Ölpreise setzen Höhenflug fort und erreichen neue Mehrjahreshochs

Die Rohölpreise haben in der abgelaufenen Woche ihren Höhenflug fortgesetzt. Der Preis für die als wichtige Referenzsorte geltende Nordsee-Ölsorte Brent stieg am Terminmarkt zeitweise über 86 Dollar je Barrel (159 Liter) und damit auf den höchsten Stand seit 4 Jahren. Der Preis für die US-Ölsorte WTI erreichte mit Kursen über 84 Dollar je Fass sogar ein Siebenjahreshoch. Die Ölpreise kamen zwar zeitweise wieder leicht zurück, liegen aber immer noch knapp unter diesen Mehrjahreshochs.

Hintergrund der Ölpreisanstiege sind die mit der laufenden Konjunkturerholung steigende Ölnachfrage im Zusammenspiel mit Ängsten vor einem knappen Angebot. Auslöser des Preisschubs der vergangenen Tage war ein von der US-Regierung am Mittwoch gemeldeter Rückgang der Ölreserven. Laut den Daten waren die Lagerbestände an Rohöl um 0,4 Millionen auf 426,5 Millionen Fass geschrumpft. Dar Markt wurde damit überrascht, da zuvor der Interessensverband American Petroleum Institute (API) einen Zuwachs der Lagerbestände gemeldet hatte.

Davor waren die Ölpreise bereits vom Ausgang der OPEC-Verhandlungen Anfang Oktober nach oben getrieben worden. Die Mitgliedsstaaten der OPEC+ hatten sich darauf geeinigt, ihre Tagesproduktion trotz der Knappheit am Weltmarkt im November nur um die bereits geplanten 400.000 Fass anzuheben. Die zuvor von Medienberichten geschürten Hoffnungen auf eine stärkere Ausweitung der Ölproduktion wurden damit enttäuscht.

Gaspreise weiter auf Rekordhochs

Auch die für die Strombranche wichtigen Gaspreise liegen weiter auf sehr hohem Niveau. Mangels ausreichender Reserven ist Erdgas derzeit in Europa knapp. Viele Stromerzeuger weichen damit auf Kohle und Öl als Energiequellen aus, was die Ölpreise zusätzlich antreibt. Russland steht zwar nach eigenen Worten für eine Erhöhung der Erdgaslieferungen nach Europa bereit, macht dieser aber von einer Genehmigung der geplanten Pipeline Nord Stream 2 durch Deutschland abhängig.

Die hohen Preise bringen die Stromversorger in Europa teilweise schon deutlich in Bedrängnis. So hat es in Deutschland bereits Pleiten kleinerer Stromanbieter gegeben. In Großbritannien steht die Branche besonders stark unter Druck: Das Land hält nur kleine Gasreserven, die Hersteller können die Gaspreisanstiege aber nicht direkt weitergeben, da Privathaushalte durch eine staatliche Preisdeckelung geschützt sind.

Bereits im kommenden Monat könnten mindestens 20 weitere Unternehmen der Strombranche in Bankrott gehen, sagt der Chef des Energiekonzerns Scottish Power am Donnerstag in einem Interview mit dem TV-Sender Sky. Auch die Unternehmen anderer energieintensiver Branchen wie etwa der Stahlherstellung kommen britischen Medienberichten zufolge schon stark unter Druck.

Energiepreise hieven Inflation in Europa auf Mehrjahreshochs

In den Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten schlagen sich die Energiepreisanstiege schon merklich nieder. So stiegen die Erzeugerpreise in Deutschland im September im Jahresvergleich um 14,2 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit Oktober 1974. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass die starke Inflation nicht von Dauer sein wird, allein die Angst vor Preissteigerungen aber zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung werden können.

Gehen Verbraucher und Unternehmen davon aus, dass die Preise weiter steigen, „werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen“, erklärt die DIW-Wirtschaftsforscherin Kerstin Bernoth. Dies könne nach Einschätzung der Ökonomin eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen.

In Deutschland ist die Inflationsrate im September auf 4,1 Prozent und damit erstmals seit knapp 28 Jahren wieder über die Vier-Prozent-Marke gesprungen. Im gesamten Euroraum stieg die Inflationsrate auf 3,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 13 Jahren. Der steigende Inflationsdruck könnte damit die laufende Erholung von der Corona-Krise ausbremsen, wird befürchtet. Die Inflationsdaten schüren an den Märkten auch Ängste vor gegensteuernden Maßnahmen der Notenbanken und einem Abrücken von ihrer konjunkturstützenden, lockeren Geldpolitik. Bisher haben viele Notenbanker die Inflationsanstiege allerdings als nur temporäre Sondereffekte eingestuft.

Japan und China besonders stark von Energiepreishöhenflug betroffen

Auch in anderen Regionen der Welt werden die Energiepreisanstiege zunehmend zu einem Problem. So haben sich die Erdgaspreise in Asien heuer mehr als verfünffacht. Japan ist besonders stark betroffen, da es bis auf einen kleinen Teil seinen gesamten Energiebedarf importieren muss. Noch schlagen sich die Energiepreise in dem Land nicht in den Inflationsdaten nieder, da viele Unternehmen sich scheuen die Preise an ihre Kunden weiterzugeben, um die Erholung des ohnedies schwachen Konsums nicht zu gefährden. Doch Japans Ministerpräsident Fumio Kishida hat sein Kabinett bereits angewiesen Schritte gegen die hohen Energiekosten einzuleiten.

In China kommen zu den hohen Energiepreisen auch die zuletzt häufig aufgetretenen Stromausfälle, die die Versorgungssicherheit des Landes gefährden. Medienberichten zufolge sollen einige große chinesische Konzerne bereits mit US-Exporteuren über einen milliardenschweren Vertrag zur Lieferung von Flüssiggas verhandeln. Mindestens fünf große Konzerne sollen laut mit der Sache vertrauten Personen bereits verhandeln.

IEA und Weltbank erwarten vorerst kein Ende der Engpässe

Ein Ende der starken Energiepreisnachfrage ist dabei nicht in Sicht. Laut jüngsten Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) dürfte sich die weltweite Ölnachfrage im kommenden Jahr auf das Niveau von vor der Corona-Pandemie erholen. Die IEA erwartet, dass die globale Energiekrise die Ölnachfrage um eine halbe Million Fass pro Tag ankurbeln wird. Auch die Weltbank erwartet laut einer aktuellen Prognose vorerst ein Verharren der Energiepreise auf hohem Niveau. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2022 dürften sich die Engpässe auf Angebotsseite auflösen, und damit eine Entspannung der Lage kommen, erwarten die Weltbank-Ökonomen.

Damit sind auch Gegenmaßnahmen von Seiten der EU gefragt. Die Energiepreise waren entsprechend auch ein bestimmendes Thema des am Freitag ausgelaufenen EU-Gipfels. Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs haben sich aber wie erwartet nicht auf ein einheitliches Vorgehen gegen die hohen Energiepreise einigen können. Bei den Beratungen forderten Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland am Donnerstag in Brüssel gemeinsame Gaseinkäufe der EU-Staaten. Das hatte etwa Deutschland jedoch schon zuvor abgelehnt. In der Gipfelerklärung wird auf das vorgeschlagene Maßnahmenpaket der EU-Kommission verwiesen sowie auf die Beratungen der EU-Energieminister am 26. Oktober.

FAZIT

Die hohen Notierungen für Erdöl und Erdgas sind Folge der Konjunkturerholung aber auch der politischen Differenzen rund um die Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2. Mit dem Aktienfonds ERSTE STOCK COMMODITIES kann man indirekt am aktuellen Preisniveau für Energie und Rohstoffe partizipieren.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Europas Einzelhandelsmärkte finden aus der Krise heraus: Retail Attractiveness Index (GRAI) zeigt spürbare Erholung

Den europäischen Einzelhandelsmärkten ist im dritten Quartal 2021 der Turnaround gelungen. Der von Union Investment gemeinsam mit der GfK ermittelte Retail Attractiveness Index, der die Attraktivität der 15 wichtigsten Retailmärkte in Europa misst, erholt sich im zweiten und dritten Quartal 2021 spürbar und klettert auf 113 Punkte. Das sind 14 Punkte mehr als zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Der Retail Index für Europa weist damit den höchsten Wert seit drei Jahren auf. Im dritten Quartal 2018 wurden 115 Punkte gemessen. Seinen bisherigen Tiefststand erreichte der Retail Index im zweiten Quartal 2020 mit 89 Zählern. Bis einschließlich des ersten Quartals 2021 stagnierten die Werte auf unterdurchschnittlichem Niveau. Ein Indexstand von über 100 Punkten signalisiert ein überdurchschnittliches Niveau. „Der jetzt gemessene starke Anstieg zeigt, dass wir die schwierigen Zeiten der Lockdowns hinter uns gelassen haben und dass sowohl Verbraucher als auch Händler wieder deutlich positiver nach vorne schauen“, sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilien Research bei Union Investment.

Der zurückkehrende Optimismus lässt sich in den beiden Stimmungsgrößen des Index ablesen. Sowohl die Konsumenten- als auch die Einzelhandelsstimmung legten im Jahresverlauf jeweils um 21 Punkte zu und erreichen mit 109 bzw. 110 Punkten wieder ein überdurchschnittliches Niveau. Als wichtige Stützen wirken im dritten Quartal weiterhin der Arbeitsmarkt (120 Punkte, minus fünf Punkte) als auch der Einzelhandelsumsatz (117 Punkte; plus fünf Punkte).

Gegenüber dem dritten Quartal 2020 verbesserte sich der Index ausnahmslos in allen 15 betrachten europäischen Ländern. „Die Veränderungen liegen überwiegend im zweitstelligen Bereich, was den starken Erholungsprozess unterstreicht“, so Janßen. Der stärkste Anstieg im Jahresverlauf wurde in Spanien (plus 23 Punkte), Polen (plus 17), Frankreich (plus 15) sowie in Portugal und Großbritannien (beide plus 14) gemessen. Auf Länderebene hat Deutschland mit 125 Punkten (plus neun Punkte) seinen Spitzenplatz zurückerobert, gefolgt von Tschechien (123 Punkte) und Polen (121 Punkte). Den vierten Rang belegt Frankreich mit 114 Punkten. Das Schlusslicht bildet nun Schweden mit 98 Punkten. Davor liegen UK mit 104 Punkten und Dänemark mit 102 Punkten.

Wie der europäische Retail Index weist auch der Retail Index Global auf erfreuliche Entwicklungen in den betrachteten Märkten hin. Sowohl Nordamerika als auch die asiatisch-pazifische Region arbeiten sich im dritten Quartal aus der Krise heraus. So klettert der Retail Index für die Nordamerika-Region auf 104 Punkte. Asien-Pazifik liegt mit 97 Punkten noch auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Mit jeweils 17 Punkten gewinnen die Regionen im Jahresverlauf noch etwas stärker zu als Europa. Der Retail Index Europa hält die beiden anderen regionalen Indizes jedoch weiterhin auf Distanz.

Auf den starken Anstieg des Retail Index Global zahlen durch die Bank weg alle fünf betrachteten Übersee-Märkte ein. Insbesondere gilt dies für Kanada, das mit einem Plus von 33 Punkten die dynamischste Entwicklung sogar über alle weltweit betrachteten Märkte macht und jetzt mit 108 Punkten den Spitzenplatz unter den Übersee-Märkten einnimmt. Gefolgt von Australien (106 Punkte, plus 26), den USA (104 Punkte; plus 15) sowie Korea (102 Punkte; plus 17). Wie im ersten Quartal 2021 ist Japan mit 93 Punkten – trotz eines starken Zuwachses von 15 Punkten – weiterhin das Schlusslicht, sowohl im Retail Index Global als auch im Gesamtranking.


Zur Methodik

Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Union Investment bildet die Attraktivität der Einzelhandelsmärkte von insgesamt 20 Ländern in Europa, Amerika und Asien-Pazifik ab. Dabei bedeuten 100 Indexpunkte eine durchschnittliche Bewertung. In den Europa-Index gehen die Indizes der 15 europäischen Länder Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Belgien, Irland, Portugal, Polen und Tschechien ein, gewichtet mit ihrer jeweiligen Bevölkerungszahl. In den Nordamerika-Index gehen die Indizes der USA und Kanadas ein; der Asien-Pazifik-Index berücksichtigt Japan, Südkorea und Australien.

Halbjährlich vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelt, setzt sich der Global Retail Attractiveness Index aus zwei Stimmungsindikatoren und zwei datenbasierten Indikatoren zusammen. Alle vier Faktoren gehen gleichgewichtet, d.h. mit jeweils 25 Prozent, in den Index ein. In den Index fließt sowohl die Stimmung der Nachfrageseite (Consumer Confidence) als auch die Stimmung der Angebotsseite (Business Retail Confidence) ein. Als quantitative Input-Faktoren werden die Veränderung der Arbeitslosigkeit und die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes (rollierend 12 Monate) in den GRAI einbezogen. Nach Standardisierung und Transformation haben die Input-Faktoren jeweils einen Mittelwert von 100 sowie einen theoretischen Wertebereich von 0 bis 200 Punkte. Dem Index liegen Daten aus aktuellen Quellen von GfK, EU-Kommission, OECD, Trading Economics, Eurostat sowie der nationalen Statistikämter zugrunde. Die dargestellten Veränderungen beziehen sich jeweils auf den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres (Q3 2020).

Bundesnetzagentur muss sich in eine neue Rolle hineintasten

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) Anfang September muss das deutsche Energierecht korrigiert werden, was die Festlegung der Netzentgelte am deutschen Strom- und Gasmarkt verändern wird. Künftig soll die Bewertung der Kosten ausschließlich der Bundesnetzagentur (BNetzA) obliegen, während das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) Kompetenzen abgeben muss. Marktbeobachter erwarten veränderte Rahmenbedingungen für die so notwendigen Investitionen in die Energieinfrastruktur.

In den vergangenen Jahren konnte sich die Energiewirtschaft trotz proklamierter Energiewende und außerparlamentarischer Proteste durch Fridays / Scientists / Parents for Future auf stabile, geradezu planwirtschaftliche Strukturen verlassen. Denn nicht das in anderen Kontexten oft beschworene „freie Spiel der Kräfte“ trug zur Preisfindung für die Netzentgelte am Strom- und Gasmarkt bei. Das Bundeswirtschaftsministerium legte mit konkreten Regularien qua Bundesnetzagentur fest, wieviel Kosten die Strom- und Gasnetzbetreiber geltend machen respektive welche Preise sie verlangen durften. Eine solche Konstruktion wirkte auf Lobbyisten der Energiewirtschaft und der Großindustrie wie intensiver Honigduft auf Bärennasen. Kaum eine Branche ist in Berlin mit so vielen Verbänden präsent, wie die Energiewirtschaft.

Anfang September 2021 änderte sich nun dieser von vielen Lobbyisten liebgewonnene Zustand. Die EU-Kommission hatte den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg angerufen, um die deutsche Konstellation prüfen zu lassen. Dessen vierte Kammer gab der EU-Klage am 2. September vollumfänglich Recht (Rechtssache C-718/18). Nach genauer Untersuchung bemängelte das oberste EU-Gericht, dass elementare Vorgaben der EU-Elektrizitäts- wie auch der EU-Erdgasrichtlinie von der Bundesregierung nur bedingt umgesetzt werden. Schlussfolgerung der Richter: Die im Bonner Tulpenfeld ansässige Bundesnetzagentur soll künftig mehr Beinfreiheit bekommen und unbeeinflusst von der Bundespolitik die Kosten der Netzbetreiber errechnen können. Die Rolle der BNetzA erfährt damit eine deutliche Aufwertung. Parallel muss die Ermittlung der Netzentgelte neu definiert werden, um der EU-Kernforderung, Neutralität gegenüber allen Marktteilnehmern, nicht zuletzt den Verbrauchern, gerecht zu werden.

Erste Bewertungen, erste Prognosen

Betont nüchtern reagierten zunächst die Hauptakteure auf den Richterspruch. Das BMWi erklärte, dass „Aussagen zu den konkreten Auswirkungen des Urteils [...] erst nach sorgfältiger Prüfung möglich“ seien. Die BNetzA blieb ebenfalls zurückhaltend: „Die Bundesnetzagentur nimmt die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs [...] zur Kenntnis. Die Entscheidung wird Anpassungen der Arbeitsweise der Bundesnetzagentur erforderlich machen.“ Jochen Homann, Präsident der Kontrollbehörde, ergänzte mit Blick auf Investoren und Klimaschutz: "Die Bundesnetzagentur wird rechtliche Unsicherheiten in der Übergangsphase so weit wie möglich reduzieren. Wir gewährleisten Rechtssicherheit für die Investitionen, die zur Erreichung der Klimaschutzziele essentiell sind."

Ein solch grundlegendes Urteil, das nach einer Neustrukturierung verlangt, rief natürlich auch weitere, z.T. sehr unterschiedliche Kommentare in Politik und Wirtschaft hervor. Ingrid Nestle, Energieexpertin der Grünen, sprach mit kaum verhohlener Genugtuung von einer „Klatsche für die Bundesregierung“. Der Volkswirtschaftler Dr. Justus Haucap, Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ehemaliger Vorsitzender der Monopolkommission, nannte es eine "gute Nachricht", da ähnlich gelagerte Bundesbehörden, wie z.B. das Bundeskartellamt, schon heute deutlich unabhängiger von der Legislative agieren können. Der lobbygestützte Einfluss der Energiewirtschaft werde damit zurückgehen ohne die juristischen Möglichkeiten zu beschneiden.

