Seehandel stößt an Kapazitätsgrenze: Logistiker profitieren langfristig von gestiegenen Frachtraten

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Laut der Welthandelsorganisation WHO finden 80 Prozent des globalen Warenhandels über die Meere statt. Aber durch die Corona-Pandemie wird dieser Transportweg in mehrfacher Hinsicht über seine Grenzen hinaus belastet. Die Folge sind explodierende Frachtkosten, die den Endverbraucher früher als gedacht erreichen werden. Auf der anderen Seite profitieren Logistik-Unternehmen, die Zugang zu begehrten Containern haben und Frachtrouten noch bedienen können.

2020 waren leergeräumte Regale mit Toilettenpapier das Symbol der Corona-Krise. Heute sind die Lücken unauffälliger. In Europa fehlen Anchovis aus Peru, während amerikanische Feinschmecker Oliven aus Europa vermissen. Die Corona-Krise hat sich tief in das Rückgrat der Globalisierung, die maritimen Handelsrouten, eingegraben. Einen 40-Fuß-Container von Shanghai nach Rotterdam zu verschiffen, kostet laut dem Seehandels-Consultant Drewry derzeit rund 600 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. In einigen Fällen sind die Preise sogar auf das zehnfache des Vorjahresniveaus gestiegen. Diese Entwicklung dürfte nun auf die Anschaffungskosten von beispielsweise Spielzeug, Autoteile, Kaffee, Zucker oder auch Möbel durchschlagen. In den vergangenen 40 Jahren habe es keine vergleichbar fordernde Situation im Spielzeughandel geben, sagte der Gründer der britischen Spielwaren-Kette „The Entertainer“ in einem Interview. Er verzichtet derzeit auf den Import riesiger Teddybären aus China, weil er sonst seinen Verkaufspreis verdoppeln müsste.

„Der auf Effizienz getrimmte Seehandel bietet kaum Spielraum für Änderungen der Lieferströme“

Die Ursachen dieser Kostenexplosion sind vielfältig. Da ist zunächst ein über die Jahre auf maximale Effizienz getrimmtes Seehandels-System, das kaum Spielraum bietet, um auf Veränderungen der Lieferströme zu reagieren. Unterstützungszahlen an private Haushalte haben künstlich die Konsumnachfrage befeuert, die wegen des stagnierenden Angebots in der westlichen Welt nur aus Asien gedeckt werden kann. Gleichzeitig fehlen Container, Häfen sind verstopft, es mangelt an Seeleuten und Hafenarbeitern. Dazu kommt, dass die Corona-Pandemie die Lieferketten weiter gefährden könnte. Weltweit arbeiten rund 1,6 Millionen Menschen in der Seefahrt. Mehr als die Hälfte von ihnen stammt aus Schwellenländern wie Indien, den Philippinen oder Indonesien. Sie sind auf die dortigen Impfprogramme gegen das Corona-Virus angewiesen. Nach Schätzung des Internationalen Schifffahrtskammer ICS sind gerade mal 2,5% der Seefahrer weltweit geimpft. Corona-Ausbrüche haben somit ein leichtes Spiel, um auf hoher See oder in Häfen die Arbeit stillzulegen.

Veränderungen in der Auslastung der Routen in der Corona-Krise führten zudem zu einer Knappheit bei Containern. Laut dem Informationsdienst Container XChange sind 24 Millionen Stück im Umlauf. Im Jahr absolvieren diese beladen 170 Millionen Reisen und weitere 55 Millionen Reisen im Leerzustand. Corona hat durch die zeitlich verschiedenen Lockdowns zu extremen Verschiebungen bei der Nachfrage und dem Angebot von Waren geführt. Die schnell anziehende Nachfrage nach der Lockerung der Lockdowns in den USA hat im vergangenen Jahr die dortige Transportinfrastruktur überlastet. Aufgrund von Krankheitsfällen und des hohen Transportaufkommens, konnten Waren in den Häfen nur mit Verspätungen gelöscht werden. Container-Lager sind überlastet, weil die Waren nicht per LKW oder Eisenbahn die Weiterreise antreten konnten. Die Havarie eines Container-Schiffes im Suez-Kanal hat zwar medial große Wirkung entfaltet, war aber nur das Tüpfelchen auf dem „i“ eines längst überlasteten Systems.

„Die gestiegenen Frachtraten sind auch das Ergebnis einer langen Konsolidierung“

Wir sehen in naher Zukunft keinen merklichen Rückgang der Frachtkosten. Zwar werden neue Container und auch Schiffe gebaut, doch dies braucht Zeit und Rohstoffe - die auch auf dem Seeweg transportiert werden. Die Zahlen des französischen Container-Logistik-Unternehmens CMA CGM verdeutlichen, was das für die Branche bedeutet. Im ersten Quartal 2021 wurde ein Nettogewinn von 1,75 Milliarden Euro verzeichnet. Vor einem Jahr waren es nur 43 Millionen Euro. Das Unternehmen rechnet mit weiterer starker Nachfrage.

Die aktuell gestiegenen Frachtkosten sind dabei nicht zuletzt auch das Ergebnis einer langen Konsolidierung der Schifffahrtsbranche. Schiffe wurden ausgemustert, die Kapazitäten knappgehalten, dafür deren Nutzung bis aufs Letzte optimiert. Es wäre allerdings fahrlässig, jetzt durch viele neue Schiffe die Kapazitäten zu erhöhen. Denn dann droht unter Umständen ein sogenannter „Schweine-Zyklus“, wenn sie zu spät vom Stapel laufen und Corona dann wieder Geschichte ist. Für Produzenten großer, nicht besonders werthaltiger Waren wird es attraktiver die Lieferketten zu verkürzen. Und letztlich bleibt die Hoffnung, dass ein Ende der Lockdowns die Balance wieder herstellt und die Produktion in anderen Teilen der Welt wieder hochgefahren wird. Denkbar ist auch, dass der Preisauftrieb nur langsam abklingt, da einmal erhöhte Preise nicht im gleichen Tempo gesenkt werden.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Neue Forward Guidance lässt Staatsanleihen optimistisch reagieren

von Ruari van Veen, Fixed Income Portfolio Manager, Aegon Asset Management, kommentiert die aktuelle EZB-Sitzung:

Die Europäische Zentralbank hat gestern ihre Geldpolitik überarbeitet und eine neue Strategie eingeführt, die mittelfristig ein symmetrisches Inflationsniveau von 2 % anstrebt. Unter diesem Rahmen würde eine kurzfristig moderat steigende Inflation nicht zu sofortigen Maßnahmen führen. Zuvor war das Inflationsziel der EZB ein Ziel von "nahe, aber unter 2 %", das im Gegensatz zur neuen Strategie ein Überschreiten nicht explizit zuließ. Der Strategiewechsel scheint von der Möglichkeit eines vorübergehenden Anstiegs der Inflation in der Eurozone beflügelt worden zu sein.

Die EZB änderte ihre Forward Guidance und erwartet, dass die Zinssätze auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau verbleiben, bis sich die Inflation innerhalb des dreijährigen Projektionszeitraums bei 2 % stabilisiert und bis zum Ende des Zeitraums dort verbleibt. Neben der prognostizierten Inflation muss sich laut Leitlinie auch die realisierte Inflation konsequent in Richtung des Ziels bewegen. Angesichts der Tatsache, dass die EZB für die Eurozone eine Inflation von 1,5 % im Jahr 2022 und 1,4 % im Jahr 2023 prognostiziert, scheint es derzeit nicht viel Spielraum für eine Verschärfung der Geldpolitik zu geben, selbst wenn die kurzfristige Inflation über 2 % steigen würde. Diese neue Leitlinie scheint daher gemäßigter und stärker auf eine Erhöhung der Inflation durch geldpolitische Stimuli ausgerichtet zu sein als die vorherige.

Zustimmung unter einer Bedingung

Die gestrige Entscheidung des EZB-Rats, die Forward Guidance zu ändern, fiel nicht einstimmig aus. Die belgischen und deutschen EZB-Ratsmitglieder Pierre Wunsch und Jens Weidmann sprachen sich gegen die Änderung aus und befürchteten, dass sie signalisieren würde, dass die EZB eine langfristige Verpflichtung eingeht, die Zinssätze niedrig zu halten. Auch die anderen Vertreter der EZB schienen diese Bedenken zu teilen und stimmten der Änderung der Leitlinie unter der Bedingung zu, dass sie sich nur auf die Leitzinsen und nicht auf die Programme zum Ankauf von Vermögenswerten beziehen würde.

Keine Änderungen bei PEPP und APP

Abgesehen von der Änderung der Forward Guidance wurden von der EZB überraschend wenig Änderungen vorgenommen. Die drei Leitzinsen, die die EZB zur Erleichterung der Liquidität und zur Steuerung des Kreditgeschäfts zwischen den Banken festlegt, wurden unverändert belassen: Der Hauptrefinanzierungssatz, der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und der Einlagensatz wurden auf ihrem derzeitigen Niveau von 0,00 %, 0,25 % bzw. -0,50 % belassen. Noch wichtiger ist, dass die EZB keine Änderungen an ihren Programmen zum Ankauf von Vermögenswerten ankündigte: Weder beim Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP, das Ende März 2022 ausläuft) noch beim Asset Purchase Programme (APP) gab es eine Änderung des Tempos des Ankaufs von Vermögenswerten, die Entscheidung darüber scheint auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben worden zu sein. Dies macht die nächste September-Sitzung zu einem wichtigen Bezugspunkt, wenn das Tempo der Anlagenkäufe zu sinken beginnt, da das PEPP allmählich ausläuft. 

Marktreaktion optimistisch

Nach der Veröffentlichung der aktualisierten Geldpolitik war die erste Reaktion der Märkte für Staatsanleihen optimistisch. Die Strategie eines symmetrischen Inflationsziels von 2 % war bereits bekannt und eingepreist, jedoch wurde die neue Leitlinie als unterstützend für die Anleihenmärkte angesehen. Die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen fiel um 3 Basispunkte auf -0,43 % und die Spreads zwischen europäischen Kern- und Peripherieländern verengten sich. Die 3-Monats-EURIBOR-Futures-Kurve flachte sich ab, da Zinserhöhungen für spätere Laufzeiten eingepreist wurden, was signalisiert, dass der Markt erwartet, dass die Leitzinsen länger niedrig bleiben.

Renditen werden auf niedrigem Niveau bleiben

Die wichtigste Erkenntnis aus der Juli-Sitzung ist, dass sich die EZB keine Sorgen um eine hohe Inflation macht, selbst wenn sich die Wirtschaft langsam wieder erholt, Sparer zu Konsumenten werden und sich die Nachfragelücke in einen Angebotsmangel verwandelt. Stattdessen scheint sie sich mehr Sorgen über die Möglichkeit einer zu frühen Zinserhöhung zu machen.

Die neue Forward Guidance gibt der EZB viel Spielraum für Interpretationen. Solange die von ihr prognostizierte Inflation unter 2 % bleibt, können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Leitzinsen auf ihrem derzeitigen niedrigen Niveau bleiben werden. Dies bedeutet auch, dass entweder PEPP oder APP wahrscheinlich in irgendeiner Form ausgeweitet werden, um die Entwicklung der Inflation in Richtung des Ziels von 2 % zu unterstützen.

Nach unserer Einschätzung begünstigt die verstärkte akkommodierende Haltung der EZB, dass die Renditen auf einem niedrigeren Niveau bleiben, was die weitere Emission von Staatsanleihen unterstützen würde. Da sich die Wirtschaft jedoch weiterhin stark erholt und die Zukunft der Ankaufprogramme noch unklar ist, sind die Märkte jetzt anfälliger denn je für jegliche Andeutungen eines Taperings.“


Über Aegon Asset Management

Aegon Asset Management besteht aus aktiven globalen Investoren. Unsere 380 Anlageexperten verwalten und betreuen ein Vermögen von 388 Mrd. € / 475 Mrd. USD / 348 Mrd. £ (Stand: 31. Dezember 2020) für einen weltweiten Kundenstamm bestehend aus Pensionsplänen, öffentlichen Fonds, Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen.
Wir organisieren unsere Anlagekapazitäten rund um vier zielgerichtete Anlageplattformen, auf denen wir über umfangreiche Expertise in den einzelnen Anlageklassen verfügen: Fixed Income, Real Assets, Equities und Multi-Asset & Solutions. Jede Plattform umfasst engagierte Teams, die global organisiert sind und sich für die Maximierung ihrer Spezialgebiete einsetzen. Diese Plattformen werden von Teams unterstützt, die sich dem verantwortungsvollen Investieren und dem Multi-Management widmen.
Indem wir unsere Investmentteams global organisieren, arbeiten wir daran, unser Fachwissen und unsere Research-Ressourcen über regionale Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unser Performance-Potenzial steigert und zu besseren Anlageergebnissen für unsere Kunden beiträgt.
Über alle Plattformen hinweg teilen wir den Glauben an ein fundamentales, Research-getriebenes aktives Management, das durch ein effektives Risikomanagement und ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Investment untermauert wird. Unsere Investmentplattformen haben die Flexibilität, ihre Ressourcen und Prozesse so zu organisieren, dass sie am besten zu ihrem jeweiligen Schwerpunkt passen.
Wir sind ein globales Unternehmen: Unsere 1.200 Mitarbeiter sind in ganz Europa, Amerika und Asien tätig. Wir investieren global und betreuen unsere Kunden lokal.
Für weitere Informationen über Aegon Asset Management, siehe www.aegonam.com

Ein Jahr ERSTE GREEN INVEST: Megatrend „grüne“ Technologien

Die Themen Umwelt und Technologie beschäftigen Börsianer schon seit Jahren. Nicht nur weil man als Investor damit gutes Geld verdienen kann, wovon die überdurchschnittlichen Wertzuwächse bei Aktien und Fonds zeugen. Die Folgen der Klima-Veränderung, die uns gerade dieser Tage in Form von verheerenden Überschwemmungen und zerstörerischen Tornados, selbst in unseren Breiten, drastisch vor Augen geführt wurden, zeigen einmal mehr, dass es höchste Zeit ist umzudenken. Grüne Technologien, die solchen Katastrophen entgegenwirken, werden auf viele Jahre hinaus dafür sorgen, dass in der Wirtschaft und Gesellschaft kein Stein auf dem anderen bleibt.

Wird Europa der erste klimaneutrale Kontinent?

Der Umdenkprozess bei Organisationen und Unternehmen hat längst begonnen. Einige nehmen eine Vorreiterrolle ein. Der regulatorische Druck durch die Vorgaben der Politik nimmt immer mehr zu. Durch den grünen Plan der EU (Green Deal) werden die globalen Finanzströme immer mehr in Richtung grüner und nachhaltiger Investitionen gelenkt. Bis zum Jahr 2050 soll Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent gemacht werden. Aber auch große Länder wie die USA, Japan und China haben sich bis 2030 ambitionierte Ziele zur Reduktion von Treihausgasemissionen gesetzt.

Unabhängig davon, ob es gelingt, diese ambitionierten Ziele zu erreichen – der Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Dies impliziert, dass die Investitionen in den Umweltsektor in den nächsten Jahren deutlich steigen werden. Bereits 2019 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor, Anm.) zählte die Umweltwirtschaft allein in Österreich knapp 200.000 Beschäftigte, die einen Produktionswert von 42,7 Milliarden Euro erwirtschafteten (Statistik Austria, 27.5.2021). Allein beim Thema Abfallwirtschaft wächst ein Milliardenmarkt heran. Die sechs wichtigsten börsennotierten Unternehmen Entsorgungsunternehmen erzielten 2019 einen Umsatz von rund 90 Milliarden US-Dollar (siehe Grafik).

Entsorgungsunternehmen weltweit (Quelle: Statista)

Umweltwirtschaft ein wichtiger Faktor

Der bedeutendste Bereich der Umweltwirtschaft ist das Management der Energieressourcen. Dazu zählen im Wesentlichen erneuerbare Energien sowie Wärme- bzw. Energieeinsparung und -management. Der Bereich erneuerbare Energie umfasst etwa die Erzeugung von Elektrizität und Wärme aus erneuerbaren Energieträgern sowie die Produktion und Installation von entsprechenden Energietechnologien.

