ein Drittel oder Viertel mehr wert sein kann, war abzusehen. Die Darstellung in einigen Medien entspricht jedoch nicht der Realität. SPACs sind keineswegs nur auf (noch) unprofitable Tech-Start-Ups wie QuantumScape (Batterietechnologie) oder Virgin Galactic (Raumfahrttourismus) fokussiert und dies ist auch nicht die einzige Zukunft dieser bei uns relativ neuen Anlageklasse. Das Spektrum reicht vom SPAC des bekannten Value-Investors Bill Ackman (Pershing Square Tontine Holdings) bis hin zum ersten Bergbau-SPAC (African Gold Acquisition Corp.).

Kommt 2022 das Porsche-SPAC?

Carve-Outs, also Ausgliederungen aus Konglomeraten, sind die nächste große Opportunität für SPACs und eine attraktive Alternative zum klassischen Private Equity Buyout oder Sparten-IPO. Die Zahl an Opportunitäten ist dabei riesig, wie ein Blick auf die europäische Unternehmenslandschaft zeigt. Daimler will bekanntlich seine Truck-Sparte abspalten und VW liebäugelt mit einer Teilmonetarisierung von Audi oder Porsche. Auch die Zukunft von NestlésBeteiligung an L'Oréal ist ungewiss. Ein ähnlicher Multi-Milliardendeal wie zuletzt Lucid Motors wäre auch in der Schweiz und in Deutschland möglich. Ein Porsche-SPAC würde der neuen Assetklasse die Krone aufsetzen, aber selbst, wenn es zunächst nicht dazu kommt, bleibt die Assetklasse der 911er im Rückspiegel für klassische Private-Equity-Fonds.

Amerikaner als Vorbild

Die USA sind hier bereits einen Schritt weiter. Nicht nur Wachstumsunternehmen, sondern auch echte Value-Opportunitäten stehen dort bereits auf dem Einkaufszettel von SPACs: Value-Investing-Legende Joel Greenblatt hat mit Quinzel sein erstes SPAC registriert und auch Tracy Britt, ehemals rechte Hand von Warren Buffett, ist mit einem SPAC unterwegs. Bereits vor fast zehn Jahren hatte Investor Bill Ackman eine SPAC-ähnliche Mantelstruktur genutzt, um Burger King zurück an die Börse zu bringen. Etwas Ähnliches dürfte der notorische Tech-Kritiker mit seinen zwei jetzigen SPACs vorhaben. Der Aktivisten-Platzhirsch Elliott um Paul Singer, zuletzt unter anderem bei Aryzta aktiv und einst an Dufry beteiligt, hat ebenfalls zwei SPACs in petto, die sicher nicht in überbewertete Start-ups investieren werden. Bei weitem nicht jedes SPAC zielt also auf das nächste Helikopter-Taxi-Unternehmen ab, das erst im Jahr 2030 ein positives EBITDA aufweisen dürfte.

Was heißt das für Anleger? Der Markt bietet aktuell ein geradezu paradiesisches Umfeld für Arbitrageure, die risikolos am SPAC-Boom mitverdienen wollen. Unter und zu NAV gekauft, sind die Mantelgesellschaften attraktive Investitionsmöglichkeiten. Zuletzt gab es mehr als 100 SPACs, die zum Discount handelten und damit risikolose Arbitrage ermöglichten. Im schlimmsten Fall droht eine niedrige einstellige Rendite als Entschädigung für die gehaltenen SPAC-Aktien. Kein schlechtes Risiko-Ertrags-Verhältnis. Und wenn es gut läuft, ist eine annualisierte Rendite im zweistelligen Bereich nicht unrealistisch.

Dass Hedgefonds SPACs leerverkaufen, ist quasi ausgeschlossen, weil dies einer Harakiri-Mission gleichkäme und strukturell kaum möglich ist. Stattdessen spekulieren sie auf sinkende Kurse ehemaliger SPACs, also nicht der risikolosen Mantelgesellschaften, sondern derjenigen Unternehmen á la Nikola, die über SPACs als Vehikel zu viel zu hohen Bewertungen an die Börse gekommen sind – oft nicht mit viel mehr als einer guten Vision, aber dafür schon mit Vorschusslorbeeren.

Nicht auf eigene Faust investieren

Wenn Anleger an eine Fortsetzung des SPAC-Booms glauben, sollten sie von Direktinvestments die Finger lassen. Nur Profi-Investoren haben das Know-how für die komplexe rechtliche Analyse dieser Vehikel und die hohen Mindestvolumina, um bereits zum IPO das Wunschvehikel zu zeichnen. Besser beraten sind Anleger mit Event-Driven-Fonds, deren Manager die nötige Erfahrung im komplexen Handel mit den SPAC-Units und -Warrants haben. Passive Lösungen wie ETFs, die einen Mix aus SPACs auf der Suche und ehemaligen SPACs anbieten, sind wegen des fehlenden Sicherheitsnetzes in Form des Treuhandvermögens tückischer und im besten Fall hochriskante Anlagen.

Solar und Biotech statt Kohle und Eisenerz: Australien muss sich aus der Abhängigkeit von China befreien

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Mit China als Mega-Markt vor der Haustüre konnte sich Australien lange auf seinem Rohstoffreichtum ausruhen. Die australische Wirtschaft hat seit Anfang der 90er Jahre keine Rezession mehr erlebt. Auf die Corona-Krise reagierte Australien mit einer konsequenten Lockdown-Politik und kann eine schnelle Wirtschaftserholung vorweisen. Jedoch wird die Abhängigkeit von China bei strategischen Importen, gerade von wichtigen Infrastruktur-Segmenten, für „Down Under“ immer mehr zum Problem.

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Die Handelsbeziehungen zwischen China und Australien sind viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Chinas Importe machen für Australien einen großen Teil seines Handelsvolumens aus. Dagegen ist Australien mit einem Anteil von etwa 2 Prozent nicht einmal unter Chinas Top-10-Handelspartnern zu finden. Damit kann es sich Peking natürlich leisten, sein wirtschaftliches Gewicht in die Waagschale zu werfen. Aber diese Logik gilt nicht für strategische Güter, die China braucht, wie zum Beispiel Eisenerz. Australien liefert etwa 70 Prozent von Chinas Eisenerzimporten, das waren im vergangenem Jahr fast 800 Mio. Tonnen. Angesichts der Tatsache, dass der gesamte verfügbare Markt für Eisenerz außerhalb Chinas nur 460 Mio. Tonnen beträgt, kann Australien das Eisenerz kaum woanders hinschicken - aber China kann es auch nirgendwo anders kaufen. Zudem liefert Australien im Durchschnitt 40 Prozent der Kokskohle, die in Chinas Stahlwerken verwendet wird. China kann für ein paar Monate Alternativen finden, aber die ambitionierten Infrastrukturpläne zur Erschließung des chinesischen Hinterlandes wären ohne Australiens Rohstoffe zum Scheitern verurteilt.

„Hohes Maß strategischer Abhängigkeit von China“

Es ist schwierig festzustellen, wie verwundbar Australien und andere Handelspartner gegenüber Handelssanktionen Chinas wären. Interessante Einblicke gewährt ein Bericht der Henry Jackson Gesellschaft, einer transatlantischen Denkfabrik mit Sitz in London, in dem die Handelsdaten von fünf Nationen untersucht wurden: USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Diese auch als „Five-Eyes-Allianz“ bekannte Gruppe hatte China aufgefordert, sein hartes Vorgehen gegen die Verwaltung von Hongkong zu beenden. Da mindestens vier der fünf Allianzmitglieder bereits ein angespanntes Verhältnis zu China haben, würden sie die Wucht eines neuen Handelsstreits deutlich spüren. Der Bericht identifiziert ein hohes Maß an "strategischer Abhängigkeit" von China, basierend auf den Handelsdaten, kategorisiert nach dem Harmonisierten System in der Comtrade-Datenbank der UN.

Grund zur Sorge ist vor allem dieser Aspekt: Ein Viertel aller Importe aus China in jedem der Länder betreffen kritische Bereiche wie beispielsweise Kommunikation, Energie, Gesundheitswesen, Transportsysteme, Wasser, Finanzdienstleistungen, Landwirtschaft und Informationstechnologie. Australiens Abhängigkeit ist am stärksten, da es sich auf China bei Komponenten für seine Bergbau- und Metallproduktionsindustrie, für verschiedene Industriechemikalien und Düngemittel, Vitamine, pharmazeutische Produkte und medizinische Geräte verlässt.

„Australien braucht eine Generalüberholung der Wirtschaft“

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Chinas Dominanz in vielen Branchen nicht zu brechen sein wird. "Die fünf Mächte sind bei einer Reihe von Exporten so abhängig von China geworden, dass sie möglicherweise nicht in der Lage sind, sich in allen strategischen Sektoren selbst zu versorgen, selbst bei kritischer Infrastruktur." Stattdessen rät der Bericht den Ländern, sich auf Zukunftstechnologien zu konzentrieren, die eine besondere strategische Bedeutung haben. Spätestens an diesem Punkt endet das Bild vom idyllischen Urlaubsparadies Down Under: Australien hat vom Aufstieg Chinas über Rohstoffexporte in der Vergangenheit erheblich profitiert. Dass sich Australien als Mitglied des Commonwealths aber den politischen Ansprüchen Chinas beugt ist absolut undenkbar. Chinas und Australiens wirtschaftliche Erfolge sind im nächsten Jahrzehnt noch über die Rohstoffabhängigkeit Chinas eng verknüpft. Australien würde jedoch jetzt schon gut daran tun, seine Wirtschaft einer Generalüberholung zu unterziehen, die derzeit vom Finanz- und Rohstoffsektor dominiert wird. Trotz zu erwartender Sticheleien Chinas wird sich Australien in der Region sowohl Indien als auch Japan zuwenden und seine Kooperation mit Fünf-Augen-Staaten ausbauen müssen. Australien verfügt über ein noch kaum genutztes Potenzial in der Solarindustrie. Steuervergünstigungen für Start-Ups beispielsweise in der Biotech-Branche zeigen in die richtige Richtung. Der mit rund 100 Milliarden Euro ausgestattete australische Staatsfonds kann weitere Impulse setzen. Die Arbeit für die Regierung in Canberra hat gerade erst begonnen.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Unternehmensanleihen 2021: Moderate Renditeausblicke, weiterhin attraktiver als Staatsanleihen

Von den kräftigen Kurseinbrüchen im Frühjahr 2020 haben sich die Unternehmensanleihemärkte rasant erholt. Nur in einem vergleichsweise kurzen Zeitfenster hatten Investoren die Gelegenheit, zu Ausverkaufspreisen zuzugreifen, wobei sich das im konkreten Moment wohl für die wenigsten nach einer solchen Gelegenheit anfühlte. Einmal mehr stehen sie im Frühjahr 2021 vor dem Dilemma extrem niedriger Nominalrenditen. Zugleich ist das Potenzial für mögliche Zusatzerträge durch weitere Spreadeinengungen sehr überschaubar, speziell im Investmentgrade-Segment. Dort bewegen sich die Spreads derzeit bei rund 85 bis 90 Basispunkten im Euroraum, mit recht wenig Volatilität. In den USA liegen sie auf einem ähnlichen Niveau. Sie sind fundamental und auch technisch gut unterstützt, haben aber auch nur noch wenig Luft nach unten. Im High-Yield-Segment besteht bei den Spreads sicherlich noch etwas mehr Potenzial, von den aktuell rund 315 Basispunkten (Europa) enger zu gehen, vor allem bei schwächeren Bonitäten. Im Gegenzug liegen dort auch die Risiken deutlich höher, zum Beispiel bei ungünstigen makroökonomischen Entwicklungen oder bei unerwarteten unternehmensspezifischen Negativnachrichten.

Wieviel Risiko droht von der Inflationsseite?