Ingbert Liebing vom Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) befürchtet dagegen in Zukunft fehlende Investitionsanreize durch den Bund: "Für die kommunalen Netzbetreiber bedeutet dies zusätzliche Unsicherheiten bezüglich der Planungs- und Investitionssicherheit, die für den weiteren Aus- und Umbau sowie die Digitalisierung der kommunalen Strom- und Gasnetze notwendig sind."

Sebastian Thürmer, geschäftsführender Gesellschafter des auf nachhaltige Investments spezialisierten Placement Agents artis Institutional Capital Management, sieht die Situation entspannter: „Ein geringerer Einfluss seitens der Politik als auch von Lobbyisten führt grundsätzlich zu mehr Marktvertrauen. Gerade institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Altersversorger werden in den kommenden Jahren bedeutende Summen in die Assetklasse Energieinfrastruktur investieren und legen im hohen Maße Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit. Solche Neuinvestoren sind auch deshalb wichtig, da sie dabei eine ambivalente Strategie verfolgen. Einerseits spielen Renditeüberlegungen eine wichtige Rolle, andererseits kann ein Beitrag zur Bekämpfung des für sie besonders essenziellen Klimawandels, gerade unter Schadensaspekten, erbracht werden.“

Veränderte Rolle der Bundesnetzagentur

Trotz dieser unterschiedlichen Einschätzungen sollte abwartendes Taktieren für die Bundesnetzagentur keine Option sein. Von Folgendem kann sicher ausgegangen werden: Der EuGH schränkt ganz bewusst die Einflüsse der nationalen Legislative ein, so dass zum einen die in Sachen Klimaschutz ambitionierte EU-Kommission– siehe „European Green Deal“ - einfacher durchregieren kann. Zum anderen erhofft sich Brüssel eine aktivere und auch kreativere Rolle der Bundesnetzagentur im Vergleich zur bisherigen Praxis. Kontrolle und Umsetzung waren gestern; kluge Gestaltung und orchestrierte Initiativen werden in Zukunft erwartet.

Kurzfristig sollte in einem ersten Schritt eine neue, dem EuGH-Urteil entsprechende Trennlinie zwischen Bundesnetzagentur und Bundeswirtschaftsministerium rechtlich festgezurrt werden. In einem zweiten Schritt muss das künftige „Regulierungsdesign“ (BNetzA-Justiziar Chris Mögelin) zur Berechnung der Netzentgelte durch die Netzagentur festgelegt werden. Gerade der zweite Schritt gilt als besonders sensibel, um den Umbau der Energieinfrastruktur mit neuer Dynamik zu versorgen.

Überdies steht, unabhängig vom EuGH-Urteil, im Februar ein Personalwechsel an der Spitze der Bundesnetzagentur an. Es darf erwartet werden, dass die sich abzeichnende Berliner Ampelkoalition auch hier ein Zeichen setzen wird und jemanden an die Spitze der Behörde hievt, der die neugewonnenen Spielräume im Sinne der Energiewende zu nutzen weiß.

Netzrendite als Schlüsselfaktor für Investitionen

Es sind rund 1.000 Unternehmen, die in Deutschland die Strom- und Gasnetze bereitstellen, betreuen und einen entsprechenden Anspruch auf Netzentgelte erheben. Zu ihnen zählen neben den „großen vier“ Energieversorgungsunternehmen zahlreiche kleinere, kommunale Unternehmen und Tochtergesellschaften, die sich künftig mit ihren Anliegen wohl direkt an die Bundesnetzagentur wenden werden.

Der Fokus dürfte dabei stets auf zwei wichtigen Fragen liegen, die auch der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies, gleichzeitig Beiratsvorsitzender der Bundesnetzagentur, in einem Interview mit der Schweizer Fachpublikation energate Anfang Oktober betonte: „Erstens geht es grundsätzlich um die Höhe der künftigen Eigenkapitalzinssätze. Zweitens ist es uns als Beirat ein Anliegen, dass die Bundesnetzagentur die energiewirtschaftlichen Herausforderungen, die vor uns liegen, in ausreichendem Maße berücksichtigt. Wir befinden uns in einer Dekade der größten erforderlichen Investitionen zum Erreichen der Klimaziele. Das betrifft den Ausbau der Erneuerbaren genauso wie den Netzausbau.“

Die Netzentgelte werden auf Basis der periodisch zu aktualisierenden Eigenkapitalverzinsung I und II (EKZ I + II) festgelegt. Alle Netzbetreiber erhalten diese Garantierenditen, die gemäß Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) dazu dienen, den per definitionem „natürlichen Monopolisten“ adäquate Anreize für Wartung und Pflege und eine wettbewerbsfähige Verzinsung für das eingesetzte Kapital anzubieten.

Neue Zinssätze bei 5,07 und 3,51 Prozent

Eine Festlegung für die nächste Periode - beim Strom für die Jahre 2024 bis 2029, beim Gas für die Jahre 2023 bis 2028 – hat die Bundesnetzagentur gerade (20. Oktober) vorgenommen. Mit 5,07 Prozent für Neuanlagen (EKZ I) und 3,51 Prozent für Altanlagen (EKZ II), jeweils vor Körperschaftsteuer, fallen die Zinssätze niedriger aus als in der aktuellen Periode (6,91 Prozent (EKZ I) und 5,12 Prozent (EKZ II). Allerdings doch höher, als die Netzagentur selbst noch Mitte Juli in einem Entwurf prognostiziert hatte (4,59 Prozent (EKZ I) und 3,03 Prozent (EKZ II)). Präsident Homann wies damals darauf hin, dass trotz der langanhaltenden Niedrigzinsphase die Eigenkapitalzinssätze lediglich „angemessen“ sinken würden, um Investitionen in die Netze weiterhin attraktiv zu halten.

Beirat Olaf Lies hielt im erwähnten energate-Interview Anfang Oktober einen kräftigen Wagniszuschlag für angemessen: „Der Ausbau der Erneuerbaren (EE) wird in den nächsten Jahren deutlich wachsen müssen. Da darf es dann keine Frage sein, ob das Netz Schritt halten kann. Auch die Digitalisierung der Netze wird eine deutlich größere Rolle spielen, weil wir ein intelligenteres Netz brauchen.“ Die nun festgelegten EKZ-Zahlen dürften vermutlich unter seinen Vorstellungen liegen.

BNetzA muss sich in neue Rolle hineintasten

Zurück zum EuGH-Urteil. Mittlerweile scheint sich der Druck der Verteilnetzbetreiber vom BMWi auf die Bundesnetzagentur zu verlagern. Die Forderungen bleiben jedoch unverändert. So konfrontierte beispielsweise EnBW-Vorstand Dirk Güsewell in einer Ende September publizierten Pressemitteilung die Bundesnetzagentur direkt mit seinen Wunschtarifen. Der Vorstand Systemkritische Infrastruktur forderte ein EKZ I von mindestens 6,2 Prozent, rhetorisch geschickt eingewickelt in den Gemeinwohl-Hinweis, dass dieses „der richtige Aufsatzpunkt“ sei, der die „Zukunft der Netze“ sicherstellen werde. Nun sind es nur 5,07 Prozent geworden - für Güsewell wohl eine Enttäuschung.

Doch es gibt auch konträre Sichtweisen auf die neuen Zinssätze wie die des eher ganzheitlich ausgerichteten Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft e.V. (bne): „Es ist enttäuschend, dass die Bundesnetzagentur die Chance verspielt, Verbraucher, Industrie und Gewerbe deutlicher zu entlasten. Das Potenzial für eine Absenkung der Eigenkapitalverzinsung wurde bei weitem nicht genutzt.“

Sebastian Thürmer von artis ICM liegt mit seiner Einschätzung mittendrin: „Die Renditen für Netzentgelte sind für institutionelle Anleger immer noch auskömmlich, gerade im Vergleich zu Festverzinslichen, aber auch relativ zu Immobilien. Institutionelle diversifizieren ihre Anlagen grundsätzlich nach Einzelprojekten als auch länderübergreifend, zumindest im Euro-Raum, so dass auch Investments in anderen EU-Ländern anvisiert werden. Und die bieten möglicherweise höhere Netzentgelte. Der Mix an Gesamtrendite verbleibt daher attraktiv. Die Assetklasse Energieinfrastruktur bietet weiterhin exzellente Aussichten, attraktive Cash-flows, Langlebigkeit und im Vergleich zu vielen anderen illiquiden Anlagen geringere Risiken.“

Das vielstimmige Echo zeigt, dass es auch künftig für die Bundesnetzagentur schwierig wird, alle Anbieter, Verbraucher, Investoren glücklich zu machen. Doch ein anderer Weg, um in die zugedachte aktiv-kreative Rolle hineinzufinden, dürfte kaum möglich sein. Nur 360°-Kommunikation, transparente Kontroversen und smarte Steuerung bieten Gelegenheit, sich gemäß EuGH-Urteil zu positionieren und zu profilieren.


von Bernd Engel – freier Autor

COP26: Kurzfristige Umsetzung ehrgeizigerer Pläne

von Colin Dryburgh, Investment Manager, Multi-Asset & Solutions bei Aegon Asset Management.

Mit Blick auf die 26. UN-Klimakonferenz der Vertragsparteien (COP26) geht es darum, die wichtigsten Ziele der Konferenz zu betrachten und konkrete Forderungen an die Politik zu formulieren, um bei der Bewältigung des Klimawandels Fortschritte zu erzielen.

Das wichtigste Ziel ist zugleich das schwierigste: Bis Mitte des Jahrhunderts den globalen Netto-Nullpunkt erreichen und 1,5 Grad in Reichweite halten. Um es gleich vorwegzunehmen: 1,5 Grad sind derzeit nicht in Reichweite.

Zum Abschluss der COP21 in Paris im Jahr 2015 haben sich die Regierungen verpflichtet, die weltweiten Treibhausgasemissionen erheblich zu senken. Seitdem haben viele Länder überarbeitete nationale Klimapläne vorgelegt, die ein neues Ziel von „Netto-Null-Emissionen“ bis etwa Mitte des Jahrhunderts festlegen.
Der mittlerweile etablierte Begriff „Netto-Null-Emissionen“ beschreibt den Punkt, an dem die Emissionen so weit wie möglich reduziert wurden und der verbleibende Rest durch die Entfernung von Emissionen aus der Atmosphäre ausgeglichen wird. Die USA, die EU, das Vereinigte Königreich, Japan und Südkorea haben sich verpflichtet, ihre Emissionen bis 2050 auf Null zu reduzieren. China hat sich verpflichtet, dies bis 2060 zu erreichen.

Das sind große Ziele, doch man sollte beachten, was die Wissenschaft dazu sagt: Nach Angaben der UNO werden die weltweiten Emissionen nach den derzeitigen Plänen der Regierungen bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 12 % im Vergleich zu 2010 zurückgehen. Dies steht in krassem Gegensatz zu der bis 2030 erforderlichen Emissionssenkung um 45 %, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen zu können. Im Mai dieses Jahres schätzte Climate Action Tracker, dass in Anbetracht der Zusagen und Ziele der Regierungen eine Erwärmung von 2,4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts durchaus realistisch ist, dass aber die bestehenden politischen Maßnahmen in Wirklichkeit eine Erwärmung von 2,9 Grad ansteuert. Diese Zahlen sind, gelinde gesagt, alarmierend. Was kann getan werden?

Hier sind einige Vorschläge, was die politischen Entscheidungsträger auf der COP26 erreichen sollten: 

  1. Netto-Null ist kein kurzfristiges Ziel: Alle Teilnehmer müssen anerkennen, dass Netto-Null grundsätzlich ein sehr langfristiges Ziel ist. Das Problem von langfristigen Zielen ist dabei, dass sie ein Gefühl der Bequemlichkeit vermitteln können, was wiederum die scheinbare Notwendigkeit oder gar Dringlichkeit für sofortiges Handeln verringert.
  2. Einigung auf bessere Bedingungen zur Senkung weltweiter Emissionen: Die politischen Entscheidungsträger müssen sich auf bessere Rahmenbedingungen einigen, um die globalen Emissionen aggressiv zu senken. COP26 wird mehr als 190 Länder umfassen – eine Größe, die den Diskurs erschweren könnte. Die fast unvermeidliche Folge von Verhandlungen mit so vielen Parteien ist oftmals Stillstand, gefolgt von unambitionierten Vereinbarungen in letzter Minute.
    Ein Vorschlag, um die Wahrscheinlichkeit besserer Ergebnisse zu erhöhen, ist in kleinen Gruppen zu verhandeln. Auf die fünf größten Emissionsländer der Welt plus die EU entfallen etwa zwei Drittel der weltweiten Emissionen. Verhandlungen in einer kleineren Gruppe wie dieser sollten die Wahrscheinlichkeit eines Stillstands verringern und somit die Wahrscheinlichkeit eines besseren Ergebnisses erhöhen und es den größeren Ländern/Emittenten ermöglichen, mit gutem Beispiel voranzugehen.
  3. Kurzfristige Umsetzung ehrgeizigerer Pläne: Die politischen Entscheidungsträger sollten sich auf ehrgeizigere Pläne einigen, die in naher Zukunft umgesetzt werden können. So entfallen beispielsweise fast drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Energienutzung in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie, und die Maßnahmen, die in jedem dieser Bereiche ergriffen werden müssen, sind bereits gut bekannt. Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass Tempo in diesem Fall von beachtlicher Bedeutung ist. Je schneller die Emissionen gesenkt werden, desto besser.

Letztendlich müssen die Teilnehmer der COP26 Mechanismen zur Bepreisung von CO2 entwickeln. Dabei gibt es zwei Hauptansätze:

Zum einen gibt es die Möglichkeit einer CO2-Steuer, bei der die Emittenten einen festen Satz pro Tonne CO2-Emissionen zahlen. Dies schafft einen finanziellen Anreiz für Unternehmen, Maßnahmen zur Emissionssenkung zu ergreifen. Dieser Ansatz bietet Gewissheit über den Preis der Steuer, aber weniger Gewissheit über das Ausmaß der Emissionsreduzierung.

Eine andere Option ist ein Emissionshandelssystem (ETS), das auch als Cap-and-Trade-System bezeichnet wird. Die Regierungen vergeben oder versteigern eine bestimmte Menge an CO2-Genehmigungen oder Zertifikaten. CO2 kann nur von Unternehmen produziert werden, die über genügend Berechtigungen verfügen. Unternehmen mit geringeren Emissionen haben die Möglichkeit, Zertifikate an Unternehmen mit höheren Emissionen zu verkaufen, wobei genau diese bestimmen den Preis der Emissionsrechte bestimmen. Die Regierungen reduzieren die Menge der im Umlauf befindlichen Zertifikate im Laufe der Zeit, was wiederum zu einer Verringerung der CO2-Emissionen führt.

Dieser Ansatz ermöglicht es den Verursachern, ihre Emissionen flexibel und zu den geringstmöglichen Kosten zu reduzieren. Er bietet Gewissheit über die Höhe der Emissionsreduzierung, aber nicht über den Preis. Die Weltbank schätzt, dass nur 13 % der jährlichen Treibhausgasemissionen durch Kohlenstoffpreissysteme abgedeckt werden, so dass hier noch erheblicher Spielraum für eine Steigerung besteht.

Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der COP26, wird es kein Patentrezept geben, um den Klimawandel vollständig zu bekämpfen. Ein festes Bekenntnis zu einem Plan, der leichter umsetzbar und weniger ehrgeizig ist, würde jedoch helfen, den entscheidenden Weg zum Netto-Nullpunkt einzuschlagen.


Über Aegon Asset Management 

Aegon Asset Management besteht aus aktiven globalen Investoren. Unsere 380 Anlageexperten verwalten und betreuen ein Vermögen von 391,1 Mrd. € / 463,8 Mrd. USD / 336,1 Mrd. £ (Stand: 30. Juni 2021) für einen weltweiten Kundenstamm bestehend aus Pensionsplänen, öffentlichen Fonds, Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen.
Wir organisieren unsere Anlagekapazitäten rund um vier zielgerichtete Anlageplattformen, auf denen wir über umfangreiche Expertise in den einzelnen Anlageklassen verfügen: Fixed Income, Real Assets, Equities und Multi-Asset & Solutions. Jede Plattform umfasst engagierte Teams, die global organisiert sind und sich für die Maximierung ihrer Spezialgebiete einsetzen. Diese Plattformen werden von Teams unterstützt, die sich dem verantwortungsvollen Investieren und dem Multi-Management widmen.
Indem wir unsere Investmentteams global organisieren, arbeiten wir daran, unser Fachwissen und unsere Research-Ressourcen über regionale Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unser Performance-Potenzial steigert und zu besseren Anlageergebnissen für unsere Kunden beiträgt.
Über alle Plattformen hinweg teilen wir den Glauben an ein fundamentales, Research-getriebenes aktives Management, das durch ein effektives Risikomanagement und ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Investment untermauert wird. Unsere Investmentplattformen haben die Flexibilität, ihre Ressourcen und Prozesse so zu organisieren, dass sie am besten zu ihrem jeweiligen Schwerpunkt passen.
Wir sind ein globales Unternehmen: Unsere 1.200 Mitarbeiter sind in ganz Europa, Amerika und Asien tätig. Wir investieren global und betreuen unsere Kunden lokal.
Für weitere Informationen über Aegon Asset Management, siehe www.aegonam.com

Stagflation – ein ernstes Risikoszenario

von Stephanie Clam Martinic, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Die weltweite wirtschaftliche Erholung läuft trotz kräftiger Turbulenzen immer noch weiter. Wie lang wird sie durchhalten?