Im Bereich Wärme-/Energieeinsparung und -management sind energiesparende Bauleistungen wie Thermosanierungen oder Niedrigenergie- und Passivhausbauten ebenso enthalten wie die Energieberatung als Dienstleistung oder die Produktion von Dämmstoffen. Weitere wichtige Umweltbereiche sind Luftreinhaltung und Klimaschutz, der Gewässerschutz, die Abfallwirtschaft sowie der Schutz und die Sanierung von Boden, Grund- und Oberflächenwasser. Viele Unternehmen aus diesen Segmenten notieren an einer Börse und bieten damit auch für PrivatanlegerInnen eine Beteiligungsmöglichkeit.

Erneuerbare Energien mit riesigem Wachstumspotenzial

„Der Markt für erneuerbare Energie ist der größte Markt, den die Welt je gesehen hat“, wird John Kerry, Klima-Sonderbeauftragter des US-Präsidenten Joe Biden, im Wirtschaftsmagazin Gewinn zitiert (Ausgabe Juni 2021, Schwerpunkt Nachhaltige Geldanlage). Dem Kampf gegen den Klimawandel wird riesiges wirtschaftliches Potenzial eingeräumt.

So ist etwa laut den Experten der Erste Asset Management Solarstrom heute die billigste Form der Stromerzeugung. Vor ein paar Jahren hätte man noch diskutiert, ob Strom aus Solarenergie jemals ohne Förderungen wettbewerbsfähig sein könne. „Bei grünem Wasserstoff sehen wir in Zukunft ähnliches Entwicklungspotenzial“, skizziert Erste AM Fondsmanager Alexander Weiss die Chancen auch künftig mit Aktien Erneuerbarer Energien auf der Gewinner-Seite zu stehen.

Man müsse allerdings genau hinsehen, welche Titel man ins Portfolio nehme. Weiss: „Die Hersteller von Solarmodulen sehen wir eher skeptisch. Die liefern sich einen erbitterten Preiskampf und haben hohen Kapitalbedarf“. Wesentlich interessanter erachten die Experten der Erste Asset Management Unternehmen, die Solaranlagen vertreiben und installieren, wie etwa die US-Firma Sunrun. In den USA würden erst 5% der potenziell nutzbaren Dachflächen für Solaranlagen genützt. Ein längerfristiges Wachstumspotenzial verspreche auch die E-Mobilität, wobei hier weniger Autohersteller wie Tesla und Co. im Fokus stehen sondern die Ladeinfrastruktur.

So sollen allein in Europa bis 2025 zwei Millionen Ladestationen installiert werden, um den Umstieg auf Elektroautos voran zu bringen. Darüber hinaus werden sowohl in den USA als auch in Europa aber vor allem in China in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur investiert. Das Unternehmen Plug Power ist eines von mehreren viel versprechenden Unternehmen, musste allerdings seit Jahresbeginn einen deutlichen Rückschlag an der Börse einstecken, nachdem die Aktie zuvor extrem stark angezogen war.1

ERSTE GREEN INVEST auf der Suche nach den „grünen Aktienperlen“

Der Finanzsektor leistet mit seinen Investitionen einen wesentlichen Beitrag um gegen den Klimawandel zu bestehen. Vor einem Jahr wurde der Aktienfonds ERSTE GREEN INVEST aus der Taufe gehoben. Der Fonds konzentriert sich auf Unternehmen, die einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben und Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen. Dabei stehen die Themen Erneuerbare Energie, Abfall & RecyclingTransformation und Adaption im Vordergrund. Wichtig bei der Auswahl der Aktien ist eine messbare positive Auswirkung auf die Umwelt (Impact).

Aufgrund der erst sehr kurzen Laufzeit hat diese Darstellung der Wertentwicklung nur wenig Aussagekraft. (Quelle: Refinitiv Datastream)

Die Wertentwicklung seit Fondsbeginn war mit über 52% extrem stark. Auch heuer, wo es zwischenzeitlich zu deutlichem Abgabedruck bei einigen Solar- und Wasserstoff-Titeln kam, liegt der Fonds abermals zweistellig im Plus. Kursgewinne in diesem Ausmaß sind möglich aber passieren nicht alle Tage. AnlegerInnen in Umweltaktien sollten sich des grundsätzlich höheren Schwankungsrisikos solcher Aktien stets bewusst sein. Dafür genießen sie die Chance auf langfristig überproportional hohe Erträge.

FAZIT: Der Sektor der Umwelttechnologien lässt auf die nächsten Jahre großes Wachstumspotenzial erkennen. Viele Unternehmen in diesem Segment stehen erst am Beginn einer vielversprechenden Entwicklung. Der ERSTE GREEN INVEST, der dieser Tage seinen 1. Geburtstag feiert, bietet die Möglichkeit in interessante und zukunftsträchtige Aktien von Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie zu investieren.


Siehe dazu BLOG: Umweltfreundliche Technologien werden auf Jahre hinaus wachsen

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein erster Hauch von post-pandemischem Tapering

Dr. Andreas Billmeier, Europavolkswirt von Western Asset Management, einem spezialisierten Asset Manager von Franklin Templeton, kommentiert die aktuelle EZB-Entscheidung, die Forward Guidance für die Leitzinsen zu ändern:

Das neue Mitteilungsformat der EZB hat dazu beigetragen, nach der Strategieüberprüfung einige Punkte zu präzisieren. Insgesamt liest sich die neue Mitteilung besser und sie ist klarer strukturiert. Auf einige Punkte möchten wir noch einmal hinweisen:

Erstens stellt die modifizierte Forward Guidance eine klarere Erwartung an den Verlauf der Inflation dar, nicht nur an den Endpunkt. Wir sind der Ansicht, dass sich die Anforderung, dass die Inflation deutlich vor dem Ende des Prognosehorizonts 2 % erreichen muss, bevor die Zinsen angehoben werden, auf das (rollierende) "Jahr zwei" der Prognose bezieht, sobald die Basiseffekte weggefallen sind. In diesem Zusammenhang könnten wir uns vorstellen, dass die EZB diesen Prognosehorizont irgendwann verlängern wird.

Zweitens: Während das Ankaufstempo des PEPP im neuen Eröffnungsabschnitt erwähnt wird, der auch die überarbeitete Forward Guidance enthält, fanden wir es interessant, dass das PEPP im Abschnitt über die geldpolitischen Instrumente nach dem APP erwähnt wird. Da die EZB viel Wert darauf legt, die Botschaft in der Reihenfolge abnehmender Bedeutung zu formulieren, interpretieren wir dies als eine Abkehr vom PEPP und eine Hinwendung zum APP. In anderen Worten: ein erster Hauch von post-pandemischem Tapering.

Wir sind der Ansicht, dass der Markt dies als eine gemäßigte Prognose lesen wird. Dies liegt vor allem an einer deutlich stärkeren Forward Guidance für die Zeit vor dem Ende des Prognosehorizonts, und wir rechnen damit, dass die Anleihemärkte vor einer möglichen Tapering-Entscheidung im September vorerst gut gestützt werden.

Das Tapering beginnt

der aktuelle Marktkommentar des PGIM Fixed-Income-Teams.

Während die US-Notenbank noch abwartend agiert, werden immer mehr Zentralbanken der Industrieländer die geldpolitischen Impulse zurückfahren. Politiker aus rohstoffproduzierenden Ländern wie Kanada, Neuseeland und Australien haben angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise bereits mit dem Tapering begonnen, und wir denken, dass die Norges Bank diesem Beispiel folgen wird.

Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank bis zum 4. Quartal mit dem Tapering beginnen und zu einer neuen Forward Guidance übergehen wird, die auf der Prognose basiert, dass die Zinsen für einen langen Zeitraum niedrig bleiben werden. Was die kurzfristige Entwicklung des Wirtschaftswachstums betrifft, so denken wir, dass die aufgestaute Nachfrage aufgrund der jüngsten Angebotsbeschränkungen in diesem Quartal weiter ansteigen wird, da Waren und Dienstleistungen in größerem Umfang zur Verfügung stehen werden. Es ist erwähnenswert, dass die Kaufkraft auch aus dem öffentlichen Sektor kommt, da lokale und föderale Regierungen mit ähnlichen Angebotsbeschränkungen konfrontiert sind, wenn sie Konjunkturmittel einsetzen. Als Referenz sehen wir ein Wachstum von 6,4% im Jahr 2021 und 4,5% im Jahr 2022.

Was die Inflation angeht, so zeigen die jüngsten Daten, dass sich der erhebliche Anstieg der Kerninflation des Verbraucherpreisindex weiterhin auf eine Handvoll Kategorien konzentriert, wie z.B. Gebrauchtwagen (+55 Basispunkte im Mai), einige Bereiche des Gastgewerbes (+9 Basispunkte) und die Miete für Eigentumswohnungen (+10 Basispunkte). Werden diese volatilen Kategorien ausgeklammert, fällt die 12-Monats-Kernrate des VPI im Juni um mehr als die Hälfte von 4,45 % auf 2,18 %. Eine weitere Beobachtung ist, dass die monatliche Verbraucherpreisindex-Kernrate im April mit 0,70 % ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheint, und es stellt sich die Frage, ob die Inflation bei den wenigen Gütern und Dienstleistungen auf die breitere Wirtschaft übergreifen und zu einem nachhaltigeren, über den Prognosen liegenden Anstieg der Inflation führen wird. Wir sind jedoch weiterhin der Meinung, dass die Inflation angesichts der säkularen Kräfte, die im Spiel sind, auf das Niveau vor der Pandemie zurückkehren wird. Wir gehen davon aus, dass die Verbraucherpreisindex-Kerninflation im Juni bei 0,40 % liegen wird und die 12-Monats-Kerninflation im November einen Höchststand von 3,80 % erreichen wird, bevor sie zum Jahresende wieder zurückgeht.

Obwohl wir davon ausgehen, dass die Inflation letztlich auf ein Niveau nahe dem langfristigen Trend zurückgeht, sind wir uns der Szenarien bewusst, die unser Basisszenario in Frage stellen könnten. Einige haben argumentiert, dass die US-Wirtschaft ihre Produktionslücke schnell schließt und im nächsten Jahr Vollbeschäftigung erreichen wird, was den Weg für nachhaltige Preissteigerungen ebnen würde. Während wir zustimmen, dass das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr stark bleiben wird, sehen wir die Produktionslücke als schlechten Indikator für den Inflationsdruck, wenn man bedenkt, dass in den Jahren vor der Pandemie gleichzeitig eine gedämpfte Inflation und ein starkes Wachstum zu verzeichnen waren.

ESG-Anleihen Made in the USA

von Hannes Kusstatscher, Fund Manager – Fixed Income der Erste AM.

ESG-Anleihen (Environment, Social & Governance) erleben derzeit einen Höhenflug und nehmen einen immer größeren Anteil bei Unternehmensanleihen ein. Im ersten Halbjahr 2021 sind laut BofA Securities global bereits 13,5% aller Neuemissionen mit ESG-Kriterien emittiert worden, im Juni waren es sogar über 17% und damit ein neuer Rekordwert.

Während in Europa bereits seit Jahren immer mehr Anleihen mit ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien begeben werden, gibt es in den USA in dieser Hinsicht noch Aufholbedarf, der Trend zeigt allerdings auch hier klar nach oben, wie die folgende Analyse zeigt.

Europa weiter Vorreiter, USA holen aber auf

In Europa sind im ersten Halbjahr 2021 ESG-Anleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 150 Mrd. Euro (ca. 180 Mrd. USD) an den Markt gekommen und damit bereits mehr als im gesamten Jahr 2020. Laut einer Studie von Barclays hat mittlerweile fast ein Viertel aller in Euro neu begebenen Unternehmensanleihen mit Investment Grade Rating eine ESG-Komponente, bei den High Yield Unternehmen sind es immerhin noch rund 17%. In US-Dollar sind es hingegen gerade einmal 6% und 9%.

Allerdings sieht man im Chart unten, dass das Volumen auch in US-Dollar stark ansteigt. In USD wurden in der ersten Jahreshälfte 2021 bereits um 18% mehr Volumen mit ESG-Kennzeichnung emittiert als im gesamten vergangenen Jahr, in Euro war es ein Plus von 7%.

Inkludiert alle von Unternehmen in der jeweiligen Währung emittierten Green Bonds, Social Bonds, Sustainability Bonds, Sustainability-Linked Bonds und Transition Bonds. (Quelle: Bloomberg, Erste Asset Management)

Nach den in den Sustainable Finance Principles festgelegten Richtlinien der International Capital Market Association (ICMA) unterscheidet man bei den ESG-Anleihen zwischen verschiedenen Typen. Green Bonds verfolgen ökologische Ziele, wie beispielsweise die Reduktion von Kohlenstoffdioxid-Emissionen, Social Bonds dienen der Finanzierung von sozialen Zwecken, wie etwa Bildung, und Sustainability Bonds kombinieren grüne und soziale Ziele.

Daneben gibt es noch Sustainability-Linked Bonds, deren Kupon häufig von der Erreichung bestimmter ESG-Ziele abhängt, und seit neuestem auch noch Transition Bonds, mit denen der Wandel zu einer nachhaltigeren Strategie finanziert werden kann.

Bei der Aufteilung nach Emissionsart sind sowohl in Euro als auch US-Dollar Green Bonds die am häufigsten begebenen Anleihen. In Euro folgen relativ dicht dahinter Social Bonds und Sustainability Bonds, während Sustainability-Linked Bonds und Transition Bonds eher eine untergeordnete Rolle spielen.

In US-Dollar hingegen werden Social Bonds noch kaum emittiert. Sustainability-Linked Anleihen sind sowohl in Euro als auch in US-Dollar derzeit stark im Aufwind und Transition Bonds sind gerade erst am Kommen.

Alle Unternehmensanleihen mit ESG-Kriterien aus dem ersten Halbjahr 2021. (Quelle: Bloomberg, Erste Asset Management)

Nicht nur am Markt ist Europa derzeit noch Vorreiter, auch politisch und regulatorisch tut sich so einiges: Nach der ICMA hat nun auch die Europäische Kommission einen European Green Bond Standard veröffentlicht, der zwar weiterhin freiwillig ist, aber zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit führen soll. Er ist im Rahmen der Sustainable Finance Strategy entstanden und zeigt ein klares Bekenntnis zur Förderung der Finanzierung von nachhaltigem Wachstum.

Selbst die EZB investiert mittlerweile einen Teil ihrer Eigenmittelportfolios in Green Bond Portfolios. In den USA gibt es nach deren Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen unter Donald Trump und dem Neueintritt unter Präsident Biden zwar wieder klare Bestrebungen für den Klimaschutz, allerdings noch etwas zaghafter und weniger konkret als in Europa. Die EU und die USA unter Biden gleichen sich in dem Ziel, dass sie bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr emittieren wollen.

Sektorverteilung zeigt Defizite auf

Der Großteil der ESG-Anleihen ist sowohl in Europa als auch in den USA weiterhin auf wenige Sektoren konzentriert. Vorreiter in Euro sind Versorger mit über 32% aller ausstehenden Anleihen, gefolgt von Real Estate mit 19% und Banken mit 11%. Großen Aufholbedarf gibt es aber bei einigen Sektoren, die zu den größten Treibhausemittenten zählen: Beim Automobil- und Energiesektor haben die Anteile mit 2% und 2,5% noch deutlich Luft nach oben. Auch der Transportsektor, zu dem neben Eisenbahnbetreibern auch Fluglinien und Kurierdienste zählen, hat derzeit nur 6% ausstehende nachhaltige Anleihen.

Anteil der ESG Unternehmensanleihen am Investment Grade Universum. Für EUR: ICE BofA Euro Corporate Index (ER00 Index), für USD: ICE BofA US Corporate Index (C0A0 Index) – Bestände vom Juli 2021. (Quelle: ICE Data Indices, LLC, Bloomberg, Erste Asset Management)

In US-Dollar schaut das Bild noch schlechter aus. Auch hier führen die Versorger knapp vor Real Estate, allerdings haben beide nur rund 5,5% der ausstehenden Anleihen mit einem ESG-Kriterium versehen. Banken sind auch hier an dritter Stelle zu finden, aber nur mit 2,7% und schauen daher kaum besser aus als Automobil- und Transportsektor mit jeweils 2,6%. Bei Energie sind gerade einmal mickrige 0,25% der Emissionen ESG-Anleihen.

Aufholbedarf bei Energiemix in USA

Besonders ins Auge springt die große Differenz beim Anteil der nachhaltigen Anleihen von Versorgern in den USA und Europa. Auch hier zeigt sich wieder, dass Europa bei der Abkehr von Kohle und dem Aufbau von erneuerbaren Energiequellen bereits um einige Schritte voraus ist.

