Macht der Markt beim VIX den nächsten Fehler?

Laut VIX, dem Index für die Marktvolatilität, fehlt es im Markt gegenwärtig an jeglicher Angst. Blickt man auf die aktuelle Weltlage mit ihrer politischen Instabilität, tragen die Anleger unseres Erachtens eine Sorglosigkeit zur Schau, die Grund zur Besorgnis gibt, so James Butterfill, Head of Research and Investment Strategy at ETF Securities.

Den VIX shorten heißt dem Herdentrieb folgen. Wenn die Zinsen steigen, nimmt das Risiko von Marktverwerfungen zu. Der VIX und die Aktienbewertungen sind ungewöhnlich hoch korreliert. Das heißt, dass die Anleger Aktien wegen ihrer niedrigen Volatilität kaufen und sich mit den hohen Bewertungen wohl fühlen. Da der VIX das Risiko unseres Erachtens aber zu niedrig angibt, befinden sich Aktienanleger in einer prekären Lage.

Kurswechsel nach dem Misserfolg

Laut VIX fehlt es im Markt gegenwärtig an jeglicher Angst. Abgesehen von gelegentlichen Spitzen nimmt der Volatilitäts­index in diesem Jahr einen ungewöhnlich tiefen Verlauf. Im Jahresdurchschnitt lag er seit 1991 nur in 5 Prozent der Jahre so niedrig, den aktuellen Stand erreichte er sogar nur in 1 Prozent der Fälle. Das diesjährige Tief bei 9,75 war ferner der historisch fünfttiefste Stand, zuletzt erreicht Ende 1993. Blickt man aber auf die aktuelle Weltlage mit ihrer politischen Instabilität, tragen die Anleger unseres Erachtens eine Sorglosigkeit zur Schau, die Grund zur Besorgnis gibt.

Die jüngsten Spitzen des VIX unterstreichen, dass Anleger, die den VIX shorten, durchaus Opfer ihrer Sorglosigkeit werden können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Anstieg am 17. Mai. Über Nacht explodierte der VIX von 10,6 um 46 Prozent auf 15,6. Grund waren Enthüllungen, dass Präsident Trump den ehemaligen FBI-Direktor Comey aufgefordert habe, die Untersuchungen über die russische Einmischung in den US-Wahlkampf einzustellen.

An der Oberfläche lässt der niedrige VIX vermuten, dass die Wahr­nehmung der künftigen Volatilität mit einer optimis­ti­schen Einstellung einhergeht. Unseres Erachtens aber unter­treibt der VIX das Risiko. Ein Blick auf unser VIX-Modell zeigt, dass der Index immer mehr vom Modellbefund ab­weicht. Der VIX sollte dem Modell zufolge, in das der Global Financial Stress Index und der US Economic Policy Uncertainty Index eingehen (s. VIX und Steuersenkungen wiegen Aktienanleger in trügerischer Sicherheit), eher bei 15 stehen, statt wie aktuell bei 10,6. Der Markt müsste also ein wesentlich höheres Risiko sehen. Das Absurde daran ist, dass diese Lücke zum Teil eine Folge der Instabilität auf Makroebene ist. Der marktbreite Anstieg des S&P 500 verschleiert die ungewöhn­lich hohe Korrelation zwischen Marktsektoren und Einzelaktien. Aber sie erklärt nicht, warum der VIX von unserem Modell abweicht, da es sich hierbei um ein neueres Phänomen handelt.

Der heikle Trend entstand 2013 in der Gruppe der „Shorties“. Wahrscheinlich drückten sie den VIX, als sie in den Jahren der lockeren Geldpolitik Renditen jagten. Entlang der steilen Terminkurve ließ sich nämlich mit VIX-Shorts Geld verdienen.

Laut CFTC werden derzeit Short-Positionen in Rekordhöhe gehalten – in dreifacher Standardabweichung von der historischen Spanne (relativ zu Long-Positionen). Die Shorts auf den VIX sind überlaufen.

Wir fragen uns, wie lange dies angesichts des niedrigen VIX gut gehen kann. Wir machen uns ferner Sorgen über den Schaden, der eine Auflösung dieser Position anrichten würde. Zum Beispiel könnte es zu einem Short-Squeeze und im Zuge der steigenden Volatilität zu einem Abverkauf der Risikowerte kommen. Das Timing eines möglichen Stimmungs­umschwungs ist allerdings schwierig, auch wenn VIX-Shorts mit jedem Zinsschritt der Fed an Attraktivität einbüßen, da die Renditen anderer Vermögenswerte mit steigenden Zinsen zunehmen. Umgekehrt könnte auch eine unerwartet starke Bewegung des Aktienmarkts oder ein bedeutendes politisches Ereignis eine Auflösung der Short-Position zur Folge haben.

Auf der anderen Seite dieses Geschäfts stehen Anleger, die die Rekordtiefs des VIX als Chance für den Kauf einer Long-Position sehen, da sie einen Anstieg der Volatilität befürchten. Wie an ausgewählten ETFs sichtbar wird, haben die ausstehende Anteile von Short-VIX-ETFs abgenommen, während die ausstehenden Anteile von Long-VIX-ETFs deutlich zunahmen. Dieser Trend kam nicht lange nach der ersten Zinsanhebung der Fed im Dezember 2015 auf.

Das Problem von Long-VIX-Produkten besteht in der mangelhaften Indexnachbildung. Die steile Terminstruktur bewirkt, dass ihnen beim Rollen von einem zum nächsten Kontrakt Kosten entstehen, die im Laufe der Zeit die relative Performance erodieren lassen.

Das niedrige VIX-Maß hat Implikationen für den Aktienmarkt. Aus historischer Sicht besteht zwischen VIX und KGV in den USA keine enge Beziehung. Die Regression zwischen beiden Faktoren betrug seit 1990 lediglich R2=0,1. In den letzten zwei Jahren jedoch zog das R2 auf 0,58 an, was für eine weitaus stärkere Korrelation zwischen dem VIX und den KGVs spricht.

Besorgniserregend daran ist das Folgende: Je weiter der VIX fällt, desto höher steigen die Aktienbewertungen. Anleger kaufen also Aktien wegen ihrer niedrigen Volatilität und zahlen gerne höhere Bewertungen. Da der VIX das Risiko unseres Erachtens untertreibt, befinden sich Aktienanleger in einer prekären Lage.

Wir sind kurz gesagt der Ansicht, dass die Aktienanleger sorglos werden und die Bewertungen zu hoch sind, nun da die Margen unter Druck geraten. Zugleich ist es möglich, dass die versprochene Senkung der Körperschaft­steuer nicht in diesem Jahr kommt. Ferner wiegt sich so mancher Aktienanleger in trügerischer Sicherheit. Die Aktien­märkte sind daher für einen Abverkauf anfällig, wenn die Zinsen weiter steigen und die US-Regierung auf politischer Ebene nicht für Klarheit sorgt.

Emerging Markets Monitor - June 2017

Pictet Asset Management’s monthly selection of the key charts and data trends to watch in the emerging market space. With world growth synchronised for the first time since 2010, external demand should continue to boost emerging growth, especially if investment spending recovers, Patrick Zweifel, Chief Economist at Pictet Asset Management

1)  What caught our eye

“Global growth is accelerating but we see room for more” 

The Pictet Regime Indicator tracks where different regions are in the business cycle, and shows the asset classes most in favour in each growth/inflation regime.

The Indicator shows that global economic growth may be accelerating but is still below potential while inflation remains low.

Chart 1: Best performing asset classes & regional positioning vs. business cycle environments

Source: Pictet Asset Management, June 2017.

EM manufacturers are still in Regime 4 but nearing Regime 1, which could soon have a positive impact on their equity and credit markets.

Meanwhile EM commodity producers are just leaving Regime 3 as the largest of them (Brazil & Russia) are exiting recessions with declining inflation rates and more accommodative monetary policies.

World GDP growth to be lifted by EM (ex-China & India) and the US in 2017

The soft patch in global activity since 2010 could end with world GDP growth poised to rebound to 3.0% in 2017 from 2.7% last year.

The chart below shows growth coming from two blocs:

  1. Emerging economies (ex-China & India), expecting their first acceleration after six consecutive years of decline.
  2. The US, to a lesser extent.

Chart 2: Contribution to World GDP growth by major regions - 2017 forecast

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Data to December 2016 and forecasts for 2017.

2)  EM health check 

“We see three key drivers of EM growth”

EM growth rose to 4.0% in Q4 2016. Based on latest data, our proprietary leading indicator1 of EM activity shows growth could accelerate at a stronger pace to reach 4.6%2 in six months.

In manufacturing, EM industrial production rebounded to 4.6% in March and our EM PMI indicators have been trending upward since the Q4 2015 trough, in spite of a slight drop in April – all pointing to a further strengthening.

Chart 3 : EM leading indicator & GDP (left) / EM PMI & industrial production (right)

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream.
Left-hand chart: EM leading indicator data up to April 2017 and EM GDP data to November 2016.
Right-hand chart: EM PMI data to May 2017. Emerging industrial production data to March 2017.

1. More upside in private consumption in the emerging world 

Latest retail sales figures show that consumption spending in EM has strengthened further (5.8% y/y from 4.6% in October 2016) yet remains below the long-term average.

Chart 4 : DM & EM retail sales
Volume, %Y/Y

Source: Pictet Asset Management, BIS, CEIC, Datastream. Data to March 2017.

2. Encouraging trend in private investment

EM private investment spending3 could be an even stronger growth engine for the next couple of years. After six years of decline, private investments rebounded to 2.6% in Q4 2016.

New orders  – in grey, typically a good leading indicator of future investment spending – point to a further strengthening.

Chart 5: EM private investment & new orders
EM private investments in volume terms, %Y/Y

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. EM private investment data to November 2016; Emerging New orders forecast data to October 2017.

3. Strong EM exports

With world growth synchronised for the first time since 2010, external demand should continue to boost emerging growth, especially if investment spending recovers. Investment is the most trade-intensive GDP component.

EM exports have reached their strongest level since September 2011 in USD terms, which also reflects the recent weakness of the USD against EM currencies. However, the growth trend remains strong if we strip out the currency effect.

Chart 6: Emerging nominal exports
In USD bn, %Y/Y

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Data to March 2017.

Click here to find out why we believe emerging markets offer fixed income investors the potential for attractive returns, including a comparison against developed market debt.

3)  In focus: Pakistan

“Back from the frontier”

Pakistan left the Frontier Index to re-enter the MSCI Emerging Market Index on 31 May 2017. After nine years of absence it started with a 0.2% weight spread across six stocks4.

The move follows S&P's upgrade of Pakistan's long-term debt rating to B in October 2016.

Pakistani fundamentals are still weak but have significantly improved after 3 years of reforms under an IMF programme which ended in September 2016.

Hopes based on the China-Pakistan Economic Corridor

A key support for Pakistan is the rising infrastructure budget related to the China-Pakistan Economic Corridor (CPEC).

CPEC is a project largely financed by China which was announced in April 2015 and should be completed by 2030.

Chart 7: China-Pakistan Economic Corridor (CPEC)
Key facts

 

Source: Pictet Asset Management, June 2017.

It is expected to boost Pakistani infrastructure, development & growth by eliminating power shortages, boosting construction and related industries, improving connectivity thus stimulating investment and the transport sector and attracting Foreign Direct Investment (FDI) from industries (mainly Chinese?) seeking lower-cost locations.

Find out more about the CPEC project by visiting the official website. 

Where is Pakistan in the business cycle?

Pakistan's economy is showing positive signs, with a rebound in private consumption since July 2016 on rising consumer confidence. Industrial production has also picked up and imports surged on the back of the CPEC project.

CPI inflation remains below target, leaving the prospect of unchanged rates for the rest of the year.

Chart 8: Pakistan industrial production (left) / Pakistan real imports  (Right)
Industrial production in %, Y/Y; real imports in % Y/Y, 3-month moving average

 

Left-hand chart: Source: Pictet Asset Management, Penn World Table, CEIC, Datastream. Data to March 2017.
Right-hand chart: Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Data to April 2017.

4) Market watch

Chart 9: Key market Data
As at 31.05.2017

Source: Datastream, Bloomberg, data as at 31.05.2017 and in USD. Equity indices are quoted on a net dividend reinvested basis; bond and commodity indices are quoted on a total return basis. The currency rates evolution is treated as a performance calculation based on FX rates. 


Quelle
1) Our proprietary leading indicator on EM activity is an aggregate of some 240 economic indicators across 24 emerging markets.
2) Growth projection based on the latest leading index growth figure and assuming no significant change occurs. The leading indicator leads activity by about 6 months.
3) Private investment spending refers to residential investments by households and capital expenditure by corporates.
4) Source: MSCI, June 2017

About the Author
Patrick Zweifel joined Pictet in 1997. He is Chief Economist at Pictet Asset Management. Before assuming his current position in 2009, he was head of the “Macro Research Team” at Pictet Private Wealth Management. In particular, he had research responsibilities for emerging markets and Japan and for the development of quantitative models on major asset classes, primarily foreign exchange models.

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Wachsende Risiken erfordern größere Vorsicht bei Fixed-Income-Investoren

Die geldpolitischen Maßnahmen der großen Zentralbanken dürften in der zweiten Jahreshälfte verstärkt prüfende Blicke auf sich ziehen, wenn Investoren nach weiteren Anzeichen dafür suchen, dass die Ära der expansiven Geldpolitik zu Ende geht. „Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank auf einen Kurs der geldpolitischen Normalisierung zurückkehrt und die US-amerikanische Notenbank sowie die chinesische Volksbank ihre geldpolitischen Straffungsmaßnahmen beibehalten, kann eine Rückkehr der Volatilität mit sich bringen“, erläutert Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager Global Fixed Income bei T. Rowe Price. In diesem zunehmend unsicheren Umfeld sei ein vorsichtiger Ansatz für festverzinsliche Wertpapieranlagen erforderlich, der sich vor allem auf Schwellenmärkte und sehr selektiv auf Unternehmensanleihen aus entwickelten Ländern konzentriere.

Verblassender „Trump-Effekt“ senkt Erwartungen – US-Unternehmensanleihen bieten dennoch Chancen

Als Donald Trump im vergangenen November zum US-Präsidenten gewählt wurde, kam es zu einem Ausverkauf an den US-amerikanischen Rentenmärkten angesichts der damals erwarteten Steuerkürzungen, regulatorischen Reformen und massiven Infrastrukturprogramme. Allein: „Die zuletzt sichtbaren Schwierigkeiten des Präsidenten, den Kongress von seinen Ideen zu überzeugen, haben die anfänglichen Erwartungen der Märkte gedämpft. Und die Anleger haben begonnen, eine Umsetzung der geplanten Agenda als unwahrscheinlicher zu betrachten“, erläutert Fitzsimmons. Zugleich betont er, dass das Gewinnwachstum der US-Unternehmen weiterhin sehr stark erscheint: „Für die nächste Zeit erwarten wir keine Ausfälle bei US-Unternehmensanleihen. Dies bietet die Möglichkeit, in Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten zu investieren, sofern sie attraktiv bewertet sind“, unterstreicht der Portfoliomanager.

Renditen bleiben in Europa wohl auch künftig niedrig

Die Zinswende in Europa ist zwar ein Thema, dass Anleger mit einiger Vorsicht beobachten sollten, dennoch dürfte Fitzsimmons zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) die wirtschaftliche Erholung der Eurozone nicht durch aggressive Maßnahmen aufs Spiel setzen wollen. „Für die europäische Zentralbank ist es momentan schwieriger, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln als für die Fed in den USA“, so der Experte. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Amtskollegen müssten die EZB-Verantwortlichen die Auswirkungen ihrer Aktionen nicht nur auf ein Land, sondern auf viele Nationen mit großen Unterschieden in der Kreditqualität berücksichtigen. „Solange die EZB es vermeidet, die Märkte mit unerwarteten Maßnahmen zu überraschen, dürften die Renditen in Europa für den Rest des Jahres niedrig bleiben“, glaubt Fitzsimmons.

Hinzu komme in Europa die politische Ungewissheit angesichts des Wahlergebnisses aus dem Vereinigten Königreich – die Konservativen hatten im Juni ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren. „Während das Ergebnis dazu führen könnte, dass die britische Regierung nun einen pragmatischeren Ansatz für die Brexit-Verhandlungen verfolgt, dürften die Bedenken in der Innenpolitik die Anlegerstimmung belasten“, so Fitzsimmons. In vielerlei Hinsicht sei Europa heute aber in einer stärkeren Position als Anfang 2017. So scheiterten die Rechtspopulisten bei den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. „Das Wirtschaftswachstum ist auf dem Kontinent stark, das Vertrauen der Unternehmen ist hoch – dies spiegelt sich in einer zunehmenden Investitionsbereitschaft wider. Wie in den USA erwirtschaften auch die Unternehmen in Europa hohe Gewinne. Dies bietet fundamental orientierten Investoren Chancen, die in der Lage sind, attraktiv bewertete Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu identifizieren.“

Rally der Emerging Markets hält an

Schwellenländeranleihen haben gegenüber Anleihen aus Industriestaaten seit Jahresbeginn eine bessere Performance erzielt. „Dieser Trend könnte sich fortsetzen, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets verbessert. Bislang gab es in mehreren Ländern Fortschritte bei den Strukturreformen, die Anleihemärkte bieten weiterhin gute Einstiegschancen“, konstatiert Quentin Fitzsimmons. Zudem seien einige Schwellenländer wie Kolumbien und Russland in einer disinflationären Wachstumsphase. Dies mache ihre lokalen Anleihemärkte attraktiv – insbesondere bei Straffungsmaßnahmen der US-Notenbank.

Ein Hauptrisiko für aufstrebende Märkte ist laut dem Portfoliomanager die Möglichkeit, dass die Straffung der US-Geldpolitik eine Aufwertung des US-Dollars zur Folge haben könnte. Dies könne Druck auf Schwellenländeranleihen und -währungen ausüben. Der Experte nennt zwei weitere Risiken: Sowohl ein deutlicher Preisverfall bei Rohstoffen als auch erhöhte politische Risiken wie der brasilianische Korruptionsskandal oder weitere Spannungen in Asien im Zusammenhang mit dem Raketenprogramm Nordkoreas könnten die Märkte verunsichern. Auch China bleibe für viele Investoren auf dem „Risiko-Radar“, da eine wirtschaftliche Abschwächung in einem gewissen Grad unvermeidlich erscheint. Sollte Peking drastische Schritte unternehmen, dies zu bekämpfen, könne das Probleme verursachen. „Wenn das passiert, werden die Effekte nicht nur in Asien, sondern auch in der ganzen Welt zu spüren sein, vor allem in Ländern, die stark von der chinesischen Nachfrage abhängig sind, wie Deutschland, Australien, Chile und Brasilien“, sagt Fitzsimmons und ergänzt: „Die chinesischen Behörden sind wahrscheinlich bemüht, alle drastischen Maßnahmen zu vermeiden.“ Mittlerweile hätten im Reich der Mitte zudem die Fortschritte in den Handelsgesprächen mit der Trump-Regierung die Befürchtungen eines US-amerikanischen Handelskrieges beruhigt. „Die mittelfristigen Aussichten für die lokalen Schwellenländeranleihen sehen daher weiterhin solide aus, obwohl Anleger sensibel für Anzeichen von starken Rückschlägen sein sollten.“ 

Wachsendes Risiko sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit

Das Gesamtbild für Fixed-Income-Investoren ist im zweiten Halbjahr 2017 laut Fitzsimmons eines der wachsenden Risiken und zugleich eines der selektiven Chancen. Während es weiterhin geldpolitische Divergenz zwischen den verschiedenen Regionen gebe und die Möglichkeit bestehe, Bewegungen bei Spreads und Renditekurven auszunutzen, sei es klar, dass dies nicht unendlich so weiterlaufe. Denn die Ära der ultraexpansiven Geldpolitik gehe allmählich zu Ende. „Damit steigt die Volatilität an den Anleihemärkten.“ Angesichts dessen, sei es für Anleger wichtig, vorsichtig zu agieren und sich auf die vielversprechendsten Positionen zu konzentrieren. In lokalen Währungen denominierte Schwellenländeranleihen bieten seiner Ansicht nach einige der besten Chancen, vor allem in Ländern mit niedrigem Inflationsausblick und begrenzten Aussichten auf Zinserhöhungen. Weiterhin könnten sich variabel verzinsliche Bankkredite, die sich historisch gut in Zeiten steigender Zinsen verhalten haben, bewähren. Darüber hinaus sieht der Experte gute Chancen bei Anleihen globaler Unternehmen, die solide Fundamentaldaten und attraktive Bewertungen aufweisen.

Über T. Rowe Price
T. Rowe Price ist eine globale Investmentgesellschaft mit 702,5 Milliarden Euro Assets under Management. Das 1937 von Thomas Rowe Price jr. gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Baltimore (USA) und ist mit eigenen Büros in den USA und Kanada, EMEA und Asien präsent. Diversifizierung, Stiltreue und ein fundiertes Research zeichnet den disziplinierten und risikokontrollierten Investmentansatz von T. Rowe Price aus. Kunden aus Deutschland bietet T. Rowe Price insbesondere Aktien- und Fixed-Income-Lösungen. Für weitere Informationen besuchen Sie www.troweprice.com.

Fed normalisation to cap any potential upside

Over the past month, the market has endured a plethora of potential risk events, such as the French and UK elections, the ongoing political gyrations in the US and the Greek debt decision. As we expected, most outcomes have been followed by a strong reaction from the markets. Adding to this is the increasingly hawkish undertones from central bankers in the developed world. The European Central Bank (ECB) subtly hinted at policy normalisation while the US Federal Reserve (Fed) has published a more positive economic outlook for the US while giving details on its policy normalisation procedure, likely to begin in December this year. We believe that the ECB will begin to discuss policy normalisation while the Fed plans to increase interest rates more aggressively, and see the beginning of policy normalisation as a form of rate hike akin to 25 basis points.

The US dollar is likely to trade close to its floor, after considerable weakness this year. Positive sentiment has cooled while sentiment towards the Euro looks close to a peak. Disappointing economic data from the US suggest the upside potential for the US dollar is limited. This suggests that gold has reached its near-term peak as it moves inversely with the US dollar. Although US Treasury yields are likely to rise as the US Federal Reserve normalises rates, the pace of normalisation will be slow and thus inflation will not decline rapidly. The very gradual increase in real interest rates will mean that there will be limited downside to gold prices.

More broadly across commodities we continue to see improving leading economic data from emerging markets, including China where our growth proxy measure suggests growth has continued to improve over the last few months with encouraging freight volumes and retail sales figures. We continue to see recent commodities falls as an opportunity, particularly in industrial metals.

Please find the full Commodity Monthly Monitor from ETF Securities attached on the left.

Nachhaltige Anlagechancen durch den grundlegenden Wandel in der Automobilindustrie

von Jens Peers, Chief Investment Officer, Sustainable Investing Mirova.

Urbanisierung, bahnbrechende Technologien sowie die Senkung des CO2-Ausstoßes zur Bekämpfung des Klimawandels zählen zu den weltweiten Megatrends unserer Zeit, die unserer Meinung nach auch beträchtliche Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben werden.

Einer der bedeutendsten Trends, die wir im 21. Jahrhundert beobachten, ist die Urbanisierung. Bereits heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. So werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis 2030 fast zwei Drittel aller Menschen weltweit in Städten leben. Das bedeutet aber auch, dass man – neben vielen anderen Aspekten des täglichen Lebens – auch über ganz neue Transportlösungen nachdenken muss.

Vor allem jüngere Menschen, die es hauptsächlich in die Städte zieht, kaufen inzwischen nicht mehr so viele Autos wie andere Generationen zuvor und nutzen stattdessen vermehrt das Angebot von Uber. Das Segment Car-Sharing ist zweifellos eine Marktentwicklung, die grundlegende Veränderungen mit sich bringt. Deshalb wird auch die Automobilbranche ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen müssen. Ein mögliches Szenario könnte so aussehen, dass die Automobilhersteller als Eigentümer der Fahrzeuge auftreten, während Uber oder andere Car-Sharing-Anbieter die damit zusammenhängenden Dienstleistungen organisieren. Dann bräuchte man selbst gar kein eigenes Auto mehr zu besitzen, sondern könnte per Smartphone oder Tablet das gewünschte Modell buchen. Somit hätte man zwar immer noch eine Auswahl, doch statt ein Fahrzeug zu kaufen oder zu leasen, würde man lediglich die wirklich gefahrenen Kilometer bezahlen.

Innovationen im Bereich elektrische und fahrerlose Fahrzeuge

Darüber hinaus werden wir aktuell Zeugen einer Vielzahl technologischer Innovationen, die einen Trend hin zu Elektrofahrzeugen und selbstfahrenden Autos antreiben. Derzeit können viele das Konzept selbstfahrender Fahrzeuge in seinen Dimensionen noch gar nicht vollumfänglich begreifen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir alle bereits in wenigen Jahren soweit sein werden. Aufgrund ihrer Gespräche mit den Automobilherstellern sowie wegen der hohen Investitionen, die diese zurzeit im Bereich autonomes Fahren tätigen, halten es unsere Researchanalysten nämlich für sehr wahrscheinlich, dass in weniger als 10 Jahren viele Neuzulassungen selbstfahrende Autos sein werden.

Eine weitere emissionsarme Antriebstechnologie, an der große Automobilhersteller wie Ford, Honda und Daimler (Mercedes Benz) aktuell arbeiten, sind mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Elektroautos. Diese Variante des Elektrofahrzeugs bietet dieselben umwelttechnischen Vorzüge wie batteriebetriebene Elektroautos, erreicht dabei aber dieselbe Leistung wie konventionelle Fahrzeuge. Da die Brennstoffzelle unterwegs wieder aufgeladen werden kann, gibt es auch keine Probleme mit der Ladedauer sowie der Reichweite, mit denen Elektroautos in der Regel noch zu kämpfen haben. Außerdem könnten Wasserstoff-Tankanlagen in bereits bestehende, konventionelle Tankstellen integriert werden. Allerdings müssten die Tankstellenbetreiber zunächst in Wasserstoff-Tankanlagen investieren, bevor sich diese Antriebsform dann in der Praxis durchsetzt. Darüber hinaus müssen auch noch einige weitere Schwierigkeiten überwunden werden. Dazu zählen unter anderem die derzeit noch übertrieben hohen Kosten für Brennstoffzellen.

Nachhaltige Anlagechancen

Entwickler von sauberen und effizienten Technologien zur Optimierung von Fahrzeugen – von Energiespeichern bis hin zu Sensoren, die Straßenverhältnisse sowie potenzielle Hindernisse erkennen – oder Zulieferer leichterer Materialie für den Bau energieeffizienter Fahrzeuge sind Beispiele für nachhaltige Anlagechancen, die ein langfristig attraktives Wachstumspotenzial aufweisen.

Parallel dazu eröffnen der Urbanisierungstrend sowie die Notwendigkeit, nachhaltige städtische Strukturen und entsprechende Gebäude zu konzipieren, eine Vielzahl weiterer Anlagechancen. Dazu zählen beispielsweise Firmen aus den Sektoren Infrastruktur und öffentliche Verkehrsmittel, Anbieter energieeffizienter Lösungen für Gebäude, Hersteller neuer Technologien für Ampelanlagen und viele weitere Segmente.

Folge der rückläufigen Rohstoffpreise: Schnäppchenjagd und Gewinnmitnahmen

Im Zuge der Schnäppchenjagd flossen 79,7 Mio. USD in Long-Rohöl-ETPs, soviel wie zuletzt vor fünf Wochen. Bei Long-Gold-ETPS kam es in der dritten Woche in Folge zu Abflüssen. Nach den Unterhauswahlen werden die Short-Positionen in Pfund Sterling aufgelöst, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht.

Im Zuge der Schnäppchenjagd flossen 79,7 Mio. USD in Long-Rohöl-ETPs (A1N49P). In der vergangenen Woche rutschte Rohöl um 3 Prozent ab, da die Entnahmen aus den US-Rohöllagern erneut enttäuschten. Entgegen dem saisonalen Trend nehmen die Benzinbestände zu. Laut IEA steigen die OECD-Bestände seit Jahresanfang um 360.000 Barrel pro Tag, obwohl sich die OPEC um Förderkürzungen bemüht. Selbst das Fördervolumen der OPEC stieg nach eigenen Angaben im Mai an – ein Risiko, auf das wir seit einiger Zeit hinweisen. „Rohöl schwankt derzeit in der unteren Hälfte der Handelsspanne von 40-55 USD/Barrel. Die bei diesen Preisen einsetzende Schnäppchenjagd ließ die Zuflüsse auf den höchsten Stand seit fünf Wochen anschwellen“, so Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions, ETF Securities.

Bei Long-Gold-ETPS (A0LP78) kam es in der dritten Woche in Folge zu Abflüssen, diesmal in Höhe von 27,2 Mio. USD. Nach der überraschend aggressiven Stellungnahme der Fed kamen Erwartungen auf, dass die Fed die Anhebung der Zinsen fortsetzen und die Bilanz normalisieren würde, sodass Gold nach dem Hoch am 6. Juni bei 1295 USD/oz. sank. Wie man jedoch in der Vorwoche sah, können geopolitische Ereignisse Gold stützen. In Zeiten der Unsicherheit ist es immer noch der erste Hafen, der angelaufen wird. Für Unruhe sorgten in der vergangenen Woche die Schließung der Grenze zwischen Saudi-Arabien und Katar, die Aussage des ehemaligen FBI-Direktors Comey vor dem Senat, die Unterhauswahlen und die Schuldenverhandlungen mit Griechenland. Eine Goldposition kann auch eine wertvolle Absicherung gegen Ereignisrisiken darstellen. Wenn Schocks ausbleiben, dürfte der Goldpreis nachgeben, wobei das Abwärtsrisiko aufgrund der graduellen Zinsanhebungen begrenzt ist. „Long-Silber-ETPs (A0N62F) verzeichneten Abflüsse in Höhe von 8,3 Mio. USD, sodass die Zuflüsse der Vorwoche in Höhe von 14,2 Mio. USD teilweise wieder ausgeglichen wurden“, sagt Hein.

Aus Rohstoffkörben (A1CXBV) flossen 12,4 Mio. USD ab. Nachdem die spekulative Netto-Position bei Rohstoff-Futures tendenziell gefallen war, kam es bei Rohstoffkörben in der dritten Woche in Folge zu Abflüssen. „Der nach dem Zinsschritt der Fed festere US-Dollar belastete den Rohstoffkomplex. Zugleich wird die Anlageklasse vom Überangebot bei Rohöl und einer befürchteten schwachen Metallnachfrage geplagt“, sagt Hein.

Short-Positionen in Pfund Sterling werden aufgelöst. Die Position in Short-GBP-/Long-USD-ETPs schwächte sich um 7,0 Mio. USD ab, da nach den Unterhaus­ wahlen am 8. Juni und der folgenden deutlichen Abwertung des Pfund Gewinne mitgenommen wurden. Die Abflüsse glichen die Zuflüsse der Vorwoche größtenteils wieder aus. „Obwohl es bei der Bildung einer Koalition oder der Stärkung der Regierung vor den Brexit-Verhandlungen noch keine Fortschritte gab, scheinen die schlechten Nachrichten nun eingepreist zu sein. Da drei Mitglieder der Bank of England in der letzten Woche für eine Anhebung der Zinsen stimmten, scheint nun auch die britische Notenbank aggressiver zu werden. Dies dürfte das Pfund stärken“, sagt Hein.

Wie aus Optimismus Vertrauen wird

von Suneil Mahindru, Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

Zum ersten Mal seit 2010 weist der Trend in den globalen Wachstums- und Gewinnprognosen für alle wichtigen Regionen nach oben. Wir gehen deswegen weiterhin davon aus, dass eine wachstumsfreundliche US-Politik die wirtschaftliche Erholung und die globale Aktienperformance stützen wird. Das weltweite Wachstum zieht an und zahlreiche Regionen leisten ihren Beitrag hierzu. Für uns stellt sich das derzeitige Niveau des Wachstums durchaus robust dar, selbst wenn sich die Dynamik durch eine weniger expansive Geldpolitik oder abnehmende Effekte des chinesischen Konjunkturprogramms abschwächen könnte.

Geringere Korrelation und mehr Chancen bei der Einzeltitelauswahl

Unserer Ansicht nach zeichnen sich zwei Entwicklungen ab: Die Korrelation zwischen Aktien wird sich tendenziell abschwächen und die Erträge werden breiter gestreut sein. So oder so, beides spricht für aktives Management.

Die Korrelation im S&P 500 ist bereits unter den historischen Durchschnitt gesunken. Je mehr die neue US-Handels- und Wirtschaftspolitik Form annimmt, desto deutlicher wird, wie sich dies auf die einzelnen Sektoren auswirkt. Es werden sowohl Gewinner als auch Verlierer aus dieser Entwicklung hervorgehen.

Gleichzeitig beobachten wir, dass sich in Europa die Erträge seit der Finanzkrise auf einem niedrigen Niveau bewegen, die europäischen Unternehmen aber einen hohen operativen Leverage aufweisen. Insofern gilt, dass bei sich erholenden Unternehmensgewinnen reichlich Potential für europäische Aktien entsteht. Und tatsächlich wurden in diesem Jahr die Gewinnprognosen endlich nach oben korrigiert statt nach unten, wie es in den Vorjahren noch der Fall war. Die Aufwärtskorrektur der Erträge stützt sich hauptsächlich auf die Entwicklung an drei Endmärkten:

1) Die Binnenwirtschaft, die etwa 50 Prozent der europäischen Unternehmensumsätze ausmacht, verbessert sich, 2) die US-Wirtschaft ist mit rund 20 Prozent der Umsätze solide aufgestellt und 3) viele Schwellenmärkte (rund 20 Prozent der Umsätze) stabilisieren oder erholen sich. Bei Letzterem sind die Bewertungen gestiegen, liegen jedoch noch unter denen des US-Markts.

Auch Schwellenländeraktien entwickelten sich zuletzt durchaus positiv. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sich die Rohstoffpreise erholten und es sich bei Donald Trumps protektionistischen Handelsplänen wohl eher um politische Rhetorik statt tatsächlichen Reformvorhaben handelt.

Obwohl die Bewertungen zugelegt haben, sind die Aktien gegenüber ihren Pendants aus den Industrieländern immer noch attraktiv. Wenngleich sich das Bild für Unternehmensgewinne in den Emerging Markets fundamental gebessert hat, sollte nicht vergessen werden, dass die Schwellenländer weiterhin erheblichen externen Risiken wie steigenden Zinssätzen und zunehmenden geopolitischen Spannungen ausgesetzt sind.

Industrielle Automatisierung als Fokus-Sektor

Ein für uns besonders interessanter Sektor sind derzeit Anlagen aus der industriellen Automatisierung.  Sie sind für uns ein globaler Schwerpunkt, da in diesem Teil des verarbeitenden Gewerbes viel Potential für Produktivitätsanstiege, wettbewerbsfähigere Umsatzkosten und eine höhere Produktqualität schlummert. Die Marktdurchdringung ist auf globaler Ebene noch sehr gering, weshalb sich weitere Investments in die Automatisierung in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft erweisen könnten.

Die USA könnten durch eine Senkung der im internationalen Vergleich sehr hohen Arbeitskosten das verarbeitende Gewerbe wettbewerbsfähiger aufstellen. China und andere Schwellenmärkte könnten gleichzeitig die steigenden Lohnkosten eindämmen. Dies könnte zu mehr Arbeitslosigkeit führen und eine Weiterbildung jener Arbeitnehmer erfordern, was aber letztlich auch der Konjunktur zugutekommen dürfte.

Optimismus muss zu Vertrauen werden

Die globalen Aktienkurse liegen jetzt höher als vor den US-Wahlen im letzten November. Hierin spiegelt sich der allgemeine Optimismus in Bezug auf das Wirtschafts- und Gewinnwachstum wider. Um die Animal Spirits anzuregen, die Geschäftstätigkeit zu fördern und den Enthusiasmus der Investoren aufrechtzuerhalten, muss sich dieser allgegenwärtige Optimismus allerdings bei den Unternehmen in Vertrauen niederschlagen. Damit dies gelingt, müssen sowohl das Geschäftsklima und die konjunkturelle Entwicklung positiv bleiben – trotz bereits hoher Aktienbewertungen in zahlreichen Industrieländern. Unserer Meinung nach muss hierfür dereguliert und Steuerreformen angestoßen werden.

Im Vergleich zu einer Steuerreform besteht bei der Deregulierung ein geringeres Risiko, sich in Gesetzgebungsverfahren zu verheddern. Deregulierungen können von der Exekutive einfacher realisiert werden. In Bezug auf die USA deuten einige Aussagen der US-Regierung darauf hin, dass sich die Administration auf bestimmte Bereiche konzentrieren wird.

Wenn Regulierungsbehörden künftig weniger Einfluss nähmen, würden vor allem Banken hiervon profitieren - wenngleich die Unsicherheit durch die Politik weiterhin hoch bleibt. Zudem ernannte Präsident Trump Randal Quarles zum Chef-Bankenaufseher der Federal Reserve. Quarles steht allgemein für eine ausgewogenere, weniger straffe Geldpolitik als andere Kandidaten. Das deutet wohl darauf hin, dass das regulatorische Pendel nun in die andere Richtung ausschlägt.

Letztlich muss eine bestimmte Stimmung zu konkreten Handlungen führen, um Vertrauen aufzubauen. In den USA hat sich diese Herausforderung als größer erwiesen, als viele Politiker, Anleger und Wähler es ursprünglich erwartet hatten. Die Kontrolle des Weißen Hauses und des Kongresses durch die Republikaner ist durch mitgliederstarke und mächtige Gruppen innerhalb der Partei gefährdet. Das Scheitern der Trump-Regierung in dem Bemühen, den Affordable Care Act zu widerrufen und zu ersetzen, war überraschend und die Auswirkungen reichen weit über das Gesundheitssystem hinaus. Wenn Vertrauen und Reformdynamik schwinden, steht die Durchsetzungsfähigkeit der Regierung bei anderen großen Vorhaben wie der Steuer- oder Handelspolitikreform ebenso in Zweifel.

Die Demokraten gehen nun stärker in der Oppositionsrolle auf als in vorangegangenen Amtszeiten, was die innerparteiliche Spaltung der Republikaner noch weiter verschärft. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass immer mehr Gegenstimmen gegen Kandidaten, die vom Kongress bestätigt werden müssen, zu beobachten sind. Selbst Dekrete des Präsidenten oder regulatorischer Vorhaben, die erwartet wurden, sind ausgesetzt, weil die Trump-Regierung bei der Besetzung von Positionen verglichen zu vorhergehenden Regierungen um Monate hinterherhinkt.

Damit Optimismus – vor allem bei den Investoren – zu Vertrauen wird, müssen die Unternehmensinvestitionen und das Gewinnwachstum weiter zulegen. Die ersten Ertragsdaten aus den USA und Europa stimmen uns insofern zuversichtlich. Hinzu kommt, dass im Durchschnitt die kurzfristige Investitionsaktivität der Unternehmen deutlich angestiegen ist. Wir beobachten deswegen die globale Berichtssaison genau und halten nach weiteren Anzeichen Ausschau, die für diese Tendenz sprechen.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management (GSAM) ist einer der global führenden Vermögensverwalter. GSAM beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter an 31 Standorten weltweit. Das Unternehmen stellt institutionellen und Privatanlegern Anlage- und Beratungslösungen zur Verfügung, wobei die angebotenen Strategien das gesamte Spektrum an Anlageklassen, Branchen und Regionen abdecken. Unsere Anlagelösungen beinhalten Anleihen, Geldmärkte, börsengehandelte Aktien, Rohstoffe, Hedge-Fonds, Private Equity und Immobilien. Diese Lösungen stehen unseren Kunden im Rahmen unserer unternehmenseigenen Strategien, strategischen Partnerschaften und unseren offenen Architekturprogrammen zur Verfügung. Unsere Anlageteams umfassen mehr als 700 Anlagespezialisten, die die Marktkenntnisse, das Fachwissen im Bereich Risikomanagement und die technologischen Möglichkeiten von Goldman Sachs nutzen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, sich in den dynamischen Märkten von heute zu behaupten und ermitteln Anlagechancen, die ihre Portfolios und ihre langfristigen Anlageziele prägen. Wir stellen unsere globale Kompetenz den weltweit führenden Pensionsfonds, Staatsfonds, Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften, Finanzinstituten, Stiftungen, Privatpersonen und Family Offices bereit. Im Auftrag dieser Kunden erbringen wir Anlage- oder Beratungsdienstleistungen. Per 31. Dezember 2016 belief sich das von GSAM verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar.

Kurzfristig scheint das Potenzial für weitere Bewertungsaufwertungen beschränkt

Ohne die alte Börsenweisheit "sell in may and go away" überstrapazieren zu wollen, ist nüchtern festzuhalten, dass Marktphasen mit erhöhten Marktschwankungen auch in den letzten Jahren gehäuft im zweiten und dritten Quartal zu finden waren. Stellt sich die Frage, ob dies auch 2017 anzunehmen ist. Aktuell zeigt sich ein hohes Maß an Zuversicht und Gelassenheit unter den Marktteilnehmern. Diese Tatsache mahnt doch ein wenig zur Vorsicht. Dass etwa der amerikanische S&P500 Index heuer bis dato nur vier negative Tagesbewegungen mit mehr als einem Prozent verzeichnet hat, ist selbst für einen Bullenmarkt ungewöhnlich. Der eine oder andere Stimmungsindikator verdeutlicht schon seit relativ langer Zeit ein überhitztes Maß an Optimismus ohne nennenswerter Abkühlung unter Anlegern.

Während im Bereich der Markttechnik ein breiter globaler Aktienaufschwung grundsätzlich positiv zu werten ist, erscheint eine immer größer werdende Anzahl von Börsenindizes mehr oder weniger deutlich überkauft.
Die aktuell sehr guten Fundamentaldaten, die auch auf absehbare Zeit eine solide Basis für riskantere Veranlagungen bilden sollten, sind an den Märkten mit höheren Bewertungen entsprechend eingearbeitet. Für uns ergibt sich daher durch die guten Wirtschafts- und Unternehmensdaten auf der einen und dem überhitzten Sentiment sowie der angespannten Markttechnik auf der anderen Seite eine neutrale Aktiengewichtung.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unteruns finde Sie links als PDF.

Marktumfeld Aktien – Europa stark, Dollar dämpft US-Performance

Die globalen Aktienmärkte befinden sich, nach kurzer Konsolidierung, generell weiter im Aufwärtstrend, zumindest in lokaler Währung. Dabei erreichten auch US-Aktien-Indizes zuletzt wieder Allzeit-Höchststände, wie der S&P500 Index, mit + 8,5 % seit Jahresbeginn. Ähnliches gilt für den Dow Jones-Index, allerdings nur in Lokalwährung, in Euro wurden diese Gewinne nahezu egalisiert.

Europa zeigt auf den ersten Blick eine vergleichbare Entwicklung, jedoch mit stark unterschiedlicher Kursentwicklung einiger Länder. So legen die peripheren Märkte wie etwa Griechenland (von sehr niedrigem Ausgangsniveau), Spanien, Portugal und auch Österreich über 20 % zu. Am stärksten entwickelte sich der polnische Aktienmarkt, nicht zuletzt durch zusätzliche Währungsgewinne.

Die Suche nach vergleichsweise attraktiven Bewertungen führt Investoren vor allem nach Europa und in die Emerging Markets. Zusätzlich wirken hier auch die Währungen für Euro-Anleger noch teilweise unterstützend.

Ausblick: Aktien USA und Europa – wieder Höchststände

Der US-Aktienmarkt hat zuletzt mit dem deutlichen Überschreiten der Marke von 2.400 Punkten (S&P 500) wieder einen neuen Höchststand erreicht. Getragen wird die Aufwärtsentwicklung insbesondere von Technologiewerten, das zeigt sich auch an der Dominanz von Wachstums- versus Substanzaktien (s. Grafik). Aktien kleinerer Unternehmen entwickeln sich nun wieder merklich schwächer als großkapitalisierte Werte.

Die Unternehmensberichte zum 1. Quartal 2017 haben das höchste Gewinnwachstum im Jahresvergleich seit 2011 hervorgebracht. Dabei konnten die ohnehin schon ambitionierten Erwartung noch übertroffen werden. Die Gelassenheit der Marktteilnehmer spiegelt sich in der historisch extrem niedrig gepreisten Volatilität am Optionsmarkt.

Auch die europäischen Aktienmärkte konnten in den letzten Monaten deutlich zulegen. Unterstützung kam dabei neben einer Verbesserung der globalen Konjunkturerwartungen auch von politischer Seite. Die Gewinnerwartungen für 2017 werden nach oben genommen, wobei diese Entwicklung erfreulicher Weise für einen Großteil der Sektoren beobachtet werden kann. Kurzfristig scheint das Potenzial für weitere Bewertungsaufwertungen allerdings beschränkt zu sein und wir erwarten daher eine Konsolidierung in den nächsten Monaten.

Gesundes Wachstum für M&A-Markt erwartet

Das Jahr 2017 startete mit Rekordergebnissen bezüglich Anzahl und Volumina von Transaktionen. Mittlerweile ist der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) wieder auf ein normaleres Niveau zurückgekehrt. Roberto Bottoli, Manager der Merger Arbitrage Strategie von GAM, sieht für das verbleibende Jahr 2017 jedoch weiterhin Wachstumspotential für M&A-Strategien.