In den vergangenen Monaten hat sich die Stagflationsgefahr (das gleichzeitige Auftreten von wirtschaftlicher Stagnation und Inflation) erhöht. Ohne die Pandemie wäre die Produktion höher und die Inflation niedriger: Engpässe in Produktion und Logistik haben die Wirtschaftstätigkeit gebremst und die Preise im Warensektor stark ansteigen lassen.

Darüber hinaus haben die stark gestiegenen Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher geschmälert. Auch auf dem Arbeitsmarkt kam es zu Engpässen: Die Verlagerung des Konsums hat den Bedarf an Arbeitskräften von einem Sektor in einen anderen verlagert und damit die Arbeitslosigkeit erhöht, da Arbeitskräfte nicht so leicht ersetzt werden können.

Auf zyklische Sicht: keine Stagflation

Der Aufschwung nach der Covid-Krise droht von kurzer Dauer zu sein, während die Inflation auf lange Sicht hoch bleibt. Stehen wir nun vor einer Stagflation? Wenn die Phase der engpassbedingt hohen Inflationsraten länger anhält als ursprünglich angenommen, steigt das Risiko, dass auch die langfristigen Inflationserwartungen steigen: Eine so genannte Lohn-Preis-Spirale würde dann in Gang gesetzt werden.

Um dieses Negativszenario zu verhindern, reduzieren immer mehr Zentralbanken den ultraexpansiven geldpolitischen Kurs. Ziel ist es, die Inflationserwartungen fest auf dem Inflationsziel der Zentralbank zu verankern. Infolgedessen erhöhen immer mehr Zentralbanken die Leitzinsen schneller als erwartet in Richtung eines für die Wirtschaft neutralen Zinsniveaus. Solange die Zentralbanken dabei erfolgreich bleiben, d.h. die Inflationserwartungen nicht steigen, werden die derzeit überdurchschnittlichen Inflationsraten verschwinden, sobald sich die Engpässe auflösen. Dann könnte auch die wirtschaftliche Erholung in Richtung Vollbeschäftigung reibungsloser verlaufen.

Das Risiko einer unmittelbaren Stagflation hat zugenommen, ist aber noch überschaubar. Langfristig haben die strukturellen Inflationsrisiken jedoch aus zwei Gründen zugenommen: Die deflationären Kräfte nehmen ab und die inflationären Kräfte nehmen zu.

Die deflationären Kräfte verschwinden

In den letzten 25 Jahren sind die Inflationsraten vor allem aus zwei Gründen deutlich gesunken: die Globalisierung, insbesondere die Öffnung Chinas, und die wachsende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Diese beiden Effekte werden jedoch zunehmend schwächer.

In immer mehr Ländern schrumpft die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Viele Länder versuchen diesen Trend durch eine Erhöhung der Erwerbsquote zu kompensieren. Dies gelingt jedoch nicht überall: In den USA ist die Erwerbsquote z.B. im Abwärtstrend. Ein höheres Produktivitätswachstum könnte theoretisch auch den Effekt der proportional schrumpfenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ausgleichen.

Tatsächlich aber ist das Produktivitätswachstum seit Jahren rückläufig, trotz technologischer Fortschritte bei der Digitalisierung. Weniger Arbeit bedeutet eine schlechtere Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und letztlich Druck auf die Lohn-Preis-Spirale. Nicht nur die demografische Entwicklung könnte zu einer höheren Inflation führen. Mehrere Studien weisen auf den stagflationären Einfluss des Klimawandels hin: Ohne den Klimawandel wären auch Produktion und das Preisniveau niedriger.

Inflationäre Kräfte auf dem Vormarsch

Auf der Seite der Geld- und Finanzpolitik hat sich das Denk- und Verhaltensmuster geändert. Da die Inflationsraten in den letzten 10 Jahren in vielen Fällen unter dem jeweiligen Zielwert der Zentralbank lagen, ist die Geldpolitik im Vergleich zu früher insgesamt länger locker geblieben.

Auf der fiskalischen Seite gibt es Anzeichen dafür, dass auf die derzeitige Phase hoher Haushaltsdefizite keine Sparpolitik folgen wird: Die Erholungsphase soll nicht gefährdet werden. Zentralbanken und Finanzministerien sind aufgerufen, die Zügel nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam anzuziehen. Ein zu frühes Einschwenken auf einen restriktiven Kurs würde zu einem wachstumsschwachen Umfeld führen. Wenn jedoch schließlich Vollbeschäftigung erreicht wird und die politischen Entscheidungsträger den expansiven Kurs zu langsam zurücknehmen, besteht die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft. Die Inflation würde dann ansteigen. Doch wie würden die Zentralbanken darauf reagieren?

Widersprüchliche Ziele

Die Zentralbanken sind explizit oder implizit mit mehreren Zielen konfrontiert: Die Inflation mittelfristig auf einem niedrigen Niveau zu halten und Vollbeschäftigung zu erreichen, die Finanzstabilität und die Dynamik der Staatsverschuldung nicht zu gefährden (durch starke Zinserhöhungen) und den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen.

Was wäre die Antwort auf mögliche Zielkonflikte? Die Leitzinsen könnten zu wenig angehoben werden, um die Finanzstabilität und die Dynamik der Staatsverschuldung nicht zu gefährden. Die Inflation könnte dann aus dem Ruder laufen, und letztlich würde die Zentralbank zu spät auf die Inflation reagieren und mit den nötigen Leitzinsanhebungen das Wirtschaftswachstum abwürgen. Dieses Szenario könnte zu einem strukturellen stagflationären Umfeld führen.

Schlussfolgerung

Die Pandemie hat zu einer höher als erwarteten Inflationserwartungen geführt. Im wahrscheinlichsten Szenario handelt es sich dabei um ein vorübergehendes Phänomen: Ein Inflationsproblem ist allerdings auf die mittlere Sicht ein ernstzunehmendes Risikoszenario.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Aktienmärkte: September wird volatilem Ruf gerecht

Seit langem erstmals wieder verbuchten die meisten Aktienmärkte im September einen Monatsrückgang. Die Gründe: weniger expansive Notenbanken, stark steigende Ölpreise (und entsprechende Inflationssorgen) sowie einzelne negative Schlagzeilen, wie eine große Firmenpleite (Evergrande) und Energieengpässe in China, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Dementsprechend rar die positiven Ausnahmen: Auf der Gewinnerseite stehen Russland (Ölpreis!) und Japan mit über 5 % Kursplus, und auch der ATX schaffte immerhin ein kleines Plus. Der Rest der Börsen lag im September dagegen klar im Minus. Wobei diesmal das Schlusslicht nicht China war, sondern Westeuropa. Durchaus überraschend, weil der steile Kursrückgang in der zweiten Monatshälfte vor allem mit der Angst vor der Evergrande-Firmenpleite in China (und etwaigen Ansteckungseffekten) in Zusammenhang gebracht wird.

Aktienmärkte: Raueres Börsenwetter im Herbst?

Da nach der ersten steilen Erholungsphase an den globalen Aktienmärkten mit vorübergehend ungemütlicherem Fahrwasser zu rechnen war, hatten wir bereits Ende August unsere starke Aktienübergewichtung (gegenüber Staatsanleihen) halbiert. Seither haben die meisten Aktienmärkte zwar spürbar nachgegeben – trotzdem sehen wir das erhöhte Risiko kurzfristiger Kursrückgänge noch nicht gänzlich ausgestanden. Wir reduzieren unsere taktische Aktienübergewichtung deshalb weiter und sind mit Ende September jetzt kurzfristig neutral gewichtet. An möglichen Auslösern für zeitweilige Volatilität mangelt es nicht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Steile Energiepreisanstiege (Inflations- und Konjunktursorgen), Störfeuer aus China, US-Schuldenobergrenze, und nicht zuletzt die üblichen Anpassungsturbulenzen an ein geringeres Tempo der Wirtschaftserholung.

Unser mittel- und langfristiger Aktienmarktausblick bleibt aber unverändert bullish: Das wirtschaftliche und geldpolitische Umfeld ist auch 2022 noch stark unterstützend für Unternehmensgewinne und Aktienmärkte. Wir erwarten deshalb auf Jahressicht weitere respektable Kursanstiege und würden schwächere Kurse im Herbst deshalb aus jetziger Sicht wieder als neuerliche Gelegenheit zum Aufstocken sehen. Immerhin sind wir erst 1,5 Jahre im neuen Bullenmarkt und im neuen Konjunkturaufschwung!

Emerging Markets: China dominiert Schlagzeilen

Sehr divergent im September die Emerging Markets (EM): Vom starken Plus in Russland bis zum Einbruch in Brasilien war alles vertreten. In Summe lag der Kursrückgang der EM im Rahmen der etablierten Märkte. Auffällig, dass auch die negative Performance Chinas nicht aus der Reihe tanzte, obwohl von dort viele der negativen Nachrichten kamen. Das passt recht gut zu unserer Einschätzung, dass insbesondere zu China bereits sehr viel negatives eingepreist wird: China hat ausreichend Willen und Mittel, um die Pleite von Evergrande nicht zu einem systemischen Problem werden zu lassen. Und die Regierung dürfte auch kein Interesse daran haben, große chinesische Konzerne dauerhaft zu beschädigen. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich zumindest nach wie vor sehr gut. Wir sehen die aktuellen Kursniveaus als Chance und stocken China (inkl. Hongkong) weiter auf.

Im großen Regionen-Mix verstärken wir die Untergewichtung in den USA und erhöhen die Übergewichtung in Europa: Der deutlich zyklischere Branchenmix in Europa und der positive Gewinnrevisionstrend sprechen für eine zumindest zeitweilige Outperformance Europas (selbst ohne die teuren Bewertungen in den USA).


Weitere Details finden Sie in der Oktober-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Die Steuerpolitik ist eines der größten Risiken für Anleger

von Jacob Vijverberg, Investment Manager, Multi-Asset Investing bei Aegon Asset Management.

Die Steuerpolitik gehört zu den Risiken, die die Renditen in den kommenden Jahren schmälern könnten. Denn die Regierungen müssen die Verbindlichkeiten aus den Schulden der Covid-19-Krise finanzieren.

Da die Aufmerksamkeit der Märkte auf die beiden Themen Inflation und Verlangsamung des Wirtschaftswachstums gerichtet ist, ist es verständlich, dass die Anleger die Steuerpolitik als Risikofaktor übersehen. Die Steuerproblematik wird jedoch in den kommenden Jahren eines der größten Risiken für die Anleger darstellen, da die Regierungen versuchen werden, die während der Pandemie angehäuften Schulden abzutragen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Verschuldung der Regierungen gestiegen. Die Pandemie hat viele Regierungen dazu veranlasst, die Haushaltsregeln außer Kraft zu setzen - infolgedessen ist der Schuldenberg stark angestiegen. Dieser muss nun abgebaut werden und es stellt sich die Frage, wer dafür aufkommen wird.

Ebenfalls aufgrund der Pandemie waren die Währungsbehörden noch stärker dazu bereit, zusätzliche Staatsschulden aufzunehmen, was zu einem starken Rückgang der Realzinsen geführt hat. Dies stellt außerdem eine implizite Besteuerung dar, da es zu einem Vermögenstransfer von den Gläubigern zu den Schuldnern führt. Diese niedrigen Zinssätze, vor allem in Europa, werden wahrscheinlich die Hauptursache für die Stabilisierung der Schuldenstände sein.

Für die kommenden Jahre sehen wir eine Reihe von Risiken für Aktien. Eines davon ist eine Erhöhung der Unternehmenssteuern, die in den letzten Jahrzehnten stetig gesunken sind. Die Länder konkurrieren miteinander, indem sie den Unternehmen niedrigere Steuersätze anbieten, um mehr Einnahmen zu erzielen. Im Grunde konkurrieren sie um einen größeren Anteil an einem kleineren Kuchen.

Irland hat sich kürzlich als letztes Land dem globalen Unternehmenssteuerplan angeschlossen, einem von der OECD ausgehandelten Abkommen für eine globale Reform mit einem Mindeststeuersatz für multinationale Unternehmen. Dies sollte die Verlagerung der Gewinne multinationaler Unternehmen in steuerfreundliche Länder einschränken.

Letztlich werden sich höhere Steuern für Unternehmen negativ auf die Unternehmensgewinne und damit auch auf die Aktienrenditen auswirken. Die Renditen von Aktien werden wahrscheinlich unter den historischen Durchschnittswerten liegen, da die aktuellen Bewertungen hoch sind.

Angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs und des hohen Anteils an margenstarken und wachsenden Technologieunternehmen bieten Aktien immer noch Potenzial für ein ordentliches Gewinnwachstum. Mögliche Erhöhungen der Unternehmenssteuersätze dürften jedoch die Nettoerträge schmälern.


Über Aegon Asset Management

Aegon Asset Management besteht aus aktiven globalen Investoren. Unsere 380 Anlageexperten verwalten und betreuen ein Vermögen von 391,1 Mrd. € / 463,8 Mrd. USD / 336,1 Mrd. £ (Stand: 30. Juni 2021) für einen weltweiten Kundenstamm bestehend aus Pensionsplänen, öffentlichen Fonds, Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen.
Wir organisieren unsere Anlagekapazitäten rund um vier zielgerichtete Anlageplattformen, auf denen wir über umfangreiche Expertise in den einzelnen Anlageklassen verfügen: Fixed Income, Real Assets, Equities und Multi-Asset & Solutions. Jede Plattform umfasst engagierte Teams, die global organisiert sind und sich für die Maximierung ihrer Spezialgebiete einsetzen. Diese Plattformen werden von Teams unterstützt, die sich dem verantwortungsvollen Investieren und dem Multi-Management widmen.
Indem wir unsere Investmentteams global organisieren, arbeiten wir daran, unser Fachwissen und unsere Research-Ressourcen über regionale Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unser Performance-Potenzial steigert und zu besseren Anlageergebnissen für unsere Kunden beiträgt.
Über alle Plattformen hinweg teilen wir den Glauben an ein fundamentales, Research-getriebenes aktives Management, das durch ein effektives Risikomanagement und ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Investment untermauert wird. Unsere Investmentplattformen haben die Flexibilität, ihre Ressourcen und Prozesse so zu organisieren, dass sie am besten zu ihrem jeweiligen Schwerpunkt passen.
Wir sind ein globales Unternehmen: Unsere 1.200 Mitarbeiter sind in ganz Europa, Amerika und Asien tätig. Wir investieren global und betreuen unsere Kunden lokal.
Für weitere Informationen über Aegon Asset Management, siehe www.aegonam.com

Auffrischung für das Depot mit Biotechnologie-Aktien

So wie Technologie- und Umweltaktien zählen Aktien der Biotechnologie zu den favorisierten Wachstumsunternehmen in den letzten zehn Jahren. Der Aufwärtstrend hält nun schon ein Jahrzehnt an, hat sich aber seit 2016 etwas abgeflacht. Doch die Chancen stehen gut, dass das Wachstum in den nächsten Jahren wieder an Fahrt aufnehmen könnte.

Die Abnehmer für Medikamente aus den Labors von Biotechnologie-Unternehmen werden deutlich zunehmen. Die Bevölkerungspyramide ändert sich rapid aufgrund der steigenden Lebenserwartung. Immer mehr Menschen können ihren Lebensabend dank besserer Medikamente länger genießen. Kehrseite der Medaille: Die strukturelle Überalterung in der westlichen Welt wird die Gesundheitskosten in die Höhe schrauben. Viele Blockbuster-Medikamente der traditionellen Pharma-Unternehmen dürften von den günstigeren Generika, wo auch die Biotech-Firmen mitmischen, ersetzt werden. Biotechnologie-Aktien werden aus Kostenüberlegungen die „Gewinner“ sein, Pharma-Unternehmen nicht unbedingt die „Verlierer“. Längst haben sich diese Anteile an den wachstumsstarken Biotechnologie-Unternehmen gesichert oder diese gleich zur Gänze übernommen.

Ein weiterer Treiber für das strukturelle Wachstum der Branche ist der steigende Lebensstandard in bevölkerungsreichen Ländern wie China, Indien bzw. Teilen Afrikas.

In diesen Schwellenländern entsteht eine Mittelklasse, die sich der Verhaltensweise der westlichen Zivilisation annähert, z.B. durch mehr Konsum von „lifestyle Produkten“ wie FastFood, Convenience Food, Fleisch, zuckerhaltige Speisen und Getränken. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, dass sich die typischen Zivilisationskrankheiten wie etwa Fettleibigkeit und Diabetes auch dort noch stärker ausbreiten und die Anbieter auf die Probe stellen werden.

Chancen auf hohe Renditen aber Rückschlags-Gefahren

Entwicklungen im Biotech-Bereich sind zwar kosten- und zeitintensiv, doch AnlegerInnen können im Erfolgsfall von hohen Renditen profitieren. In vielen Biotech-Werten sind meist Hoffnungen auf die Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente und Impfstoffe eingepreist. Bleiben positive Nachrichten aus oder droht wie 2015 in den USA eine stärkere Regulierung der Branche, ist mit erheblichen Kursabschlägen zu rechnen. Um diesen Risiken zu begegnen, sind ein längerer Anlagehorizont und eine Streuung der Investitionen auf eine möglichst große Anzahl erfolgversprechender Aktien vonnöten.