Bei den Realrenditen sieht es sogar noch etwas schlechter als in den Vorjahren aus, denn zumindest vorübergehend ist mit einem Anstieg der Inflationsraten zu rechnen. Ein Großteil der höheren aktuellen Teuerungsraten und wohl auch der gestiegenen Inflationserwartungen ist jedoch auf Einmal- und Basiseffekte zurückzuführen. Aus heutiger Sicht ist ein dauerhaft bedrohliches Inflationsniveau noch immer recht unwahrscheinlich. Speziell in der Eurozone gibt es nach wie vor wenig fundamentale Anhaltspunkte für eine solche Entwicklung.

Die EZB hat auch ihre Inflationsschätzung vor wenigen Tagen zwar für 2021 deutlich angehoben (von 1 % auf 1,5 %), ihre Prognose für 2023 aber beibehalten (1,4 %). Der jüngste Anstieg der Inflationserwartungen scheint speziell in den USA stark von den anziehenden Energiepreisen und den gewaltigen fiskalischen Stimuli getrieben zu sein. Hingegen zeichnen sich auf der Lohnseite noch keine stärkeren Steigerungen ab und der Arbeitsmarkt ist noch ein ganzes Stück entfernt von annähernder Vollbeschäftigung oder zumindest den Beschäftigungsniveaus vor der Pandemie. Insgesamt droht von der Inflationsseite derzeit noch kein Ende der extrem lockeren Geldpolitik. Das gilt umso mehr, als die Notenbanken sowohl in den USA als auch der Eurozone wiederholt erklärt haben, auch eine moderat höhere Inflation zumindest für einen gewissen Zeitraum zu tolerieren bzw. sogar anzustreben. Der zentrale unterstützende Faktor für die Anleihemärkte – niedrige Leitzinsen bei zugleich überaus üppiger Liquiditätsversorgung – wird also noch für längere Zeit erhalten bleiben.

Technisches und fundamentales Umfeld sehr positiv

Hinzu kommen die Anleihekaufprogramme der Notenbanken, die sowohl in den USA als auch in Europa massive Käufe von Unternehmensanleihen beinhalten. Zugleich dürfte das Netto-Angebot durch Anleihe-Neuemissionen im Investmentgrade-Segment gegenüber 2020 stagnieren oder sogar eher etwas zurückgehen. Die meisten Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr bereits viel Fremdkapital beschaffen können – und das oftmals eher als Vorsichtsmaßnahme und nicht unbedingt aufgrund von akutem Finanzbedarf. Die sich abzeichnende weltwirtschaftliche Erholung wird durch höhere Unternehmensgewinne und verbesserte Cashflows die Finanzierungssituation zusätzlich verbessern. Sollten die Unternehmen bei ihren Investitionen kräftigere Ausweitungen vornehmen, könnte von dieser Seite natürlich mittelfristig zusätzlicher Finanzierungsbedarf entstehen. Für den Moment scheinen viele Unternehmen aber ausreichend versorgt. Relativ hoch war das Emissionsvolumen zuletzt im High-Yield-Bereich, was der Markt aber sehr gut absorbiert und verdaut hat. Selbst die parallel dazu spürbar anziehenden Staatsanleiherenditen haben die Investoren am High-Yield-Markt nicht sonderlich beeindruckt, sondern sie wurden begleitet von deutlichen Spreadeinengungen speziell bei den niedrigeren Bonitäten. Eine solche Kombination ist prinzipiell etwas völlig Normales und macht auch intuitiv Sinn: Sofern die steigenden Staatsanleiherenditen ein verbessertes Konjunkturumfeld signalisieren, gehen die Ausfallsrisiken zurück und die Cashflows der Unternehmen verbessern sich, was im Gegenzug für sinkende Renditeaufschläge spricht.

Gute Selektion bleibt Trumpf

Allerdings scheinen einige Segmente bereits sehr viel, oder vielleicht sogar zu viel an positiven wirtschaftlichen Entwicklungen vorwegzunehmen. Speziell der „Kompressionstrade“ scheint zumindest partiell schon recht weit oder gar zu weit gelaufen zu sein. Damit ist gemeint, dass Unternehmensanleihen in von Pandemie und Lockdowns besonders stark belasteten Branchen (z. B. Airlines, Flughäfen, Automobilhersteller) in den letzten Monaten besonders kräftig zugelegt haben. Wir wären in diesen Segmenten vor allem bei den qualitativ schwächeren Emittenten eher vorsichtig. Denn weder erscheint bei ihnen die Risiko-Ertragskonstellation sonderlich attraktiv, noch ist sicher, dass die derzeit gepreisten wirtschaftlichen Erholungen in diesen Branchen vom Markt korrekt antizipiert werden. Nicht übersehen werden sollte dabei, dass trotz gewaltiger monetärer und fiskalischer Hilfspakete Ausfallsrisiken keineswegs verschwunden sind und es alles andere als gewiss ist, dass alle Unternehmen die Krise tatsächlich überleben werden, schon gar nicht in den Problembranchen.

In diesem Zusammenhang ist zugleich zu berücksichtigen, dass sich die durchschnittliche Qualität der Emittenten im High-Yield-Bereich in den letzten 12 Monaten verbessert hat, weil etliche „fallen angels“ aus dem Investmentgrade-Segment hinzugekommen sind. Sehr interessant ist im Zusammenhang mit Anleiheausfällen auch, dass die recovery rates in den letzten Quartalen sehr hoch waren. Generell dürften aber die Ausfallsraten in den kommenden Quartalen sinken und auch die Ratingmigration dürfte sich positiv entwickeln, d.h. es sollte deutlich mehr Rating-Heraufstufungen geben als Herabstufungen.

Fazit: Relativ weiterhin attraktiv, absolut aber nur moderate Ertragsperspektiven

In Summe ist das fundamentale und technische Umfeld für Unternehmensanleihen gut bis sehr gut. Dass seit Jahresbeginn dennoch ein leicht negativer Ertrag zu Buche steht, ist ausschließlich den gestiegenen Staatsanleiherenditen geschuldet. Dabei ist die Eurozone offensichtlich von den US-Märkten mitgezogen worden. Jedenfalls erscheint der Renditeanstieg in Europa sehr viel weniger fundamental begründet als in den USA. Im Raiffeisen 304 - Euro Corporates hat das Fondsmanagement eingangs 2021 die Cashquote etwas erhöht, die Duration des Anleiheportfolios etwas reduziert und hält selektiv nach Chancen Ausschau. Ähnlich wie im Vorjahr dürfte sich vor allem mit einer guten Einzeltitelauswahl noch die eine oder andere Zusatzperformance erzielen lassen. Im High-Yield-Segment dürften vor allem die schlechteren Bonitäten noch etwas an Zusatzertrag bieten. Das Fondsmanagement hat im Fonds Raiffeisen-Europa-HighYield seinen strikten Fokus auf höhere Qualität der letzten Jahre etwas gelockert und auch Emittenten aus den unteren Ratingklassen stärker berücksichtigt. Das bedeutet aber keinesfalls, dass dort wahllos zugegriffen würde, ganz im Gegenteil. Das durchschnittliche Rating des Fondsportfolios ist jetzt etwas niedriger, nicht aber die Sorgfalt bei der Anleiheselektion. Vorsichtig sind wir bei den schwächeren Bonitäten speziell bei jenen Emittenten, die bereits jetzt in hohem Maße die Erholung der Wirtschaft einpreisen.

Ertragsseitig bedeutet das im Investmentgrade-Segment, dass sich in der Eurozone im aktuell wahrscheinlichsten Szenario dieses Jahr voraussichtlich der „carry“ verdienen lässt, aber wohl kaum mehr. Um die ein Prozent dürfte ein realistisches (aber selbstverständlich keinesfalls sicheres) nominales Ertragsziel sein. Im High-Yield-Bereich könnten alles in allem um die 3 bis 4 % unter günstigen Bedingungen herausschauen. Diesen Erwartungen liegt das Szenario einer spürbaren Konjunkturerholung und rückläufiger Ausfallsraten zugrunde. Voraussetzung dafür ist, dass es keine neuen negativen Überraschungen an der Pandemiefront gibt und sich das wirtschaftliche und soziale Leben durch Impfungen und verbesserte Behandlungsmöglichkeiten im Jahresverlauf weitgehend normalisiert.

Anleihenmärkte: Die Suche nach Rendite bleibt „Thema Nummer 1“

Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management, interviewt Wolfgang Zemanek, Leiter Anleihenfondsmanagement der Erste Asset Management.

Das Jahr 2021 hat mit einem großen Vertrauensvorschuss für Risikoanlagen begonnen. Der Beginn der Impfungen gegen Covid-19 aber auch die starken Unternehmensergebnisse ließen die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen im spekulativen Bereich steigen. Sind die AnlegerInnen möglicherweise zu euphorisch angesichts der Prolongierung bzw. Verschärfung von Lockdowns? Oder ist der Optimismus berechtigt?

Diese Frage möchte ich zweigeteilt beantworten: Wenn wir die Realwirtschaft betrachten, dann ist die Situation eine andere als noch vor einiger Zeit. Die Konjunkturdaten haben sich deutlich verbessert, Die Prognosen für das Wirtschaftswachstums wurden trotz des Lockdowns stark nach oben revidiert. So sieht die US-Notenbank Fed für 2021 nun ein Wachstum der US-Wirtschaft von 6,5%. Im Dezember war sie noch von lediglich 4,2% ausgegangen. Dazu kommt, dass in den USA ein gewaltiges Konjunkturpaket in Höhe von 1.900 Milliarden US-Dollar beschlossen wurde, das Konsum und Exporte noch mehr beflügeln könnte. Auch in Asien läuft der Wirtschaftsmotor schon seit einiger Zeit rund. Daher ist die positive Stimmung der AnlegerInnen durchaus angebracht. In Europa hinkt man dieser Entwicklung hinterher: Einige Länder haben Probleme mit der Verteilung der Impfstoffe. Die Zahlen sind noch nicht dort, wo sie die Regierungen gerne hätten. Dennoch wird sich die Situation mit den zunehmenden Impfungen auch am europäischen Kontinent verbessern. Wir in der Erste Asset Management gehen davon aus, dass die Konjunktur in Europa mit der Entspannung bei der Pandemie im Jahresverlauf an Fahrt gewinnen wird.

US-Staatsanleihen litten unter einem deutlichen Renditeanstieg und unter einem schwächeren Dollar. Sehen Sie nun einen Punkt erreicht, wo das Potenzial der Renditeanstiege vorläufig ausgereizt ist – nicht zuletzt auf der energischen Ankündigung der Notenbanken, weiter Staatsanleihen aufzukaufen?

Das aktuelle Marktumfeld ist geprägt von stark steigenden Unternehmensgewinnen, steigenden Renditen von US-Staatsanleihen, aber auch von anhaltenden Aktivitäten der globalen Notenbanken, die ihre Bilanzsummen durch Wertpapieraufkäufe permanent ausweiten. Aktuell sehen wir eine Diskussion über eine mögliche Rückkehr der Inflation und von Leitzinsanhebungen, die eventuell früher kommen könnten als noch vor kurzem von den Analysten erwartet wurde. Dies ergibt sich aufgrund der positiven Aussichten speziell für die USA und weil viele Zentralbanken seit der Finanzkrise im Jahr 2008 das Deflationsrisiko (ein anhaltender Rückgang des Preisniveaus, Anm.) auf der Tagesordnung hatten. Man war viele Jahr besorgt, da die Inflationsentwicklung und das Wachstum nicht dort waren, wo man sie haben wollte.

Was wir jetzt sehen, ist das Resultat der lockeren Geldpolitik der Notenbanken, die der Rhetorik nach zu schließen, noch einige Zeit andauern könnte, sowie der Fiskalpakete speziell in den USA. Die US-Notenbank denkt nicht einmal an Anhebungen der Leitzinsen. Fed-Chef Powell hat kürzlich anklingen lassen, dass man trotz einer stärkeren konjunkturellen Belebung noch weit von den von der Notenbank anvisierten Zielen für die Beschäftigung und die Preisentwicklung entfernt sei. Mit anderen Worten: Die Inflation ist eher ein Gespenst, das an die Wand gemalt wird, weil man sie im Zusammenhang mit dem Wort „ausufernd“ verbindet. Eine moderate Preisentwicklung im Rahmen von circa 2 % ist ja das erklärte Ziel der Notenbank und keineswegs ungesund. Die Geldpolitik wird daher vorläufig unverändert bleiben. Die Leitzinsen werden vermutlich noch bis 2023 an der Nullmarke kleben. Die Europäische Zentralbank sieht ebenfalls keinen Grund die Leitzinsen anzuheben.