"Event Driven M&A-Strategien – das sind Strategien, die auf ein bestimmtes Ereignis spekulieren –  entwickelten sich 2016 aufgrund eines globalen Anstiegs der M&A-Aktivität in der zweiten Jahreshälfte solide. Dies erweiterte zum einen das Angebot an Investitionsmöglichkeiten. Gleichzeitig wurde der überraschende Ausgang der US-Wahlen als förderlich angesehen, da von der republikanischen Regierung künftig weniger strikte kartellrechtliche Prüfungen erwartet werden. Diese Dynamik setzte sich nicht nur bis ins neue Jahr fort, sie nahm im Januar 2017 sogar noch deutlich zu. Damit war dieser Jahresstart in Bezug auf M&A-Volumina der stärkste, der in den letzten zehn Jahren verzeichnet werden konnte“, sagt Roberto Bottoli. 

US-Politik als Risikofaktor

Der Rückgang der Marktaktivität seit Januar 2017 ist laut Bottoli wahrscheinlich auf den einmaligen „Trump-Effekt“ auf die weltweiten Finanzmärkte zurückzuführen. „Die derweil unterdurchschnittlichen Arbitragespannen stehen im Einklang mit der stabilen Risikobereitschaft, die wir in Zeiten geringer Volatilität beobachten können. Künftig werden wir vermutlich weitere volatile Märkte verzeichnen, insbesondere angesichts der Schwierigkeiten Trumps bei der Umsetzung seiner Reformagenda. Unter diesen Bedingungen können wir eine Ausweitung der Arbitragespannen erwarten“, sagt Bottoli.

Die wesentlichen Risiken lägen in der mangelhaft kommunizierten und durchgeführten Anpassung der Politik auf nationaler Ebene, sowohl in Bezug auf Zinssatzerhöhungen als auch auf Bilanzkürzungen. Auch mögliche Rückschläge in der Reformagenda von Präsident Trump könnten sich als nachteilig erweisen. „Im Gegenzug könnten sich die tatsächliche Umsetzung der geplanten Steuersenkungen und Maßnahmen zur Repatriierung von Kapital positiv auf Transaktionen im US-Inland auswirken“, so Bottoli. Weiterhin verspräche die Ernennung von republikanischen Leitern für die Bundeshandelskommission (Federal Trade Commission, FTC) und das Kartellamt des Justizministeriums (Antitrust Division des Department of Justice, DoJ) etwas mehr Transparenz bei den Genehmigungsverfahren vieler ausstehender Transaktionen.

„Wie wir bereits bei der geplanten Abschaffung und Ersetzung von Obamacare gesehen haben, liegt eine Enttäuschung dieser Versprechen jedoch durchaus im Bereich des Möglichen, sollte Trump nicht in der Lage sein, die entsprechenden Reformen auch umzusetzen“, warnt Bottoli.

„Wir beschränken unsere Anlagen daher auf angekündigte, freundliche Übernahmen mit einer Präferenz für geringe Arbitrage-Spreads. Auf diese Weise meiden wir mögliche Nachteile in Verbindung mit zweifelhafteren Situationen“, so der Experte. Innerhalb dieser Geschäftsmöglichkeiten sollten zudem einige Fragestellungen berücksichtigt werden. „Der Grund für die Transaktion sollte aus industrieller und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein. Außerdem sollte beachtet werden, welche Regulierungsbehörden die Transaktion genehmigen müssen, wer die Hauptaktionäre der beteiligten Unternehmen sind und was diese von der Transaktion halten.“ 

Stärke des US-Dollars könnte M&A-Aktivitäten in Europa ausdehnen 

In Europa könnte eine durch US-Käufer verursachte Zunahme der M&A-Aktivität zu beobachten sein. Dies sei teilweise durch die Stärke des US-Dollars bedingt. So hat der Greenback gegenüber dem Euro während des ersten Halbjahres 2017 zwar einen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben, liegt aber weiterhin rund 25 Prozent über dem Wert von 2014 zum gleichen Zeitraum. 

„Im Hinblick auf einzelne Sektoren können wir festhalten, dass die regulatorisch bedingte Fusion regionaler US-Banken vermutlich anhalten wird. Im Mediensektor ist weiterhin zu beobachten, dass Kabel- und Satellitenunternehmen Content-Produzenten aufkaufen. Dies verändert zum einen die Wettbewerbslandschaft und wird zum anderen voraussichtlich weitere Unternehmen zum Handeln veranlassen“, so Bottoli. 

„Angesichts strukturell förderlicher Faktoren, darunter niedrige Finanzierungskosten und eine erstarkende konjunkturelle Erholung, können wir abschließend sagen, dass es Gründe für einen optimistischen Ausblick im Bereich Übernahmen und Fusionen gibt. Folglich erwarten wir, dass sich die Transaktionen auf einem gesunden Niveau halten werden. Dies wird uns reichlich Gelegenheit bieten, im bevorstehenden Zeitraum Alpha zu generieren und unsere Portfoliodiversifizierung aufrechtzuerhalten“, schließt der Experte.

Über GAM
GAM ist eine der führenden unabhängigen, reinen Vermögensverwaltungsgruppen der Welt. Sie bietet aktive Anlagelösungen und  produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft der Gruppe wird durch eine Private Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte anbietet. GAM beschäftigt etwa 1.000 Mitarbeitende in 13 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hong Kong, New York, Lugano und Mailand. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.

Nach Ausstieg der USA aus Pariser Klimaabkommen werden Marktkräfte die nötigen Treiber sein

Präsident Donald Trump hat den Ausstieg der USA aus dem internationalen Pariser Klimaabkommen angekündigt. „Den weltweiten Klimaschutzbemühungen wird dies keinen Abbruch tun“, sagt Impact Investor Jochen Wermuth auf dem Berlin Green Investment Summit beim Tagesspiegel am 20. Juni 2017. „Die Marktkräfte sind nun der beste Freund des Klimas, nach den deutlichen Fortschritten bei erneuerbaren Energien über die letzten Jahre.“ Erneut diskutierten Unternehmensvertreter, Wissenschaftler, institutionelle Investoren, Family Offices und Politiker auf der jährlichen Konferenz in Berlin über notwendige Schritte, um den Klimawandel gemeinsam aufzuhalten, und Möglichkeiten zur Dekarbonisierung von Portfolios.

Die rapide fallenden Kosten für die Energiegewinnung aus Erneuerbaren, für Speicherkapazitäten, Elektromobilität und Energieeffizienz haben weltweit einen Wendepunkt erreicht, der die Marktkräfte nach Meinung von Jochen Wermuth nicht mehr aufhalten kann. Energie aus Wind und Solar wird mittlerweile zu einem Preis von weniger als 3 Cent USD je kWh angeboten, womit Öl nur zu einem Preis von unter 5 USD je Barrel konkurrieren könnte. Auch wenn es in Deutschland dank der Verbrennungsmotorlobby noch nicht offensichtlich ist: 250 Millionen chinesischen Fahrer, die 100 Prozent Elektrofahrzeuge (Elektroautos, Elektroscooter und Elektrofahrräder) nutzen, bezeugen die Wettbewerbsfähigkeit der Elektromobilität. „In vielen entwickelten Märkten sind erneuerbare Energien heute auch ohne staatliche Subventionen konkurrenzfähiger als fossile Alternativen, und damit die offensichtliche Wahl für zukunftsorientierte Investoren. Dieser Strukturwandel in der Industrie wird sich fortsetzen, die fossile Welt kommt langsam zum Ende. Es ist daher fast irrelevant, dass US-Präsident Trump versucht das Leben der heimischen Kohle-, Gas- und Ölindustrie etwas zu verlängern. Dies ist ein Rückzugsgefecht“, sagt Wermuth. Das unterstreichen auch die zahlreichen Initiativen US-amerikanischer Städte, Bundesstaaten und Unternehmen, weiterhin für eine kohlestoffarme Wirtschaft einstehen zu wollen. „Noch vor einem Jahr hätte sich eine derartige Entscheidung sicher nachteilig ausgewirkt. Heute bedeutet es einfach, dass Teile der USA zurückgelassen werden. Die EU und China treiben nun die grüne Industrierevolution und werden die weltweite wirtschaftliche Führung übernehmen“, sagt Wermuth.

Die Subventionen für fossile Brennstoffe bleiben nach Meinung von Wermuth aber ein Thema. Die Gesundheitskosten für die Verbrennung von Kohlendioxid werden vom Internationalen Währungsfonds IWF auf rund 60 Euro je Tonne CO2 geschätzt, wobei die globalen Klimaschutzkosten bei rund 70 Euro je Tonne liegen. „Die Gesamtkosten belaufen sich also auf rund 130 Euro je Tonne Kohlendioxid – was in Schweden, die am schnellsten wachsende OECD-Wirtschaft über die vergangenen 20 Jahre, als CO2-Steuer erhoben wird.“ Nach dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) liegt der aktuelle Preis für CO2-Emissionen bei nur 5 Euro je Tonne, wobei einige Schätzungen für den weltweiten CO2-Preis bei minus 150 Euro je Tonne liegen, da die Nutzung fossiler Brennstoffe subventioniert wird. Nach jüngsten Berechnungen der „High-Level Commission on Carbon Prices“ unter der Leitung des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz und Lord Nicholas Stern ist ein CO2-Preis von mindestens 40 bis 70 Euro je Tonne erforderlich, um weitere finanzielle Fehlallokationen zu vermeiden und das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius, zu erreichen.

Globale Unternehmen, Versicherer und Investoren setzen immer stärker auf eine Abkehr von fossilen Energien, um die damit verbundenen Risiken zu reduzieren. Die weltweite Divest-Invest-Initiative zählt mittlerweile über 5 Billionen US-Dollar von Institutionen und Einzelanlegern, die sich verpflichtet haben, ihre Investitionen aus Öl-, Gas- und Kohleunternehmen abzuziehen und  stattdessen klimafreundlich neu zu investieren. „Ressourceneffiziente Unternehmen und grüne Stromversorger tragen nicht nur zur Reduktion der CO2-Emissionen bei, sie sind auch wirtschaftlich attraktiv und damit die profitablen Investmentthemen der Zukunft“, sagt Wermuth.

„Investitionen in Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen in den Bereichen Ressourceneffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität – sei es durch den Kauf von Aktien oder Anleihen, oder durch Private Equity-Beteiligungen – werden daher weiter an Bedeutung gewinnen.“ Dabei nehmen Private Equity-Beteiligungen eine besondere Rolle ein. „Viele Unternehmen in den aufstrebenden Technologien bleiben heute länger vom Aktienmarkt fern. Der historische Vergleich ist auffällig: Die Champions der letzten Industrierevolution – die Rockefellers, Siemens und JP Morgans – waren auch nicht von Beginn an gelistet, haben aber letztlich die Dampfmaschinenhersteller im Dow Jones ersetzt. Das größte upside-Potenzial aus der grünen Industrierevolution wird über Private Equity Investments in Wachstumsunternehmen realisiert. Growth Private Equity Investments sind daher unabdingbar für die Asset Allocation von institutionellen Investoren“, sagt Wermuth.

Über Wermuth Asset Management (WAM)
Wermuth Asset Management (WAM) wurde im Jahr 1999 von Jochen Wermuth gegründet. Das Family Office fungiert ebenfalls als BAFIN regulierter Anlageberater und hat sich auf Impact Investments in ressourceneffiziente Unternehmen spezialisiert. Dabei befolgt WAM die UN-Prinzipien für nachhaltige Investments (PRI). Über Private Equity, Listed Assets und Real Assets investiert das Unternehmen Eigenkapital sowie Drittkapital über von WAM beratene Fonds. Jochen Wermuth ist Mitglied im Steering Komitee der Investorenvereinigungen „100% Impact Network“ und „Europeans for DivestInvest“.

Schmale Führung am US-Aktienmarkt: Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen

von Carl Ghielen, Senior Client Portfolio Manager für High-Dividend-Strategien bei NN Investment Partners.

Ja, US-Aktien haben in den vergangenen Monaten regelmäßig neue Allzeithochs erreicht. Aber das ist nicht das vollständige Bild. Die zehn Titel, die sich im S&P 500 Index seit Jahresbeginn am besten entwickelt haben, sind für rund 50 Prozent der Wertentwicklung des Index verantwortlich, also für fast 4,5 Prozent. Es handelt sich also um eine sehr kleine Gruppe von sehr gut laufenden Titeln – zumeist aus dem IT-Sektor oder verwandten Branchen. Die aktuelle Situation, in der Anleger in diese Aktien stark von der einen Annahme geleitet werden, dass die Zinsen weiter niedrig bleiben, erinnert an vergangene Zeiten, in denen Aktienanlagen, die im Wesentlichen auf einer bestimmten Annahme beruhten, tränenreich endeten. Nämlich dann, als politische Fehler und externe Schocks die Märkte aufwühlten, inklusive Spitzentitel.

Diese schmale Führung resultiert aktuell in einem rekordverdächtigen Stilwechsel: Der MSCI US Growth Index liegt dieses Jahr um 12 Prozent vor dem Value Index. Somit hat Value seine seit Januar 2016 erzielte relative Mehrrendite gegenüber Growth wieder fast komplett abgegeben. Schwächere Wirtschaftsdaten in den USA, anhaltende Sorgen über die Nachhaltigkeit des Wachstums und verblassende Versprechen von US-Präsident Trump lösten diese Situation der Kombination von niedriger Volatilität und Technologierallye aus.

Müssen sich Aktienanleger nun Sorgen machen? Nein, aber es ist Zeit, dass Anleger längerfristig wieder mehr auf die Fundamentaldaten achten sollten. Je mehr kurzfristige Begründungen für die Entwicklung des Aktienmarkts verantwortlich sind, desto schmaler die Führung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein unvorhergesehenes Marktereignis die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Fundamentaldaten zurücklenken wird.

Das sollte den High Dividend Fonds von NN Investment Partners zugutekommen. Seit Ende vergangenen Jahres haben wir Finanzwerte in den Fonds schrittweise reduziert, auch wenn wir immer noch übergewichtet sind. Auch den IT-Sektor haben wir im Portfolio reduziert, da sich IT bereits sehr gut entwickelt hatte. Aufgestockt haben wir hingegen ausgewählte Titel aus den Bereichen Basiskonsumgüter und Versorger, aber auch unsere Cash-Position.

Europa: Präferenz für Aktien, die auf den lokalen Markt ausgerichtet sind

Aufgrund des Wiederauflebens der Reflation wurden die europäischen Aktienmärkte vergangenes Jahr von global ausgerichteten zyklischen Sektoren angetrieben. Für uns sind diese Titel die Sieger der ersten Reflationswelle. Die Sieger der nächsten Welle dürften eher auf den Binnenmarkt ausgerichtete Sektoren sein, die von der heimischen Konjunkturerholung profitieren. Innerhalb dieses Segments halten wir die Balance zwischen zyklischen und defensiven Werten. Unter den zyklischen Branchen finden wir Banken, Versicherungen, Bau und Transport interessant. Bei den defensiveren Sektoren favorisieren wir Telekommunikation, Versorger und Immobilien.

Schwellenländer: Chinas Politik reduziert langfristige Risiken

Auch wenn die Sorgen über das Risiko einer harten Landung Chinas abgeebbt sind, fürchten Anleger weiter die Auswirkungen der strafferen Geldpolitik und des Schuldenabbaus im Reich der Mitte. Wir sind optimistischer und gehen davon aus, dass ein kontrollierter Schuldenabbau zusammen mit dem weiteren Reformprogramm Aktien aus China und den Schwellenländern zugutekommen kann: Die Risiken für den längerfristigen Ausblick nehmen ab, wenn auch auf Kosten kurzfristiger Kurschancen. Man darf nicht vergessen, dass die Chinesen ihre Geldpolitik aus einer starken Position heraus straffen. Die Industrie ist in einem guten Zustand, und die Umstellung auf eine konsum- und dienstleistungsorientierte Wirtschaft geht rasch voran. Es deutet bisher einiges darauf hin, dass die traditionellen geldpolitischen und fiskalischen Hebel gut funktionieren. Ein Beispiel ist der Immobilienmarkt, der sich nach Einführung diverser Abkühlungsmaßnahmen abschwächt, aber nicht zusammenbricht.

Wie Mikrofinanzfonds die Kinderarbeit reduzieren können

Mit Mikrofinanzfonds können Anleger einen Beitrag dazu leisten, Kinderarbeit zu reduzieren. Diese Ansicht vertritt Martin Cech, Fondsmanager des ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE. Mikrofinanzfonds investieren in Mikrofinanzinstitute, welche die Mittel vor Ort an die Empfänger vergeben. Mit solchen Mikrokrediten erhalten Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Starthilfe für eine berufliche und unternehmerische Existenz. Mikrofinanz ist damit auch ein Instrument, um neue Perspektiven zu ermöglichen und die Armut auf der Welt zu verringern. „Diese ist oft die Ursache für Kinderarbeit“, so Cech. Gleichzeitig böten derartige Fonds Anlegern die Aussicht auf eine positive Rendite.

Durch die Kredite wird zunächst die Armut und in der Folge die Kinderarbeit verringert. Eine Untersuchung belegt, dass sie effektiv wirken: „Unsere Analysen zeigen, dass 85 Prozent aller vergebenen Mikrokredite für berufliche Investitionen und nicht für Konsumausgaben genutzt werden“, so Cech und fügt an: „Gemäß einer Studie von Dehejia and Gatti kann der Zugang zu Kreditmärkten Kinderarbeit deutlich wirkungsvoller reduzieren als Restriktionen und direkte Verbote“. Der Fondsmanager betont, dass es sich bei knapp zwei Dritteln der KreditnehmerInnen um Frauen handele. Begleitend würden Kindern bessere Ausbildungsmöglichkeiten ermöglicht.

Messbarkeit und Transparenz für Anleger entscheidend

Für die meisten Anleger in Mikrofinanzfonds spielt die soziale Rendite die mit Abstand größte Rolle. Das bringt Herausforderungen mit sich. Zum einen in punkto Messbarkeit: Diese erweist sich häufig als schwierig, weil hierzu bisher keine einheitlichen Kriterien bestehen. Zum anderen ist das Bedürfnis nach Transparenz bei den Anlegern entsprechend hoch. Eine monatliche Aufstellung zu den das Portfolio umfassenden Mikrofinanzinstituten, die Anzahl der Länder und Unternehmen und weitere Kennzahlen ist längst zum Standard geworden.

Neben Entwicklungsregionen eignen sich entsprechende Finanzierungsmodelle unter anderem auch für bestimmte Staaten aus Ost- und Südosteuropa. Anleger können so nicht Personen und Unternehmen in afrikanischen, asiatischen oder lateinamerikanischen Ländern indirekt unterstützen, sondern beispielsweise auch Bosnien-Herzegowina oder Polen.

Idee wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet

Die Idee der Mikrokredite wurde im Jahr 1976 geboren: In Jobra, Bangladesch, verlieh Muhammad Yunus, Professor für Wirtschaftswissenschaften, Geld an 42 Korbflechter, damit sie ihre kleinen Betriebe ausbauen konnten. Der Gedanke, Kredite an diejenigen zu vergeben, die sonst keine Chance darauf hatten, begann schnell Früchte zu tragen. 1983 institutionalisierte Yunus ihn durch die Gründung der Grameen-Bank und erreichte fortan Millionen von Menschen. Je nach Land bewegen sich die ausgegebenen Kredite zwischen etwa 20 US-Dollar bis hin zu mehreren Hundert US-Dollar. Es folgte die Vergabe unzähliger Mikrokredite in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten“ erhielten Yunus und die Bank 2006 den Friedensnobelpreis.

Warnhinweise gemäß InvFG 2011
Die Finanzmarktaufsicht warnt: Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE investiert zur Gänze in Veranlagungen gemäß § 166 Abs. 1 Z 3 InvFG 2011 (Alternative Investments), die im Vergleich zu traditionellen Anlagen ein erhöhtes Anlagerisiko mit sich bringen. Insbesondere bei diesen Veranlagungen kann es zu einem Verlust bis hin zum Totalausfall des darin veranlagten Kapitals kommen.
Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE kann zu wesentlichen Teilen in Anteile an Investmentfonds (OGAW, OGA) iSd § 71 InvFG 2011 investieren.

Energiekrieg: OPEC auf verlorenem Posten

Die Versuche der OPEC, die kostenintensive Rohölförderung anderer Länder aus dem Markt zu drängen, scheinen zu scheitern. Die anfänglich positive Resonanz, die die OPEC bei ihrer taktischen Kehrtwende 2016 für die Förderkürzung erhielt, lässt rasch nach, da die Möglichkeiten des Kartells, „alles Erforderliche zu tun“, skeptisch gesehen werden.

Die Produzenten von US-Schieferöl und anderen unkonventionellen Formen von Rohöl haben gelernt, in einem Umfeld niedrigerer Ölpreise rentabel zu arbeiten. Wir gehen davon aus, dass sich die Expansion der US-Ölforderung fortsetzt, obwohl die Preise nicht einmal mehr halb so hoch wie 2014 sind, so Nitesh Shah, Director - Commodity Strategist bei ETF Securities.

Kurswechsel nach Misserfolg

2015 dokumentierten wir in mehreren Researchartikeln den Preiskrieg, mit dem die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zum Schlag gegen die wachsenden Markt­anteile der kostenintensiven Förderländer ausholte. In diesem Artikel wollen wir einige dieser Themen rekapitulieren und aktualisieren.

Da die OPEC den kostenintensiven Förderländern die gewonnenen Marktanteile neidete und die Verschiebung des Status quo als Störung empfand, ließ sie sich 2014 auf einen Preiskrieg ein. Obwohl das Kartell die Preise in den Keller treiben konnte, scheiterte es kläglich daran, die wirtschaftliche Situation seiner Mitglieder zu verbessern. Die Volkswirt­schaften Venezuelas und Nigerias befinden sich aufgrund der niedrigeren Rohölpreise in Schockstarre. Venezuela hat eine Inflation, die in die Tausende Prozent geht. Unruhen in den Straßen des Landes sind keine Seltenheit. Den Kursen seiner Anleihen nach zu urteilen, steht das Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. In Nigeria nutzen Terroristen den beklagenswerten Zustand der Staatsfinanzen aus. Der nigeria­nische Naira wertete seit 2014 um beinahe 50 Prozent ab.

Saudi-Arabien führte die OPEC in die Schlacht, um in beispiellosem Tempo Öl zu fördern. In der Folge brachen die Rohölpreise von über 100 USD/Barrel 2014 auf unter 30 USD/Barrel zwei Jahre später ein. Nachdem es dem „arabischen Frühling“ 2010 mit einem großzügigen Ausgaben­programm knapp entkommen ist, kann Saudi-Arabien nun offensichtlich nicht mehr tatenlos zusehen, wie seine Einnahmen ins Bodenlose fallen. Nach der Inanspruch­nahme der Anleihemärkte und der Straffung der Finanzpolitik befindet sich das Land immer noch in finanziellen Schwierig­keiten. Für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigt es 78 USD pro Barrel Rohöl, was deutlich über den aktuellen Ölpreisen liegt (2014 waren es 106 USD/Barrel). Die saudische Regierung will daher einen Teil ihrer staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco verkaufen und die Erlöse in einen Investitions­fonds stecken. Für eine befriedigende Bewertung braucht sie aber einen höheren Ölpreis.

Als Saudi-Arabien seinen Fehler mit Verspätung bemerkte, brachte es die OPEC dazu, die Rohölförderung zum Jahres­wechsel 2017 zu senken. Seine Entschlossenheit hierzu war so groß, dass es unter zehn Nicht-OPEC-Ländern eine Einigung zustande brachte, der zufolge diese sich an seiner Seite an der Förderkürzung beteiligten. Die Vereinbarung, die ursprünglich nur vorsah, die Produktion vom Oktober 2016 für sechs Monate um 1,8 Mio. Barrel zu senken, wurde gerade erst um neun Monate bis März 2018 verlängert.

Der Markt zeigte sich allerdings von der jüngsten Verlängerung nicht beeindruckt. Da man von der OPEC mehr erwartet hatte, zumal sie vorher verlauten ließ, man werde „alles Erforderliche tun“, gaben die Rohölpreise nach.

Vor allem fiel auf, dass im Rahmen der Einigung nicht auf die Möglichkeit einer erneuten Verlängerung hingewiesen wurde. Dies legt die Vermutung nahe, dass es nicht leicht war, die neunmonatige Verlängerung zustande zu bringen, und dass tiefere Einschnitte, wie sie Saudi-Arabien befürwortet hatte, nicht in Betracht gezogen wurden.

Einhaltung der Vereinbarung

Wir merkten in unserem Artikel „Wenig Ehre unter den Mitgliedern des OPEC-Kartells“ an, dass sich die Mitglieder weitgehend an die Vereinbarung hielten. Da aber mehrere Länder ausgenommen seien, senke das Kartell die Förderung nicht annähernd um die 1,2 Mio. Barrel, zu denen es sich verpflichtet hatte.

Saudi-Arabien, das einen Großteil der Kürzung schultert, entzog dem Markt im ersten Monat nach der Vereinbarung eine Menge Rohöl, ließ die Förderung aber seither wieder ansteigen. Auch wenn es die Eckpunkte des Deals unverändert einhält, zeigt die steigende Produktion, wie schwierig es ist, gegen saisonale Trends anzukämpfen.

Da die politischen Gräben in der OPEC breiter werden, fragen wir uns, in welchem Umfang die OPEC-Mitglieder ihren Pflichten nachkommen werden. In der vergangenen Woche kappten Saudi-Arabien und einige Staaten des Golf­kooperationsrats ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar. Saudi-Arabien schloss die Grenze zu Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten unterbrachen die Schiffs- und Flugverbindungen. In Anbetracht dessen ist es möglich, dass Katar aus den Reihen des saudi-geführten OPEC-Kartells ausschert und mehr Rohöl als zugeteilt fördert. Auch wenn Katar klein ist und im vergangenen Monat gerade einmal 0,6 Mio. Barrel zu den von der OPEC geförderten 31,7 Mio. Barrel beitrug, könnte seine mangelnde Vertragstreue andere zur Aufgabe ihrer Förderziele bewegen.

Transparente Berichte, aus denen die Fördermengen der teilnehmenden Nicht-OPEC-Länder hervorgehen, gibt es immer noch nicht. Russland behauptet zwar, dass es seine Förderung vereinbarungsgemäß um 0,3 Mio. Barrel gesenkt hat, doch zeigt der OPEC-Bericht aus dem letzten Monat, dass es nur 0,2 Mio. Barrel waren1.

Ölbranche in den USA robust

Während die OPEC den Markt zu überzeugen versucht, dass sie zum Abbau der globalen Rohölvorräte genug tut, steigt die Förderung in den USA, Kanada und Brasilien weiter an.

Vor allem die Rohölförderung in den USA erwies sich als elastisch. Die Anzahl der Bohrplattformen ging zwar in den USA zu Beginn des Preiskriegs 2014 um über 80 Prozent zurück, doch hat sie sich seit dem Tiefpunkt 2016 wieder mehr als verdoppelt. Gleichwohl sind es immer noch nur halb so viele wie auf dem Höhepunkt. Das Fördervolumen kratzt allerdings schon wieder am alten Hoch, da die Effizienz der Förderanlagen steigt. Die niedrigen Rohölpreise sorgten für einen Innovationsschub.

Die Gewinnschwelle von Schieferöl fiel zwischen 2014 und 2016 von über 80 USD/Barrel auf unter 40 USD/Barrel.

Effizienzzuwächse gab es auch in anderen Bereichen der unkonventionellen Ölförderung. Bei Schieferöl kam es im Zeit­raum von 2011 bis 2016 gemessen an der täglichen Bohrstrecke zu einer kontinuierlichen Steigerung der Bohrgeschwindigkeit. Auch im Golf von Mexiko nahm die Bohrgeschwindigkeit zwischen 2014 und 2016 deutlich zu. Es ist zu vermuten, dass die sonstige unkonventionelle Rohölförderung, etwa in der Tiefsee, ähnliche Effizienzgewinne aufweist.

Rohöl wird wahrscheinlich auch künftig zwischen 40-55 USD/Barrel gehandelt werden, wobei das Risiko besteht, dass die Preise angesichts der anhaltenden Rohölschwemme im unteren Bereich der Spanne verharren.


1) Laut November-Bericht der OPEC förderte Russland im Oktober 10,59 Mio. Barrel pro Tag, und laut Mai-Bericht waren es im April 10,39 Mio. Barrel pro Tag. Damit beläuft sich die Kürzung nur auf 200.000 Barrel pro Tag, obwohl Russland 300.000 Barrel pro Tag für jeden Monat zugesagt hatte.

Aktive Steuerung der Duration bringt Erträge

Auf der Suche nach zusätzlicher Rendite erhöhen viele Rentenanleger ihr Kreditrisiko und verkürzen aus Gründen der Sicherheit zugleich die Duration, also die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer ihrer festverzinslichen Anlage. Charles McKenzie, Chefanlagestratege für Anleihen bei Fidelity International, meint jedoch, dass Anleger nicht auf eine längere Duration verzichten sollten.

„Viele Anleger streben bei Anleihen ein optimales Verhältnis von Rendite und Verlustschutz an. Sie gewichten das Kreditrisiko über, um attraktive laufende Erträge zu erwirtschaften, und verkürzen die Duration, um die Sensitivität gegenüber Renditeänderungen bei Staatsanleihen zu verringern.

Aber das Verkürzen der Duration hat erhebliche Konsequenzen. Wird die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer spürbar reduziert, etwa durch eine Absicherung oder ein stärkeres Engagement bei Kurzläufern, verzichtet der Anleger auf erhebliche Erträge. Der Grund: Anleihen mit längeren Laufzeiten werfen in der Regel höhere Renditen ab als solche mit kurzen Laufzeiten. So liegt die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei 0,25 Prozent, während die dreijährigen Pendants bei derzeit -0,72 Prozent liegen – also rund ein Prozent geringer.Darüber hinaus hat eine kürzere Duration eine spürbar höhere, positive Korrelation zwischen der Anleihe- und der Aktienkomponente eines Portfolios zur Folge. Da viele Anleger ihrem Portfolio Anleihen beimischen, mit denen sich das Risiko einer Aktienanlage gut diversifizieren lässt, büßen sie mit einer zu starken Reduzierung der Duration auch Diversifizierungsvorteile ein.“

Charles McKenzie plädiert stattdessen für eine aktive Steuerung der Duration.

  1. Global denken: „Anleger sollten unbedingt global denken und sich nicht nur auf ihren Heimatmarkt verlassen. Rund um den Globus befinden sich die Volkswirtschaften und Regionen in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus. Diesen Vorteil können Anleger nutzen, indem sie nicht nur in ihrem Land, sondern auch in anderen Regionen anlegen. Zurzeit finden wir beispielsweise gute Anlagechancen an den Zinsmärkten in den USA und in Australien, wo sich globale und länderspezifische Faktoren günstig auf Positionen mit langer Duration auswirken.“
  2. Nicht nur in Staatsanleihen investieren: „Attraktive Chancen finden sich im gesamten Festzinsuniversum. Dabei kommt der richtigen Titelauswahl eine entscheidende Rolle zu. Momentan werden Anleger bei Unternehmensanleihen mit einer Mehrrendite für das mit ihnen verbundene Kredit- und Ausfallrisiko gebührend entschädigt. Besonders interessant sind aktuell Investment-Grade-Anleihen. Durchwachsener sieht es bei Hochzinsanleihen mit Ratings von BB bis CCC aus. Nach ihrer exzellenten Wertentwicklung im letzten Jahr ist die Anlageklasse aktuell nicht mehr ganz so attraktiv wie noch vor zwölf Monaten.“
  3. Inflationsgeschützte Anleihen in Betracht ziehen: „Inflationsgeschützte Anleihen werden häufig stiefmütterlich behandelt. Dabei lässt sich das Risiko eines Anleiheportfolios über eine Anlage in reale und an die Inflation gekoppelte Vermögenswerte breiter streuen. Bislang deutet wenig auf einen kräftigen Anstieg der nach wie vor niedrigen Teuerungsrate hin. Aber inflationsgeschützte Anleihen bieten einen gewissen Schutz, sollte sich der Preisauftrieb unerwartet stark beschleunigen.“

Stabiles Anlageverhalten und Diversifikation

von Christian Süttinger, Senior Fondsmanager Multi Asset Management, Erste Asset Management.

In den USA sind langsam steigende Zinsen bereits Realität. Für Europa und einen weiteren großen Wirtschaftsraum, Japan, hat die gedämpfte wirtschaftliche Entwicklung einen Zinsanstieg bisher verhindert. Die Europäische Zentralbank steuert die Zinsen mit dem Ziel, den Aufschwung und den Zusammenhalt der Eurozone zu unterstützen. 

Die Suche nach Alternativen bei niedrigen oder steigenden Zinsen

Zur Vermeidung von Inflation könnten die Zinsen in Europa schrittweise angehoben werden. In einem solchen Umfeld ist die Ertragskraft von Anleihen und „anleihen-ähnlichen“ Wertpapieren eingeschränkt, sogar Kursverluste sind über einen längeren Zeitraum möglich. Investments mit einer höheren Risikoeinstufung, wie Aktien oder Anlagen von sogenannten Schwellenländern (Emerging Markets), treten dadurch in den Vordergrund.

Alternative Strategien bieten die Möglichkeit, eine Veranlagung auf voneinander unabhängigen Säulen aufzubauen. Die Unabhängigkeit (geringe Korrelation) in der Wertentwicklung im Vergleich zu Aktien oder Anleihen macht Alternative Strategien zu einer eigenen, interessanten Anlageklasse. Beispielsweise lag das mit dieser Anlageklasse verbundene Risiko über die vergangenen zehn Jahre deutlich unter jenem von Aktien. Besonders die wichtigsten Vertreter dieser Anlageklasse: „Trendfolge“, „Global Macro“ und  „Long/Short-Equity“ sind auch in Zeiten steigender Zinsen ein gutes Investment.

Diese Grafik veranschaulicht das Risiko* von Alternativen Strategien im Vergleich zu Aktien:

Bei Aktien liegt die Volatilität über einen Zeitraum von zehn Jahren bei 16,0 %, bei europäischen Staatsanleihen liegt diese schon bei nur 4,1 % und bei Alternativen Strategien beträgt sie 3,9 %. Eine geringe Volatilität bedeutet eine geringere Schwankungsbreite und somit mehr Stabilität.

Was sind typische Vertreter alternativer Investmentstrategien

Die Strategie Trendfolge („Commodity Trading Advisors – CTA Managed Futures“ – mehr Informationen folgen in Teil 2 der Blog-Serie) versucht auf allen Finanzmärkten mit der Hilfe von Computerprogrammen Trends zu identifizieren. Das können steigende Kurstrends aber auch fallende Kursverläufe sein. An welcher Börse die Trends erkannt werden ist dabei nicht so wichtig. Trendfolger investieren daher nicht nur an Aktienbörsen, sondern auch an Anleihemärkten, Rohstoffbörsen, Währungsmärkten etc. CTAs können daher auch mit allen fallenden Kursen Geld verdienen. Alternative Strategien können immer sowohl in ansteigende Kurse („long“) oder in fallende Kurse („short“) investieren, was traditionelle Anlageklassen nicht können.

Die Strategie Global Macro stellt aufgrund der fundierten Analyse und der Erfahrung des Fondsmanagements ein breitgestreutes Portfolio aus unterschiedlichen Anlageklassen zusammen. Dieses bietet ebenfalls die Möglichkeit, steigende und fallende Kursentwicklungen auszunutzen.

Die Strategie Long/Short-Equity analysiert einzelne Unternehmen mit dem Ziel, Gewinner und Verlierer zu identifizieren und jeweils auf beide zu setzen. Ein Teil der Strategie ist „long“ investiert (Gewinner), ein Teil „short“ (Verlierer) – beide Seiten sind voneinander unabhängig, deshalb ist die Strategie in Summe stabil. Steigende Zinsen bewirken hierbei, dass die Auswirkungen von Kapitalkosten auf die Unternehmensbilanzen zunehmen. Das macht es einfacher, robuste von schwachen Geschäftsmodellen zu unterscheiden.

4 Kriterien die erfüllt sein müssen, um als alternative Strategie zu gelten:

  • Das Potenzial, auch bei niedrigen oder steigenden Zinsen Erträge zu erwirtschaften
  • Ein geringeres Risiko als Aktien
  • Ein von Aktien und Anleihen mehr oder weniger unabhängiger Kursverlauf
  • Die Möglichkeit von steigenden und auch fallenden Kursen profitieren zu können

Der hauptsächliche Unterschied zwischen Alternativen Investmentfonds und traditionellen Fonds besteht darin, dass Alternative Strategien auch aus fallenden Kursen Nutzen ziehen können. Da an den Börsen über einen längeren Zeitraum ebenso steigende, wie fallende Kurse auftreten und in einem Alternativen Investmentfonds auf beide Entwicklungen gesetzt werden kann, ergibt sich eine Stabilität, die in Summe näher bei der von Anleihen als von Aktien liegt.

Fazit

Alternative Strategien bieten eine stabiles Anlageverhalten und eine Diversifikation, gerade in Zeiten steigender Zinsen. In den demnächst folgenden zwei Beiträgen werden die verfügbaren Strategien detailliert beschrieben.


Über den Autor
Christian Süttinger ist seit 2002 bei der ERSTE-SPARINVEST KAG tätig. Er ist als Senior Fund Manager im Multi-Asset-Management-Team für Alternative Strategien zuständig. Er besitzt einen Abschluss der Wirtschaftsuniversität Wien in Betriebswirtschaftslehre, ist seit 2009 CFA Charterholder sowie seit 2010 CAIA Charterholder.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Platin-Ausblick: Gold und ZAR nach wie vor entscheidend

Trotz einer scheinbar günstigen Angebotssituation sind die Platinpreise in den vergangenen Jahren hinter anderen Edelmetallen zurückgeblieben. Die Fundamentaldaten auf der Angebotsseite unterschätzen möglicherweise die tatsächlichen physischen Reserven und überschätzen dadurch die Versorgungsdefizite.

Unser Modell deutet darauf hin, dass Gold, der südafrikanische Rand (ZAR), die Industrieproduktion und Schwellenmarktaktien die Variablen sind, mit denen sich die Preisschwankungen auf dem Platinmarkt am besten erklären lassen, so Maxwell Gold, Director – Investment Strategy, im Ausblick von ETF Securities. Gegenwärtig gehen wir davon aus, dass Platin im kommenden Jahr ein positives Risiko-Rendite- Profil bietet. In unserem Basisszenario rechnen wir mit 1.020 USD/oz.

Im Einklang mit den Fundamentaldaten

Nach einer Erholung im vergangenen Jahr hat sich die Dynamik bei Edelmetallen im bisherigen Jahresverlauf fortgesetzt. Durch die Unsicherheit, die niedrigen Zinsen und die steigende Inflation ist die Unterstützung vonseiten der Anleger wieder gestiegen. Platin ist jedoch nach wie vor der Nachzügler in der Gruppe und hinkt hinter Gold und Silber sowie hinter seinem Geschwister-Metall Palladium hinterher. Der World Platinum Investment Council geht davon aus, dass Platin, das seit 2012 jedes Jahr Angebotsdefizite verzeichnet, diesen Trend auch 2017 beibehalten wird. Diese günstigen Fundamentaldaten hatten in den vergangenen Jahren jedoch keinen Einfluss auf die Platinpreise.

Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass die zugeteilten Platinbestände nicht vollständig in den gemeldeten Zahlen erfasst wurden. Laut Schätzungen des World Platinum Investment Council gingen die oberirdischen Vorräte von 4,3 Millionen Unzen im Jahr 2011 auf 2,1 Millionen Unzen im Jahr 2016 zurück. In diesem Zeitraum brach der Platinpreis um nahezu 50 Prozent ein.

Darüber hinaus sind die Platin-Vorräte weitaus konzentrierter als Gold und Silber – das Minenangebot ist zu 70 Prozent auf Südafrika beschränkt. Die mangelnde Transparenz der physischen Reserven und der kleine, konzentrierte Markt erhöhen die Anfälligkeit gegenüber der Volatilität. Deshalb ist es schwierig, die Preisschwankungen und Renditen von Platin anhand der Fundamentaldaten zu erklären.

Ausblick: moderates Aufwärtspotenzial

Wenn wir unsere aktuelle Schätzung hinsichtlich des fairen Werts von Gold zugrunde legen (Ende 2017: 1.230 US-Dollar) und davon ausgehen, dass sich der ZAR von der vor Kurzem politisch verursachten Volatilität erholt und um 5 Prozent zulegt, die globale Industrieproduktion um 3 Prozent ansteigt und Aktien aus Schwellenländern erneut um 10 Prozent nach oben klettern, würde sich der faire Wert von Platin im kommenden Jahr auf 1.020 USD/oz. belaufen. Damit würden die aktuellen Platinkurse um moderate 6 Prozent steigen.

In einem optimistischen Szenario, in dem sich die Goldpreise aufgrund der überraschenden Inflationsentwicklung und der geopolitischen Volatilität auf 1.380 USD/oz. erhöhen und der ZAR ausgehend vom aktuellen Niveau um 10 Prozent steigt, würde Platin auf 1.100 USD klettern und damit gegenüber dem gegenwärtigen Preisniveau eine Steigerung von 13 Prozent erzielen (unter sonst gleichen Bedingungen). Wenn wir dagegen unser pessimistisches Szenario anwenden, in dem der Goldpreis auf 1.095 USD/oz. und der ZAR aufgrund anhaltender geopolitischer Turbulenzen um weitere 15 Prozent sinkt, würde der Kurs von Platin gegenüber dem aktuellen Preisniveau um 6 Prozent nachgeben und bei 910 USD/oz. liegen.

Wenn man diese fairen Werte und die Erwartungen hinsichtlich des anhaltenden globalen Wachstums- und Produktionsaufschwungs zugrunde legt und einen Rekord- Abschlag auf den Goldpreis einkalkuliert, scheinen die Abwärtsrisiken von Platin begrenzter zu sein als seine potenziellen Aufwärtsrisiken.

Methodik unseres Modells

Um die problematischen Fundamentaldaten zu umgehen, haben wir anstelle der Angebots- und Nachfragefaktoren für Platin die markttechnischen und makroökonomischen Variablen bewertet. Das Ziel bestand darin, ein einfaches, aussagekräftiges und statistisch signifikantes Erklärungsmodell zu entwickeln und den ersten Schritt hin zu einem robusten Platinmodell zu vollziehen.

Über 20 makroökonomische Variablen wurden als Alternativen für Angebotsfaktoren analysiert, darunter die Minenproduktion und Recycling. Stellvertretend für Nachfragefaktoren wurden Katalysatoren, Schmuck und der Industriebedarf herangezogen. Zu den wichtigsten Erklärungsvariablen bei Platin gehören: Gold, der südafrikanische Rand (ZAR), Aktien aus Schwellenmärkten und die globale Industrieproduktion.

Anhand der Regression dieser vier Variablen ab 1989 gelangten wir zu einem Basismodell mit einem R2 von 0,59. Alle Variablen (die monatlich bewertet wurden) waren bei einem Konfidenzniveau von 95 Prozent statistisch signifikant und korrelierten Jahr für Jahr positiv mit den Renditen von Platin.

Angebot: Rand statt Bergbau

Aus der Perspektive des Modells hat es mehrere Vorteile, den Rand zu verwenden. Dieser entwickelt sich parallel zur südafrikanischen Wirtschaft. Außerdem lassen sich aus der Währung häufiger Daten ableiten. Die Platinpreise und der südafrikanische Rand weisen eine immanente positive Korrelation auf. Bei einer Aufwertung des ZAR erhöht sich der Druck auf die Margen der Minenbetreiber, was letztendlich zu einem Rückgang von Produktion und Angebot führen kann.

Platinnachfrage spiegelt sich besser in der Industrieproduktion als in den Autoverkäufen

Katalysatoren machen 40 Prozent der jährlichen Nachfrage aus und sind damit eine entscheidende Komponente des globalen Platinmarktes. Die Hälfte dieser Nachfrage entfällt auf den europäischen Automobilmarkt, denn Europa ist der größte Absatzmarkt für Dieselmotoren, für deren Katalysatoren Platin verwendet wird.

Wir haben festgestellt, dass sich die Trends in der Automobil- und Schmuckindustrie gut anhand der globalen Industrieproduktion erfassen lassen. Bei der weiteren Verfeinerung unseres Modells haben wir herausgefunden, dass die Schmuck- und Industrienachfrage anhand der Entwicklung von Schwellenmarktaktien und der globalen Industrieproduktion ermittelt werden kann.

Ein sicherer Hafen mit zyklischen Vorzügen

Der Status von Platin als „sicherer Hafen“ schwankt im Laufe der Zeit, ist jedoch ein entscheidender Faktor für die Investitionsnachfrage. Von allen bewerteten Variablen erwies sich Gold als bester Indikator für die Renditen von Platin. Andere Datenreihen, die in diesem Bereich analysiert wurden, wie die Anlegerstimmung (ohne nicht-kommerzielle Nettopositionen am Terminmarkt), waren nicht signifikant.

Der Abschlag von Platin gegenüber Gold erreichte kürzlich Rekordniveaus (ca. 20 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass die Anleger Gold als defensive Anlage bevorzugen. Dies könnte sich umkehren, wenn die Nachfrage nach sicheren Anlagen sprunghaft in die Höhe steigt.

Gegenwärtig gehen wir davon aus, dass Platin im kommenden Jahr ein positives Risiko-Rendite-Profil bietet. In unserem Basisszenario rechnen wir mit einem fairen Wert von 1.020 USD/oz. ausgehend vom aktuellen Preisniveau, da sich das Sicherheitsbedürfnis der Anleger und das globale Wachstum trotz der jüngsten Schwäche des ZAR und der geopolitischen Turbulenzen in Südafrika weiterhin unterstützend auf Platin auswirken dürfte.