ERSTE STOCK BIOTEC: Ein Jahrzehnt Aufschwung aber Rückschlag durch Corona

Dies ist leicht und bequem mit einem Biotechnologie-Fonds möglich, vorausgesetzt, man ist sich bewusst, dass man in ein Segment investiert, dass einem höheren Risiko von Kursschwankungen ausgesetzt ist. Einer der Fonds mit der längsten Historie in Österreich ist der ERSTE STOCK BIOTEC. Er war bereits zur Jahrtausendwende gestartet und kann vor allem in den Jahren 2011-2015 auf eine steile Aufwärtsentwicklung zurückblicken. Da zählte er zu den weltweit besten Biotechnologie-Fonds. Seit der großen Korrektur in der zweiten Jahreshälfte 2015 ging die Wertentwicklung weiter nach oben, wenn auch nicht in dem rasanten Tempo davor. Im letzten Jahr litt der Fondspreis verglichen zum Durchschnitt der Biotechnologie-Aktien. Der Grund: Der Bedeutung von anwendungsfähigen Covid-19 Impfstoffen und Medikamenten als Umsatz und vor allem Gewinntreiber wurde nicht in dem Ausmaß Rechnung getragen, wie  es für die Performance gut gewesen wäre. Dennoch schlägt sich beim ERSTE STOCK BIOTEC in den letzten 5 Jahren eine Wertsteigerung von über 5% p.a. zu Buche, siehe Grafik (Stand 30.09.2021)*.

Hinweis: „Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.“

Fondsmanager Harald Kober nimmt dazu Stellung: „Leider hat seit dem Ausbruch von Covid 19 vieles gegen uns im Fonds gespielt und Performance gekostet. Es gibt aktuell über 70 verschiedene Corona-Impfstoffe in der klinischen Entwicklungsphase. Hier kann auf mittlere Sicht die Konkurrenz groß werden! Mit der Zeit sollte auch wieder die fundamentale Bewertung zählen und nicht nur Visionen: Die mRNA Technologie wird als Allheilmittel auch gegen Krebs und viele anderen Krankheiten gehandelt. Die große Unbekannte bei den Covid-Impfungen ist die Dauer des Impfschutzes. Je länger dieser anhält, desto weniger wiederkehrendes Geschäft werden die Impfstoffhersteller mit den Covid-Impfungen machen. Ebenso ist die Wirksamkeit gegen die Mutationen von Bedeutung: Je breiter der Impfschutz der am Markt befindlichen Impfstoffe gegen Mutationen wirkt, desto weniger Ertragsmöglichkeiten ergeben sich daraus.“

„Aufholjagd“ für den ERSTE STOCK BIOTEC kann beginnen

Kober setzt im ERSTE STOCK BIOTEC weiter auf Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell und chancenreichen Medikamenten-Entwicklungen, nicht so sehr auf die Covid-Impfstoffaktien. Beispiele sind u.a. die Aktien von Horizon Therapeutics (Tepezza einziges Medikament gegen eine seltene Augenkrankheiten; starke Umsatzentwicklung seit Einführung Anfang 2020), Amgen (Lumakras gegen Lungenkrebs, könnte auch bei weiteren Krebsarten wie Darmkrebs zum Einsatz kommen), Gilead (Seit dem Rückgang der HCV Umsätze starker Fokus auf Onkologie; letztes Jahr Übernahme von Immunomedics wegen vielversprechenden Brustkrebsmedikamentes), AstraZeneca (Fokus auf Onkologie; starkes Umsatz und Gewinnwachstum in den nächsten Jahren) oder Biogen (hat in den USA vor kurzem die Zulassung einer neuen Therapie gegen Alzheimer-Krankheit bekommen, die die Eiweisablagerungen im Gehirn reduziert und dadurch das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen soll).

„Wenn der Ausverkauf bei manchen dieser Werte ein Ende hat, sollten diese Aktien und viele andere im Fonds wieder in Schwung kommen. Kober: „Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und verfolgen einen aktiven Ansatz mit dem Fokus auf Wachstum(Chancen) und Bewertung.“ Dies könnte der Startschuss für eine Aufholjagd des ERSTE STOCK BIOTEC sein.

FAZIT

Nehmen Aktien der wachstumsstarken Biotechnologie-Unternehmen bald wieder an Fahrt auf? Abseits von Corona gibt es Herausforderungen im Gesundheitsbereich, die einer Lösung bedürfen. In den Labors der weltweit führenden Unternehmen wird eifrig geforscht und getestet. Erfolgversprechende Medikamente befinden sich in der Prüfung auf eine Zulassung. Der ERSTE STOCK BIOTEC musste durch Corona einige der davor erzielten Gewinne abgeben, könnte nun von Medikamenten-Neuzulassungen profitieren.


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Nachranganleihen – lässt sich hier bei steigenden Zinsen Geld verdienen?

aus dem aktuellen CIO-Letter von Daniel Kerbach, Chief Investment Officer der BayernInvest.

Lässt sich im aktuell schwierigen Rentenumfeld unter der Annahme weiterer Zinssteigerungen überhaupt noch Geld verdienen? Ja – mit aktiv gemanagten Financial Nachranganleihen!

Der iBoxx Financial Subordinated Index bringt es seit Jahresbeginn bislang auf +1,46%, der BayernInvest ESG Subordinated Bond Fonds sogar auf +3,1%. Speziell bei AT1-Anleihen ist die Korrelation zu Rates-Bewegungen aufgrund der generell kürzeren Duration bis zum Kündigungszeitpunkt bei den aktuell ausstehenden Emissionen (ca. € 180 Mrd. Gesamtvolumen) sowie aufgrund des hohen Kreditspreadanteils am Gesamtspread eher gering.

In Hinblick auf die fundamentale Entwicklung spricht 2021/22 vieles für Banken: Kernkapitalquoten sind im europäischen Durchschnitt mit 16,3% so hoch wie nie und liegen deutlich und beruhigend über den von der EZB gestellten Mindestanforderungen. Die Asset-Qualität zeigt sich resilient und entwickelt sich selbst in der Pandemie deutlich besser als erwartet. Zwar werden NPLs (Non-Performing-Loan Quoten) leicht ansteigen, sie sind jedoch aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus gut beherrschbar. Die Liquidität im Bankensektor ist überbordend, die Langfrist Tender TLTRO unterstützen zudem noch die Profitabilität. Der Return on Equity bleibt zwar mit sektoral ca. 5%-10% eher bescheiden, das Reflationsszenario bietet jedoch auch hier positives Upside-Potential, da die Banken von höheren Zinsen profitieren werden. Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sind Banken (und Versicherungen) interessant. Das Gros der Emittenten weist ein sehr gutes ESG-Rating auf, mit etwas (Allokations-)Geschick lässt sich mit einem Financial Portfolio sogar die Höchstnote darstellen. Und wer einfach nur auf Rendite und Spread schielt, kommt in der aktuellen Phase der Spread-Kompression an den Sektoren Tier2 und AT1 nicht vorbei. Vor allem bei AT1-Anleihen sehen wir in das kommende Jahr hinein noch Einengungspotential, bis die Tiefstände aus dem Jahr 2018 erreicht sind, wobei die Risiken unter den genannten fundamentalen Aspekten gut kalkulierbar sind.

Wir empfehlen ein gut diversifiziertes Portfolio aus Tier 2 und Tier 1 Bank- und Versicherungsnachranganleihen mit verkürzter Duration, wie es beispielsweise unser BI ESG Subordinated Bond Fonds darstellt.

Rentenmärkte legen Rückwärtsgang ein

Wie gewonnen, so zerronnen: Der kräftige Renditerückgang von Mai bis Anfang August wurde an den wichtigsten Anleihemärkten im September großteils ausgeglichen, der Kurszuwachs der Vormonate damit fast vollständig abgegeben. Als Gründe würden wir – neben anhaltend starker Konjunktur – die Angst vor weniger expansiven Notenbanken und einen im September stark gestiegenen Ölpreis ausmachen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Letzterer könnte die jüngste Inflationsspitze noch etwas verlängern.

Auf den Rentenmärkten sorgte das im September für drastische Monatsrückgänge: Von rund 4 % Minus im Vereinigten Königreich, über rund 1,4 % Minus in Deutschland, bis zu -0,7 % bei Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Nur bei Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität (High Yield) war der Puffer hoher Renditeaufschläge groß genug, um auf Monatssicht noch eine rote Null zu erwirtschaften. Auf Lokalwährungsbasis galt das auch für US-Dollar-Anleihen; der aufwertende US-Dollar verbesserte aber die entsprechende Performance für Euro-Investoren, so dass auf Eurobasis bei US-Dollar-High-Yield sogar rund 2 % Monatsertrag übrig blieb – und ein deutliches Plus auch in den übrigen US-Dollar-Anleihesegmenten.

Notenbanken: US-Notenbank bewegt sich

Der starke Anstieg der Anleiherenditen kam wohl nicht von ungefähr – die Rhetorik der Notenbanken hat sich zuletzt deutlich weniger expansiv gestaltet. Die US-Notenbank stellte in Aussicht, dass die schrittweise Reduktion des Anleihekaufprogramms bereits Anfang November offiziell verkündet werden könnte (wenn keine schlechteren Arbeitsmarktdaten dazwischenkommen), spätestens aber Anfang 2022.

Zur Jahreswende 22/23 rechnet die US-Notenbank dann bereits mit ersten Zinsanhebungen. Norwegen ist da schon weiter (erste Zinsanhebung im September erfolgt) und auch das Vereinigte Königreich könnte Anfang 2022 bereits mit Zinsanhebungen starten. Für die Eurozone ist nichts dergleichen in Sicht: Da allgemein (von EZB und Analysten) erwartet wird, dass die Inflation (aktuell bei gut 3 % p.a., die nächsten Monate durchaus noch deutlich höher) 2022 wieder unter 2 % fällt, wird derzeit eine erste EZB-Zinsanhebung nicht vor 2024 gesehen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Weiterhin Spread vor Duration

Wie erwartet entwickelte sich im jüngsten Anstieg der Anleiherenditen (und trotz kleinerer Korrekturen am Aktienmarkt) die Performance der Unternehmensanleihen deutlich besser als die der Staatsanleihen. Bei Staatsanleihen erwarten wir mittelfristig weiter steigende Anleiherenditen und damit weiter fallende Kurse (was bei Euro-Anleihen den schädlichen Effekt der negativen Renditen noch potenziert).

Unternehmensanleihen sehen wir durch den guten Konjunkturausblick und das komfortable Finanzierungsumfeld weiterhin gut unterstützt. Insofern bleibt unsere Ausrichtung innerhalb des Anleihesegments unverändert: Wir bleiben klar übergewichtet in Unternehmensanleihen (insbesondere Euro-Investment-Grade und US-Dollar-High-Yield) und untergewichtet in Staatsanleihen (global und Eurozone). Auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet gegenüber Staatsanleihen der etablierten Märkte.


Weitere Details finden Sie in der Oktober-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Sinnvoll investieren: Mentale Gesundheit

Von Prinz William bis zur Weltklasse-Tennisspielerin Naomi Osaka – immer mehr Prominente engagieren sich für seelische Gesundheit oder sprechen über eigene Krisen. Fondsmanager Kai Brüning, apoAsset, zeigt zum „World Mental Health Day“ am 10. Oktober Beispiele von Gesundheits-Unternehmen, die auf diesem Gebiet intensiv forschen und bei Diagnostik und Therapie helfen.

Viele „Mental-Health-Startups“ und Gesundheits-Unternehmen forschen an neuen oder besseren Wegen gegen seelische Krankheiten. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen, Essstörungen, Süchte, posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen und vieles mehr. Die Ursachen sind vielfältig. Etwa 10% der Bevölkerung sind davon betroffen, die Tendenz ist steigend – und damit ist es ein zunehmend wichtiges Forschungsgebiet für spezialisierte Unternehmen.

Medikamente oder Magnetfelder?

Zur Behandlung gehören – neben einer Psychotherapie – oft Medikamente, die zum Beispiel das „Glückshormon“ Serotonin regulieren. Sie stammen zum Teil von großen Pharma-Konzernen wie Pfizer, aber auch von kleineren Unternehmen wie Lundbeck aus Dänemark. Die Medizintechnik entwickelt vielversprechende alternative Ansätze, die in klinischen Studien signifikant positive Effekte gezeigt haben. Ein Beispiel ist das börsennotierte US-Unternehmen Neuronetics. Es hat eine bereits zugelassene Anti-Depressions-Technologie entwickelt, mit der Neuronen im Gehirn von außen mit Magnetfeldern stimuliert werden. Das kann helfen, wenn Antidepressiva nicht wirken.

Tele-Therapie im Alltag

Immer wichtiger wird dabei auch die Telemedizin. Für die großen Anbieter wie Teleclinic, Teladoc oder Amwell sind seelische Erkrankungen neben der Allgemeinmedizin das wichtigste Fachgebiet. Sie können psychiatrische Patienten zum einen online im Alltag unterstützen, etwa durch eine einfache Terminerinnerung, und zum anderen sehr viel schneller ein Gespräch oder einen Therapieplatz anbieten, etwa als Video-Therapie. Für bestimmte Therapie-Ansätze kann das sogar ein Vorteil sein. Zum Beispiel für den Einsatz von Bildern, die bei Patienten ein Wohlbefinden auslösen, weil sie aus der eigenen Vergangenheit positive Assoziationen dazu haben. Bei einer Tele-Therapie im privaten, gewohnten Umfeld ist dies leichter und angenehmer als in einer Praxis.

Mentale und physische Gesundheit gehören also eng zusammen, auch aus der Investment-Perspektive. Daher investieren wir mit den Gesundheitsfonds der apoAsset auch in den Erhalt und die Wiederherstellung der mentalen Gesundheit.


Hinweis: Eine kompakte Youtube-Aufzeichnung zu dem Thema mit Kai Brüning können Sie unter diesem Link abrufen. In dem Format „Börsen-Visite: 3 Fragen – 3 Antworten“ nimmt er zu den wichtigsten Aspekten des Themas Stellung.

Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist eine der führenden Fondsanlagegesellschaften mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Sie wurde 1999 gegründet, vielfach ausgezeichnet und verwaltet Fonds mit einem Volumen von rund 4 Milliarden Euro. Ein weiterer Schwerpunkt sind Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung an der Medical Strategy GmbH, ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat sowie die Gesellschafter Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. www.apoasset.de

Nachhaltige Kriterien beim Anlegen in Immobilien bringen Erträge

Investitionen in Grund und Boden sind beliebt. Schon allein deshalb, weil Anlagemöglichkeiten unabhängig vom Kapitalmarkt und abseits von Risikopapieren wie z.B. Aktien rar gesät sind. In den letzten Jahren wird das Thema Nachhaltigkeit auch bei Immobilien zu einem entscheidenden Faktor. Immer öfter wird der Wert einer Liegenschaft nach nachhaltigen Kriterien bemessen. Die Klimaziele der österreichischen Bundesregierung und die Vorgaben der Europäischen Union (Stichwort „Green Deal“) zur Bekämpfung des Klimawandels tragen dazu maßgeblich bei.

Nicht zuletzt sind es die Investoren selbst, die nachhaltigen Aspekten beim Bauen und Wohnen mehr Augenmerk schenken. Der größte Teil des Energieverbrauchs in Gebäuden wird von Heizungen verursacht. Um die Klimaziele zu erreichen wird es laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey darauf ankommen, den gesamten Gebäudestand zu modernisieren. Zwar konnten zum Beispiel in Deutschland in den letzten 30 Jahren bereits 41% der Emissionen eingespart werden, etwa durch bessere Isolierungen. Der Ersatz fossil befeuerter Wärmequellen durch nachhaltige Technologien wie Wärmepumpen und Fernwärme wird sich dennoch massiv beschleunigen müssen. Dabei würden künftig auch Biogas, Wasserstoff und Solarthermie eine Rolle spielen, so die Ergebnisse der Studie „Net-Zero Deutschland – Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045“.

Nachhaltiger „Pionier“-Fonds feiert 5. Geburtstag

Für den ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS, der dieser Tage seinen 5. Geburtstag feiert, werden alle Objekte in Hinblick auf die Verwendung klimafreundlicher Baustoffe, der Energieeffizienz und der Schadstoff- und Lärmemission geprüft. Die Objekte müssen Objekte eine nachhaltige Wertschöpfungsstrategie verfolgen und verschiedene Kriterien erfüllen:

  • Umweltkriterien: Materialien, Ressourcen- und Abfallmanagement, ökologische Verträglichkeit (z.B. Photovoltaikanlage, Baumaterialien, Qualität der Raumluft und Sonnenschutz)
  • Soziale Aspekte: Anbindung an den Verkehr, Lebensmittelversorgung, Lebensqualität für die Bewohner des Gebäudes, Nutzung mit sozialem Charakter (z.B. Seniorenwohnheim, Ärztezentrum)
  • Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Zukunftsfähigkeit des Objektes, Vermietung von Erdgeschosszonen
  • Ausschlusskriterien: z.B. Ölheizung, unethische Nutzer (Waffenhändler, Wettspielunternehmen)

Diese Kriterien werden nicht isoliert für sich gesehen. „Entscheidend für die Wahl eines Objektes ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren“, betont der Geschäftsführer der ERSTE Immobilien KAG, Peter Karl. Er hatte die Idee dahinter maßgeblich vorangetrieben und den ersten Fonds dieser Art für PrivatanlegerInnen vor 5 Jahren möglich gemacht.

Für den nachhaltigen ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS werden ausschließlich Immobilien angekauft, die diesen Merkmalen entsprechen. Im Fokus stehen kommunale und soziale Einrichtungen in Österreich wie zB Heime für Studierende, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Magistrats- und Amtsgebäude, Schulen und Pflegeinrichtungen. Der Fonds ist Träger des Österreichischen Umweltzeichens in der Kategorie „Finanzprodukte“. Er orientiert sich zum einen an den klimaaktiv-Kriterien für Gebäude. Zum anderen bilden die Nachhaltigkeitskriterien der ERSTE Immobilien (Soziale Aspekte, Umwelt und Wirtschaftlichkeit) eine weitere Entscheidungsgrundlage für die Investments.