Die Renditen der US-Staatsanleihen sind im Vorfeld der jüngsten Erklärungen der US-Notenbank deutlich angezogen. Sehen Sie nun den Plafond erreicht oder wird der Anstieg weiter gehen?

Lassen wir bitte die Kirche im Dorf. Wir kommen von sehr niedrigen Niveaus und eine Marke zwischen 1 und 2% für die 10-jährigen US-Staatsanleihen ist nicht wirklich hoch, wenn man die Renditen vor 10 Jahren betrachtet. Aufgrund des Konjunkturoptimismus ist es aus unserer Sicht durchaus möglich und wahrscheinlich, dass die Renditen noch ein Stück in Richtung 2% anziehen. Dadurch wird unserem Basisszenario einer Normalisierung Rechnung getragen. Damit einhergehend ist eine Versteilerung der Zinskurve, d.h. die Differenz zwischen den Zinsen am kurzen und am langen Ende wird größer.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Wie lautet Ihr mittelfristiges Szenario für Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinsentwicklung. Könnten die auch in der Eurozone deutlich anziehen? Wird die Inflation unterschätzt?

So wie in den USA sehen wir auch in Europa teilweise eine Normalisierung. Europa hinkt zwar der Entwicklung noch hinterher, doch der Rückstand könnte sich im Jahresverlauf verkleinern. Daher wird früher oder später auch in der Eurozone der Druck auf die Renditen steigen Die Renditen werden unserer Meinung nach aber deutlich langsamer ansteigen als in den USA, wenn überhaupt. Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist deutlich lockerer als in den USA. Mit ihrem Pandemie-Notfallankaufprogramm („PEPP“), einem zeitlich befristeten Ankaufprogramm für Anleihen öffentlicher und privater Schuldner, wird die Liquidität am Markt gut unterstützt bleiben. Ursprünglich war ein Umfang von 750 Milliarden EUR vorgesehen. Am 4. Juni 2020 erhöhte der EZB-Rat das Volumen um 600 Milliarden Euro, am 10. Dezember 2020 erneut um 500 Milliarden Euro auf insgesamt 1.850 Milliarden Euro. Die EZB möchte alles andere tun als den zarten Konjunkturaufschwung abzuwürgen.

Wie positioniert sich Erste Asset Management im aktuellen Umfeld bei den Anleihenfonds? Sind US-Staatsanleihen bzw. Euro-Staatsanleihen wieder attraktiv oder machen Sie weiter einen Bogen um diese? Wo sehen Sie die besten Opportunitäten für Anleihen-Investoren?

Wir sind hier nahe bei den Investoren und den Marktteilnehmern. Das klar übergeordnete Thema an den Märkten ist die Suche nach Rendite und Normalisierung. Das treibt Investoren in Anlageklassen, die Renditen in einer Höhe bieten, mit denen sie Wertverluste durch die Inflation ausgleichen können. Bei US-Staatsanleihen sind wir noch etwas zurückhaltend, weil das Anstiegspotenzial bei den Renditen noch nicht ausgeschöpft ist. Etwas anderes sieht es in der Eurozone aus: Hier nimmt die EZB mit dem vorhin erwähnten PEPP-Programm möglichen Rendite-Anstiegen den Wind aus den Segeln. Anleihen mit einem gewissen Risiko-Aufschlag bieten aus unserer Sicht derzeit ein attraktives Chancen-Risikoprofil: Also konkret High Yield Anleihen in Europa und global betrachtet nachhaltige High Yield Anleihen. Daneben bleiben Unternehmensanleihen in den Emerging Markets ein Dauerthema. Für konservativere Investoren sind Unternehmensanleihen im Investment Grade eine gute Möglichkeit den Ertrag zu erhöhen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wasserinvestments – eine sinnvolle Assetklasse für institutionelle Investoren?

von Stefan Klaile, CEO, und Ernesto Burzic, Head of Sales, beide XOLARIS Group.

Mit dem SDG 6 wollen die Vereinten Nationen bis zum Jahre 2030 sauberes Wasser und die Sanitärversorgung in allen Ländern dieser Erde gewährleisten. Dabei steht die Verbesserung der Wasserqualität im Fokus, insbesondere die Reduzierung der Verschmutzung von Grund- und Trinkwasser durch gefährliche Chemikalien aus den Produktionsprozessen in der Industrie und Landwirtschaft. Gewässer sollen als natürliche Ökosysteme geschützt und wiederhergestellt werden, denn der Artenverlust in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten nimmt an Land wesentlich schneller zu als im Meer. Große Teile der Weltbevölkerung haben keinen ständigen Zugang zu sauberem Trinkwasser aber vielmehr noch keinen Zugang zu sauberen Toiletten, deren Abwässer behandelt und sicher entsorgt werden können. Dabei mangelt es also nicht nur an sauberem Trinkwasser, sondern es ist auch zu stark verschmutzt.

Daher gibt es seit vielen Jahren Bestrebungen von Seiten internationaler Organisationen den hohen Investitionsbedarf in Infrastruktur und Wassertechnologien durch entsprechende Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Anleger attraktiver zu machen. Doch was genau verbirgt sich hinter einem „Wasserinvestment“, was ist unter den verschiedenen Investmentstrategien und Durchführungswege zu verstehen?

Als einfachste Form von Wasserinvestments stehen institutionellen Anlegern zunächst ETFs und Publikumsfonds zur Verfügung. Dabei selektieren die meisten Fondsanbieter börsengehandelte Versorgungsunternehmen und überwiegend Unternehmen, welche sich mit Wassertechnologien befassen. Man muss dabei beachten, dass der regionale Fokus oft auf den USA und dem US Dollar Raum liegt. Daher unterliegen diese Fonds den gleichen Schwankungen und Volatilitäten wie den großen Börsenindizes.

Im Bereich der geschlossenen Fonds finden sich Wasserinvestments meistens in Form von globalen Infrastrukturfonds, Fonds welche in Wasserrechten und -lizenzen investieren, sowie regional agierenden Impact Fonds. Bei globalen Infrastrukturfonds stellen Investitionen in Wasseraufbereitung und Wasserversorgung eine Beimischung dar, oftmals erfolgt aufgrund der regulatorischen Bestimmungen eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Behörden und kommunalen Verwaltungen.

Besonders in den USA, Lateinamerika und Australien besteht ein funktionierender Markt für Wasserrechte und -lizenzen. Viele indigene Stämme leben in geschützten Gebieten sowie Reservaten und können sich durch Verkauf von Wasserrechten an Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe neue Einnahmequellen sichern. Einige lokal agierende Asset Management Firmen haben sich auf die Beratung dieser Stämme spezialisiert und bieten entsprechende Investitionsprogramme für institutionelle Anleger an. Trotz hoher Renditen durch den stetig steigenden Bedarf an Wasser für Industrie und die Landwirtschaft, muss beachtet werden, dass diese Wasserrechte und -lizenzen oft an Landrechte gekoppelt sind und eine Trennung von Wasser- und Landrechten nicht immer möglich ist, was die Fungibilität erschwert. Die Investition in geschlossene Fonds für Wasserrechte wird für die meisten europäischen institutionellen Investoren schwierig sein, da diese Fonds regional im US Dollar Raum oder in Emerging Markets investieren und neben der Absicherung des Währungsexposures auch die Zuordnung der Assets in ein regulatorisches Berichtswesen sowie in die Risikomessung erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt.

Einige Asset Manager konzipieren sogenannte Impact Fonds, welche mit Micro Lending Projekten in Entwicklungsländern bspw. Menschen in entlegenen Ort den Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Die Darlehensvergabe ist vergleichbar mit Mikrofinanzfonds. Bei den Impact Fonds sind lokal agierende Spezialisten unabdingbar, institutionelle Investoren sind daher stark auf die Zuverlässigkeit der Berichtserstattung der lokalen Projektbetreiber angewiesen. Auch sind diese Impact Fonds nicht für sehr große Anlagevolumina wie bei den global agierenden Infrastrukturfonds ausgelegt. Oftmals erfolgt eine Darlehensvergabe Im Bereich von einigen hundert bis tausend US Dollar für Filtersysteme oder Wasserpumpen. Für institutionelle Investoren wird eine Beteiligung in Impact Fonds in Hinblick auf die Kosten-/ Nutzenrelation eher nicht in Frage kommen.

Trotz aller guter Intentionen seitens der UN und internationalen Organisationen bringt eine Investition in Wasserprojekte bei der praktischen Umsetzung einige Herausforderungen mit sich, die bei institutionellen Anleger intern strategisch geklärt werden müssen: Wie passt Wasser als Assetklasse in die Gesamtstruktur der Kapitalanlagen, welchen Beitrag zu ordentlichen Erträgen und Ausschüttungen sind aus Wasserinvestitionen zu erwarten und welche aufsichtsrechtliche Problemstellungen und Haftungsfragen sind damit verbunden.

Durch eine globale Präsenz und mit lokalen Niederlassungen kann die XOLARIS AG institutionelle Anleger bei der Umsetzung einer Investitionsstrategie Wasserinvestments über das gesamte Spektrum von Alternative Investments unterstützen. Mit einem Netzwerk von Asset Managern und externen Beratern können sinnvolle Investmentstrategien, Durchführungswege und passgenaue Fondsstrukturen erarbeitet werden, die den jeweiligen aufsichts- und steuerrechtlichen Vorgaben der Anleger entsprechen. Möglich sind die Auflage einer vollumfänglichen Umbrella-Struktur (Investment-AG, SICAV S.A., etc.) mit Teilfonds für diverse Investmentstrategien, oder die Anmietung eines Compartments bzw. Teilfonds innerhalb einer Umbrella-Struktur der XOLARIS AG sofern nur eine schlanke Fondslösung für die Bündelung von Zielinvestments benötigt wird.

Die XOLARIS AG bietet global agierenden Asset Managern zudem eine Fondsplattform über die Niederlassung im Fürstentum Liechtenstein. Es ist bereits seit dem Jahr 1995 Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, hat mit den Gesetzen über bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (UCITSG) und über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMG) die europäischen Richtlinien für OGAW und AIFM auf nationaler Ebene vollumfänglich umgesetzt. Liechtensteinische Fonds, deren Anbieter und deren Verwalter unterliegen somit den identischen Vorgaben auf europäischer Ebene in Form der Rechte und Pflichten, wie diejenigen in den EU-Mitgliedsstaaten bzw. weiteren EWR-Staaten. Darunter fallen neben Restriktionen konstitutiver Dokumentation gleichermaßen wie die ebenbürtige Teilnahme am europäischen Binnenmarkt über das Passporting. Anleger wiederum genießen in sämtlichen Ländern, die sich der Europäischen AIFM Richtlinie angeschlossen haben, den gleichen aufsichtsrechtlichen Schutz.

Die OECD hat Liechtenstein zudem im Rahmen der Länderprüfungen seit 2015 gute Noten ausgestellt. Liechtenstein verfügt nunmehr über dieselbe Einstufung wie z.B. Deutschland und tritt wirksam gegen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung ein. Auch dem AIA-Standard (Austausch bestimmter Informationen über Finanzkonten in Steuersachen) der OECD hat sich Liechtenstein bereits im Jahr 2014 verpflichtet. Einschließlich der EU-Staaten umfasst der AIA in Liechtenstein nunmehr weit über 100 Länder. Auch hiermit sorgt Liechtenstein für mehr Steuertransparenz für ausländische Investoren.

Neben den rechtlichen und steuerlichen Begebenheiten hat das Fürstentum Liechtenstein noch weitere Vorteile, die vor allem in der praktischen Umsetzung angedachter Finanzierungsstrukturen einen deutlichen Mehrwert im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten des EWR bieten. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die Liechtensteinische Finanzmarktaufsicht („FMA“), die nicht nur durch äußerst präzise praktische Kenntnisse und Erfahrungswerte, sowohl markt- als auch anleger- und produktseitig auf sich aufmerksam macht. Auch die für einen Prüfungsprozess auf regulatorischer Ebene vorgegebenen Fristen werden dabei grundsätzlich in hohem Maße unterschritten, was für Produktanbieter und aufsichtsrechtliche Protagonisten in der Verwaltung eine hohe Planungssicherheit erzeugt.

