Erste Anzeichen einer Bodenbildung sind vorhanden

Nach der mittlerweile sechsten Leitzinserhöhung der US-Notenbank innerhalb der letzten Jahre, ist die Zinswende in den USA manifest. Rekordbeschäftigung und leicht steigende Inflationserwartung sind die konjunkturellen Grundlagen dazu.

Im Jänner zogen die Renditen langlaufender Anleihen sowohl in den USA als auch in Europa deutlich an, seither beruhigt sich die Lage wieder. Die Korrektur an den Aktienmärkten hat zwar keine Gegenbewegung an den Rentenmärkten ausgelöst, wirkt aber wohl dämpfend auf einen weiteren Renditeanstieg.

Doch die Kette der US-Leitzinserhöhungen hat ihr Ende noch nicht erreicht. Heuer sollen noch 2 bis 3 Schritte folgen und auch 2019 stehen weitere Schritte an – dann auch in Europa? In der Eurozone schneidet die europäische Peripherie (z.B. Italien, Spanien und Portugal) – teilweise unterstützt durch Rating-Verbesserungen – nach wie vor sehr gut ab. Aber selbst die deutschen Bundesanleihen als europäische Benchmark hielten sich gut.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

(Fast) alles dreht sich um die Politik der USA

Die guten Wirtschaftsdaten lassen die Marktteilnehmer eine steigende Inflation und entsprechend restriktivere Zentralbankenentscheidungen befürchten. Das führt – insbesondere in den USA – zu steigenden kurzfristigen Zinsen. Die aktuelle Diskussion dreht sich um die Frage, wie viele Zinsschritte (2 oder 3) nach der Leitzinsanhebung im März heuer noch folgen, und wie viele es 2019 sein werden.

Auch in Europa bringt das deutlich kommunizierte Ende des Anleihekaufprogramms der EZB viele Marktteilnehmer zum Nachdenken. Hier ist mit Leitzinsmaßnahmen erst ab Mitte 2019 zu rechnen. Zusammen mit der Angst vor einem US-Handelskrieg führte das allerdings zu einem Drehen des Risiko-Sentiments und zum Absinken der Renditen länger laufender Staatsanleihen. Insgesamt sehen wir in Inflation und Reaktion der Zentralbanken die treibenden Kräfte für die globalen Anleihemärkte. Deren Ausstrahlung auf riskantere Anleiheklassen stimmt uns vorsichtig.

Staats- und Unternehmensanleihen – Boden gefunden?

In den Turbulenzen seit Februar blieben die absoluten Renditen von Unternehmensanleihen unterschiedlicher Bonitäten und Märkte stabil. Da allerdings jene der „sicheren" Staatsanleihen deutlich einliefen, kam es zu einer deutlichen Ausweitung der Risikoaufschläge. Das langjährige Sinken der Rendite-Risikoprämien (Spreads) von Unternehmensanleihen aller Bonitätsbereiche scheint vorerst ein Ende gefunden zu haben. Doch mit dem sehr guten Wirtschaftsausblick wurden die zukünftige Inflationsentwicklung und die möglicherweise restriktive Reaktion der Zentralbanken von den Marktteilnehmern wieder stärker thematisiert. Erste Anzeichen einer Bodenbildung sind vorhanden. Nun wird sich zeigen, wie stark und wie rasch sich die „Jagd nach Rendite" der letzten Jahre in eine „Flucht vor Spread" umkehren wird.

Unsere Ausrichtung – Übergewicht in inflationsindexierten Anleihen, gegenüber Unternehmenstitel – halten wir weiter aufrecht.