Laut einer Studie von Agora Energiewende hat sich der Anteil von Kohle bei der Energieproduktion in der EU von 2015 bis 2020 auf 13% halbiert, während der Anteil erneuerbarer Energien auf fast 40% gestiegen ist. In den USA liegt der Kohleanteil hingegen laut U.S. Energy Information Administration noch bei 20% und auch erneuerbare Energien tragen erst rund 20% zur Energieproduktion bei.

Anteil an der gesamten Energieproduktion in den USA und der EU-27 von Kohle und erneuerbaren Energien in Prozent. (Quelle: Agora Energiewende, U.S. Energy Information Administration, Erste Asset Management)

Durch die Anfang Juli 2021 in der Erste Asset Management in Kraft getretene neue Kohlerichtlinie, nach der alle Unternehmen mit einem größeren Kohleanteil als 5% am Umsatz nicht investierbar sind, fallen bei den US Versorgern aus dem Investment Grade Universum (ICE BofA US Corporate Index) immerhin 60% aller Unternehmen heraus. Betroffen sind dabei unter anderem auch 4 der größten 5 amerikanischen Emittenten im Versorgersektor. Bei den europäischen Unternehmen sind es durch die frühe Abkehr von Kohle deutlich weniger. Die beiden größten europäischen Versorger Enel und Iberdrola zum Beispiel sind beides Vorreiter bei erneuerbaren Energien.

Minority-Owned Banks

Eine Besonderheit in Bezug auf ESG, die es in Europa so nicht gibt, weist die USA auf. Durch die vor allem im letzten Jahr in den USA stärker aufgekommene Rassismus-Debatte gibt es auch im Finanzbereich immer mehr Initiativen für mehr Inklusion und Diversität. So bemühen sich große Investmentbanken seit einiger Zeit Banken und Wertpapierfirmen, die mehrheitlich Minderheiten, Frauen oder Veteranen gehören, einen größeren Anteil am lukrativen Emissionsgeschäft von Anleihen zu überlassen.

Im Zuge dessen gab es in den letzten zwölf Monaten bereits zwei Neuemissionen, die rein von diesen Firmen begleitet wurden. Dies ist durchaus ein Erfolg in einem Markt, der normalerweise von einer Handvoll Großbanken dominiert wird. Auch hier ist der Weg allerdings noch lang, da laut Bloomberg der Anteil erst bei 2-3% liegt.

Erste Responsible Bond Global Impact

Wenn auch Sie in den zunehmenden globalen Markt nachhaltiger Anleihen investieren und damit nachhaltiges Wachstum finanzieren möchten, bietet sich der Erste Responsible Bond Global Impact als interessanter Investmentfonds an.

Dieser Fonds investiert weltweit in Green Bonds, Social Bonds, Sustainability und Sustainability-Linked Bonds, die von Staaten, Supranationalen Organisationen und Unternehmen emittiert werden, und trägt seit Fondsauflage im Jahre 2015 das Österreichische Umweltzeichen.


 

Wichtige rechtliche Hinweise:

 

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

 

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

 

Ist der Reflations-Trade zu Ende?

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Anfang Juni schrieb ich darüber, wie Inflation zum dominierenden Thema für Aktieninvestoren wurde. Kaum einen Monat später scheint sich das Bild deutlich gewandelt zu haben. Inflationserwartungen in den USA und der Eurozone erreichten ihren Höhepunkt im Mai und sind seitdem gesunken. Die Langzeitrenditen fielen deutlicher (vor allem in den USA), was zu einer Verringerung der Realzinsen führte (d.h. Nominalzinsen minus Inflationsrate). Zyklische und Value-Aktien werden verkauft, und defensive Aktien wie Apple, Google, oder Microsoft erzielen neue Rekordstände. Was ist geschehen?

Die 10J-Breakeven-Zinsrate, die die implizite Inflation über diesen Zeitraum misst, begann Mitte Mai zu fallen (Quelle: Bloomberg)

Starkes erstes Halbjahr und Trendumkehr im Mai

Insgesamt konnten die Aktienmärkte in der ersten Jahreshälfte eine hervorragende Performance verzeichnen. Alle größeren US-Indizes stiegen im zweistelligen Prozentpunktebereich; dasselbe galt für MSCI World sowie breit angelegte europäische Indizes wie den Eurostoxx 50 und den Stoxx 600. Es gab mehrere Gründe für diese solide Performance, und die meisten davon sind nach wie vor relevant.

Die Fiskal- und Geldpolitiken sind noch immer sehr locker und garantieren, dass Konsumenten genug Geld für Konsum zur Verfügung haben und billige Kredite bekommen. Im Vorfeld der Sommerferien nahmen die Impfprogramme an Fahrt auf, was nunmehr internationale Reisetätigkeit ermöglicht. Aufgestaute Nachfrage treibt Unternehmensgewinne an, was wiederum immer mehr Unternehmen dazu bringt, ihre Investitionsbudgets zu erhöhen, um Produktion und Effizienz zu steigern.

MSCI World stieg um mehr als 15% (in EUR) in der ersten Jahreshälfte (Quelle: Bloomberg)

Der Prozess der allmählichen Normalisierung war vor allem für zyklische und Value-Aktien sehr vorteilhaft, da die Gewinne dieser Unternehmen schneller auf das verbesserte wirtschaftliche Umfeld reagieren (siehe auch https://blog.de.erste-am.com/wie-steht-es-um-die-globalen-aktienmaerkte/). Bis Juni verbuchten diese Sektoren eine deutliche Outperformance, unterstützt nicht zuletzt von einer Erhöhung der langfristigen Renditen, höheren Inflationserwartungen und einer steileren Renditekurve, welche den Unterschied zwischen langfristigen und kurzfristigen Renditen veranschaulicht. Eine steilere Renditekurve zeugt von stärkeren Wachstumsaussichten.

Allerdings ging die Dominanz der Value-Kategorie Mitte Mai zu Ende, als die Marktteilnehmer begannen, ihre Inflationsvorhersagen nach unten zu revidieren. Für Monate tat die Fed ihr Möglichstes, Anlegern zu versichern, dass die erhöhte Inflation nur vorübergehend wäre, und irgendwann trugen diese Versicherungen Früchte. Obwohl die US CPI-Daten (Konsumentenpreisindex) – welche üblicherweise zur Berechnung der Inflationsrate herangezogen werden – im Mai nochmals anstiegen, sah das der Markt als unproblematisch an, und die Anleiherenditen fielen. Niedrigere Renditen führten zu einer Renaissance von Growth-Aktien, vor allem in den USA. Der technologielastige Nasdaq-Index erzielte neue Allzeithochs, nachdem er sich bis dahin deutlich schwächer als der S&P 500 entwickelt hatte.

Der technologielastige Nasdaq-Index erzielte neue Allzeithochs und begann, den breiten Markt zu überflügeln, während langfristige Renditen fielen (Quelle: Bloomberg)

Das Fed-Sitzung

Zum Zeitpunkt der FOMC (Federal Open Market Committee)-Sitzung im Juni waren die 10J-Renditen in den USA bereits einen Monat lang gefallen, und Growth-Aktien holten zusehends die Performance-Lücke zum Value-Segment auf. Der Tonfall der Fed war überraschend hawkish; die Zentralbank erläuterte, dass die Inflation eventuell höher und nachhaltiger sein könnte als zunächst erwartet. Die politischen Entscheidungsträger erhöhten ihre Inflations- und BIP-Wachstums-Prognosen für 2021 deutlich. Fed-Mitglieder deuteten an, dass sie nun zwei Zinserhöhungen bis 2023 erwarteten, was in deutlichem Gegensatz zur vorherigen Ansicht stand, wonach es bis 2024 zu überhaupt keiner Erhöhung gekommen wäre.

Der Markt benötigte ein paar Tage, um diese Neuigkeiten zu verdauen, doch letztlich schloss er dort an, wo er vor der Fed-Sitzung unterbrochen worden war: langfristige Renditen fielen weiter, zyklische Aktien wurden verkauft, und defensive Growth-Aktien stiegen im Kurs. Um die Reaktion zu verstehen, sollte man sich vor Augen führen, dass Inflation vor nur einem Monat als DIE erstrangige Sorge am Markt gesehen wurde.

Die Anleger waren besorgt, dass die Fed die hohen Inflationsdaten für zu lange ignorieren würde und dass es dann zu spät wäre, die unbeabsichtigte Preissteigerung unter Kontrolle zu bringen. Zwar gab die Fed keinen Alarm, doch zog sie die Zinserhöhungsprognose nach vorne. Dies beruhigte die Marktteilnehmer, da die Zentralbank die Probleme somit nicht ignorierte und für Aktionen bereit war.

US 10J-Renditen fielen deutlich von ihren Höchstständen im Mai (Quelle: Bloomberg)

Wie es oft geschieht, begibt sich der Markt von einem Extrem in andere. Wir begannen mit (Hyper-) Inflationsängsten, doch dann scheint der hawkische Standpunkt der Fed ausreichend gewesen zu sein, um die Annahme zu nähren, dass die politischen Entscheidungsträger Inflation keinesfalls Amok laufen lassen würden und dass die Geldpolitik eher früher als später Straffungen unterzogen würde, was schädlich für das Wirtschaftswachstum wäre und den Konjunkturzyklus verkürzen würde. Das ist es grundsätzlich, was uns der deutliche Rückgang der 10J-Renditen, die Abflachung der Renditekurve und die niedrigeren Inflationserwartungen sagen wollen.

Wachstumsrisiken

Derzeit bestehen drei Hauptrisiken für die Wirtschaft. Das erste ist die oben diskutierte Straffung der Geldpolitik durch die Fed. Ich glaube nicht, dass dieses Risiko eintreten wird. Zwar erhöhte die Fed ihre Inflations- und Wachstumsprognose für heuer und verschob den erwarteten Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung nach vorne (2023), doch sollte dies in Anbetracht der starken Inflationsdaten in letzter Zeit keine große Überraschung darstellen.

Die Zentralbank veränderte auch ihre Prognosen für nach 2021 kaum; und noch wichtiger, sie unterzog die Arbeitsmarktprognosen keinen substantiellen Veränderungen. Die Fed verfolgt ein Doppelmandat, und ihr Vorsitzender, Jay Powell, legt großen Wert auf die Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Daher sollte man von keiner signifikanten Verschärfung der Geldpolitik ausgehen, bevor sich die Beschäftigung wieder auf vorpandemischen Niveaus befindet – wovon sie nach wie vor entfernt ist.

Das zweite Risiko ist die Ausbreitung der Delta-Variante, welche in der Tat ein Tail-Risiko darstellt, sollte das Virus neuerliche Lockdowns in den kommenden Monaten erforderlich machen. Laut den bisher verfügbaren Daten ist das Delta-Virus zwar infektiöser als sein Vorgänger, doch resultiert die Infektion aufgrund der sich ständig verbessernden Impfrate nicht notwendiger Weise in Krankenhauseinweisungen oder gar Tod. Wenn es dabei bleibt, wird sich dieses Risiko vermutlich auch als übertrieben herausstellen.

Beim dritten Risiko geht es um die Wachstumsspitze. Da der von der Pandemie verursachte Schock letztes Jahr sehr stark und sehr rasch verlief, folgte die Erholung einem ähnlichen Muster. Es stimmt zwar, dass die Wachstumsraten des BIP sowie der Unternehmensgewinne von ihrem jetzigen Stand zurückfallen dürften, doch ist zu erwähnen, dass sowohl die Weltwirtschaft als auch Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen in deutlich expansivem Terrain verbleiben sollten (siehe auch https://blog.de.erste-am.com/fallendes-wirtschaftliches-momentum-ist-keine-schlechte-nachricht/).

Ist der Reflations-Trade zu Ende?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit: nein. Wie oben besprochen, scheint der neuliche Rückgang der langfristigen Renditen zu viele Wachstumsrisiken einzubeziehen. Das einzige, was feststeht, ist die Tatsache, dass die BIP- und Unternehmensgewinn-Wachstumsraten ihren Höhepunkt entweder schon erreicht haben oder dies sehr bald tun werden. Das allein bedeutet aber nicht, dass wir nicht in den kommenden Quartalen über dem Trend liegende, solide Wachstumsraten sehen könnten.

Unterstützende Fiskal- und Geldpolitik werden, ebenso wie Impfprogramme und aufgestaute Nachfrage, Haupttreiber sein. Technische Faktoren haben vermutlich beim kürzlich erfolgten Anstieg der Anleihekurse ebenso eine Rolle gespielt (Anm.: wenn Anleihepreise steigen, fallen Renditen), da viele Anleger zu einem Zeitpunkt, als Inflation ihre Hauptsorge war, keine Rentenwerte halten wollten.

Insgesamt erachte ich den Rückgang der Renditen und der Inflationserwartungen als Überreaktion, die sich im Zeitverlauf korrigieren sollte, wenn die Wachstumssorgen abnehmen. Sobald dies eintritt, werden einige Sektoren im Value-Segment, wie z.B. Banken, davon profitieren: langfristige Renditen werden ebenso wie die Realzinsen steigen, und die Renditekurve wird wieder steiler werden. Darüber hinaus werden die Inflationserwartungen vermutlich steigen, wenn die Inflationsdaten weiterhin nach oben überraschen und der Ölpreis erhöht bleibt.

Die US Renditenkurve, die den Unterschied zwischen 10Y- und 2Y-Renditen veranschaulicht, erfuhr auf Basis der Wachstumssorgen eine Abflachung. Eine steiler werdende Kurve korreliert positiv mit zyklischen und Value-Aktien, während eine verflachende Kurve geringere Wachstumserwartungen impliziert (Quelle: Bloomberg)

Auf 12M-Basis würde ich sogar behaupten, dass sich nach der kürzlich erfolgten Korrektur der zyklischen Aktien und der Niedrigstände einiger treibender Marktfaktoren (z.B. von langfristigen Renditen, Realzinsen, Inflationserwartungen und der Steigung der Renditekurve) das Aufwärtspotenzial dieser Aktien sogar verbessert hat. Die große Frage, was die nähere Zukunft anbelangt, ist jene des Timings: zu welchem Zeitpunkt werden solide Wirtschaftsdaten und hohe Inflationsniveaus wieder zu höheren langfristigen Renditen führen?

Auf kurze Sicht ist davon auszugehen, dass der Markt solcherlei Daten ignorieren wird, wie er dies auch seit Mitte Mai mit dem Argument getan hat, dass die Inflation vorübergehen wird, die Fed bei Bedarf eingreifen wird und zahlreiche Wachstumsrisiken am Horizont bestehen. Bis das der Fall ist, werden sich die meisten Investoren für eine unsichere Umgebung mit geringem Wachstum positionieren, was zu Andrang bei defensiven Aktien wie z.B. im US Technologiesektor, im Gesundheitssektor oder bei sicheren Staatsanleihen führen wird.

Die guten Nachrichten bis dato sind, dass der Kursrückgang bei zyklischen Aktien von Allzeithochs bei defensiven Aktien begleitet wurde. Wir sehen zwar heftige Bewegungen unter der Oberfläche in den einzelnen Sektoren, aber breite Indizes wie der S&P 500, der Nasdaq-Index oder der European Stoxx 600 werden bei neuen Höchstständen gehandelt. Ein ausgewogenes Portfolio ist nach wie vor empfohlen, mit taktischem Übergewicht bei defensiven Growth-Aktien aber erhöhtem Potenzial bei Value-Aktien auf längere Sicht.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Pfad der Zinserhöhungen flacht merklich ab

der aktuelle Marktkommentar des PGIM Fixed Income-Teams.

Die abgeschlossene Rahmenüberprüfung der Europäischen Zentralbank ist zwar noch unvollständig, stellt aber eine bedeutende Veränderung in der Umsetzung der Geldpolitik dar. Im Gegensatz zur Umstellung der Federal Reserve auf ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel wechselt das Inflationsziel der EZB von „unter, aber nahe 2%“ zu einem symmetrischen Ziel, das „mittelfristig 2% Inflation anstrebt.“ Die Symmetrie bezieht sich auf die Ansicht, dass positive und negative Abweichungen vom Ziel unerwünscht sind, und verleiht daher die Möglichkeit, die Inflation über und unter dem Ziel zu korrigieren. Die EZB betonte auch die Asymmetrie der Geldpolitik an der unteren Nullgrenze, die ihre Bereitschaft signalisiert, ein Überschießen der Inflation zu tolerieren, aber nicht anzustreben. Die neue Strategie wird bei der geldpolitischen Sitzung am kommenden Donnerstag zur Anwendung kommen.