Daneben ist der Liechtensteinische Anlagefondsverband („LAFV“) zu nennen. Dieser ist nicht ausschließlich zu Marketingmaßnahmen für den Fondsstandort Liechtenstein ins Leben gerufen worden, sondern vielmehr auch zur Bündelung der Interessen der Marktteilnehmer und zur Vertretung dieser gegenüber den Regulatoren und weiterer korrespondierender Protagonisten. Ein lohnendes Beispiel für die Sinnhaftigkeit von Synergien ist mit Sicherheit die Standardisierung in den konstituierenden Dokumentationen, die zu einer deutlichen Kosten- und Aufwandsreduktion in der Konzipierung neuer Finanzierungsvorhaben geführt hat. Daneben agiert der LAFV zudem als Publikationsorgan sämtlicher Investmentfondsstrukturen im Land und sorgt dadurch für ein Höchstmaß an Transparenz.

Weitere Vorteile liegen zweifelsohne in den individuellen Strukturierungsmöglichkeiten aufgrund der sehr flexiblen Gesellschaftsstrukturen oder auch den sehr einfachen Zugängen zum Schweizerischen Investorenmarkt, was mit Sicherheit ein Unikum in den Kreisen der EWR-Staaten darstellt. Auch die weitestgehend auf die Bank-to-Bank Kommunikation abgestellte Abwicklung in der Administration von Investmentfondsstrukturen, deren automatisierten Anteilszeichnungs- und Anteilrückgabeprozessen, sowie die Ausgabe von depotfähigen Anteilsscheinen sind nicht nur in Punkto Transparenz und Sicherheit ein Zugewinn für Investoren. 

Dank der aufgeführten Fakten und weiterer vielseitiger Vorteile ist der Standort Liechtenstein bestens gerüstet sich weiterhin sowohl zu einem der attraktivsten vollregulierten Fondsplätze als auch zu einem der führenden Innovationsträger zukünftiger Finanzierungsstrukturen zählen zu dürfen.


XOLARIS Group

Seit 10 Jahren wächst die XOLARIS Group stetig und bündelt Ihre Kompetenzen in einer unabhängigen international tätigen Kapitalverwaltung. Die 2010 gegründete XOLARIS Group steht mit ihren vollregulierten Alternativen Investment Fund Managern („AIFM“) sowie ihren prozessual vollintegrierten Gesellschaften für Administration und Kommunikation für eine unabhängige White Label – Investmentgesellschaft mit Fokus auf Alternative Investmentfonds („AIF“).
Mit Hauptsitz in Liechtenstein und Tochtergesellschaften in Deutschland, Frankreich, und Asien kann die gesamte Wertschöpfungskette von Alternativen Investmentstrukturen abgebildet werden, stets getreu ihrem Motto: „Investment Quality – Made with Passion.“
Die einzelnen Einheiten der Gruppe bieten Dienstleistungen von der Beratung zur Auflage, der Strukturierung und der Verwaltung über die Buchhaltung bis hin zur Administration Alternativer Investmentvermögen und weiterer Sachwertinvestmentstrukturen.
Als von Produktanbietern rechtlich unabhängiger Dienstleister für die Konzeption, die Verwaltung und die Administration Alternativer Kapitalanlagen, versteht sich die XOLARIS Group in ihrer Gesamtheit als "Enabler" für Initiatoren und Investoren.

Die Herausforderung der Wassereffizienz

von Marc-Olivier Buffle, Senior Product Specialist, und Cédric Lecamp, Senior Investment Manager, beide Pictet AM.

In einer Zeit knapper Ressourcen und eines gestiegenen Umweltbewusstseins sollten Unternehmen mehr tun als nur ihre CO2-Bilanz verbessern. Es ist genauso wichtig, dass sie ihren Wasserverbrauch einschränken.

Langsam aber sicher wird der Welt klar, dass sie die Umwelt für künftige Generationen schützen muss. Die Senkung der Kohlenstoffemissionen ist ein Schritt in die richtige Richtung – und hierfür werden Unternehmen zunehmend zur Verantwortung gezogen, sei es durch Regulierungsbehörden, Verbraucher oder Aktionäre. Aber das ist nicht der einzige Schritt, den wir unternehmen müssen. Die Wassereffizienz ist ein weiteres entscheidendes Thema im Kampf für Nachhaltigkeit.

Abb. 1 Wasser wird knapp

Globale erneuerbare Süsswasserressourcen pro Kopf (Kubikmeter)


Quelle: Our World In Data, Weltbank

Die Messung und der Vergleich der Wassernutzung in den verschiedenen Branchen hat oberste Priorität. Ein Ausgangspunkt ist das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen, a das Schwellenwerte für die neun schädlichsten Umweltphänomene festlegt, die unseren Planeten gefährden, von Klimawandel und Süsswasserverbrauch bis hin zu Verlust der Biodiversität und Landnutzung.

Dem Modell zufolge, das vom Stockholm Resilience Center entwickelt wurde, können wir nachhaltig bis zu 4.000 Milliarden Kubikmeter Süsswasser pro Jahr verbrauchen – das entspricht laut bestimmten Schätzungen im Grossen und Ganzen der aktuellen Nutzung. Bis 2030 soll aber der globale Wasserbedarf auf 6.900 Milliarden Kubikmeter ansteigen, das übersteigt bei Weitem das zugängliche und gesicherte Angebot.1

Rund ein Fünftel des Wasserverbrauchs geht auf die Industrie zurück, das heisst, Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen, die Nutzung und Aufbereitung dieser wertvollen Ressource zu überdenken. Damit die Welt die nachhaltigen Grenzen nicht überschreitet, dürfen die Unternehmen Studien zufolge nicht mehr als 52.915 Kubikmeter Wasser pro erwirtschafteter 1 Mio. US-Dollar Umsatz verbrauchen.2

Unternehmen, die ihren Verbrauch auf diese Weise beschränken, werden mit Kosteneinsparungen und einer geringeren Anfälligkeit für Wasserschocks belohnt. Ausserdem dürften sie in der Gunst der zunehmend umweltbewussten Verbraucher und Regulierungsbehörden steigen.

Gerechter Vergleich

Beim Engagement zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen spielen Investoren eine entscheidende Rolle: Zum einen geben sie Unternehmen einen Impuls, in Wassereffizienz zu investieren, zum anderen suchen sie sich gezielt Unternehmen aus, die in dieser Hinsicht besonders innovativ und fortschrittlich sind.

Ceres, eine Forschungsgruppe und Interessenvertretung für Nachhaltigkeitsthemen, hat ein Toolkit entwickelt, um Investoren zu helfen, Wasserrisiken zu verstehen und in den Prozess der Portfolioallokation einzubeziehen. Dabei sind die verschiedenen Branchen entsprechend ihrer Anfälligkeit gegenüber wasserbezogenen Bedrohungen gekennzeichnet. Die in Boston ansässige Gruppe empfiehlt auch, dass Investoren durch Ausübung ihrer Rechte als Anleger gezielt Einfluss auf das Wasserrisiko der Unternehmen nehmen.

Die Vereinten Nationen haben die Initiative „CEO Water Mandate“ ins Leben gerufen und fördern über ihre Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) den universellen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen. Grosse Unternehmen wie Coca Cola, Nestlé, Unilever und Siemens beteiligen sich an diesen Initiativen. Investoren haben es in der Hand, die Unternehmen, in die sie investieren, dazu zu bewegen, diesem Beispiel zu folgen.

Die UN konzentriert sich auf eine Kennzahl, die sie Wassernutzungseffizienz (WUE) nennt und die die Bruttowertschöpfung pro Einheit Wasser, die von einem Land, einer Branche oder einem Unternehmen verbraucht wird, berechnet.

Damit die WUE-Werte aber für fundierte Entscheidungen herangezogen werden können, müssen sie vergleichbar sein und ein den tatsächlichen Verhältnissen eines Unternehmens entsprechendes Bild vermitteln. Momentan ist dies augenscheinlich noch nicht der Fall. Die WUE liegen weit auseinander, selbst bei Unternehmen desselben Teilsektors, und somit erst recht auf Branchenebene.

Nehmen wir als Beispiel das Brauereigewerbe. Insgesamt produziert die Branche rund 1,9 Milliarden Hektoliter Bier im Jahr3 und verbraucht dabei – vom Pflanzenanbau bis zum Konsum – mindestens sechzigmal soviel Wasser.4 Dennoch gibt es innerhalb der Branche grosse Unterschiede beim Wasserverbrauch von Brauerei zu Brauerei. Eine internationale Brauerei zum Beispiel gibt einen WUE-Wert von 1.850 US-$ Bruttowertschöpfung pro verbrauchtem Kubikmeter Wasser an, während ihr Mitbewerber nur 270 US-$ schafft.

Die Brauerei mit dem besseren Wert ist auf ihrem Weg zu höherer Wassereffizienz ganz offensichtlich weiter vorangekommen, aber das Problem ist, dass ein gerechter Vergleich momentan kaum möglich ist, weil die Berechnungen mitunter stark voneinander abweichen.

Abb. 2 Von Anfang bis Ende

Globaler durchschnittlicher Wasserverbrauch bei der Herstellung eines T-Shirts und Produktphasen


Quelle: UNESCO-IHE Institute for Water Education, Pictet Asset Management.

Damit die Daten aussagekräftig sind, müssen die Unternehmen ihren Wasserverbrauch in der gesamten Produktionskette berücksichtigen – das ist bei vielen noch nicht der Fall. Ein typischer Bekleidungseinzelhändler beispielsweise verbraucht relativ wenig Wasser. Dabei wird aber ausser Acht gelassen, dass die Baumwolle, aus denen die Kleidungsstücke bestehen, sehr wasserintensiv in der Produktion ist. Wird das Unternehmen losgelöst von seiner Lieferkette und der Produktnutzung betrachtet, wird die Rolle unterschätzt, die das Unternehmen in Sachen globaler Wassereffizienz spielen kann (in diesem Fall die Sensibilisierung seiner Lieferanten), aber auch, wie stark es im Fall von extremem Wasserstress beeinträchtigt sein kann.

Was die Problematik noch komplizierter macht, ist, dass Wasser ein lokales Problem ist – grosse Reserven in dem einen Land können nicht effizient in ein anderes Land transportiert werden, in dem gerade Dürre herrscht. Der Standort eines Unternehmens kann daher die Wahrscheinlichkeit stark beeinflussen, ob es einem Wasserrisiko ausgesetzt ist und inwieweit es der Wassereffizienz eine Priorität einräumt.

Investoren können dazu beitragen, dass Standards festgelegt werden und die Eigenverantwortung gefördert wird. Dies ist in unser aller Interesse – Unternehmen, die sich nicht mit Wassereffizienz auseinandersetzen, riskieren nicht nur Wasserengpässe, sondern laufen auch Gefahr, neue gesetzliche Vorschriften nicht mehr zu erfüllen und dem zunehmenden Umweltbewusstsein der Verbraucher nicht gerecht zu werden. So wie der CO2-Fussabdruck heute immer mehr beim Portfolioaufbau berücksichtigt wird, kann auch der Wasserverbrauch in Zukunft eine wichtige Eingabegrösse sein.

Kreislaufansatz

Wassereffizienz bedeutet nicht nur, weniger zu verbrauchen, sondern auch, mehr wiederzuverwenden. Einige der weltweit führenden Industrien verfolgen bereits einen Ansatz für eine Kreislaufwirtschaft – und betrachten Abwasser als Ressource und nicht als etwas zum Entsorgen. Da unsere Gesellschaft – von Politikern bis hin zu Verbrauchern – immer stärker sensibilisiert ist für ökologische Herausforderungen, werden Unternehmen, die nachweislich einen Kreislaufansatz verfolgen, positiver wahrgenommen und ihr Reputationsrisiko ist geringer.