Silberstreif am festverzinslichen Horizont

Schwellenmärkte bieten Fixed-Income-Anlegern Potenzial für attraktive risikoadjustierte Renditen über die nächsten fünf Jahre, so das Strategy Unit von Pictet Asset Management.

Anleihen steht in den kommenden Jahren eine schwierige Zeit bevor. Weniger beachtete Teile des festverzinslichen Anlageuniversums bieten Investoren jedoch noch attraktive Möglichkeiten – z.B. die Schwellenmärkte. In der Vergangenheit führte die Aufnahme von Schwellenländeranleihen in ein traditionelles festverzinsliches Portfolio zu höheren Renditen ohne zusätzliches Risiko.

Unseres Erachtens werden der steigende Inflationsdruck in den Industrieländern und die sehr niedrigen Ausgangsrenditen die Staatsanleihen dieser Länder stark belasten. Obwohl die Ölpreise ihre Höchstwerte erreicht haben, nimmt die Inflation zu, während das Weltwirtschaftswachstum immer einheitlicher wird und der Handel sich von seiner jüngsten Flaute erholt. Der angespannte Arbeitsmarkt in den USA deutet auf aufkommenden Lohndruck und eine weitere Straffung der Fed-Politik hin. Die Euro-Zone scheint die Folgen der Krise, die 2011 die Peripherieländer traf, endlich zu überwinden. Japan wächst konstant. Und einige der vor kurzem noch strauchelnden Schwellenmarktländer zeigen Stabilisierungsanzeichen.

Längerfristig wird der Preisdruck unseres Erachtens bestehen bleiben, da Zentralbanken bereit sind, höhere Inflationsraten zu tolerieren als in der Vergangenheit, die Löhne aufgrund der Mindestlohn-Gesetzgebung stärker steigen dürften und die Effekte der jahrelangen quantitativen Lockerung Auswirkungen haben könnten.

Anleihemärkte spiegeln diese guten Wirtschaftsnachrichten allmählich wider. Die Renditen stiegen seit den Tiefständen vom letzten Sommer, insbesondere nach der US-Präsidentenwahl, da erwartet wurde, dass Donald Trumps Politik das Wachstum weiter ankurbeln würde. Trotz alledem verzeichnet rund ein Fünftel des Index JPM GBI der wichtigsten Staatsanleihen mit einem Wert von fast USD 10 Billionen weiter negative Renditen. Diese sehr teuren Bewertungen deuten darauf hin, dass die Staatsanleihen der Industrieländer sich im Verlauf der zyklischen Erholung weiter schwertun dürften.

In diesem eher düsteren Umfeld für Fixed-Income-Anleger scheinen Schwellenmarktanleihen besonders attraktiv, da sie derzeit von bedeutenden Spreads gegenüber Staatsanleihen der Industrieländer profitieren. Schwellenmarktanleihen in Lokalwährung verzeichnen aktuell eine Rendite von 6,4 Prozent, Schwellenländeranleihen in Hartwährung 5,3 Prozent und Industrieländeranleihen 1,4 Prozent.

Zudem sind die wirtschaftlichen Fundamentaldaten für Schwellenmarktanleihen sehr viel günstiger als für Industrieländeranleihen. Ein Beispiel ist die Inflation. In den kommenden fünf Jahren erwarten wir einen Anstieg der Verbraucherpreisinflation in Industrieländern auf 2,1 Prozent von 0,7 Prozent im Jahr 2016. In den Schwellenländern dürfte die Inflation dagegen von 3,7 Prozent auf 3,5 Prozent sinken. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer (EM) dürften stärker wachsen als jene der Industrieländer (DM). Wir erwarten für die Schwellenländer einen Anstieg des realen BIP um 4,5 Prozent pro Jahr über die nächsten fünf Jahre gegenüber einer Jahreswachstumsrate von nur 1,6 Prozent für Industrieländer.

Abbildung 1: DIE VORTEILE DER SCHWELLENLÄNDERANLEIHEN
Portfolios Lokalwährungs- und Dollar-EM-Anleihen im Vergleich zum Index für DM-Anleihen

Quelle: Bloomberg, JP Morgan Indizes, Pictet Asset Management. Daten per 28.4.2017

Eine Reihe von Schwellenländern profitiert auch von innenpolitischen Reformen, einschließlich eines Übergangs zu marktorientierter Politik. Ein gutes Beispiel ist Indien, wo Premierminister Narendra Modi seine Anti-Bestechungsmaßnahmen und Schritte zur steuerlichen Vereinfachung umsetzt, die es dem Land ermöglichen könnten, sein Potenzial voll auszuschöpfen. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Brasilien, das erneut von politischen Korruptionsskandalen erschüttert wird, oder die Türkei, die auf dem Weg zur Autokratie ist, was die Wirtschaft kurzfristig stützen dürfte, jedoch auf Kosten der langfristigen Stabilität. Insgesamt scheinen sich Schwellenländer mit sich verbessernden Fundamentaldaten und solche mit eher beunruhigenden Aussichten die Waage zu halten. Dies spiegelt sich gemäß OECD1 nach einem in den letzten Jahren allgemein positiven Trend auch in einem uneinheitlicheren Tempo wirtschaftlicher Reformen in Schwellenländern wider. Doch selbst im Licht dieser Ungewissheit bieten Schwellenländeranleihen Anlegern eine attraktive Risikoprämie.

Die relativ stabilen Wirtschaftsperspektiven, schwache Inflation und attraktiven Ausgangsrenditen schlagen sich in unserer Prognose für die nächsten fünf Jahre von 8,1% jährlicher Rendite für Schwellenländeranleihen in Lokal- und 3,3 für solche in Hartwährung (in US-Dollar) nieder. Dagegen rechnen wir beim Index JPM GBI für Staatsanleihen der Industrieländer mit einer Gesamtjahresrendite von rund 1,7 Prozent, ebenfalls in Dollar.

Unsere Analyse zeigt, dass die Aufnahme von Schwellenländeranleihen in ein Portfolio mit Staatsanleihen der Industrieländer in der Vergangenheit zu einem Anstieg der Performance führte, ohne dass das Risiko dabei wesentlich zunahm. Basierend auf unseren Prognosen dürfte ein Modellportfolio mit 80 Prozent Staatsanleihen aus den Industrieländern und 20 Prozent gleichmäßig aufgeteilt unter Schwellenländeranleihen in Hartwährung und Lokalwährungsanleihen (nicht abgesichert) eine Jahresrendite von 2,5% über die nächsten 5 Jahre generieren, was im Vergleich zu der für die Industrieländeranleihen erwartete Rendite von 1,7 Prozent ordentlich ist. Dies entspricht Erfahrungen aus der Vergangenheit. Im Zeitraum von 2003-2017 hätte ein vergleichbares Portfolio bei gleichem Risiko um 87 Basispunkte pro Jahr besser abgeschnitten als globale Staatsanleihen.

Auch interessant ist, dass ein Portfolio mit 50 Prozent Schwellenländeranleihen in Hart- und 50 Prozent in Lokalwährung seit 2003 eine annualisierte Rendite von 8,3 Prozent generiert hätte, also 4 Prozentpunkte mehr als der Industriemarktindex, allerdings mit deutlich höheren Risikoniveaus.

Kurz gesagt: Anleger, die für die ersten Jahre des kommenden Jahrzehnts auf der Suche nach Renditen im festverzinslichen Bereich sind, sollten nicht nur „sichere“ Staatsanleihen aus den Industrieländern berücksichtigen, sondern auch nach Gelegenheiten im Bereich der besser bewerteten Schwellenmarktanleihen suchen.

Anhang

STAATSANLEIHEN, UNTERNEHMENSANLEIHEN UND SCHWELLENMARKTANLEIHEN – 5-JAHRES-PROGNOSE

Quelle: Pictet Asset Management (Prognosehorizont: 31.3.2017-31.3.2022) / *Basiert auf einem Verhältnis von Anleiherendite zu normalem BIP-Trendwachstum von 0,75 für die US, 0,7 für Deutschland (unter Verwendung des BIP der Euro-Zone); für Japan gehen wir von einem Anstieg der Anleiherenditen aus, der bis 2022 der Trendinflation entspricht. Benchmarks: JP Morgan Indizes für Staatsanleihen aus Industrie- und Schwellenländern und Unternehmensanleihen aus den Schwellenmärkten; Barclays Euro Aggregate Corporate Index für Investment-Grade-Anleihen der Euro-Zone; BoFA Merrill Lynch Indizes für Hochzinsanleihen der Euro-Zone/USA, 10-jährige US-TIPS. **Anpassung des Rollens für Jahr 5, abhängig davon, von welchem Leitzins wir in 10 Jahren ausgehen; für frühere Jahre wird die Roll-Berechnung der Daten der Bloomberg-Kurve verwendet. *** Basierend auf Recovery Rate von 40% für Industrieländeranleihen, 50% für Staatsanleihen aus Schwellenländern und 30% für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern.


Über die PSU (Pictet Asset Management Strategy Unit):
Die PSU ist eine firmeneigene Investmentgruppe, die unseren Investmentteams und Kunden Empfehlungen für die Vermögensallokation von Aktien, Anleihen, liquide Mittel und Rohstoffen ausarbeitet.

Erfahren Sie mehr über den Pictet-Global Emerging Debt Fonds und den Pictet-Emerging Local Currency Debt Fonds.

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Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Telefon: 069-79 5009 24
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Active managers delivered rather poor results in May

Active managers delivered rather poor results in May. Only 48% of Europe managers, 45% of emerging market managers and 43% of US managers outperformed their benchmarks on a net basis.

Small-caps strongly underperformed the market in May. As many of the active funds have an overweight exposure in this market cap area, the underperformance can be partly attached to this factor. In addition to that, the overall sector allocation also contributed negatively. Sectors like utilities and telecom performed very well and the majority of the active managers do not have a significant exposure to these sectors. Growth outperformed value and most managers in the universe have a growth rather than a value approach; the majority of the funds, however, was not able to profit significantly from this aspect.

Please find the full ifund research news for June 2017 with charts and a summary of manager meetings attached on the left.

Katars Exporte dürften kaum von Golf-Sanktionen betroffen werden

von Leo Hu, Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen in Hartwährung bei NN Investment Partners:

Die Golfstaaten beschuldigen Katar, eine Politik zu verfolgen, die die Region destabilisiert. Dazu zählt die Unterstützung der regionalen Jihadisten-Gruppen und des Iran. Katar leugnet diese Beschuldigungen. Das Ereignis kam überraschend und die Sanktionen gehen weit über die diplomatische Ebene hinaus. Zu den Sanktionen zählen vor allem die Schließung der Landesgrenze zwischen Saudi-Arabien und Katar, die Aussetzung aller Flüge zwischen Katar und seinen Golf-Nachbarstaaten, die Schließung der Lufträume der Golf-Nachbarstaaten für Katars nationale Fluggesellschaft Qatar Airways und die Ausweisung aller Kataris aus den Golf-Nachbarstaaten innerhalb von 14 Tagen. Zudem hat Saudi-Arabiens Zentralbank den Banken im Königreich nahegelegt, nicht mit katarischen Banken in katarischen Riyal zu handeln. Es ist unklar, was Katar tun muss, damit diese Sanktionen wieder aufgehoben werden und es ist deshalb schwer einzuschätzen, wie lange diese Sanktionen andauern werden.

Katars Wirtschaft dürfte auf unterschiedliche Weise beeinflusst werden

Das Wirtschaftswachstum wird sich vermutlich aufgrund eines nachlassenden regionalen Handels und eines schwindenden Anlegervertrauens abschwächen. Das Reiseverbot für den Landweg könnte zu erheblichen Verknappungen und einem Preisanstieg von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Produkten führen. Zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität wird die Regierung von Katar sehr wahrscheinlich Subventionen gewähren, um den inländischen Druck abzuschwächen. Darüber hinaus könnte die Auferlegung eines Luftreiseverbots erhebliche Auswirkungen auf die Profitabilität von Qatar Airways haben, was durch die Regierung abgefangen werden könnte und somit zu einem steigenden Finanzierungsbedarf auf staatlicher Seite führen könnte. Es gibt zudem Risiken hinsichtlich der Kapitalflüsse in die Wirtschaft, auch bezüglich ausländischer Investitionen. Wenn die Abflüsse sich erhöhen, müsste die Regierung von ihren Auslandsreserven und dem Staatsfonds Gebrauch machen, was wiederum den externen Puffer für die Wirtschaft verkleinern würde. Das Bankensystem sieht sich größeren Herausforderungen gegenüber: Katars Bankensektor wurde bereits durch den Ölpreisrückgang und den starken Anstieg der Auslandsverbindlichkeiten im System (schätzungsweise auf 105 Mrd. US-Dollar) beeinträchtigt. Die Sanktionen dürften die Situation verschärfen und die Finanzierung der externen Verbindlichkeiten möglicherweise erschweren und verteuern.

Dennoch dürften Auswirkungen der Sanktionen begrenzt sein

Wenn wir die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes näher betrachten, dürften die Sanktionen gegen Katar unserer Ansicht nach aus mehreren Gründen nur begrenzte Auswirkungen haben. So machen die Sanktionsstaaten nur rund 10 Prozent der Gesamtexporte und 15 Prozent der gesamten Importe Katars aus. Zudem kann Katar auf große finanzielle Ressourcen zurückgreifen. Katars Staatsfonds QIA hatte Ende 2016 ein geschätztes Volumen von 335 Mrd. US-Dollar. Das entspricht 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die schwierige Situation zwischen Katar und seinen Nachbarstaaten ist eine Bedrohung für den Handel und für die Wachstumsaussichten außerhalb des Öl- und Gassektors. Allerdings machen gerade Öl und Gas 90 Prozent der Staatseinnahmen und 85 Prozent der Exportgewinne aus. Sie werden vermutlich nicht beeinträchtigt werden, da die Öl- und Gaslieferungen über internationale Gewässer verschifft werden und die Endkunden hauptsächlich in Asien ansässig sind. Katar besitzt die drittgrößten nachgewiesenen Erdgasreserven der Welt und ist der größte Exporteur von flüssigem Erdgas. Es wird erwartet, dass Katars Reserven noch für mehrere Jahrzehnte eine Förderung auf derzeitigem Niveau erlauben.

Weitere Risiken

Es gibt jedoch ernsthafte Risiken, die den Ausblick noch deutlich beeinträchtigen können, vor allem wenn die Sanktionen über einen längeren Zeitraum andauern. Zudem könnte der Vorfall eskalieren, und Katar wird zu einem langfristigen stellvertretenden Kriegsschauplatz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Ein weiteres Risiko ist eine Invasion durch eine von Saudi-Arabien angeführte Allianz zur Besetzung von Katar. Das könnte dazu führen, dass es keine Regierung mehr gibt, die die Staatsschulden anerkennt und entsprechende Anleihen bedient.

Italienisches Bankensystem weiterhin auf schwachen Füßen

von Alberto Chiandetti, Fondsmanager des Fidelity Italy Fund, kommentiert den Bankenmarkt in Italien.

Noch immer hat sich das italienische Bankensystem von den diversen Krisen nicht völlig erholt. Der riesige Berg notleidender Kredite erreichte Ende 2015 mit einem Anteil von 24 Prozent am Brutto-Kreditvolumen den Höchststand. Zwar scheint das Schlimmste überstanden. Denn mit der langsamen, aber kontinuierlichen Konjunkturerholung kam der stetige Strom neuer fauler Kredite zum Erliegen. Aber im System müssen nach wie vor hohe Altlasten abgebaut werden, bevor Italiens Banken im großen Stil neue Kredite vergeben können.

Als größtes Versäumnis erweist sich nun, dass Italien auf die Schaffung einer Bad Bank verzichtete. Anfang 2017 verstaatlichte die italienische Regierung zwar weitgehend die größte börsennotierte Bank des Landes, Monte dei Paschi, und verringerte damit das systemische Risiko. Aber die Probleme der beiden mittelgroßen Regionalbanken Veneto und Vicenza sind weiter ungelöst und sorgen immer wieder für Verunsicherung. Eine Lösung unter Einbeziehung der Anleiheinhaber und/oder Sparer bei den beiden Banken würde neuerliche Ängste vor einer Kapitalflucht aus den schwächeren börsennotierten Sparkassen („Popolari banks“)und einigen kleineren nicht gelisteten Banken schüren. Letztere haben einen Anteil am ausgereichten Kreditvolumen von 30 Prozent.

Zugleich deuten die jüngsten von italienischen Banken veröffentlichten Zahlen auf eine gewisse Entspannung der Lage hin. So ist die Deckungsquote für notleidende Kredite auf 51 Prozent gestiegen und die Masse dieser Kredite ist ohne Berücksichtigung einiger technischer Effekte erneut deutlich geschrumpft. Außerdem hat die Nettozinsmarge offenbar die Talsohle durchschritten, während die Banken den Anteil der Gebühren am Gewinn dank stabilerer Einnahmequellen weiter steigern konnten.

Zersplittertes Bankensystem steht höherer Profitabilität entgegen – Konsolidierung erwartet

Verschärft wurde die Euro-Krise 2011 nicht zuletzt durch die unerfreuliche Wechselbeziehung zwischen Staatsanleiherenditen und dem Bankensektor. Als die Renditen im Verlauf der Krise in die Höhe schossen, schmolzen die Gewinne jener Banken, in deren Büchern sich umfangreiche Bestände an italienischen Staatsanleihen angehäuft hatten. Ihre Eigenkapitalposition verschlechterte sich zusehends. Seitdem haben beispielsweise die beiden größten Banken Unicredit und Intesa ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und einen Teil ihrer notleidenden Kredite veräußert. Dennoch steht das italienische Bankensystem weiterhin auf schwachen Füßen, unfähig, hohe Renditen zu generieren, während die von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Liquidität den Wettbewerb unter den Banken anheizt. So kommt es, dass die Kreditnachfrage zwar steigt, aber nicht ausreichend genug, um den von den niedrigen Zinsen ausgehenden Druck auf die Margen wettzumachen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bankensystem nach wie vor sehr zersplittert ist, was einer spürbaren Erholung der Profitabilität entgegensteht.

Inzwischen haben die meisten Banken ihre Kosten aggressiv gesenkt. Aber nur solche mit sauberen Bilanzen werden ihre Kreditvergabe ankurbeln und damit höhere Renditen generieren können. Nach unserer Einschätzung wird dieses Potenzial aber bei einigen Banken unterschätzt. Weniger gut bewerten wir die Aussichten für die kleineren Sparkassen ein. Nach wie vor leiden sie unter der Last ihrer notleidenden Kredite, die sie zu höheren Rückstellungen zwingt und damit ihre Gewinne schmälert.

Warum ist China von den globalen Anleihenindizes ausgeschlossen?

Der chinesische Anleihenmarkt könnte innerhalb der kommenden zwei Jahre eine größere Rolle in globalen Anleihen-Portfolios spielen. „Fast schon bizarr ist auf dem globalen Anleihenmarkt die Tatsache, dass China als drittgrößter Markt derzeit in keinem der Hauptindizes enthalten ist. Der Grund hierfür ist, dass der chinesische Inlandsanleihenmarkt noch vor einigen Jahren für ausländische Investoren geschlossen war“, erklärt Fran Rodilosso, CFA und Head of Fixed Income ETF Portfolio Management bei VanEck. Doch durch eine bewusste und nachhaltige Liberalisierung dürfte sich dies bald für chinesische Inlandsanleihen ändern: Auch auf die Indizes für Schwellenländeranleihen sowie auf die Fondsgewichtung könnte der Einfluss erheblich sein.

Der chinesische Inlandsanleihemarkt habe laut den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) (Stand: 30.09.2016) einen Marktwert von rund neun Billionen US-Dollar und sei damit der drittgrößte Markt hinter den USA (37 Billionen US-Dollar) und Japan (14 Billionen US-Dollar). Der Experte führt aus: „Erst kürzlich nahm ein Parallelindex des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index chinesische Staatsanleihen und Anleihen der drei Staatsbanken für 2,5 Billionen US-Dollar auf, was fünf Prozent des Indexes entspricht.“ Bei einer Aufnahme in den World Government Bond Index der Citigroup könnte diese Gewichtung ähnlich ausfallen. 

Welche Schritte hat China unternommen, um den lokalen Anleihenmarkt zu liberalisieren?

In den vergangenen Jahren habe China einige Schritte unternommen, um den Inlandsanleihenmarkt für ausländische Investoren zu öffnen. Das erste Zeichen setzte China 2002 mit dem Programm für Qualified Foreign Institutional Investors (QFII). Darauf folgte 2011 das RMB Qualified Foreign Institutional Investor (RQFII) Programm. „Beide Maßnahmen erlauben institutionellen Investoren mit bestimmten Qualifikationen, in den inländischen chinesischen Anleihenmarkt zu investieren. Seit 2012 können Investoren, die den Marktzugang durch diese Programme erhalten haben, Anleihen sowohl über die Börse als auch über den größeren und liquideren Interbanken-Anleihenmarkt erwerben – vorbehaltlich zusätzlicher Zustimmungserfordernisse“, so Rodilosso. 

Weitere Fortschritte seien erzielt worden, als 2016 der direkte Zugang zum Interbankenmarkt mittels eines neu eingeführten Registrierungsprozesses für ausländische institutionelle Investoren geöffnet wurde. Im folgenden Jahr hätten sie zudem die Möglichkeit bekommen, Währungsrisiken im Inlandsderivatemarkt abzusichern. Außerdem wurde erst kürzlich das „Bond Connect“-Programm gebilligt. Dieses Programm solle ausländischen Investoren ermöglichen, inländische Anleihen über eine Handelsverbindung mit Hongkong zu erwerben. 

Den chinesischen Anleihenmarkt für ausländische Investoren zu öffnen, habe für die chinesische Regierung oberste Priorität. Zudem unterstütze diese Öffnung die Internationalisierung des Renminbis und biete somit eine Alternative zu inländischen Finanzierungen. Die erwarteten Kapitalzuflüsse von langfristig orientierten, ausländischen Investoren könnten den Druck von inländischen Kapitalabflüssen ausgleichen. 

Doch was verhindert Chinas Aufnahme?

Trotz der Fortschritte in der Öffnung des Marktes bleiben einige Themen auf der Tagesordnung, die die Aufnahme Chinas in die globalen Anleihenindizes verhindert. „Insbesondere operative Hürden bleiben bestehen. Zum einen benötigen Investoren eine lokale Depotbank in China, zum anderen erweist sich der Registrierungsprozess als langwierig und mühsam“, erklärt Rodilosso. Auch der Zugang zu inländischen Absicherungsinstrumenten sollte ausgebaut werden. Ein weiteres Problem ergebe sich aus den für ausländische Investoren unklaren Steuerregeln.

Investoren und Indexanbieter benötigten vor allem eine Garantie, dass die Fortschritte, die vor allem in den letzten zwei Jahren erzielt wurden, keinen Rückschlag erleiden. Vor allem in einem angespannten Marktumfeld bestehe die Angst vor Kapitalkontrollen.

Chinas Einfluss auf Schwellenländer

Die Aufnahme in die globalen Indizes scheint unvermeidlich zu sein. Der erwartete Inflow von Schwellenländer- und globalen Anleihenfonds wird sich vermutlich zwischen 150 und 300 Milliarden US-Dollar bewegen. „Mit Blick auf Emerging-Market-Indizes könnte die vermehrte Aufnahme von chinesischen Anleihen zu Lasten kleinerer Emittenten wie Polen, Indonesien und Südafrika gehen“, folgert der Fixed Income Spezialist.

"Bislang gibt mir die aktuelle Marktbewegung noch keinen Anlass zur Sorge."

Hyun Ho Sohn, Fondsmanager des 2,3 Mrd. Euro schweren Fidelity Global Technology Fund, kommentiert die derzeitige Situation bei Tech-Werten:

„Bislang gibt mir die aktuelle Marktbewegung noch keinen Anlass zur Sorge. Amerikanische Technologiewerte hatten zuletzt eine kräftige Kursrally verbucht, allen voran Schwergewichte wie Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google (FAAMG). Insgesamt verharrt das KGV globaler Technologieaktien unter ihrem Durchschnittswert ohne Berücksichtigung der Dotcom-Blase und nur leicht über dem Vergleichswert für den Markt als Ganzes. Selbst die Bewertungen der derzeit eher teuren Titel wie beispielsweise der FAAMG-Werte erscheinen verglichen mit der Dotcom-Blase nicht übertrieben.

Bei einem Vergleich mit den Bewertungen während dieser Spekulationsblase muss auch berücksichtigt werden, wie stark sich die Branche in der Zwischenzeit verändert hat: Heute ist sie wesentlich internationaler und weniger US-zentriert. Um einiges größer ist auch die Auswahl und Vielfalt der investierbaren Technologiewerte. Und ihre vor 10 oder 20 Jahren noch gefürchtete Konjunkturanfälligkeit hat sich ebenfalls deutlich verringert. Software und damit verbundene Dienstleistungen, denen verlässliche, wiederkehrende Erträge zugutekommen, vergrößern ihren Anteil am Markt zulasten zyklischer Hersteller von Computer-Hardware und -Ausrüstung.

 

Eine Korrektur war meines Erachtens überfällig. Viele langfristige Faktoren sorgen indes für einen unverändert starken Ausblick für Technologieunternehmen. Von der Verkaufswelle wurden wahllos alle Firmen der Branche erfasst. Das wiederum schafft attraktive Chancen für Stockpicker, wenn etwa Qualitätswerte aus dem Softwarebereich weiter an Boden verlieren sollten.

 

 

Ich habe das Portfolio bereits Ende 2016 etwas defensiver ausgerichtet. Dabei lege ich einen noch höheren Fokus auf Unternehmen mit einer grundsoliden Bilanz, hohen Cash-Flows sowie stabilen Gewinnen und attraktiven Bewertungen. So verfügt die Software-Industrie über strukturelle Treiber, die für ein langfristiges Gewinnwachstum sprechen. Die Entwicklung smarter Fabriken – als Industrie 4.0 bekannt – führt dazu, dass stärker in Software investiert wird. Auch Internetwerte sind auf langfristige Sicht vielversprechend. Und obwohl US-Internetwerte derzeit relativ teuer erscheinen, finden sich in Asien gute Werte. Derzeit reduziere ich den noch immer sehr hohen Anteil bei den Halbleiter-Werten. Diese haben sich im letzten Jahr, aufgrund der M&A- und Investoren-Euphorie bei Themen wie Künstliche Intelligenz oder Autonomes Fahren, sehr gut entwickelt. Dennoch agiere ich hier derzeit vorsichtiger, da sich die M&A-Möglichkeiten reduziert haben.“

Zuflüsse in ETPs für Cybersicherheit beschleunigen sich

Die Zuflüsse in Cybersicherheit-ETPs nehmen nach den globalen Ransomware-Angriffen vor vier Wochen Fahrt auf. Anleger steigen nach dem Schock der britischen Parlamentswahlen in Short-GBP-ETPs ein. Zugleich nehmen sie bei Gold-ETPs Gewinne mit, da Gold in der letzten Woche bei über 1.290 USD/oz. ein Hoch ausbildete. Wegen neuerlicher Preisschwächen kam es zu Zuflüssen bei Rohöl-ETPs und zu Abflüssen bei Industriemetall-ETPs, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten Abflüsse aufgrund von Gewinn­mitnahmen – trotz der politischen Instabilität in Großbritannien. In der vergangenen Woche erreichte der Goldpreis zunächst bei über 1.290 USD/oz. ein zweitägiges Hoch, da der US-Dollar vor der Aussage des früheren FBI-Direktors Comey unter Druck geriet und Spannungen im Nahen Osten belasteten. Am Donnerstag ließ der Druck auf den Goldpreis überraschenderweise nach, obwohl sich EZB-Präsident Draghi nicht äußerte, wie und wann die quantitative Geldpolitik auslaufen werde. Auch die nach den Parlamentswahlen erhöhte Instabilität der britischen Politik machte sich nicht bemerkbar. „Beides würde normalerweise den Goldpreis stützen und für Goldkäufe sorgen. Trotzdem kam es bei Gold-ETPs (A0LP78) am Freitag erneut zu Abflüssen, die sich auf die Woche gerechnet insgesamt auf 59,6 Mio. USD ausdehnten,“ so Jan Hendrik-Hein, Director – Head of German Speaking Regions, ETF Securities.

Anleger steigen in Short-GBP-ETPs ein, da die Unsicherheit rund um die Brexit-Verhandlungen wieder auflebt. Die Premierministerin verlor ihre Mehrheit im Parlament, und die Gewissheit über den angeblich leichten Sieg wich einer tiefen Enttäuschung. „Dass 7,4 Mio. USD in Short-GBP-ETPs flossen, zeigt, dass die Anleger kurzfristig mit einer weiteren Abwertung des Pfund vor allem gegenüber dem US-Dollar rechnen. Wir meinen jedoch, dass ein weicherer Brexit dem Pfund auf längere Sicht zugutekommen dürfte“, so Hein.

Die starken Zuflüsse in Cybersicherheits-ETPs (A14ZT8) und Robotik-ETPS (A12GJD) bleiben stabil. Bei Cybersicherheits-ETPs (A14ZT8) kam es mit 36,5 Mio. USD sogar zu den höchsten wöchentlichen Zuflüssen seit Auflegung. „Seit dem massiven Cyberangriff am 12. Mai, der fast 100 Länder traf, verzeichnen Cybersicherheits-ETPs in jeder Woche zweistellige Zuflüsse (in Mio. USD). Sie betragen inzwischen 81 Mio. USD. In Robotik-ETPs flossen in der letzten Woche 8,9 Mio. USD“, ergänzt Hein.

Die Zuflüsse in Rohöl-ETPs (A1N49P) haben mit der Blockade von Katar wenig zu tun. Dass in der letzten Woche fast 42 Mio. USD in Rohöl-ETPs flossen, war dem weiteren Abrutschen des Rohölpreises zu verdanken. Long-WTI-ETPs (A0KRJX) nahmen mit 38,3 Mio. USD den Großanteil der Mittel auf, als sich WTI 45 USD/Barrel näherte. In Long-Brent-ETPs (A1N49P) flossen 12,6 Mio. USD. Die Blockade Saudi-Arabiens und drei weiterer arabischer Länder hatte keinen Einfluss, da Katar nur ein sehr kleiner Rohölproduzent ist. „Andererseits nahmen die US-Lagerbestände in der vergangenen Woche entgegen den Markterwartungen zum ersten Mal seit Ende März 2017 wieder zu, und zwar um 3,3 Mio. Barrel“, so Hein.

Industriemetall-ETPs (A0SVX7) verzeichneten nach der Herabstufung des Kreditratings Chinas und der Verlangsamung des chinesischen Metall­verbrauchs erneut Abflüsse. Abgesehen von Moody’s Herabstufung der Schuldtitel vor drei Wochen war für die Abflüsse vor allem der chinesische Metallverbrauch verantwortlich, der laut World Bureau of Metal Statistics zum ersten Mal seit Juli 2016 von Januar bis März 2017 wieder fiel. „Das Anlageargument für Industriemetalle bleibt jedoch intakt, da sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert und das interne Angebotsdefizit unverändert bleibt“, sagt Hein.

Klimaschutz-Anleihen sind weiter stark im Kommen

Der Raiffeisen-GreenBonds: „grüne Anleihen“ besonders nachhaltiger Emittenten

„Green Bonds“ dienen speziell zur Finanzierung von Klima- und Umweltschutzprojekten, und sie verzeichnen weiterhin ein starkes Wachstum. Binnen neun Jahren stieg das Emissionsvolumen von faktisch null auf über 80 Mrd. € im Jahr 2016. Selbst China, einer der Haupt-Umweltsünder der letzten Jahrzehnte, ändert den Kurs und setzt neue Prioritäten: „Make our sky blue again“, lautet Pekings neue Devise. Green Bonds bieten gegenüber herkömmlichen Anleihen neben den Zinskupons einen zusätzlichen Nutzen: Das Mitfinanzieren einer lebenswerten Umwelt ist eine Art „Zusatzdividende“, sowohl für die Investoren als auch für den gesamten Planeten.

  • Investments in den Raiffeisen-GreenBonds können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten
  • Besonders strikte Nachhaltigkeitskriterien und hohe fundamentale Emittenten-Qualität (Ø-Rating akt. AA , S&P)
  • Weithin anerkannte Nachhaltigkeitsexpertise vereint mit langjährig nachgewiesener Rentenkompetenz
  • Fokus liegt auf Investmentgrade-Anleihen – Fremdwährungsrisiken werden abgesichert

Green Bonds - gezieltes Klimaschutz-Investment mit starkem Marktwachstum

Green Bonds sind Anleihen, mit denen Umwelt- und Sozialprojekte finanziert werden, z. B. erneuerbare Energie, sauberes Wasser, energie-effizientere Gebäude etc. Diese Anleihen werden zunehmend auch von Unternehmen und Geschäftsbanken begeben, nicht mehr nur von öffentlichen Institutionen. Heuer dürften erstmals über 100 Mrd. Euro neu emittiert werden. Bei Verzinsung, Performance und Bewertung unterscheiden sich Green Bonds bislang faktisch nicht von herkömmlichen Anleihen derselben Emittenten. Investoren können damit gegenwärtig ohne Renditenachteile einen Beitrag zum Klimaschutz und zu nachhaltigem Wirtschaften leisten. In einigen Ländern, etwa in Frankreich, wird auch mit gesetzgeberischen Maßnahmen verstärkt darauf hingewirkt, dass beispielsweise Pensionskassen vor allem – und in weiterer Folge vielleicht ausschließlich - nachhaltige Kapitalanlagen tätigen.

Verbindliche Standards sorgen für tatsächlich „grüne“ Anleihen

Damit Investoren sicher sein können, dass Green Bonds nicht nur äußerlich „grün“ sind, sondern tatsächlich dem Klima- und Umweltschutz dienen, wurden die „Green-Bond-Principles“ entwickelt. Sie wurden von den großen Emissionshäusern 2014 als gemeinsamer Standard für diese Anleihen definiert und seither präzisiert und ausgebaut. Sie legen die Mittelverwendung fest und schlagen ein nachvollziehbares Reporting an die Investoren vor. Zur Sicherstellung des Klimaschutzaspektes empfiehlt das Rahmenwerk, jede Green-Bond-Emission zusätzlich durch eine unabhängige dritte Partei zu begleiten, welche ihre Ergebnisse dann öffentlich zugänglich macht. Das Vorliegen einer solchen „zweiten Meinung“ gehört bei den Anleihe-Investitionen des Raiffeisen-GreenBonds faktisch bereits zum Standard.

Raiffeisen-GreenBonds: besonders strikte Nachhaltigkeitskriterien und hohe Qualität der Emittenten

Auch in anderer Hinsicht setzt der Fonds der Raiffeisen KAG Maßstäbe. Denn im Raiffeisen-GreenBonds wird nicht nur sehr genau auf die konkreten Projekte hinter den einzelnen Green Bonds geschaut, sondern auch auf die Emittenten. Diese müssen Kriterien nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen, was mittels des sogenannten ESG-Scores1 gemessen wird.

Hinzu kommen bestimmte Ausschlusskriterien. Beispielsweise sind Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Korruption, Atomenergie oder Nuklearwaffen mit dem Nachhaltigkeitsgedanken unvereinbar. Mit diesen zusätzlichen Kriterien geht der Fonds deutlich über das hinaus, was derzeit als Bedingung für die Aufnahme in den BAML Green Bond Index2 vorgeschrieben ist. Aufgrund dieser verschärften Kriterien werden rund 25 % der aktuell im Index enthaltenen Anleihen nicht berücksichtigt. Das verbleibende Investmentuniversum ist aber ausreichend groß, liquide und vielfältig.

Interessanterweise fallen gegenwärtig dabei vor allem etwas bonitätsschwächere Emittenten heraus. Da sich diese Anleihen zuletzt leicht überdurchschnittlich entwickelten, kostet das im aktuellen Umfeld zwar geringfügig an Performance.3 Es könnte sich aber bei einer Eintrübung der Konjunktur oder einer Verschlechterung des Risikosentiments als zusätzlicher Vorteil erweisen.

Eine weitere Besonderheit beim Raiffeisen-GreenBonds: Das Nachhaltigkeitsteam steht in kontinuierlichem Dialog mit Green-Bond-Emittenten und Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Damit gibt es eine beiderseitig nutzbringende Feedback-Schleife. Der Fonds trägt das FNG-Nachhaltigkeitssiegel4 mit den maximal möglichen drei Sternen.

Nachhaltiges Investieren - eine Kernkompetenz von Raiffeisen Capital Management5

Die Raiffeisen KAG hat nachhaltiges Investieren zielstrebig zu einer ihrer Kernkompetenzen auf- und ausgebaut. Sie hat sich verbindlich den Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) angeschlossen. An der Spitze des Nachhaltigkeitsteams steht mit Mag. Wolfgang Pinner einer der renommiertesten Spezialisten Österreichs auf diesem Gebiet.

Im Raiffeisen-GreenBonds wird diese Nachhaltigkeitskompetenz mit der seit Jahrzehnten nachgewiesenen Expertise im erfolgreichen Managen von Rentenprodukten vereint. Ein mehrstufiger, intensiver Investmentprozess sorgt für eine möglichst optimale Auswahl aus dem verfügbaren Angebot an Green Bonds, sowohl unter Nachhaltigkeitsaspekten als auch bezüglich der Anleihequalität. Die Fondsinvestments erfolgen grundsätzlich im Investmentgrade-Bereich; Sub- Investmentgrade-Anleihen sind auf maximal 10 % Portfolioanteil begrenzt.

Weitere Informationen finden Sie links im PDF.

Quellen
1) ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
2) BAML steht für Bank of America - Merrill Lynch
3) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Sie sind keine Prognose für die künftige Entwicklung der Finanzmärkte oder für den Raiffeisen-GreenBonds.
4) Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ist der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.
5) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH oder kurz Raiffeisen KAG.

Wahlen in Großbritannien – Muss Theresa May vor dem Brexit zurücktreten?

von Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege.

Das schlechte Abschneiden der konservativen Partei von Premierministerin Theresa May bei der britischen Parlamentswahl zieht ihre «starke und stabile» Führung in Zweifel. Das Ergebnis schwächt die Position Großbritanniens bei den wichtigen Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union. Außerdem bedeutet es nichts Gutes für die Zukunft von Theresa May an der Spitze der Konservativen – und des Landes.

Am 18. April kündigte Theresa May trotz vorangegangener gegenteiliger Erklärungen vorgezogene Neuwahlen an. Als Rechtfertigung gab sie an, sie benötige vor den schwierigen Brexit-Verhandlungen ein klares Regierungsmandat. Doch ihre Rechnung ging nicht auf. Die konservative Partei verfehlte die Mehrheit im britischen Parlament. Nun ist sie auf einen Koalitionspartner angewiesen oder muss als Minderheitsregierung antreten. Die Konservativen unter Premierministerin Theresa May verloren 11 Sitze, während Labour unter Jeremy Corbyn 29 Sitze gewann.

Ein möglicher Koalitionspartner wäre die Democratic Unionist Party (DUP), die führende Partei in Nordirland. Zusammen hätten beide Parteien 329 Sitze, drei Sitze mehr als die absolute Mehrheit. Da die meisten Wahlkreise in Nordirland 2016 im Brexit-Referendum für einen Verbleib in der EU stimmten und angesichts der engen Verbindungen zwischen Nordirland und der Republik Irland wird die DUP im Gegenzug für ihre Unterstützung einen «weichen» Brexit fordern. Gleichzeitig könnten aber auch Brexit-Hardliner in der konservativen Partei ihre Muskeln spielen lassen. Folglich hat die politische Ungewissheit darüber, wie Großbritannien die Brexit-Verhandlungen handhabt, die in zehn Tagen starten sollen, zugenommen.

Forderungen nach einem Rücktritt von May

Angesichts des schlechten Abschneidens bei der Wahl stellen verschiedene führende Mitglieder der konservativen Partei bereits die Rolle von Theresa May als Parteichefin infrage. Sollte sie zurücktreten oder sollte das Kabinett umgebildet werden, dann könnte es auch im Team, das die Verhandlungen mit der EU führt, zu entscheidenden Änderungen kommen. Sollte es außerdem nicht möglich sein, eine Koalitionsregierung zu bilden, dann müssen die Konservativen mit einer Minderheit im Parlament regieren und benötigen für sämtliche neuen Gesetze die Zustimmung anderer Parteien. Dies wird sicherlich zu einem «weicheren» Brexit führen und die Verhandlungsmacht Großbritanniens schwächen.

Wolken am britischen Wirtschaftshorizont

Nachdem sich die Briten im Brexit-Referendum mehrheitlich für den EU-Austritt entschieden hatten, konnte sich die britische Wirtschaft überraschend gut behaupten. Im dritten und vierten Quartal des vergangenen Jahres wuchs die Wirtschaft um 2 bzw. 2,7 Prozent (gegenüber dem Vorquartal, annualisiert). Auftrieb erhielt die Wirtschaft vom lebhaften privaten Konsum. Einige «Brexiteers» sahen dies als Beweis dafür an, dass die britische Wirtschaft außerhalb der Europäischen Union (EU) stärker wachsen würde. Doch das BIP-Wachstum im ersten Quartal 2017 enttäuschte. Das Wachstum des privaten Konsums halbierte sich auf 1,4 Prozent. Zugleich belasteten rückläufige Nettoexporte das BIP-Wachstum. Das britische Pfund verbilligte sich zwischen dem Brexit-Referendum und November 2016 handelsgewichtet um 16 Prozent. Diese Abwertung führte zu einem Inflationsanstieg von 0,5 Prozent im Juni 2016 auf 2,7 Prozent im April 2017. Diese höhere Teuerungsrate schmälerte die Kaufkraft der Löhne und Gehälter erheblich. Im Juni 2016 hatten die Reallöhne noch um jährlich 2 Prozent zugelegt, im März2017 lag das Plus dagegen bei nur noch 0,1Prozent. Wir gehen davon aus, dass diese Konsumschwäche anhalten wird. Auch die Investitionstätigkeit könnte an Schwung verlieren, denn die schwierigen Brexit-Verhandlungen könnten das Geschäftsklima weiter verschlechtern. Ausserdem scheint das britische Pfund den Nettoexporten nicht wirklich Auftrieb zu verleihen.

Zweifel am Brexit-Plan Großbritanniens

Die Strategie der Regierung von Theresa May vor den Brexit-Verhandlungen ist nach wie vor unklar. Wir kennen nur den Zwölf-Punkte-Plan, den die Premierministerin in einer Rede im Januar vorgestellt hat. Einige Kernpunkte: (1) Die Rechte britischer Staatsbürger, die in anderen EU-Staaten leben, sowie die Rechte von EU-Bürgern, die im Vereinigten Königreich leben, sind garantiert (dies deckt sich mit der EU-Richtlinie zum Brexit). (2) Die britische Regierung strebt keine Mitgliedschaft im Binnenmarkt an (so wie Island, Liechtenstein und Norwegen, die Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes sind), sondern nur ein Freihandelsabkommen mit der EU. (3) Die Regierung will mehrere Handelsabkommen mit Ländern im Rest der Welt (außerhalb Europa) schließen. (4) Das bestehende EU-Recht («Acquis Communautaire») wird an dem Tag, an dem Großbritannien die EU verlässt, unverzüglich in britisches Recht umgewandelt. Nach dieser Wahl könnte dieser Plan jedoch überarbeitet werden.

Klar sind bisher die Richtlinien der EU für die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens. Der Rat wies den Verhandlungsführer an, zunächst den Status und die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien sowie der Briten in der EU zu klären (dies deckt sich mit dem Brexit-Plan von Premierministerin May). Dann sollten die Verhandlungen die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten Großbritanniens in der EU ermitteln und eine abschließende «Brexit-Rechnung» erstellen, denn Großbritannien hat nach wie vor finanzielle Verpflichtungen, die eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringt. Drittens will die EU sicherstellen, dass der Austritt Großbritanniens den Menschen auf beiden Seiten der Grenze zwischen Irland und Nordirland nicht schadet (auch dies steht im Einklang mit dem Brexit- Plan von Theresa May). Viertens strebt die EU Klarheit in der Frage der gerichtlichen Instanzen an, die für die Beilegung noch verbleibender Streitigkeiten zuständig sein werden. Außerdem soll auch der Europäische Gerichtshof weiterhin Bestand haben. Erst nach Klärung dieser Fragen will die EU Gespräche über zukünftige Vereinbarungen über den Handel mit Waren und Dienstleistungen aufnehmen. Verschiedene führende Politiker der größeren EU-Länder haben bereits klar gemacht, dass es keinen freien Zugang zum Dienstleistungs- und Warenmarkt gibt, wenn Großbritannien nicht die «anderen beiden Freiheiten» des EU-Binnenmarktes, die Freizügigkeit des Kapitalverkehrs und von Arbeitskräften, akzeptiert. Leider gilt der Brexit in Großbritannien im Allgemeinen als Mittel, um die Einwanderung– auch von EU- Bürgern – zu beenden.

Verschiedene britische Regierungsmitglieder haben bereits erklärt, dass die Ansichten der britischen und der EU-Delegation nicht in Einklang zu bringen sind. Großbritannien weiss, dass die Verhandlungen schwierig werden und dass weniger als zwei Jahre bleiben, um zu einer Einigung zu kommen. Daher würde es lieber mehrere Punkte gleichzeitig verhandeln und nicht jeden Punkt einzeln besprechen. Einigkeit scheint nur darin zu herrschen, dass die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland «weich» bleiben soll.