Pionier bei nachhaltigen Anlage-Immobilien

Der in Erste Bank- und Sparkassengruppe erhältliche ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS nimmt eine Pionierrolle ein. Der Fonds verfügt bereits über ein Volumen von rund 400 Millionen Euro (Stand: September 2021) und ist österreichweit in 8 Objekten mit nachhaltiger Ausrichtung investiert. 4 Projekte sind derzeit in Planung. Jüngster Zuwachs ist eine Seniorenresidenz in der Stadt Fischamend (NÖ), die vom einem erfahrenen Pflegeunternehmen betrieben wird und 2022 fertiggestellt wird.

Schon mit geringem Kapitaleinsatz kann man an diesem Immobilienportfolio teilhaben – ohne Umweg über die Börse. Im Gegensatz zu Immobilienaktien wird der Preis bei Immobilienfonds nicht an der Börse gebildet. Der Rechenwert des Fonds spiegelt den Wert der erworbenen Objekte und der erzielten Mieteinkünfte wider.Bei der Wertentwicklung ging es seit der Gründung des Fonds kontinuierlich bergauf ohne spektakuläre Schwankungen (siehe Grafik). Genau darauf legen AnlegerInnen in Immobilien wert.

Hinweis: Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 2,00 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Jetzt kurze Gelegenheit zu investieren

In Zeiten niedriger Zinsen und mangelnder Anlage-Alternativen bleibt der ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS „begehrt“. Anteilscheine können daher nur im Rahmen eines vorher festgelegten Volumens (=Tranche) erworben werden. Mit dieser Maßnahme werden die Mittelzuflüsse aktiv gesteuert. Denn zu viel Liquidität (=nicht in Immobilien veranlagte Gelder) wirkt sich aufgrund des niedrigen Zinsniveaus auf die Wertentwicklung des Fonds aus.

Eine im Frühjahr aufgelegt Tranche war nach kurzer Zeit vergriffen. Die Mittel aus dieser Zeichnung wurden in ein in Bau befindliches Wohnprojekt in Wien investiert. Um den Fondspreis für die bestehenden Anteilseigner nicht zu verwässern werden erst dann Zeitfenster für den Kauf neuer Anteile frei gegeben, wenn sich ein konkretes Investitionsobjekt abzeichnet. Dies ist nun der Fall.Eine neue Immobilie soll in den Fonds aufgenommen werden.

Daher gibt es ab 1. Oktober für alle, die in nachhaltige Immobilien investieren möchten, die Möglichkeit Fondsanteile zu erwerben bzw. nachzukaufen. Nähere Informationen bei Ihrer/em Betreuer/in in der Erste Bank und Sparkasse.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Basis-Szenario der Reflation intakt

der aktuelle CIO-Letter von Daniel Kerbach, Chief Investment Officer der BayernInvest.

Die Kapitalmärkte, allen voran die Aktienmärkte, konnten sich im dritten Quartal leicht positiv entwickeln und teils neue Höchststände erreichen. Auch zum Ende des Quartals zeigten sich die Kapitalmärkte weitgehend resistent mit einer Konsolidierung auf hohen Niveaus, obgleich die Konjunkturindikatoren infolge anhaltender Engpässe und temporären Verzögerungen wie in China, wo beispielsweise das Hafen-Terminal von Ningbo vollständig schließen musste, für Unsicherheiten sorgten.

Die wirtschaftliche Erholung aus der Corona-Pandemie hat sich fortgesetzt und die Unsicherheit rund um Covid-19 schwächte sich effektiv ab. Die Volkswirtschaften konnten trotz Gegenwind weiter an Fahrt gewinnen, was weiterhin an der expansiven Geldpolitik liegt. Die US-Notenbank Fed hat die Kapitalmärkte ausreichend auf den Politikwechsel vorbereitet. So überraschte es nicht, als Fed-Chef Jerome Powell in seiner Ansprache auf dem Jackson Hole-Symposium ankündigte, die Anleihenkaufprogramme in naher Zukunft zurückzufahren und damit bald mit dem „Tapering“ zu beginnen. Die Fed versicherte Investoren, dass der Prozess des Geldentzuges graduell vonstattengehen wird.

Nicht zuletzt wird die Fed weiter wachsam auf die ökonomische Lage achten und damit die Inflationsraten ebenso im Blick behalten wie den Arbeitsmarkt, der sich zwar weiter verbesserte, jedoch kürzlich an Schwung verloren hat. In der Konsequenz werden die Anleihenkaufprogramme zum Jahreswechsel reduziert, aber die US-Notenbank wird die Zinsen wahrscheinlich nicht vor Ende 2022 anheben. Dies bestätigt unser ökonomisches Bild und führt dazu, dass wir weiterhin eine kürzere Duration empfehlen für die Portfolioausrichtung. Der Ausgang der Bundestagswahl in Deutschland wird das Bild im Zuge der nun möglichen Regierungskonstellationen eher unterstützen, da mit höheren Ausgabenprogrammen zu rechnen ist.

Wir gehen von weiter steigenden Zinsen aus und raten daher zu kurzen Laufzeiten in Erwartung, dass die 10-jährigen US-Staatsanleihen im nächsten Jahr die 2,00% erreichen bzw. die 10-jährigen Bundesanleihen im nächsten Jahr graduell auf +0,25% steigen. Der Anstieg der Zinsen wird, solange er sich in diesem Rahmen bewegt, die Aktienmärkte nach ihrer starken Performance einbremsen. Es ist davon auszugehen, dass die Aktienmärkte mit einem Gewinnwachstum im nächsten Jahr von +6% bis +10% rechnen können und dies weiterhin mittlere einstellige Performancezuwächse ermöglicht. Sollten die Zinsen jedoch deutlich schneller und stärker steigen, als wir erwarten, dann werden die Aktienmärkte nicht nur ausgebremst, sondern auch noch anfälliger für Rückschläge.

Alles in allem bevorzugen wir im Anleihebereich mittlere bis kurze Laufzeiten, wobei wir selektiv einige Themen und Nischenmärkte beimischen. So schätzen wir vor allem die Segmente Schwellenländeranleihen, Hochzinsanleihen und Nachranganleihen als attraktiv ein. Aufgrund weiterhin zu erwartender, temporär volatiler Marktphasen bieten sich Staatsanleihen mit mittleren Laufzeiten und vor allem inflationsgeschützte Staatsanleihen weiter an. Sie stellen als hochliquide Anlageinstrumente einen Anker für das Portfolio während temporär schwacher Marktphasen dar.

Mit Blick auf die Aktienmärkte rechnen wir im weiteren Verlauf des Jahres, basierend auf dem eingepreisten Gewinnwachstum für 2021, mit wenig Aufwärtspotenzial und gehen von einer Konsolidierungsphase aus, da die bekannten Probleme bei den Lieferketten und die hohen Energiepreise für Gegenwind an der Gewinnerwartungsfront sorgen werden.

Die Aktienmärkte konnten – basierend auf den weiter stark steigenden Gewinnzuwächsen – leicht zulegen. Die Gewinnmargen haben sich weiter erholt, trotz gestiegenen Input-Kosten und Angebotsverknappungen wie bei Halbleitern. Die Margen des S&P 500 beispielsweise konnten mit knapp 14% ein neues Hoch erreichen. Die Firmen laufen gen Vollauslastung, was zu Kapazitätserweiterungen führt, welche beobachtet werden müssen, da dies zukünftig je nach Ausgestaltung zu einem Überangebot führen könnte. So bleibt offen, ob die Halbleiterhersteller in einigen Jahren nicht wieder durch den sogenannten „Schweinezyklus“ in ein Problem der Überkapazitäten laufen, sofern zu viel weltweit in neue Kapazitäten investiert wird.

Der Begriff „Schweinezyklus“ ist eine periodische Schwankung der Angebotsmenge und des Marktpreises. Arthur Hanau prägte diesen im Jahr 1927 in seiner agrarwissenschaftlichen Dissertation und zeigte hierbei auf, wie es zu Phasen von starkem Überangebot kommen kann: durch massive Investitionen in Zeiten von akutem Angebotsmangel. Dem generellen Margenanstieg kommen vor allem die moderaten Lohnwachstumsraten zugute bei gleichzeitig stark anziehendem Umsatzwachstum. So können die Unternehmen ihre Gewinne weiter steigern. Betrachtet man jedoch das generelle Gewinnwachstum, so zeigt sich, dass diese Kurve abzuflachen beginnt.

Auch dies ist eng zu begleiten, da eine Trendwende des Gewinnrevisionswachstums gen 2022 den Aktienmarkt ebenfalls ausbremsen könnte. Wir halten an unserer neutralen Aktiengewichtung fest mit einem leicht offensiven Bias hin zu robusten starken Substanzaktien. In Erwartung zunehmender Volatilitäten haben wir unser Portfolio kurzfristig um eine derivative taktische Absicherung erweitert und diese anschließend gegen Ende des Quartals mit Gewinn verkauft. Im letzten Quartal gilt es ebenfalls, taktische Veränderungen flexibel zu begleiten, da wir von erhöhten Schwankungen ausgehen.

Die Rohstoffmärkte entwickelten sich seitwärts bzw. uneinheitlich, angeführt vom Energiemarkt. Die Edelmetalle scheinen eine Verschnaufpause einzulegen – ähnlich den Industriemetallen. Dass die Lieferzeiten für einige Produkte wie Halbleiter knapp sind, ist bekannt. Die Preise für andere Vorprodukte scheinen sich etwas zu entspannen, was dafür spricht, dass die Inflationsraten zumindest von dieser Seite nicht noch weiteren Auftrieb erhalten. In dieser Hinsicht stellt sich die Frage, ob der Inflationsschub tatsächlich nur einige Quartale währt oder nicht doch eine mittelfristige Entwicklung entfaltet, wovon unserseits auszugehen ist. Somit sehen wir weiterhin positives Überraschungspotential bei den Inflationserwartungen.

Im Bereich der alternativen Anlagen sehen wir nach wie vor physisch hinterlegtes Gold als attraktives Investment an, genauso wie Infrastruktur- und Immobilien-Investments.

Zusammenfassend erwarten wir für das aktuelle Jahr folgende Entwicklungen und Trends:

  • Die Wirtschaftsdynamik bleibt auf Erholungskurs mit einem globalen Wirtschaftswachstum gen +6% in 2021. Unser Szenario der Reflation, in dem die Geldflut das Wachstum ankurbelt und dadurch die Inflationsraten steigen, bildet unser Basisszenario für das aktuelle Jahr, obgleich die US-Notenbank zum Jahresende hin beginnen wird, die Anleihenkaufprogramme zurückzufahren und somit das „Tapering“ einleiten wird.
  • Die wirtschaftliche Erholung wird ferner von den vielen Konjunkturprogrammen angetrieben. US-Präsident Joe Biden verabschiedete kürzlich weitere US-Konjunkturprogramme, zum Beispiel das Infrastruktur-Programm über 550 Mrd. US-Dollar, welches bereits durch den Senat verabschiedet wurde und nun noch durch das Repräsentantenhaus genehmigt werden muss. Danach soll das 10-Jahresprogramm folgen, das mit aktuell 3500 Mrd. USD angegeben wird. Die finale Höhe ist jedoch noch Gegenstand vieler Diskussionen, welche vor allem auch die Refinanzierung über eine Steuererhöhung enthalten, die die Gewinne der US-Unternehmen belasten könnte. Deutschland wird nach Bildung einer neuen Regierung einen ähnlichen Pfad der Ausgabenprogramme beschreiten – das wird dem Wachstum in Europa Rückenwind verleihen.
  • Die kurzfristigen Zinsen werden in der Eurozone im aktuellen Jahr weiter auf den tiefen Niveaus verharren. Die Zinsen am langen Ende werden jedoch bedingt durch die Erholung und die Zunahme der Inflation und durch den Rückzug der Notenbanken weiter anziehen, weswegen wir die 10-jährigen US-Staatsanleihen bei 1,7% und die 10-jährigen Bundesanleihen nahe +0,0% gen Jahresende sehen.
  • Risikoanlagen und damit Aktien bleiben attraktiver als Staatsanleihen, obgleich die Bewertungen zum Teil hohe Niveaus erreicht haben und damit nicht mehr günstig sind. Dies wird zu mehr Volatilität führen.
  • Für unsere Kundenportfolios empfehlen wir eine leicht konstruktive Risikostruktur mit Fokus auf nachhaltigen Substanzaktien und Unternehmensanleihen unter selektiver Beimischung von sicherheitsorientierten Anlagesegmenten wie Staatsanleihen und Gold.
  • Für die Asset Allokation sollte dementsprechend eine leicht offensive Risikoallokation angestrebt werden mit einem Schwerpunkt auf Qualitäts- und Substanzaktien aus den Schwellenländern, den USA und Europa. Auf der Anleiheseite raten wir zu kurzen bis mittleren Laufzeiten unter Beimischung von Schwellenländeranleihen, Nachranganleihen und Hochzinsanleihen, welche vor dem Hintergrund der derzeit attraktiven Bewertungen sinnvoll erscheinen.
  • Alternative Anlagen vervollständigen unser Portfolio dank ihres Diversifikationscharakters und ihrer attraktiven Ausschüttungen.

Fazit

Für den weiteren Verlauf des Jahres 2021 erwarten wir stabile Gewinnwachstumsraten seitens der Unternehmen in unserem Basis-Szenario der Reflation, was einem Verharren auf aktuellem Niveau entspricht. Die Aktienmarktrenditen werden sich zukünftig unserer Ansicht nach im unteren einstelligen Bereich gen 2022 einpendeln, wobei die hohen Markterwartungen Konsolidierungsphasen wahrscheinlicher werden lassen. Für unsere Anlagestrategie bedeutet dies, dass wir unsere aktuell nur noch leicht offensiv ausgerichtete Asset Allokation beibehalten. Die zu erwartende Volatilität an den Märkten wird im Börsenjahr 2021 Opportunitäten bieten, die wir antizyklisch ergreifen werden. Wir werden dementsprechend aktiv und antizyklisch innerhalb unserer verantwortungsvollen nachhaltigen Anlagestrategie agieren, die neben der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) über aktives Engagement auch Aspekte des wirkungsorientierten Anlegens einbindet.

Die Hauptrisiken sehen wir im Bereich der Zentralbanken und der Makropolitik, gepaart mit Unsicherheiten seitens der berechtigten zunehmenden Inflationsängste und die damit einhergehenden Veränderungen am Zinsmarkt, sollten die Zinsen weiter anziehen und die Zentralbanken dementsprechend reagieren. Ferner sind die Entwicklungen hinsichtlich der Pandemie und der Ausbreitung neuer Mutationen des Covid-19-Virus eine mögliche Risikoquelle wie auch geopolitische Spannungen.

Das volatile Marktumfeld wird bestehen bleiben. Unsere Portfolios sind entsprechend robust ausgerichtet. Somit tragen wir dem aktuellen Umfeld bestmöglich Rechnung. Für das vierte Quartal 2021 haben wir unsere ausgewogene, leicht konstruktive Risikostruktur in den Portfolios angepasst, um eine Balance zwischen Risiko und Chance zu gewährleisten. Wir sind nur noch leicht konstruktiv, aber risikobewusst investiert und beobachten die Veränderungen sehr genau, um gegebenenfalls antizyklisch zu agieren.


Den vollständigen CIO-Letter von Daniel Kerbach, Chief Investment Officer der BayernInvest, finden Sie links als PDF mit Grafiken und weiteren Informationen zum BayernInvest Investmentansatz.

Hohe Inflationsraten bewegen vermehrt die Märkte

von Martin Roßner, Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital.

Hohe Inflationsraten und Anzeichen von Energiekrisen haben im September zu einer Abschwächung wichtiger Aktienmärkte beigetragen. Der US Fed-Präsident Powell nennt die ansteigende Preisentwicklung mittlerweile „frustrierend“, weil Engpässe in Lieferketten vermehrt Stagflation riskieren. Nachfrageseitige Indikatoren erreichen vor allem in den USA Rekordwerte, ziehen aber auch in anderen Ländern wie Kanada und UK deutlich an. Das Fed-Tapering beginnt auch deswegen wohl bereits im November, während die meisten anderen Zentralbanken die Geldpolitik ebenfalls normalisieren. Dies ist in vielen Ländern nötig, um zu verhindern, dass Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot die bereits hohen Inflationsraten weiter anfeuern.

In Brasilien beispielsweise führen rapide Zinserhöhungen bereits zu einer für Aktienmärkte riskanten Zyklusphase. Es gilt während der nächsten Monate zu verfolgen, ob andere Länder wie die USA hier ebenfalls in riskantere Phasen eintreten. Anders als noch im Frühling weisen von der Fed besonders beachtete Indikatoren auf eine ungebremste Fortsetzung der Preis- und Lohnanstiege hin. Der Lohntracker der Atlanta-Fed ist dabei, einen Kurs von vier Prozent zu übersteigen, was in der Vergangenheit erst nach etlichen Zinserhöhungen passierte. Die bereits um extreme Preisausschläge, wie bspw. den Gebrauchtwagen-Markt, korrigierte Trimmed-Mean-Inflationsrate steigt ebenfalls weiter an.

Zinsrisiken kommen sowohl von einer möglichen Überhitzung des amerikanischen Arbeitsmarkts, als auch von der weltweiten Synchronität geldpolitischer Normalisierung. Reine Aktieninvestoren sind in diesem Umfeld darauf angewiesen, dass Investitionen zeitnah für einen Produktivitätsschub sorgen, der beispielsweise in den USA seit den 90er Jahren nicht stattgefunden hat. Investoren sollten bei der Positionierung sowohl auf höhere Zinsen setzen als auch eine gewisse Robustheit bei einer weiterhin überraschend hohen Inflation haben.