Wir denken, dass der neue Strategierahmen als Auftakt zu einer insgesamt akkommodierenden Politik dient und dass energische oder anhaltende geldpolitische Maßnahmen erforderlich sind, um eine Verfestigung der Inflationserwartungen nach unten zu vermeiden. Das neue Rahmenwerk signalisiert auch, dass eine schrittweise Lockerung durch Ankäufe von Vermögenswerten, ergänzt durch Forward Guidance, erfolgen wird, anstatt durch weitere Zinssenkungen in den negativen Bereich. Nach der Überprüfung der Strategie muss die EZB nun die Glaubwürdigkeit des geldpolitischen Kurses durch neue Maßnahmen untermauern. Wir gehen davon aus, dass das nicht pandemiebedingte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) mindestens verdoppelt wird - möglicherweise in den Bereich von 70 Mrd. € bis 80 Mrd. € pro Monat -, nachdem die während der Pandemie initiierten Anleihekäufe (PEPP) zurückgefahren wurden.

Wir halten es für möglich, dass das globale BIP im 2. Quartal niedriger ausfallen wird als ursprünglich erwartet, da der Ausblick für Japan, die USA und Kanada etwas schwächer ausfällt. Die Revisionen erinnern die Anleger daran, dass die Delta-Variante eine anhaltende Herausforderung für die derzeitige schnelle wirtschaftliche Erholung darstellt. Höherfrequente PMI-Daten weisen ähnliche Trends auf, wobei der positivste Indikator der Anstieg der Dienstleistungs-PMIs im Euroraum ist. Unterdessen unterstreicht die Senkung des Mindestreservesatzes durch die chinesische Zentralbank die Besorgnis der politischen Entscheidungsträger über das nachlassende Wirtschaftswachstum und die Bereitschaft der Behörden, den Straffungszyklus umzukehren, um die Wachstumsverlangsamung aufzuhalten.

In den USA beobachten wir, dass der Preisdruck im Gütersektor seinen Höhepunkt erreicht bzw. fast erreicht hat. So sind zum Beispiel die Großhandelspreise für Gebrauchtwagen in letzter Zeit gesunken, ebenso wie die Rohstoffpreise für Nicht-Brennstoffe, die Auftragsbestände der Hersteller und die Lieferzeiten der Zulieferer. Die Versandkosten sind möglicherweise im Begriff, ein Plateau zu erreichen, oder könnten im Laufe des Sommers ein Plateau erreichen. Dennoch räumen wir ein, dass mit der Erholung des Dienstleistungssektors ein Preisdruck entstehen könnte.

Der Markt hat seine Erwartungen für einen steilen Zinserhöhungszyklus durch die Fed deutlich zurückgenommen, wenn man die Markterwartungen für die Höhe des Leitzinses bei Erreichen der Vollbeschäftigung in der US-Wirtschaft betrachtet. Die sogenannte Terminal Rate ist seit Beginn des zweiten Quartals um fast 80 Basispunkte auf rund 1,2% gesunken, verglichen mit über 2% Ende März. Bemerkenswert ist, dass der Markt den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung immer noch auf April 2023 festlegt, obwohl sich der Pfad der Zinserhöhungen drastisch abgeflacht hat.

Der grüne Wandel der Europäischen Union: Von Worten zu Taten?

von Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager, und Isabelle Juillard Thompsen, Co-Portfoliomnagerin des Future Waves Funds bei DNB Asset Management.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts, am 12. Dezember 2019, hat die EU ihre grüne Vision und Wachstumsstrategie vorgestellt. Das Klimaziel von null Emissionen bis 2050 ist nun gesetzlich verankert, und die EU strebt eine Senkung um 55 % bis 2030 an. Ist das möglich? Wie kommen wir dorthin? Ist es nur politische Rhetorik? Auf einige dieser Fragen werden wir bald Antworten bekommen.

Heute, am 14. Juli stellt die Europäische Kommission ein Maßnahmenpaket “Fit for 55" vor, das mehrere Gesetzesentwürfe und Änderungsanträge enthält, die darauf abzielen, die Emissionen bis zum Jahr 2030 um 55 % zu senken. Die Details sind noch unklar, aber das Paket enthält Prioritäten zu mindestens vier Schlüsselthemen.

Roll-out von Projekten für erneuerbare Energien, um den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 38-40% des Bruttoenergieverbrauchs zu erhöhen. Die Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie wird der wichtigste legislative Mechanismus sein, wobei mehrere politische Maßnahmen in Betracht gezogen werden, darunter die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden, die Erhöhung der Ziele für CO2-armen Verkehr (von 14 % auf 2 6%) und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Offshore-Energie (z.B. Wind).

Erhöhung der CO2-Steuern für kohlenstoffintensive Sektoren durch Überarbeitung des EU-Quotensystems, Änderungen in der Energiebesteuerungsrichtlinie und die Anpassung der EU-Kohlenstoffgrenzwerte für Aluminium, Zement, elektrische Energie, Düngemittel und Stahl. Die Dekarbonisierung des See- und Luftfahrtsektors durch Biokraftstoffe, CO2-Steuern (EU-ETS und Kraftstoffsteuern) und Anreize für nachhaltige alternative Kraftstoffe. Wir gehen davon aus, dass die Dekarbonisierung dieser Sektoren aufgrund der fehlenden Infrastruktur, der hohen Kosten und der derzeit geringen Verfügbarkeit nachhaltiger Alternativen erst längerfristig erfolgen wird.

Energieeffizienz durch Renovierung bestehender Gebäude, auch wenn das Ausmaß noch unbekannt ist. Ein höheres Energiesparziel von 36-39 % (vs. 32,5 %) ist notwendig, um das Klimaziel für 2030 erreichbar zu machen. Die EU ist derzeit nicht auf dem Weg, das bisherige Ziel zu erreichen. Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, wird die Sanierung ein wichtiges Instrument sein, und es werden erhebliche Investitionen erforderlich sein.

Die zu erwartenden Änderungen in der EU-Verordnung werden zu strukturellen Veränderungen in vielen Branchen führen und attraktive Investitionsmöglichkeiten schaffen. Mehrere Unternehmen sind unserer Ansicht nach gut positioniert, um vom grünen Wandel zu profitieren, da sie in den Bereichen erneuerbare Energien (Vestas, Siemens Gamesa, NKT, Cadler, OHT, IWS), grüne Mobilität (Aptiv, Nvidia), Renovierung (Sika, Schneider Electric), nachhaltige Brennstoffe (Wartsila, Plugpower, Bloom), Infrastruktur (Rexel, Eaton, Quanta, Landis) und grüne Mineralien (Boliden, Ivanhoe) engagiert sind.

Für einige geht es beim Übergang zu einer grüneren Wirtschaft um Verbote und Boykotte. Die Strategie des DNB Future Waves hat beim grünen Wandel das Ziel, Einfluss zu nehmen und Seite an Seite mit den Unternehmen zu investieren, die einen Übergang zu einer emissionsarmen Gesellschaft schaffen. Wir behaupten weder, dass es einfach ist, noch, dass wir nicht falsch liegen können. Wir sagen nur, dass wir es versuchen müssen.

Rentenmärkte: Rendite-Aufwärtstrend vorerst gestoppt

Der bis inklusive April zu beobachtende Renditeanstieg auf den weltweiten Rentenmärkten ist seither in eine Seitwärts-Konsolidierung übergegangen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Im Juni kamen die Anleiherenditen in Summe kaum noch vom Fleck – die Monatsbewegungen auf den großen internationalen Anleihenmärkten reichten von leichten Renditerückgängen (z. B. USA) bis zu Seitwärtsbewegungen (z. B. Deutschland). Und das trotz nach oben schießender Inflationsveröffentlichungen, denn die gepreisten Inflationserwartungen waren im Vorfeld schon stark gestiegen.

Bei der Performance seit Jahresbeginn haben unverändert High-Yield-Unternehmensanleihen die Nase vorn – sie profitieren ähnlich wie Aktien von der starken Verbesserung bei Unternehmen und Konjunktur. Am anderen Ende der Skala sind Staatsanleihen die Performance-Schlusslichter: Die seit Jahresbeginn deutlich gestiegenen Marktrenditen sorgten hier für Kursrückgänge, auch wenn es im Juni eine kleine Gegenbewegung gab.

Im Juni kam die auffälligste Bewegung im Anleihesegment von der starken Erholung des US-Dollars. Das sorgte auf Euro-Basis bei allen US-Dollar-Anleihen für eine beeindruckende Monatsperformance.

Geld-/Kapitalmarkt: Inflationsanstieg im Juni lässt Märkte kalt

Die Beschleunigung der globalen Konjunktur hat eine Schattenseite: Inflation. Mit der rasanten Preiserholung bei praktisch allen Rohstoffpreisen (auf zum Teil Mehrjahreshochs) liegen diese Preise weit über dem Krisenniveau des Vorjahres. Zusammen mit einigen Produktionsengpässen und einer kurzfristig übersteigerten Nachfrage führte das im Juni zu teilweise spektakulären Inflationszahlen: von 3 % p.a. in Österreich bis 5 (!) % in den USA.

Allerdings betonen die Notenbanken weiterhin, dass sie diesen Anstieg als vorübergehend erachten: Rohstoffpreise werden auf die nächsten zwölf Monate kaum neuerlich so stark ansteigen, Produktion und Nachfrage bis 2022 wieder in Balance kommen. Auf die Zins- und Anleihenmärkte hatten die Inflationszahlen kaum Auswirkungen, denn die gepreisten Inflationserwartungen (und Anleiherenditen) waren schon in den Vormonaten steil angestiegen.

Verschreckter reagierten die Kapitalmärkte auf die Prognose der US-Notenbank, die für 2023 erste Leitzinsanhebungen in Aussicht stellte. Zuerst aber müssen die Notenbanken eine schrittweise Reduktion ihrer Anleihenkäufe ankündigen: Für die US-Notenbank wird eine solche Ankündigung bis Herbst erwartet; für die EZB bis Jahresende.

Staats- und Unternehmensanleihen: Ausblick bleibt schwierig

Positiv ist festzuhalten, dass die Anleihenmärkte die hohen Inflationszahlen im Juni gut weggesteckt haben. Außerdem wird inzwischen eine absehbare Reduktion („Tapering“) der Anleihenkäufe (sowohl der EZB als auch der US-Notenbank) bereits allgemein erwartet, sollte also zunehmend eingepreist sein. Trotzdem dürfte sich das Umfeld für Anleihen in den nächsten Quartalen weiter verschlechtern und Anleiherenditen entsprechend noch weiter nach oben, Anleihekurse nach unten wandern.

Denn eine Reduktion der Anleihenkäufe (in den USA um die Jahreswende erwartet) dürfte dem Markt zunehmend Unterstützung entziehen (vor allem, falls die EZB 2022 dem Beispiel folgen sollte). Anhaltend hohes Wirtschaftswachstum und damit (zumindest in den USA) auch steigende Leitzinserwartungen dürften Anleiherenditen weiter nach oben drücken, selbst wenn die aktuelle Verschnaufpause am Anleihenmarkt über den Sommer vielleicht noch andauert. In einem solchen Umfeld sollten Unternehmensanleihen weiterhin klar outperformen – hier konzentriert sich weiterhin unsere größte Anleihen-Übergewichtung. Ebenfalls einen interessanten Renditeaufschlag gibt es bei Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern – auch für dieses Segment sind wir optimistischer als für klassische Staatsanleihen der Industrieländer.

Emerging Markets: Unternehmensgewinne holen auf

Auf der Anleihenseite werden Lokalwährungsanleihen in den EM einmal mehr von der Währungsseite dominiert: Mehrere große Länder wie Brasilien und Russland verzeichneten im Juni eine starke Aufwertung, die sich aber auch rasch wieder umkehren könnte. Wir bewerten den Ertrag-Risiko-Aspekt von EM-Hartwährungsanleihen als deutlich attraktiver und setzen mit einer Übergewichtung auf dieses Segment.

Big Big Data

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager der Erste AM.

Ein Weinbauer, der seine Lagen mit der Drohne überfliegt, um den Überblick über seine Trauben zu behalten, ist das schon Big Data? Das Internet, lenkt es uns nur ab, oder ist es bares Geld wert? Suchen wir uns Streaming-Serien selbst aus, oder konsumieren wir, was vorgeschlagen wird.

Ein großes Beispiel am Anfang

Bereits kurz nach dem Beginn der Covid-Pandemie standen Daten zur Ausbreitung des Virus und zum Infektionsgeschehen in einem überraschenden Ausmaß zur Verfügung. Praktisch für jedes Land der Welt wurden taggenau die Zahl der positiv Getesteten, der Reproduktionsfaktor, etc., bereitgestellt.

Wir als Erste Asset Management haben bald begonnen, das Material grafisch aufzubereiten und unseren Kunden als Newsletter weiterzuleiten. Zusätzlich flossen die Zahlen in unsere Investitionsentscheidungen ein, da die unterschiedlichen Phasen, in denen sich die Länder befanden, auf das Wirtschaftsgeschehen und auf die Börsen Auswirkungen zeigten.

Zugleich wurde in den sozialen Medien aber kontroversiell diskutiert, ob die existierenden Daten den Behörden eine wirklich verlässliche Grundlage für die Steuerung der Maßnahmen (Lockdowns, Gesichtsmasken, etc.) liefern können.

Damit ist die Pandemie ein Beispiel für unterschiedliche Aspekte von Big Data: Die Verfügbarkeit großer Datenmengen und das Bemühen, sie sinnstiftend aufzubereiten; aber auch das Risiko zum anderen, dass die Datengüte nicht jede erwünschte Auswertung zulässt.

Auf der Habenseite findet sich weiters die enorme Zahl der bereits weltweit geimpften Personen, durch welche die Aussagekraft zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfstoffe stetig aussagekräftiger wird.

Big Data im Alltag

Medizinische Forschung und Gesundheitsvorsorge – die Medizin ist eines der naheliegendsten Anwendungsfälle für Big Data. Von der computerisierten Auswertung von Forschungsergebnissen und Studien, um Zusammenhänge zu erkennen, die andernfalls nicht zu Tage getreten wären, bis zur automatisierten Auswertung von bildgebenden Befunden, die nachfolgend von menschlichen Medizinern überprüft werden, aber in diese Zahl und dieser Detailgenauigkeit nicht erst machbar gewesen wären.

Besser schlafen und aufwachen – sogenannte „Schlaftracker“ können es ermöglichen, den richtigen Zeitpunkt zum Einschlafen, die Schlafdauer und fürs Aufwachen zu finden. Wie wir wissen geht abends nur gelegentlich ein verlässlicher Zug ins Träumeland, etwa alle 60-90 Minuten, und da möchten wir einsteigen.

Fitness und Wohlbefinden – eine Fitness-App, ein Schrittzähler, ein Kalorienzähler, das Mitverfolgen und Teilen von Laufstrecken und Radtouren in sozialen Medien ist heute normal. Zugleich führt Big Data hier mitunter zu verblüffenden Ergebnissen, denn natürlich sind diese Daten nicht wirklich privat: Das Tōhoku-Erdbeben in Japan 2011 hat sich frühzeitig und klar in den plötzlich unterbrochenen Schlafdaten der Bevölkerung gezeigt. Und, kürzlich hat ein Fitnesstracker einen Mörder überführt, indem die gespeicherten Bewegungsprofile des Opfers und eines vermeintlichen Opfers, das sich später als Täter herausgestellt hat, nicht den ursprünglichen Angaben entsprochen haben. (Quelle: Futurezone).

Sendungsverfolgung – auch wenn der perfekte Zeitpunkt für die Lieferung eines Paketes genau dann, wenn wir zuhause und nicht abgelenkt sind, noch nicht entdeckt scheint, so es ist doch hilfreich, den Verlauf der Lieferung online mitverfolgen zu können.

Wetter- und Stauprognose – die Vorhersage des Wetters, die für uns alle wichtig ist, und die Warnung vor Staus wächst in ihrer Verlässlichkeit mit dem Umfang der in die Prognose einfließenden Daten. Die Qualität der Wetterprognose und die beste Route ans Ziel spielen nicht nur für den erholsamen Urlaub eine Rolle, sondern sind auch entscheidend für die Landwirtschaft, bis hin zur Vermeidung von Hungersnöten, oder für den Weg, den Hurrikans nehmen. Dat hat damit eine enorme Bedeutung.