Einige Branchen verbrauchen natürlich mehr Wasser als andere und haben daher mehr Möglichkeiten, Wandel zu bewirken und davon zu profitieren. Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie fallen einem als erstes ein. In einigen Regionen ist zudem aufgrund der lokalen Wasserbedingungen der Impuls für Veränderungen grösser als in anderen. Das Problem ist jedoch ein sehr breites – jeder verbraucht Wasser und in einer zunehmend voneinander abhängigen und miteinander vernetzten Welt sind fast alle grossen Unternehmen an irgendeiner Stelle ihres Betriebs dem Risiko einer Wasserknappheit ausgesetzt. Investoren mit tieferem Einblick in Wassernutzung und -effizienz sind daher gut ausgestellt, um verborgene Risiken und Chancen zu erkennen.

Gutes Umweltmanagement ist eine nützliche Metapher für ein solide geführtes Unternehmen. Das gilt für Kohlenstoffemissionen ebenso wie für die Wassereffizienz.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf am.pictet.

1) 2030 Water Resources Group, "Charting Our Water Future"
2) "Towards defining an environmental investment universe within planetary boundaries", C. Butz et al, 2018
3) Barth Report Hops 2018-9
4) "Water Futures", WWF, SABMiller, GTZ, 2010

USA und Europa starten Neuanfang im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel

Die USA und die EU sind mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Joe Biden wieder auf einer Linie. Der neue US-Klimabeauftragte John Kerry hat bei seinem ersten Besuch in dieser Rolle in Brüssel die Bedeutung der erneuerten Klimaschutzallianz mit Europa unterstrichen. „Wir sind entschlossen, unsere starke Allianz im Kampf gegen die Klimakrise zu erneuern“, sagte der ehemalige US-Außenminister am vergangenen Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit EU-Vertretern.

Kerry bekräftigte auch den hohen Stellenwert der Klimapolitik für die neue US-Administration und die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in diesem Bereich. „Wir haben dafür keine besseren Partner als unsere Freunde hier in Europa“, sagte Kerry bei seinem Besuch und signalisierte damit einen Neustart der transatlantischen Beziehungen.

Kerrys Besuch in Brüssel hat vor allem große symbolische Bedeutung und steht für die klimapolitische Kehrtwende der USA unter ihrem neuen Präsidenten Joe Biden. Schon im Wahlkampf hatte Biden verstärkte internationale Zusammenarbeit und ambitionierte Klimaziele als wichtige Eckpfeiler seiner Politik angekündigt und sich damit scharf vom Kurs seines Vorgängers Donald Trump abgegrenzt.

Biden macht Trumps Ausstieg aus Klimaschutzabkommen rückgängig

Zu Beginn seiner Amtszeit hat Biden bereits einige Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung gesetzt. So hat der neue US-Präsident im Jänner einen vorübergehenden Bohrstopp in der Arktis verhängt und plant derzeit den internationalen Klimagipfel „Earth Day“ am 22. April. Und schließlich hat Biden auch den von Ex-US-Präsident Donald Trump beschlossenen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen rückgängig gemacht.

Das 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris von 195 Staaten und der EU unterzeichnete Abkommen sieht eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau vor. John Kerry forderte bei seinem Besuch in Brüssel noch ehrgeizigere Ziele für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels: „Paris allein reicht nicht, um diese Aufgabe zu schaffen“, so Kerry.

Europa und USA streben Klimaneutralität 2050 an

Um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu bewältigen, müssen vor allem die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) gedeckelt werden. Die USA und Europa bekräftigten in ihrer gemeinsamen Erklärung das Ziel bis spätestens 2050 unterm Strich keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Die EU will Europa bis dahin klimaneutral machen, das heißt es werden gleich viele CO2-Emissionen beseitigt wie produziert. Allein bis 2040 will die EU laut ihrem im Vorjahr nachgeschärften Ziel die Treibhausgase um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken. Zum Vergleich: 2019 lagen die Emissionen der EU laut einem EU-Bericht um gut 25 Prozent unter dem Niveau von 1990.

Kerry und EU-Vertreter forderten auch andere Länder auf, dem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität zu folgen um die globale Erwärmung zu begrenzen. Ohne die Hilfe anderer großer Treibhaus-Produzenten kann der Kampf gegen die Erderwärmung nicht gelingen. Gefordert sind hier die großen aufstrebenden Industrienationen. Vor allem Länder wie China oder Indien waren im 21. Jahrhundert für den weiter steigenden Welt-CO2-Ausstoß verantwortlich, heißt es in einem Bericht der EU. So lag im Jahr 2019 laut EU-Daten der Anteil von China an den Weltkohlendioxidemissionen bei 30,3 Prozent.

China selbst hat in dem Mitte März beschlossenen 14. Fünfjahresplan des Landes neben Wachstums- und anderen Vorgaben tatsächlich ein Klimaziel aufgenommen. Bis 2060 will das Land klimaneutral sein. Der Anteil nichtfossiler Energieträger am Energieverbrauch soll bis 2025 ein Fünftel, und 2030 schon 30 Prozent betragen. Dafür sollen aber auch die Kapazitäten von Atomkraftwerken erhöht werden.

Auch Unternehmen und Superreiche auf Klimakurs

Auch Unternehmen stellen sich zunehmend auf die Klimaziele ein. Unter den Vorreitern finden sich hier Automobilkonzerne. So will Volkswagen im Jahr 2030 bereits 70 Prozent aller Fahrzeuge der Kernmarke VW in Europa mit elektrischem Antrieb verkaufen. Für China und die USA peilt der Autohersteller eine Elektroauto-Quote von mindestens 50 Prozent an. Mit dem E-Autoboom dürfte auch die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien massiv steigen. Bis 2025 will die EU imstande sein, jedes Jahr Batteriezellen für mindestens sieben Millionen Elektroautos zu produzieren.

Eine immer wichtigere Rolle im Kampf gegen die Erderwärmung spielen schließlich auch die Initiativen einer Super-Reichen. So will etwa der Amazon-Gründer Jeff Bezos im Lauf des Jahres von seinem Chefposten zurücktreten – unter anderem um sich privaten Vorhaben wie etwa dem Kampf gegen den Klimawandel stärker widmen zu können. 10 Milliarden Dollar will der zweitreichste Mensch des Planeten dafür spenden. In einer ersten Runde verteilt sein neu geschaffener Bezos Earth Fund 791 Mio. Dollar an Organisationen und Projekte die sich für das Klima engagieren.

ERSTE GREEN INVEST: Potenzial für umweltfreundliche Technologien

In diesem langfristig viel versprechenden Umfeld sind auch die Aussichten für Aktien von Unternehmen, die neue Umwelttechnologien entwickeln bzw. sich zunutze machen, positiv zu werten. Angesichts der gestiegenen Bewertungsniveaus an den Börsen sind zwischenzeitliche Korrekturen jederzeit möglich und „gesund“. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten der „grünen Unternehmen“ sollten sich langfristig in besseren Ertragsmöglichkeiten für Fonds mit einem Fokus auf Ökologie und Umwelttechnologie niederschlagen.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert weltweit vor allem in Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie. Der Investmentprozess des Fonds basiert auf fundamentaler Unternehmensanalyse. Die Auswahl geeigneter Titel richtet sich auf Unternehmen, die vor allem in den Bereichen Energie, Wasser, Abfall & Recycling, Transformation und Adaption tätig sind. Eine messbare positive Auswirkung (Impact) auf die Umwelt beziehungsweise die Gesellschaft steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund.

Hinweis: Aufgrund der erst sehr kurzen Laufzeit hat diese Darstellung der Wertentwicklung nur wenig Aussagekraft.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Erfahren Wasserstoffbrennstoffzellen den Durchbruch?

von Nitesh Shah, Director, Research, Europa, WisdomTree.

Wasserstoff ist heutzutage in aller Munde. Doch es fühlt sich an, als hätte Wasserstoffschon einmal diesen Punkt erreicht. Das Konzept einer Wasserstoffbrennstoffzelle wurde 1839 entwickelt1. Bereits in den 1970er Jahren produzierten Autohersteller Demonstrationsfahrzeuge für Wasserstoffbrennstoffzellen, und einige Branchenexperten sprachen davon, dass sie die Autoindustrie revolutionieren würden. In den 1970er, 80er, 90er, 2000er und 2010er Jahren gelang es Wasserstoff-Brennstoffzellenautos jedoch nicht, bedeutende Fortschritte zu erzielen. Warum werden die 2020er Jahre anders sein? Wir glauben, dass 2020 ein Wendepunkt für die Investitionen erreicht wurde. Viele Länder, die sich den Klimazielzielen angeschlossen haben, erkennen, dass eine Mischung alternativer Energiequellen erforderlich sein wird, um diese Ziele zu erreichen. Die Abhängigkeit von nur einer Handvoll erneuerbarer Energiequellen kann dazu führen, dass Länder von Energieknappheit bedroht sind. Lithium-Ionen-Batterien waren die Hauptstütze des Marktes für Elektrofahrzeuge und werden dies wahrscheinlich auch in den nächsten zehn Jahren bleiben. Die Lithium-Ionen-Batterie benötigte jedoch 20 Jahre Forschung und Entwicklung, bevor sie Anfang der neunziger Jahre auf den Markt gebracht und erst Jahrzehnte später tatsächlich in Fahrzeugen eingesetzt wurde. Wasserstoffbrennstoffzellen befinden sich möglicherweise ebenfalls in einem früheren Stadium der Kommerzialisierung in Fahrzeugen.

Durch Emissionen farbcodiert

Während Brennstoffzellenautos am Auspuff keine Emissionen verursachen, war die Erzeugung von Wasserstoff in erster Linie ein umweltschädliches Geschäft. Der größte Teil des heute produzierten Wasserstoffs verwendet Erdgas als Ausgangsmaterial, das kaum als ein kohlenstoffarmer Kraftstoff angesehen werden kann. Dieser „graue Wasserstoff“ macht etwa 95 Prozent der aktuellen Produktion aus und ist relativ günstig. Es ist jedoch möglich, Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen. Aktuell stammt nur ein kleiner Teil der Wasserstoffversorgung aus dieser „grünen Wasserstoffquelle“, aber die Investitionspipeline hat das Tempo beschleunigt. Das deutet darauf hin, dass diese jahrhundertealte Idee verwirklicht werden könnte. Zwischen dem „grauen“ und dem „grünen Wasserstoff“ liegt der „blaue Wasserstoff“, der aus fossilen Brennstoffen hergestellt wird. Die Kohlenstoffemissionen werden jedoch mithilfe von Technologien wie Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -bindung reduziert.

Die Nachfrage nach Elektrolyseuren steigt

Für die Herstellung von Wasserstoff ist ein Elektrolyseur erforderlich – ein Gerät, mit dem Wasserstoff und Sauerstoff mithilfe von elektrischem Strom von Wasser getrennt werden können. Der elektrische Strom kann aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden. Laut Bloomberg New Energy Finance stiegen die Lieferungen von Elektrolyseuren im Jahr 2020 auf 200 Megawatt – ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber 2019. Das ist noch relativ wenig, doch für 2030 wurden 17 Gigawatt Elektrolyseurkapazität angekündigt. Darüber hinaus scheinen sich die politischen Entscheidungsträger hinter Wasserstoff zu stellen. Neun Länder sowie die Europäische Union haben 2020 Roadmaps für Wasserstoff angekündigt. Ihre Zielvorgaben zusammen genommen wäre bis 2030 eine Elektrolyseurkapazität von 65 Gigawatt möglich. Während dies Ambitionen ohne konkrete Finanzierung sein mögen, ist die politische Ausrichtung für Wasserstoff eindeutig positiv. Wie wir bei Lithium-Ionen-Batterien gesehen haben, kann eine Produktion in größerem Maßstab die Kosten senken. Wenn die Kosten für grünen Wasserstoff sinken, kann die Akzeptanz von Wasserstoffbrennstoffzellen steigen.