China erfährt währenddessen eine Abschwächung im Immobilienmarkt, die selbst bei erfolgreicher Eindämmung systemischer Risiken auf Kurs ist Wachstum und Inflation jahrelang zu dämpfen. Der chinesische Aktienmarkt hat diese Entwicklung bereits weitestgehend vorweg genommen, wodurch sich Chancen ergeben.


AGATHON Capital

Die AGATHON CAPITAL GmbH ist ein Spezialist für innovative und nachhaltige Wertsicherungsinvestments. Mit einem betreuten Volumen von über 1,6 Mrd. Euro gilt AGATHON seit mehr als 10 Jahren als unabhängiger und verlässlicher Partner für liquide Finanzprodukte im Bereich Spezial- und Publikumsfonds.
Das altgriechische Wort „agathon“ steht für „das Gute, das Nützliche“. Der Name ist zugleich Verpflichtung. Als Bindeglied hilft AGATHON institutionellen und semi-institutionellen Investoren Renditen zu sichern, Risiken zu steuern und mit innovativen Fondslösungen die Kapitalanlage zu diversifizieren. AGATHON bündelt finanzwissenschaftliches Know-how mit leistungsstarken Produkten ihrer Fondspartner und legt so die Grundlage für ein umfassendes Leistungsspektrum mit bestmöglicher Performance für ihre Kunden. Seit 2016 ist AGATHON Fondsinitiator der ART Fonds-Familie. Ziel ist es, spezialisierte Asset Manager zu finden und zu entwickeln, die in jedem Börsenzyklus eine attraktive Rendite generieren können. Im Rahmen des Core-Satellite-Ansatzes erhalten somit professionelle Investoren maßgeschneiderte Satelliten-Lösungen.
Weitere Informationen unter www.agathon-capital.de

Martin Roßner

Martin Roßner ist seit März 2015 Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital. Zuvor sammelte er über 8 Jahre Erfahrung bei der Man Group in verschiedenen Bereichen wie Global-Macro-Research, Risikomanagement und Asset Allokation. Er ist Träger eines Master-Abschlusses in Quantitative Economics der Universität St. Gallen und hat zahlreiche Weiterbildungsexamen wie CFA, CAIA und FRM bestanden.

ThirdYear Capital

Die Third Year GmbH ist bankenunabhängiger Anbieter „quantamentaler“ Makro-Strategie und Absoluter Returns mit Sitz in München. Das Team vereint langjährige Global Macro-Research und Investment Erfahrung bei einem führenden alternativen Asset Manager mit akademischer Präzision. Die Firma nutzt Daten und Technologien, um ein tiefes Verständnis der Volkswirtschaft systematisch und in Echtzeit auf liquide Anlageklassen anzuwenden. Das Unternehmen begann im Jahr 2015 mit der Strategie-Entwicklung und der Publikation ökonomischer Analysen. Seit August 2020 wird die Strategie systematisch im ART Global Macro (UCITS) Fonds angewendet und stetig optimiert.
Weitere Informationen unter www.third-year.com

Bewertungen – alles relativ

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Das Verhältnis zwischen Aktienkursen und den Gewinnen der Unternehmen, kurz KGV, eines globalen Aktienkorbes liegt aktuell bei 24. Das ist im historischen Kontext relativ hoch, denn nur rund 15 % der Beobachtungen der letzten fünfzig Jahre zeigen eine Bewertung in dieser oder in einer höheren Größenordnung. Anders gesagt: In 85 % des genannten Zeitraumes waren Aktien billiger als jetzt. Wenn man die Schwankungen der Unternehmensgewinne glättet, verbessert sich das Ergebnis nicht. Im Gegenteil: Dieser stabilere Bewertungsansatz deutet sogar darauf hin, dass Aktien im historischen Vergleich noch teurer sind. Warum kümmern uns diese sogenannten Bewertungen überhaupt, dieses Gerede, dass Aktien schon (zu) teuer sind? Diese Beschäftigung ist höchst relevant, vor allem wenn man langfristig denkt. Denn die Höhe der Bewertung zum Investitionszeitpunkt weist einen indirekten Zusammenhang mit den zu erwartbaren Erträgen der Veranlagung auf. Im Klartext: Je billiger man Aktien kauft, desto besser kann die Performance ausfallen – und umgekehrt. Die historische Betrachtung ist das eine. Aktienbewertungen müssen aber auch in den Kontext des aktuellen Umfelds gestellt und vor allem müssen auch Alternativveranlagungen beleuchtet werden. Globale Unternehmensanleihen bringen etwa nur noch rund 1,5 % Rendite. Somit sehen die rund 4 % Gewinnrendite aus Aktien (das ist der Kehrwert des KGV) wieder attraktiv aus. Alles relativ. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das, dass langfristig weiterhin kein Weg an Aktien vorbeiführt. Kurzfristig betrachtet, und damit zur taktischen Einschätzung, haben sich allerdings die Anzeichen verdichtet, dass sich die Anstiege bei wesentlich höherer Volatilität abflachen werden. Geldpolitik, Inflation und zuletzt auch die sprunghaft angestiegenen Gaspreise könnten auf kurze Sicht zu Nervosität an den Märkten führen.

Staatsanleihen – Inflationsdruck bleibt vorläufig aufrecht

Unsere Erwartung höherer Staatsanleiherenditen hat sich im September bestätigt. Wir bleiben bei kerneuropäischen Staatsanleihen weiterhin vorsichtig. Innerhalb der Euro-Staatsanleihen sind wir insbesondere bei inflationsindexierten Staatsanleihen zurückhaltend. Wir denken nicht, dass der unmittelbare Inflationsdruck abrupt nachlässt, die am Markt für inflationsindexierte Anleihen gepreisten mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen erachten wir hingegen als zu hoch.

Unternehmensanleihen: Unternehmenssektor präsentiert sich margenstark

Euro-Unternehmensanleihen (Investmentgrade-Non-Financials) erachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als interessanter. Auch US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen sehen wir – währungsgesichert – gegenüber Globalen Staatsanleihen als attraktiver. Das Spread-Einengungspotenzial erachten wir zwar als relativ gering, Spread-Ausweitungen sind unserer Meinung nach aber deutlich unwahrscheinlicher. In Summe präsentiert sich der Unternehmenssektor margenstark. Hohe Rohstoffpreise und Lieferkettenengpässe belasten einen Teil der Unternehmen in Form höherer Inputkosten, gleichzeitig profitieren sie nach wie vor von pandemiebedingten Kosteneinsparungsprojekten.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: Zins- und Geldpolitik der USA entscheidend

Für Schwellenländer-Hartwährungsanleihen wird das Timing der endenden Anleihenkäufe durch die US-Notenbank relevant sein, deren Umsetzung wir weiterhin als "marktschonend" beurteilen und risikoreichere Anleiheklassen dadurch wenig gefährdet sehen. In Summe erachten wir die Zins- und Geldpolitik der USA für relevanter als die fundamentale Verfassung der Emerging Markets.

Entwickelte Aktienmärkte: Fokus auf erwartete Rückführung von Notenbankmaßnahmen

An den internationalen Aktienmärkten hat in den letzten Wochen eine leichte Konsolidierung eingesetzt. Neben den Evergrande-Turbulenzen - deren Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte wir für begrenzt sehen - rückt die Diskussion um den Zeitpunkt und Pfad der Rückführung von Notenbankmaßnahmen, ausgehend von den USA, immer stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Wir erwarten, dass dies in den kommenden Monaten für stärkere Volatilität sorgen wird.

Schwellenländer-Aktienmärkte: Regulatorische Eingriffe in China belasten Technologie-Sektor

Die Covid-Entwicklung im asiatischen Raum hinterlässt mittlerweile auch in der Konjunktur ihre Spuren: War die Region bisher Covid-Musterschüler, funktioniert die Strategie mittlerweile mit der ansteckenderen Delta-Variante nicht mehr so reibungslos. Das belastet insbesondere auch die Aktienmärkte, die relativ zu entwickelten Märkten neuerlich sehr schlecht aussehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die regulatorischen Eingriffe, bei den bisher so erfolgreichen chinesischen Tech-Giganten, auch einen bisher sehr erfolgreichen Sektor massiv treffen.

Rohstoffe: Angebotsthemen treten in den Fokus

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite. Dabei treten vermehrt Angebotsthemen in den Fokus, die daher die zyklischeren Rohstoffsegmente unterstützen. Trotz gestiegener Preise sind die Unternehmen, was Investitionen betrifft (und damit zukünftiges Angebot), weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen.


* Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Wohin bewegen sich Aktien bis zum Jahresende?

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Es ist schwer zu glauben, aber wir befinden uns nun im letzten Quartal des Jahres. Der letzte Teil des dritten Quartals zeigte sich aufgrund verschiedener Faktoren sehr volatil. Die Verschuldungsprobleme der chinesischen Immobilienfirma Evergrande erschütterten das Vertrauen an den Märkten – nicht nur in Asien, sondern auch in der entwickelten Welt. Die Fed beendete ihr Meeting mit leicht „hawkisher“ Neigung und signalisierte damit eine Abkehr von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Und zu guter Letzt waren die deutschen Wähler dazu aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Die Zusammensetzung der neuen Regierung ist noch unklar, aber aus Sicht des Marktes wurde das Worst-Case-Szenario (linke Koalitionsregierung, Anm.) vermieden. Wo stehen wir hinsichtlich des verbleibenden Jahres? Überwiegen die Chancen oder die Gefahren an den Börsen?

Aktien von Allzeithochs zurückgefallen

Zwar verzeichnete der Großteil der Aktienindizes der entwickelten Märkte heuer zweistellige Prozentzuwächse, doch fand im September ein deutlicher Abverkauf statt, was zu einer stagnierenden Performance im 3. Quartal beitrug. Monatelang befanden sich die Indizes im Bereich von Allzeithochs, unterstützt von niedriger Volatilität, niedrigen (realen) Renditen und Unternehmensgewinnen, die die Erwartungen bequem übertrafen. Eines der größten Risiken für diese gefestigte Performance waren negative Ausstrahlungseffekte aus China, wo der Aktienmarkt heuer deutlich unter der generellen Marktperformance geblieben war. Dies ist zum einen auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass die chinesische Volkswirtschaft mit einer stärkeren Vergleichsbasis konfrontiert ist, da das Land eines der ersten war, welches sich vom Corona-Schock letztes Jahr erholt hatte. Zum anderen ist das Kreditvolumen im Fallen begriffen. In der letzten Zeit ist der Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Performance bei der Verschärfung regulatorischer Maßnahmen seitens der chinesischen Regierung in verschiedenen Wirtschaftssektoren zu sehen. Die Aktien in der entwickelten Welt vermieden zunächst Ansteckungseffekte, doch dann drohte die Insolvenz von Evergrande am Horizont (für Details siehe unsere Beiträge House Of Cards – Der Fall von Evergrande und Immobilien-Boom in China am Ende?). Das Ergebnis war ein Verlust von mehr als 1,6% für den Weltaktienindex am 20. September, der größte Tagesverlust seit Monaten.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Anleihen-Renditen gestiegen

Zwei Tage nach dem Abverkauf fand das Meeting der US-Notenbank statt. Die Fed brachte dabei zum Ausdruck, dass es nun an der Zeit wäre, Teile der monetären Unterstützung, welche als Reaktion auf die Pandemie implementiert worden war, abzuziehen. Der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, bereitete die Märkte auf das sogenannte Tapering vor, d.h. auf die Reduktion des monatlichen Ankaufsvolumens der Fed, welches heuer beginnen und Mitte nächsten Jahres beendet sein sollte. Darüber hinaus zeigte der sogenannte Dot plot (d.h. die Zinsniveaus, welche die jeweiligen Fed-Mitglieder erwarten) vorgezogene Erwartungen für die erste Zinserhöhung in 2022. Die hawkishe Tendenz kam zu einem Zeitpunkt, als zahlreiche Zentralbanken auf der Welt mit dem Straffungsprozess begonnen hatten oder diesen planen (siehe auch Fallendes Momentum und hawkische Zentralbanken).

Der Aktienmarkt reagierte nach kurzem Zögern auf bemerkenswerte Weise: Die 10Jährigen-Renditen in den USA stiegen seit ihren August-Tiefs um mehr als 30 Basispunkte (100 Basispunkte = 1 Prozent), und die deutschen Renditen taten dasselbe. In Erwartung von zukünftigen Zinserhöhungen erreichte die 2 Jahres-Rendite in den USA ihr höchstes Niveau seit dem Ausbruch der Pandemie. Und besonders brisant: Die US-Zinsstrukturkurve wurde wieder steiler, nachdem sie sich für Monate in einem fallenden Trend befunden hatte. Und die Realrenditen starteten von Rekordtiefs.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Deutsches Wahlergebnis positiv für Aktien

Das Wahlergebnis am 26. September in Deutschland war dem Markt auf zweierlei Arten zuträglich. Zum einen reduzierte sich damit die Unsicherheit, und zum anderen wurde eine links-links-linke Koalition vermieden, welche für die Märkte nicht positiv gewesen wäre. Derzeit bestehen drei Koalitionsmöglichkeiten: SPD – Grüne – FDP, CDU/CSU – Grüne – FDP und neuerlich eine Große Koalition von SPD und CDU/CSU. All diesen Szenarios ist gemein, dass es zu einer Balance aus links- und rechtslastiger Wirtschaftspolitik kommen wird, was aus Anlegersicht positiv ist (für mehr Information über die jeweiligen Parteiprogramme, siehe auch Deutsche Bundestagswahl – Entscheidung über die Zukunft). Der Markt schien mit dieser Aussage übereinzustimmen, da der deutsche Leitindex DAX die anderen europäischen Indizes am Tag nach den Wahlen hinter sich ließ. Als Risiko verbleibt das Szenario, dass sämtliche Koalitionsgespräche im Sand verlaufen und Neuwahlen stattfinden. Doch wir setzen das Risiko dieses Szenarios als ziemlich gering an.

Werden Value-Aktien outperformen?

Die oben beschriebene Reaktion des Anleihemarktes auf das Fed-Meeting hatte starke Auswirkungen auf die Sektor-Performance von Aktien. Eine steiler werdende Zinsstrukturkurve und höhere Zinsen korrelieren positiv mit zyklischen und Value-Aktien. Gleichzeitig üben sie Druck auf defensive Aktien des Growth-Segments aus (siehe auch Wie steht es um die globalen Aktienmärkte?). Nach beinahe einem halben Jahr, in dem das Growth-Segment das Value-Segment hinter sich ließ, scheint das Fed-Meeting das Value-Segment reanimiert zu haben. Typische Value-Sektoren wie Banken und Energie verzeichneten eine Rallye, womit Banken hinsichtlich der Performance nun wieder unter den besten Sektoren des European Stoxx 600 sind. Wir sind der Ansicht, dass Value-Aktien auch in den letzten drei Monaten des Jahres zu den Outperformern zählen werden. Der stark unterdurchschnittliche Gewinn seit Mai, die niedrige Basis, von der aus die Renditen gestartet sind, und die Zinsstrukturkurve versprechen einen attraktiven Ausgangspunkt. Zyklische Aktien haben weiter Aufwärtspotenzial, sofern sich Wachstumssorgen, die auf die Delta-Variante von Covid abstellen, als überzogen herausstellen. Die Situation in China sollte unter Beobachtung bleiben. Wir sind derzeit optimistisch, dass die negativen Ausstrahlungseffekte auf andere Märkte im Rahmen bleiben werden.

Value hinkt Growth seit Mai hinterher. Erleben wir gerade eine Trendumkehr?
Quelle: Bloomberg 
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Höhere Zinsen sind auf kurze Sicht eines der Hauptrisiken. Wenn Renditen ansteigen, leiden Growth-Aktien mit ambitionierten Bewertungen aufgrund des erhöhten Abzinsungsfaktors. Dies führt zu Druck auf breite Aktienindizes, da diese Art von Aktien über die höchsten Gewichtungen und die höchste Marktkapitalisierung verfügen. Wenn dieses Szenario eintritt, werden wir in Zukunft Gewinne in Value-Aktien bei gleichzeitig seitwärts gehenden oder leicht negativen Performanceindizes wie dem S&P 500 sehen.

Aktien bleiben eine attraktive Vermögensklasse

Auf mittlere Sicht behalten wir unsere positive Sicht auf Aktien auch auf breiterer Ebene bei. Selbst wenn die Fed mit dem Straffungszyklus beginnt und Renditen steigen, dürfen wir nicht vergessen, dass Renditen im historischen Kontext nach wie vor am unteren Ende der Bandbreite rangieren. Sichere Staatsanleihen bieten kaum reale Erträge. Außerdem ist die globale Wirtschaft in guter Verfassung: für 2021 und 2022 erwartet der Internationale Währungsfonds ein globales Wirtschaftswachstum von 6% bzw. 4,9%. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne in letzter Zeit birgt Grund für Optimismus, zumal wir während des dritten Quartals positive Gewinnanpassungen sahen. Wir sehen Risiken am Horizont, doch bleiben wir Aktienmärkten gegenüber in den kommenden zwölf Märkten positiv eingestellt

FAZIT

Die globalen Aktienmärkte sind in den letzten Wochen von ihren Allzeit-Hochs zurückgefallen. Die Ankündigung der US-Notenbank, die Anleihenkäufe in nächster Zeit wieder zurückzufahren ließ die Anleihen-Renditen steigen und Wachstumsaktien „leiden“. In China drückten die Turbulenzen rund um den Immobilienkonzern Evergrande und die regulatorischen Maßnahmen der Regierung auf die Stimmung. Im Unterschied dazu sorgte das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl für Erleichterung unter den Börsianern. Kurzfristig sind die Risiken am Horizont sind größer geworden, aber es spricht immer noch viel für Aktien.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die Renaissance der Rohstoffe

Nitesh Shah, Director, Research bei WisdomTree, kommentiert im Folgenden den Ausblick für Rohstoffe. Er ist der Ansicht, dass Rohstoffe im kommenden Jahr von drei wichtigen Faktoren bestimmt werden:

  1. einem höheren Inflationsniveau als in den vergangenen Jahrzehnten
  2. einem strukturellen Anstieg der Rohstoffnachfrage infolge eines Infrastrukturbooms
  3. einer erneuten Fokussierung auf das Thema Umwelt, verbunden mit einer höheren Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen bei gleichzeitig bestehenden Herausforderungen auf der Angebotsseite

 Keiner dieser Faktoren ist neu, sondern wurde bereits im Laufe der vergangenen neun Monate thematisiert. Der vorliegende Ausblick beschäftigt sich mit der Entwicklung der genannten Faktoren.

