Deutsche Bundesanleihen als sicherer Hafen

Mit der jüngsten – und in dieser Form auch erwarteten – Leitzinserhöhung in den USA haben wir mittlerweile bereits sieben Zinsschritte seit Dezember 2015 gesehen. Dennoch liegen die US-Märkte gut, zumindest relativ zu den übrigen Regionen. Das liegt hauptsächlich an der Währungsentwicklung und dem 2018 wieder stärkeren Dollar. Aber auch generell ist der US-Markt im sanften Renditeauftrieb recht stabil, das gilt auch für Unternehmensanleihen.

Anders in Europa: Ausgelöst durch die Regierungsbildung in Italien kam die „Euro-Peripherie“ im Mai kräftig unter Druck. Wir erlebten deutliche Renditeausweitungen, dabei erreichte Italien fast 3 Prozent Renditeabstand zu Deutschland bei den 10-jährigen Staatsanleihen. Trotz anhaltender Diskussionen um das Ende der lockeren EZB-Politik kamen Deutsche Bundesanleihen auf Renditeniveaus um 0,3 Prozent zurück.

Diese Flucht in sichere Häfen ist aktuell verständlich, darunter leiden aber Investments wie Unternehmensanleihen und vor allem Emerging-Market-Anleihen.

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Geld-/Kapitalmarkt – Zinsanhebungszyklus in den USA, doch EZB wartet

Wie schon erwähnt, enttäuschten die Konjunkturindikatoren in der Eurozone recht deutlich. Daher die etwas überraschende Entscheidung der EZB, den Leitzins bis voraussichtlich Herbst 2019 nicht anzuheben. Mit dem Abschluss des EZB-Anleihekaufprogramms Ende 2018 wäre nun die europäische Politik gefragt, beruhigend auf die Märkte einzuwirken.

Die Divergenz zwischen europäischen Peripherie-Renditen und Kerneuropa-Renditen besteht nach wie vor und überstrahlt aktuell die Bedeutung der Geldpolitik der EZB. Entsprechend kontraproduktiv sind in der aktuellen Phase auch die Spannungen innerhalb der deutschen Regierung zu werten, denn ein Wanken der deutschen Regierung stellt abermals die Stabilität des europäischen Währungsraums in Frage.

In den USA wird die Zinsstrukturkurve hingegen flacher. Das ist im Wesentlichen dem starken Renditeanstieg am kurzen Ende geschuldet. Die FED befindet sich mitten im Zinsanhebungszyklus, das lange Ende macht diesen Renditeauftrieb jedoch nur sehr gedämpft mit.

Staats- und Unternehmensanleihen – Weiter Unsicherheit oder Normalisierung?

Die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen befinden sich seit dem Sell-Off Ende Mai weiter auf hohen Niveaus. Vor allem die widersprüchlichen Handlungen der italienischen Regierung haben für Verunsicherung gesorgt: einerseits gab man ein Bekenntnis zur Euro-Zone ab, andererseits nehmen Euro-Skeptiker parlamentarische Schlüsselrollen ein.

Mögliche Refinanzierungsschwierigkeiten für italienische Emittenten sind bislang jedoch ausgeblieben. Der Risikoappetit gegenüber italienischen Staatsanleihen scheint wieder etwas größer geworden. Wir erwarten eine moderate Normalisierung im Sinne engerer Renditeabstände.

Die Risikoprämien an den Euro-Kreditmärkten (Unternehmensanleihen) sind abermals angestiegen. Emittenten aus dem High-Yield-Segment sind mittlerweile mit rund 100 BP höheren Refinanzierungskosten konfrontiert als noch zu Jahresbeginn. Die Kreditmärkte diskontieren damit unter den Erwartungen liegende Konjunkturdaten, politische Risiken und zuletzt negative Gewinnrevisionen deutlich stärker als die Aktienmärkte.