Ein Index für die Wertschöpfungskette von Batterien, der sich mit dem Markt entwickelt

Im Bereich der Wertschöpfungskette für elektrochemische Speicher und Batterien möchten wir nicht nur die heutige Technologie erfassen, sondern auch neue Technologien, die die Energiewende in den kommenden Jahren vorantreiben könnten. Der Anteil des Engagements in neue Technologien des WisdomTree Battery Solutions Index beträgt mehr als ein Viertel. Von den 36 Teilsektoren in diesem Index sind Wasserstoffbrennstoffzellen – als aufstrebende Technologie angesehen – der größte Teilsektor und machen 12 Prozent des Index aus (und acht der 93 Bestandteile des Index).Wenn Wasserstoffbrennstoffzellen tatsächlich dem Weg von Lithium-Ionen-Batterien folgen, könnte der WisdomTree Battery Solutions Index gut positioniert sein, um diese Entwicklung im Megatrend der Energiewende zu erfassen.


William Gove wird allgemein die Schaffung der ersten Brennstoffzelle der Welt im Jahr 1839 zugeschrieben, obwohl er sie als „Gas-Voltaik-Batterie“ bezeichnete. Er erzeugte einen elektrischen Strom unter Verwendung einer elektrochemischen Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff an einem Platinkatalysator.
Stand am 17. Februar 2021.

Emerging Markets Unternehmensanleihen: Nachhaltigkeit wird zum Erfolgsfaktor beim Investieren

Eine Anzahl an Schwellenländern, besonders jene in Asien, könnten gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Länder wie China haben die Corona-Krise vergleichsweise gut überwunden. Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs laut chinesischem Statistikamt im Jahr 2020 um 2,3 % und markierte damit die einzige Nation mit einem positiven Wachstum im Jahr 2020 unter den großen Volkswirtschaften der Welt.

Die Wachstumserholung war breit angelegt und wurde zunächst von Investitionen und Exporten angeführt. Ein Trend der sich 2021 fortzeichnet. Der Internationale Währungsfonds (IMF) geht davon aus, dass das Land der Mitte in diesem Jahr über 7 Prozent wachsen könnte. „Von Chinas Aufschwung und dem Appetit nach Rohstoffen profitieren viele Branchen“, betont Péter Varga, Senior Professional Fondsmanager in der Erste Asset Management. “Seit Anfang des Jahres kauft China die doppelte Menge an Öl wie im 4-jährigen Durchschnitt ein. Zum Teil, um die Wirtschaft zu befriedigen zu einem anderen Teil, um seine Reserven und Lager wieder aufzufüllen.“

Appetit auf Rohstoffe

Zudem investiert China kräftig in die Branchen der Zukunft. Das beginnt bei Autonomen Fahren und endet bei erneuerbarer Energie. Der Grund dahinter ist für Varga sehr deutlich: die Abhängigkeit von Flüßigerdgas und Lieferungen von Rohöl aus dem Ausland zu reduzieren. Der gigantische Energiebedarf des Landes soll in Zukunft immer stärker von Nuklear, Solar- oder Windenergie gestillt werden. Derzeit befindet sich der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch bei knapp einem Viertel (2019). Tendenz stark steigend. Vom Aufschwung im Inland haben vor allem Hightech New Economy-Unternehmen wie z.B Tencent enorm profitiert, so Varga. „In diesem Sektor sowie bei den Technologiezulieferern haben wir Profite mitgenommen, hier findet man aber kaum mehr große Risikoaufschläge auf Anleihen, die Unternehmen haben enorme Cash-Reserven aufgebaut.“

Ein Trend zeichnet sich klar ab: Unternehmen, die einen Schwerpunkt in Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien und Technologien setzen, haben die besten Zukunftsaussichten. Wichtig in diesem Zusammenhang: präzise Analyse und eine Bewertung in realistischem Rahmen. „Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen“, so Fondsmanager Péter Varga, Schließlich steigen und fallen die Anleihen mit den wirtschaftlichen Erfolgen und Misserfolgen der Emittenten.

Bei der Auswahl der Unternehmen ist intensive Analyse entscheidend. „Waren es zunächst strukturell wichtige Branchen wie die Lebensmittelproduktion oder Telekommunikation, die besonders profitiert haben, bieten nun auch klassische Industrieunternehmen Opportunitäten“, erklärt Varga. Gemeint sind damit vor allem sogenannte „brick an mortar“ Unternehmen, also solche die nicht nur digitale Güter und Leistungen erbringen, sondern in klassischen Bereichen tätig sind, wie Chemieindustrie, Maschinenbau, Elektroindustrie sowie im Papiersektor. Hier nennt Varga den brasilianischen Papiererzeuger Klabin als Beispiel.

Welche Faktoren für Unternehmen in Schwellenländern ausschlaggebend sind

Nachhaltigkeitsfaktoren, die auf ESG (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) beruhen, sind seit Jahren im Aufwind. Sowohl der neue US Präsident Joe Biden sowie die EU Kommission unter Ursula von der Leyen haben ambitionierte Pläne zur CO²-Neutralität und einer nachhaltigeren Wirtschaft vorgestellt. Neue Regularien im Bereich Nachhaltigkeit wie die geplante CO²-Importabgabe oder die Pläne über die Wasserstoff-Wirtschaft werden sich auf Unternehmen in den Schwellenländern auswirken. Die grüne Wirtschaft ist, angetrieben durch neue Investitionen und den politischen Willen von Staats- und Regierungschefs, in den Schaltzentralen nicht mehr aufzuhalten. Ein Beispiel wie man den aktuellen Trend nutzt, zeigt der ukrainische Stahlproduzent Metinvest, der von der von der Nachfrage nach Eisenerz Pellets – da sich mit diesen bei Stahlherstellung weniger CO2 produzieren lässt – profitiert.

„Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien und Recycling tätig sind, werden von dieser nachhaltigen Welle profitieren. Bei klassischen Industriezweigen sind die Analyse und Engagement, also die Art Unternehmen gezielt zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, entscheidend“, betont Varga. Die Erste Asset Management hat es mit seinem hauseigenen Nachhaltigkeitsteam geschafft mit dem brasilianischen Chemiehersteller Unigel ein eigenes Nachhaltigkeits-Rating zu erstellen. Unsere Pionierrolle und aktuelle Expertise in Sachen ESG verschaffen uns als Fondshaus natürlich größere Opportunitäten am Markt zu investiven“, so Varga abschließend

Über den ERSTE BOND EM CORPORATE

Der ERSTE BOND EM CORPORATE investiert in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Der Fonds veranlagt hierbei weltweit und ermöglicht Investoren die Teilnahme an den Wachstumschancen dieser aufstrebenden Märkte. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert. Das Fondsvolumen beträgt aktuell fast 630 Millionen Euro (Stand: 26.02.2021).

Aufgrund unseres erfolgreichen Track-Records wurden wir als Fondsmanager bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter auch mit dem Lipper Award und nun auch mit dem 1. Preis vom Deutschen Branchenmagazin €uro und €uro am Sonntag.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein Meer an Möglichkeiten mit Investitionen im Bereich Ocean Technology

Storm Capital Management mit Sitz in Oslo wurde 2006 gegründet und ist ein unabhängiger Vermögensverwalter, der sich im Besitz der Partner befindet und sich ausschließlich auf die nordischen Kreditmärkte konzentriert. Storm verwaltet zurzeit den Storm Bond Fund. In folgendem Interview spricht das Storm-Team über neue Investmentmöglichkeiten im Bereich Ocean Technology (Maritime Logistik, Offshore Renewables und O&G sowie Aquakultur). FondsTrends sprach mit einem der Investment Directors und Partner Thomas W. Pedersen und Marcus S. Mohr, ebenfalls Partner und verantwortlich für das Business Development, über verschärfte ESG-Regeln, skalierbare und konstante Marktchancen für den ozeanischen Raum sowie über das Entstehen dauerhafter Finanzierungslücken, die es durch alternative Quellen zu schließen gilt.

FondsTrends: Seit 2008 offenbarten sich enorme Finanzierungschancen hinsichtlich der Finanzierung im Bereich Ocean Technology. Herr Pedersen, Herr Mohr – welche Philosophie verfolgt „Storm“?

Thomas Pedersen: Seit der Finanzkrise 2008 spielen alternative Kapitalanbieter in der gesamten Wirtschaft eine tragende Rolle um die Lücke zu füllen, die die Banken hinterlassen haben. Während der maritime Raum lange Zeit insbesondere von europäischen Banken dominiert wurde, hat die zunehmende Bankenregulierung in jüngerer Zeit auch eine wachsende Marktchance für alternative Anbieter geschaffen. Unser Ansatz basiert in diesem Bereich auf privat ausgehandelten Transaktionen in enger Partnerschaft mit unseren Kunden, deren Bedürfnisse wir so besser verstehen und maßgeschneiderte Lösungen anbieten können, die daraufhin als Katalysator für die Umsetzung ihrer Strategie dienen. Die Entwicklung dieses Ansatzes kostet Zeit, führt aber nach der Umsetzung in der Regel zu einem besseren Risiko-Ertrags-Verhältnis. Zudem ist unser Ansatz insofern nicht spekulativ, da wir nicht auf steigende Zinsen oder Vermögenswerte setzen. Stattdessen finanzieren wir Anlagen und Betreiber, um ihnen die Geschäftstätigkeit mit robusten Endkunden zu ermöglichen, die wiederum unsere Investitionen tragen.

Marcus Mohr: Aus meiner Perspektive eines Investmentmanagers vertreten wir die eindeutige Philosophie, weiterhin künftig vollkommen unabhängig zu handeln, wie wir es seit jeher tun. Dies ist besonders wichtig, um stets die bestmöglichen Investitionen für unsere Kunden tätigen zu können, ohne dass eine zweite Agenda im Raum steht. Darüber hinaus befinden wir uns im Besitz von Partnern und verfolgen somit das gleichgerichtete Interesse, die besten risikoadjustierten Renditen für unsere Kunden zu erzielen.

FondsTrends: Wie würden Sie angesichts der vielfältigen Marktchancen als auch deren Anforderungen Ihre grundlegende Anlagestrategie beschreiben?

Thomas Pedersen: Wie bereits erwähnt bieten wir unseren Kunden privat verhandelte Kreditlösungen an. Dabei sind wir strukturell flexibel, was bedeutet, dass die Investitionen in unterschiedlichen Formen und anhand verschiedener Instrumente erfolgen können. Das Grundprinzip, ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil auf nicht-spekulativer Basis zu gewährleisten, bleibt jedoch das gleiche. Wir betrachten die gesamte Wertschöpfungskette und versuchen, Anlagen und Betreiber mit einer starken operativen Erfolgsbilanz zu finanzieren. Diese zeichnen sich typischerweise durch robuste Endverbraucher aus, auf deren Cashflow wir zugreifen wollen. Dies geschieht entweder auf Basis langfristiger Verträge, beispielsweise für LNG-Tanker als eine Form schwimmender Pipelines, oder durch eine führende Marktposition, die unseren Kunden eine regelmäßige Versorgung ihrer Endverbraucher ermöglicht. Dabei geht es nicht alleinig um die reine Vermögensfinanzierung, sondern auch um operative Aspekte und die Marktposition unseres Kunden, die letztlich die Assets in Cashflows umwandeln.

FondsTrends: Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) verfolgt das Ziel, die Emissionswerte bis 2050 um 50 % zu reduzieren und verabschiedete unlängst ein weiteres Regelwerk. Dennoch bemängeln einige Kritiker die Stagnation der Situation, was die EU zu einem Appell an die maritime Industrie animierte, sich aktiver im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren. Ihr Unternehmen verfolgt dabei die von den Vereinten Nationen geförderte „Responsible Strategy Policy“, die unter anderem die „Poseidon Principles“ beinhaltet. Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für den konkreten Investmentprozess?