Unklare politische Lage verstärkt andere Probleme

In anderen Punkten, beispielsweise in der Frage der Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und der verbleibenden finanziellen Verpflichtungen des Landes, weichen die Meinungen erheblich voneinander ab. Verschiedenen Studien zufolge könnte auf Großbritannien eine «Brexit-Rechnung» von 25 bis 75 Milliarden Euro zukommen (wobei die EU darauf besteht, dass der Betrag in Euro zu zahlen ist, was darauf hindeuten könnte, wer nach ihrer Ansicht in der stärkeren Position ist). Ein weiteres mögliches Problem für Großbritannien könnte die Verlagerung von Arbeitsplätzen sein, insbesondere im Bankensektor. Laut Zeitungsberichten könnten Banken mehr als 12.000 Stellen aus London abziehen. Alles in allem werden die «Brexit-Rechnung», der Verlust von Arbeitsplätzen und die politischen Schwierigkeiten nach den vorgezogenen Neuwahlen der britischen Wirtschaft einen eher schmerzlichen Brexit bescheren. Das Mantra von Theresa May, dass kein Deal besser als ein schlechter Deal sei, hat ohnehin nie ganz verfangen, denn Großbritannien hängt wirtschaftlich viel stärker von der EU ab als umgekehrt und Handelsbarrieren würden die Wirtschaftsentwicklung in Großbritannien ganz klar bremsen.

Verzweifelte Suche nach Verhandlungsführern

Unserer Ansicht nach unterschätzen die Brexit- Befürworter, wie schwierig es sein wird, Handelsabkommen sowohl mit Europa als auch dem Rest der Welt zu schließen. Man darf nicht vergessen, dass nach dem Brexit alle Handelsabkommen, die unter dem Dach der EU geschlossen wurden, für Großbritannien nicht mehr gelten – und die Rede ist hier von Vereinbarungen mit knapp 50 Ländern. Ein weiteres unerwartetes Problem für Großbritannien ist der Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskräften. Wie verzweifelt die Regierung nach Handelsexperten sucht, sieht man auf einer Website mit Stellenanzeigen: Das Gehalt, das hochrangigen internationalen Verhandlungsführern in Handelsfragen geboten wird, liegt über dem der Premierministerin.

Wir sind nicht direkt in Großbritannien engagiert

Wir haben keine direkten, expliziten Positionen in britischen Vermögenswerten. Es stimmt, das britische Pfund ist gemessen an der Kaufkraftparität gegenüber dem Schweizer Franken, dem US-Dollar und dem Euro unterbewertet. Doch unseres Erachtens rechtfertigt die politische Unsicherheit hinsichtlich der Brexit- Verhandlungen einen gewissen Abschlag auf die britische Währung. Außerdem hat die britische Wirtschaft ein Wettbewerbsproblem, denn obwohl das britische Pfund seit 2015 stark an Wert verloren hat, konnte die Wirtschaft das Leistungsbilanzdefizit nicht verringern.

Fundamentalwerte lösen allmählich Geldpolitik als primäre Markttreiber ab

Weil die Voraussetzungen für eine deutliche Abkehr von der expansiven Geldpolitik nach der Finanzkrise allmählich gegeben sind, können die Fundamentaldaten nach Meinung von Adrian Owens, Investment Director bei GAM, wieder zum primären Treiber von Kursbewegungen werden. Owens hält die Bewertungen in der Eurozone und in anderen Ländern in vielen Fällen mittlerweile für extrem teuer. Zahlreiche Märkte würden noch immer eine Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik vorwegnehmen. Wie es scheine, habe dies einige sehr attraktive und asymmetrische Anlagechancen geschaffen, insbesondere für diskretionäre Makrostrategien.

Die globale Finanzkrise sei von vielen als Einschnitt betrachtet worden, der das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen würden, markieren könnte. Auch an den Finanzmärkten deute vieles daraufhin. „Die Wertpapierkurse können schon seit geraumer Zeit ihr eigenes Gleichgewicht nicht mehr finden, und die Zentralbanken haben durch ihre Manipulation der Renditekurve und das erzwungene Verharren der Zinssätze in einem Zustand des Ungleichgewichts Verzerrungen unter den Anlageklassen geschaffen“, betont Owens.

Fragwürdige Rechtfertigung

Zumindest vordergründig hätten sich viele Entscheidungen der Zentralbanker auf deren häufig einseitiges Mandat gestützt, die Inflation im Zielbereich zu halten. Während viele ihrer zielgerichteten Maßnahmen das angestrebte Ergebnis nicht hätten erreichen können, sei in anderen Bereichen eine inflationäre Entwicklung zu beobachten gewesen, insbesondere im Wohnbau und bei Finanzwerten. „Einige Zentralbanker sind anscheinend besser in der Lage, das Gesamtbild zu sehen, als andere“, betont Owens. Statt einzuräumen, dass die Höhe der Zinssätze möglicherweise nicht richtig ist, versuchten die geldpolitischen Entscheidungsträger, die Symptome zu bekämpfen statt der Ursachen.

„In ähnlicher Weise konzentrierten sich die vorausschauenden Zielsetzungen auf die Arbeitslosenquoten, und die Zielvorgaben wurden ständig verändert“, befindet der Experte. Vor zwei Jahren etwa habe die beste Schätzung der US-Notenbank für die Vollbeschäftigung zwischen 5,2 % und 5,6 % gelegen. Als die Arbeitslosigkeit jedoch weiter abwärts tendiert habe, während kaum Anzeichen für einen Lohndruck zu erkennen gewesen wären, seien diese Schätzungen kontinuierlich gesenkt worden. Owens kommentiert: „Wir haben ein gewisses Verständnis für das Argument, dass die Vollbeschäftigung nicht beobachtbar ist. Wenn wir aber warten, bis das Lohnwachstum deutlich anzieht, ist es unweigerlich zu spät, die Zinssätze auf eine behutsame Weise anzuheben, die den Konjunkturzyklus verlängert.“

Weil die Konjunkturerholung immer deutlicher zutage trete, hätten die Anleger angefangen, sich entsprechend vorzubereiten. „In vielen Fällen haben sie ihr Zinsengagement reduziert und damit begonnen, ihre Anlagen anzupassen, sodass diese eine Welt widerspiegeln, in der das Deflationsrisiko abgenommen hat“, erklärt Owens. Immer wieder jedoch hätten sich die Zentralbanken so verhalten, als wäre eine Deflation nach wie vor die größte Gefahr, die immer noch Notmaßnahmen erfordere. Infolge dieser Maßnahmen befänden sich die ursprünglich auf eine Zurücknahme der expansiven Geldpolitik eingestellten Anleger häufig auf der falschen Seite der Marktbewegungen. Die Märkte würden folglich nicht von der Verbesserung der Konjunkturdaten angetrieben. 

Erreichen des Wendepunkts

Von einer langfristigen Deflation sei in letzter Zeit kaum mehr die Rede. Vielmehr deute immer mehr darauf hin, dass der Konjunkturzyklus andauere. Die geldpolitischen Entscheidungsträger, die Owens zufolge selten am schnellsten reagieren würden, wenn es darum gehe, den Geldhahn zuzudrehen, seien ebenfalls aufmerksam geworden. Sie räumten zunehmend ein, dass die Kosten der gegenwärtigen Geldpolitik allmählich die Vorteile überwiegen würden: „In den USA und den meisten Ländern Europas liegt das Wachstum jetzt über dem Trend, und die Inflation hat das Ziel erreicht oder ist kurz davor. Ein zusätzlicher Bonus sei das offenbar synchronisierte Wachstum in den größeren Regionen.“

Die Verbesserung der Fundamentaldaten könne nur begrenzte Zeit fortdauern, bevor selbst die moderatesten Zentralbankvertreter reagieren müssten. Diese Verbesserungen seien bereits seit zwei Jahren zu beobachten. Jedoch hätten die immer negativeren Zinssätze – in der Eurozone und in anderen Ländern – die Märkte davon abgehalten, ein Gleichgewicht zu finden, so Adrian Owens.

Über GAM
GAM ist eine der führenden unabhängigen, reinen Vermögensverwaltungsgruppen der Welt. Sie bietet aktive Anlagelösungen und  produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft der Gruppe wird durch eine Private Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte anbietet. GAM beschäftigt etwa 1.000 Mitarbeitende in 13 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hong Kong, New York, Lugano und Mailand. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.

Versicherer profitieren vom autonomen Fahren

Mit autonom gelenkten Fahrzeugen werden klassische Kfz-Versicherungen auf lange Sicht überflüssig. Der Mensch als wichtigste Ursache von Unfällen fällt weg. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Fidelity rechnet damit, dass Kfz-Versicherungen für Anbieter mittelfristig zunächst sogar profitabler werden. Langfristig werden Versicherungen ihre Geschäftsmodelle jedoch grundlegend überdenken müssen.

„Autonome Autos beherrschen den Straßenverkehr der Zukunft. Wir werden uns daran gewöhnen, dass der Automatisierungsgrad Schritt für Schritt zunimmt, bis der Computer das Auto am Ende eigenständig steuert. Der Mensch fällt damit als Unfallverursacher weg. Diese Entwicklung verändert das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen tiefgreifend“, so Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International. 

Im Zuge verbesserter Sicherheitssysteme wird die Zahl der Unfälle durch unachtsames Fahren in den kommenden Jahren zurückgehen. Dafür steigt die Schadenssumme je Unfall. Der Grund: Moderne Sicherheitssysteme sind teuer und entsprechend hoch sind die Reparaturkosten. Eine bessere Sicherheitstechnik bewirkt zudem, dass Unfallopfer glücklicherweise häufiger überleben. Versicherungen müssen allerdings mehr für Behandlungen und Rechtsstreitigkeiten, auch gegenüber Herstellern, einkalkulieren.

Die Ausgaben der Versicherungen steigen bis 2035

Diese Kombination aus weniger Unfällen, aber höheren Kosten pro Unfall wird die Profitmargen der Autoversicherer zunächst belasten. Nach einer Prognose von Fidelity werden die Kosten für Schäden 2035 ihren Höhepunkt erreichen. Danach ebbt dieser Effekt jedoch ab, weil die Zahl der Unfälle durch die bessere Sicherheitstechnik so stark sinkt, dass sich die Kosten für Schäden insgesamt verringern und Sicherheitssysteme bis dahin außerdem günstiger zu reparieren sind. 

„Wir rechnen in dieser Phase sogar mit steigenden Profiten der Kfz-Versicherer. Denn sie reagieren auf höhere Aufwendungen mit steigenden Prämien. Weil sich diese an den Kosten in der Vergangenheit orientieren, bleiben sie hoch“, sagt Carsten Roemheld.

In Märkten, in denen der Vertrieb von Versicherungen vor allem über Makler erfolgt, können Versicherungen hohe Profitraten länger aufrechterhalten. Dazu zählt auch Deutschland. Hier dominieren ähnlich wie in der Slowakei, Italien, Türkei und Slowenien die Makler das Versicherungsgeschäft. Damit herrscht weniger Wettbewerb als in Ländern wie Großbritannien und den Benelux-Staaten, wo der Kfz-Versicherungsmarkt durch den Direktvertrieb dominiert wird. 

2035 läutet das Ende der klassischen Kfz-Versicherung ein

Nach Untersuchungen von Fidelity wird der Markt für Kfz-Versicherungen nach 2035 allmählich schrumpfen. Die Umsätze geben nach. Das ist zunächst vor allem ein Problem für kleinere Versicherer, die ihre Fixkosten dann nicht mehr decken können und als erste aus dem Markt ausscheiden – zugunsten großer Anbieter. Für Fidelity steht fest: Das Kfz-Versicherungsgeschäft wird sich ändern, aber nicht überflüssig werden. Denn auch das autonome Fahren birgt Risiken. Nur ist es dann weniger der Mensch, der Unfälle verursacht, sondern die Technik. Die Hersteller werden mehr Verantwortung für Unfälle übernehmen müssen und beispielsweise für Sensor-Fehler oder Software-Pannen haften. Einige Anbieter haben schon begonnen, Garantien für ihre autonomen Fahrzeuge abzugeben. Versicherer könnten sich hier ein neues Geschäftsmodell erschließen, indem sie entsprechenden Versicherungsschutz anbieten. Wenn Automobilhersteller ihre Produkthaftung auf Versicherungen übertragen, werden sie nach unserer Einschätzung Anbieter bevorzugen, die weltweit präsent sind.

Ein lukratives Geschäftsfeld sind auch Policen, die vor Cyberangriffen schützen. Denn ein autonomes Fahrzeug, das mit anderen Autos und der Umwelt kommuniziert, kann immer Opfer von Hackern werden. Allerdings tun sich die Versicherer derzeit noch schwer, Risiken und mögliche Schäden einzupreisen.

Autonome Fahrzeuge verändern die Geschäftsmodelle der Versicherungen. Doch Fidelity-Analysen zeigen, dass innovative Versicherungen den Wandel am besten bewältigen. 

„Nur wer Ideen für passende Dienstleistungen entwickelt, kann sich im Wettbewerb behaupten. Das autonome Fahren schafft in jedem Fall kreative Investmentchancen auf dem Versicherungsmarkt. Das sollten Anleger in den kommenden Jahren im Blick behalten“, argumentiert Carsten Roemheld.

Über Fidelity
Fidelity International ist eine unabhängige Fondsgesellschaft in Privatbesitz, die Investmentfonds, Anlage- und Altersvorsorgelösungen sowie damit verbundene Services anbietet. Das Unternehmen verwaltet 274,5 Milliarden Euro (Assets under Management) für Anleger in Europa, Asien, Australien und Südamerika. Zu den Kunden von Fidelity gehören Privatanleger, Finanzberater, Vermögensverwalter, Family Offices, Banken, Versicherungen, Altersvorsorgeeinrichtungen, Unternehmen und Staatsfonds. Neben hauseigenen Fonds können Anleger in einigen Ländern auf Fondsplattformen von Fidelity auch Anlageprodukte anderer Anbieter erwerben und verwahren. Diese Assets under Administration betragen 83,1 Milliarden Euro.

Konjunktur belastet Aktienmärkte

von Dr. Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Asset Managers BANTLEON.

Monatelang brummte die Weltwirtschaft auf allen Zylindern, viele Stimmungsindikatoren haben mehrjährige Höchststände erreicht. Entsprechend kletterten die Aktienindizes scheinbar unaufhaltsam neuen historischen Rekordmarken entgegen. Inzwischen warnen jedoch immer mehr prominente Marktteilnehmer wegen der teilweise extrem hohen Bewertungen vor einem Crash oder zumindest zweistelligen Kursrückgängen. Ist die Sorge vor tauchenden Aktienmärkten gerechtfertigt?

Ja, nur mit den hohen Bewertungen hat das wenig zu tun. Haben sich doch die Aktienkurse in den vergangenen Jahrzehnten stets im Einklang mit der konjunkturellen Entwicklung bewegt: Wächst die Wirtschaft solide, können auch bereits teure Aktienmärkte noch teurer werden, während in konjunkturellen Abschwungphasen billige Aktienmärkte noch billiger werden. Auch das Argument, die geringere Liquiditätszufuhr der Notenbanken werde zu einer deutlichen Korrektur bei Aktien führen, greift nicht, denn die Geldpolitik bleibt ja auf expansivem Kurs. Viel wichtiger dürfte auch in den nächsten Monaten die Entwicklung der Konjunktur sein.

Unsere weit in die Zukunft blickenden Frühindikatoren zeigen bereits seit geraumer Zeit eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik für das 2. Halbjahr an. Das betrifft sowohl die Eurozone als auch China. In beiden Regionen lassen jene Faktoren nach, die der Konjunktur neuen Schub verleihen könnten. Abzulesen ist dies an den Finanzierungskonditionen, die einen hervorragenden Frühindikator für die künftige Investitionstätigkeit der Unternehmen darstellen. Dort zeigen sich vermehrt Bremsspuren. In China wirken sich dabei die kräftig gestiegenen Zinsen sowie das schwächere Wachstum der Geldmenge negativ aus, in der Eurozone ist es neben dem Geldumlauf die Aufwertungstendenz des Euros, die den Ausblick zunehmend trübt. Derzeit ist zwar keine Rezession in Sicht, wohl aber eine deutliche Abkühlung. Dass aus dieser Wachstumsverlangsamung nichts Schlimmeres erwächst, ist der US-Wirtschaft zu verdanken, die – trotz Donald Trumps unberechenbarer Politik – in den nächsten Monaten sogar etwas stärker wachsen dürfte als im bisherigen Jahresverlauf.

Für die Finanzmärkte in der Eurozone und in China dürfte diese Entwicklung dennoch vorübergehend Ungemach bedeuten. Die beinahe gespenstische Ruhe an den Aktienmärkten wird wohl spätestens nach der Sommerpause enden. Die Gefahr einer Korrektur nimmt bei nachlassender Wachstumsdynamik zweifelsohne zu, für einen Crash dürfte der konjunkturelle Durchhänger aber nicht reichen. Mehr als 10 bis 15% Kursrückgang erwarten wir nicht. Dann würde wieder die Stunde hochqualitativer Staatsanleihen schlagen, die als sichere Häfen dienen. Deutsche Bundesanleihen dürften daher zu den Gewinnern des 2. Halbjahres zählen. Wenn neben der EZB zusätzlich normale Investoren verstärkt Bundesanleihen nachfragen, sollten die Renditen deutlich sinken, selbst eine Rückkehr unter die Nulllinie – und sogar das Erreichen neuer historischer Tiefststände unterhalb von -0,20% – ist dann alles andere als illusorisch.

Gesundheitscheck Europa: Italien könnte alle anderen Euroländer infizieren

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Bei der vorgezogenen Neuwahl zum britischen Unterhaus hat die amtierende Premierministerin Theresa May – anders als von ihr vorgesehen – die absolute Parlamentsmehrheit verloren. Durch die nun anstehenden Koalitionsverhandlungen wird der für den 19. Juni geplante Start der Brexit-Verhandlungen mit der EU voraussichtlich erneut verzögert. Auf die Kapitalmärkte hatte das Ereignis wie erwartet jedoch kaum Auswirkungen. Der Blick der Marktteilnehmer richtet sich daher zunächst wieder auf die Eurozone.

Am gestrigen Sonntag sowie am 18 Juni werden die französischen Wähler erneut zweimal hintereinander zur Urne gerufen: die Parlamentswahlen stehen auf dem Programm. Nachdem die Bewegung „La République en Marche“ sich zu einer Partei gewandelt hat, stehen die Chancen gut, dass Emmanuel Macron die für die Umsetzung seiner Pläne notwendige Parlamentsmehrheit erringen kann. Im schlechtesten Fall könnte es auch hier zu langwierigen Koalitionsverhandlungen und / oder einer geringen politischen Durchsetzungskraft des neuen französischen Präsidenten kommen. Dann würden dringend notwendige Strukturreformen nur verzögert oder deutlich abgeschwächt auf den Weg gebracht werden. Der Zusammenhalt der Eurozone würde dadurch aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Auch die auf den 24. September beziehungsweise 15. Oktober datierten Bundestagswahlen in Deutschland beziehungsweise Nationalratswahlen in Österreich haben für den gemeinsamen Währungsraum keine erhebliche politische Sprengkraft. Eigentlich wäre der Intensivpatient Europa damit also eindeutig auf dem Wege der Besserung – wäre da nicht noch Italien.

Dort finden spätestens im Frühjahr 2018 Parlamentswahlen statt. Dabei könnte die populistische und eurokritische 5-Sterne-Bewegung „Beppe Grillos“ eine Mehrheit erringen. In diesem Fall stünde voraussichtlich eine Volksabstimmung über den Verbleib Italiens im Europäischen Währungsraum auf der Agenda – mit ungewissem Ausgang. Je näher der Wahltermin rückt, umso wahrscheinlicher sind entsprechende Reaktionen der europäischen Börsen. In den Wochen unmittelbar vor dem Urnengang ist mit steigenden Risikoaufschlägen für italienische Staatsanleihen zu rechnen. An den europäischen Aktienbörsen sind weitere Kurssteigerungen vorerst unwahrscheinlich. Eher ist von seitwärts tendierenden oder leicht fallenden Kursen auszugehen. Sollte dann tatsächlich die Partei Grillos stärkste Kraft werden, sind zumindest kurzfristig heftigere Turbulenzen zu erwarten – voraussichtlich auch an den globalen Aktien-, Renten- und Währungsbörsen.

Italien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das italienische Bankensystem ist aufgrund einer Fülle an zweifelhaften Kreditforderungen angeschlagen. Zudem bestehen enge Verflechtungen Italiens zu den anderen Euro-Teilnehmerstaaten, beispielsweise über gegenseitige Unternehmensbeteiligungen oder das Europäische System der Zentralbanken. Ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone würde die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung des gesamten Währungsraums deutlich erhöhen. Italienische Unternehmen und der Staat könnten ihre Euro-Schulden im Ausland angesichts einer deutlich schwächeren neuen Währung kaum zurückzahlen. Unternehmen und Staaten der anderen Eurostaaten müssten entsprechende Abschreibungen vornehmen. Die bisher wirksame Akut-Medizin gegen die europäische Schuldenkrankheit – die ultra-expansive Geldpolitik der EZB – würde voraussichtlich nicht mehr ausreichen. Die Eurozone könnte sogar einen tödlichen Infarkt erleiden.

Dieses Szenario ließe sich am besten durch eine prophylaktische Impfung im Sinne einer dynamischen – ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen – Entwicklung Europas in den kommenden Monaten verhindern. Hier gibt es bereits positive Signale. Die europäische Konjunktur entwickelt sich weiterhin sehr robust. Diverse Frühindikatoren deuten auf eine weitere Wachstumsbelebung in 2017 und 2018 hin. Die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ mobilisiert weiterhin Tausende zu regelmäßigen proeuropäischen Kundgebungen. Auch politisch gibt es zunehmende Lebenszeichen proeuropäischer Kräfte. Nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich zeichnet sich eine enge Zusammenarbeit der französischen mit der deutschen Regierung ab. Zumeist geht es in gemeinsamen Erklärungen Macrons und Merkels auch um die Zukunft der Eurozone. Die europäische Kommission hat im März ein „Weißbuch zur Zukunft Europas“ veröffentlicht, in dem verschiedene Szenarien für die zukünftige Zusammenarbeit der europäischen Nationalstaaten dargestellt werden. Diese reichen von einer tieferen Integration über eine engere Zusammenarbeit bei ausgewählten Aspekten, z.B. dem Binnenmarkt, bis zu einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Dadurch soll bis zu den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2019 eine öffentliche Diskussion über die gewünschte zukünftige Ausgestaltung Europas angeregt werden. Die deutliche Aufwertung des Euro in den vergangenen Wochen unterstreicht den aufkommenden Euro-Optimismus.

Alle genannten Aspekte benötigen jedoch mehr Zeit, um eine stärkere positive Ausstrahlwirkung auf die europäische Bevölkerung zu erzielen. Genau hier ist das Problem: jüngst brachte der italienische Ex-Premierminister und Kandidat der italienischen Demokraten Matteo Renzi als Zeitpunkt für die anstehende Parlamentswahl bereits den Herbst 2017 ins Spiel. Auch wenn die Zeit knapp ist und es vor der Wahl noch einige administrative Regelungen vorzunehmen gilt (v.a. Verabschiedung des italienischen Haushalts für 2018 sowie die Einigung der großen italienischen Parteien auf eine Wahlrechtsreform), unterstützen derzeit alle großen italienischen Parteien einen vorzeitigen Wahltermin.

Das in der Juni-Ratssitzung noch einmal bekräftigte klare Bekenntnis der EZB, bis auf weiteres an ihrer geldpolitischen Ausrichtung festzuhalten, mag auch dem potenziellen Italien-Risiko geschuldet sein. Es ist allemal besser, den Börsen in dieser Situation die Medikation vorerst zu lassen, als vorschnell eine geldpolitische Straffung anzukündigen, die ggf. kurzfristig wieder korrigiert werden müsste.

Hoffen wir, dass die Genesung der Eurozone bis zur Italien-Wahl ausreichend ist, um die antieuropäische Attacke auf das Immunsystem zu überstehen…

Offensichtliche Sorglosigkeit der Investoren

Andreas Schiller, RBI Wien, zu etablierten Aktienmärkten:

Die internationalen Aktienmärkte präsentierten sich zuletzt eher verhalten. Die Investoren wagten sich aufgrund der zahlreichen in dieser Woche stattgefundenen Ereignisse nicht aus der Deckung. Als erster Event ist die EZB-Zinssitzung zu erwähnen, wobei diese aber wie erwartet ausgefallen ist: Der Leitzins im Euroraum bleibt weiterhin unverändert und ein verfrühtes Zurückfahren der Anleihekäufe wurde ebenfalls nicht signalisiert. Allerdings wurden die Wirtschaftsrisiken als ausgeglichen beschrieben und der erwartete Inflationspfad abgeflacht. Unterm Strich bleiben die Geldschleusen der EZB weit geöffnet und die geldpolitische Wende lässt weiter auf sich warten. Dementsprechend hielten sich auch die Kursreaktionen an den internationalen Aktienmärkten durchaus in Grenzen.

Die Anhörung des von US-Präsident Donald Trump entlassenen früheren FBI-Chefs Comey brachte keine neuen Erkenntnisse und sorgte damit auch für kein Störfeuer an den Finanzmärkten. Mit großer Spannung erwartet wurden auch die vorgezogenen Parlamentswahlen in Großbritannien. Die im Vorfeld erhobenen Umfragen haben sich nur zum Teil bewahrheitet: Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May bleibt die stärkste Kraft, allerdings hat sie die absolute Mehrheit verspielt. Nun rückt die Frage in den Vordergrund, ob die Brexit-Verhandlungen wie geplant am 19. Juni überhaupt starten können bzw. wer die Gespräche führen wird. Die europäischen Börsen reagierten mit Zugewinnen und auch beim lokalen Leitindex FTSE 100 blieben negative Reaktionen aus. Hintergrund hierfür ist, dass mit der aktuellen Situation eines „Hung Parliament“ (Unterhauses ohne klare Mehrheit) die politische Unsicherheit zwar signifikant zugenommen hat, dieser Belastungsfaktor aber durch die Abwertung des britischen Pfund und der somit potenziell positiven Auswirkungen auf den Export wieder kompensiert wird.

Aber nach der Wahl ist vor der Wahl: Am Sonntag findet die erste Runde der französischen Parlamentswahlen statt. Die Partei des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron kann einer Umfrage zufolge mit einer deutlichen absoluten Mehrheit rechnen. Seine sozialliberale Partei „La République en marche“ soll jüngsten Umfragen zur Folge auf 360 bis 390 Sitze kommen, wobei für die absolute Mehrheit 289 Mandate nötig sind. Aufgrund der souveränen Führung dürfte ein Sieg Macrons aber bereits in den Kursen eskomptiert sein, weshalb nur ein klares Verfehlen eine nachhaltige Kursreaktion nach sich ziehen dürfte.

Generell hat sich unsere Einschätzung für die weitere Entwicklung der internationalen Aktienmärkte nicht verändert. Wir bleiben mit Blick auf die Sommermonate vorsichtig gestimmt. Aufgrund der bereits starken Kursanstiege und der hohen Bewertungen sehen wir die Gefahr für eine Konsolidierung klar im Steigen begriffen. Dazu passt auch die offensichtliche Sorglosigkeit der Investoren, was sich in den historisch niedrigen Volatilitätsindizes ausdrückt. Als Auslöser könnten ein zunehmend unter Druck geratener US-Präsident, eine Verschärfung der geopolitischen Risiken (Nordkorea, Syrien, Naher Osten etc.) oder auch nur die saisonal bedingte Schwächephase in den Sommermonaten herangezogen werden. Wir bleiben bei unserer aktuellen Verkaufsempfehlung.

Den vollständigen wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research zu verschiedenen Märkten finden Sie links als PDF mit Charts.

Observations on the UK General Election

No single party has secured enough seats to form a majority government in the UK general election, countering the consensus of an outright victory for the incumbent Conservative Party. The Conservatives won the most seats, but Labour performed more strongly than anticipated as the Scottish National Party weakened. The Conservative Party may seek to form a coalition, or a minority government with the support of independent candidates.

This outcome is a blow to the Conservative leadership, given initial expectations for a landslide win. Prime Minister Theresa May surprised many in April by calling an early election, which was intended to capitalize on favourable polls to secure her party a more comfortable majority.

We await further clarity on the results, but we believe this outcome will complicate negotiations on the UK’s exit from European Union (EU). We expect a period of uncertainty that could weigh on UK assets and add to economic headwinds.

UK markets fluctuated as polling tightened ahead of the election, and we reduced some of our UK risk exposure. Looking ahead, we think:

  • Volatility in UK markets could pick up, weighing particularly on the British pound. This unexpected result will likely drive sharper depreciation in the pound, which surged when the election was called on the expectation of a Conservative landslide, and subsequently wavered in line with polls. We are underweight the currency, though we had reduced exposure ahead of the election. We also see potential pressure on UK government bonds if progress on fiscal consolidation encounters further setbacks, and we are currently positioned for UK rates to rise relative to other developed markets.
  • In the near term, political uncertainty could exacerbate economic risks. As noted in our Q2 Fixed Income Outlook, we think currency weakness and a lack of clarity on Brexit are likely to weigh on household disposable incomes and business investment decisions this year. The coming months of political reorganization could compound this effect and the implications for growth. We see opportunities in select UK large cap equities, but our exposure to the domestic UK economy is limited given the high proportion of revenue among FTSE 100 companies that comes from abroad. We are cautious on UK small cap equities, which have a more domestic orientation.
  • A 'soft Brexit' may now be more possible, but the path is less certain. Prime Minister May pledged a so-called 'hard Brexit' that would prioritize immigration control and remove Britain from the single market and customs union. Given the pro-EU stance of most potential partners, a coalition may entail compromise and a greater willingness to accept free movement of labour on the condition of retaining access to the EU single market. We believe this scenario would be supportive of growth over the longer term.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 31. Dezember 2016 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen großen Finanzplätzen der Welt. Das Unternehmen bietet institutionellen Investoren und Privatkunden auf der ganzen Welt Investmentstrategien, die sich auf eine breite Palette von Anlageklassen erstrecken. Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und gehört zu den führenden, global tätigen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Sie betreut weltweit einen breit gefächerten Kundenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören.

This also creates significant uncertainty around Brexit negotiations

Salman Ahmed, Chief Investment Strategist at Lombard Odier Investment Managers, comments on the outcome of the 2017 UK General Election:

“UK politics has thrown another electoral surprise as the Conservative party has lost its majority, contrary to the predictions of most pre-election polls.”

“The early election gamble from the Conservative Prime Minister Theresa May seems to have backfired - rather than delivering a stronger mandate for the Conservative party it has resulted in a major setback, both for May's standing and her party's position.”

“We have been highlighting for some time that pre-election polls are unreliable and volatile and that markets remain overly benign in the run-up to elections. Our fears regarding downside risk to Sterling have also been realised, with the pound taking a knock on the prospect of a hung parliament.”

“At this stage, it is unclear what the future make-up of UK government might look like and whether we will have another election. This also creates significant uncertainty around Brexit negotiations, including timelines. Given May's hard Brexit stance, it appears that the change in political support will be read as a desire for a more pragmatic approach to an exit from the EU. That said, the picture remains confusing with no clear support for any specific agenda." 

“We think that Sterling will remain under pressure in the days ahead and are watching the 1.25 level carefully as we noted pre-elections. UK equities are likely to fare better, in our view, helped by currency depreciation. However, we believe that upside potential remains capped, especially relative to continental Europe where fundamentals seem to be improving fast alongside a very dovish ECB; continental Europe remains our core value call in the equities space.”

“Broadly, we see this election result as having little impact on global risk sentiment and we remain positive on emerging market local currency debt and equities.”

Das Umfeld für Wandelanleihen stimmt

von Jasper van Ingen, Co-Manager des NN Global Convertible Opportunities Fonds.

Wir sind heute noch genauso optimistisch für die Anlageklasse wie bei Auflegung unserer Strategie des NN Global Convertible Opportunities (GCO) Fonds vor fünf Jahren. Mit Wandelanleihen sind Anleger gut aufgestellt, um in einem volatilen Marktumfeld zu bestehen. Der Grund dafür ist die Konvexität dieser Anlageklasse: Wandelanleihen profitieren von Kurssteigerungen des Aktienmarkts mehr als sie umgekehrt von Kursrückgängen betroffen sind.

Mittelfristig sind wir für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte verhalten optimistisch – schließlich ist der aktuelle Konjunkturzyklus schon relativ weit fortgeschritten. Mit Wandelanleihen gehen Aktieninvestoren aus unserer Sicht weniger Risiken ein, während Anleiheinvestoren hingegen die Duration ihrer Portfolios reduzieren können. In Europa weisen die Indikatoren nach oben, außerdem wird das Anleiheaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank die Kurse von Aktien mittelfristig stützen. In den USA könnte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr die erwarteten 2-2,5 Prozent erreichen, allerdings drohen Schwankungen durch anhaltende Zinserhöhungen und einschneidende Gesetzesänderungen. Japanische Aktien werden auch weiterhin von finanziellen Impulsen profitieren. Wandelanleihen aus Schwellenländern begegnen wir weiter skeptisch. Einige der Emittenten in diesen Märkten sind für Anleger nicht ausreichend transparent, weshalb wir Schwellenländer untergewichten. Natürlich sind wir in diesen wachstumsstarken Regionen engagiert, allerdings investieren wir dazu in Wandelanleihen von Unternehmen aus entwickelten Märkten.

Wir sind überzeugt, dass die Korrelation zwischen den Regionen und Anlageklassen abnimmt, wenn die Zentralbanken den Geldhahn zudrehen. Dann werden strategische Allokationsentscheidungen wieder an Bedeutung gewinnen. Wandelanleihen schlagen die Brücke zwischen Aktien und Anleihen und bieten Anlegern das Beste aus beiden Welten. Für ein solches Marktumfeld sind sie daher das ideale Instrument. Mehrrenditen lassen sich jedoch nur durch sorgfältige Auswahl erzielen. Von den rund 190 Werten der Benchmark Thomson Reuters Global Focus Hedged Convertible Bond Index (USD) investiert der NN GCO Fonds lediglich in 40 ausgewählte Titel, die das Team nach fest definierten Anlagethemen aussucht. Im Mittelpunkt stehen dabei langfristige Entwicklungen. Wir investieren in 15-20 Themen mit langfristigem Potenzial und geringer Korrelation untereinander. Dazu gehören veränderte Ernährungs- und Konsumgewohnheiten, Cloud Computing und saubere Energie. Auch das Thema Gesundheitsausgaben durch die weltweite Bevölkerungsalterung ist interessant.

Die Strategie des NN Global Convertible Opportunities Fonds hat in den fünf Jahren seit ihrer Auflegung nach Abzug von Gebühren eine Rendite von 45 Prozent erzielt und die Benchmark Thomson Reuters Global Focus Hedged Convertible Bond Index (USD) damit um über 10 Prozent übertroffen.1 Im aktuellen Marktumfeld dürfte die Anlageklasse eine jährliche Rendite von 4-5 Prozent erwirtschaften. Der NN GCO-Fonds strebt eine jährliche Mehrrendite gegenüber der Benchmark von 2 Prozent an.

1) Daten per 21. April 2017: Der ursprüngliche Nettoinventarwert betrug 100 und lag per 20. April bei 145,82. Zur Performance-Messung wurde die Anteilsklasse mit der längsten Laufzeit verwendet (INGGCOI LX). Die Identifikationsnummer der Benchmark lautet UCBIFX02. Die Performance der Vergangenheit ist kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Lithium und die Energiemetalle

Die zunehmende Nutzung von Batterietechnologie wird die Nachfrage nach Lithium, Cobalt und Mangan vorantreiben. Das konzentrierte Angebot und die Geopolitik werden auf diesen Märkten auch weiterhin im Fokus stehen, so James Butterfill, Head of Research & Investment Strategy, und Maxwell Gold, Director – Investment Strategy, im Ausblick von ETF Securities. Bei anderen Metallen, die in Batterien und elektronischen Geräten verwendet werden, wie Nickel und Kupfer, sind die Engpässe nicht so akut. Deshalb werden diese „traditionellen“ Metalle möglicherweise kurzfristig nicht so stark profitieren

Laut Schätzungen der Deutsche Bank werden Batterien im Jahr 2025 nahezu 70 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Lithium ausmachen. Damit steigt der Anteil gegenüber 2015 um etwa 30 Prozent. Wenngleich wir befürchten, dass der Rummel rund um die Lithium-Technologie überzogen ist, dürfte es noch ein Unterangebot an Lithium geben, da die Hersteller von Lithiumcarbonat ihre Produktion hochfahren. Laut BMI Research wird sich das globale Angebot an Lithium auf 90.000 Tonnen verdoppeln. Dagegen werden 120.000 Tonnen benötigt, um den Markt im Gleichgewicht zu halten. Aufgrund der 2017 vertraglich bestellten Materialien der allgemeinen Illiquidität des europäischen Lithium-Marktes könnten die Kurse hiervon im Jahr 2017 jedoch unberührt bleiben.

Dieser zunehmende Trend ist jedoch nicht nur bei der Nachfrage nach Lithium zu verzeichnen. Auch andere wichtige Komponenten von Lithium-Ionen-Batterien (Li-Ion) dürften in den kommenden Jahren nachziehen. Die Nachfragedynamik dieser anderen Metalle mag schwanken. Auf den Märkten für die traditionelleren Metalle wird es jedoch zunehmend Beachtung finden, dass die Li-Ion-Technologie beständig in Elektrofahrzeugen, Elektrogeräten und bei der Energiespeicherung zum Einsatz kommt.

Aufbau von Batterien

Die grundlegende Anatomie ist bei allen Batterien gleich. Alle Batterien weisen zwei Elektroden mit entgegengesetzten Ladungen auf: Anode (negativ) und Kathode (positiv). Darüber hinaus bestehen sie aus einer dritten Komponente, dem Elektrolyt. Hierbei handelt es sich um ein chemisches Medium, das den Fluss von Elektrizität ermöglicht. Bei Lithium-Ionen- Batterien (Li-Ion) besteht der Elektrolyt aus Lithium. Beim Großteil der Batterien setzt sich die Anode aus Graphit zusammen. Beide Komponenten sind in das Interesse der Anleger gerückt.

Die Kathoden von Lithium-Ionen-Batterien weisen je nach Anwendungsbereich eine unterschiedliche Zusammensetzung auf. In den meisten Elektrogeräten, wie Smartphones, Laptops und elektrischen Werkzeugen, wird Cobalt verwendet. In den Kathoden von Elektrofahrzeugen sind am häufigsten Nickel und Mangan vorzufinden.

Anleger kämpfen um Cobalt

Die anhaltenden Trends der Mobilisierung, Elektrifizierung und des Internets der Dinge (Internet of Things) waren für Cobalt entscheidend, das die einzige Komponente von Kathoden in LCO-Batterien (Lithium-Cobalt(III)-oxid) darstellt. Darüber hinaus wird in den Batterien bestimmter Elektro-, Hybrid- und Plug-in-Fahrzeuge ebenfalls Cobalt verwendet.

Da laut dem Cobalt Development Institute etwa 42 Prozent der Cobaltnachfrage auf die Verwendung in Batterietechnologien abzielen, haben Anleger dieses Thema aufgegriffen. Der Preis von Cobalt hat an der London Metal Exchange seit Juni 2016 um 125 Prozent zugelegt. Im laufenden Jahr wurde bislang eine Rendite von 64 Prozent erzielt (Stand: 27. März 2017).

Cobalt wird fast ausschließlich (94 Prozent) als Nebenprodukt von Nickel und Kupfer produziert. Nur 6 Prozent des Cobaltangebots wird in der Primärproduktion gewonnen. Deshalb ist die Versorgung mit Cobalt von der allgemeinen Industriekonjunktur abhängig. Laut Macquarie Research werden aufgrund der begrenzten Cobalt-Förderung bis 2020 Angebotsdefizite zu verzeichnen sein.

Verwendung von Mangan und Nickel vom Wachstum spezieller Elektrofahrzeuge abhängig

Wir haben untersucht, welche Li-Ionen-Technologien gegenwärtig in Elektrofahrzeugen verwendet werden. Demnach werden am häufigsten Batterien eingebaut, in deren Kathoden Mangan und Nickel enthalten ist.

Mangan wird normalerweise mit der Stahlproduktion in Verbindung gebracht. Dem Metall wird noch nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die Lithium, Graphit und Cobalt im Zuge des Batterie-Trends erfahren haben. Mangan hat als Komponente von Batterien mehrere Vorteile gegenüber Cobalt. So geht es mit niedrigeren Kosten, einer höheren Sicherheit und einer stärkeren Leistung einher (gleichzeitig weist es jedoch eine geringere Kapazität auf). Diese Eigenschaften haben sich für Hersteller von Elektrofahrzeugen als attraktiv erwiesen, insbesondere im Bereich elektrischer Antriebssysteme.

Laut RBC Capital Markets wird der Weltmarkt für Nickel bis 2020 voraussichtlich ein Versorgungsdefizit und eine steigende Nachfrage verzeichnen. Man geht davon aus, dass Nickel als Komponente von Batterien ebenfalls gefragt sein wird. Die verwendete Menge an Nickel ist jedoch gering (zwischen 7 und 18 Kilogramm pro Batterie). Zudem dürften Batterien nach wie vor nur einen geringen Anteil des Gesamtmarkts für Nickel ausmachen und folglich keinen großen Einfluss auf die Kurse ausüben.

Konzentration von Ressourcen und Geopolitik

Wie bei allen natürlichen Ressourcen stellen die Lieferkette und die Ressourcenkonzentration wichtige Faktoren dar, die von den Herstellern berücksichtigt werden müssen. Dies scheint insbesondere für die Batterieherstellung und verwandte Industrien zu gelten.

Die Reserven aller wichtigen Komponenten von Lithium-Ionen- Batterien (außer Nickel) sind auf eine Handvoll Länder konzentriert. Zwei Drittel der wirtschaftlich tragbaren globalen Reserven verteilen sich auf lediglich 3 Länder.

Cobalt ist nach wie vor am anfälligsten für Versorgungsausfälle. Fast 50 Prozent der weltweiten Cobalt-Reserven sind in der Demokratischen Republik Kongo vorzufinden, die kontinuierlich von politischer Instabilität und Konflikten geplagt wird. Die Cobalt-Produktion des Kongo übersteigt die Produktionsmenge des nächstgrößten Herstellers, Australien, um das Dreifache.

Weitere Nutznießer

Gegenwärtig wird in herkömmlichen Automobilen mit Verbrennungsmotor 20 Kilogramm Kupfer verwendet, in Hybrid-Fahrzeugen 40 Kilogramm und in Elektrofahrzeugen 80 Kilogramm. Diese Materialien werden hauptsächlich in den Kabelsträngen verbaut, mit denen die Antriebssysteme mit Leistung versorgt werden, sowie in den Antrieben selbst und in der Batterie. Laut BHP Billiton entspräche dies rund einem Drittel der Gesamtnachfrage nach Kupfer, wenn der Markt für Elektrofahrzeuge, wie vom Konzern erwartet, bis 2035 auf 140 Millionen Automobile ansteigt.

In den Motoren von Elektrofahrzeugen kommen auch Seltenerdmetalle zum Einsatz, beispielsweise Dysprosium und Terbium, weshalb die Hersteller von Lieferengpässen bedroht sind. Automobilhersteller entwickeln neue Methoden, um ihre Abhängigkeit von diesen Metallen zu reduzieren. So entwickelte Honda kürzlich einen Hochleistungsmagneten, der keinerlei Seltenerdmetalle benötigt. Da es in China zurzeit keine Angebotsengpässe gibt, haben sich die Preise von Seltenerdmetallen schwach entwickelt.

Klimaabkommen: Trumps Austritt im Gespräch

Die Erste AM hat ihr ESG-Analysten-Team zu Trump's Austrittserklärung aus dem Pariser Klimavertrag in einer Diskussionsrunde befragt. Im Gespräch sind die ESG-Analysten Dominik Benedikt, Alexander Osojnik, Stefanie Schock und Walter Hatak. 

Was bedeutet der Austritt der USA aus dem Pariser Klimavertrag für den Klimaschutz?

Osojnik: Der Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen ist ein Rückschlag für die globalen Bemühungen, den Klimawandel einzudämmen. Es ist aber nicht das Ende des globalen Engagements in diesem Bereich. Die Europäische Union, China und Indien haben sich klar für eine Fortsetzung der Anstrengungen ausgesprochen. Es ist davon auszugehen, dass der angekündigte Ausstieg der USA zu einer verstärkten Zusammenarbeit der verbliebenen Länder führen wird. Darüber hinaus ist der Ausstieg aus dem Abkommen nicht so sicher wie angenommen. Die USA können frühestens am 4. November 2020 aus dem Vertrag austreten – einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA.

Wie aussichtsreich ist das CO2-Ziel des Vertrages ohne den Beitrag der USA?

Schock: Je schneller gehandelt wird, desto leichter sind die Pariser Klimaziele zu erreichen. Heute abzuwarten würde tiefere Einschnitte für morgen bedeuten. Somit wäre es problematisch, sollten die USA über die nächsten vier Jahre rücksichtlos CO2 in die Atmosphäre ausstoßen. Immerhin verantworten die USA rund ein fünftel der weltweiten CO2 Emissionen. Dem gegenüber stehen China und Indien, die 2016 gemeinsam für mehr als 44 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich waren.

