Drei der vier Kategorien versprechen eine positive Marktentwicklung

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rück­schlag ist in den letzten Tagen die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Als Begründungen werden steigende Inflationsgefahren und höhere Zinsen angeführt, so Raiffeisen Capital Management. Beides ist im Konjunktur­zyklus aber ganz normal. Nichtsdestotrotz fragen sich viele Anleger: muss ich jetzt raus aus den Aktien? Betrachten wir nüchtern die Evidenz. Diese wird im Prozess der Taktischen Asset­-Allocation durch Indikatoren in vier Kategorien dargestellt:

  • Makro: Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets zeigen positive Wachstumsaussichten. Die veröffentlichten Konjunktur­daten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam.
  • Mikro: Realisierte und erwartete Gewinne liegen seit Monaten im stabil positiven Trend. Die Gewinnrevisionen sind zuversichtlich.
  • Sentiment: Diverse Stimmungsindikatoren haben vor der Korrektur Höchststände erreicht, das Sentiment war überhitzt. Die jüngste Kor­rektur sorgt für eine willkommene Abkühlung.
  • Technik: Bestehende Aufwärtstrends wurden noch im Jänner bestätigt, die Rückgänge zuletzt sind noch nicht Besorgnis erregend.

Jede Kate­gorie wird nun nach ihrem Einfluss auf die Marktentwicklung beurteilt. Dabei zeigt sich, dass drei der vier Kategorien eine positive Marktentwicklung versprechen. Dadurch ergibt sich eine Übergewichtung von Aktien. Zugekauft werden Euro­-Aktien, weil diese zuletzt währungsbedingt verhältnismäßig schwach waren und Aufholpotenzial haben. Die bis dato bestehende Position Rohstoffe gegen Anleihen wird geschlossen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Anleihen

Das Jahr 2017 verlief für Anleihe-Investoren überraschend gut. Die befürchtete Zinswende blieb aus. Im Gegenteil, die EZB halt weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Ein allmähliches Auslaufen gegen Jahresende 2018 steht jedoch im Raum. Auch die Zinsschritte der US-Notenbank FED folgen einem kalkulierbaren Pfad. So entstehen keine unnötigen Marktirritationen.

Profiteure der Lage sind nach wie vor die Märkte mit Risikoprämien (Spread­Märkte). Dies betrifft die europäische Peripherie bei Staatsanleihen und ganz besonders Unternehmens-­ und Hochzinsanleihen (High Yield), sowie nicht zuletzt die Emerging Markets, insbesondere bei Absicherung des Dollar­-Wechselkurs­-Risikos. Denn der starke Euro machte 2017 einen Strich durch die Rechnung von Euro­-Investoren und ließ Fremdwährungserträge weg­schmelzen. Der – in der Lokalwährung Dollar – generell sehr gute US­-Markt liegt folglich in Euro deutlich im Minus. Dieses Bild setzte sich im Jänner 2018 fort: weiter ein steigender Euro und Einengung der Zinsabstände der Spread­-Märkte.

Aktien

Wie in den Jahren zuvor und mit nur wenigen Ausnahmen waren die Aktienmärkte 2017 die Gewinner des Jahres. Sie kamen Ende August, nach einem kleinen Sommerloch, wieder in Fahrt und konnten das Tempo auch im Jänner 2018 halten. Die Konjunkturdaten zeichnen allesamt ein positives Bild, jüngste Industrie­- und Verbraucherdaten erreichen die höchsten Werte seit Jahren und wirken weiter unterstützend.

Der Leitmarkt USA (Dow Jones, S&P 500, NASDAQ) brachte 2017 unzählige „all-time-highs“ hervor, eine Entwicklung, die beinahe zur Gewohnheit wird. Allerdings wirkte die erneute Stärke des Euros abschwächend auf die US­-amerikanischen und globalen Aktienerträge.

An der Spitze der Performance-­Skala liegen die Aktienmärkte der Emerging Markets – trotz leichtem Gegenwind durch den starken Euro. Es gab nur sehr wenige negative Ausreißer, wie etwa Russland.

Inmitten der Spitzenreiter befindet sich der österreichische ATX, der von zahlreichen Investoren aufgrund seiner Emerging Markets-­Komponente (Osteuropa) wieder geschätzt wird.

Währungen und Rohstoffe

2017 gab es die Wende in der EUR/USD­-Entwicklung. Genau zum Jahreswechsel endete eine langjährige Dollar­-Hausse und kehrte sich rasch in eine globale Euro­-Stärke. Bei etwa 1,20 USD hat der Euro den Durchschnittswert seit seiner Einführung 1999 wieder erreicht. Ein „fairer Wert“ nach Kaufkraftparität dürfte bei etwa 1,25 liegen. Der Euro war 2017 die global stärkste Währung. Der Eindruck eines starken Euros setzte sich auch im Jänner 2018 fort.

Dies waren schlechte Nachrichten für Euro-­basierte Fremdwährungsinvestoren. Besser lief es zuletzt bei den Rohstoffen. Nach einem, insbesondere im Energiesektor, sehr schwachen ersten Halbjahr 2017, konnten Rohstoffe in den letzten Monaten deutlich zu­ legen. Global positive Konjunkturdaten und eine gute Nachfrage sorgten in Kombination mit Disziplin auf der Angebotsseite für Unterstützung bei den Preisen.

So konnten die Energie­Rohstoffe seit Juni 2017 wieder kontinuierlich aufholen – auch in Euro!