Erfolgreiches Online-Shopping – wir ächzen unter den in unseren Internet-Browsern geschalteten Anzeigen und wundern uns, wieso wir so verblüffend einschätzbar wirken (die Antwort darauf lautet: Big Data!). Andererseits könnte es doch sein, dass die Vorteile überwiegen: Wir profitieren von Preisvergleichen, dem einfachen Zugang zu allem und davon, dass wir auf besondere Angebote überhaupt erst aufmerksam werden.

McKinsey hat das in einer globalen Studie versucht zu beantworten: Der finanzielle Nutzen scheint deutlich zu überwiegen. Nämlich sind die Kosten für das Bewegen im Internet vergleichsweise gering (der Vertrag mit einem Datenprovider, gelegentliche Bezahldienste, die man eingegangen ist), der Nutzen durch den „großen Überblick“ bringt uns aber erheblich mehr ein. Vergleichen kann man im Internet schließlich alles im Rahmen einer globalen „Schnäppchenjagd“ – Stromanbieter, Flüge, Hotels, Autos,… Der Ertrag, den das Internet (auch) für die Konsumenten abwirft, wird in der Studie mit ca. 100 Milliarden Euro pro Jahr festgemacht. (Quelle: McKinsey)

Über 80% der Serien, die wir streamen, gehen auf die Vorschläge zurück, die der Anbieter aufgrund unseres bisherigen Streaming-Verhaltens zusammenstellt, und die wir gerne annehmen, weil sie bestens passen. Man kennt uns schließlich schon! (Quelle: Mentionlytics)

Schutz für die Kreditkarte – Kreditkartenzahlen sind eine weitere, eigentlich „aufgelegte“ Anwendung für Big Data. Kreditkartenfirmen scannen die hunderte Millionen Zahlungen, die täglich passieren, automatisiert nach bestimmten Kriterien. Nicht um uns zu überwachen, sondern um Auffälligkeiten herauszufiltern. Beispiele sind unplausible Zahlungen, die der Karteninhaber eigenlich nicht getätigt haben kann oder gewollt hat, oder Zahlungen in minimaler Höhe, die aber gleichzeitig vielfach auftreten, und so verdächtig werden. Auf diese Weise ist die Kriminalität durch Kreditkartenbetrug zurückgegangen.

Bürgerdienste – das sogenannte „e-Government“ ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich weit entwickelt. Im besten Fall fällt für die meisten Behördenwege die Präsenzanforderung weg, und man kann anstelle dessen online die erforderlichen Daten zur Verfügung stellen, und diese Dinge von zuhause erledigen.

Big Data für die Wirtschaft

„Nowcasting“ ist das Stichwort, das „Forecasting“ ablösen soll. Wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch sind Prognosen von größter Bedeutung. Dabei wird aber stets dazugesagt, dass in Vorhersagen nur die bereits bekannten Daten einfließen, die durchaus eine Frist zurückliegen können, aber frische, unerwartete Entwicklungen die Prognose einschränken oder sogar wertlos machen können. Nowcasting ist der Prozeß, alle verfügbaren Daten in Echtzeit und unterbrechungsfrei in das Modell einfließen zu lassen. So sollen beispielsweise im Fall von wirtschaftlichen Krisen die staatlichen Eingriffe punktgenauer und belastbarer werden, und weniger unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Natürlich bleibt es wichtig, wie die Daten in ihrer Bedeutung priorisiert werden – hier ist Erfahrung und Fachkenntnis gefragt.

Ein Beispiel ist das „MIT Billion Prices Project“ von US-Universitäten, das eine Vielzahl von online-Einzelhändlern anzapft und vernetzt, um Echtzeit-Daten zur Inflation zu gewinnen. Inflation ist eine Maßzahl, die sehr wichtig ist (für die Steuerung der Zinsen durch die Notenbanken), aber bis zu einem gewissen Grad vergangenheitsbezogen bleibt. In ihrer Höhe wird die Inflation sogar immer wieder kontroversiell diskutiert – nämlich, ob sie die tatsächliche Preisentwicklung unterschätzt.

Interessant sind beispielsweise das „Spending Pulse“-Projekt von Mastercard für einen Echtzeit-Überblick über den Einzelhandel, und natürlich „Google Trends“, deren Auswertung heute fast Alltag geworden ist. Wenn eine Präsentation vorbereitet wird, darf eine Folie zu einem Google Trend eigenlich gar nicht fehlen!

„Nowcasting“ bedeutet „predict the present” – also, salopp formuliert, sofort zu wissen, was läuft.

Datenanalyse ist ein eigenes Berufsbild geworden, für das händeringend Leute gesucht, und sehr gut bezahlt werden. Erforderlich sind nicht nur Datenbank- und allgemeine IT-Kenntnisse, sondern Kreativität darin, ein fast unbegrenztes Datenvolumen auf innovative Weise auszuwerten, und Zusammenhänge zu erkennen, die bisher niemand aufgefallen sind.

Das Chartered Financial Analyst (CFA) Programm, als eines der renommiertesten Ausbildungsprogramme für Finanzanalysten, enthält seit einigen Jahren ein eigenes Modul für Big Data und Datenauswertung auf Basis von künstlicher Intelligenz.

Dass Daten als „Neue Anlageklasse“ bezeichnet werden, kommt dann nicht mehr überraschend.

Unbeabsichtigte und unerwünschte Folgen von Big Data

Gesichtserkennung ist ein Phänomen, das mit Vorteilen und Nachteilen gleichermaßen kommt, und Anklänge an „Big Brother“ weckt. Letztlich wollen wir nicht, dass immer bekannt ist, wo wir gerade sind, für eine Stelle, die Mittel und Technologie besitzt, um das auszuwerten. So wie auch Autokennzeichen fast lückenlos lokalisiert werden können. Ein flächendeckender Einsatz der Gesichtserkennung möge ein zu hoher Preis für gelegentliche Fahndungserfolge sein, auch im Zusammenhang mit einer nicht vermeidbaren Fehlerquote dieser Programme. Die Technologie ist bekannt und einsetzbar, geht also nicht mehr weg – hier sollte es Aufgabe einer demokratischen Gesellschaft sein, das Ausmaß festzulegen und Missbrauch zu verhindern.

Der Wahlerfolg von Donald Trump 2016 bei der US-Präsidentenwahl hat die Aufmerksamkeit noch stärker auf „Social Profiling“ gelenkt: Die Möglichkeit, aufgrund des persönlichen online-Auftretens und des Verhaltens in sozialen Medien überraschend zielsichere Rückschlüsse nicht nur auf das Konsumverhalten, sondern das Wählerverhalten gewinnen zu können. 

So kann Wahlwerbung und das gezielte Ansprechen von Personen, das aus Kostengründen immer nur für eine Teil der Wahlbevölkerung möglich ist, viel ertragreicher eingesetzt werden. So könnten demokratische Entscheidungsprozesse davon beeinflusst und entschieden werden, wer die bessere Technologie besitzt, und sie massiver einsetzt.

„CEO Fraud“ ist eine Vorgehensweise von Kriminellen, aus der für Firmen in Einzelfällen bereits hohe Schäden entstanden sind. Dabei enthalt die Finanzabteilung die dringliche Anweisung ihrer vermeintlichen Leiterin oder des Leiters, eine Überweisung zu tätigen. Das kann über Email eingeleitet werden, oder sogar über eine Sprachnachricht. Es ist vorgekommen, dass Investoren-Calls von Firmen aufgezeichnet, und die Stimme der CEOs neu geschnitten und missbraucht werden. (Quelle: BBC)

Der „Echo Chamber Effect“ beschreibt den Effekt, dass sich eine in ihren Meinungen homogene Gruppe zusammenfindet und vernetzt, und nachfolgend den Eindruck gewinnt, dass sie wieder auf Gleichgesinnte stößt, von denen ihre Meinungen wie ein Echo reflektiert und verstärkt werden. Dieser Effekt ist zwar ein allgemeines Phänomen einer vernetzten Gesellschaft, sollte aber beim Einsatz und der Analyse von Big Data berücksichtig werden. Ebenso kann es sein, dass zwei vermeintlich unabhängige Datensätze, die zur wechselweisen Bestätigung herangezogen werden, tatsächlich voneinander abhängig sind und auf eine gemeinsame Ursache zurückgehen.

Fazit

Big Data und ihre Nutzung bietet der menschlichen Erfindungsgabe eine reichhaltige Spielwiese, wodurch im besten Fall für alle Beteiligten Vorteile entstehen, ob diese nun ökonomischer Natur sind oder unsere persönliche „work-life-balance“ verbessern.

Nicht übersehen werden dürfen unbeabsichtigte Konsequenzen, durch die gesellschaftliche Gruppen Nachteile erfahren können, oder ein unreflektiertes verhängnisvolles Vertrauen auf Resultate, die sich aus der Auswertung von Daten ergeben, so „big“ diese auch sein mögen. Selbst wenn Big Data allgegenwärtig scheint, hat man es zu einem guten Teil selbst in der Hand, welche Daten man teilen möchte und welche nicht.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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„Das makroökonomische Projektionsmodell von Qontigo als Schutz vor Inflationsgefahren“

Beim 186. Hedgework am 6. Juli 2021 stellte Melissa Brown, Managing Director von Qontigo, das makroökonomische Projektionsmodell von Qontigo vor, das die Möglichkeit bietet, die Exposition eines Index oder eines Portfolios gegenüber makroökonomischen Faktoren zu identifizieren.

Wait a second… Is that style or economic impact? And what does it mean for performance?

The recent release of the Axioma Macroeconomic Projection Equity Factor Risk Model (henceforth “macro model”) highlights the risk and return impact of economic variables on equity strategies. Quantitatively driven portfolios are usually constructed (and invested in) without considering the potential impact of big moves in economic variables. We are now experiencing higher term spreads and break-even inflation forecasts, which the Applied Research team has chronicled in several blog posts1, so the question is quite timely. In fact, as we demonstrate here, the impact of economic variables is relevant more often, and across a broader range of investment strategies, than one might think.

In a recent post focused on equity indices, Inflation. Commodities. Term Spreads: New Macro Model Highlights Their Return Contribution, we used the Macro Model to examine the impact of certain economic and style-factor variables on returns to the STOXX Global 1800 Ax Low Risk index in January and February 2021. In this post we extend the analysis back in time and across three more indices. We revisit the STOXX Global 1800 Ax Low Risk, and add the corresponding Value, Momentum and Quality indices, all compared with the STOXX Global 1800 index. We then analyze the active risk and return contributions starting in 2012.

We show that macroeconomic factors have a far bigger average impact on the risk of the Low Risk and Value indices as compared with Momentum and Quality. The contribution to risk varies over time, and can occasionally be quite high even for the Momentum and Quality indices. And when the economic variables in the model change, as they did in 2020 and again this year, the impact on return can be substantial.

Figure 1 details the aggregate active risk contribution (as a percent of the total active variance) to total factor risk of the macro variables2, residual contributions of the style, industry and country exposures, and those of currency exposures. Contributions are calculated with the factors’ covariances distributed3. Remember that the model starts with the standard fundamental factors (style, industry and country) in our medium-horizon Worldwide model (WW4) and projects them onto the macro factors. The residual returns of the fundamental factors, along with the macro factor returns, are used in the risk calculation.

Figure 2 details the average contributions over the period from January 2012 through February 2021, and the month and year when each factor block reached its maximum value.

Is it style or is it the economy?

All the sample indices tilt on one or more style factors, but the factors can be correlated with those coming from the macro model—hence what is classified as style risk using a standard model may actually fall into the macro-risk category4.

Eyeballing the sand charts, and confirming with the data in the table, we see that over time, macro factors accounted for much more of the risk of the Low Risk and Value indices than they did for Momentum and Quality. In turn, factor risk in aggregate was much higher for Low Risk and Value than it was for Momentum and Quality. But it is also clear that macro risk periodically plays an important role. In the Quality index, macro risk accounted for 25% of the total active risk in November 2020, and it contributed 47% and 42%, respectively, for Value and Momentum as the market tanked in March 2020. Macro risk is clearly an important data point for all types of portfolios.

Figure 1. Contribution to Factor Risk

Figure 2. Risk Statistics, 2012 – February 2021

If it contributes to risk, it will contribute to return…

Now we turn to the impact of macro and other factor blocks on return. Figure 3 shows the year-by-year breakdown of factor block contribution to active return, with the actual active return above (for positive) or below (for negative) the bar for that year5.

Of course, we would expect to see factors with a bigger contribution to risk account for a higher proportion of return. To be sure, that is the case for the Low Risk index. For most years, macro and style factors were the biggest contributors to the overall active return, often with one the highest and the other the lowest. Using a standard risk model may ignore this macro impact, as the returns might be put in the industry, country or (most likely) style bucket, and the relationship between the portfolio’s holdings and the macro economy may be lost. Macro factors also contributed significantly to Value’s active returns; in most years, the magnitude of macro contributions was higher than that of most other factors. As for the Low Risk index, this is to be expected, as (along with style factors) they accounted for a high proportion of the risk.

The impact of the macro factor exposures on Momentum was smaller than it was for Low Risk and Value. Still, it was often significant, with a contribution more than 1% or less than -1% in six of the nine full years of the study. With the macro upheaval in the first two months of this year, macro factors led to a 2% drag, almost completely offsetting the positive impact of the index’s Value exposure.

Finally, Quality, for which macro exposure increased substantially starting in 2020, saw an extremely large negative impact (-6.7% contribution) from those exposures in 2020, and another -2.2% impact so far in 2021. Macro factors were the major source of the index’s underperformance this year.

Figure 3. Annual Active Return Contribution by Factor Block

Conclusion

Many portfolios, especially those that are quantitatively driven, do not take the macroeconomy into account when constructed. While the standard model and the macro model will produce the same portfolio (remember, the risk is the same, it is just its breakdown that differs), the manager or asset owner may want more insight into the sources of those returns. Even when the average macro exposure is small, there are periods when those exposures can have a large impact on risk and performance. Often what we think of as factor contribution—for example, from the Leverage style factor, which has a negative exposure in the Quality portfolio—is actually tied to what is happening in the economy, such as the impact of falling rates in early 2020, which likely helped the return of Leverage and therefore hurt Quality owing to the negative bet.

The macro model could be used in portfolio construction (say, to minimize exposure to certain economic variables, such as falling rates). But even absent that, use of it can be critical in determining why a portfolio fared the way it did—and, in the process, shed light on the previously unconsidered economic impact, especially to the style factors on which the portfolio tilts.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

1) See for example, “When ‘good’ inflation becomes ‘bad’ inflation – 2018 reloaded”, “Anxious about rising yields and inflation? Here’s why (perhaps) you should be…” and “Inflation. Commodities. Term Spreads: New Macro Model Highlights Their Return Contribution” among others.
2) We do not break out the individual variables in this short post, but please contact your Qontigo representative for more detail.
3) Where they do not add to 100 it is because one or more factor blocks, usually Currency, is negatively correlated with the others and therefore provides a diversification benefit.
4) The same may be true for industries and countries, but they tend to account for a much smaller portion of the risk for these indices.
5) We show the year-by-year data because summary data for the full period obscures the occasional large contribution in a single period that might be offset by a contribution in the opposite direction in the next.

Melissa Brown, CFA, is a managing director at Qontigo. As Head of Applied Research, Melissa Brown generates unique insights into risk trends by consolidating and analyzing the vast amount of market and portfolio risk data managed by Axioma (now part of Qontigo).
Melissa's perspectives help both clients and prospects better understand and adapt to the ever-changing risk environment. As the author of "Qontigo Insight: Quarterly Risk Review," Melissa reports on the state of risk in publicly traded equity markets around the globe. She also regularly produces special reports on a wide range of topics of interest to investors and asset owners, is a frequent speaker on market risk, and is frequently quoted by the financial media. Melissa is a chartered financial analyst. She holds a BS in Economics from the Wharton School of the University of Pennsylvania and an MBA in Finance from New York University.

Beflügelt der Bevölkerungsboom den Gesundheitsmarkt? Emerging Markets stehen im Fokus der Entwicklung

von Andreas Scharf, Investment Analyst Healthcare, apoAsset.

Am 11. Juli ist der Weltbevölkerungs-Tag. Mit etwa 2,6 Menschen pro Sekunde oder 80 Millionen pro Jahr wächst die Weltbevölkerung unaufhaltsam dynamisch. Das starke Bevölkerungswachstum hat Auswirkungen auf Krankheitsentwicklungen – ganz besonders in den Emerging Markets. Dort werden dadurch gleichzeitig Innovationen vorangetrieben.