Thomas Pedersen: Der Seeverkehr macht ca. 90 % des weltweiten Warenverkehrs aus und ist im Grunde die emissionseffizienteste Art des Gütertransports. Dennoch entfallen etwa 2,4 % der weltweiten CO2-Emissionen auf diesen Sektor. Bis vor kurzem hat sich die maritime Industrie nur langsam angepasst, was vermutlich daran lag, dass keine realen Konsequenzen auf das Unterlassen von Maßnahmen folgten. In den letzten ein bis zwei Jahren hat die Regulierung insbesondere durch den Green Deal der EU an Dynamik gewonnen. Interessanterweise scheint für mich persönlich nicht die Regulierung selbst, sondern der kommerzielle Druck die treibende Kraft des Wandels zu sein. Die Endkunden fordern jetzt ebenso wie die Banken klimaneutrale Wertschöpfungsketten, einschließlich des Transports. Um weiterhin im Markt bestehen zu können, müssen sich die maritimen Unternehmen entsprechend anpassen. Die Auswirkungen für uns bei Storm erstrecken sich auf mehrere Ebenen: den Anlagentyp, den wir finanzieren, die Risikobewertung dieser Anlagen (werden sie vorzeitig veraltet sein?) sowie insbesondere die Herangehensweise unserer Kunden an die Anpassungen an die neue Umgebung. Unsere permanente Frage lautet: Wird der Kunde den nötigen Willen und die Fähigkeit aufweisen, sich an neue Anforderungen anzupassen, um weiterhin im Geschäft bleiben zu können?“ Es handelt sich um eine Risikobewertung sowohl harter als auch weicher Faktoren, die man vor fünf Jahren vermutlich noch nicht wahrgenommen hätte.

FondsTrends: Obwohl die Corona-Pandemie nach wie vor grassiert und im Zuge ist, die Welt grundlegend zu verändern, scheint sie jedoch bislang eher moderat auf die Meereswirtschaft zu wirken. Insbesondere die maritime Industrie ist von COVID-19 weniger betroffen als andere Transportsegmente. In welchen Teilbereichen sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Thomas Pedersen: Tatsächlich beeinflusst COVID-19 die maritime Branche bisher geringer als andere Sektoren, allerdings können wir die langfristigen Auswirkungen in Bezug auf veränderte Handelsmuster und ähnliches noch nicht abschätzen. Wir verfolgen einen nicht-spekulativen, langfristigen Ansatz und zur Unterstützung dessen streben wir langfristige Cashflows von robusten Kunden an. Die maritime Industrie selbst ist sehr diversifiziert, angefangen bei den verschiedenen Segmenten der industriellen Schifffahrt bis hin zu erneuerbaren Offshore-Energien und der Aquakultur, wodurch sich eine große Bandbreite an Chancen eröffnet. Die beiden Hauptchancen, die wir in den verschiedenen Segmenten dieses diversifizierten Universums sehen, sind der anhaltende Rückgang traditioneller Bankenfinanzierungen und die zunehmenden Anforderungen an die Einhaltung von ESG-Richtlinien in verschiedenster Form bei zukünftigen Finanzierungen.

FondsTrends: Sie bewegen sich auf einem tendenziell eher spezifischen Markt und Ihr Team verfügt über eine langjährige Erfahrung im Finanzwesen und im maritimen Bereich. Wodurch zeichnet sich der grundsätzliche Erfolg von Storm aus?

Thomas Pedersen: Es stimmt, dass wir sektoral ausgerichtet und keine Generalisten sind. Wir beobachten, dass die Anzahl an Fondsmanagern und verfügbarem Kapital im Bereich der generalistischen Privatkredite/Direktkredite enorm ansteigt. Das beeinflusst die Investitionsrenditen und das Risikoprofil. Der maritime Wirtschaftssektor an sich stellt eine enorme und mehrere Billionen US-Dollar schwere Branche dar, deren jährliches globales Finanzierungsvolumen wir auf etwa 100 Milliarden US-Dollar beziffern – es besteht also reichlich Platz, auch wenn es derzeit nur sehr wenige dedizierte Finanzierungsanbieter gibt. Uns ist die Glaubwürdigkeit in dem was wir tun wichtig und das können wir nur erreichen, wenn wir es bereits schon einmal gemacht haben. Bei der maritimen Finanzierung ist dies der Fall, da wir über eine langjährige Erfahrung und ein globales Netzwerk verfügen. Die Kombination dieser Erfahrung und des Netzwerks mit der Ausrichtung auf die Investoren ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Da wir eine von Partnern geführte Vermögensverwaltung sind, stellt sich unser Erfolg nur im Einklang mit dem Erfolg unserer Investoren ein, wodurch die richtigen Anreize während des gesamten Investitionsprozesses geschaffen werden.

Marcus Mohr: Storm Capital Management betreibt seit 2008 einen Fonds, der vorwiegend in Unternehmensanleihen investiert und wir evaluieren bereits seit geraumer Zeit die Einführung einer zweiten Strategie. Wir haben uns mit unseren Investoren des Storm Bond Fund in Verbindung gesetzt und erfahren, dass erheblicher Bedarf bezüglich einer maritimen Privatkredit-Strategie besteht. Der Grund liegt schlicht in der Branchendynamik, die in den kommenden Jahren überdurchschnittliche, risikobereinigte Renditen verspricht sowie der Tatsache, dass die maritime Industrie einen Teil der norwegischen DNA verkörpert und die herausragendsten Talente in Oslo zu finden sind. Darüber hinaus verfolgten wir Thomas und sein Team bereits bei ihrem ersten Fonds und sind überzeugt, dass sie zu den leistungsstärksten Managementteams auf dem maritimen Privatkreditmarkt zählen. Daher freuen wir uns sehr, sie mit an Bord zu haben.

FondsTrends: Kommen wir abschließend noch zu einer persönlicheren Frage: Wie haben Sie beide die COVID-19-Pandemie und ihre bisherigen Auswirkungen auf das Arbeitsleben erlebt?

Thomas Pedersen: Wir hatten insofern großes Glück, als dass ein Großteil unserer Arbeit bereits vor dem Ausbruch der Pandemie per E-Mail und Telefonkonferenzen erfolgte. Natürlich haben wir auch vermehrt auf Videokonferenzen zurückgegriffen, da dies de facto die primäre Möglichkeit geworden ist, Personen erstmals zu treffen und dieses Element des Arbeitslebens wird wahrscheinlich bleiben. Aber es ist kein vollständiger Ersatz für den menschlichen Kontakt, der für die Geschäftsentwicklung und die Generierung von Ideen unerlässlich ist und ich freue mich darauf, wieder persönliche Kundengespräche führen zu können. Privat genieße ich es, mehr Zeit mit der Familie verbracht zu haben.

Marcus Mohr: Normalerweise reise ich sehr viel durch Europa, um mich mit Investoren zu treffen. Das macht einen großen Teil meiner Arbeit aus und ist etwas, das ich wirklich vermisse. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, unser firmenweites verwaltetes Vermögen (AUM) während der Pandemie durch großartige Kommunikationsmittel und die fantastische Unterstützung seitens unserer Kunden zu steigern. Ungeachtet dessen freue ich mich sehr auf meine erste Reise (hoffentlich im 1. Halbjahr 2021), bei der ich mich mit Investoren vor Ort treffen kann. Positiv ist jedoch, dass ich während der Pandemie meine Familie mehr gesehen habe, was sehr schön war und die Zeit wie im Flug vergehen ließ.

FondsTrends: Herr Pedersen, Herr Mohr, herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für Sie beide! Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 18. Februar 2021.

Thomas W. Pedersen

Thomas W. Pedersen ist einer der Investment Directors und Partner bei Storm Private, einer Abteilung von Storm Capital Management AS. Herr Pederson greift auf über zwanzig Jahre Erfahrung im Bereich Investment Banking und Asset Management zurück. Nach einer 15-jährigen Tätigkeit bei Goldman Sachs in London in unterschiedlichen Funktionen, arbeitete er in der Corporate Finance-Abteilung des Unternehmens Clarksons Platou. Vor seiner Tätigkeit bei Storm, fungierte er bis 2019 als Managing Director für den Offshore Merchant Partners Asset Yield Fund. Herr Pedersen verfügt über einen Master-Abschluss der Norwegian School of Economics sowie der École des Hautes Études Commerciales in Paris.

Marcus S. Mohr

Marcus S. Mohr, Partner und verantwortlich für den Bereich Business Development bei Storm Capital Management, arbeitete vor seinem Einstieg bei Storm im Jahr 2012 als Investmentbanker bei der Citigroup in London. Ferner blickt er auf einen elfjährigen Erfahrungsschatz aus den Bereichen Business Development sowie Investmentbanking zurück. Herr Mohr erwarb einen Master of Science in Finance and Economics an der University of Strathclyde, den er mit Auszeichnung abschloss.

Investments in Technologiewerte: was Investoren beachten sollten

von Chris Gannatti, Head of Research, Europa, bei WisdomTree.

Unternehmen in der Informationstechnologiebranche haben die globalen Aktienmärkte seit der weltweiten Finanzkrise 2008/09 auf Rekordhochs getrieben. Da Investoren sich über die Konzentration in den Benchmarks bewusst sind, die sich nach der Marktkapitalisierung der weltweit größten Unternehmen richtet, wollen sie ihr Portfolio zukunftsträchtig aufstellen. Der Hauptvorteil eines gezielten, „thematischen“ Aktienengagements liegt darin, dass die Investoren aufkommende Themen über den gesamten Technologiesektor hinweg einbeziehen können, anstatt die Allokation in Unternehmen wie Facebook, Amazon, Alphabet, Apple, Microsoft und andere Großkonzerne zu erhöhen.

Thematische Ansätze in Bezug auf die Aktienmärkte sind nichts Neues und in Europa gibt es aktiv gemanagte Strategien bereits seit den frühen 2000er-Jahren. Anfangs wechselten die aktiven Manager dabei entweder zwischen verschiedenen Themen, wenn diese als attraktiv galten, oder sie engagierten sich in mehreren Themen gleichzeitig. Die zunehmende Verfügbarkeit von Anlagemöglichkeiten in Exchange Traded Funds, die um 2015 ihren Anfang nahm, hat den Markt insofern verändert, dass derzeit fast unbegrenzte thematische Optionen verfügbar sind.

Durch die Einteilung des breiten Universums thematischer Strategien in Kategorien lassen sich die Portfoliobausteine in einem sinnvollen Kontext analysieren. Dabei wurden vier weit gefasste Kategorien ermittelt: „Demografie und soziale Veränderungen“, „Technologische Veränderungen“, „Geopolitische Veränderungen“ und „Umweltbelastungen“. Die Kategorien sind wichtig, um das „Risiko“ für einen kommenden Zeitraum einzuschätzen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich alle vier Kategorien über einen bestimmten Zeitraum hinweg gleich gut entwickeln – hingegen ist es wahrscheinlicher, dass beispielsweise Strategien zu „technologischen Veränderungen“ aufgrund der Marktbedingungen stärker begünstigt werden. Eine zukünftige Periode könnte zum Beispiel für „Demografie und soziale Veränderungen“ günstiger ausfallen. Ein Portfolio, das sich ausschließlich aus „technologiefokussierten“ thematischen Strategien zusammensetzt, ist gegenüber veränderlichen Marktbedingungen weniger widerstandsfähig als ein Portfolio, das eine Diversifizierung über den Technologiebereich hinweg anstrebt und in mindestens einer anderen dieser Kategorien investiert ist.

Selbst innerhalb der weit gefassten Kategorie „Technologische Veränderungen“ können sich Investoren auf untergeordneten Ebenen für einen Fokus auf Themen wie „Cloud-Computing“, „Künstliche Intelligenz“, „Cybersicherheit“, „Nanotechnologie“ entscheiden. Anhand dieser Kategorien lässt sich auch das Jahr 2020 in einen Kontext bringen. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Cloud-Computing für eine Gruppe von Unternehmen, die während der COVID-19-Lockdowns hilfreiche Lösungen für die Bedürfnisse von Unternehmen und Verbrauchern boten. Ihre Performance spiegelte dies in der Tat wider. Das erste Quartal 2021 zeigte, dass sich die Volatilität bei Cloud-Computing-Strategien kurzfristig wohl erhöhen könnte. Das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet bleiben, dass die große Mehrheit der Unternehmenssoftware bis 2030 Cloud-basiert sein könnte und die Größe dieses „Kuchens“ sich heute auf rund 4 Billionen USD beläuft1.