Reflation

Das Thema der anziehenden Inflation begleitet uns schon seit geraumer Zeit. Dessen ungeachtet scheint der Markt davon überrascht worden zu sein. In Grafik 1 ist ein „Inflationsüberraschungsindex“ dargestellt, also das Ausmaß, in dem die tatsächliche Inflationsentwicklung über den Markterwartungen lag. Für die USA ist der aktuelle Wert der höchste der bisher erfassten Datenreihe. Im Euroraum mag es in der Vergangenheit zwar bereits größere Überraschungen gegeben haben, doch geht auch hier der Index nach oben. Auf globaler Ebene liegt der Index nur knapp unter dem Allzeithoch des Jahres 2008 und könnte in den kommenden Monaten auf ein neues Rekordniveau steigen.


Quellen: WisdomTree, Citi Group, Bloomberg; Daten von Januar 1999 bis September 2021. Für den Index gilt die Definition der gewichteten historischen Standardabweichungen der überraschenden Inflationsdaten (Ist-Zahlen gegenüber dem Median der Bloomberg-Umfrage). Ein positiver Inflationsüberraschungsindex deutet darauf hin, dass die Inflationsraten insgesamt über den Konsensschätzungen lagen.

Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine zuverlässigen Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zu. Zudem können Anlagen einem Wertverlust unterliegen. 

Höhere Inflation über längere Zeit

Unseres Erachtens ist das seit geraumer Zeit zu vernehmende „Mantra“ der Notenbanken, dass der erhöhte Inflationsdruck nur vorübergehend sei, immer schwerer nachzuvollziehen. Dennoch dürften die Notenbanken größtenteils nicht in der Lage sein, die Inflationsursachen allein mit geldpolitischen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Der aktuelle Inflationsdruck ist vor allem Ergebnis von Schocks auf der Angebotsseite. Eine Straffung der Geldpolitik – durch Herunterfahren der Anleihekaufprogramme oder mittels Leitzinsanhebungen – wird kaum die Angebotsengpässe beseitigen können, die die Preise in die Höhe treiben. Zwar kann eine stringentere Geldpolitik die Nachfrage bis zu einem Umfang dämpfen, der dem eingeschränkten Angebot entspricht, doch ist die Herbeiführung einer Rezession allein aus dem Grund der Eindämmung der Inflation aus unserer Sicht nur schwer zu rechtfertigen. Also sind die Finanzmärkte, Unternehmen und Verbraucher möglicherweise gezwungen, sich so lange mit einer höheren Inflationsrate zu arrangieren, bis die Angebotsengpässe überwunden sind. Da die Lieferschwierigkeiten vielfach mit coronabedingten Verwerfungen im Zusammenhang stehen, wird dieses Ziel wohl erst dann zu erreichen sein, wenn die pandemiebedingten Probleme auf globaler Ebene gelöst sind. Das könnte aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Anleger, die sich gegen eine höhere, zumal unerwartete Inflation absichern wollen, sollten sich mit dem Rohstoffbereich vertraut machen. Ganz gleich, ob es sich um Unterbrechungen des Pipelinebetriebs handelt, die den Benzinpreis anziehen lassen, oder um Dürreperioden, die die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben: Die Preise vieler Rohstoffe reagieren auf solche Entwicklungen und bieten eine natürliche Absicherung gegen den zunehmenden Preisdruck im Warenkorb der Verbraucher.

Inflationsentwicklung schon in Stein gemeißelt?

Abgesehen von der durch den Schock auf der Angebotsseite ausgelösten Inflation gibt es aus unserer Sicht weitere Inflationsfaktoren. Anhänger von Milton Friedmans These, wonach „Inflation immer und überall ein rein monetäres Phänomen“ sei1, sollten daher einen genaueren Blick auf die nachstehende Grafik 2 werfen. Die Inflation ist dem Wachstum der Geldmengen häufig mit einem gewissen Nachlauf gefolgt. Der in den Jahren 2020 und 2021 verzeichnete Anstieg der Geldmenge M2 ist enorm. Eine Welt, in der dies nicht zu einem gewissen Inflationsdruck führte, ist kaum vorstellbar. Kritiker verweisen oft auf den Zeitraum von 2009 bis 2012, in dem es beim Geldmengenwachstum zu einigen Ausschlägen kam, ohne dass damit ein Anstieg der Inflation einherging. Allerdings war das auch exakt der Zeitraum der globalen Finanzkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise, als das Bankensystem seinen Zusammenbruch erlebte. Damals emittierten die Notenbanken zwar große Geldmengen, doch parkten die Geschäftsbanken genau diese Gelder als Rücklagen bei der jeweiligen Zentralbank. Dieses Phänomen kommt jedoch aktuell nicht zum Tragen. Da die Geschäftsbanken ihre Stresstests mit Bravour bestehen, rechnen wir derzeit nicht mit Störungen bei der Kreditvergabe, wie wir sie 2009-2012 beobachtet hatten. Selbst wenn die Zentralbanken ihre Geldpolitik in naher Zukunft straffen sollten, könnte die Inflation weiterhin auf hohem Niveau verharren, da sie auf das bereits erfolgte Geldmengenwachstum reagiert.

Quellen: WisdomTree, Bloomberg. Bloomberg Commodity Total Return (BCOMTR) Index auf Basis der Rohstoffpreise, Inflation laut US-Verbraucherpreisindex, März 1972 bis Juli 2021. Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine zuverlässigen Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zu. Zudem können Anlagen einem Wertverlust unterliegen. 

Infrastrukturboom

Nach der Coronapandemie ist die Politik zunehmend gewillt, Infrastrukturprojekte zu finanzieren. In Europa steht für die Konjunkturbelebung ein Budget von knapp 2,018 Billionen Euro.2 (zu aktuellen Preisen) zur Verfügung. Mehr als die Hälfte dieser Haushaltsmittel soll in die Modernisierung durch Forschung und Innovation, den Klimaschutz und den digitalen Wandel sowie die Weiterentwicklung der Gesundheitsvorsorge fließen. Alle genannten Vorhaben erfordern auch einen gewissen Ausbau der Infrastruktur.

In den USA hat der Senat jüngst ein Infrastrukturgesetz im Volumen von einer Billion US-Dollar beschlossen3. Dieser Betrag liegt zwar deutlich unter dem vom Weißen Haus vorgelegten ursprünglichen Budget von zwei Billionen US-Dollar, fand jedoch parteiübergreifend ungewöhnlich breite Zustimmung. Grafik 3 stellt einige in dem Gesetz enthaltene Infrastrukturvorhaben dar. Wir rechnen in der Folge mit einer deutlichen Belebung der Rohstoffnachfrage in den Vereinigten Staaten.

In China tritt die Regierung bei ihren Konjunkturprogrammen zwar inzwischen auf die Bremse und versucht aktiv, die Entwicklung der Rohstoffpreise zu beruhigen. Dennoch haben die Kommunalverwaltungen im Jahr 2020 mehr als 4,5 Billionen Renminbi an Fremdmitteln aufgenommen, meist in Form von Sonderanleihen (Special Purpose Bonds; SPBs). In der Vergangenheit flossen SPB-Finanzierungen zu über 80 Prozent in Infrastrukturprojekte4.

Infrastrukturvorhaben sind rohstoffintensiv und werden in der Regel über lange Zeiträume realisiert. Der daraus resultierende Einfluss auf die Rohstoffmärkte könnte sich daher auch über den üblichen Konjunkturzyklus hinaus erstrecken.

Grafik 3: Geplante Ausgaben laut US-Infrastrukturgesetz


Quelle: https://www.whitehouse.gov/briefing-room/statements-releases/2021/06/24/fact-sheet-president-biden-announces-support-for-the-bipartisan-infrastructure-framework/ 

Fokus auf Umwelt

Die meisten Länder haben das Pariser Abkommen unterzeichnet, mit dem die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden soll. Für die kommenden Jahrzehnte gehen wir davon aus, dass die Regierungen diesen Worten zunehmend Taten folgen lassen. Denn mit dem Pariser Abkommen haben sie einen internationalen Vertrag mit bindender Wirkung unterzeichnet. Die seit seiner Unterzeichnung im Jahr 2015 verzeichneten Fortschritte dürften für die Erreichung des Ziels nicht ausreichen. Der jüngste Bericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) entwirft ein düsteres Szenario mit gravierenden Konsequenzen, sollte das Ziel verfehlt werden5. In dem Bericht deutet kaum etwas darauf hin, dass wir aktuell im Zielkorridor liegen. Folglich werden die Regierungen deutlich größere Anstrengungen unternehmen müssen. 

Energiewende

Aus unserer Sicht wird es zu einer Energiewende kommen, bei der wir schnell vom Verbrauch von Kohlenwasserstoffen mit hohen Treibhausgasemissionen zu erneuerbaren Energiequellen übergehen werden. Alle Materialien, die für die erneuerbaren Energien benötigt werden, und Technologien, die die praktische Nutzung erneuerbarer Energien ermöglichen, wie beispielsweise Batteriespeicher, werden stärker nachgefragt werden. Dieser Trend wird durch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs noch verstärkt. An den Rohstoffmärkten dürften davon vor allem Basismetalle wie Kupfer, Nickel, Aluminium und Zinn profitieren. Darüber hinaus dürfte die Elektrifizierung der Energiesysteme auch für Silber und Platin Vorteile mit sich bringen, denn die beiden Metalle kommen in Solarmodulen beziehungsweise in der Wasserstoffwirtschaft zum Einsatz.

Grafik 4: Rolle von Rohstoffen bei der Energiewende


Quelle: WisdomTree.

Herausforderungen auf der Angebotsseite

Einerseits ist klar, dass bestimmte Rohstoffe im Zuge der Energiewende vermehrt benötigt werden. Andererseits ist noch unklar, ob diese Rohstoffe auch in ausreichenden Mengen bereitgestellt werden können. Die Investitionen in den Bergbau sind in den letzten Jahren gesunken. In Anbetracht der langen Vorlaufzeit von der Investitionsentscheidung bis zur Steigerung der Produktion eines Bergwerks könnten zumindest mittelfristig Lieferengpässe entstehen.


Quellen: WisdomTree, Bloomberg. Q1/1996–Q2/2021

Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine zuverlässigen Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zu. Zudem können Anlagen einem Wertverlust unterliegen. 

Darüber hinaus werden die Bergbauunternehmen im Zuge der erneuten Fokussierung auf Umweltaspekte gezwungen sein, ihre Verfahren umweltfreundlicher zu gestalten. Dies umfasst unter anderem den sorgfältigeren Umgang mit Abraum, die Vermeidung des Rohstoffabbaus in ökologisch sensiblen Gebieten und die Minderung der Treibhausgasemissionen im Gewinnungsprozess. Diese Maßnahmen sind natürlich willkommen, denn sie machen die Branche nachhaltiger. Im Zuge dieser Anpassungen könnte aber auch das Ausmaß der Bergbauaktivität vorübergehend sinken.
So hat die chinesische Regierung seit Jahresbeginn hart gegen die Aluminiumindustrie durchgegriffen, denn diese ist zur Deckung ihres Energiebedarfs in hohem Maße auf Kohle angewiesen – und dies ist nur ein Beispiel für den Angebotsdruck, der durch strengere umweltpolitische Vorgaben entstehen kann. Da China der größte Aluminiumproduzent der Welt ist, könnte es bei dem Metall noch über Jahre zu Lieferengpässen kommen, bis die Industrie auf umweltfreundlichere Energiequellen umgestellt hat.

Fazit

Nach einem drastischen Rückgang in der Anfangsphase der Pandemie sind Rohstoffe im Zuge einer beginnenden Markterholung 2020 in einen Aufwärtszyklus eingetreten. Die anhaltenden Auswirkungen der Coronapandemie führen jedoch nach wie vor zu Unterbrechungen von Lieferketten und treiben die Inflation in die Höhe – zusätzlich zu den traditionellen, durch einen Nachfrageüberhang bedingten Inflationsfaktoren. Rohstoffe dienen der Inflationsabsicherung und sollten sich in der Regel positiv entwickeln, insbesondere angesichts der im System bereits angelegten lockeren Geldpolitik. Selbst bei im Zuge des Übergangs zum nächsten Konjunkturzyklus abnehmenden Inflationsimpulsen dürften der Infrastrukturboom und die Energiewende viele Rohstoffe voraussichtlich noch über Jahre hinweg profitieren lassen.


 

1) Milton Friedman, Inflation Causes and Consequences, Asian Publishing House, 1963.
2) https://ec.europa.eu/info/strategy/recovery-plan-europe_en#main-elements-of-the-agreement
3) https://www.reuters.com/world/us/us-senate-poised-pass-1-trillion-infrastructure-bill-debate-35-trillion-budget-2021-08-10/
4) Quelle: Moody’s Investors Service China Sub-Sovereign Monitor, Februar 2021
5) Siehe 6. IPCC-Sachstandsbericht, Juli 2021: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/#TS

Chinas jüngstes Krypto-Verbot

Jason Guthrie, Head of Digital Assets, Europe, WisdomTree, kommentiert im Folgenden Chinas Verbot von Krypto-Anlagen.

Am 24. September 2021 bekräftigte die People's Bank of China (PBoC) ihren Standpunkt, dass digitale Vermögenswerte wie Bitcoin, Ether und Tether nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben. Die PBoC stellte klar, dass sie Aktivitäten wie Marketing, Zahlung/Abrechnung und technische Unterstützung im Zusammenhang mit Krypto-Assets verbietet. Sie verschärft auch die Durchsetzung von Kryptobörsen oder Personen, die als zentrales Pendant für Kauf-/Verkaufsaktivitäten und die Ausgabe von Produkten für chinesische Kunden fungieren.

Obwohl es sich um eine relativ große Neuigkeit handelt, kam diese Wendung der Ereignisse nicht völlig unerwartet.

Die Botschaft der chinesischen Regulierungsbehörden in Bezug auf Krypto-Assets ist schon seit einiger Zeit konsistent. Am 27. August 2021 kündigte die PBoC in einer Pressemitteilung1 ihren Plan an, Finanzinstituten die Entwicklung und Beteiligung an Krypto-Geschäften zu untersagen. In gewisser Weise war der Plan bereits öffentlich und der Markt wartete nur noch auf einen Zeitplan für die Umsetzung.

Die Ankündigung des Krypto-Verbots fällt zeitlich mit dem Vorstoß der Zentralbank für eine eigene digitale Währung zusammen. Die PBoC hat kürzlich ihre digitale Zentralbankwährung (CBDC) in 28 Regionen eingeführt, darunter auch in führenden Wirtschaftsregionen. Innerhalb eines kurzen Zeitraums hat China seine eigenständige digitale Yuan-Mobile-App für fast 10 Prozent der Bevölkerung verfügbar gemacht2.

Wenn die PBoC die Einführung der CBDC vorantreibt, warum muss sie dann Kryptowährungen komplett verbieten? Die kurze Antwort lautet: Um den Wettbewerb auszuschalten.

Betrachtet man die 28 wichtigsten Zielgebiete, in denen China das CBDC3 vorantreiben will (siehe Abbildung 1), so zeigt der grüne Punkt, wo Huawei und Tencent ihren Sitz haben, und der rote Punkt, wo Alibaba ansässig ist. Diese Regionen sind die Pionierregionen der chinesischen Hightech-Entwicklung und beherbergen oft die technikbegeistertsten Unternehmen. Darüber hinaus waren Sichuan, XinJiang, Yunnan und die Innere Mongolei früher die treibende Kraft beim Bitcoin-Mining in China.

Dies sind die Gebiete Chinas, in denen mobile Zahlungssysteme schon früh eingeführt wurden und die eine treibende Kraft für die Verbreitung von Finanztechnologien darstellen. Wenn die PBoC will, dass sich ihr digitaler Yuan durchsetzt, wird dies wahrscheinlich ein wichtiges Schlachtfeld für sie sein, um die Herzen und Köpfe zu gewinnen. Es wird spekuliert, dass die PBoC versucht, die Konkurrenz zu verdrängen. Dennoch steht die Wirksamkeit eines solchen Schrittes noch nicht fest, da die Menschen nicht nur Kryptowährungen befürworten, weil sie "digital" sind.