Benedikt: Entgegen Donald Trumps Annahme, dass der Klimaschutz der US-Wirtschaft nur schaden würde, bieten die Zukunftstechnologien auch Chancen. Andere Akteure haben das erkannt und machen sich die aktuelle Situation zu Nutze. So erwarten wir in China und Indien einen noch schnelleren Fortschritt, um die wirtschaftliche und politische Führerschaft in diesen Zukunftsthemen zu übernehmen – dieser könnte den Rücktritt Amerikas zumindest teilweise kompensieren.

Welche Position beziehen große Unternehmen?

Benedikt: Die Entscheidung Trumps wird von der US-Industrie höchst kritisch gesehen. Führende Unternehmen wie Apple, Facebook und Microsoft bis hin zu Peabody Energy, dem größten privaten Kohleminenbetreiber der Welt, haben darauf hingewiesen, dass der Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag ein Schritt in die falsche Richtung ist. Trotz seiner Rekordergebnisse aus dem Geschäft mit Verbrennungsmotoren hat Ford vor wenigen Tagen seinen CEO abgesetzt. Sein Fehler: er hatte keine ausreichende Strategie für Zukunftstechnologien wie die E-Mobilität entwickelt. Selbst ExxonMobil, welcher lange den Klimawandel geleugnet hat, wurde vor wenigen Tagen mit einer überwältigenden Mehrheit seiner Aktionäre dazu bewegt, die Bewältigung des Klimawandels zu einem seiner Unternehmensziele zu machen.

Schock: Der Kampf gegen den Klimawandel bietet enorme wirtschaftliche Chancen. Auf diese möchte die US-Wirtschaft nicht verzichten. Trump will rund 70.000 Arbeitsplätze in der US-Kohleindustrie retten. Dem gegenüber stehen rund 700.000 neue Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien, wie den erneuerbaren Energien – alleine in den USA. Wir gehen davon aus, dass die großen US-Unternehmen weiterhin in Klimatechnologien investieren werden – schlicht weil es sich lohnt. Zusätztlich kann sich kein international agierender Konzern erlauben, die Risiken eines unkontrollierten Klimawandels zu tragen. Hierzu gehören z.B. schwankende oder schwindende Wasserreserven.

Hatak: Das Mar-A-Lago Anwesen der Trump Organisation liegt interessanterweise an einem der ersten Küstenstücke Floridas, das dem steigenden Meeresspiegel zum Opfer fallen wird. Vielleicht könnte dies zu einem Umdenken führen?

Welche Rolle Spielen andere große Länder und Regionen bei diesem Thema?

Hatak: Lediglich Syrien und Nicaragua haben das Pariser Klimaabkommen nicht unterschrieben – es verwundert, dass Donald Trump tatsächlich bereit ist, eine solche Außenseiterrolle einzunehmen.

Osojnik: Wie bereits angesprochen gehen wir davon aus, dass jene Staaten wie die EU, China und Indien, die weiterhin ihren Beitrag leisten möchten, Ihre Anstrengungen verstärken werden. Hier erwarten wir interessante Entwicklungen, denn China investiert bereits heute mehr in erneuerbare Energien, als in fossile Energieträger.

Benedikt: Selbst in den USA formiert sich der Widerstand gegen Trumps Positionen: viele große Städte wie New York, Chicago, Los Angeles oder das von Trump zitierte Pittsburgh werden den Kampf gegen den Klimawandel fortsetzen. Auch Kalifornien wird seine Vorreiterrolle im Klima- und Umweltbereich nicht aufgeben.

Wie können Investoren auf diese Entwicklungen reagieren?

Benedikt: Grundsätzlich können auch die Folgen eines unkontrollierten Klimawandels Vorteile für bestimmte Investoren mit sich bringen. Man könnte sich am Wiederaufbau von durch Katastrophen zerstörten Orten beteiligen oder die Monopolisierung von Agrarflächen und Wasser vorantreiben. Wir erachten eine solche „Wette auf den Untergang“ aber sowohl aus ethischer, als auch aus Risiko-Sicht als zutiefst problematisch. Es ist es z.B. einer der firmenweiten Grundsätze der Erste AM, nicht in Nahrungsmittelspekulation zu investieren.

Schock: Gerade nachhaltige Investitionen können helfen den Klimawandel zu bewältigen: wir investieren in jene Unternehmen, die die geringsten Klimarisiken aufweisen oder konkrete Lösungen anbieten. So können wir die CO2-Intensität unserer Fonds um rund 60 Prozent gegenüber dem wichtigsten globalen Referenzaktienindex senken. Ein Beispiel ist unser ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT Fonds: Die Hersteller erneuerbarer Energieträger, in die der Fonds investiert, haben alleine im Jahr 2016 Solar- und Windkraftanlagen produziert, die über ihre Lebensdauer 580 Millionen Tonnen CO2 einsparen werden. Das entspricht in etwa den Emissionen die Frankreich und Spanien zusammen im Jahr 2013 aufwiesen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Erdlose Landwirtschaft: Die Zukunft braucht keine Böden

Update des wissenschaftlichen Beirates von Pictet Asset Management zur einer möglicherweise nachhaltigeren und produktiveren Alternative zu bodenbasierten Anbaumethoden.

Lim Chu Kang im nordwestlichen Teil Singapurs scheint auf den ersten Blick keine der Eigenschaften zu besitzen, die diesem dynamischen Stadtstaat in der Regel zugeschrieben werden. Glitzernde Technologieparks oder riesige energieeffiziente Wolkenkratzer sucht man hier vergebens. Nicht einmal das städtische U-Bahn-Netz reicht bis hierher.

Doch der Eindruck täuscht. Der ländliche Vorposten ist fester Bestandteil der technologischen Revolution Singapurs. Doch statt um die Stadt der Zukunft geht es hier um die Landwirtschaft der Zukunft.

Tatsächlich gilt Lim Chu Kang inzwischen als weltweites Mekka für Hydrokulturen oder erdlose Landwirtschaft. In einem der Betriebe befindet sich ein Treibhaus mit hunderten von Aluminiumgerüsten – einige davon 9 Meter hoch. An diesen A-förmigen Metallstrukturen wiederum sind Dutzende Bretter mit Trögen befestigt, in denen Kopfsalat, Spinat und sonstige Blattgemüsearten sprießen, die ihre Nährstoffe ausschließlich über eine Flüssigkeit aufnehmen

Das die Betriebe bewirtschaftende Unternehmen, Sky Greens, behauptet, es könne zehnmal so viel Gemüse züchten wie traditioneller Landbau und damit eine nachhaltige Nahrungsversorgung gewährleisten. Tatsächlich entstehen in der vertikalen Struktur alle zwei Tage nicht weniger als 1 Tonne Gemüse. Dass eine solche Technologie ausgerechnet in Singapur Wurzeln schlägt, verwundert kaum, produziert der dichtbesiedelte Stadtstaat doch gerade mal 7% seines Gemüses lokal. Als nachhaltige und effizientere Alternative zu bodenbasierten Anbaumethoden erscheinen Hydrokulturen attraktiver.

Keine Erde, kein Boden? Kein Problem

Nährstoffreiche Böden sind die übliche Grundlage für Ackerbau. Mit ihnen werden ca. 95% aller heutzutage verzehrten Nahrungsmittel hergestellt.

Der Bestand an Ackerboden und damit der oberen Schicht, in der Pflanzen gedeihen, geht jedoch rapide zurück. Zu diesem Fazit gelangten die Mitglieder des Advisory Board des Fonds Pictet-Agriculture. Bereits ein Drittel der globalen Landfläche wird für die Nahrungsmittelproduktion verwendet. Steigt dieser Anteil weiter an, könnten Artenvielfalt und Ökosysteme Schaden nehmen1. Jede Minute verliert unser Planet eine Landfläche im Ausmaßẞ von 30 Fußballfeldern. Grund sind der Klimawandel und intensiver Landbau2.

Erfolgt kein Umdenken, wird der Pro-Kopf-Bestand an Anbauflächen 2050 auf ein Viertel des Bestandes von 1960 gesunken sein – so die Warnung der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO). Mutterboden anzulegen ist jedoch nicht einfach. Der FAO zufolge dauert es 1000 Jahre, bis sich eine nur 3 cm dicke Schicht Mutterboden gebildet hat.

Für erdlose Landwirtschaft spricht vieles. Sie bringt höhere Erträge hervor, verbraucht weniger Wasser und hält potenzielle Krankheiten besser unter Kontrolle als bodenbasierter Anbau, bei dem sich Bakterien leicht vermehren können.

Abbildung 1: Einige Zahlen zur erdlosen Landwirtschaft

Quelle: Quelle: Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen, Research & Markets, University of Arizona, UN FAO 

Der Betrieb von Sky Greens zeigt, dass erdlose Landwirtschaft Raum besser ausnutzt. Die Erzeuger gehen in die Höhe statt in die Breite. „Vertikale Landwirtschaft“ (wie erdlose Landwirtschaft auch genannt wird) funktioniert besonders gut in Stadtgebieten, in denen in den nächsten Jahrzehnten 90% der Weltbevölkerung leben dürfte.

Hydrokulturen sind auch in anderer Hinsicht nachhaltig. Sie verbrauchen ca. zehnmal weniger Wasser als traditionelle Anbautechniken, weil keine Erde und keine Gräser vorhanden sind, die den Pflanzen das Wasser entziehen3. Doch damit nicht genug: Hydrokulturen können den Wasserverbrauch noch weiter senken, weil sie wiederaufbereitetes Wasser verwenden können. Der von den Pflanzen an die Luft abgegebene Wasserdampf lässt sich einfangen. Gleiches gilt für überschüssiges, aus den Trögen abfließendes Wasser. (Sky Greens nutzt ein neuartiges, regenwassergespeistes Bewässerungssystem, das die Tröge dreht, damit die Gemüsepflanzen dem Licht ausgesetzt sind.)

Den Mitgliedern des Advisory Board zufolge halten Hydrokultursysteme auch Krankheiten und Unkraut besser unter Kontrolle. Dadurch seien weniger Pestizide und Chemikalien erforderlich, was ebenfalls den Ertrag steigere.

Zudem lasse sich das Klima in einem Treibhaus problemlos steuern, um die Zeiträume zwischen Ernten zu verkürzen und die Erträge nochmals zu beflügeln. Weil keine Erde verwendet werde, entfalle deren Reinigung und damit ein erheblicher Kostenfaktor für die Landwirte. Und schließlich könne die erdlose Landwirtschaft auch Transportkosten und Kohlendioxidemissionen verringern, weil die Entfernung geringer werde, die die Nahrungsmittel vom Acker zum Teller zurücklegen.

Wie einige Studien gezeigt haben, können lokal erzeugte Nahrungsmittel überdies einen besseren Nährwert und eine längere Haltbarkeit aufweisen4. Laut unseren Beratern dürfte dies zur Verringerung der Lebensmittelabfälle beitragen. Letztere sind ein wachsendes Umwelt- und Ressourcenproblem, zumal ca. 1,3 Mrd. Tonnen Nahrungsmittel – ein Drittel der globalen Jahresproduktion – nicht verzehrt werden.

Das Wachstum der erdlosen Landwirtschaft könnte neue Chancen für Anleger schaffen. Unternehmen, die die Technologien und Anlagen herstellen, die für die Schaffung einer kontrollierten Hydrokulturumgebung erforderlich sind – d.h. Beleuchtungs-, Bewässerungs- und Belüftungssysteme – könnten Auftrieb erhalten. In den fünf Jahren bis 2020 dürfte diese Branche eine jährliche Zuwachsrate von 16,8% verzeichnen4. In US-Dollar ausgedrückt soll der Wert von Erträgen aus Hydrokulturen 2020 27 Mrd. betragen (2014: 18,8 Mrd)5.

Nachhaltiges Agripolis

Doch trotz allem steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Ein Hindernis für den weiteren Ausbau sind die Kosten.

Gemäß unseren Beratern könnten die Anlaufkosten, d.h. die Anfangsinvestition zur Errichtung der erforderlichen Infrastruktur, mehrere zehntausend Dollar betragen. Aus diesem Grunde lassen sich Hydrokulturen heutzutage nur mit margenstärkeren Erzeugnissen wie Blattgemüse, Tomaten und Erdbeeren wirtschaftlich betreiben.

Dennoch implizieren die höheren Ernteerträge, die die Erzeuger erwirtschaften können, dass sich die Investition vergleichsweise schnell auszahlt. Zudem lassen sich die Anlaufkosten teilweise an die Konsumenten weitergeben, die bereits ihre Bereitschaft signalisiert haben, für frischere, lokal und nachhaltig erzeugte Produkte etwas mehr auszugeben. Das mit Hydrokulturen erzeugte Blattgemüse von Sky Greens verkaufe sich in Supermärkten häufig besser als traditionell erzeugte Gemüsesorten, auch wenn der Preis um 10-20 Cent höher sei, so das Unternehmen.

Firmengründer Jack Ng zufolge wird die erdlose Landwirtschaft bald die Dimensionen der A-förmigen Strukturen sprengen. So arbeitet er derzeit an einer Initiative zum Aufbau einer „Agripolis“, einer Art Hightech-Forschungsanlage, die riesige Zonen für die vertikale Landwirtschaft umfasst. Das Projekt, das pro Jahr 30‘000 Tonnen Blattgemüse erzeugen kann (mehr als 30% des Bedarfs der Stadt Singapur), soll das landwirtschaftliche Potenzial von Stadtgebieten maximieren und zur Erreichung des nationalen Ziels der Nahrungsmittelsicherheit beitragen.


Quellen
1) Übereinkommen über die biologische Vielfalt
2) Volkert Enelsman, Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen
3) Controlled Environment Agriculture Center, University of Arizona
4) Gareth Edwards-Jones, School of the Environment, Natural Resources and Geography at Bangor University, vor der Nutrition Society, 10.8.2010
5) Research & Markets, März 2015

Über das Beratungsgremium
Jede thematische Strategie profitiert von einem engagierten Beratungsgremium namhafter Wissenschaftler, Unternehmer und Akademiker. Dies ermöglicht es uns, unsere Ansichten gegen Fachleute in ihren jeweiligen Bereichen zu testen und uns damit ein vertieftes Verständnis für die Trends und das regulatorische Umfeld zu verschaffen, die das Thema unterstützen.

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Konträr zu Donald Trumps Twitter-Posts investieren – derzeit ein Weg zum Anlageerfolg

„Mexiko, China, Asien, Healthcare: Das war nicht das Skript im späten vierten Quartal des vergangenen Jahres. Doch für alle Investoren, die die zyklische Trump-Rally allmählich aus ihren Portfolios ausgeblendet haben, war diese Entwicklung ein Traum“, sagt Laurence Taylor, Portfolio Specialist Global Equities von T. Rowe Price. 

Die größte Herausforderung für die globalen Aktienmärkte sei derzeit, dass die Daten, welche die Entwicklung über das letzte Jahr angetrieben hätten, auf kurze Sicht vielleicht „zu gut“ aussähen. Gerade das Gewinnwachstum konnte die Konjunktur- und Stimmungsindikatoren verbessern. Das war für Aktienmärkte sowie für Stockpicker sehr positiv, zumal die einzelwertspezifische Streuung nach den makroökonomisch und politisch getriebenen Rotationen 2016 zurückgekehrt ist. 

„Die fundamentale Verbesserung des Ertragsniveaus bleibe entscheidend, gerade angesichts der Tatsache, dass die Aktienbewertungen mittlerweile die Höchststände von 2007 überschritten hätten. Der wahrscheinlichste Pfad ist immer noch der der weiteren Verbesserung“, sagt Taylor. Für Investoren stelle sich die Schlüsselfrage, ob sich ausreichend Verbesserungen einstellen würden, um den wachsenden Erwartungen standzuhalten.

„Kurzfristig machen die Renditen einiger Titel Anpassungen in unseren Portfolios erforderlich. Wir reduzieren Gewinner-Positionen und schichten in Aktien um, die wegen vorübergehender Enttäuschung vergessen worden sind“, erläutert Laurence Taylor. Die Watchlists sollten entsprechend fokussiert werden, falls zeitweilige Disruptionen die Daten beeinflussten. In einem eher neidischen Bullenmarkt sei der Optimismus zuletzt auf ungewöhnliches Terrain übergegangen.

Blockchain – Fortschritt ohne Bedauern

von Didier Le Menestrel, Chairman von La Financière de l’Echiquier.

Wir benutzen sie noch nicht, aber ihr Wert verdoppelte sich seit Jahresanfang und in der Wirtschaft wird sie tatsächlich mehr und mehr genutzt: Die digitale Währung Bitcoin, die bei ihrer Einführung Ende 2008 einen Wert von 0,001 Cent hatte, überschritt im vergangenen Monat die Schwelle von 2.000 Dollar. Woher kommt die Begeisterung für diese Währung, die bisher eher vernachlässigt wurde? Einer der Gründe hängt sicherlich damit zusammen, dass die Währung in Japan als Zahlungsmittel akzeptiert wurde – eine offizielle Anerkennung für eine Währung ohne Zentralbank oder Ursprungsland, die darüber hinaus niemandem gehört. Seitdem erreicht der Bitcoin-Kurs stetig neue Rekorde: 2.760 Dollar am 25. Mai.

Bemerkenswerter als der Erfolg des Bitcoin ist aber die zugrunde liegende Blockchain-Technologie. Sie ist revolutionär, weil sie unsere Transaktionen grundlegend verändert. Mit dieser bahnbrechenden Technologie werden die vertrauensvollen Dritten (Zentralbanken, Staaten, Notare usw.), die wir für unverzichtbar hielten, schlicht und einfach überflüssig. Der unglaubliche Fortschritt, den sie darstellt, geht weit über den Finanzbereich hinaus. Neben der Nasdaq, den Banken und den Versicherungen sind auch andere Bereiche betroffen: Estland experimentiert mit notariellen Urkunden, Sony im Bildungsbereich, das französische Departement Yonne mit vernetzten Wasserzählern. Wenn wir alle Transaktionen aufzählen, dann können wir sagen, dass dieses Instrument, dessen Verlauf nicht gefälscht werden kann, ungeahntes Potenzial aufweist. Man mag eine Vorliebe für die Hefte von früher haben, aber es liegt klar auf der Hand, dass dieses sichere, allen zur Verfügung stehende Internet-Register eine immer wichtigere Rolle bei unseren Transaktionen spielen und gleichzeitig deren Kosten minimieren wird. Von der gesamten Bandbreite der Möglichkeiten kennen wir nur einen kleinen Bruchteil.

Wir erleben gerade einen dieser Momente in der Geschichte, in dem Innovation unser tägliches Leben grundlegend verändert. Die Biotechnologie revolutioniert die Medizin, die künstliche Intelligenz und die Robotik prägen allmählich unser Dasein und die Wirtschaft wird kollaborativ und dezentral. Angesichts solcher Änderungen treten instinktiv Sorgen und Abwehrreflexe auf. Wir sind geneigt, „das sanfte Licht der Öllampen“ und „den Charme der Segelschiffe“ – wie Charles De Gaulle es in einer Rede im Juni 1960 formulierte – zu vermissen. Dabei hat uns die Geschichte gelehrt: Übergänge sind schwierig aber notwendig, Zweifel und Ängste sind die schlimmsten Feinde unserer Gesellschaften. Die Arbeiter in den Seidenmanufakturen von Lyon haben diese leidvolle Erfahrung gemacht. Auch wenn man noch so sehr versucht, die Modernität mit Gewalt zu zerstören (in diesem Fall die Webstühle): Innovation ist unaufhaltsam und wir müssen lernen, mit diesem Fortschritt zu leben, der einen mitunter überfordert.

Welche Auswirkungen hat dies auf die Finanzbranche? Es liegt auf der Hand, dass der Technologiefortschritt sich auf uns auswirkt und uns, ebenso wie alle übrigen Branchen, betrifft. Getreu unserer Tradition und unserer optimistischen Grundeinstellung stehen wir diesen Veränderungen positiv gegenüber. Wir nehmen die Herausforderungen und die neuen sich bietenden Perspektiven an.

Wir haben unsere Produktpalette bereits im Januar 2015 um den Fonds FCM Robotique erweitert, der in künstliche Intelligenz investiert. Seit Auflegung verzeichnete dieser eine Wertentwicklung von +25,9 Prozent1. Das ist ermutigend. Auch die klassischeren Fonds entwickeln sich weiter dank ihrer Fähigkeit, erfolgreiche Projekte auf der ganzen Welt zu identifizieren – was zum Zeitpunkt der Auflegung des Echiquier Agressor im Jahr 1991 noch nicht möglich war.

In einer Zeit, in der Frankreich entschlossen mit der Zeit zu gehen scheint, passen die Worte des französischen Ökonomen Jean-Baptiste Say: „Wir, die wir in den Fortschritten, die wir gemacht haben, den Keim eines noch größeren Fortschritts wahrnehmen, gehen mit mehr Kühnheit und Vertrauen in die Zukunft“. Eine Begeisterung die wir teilen, wenngleich wir einen kühlen Kopf bewahren und ganz sicher nicht in einer selbstgefälligen Technomanie anlegen werden. Wir glauben stets an die Stärken der menschlichen Intelligenz und an den gesunden Menschenverstand. Beides ist unerlässlich, um die Technologie mit Weitblick in unsere Branchen, unser Leben und unsere Fondsverwaltung einzubinden.

(1) Stand: 26. Mai 2017

Über La Financière de l’Echiquier 
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von ca. 8 Milliarden Euro. In Deutschland und Österreich vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten.  2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter http://www.fondation-echiquier.fr und zu La Financière de l’Echiquier unter http://www.lfde.com/de.

Märkte bleiben anfällig für Enttäuschungen

von Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income und Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV.

„Trumponomics“ und China sowie der Brexit und mögliche Anstiege bei Inflation und Zinsen sind die großen Themen, die der Markt seit Jahresanfang in den Griff zu bekommen versucht. Seit der Auflegung des Jupiter Dynamic Bond SICAV im Mai 2012 waren es ereignisreiche Jahre durch Taper Tantrum, die Eurokrise, einen Flash Crash und mehr Wahlen, als man Stimmzettel ausfüllen kann. Durch die Erfahrungen der letzten fünf Jahre hat der Fonds unterschiedliche Marktbedingungen durchlebt. Dabei generierte er seine Rendite aus vielen unterschiedlichen Quellen und managte gleichzeitig auch das Abwärtsrisiko.

Seit Auflegung hat der Fonds eine Rendite von 34,5 Prozent in Euro erzielt, während der Morningstar Global Flexible Bond EUR Hedged Sektor lediglich 14,2 Prozent erwirtschaftete1. Nach vorne blickend bin ich überzeugt, dass die Fähigkeit, das Zinsrisiko über die Duration und die übergeordnete Kreditausrichtung managen zu können, so wichtig sein wird, wie nie zuvor.

US-Staatsanleihen werden meines Erachtens nach wieder attraktiver. Die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen lagen nach ihrem Tief von 1,3 Prozent im Juli letzten Jahres im Februar wieder bei 2,6 Prozent. Zudem beträgt die Rendite von 30-jährigen Anleihen aktuell 3 Prozent2. Daher gehe ich davon aus, dass die Bewertungen in Erwartung politischer Reformen bereits erhebliche gesamtwirtschaftliche Verbesserungen eingepreist haben. Die Möglichkeit, dass die Trump-Regierung bei der Umsetzung der Reformen scheitert, berücksichtigen sie nicht.

Vor diesem Hintergrund haben mein Team und ich das Portfolio zu Jahresbeginn neu ausgerichtet und die Gesamtduration des Fonds von etwas über einem Jahr auf aktuell rund 3,5 Jahre erhöht. In diesem Zuge verstärkten wir die Ausrichtung des Fonds auf 10-jährige und 30-jährige US-Staatsanleihen und erweiterten die Duration unseres Engagements in australischen Staatsanleihen.

Aufgrund der aktuellen politischen Risiken, dem besseren Wachstumskurs und der anhaltenden Wirtschaftsdynamik in Europa behalten wir unsere Short-Positionen in europäischen Staatsanleihen bei. Auf diese Weise ist die Gesamtduration nach wie vor relativ niedrig, trägt aber dennoch dem möglichen Spielraum für Enttäuschungen in den USA Rechnung.

Darüber hinaus werde ich durch Indien sehr ermutigt. Trotz jüngster Schwankungen aufgrund der Geldentwertungspolitik scheint das langfristige wirtschaftliche und politische Umfeld meiner Ansicht nach günstig. Aus struktureller Sicht hat Indien nicht viele Schulden in US-Dollar, und die derzeitige Regierung ist sehr unternehmerfreundlich und hat im letzten Jahr tatsächlich die Umsetzung von Reformen in Angriff genommen.

Die Hauptrenditetreiber verändern sich im Laufe der Zeit, je nachdem, wo mein Team und ich die Chancen und Risiken sehen. In der Anfangszeit des Fonds boten Unternehmensanleihen nach der Finanzkrise gute Renditen. In Jahren, als sich die Wirtschaftsbedingungen verschlechterten, generierten wir den Großteil der Fondserträge aus Macro-Duration-Trades, bevor wir uns in den nachfolgenden zwei Jahren eher wieder Unternehmensanleihen zuwendeten.

Die Wertgenerierung über Unternehmensanleihen ist nach wie vor ein wichtiger Treiber. So haben wir im letzten Jahr einige neue Positionen eröffnet, wie in indischen Staatsanleihen oder Wandelanleihen von Goldminen, um die Rendite zu steigern und die Risiken zu diversifizieren. Wir engagieren uns auch weiterhin in Nischenbereichen des Marktes. Britische Pubs sind ein Beispiel dafür.

Diversifikation über eine große Bandbreite an Anleihen, Regionen und Laufzeiten sowie über das gesamte Rating-Spektrum von Investment Grade bis Hochzinsanleihen hinweg war von weiterem Vorteil für den Jupiter Dynamic Bond SICAV. Dieser „Go-anywhere“-Ansatz erlaubt es mir, die Titelauswahl nach dem Bottom-up-Prinzip mit einer strategischeren Top-down-Aufteilung des Kapitals auf verschiedene Länder und Sektoren auszugleichen. Meines Erachtens ist es diese Freiheit - zusammen mit einem rigorosen Ansatz bei der Kreditanalyse - die es dem Fonds ermöglicht hat, im Vergleich zu traditionelleren Anleihefonds, einen Mehrwert zu erzielen. Er weist eine attraktive Erfolgsbilanz auf und hat sich seit Auflegung besser entwickelt als seine Vergleichsgruppe3.

Quellen:
1) Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die laufende oder zukünftige Wertentwicklung. Die Angaben zur Wertentwicklung lassen die bei der Ausgabe und Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten unberücksichtigt. Sämtliche Fondsdaten: JGF-Jupiter Dynamic Bond L Q Inc EUR, Quelle FE, reinvestierte Bruttoerträge, nach Gebühren, in EUR vom 30.04.2017. Fondslaunch = 08.05.12. Morningstar peer group: gross Income reinvested, net of fees, in EUR, vom 30.04.2017. 
2) Bloomberg, in USD vom 5. Mai 2017.
3) Peer group: Morningstar Global Flexible Bond EUR Hedged Sector. Quelle: Jupiter, 30.04.17. Fondslaunch = 08.05.12.

Trotz politischer Unsicherheit – Schwellenländeraktien bieten gute Investmentchancen

Entgegen der Befürchtungen vieler Anleger zu Beginn des Jahres könnten dieses Jahr Schwellenländeraktien lohnende Investments sein. Das gilt trotz des dicht gedrängten politischen Kalenders und der damit wahrscheinlich einhergehenden Volatilität. Davon ist Tim Love, Investment Director bei GAM, überzeugt: „Zwar sind Schwellenländeraktien derzeit in Portfolios unterrepräsentiert, sie erscheinen im Vergleich zu den Aktienmärkten der Industrieländer jedoch vernünftig bewertet. Die Bewertung liegt sowohl aktuell als auch historisch deutlich unter der Bewertung der im S&P 500 gelisteten Titel. Zudem ist das Risk-Return-Ratio der Schwellenmärkte attraktiver als das der entwickelten Märkte, da ihre währungsbereinigte Rendite klar positiv ist." Der Experte geht daher davon aus, dass Investoren künftig noch stärker in Emerging Markets investieren werden und erwartet deutliche Kapitalzuflüsse. 

Lediglich der Gesundheitsbereich berge ein potentiell größeres Risiko. Unter anderem könne ein Ausbruch einer ansteckenden Krankheit die guten Prognosen für Emerging Markets trüben. So hätten beispielsweise während der SARS-Krise 2003 die Finanzmärkte und die Realwirtschaft der asiatischen Märkte stark unter Druck gestanden. „Das fällt unserer Meinung nach schwerer ins Gewicht als Terrorismus-Befürchtungen und geopolitische Konflikte“, so Love. 

Portfolio kann von turbulenten Märkten profitieren

Nach der Wahl von Präsident Trump kristallisierte sich eine neue Weltordnung heraus. Anleger hatten plötzlich die Aussicht auf eine höhere Inflation, die möglicherweise das Ende der jahrelangen Deflation und Stagnation markieren könnte. „Auch in diesem Jahr hält der politische Kalender einige Unwägbarkeiten bereit. Die Märkte sind entsprechend volatil und die Wirtschaft der Industrieländer erholt sich mit unterschiedlichem Tempo. Das führt dazu, dass sich Schwellenländeraktien häufig im Kreuzfeuer der gegensätzlichen Geldpolitik der G3-Länder befinden. Wir sind trotzdem überzeugt, so positioniert zu sein, dass wir aus möglichen Marktturbulenzen Vorteile ziehen können. Die Erfahrungen mit früheren Zinserhöhungen der Federal Reserve haben gezeigt, dass sich die Märkte in Schwellenländern in der Regel erholen, wenn die erste Anhebung abgeschlossen ist. Das Gewinnwachstum dürfte 2017 nach einer Reihe magerer Jahre ebenfalls an Schwung gewinnen“, ist der Experte überzeugt. 

Vielversprechende Frontier Markets und Konjunkturdynamik in China

Dies gelte insbesondere für China und Indien. „Wir haben unser Portfolio so ausgerichtet, dass wir von den dortigen großen Reformvorhaben profitieren können. Gerade in China rechnen wir mit einer robusten Belebung der Konjunkturdynamik, da die chinesische Regierung sich in einem wichtigen politischen Wandel befindet und deshalb alles daransetzt, die wirtschaftliche, politische und soziale Stabilität zu erhalten.“ 

Außerdem seien die Frontier Markets Vietnam, Argentinien, Rumänien und Pakistan (VARP) interessant. „Diese Volkswirtschaften verzeichnen ein kräftiges Wirtschaftswachstum und haben eine junge, finanziell gut gestellte Bevölkerung, die ihr Geld ausgeben möchte. Außerdem öffnen sich die Aktienmärkte der VARP-Länder mehr für Anleger: Argentinien profitiert von einer Steueramnestie für Kapitalrückführungen und strebt eine Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen an. Die lokalen Märkte Vietnams, Rumäniens und Pakistans sind über die Kassamärkte oder Derivate ebenfalls recht gut zugänglich.“ Nicht zuletzt sieht Love auch Potential für den mexikanischen Markt: „Wir haben unser Engagement in Mexiko aufgestockt, denn unserer Meinung nach nahmen die Währung und die Aktienmärkte nach der Wahl von Donald Trump allzu pessimistische Erwartungen vorweg.“

Im Hinblick auf die Sektorpositionierung bevorzugt Love derzeit die Bereiche IT – da die Nachfrage nach Technologie und neuen E-Commerce-Plattformen rasant zunimmt –, Finanzen, zyklische Konsumgüter und Industrie gegenüber teuren anleiheähnlichen Titeln, wie Telekommunikation und Versorger.

Anleger sollten sich nach Wahl in Großbritannien auf unsichere Zeiten einstellen

Der Schachzug der britischen Premierministerin Theresa May, Neuwahlen für den 8. Juni anzusetzen, sollte ihre Position innerhalb ihrer häufig zerstrittenen konservativen Partei stärken. Aber in der Politik kann ein Monat eine sehr lange Zeit sein. Denn je mehr die Labour-Partei, die mit ihrer Wahlkampagne offenbar einen Nerv bei jüngeren Wählern trifft, an Zustimmung gewinnt, desto stärker schwindet Mays Vorsprung. Einige Umfragen deuten sogar den Verlust ihrer bisherigen Mehrheit an.

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International, kommentiert, was die verschiedenen drei Szenarien für Anleger bedeuten könnten:

Szenario 1 – Mehrheit für die Konservativen

Eine komfortable Mehrheit für die Tories wäre sicher das von den Märkten bevorzugte Szenario. In diesem Fall wäre unter sonst gleichen Bedingungen wohl mit keinen Kursausschlägen an den Märkten zu rechnen. Selbst eine knappe Mehrheit für die Konservativen würde Kontinuität bedeuten und daher vermutlich für gewisse Erleichterung sorgen.

Aus Anlegersicht würde eine von den Tories geführte Regierung vermutlich das Pfund stärken oder zumindest stabilisieren. Damit könnte jedoch der Höhenflug von an der Londoner Börse notierten Firmen mit Erträgen außerhalb Großbritanniens enden.

Zudem werden Anleger nach der Wahl ihre Aufmerksamkeit auf die Verhandlungen mit der Europäischen Union richten. Und die dürften eine harte Nuss werden. Als Folge sind deshalb erhebliche Schwankungen an den Devisen- sowie den Aktienmärkten sehr wahrscheinlich.

Szenario 2 – Pattsituation im Parlament

Unklare Mehrheitsverhältnisse im britischen Unterhaus bringen Unsicherheit. Und Märkte verabscheuen Unsicherheit. Als Reaktion würde es zu einem Auf und Ab an den Devisen- und Kapitalmärkten kommen. Denn Anleger müssten die Zugeständnisse zwischen Parteien – gleich welcher Couleur – beim Versuch einer Regierungsbildung ins Kalkül ziehen.

Sollte die Schottische Nationalpartei oder die Liberaldemokratische Partei in einer Koalition ein gewichtiges Wort mitreden, würde ein neuerliches Brexit-Referendum unvermittelt zu einer realen Möglichkeit werden. Anleger müssten dann ihre Annahmen zu Britannien und der EU überdenken.

In dieser Konstellation werden die Marktakteure voraussichtlich mit wichtigen Anlageentscheidungen warten, bis klar ist, welche Regierung sich aus der Pattsituation im Parlament bildet.

Szenario 3 – Mehrheit für die Labour-Partei

Bei einem solchen Überraschungs-Coup würden sich die Märkte zunächst auf das von den Anlegern vermutlich als schlimmstes eingestuftes Szenario einer Labour-Regierung konzentrieren. Viele Labour-Wahlversprechen zielen darauf ab, die Unternehmen stärker zur Kasse zu bitten und einen größeren Teil der Wirtschaftsleistung über Steuern zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben zu verwenden. Auch mit der Möglichkeit von Verstaatlichungen in bestimmten Industriezweigen müssten sich die Marktteilnehmer auseinandersetzen.

Erhebliche Schwankungen an den Devisen- und Aktienmärkten wären vermutlich die Folge, denn britische und internationale Anleger würden ihre Portfolios in Erwartung weniger profitabler britischer Unternehmen unter einer Labour-Regierung anpassen.

Höchste wöchentliche Abflüsse aus Rohstoffkorb-ETPs seit sechs Monaten

Höchste wöchentliche Abflüsse aus Rohstoffkorb-ETPs (A0KRKC) seit sechs Monaten: 80 Mio. USD. Bei Rohstoffkorb-ETPs (A0KRKC) kam es zu den höchsten wöchentlichen Abflüssen seit November 2016. Die steigenden Lagerbestände hielten einzelne Rohstoffe wie Rohöl, Eisenerz und Zucker schon seit Jahresanfang zurück. Als Moody’s Chinas staatliche Kreditratings um eine Stufe absenkte, weil der Agentur die Bruttoverschuldung und die Abkühlung der Konjunktur Sorgen bereiten, lief das Fass über,  zumal Rohstoffe den großen Vermögensklassen in diesem Jahr ohnehin hinterher hinkten. Am stärksten büßten im Mai die Subsektoren Energie, Weichwaren und Landwirtschaft ein, während Lebendvieh und Edelmetalle noch am besten abschnitten. An der Positionierung an der Rohstoffbörse CFTC ließ sich bereits Ende Februar 2017 ablesen, dass der Optimismus einen Höhepunkt erreicht hatte. „Das optimistische Sentiment ließ seither deutlich nach, sodass es sich derzeit nur noch knapp über seinem langfristigen Durchschnitt zwischen Hausse und Baisse befindet“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Abflüsse aus Gold- (A0LP78) und Silber-ETPs (A0N62F): 52 Mio. USD bzw. 26 Mio. USD. Nach der in diesem Jahr starken überdurchschnittlichen Entwicklung kam es bei Silber- (A0N62F) und Gold-ETPs (A0N62G) zu Gewinnmitnahmen.  Immerhin hat der Goldpreis seit Jahresanfang um 11 Prozent und der Silberpreis um 8 Prozent zugelegt. „Ein weiterer Grund für die Gewinnmitnahmen ist die mögliche Zinsanhebung auf der Fed-Sitzung am 14. Juni, die der Markt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eingepreist hat“, so Hein.

Industriemetalle (A0SVX7) reagieren auf die Herabstufung chinesischer Anleihen. Aus dem Industriemetallkorb flossen in der vergangenen Woche 30 Mio. USD ab. Nachdem Chinas staatliche Kreditratings von Moody’s herabgestuft worden waren, verloren Industriemetalle im Schnitt 2 Prozent. „Daneben erwartet der Konsens, dass die Mai-Daten für Industrieproduktion und Investitionstätigkeit eine Abkühlung des chinesischen Wachstums andeuten werden“, erläutert Hein.

Die Zuflüsse in Aktien beruhen in erster Linie auf Technologie- und Europa-ETPs: 20 Mio. USD bzw. 19 Mio. USD. Die Technologie-ETPs der Bereiche Cybersicherheit (A14ZT8) und Robotik (A12GJD) verzeichneten in der zwölften Woche in Folge Zuflüsse, die sich seit Jahresanfang auf 91 Mio. USD betragen. Das Interesse der Anleger an Technologie ist weiterhin hoch, was sich daran zeigt, dass die Technologieindizes die Rekorde der Dotcom-Blase gebrochen haben. „In der vergangenen Woche kam es ferner zu Zuflüssen bei europäischen Long- und Short-ETPs, da es in Italien zu vorgezogenen Wahlen kommen könnte und die Anleger entsprechend reagierten. Blickt man auf die Einkaufsmanagerindizes und andere Umfragedaten, so wirkt die europäische Wirtschaft von allen Wirtschaftsräumen weltweit immer noch am dynamischsten“, so Hein.

Opportunistische Zuflüsse in Rohöl: 15 Mio. USD. Nach dem Treffen der OPEC am 25. Mai gaben die Rohölpreise nach, da der Markt aggressivere Förderkürzungen erwartet hatte. Im Zuge des Preiseinbruchs kam es aber auch zu opportunistischen Zuflüssen.

UK-Wahlen als Nebenschauplatz der Brexit-Verhandlungen

von Alastair Gunn und Rhys Petheram, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management.

Die Parlamentswahlen in Großbritannien stehen kurz bevor, doch das Ergebnis wird die bestehende Verunsicherung kaum abmildern. Grund sind die Brexit-Verhandlungen, die wie ein Damoklesschwert über den Märkten schweben. Eine deutliche Mehrheit für die Konservativen von über 50 Sitzen könnte britischen Aktien eine kurzlebige Rally verschaffen. Bei einem wenig wahrscheinlichen Labour-Sieg müssten wir von dramatischeren Ausschlägen ausgehen. Doch der Brexit würde weiterhin die Stimmung trüben.

Während der Urnengang in Großbritannien näher rückt, hat es die britische Währung derzeit schwer1. Der Vorsprung der Konservativen gegenüber der Labour-Partei scheint zu schrumpfen. Vor dem Hintergrund reflektiert die Abwertung des britischen Pfunds die Sorge, dass die konservative Partei unter der Führung von Theresa May möglicherweise nicht die überwältigende Mehrheit erreichen könnte, die sie benötigt, um bei den Brexit-Verhandlungen stark aufzutreten. Und dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die britische Wirtschaft sich spürbar verlangsamt. Statt einer Mehrheit von mindestens 100 Sitzen, die manche den Konservativen zugetraut hatten, preisen die Märkte inzwischen ein bescheideneres Ergebnis ein – eine Mehrheit von 50 Sitzen oder mehr. Doch der Vorsprung könnte in der verbleibenden Zeit noch weiter schrumpfen.

Dieser Schaden ist jedoch in gewisser Weise selbstverschuldet. Das Wahlprogramm der Konservativen ist ungewöhnlich, denn es enthält wenig von dem, was den traditionellen Anhängern der Partei in der Regel gefällt. Es lässt die Möglichkeit von Steuererhöhungen offen und der Vorschlag, dass Rentner für ihre Sozialfürsorge selbst aufkommen mögen, scheint ein schwerwiegender Fehltritt zu sein.

Die Labour-Partei unter Jeremy Corbyn hat hingegen ein Wahlprogramm aufgestellt, das ihre Kernwählerschaft direkt anspricht. Es wird die Anhänger des Labour-Spitzenvertreters vermutlich mobilisieren und für ein hohes Wahlergebnis zu seinen Gunsten sorgen. Kurz gesagt stellen wir uns nun auf ein engeres Rennen ein, als es zu Beginn der Wahlkampagne zu erwarten war.

Das britische Pfund im Zentrum der Aufmerksamkeit

Dennoch scheint es immer noch so, dass Theresa May und ihre Partei voraussichtlich eine größere Mehrheit als zuvor erhalten dürften. Die Märkte werden positiv auf diese Nachricht reagieren und das Pfund dürfte sich ein wenig erholen. Die Folgewirkung könnte eine moderate Aktienrally von Unternehmen sein, die einen Großteil ihrer Geschäfte in Großbritannien abwickeln. Die Abwertung des Pfunds nach dem Brexit-Votum hat für eine Verteuerung der importierten Rohstoffe gesorgt. Viele der Unternehmen benötigen Rohstoffe für die Produktion der Güter, die sie an Großbritannien verkaufen und es herrschte Druck, diese höheren Kosten an den Endverbraucher weiterzugeben. Eine Aufwertung des Pfunds könnte den britischen Verbraucher in einer Zeit real sinkender Einkommen vor einem solchen Preisanstieg schützen. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass die Aufwertung des Pfunds bescheiden ausfallen könnte – nicht mehr als 1–2 Prozent bei einer Mehrheit von mindestens 50 Sitzen für die Konservativen, vielleicht 3–4 Prozent bei einem deutlicheren Gewinn. In diesem Zusammenhang sollten wir allerdings berücksichtigen, dass das schwache Pfund ein Segen für multinationale Unternehmen mit Hauptsitz in Großbritannien war. Ein Beispiel stellt Unilever dar, bei denen die in Euro und US-Dollar erzielten Auslandseinkünfte aufgrund des günstigen Umrechnungskurses die Bilanzen aufbesserten.

Im Falle eines Sieges der Labour-Partei wäre die Entwicklung des Pfunds weniger klar. Es könnte sich ein Trump-Effekt einstellen, bei dem die Wahrscheinlichkeit höherer staatlicher Investitionen Druck von der Bank of England nimmt. Die kurzfristigen Zinsen könnten in der Erwartung, dass auch die Vergleichszinssätze schneller als erwartet steigen, in die Höhe schnellen. Eine solche Entwicklung würde das britische Pfund vermutlich stärken. Als Gegengewicht dazu dürften der mit der Politik von Corbyn verbundene potenzielle Inflationsdruck und die allgemeine Unsicherheit über das Vorgehen einer Labour-Regierung das Pfund belasten.

Wunschdenken

Genau in Letzterem liegt unserer Meinung nach das Problem. Es ist unklar, wie Jeremy Corbyn die zusätzlichen Steuereinnahmen generieren will, um die geplanten Staatsausgaben auszugleichen. Labour hat versprochen, die Steuern für Besserverdienende zu erhöhen. Doch die Geschichte lehrt uns, dass sich die erhofften Mehreinnahmen häufig nicht einstellen, da die Menschen ihre Finanzen neu organisieren, um ihre Einkünfte zu sichern. Genau dies trat ein, als der ehemalige Finanzminister George Osborne den Spitzensteuersatz von 45 Prozent auf 50 Prozent anhob und die Steuereinnahmen nicht wesentlich anstiegen.

Was eine Erhöhung der Unternehmenssteuern betrifft, so könnte sich ein solcher Schritt zu einem Zeitpunkt, an dem wir unseren Austritt aus der Europäischen Union vorbereiten, als kontraproduktiv erweisen. Im gegenwärtigen Umfeld benötigt Großbritannien einen Anreiz für Unternehmen, ihren Sitz hierher zu verlagern, doch eine Erhöhung der Unternehmenssteuer scheint uns nicht das richtige Signal dafür zu sein. Angesichts der Bedrohung, die der Brexit für die Finanzdienstleistungsbranche des Landes darstellt, sind Gespräche über eine Einführung der Finanztransaktionssteuer ebenfalls wenig hilfreich.

Eine harte Landung steht bevor

Für die Geschäftswelt und für uns als Anleger in britische Unternehmen sollte der Fokus darin liegen, einen Plan aufzustellen, der durch das potenzielle Minenfeld namens Brexit führt. Ein „harter“ Brexit, bei dem wir nicht in der Zollunion verbleiben, wäre das wahrscheinliche Ergebnis sämtlicher Verhandlungen unter der Führung einer neuen konservativen Regierung. Je eher wir die Spielregeln für den künftigen Handel mit dem restlichen Europa erfahren, desto besser für alle Beteiligten. Die jüngste Welle des Populismus, die offenbar viele westliche Industrieländer erfasst hat, war ein äußerst destabilisierender Faktor für die Wirtschaft. Ganz gleich, welche Partei an die Macht kommt, sie muss eine Situation schaffen, die für die britische Wirtschaft konstruktiver ist. Das wiederum beinhaltet die Schaffung eines Rahmenwerks, das Großbritannien zu einem attraktiveren Wirtschaftsstandort macht.