Die Weltbevölkerung wird nach Schätzungen der UN bis etwa 2060 zehn Milliarden übertreffen. Dies ist ein Anstieg um über 150 % gegenüber den vier Milliarden von 1980. Anders als in entwickelten Ländern, in denen die Bevölkerung sogar schrumpft und altert, wachsen die Emerging Markets besonders schnell. Der Blick auf die Emerging Markets und die Auswirkung des demographischen Wandels auf den Gesundheitsmarkt ist daher unabdingbar.

Der epidemiologische Wandel setzt sich fort

Der Bevölkerungsboom hat die Verteilungen und Häufigkeiten von Krankheiten bereits maßgeblich beeinflusst und werden diese immer weiter in Richtung der Emerging Markets verschieben. Dieser epidemiologische Wandel hat bedeutenden Einfluss auf die weltweiten Gesundheitsmärkte und stellt die lokalen Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen.

Der Diabetes mellitus ist ein gutes Beispiel für diesen Wandel. Prognosen der internationalen Diabetes Föderation zeigen, dass bis 2045 der weltweite Anteil aller Diabetes-Patienten aus Entwicklungsländern von zwei Drittel auf über drei Viertel ansteigen könnte. Dieser Trend wird vor allem vom Mittleren Osten/Nordafrika und von Südostasien getragen. Neun der zehn Länder mit den meisten Diabetes-Patienten werden 2045 aus den Emerging Markets kommen.

Ein ähnliches Beispiel liefert die Adipositas in Mexiko, wo laut OECD mit drei Viertel der Bevölkerung so viele Menschen übergewichtig sind wie in keinem anderen Land. Vor allem die Rate übergewichtiger Kinder ist in Mexiko besorgniserregend hoch, trotz vieler politischer Gegenmaßnahmen wie beispielsweise der 2014 eingeführten Süßgetränkesteuer. Die daraus resultierende Belastung für das mexikanische Gesundheitssystem liegt jährlich zwischen 4,3 und 5,4 Milliarden US-Dollar.

Neue Krankheiten entstehen

Gerade durch den Bevölkerungsboom in den Emerging Markets steigen einerseits Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte in den Städten, andererseits dringen immer mehr Menschen in Lebensräume vor, die historisch weniger vom Menschen besiedelt wurden (z.B. in den Regenwald). Das Leben auf engstem Raum und das Zusammenleben mit anderen Organismen könnte zur Entstehung und Verbreitung neuer, bis jetzt unbekannter Krankheiten beitragen. Da Epidemien und Pandemien immer häufiger ihren Ausgangspunkt in den Emerging Markets haben, sind diese Länder bestrebt, entsprechende Diagnostiken und Therapien voranzubringen und zu erproben.

Innovationsmotoren Emerging Markets

Katalysator für den medizinischen Fortschritt ist vor allem der epidemiologische Wandel. Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen wird in den Emerging Markets infolgedessen deutlich zunehmen und die Investitionen in den Gesundheitssektor im Vergleich zu den entwickelten Ländern aufschließen.

Mit ca. 3,5 % vom BIP gibt Indien weniger als ein Drittel des Wertes der entwickelten OECD-Mitgliedsstaaten für Gesundheitsausgaben aus. Von einem Angleichen zu entwickelten Ländern ist in Zukunft auszugehen.

Insbesondere China und Südkorea haben im Bereich Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren bereits viel geleistet. So wachsen im bevölkerungsreichsten Land der Welt Forschungs- und Entwicklungsausgaben jährlich um über 20 % und werden 2023 etwa ein Viertel der weltweiten Ausgaben ausmachen. In der Medikamentenentwicklung wird bei sinkenden Anteilen an Generika bei zugleich steigenden Neuzulassungen der innovative Charakter dieser Länder deutlich. Insgesamt lässt sich festhalten, dass vor allem Gesundheitsinvestments aus den Emerging Markets mit ihren oft niedrigen Korrelationen zu entwickelten Märkten attraktive Investitionsmöglichkeiten bieten. Ein Beispiel hierfür ist der chinesische Insulinspezialist Tonghua Dongbao, der vor allem in ländlichen Gebieten mit tendenziell schwächerer medizinischer Grundversorgung Marktanteile erschließt. Mit seiner lokalen Expertise verfügt das Unternehmen gegenüber den großen globalen Playern über Wettbewerbsvorteile und ist einer der Profiteure des stark wachsenden chinesischen Marktes für Diabetes. Ein Beispiel aus dem afrikanischen Gesundheitsmarkt stellt das südafrikanische Unternehmen Aspen Pharmacare dar, das größte afrikanische Pharmaunternehmen. Dieses ist auf Generika, die Behandlung von HIV/AIDS und Tuberkulose spezialisiert. Bei der Impfstoffherstellung arbeitet es mit Johnson & Johnson zusammen.


Über Andreas Scharf, Investment Analyst Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset)

Andreas Scharf ist seit 2020 als Investment Analyst Healthcare bei apoAsset tätig. Der studierte Betriebswirt und Master of Science in Finance ist u.a. für die Analyse von Unternehmen und Märkten des Gesundheitssektors sowie für die Entwicklung neuer Anlageideen und die Weiterentwicklung von Investmentprozessen zuständig. Zudem gehört er zum Spezialisten-Team für den Fonds apo Emerging Health. Zuvor war Andreas Scharf bei der Lang und Schwarz AG tätig. Dort verantwortete er u.a. das Market Making für deutsche Aktien, die Entwicklung und Implementierung von Preisstrategien durch entsprechende Programmierung sowie Markt- und Industrieanalysen.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 4 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Ausblick zweites Halbjahr

Das erste Halbjahr 2021 verlief wie nach Drehbuch für den Film „Die Weltwirtschaft lässt die Covid-Krise hinter sich“. Aktien, und hier vor allem die zyklischen Vertreter, konnten zulegen, die gesamte Renditekurve hat sich nach oben verschoben und versteilert, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Diverse Rohstoffe zeigten spürbare Preisanstiege. Getrieben war diese Marktentwicklung von besseren Konjunkturdaten inklusive sinkender Arbeitslosigkeit, höherer Inflation und einer starken Erholung der Unternehmensgewinne. Gerade in den letzten Wochen hat sich die Diskussion über Inflation und mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik verstärkt. Die Aussagen der Fed in Richtung früherer Zinsanhebungen haben dann auch kurzfristig für Verunsicherung gesorgt, bevor die Notenbanker wieder zurückgerudert sind.

Im zweiten Halbjahr 2021 werden uns wohl einerseits diese Themenschwerpunkte, andererseits aber auch die Marktentwicklungen erhalten bleiben. Die Konjunkturerholung wird voranschreiten, das zeigen die Vorlaufindikatoren. Die eine oder andere Inflations- und Infektionszahl wird zu hochgezogenen Brauen der Anleger, aber nicht zu nachhaltigen Aktienkorrekturen führen. Und die Unternehmen werden auf ihrem Erholungspfad weitergehen. Klarerweise wurden die guten Nachrichten zum Teil schon durch die erwähnte positive Performance vorweggenommen. Konjunktur- und Marktzyklus sind jedoch noch relativ jung, Potenzial ist weiterhin vorhanden. Mit diesem Ausblick wird die Aktienquote zulasten der Anleihen weiter angehoben. Auch den Rohstoffen wird weiterhin Preisfantasie zugebilligt.

Aktienmärkte nehmen wieder Fahrt auf

Auf Euro-Basis konnten im Juni die meisten Aktienmärkte (und alle hier gezeigten Indizes) eine positive Performance verbuchen. Besonders auffällig: Osteuropa und Russland, wo sich die Aufholjagd vom Mai auch im Juni fortsetzte. Damit zählen diese Märkte seit Jahresbeginn – auf Euro Basis – inzwischen zu den Top-Performern! Wobei eine starke Ausrichtung auf zyklische Branchen, die vom Konjunkturaufschwung besonders profitieren, heuer bis dato generell kein Nachteil war: Man sieht das am EURO STOXX 50 (großer Finanzsektor) in Osteuropa und Russland (Finanz, Rohstoffe, Energie) und in Perfektion am ATX, der sich auf genau diese Branchen (plus Industrie) konzentriert. Wenig überraschend ist der ATX damit seit Jahresbeginn der Top-Performer (nachdem er letztes Jahr in der Rezession einer der schwächsten Indizes war). Am unteren Ende der Performance-Skala liegen weiterhin die asiatischen Märkte, sowohl Japan als auch China. Wobei sich China hier in guter Gesellschaft befindet: Die Emerging Markets generell hinken heuer in der Performance Europa (insbesondere Zentral- und Osteuropa) hinterher. Einzig Lateinamerika konnte im Juni – nicht zuletzt aufgrund der starken Aufwertung in Brasilien – deutlich aufholen.

Globale Konjunktur: Wachstumsboom auch noch 2022?

Mit dem Ende der letzten Lockdowns im Dienstleistungssektor zeichnet sich inzwischen auch für diesen Wirtschaftsbereich ein Wachstumsboom ab. Das indizieren die Vorlaufindikatoren, und das spiegelt sich auch in den Wachstumsschätzungen für 2021 wider: Für die USA erwartet die Notenbank heuer ein reales BIP-Wachstum von 6,5 % p.a. Damit wäre die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr bereits wieder größer als unmittelbar vor Corona.

In der Eurozone dürfte dieser Punkt erst im ersten Halbjahr 2022 erreicht sein. Aber trotzdem wäre die EZB-Prognose von 4,6 % für 2021 das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten. Noch erfreulicher: Beide Notenbanken rechnen auch für 2022 noch mit einer boomenden Konjunktur. Dann sind die Einmaleffekte der wirtschaftlichen Öffnungen (höherer Output im Vergleich zum Krisenjahr 2020) zwar bereits Geschichte; angesichts der aufgestauten Nachfrage bei Konsum und Investitionen und der sich deutlich verbessernden Arbeitsmarktsituation erscheint die EZB-Prognose von 4,7 % für 2022 aber durchaus realistisch.

Aktien: Bullenmärkte dauern länger als ein Jahr

Wie fast immer nach Rezessionen brachten auch diesmal die ersten zwölf Monate nach dem Rezessionstief (März/April 2020) die spektakulärste Aktienmarktperformance. Dieses Tempo der Aktienmarkterholung lässt sich natürlich nicht dauerhaft halten. Zudem bekommt der Markt wahrscheinlich Gegenwind durch steigende Leitzinserwartungen in den USA und eine Reduktion der üppigen Liquiditätszufuhr. Das sind allerdings normale Phasen in der Entwicklung eines Bullenmarktes, der damit üblicherweise noch lange nicht zu Ende ist. Erst wenn die Notenbank den Leitzins immer höher schraubt, um die Konjunktur einzubremsen, wird es mit jedem Jahr gefährlicher für den – bis dahin schon alten – Bullenmarkt. Insofern empfehlen wir weiterhin eine deutliche Aktien-Übergewichtung. Denn aktuell ist der Bullenmarkt gerade ein Jahr alt und kein neuerlicher Konjunktureinbruch oder (zu) hohe Leitzinsen in Sicht. Zinserwartungen und Anleiherenditen dürften zwar (weiter) nach oben klettern, was ein klassischer Auslöser für eine kleinere Korrektur sein könnte. Das große Bild bleibt aber bullisch. Und es gibt Sektoren, die sogar von steigenden Anleiherenditen profitieren: Der Bankensektor etwa als schönes Beispiel für den zyklischen Sektor, den wir derzeit favorisieren.

Emerging Markets: Unternehmensgewinne holen auf

Auch in den Emerging Markets (EM) ist die Aktienmarktperformance seit Jahresbeginn mit rund 11 % (auf Euro-Basis) durchaus zufriedenstellend. Dennoch fällt auf, dass diese Ländergruppe damit etwas hinter der Performance von Europa zurückbleibt. Die Gründe dafür dürften auch die weitere Entwicklung prägen: Einerseits sind die meisten EM-Indizes stark von China, Taiwan und Südkorea, und dort von einigen großen Tech-Unternehmen beeinflusst. In einer Phase, in der zyklische Branchen im globalen Konjunkturboom outperformen, kein Beinbruch, aber auch nicht optimal. Außerdem sind viele EM außerhalb Ostasiens noch stark von Corona (und den Gegenmaßnahmen) betroffen – dort hinkt man den Industriestaaten im Überwinden der Krise hinterher. Die gute Nachricht: Auch dort macht man große Fortschritte und inzwischen sind die Unternehmensgewinne in allen drei EM-Sub-Regionen stark im Aufwind. Das sollte in weiterer Folge auch die Aktienmarktperformance in diesen Ländern beflügeln. Wir empfehlen aktienseitig eine Übergewichtung von Emerging Markets.

Büromarkt erwacht aus Schockstarre – neue Perspektiven für Nutzer sind gefragt

Im ersten Halbjahr 2021 wurde in den Top-5-Büromärkten ein Flächenumsatz in Höhe von 1,1 Mio. Quadratmetern erzielt. Das entspricht dem Niveau des Vergleichszeitraums des Vorjahres, liegt aber rund 25 % unter dem Fünf-Jahresdurchschnitt der ersten sechs Monate eines Jahres. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet Cushman & Wakefield einen Flächenumsatz in Höhe von 2,5 Mio. Quadratmetern.

Berlin auch Hauptstadt beim Büroflächenumsatz

In Berlin wurde mit rund 375.000 Quadratmetern der höchste Büroflächenumsatz verzeichnet. Es folgen München mit 236.000 Quadratmetern und Hamburg mit 210.000 Quadratmetern. In Frankfurt waren es 171.500 Quadratmeter und in Düsseldorf etwa 104.000 Quadratmeter. Auffällig ist, dass nur München und Düsseldorf hinter den Vorjahrsumsätzen zurückblieben. Den größten Zuwachs konnte Frankfurt mit einem Plus von 57 % verzeichnen.

Von den insgesamt 17 Abschlüssen mit mehr als 10.000 Quadratmetern Bürofläche, sie entsprechen 22 % des Gesamtumsatzes, entfallen allein neun auf Berlin. Den größten Abschluss des zweiten Quartals verbuchte aber Frankfurt mit der Projektanmietung von Nestlé Deutschland im Projekt „Kreisler“ in der Nähe des Hauptbahnhofes. Dieser Abschluss hat ein Flächenvolumen von rund 20.000 Quadratmetern.

„Nach mehrmonatiger ‚Schockstarre‘ beziehungsweise abwartender Haltung setzen sich immer mehr Unternehmen aktiv mit ihrer zukünftigen Bürosituation auseinander. Nach dem Ende der Home-Office-Pflicht überlegen sie, wie die Belegschaften perspektivisch wieder in die Büros zurückkehren werden. Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierfür zu begeistern, sind attraktive Büros, die modernes und flexibles Arbeiten ermöglichen, mit Sicherheit motivierender als die starre Vorgabe eines Zeitpunktes. Zudem werden die Erfahrungen der vergangenen Monate die Verantwortlichen langfristig beeinflussen und zu neuen Überlegungen bei der Anmietung künftiger Flächen veranlassen“, kommentiert Christian Lanfer, Head of Office Agency Germany bei Cushman & Wakefield.

Angebotsausdehnung aufgrund steigenden Leerstands und Projektfertigstellungen

Der Leerstand ist im Berichtsquartal auf 3,7 Mio. Quadratmeter angewachsen. Das entspricht einer Leerstandsquote von 4,8 % (+0,2 %-Punkte zu Q1/2021; +0,9 %-Punkte zu Q2/2020). Unter den Märkten hat Frankfurt mit 950.000 Quadratmetern oder 8,1 % den höchsten Leerstand. 

Bis Jahresende ist in allen Märkten trotz eines sich stabilisierenden Flächenumsatzes mit einem weiter leicht steigendem Leerstand zu rechnen, zwischen 0,1 %-Punkten in Düsseldorf und 0,4 %-Punkten in München. 

Im ersten Halbjahr 2021 wurden rund 530.000 Quadratmeter neuer oder kernsanierter Bürofläche fertiggestellt. Für das Gesamtjahr 2021 werden insgesamt 1,8 Mio. Quadratmeter neu fertiggestellte Büroflächen erwartet und für 2022 rund 2,5 Mio. Quadratmeter. Das läge deutlich über dem Vorjahr (2020: 1,2 Mio. Quadratmeter) sowie über dem Fünf-Jahresdurchschnitt in Höhe von 935.000 Quadratmetern.

