Ein Halbjahr zum Vergessen

Für Anleger waren die vergangenen sechs Monate schlicht ein Streichergebnis. Ob globale Aktien, Anleihen in Lokalwährung, Euro-, Staats-, Unternehmens- oder Wandelanleihen, alle bewegten sich an der Nulllinie – nach beträchtlichen Schwankungen wohlgemerkt. Emerging-Market-Assets waren im ersten Halbjahr noch schwächer. Aktien sowie Anleihen in Lokal- und Hartwährung haben zwischen drei und sechs Prozent verloren. Der einzige Lichtblick waren die Fremdwährungen, die zum Euro im Schnitt um etwa zwei Prozent aufgewertet haben.

Damit wurden die Jahreserwartungen noch nicht erfüllt. Wir sind zu Jahresbeginn von positiven Aktienmärkten und steigenden Anleiherenditen ausgegangen. Die Schwäche der Emerging Markets war nicht vorauszusehen. Lediglich den stärkeren US-Dollar hatten wir auf der Rechnung. Insofern war das erste Semester auch eine Bestätigung dafür, dass man sich nicht allzu sehr auf die eigenen Prognosen verlassen sollte. Viel wichtiger ist, Veränderungen des Umfeldes wahrzunehmen und flexibel zu reagieren. Dies ist in der Taktischen Asset-Allocation gut gelungen. Der Beitrag zur Wertentwicklung unserer Fonds ist positiv und gut im Plan, die Ziele zu erreichen.

Die Einschätzungen für die nahe Zukunft sind uneinheitlich. Die Wirtschaftsdaten befinden sich auf gutem Niveau, die Veränderung der letzten Monate ist aber negativ. Sehr positiv schlagen in unserer Beurteilung die Daten aus dem Unternehmenssektor zu Buche. Gewinnwachstum und -revisionen sind unverändert robust. Die bedenklichen Signale kommen zum Teil aus dem Markt selbst. Insbesondere die Tatsache, dass der Aktienmarkt von immer weniger Aktientiteln getragen wird, ist ungesund. Auch aktuelle Themen wie Handel und EU belasten. Das mittelfristig jedoch wesentlich wichtigere Thema ist die Normalisierung der Geldpolitik, durch die dem Finanzmarkt Liquidität entzogen wird. Auf Basis dessen wird die neutrale Haltung in Bezug auf Aktien und Anleihen beibehalten. Rohstoffe werden weiterhin positiv gesehen, die Beimischung bestätigt.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Globale Konjunktur – Höhepunkte hinter uns?

Während die Konjunkturdaten weiterhin eine positive globale Wirtschaftsentwicklung zeigen, ist bei immer mehr vorauslaufenden Indikatoren eine nachlassende Dynamik feststellbar. Insbesondere in der Eurozone und den Emerging Markets überwiegen zuletzt die negativen Abweichungen der veröffentlichten Daten im Vergleich zu den Erwartungen der Analysten. Auch in den USA konnten die Höchstwerte einiger Wirtschaftsdaten zuletzt nicht mehr gehalten werden, auch wenn die Bremsung sanft ausfällt. Der schwelende Handelskonflikt der USA insbesondere mit China und der Eurozone birgt weiteres Potential die bis dato gute konjunkturelle Lage einzutrüben.

Auf Unternehmensebene dürfte die aktuelle Dynamik im US-Gewinnwachstum den Hochpunkt im aktuellen Wirtschaftszyklus darstellen. Die Gewinnmargen der Unternehmen verbleiben auf hohem Niveau, obwohl auf der Kostenseite schon künftige Belastungsfaktoren – wie etwa gestiegene Rohstoffpreise – absehbar sind.

Strategische Asset Allocation

Unter der Strategischen Asset Allocation verstehen wir die mittel- bis langfristige (3 bis 5 Jahre) Beurteilung der verschiedenen Anlageklassen.

Aktien

Wir sehen vor allem den wichtigen US Aktienmarkt im historischen Vergleich als bereits sehr teuer bewertet. Europäische Aktien sowie Emerging Markets Aktien sind nach wie vor fair bewertet. Aus einem Modellsignal haben wir zuletzt europäische Aktien leicht reduziert.

Staatsanleihen

Die Renditen der wichtigsten Staatsanleihenmärkte befinden sich auf extrem niedrigen Niveaus. Auf Sicht der nächsten 5 Jahre erwarten wir sehr niedrige (bzw. zum Teil negative) Erträge. Ende Juni haben wir von australischen Anleihen in Richtung US-Anleihen umgeschichtet.

Unternehmens- & EM-Anleihen

Trotz der Spreadanstiege sehen wir High-Yield Anleihen als sehr teuer bewertet. Nach den deutlichen Renditeanstiegen haben wir EM Hartwährungsanleihen wieder in das Portfolio aufgenommen. Zugekauft haben wir Ende Juni auch EM Währungen. Die markanten Renditeanstiege bei italienischen Anleihen haben wir zu einem Positionsaufbau genutzt.

Reale Assets

Im Rohstoffbereich unterstützen die Maßnahmen auf der Angebotsseite die Preisentwicklung. Die starken Anstiege bei Energierohstoffen haben wir aber im Dezember und Ende Juni zu Positionsreduktionen genutzt. Wir erwarten auf unseren strategischen Horizont weitere Anstiege bei den Inflationserwartungen.