Wäre die Labour-Partei eher in der Lage, ein solches Rahmenwerk im Falle eines Sieges zu schaffen? Unwahrscheinlich. Beim Brexit würde eine neue Labour-Regierung bei Null anfangen. Sie hätte sogar weniger Zeit als die Konservativen, ein gutes Ergebnis für Großbritannien zu verhandeln, selbst wenn es ihr gelänge, von all der bereits für die Vorbereitung der Brexit-Gespräche investierten Arbeit der Staatsbediensteten zu profitieren. Eine vernünftige Übergangslösung wäre das Beste, was wir uns erhoffen können. Dies dürfte auch ein wahrscheinlicher Ausgang der Verhandlungen mit den Konservativen sein, obwohl man hoffen sollte, dass die Partei von Theresa May schon ein Stück weiter ist in ihrem Verständnis dessen, was sie erreichen möchte.

Zusammengefasst ändert das Ergebnis der am Donnerstag stattfindenden Wahlen wenig an unserer Einschätzung, dass sich die Unternehmen, in die wir investieren, auf einen vollständigen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vorbereiten müssen. Übergangslösungen, bei denen wir Handelsabkommen auf Sektorenebene sehen, könnten die Landung abfedern. Eine volle Zollunion scheint angesichts des Bestehens der EU darauf, dass eine uneingeschränkte Freizügigkeit ihrer Bürger die unabdingbare Voraussetzung für die Erlangung dieses Privilegs ist, allerdings unerreichbar.

Quellen:
(1) FT, “Pound losses deepen as UK election polls narrow”, 26.05.17

Trumps Gesundheitsreform: Fluch oder Segen für Moats im US-Gesundheitssektor?

Falls der Senat die geplante Gesundheitsreform der US-Regierung abgesegnet, könnten Moats im US-Gesundheitssektor besser aufgestellt sein als ihre Wettbewerber. Moats, das sind Unternehmen mit einem „breiten Graben“, also nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. „Wir sehen durchaus Gefahren für den Sektor. Schätzungen zufolge könnten mehr als 20 Millionen US-Amerikaner in den kommenden zehn Jahren ihre Krankenversicherung verlieren“, so Torsten Hunke, Managing Director von VanEck Europe. „Für Moat-Investoren sehen wir beim aktuellen Gesetzesentwurf allerdings keinen allzu großen Grund zur Sorge.“ Und das, obwohl der Gesundheitssektor knapp ein Drittel des Volumens des Morningstar® Wide Moat Focus Index™ ausmacht.

Neuer Gesetzesentwurf sieht keine Sondersteuern vor

Mit dem neuen Gesetzesentwurf könnten einige Sondersteuern für den Pharmasektor gestrichen werden, mit denen bislang Fördermittel für „Obamacare“ finanziert wurden. Gerätehersteller beispielsweise müssen derzeit eine Extrasteuer in Höhe von 2,3 Prozent bezahlen. Das Gleiche gilt für ähnliche Steuern auf Gesundheitsversicherungen und Pharma-Konzerne. „All diese Steuern sind im neuen Entwurf nicht mehr enthalten, was für die betroffenen Unternehmen eine starke Entlastung bedeuten und sich auf die Gewinnmargen sowie auf die Aktienkurse auswirken könnte. Dies ist ein positives Signal für den Pharmasektor, insbesondere für Unternehmen mit einer ohnehin schon starken Wettbewerbsposition, wie etwa Allergan oder Eli Lilly and Company, die im Morningstar Wide Moat Focus Index vertreten sind“, sagt Hunke. Mit einem hohen Anteil der Pharmaunternehmen im Index könnte sich das neue Gesundheitssektor zum Performancetreiber für US-Moats entwickeln.

Regulierung von Medikamentenpreisen – nur heiße Luft?

Trumps angekündigte Pläne, die Medizinpreise stärker regulieren zu wollen, finden sich im aktuellen Gesetzesentwurf nicht wieder. Ein entsprechender Tweet hatte die Aktien des US-Pharmasektors im März kurzzeitig ins Wanken gebracht. Im nun diskutierten Gesetzesentwurf wurde dieses Vorhaben aber nicht berücksichtigt. „Die Pharmakonzerne werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre hohe Preissetzungsmacht beibehalten können. Davon dürften insbesondere die Unternehmen mit hohen Kostenvorteilen profitieren“, demonstriert Hunke.

Nachgelagerte Branchen – ein breiter Wettbewerbsvorteil schafft Abhilfe

Vor allem für Ärzte und Krankenhäuser könnte sich das Risiko von Zahlungsausfällen erhöhen, wenn eine große Anzahl von Patienten plötzlich ihre Krankenversicherung verlieren und damit ihre Rechnungen nicht mehr begleichen könnten. Eine unmittelbare Gefahr auch für nachgelagerte Unternehmen, etwa für Anbieter spezialisierter IT-Lösungen. Die Cerner Group, die unter anderem Informationssysteme für Krankenhäuser anbietet, kann sich allerdings dank hoher Wechselkosten einer loyalen Kundenbasis sicher sein. Hunke resümiert: „Auch, wenn ihre Kunden finanziell angeschlagen sind: Moderne Krankenhäuser sind auf passgenaue IT-Lösungen angewiesen und ein Wechsel zu einem anderen Anbieter wäre mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.“ Das Unternehmen ist aufgrund seines Wettbewerbsvorteils auch im Morningstar Wide Moat Focus Index enthalten. 

„Sollte die Gesundheitsreform final vom Kongress abgesegnet werden, müssen sich Unternehmen aus dem Gesundheitssystem mit einem starken Wettbewerbsvorteil keine Sorge machen. Die aufgehobenen Sondersteuern könnten vielmehr für eine Outperformance sorgen. Potenzielle negative Implikationen sehen wir für Dienstleister von Krankenhäusern und Ärzten, hier allerdings sind Unternehmen mit hohen Wettbewerbsvorteilen – also breiten Burggräben – grundsätzlich besser aufgestellt als der breite Markt“, schließt Hunke.

US-Ausstieg aus Pariser Klimavertrag

Wolfgang Pinner, Leiter der Abteilung "Nachhaltige Investments" in der Raiffeisen KAG, zum US-Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag.

Aus Sicht der Raiffeisen KAG wird der gestern von US-Präsident Donald Trump fixierte Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimavertrag zu keiner Austrittswelle durch weitere Staaten führen. Die Ankündigung des Wunsches nach einer „Nachverhandlung der Konditionen“ ist aus Sicht der Raiffeisen KAG insofern von geringer Relevanz, als die im Rahmen des Pariser Gipfels abgegebenen Commitments der einzelnen Länder zu COP 21 (Convention on Climate Change, 21st Conference of the Parties) schon heute unzureichend sind, um das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens 2 Grad zu erreichen. Es muss und wird in den nächsten Jahren also Anpassungsprozesse bei den erforderlichen Maßnahmen zum Klimaschutz geben müssen, aber hin zu strengeren Regeln und nicht im Sinne einer Aufweichung, wie von Trump angedeutet.

Die Auswirkungen der Entscheidung des US-Präsidenten auf den weltweiten Trend hin zu verstärktem Klimaschutz, einer Dekarbonisierung der Wirtschaft und dem verstärkten Einsatz „grüner“ Technologien sollten sich aus Sicht der Raiffeisen KAG im Rahmen halten. Die Europäische Union und China wollen den Weg in Richtung verstärkter Klimaschutz vorgeben. Wir erwarten eine Fortsetzung der Strategien zum Klimaschutz auf Bundesstaatenebene in den USA und damit verbunden „keinen Totalverlust des US-Marktes für Klimaschutzmaßnahmen“, sowie mittel- bis langfristig keine Verschlechterung der Umfeldbedingungen für Unternehmen, die im Bereich Klimaschutz tätig sind, z.B. erneuerbare Energien, Energieeffizienz und nachhaltige Infrastruktur.

Verknappung des Metallangebots aufgrund ökologischer Bedenken

Die Förderung und Produktion von Rohstoffen tritt zunehmend als Ursache für Umweltprobleme in den Vordergrund, insbesondere in den Schwellenländern. Sowohl China als auch die Philippinen verschärfen ihre Umweltschutzmaßnahmen. China ist der größte Hersteller von Aluminium und die Philippinen der größte Hersteller von Nickel. Beide Metalle könnten aufgrund der neuen Umweltpolitik Angebotsdefizite verzeichnen, so Nitesh Shah, Commodity Strategist, im Ausblick von ETF Securities.

China geht die größten Baustellen an

Die Umweltverschmutzung stellt für China ein Problem dar. Laut dem Statistischen Jahrbuch China sind 60 Prozent des Grundwassers nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Von den 161 streng überwachten Städten haben nur 16 die nationalen Standards hinsichtlich der Luftqualität erfüllt. Die chinesischen Behörden können seit Jahrzehnten ein herausragendes Wirtschaftswachstum vorweisen. Mit seiner Umweltbilanz schneidet das Land dagegen nicht so gut ab. Das fragile Ein-Parteien-System ist davon abhängig, dass sozialer Frieden herrscht. Dieser ist jedoch schwer zu erreichen, wenn die Bevölkerung mit dem Zustand der Umwelt unzufrieden ist. In der Rangliste der dringlichsten Probleme chinesischer Haushalte nehmen die Luftverschmutzung und die Wasserverschmutzung jeweils den zweiten und dritten Platz ein. Dies geht aus aktuellen Studien hervor. Diese Themen werden als dringlicher betrachtet als Einkommensungleichheit, Arbeitsbedingungen und Arbeitslosigkeit. Laut Beijing News wurden fast 50 Prozent aller Störungen, die mehr als 10.000 Menschen betrafen, durch Umweltverschmutzung ausgelöst.

Der jüngste 5-Jahres-Plan geht Verwaltungsstrukturen an

Die chinesischen Behörden haben auf diese Sorgen reagiert. Im elften 5-Jahres-Plan (2006-2010) wurden Ziele im Kampf gegen die Umweltverschmutzung festgelegt. Im zwölften 5-Jahres- Plan (2011-2015) wurde das Umweltrecht geändert und eine höhere Strafe bei Umweltverstößen beschlossen. Zudem wurde die Schwelle herabgesetzt, ab der ein Verstoß als Straftat gilt und entsprechend verurteilt werden kann. Die Durchsetzung dieses Rechts stellte jedoch nach wie vor ein enormes Problem dar, was in den Verwaltungsstrukturen des Landes begründet liegt. Die lokalen Behörden waren bislang dafür verantwortlich, lokale Umweltämter zu besetzen und diese zu bezahlen. Um ihre wirtschaftlichen Wachstumsziele zu erreichen, waren die Behörden daran interessiert, umweltbelastende Branchen in ihrem Zuständigkeitsbereich zu schützen. Eine der wichtigsten Änderungen am dreizehnten 5-Jahres-Plan (2016-2020) bestand darin, die Ämter, die für die Durchsetzung von Umweltauflagen und die Umweltüberwachung zuständig sind, von den Gemeindeverwaltungen abzuspalten und ihre Berichtslinie auf Abteilungen für den Umweltschutz auszurichten, die auf Ebene der Provinzen angesiedelt sind.

Mit dieser Änderung der Verwaltungsstruktur kann die Umweltpolitik endlich „Zähne zeigen“. In der Stahlindustrie hat das Umweltschutzministerium beispielsweise ein spezielles Inspektionsteam ins Leben gerufen, das beurteilen soll, ob Stahlunternehmen die technischen Normen und Emissionsvorschriften des Staates befolgen. Nach dem Besuch von 1.019 Stahlunternehmen stellten die Inspekteure fest, dass 173 Unternehmen gegen die Vorschriften verstoßen hatten. 29 dieser Unternehmen wurden temporär geschlossen, um Korrekturmaßnahmen vorzunehmen, und 23 wurden aufgefordert, ihre Produktionsmenge zu kürzen. Diesen Unternehmen wurden Strafgebühren in Höhe von insgesamt 2,8 Millionen US-Dollar auferlegt. Die meisten Verstöße sind in kleinen, ineffizienten Stahlwerken zu verzeichnen. Diese produzieren mehr Schadstoffe als Stahl. Das Umweltschutzministerium möchte in den kommenden fünf Jahren überschüssige Stahlkapazitäten in Höhe von 100-150 Millionen Tonnen stilllegen.

Kürzung der Aluminiumproduktion

Während der Stahlsektor bei der Durchsetzung der Umweltvorschriften 2016 im Mittelpunkt stand, werden die Behörden im Jahr 2017 die Überproduktion in der Aluminiumbranche angehen. Ähnlich wie in der Stahlindustrie sind es die kleinen Produzenten, deren Umweltverschmutzung besonders hoch ist. Die chronischen Überkapazitäten waren ein Nebenprodukt dessen, dass die lokalen Behörden zu selbstzufrieden waren, um die Finanzierungsmittel für verlustreiche Produzenten zu streichen.

In China wird rund die Hälfte des globalen Bestands an Aluminium produziert. Die Produktion von Aluminium ist äußerst energieintensiv, da für den Schmelzprozess Elektrizität benötigt wird. Diese Umweltverschmutzung wird noch dadurch verstärkt, dass China bei den meisten Schmelzvorgängen Kohle als Energiequelle benutzt. Dagegen wird die Produktion in anderen Regionen größtenteils mit Wasserkraft angetrieben, die keine Kohlenstoffe absondert.

Offiziellen Meldungen und Medienberichten zufolge könnten die Kapazitäten in Henan, Shandong und Shanxi während der winterlichen Heizsaison um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Diese Regionen machen fast 20 Prozent der globalen Kapazitäten aus. Auf diese Weise könnten die weltweiten Kapazitäten im Winter um 6 Prozent gesenkt werden. Das wäre vermutlich genug, um die globale Aluminiumbilanz ins Defizit zu drücken.

Philippinen schließen Minen

Im Februar ordnete der vorläufige philippinische Umweltminister an, 23 der landesweit 41 Minen aufgrund vermeintlicher Umweltverstöße zu schließen. Fünfzehn der 23 Minen befinden sich in Wassereinzugsgebieten. Zudem hat der Minister auch die Kündigung von 75 Minenverträgen angeordnet, oder von fast einem Drittel der Vereinbarungen über die gemeinsame Produktion von Mineralöl, wenn die Minen noch nicht die Produktion aufgenommen haben und in Wassereinzugsgebieten liegen.

Als Wassereinzugsgebiete werden Gebiete bezeichnet, in denen das Wasser, das sich darunter befindet oder daraus abfließt, am selben Ort gesammelt wird. Wassereinzugsgebiete leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die richtigen Nährstoffe in andere Einzugsgebiete gelangen.

Die Philippinen sind der größte Hersteller von Nickelerz. Die stillgelegten Minen machen nahezu 170.000 Tonnen und rund 8 Prozent des weltweiten Angebots aus.

Auch wenn die Stilllegungen angefochten werden und der vorläufige Umweltminister noch als permanenter Amtsinhaber bestätigt werden muss, hat der Präsident der Philippinen seine volle Unterstützung angeboten. Da die Idee von so viel politischem Kapital getragen wird, besteht das Risiko, dass die Minen tatsächlich geschlossen werden.

Andere Schwellenländer

El Salvador ist zwar kein Großproduzent von Metallen, hat jedoch kürzlich beschlossen, dass in dem Land keine Metalle gefördert werden dürfen. Dieser Beschluss war eine Reaktion darauf, dass Betreiber von Minen, die sich in ausländischem Eigentum befinden, Umweltauflagen verletzten und keine Strafgebühren zahlten. Die Umweltgesetzgebung könnte auch in weiteren Ländern zum Thema werden.

Vielfalt am US-Markt für Unternehmensanleihen bietet attraktive Investmentchancen

Die politische Unsicherheit in den USA hat bei europäischen Investoren zuletzt verstärkt zu Skepsis geführt. Doch Investoren sollten sich von kurzfristigen Irritationen nicht beirren lassen. Aufgrund seiner großen Vielfalt kann gerade das Universum US-amerikanischer Anleihen mit Investmentgrade-Rating für Anleger aus Europa interessant sein. 

Eine wichtige Frage bleibt allerdings: Wann geht der amerikanische Kreditzyklus zu Ende? Die meisten Investoren sind sich einig, dass sich der aktuelle US-Kreditzyklus seinem Ende zuneigt. Dafür sprechen die hohe Verschuldung der Unternehmen und ihr abnehmendes Gewinnwachstum. Weniger klar ist hingegen, wann die Wende kommt. Anstatt auf den Zeitpunkt eines Richtungswechsels zu spekulieren, erscheint es bei einem solch unsicheren Ausblick daher besonders ratsam, Einzelwerte auf fundamentaler Basis zu analysieren, um festzustellen, ob diese stabil genug sind kurzfristige Unsicherheiten unbeschadet zu überstehen.

Renditepotenzial und Markttiefe sind zentrale Faktoren

Trotz des nicht ganz einfachen Umfelds in den USA können amerikanische Investmentgrade-Unternehmensanleihen für Investoren durchaus interessant sein – zumal europäische Titel zurzeit nur wenig Rendite bieten. Zwei zentrale Argumente sprechen dabei für US-amerikanische Investmentgrade-Anleihen: Erstens bieten sie höhere Renditechancen, also einen Mehrertrag gegenüber Geldmarktanlagen und Staatsanleihen. Die Renditen sind zudem höher als die vergleichbarer Papiere aus Europa. Selbst wenn die Anleihen in Euro abgesichert sind, bleiben die Renditen höher.

Zweitens ist der Corporate-Bond-Markt in den USA besonders tief, reif und vielfältig. Dadurch können Portfoliomanager dort leichter diversifizierte, stabile und zugleich flexible Portfolios zusammenstellen. Europäische Unternehmen setzen hingegen nach wie vor mehr auf Bankkredite, sodass sich der Euro-Markt weniger gut entwickelt hat. Darüber hinaus gehen amerikanische Unternehmen häufiger mit neuen Anleihen an den Markt als europäische, was zusätzliche Chancen für aktive Portfoliomanager mit sich bringt.

Opportunitäten ergeben sich durch die Identifikation von Langzeittrends

Vor diesem Hintergrund können vor allem sektorspezifische Entwicklungen eine relevante Renditequelle darstellen – wenn Investoren diejenigen Emittenten finden, die von den jeweiligen Trends am stärksten profitieren. Der Technologiesektor ist hier ein gutes Beispiel. 

Der Technologie-Bereich ist vor allem deswegen interessant, weil er inzwischen über eine Vielzahl verschiedener Anlagemöglichkeiten verfügt. Viele Unternehmen emittieren heutzutage unterschiedliche Kapitalklassen und zahlen Dividenden. Dennoch ist der Sektor weiterhin innovativ – das gilt in den USA und weltweit. Um hier Erträge erzielen zu können, müssen Investoren auf Unternehmen setzen, die in bestimmten Segmenten am Markt führend sind und neue Technologien entwickeln – wie etwa das Cloud Computing. Apple beispielsweise entwickelt nicht nur regelmäßig neue Technologien, sondern nutzt auch selbst die Cloud-Technologie und könnte von deren wachsender Beliebtheit direkt profitieren. Auch Microsoft, einem anderen Marktführer, könnte der wachsende Speicherbedarf mithilfe von Cloud Computing nutzen.

Investoren sollten den Energiesektor in den Fokus nehmen

Auch die Energiebranche ist durchaus einen Blick wert. Dort haben sich die Preise wieder erholt – die Spreads sind im Vergleich zu anderen Sektoren nicht mehr besonders hoch. Einzelwerte können hier allerdings trotzdem für Mehrwert sorgen. Das gilt zum Beispiel für Pipelinebetreiber. Deren Fundamentaldaten sind noch immer gut, und die meisten Unternehmen haben beim Schuldenabbau Fortschritte gemacht. Sie achten jetzt so sorgfältig auf ihre Finanzen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch Energietransport- und Energiedienstleistungsunternehmen haben von besseren Geschäftsbedingungen profitiert. Um in diesem Umfeld Erfolg zu haben, eignet sich ein fundamentaler Investmentansatz, der Chancen unabhängig vom Markt nutzt.

Über die Capital Group
Die Capital Group ist einer der ältesten und größten aktiven Investmentmanager der Welt. Sie managt Aktien-, Anleihen- und Private Equity-Anlagen für unterschiedliche Arten von Investoren. Seit 1931 hat die Capital Group nur ein Ziel: überdurchschnittliche, stabile Erträge für langfristige Investoren – durch Portfolios aus überzeugenden Einzelwerten, sorgfältige Analysen und Eigenverantwortlichkeit. Heute managt die Capital Group über 1,4 Billionen US-Dollar in langfristigen Anlagen für private und institutionelle Investoren weltweit. Die Capital Group hat ein internationales Researchnetz aus über 380 Investmentexperten und Portfoliomanagern mit im Median 27 Jahren Investmenterfahrung.

The UK Election and Its Impact on Brexit

by Ben Kottler, Institutional Portfolio Manager at MFS Investment Management.

As the United Kingdom’s general election campaign enters its final days, recent polls have shown the race tightening somewhat. However, the ruling Conservative Party, led by Prime Minister Theresa May, is expected to maintain or even increase its majority in the House of Commons on 8 June. What is in doubt is the impact the election will have on the Brexit negotiations, which are set to begin in earnest 11 days later.

According to pollsters, the most important issue for voters at the time the election was called was who should lead the Brexit negotiations. On that score, May currently has a great deal of public support, outpolling Jeremy Corbyn, leader of the Labour Party, by roughly three to one. The Conservatives have campaigned on the idea that ‘strong and stable’ May is better suited to the task of negotiating Brexit than Corbyn and that with a narrow negotiating window ahead, now is not the time to change governments.

The conventional wisdom is that May, after surveying the political landscape, called an early election to increase the Tories’ majority in order to improve her hand in Brexit negotiations. It is thought that this would strengthen the prime minister’s hand against a small group of eurosceptic Conservative Members of Parliament (MPs), who would gladly give up access to the European Union’s single market in exchange for having control over the UK’s borders and trade deals.

There is little evidence, however — beyond her seemingly tepid support for the Remain camp during the referendum — that May favours a ‘soft’ Brexit. Indeed, the few public statements she has made since declaring that ‘Brexit means Brexit’ suggest that she is now more in the ‘hard’ Brexit camp. For example, May repeated her call for low immigration targets in the election manifesto — targets that were not achieved by the government when she was home secretary. Yet to be seen is which way new Conservative MPs will lean if she does indeed garner a larger majority. For the Conservatives, one potential benefit of an early election is that it would reset the clock for another five-year fixed term. Assuming Brexit negotiations stretch on for two years, May’s party would have three years to finalise a trade agreement and adapt to the new UK-EU relationship before having to face the voters again.

Now’s not the time for nuance

At this stage, with negotiations with the EU to begin in mid-June — and the UK election underway — one should not expect much nuance from either side of the negotiating table. At the outset of any negotiation, positions tend to be at their most extreme. Essentially, we are now in the posturing stage, with each side appealing to their own constituents. For example, on one side you have the EU saying that the UK will owe as much as €100 billion upon Brexit, and on the other side you have the UK saying it could owe nothing and that it will walk out of talks if the EU demands too much. The odds are that there will be an agreement that sets terms somewhere between these two extreme positions.

Similarly, it is the UK’s stance that the terms of Brexit can be negotiated while future EU/ UK trade agreements are being worked out. The EU’s viewpoint is that discussions about future trade in services should not begin until there has been progress on the UK’s nancial contributions to the EU, on the border between the Republic of Ireland and Northern Ireland and on the rights of EU citizens living in the UK and UK citizens living in the EU.

So what kind of Brexit will it be? A smooth Brexit process, after all, is not in the EU’s interest since that could potentially encourage other EU member states to leave. To illustrate the point, a Bundesbank of official recently said that Britain faces ‘either a hard Brexit or a very hard Brexit.’ The trick for the EU will be to set terms that don’t encourage other nations to follow in the UK’s footsteps, but without creating an environment that will significantly interfere with European trade bound for the UK. Although the failure of talks would potentially hit the UK hard, disruption in the EU would also be unpalatable.

At the outset of the negotiations, an agreement looks a long way off. But let’s not forget that the EU has managed to forge agreements during periods of crisis throughout its history, even when consensus looked unlikely. History suggests it will be able to do so in the end, but it also suggests that any agreement will come at the very last moment.

What are the two sides’ best bargaining chips? For the EU, it is the significant trade imbalance between it and the UK. Of the EU countries, the UK only has a trade surplus with Ireland. The UK’s best bargaining chip is that it can potentially make a significant exit payment to ease the loss of annual payments to Brussels. There’s also an implicit threat to reduce UK participation in European security arrangements, although it is hard to see how this would be in the UK’s interests and leaves an unpleasant taste in the mouth, particularly after the recent terrorist attack in Manchester.

Winners and losers

With the two sides miles apart in their public stances, and emotions running high, it is difficult to say who stands to gain or lose the most from these negotiations. There is intense media interest in how London’s role as the nancial capital of Europe will change. Dublin, Luxembourg and Frankfurt would likely pick up some of the jobs that could leave the British capital, but we question whether any city or country would even want to assume London’s role as a nancial capital, given the enormous regulatory infrastructure — not to mention systemic risks — that come with the territory. Ironically, New York may end up benefiting more than any of the European alternatives as US investment banks bring London-based jobs back to their headquarters.

Aufnahme chinesischer A-Aktien in MSCI-Indizes wahrscheinlich

von Catherine Yeung, Investmentdirektorin für asiatische Aktien bei Fidelity International.

„Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Chinas durch die Ratingagentur Moody‘s dürfte sich weder auf die Wirtschaft des Landes noch auf die Ende Juni anstehende MSCI-Entscheidung zur Aufnahme von A-Aktien in dessen Index auswirken. Auch die weitere Entwicklung der Stock-Connect- und Bond-Connect-Programme dürfte sie nicht beeinflussen.

Mit der Herabstufung um eine Stufe von Aa3 auf A1 ist kein Wechsel von „Investment Grade“ zu „Non Investment Grade“ verbunden. Daher wird sich die verschlechterte Kreditwürdigkeit nur geringfügig auf die allgemeinen Finanzierungskosten Chinas oder die Anleiherenditen auswirken. Kreditgeber vom Festland orientieren sich tendenziell nicht an den Ratings von Moody‘s. Darüber hinaus stellen inländische Gläubiger den Großteil der Finanzierungen bereit, sodass China nicht auf ausländische Quellen angewiesen ist.

Dessen ungeachtet könnte die Ratingmaßnahme kurzzeitig die wirtschaftliche Stimmung belasten. Darüber hinaus spiegeln sich in der Entscheidung von Moody’s die Sorgen über den hohen Schuldenstand Chinas wider.

Anlegern dürfte das Schuldenproblem hinlänglich bekannt sein. Andererseits sollten sie bei ihren Überlegungen die hohen Einlagen chinesischer Sparer berücksichtigen.

Positiv ist aus unserer Sicht zudem, dass chinesische Unternehmen ihre Verschuldung in den letzten Jahren kontinuierlich reduziert haben.“

Nachhaltige Anlagen bei Pictet Asset Management

Nachhaltigkeit ist zu einem attraktiven Anlagethema mit profitablen Möglichkeiten geworden, das eine steigende Anzahl privater und institutioneller Anleger anzieht, so Pictet Asset Management.

Wir sind überzeugt, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Überlegungen uns helfen können, bessere langfristige Anlageentscheidungen für unsere Kunden zu treffen. Seit Jahrzehnten spielt Nachhaltigkeit für uns eine zentrale Rolle. Seit die Pictet-Gruppe 1805 gegründet wurde, ist es unser Ziel, den Wohlstand unserer Kunden langfristig zu sichern. So haben wir ganz selbstverständlich immer auch die Interessen der kommenden Generationen vertreten.

Die Vorbereitung auf die Zukunft umfasst auch die Identifizierung von strukturellen Kräften, die die Welt von morgen voraussichtlich prägen werden. Unter anderem stellen Trends wie die stetig steigende Weltbevölkerung, ein wachstumsgetriebener Wandel beim Konsumverhalten und die zunehmende Ressourcenknappheit eine große Herausforderung für viele Industriezweige dar. Da es sich dabei um langfristige weltweite Phänomene handelt (die wir als Megatrends bezeichnen), ergeben sich daraus extrem interessante Gelegenheiten für Anleger.

Umweltstrategien

In den letzten fünfzehn Jahren hat Pictet Asset Management mit der Entwicklung und Lancierung mehrerer Umweltstrategien, die verschiedene Megatrends kombinieren, Pionierarbeit geleistet. Seitdem sind wir zu einem führenden Akteur und einer Autorität in diesen Bereichen geworden.

Unser im Jahr 2000 aufgelegter Fonds Water war nicht nur der erste, sondern ist bis heute auch der größte in seinem Segment. Basierend auf Trends wie Urbanisierung, stark wasserabhängigem Wirtschaftswachstum und Knappheit von sauberem Wasser liegt der Schwerpunkt der Anlagestrategie auf der weltweit vielleicht wichtigsten Ressource. Das Portfolio umfasst Unternehmen, deren Erträge zu rund zwei Dritteln aus wasserbezogenen Tätigkeiten stammen. Die Strategie bietet den Anlegern eine interessante Synthese aus defensiven und Wachstumstiteln mit langfristigem Potenzial.

Seit 2007 bieten wir unseren Kunden durch unseren Fonds Clean Energy die Möglichkeit, in Unternehmen anzulegen, die zum Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beitragen und davon profitieren. Diese Unternehmen entwickeln insbesondere sauberere Infrastruktur und Ressourcen sowie Technologien und Anlagen zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen. Außerdem stehen Unternehmen im Fokus, die durch Energieeffizienz zur Senkung des Energieverbrauchs beitragen.

Auch mit der Lancierung unseres Fonds Timber im Jahr 2008 leisteten wir Pionierarbeit. Durch Investitionen in börsennotierte Gesellschaften, die Wälder und Plantagen besitzen und bewirtschaften, können sich Anleger an dieser strategischen erneuerbaren Ressource beteiligen, ohne bei der Marktgängigkeit oder der täglichen Liquidität gegenüber einem konventionellen Fonds Abstriche machen zu müssen.

Im gleichen Jahr erkannten wir die Gelegenheit, die sich in der Landwirtschaft aufgrund der Umstellung von traditionellen landwirtschaftlichen auf agroindustrielle Praktiken bot, und lancierten unseren Fonds Agriculture. Mit einem Bottom-up-Titelauswahlprozess konzentriert er sich auf Unternehmen, die Lösungen zur Verbesserung von landwirtschaftlichen Praktiken anbieten und weltweit in die agroindustrielle Wertschöpfungskette investieren. Dabei sind Anlagen in gentechnisch veränderte 

Organismen (GVO) im Rahmen der Anlagestrategie streng geregelt und umweltschädigende Unternehmen werden gemieden.

Nachhaltige Strategien

Pictet Asset Management befasst sich seit 1997 mit breit diversifizierten nachhaltigen Anlagen. Ziel unserer Anlagetätigkeit sind Qualitätsunternehmen mit überdurchschnittlicher  Unternehmensverantwortung. Dabei gehen wir davon aus, dass sich Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte Teil der Entwicklungsstrategien sind, in einer besseren Position befinden, um neue Geschäftsgelegenheiten zu nutzen, Reputations-, Finanz- und operative Risiken zu begrenzen, Arbeitnehmer zu motivieren und dadurch langfristigen Mehrwert für Anleger zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund haben wir einen neuen Anlagerahmen geschaffen, um die Fähigkeit von Unternehmen zu nutzen, attraktive und widerstandsfähige Renditen für ihre Aktionäre zu generieren und gleichzeitig „Boom-and-Bust“-Geschäftsmodelle zu vermeiden. Um für eine Anlage in Frage zu kommen, müssen sich Unternehmen sowohl auf finanzieller als auch auf nichtfinanzieller Ebene auszeichnen. Unternehmen, die auf Kosten der Aktionäre, Mitarbeiter, Konsumenten oder der Umwelt profitabel sind sowie Unternehmen, die zwar „grün“, aber finanziell unattraktiv sind, schließen wir nach Möglichkeit aus. Unser erster Nachhaltigkeitsfonds, der Swiss Sustainable Equities, wurde 1999 lanciert. Kurz darauf folgte der Fonds European Sustainable Equities. Als natürliche Ausweitung unserer Expertise bei nachhaltigen Kernaktien ergänzten wir unser Angebot 2012 durch den Fonds Emerging Markets Sustainable Equities. Alle diese Fonds befolgen den Europäischen Transparenzkodex für Nachhaltigkeitsfonds.

Diese Initiative wurde 2004 von Eurosif lanciert. Die Mission dieser führenden gemeinnützigen, gesamteuropäischen Mitgliedsorganisation ist es, Nachhaltigkeit an europäischen Finanzmärkten zu fördern, insbesondere bei Grundsätzen und Prozessen von nachhaltigen Investmentfonds. Die Portfolios ermöglichen den Zugang zu Kerntiteln mit dem zusätzlichen Vorteil, in nachhaltige Firmen zu investieren.

Unsere Strategien fördern Unternehmen mit Exposure bei CO2-armen Energiequellen, gesunder Ernährung und medizinischer Ausstattung. Unternehmen aus der sogenannten Junk-Food- oder Tabakbranche werden gemieden. So sind z.B. die Unternehmen in unseren nachhaltigen europäischen Aktienportfolios 41% weniger kohlenstoffintensiv und oft deutlich weniger ESG-Kontroversen wie Bestechung ausgesetzt.

C02 –Fußabdruck des Fonds Pictet–European Sustainable Equities
Quelle: In Rate, Pictet Asset Management, 31.03.2017

In Anerkennung unseres Engagements bei nachhaltigen Anlagen erhielten wir 2014 die Auszeichnung SRI/ESG Provider of the Year bei den UK Pensions Awards sowie 2013 die gleiche Auszeichnung bei den European Pensions Awards.

Unsere Fonds European Sustainable Equities und Emerging Markets Sustainable Equities erhielten ebenfalls das Novethic SRI Label des Research-Centers in Paris, das Informationen zum Markt für verantwortliche Anlagen zur Verfügung stellt und Studien zu den neuesten Entwicklungen des Marktes in Europa durchführt.

Per 31. Mai 2017 verwalteten wir ein Gesamtvermögen von über EUR 10 Mrd. mit unseren Umwelt- und nachhaltigen Strategien.1


Quellen
1) Pictet Asset Management

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Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der grössten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit.  Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.

Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Pakistans Comeback als Emerging Market

Pakistan wurde aktuell in den MSCI Emerging Markets Index mit 0,14 Prozent aufgenommen. „Grund dafür ist Pakistans Wirtschaft, die sich weiter positiv entwickelt. Im Fiskaljahr 2015/2016 legte sie ein Wachstum von 4,7 Prozent hin, das überwiegend vom Industrie- und Dienstleistungssektor getrieben wurde“, erklärt Oliver Bell, Portfolio Manager der Frontier Markets Equities Strategie. Seit Jahren weise Pakistan zudem eine der niedrigsten Inflations- und Zinsraten auf. Auch die Währung bleibe relativ stabil.

Unsicherheiten bestehen weiterhin

Pakistan habe sich seit einigen Jahren aus dem Umfeld der Frontier Markets herausbewegt und sei somit für Investoren interessant geworden. „Unsicherheiten ergeben sich jedoch aus den politischen und ökonomischen Risiken, die das Land durchziehen. Die Inflationsrate bewegt sich zwar aktuell nah an der Talsohle, dennoch wird sie dieses niedrige Niveau kaum beibehalten. Die Preise könnten anziehen, obwohl wir von keinem Inflationsschock ausgehen“, so der Experte. Dies könnte zu einer verschärften geldpolitischen Haltung führen. Wie Pakistan das Niveau eines „asiatischen Tigers“ erreichen wolle, bleibe abzuwarten. Denn ohne weitere wirtschaftliche und strukturelle Reformen werde sich das Wirtschaftswachstum kaum heben. 

Die parlamentarischen Wahlen in 2018 könnten zu zunehmenden Staatsausgaben führen. Es bleibe zu beobachten, ob die Regierung populistische, prozyklische Maßnahmen plane im Hinblick auf Ausgaben, das Schuldenprofil und aggressiven Zinssenkungen, die eigentlich nicht angebracht erscheinen. Ob Primierminister Nawaz Sharif die kommende Wahl erneut gewinne, sei unklar. Dennoch scheint der politische Rahmen auch für Oppositionsparteien recht eng festgelegt zu sein. Ein allgemeiner Konsens herrsche darüber, dass Pakistan von den Maßnahmen der CPEC und dem nationalen Aktionsplan profitiere, der dem Extremismus, Terrorismus und der Korruption innerhalb des Landes den Kampf angesagt habe.

Textilindustrie von unzuverlässiger Elektrizitätsversorgung beeinträchtigt

Nicht außer Acht gelassen werden dürfe, dass sich Pakistan noch am Anfang des Ausbaus der Energieinfrastruktur und des Transports befinde. „Die hier getätigten Investments liegen unter der Hälfte des Durchschnittswertes, den Emerging Markets sonst für den Ausbau aufbringen. Seit mehreren Jahren leidet das Jahr schon an der unzuverlässigen Elektrizitätsversorgung. Vor allem die Textilindustrie ist davon betroffen“, veranschaulicht Bell. Durch die häufigen Stromausfälle erreichten Textilfirmen in den letzten Jahren ihr Maximum an Profitabilität, und das obwohl die Kapazitäten nicht komplett genutzt werden konnten. Erst wenn das Land die Energieversorgung in den Griff bekomme, könnte es eine regionale Produktionsstätte werden, die globale Bedeutung erfahre. 

Bankensektor mit hohem Wachstumspotenzial

Ein besonderes Augenmerk gelte dem Bankensektor. Im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern sei in Pakistan der Bankenbereich am geringsten ausgebaut. Dennoch biete er gerade durch den Aufschwung im Kreditzyklus, durch positive gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und durch vorteilhafte demographische Kennzahlen erhebliches Wachstumspotenzial. Die folgenden Daten verdeutlichten dieses Potenzial: Gerade einmal zwölf Prozent der Bevölkerung seien Bankkunden. Obwohl Pakistan eine vom Bargeld getriebene Wirtschaft sei, weise das Land im Vergleich zu den anderen Entwicklungsländern einen der niedrigsten Werte für Sparkonten und Kredite auf. Privatkredite bildeten beispielsweise 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Typischerweise liege der Wert in Emerging und Frontier Marktes bei mehr als 30 Prozent. Sie können aber auch deutlich höher ausfallen, wie in China, Südafrika oder Thailand. Hier liege der Wert bei 150 Prozent. 

„Die geringe Nutzung der Bankdienstleistung dürfte für eine attraktive, mittelfristig ausgerichtete Wachstumsgeschichte sprechen. Trotz der drohenden Risiken konnte Pakistan seine Fortschritte unter Beweis stellen und nun zum MSCI Emerging Markets Index zurückkehren“, schließt Bell.

Über T. Rowe Price
T. Rowe Price ist eine globale Investmentgesellschaft mit 702,5 Milliarden Euro Assets under Management. Das 1937 von Thomas Rowe Price jr. gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Baltimore (USA) und ist mit eigenen Büros in den USA und Kanada, EMEA und Asien präsent. Diversifizierung, Stiltreue und ein fundiertes Research zeichnet den disziplinierten und risikokontrollierten Investmentansatz von T. Rowe Price aus. Kunden aus Deutschland bietet T. Rowe Price insbesondere Aktien- und Fixed-Income-Lösungen.
Für weitere Informationen besuchen Sie www.troweprice.com.

Letzte Zinserhöhung in den USA für 2017

von Anna Stupnytska, Volkswirtin bei Fidelity International.

„Für die globale Geldpolitik ist der Juni ein wichtiger Monat: Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werden am 8. bzw. 14. Juni Aufschluss über ihre weiteren Überlegungen für einen Rückzug aus ihrer lockeren Geldpolitik geben. Beide Zentralbanken könnten sich zurückhaltender zeigen, als viele erwarten. Das verdeutlicht einmal mehr, wie schwer der Ausstieg aus der vor acht Jahren eingeleiteten extrem lockeren Geldpolitik ist.

US-Notenbank: Gute Gelegenheit für eine Zinsstraffung

Ich erwarte, dass die Fed im Juni die Zinsen zum letzten Mal in diesem Jahr anheben wird. Die lockeren Finanzierungsbedingungen haben die Fed in diesem Jahr zu Zinsschritten ermutigt, aber die Wirtschaft spielt nicht mit. Vielmehr wird die Schwäche im Konsum immer deutlicher. Ursachen sind die realen Lohneinbußen sowie die strengeren Kreditauflagen, die zum Beispiel den Kauf einer Immobilie weniger erschwinglich machen. Und auch wenn die Investitionen, die das Wachstum über viele Quartale gebremst haben, endlich wieder anziehen, sind sie noch nicht stark genug, um den schleppenden Konsum wettzumachen.

Auch der Inflationsausblick bleibt verhalten, da der Rohstoffpreisanstieg des letzten Jahres langsam aus den Vorjahresvergleichen herausfällt. Zwar dürfte sich die Kerninflation in den kommenden Monaten beschleunigen, was aber für die Fed kein Grund zur Sorge sein dürfte. Von der angespannteren Lage am Arbeitsmarkt könnte endlich Aufwärtsdruck auf die Löhne ausgehen. Aber die in der aktuellen Zyklusphase relativ flache Phillips-Kurve lässt nur auf eine sehr allmähliche Beschleunigung schließen.

EZB: Zaghafte Schritte in Richtung Kurswechsel

Auf ihrer Sitzung im Juni wird die EZB wahrscheinlich von ihrer extrem lockeren Haltung abrücken. Wie bereits von einigen Ratsmitgliedern angedeutet, wird sie ihre als „Forward Guidance“ bezeichnete Erwartungssteuerung anpassen. Mit Einzelheiten über den Ausstieg ist allerdings nicht vor Jahresende zu rechnen. Dieser wird vermutlich langsamer als erwartet erfolgen und davon abhängen, wie stark der Euro ist. Auch die Märkte dürften nach Hinweisen auf ein langsames Auslaufen der Lockerungsmaßnahmen und eine Anhebung der Einlagenzinsen Ausschau halten. Meines Erachtens ist die EZB aber noch nicht bereit, diese Entscheidungen zu treffen. Dies wird wohl ein Thema für das nächste Jahr sein.“

Nach der Wolke kommt der Nebel

Die sogenannte Fog-Technologie oder das Fog-Computing steht bereit, den Markt zu revolutionieren. Davon ist Mark Hawtin, Investment Director bei GAM, überzeugt: „Die Cloud-Technologie hat sich mittlerweile weitgehend etabliert, auch wenn ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird. Die Flexibilität, die die Cloud bietet, wird nun durch den Fog sogar noch erweitert. Die Cloud-Technologie stößt an ihre Grenzen, wenn sehr große Datenmengen in Echtzeit abgerufen und verarbeitet werden müssen. Beim Fog werden Daten nicht mehr komplett an die Cloud gesendet, sondern zunächst zu einem Server in der Nähe, der dann einen Teil direkt verarbeitet und den Rest an die Cloud sendet. Der Fog setzt sich also aus vielen Endgeräten in der Nähe des Users zusammen und greift so zum Beispiel ungenutzte Server-Kapazitäten ab. Diese lokalen Geräte, die sogenannten Edge Devices, übernehmen teilweise Aufgaben der Cloud und reduzieren so die zu übertragende Datenmenge“, so der Experte.

Fog Computing als Grundlage für das Internet der Dinge

Die Kombination aus Cloud und Fog bildet laut Hawtin die Basis für künftige Entwicklungen: „Wir stehen am Beginn einer neuen Ära. Künstliche Intelligenzen, zum Beispiel in selbstfahrenden Autos, werden unseren Alltag bestimmen.“ Gerade Systeme mit künstlicher Intelligenz verdeutlichten die Notwendigkeit der Fog-Technologie, da sie eine Unmenge an Daten verbrauchten. „Die Spracherkennung oder -steuerung von Smartphones zum Beispiel passiert per WLAN oder mobilen Internets komplett in der Cloud. Bei selbstfahrenden Autos kann dieses Modell aber nicht funktionieren, da die Datenmenge zu groß ist“, erklärt Hawtin. Laut des Wirtschaftsforschungsinstituts Bernstein nehme die Nutzung von Google Maps für eine Stunde eine Datenmenge von fünf Megabytes in Anspruch. Die Sensoren eines selbst fahrenden Autos hingegen würden in derselben Zeit 25 Gigabyte generieren. „Das ist mit der Cloud-Technologie nicht zu bewerkstelligen. Autos brauchen intelligente Systeme an Bord und ein Fog-Netzwerk nahe der Datenquelle“, ist Hawtin überzeugt.

„Die Kombination dieser Systeme wird eine neue Welle technologischen Fortschritts einläuten und das Internet der Dinge voranbringen“, fährt der Experte fort. Bisher habe das Internet der Dinge nur intelligente Kühlschränke hervorgebracht und infolgedessen enttäuscht, die Fog-Technologie aber bringe vielversprechende neue Möglichkeiten.