Aktuell befinden sich 4,25 Mio. Quadratmeter im Bau. Gut die Hälfte dieser Flächen ist bereits vermietet oder durch Eigennutzer belegt. Die höchste Bautätigkeit gibt es aktuell in Berlin (1,7 Mio. Quadratmeter) und in München (1,3 Mio. Quadratmeter).

Weiterer Anstieg bei den Mietpreisen zu beobachten

In Berlin ist die monatliche Spitzenmiete um 1,00 Euro auf 39,00 Euro pro Quadratmeter gestiegen, in München um 0,50 Euro auf nun 40,00 Euro pro Quadratmeter. In den anderen drei Märkten bleibt sie stabil.

Der Spitzenmietpreisindex für die Top 5-Märkte notiert Ende des zweiten Quartals 2021 bei 140,8 Punkten (2010=100). In den vergangenen drei Monaten sind die Spitzenmieten durchschnittlich um 0,9 % gestiegen.

Bis Jahresende wird ein weiterer Anstieg in ähnlicher Höhe erwartet. Der Durchschnittsmietpreisindex liegt mit 147,4 Punkten etwas höher. Grund dafür ist, dass seit Sommer 2019 die Durchschnittsmieten stärker gestiegen sind als die Spitzenmieten.

Mehr mietfreie Zeiten

Im Jahresverlauf sind die mietfreien Zeiten, sogenannte Incentives, in allen Top 5-Märkten gestiegen. Im Durchschnitt liegen diese Anreize bei 6 % bezogen auf einen 5-Jahresvertrag in innerstädtischen Toplagen. Im Vergleich dazu hatten die Anreize ihren Tiefpunkt Ende 2019 mit 2 %.


Über Cushman & Wakefield

Cushman & Wakefield (NYSE: CWK) gehört zu den führenden globalen Immobiliendienstleistern und bietet Unternehmen und Investoren Services rund um ihre Immobilien-Belange. Mit rund 50.000 Mitarbeitern in mehr als 400 Niederlassungen und 60 Ländern zählt Cushman & Wakefield zu den Marktführern weltweit. In Deutschland ist das börsennotierte Unternehmen mit Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München vertreten. Cushman & Wakefield verwirklicht Projekte über den gesamten Immobilienzyklus in den Bereichen Brokerage, Investment Services, Global Occupier Services, Project & Development Services, Integrated Facility Management, Valuation & Advisory und Asset Services. Im Jahr 2020 betrug der Umsatz 7,8 Milliarden US-Dollar. Erfahren Sie mehr auf www.cushmanwakefield.com, in unserem Blog oder folgen Sie uns über @CushWake auf Twitter oder Instagram @cushwake.germany.

Fallendes wirtschaftliches Momentum ist keine schlechte Nachricht

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren, der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor ist im Monat Juni im Vergleich zum Vormonat gefallen (55,5 nach 56,0, Quelle: JP Morgan). Ebenso waren die nationalen Versionen für die USA (60,6 nach 61,2, Quelle: ISM) und China (50,9 nach 51,0, Quelle: NBS) unter den jeweiligen Vormonatswerten. Bedeutet das eine schlechte Nachricht für risikobehaftete Wertepapierklassen wie Aktien?

Unterschiedliche Stadien

Bei der Zeitreihen-Charakteristik für die Veränderung der wirtschaftlichen Aktivität zeigt sich ein einheitliches Bild:

  • Stadium 1: Im Schockzeitraum scharf runter.
  • Stadium 2: Im Zeitraum von Lockerungen scharf rauf.
  • Stadium 3: Kräftiges, wenn auch abnehmendes Wirtschaftswachstum in den darauffolgenden Quartalen.

Die Stadien 2 und 3 können zur Wirtschaftszyklusphase „Erholung“ zusammengefasst werden. Diese dauert an, bis Vollbeschäftigung erreicht ist.

Je nach Land befinden wir uns entweder am Übergang von Stadium 1 zu Stadium 2 (Einige Emerging Market Economies wie Indien und Brasilien, die im zweiten Quartal geschrumpft sind), im Stadium 2 (Kontinentaleuropa), am Übergang von Stadium 2 zu Stadium 3 (USA) oder im Stadium 3 (China).

Politik ist entscheidend

Die Politik ist dabei der entscheidende Faktor für die Länderunterschiede. Denn diese bestimmt vor allem 1) die Durchimpfungsraten (USA und das UK waren früh dran, Kontinentaleuropa hat aufgeholt, Emerging Markets Volkswirtschaften hinken deutlich den Developed Markets Volkswirtschaften hinterher).

Tatsächlich haben die zunehmenden Durchimpfungsraten zu einem Rückgang der Neuinfektionen und der Restriktionen und in weiterer Folge zu einer Zunahme der Mobilität und der wirtschaftlichen Aktivität sowie zu einem deutlichen Rückgang der Abwärtsrisiken für das Wachstum geführt. Natürlich stellen neue Varianten, die die Effektivität der Impfstoffe reduzieren, eine Gefahr dar.

Aber auch drei weitere Politikfaktoren sind für die unterschiedlich Entwicklung der Länder verantwortlich: 2) Die Eindämmungsmaßnahmen (Schrumpfung in der Eurozone im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021), 3) Die Geldpolitiken (ultra-expansiv in den entwickelten Volkswirtschaften, bereits jetzt Leitzinsanhebungen in immer mehr Emerging Markets) und 4) Die Fiskalpolitiken (Fiskalpakete in den USA, European Recovery Fund beginnt im 2. Halbjahr die Gelder zu verteilen, weniger Kapazität in den Emerging Markets).

Überraschend kräftiges Wachstum

Bereits im 4. Quartal 2020 (1.8% im Quartalsabstand, Quelle: EAM) und im ersten Quartal (1% im Quartalsabstand) lag das Wachstum des realen globalen Bruttoinlandsproduktes deutlich über den ursprünglichen Schätzungen. Die für das zweite Quartal veröffentlichen Konjunkturindikatoren (vor allem für die USA, das Vereinigte Königreich und Kontinentaleuropa) deuten auf eine Wachstumsbeschleunigung hin (1,25%).

Auch wenn sich im 3. Quartal die USA und China abschwächen, gewinnt die globale Erholung an Breite (immer mehr Länder) und Tiefe (Erholung im Servicesektor aufgrund der Lockerungen). Für das globale reale Bruttoinlandsprodukt bedeutet das den Höhepunkt des Wachstums im dritten Quartal (Prognose: 2% im Quartalsabstand).

Ist das abnehmende Momentum bei einigen Monatsindikatoren zur wirtschaftlichen Aktivität, das auf eine abnehmende Wachstumsbeschleunigung hindeutet, gefolgt von einer Entschleunigung, nachträglich für Risk Assets (globaler Höhepunkt im dritten Quartal, USA Höhepunkt im zweiten Quartal)?

Unterstützung für Aktien wird weniger

Praktisch betrachtet ist auf vier Ebenen die Unterstützung gefallen:

  1. Es ist schwer für die Wachstumsindikatoren geworden, die (mittlerweile nach oben angepassten) Erwartungen zu übertreffen.
  2. Theoretisch betrachtet ist es klar, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht lange so schnell beschleunigen kann, dennoch: die globale Beschleunigungsphase des Wachstums endet bald.
  3. Immer mehr Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften denken über – wenn auch vorsichtige – Ausstiegs-Strategien aus der ultra-expansiven Haltung nach. Im Zentrum des Interesses steht die Fed-Politik. Bei „beträchtlichen“ Fortschritten am Arbeitsmarkt erfolgt die Bekanntgabe für eine Reduktion des sehr großen Anleiheankaufsprogramms (aktuell: 120 Milliarden US-Dollar pro Monat, Quelle: Federal Reserve). Ab Ende Sommer könnte dieses Ereignis eintreten. Wenn „maximale Beschäftigung“ erreicht ist, können die (sehr niedrigen) Leitzinsen angehoben werden (EAM-Erwartung: viertes Quartal 2022).
  4. Die Bewertungsniveaus sind erhöht (die Kurse sind bereits kräftig angestiegen), weshalb eine enttäuschende Entwicklung leichter eintreten kann.

FAZIT: Ausblick bleibt konstruktiv

Zur Erinnerung: Die Wirtschaftszyklusphase lautet „Erholung“, und zwar für noch einige Quartale, nicht „Abschwung“, auch denn die Wachstumsraten (wahrscheinlich) ab dem vierten Quartal abnehmen werden.

Gleichzeitig bleiben die Geldpolitiken der großen Zentralbanken sehr unterstützend, auch wenn das Ausmaß der expansiven Haltung etwas abnehmen wird. Diese Kombination ist im wahrscheinlichsten Szenario ausreichen für einen konstruktiven Ausblick für Risk Assets. Das größte Risiko stellt nach wie vor eine fallende Effektivität der Impfstoffe aufgrund neuer Virusvarianten dar.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Positive Entwicklungen auf den Kryptomärkten

von Florian Ginez, Associate Director, Quantitative Research, WisdomTree.

In der ersten Jahreshälfte 2021 startete Bitcoin mit einem Kurs von knapp 30.000 US-Dollar und legte bis April auf 63.500 US-Dollar zu. Mitte Mai ging der Kurs wieder auf 30–40.000 US-Dollar zurück.

Der anfängliche Kursanstieg war vor allem auf die positive Stimmung zurückzuführen, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 an Dynamik gewonnen hatte. Zahlreiche große Unternehmen, wie PayPal, hatten die Integration von Kryptowährungen auf ihren Plattformen bekannt gegeben. Andere kündigten bilanzwirksame Anlagen in Bitcoin an, darunter MicroStrategy, Square und Tesla. Letzteres Unternehmen begann sogar, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Zur gleichen Zeit kamen in Kanada notierte Bitcoin-ETFs auf den Markt, die hohe Kapitalzuflüsse verzeichneten und den europäischen Markt in Bezug auf das verwaltete Vermögen in sehr kurzer Zeit überholten.

Doch dann kam es auf dem Markt zur Wende. Die Twitter-Ankündigung von Elon Musk, dass Tesla aufgrund von ökologischen Bedenken keine Zahlungen in Bitcoin mehr annehmen werde, löste den Abwärtstrend auf dem Markt aus. Zusätzlich wollte China beim Mining und beim Handel von Bitcoin im Land durchgreifen. Dies führte zur „großen Mining-Migration“, da die Miner einen Umzug nach Nordamerika, Europa oder Zentralasien anstrebten. In anderen Ländern, beispielsweise dem Iran, wurden ähnliche Maßnahmen ergriffen.

Unseres Erachtens haben diese aktuellen Ereignisse nicht notwendigerweise langfristig negative Auswirkungen. Erstens trug der Kurssturz wahrscheinlich dazu bei, einen überhitzten Markt abzukühlen, was insbesondere zu einem Schuldenabbau im System führte – und attraktivere Einstiegspunkte für Investoren bot, die ein Engagement in Bitcoin anstrebten. Zweitens könnten die Bedenken hinsichtlich der durch Bitcoin verursachten Umweltbelastung Veränderungen in der Vorgehensweise der Miner anstoßen und zu mehr Transparenz und einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien führen. Die Gründung des Bitcoin Mining Councils in Nordamerika nach dem Tweet von Musk ist ein Beispiel für einen Schritt in die richtige Richtung. In einer Welt, in der Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Belange (Environmental, Social und Governance, ESG) immer mehr an Bedeutung gewinnen, werden sich solche Entwicklungen voraussichtlich auf die Nachfrage von Investoren auswirken.

Generell zeigt sich ein Wandel bei der Art der Investoren, die an Kryptowährungen interessiert sind. Immer mehr große Institutionen fragen nach der Asset-Klasse, darunter große Banken und Vermögensverwalter sowie Pensionsfonds und sogar Versicherungsunternehmen. Die meisten dieser Akteure befinden sich hierbei noch in einer Frühphase, grünes Licht für eine Anlage in Bitcoin zu erhalten. Dies zeigt jedoch, dass große Institutionen die Augen offenhalten.

Der Erfolg der kanadischen Exchange Traded Funds (ETFs) beweist zusätzlich das Interesse der Investoren in diesem Bereich. Es richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf die USA, wo einige Krypto-ETF-Anträge bei der Securities Exchange Commission (SEC) eingegangen sind. Dazu gehören Anträge für Bitcoin-ETFs wie auch für Ether-ETFs. Die SEC hat ihre Entscheidung in Bezug auf mehrere dieser Anträge im Laufe der ersten Jahreshälfte aufgeschoben. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte weiterentwickeln wird. Unseres Erachtens wäre eine Genehmigung ein sehr positives Signal an den Markt. Die Kapitalflüsse in kanadische Kryptowährungs-ETFs werden häufig als Ersatz für das Interesse betrachtet, das in den USA vorhanden sein könnte. Ein Bitcoin-ETF würde US-Investoren helfen, sich in diesem Bereich auf bekannte und sichere Weise zu engagieren, und könnte signifikante Kapitalflüsse anlocken.

Bitcoin macht weiterhin Schlagzeilen. Die erste Jahreshälfte ging mit der Nachricht zu Ende, dass Bitcoin in El Salvador zum gesetzlichen Zahlungsmittel wurde, dem ersten Land, das einen solch visionären Schritt wagt. Paraguay scheint dies ebenfalls zu beabsichtigen. Bei diesen Entscheidungen wird es sich nicht um die letzten Meldungen handeln, dass Bitcoin in Schwellenländern möglicherweise zum gesetzlichen Zahlungsmittel werden soll. Trotz der Rückschläge, die digitale Assets als neuer Vermögenswert erleiden, bieten sie für die Investoren zahlreiche positive Aspekte.

Unternehmensstimmen zum Thema "Biodiversität"

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Der im August 2019 vom Weltklimarat veröffentlichte Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme argumentiert, dass die derzeitige Landnutzung und die globalen Nahrungsmittelsysteme den Klimawandel, die Bodendegradation, den Verlust der biologischen Vielfalt und andere Umweltbedrohungen verschärfen. Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, ist demnach ein wesentlicher Faktor für den Erhalt der Biodiversität. Umso wichtiger wird es sein zu beobachten, in welche Richtung sich die Lebensmittelindustrie bewegt.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Biodiversität beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Dabei wurden folgende Fragen gestellt. Die Antworten auf diese Fragestellungen lassen sich zu nachstehenden Aussagen und Ergebnissen zusammenfassen.

Ist der negative Einfluss unserer globalen Nahrungsmittelsysteme auf die Biodiversität ein Problem, das Sie als für Ihr Unternehmen relevant erachten? Überwachen Sie aktiv Ihren positiven/negativen Einfluss auf die Biodiversität? Was sind die Ergebnisse?

Für Bayer, spezialisiert in den Bereichen Gesundheit und Agrarwirtschaft, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die intensivierte Landwirtschaft zu einem lokalen Rückgang der Artenvielfalt und zu einer Beeinträchtigung der Ökosysteme geführt hat. Aus diesem Grund investiert das deutsche Unternehmen in Forschung und Entwicklung, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Produktivität und Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zu erreichen. Die Definition von Indikatoren zur Messung der Auswirkungen von Produkten entpuppt sich dabei als eine sehr komplexe Aufgabe. Bayer versucht es mit einem erst kürzlich von der University of Denmark entwickelten Modell, das die Umweltauswirkungen jedes Pflanzenschutzmittels auf unterschiedliche Anbauflächen messen kann, und überprüft damit sein gesamtes Produktportfolio. Mit dieser Messung kann festgestellt werden, welche Produkte die höchsten Umweltauswirkungen haben, wo diese entstehen und wo Bayer dementsprechend für eine Verbesserung sorgen kann. Auch Nestlé, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, sieht in der Messung von Auswirkungen auf die Biodiversität, speziell aufgrund der enormen regionalen Unterschiede, eine größere Herausforderung als zum Beispiel beim Thema CO2. Es sei dennoch möglich, etwa durch den Einsatz von Satellitentechnologie zur Überwachung von Entwaldungsrisiken und durch Pilotfarmen, die Nestlé speziell zur Überwachung, Messung und Wiederherstellung der Bodengesundheit errichtet hat. Der Zeitraum, bis diese Bemühungen messbare Ergebnisse liefern, kann dabei erheblich variieren. Während die Entwaldung nahezu in Echtzeit überwacht und gemessen werden kann, kann es bei der Regeneration des Nährbodens durchaus drei bis vier Jahre dauern, um Daten zu generieren, die Auswirkungen belegen können. Einer ähnlichen Vorgehensweise folgt der US-amerikanische Lebensmittelproduzent Campbell Soup, der im Jahr 2020 zur Risikobewertung des eigenen Beschaffungsprozesses mit der Non-Profit-Organisation The Sustainability Consortium zusammengearbeitet hat. Dabei wurden die mit den Herkunftsländern verbundenen Risiken von 30 Inhaltsstoffkategorien im Zusammenhang mit dem Verlust der biologischen Vielfalt, des Wasserverbrauchs und der Entwaldung bewertet und die Priorisierung der verwendeten Inhaltsstoffe auf Basis der Ergebnisse adoptiert.