Ein weniger langfristig ausgerichtetes und für 2021 opportunistisches Portfolio könnte sich in Richtung künstlicher Intelligenz mit einem starken Engagement in Halbleiter bewegen. Denn Halbleiter werden in zahlreichen Branchen benötigt und im bisherigen Jahresverlauf 2021 ist es bereits zu Engpässen gekommen. Cybersicherheit ist in einer Welt der Telearbeit zu einem interessanten Thema geworden. Trotz schwankender Aktienkurse dürfte die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen stetig steigen.

Wo der Fokus eines Investors im thematischen Universum der Aktienstrategien auch liegen mag, wesentlich ist, dass stets sowohl die Methodik als auch die Komponenten geprüft werden. Es kann zwar sein, dass die Strategien im selben „Thema“ investieren, doch eine genauere Analyse kann unterschiedliche Engagements und zugrunde liegende Unternehmen ergeben. Bei WisdomTree sind wir von fundierten Auswahlmodellen überzeugt, bei denen jede zugrunde liegende Komponente über eine direkte Verbindung zum übergeordneten Thema verfügt. Dies kann sowohl zu einer kürzeren bzw. konzentrierteren Liste von Unternehmen führen als auch, je nach Thema, zu einer längeren Liste von Unternehmen mit unterschiedlichen Beteiligungsgraden in der „Wertschöpfungskette“ des Themas.

Bei thematischen Strategien ist es wichtig, dass die Methodik und das Engagement der Strategie zu den Ansichten des Investors passen und sich in sein Portfolio einfügen. Ansätze, bei denen sich das Engagement mit dem Thema weiterentwickeln kann, sind sogar noch wirkungsvoller.


1 Loten, Angus. „Software Bots Multiply to Cope with ‘Stretched’ Resources.“ Wall Street Journal. 25. Januar 2021.

Management der Zinskurve

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

In den letzten Tagen sind Aktien und andere risikobehaftete Wertpapierklassen unter Druck geraten, obwohl seit Jahresanfang der Optimismus für eine wirtschaftliche Erholung gestiegen ist. Kann das mit „Buy the rumor, sell the fact“ begründet werden? Waren also die guten Nachrichten in den Marktpreisen reflektiert? Oder steckt ein anderer Mechanismus dahinter, der von Bedeutung für zukünftige Entwicklungen sein könnte?

Wirtschaftswachstum höher als erwartet

Die Wirtschaftsindikatoren für das vierte Quartal 2020 haben sich in den meisten Ländern kräftiger als erwartet entwickelt. Die Schätzung für das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal wurden seit Jahresanfang von 1,3% auf 1,8% (im Vergleich zum dritten Quartal) nach oben revidiert (Quelle: Erste AM). Der negative Effekt der Eindämmungsmaßnahmen auf die wirtschaftliche Aktivität war etwas geringer als angenommenen. Vor allem der Fertigungssektor und der Güterhandel konnte sich gut halten und haben Ende 2020 das Vor-Covid-Niveau überschritten.

Länderweise fällt die kräftige Entwicklung in den USA (aufgrund der hohen staatlichen Unterstützung) und in Nordost-Asien (gutes epidemiologisches Management, hohe Nachfrage nach Gütern, insbesondere im IT-Sektor) auf. Naturgemäß waren die kontaktintensiven Servicesektoren am stärksten betroffen. Die Indikatoren deuten für das erste Quartal auf eine Eintrübung des globalen Wachstums auf 0,5% im Vergleich zum Vorquartal hin. Der Rückgang ist weniger ausgeprägt als ursprünglich veranschlagt. Für die Zukunft lassen die angelaufenen Impfstoffprogramme, die üppigen Fiskalpakete in den USA und im Vereinigten Königreich sowie die generell erhöhten Sparquoten der Konsumenten eine baldige kräftige Beschleunigung des Wachstums erwarten. Natürlich gibt es regionale Unterschiede.

Optimismus: Vor-Covid Niveaus bereits Mitte 2022?

Dieses Umfeld hat für einige wichtige Länder zu einer Aufwärtsrevision der Projektionen für das Wirtschaftswachstum auf die mittlere Sicht (drei Jahre) geführt. Das Vor-Covid-Niveau (viertes Quartal 2019) wird den Prognosen entsprechend, von Land zu Land unterschiedlich, früher als gedacht erreicht werden. Zum Beispiel erwartet die Europäische Kommission mittlerweile ein Erreichen des Vor-Covid-Niveaus Mitte 2022 anstatt Ende 2023. Weil dadurch die Ressourcen-Auslastung am Arbeitsmarkt und bei der Produktion besser ausfällt (die negative Produktionslücke geringer als erwartet ist), wird der mittelfristige Inflationsausblick, von Land zu Land unterschiedlich, leicht nach oben genommen. Aktuell befindet sich die Konsumentenpreis-Inflation in vielen Ländern unter dem jeweiligen Zentralbank-Ziel. Die Zentralbank-Ziele für die Inflation könnten in einigen Ländern früher als gedacht erreicht werden.

Renditen der Staatsanleihen steigen

Auf dem Finanzmarkt haben die besseren Wachstums- und Inflationsaussichten zu einem Anstieg von Staatsanleihen-Renditen geführt. Die wichtigste Referenzrendite, die zehnjährige Staatsanleiherendite in den USA, ist von 0,91% am 1. Jänner auf 1,47% angestiegen.

Hierbei sind zwei Entwicklungen bemerkenswert:

  • Die Geschwindigkeit des Anstiegs hat zugenommen.
  • Der Anstieg der nominellen Renditen wurde seit Jänner im Unterschied zum vergangenen Jahr nicht mehr hauptsächlich von zunehmenden Inflationserwartungen sondern von einem Anstieg der realen Rendite getrieben.

Die in den Anleihekursen eingepreiste Inflation hält aktuell bei 2,21%. Anfang Jänner betrug sie 2% (Stand: 4.3.2021, Quelle Bloomberg). Im Unterschied dazu stieg die um die Inflation bereinigte Rendite von minus 1,09% auf minus 0,75% an. In den letzten Tagen haben die Renditeanstiege zu Kursrückgängen bei zahlreichen anderen Assetklassen geführt. Wie kann das sein, wo doch der Wachstumsoptimismus gestiegen ist?

Grafik: Struktureller Rückgang der realen Renditen

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Wertpapierpreise: Wachstum versus Zinsen

Prinzipiell gibt es zwei mögliche Gründe für Kursrückgänge: Entweder gibt es enttäuschende Nachrichten für die zukünftigen Cash Flows (Dividenden bei den Aktien), oder die Zinsen steigen an. Aktuell haben sich die Wirtschaftsnachrichten verbessert, weshalb auch die Zinsen angestiegen sind. Hier kommt eine wichtige Beziehung in der Volkswirtschaft zum Tragen: Höheres Wachstum geht mit höheren realen Zinsen einher. Wenn im Durchschnitt die Einkommen steigen, wird ein Anreiz benötigt, nicht alles für den Konsum auszugeben, sondern auch zu investieren. Leider gibt es eine sehr hohe Bandbreite für die Sensitivität zwischen realen Zinsen und Wachstum (0,5% bis 2%).

Wachsen die Dividenden, wirkt sich das positiv auf den Aktienpreis aus. Genau umgekehrt verhält es sich bei steigenden Zinsen: die haben für Aktien meistens einen negativen Beigeschmack. Der Zusammenhang zwischen Zinsen, Wachstum und Wertpapierpreisen wird anhand der vielleicht wichtigsten Gleichung in der Finanzwirtschaft sichtbar: Der Preis eines Wertpapiers ergibt sich aus den erwarteten zukünftigen Zahlungen (Cash Flows). Bevor die Cash Flows jedoch zusammengezählt werden können, müssen sie auf den heutigen Tag abgezinst werden.

Generell gilt:

  • Je höher der Zinssatz, desto niedriger der heutige Wert (Barwert) der zukünftigen erwarteten Cash Flows.
  • Je weiter die Cash Flows in der Zukunft liegen, umso größer ist dieser Zusammenhang (gemessen anhand der sogenannten Duration). Tatsächlich haben in der vergangene Woche Wertpapierklassen mit einer langen Duration (und einer hohen Bewertung wie etwas Technologieaktien) am meisten gelitten.

Zwei Kernthemen

Bewegungen bei den realen Zinsen beeinflussen maßgeblich die Kursbewegungen bei anderen Wertpapieren. Ein wesentlicher Grund, weshalb zahlreichen Wertpapierklassen in den vergangenen Jahrzehnten hohen Kursanstiege verzeichneten war der Umstand, dass die realen Zinsen stärker gefallen sind als die Wachstumsaussichten.

Daraus ergeben sich zwei Kernthemen:

1. Wenn die Renditen strukturell (auf die lange Sicht) ansteigen, ändert sich der Zusammenhang (die Korrelation) zwischen Aktien und Anleiherenditen von positiv auf negativ. Kurzfristige Rendite-Anstiege könnten, im Unterschied zur Zeitspanne von den 1990ern bis jetzt, im Durchschnitt mit kurzfristigen Kursrückgängen bei den Aktien einhergehen.

2. Für die weitere mittelfristige Entwicklung der Aktienpreise ist nicht so sehr relevant, ob die realen Zinsen steigen, sondern ob sieo stärker oder weniger stark als die Wachstumserwartungen ansteigen. Hier wird den Zentralbanken eine wesentliche Rolle zukommen.

Zinskurven-Management vor Herausforderungen

Solange die expliziten und impliziten Ziele der Zentralbanken wie Vollbeschäftigung, Inflation langfristig bei 2%, Finanzstabilität und niedrige Zinsen für die Finanzierung der hohen Staatsverschuldung nicht in Konflikt geraten, ist alles in Ordnung. Für den Finanzmarkt und die Staatsschuldendynamik ist die Geldpolitik jedoch effektiver (niedrige Leitzinsen und hohe Liquidität befördern Wertpapierpreise nach oben und umgekehrt) als für Wirtschaftswachstum und Inflation (Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Konsumentenpreisinflation ist gering, gemessen anhand der Phillips-Kurve). Ein Boom an den Märkten war die Folge. Die Renditeaufschläge für das Länderrisiko sind trotz ansteigender Staatsverschuldung (zum Beispiel für Italien) gesunken.

Die Zentralbanken signalisieren weiterhin eine anhaltend ultra-expansive Geldpolitik: auf absehbare Zeit sind keine Leitzins-Anhebungen zu erwarten Gleichzeitig sind die im Markt gepreisten Erwartungen für die erste Zinsanhebung jedoch näher gerückt: In den USA wird für März 2023 bereits eine vollständige Leitzinsanhebung eingepreist. Es geht aktuell also nicht darum, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen, sondern darum, dass generell die Anleitung der Markterwartungen seitens der Zentralbanken (Forward Guidance) etwas unglaubwürdiger geworden ist. Kompliziert wird es nun, weil Renditeanstiege den Zentralbanken sogar recht sein könnten: dadurch wird das Risiko für eine Übertreibung auf den Märkten (Finanzstabilität) reduziert. Natürlich will man nur moderate und langsame Renditeanstiege, weil gleichzeitig verlautbart wird, die Zinsentwicklung auf den Märkten genau zu verfolgen (Verbalintervention). Sollten die Renditen jedoch weiterhin kräftig ansteigen, das heißt, mehr als die Wachstumserwartungen zunehmen, wird das Zinskurvenmanagement der Zentralbanken offensichtlicher werden. Denn in diesem Fall würden Zentralbanken (wahrscheinlich) mit mehr als nur „weichen“ Aussagen versuchen, die Geschwindigkeit von Zinsanstiegen zu drosseln.

Schlussfolgerung: Das Umfeld für die Finanzmärkte wird unterstützend bleiben. Die Zentralbanken werden starke und schnelle Rendite-Anstiege erfolgreich zu verhindern versuchen. Die Volatilitäten (Kursschwankungen) werden wahrscheinlich zunehmen, weil die Bewertungen bei vielen Wertpapierklassen vor allem wegen der vorangegangenen Rendite-Rückgänge überdurchschnittlich sind. Die realen Renditen könnten nun einen, wenn auch nur leichten, Anstiegstrend eingeschlagen haben.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.