Eine neue Epoche des Computerzeitalters

Mit der Entwicklung der Fog-Technologie beginnt die vierte Epoche der elektronischen Datenverarbeitung. „Die Branche hat eine natürliche Tendenz, zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung zu schwanken“, sagt Mark Hawtin. In der ersten Epoche des Computerzeitalters seien Großrechner als zentrale Plattformen bereitgestellt worden, da die Investitionskosten extrem hoch waren. Darauf sei eine Demokratisierung und Dezentralisierung dieser Technologie in der Client-Server-Generation gefolgt. In der dritten Epoche kam mit der Cloud die Rückkehr zur Zentralisierung. Die Fog-Technologie läute nun die vierte Epoche ein. „Allerdings wird der Fog die Cloud nicht abschaffen“, ist der Experte überzeugt. „Der Fokus des Fog richtet sich darauf, die Leistungsfähigkeit unserer Netzwerke durch Intelligenz zu ergänzen. Deshalb bezieht Fog Computing die Cloud mit ein, statt sie zu verdrängen.“

Gewinnmitnahmen bei Rohöl, das nach OPEC-Treffen abrutscht

Nachdem die OPEC die Förderquoten verlängert hat, kommt es bei Rohöl-ETPs zu den höchsten Abflüssen seit sechs Monaten. Die Zuflüsse in Industriemetall-ETPs erreichen ein Siebenjahreshoch, da die Auflösung spekulativer Positionen nachlässt. Anleger fühlen sich zu Technologie-ETPs hingezogen, die in der elften Woche in Folge Zuflüsse verzeichnen, diesmal 34 Mio. US-Dollar. US-Dollar werden mittlerweile seit sechs Wochen zu Lasten des Euro gekauft, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Nachdem die OPEC die Förderkürzungen verlängert hat, kommt es bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) zu den höchsten Abflüssen seit sechs Monaten. Die OPEC und ihre unabhängigen Partnerländer haben vereinbart, die Förderung für weitere neun Monate auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Das Kartell unter der Führung von Saudi-Arabien bemüht sich um eine Stützung der Preise, seit sein Experiment 2014 zu einem Preiseinbruch führte und die Volkswirtschaften vieler OPEC-Staaten lahmlegte. Um allerdings den Markt in einen Schockzustand zu versetzen und die Preise nach oben zu treiben, wären tiefere Einschnitte vonnöten gewesen. Da die Förderung in den USA, Kanada und Brasilien weiter zunimmt und die globale Nachfrage keine Stärke zeigt, werden die globalen Reserven hoch bleiben. „Das Ziel der OPEC, die Lagerbestände der OECD auf den Fünfjahresdurchschnitt zu drücken, wird daher von der steigenden Schieferölproduktion in den USA unterlaufen. In der Folge rutschten die Rohölpreise ab, und Anleger ergriffen die Gelegenheit, die Gewinne zu verbuchen. Long-Rohöl-ETPs verzeichneten mit insgesamt 100 Mio. USD die höchsten Abflüsse seit Anfang Dezember 2016“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Anleger fühlten sich zu Technologie-ETPs hingezogen, die in der elften Woche in Folge Zuflüsse verzeichneten. Der Technologiesektor führt die weltweite Aktienentwicklung weiter an, da die Gewinne der Techfirmen in den USA besser als erwartet ausfielen. „Die Zuflüsse in die Themen-ETPs für Cybersicherheit (A14ZT8) und Robotik (A12GJD) erreichten mit insgesamt auf 34 Mio. USD den höchsten Stand seit elf Wochen“, ergänzt Hein.

US-Dollar werden mittlerweile seit sechs Wochen zu Lasten des Euro gekauft. Obgleich der Markt eine Zinsanhebung auf der Fed-Sitzung im Juni voll eingepreist hat, schwächt sich der US-Dollar ab. So erreichte der US-Dollar-Index (DXY) in der vergangenen Woche seinen tiefsten Stand seit Oktober 2016. Parallel zur Kursschwäche ermäßigte sich in den letzten Wochen auch die Positionierung auf dem Terminmarkt. Die ETP-Anleger blieben jedoch optimistisch und lenkten in der sechsten Woche hintereinander Gelder in Long-USD-ETPs. Die Zuflüsse betrugen in dem Zeitraum insgesamt 57 Mio. USD. Gleichzeitig wurden die Positionen in Short-USD-ETPs gekürzt und insgesamt 15,3 Mio. USD abzogen, so viel wie zuletzt in der ersten Woche Januar 2017. „Gekauft wurden US-Dollar in erster Linie zu Lasten des Euro, der den Schlüsselwiderstand bei 1,12 nach oben durchbrach. Long-Euro-ETPs verzeichneten die höchsten Abflüsse in zwanzig Wochen, während Short-Euro-ETPs in der sechsten Woche in Folge Zuflüsse verbuchten“, so Hein.

Die Zuflüsse in Industriemetalle (A0SVX7) erreichten ein Siebenjahres­hoch. Die Anleger verstanden die Stabilisierung der Metallpreise als Signal, endlich mit der Schnäppchenjagd in dem Sektor zu beginnen. „Die Auflösung spekulativer Positionen lässt nach, die chinesische Wirtschaft zeigt erste Anzeichen der Stabilisierung und die dortigen Behörden legen neue Infrastrukturprogramme auf. In breit aufgestellte Industriemetallkörbe flossen 42 Mio. USD – soviel wie zuletzt vor sieben Jahren“, sagt Hein.

Trotz DAX-Höchststand: Einstieg in Aktien lohnt sich – Kontinuität zählt

von Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International.

Der DAX hat die 12.000-Punkte-Marke überschritten. Lohnt es sich jetzt noch, in den deutschen Aktienmarkt zu investieren? Und sind die Schwankungen an den Märkten mit Blick auf anstehende Wahlen und die Zinspolitik der Zentralbanken nicht ohnehin unberechenbar? Viele Anleger sind verunsichert und neigen dazu, in volatilen Börsenphasen Aktien und Fonds schnell zu verkaufen. „Mit Blick auf die Rendite der Anlage ist das eine denkbar schlechte Entscheidung, denn die größten Kurssteigerungen an der Börse finden an nur wenigen Tagen statt. Durchhalten zahlt sich aus – Kontinuität ist bei der Aktienanlage wichtiger als der vermeintlich richtige Zeitpunkt. Ganz nach der Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.“

Eine langfristige Betrachtung des deutschen Aktienmarktes zeigt: Ein Anleger, der mit der Einführung des Euros am 31.12.1998 1.000 Euro in deutsche Standardwerte – gemessen am MSCI Germany – investiert hat, erzielte damit bis Ende April 2017 2.557 Euro. Hätte der Anleger dagegen die 10 besten Tage dieses Zeitraums verpasst, wären daraus nur 1.159 Euro geworden. Hätte er die Kurssteigerungen der 40 besten Tage nicht mitgenommen, wären sogar nur noch 260 Euro übrig gewesen.

„Schwankungen an den Aktienmärkten sind ganz natürlich. Mit dem höheren Risiko von Aktien- und Aktienfonds sind aber auch langfristig höhere Renditechancen verbunden. Anleger sollten in volatilen Börsenphasen keinesfalls in Panik geraten und überstürzt Aktien oder Fonds verkaufen. Wie die Berechnungen zeigen, kann man den ‚richtigen‘ Ein- oder Ausstiegszeitpunkt nicht vorhersehen. Es kommt darauf an, langfristig investiert zu sein“, so Telschow.

Wertentwicklung einer Anlage in deutsche Standardaktien gemessen am MSCI (LC) Germany*

Die Entgiftung am Rentenmarkt hat eingesetzt

Null- bzw. sogar Minusrenditen bei Anleihen – wie sie noch vor einigen Monaten an der Tagesordnung waren – bildeten die Spitze des Eisberges eines unglaublichen Bullenmarktes, der seine Ursprünge bereits 1981 hatte. Haupttreiber dieser Entwicklung war die Politik der Notenbanken, die mit kontinuierlichen Zinssenkungen und quantitativen Maßnahmen die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren stetig befeuerten.

Trotz der noch expansiven Geldpolitik in weiten Teilen der Welt steigen seit einiger Zeit die Renditen an den Anleihemärkten wieder. „Möglicherweise sehen wir gerade den Anfang einer Kehrtwende bei Anleiherenditen“, kommentiert Peter de Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management. Und begründet dies folgendermaßen: „Die Eingriffe der Notenbanken durch Anleihekäufe und andere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen laufen nun aus. Im Rentensegment hat die Entgiftung bereits eingesetzt. Die Renditen von Staatsanleihen aus Kernländern werden sich allmählich im positiven Terrain normalisieren, da die Programme zur quantitativen Lockerung bedachtsam zurückgefahren werden. Viele Regierungen dürften höhere Investitionen vornehmen und eine nachhaltigere Haushaltspolitik verfolgen, im Rahmen derer mehr Wachstum auf eine sozial verträglichere Weise generiert wird.“

Was heißt „Normalität“?

Nach Jahrzehnten sinkender Zinsen und damit sinkender Anleiherenditen drängt sich die Frage auf, wo denn das „normale“ Renditeniveau überhaupt liegt. Bei Degroof Petercam Asset Management hat man sich dafür die historischen durchschnittlichen 10-Jahres-Verzinsungen in den Vereinigten Staaten und Europa angeschaut. Diese schwankten in den vergangenen 100 Jahren zwischen zwei und vier Prozent. „Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis ist davon auszugehen, dass es einige Zeit dauern wird, bis das derzeitige ultra-niedrige Zinsniveau den langfristigen Durchschnitt wieder erreichen wird“, sagt der Rentenchef bei Degroof Petercam Asset Management. Mehr denn je käme es dem Experten zufolge darauf an, geduldig zu sein: „Wir müssen davon ausgehen, dass das Regime aus niedriger Produktivität, niedriger Inflation und geringen Investitionen der Unternehmen vorerst weiterhin Bestand haben wird. Erst wenn sich dieses Regime ändert, sollten die Leitzinsen wieder auf ein Niveau zwischen zwei und drei Prozent steigen können.“

Risiken durch Diversifikation im Griff behalten

An den Märkten besteht weiterhin Anpassungsbedarf an einem Abbau der preisstützenden Nachfrage und an eine wachsende Fülle von Faktoren, die zu höherer Inflation führen können. Dieser Wandel kann Anleihen mit einem Risikoaufschlag und geringer Liquidität in Mitleidenschaft ziehen, die unter Investoren bei ihrer Suche nach Rendite über einen langen Zeitraum hinweg dank der quantitativen Lockerungsprogramme als äußerst attraktiv galten.

„Institutionelle Anleger sollten bereit sein, in ein breiteres Spektrum von festverzinslichen Anlagen zu investieren und eine intelligente Streuung unter Einbeziehung von globalen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und hochverzinslichen Unternehmenspapieren vorzunehmen“, rät Peter de Coensel, der den globalen Rentenfonds DPAM L Bonds Universalis Unconstrained managt. „Zusätzlich können nicht auf Euro lautende Anlagen die Diversifizierung und die Renditeaussichten verbessern. Bei Staatsanleihen kann zudem eine Wertsteigerung durch die Beimischung von Schwellenländer- und inflationsindexierten Anleihen erreicht werden.“ 

Gefahr steigender Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien

Durch die Politik der Europäischen Zentralbank ist in Europa im Rentensegment eine Massenspekulation im Gange. Gleichzeitig sind Sell-Side-Banken infolge geänderter Regelungen weniger zur Bereitstellung von Liquidität bereit. Zudem sind Anleihe-Investments in passiven ETFs kräftig angestiegen, weshalb es zu Engpässen kommen kann, wenn Anleger ihre Bestände zur gleichen Zeit abstoßen. Da Industrienationen zunehmend eine restriktivere Geldpolitik verfolgen und die Inflation tendenziell steigt, muss zukünftig mit steigenden Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien gerechnet werden.

Anleihen könnten infolge der sinkenden Diversifizierungseffekte an Attraktivität verlieren. Anleger sollten deshalb Momentum-Strategien den Rücken kehren, denn der 35-jährige Anleihen-Bullenmarkt könnte sich allmählich in einen Bärenmarkt wandeln. Einem Anleger, der über hochwertiges Research verfügt und stark selektiv vorgeht, würden sich dennoch lukrative Anlagechancen bieten.

So zum Beispiel bei Hybridanleihen, also eigenkapitalähnlichen, nachrangigen Unternehmensanleihen, und Staatsanleihen der Euro-Peripherie. Auch bei High Yield-Anleihen und Emissionen auf der Schwelle zwischen Investment Grade und High Yield-Rating sei Wertpotenzial vorhanden. Schließlich sollten Anleger sich in gewissem Umfang gegen unerwartete Ereignisse absichern. 10-jährige US-Staatsanleihen oder Bundesanleihen könnten sprunghaft in der Rendite anziehen, während eine mögliche Abverkaufswelle bei Unternehmensanleihen den Verkaufsdruck auf Aktien stark erhöhen würde. „Diese Annahmen sind jedoch nicht Teil unseres Basisszenarios“, betont Peter de Coensel.

Über Degroof Petercam
Degroof Petercam Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine in den Benelux-Ländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only- Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen. Neben aktiv gemanagten Publikumsfonds verwaltet DPAM Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren in ganz Europa und stellt seine Expertise über ein breites Netzwerk von über 400 Vertriebspartnern zur Verfügung. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von DPAM richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen. Aktuell verwaltet DPAM ein Vermögen von über 37 Milliarden Euro.

Alleiniger Anteilseigner ist die unabhängige und renommierte Degroof Petercam Gruppe, die mit Büros in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Hongkong insgesamt 1.400 Mitarbeiter in den Bereichen Asset Management, Private Banking, Investment Banking (Corporate Finance und Wertpapierhandel) und Asset-Servicing beschäftigt. Ca. 70 Prozent der Aktien der in Privatbesitz gehaltenen Gesellschaft befinden sich in den Händen von Familien und Referenz-Aktionären (Philippson, Peterbroeck, Van Campenhout, Haegelsteen, Schockert, Siaens sowie CLdN Finance und Cobepa). Der Rest des Grundkapitals wird von der Unternehmensführung und Mitarbeitern, Finanzpartnern und sonstigen Aktionären gehalten.

Unternehmensgewinne sind derzeit der wichtigste Treiber für die Aktienmärkte

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Unsere Prognose für die Märkte bleibt zuversichtlich. Die Trends, die vom zweiten Halbjahr 2016 bis zu den ersten Monaten 2017 zu beobachten waren, dürften andauern. Die Treiber der Marktperformance haben sich allerdings verändert. 2016 und Anfang 2017 wurde die Risikobereitschaft durch positive Wachstumsüberraschungen und eine wachstumsorientierte Politik in Washington unterstützt. Derzeit erhalten Aktien die größte Unterstützung von den Unternehmensgewinnen. Anfang 2017 erholten sich die Gewinne sowohl in den USA, insbesondere aber auch in Europa und selbst in einigen Schwellenländern. Die Anleihemärkte befinden sich indes nach wie vor in der Defensive. Dies resultiert hauptsächlich aus der Erwartung, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter normalisieren wird, aber auch aus der um sich greifenden Annahme, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im späteren Jahresverlauf zu einer neutraleren Haltung übergehen wird.

Die politische Unsicherheit in den USA machte sich in letzter Zeit auch an den Kapitalmärkten bemerkbar. Die Besorgnis über eine mögliche Behinderung der Justiz durch die US-Regierung löste einen Rückschlag aus. Es gestaltet sich nach wie vor schwierig, die politische Unsicherheit in die tägliche Entscheidungsfindung über Anlagen einzubeziehen. Früher bewährte Methoden, wie das Spekulieren auf einen Sprung bei der impliziten Volatilität, waren im letzten Jahr nicht sehr erfolgreich.  Vielmehr sind wir der Ansicht, dass robuste Portfolios, die verschiedene Strategien umfassen, die beste Möglichkeit sind, sich gegen unvorhersehbare Ereignisse zu wappnen. Dazu setzen wir etwa Relative-Value-, marktdirektionale und Carry-Positionen ein.

Sofern eine größere Überraschung ausbleibt, nehmen die Märkte das vermutliche Ergebnis der bevorstehenden Parlamentswahlen in Großbritannien weitgehend vorweg. Das britische Pfund hat sich erholt, denn die meisten Anleger rechnen mit einem historischen Wahlsieg der Konservativen. Dieser würde ihre geringe Mehrheit im Unterhaus stärken und Premierministerin May bei den Verhandlungen mit Europa eine größere Flexibilität verschaffen. Wir rechnen aber auch mit einigen negativen Überraschungen, die aus den tatsächlichen Brexit-Verhandlungen resultieren könnten. Großbritannien wird sich im Vergleich zur Position der EU als Ganzes und zu den Interessen der einzelnen europäischen Länder in einer schwachen Verhandlungsposition befinden, selbst wenn diese durch eine Tory-Mehrheit im Unterhaus gestärkt wird.

In den USA dürfte die US-Notenbank Fed ihre geldpolitische Normalisierung mit einer weiteren Zinserhöhung im Juni und möglicherweise zwei weiteren Schritten vor dem Jahresende fortsetzen. Bis zum Ende des Jahres dürfte sie außerdem weitere konkrete Schritte zur Normalisierung ihrer Bilanz unternehmen. Unter anderem wird sie voraussichtlich bekannt geben, auf welche Weise ihr Wertpapierbestand reduziert werden soll.

Die größere Überraschung für die Kapitalmärkte dürfte von der EZB ausgehen. Die EZB verfolgt derzeit nicht nur eine außerordentlich expansive Geldpolitik, sondern tendiert auch zur Lockerung. Dies dürfte sich bald ändern. Die Richtungsänderung hin zu einer neutraleren Haltung könnte bereits im Juni eintreten, spätestens im September. Zu diesem Zeitpunkt werden die Märkte mit einer Drosselung und möglicherweise auch mit der Aufhebung der negativen Einlagensätze rechnen. Daher werden die Stellungnahmen und Maßnahmen der EZB im zweiten Halbjahr 2017 stärkere Auswirkungen auf die Märkte haben als die der Fed.

Über GAM
GAM ist eine der führenden unabhängigen, reinen Vermögensverwaltungsgruppen der Welt. Unter den beiden Marken GAM und Julius Bär Fonds bietet sie aktive Anlagelösungen und  produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft der Gruppe wird durch eine Private Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte anbietet. GAM beschäftigt etwa 1 000 Mitarbeitende in 13 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hong Kong, New York, Lugano und Mailand. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.

Auf der Suche nach Gleichgewicht

von Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Nach wie vor spricht das Makroumfeld für Vermögenswerte, die auf Wachstum ausgerichtet sind. Angeführt von den Industrieländern schreitet die wirtschaftliche Expansion voran und synchronisiert sich weltweit. Die Finanzbedingungen bleiben zudem positiv: Die Aktienmärkte entwickeln sich stark und Kredite sind günstig. Deshalb denken wir, dass die Märkte womöglich zu optimistisch sind. In den nächsten Monaten könnte sich diese Inkonsistenz auflösen und wieder ein Gleichgewicht herstellen.

Europa: Risikoeinpreisung voraus

Beunruhigend war zuletzt, dass auf dem Markt für europäische Staatsanleihen keine Risikoaufschläge erhoben wurden - trotz vom wachsenden Populismus ausgelösten Tail Risks. Volatilitäten auf den Märkten für Staatsanleihen blieben bislang aus und pendelten sich zwischen einer moderaten Spreadausweitung und rückläufigen politischen Risiko ein. Obwohl sich Emmanuel Macron bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl am 7. Mai gegen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen durchsetzen konnte, glauben wir nicht, dass der Sieg Macrons die Gefahr einer Fragmentierung der Eurozone langfristig tilgen kann. Vielmehr stellt der wachsende Nationalismus mittlerweile die dritte große Herausforderung für den Euroraum dar, beginnend mit der Staatsschuldenkrise von 2011 und der Flüchtlingswelle im Jahr 2015.

Wir gehen davon aus, dass auf den Märkten des Euroraums (mit Ausnahme Deutschlands) bis zur Wahl in Italien in 2018 mehr Risiken eingepreist werden dürften. In Italien strebt die Protestbewegung „Fünf Sterne“ ein Referendum über die Mitgliedschaft im Euroraum an und hat sich zu einem ernsten Rivalen der regierenden Mitte-Links-Partei entwickelt. Wir halten derzeit keine Positionen in Italien, auch wenn wir der Ansicht sind, dass alle defensiven Trades unser Übergewichtung im Euro-Währungsgebiet zugutekommen dürften.

Regional gesehen bieten außerdem mittel- und osteuropäische Währungen den Vorteil, dass die zugehörigen Zahlungsbilanzen positiv und Handelsverflechtungen mit dem europäischen Wachstum tief sind. Weiterer Pluspunkt: Sie sind nicht in die Probleme des Euros verwickelt.

Was Großbritannien betrifft, so ist es unserer Meinung nach zu früh, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Austritt des Landes aus der EU auf die Politik des Euroraums haben wird. Gleichwohl ist es kein Geheimnis, worin die Herausforderungen für die britische Wirtschaft bestehen. Neben dem Inflationsdruck, dem Druck auf die Verbrauchernachfrage und einer hohen Volatilität über den zweijährigen Trennungsprozess könnte das Britische Pfund in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Frühindikator beobachten wir vor allem die Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen – also die Verbindlichkeiten Großbritanniens gegenüber der EU. Sollte sich dieser Prozess als schwieriger als ohnehin gedacht erweisen, drohen für die Zukunft eventuell noch größere Schwierigkeiten zwischen beiden Seiten.

USA: Diskrepanz zwischen Stimmung und Wirtschaftsdaten

In den USA ist man weiterhin auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen der sehr positiven Grundstimmung und den harten Fakten, sprich niedrigeren Zinssätzen und einer strafferen Politik der US-Notenbank Fed. Wir denken, dass die qualitativen und quantitativen Maßnahmen zu einem moderaten Wachstumsanstieg von knapp 2,2 Prozent führen dürften. Sollte die Regierung in puncto Steuerreform vorankommen, könnte das Wachstum auch stärker ausfallen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich Trumps wachstumsfördernden Regulierungs- und Fiskalmaßnahmen vor 2018 bemerkbar machen. Nach wie vor besteht eine Kluft zwischen den geldpolitischen Prognosen der US-Notenbank (Fed), den anhaltend niedrigen Zinssätzen und den lockeren Finanzbedingungen.

Wir rechnen damit, dass sich die US-Zinsen auf höherem Niveau einpendeln werden. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich die allgemeinen Finanzbedingungen verschlechtern. Dies beeinflusst nicht zuletzt unseren Ausblick für die künftige Fed-Politik. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch zweimal anheben und damit beginnen wird, ihre Bilanz zu bereinigen. Das Tempo für Zinserhöhungen könnte dann in 2018 noch einmal anziehen.

China: Verschuldung bleibt kurzfristig größtes Risiko

Für uns bleibt es dabei, dass die Hauptrisiken in den Entwicklungsländern von China ausgehen, nicht zuletzt weil die Märkte hier möglicherweise zu optimistisch agieren. Die Konjunkturabschwächung stellt eine langfristige Herausforderung dar, aber auf kurze Sicht sind vor allem die steigenden Finanzierungskosten der überschuldeten chinesischen Unternehmen beunruhigend. Die Schulden der wichtigsten chinesischen Finanzinstitute sind so hoch, dass ein Eingriff der chinesischen Regierung denkbar ist. Selbst wenn dies so kommen sollte, macht das aber nicht die mangelnde Transparenz in Bezug auf notleidende Kredite in den Bilanzen der chinesischen Banken wett. Wir halten folglich an unserer Überzeugung fest, jene asiatischen Währungen unterzugewichten, die den Markt- oder konjunkturellen Turbulenzen in China am stärksten ausgesetzt sind. Hierzu zählen etwa der Taiwan-, Singapur- und Hongkong-Dollar.

Emerging Markets: Das Comeback der Währungen

Die Schwellenländerwährungen feiern nach vier turbulenten Jahren ein Comeback und bieten einige der besten Chancen auf den heutigen Märkten. In Teilen der Entwicklungsländer haben wir es mit einer seltenen Kombination aus Value und sich verbessernden Fundamentaldaten zu tun, wobei die Währungen im Vergleich zu den Schulden nach wie vor unterbewertet sind. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung denken wir, dass die Schwellenländer den Epizentren der heutigen politischen Risiken eher weniger ausgesetzt sind als z.B. die meisten Industrieländer. Kurz gesagt bevorzugen wir Märkte, die unserer Meinung nach vom Wachstum in Europa und den USA profitieren können, ohne in deren politischen Problemen unterzugehen.

Das heißt nicht, dass das politische Risiko aus den Schwellenländern verschwunden ist. Man denke nur an die Volatilitätssprünge des südafrikanischen Rands nach der Amtsenthebung des Finanzministers oder die Reaktion der türkischen Lira auf den Sieg von Präsident Erdoğan beim umstrittenen Verfassungsreferendum. Es handelt sich hierbei aber um konkrete Einzelfälle, die weniger Potenzial haben, auf andere Bereiche überzugreifen.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management (GSAM) ist einer der global führenden Vermögensverwalter. GSAM beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter an 31 Standorten weltweit. Das Unternehmen stellt institutionellen und Privatanlegern Anlage- und Beratungslösungen zur Verfügung, wobei die angebotenen Strategien das gesamte Spektrum an Anlageklassen, Branchen und Regionen abdecken. Unsere Anlagelösungen beinhalten Anleihen, Geldmärkte, börsengehandelte Aktien, Rohstoffe, Hedge-Fonds, Private Equity und Immobilien. Diese Lösungen stehen unseren Kunden im Rahmen unserer unternehmenseigenen Strategien, strategischen Partnerschaften und unseren offenen Architekturprogrammen zur Verfügung. Unsere Anlageteams umfassen mehr als 700 Anlagespezialisten, die die Marktkenntnisse, das Fachwissen im Bereich Risikomanagement und die technologischen Möglichkeiten von Goldman Sachs nutzen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, sich in den dynamischen Märkten von heute zu behaupten und ermitteln Anlagechancen, die ihre Portfolios und ihre langfristigen Anlageziele prägen. Wir stellen unsere globale Kompetenz den weltweit führenden Pensionsfonds, Staatsfonds, Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften, Finanzinstituten, Stiftungen, Privatpersonen und Family Offices bereit. Im Auftrag dieser Kunden erbringen wir Anlage- oder Beratungsdienstleistungen. Per 31. Dezember 2016 belief sich das von GSAM verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar.

Fällige Anleihen nicht mehr im vollen Umfang reinvestieren

von Jörg Angelé, Patrick Krizan und Gottfried Steindl, Raiffeisen Research.

In den nächsten Tagen stehen mit dem Arbeitsmarktbericht sowie dem ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe die beiden Datenhighlights des Monats an.

Der Arbeitsmarkt dürfte sich im Mai erneut sehr erfreulich entwickelt haben. Wir gehen davon aus, dass erneut mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen worden sind. Daten der Federal Reserve Bank von San Francisco, die den Einfluss der Witterung auf den Stellenaufbau analysieren, deuten auf ein Stellenplus von rund 250.000 hin. Den Daten zufolge wäre im April aufgrund der vorherrschenden Witterung - Temperaturen und Niederschlag - ein Stellenplus von circa 300.000 zu erwarten gewesen. Tatsächlich wurden gemäß Bureau of Labor Statistics aber „nur“ 211.000 neue Stellen besetzt. In der Regel gleichen sich solch große Diskrepanzen im Folgemonat zumindest teilweise wieder aus. Unsere Schätzung für den Beschäftigungsaufbau setzen wir mit 210.000 aber etwas geringer an, da es gut möglich ist, dass das Vormonatsergebnis nach oben revidiert wird. Die Arbeitslosenquote erwarten wir unverändert bei 4,4 %. Das Lohnwachstum dürfte mit einem Plus von 0,1 % p.m. enttäuschen. Verantwortlich ist ein Kalendereffekt: Der Tag der Datenerhebung, der 12. Mai, lag auf einem Freitag. War dies in den letzten Jahren der Fall, wurde im Durchschnitt nur ein Lohnzuwachs von 0,1 % p.m. ausgewiesen. Im Juni und Juli dürften die Löhne aber wieder spürbar stärker zulegen.

Für den ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe deuten die bis dato vorliegenden regionalen Stimmungsumfragen aus New York, Philadelphia und Richmond auf einen nochmaligen leichten Rückgang hin. Wir prognostizieren daher für Mai ein Niveau von 54,5 Punkten.

Weitere Daten: Die bereits vorliegenden Verbraucherpreisdaten deuten für April auf einen Rückgang der Vorjahresrate des Deflators des privaten Konsums auf 1,6 % hin. Die persönlichen Konsumausgaben dürften um 0,3 % p.m. gestiegen sein. Der Indikator zum Verbrauchervertrauen des Conference Boards dürfte in etwa auf dem Vormonatsniveau von 120,3 Punkten verharrt haben.

Das FOMC-Sitzungsprotokoll der Zinssitzung vom 3. Mai brachte wesentliche Aufschlüsse zur geplanten weiteren Vorgehensweise der US-Notenbank. Erstens ist der Wortwahl zu entnehmen, dass eine Zinsanhebung im Juni so gut wie ausgemacht ist. Zweitens ist die Mehrheit des Entscheidungsgremiums für den Beginn der Reduktion der Bilanzsumme in der zweiten Jahreshälfte, sofern sich die Wirtschaft wie erwartet entwickelt. Zinsanhebungen sollen dabei wie signalisiert fortgesetzt werden (vom aktuellen Niveau aus werden für heuer zwei und im Jahr 2018 drei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt). Die Reduktion der Bilanzsumme soll langsam erfolgen. Derzeit wird favorisiert, fällige Anleihen (vor allem Staatsanleihen und Mortgage Backed Securuties) nicht mehr im vollen Umfang zu reinvestieren und dabei den Reinvestitionsgrad alle drei Monate zu reduzieren bis schlussendlich abreifende Papiere gar nicht mehr ersetzt werden. Die Untersuchung zu den Russland-Verbindungen des US-Präsidenten bzw. seines Mitarbeiterstabs und die damit verbundene politische Unsicherheit begünstigt weiterhin sichere US-Staatsanleihen. Die Rendite der 10-jährigen Laufzeit sank zuletzt auf bis zu 2,17 % ab, bevor sie aktuell wieder auf 2,25 % zulegen konnte. Generell scheinen wir uns momentan in einem Käufermarkt zu bewegen. Darauf weist unter anderem auch das steigende Handelsvolumen für Kauf-Optionen auf US-Staatsanleihe-Futures hin. Die Zuflüsse in den Staatsanleihemarkt manifestieren sich dabei bevorzugt auf der 10-jährigen Laufzeit, was zuletzt zu einer deutlichen Verflachung der US-Zinskurve geführt hat. Die Renditedifferenz zwischen der 2- und 10-jährigen Laufzeit liegt inzwischen bei nur noch 95 BP. Wir sehen dieses Niveau als untere Grenze einer realistischen Bandbreite an und erwarten in kommenden Wochen zumindest eine Stabilisierung. Darauf weisen auch die Optionen am Swapmarkt hin. Für am Geld liegende Optionen liegt die implizite Volatilität sowohl für kurze als auch lange Laufzeiten auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Marktteilnehmer erwarten somit in den kommenden Wochen auch mit Hinblick auf die Fed-Zinssitzung im Juni keine Überraschungen bzw. starken Veränderungen der US-Renditen.

Den vollständigen wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research zu verschiedenen Märkten finden Sie links als PDF mit Charts.

Europäischer High-Yield-Markt läuft dem amerikanischen den Rang ab

Zuletzt rückten die Öl- und Rohstoffpreise wieder verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte. Bedenken hinsichtlich eines Angebotsüberschusses und die Angst vor einer schwindenden Nachfrage aus China dominierten jüngst die Schlagzeilen und verursachten Volatilität und Preisschwächen. Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategie von T. Rowe Price stellt sich daher die Frage: „Steigt der europäische Markt für Hochzinsanleihen angesichts der größeren Abhängigkeit amerikanischer High Yields von Öl- und Rohstoffpreisen jetzt wieder in der Anlegergunst?“

Die Energiebranche ist eine der größten Sektorgewichtungen im amerikanischen High-Yield-Markt und umfasst ungefähr 14 Prozent der Benchmark¹. Dieses Exposure lässt Della Vedova zufolge US-amerikanische Hochzinsanleihen anfälliger für Ölpreisbewegungen erscheinen als europäische, wo Emittenten aus dem Energiesektor gerade einmal fünf Prozent der Benchmark² ausmachen. „Das bedeutet, dass Europa wahrscheinlich eher in Marktphasen eine Outperformance zeigt, in denen der Preisdruck für Öl- und Rohstoffpreise weiter stark anhält. Beim Blick auf die Zusammensetzung des Gesamtmarktes wird zudem deutlich, dass der US-Markt einen höheren Anteil an schwächer-bewerteten Unternehmen aufweist“, so der Experte. Emittenten mit einem C-Rating machten 14,5 Prozent der Benchmark aus. In Europa liege der Wert bei lediglich vier Prozent. Unterm Strich scheinen das Risiko und die Volatilität für europäische High-Yields also niedriger zu sein als für amerikanische.

Aus fundamentaler Perspektive rückt laut Della Vedova für Europa wie für die USA insbesondere ein aktuelles Thema in den Fokus und zwar die sich verbessernden Unternehmensgewinne. Della Vedova ergänzt: „Allerdings ist es wichtig herauszustellen, dass sich Europa in einem früheren, kreditfreundlicheren Abschnitt des Konjunkturzyklus befindet als die USA, mit einem geringen Inflationsdruck sowie steigendem Wachstum.“ Des Weiteren profitiere Europa von der akkommodierenden Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB). Während die US-amerikanische Federal Reserve die Geldpolitik straffe und dieses Jahr vermutlich noch zwei Zinsanstiege ansetze, bleibe die EZB bei ihrer Politik der Negativzinsen und kaufe aktuell jeden Monat Anleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro. Obwohl eine gewisse Wahrscheinlichkeit bestehe, dass die EZB das Tempo ihrer Ankäufe drosseln werde, bleibe die Geldpolitik akkommodierend. „Auch aus technischer Sicht ist Europa derzeit stärker als die USA. Die Ausfallrate ist niedrig. Außerdem bleibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Ungleichgewicht – mit eher moderater Anleiheemission zu einer Zeit, in der die Anlageklasse nach wie vor Zuflüsse generiert“, beschreibt der Portfoliomanager.

Insgesamt untermauern die fundamentalen und technischen Faktoren, dass der europäische High-Yield-Markt stärker als der amerikanische sei. Vor dem Hintergrund der erneuerten Bedenken hinsichtlich des Ölpreises und der wiederaufkommenden Sorgen um China scheint die geringere Volatilität in Europa im Vergleich zu den USA äußerst attraktiv. „Wir präferieren weiterhin höhere Kupons, um Erträge einzuholen. Dafür nutzen wir unser bottom-up Credit-Research, um die besten Opportunitäten über die gesamte Bandbreite an Ratings und Laufzeiten zu identifizieren“, betont Della Vedova. Aufgrund dieses Ansatzes sei das Portfolio an Single-B-Unternehmen mit einer geringeren Laufzeit gegenüber der Benchmark übergewichtet.

1) BofA Merrill Lynch US High Yield Index, Stichtag 28. April 2017
2) BofA Merrill Lynch Euro High Yield Index, Stichtag 28. April 2017

Reisebericht aus der Golfregion: Anpassung an eine neue Öl-Realität

Leo Hu, Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen bei NN Investment Partners, hat gerade die Golfregion besucht und traf sich mit Politikern, Energie- und Politikberatern und Finanzinstituten.

Bei der Analyse von Staatsanleihen sind für uns viele Parameter relevant, beispielsweise die Nettovermögensposition, das Management der Währungsreserven, die Reformbereitschaft, fiskalische Puffer, die potenzielle wirtschaftliche Diversifikation und die Nachfolgeplanung. Betrachtet man diese Faktoren, gibt es unserer Ansicht nach erhebliche Anlagechancen in der Golfregion, zumal die Anfangsphase der Strukturreformen erste positive Ergebnisse zeigt. Allerdings sind wir aktuell dennoch nur verhalten konstruktiv, da der schwierigste Teil der Reformen, die Umsetzung von sozial schwierigen Reformen auf lokaler Ebene, noch getestet werden muss.

Saudi-Arabien: Das visionäre Königreich

Infolge des Ölpreiseinbruchs seit Mitte 2014 verzeichnete Saudi-Arabien 2015 und 2016 ein Haushaltsdefizit in Höhe von 15 Prozent bzw. 13 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Was die Sache noch verschlimmert, ist, dass der Krieg im Jemen sehr kostspielig ist und die Regierung vermutlich zusätzlich belasten wird. Während unseres Besuchs in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, zeigte sich jedoch, dass die Regierung bereits sehr umfassende Pläne angestoßen hat, um sowohl die kurzfristigen als auch die strukturellen Wirtschaftsprobleme in den Griff zu bekommen. Das Königreich hat zwei große Pläne: die Vision 2030 und das Nationale Transformationsprogramm 2020 (NTP 2020). Die Vision 2030 adressiert im Wesentlichen die strukturellen Probleme, sodass das Land in Zukunft nicht mehr von Schwierigkeiten im Rohstoffbereich abhängig ist. Diese Initiative wird von umfangreichen Reformen im Privatsektor flankiert. NTP 2020 wurde im Juni 2016 in Verbindung mit der Vision 2030 ins Leben gerufen und legt die Ziele dar, die bereits bis 2020 erreicht werden sollen, vor allem ein ausgeglichener Haushalt. Ein in der Geschichte des Landes beispielloser Vorgang ist es, dass alle Reformen öffentlich angekündigt wurden und alle Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden. Was noch wichtiger ist: Der zweite Thronfolger Mohammed bin Salman al-Saud, der Sohn von König Salman, trägt die direkte Verantwortung für diese Pläne, was deutlich macht, dass sie oberste Priorität haben. Wir halten die vorgeschlagenen Reformen aufgrund der eingeschränkten Wirtschaftsstruktur und der sozialen Brisanz für mutig und ambitioniert. Es wäre bereits eine klare Erfolgsgeschichte, wenn nur die Hälfte der geplanten Reformen umgesetzt würde.

Bahrain: Das freundlichste Umfeld für Unternehmer

Bahrain belegt unter den fünf Golfstaaten, die wir besucht haben, den höchsten Rang im Ease of Doing Business Ranking 2017 der Weltbank und zählt zu den Ländern, die die Vorschriften für Unternehmen am meisten verbessert haben. Aber nicht nur die geschäftliche Seite schneidet gut ab: Bahrain wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zudem als Land mit einem „sehr hohen Index menschlicher Entwicklung“ eingestuft. Während unseres Besuchs in Bahrain erlebten wir eine anständige Infrastruktur und ein liberales Geschäftsumfeld. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil Bahrains ist sein leichter und schneller Zugang zu anderen Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien, der größten Volkswirtschaft der Region. Zudem sind die Geschäftskosten relativ niedrig, z.B. die Mieten für Büros und Industrieland, während die Arbeitskräfte im Vergleich zu den anderen Golfstaaten sehr gut ausgebildet sind. Allerdings hat Bahrain wegen seines begrenzten Öl- und Gasreichtums den höchsten Breakeven-Ölpreis der gesamten Golfregion (schätzungsweise 107 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2015). Daher ist es ermutigend, zu sehen, dass die Regierung bereits verschiedene Reformmaßnahmen ergriffen hat, darunter Subventionskürzungen für Fleisch, Wasser und Strom, die Liberalisierung der Kraftstoffpreise und Steuererhöhungen auf Alkohol und Tabak. Zudem haben Bauvorhaben, die vom Golf-Entwicklungsfonds (Gulf Development Fund, GDF) mit 10 Mrd. US-Dollar finanziert werden, den Investitionsdruck auf die Regierung verringert und auch einen Konjunktureinbruch verhindert. Die zuletzt bewilligten Zuschüsse, z.B. für die Erweiterung des Flughafens und den Ausbau des Energiesektors, machen deutlich, dass der Golfkooperationsrat Bahrain weiterhin Mittel zukommen lässt.

Kuwait: Seit Generationen grundsolide

Der größte Vorteil Kuwaits ist das enorme Staatsvermögen, das auf 500 Mrd. US-Dollar geschätzt wird – mehr als das Vierfache des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Kraft Gesetzes muss die Regierung jährlich mindestens 10 Prozent aller Staatseinnahmen in den Fonds für künftige Generationen (Future Generations Fund, FGF) einzahlen. Auf diese Weise hat das Land über Jahre hinweg große Gewinne aus dem Ölexport angespart. Dieser umsichtige Umgang mit dem Ölreichtum äußert sich in einer beachtlichen Kreditstärke, die einen erheblichen Puffer für niedrigere Energiepreise bietet, sogar über einen längeren Zeitraum. Ein anderer wichtiger Unterschied zwischen Kuwait und den anderen Golf-Ländern ist, dass sich sein parlamentarisches Regierungssystem in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Vor allem bei Steuerreformen können die Spannungen zwischen Parlament und Regierung den Fortschritt bei wichtigen Themen blockieren. Allerdings ist es ist unserer Meinung nach auch die Stärke des Systems, dass alles, was vereinbart wurde, auf starken Rechtsgrundlagen basiert. Im Übrigen begrüßen wir die geplante erste Eurobond-Emission Kuwaits. Sie dürfte die Transparenz verbessern und nötige Reformen im Land beschleunigen.

Katar: Kleines Land mit großen Ambitionen

Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 73.653 USD im Jahr 2015 (Weltbank) ist Katar eine der reichsten Nationen der Welt. Katar hat Anfang der 1990er Jahre stark in Flüssiggas investiert, und diese Investitionen zahlen sich jetzt aus. Ausgehend von diesem großen Erfolg hat Katar begonnen, seine Wirtschaft zu diversifizieren – Qatar Airways ist ein Beispiel für ein Top-Unternehmen – und seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Geplant ist die Errichtung einer Wissenswirtschaft, in der lokale Privatsektoren auf internationales Know-how und Erfahrungen zurückgreifen können. So besitzt Doha Universitäten von Weltklasse. Der jüngste Ölpreissturz wird die Staatseinnahmen beeinträchtigen, aber er wird die Diversifikationspläne des Landes vermutlich nicht ins Wanken bringen, da Katar im Laufe der Zeit beachtliche finanzielle Puffer aufgebaut hat. Unterdessen ergreift die Regierung zudem verschiedene fiskalische Reformmaßnahmen, z.B. Subventionskürzungen bei Kraftstoff, Wasser und Strom, wobei die meisten Maßnahmen zuerst bei im Land lebenden Ausländern greifen. Aktuell sind in Katar von insgesamt 2,6 Millionen Einwohnern nur 300.000 einheimische Bürger. Demzufolge werden die Fiskalreformen kaum soziale Unruhe hervorrufen, und Katar dürfte politisch stabil bleiben. Gleichzeitig verbessern sich Katars Auslandsbeziehungen zu anderen Golfstaaten aufgrund des diplomatischen Auftretens des Emirs weiter.

Oman: Das bestgehütete Geheimnis der Region

Oman ist wahrscheinlich das bestgehütete Geheimnis der Region. Im 19. Jahrhundert war Oman eine regionale Handelsmacht und errichtete seine überseeischen Kolonien, die bis an die ostafrikanische Küste reichten. Diese Expansion nach Übersee führte jedoch zu Konflikten im Heimatland. Die Omanis haben ihre Erfahrungen gemacht, deshalb scheinen sie sich heute lieber zurückzuhalten. Trotz der starken Abhängigkeit von Öleinnahmen hat Oman gutes Potenzial, seine Wirtschaft erfolgreich zu diversifizieren, z.B. in den Bereichen Tourismus und Logistik. Ein weiteres einzigartiges Merkmal von Oman sind seine breit gefächerten Auslandsbeziehungen. Oman ist ein Mediator zwischen dem Iran, dem Golf-Kooperationsrat und den USA. Im Gegensatz zu anderen Golf-Ländern, die sehr starke bilaterale Beziehungen mit den USA zu haben scheinen, hat Oman auch eine gute Beziehung zu China aufgebaut. Oman und China haben eine lange Handelsgeschichte. Da Maskat schon immer ein wichtiger internationaler Hafen war, haben omanische Seefahrer, die bis zum 10. Jahrhundert bis nach China gesegelt waren, viele chinesische Tonwaren importiert. Heute plant China die Entwicklung einer Industriestadt mit Investitionen in Höhe von 10,7 Mrd. US-Dollar in der Nähe des Hafens von Duqm mit einigen Megaprojekten, darunter der Bau einer Ölraffinerie mit einer Kapazität von etwa 230.000 Barreln pro Tag. Auch wenn Oman unter globalen Anlegern weniger bekannt ist, ist das Land ein vernünftiger Anleiheemittent mit ausreichenden Ressourcen und ausländischem Beistand, um volatile Phasen zu überstehen.

Emerging Markets Monitor

In the market, Pictet AM is renowned as an expert on emerging markets for many years, be it shares or bonds. With the new "EM-Monitor", we will be regularly examining the most important market and data trends of the asset class.

  • What? The EM Monitor is a digital collection of our emerging markets chart analyses. It combines the competence of our economists with the findings of our emerging market shares and pension teams.
  • Why? To provide institutional investors with a compact access to our EM expertise and strategies.
  • How? Our investment experts formulate clear and factual statements on emerging markets (macros, government and corporate bonds as well as stock markets).

1)  What caught our eye

“EM car sales bode well for future growth”

The rebound in EM car sales growth (plum line) since Q4 2015 appears to bode well for future GDP prospects in emerging markets. We believe that car sales are one of the most reliable indicators of wider consumer spending and confidence.

Growth in EM car sales is also some way ahead of developed markets, despite a recent roll-over (which we expect to be short-lived).

Chart 1: EM vs. DM car sales growth
Volume, % y/y, 3-month moving average

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, data as at 01.01.2017. 