Wie kann Ihr Unternehmen zum Sustainable Development Goal 15 beitragen? Haben Sie sich bestimmte Ziele gesetzt?

Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist ein wesentlicher Punkt des nachhaltigen Entwicklungsziels SDG 15 Leben an Land. Für den britischen Konzern Unilever, mit Marken wie Knorr, Eskimo, Coral und Axe einer der weltweit größten Produzenten von Konsumgütern, bilden die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) eine einmalige Gelegenheit, eine bessere Welt zu schaffen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass allein für die Transformation des Lebensmittel- und Landsystems Geschäftschancen in Höhe von rund 3 Billionen US-Dollar ermittelt wurden. Das Wachstumspotenzial von Öko-Innovationen, die sowohl die Umwelt schützen als auch das Wohlergehen der Menschen fördern, sei daher enorm. Dementsprechend setzt der Lebensmittelproduzent auch selbst auf Rohstoffe von landwirtschaftlichen Betrieben, die nachhaltige Praktiken hinsichtlich des Erhalts der Fruchtbarkeit des Bodens, des Wasser- und Düngemittelverbrauchs sowie des Schutzes der biologischen Vielfalt anwenden. Nestlé verfolgt zur Erreichung des SDG 15 einen klaren Plan, der eine entwaldungsfreie Hauptzulieferkette sowie einen Anteil an Rohstoffen, die mit regenerativen Landwirtschaftsmethoden hergestellt wurden, von 20 % bis 2025 und 50 % bis 2030 vorsieht. Campbell Soup wiederum fordert von allen Lieferanten die Einhaltung sämtlicher geltenden Umweltgesetze. Darüber hinaus wird von den Lieferanten erwartet, dass sie Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der Böden sowie zum Schutz und zur Förderung natürlicher Lebensräume, einheimischer Arten und der biologischen Vielfalt ergreifen. Außerdem verbietet das Unternehmen die Produktion auf Ländereien, die in den letzten zehn Jahren nicht für Landwirtschaft genutzt wurden. Novozymes, ein dänisches Biotechnologieunternehmen, ist davon überzeugt, dass seine Enzyme und mikrobiellen Lösungen den Landwirten helfen, die Effizienz der Pflanzen- und Tierproduktion zu steigern, die Umweltauswirkungen zu verringern und gleichzeitig die Klimaresilienz zu stärken. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Effizienzverbesserungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Jahr 2022 zur Gewinnung von 500.000 Tonnen an zusätzlichen Lebensmitteln beizutragen. Im Jahr 2020 lag dieser Wert internen Schätzungen zufolge bereits bei 136.000 Tonnen.

Prognosen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 um weitere zwei Milliarden Menschen ansteigen. Wird es möglich sein, all diese Menschen nachhaltig zu ernähren? Welche Rolle könnte Ihr Unternehmen dabei spielen?

Bayer sieht in einer intensiven Landwirtschaft mit hohen Erträgen pro Hektar Ackerland einen entscheidenden Faktor für die kontinuierliche Verfügbarkeit hochwertiger und erschwinglicher Lebensmittel. Das liege daran, dass die Intensivierung der Landwirtschaft dazu führen wird, dass immer weniger Land für die Lebensmittelproduktion benötigt wird. Während die landwirtschaftlichen Erträge in den letzten 40 Jahren um 60 % gestiegen sind, hat sich die landwirtschaftliche Nutzfläche nur um 5 % erhöht. DigitaleTechnologien spielen dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie verbessertes Saatgut und optimierte landwirtschaftliche Praktiken. Unilever sieht sich in derVerantwortung, ein globales Lebensmittelsystem mitzugestalten, das für alle fair ist. Aus diesem Grund hat das Unternehmen die „Future Foods“-Initiative gestartet und verpflichtet sich damit zu einem jährlichen Umsatzziel von einer Milliarde Euro durch pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen innerhalb von fünf bis sieben Jahren, zu einer Halbierung der Lebensmittelabfälle im direkten Betrieb von der Fabrik bis zum Regal bis 2025, zur Verdoppelung der Anzahl der gesundheitsfördernden Produkte bis 2025 sowie zu einer fortwährenden Reduktion des Kalorien-, Salz- und Zuckergehalts aller Produkte. Auch Kellogg’s, ein weltweit führender Produzent von Getreideprodukten, will seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung leisten und hat sich dazu verpflichtet, bis Ende 2030 eine Million Landwirte und Arbeiter durch Programme zu unterstützen, die auf Klima-, soziale und finanzielle Widerstandsfähigkeit ausgerichtet sind. Kellogg’s bietet dabei eigene Schulungen und technische Unterstützung an, um bewährte Verfahren zu vermitteln, die die Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe verbessern sowie zur Regeneration der Bodengesundheit, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Infrastruktur ohne digitale Sicherheit ist nicht mehr denkbar

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Infrastruktur entstehen nicht nur Effizienz- und Komfortgewinne, sondern auch neue Bedrohungen. Kriminelle, Terroristen und Spionageorganisationen nehmen verstärkt Banken und Versorgungsunternehmen ins Visier. Neben finanziellen Risiken können von Hacker-Attacken auch Gefahren für Leben und Gesundheit ausgehen. Die Kapitalmärkte scheinen die Gefahr noch nicht vollständig erkannt zu haben.

Die Vorgehensweise bei GandCrab, einer Organisation von Cyberkriminellen, zeigt das Ausmaß der digitalen Gefahr. Es sind keine Einzeltäter, sie haben sich zu regelrechten Unternehmen mit verschiedenen Abteilungen organisiert. Es gibt einen „Kundendienst“, Finanzexperten für die Anlage der Erpressungsgelder, Softwareentwickler sowie auch Experten für die Auswahl von Anschlagszielen. Die „Vertriebsstrategie“: Nach einer Woche verdoppelt sich der Preis für eine Entschlüsselung der Daten. Aber damit nicht genug. GandCrab bietet „Ransomware as Service“ über ein Affiliate-Marketing an. Die Ransomware-Betreiber stellen Dritten Malware-Codes zur Verfügung. Für jedes Opfer, das ein Lösegeld bezahlt, teilt der Partner die Einnahmen mit dem Ransomware-Betreiber. Ähnlich wie der nette Influencer eine kleine Umsatzbeteiligung erhält, wenn aufgrund seiner Empfehlung ein Buch oder ein Shampoo im Internet gekauft werden. Nur größer und böser.

„Infrastruktur wurde als lukratives Ziel für Hackerangriffe ausgemacht“

Die beliebtesten Opfer sind aktuell Banken und Versorgungsunternehmen. Während der Corona-Pandemie haben zudem die Anschläge auf das Gesundheitswesen enorm zugenommen. Zuletzt wurden die wichtigsten Öl-Pipelines der USA durch einen Hackerangriff stillgelegt. Die Täter beteuerten, ihnen ginge es nur um Geld, man würde keinerlei politische Ziele verfolgen. Bei den Motiven sind die Grenzen fließend. Auch wenn die Akteure nicht direkt im Auftrag eines Staates handeln, so werden ihre Aktionen offenbar gerne geduldet, wenn sie sich nur gegen die richtigen Unternehmen richten. Klar wird bei diesen Hackerangriffen, dass Infrastruktur als lukratives Ziel ausgemacht wurde. Deren Unverzichtbarkeit im alltäglichen Leben, oft ohne Ausweichmöglichkeiten, verleiht kriminellen Hackern einen starken Hebel. Auch für politische Akteure könnte es attraktiv sein, unter dem Mantel vermeintlicher Krimineller Sand in das Getriebe westlicher Wirtschaften zu streuen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bislang nur um Kostproben dessen handelt, was technisch möglich ist.

Somit ist Infrastruktur ohne digitale Sicherheitslösungen, also Cybersecurity, nicht mehr denkbar. Die Kosten von Cyberangriffen steigen mittlerweile erheblich. Für das Jahr 2020 schätzt Cybersecurity Ventures, ein Beratungsunternehmen der Branche, die weltweiten Kosten für Ransomware auf über 20 Milliarden US-Dollar. Ein durchschnittlicher Angriff kostet mehr als vier Millionen US-Dollar, wobei die Kosten für Gesundheitsdienstleister in der Regel bei über sieben Millionen US-Dollar liegen. Die Schadenskosten werden für das Jahr 2021 auf 25 Mrd. USD prognostiziert, gegenüber 11,5 Mrd. USD im Jahr 2019 und 325 Mio. USD im Jahr 2015. Es ist daher nicht die Frage, wann eine Cyberattacke stattfindet, sondern ob. In Nordamerika gaben 69% der Unternehmen an, dass sie im Jahr 2020 von Ransomware betroffen waren, gegenüber 57% in Europa. Cybersecurity Ventures schätzt, dass Ransomware bis Ende 2021 alle 11 Sekunden ein Unternehmen angreifen wird. Noch immer wird in Unternehmen das Sicherheitsbudget als Kostenstelle betrachtet. Zum Beispiel sehen nur 8% der französischen Unternehmen ihr Sicherheitsbudget als strategisch an, während 56% es jedes Jahr komplett in Frage stellen. Festzustellen bleibt aber, dass die Sicherheitsbudgets generell steigen.

„Der Markt für Sicherheitssoftware wächst um 12,1% p.a. auf 66 Mrd. US-Dollar in 2024“

Das Beratungsunternehmen Gartner Group erwartet, dass der gesamte Sicherheitsmarkt im Zeitraum von 2020 bis 2024 um durchschnittlich 9,1% p. a. wachsen und bis 2024 ein Volumen von 194 Mrd. US-Dollar erreichen wird. Das Segment der Sicherheitssoftware für Unternehmen soll um durchschnittlich 12,1% p.a. wachsen und 66 Mrd. US-Dollar bis 2024 erreichen, nach 41 Mrd. im Jahr 2020. Das Segment der Sicherheitsdienstleistungen wird um durchschnittlich 7,9% p.a. wachsen, um bis 2024 auf 90 Mrd. US-Dollar anzuwachsen, von 65 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020. Egal ob Energie-, Wasserversorgung oder Transport, sowie auch digitale Infrastruktur wie Rechenzentren, das Rückgrat der zivilisierten Gesellschaft wird durch Vernetzung nicht nur effizienter, sondern gleichzeitig sehr verletzlich. In Anbetracht weiter steigender Ausgaben für Digitalisierung bei gleichzeitigem Rückstand der Unternehmen und der öffentlichen Hand beim Schutz dieser Ausgabe vor Cyber-Angriffen wird deutlich, wie hoch das langfristige Wachstumspotenzial für IT-Sicherheitsunternehmen ist. Dabei liegen die Bewertungen vieler börsennotierter Anbieter sogar unter denen der IT-Branche.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Pictet Asset Management sieht Schwellenländeraktien aus Asien als Top- Performer der nächsten 5 Jahre

Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern Asiens haben ein „verlorenes“ Jahrzehnt hinter sich. In den letzten 10 Jahren hinkten ihre Renditen jenen der globalen Indizes in US-Dollar hinterher. Und dies, obwohl die Volkswirtschaften der Region im gleichen Zeitraum für rund 70 Prozent des weltweiten BIP-Wachstums verantwortlich waren.

In den nächsten fünf Jahren dürfte sich die Situation komplett ändern: Die Renditen dürften die Dynamik der Region widerspiegeln. Dies bedeutet, dass asiatische Papiere derzeit in globalen Portfolios unterrepräsentiert sind. So lauten die Ergebnisse unserer Analyse der Schwellenländer Asiens – einer Region, die gekennzeichnet ist durch sich verbessernde Wachstumsaussichten, niedrige Inflation, glaubwürdigen Reformwillen und eine zunehmend diversifizierte Wirtschaft.

Anleger wären schlecht beraten, diesen Teil der Welt zu ignorieren. Möchten sie ähnliche Realrenditen erreichen wie in den letzten Jahren mit einem traditionellen ausgewogenen Portfolio, so sollten sie verstärkt in die Schwellenländer Asiens investieren. Unseren Berechnungen zufolge müssen Anleger mit der Referenzwährung Dollar ihr Exposure bei asiatischen Anlagen etwa verdreifachen, nämlich auf rund 25 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen, um in den nächsten fünf Jahren eine annualisierte Realrendite von 3,5 Prozent zu erzielen.

Wir gehen davon aus, dass Aktien aus den Schwellenländern Asiens in den nächsten fünf Jahren die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung sein wird und rechnen mit durchschnittlichen Renditen von rund 11 Prozent pro Jahr in US-Dollar. Vietnam und Indien dürften besonders gut abschneiden.

Bei den festverzinslichen Papieren bieten dagegen Chinas Staatsanleihen das beste Risiko/Ertragsprofil. Auch die Investment-Grade-Anleihen der asiatischen Schwellenländer sind attraktiv. Währungen stellen eine zusätzliche Renditequelle dar. Unsere Modelle zeigen, dass die Währungen der Region zu denen gehören, die gegenüber dem US-Dollar am stärksten unterbewertet sind. Wir sehen gute Gründe dafür, dass sich dies ändern wird. Die Region weist einen Leistungsbilanzüberschuss auf, ihre Geldpolitik ist vergleichsweise wenig expansiv und mit dem Renminbi verfügt sie über eine Währung, die schon bald die Dominanz des Dollars in der Finanzlandschaft anfechten wird. Natürlich gibt es auch Risiken. Die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens sind mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sie reichen von Chinas Schuldenberg bis hin zu Problemen, deren Lösung Jahrzehnte dauern wird, nicht zuletzt die sich verschlechternde Demografie, der Klimawandel und eine schwache Governance. Doch viele dieser Herausforderungen können mit einer Kombination aus technologischer Entwicklung und Innovation überwunden werden.


Über Pictet Asset Management und die Pictet-Gruppe

Pictet Asset Management umfasst sämtliche Tochtergesellschaften und Divisionen der Pictet-Gruppe, die in der institutionellen Vermögens- und der Fondsverwaltung tätig sind. Pictet Asset Management Limited untersteht der britischen Financial Conduct Authority.
Per 31. März 2021 beliefen sich die von Pictet Asset Management verwalteten Vermögen auf CHF 243 (USD 258/EUR 219/GBP 187) Milliarden. Pictet Asset Management hat achtzehn Vermögensverwaltungszentren auf der ganzen Welt, von London über Brüssel, Genf, Frankfurt, Amsterdam, Luxemburg, Madrid, Mailand, Paris und Zürich bis Hongkong, Taipeh, Osaka, Tokio, Singapur, Schanghai, Montreal und New York.
Die Pictet-Gruppe ist ein von sieben (bald neun) Teilhabern geführtes Unternehmen, dessen Grundsätze der Eigentumsübertragung und Nachfolgeregelung sich seit der Gründung im Jahr 1805 nicht verändert haben. Sie ist ausschließlich in den Bereichen Wealth Management, Asset Management, alternative Investmentlösungen und Asset Services tätig, betreibt kein Investmentbanking und ist nicht im Kreditgeschäft aktiv. Mit verwalteten und verwahrten Vermögen von CHF 662 (USD 703/EUR 598/GBP 510) Milliarden per 31. März 2021 zählt Pictet zu den führenden unabhängigen Vermögensverwaltern Europas im Privatkunden- und institutionellen Geschäft.
Die Gruppe hat ihren Hauptsitz in Genf, Schweiz, wo sie gegründet wurde, und beschäftigt rund 4'900 Personen. Sie hat 30 Büros weltweit in Amsterdam, Barcelona, Basel, Brüssel, Dubai, Frankfurt, Genf, Hongkong, Lausanne, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, Monaco, Montreal, München, Nassau, New York, Osaka, Paris, Rom, Schanghai, Singapur, Stuttgart, Taipeh, Tel Aviv, Tokio, Turin, Verona und Zürich.