Politische Spannungen und Hochkonjunktur

Der positive Aktienausblick bleibt uns erhalten. Das liegt vor allem an der guten Wirtschaftserwartung. Für die Eurozone sehen wir das reale Wirtschaftswachstum bei 2,4 Prozent, die USA werden um 2,8 und die Schwellenländer sogar um knapp 6 Prozent wachsen. Diese Wirtschaftsdynamik hinterlässt Spuren bei den Unternehmensgewinnen. Sie können im globalen Schnitt heuer um 14 Prozent zulegen. Die Inflation wird im laufenden Jahr nur unwesentlich höher sein als im Vorjahr. Das erlaubt den Notenbanken, ihre Bremsmanöver gut zu dosieren, sodass die Finanzmärkte nicht beeinträchtigt werden. Insgesamt ist dies ein Umfeld, in dem Aktien und Renditen von Staatsanleihen steigen werden.

Dementsprechend wird die Übergewichtung in Aktien sowie auch die vorsichtige Haltung gegenüber Staatsanleihen beibehalten. Dabei bevorzugen wir Aktien aus der Eurozone. Doch bei all dem guten Wetter darf nicht vergessen werden, dass sich der Zyklus in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Dies ist beispielsweise an niedrigen Arbeitslosenraten und der Verflachung der US-Zinskurve abzulesen. Daher taucht immer öfter die Frage auf, wann der nächste zyklische Abschwung von Wirtschaft und Aktienmärkten bevorsteht. Auf Basis unserer aktuellen Einschätzung ist dies für das laufende und auch für das nächste Jahr unwahrscheinlich. Spürbar früher würde dieses Negativszenario eintreten, wenn die Inflationsraten stärker ansteigen als erwartet. Die Verschiebung der gesamten Zinskurve nach oben, inklusive einer restriktiveren Geldpolitik, würde zunächst die Aktienmärkte und in weiterer Folge die Wirtschaft belasten. Aber so weit sind wir noch nicht.

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Aktien – Politische Spannungen und Hochkonjunktur

Aktuell bietet sich ein, im Vergleich zu den letzten Jahren, ungewohntes Bild: nach nunmehr vier Monaten liegen die Hauptmärkte im Minus oder um die Null-Linie. Vor dem Hintergrund einer hervorragenden Konjunkturlage klingt das überraschend. Diese Entwicklung bestätigt jedoch nur, dass Aktien und Wirtschaft nicht immer im Gleichschritt laufen.

Im April holten einige Märkte kräftig auf, allen voran Europa inklusive UK. Hier gab es auch einiges Aufholpotenzial. Im Gegensatz zu Europa verlief die Entwicklung des Leitmarkts USA im Monat April hingegen bloß seitwärts.

Der immer wieder im Raum stehende US-Handelskrieg geht nicht spurlos an den Märkten vorbei. In den letzten sechs Wochen bekamen das nahezu alle Regionen der Emerging Markets zu spüren: ganz besonders China und damit Asien sowie Russland und damit Osteuropa. Wobei sich der russische Aktienmarkt wieder rasch erholen konnte.

Wie schon eingangs erwähnt: die fundamentalen Grundlagen für gute Aktienmärkte sind weiter gegeben.

Aktien USA und Europa – Holt Europa endlich auf?

In den letzten zehn Jahren gab es kaum einen stabileren Trend als die vergleichsweise schlechte Wertentwicklung von europäischen Aktien gegenüber US-Aktien (ohne Währungseinflüsse). In den letzten zwölf Monaten war diese Tendenz besonders ausgeprägt. Seit März scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Endlich schaffen es die heimischen Aktien, sich besser zu entwickeln als die US-Kollegen. Wird sich ein neuer Trend ausbilden, werden es europäische Aktien endlich schaffen, nachhaltig aufzuholen?

Unsere Einschätzung ist ein klares Ja! Sowohl in der Taktischen Asset-Allocation, als auch in der Strategischen Asset-Allocation werden Euro-Aktien bevorzugt. Einer der Hauptgründe ist die Bewertung – europäische Aktien sind spürbar billiger. Aber auch die gute Wirtschaftsentwicklung sowie die nach wie vor lockere Geldpolitik sprechen für den alten Kontinent. Schließlich dürfte die Schwäche des US-Dollars zumindest auf absehbare Zeit vorbei sein.

Emerging Markets – Aktien und Anleihen

Emerging-Market-Aktien haben sich zuletzt nicht gerade lehrbuchgemäß verhalten. Im Zuge der Aktienkorrektur haben sie sich vergleichsweise gut gehalten, in der Erholung sind sie aber zurückgeblieben. Dafür gibt es zwei Begründungen: zum einen das zwischenzeitliche Hochkochen des Handelskonflikts zwischen den USA und China und zum anderen die Anstiege bei den US-Renditen über die Schwelle von drei Prozent. Ausgehend von der Erwartung, dass weder das politische Risiko noch der Renditeanstieg ausgestanden sind, könnten EM-Aktien weiterhin unter Druck stehen. Schwellenländer-Anleihen, die in Hartwährungen begeben wurden, konnten sich zuletzt dem Rendite-Aufwärtsdruck aus den USA nicht entziehen. Auch ihre Risikoaufschläge litten unter den vornehmlich US-induzierten handelspolitischen Themen. Besser konnten sich die Renditen von Lokalwährungsanleihen halten. Diese haben aber noch damit zu tun, die jüngste Stärke des US-Dollars zu verdauen.