Abbildung 1: Chinas Pilotprojekt zur CBDC-Einführung


Source: spp.gov.cn; zeemaps

Bitcoin und die digitale Währung der Zentralbank verfolgen unterschiedliche Ziele. Es gibt möglicherweise einen weiteren Grund dafür, dass die PBoC versucht, Kryptowährungen zu verhindern. Die Kerngedanken von Bitcoin sind Dezentralisierung und anonyme Transaktionen, während das Hauptziel der CBDC Zentralisierung und Datenerfassung ist. Das CBDC wird wahrscheinlich als ein gutes Instrument zur Überwachung wirtschaftlicher Aktivitäten, zur Verbesserung des Steuersystems und zur (erneuten) Durchsetzung von Kapitalkontrollen angesehen. Dieses CBDC-System passt zum wirtschaftlichen Ökosystem in China. Ein Verbot anderer Kryptowährungen, die in einem konkurrierenden Ökosystem existieren, wäre sinnvoll, wenn das Ziel darin besteht, den Einfluss der eigenen Zentralbankwährung auf das Währungssystem zu erhöhen.

Was dies für den Krypto-Markt bedeutet

Angesichts der Nachrichten vom 24. September 2021 erlebten die wichtigsten Kryptowährungen einen Rückschlag: Bitcoin (BTC) und Ether (ETH) verloren rund 10 Prozent, und der allgemeine Markt fiel innerhalb von 4 Stunden von zwei Milliarden US-Dollar auf 1,8 Milliarden US-Dollar4. Die Preise stabilisierten sich jedoch schnell bei 43.000 US-Dollar für BTC und 2.900 US-Dollar für ETH und begannen dann wieder zu steigen.

Abbildung 2: Preisbewegung von Bitcoin and Ether


Source: Glassnode; Wisdomtree. Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Bei Kryptowährungen, an deren Mining und Handel chinesische Unternehmen praktisch nicht beteiligt sind, wird es zu einem kurzfristigen Nachfragerückgang kommen. Dieser dürfte sich auf die Volatilität auswirken, auch wenn dies relativ schnell eingepreist zu sein scheint.

Die mittelfristigen Auswirkungen auf die Nachfrage sind noch nicht abzusehen. Die internetbasierte Natur von Kryptowährungen bedeutet, dass es für jede Behörde bekanntermaßen schwierig ist, sie zu zensieren, selbst wenn diese Behörde China ist. Entschlossene Investoren werden wahrscheinlich einen Weg finden, wieder in den Markt einzusteigen. Wenn die PBoC jedoch in der Lage ist, ihren digitalen Yuan als überlegene Option zu verkaufen, könnte dies zu einer lokalen Verlangsamung und einem Rückgang der Akzeptanzraten führen.

Der längerfristige Trend einer geringeren Krypto-Konzentration in China ist weiterhin positiv für den Gesamtmarkt. Die USA sind in der Regel die Profiteure, da verbotene oder eingeschränkte Aktivitäten ins Ausland verlagert werden. Dies bringt mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht mit sich, etwas, das Regulierungsbehörden und Investoren sowohl von Börsen als auch von Minern gefordert haben.

Die Beteiligung des chinesischen Festlands an der Krypto-Industrie war bereits nach der Einführung von Bitcoin-Mining-Beschränkungen im Juni 2021 rückläufig5. Die betroffenen Miner haben ihre Aktivitäten bereits ins Ausland verlagert, vor allem in die Vereinigten Staaten. Daher hat diese Ankündigung nur begrenzte potenzielle Auswirkungen auf die Fundamentaldaten des Netzwerks (zum Beispiel die Bitcoin-Hashrate).

Ist dies ein Argument für die Kryptowährung?

Abschließend sollten wir anerkennen, dass die chinesische Bevölkerung Kryptowährungen bisher sehr gut angenommen hat. Einer der potenziellen Anwendungsfälle nativer Kryptowährungen wie Bitcoin besteht darin, dass sie den Menschen eine Möglichkeit bieten, Vermögen unbelastet von den Behörden zu halten und eine größere Kontrolle über ihr Finanzleben auszuüben. Ein Land mit einem hohen Maß an Überwachung, einer Tendenz zu staatlichen Eingriffen und Kapitalkontrollen sollte ein fruchtbarer Boden für ein solches Wertversprechen sein. Wenn die chinesische Regierung die Akzeptanz so hoch einschätzt, dass sie sich veranlasst sieht einzugreifen, könnte man annehmen, dass die Akzeptanz ein Niveau erreicht hat, das ihre Kontrolle in Frage stellt. Dies wiederum beweist die Gültigkeit dieses Anwendungsfalls.

Mit anderen Worten: China könnte Bitcoin verbieten, einfach weil es funktioniert.


1) http://www.pbc.gov.cn/goutongjiaoliu/113456/113469/4326288/index.html
2) https://www.theblockcrypto.com/news+/117641/china-digital-yuan-smart-contract-programmable
3) http://www.gov.cn/zhengce/zhengceku/2020-08/14/content_5534759.htm
4) https://coinmarketcap.com/charts/
5) https://www.cnbc.com/2021/06/21/bitcoin-btc-price-drops-on-china-crypto-mining-crackdown.html

Value vs Growth - Der Wert von Qualität und Wachstum

Die Frage, ob es sinnvoller ist, auf Value- oder auf Growth-Titel zu setzen, ist beinahe so alt wie die Börse selbst. Während Value-Investoren auf unterbewertete Aktien setzen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, richten Growth-Investoren ihr Augenmerk auf das Wachstumspotential eines Unternehmens. Nach einer langen Schwächephase gewinnen Value-Titel seit einem guten halben Jahr wieder an Bedeutung. Alistair Wittet und Pierre Lamelin, Portfoliomanager bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, sprechen sich jedoch für den Wert des Wachstums aus und erläutern, weshalb Qualitätstitel langfristig in der Lage sind, den Inflationsdruck abzufedern:

Unsere Anlage-Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, dass sich das Gewinnwachstum (Earnings Per Share, kurz EPS) eines Unternehmens tendenziell in Kurssteigerungen von drei bis fünf Jahren auswirkt. Das langfristige Gewinnwachstum über diese Zeit hinaus ist somit der wichtigste Werttreiber unserer Fonds. Dieses führt auch zu einer raschen Abwertung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Denn was auf kurze Sicht teuer wirkt, kann auf lange Sicht sogar günstig werden. Als wir etwa 2017 unsere Position in ASML eröffneten, wurde die Aktie des niederländischen Halbleiterspezialisten mit einem KGV von 32x bewertet. Bezugnehmend auf die Gewinne aus dem Jahr 2020 entspricht unser Einstiegspreis von damals heute einem KGV von 19x. Angesichts unserer Prognosen für 2025, sinkt es sogar auf 7x. So etwas nennen wir den „Wert des Wachstums“. Einer unserer Gründer, Wedig von Gaudecker, pflegte zu sagen: „Billig gekauft ist teuer bezahlt.“ Das ist die umgekehrte Art, diese Wachstumsgleichung auszudrücken. Denn wenn Unternehmen mit wenig oder gar keinem Wachstum billig gekauft werden und billig bleiben – eine Value-Falle – kann das Anleger teuer zu stehen kommen.

Anleger durchschauen Inflationsdruck

Zusätzlich kann der „Wert des Wachstums“ noch eine andere Bedeutung haben – insbesondere, wenn die Inflation weiter steigt und Investoren beginnen, den Kapitalwert des Wachstums zu ermitteln. Der Theorie zufolge müssen Investments mit langer Haltedauer, wie Qualitätswachstumsaktien, einen Bewertungsabschlag hinnehmen, da die Auswirkungen steigender Zinsen auf den aktuellen Nettowert langfristiger Gewinne viel höher sind als auf jenen kurzfristiger Gewinne. Die Bewertungsprämie von Ersteren sollte also reduziert werden. In der Praxis konnten wir diese Entwicklung im vergangenen Jahr, trotz der intensiven Inflationsdebatte, jedoch nicht bestätigen. Vielmehr scheint das Gegenteil einzutreten. Ein Grund dafür könnte sein, dass Anleger den kurzfristigen Inflationsdruck durchschauen und sich daher auf langfristige Trends konzentrieren. Derzeit gibt es starke Inflationstreiber: Die zahlreichen fiskal- und geldpolitischen Stimuli, die weltweit Volkswirtschaften während der Pandemie gestützt haben, der Druck auf die Lieferketten und der plötzliche Nachfrageschub bei Rohstoffen. Nichtsdestotrotz wirken der technologische Fortschritt, die Digitalisierung und der steigende globale Wettbewerb dieser Entwicklung entgegen.

Preissetzungsmacht als Schutzschild

Wir als Bottom-up-Investoren stellen keine Prognosen zur Inflation. Stattdessen verfolgen wir einen anderen Ansatz, um mit makroökonomischen Risiken umzugehen. Wir selektieren Aktien mit starken ökonomischen Burggräben, von denen wir überzeugt sind, dass sie Gegenwind aus dem Umfeld überstehen können. Umgekehrt meiden wir Aktien, die sensibel auf makroökonomische Umstände reagieren, und keine Burggräben aufweisen. In unseren europäischen Strategien haben wir beispielsweise in den letzten 30 Jahren nie in Aktien investiert, die stark auf Zinsen reagieren, wie es bei Banken und Versicherungen oft der Fall ist. Wir sind der Ansicht, dass sich Burggräben in Preissetzungsmacht niederschlagen, die wiederum höhere Gewinne ermöglicht. Ein Beispiel ist hierfür ist der globale Luxuskonzern LVMH. Einige der Mode-Marken von LVMH haben im vergangenen Sommer in verschiedenen Märkten ihre Preise erhöht – beispielsweise schwankten die Preise in der Sparte „Mode und Lederwaren“ im ersten Quartal 2021 zwischen vier und sieben Prozent.

Verschuldungsgrad wird zum Teufelskreis

Eine weitere Auswirkung der Inflation sind steigende Kosten für Verschuldungen. Je höher der Verschuldungsgrad eines Unternehmens, desto stärker wirken sich die steigenden Fremdkapitalkosten auf die Gewinne aus. Daher ist es entscheidend, die Bilanz eines Unternehmens genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA unseres Comgest Growth Europe Fonds liegt bei 1x, im Vergleich zu 1,8x für den MSCI Europe Index und 2,2x für den MSCI Europe Value Index. Wir sind überzeugt, dass die steigenden Verschuldungskosten unsere Portfoliobestände weit weniger fordern werden als den breiten Markt und insbesondere Value-Werte. Denn viele Unternehmen haben keine starken Burggräben, sodass sie nicht über die Preissetzungsmacht verfügen, um dem Inflationsdruck zu begegnen. In Kombination mit hoher Verschuldung könnte dies rasch zum Teufelskreis werden.

Unserer Meinung nach sind starke Bilanzen und Preissetzungsmacht in der Praxis zwei sehr gute Möglichkeiten, um mit Inflationsdruck umzugehen. Wir ziehen diese Sichtweise einer theoretischen Debatte darüber vor, inwieweit Investments mit langer Haltedauer vor dem Hintergrund der Inflation und steigender Zinsen gefährdet sein könnten. Wir bei Comgest sind überzeugt, dass Qualitätswachstum als Schutzschild gegen die Inflation dafür in den kommenden Jahren ein Paradebeispiel darstellen kann.


Über Comgest

Comgest ist eine internationale Boutique für Investments in Aktien der Industrie- und Schwellenländer. Sie ist zu 100% im Besitz der Mitarbeiter und Firmengründer. Diese seit über 30 Jahren bestehende solide Partnerschaft ist die Basis eines von Benchmarks und Indizes unabhängigen Qualitätswachstumsansatzes. Mit Büros in Europa, Asien und Nordamerika verwaltet Comgest ein Vermögen von rund 38,8 Milliarden Euro (Stand der Daten 31. Dezember 2020, geschätzt) und betreut Anleger rund um den Globus, die ein auf Langfristigkeit abzielendes Aktieninvestment anstreben.

Was bedeutet Evergrande für asiatische High-Yields?

Welche Auswirkungen hat eine Umstrukturierung von Evergrande für asiatische Hochzinsanleihen (High Yield), die auf US-Dollar lauten? Und welche Stakeholder sind von einer möglichen Umstrukturierung besonders betroffen? Das Asian Fixed Income Team von Nikko Asset Management wagt einen Ausblick:

Auswirkungen auf asiatische High Yields und den Immobiliensektor

Die kurzfristigen Risiken im chinesischen Immobiliensektor haben zugenommen. Das aktuelle Kursniveau der Evergrande-Anleihen macht es jedoch unwahrscheinlich, dass eine mögliche Umstrukturierung zu umfangreichen (und erzwungenen) Verkäufen seitens der Anleger führen wird.

Insgesamt erwarten wir, dass sich die Regierung und Evergrande darauf konzentrieren werden, Kunden und Lieferanten zu schützen und gleichzeitig eine geordnete Umstrukturierung für die Gläubiger sicherzustellen. Letztere werden voraussichtlich stärker betroffen sein. Wir halten die systemischen Auswirkungen auf das Finanzsystem für überschaubar. Das Finanzierungsumfeld für Bauträger dürfte sich jedoch weiter verengen.

Systemische Auswirkungen auf alle Stakeholder-Gruppen

Die größte Gruppe von Stakeholdern sind die Hunderte von Zulieferern (einschließlich Bauunternehmen), bei denen Evergrande Verbindlichkeiten in Höhe von über 900 Mrd. Yuan hat. Evergrande hat zudem über 200 Mrd. Yuan an Anzahlungen von Kunden für bereits verkaufte, noch nicht fertig gestellte Häuser erhalten. Wir gehen davon aus, dass sich die Regierung und Evergrande darauf konzentrieren werden, unvollendete Projekte fertigzustellen. Evergrande-Führungskräfte sollen bereits einen „militärischen Befehl“ zur Fertigstellung von Häusern unterzeichnet haben. Die Lieferanten dürften daher zumindest zu besseren Bedingungen als die Gläubiger bezahlt werden, um die Fortsetzung der Arbeiten zu gewährleisten. Solange das Problem nicht gelöst ist, dürften die Immobilienverkäufe bei anderen risikoreichen Bauträgern zurückgehen, zum einen, weil die Kunden vorsichtiger werden, aber auch weil Lieferanten bei der Gewährung von Krediten vorsichtiger werden dürften.

Am Kreditmarkt schuldet Evergrande seinen Gläubigern rund 570 Mrd. Yuan, darunter Treuhandgesellschaften (schätzungsweise 222 Mrd.Yuan oder 1,1 % des Treuhandvermögens), Banken (etwa 170 Mrd. Yuan oder 0,1 % der Systemkredite), Inhaber von USD-Anleihen (19 Mrd. USD oder 2 % des Marktwerts und 6 % des Nennwerts des J.P. Morgan Asia Credit Index 1 HY Corporates) und Inhaber von CNY-Anleihen (53 Mrd. Yuan oder 0,18 % der chinesischen Onshore-Unternehmensanleihen).

Trust-Firmen: Die Treuhandfinanzierungen für Immobilien dürften weiter zurückgehen. Immerhin ist die Abhängigkeit der Bauträger von Treuhandfinanzierungen in den vergangenen zwei Jahren bereits deutlich zurückgegangen, was das Risiko begrenzt.

Banken: Die direkten Auswirkungen auf den chinesischen Bankensektor sind überschaubar, da die Kredite an Evergrande nur rund 0,1 % der Systemkredite ausmachen. Die Kapitalausstattung der wichtigsten Kreditgeber (zu denen Berichten zufolge die China Minsheng Bank und die China Zheshang Bank gehören) könnte sich jedoch den regulatorischen Grenzen annähern.

USD-Anleihen: Die Kurse der Evergrande-Anleihen spiegeln bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Umstrukturierung wider. Eine solche dürfte daher kaum zu umfangreichen (und erzwungenen) Verkäufen seitens der Anleger führen. Die Ansteckungsgefahr für andere Emittenten dürfte jedoch anhalten, bis die Probleme von Evergrande gelöst sind. Die Ausfallquote asiatischer USD-denominierter HY-Unternehmensanleihen wird durch die Einbeziehung von Evergrande erheblich steigen (rund 6% des Nennwerts der J.P. Morgan Asia Credit Index HY-Unternehmensanleihen).

CNY-Anleihen: Evergrande ist auf dem Onshore-Anleihemarkt relativ klein. Darüber hinaus werden die Tochtergesellschaften von Evergrande wahrscheinlich einen Teil der Onshore-Anleihen halten.

Zusammenfassung

Wir gehen davon aus, dass Evergrande eine Schuldenrestrukturierung mit einer gewissen staatlichen Unterstützung durchführt. Der Schwerpunkt dürfte auf dem Schutz von Kunden und Lieferanten liegen. Gleichzeitig soll eine geordnete Restrukturierung für die Gläubiger gewährleistet werden. Angesichts der potenziellen Auswirkungen auf das Systemrisiko sowie eines sehr restriktiven politischen Umfelds haben die kurzfristigen Abwärtsrisiken im chinesischen Immobiliensektor zugenommen. Eine defensivere Positionierung für diesen Sektor erscheint ratsam.


 

Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 282,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Die passiven Strategien von Nikko AM decken darüber hinaus mehr als 20 Indizes ab und umfassen einige der führenden börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig. Mitsamt seiner Tochtergesellschaften beschäftigt das Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit rund 25 Nationalitäten, darunter rund 200** Finanzfachleute. Mit Tochtergesellschaften und angeschlossenen Unternehmen ist Nikko AM in 11 Ländern und Regionen präsent. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentteams profitieren von einer einzigartigen globalen Perspektive, ergänzt durch die gewachsene asiatische DNA der Firma, und sind bestrebt, beständige Spitzenleistungen zu erbringen. Das Unternehmen ist außerdem stolz auf seinen progressiven, lösungsorientierten Ansatz, der zur Auflegung vieler innovativer Fonds für seine Kunden beigetragen hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management und Beratung von Nikko Asset Management einschließlich Tochtergesellschaften zum 30. Juni 2021.
** Stand 30. Juni 2021 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.