“Plenty in the EM 'tank' implies strong prospects for EM growth and currencies”

EM growth set to outperform DM

The positive picture in car sales and in our broader leading indicator of activity (see EM leading indicator & GDP chart in next section) are mirrored in our current forecasts for EM growth relative to DM (green line in the below chart).

EM  currencies likely to appreciate

If our optimism on EM growth proves correct, EM currencies (grey line in the below chart) look set to appreciate versus the US dollar as this tends to follow with a lag.

Chart 2: EM vs. DM GDP growth & USD vs. EM currencies

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, USD vs. EM currencies data as at 01.04.2017.
* Unweighted 31 EM GDP growth / **Unweighted 31 EM exchange rates.

2)  EM health check

“Both the demand and the supply sides appear in good health”

Our proprietary Pictet Emerging Markets leading indicator* is showing strong momentum.

On the corporate/supply side,  both EM PMI and industrial production readings further reinforce the positive signs observed on the demand side.

Read more about EM corporates, in particular in relation to corporate debt.
*The Pictet Emerging Markets leading indicator is assembled using some 240 underlying indicators across 24 emerging markets that focus on rate-sensitive consumption (car sales, housing, etc.)

Chart 3: EM leading indicator & GDP (left) / EM PMI & industrial production (right)

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. 
Left-hand chart: EM leading indicator data as at 01.02.2017; EM GDP data as at 01.11.2016.
*GDP-weighted average of 24 countries leading indicators. **GDP-weighted average of 30  countries real GDP. 
Right-hand chart: EM PMI data as at 01.03.2017; industrial production data as at 01.01.2017.
*GDP-weighted average of 16 manufacturing PMI surveys. **GDP-weighted average of 32  countries industrial production.

“We expect the gap between EM manufacturers and commodity exporters to at least converge to the long-term average”

Commodity exporters should see their GDP recover

We think a key lens to differentiate between emerging markets is that of manufacturers vs. commodity exporters. 

Given that the long-term average growth gap between commodity exporters and manufacturers is 400 bps - and assuming manufacturers retain their current stable growth trend - this implies further upside for growth for EM commodity exporters.

Chart 4: Emerging GDP growth: manufacturers vs. commodity exporters

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, data as at 01.10.2016.

“Emerging markets' exports appear to be on the mend” 

Nominal exports above long-term average for the first time since 2011

Rounding off a range of positive EM indicators this month are nominal global emerging markets’ exports, which ended 2016 above their long-term average for the first time since 2011.

Furthermore, as the right hand chart shows, this rebound could be accelerating in February if early reporting EMs are matched by the wider market.

Chart 5: Emerging nominal exports
Long-term trend (left) and since 2010 with early February 2017 data (right) - In USD

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream.
Left-hand chart: data as at 01.01.2017.
Right-hand chart: global EM countries data as at 01.01.2017; selected emerging countries data as at 01.02.2017.
* EM countries with most recent data: Korea, Taiwan, Brazil, Chile.

3)  In focus: India

“Indian activity seems to be rebounding from the impact of demonetisation”

After Prime Minister Modi’s surprise announcement of demonetisation on 8 November 2016, India went through a period of economic disruption. This seems to be over now with PMI and industrial production picking up again.

This is also reflected in the consumer sentiment as illustrated through our favoured indicator of car sales, which have risen back into positive territory towards long-term average levels.

Read more about India's rebound after Modi's demonetisation.

Chart 6: Indian manufacturing PMI and industrial production growth (left) / Indian car sales (right)

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream.
Left-hand chart: PMI data as at 01.03.2017; industrial production growth data as at 01.01.2017.
Right-hand chart: Car sales data as at 01.02.2017 

4)  Market watch

Chart 7: Key market data
As at 30.04.2017

Source: Datastream, Bloomberg, data as at 30.04.2017 and in USD. Equity indices are quoted on a net dividend reinvested basis; bond and commodity indices are quoted on a total return basis. The currency rates evolution is treated as a performance calculation based on FX rates.


Über den Autor
Patrick Zweifel joined Pictet in 1997. He is Chief Economist at Pictet Asset Management, Before assuming his current position in 2009, he was head of the “Macro Research Team” at Pictet Private Wealth Management. In particular, he had research responsibilities for emerging markets and Japan and for the development of quantitative models on major asset classes, primarily foreign exchange models.

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Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der grössten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit.  Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Herabstufung der Kreditwürdigkeit Chinas durch Moody’s dürfte nur begrenzte Wirkung haben

von Leo Hu, Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen bei NN Investment Partner.

Bereits im März 2016 hatte Moody‘s den Ausblick für China von stabil auf negativ geändert. Daher kommt die Herabstufung diese Woche nicht überraschend. S&P führt China seit März 2016 mit der Note AA-, Ausblick negativ, Fitch bewertet das Land mit A+. Damit liegt die Kreditwürdigkeit gleichauf mit der Japans. Moody’s begründet die Herabstufung mit der Verschlechterung der Bonitätskennzahlen, vor allem dem in den kommenden Jahren zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Schuldenrisiko. Strukturreformen dürften diesen Prozess zwar verlangsamen, aber nicht aufhalten. Andererseits gibt der stabile Ausblick Moody’s Erwartung wieder, die Risiken seien ausgeglichen und eine weitere Herabstufung auf kurze Sicht unwahrscheinlich. Nach Meinung der chinesischen Regierung unterschätzt Moody‘s die Fähigkeit Chinas, Strukturreformen auf der Angebotsseite umzusetzen und die Gesamtnachfrage zu stärken. Die Regierung wies zudem darauf hin, dass die Schuldenlage im Zeitraum 2018 bis 2020 nicht wesentlich von 2016 abweichen werde.

Auswirkung hält sich in Grenzen

Aus unserer Sicht dürfte die Herabstufung nur begrenzte Wirkung haben. Neben den unbestreitbaren Stärken der chinesischen Wirtschaft, die auch von der Rating-Agentur eingeräumt werden, sollte man nicht vergessen, dass Chinas Auslandsverschuldung mit 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im internationalen Vergleich niedrig ist. Bisher hat der Markt relativ verhalten auf die Senkung von Chinas Bonitätsnote reagiert.

Politisch ist vor allem der 19. Nationale Volkskongress in diesem Herbst entscheidend. Es ist anzunehmen, dass die Regierung um einen reibungslosen Führungswechsel und um den Erhalt eines stabilen volkswirtschaftlichen Umfelds bemüht sein wird. Präsident Xi Jinping hat aus unserer Sicht bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Binnenkonsum anzukurbeln und ein weniger kreditabhängiges Wachstum zu fördern, z.B. durch Nutzung des Internets und anderer moderner Technologien. Die politisch sensibleren Herausforderungen und weiteren wirtschaftlichen Reformvorhaben dürften nach dem Volkskongress im Herbst in Angriff genommen werden.

China A-Shares: Tighter liquidity a short-term headwind but SOE reform and index inclusion are medium-term positives

Financial conditions in China are tightening as policy makers are attempting to reverse some of the stimulus from last summer. The ongoing deleveraging process is a headwind for A-share equity performance in the short-term which has a tight correlation to domestic liquidity conditions. However we see state-owned enterprise (SOE) reforms and the inclusion of A-shares in global equity indices as two drivers of a potential re-rating of the market in the medium term, says James Butterfill, Head of Research and Strategy at ETF Securities.

Policy is tightening in China

China has been taking pre-emptive steps since the start of the year to tighten financial conditions. The improvement in both the domestic and external outlook since last year has emboldened policy makers to tackle some of the excesses in the build-up in leverage. Since 2008 China has had the biggest increase in its ratio of debt to gross domestic product of any country. The BIS estimates that ratio jumped from 141 per cent at the start of 2009 to 260 per cent by the end of 2016. As the central bank (PBoC) outlined in its monetary report last December, it is increasingly worried about financial sector stability and unintended asset bubbles.

The tightening steps since the start of the year include both quantitative as well as qualitative elements: a) hiking short-term interest rates across the interest rate corridor b) slowing the growth of total social finance and c) tightening bank regulations to reign in off-balance sheet lending and especially the shadow banking sector.

The net impact of these actions has been to tighten domestic liquidity. Both money market rates and bond yields have risen sharply since January to multi-year highs. The move up in rates so far has been orderly, with the PBoC limiting dislocations by injecting liquidity when needed, but it is now 20% more costly for companies and households to borrow than at the start of the year.

The tighter funding conditions have so far had a mixed impact on economic growth. Some indicators such as falling industrial metal prices and an inverted yield curve send a negative signal for future growth prospects. Other indicators such as the latest PMI and retail sales point to a more robust domestic demand picture. Excess capacity in both the industrial and property sectors look less worrying than a few years ago, and external demand still looks strong. As a result, the downside risks to growth are more limited than in the 2015 growth scare. Our own leading indicator signals a moderation in activity but not a sharp slowdown.

Tighter liquidity a negative for short- term equity performance

Although we do not expect a sharp downturn in growth, tighter financial conditions have never been a good backdrop for on-shore domestic equities. A-shares are tightly correlated to domestic liquidity as up to 80% of turnover is generated by retail investors. In previous episodes of liquidity tightening A-shares have underperformed both H-shares and other emerging markets, and so far it has not been different this time. A-Shares have been among the worst performing emerging market year-t0-date, down –1% in local currency versus up +11% for H-shares and +12% for the MSCI EM.

Since mid-March the onshore equity market has seen reduced account openings, lower trading volumes and a reduction in leveraged margin trading. Without a looser policy stance, there are few triggers for A-shares to outperform in the short-term. Valuations are not particularly cheap at 14x forward P/E versus a 5yr average of 13x. Neither are relative valuations to H-shares particularly compelling at the moment trading roughly in-line with the 5-year average.

SOEs reforms and index inclusion are medium-term positives

Despite the short-term headwinds, we think A-share multiples could re-rate to a higher sustained P/E in the medium term for two reasons.

First, we are starting to see signs that state-owned enterprises are becoming more share-holder friendly. The state agency tasked with regulating SOEs (SASAC) issued guidelines last year for SOEs to increase transparency and improve corporate governance. One of the largest state-owned coal companies came out with an unexpected special dividend shortly after the announcement and the expectation is that we could see more SOEs follow suit. We have also seen recent reforms to rationalise capacity in SOE dominated sectors, particularly commodities, where there have been significant plant closures in steel, coal and cement since 2015.

Second, we think the potential inclusion of A-shares in global equity benchmarks is another medium-term driver. There has been ongoing discussions to include on-shore companies in benchmarks available to foreign investors over the years. These discussions have accelerated recently as Chinese authorities have improved foreign access to capital markets over the last two years. We could get a decision by MSCI in mid-June and the resulting inclusion (if any) could begin in June 2018. Conclusion

The PBoC is taking welcome steps to reign in some of the excessive credit growth since the great financial crisis. Although these steps are a short-term headwind for A-share performance, they should help financial stability in the medium-term. We continue to think that with further capital account liberalisation and SOE reforms, A-shares represent an interesting opportunity over the medium-term.

Moody’s downgrade of China’s sovereign debt rating

by Will Ballard, Head of Emerging Markets and Asia Pacific Equities bei Aviva Investors.

Moody’s downgrade of China’s sovereign debt rating today should come as little surprise to investors, taking it to a rating that is now on par with Fitch. S&P will probably be next. For equity investors debt ratings have no direct read across. However, it could have knock on effects and start to turn the spotlight on whether there are more serious issues that need to be addressed and that could undermine investor confidence in not only debt, but also equity markets. 

The first stage impact is that once the sovereign rating is downgraded, it is likely that most Chinese banks will have to be downgraded as well. A rising cost of funding for the banks, unless it can be passed on, results in falling net interest margins. That in turn to the average equity investor, means lower earnings for banks stocks. Considering international investors are already having misgivings about investing in Chinese banks, with ICBC’s H shares trading on only 6x earnings, any fall in earnings is going to do nothing to help confidence.

The second factor worth considering is why are Moody’s downgrading the debt? Should their analysis prove correct then perhaps we are looking at a slower path to growth for Chinese GDP. Should that be the case, then again, future earnings of Chinese companies could be lower than investors expect. Lower growth and lower earnings normally mean lower valuations.

Is it all as bad as that? Well the first thing to say is that this downgrade isn’t unexpected. In fact the Chinese are well aware of some of the concerns highlighted by Moody’s. Xi Jinping has already called for increased action from the government to control financial risks and improve co-ordination between the various regulatory authorities. Valuations are also already low. The HSCEI, which represents Chinese companies listed in Hong Kong, is one of the cheapest equity indices. It trades on only 8.5x expected earnings, compared to the broader MSCI Emerging Markets index on 13x. With that in mind, perhaps it’s no surprise that the index was only slightly down on this announcement.

Zwei Gründe, die derzeitige Spritztour auszulassen

von James Swanson, MFS Chief Investment Strategist.

Vor allem aus zwei Gründen sollte man mit Neuanlagen in die hoch bewerteten US-Aktienmärkte meiner Ansicht nach vorsichtig sein. Der erste Grund sind die Zweifel an der Preismacht - und damit der Umsatzentwicklung - der S&P-500-Unternehmen. Der zweite Grund sind ihre geringen Investitionen.

Wenn der Konjunkturzyklus zur Hälfte vorüber ist, steigt die Preismacht meist, weil die Inflation zunimmt. Die Umsätze legen dann schneller zu als die Kosten. Wenn in früheren Konjunkturzyklen die Inflation einsetzte, wuchsen die Gewinne börsennotierter USUnternehmen schneller als die US-Wirtschaft. Doch nach acht Jahren seit Beginn des aktuellen Zyklus fällt es den S&P-500-Unternehmen schwer, ihre Umsätze entsprechend dem Wirtschaftswachstum zu steigern. In vielen Branchen gelingt es nicht, die Preise zu erhöhen. Die jüngsten Preissenkungen in der Telekommunikations- und der Automobilbranche haben dies nur zu deutlich gemacht.

Wo ist die Inflation?

Die Inflation kehrt zurück, heißt es - Energiepreise, Mieten und Löhne würden steigen. In der Tat ist die Inflation in den USA und in anderen Ländern gestiegen, aber längst nicht so schnell und so exorbitant, wie viele Auguren erwartet hatten. Ein Grund dafür ist, dass sich die Babyboomer allmählich aus dem Erwerbsleben verabschieden. Die Angehörigen dieser Alterskohorte zählen oft zu den bestbezahlten Arbeitern. Ersetzt werden sie durch jüngere, schlechter bezahlte Kollegen. Das dämpft die Lohninflation.

Hinzu kommen neue Techniken für Ölbohrungen. Die Ölpreise haben einen großen Einfluss auf die Inflation in den Industrieländern. Obwohl die Energienachfrage steigt, deckeln die immer niedrigeren Förderkosten zusammen mit den reichlich vorhandenen Ölreserven in den USA die Ölpreise.

Einen großen Anteil an den Inflationsindizes haben Mieten (oder vergleichbare Kosten). Auf sie entfallen etwa 30% des Verbraucherpreisindex. Zu Beginn dieses Konjunkturzyklus wurden in den USA nach den Übertreibungen des letzten Zyklus zu wenige Häuser gebaut, doch jetzt sind einige Jahre ins Land gegangen. Die Bevölkerung ist gewachsen, und endlich steigt auch das Angebot. In vielen amerikanischen Städten wurde in großem Stil gebaut. Noch ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Entsprechend schwach steigen die Mieten.

Zurück in die Zukunft?

Neben der geringen Preismacht und einer gewissen Enttäuschung, dass die Administration die versprochenen Reformen nicht durchführt, müssen sich Investoren noch mit einem weiteren Problem befassen: mangelnden Investitionen in die Zukunft. Der aktuelle Konjunkturzyklus ist bekannt für die extrem niedrigen Investitionen in Immobilien, Fabriken und Ausrüstungen. Private Investitionen hatten schon immer großen Einfluss auf das zukünftige Wachstum, insbesondere von Beschäftigung, Gewinnen und Eigenkapitalrenditen. Keiner weiß, warum so wenig in langlebige Aktiva investiert wird, aber angesichts des Gewinnanstiegs der letzten Jahre hätten wir mehr erwartet. Wenn der aktuelle Konjunkturzyklus noch länger anhalten soll, geht das nicht allein mit Konsum. Meiner Ansicht nach müssen neue Fabriken gebaut und Maschinen, Computer und Software gekauft werden, damit der Aufschwung weitergeht. Ich wüsste allerdings nicht, was zurzeit für mehr Investitionen in langlebige Aktiva sorgen könnte - in Aktiva, die wiederum die abnehmende US-Produktivität beflügeln könnten.

Ich würde die zurzeit beliebte These von weiteren Aktienmarktgewinnen ja gerne glauben, wenn es nur mehr Preiserhöhungen und wachstumsfördernde Investitionen gäbe. Aber ich sehe beides nicht. Sowohl in den USA als auch in Europa waren die Unternehmensgewinne im 1. Quartal 2017 bislang ordentlich. Aber wird das so weitergehen, wenn Preismacht und Investitionen in den nächsten Jahren nicht steigen? Die Gewinne müssen in den restlichen drei Quartalen des Jahres 2017 schon kräftig zulegen, damit das derzeitige Kurs-Gewinn-Verhältnis gerechtfertigt ist. Ich bleibe bei der Anlage neuer Gelder daher vorsichtig.

Über MFS Investment Management
MFS wurde 1924 gegründet und ist ein aktiver, globaler Assetmanager mit Investmentniederlassungen in Boston, Hongkong, London, Mexico City, São Paulo, Singapur, Sydney, Tokio und Toronto. MFS verfolgt einen einzigartigen partnerschaftlichen Ansatz, um Mehrwert für Kunden zu schaffen. Der Investmentprozess basiert auf drei Säulen: integriertes Research, internationale Zusammenarbeit und aktives Risikomanagement. Am 28. Februar 2017 verwaltete MFS 440,8 Mrd. US-Dollar Anlagevermögen für Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit. Weitere Informationen finden Sie auf http://mfs.com.

Transatlantischer Vergleich der Aktienmarktperspektiven – Vorteil für Europa

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Seit der globalen Finanzkrise 2008 haben sich US-Aktien deutlich besser entwickelt als ihre europäischen Pendants. So hat der US-Standardaktienindex S&P500 in den vergangenen 10 Jahren per Saldo eine Wertentwicklung von über 50 Prozent zu verzeichnen und übertraf bereits 2013 seine Allzeithöchststände von 2007. Demgegenüber konnte der STOXX EUROPE 600 Index erst in diesem Mai das Niveau von Mitte 2007 wieder erreichen.

Die Hintergründe für diese Diskrepanz sind vielschichtig. Ein wichtiger Faktor ist, dass die amerikanische Ökonomie, getrieben durch ein unmittelbares und rigoroses Umschalten der US-Notenbank Fed auf eine ultra-expansive Geldpolitik und die frühzeitige Rekapitalisierung der US-Banken, sehr schnell auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren konnte. Demgegenüber fiel die Eurozone nach 2009 schon in 2012 erneut in eine Rezession. Zudem wurden US-Aktien von vielen Anlegern als relativ sicher angesehen, während die Kurs­ent­wicklung europäischer Unternehmen immer wieder durch den drohenden Zerfall der Eurozone zurückgeworfen wurde.

Seit Anfang 2017 jedoch liegen europäische Aktien vorn. Der STOXX EUROPE 600 konnte gut 10 Prozent hinzugewinnen. Der S&P500 hat lediglich ein Plus von ca. 7 Prozent zu verzeichnen. Ist diese Entwicklung nachhaltig? Können europäische Aktien zukünftig im relativen Vergleich aufholen? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft eine Gegenüberstellung der folgenden Kriterien:

  • Politik: Mit der Parlamentswahl in den Niederlanden und der Präsidentschaftswahl in Frankreich liegen die größten potenziellen Unsicherheitsfaktoren für die europäischen Börsen bereits hinter uns. Beide Ereignisse haben nicht die Anfang des Jahres für möglich gehaltenen Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit sich gebracht, da weder Geert Wilders noch Marine Le Pen einen größeren Einfluss oder gar eine Regierungsbeteiligung erreichen konnten. Die in diesem Jahr noch anstehenden Parlamentswahlen in Frankreich, Deutsch­land und Großbritannien haben keine vergleichbar große Sprengkraft, so dass hierdurch keine deutlichen Auswirkungen auf die Börsen entstehen sollten. Für Unsicherheit könnte einzig die spätestens im Frühjahr 2018 anstehende Wahl in Italien sorgen. In den USA haben die ersten Amtsmonate Donald Trumps hingegen noch nicht die erhofften Steuersenkungen oder Staatsausgabenprogramme gebracht. Hier regieren somit eher Hoffnungen als Fakten.
  • Konjunktur: Die europäische Konjunktur ist im Vergleich zur US-Ökonomie später auf den Erholungspfad eingeschwenkt. Dafür ist der Konjunkturzyklus hierzulande aber auch noch nicht so weit fortgeschritten. Während in den USA die seit 2010 sinkende Arbeitslosigkeit für einen anziehenden Konsum gesorgt hat, begann diese Entwicklung in Europa erst langsam ab 2013 und hält noch an. Die Unternehmen blicken derzeit ungewohnt optimistisch in die Zukunft. So lag der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex im April mit 112,4 Punkten auf dem höchsten Stand seit 2011. Sowohl die Kreditvergabe als auch die Investitionen zogen jüngst an, wodurch die konjunkturelle Entwicklung weiteren Anschub erhält. Besonders positiv für Europa ist jedoch die dynamische Entwicklung des globalen Wachstums. Der IWF hat seine Prognose für das BIP-Wachstum für 2017 vor kurzem auf 3,5 Prozent angehoben. Davon profitiert besonders der Export, dessen Anteil am Umsatz bei den größten europäischen Unternehmen mit ca. 50 Prozent deutlich größer ausfällt als bei US-Aktiengesellschaften mit ca. 30 Prozent.  
  • Aktienmärkte: Der wichtigste fundamentale Treiber der Aktienmärkte sind die Unter­nehmens­gewinne. Entsprechend der konjunkturellen Entwicklung sind die Gewinnmargen in den USA in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen. Ein wesentlicher Bremsfaktor in Europa war insbesondere die Bankbranche, für die ein Zusammenbruch der Eurozone fatale Folgen gehabt hätte und die unter den Niedrigzinsen und der immer stärker werdenden Regulierung zu leiden hatte. Seit den Wahlen in Frankreich Mitte April gehören europäische Banken jedoch zu den besonders festen Aktien. Dazu beigetragen haben auch die in den vergangenen Wochen gestiegenen Zinsen bei Anleihen mit längeren Laufzeiten – eine wichtige Voraussetzung für steigende Margen. Gesundende Banken sind eine Grundvoraussetzung für einen ökonomischen Aufschwung und könnten so auch die konjunkturelle Entwicklung weiter befeuern. Außerdem hat der Bankensektor in vielen europäischen Indizes ein deutlich größeres Gewicht als in den USA. Für europäische Aktien sprechen zudem die günstigere Bewertung sowie die im Vergleich zu Zinsen für die jeweiligen Staatsanleihen höhere Dividendenrendite. Nicht zuletzt wurden die steigenden Kurse von einer zunehmenden Nachfrage außereuropäischer Investoren getragen, was auf ein steigendes Interesse hindeutet.

Zusammenfassend sprechen derzeit alle genannten Kategorien für einen anhaltenden Vorteil europäischer Aktien im Vergleich zu US-Titeln. Das bedeutet nicht, dass die Kurse in den kommenden Wochen ähnlich rasant ansteigen werden, wie seit Jahresanfang. Nachdem die größten positiven Überraschungspotenziale in 2017 bereits gehoben werden konnten, ist zunächst mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau zu rechnen. Angesichts des weiterhin positiven konjunkturellen Umfeldes haben Aktien jedoch bis Jahresende noch weiteres Steigerungspotenzial.

Zuflüsse in Edelmetalle steigen aufgrund politischer Risiken

Die Zuflüsse in Edelmetalle setzten sich aufgrund der politischen Unsicherheit mit 126 Mio. USD fort. Technologie-ETPs trieben die Zuflüsse in globale Aktien um 30 Mio. USD in die Höhe. Dollar werden gekauft, Euro verkauft. Bei den Industriemetallen kehrten sich in der vergangenen Woche die Abflüsse wieder um, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Die Zuflüsse in Edelmetall-ETPs (A0N62H) setzten sich aufgrund der politischen Unsicherheit mit 126 Mio. USD die zweite Woche in Folge fort. Gold-ETPs (A0LP78) und Silber-ETPs (A0N62F) verzeichneten mit 50 Mio. USD bzw. 73 Mio. USD erneut starke Zuflüsse. Ausgelöst wurden sie in erster Linie von den zunehmenden politischen Spannungen in den USA, die mit Trumps Entlassung des FBI-Direktors begannen und in der Einsetzung eines Sonderermittlers gipfelten, der die mögliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf untersuchen soll. Da sich nun die Frage stellt, ob die Trump-Administration die gesamte Legislaturperiode durchhalten kann, gingen sichere Werte wie Anleihen und Edelmetalle in eine Rally über. Im Zentrum des Interesses stehen weiterhin Silber-ETPs (A0N62F), da die Gold-Silber-Ratio im historischen Vergleich immer noch erhöht wirkt. „Wir halten die fundamentale Situation von Silber für unverändert günstig. Die Produktion von Silber ist in den letzten Jahren zurückgegangen, was zu einem Angebotsdefizit führte. Allein zwischen 2015 und 2016 ist sie um 32,6 Mio. Unzen gefallen, Bergbau und Altmetall inbegriffen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Technologie-ETPs trieben die Zuflüsse in globale Aktien um 30 Mio. USD in die Höhe. Am letzten Wochenende kam es zu einem beispiellosen Cyber-Angriff, der öffentliche und private Rechnersysteme in bis zu 74 Ländern in Mitleidenschaft zog. Cybersicherheit-ETPs (A14ZT8) und Robotik-ETPs (A12GJD) verzeichneten daher in der letzten Woche hohe Zuflüsse von 13 Mio. USD bzw. 16 Mio. USD. „Generell führt der Technologiesektor die Aktienmärkte an, da die Gewinne in den USA besser als erwartet ausgefallen sind. 82 Prozent der Firmen konnten die Prognosen übertreffen, sodass Technologie zu den stärksten Sektoren des S&P 500 gehört“, erläutert Hein.

US-Dollar werden gekauft, Euro verkauft. Der US-Dollar-Index hatte seine schlechteste Woche seit zehn Monaten, da das politische Durcheinander in den USA die Anleiherenditen abstürzen ließ. Trotzdem flossen in der Woche 8 Mio. USD in den US-Dollar-ETP, da die Anleger die Chance nutzten, sich vor der Juni-Sitzung der Fed in drei Wochen mit US-Dollar einzudecken. Gegenwärtig taxiert der Terminmarkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung auf fast 100 Prozent. „Gekauft wurde in erster Linie der Euro, der nach der Amtseinführung von Präsident Macron die Hürde bei 1,10 Euro durchbrach. Seit Mitte April flossen fünf Wochen hintereinander Gelder in US-Dollar-ETPs, insgesamt 50 Mio. USD“, sagt Hein.

Bei den Industriemetallen kehrten sich in der vergangenen Woche die Abflüsse wieder in Zuflüsse um. „In Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) flossen 21 Mio. USD und in Kupfer-ETPs (A0KRJU) 11 Mio. USD, nachdem China angekündigt hatte, dass es weitere 20 Mrd. USD in den Seidenstraßen-Fonds investieren wolle, um die Infrastruktur- und Handelsverbindungen mit dem Rest der Welt zu stärken. Chinesische A-Aktien-ETPs (A1XEFE) hingegen verzeichneten Abflüsse in Höhe von 8 Mio. USD, da die Verknappung der Liquidität den A-Aktien-Markt nach wie vor in die Tiefe zieht. Seit Jahresanfang schlägt ein Verlust von 1 Prozent zu Buche“, sagt Hein.

Abes dritter Pfeil stößt Kulturwandel in japanischen Vorständen an

von Dan Carter, Fondsmanager des Jupiter Japan Select SICAV.

„Allzu lange hat schlechte Unternehmensführung Japan im weltweiten Wettbewerb gebremst“, erklärt Dan Carter. „Doch da sich allmählich die Aktionäre zu Wort melden und Unternehmen beginnen, ihnen zuzuhören, könnte sich das ändern.“

Noch bis 2013 hatten 600 der 1400 größten börsennotierten Unternehmen in Japan keine unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder, auch externe Direktoren genannt1. Das ist im Vergleich zu anderen großen Industrieländern ein schwaches Ergebnis und auch weniger weit entwickelte Märkte wie Südkorea, China und Indien schneiden in dieser Hinsicht deutlich besser ab als Japan. Selbst dort, wo es externe Direktoren gab, waren sie in in vielen Fällen nicht unabhängig und weitestgehend folgsam. Sie waren nicht in der Lage oder nicht gewillt, das heimische Management zur Rechenschaft zu ziehen. Für Minderheitsaktionäre – diejenigen, die keine eigene direkte Vertretung im Vorstand haben – ist das ein großes Problem, da das Management hierdurch die Möglichkeit hat, ihre Interessen weitgehend unberücksichtigt zu lassen.

Die in Japan übliche Trennung des Managements von den Aktionären wurde durch den Zeitpunkt der Hauptversammlungen noch zugespitzt, denn 1995 wurden rund 96 Prozent aller Hauptversammlungen am selben Tag abgehalten (heute sind es nur noch 32 Prozent)2. Grund hierfür war die Bekämpfung von Sokaia – Gauner, die sich auf die Erpressung von Unternehmen spezialisiert hatten, indem sie mit öffentlichen Demütigungen auf den Hauptversammlungen drohten. Der unmittelbare Effekt hiervon war jedoch, dass ein weiterer Keil zwischen Management und Aktionäre getrieben wurde. Nach wie vor werden in vielen Vorstandsetagen harte Befragungen durch Aktionäre als ungebührlich und fehl am Platz angesehen.

Ein weiterer Stolperstein war die Vergütung des Managements. Japanische Führungskräfte werden im Vergleich zu jenen aus den USA oder Großbritannien schlechter bezahlt und ihre Vergütung hängt auch nur in einem geringen Maße von ihrer Leistung ab. Hierdurch entstand eine Managementklasse, die wenig Anreize hatte, es besser zu machen. Das bedeutete auch, dass japanische Unternehmen in der Regel nicht in der Lage oder nicht willens waren, die besten ausländischen Manager für Top-Positionen einzustellen.

Doch die Unternehmensleitungen trifft nicht die ganze Schuld. Allzu lange haben zu viele Aktionäre schlechtes Verhalten des Managements akzeptiert, indem sie zugunsten des Managements oder gar nicht abstimmten. Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass viele Aktionäre gar keine Anleger sind, sondern Aktien aus rein kaufmännischen Gründen halten.

Das Ergebnis?

Japanische Managementteams waren zu zurückhaltend beim Auszahlen eines fairen Anteils der von den Unternehmen gemachten Gewinne und zu sehr darauf bedacht, Cash zu horten. Ein in dieser Hinsicht zurückhaltendes Management traf also auf allgemein niedrige Anreize, Gewinne zu maximieren. Diese Kombination führte dazu, dass japanische Unternehmen im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Renditen einfuhren. Über die vergangenen zwanzig Jahre lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite in Japan bei 4,7 Prozent gegenüber 13,4 Prozent in den USA, 10,1 Prozent in Großbritannien und 8,8 Prozent in Deutschland3.

Was ändert sich?

Zum Glück für Aktienanleger zeichnet sich in der Art und Weise, wie japanische Unternehmen geführt werden, ein grundlegender Wandel ab. Die vielleicht erfolgreichste politische Maßnahme des „dritten Pfeils“ der Strukturreformen von Premierminister Abe ist die Reform der Unternehmensführung. Die entscheidenden institutionellen Veränderungen sind die Einführung des Stewardship Code (2014) und des Corporate Governance Code (2015). Der Stewardship Code soll Verbindungen zwischen institutionellen Anlegern und der Unternehmensleitung fördern, während der Corporate Governance Code das Ziel verfolgt, den grundsätzlichen Managementansatz zu verbessern. Das soll im Wesentlichen dadurch geschehen, dass der externe Einfluss auf die Vorstandsetagen vergrößert wird.

Beide Codes beruhen auf dem „Comply or explain“-Prinzip, sprich es handelt sich um freiwillige Maßnahmen. Die Implementierung gestaltet sich aber bislang erfreulich. Der riesige staatliche Pensionsfonds GPIF spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung des Managements unter den Anlegern. Die jährliche Stewardship-Erhebung des Fonds zeigte, dass 60 Prozent der antwortenden Unternehmen ein deutlich höheres Engagement von Anlegern beobachteten, nachdem der Stewardship Codes eingeführt wurde4. Währenddessen wirkte sich der Corporate Governance Code sichtbar auf die Vorstandsstrukturen von Unternehmen aus. So hat sich sowohl die Zahl externer Direktoren als auch die Anzahl der Rechtsausschüsse markant erhöht.

Auch das Management scheint sich zu ändern: Die Eigenkapitalrendite steigt an – wenn auch von einem niedrigen Niveau. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass sich die Rentabilität verbessert hat. Die aufgeblähten Bilanzen bleiben aber weiterhin eine Belastung. Erfreulicher ist die avisierte Ausschüttungsmenge an Aktionäre – sowohl in Form von Dividenden als auch von Aktienrückkäufen.

Wie geht es weiter?

Für die Unternehmenswelt Japans hat die Arbeit gerade erst begonnen. Aktionäre ernten nun die ersten Früchte des Wandels, aber der Markt hat noch einen langen Weg vor sich. Es ist entscheidend, dass die Regierung den Reformrhythmus beibehält, die Unternehmen den Wandel annehmen und die Aktionäre ihre Einflussmöglichkeiten auf das Management in vollem Umfang nutzen. Wenn das geschieht, wovon wir ausgehen, dann dürften sich die Bedingungen für Aktienanleger auf dem japanischen Markt definitiv zum Besseren verändern.

Quellen:
1) The Economist, Mai 2014
2) CLSA, April 2017
3) Bloomberg, April 2017, TOPIX, S&P 500, FTSE All Share bzw. DAX
4) GPIF, April 2016

Konsequenzen der ersten Onshore-Ausschreibung: Mehr Wettbewerb, hohe Unsicherheit, weniger Investitionsobjekte

Thomas Seibel, Geschäftsführer der re:cap global investors ag, kommentiert die aktuellen Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Onshore-Windparks.

Die Bundesnetzagentur hat vergangenen Freitag, am 19. Mai 2017, die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde für Onshore-Windenergie veröffentlicht. Für das Ausschreibungsvolumen von 800 Megawatt wurden 256 Gebote abgegeben und davon 70 bezuschlagt. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 5,71 ct/kWh und damit deutlich unterhalb der bisherigen EEG-Vergütung von 8,03 ct/kWh. Akteure der Branche müssen sich jetzt also offiziell Gedanken über Strategien zur Preissenkung machen. Eine Entwicklung, die Projektentwickler, Turbinenhersteller und Investoren zwar vor neue Herausforderungen stellt, jedoch schon im Vorfeld absehbar war.

Mehr Bürgerenergie-Projekte…

Deutlich überraschender ist hingegen die Dominanz von Bürgerenergie-Projekten unter den bezuschlagten Geboten. 65 der insgesamt 169 eingereichten Bürgerenergie-Projekte haben einen Zuschlag bekommen. Dies entspricht rund 93 Prozent aller Zuschläge beziehungsweise 96 Prozent des Zuschlagsvolumens. Dieses Ergebnis bringt eine hohe Unsicherheit in den Zubau neuer Anlagen, denn Bürgerenergie-Gesellschaften dürfen laut EEG – im Gegensatz zu allen anderen Bietern – auch ohne vorherige Genehmigung ihrer Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz an der Ausschreibung teilnehmen. Zudem gilt für Bürgerenergie-Projekte eine zwei Jahre längere Realisierungsfrist; ihre Anlagen müssen erst 54 Monate nach öffentlicher Bekanntgabe in Betrieb genommen werden. Ob und wie viele dieser Projekte nun genehmigt und anschließend tatsächlich gebaut und wirtschaftlich betrieben werden, ist deshalb überhaupt noch nicht absehbar. Sicher ist nur, dass der Zubau 2019 zunächst zurückgehen wird.

Eine weitere Sonderregelung für Bürgerenergie-Gesellschaften: Der Zuschlagswert wird nach dem Einheitspreisverfahren ermittelt. Das bedeutet, dass die bezuschlagten Projekte automatisch die maximale Förderhöhe erhalten. Für alle anderen erfolgreichen Bieter entspricht der Zuschlagswert dagegen lediglich dem individuellen Gebot. Dieses Vorgehen bietet einen klaren Vorteil für Bürgerenergie-Projekte und Bedenken, dass Gebote dieser Art vereinzelt etwas zu optimistisch kalkuliert werden, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, sind leider gerechtfertigt. Sollte im EEG diesbezüglich nicht nachgebessert werden, könnte Bürgerenergie auch die nachfolgenden Ausschreibungen dominieren und so den Wettbewerb verzerren. 

…weniger Investitionsmöglichkeiten

Die Folge: Für institutionelle Investoren wird es in Zukunft auf dem deutschen Wind-Markt deutlich weniger attraktive Anlagemöglichkeiten geben. Aus dieser Ausschreibungsrunde beispielsweise gibt es keine Projekte, die Finanzinvestoren zugänglich sind. Investoren, die mit dem Thema Erneuerbare Energien „liebäugeln“, sollten eine Entscheidung also nicht auf die lange Bank schieben. Denn Investitionen zu einem späteren Zeitpunkt werden von niedrigeren Renditen und höheren Risiken, beispielsweise Genehmigungsrisiken, gekennzeichnet sein. Aufgrund der sinkenden Anzahl verfügbarer Projekte in Deutschland wird zudem der Auslandsanteil in Portfolios steigen.

Durch Investitionen in Bestandsportfolios noch vom EEG 2014 profitieren

Die re:cap wird sich zunächst weiterhin auf deutsche Projekte konzentrieren, die bis Ende 2016 eine Genehmigung erhalten haben und damit noch unter den Bestandsschutz fallen und nicht an Ausschreibungen teilnehmen müssen. Das Portfolio unseres Teilfonds Wind Infrastructure I besteht zu über 80 Prozent aus deutschen Windparks. Attraktive ausländische Projekte werden zwecks Diversifikation selektiv beigemischt. So können Investoren sich direkt an einem operativen Bestandsportfolio beteiligen und noch von den garantierten Förderungen nach dem EEG 2014 profitieren. Insgesamt darf in der Bundesrepublik 2017 und 2018 noch ein Volumen von fast 8,4 Gigawatt zu den alten Förderkonditionen gebaut werden, wodurch wir unseren Investoren in den kommenden Jahren eine gute Projekt-Pipeline und sehr kurze Abrufzeiten bieten können.

Der FP Lux Investments S.A. SICAV-SIF ist eine Spezialfondslösung nach Luxemburger Recht, die sicherungsvermögens- sowie Master-KAG-fähig ist. Als AIFMD-konformes Investment‐Vehikel erfüllt der Fonds die regulatorischen Voraussetzungen fast aller institutionellen Anleger. Das Investitionsvolumen des Fonds beträgt mittlerweile fast 1 Milliarde Euro. Insgesamt hält die FP Lux Gruppe in ihren Teilfonds Wind- und Solarprojekte mit einem Volumen von fast 500 Megawatt in Deutschland und Europa. Der Teilfonds Wind Infrastructure I ist noch zur Zeichnung offen. Sein Ziel sind langfristige Renditen von rund 6 Prozent pro Jahr.

Mit Goldaktien für die nächste Rallye positionieren

Der Goldpreis bildet derzeit die Basis für einen anstehenden Bullenmarkt, wodurch sich aktuell attraktive Einstiegschancen vor allem bei Goldaktien ergeben. So die aktuelle Markteinschätzung von Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. „Wir gehen davon aus, dass sich der Goldpreis bei Werten um 1.250 US-Dollar im Jahresverlauf einpendeln wird “, erklärt der Experte und ergänzt: „Es bestehen potenziell signifikante Risiken, die den Goldpreis in die Höhe treiben könnten, zumal es durchaus möglich scheint, dass die geopolitischen oder finanziellen Aussichten ziemlich schnell ins Negative umschlagen.“ Ab 2018 hält der Experte einen stärkeren Run auf Gold und Goldaktien für wahrscheinlicher: Die Expansion nach der Krise lasse stetig nach, und die Hausse bei Aktien und Anleihen verliere an Dynamik.

Goldminensektor im historischen Vergleich attraktiv bewertet

Für Goldaktien spräche nicht nur, dass sie den Goldpreis in einem anstehenden Bullenmarkt outperformen könnten, sondern auch die derzeit attraktive Bewertungslage. „Die Aktien der großen bis mittelgroßen Goldminenbetreiber handeln zurzeit deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt“, so Foster. Während ihr Preis-Cashflow-Verhältnis seit 2006 durchschnittlich bei 11 lag, liegt diese Marke zurzeit bei rund 8. Für Anleger, die sich frühzeitig positionieren wollen, ergäben sich dadurch aktuell Chancen.

Relative Aufschläge innerhalb des Sektors können gerechtfertigt sein

Zwar analysieren Foster und sein Team regelmäßig die relativen Bewertungen innerhalb des Goldminensektors. „Allerdings können bei Goldaktien von Unternehmen mit höherem Wachstumspotenzial und niedrigerem Risikoprofil als ihre Wettbewerber höhere Bewertungsmultiples durchaus gerechtfertigt sein“, erklärt Foster. Ein Beispiel hierfür sei Agnico Eagle Mines, das die Erwartungen der Analysten seit Jahren erfülle oder sogar übertreffe. Das Unternehmen besteche mit einem erfahrenen Management und hohem Wachstumspotenzial: Foster und sein Team rechnen mit einem Wachstum von mehr als 25 Prozent in den kommenden Jahren. Zum Vergleich: Viele große Unternehmen hätten derzeit Probleme damit, ihr Produktionsniveau zu halten.

Neue Krise in Brasilien ist kein Anleger-Drama

Der neuerliche politische Skandal, der Brasilien derzeit erschüttert, hat auch die Finanzmärkte des Landes Ende vergangener Woche durchgeschüttelt. Während die Landeswährung Real und brasilianische Standardaktien um 8 Prozent fielen, sanken die Notierungen brasilianischer Staatsanleihen sogar um 9 Prozent – entsprechend einem Renditeanstieg von 180 Basispunkten.

Auslöser ist Staatspräsident Michel Temer: Er soll ein Mitwisser im Korruptionsskandal um den staatseigenen Petrobras-Konzern sein und gebilligt haben, dass die Fleischbarone des Landes Schweigegelder zahlen. Temer hatte erst im August 2016 seine umstrittene Vorgängerin Dilma Rousseff gestürzt. Unter ihrer Führung rutschte Brasilien in die größte Rezession seit 30 Jahren, begleitet von zweistelliger Inflation, einem besorgniserregenden Leistungsbilanzdefizit und unkontrollierter Fiskalpolitik.

Stabilere Wirtschaft sorgt für Halt

„Die Ausgangslage in Brasilien ist heute eine ganz andere“, betont Thierry Larose, Schwellenländer-experte bei Degroof Petercam Asset Management. Er mahnt zur Besonnenheit: „Anleger sollten sich von den aktuellen Verwerfungen am brasilianischen Finanzmarkt nicht verunsichern lassen. Die meisten Wirtschaftsindikatoren sind heute deutlich besser als noch in den Jahren 2015 und 2016 oder bewegen sich zumindest in die richtige Richtung. Zudem wurden bereits wichtige Reformen eingeleitet, wie die Begrenzung der Staatsausgaben. Diese Maßnahmen sollten die Wirtschaft Brasiliens auf dem Erholungspfad stützen“, so Larose, der den Schwellenländer-Staatsanleihefonds DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable managt. 

Beruhigend wirken zudem die Ankündigungen der brasilianischen Zentralbank sowie des Finanzministeriums, aktiv in die Märkte einzugreifen, um Liquidität bereitzustellen und die Volatilität möglichst niedrig zu halten.

Politische Schlammschlacht steht bevor 

Während Staatspräsident Temer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als haltlos bezeichnet und einen Rücktritt bislang ausschloss, müssen sich Anleger darauf einstellen, dass es noch einige Zeit dauern kann, bis an den brasilianischen Finanzmärkten wieder Ruhe einkehrt. Bis dahin dürften die Schwankungen weiterhin hoch bleiben.

Sollten sich die Vorwürfe der Bestechlichkeit weiter erhärten und der Druck auf Michel Temer noch steigen, wäre ein Rücktritt allerdings unausweichlich. Ein neuer Präsident müsste für den Rest der laufenden Amtsperiode vom Nationalkongress innerhalb von 30 Tagen gewählt werden. Als Favorit sieht Brasilien-Kenner Larose die derzeitige Präsidentin des obersten Gerichtshofes, Cármen Lúcia, an. Sie gilt als integre Persönlichkeit im politischen Mitte-Rechts-Lager.

Raum für engere Spreads bei Staatsanleihen

„Welches Szenario sich auch immer am Ende bewahrheitet, wir glauben, dass sich die Risikoaufschläge bei brasilianischen Staatsanleihen wieder verringern werden“, sagt Thierry Larose. „Der erneute Verlust an Vertrauenswürdigkeit in der politischen Führung in Brasilien ist ein herber Rückschlag. Von heute auf morgen werden die Schäden der politischen Affäre um Michel Temer nicht beseitigt sein. Mittelfristig sollten aber die Risiken sinken und brasilianische Staatsanleihen wieder mehr gefragt sein“.