Filtern oder Engagieren – ESG und Impact Investing

Investitionen in nachhaltige Anlagen können die Portfolio-Diversifikation unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, soziale, ökonomische und ökologische Ziele zu realisieren. Klar definierte Standards helfen Anlegern, gezielt Investmententscheidungen zu treffen und schaffen zudem die zunehmend von Anlegern geforderte Transparenz.

„Anleger, die sich für nachhaltige Anlagestrategien interessieren, sehen sich mit einem dynamischen Angebot und einer Vielzahl von Begriffen konfrontiert.“, sagt Philipp Müller, Head of Investment Solutions bei BlueOrchard.

„Der anhaltende Vermögensfluss zu nachhaltigen Anlagen treibt die Verbreitung neuer Produkte und den Wettbewerb voran. Auch die verstärkte Aufmerksamkeit der Politik und die Entwicklung von Industriestandards haben unseres Erachtens die Branche beflügelt. Gemäß jüngsten Schätzungen sind nachhaltige Vermögenswerte in der Schweiz auf mehr als CHF 390 Milliarden angewachsen.1 Als Haupttreiber für diesen Zufluss sehen wir vordergründig die Nachfrage von Investoren – insbesondere der Vermögenstransfer an eine Generation, deren Anlageziele über den rein finanziellen Ertrag hinausgehen.

Um dieser Zielgruppe gerecht zu werden, wurde dem Prädikat „nachhaltig“ bislang viel zugemutet, oftmals wurden unseres Erachtens bewusst Begriffe vermischt. Hinter den zehn größten Beteiligungen klingender Fondsnamen wie „Emerging Markets ESG Leaders“ zu „Sustainable Impact Equities“ und „Zero Carbon“ fanden sich oftmals Titel wie Apple, Tencent, Procter & Gamble sowie Lukoil.

Derzeit sehen wir aber, dass die Branche dieser Verwässerung und Grünfärberei gezielt entgegenwirkt; und zwar im eigenen Interesse: Denn Transparenz, klare Begriffe und allgemein anerkannte Standards werden von Anlegern begrüßt und können Investitionsbarrieren reduzieren. Mittlerweile liegen hierzu klare Richtlinien vor, und die vormals geäußerte Kritik, dass es im Bereich der nachhaltigen Anlagen keine Standards gibt, ist unserer Meinung nach inzwischen hinfällig.

Zusätzlich ist für Anleger die Unterscheidung zwischen ESG und Impact Investing relevant: ESG-Integration bezieht sich auf die Einbeziehung von „ESG“ (kurz für „Environmental, Social and Governance“)-Faktoren in die Investmentanalyse traditioneller Anlagen, meist durch das Filtern unerwünschter Titel. Impact Investing zielt darauf ab, mit aktivem Engagement eine positive Veränderung zu erwirken. Dies durch Investitionen in Projekte und Unternehmen, die zusätzlich zur finanziellen Rendite positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen können.

ESG-Anlagen und Impact Investments sind beide Teil des nachhaltigen Anlageuniversums und werden oft ähnlich vermarktet, funktionieren aber gänzlich unterschiedlich:

  • Die Abkürzung ESG steht für „Environmental, Social and Governance“ und bezieht sich auf das Einbeziehen der drei zentralen Faktoren Umwelt-, Sozial- und Governance (gute Unternehmensführung) in die Investmentanalyse traditioneller Anlagen. Weit verbreitet ist der Ausschlussansatz (negativer Filter) nach dem Branchen, Geschäftstätigkeiten oder Produkten aus einem Anlageportfolio aufgrund bestimmter Werte und Prinzipien ausgeschlossen werden (z.B. Ausschluss von Glücksspiel, Waffen, Tabak). Ebenfalls findet der „Best-in-Class“ Ansatz eine breite Anwendung, bei dem Unternehmen mit besseren ESG-Profilen im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche bevorzugt ausgewählt werden.
  • Impact Investing umfasst Investitionen in Firmen, Organisationen, Projekte und Fonds, welche die Absicht verfolgen, neben einer finanziellen Rendite auch eine positive soziale und ökologische Wirkung zu erzielen. Beispiele sind die Finanzierung von Unternehmen und nachhaltiger Landwirtschaft, Bildungsinstituten, Wasserversorgung und Kliniken oder der Produktion erneuerbarer Energien. Mit Investitionen in diese Projekte wird das Unternehmertum angekurbelt, es werden Arbeitsplätze geschaffen und die lokale Wirtschaft gefördert. Das Engagement reicht oft weit über eine rein finanzielle Unterstützung hinaus und wird zusätzlich mit technischer Beratung unterstützt. Die Inhalte sind unterschiedlich, die Anlagen werden jedoch immer unter der Prämisse getätigt, dass nichtfinanzielle Ziele im Einklang mit Marktrenditen sind. Damit unterscheidet sich Impact Investing von Zuwendungen oder der Entwicklungshilfe.

Als Zielvereinbarung für nachhaltiges Anlegen haben sich die im Jahr 2016 definierten 17 Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals, SDGs) etabliert. Das Erreichen der SDGs wird wahrscheinlich zwischen 5 und 7 Billionen US-Dollar erfordern, wobei die Investitionslücke in Schwellen- und Grenzländern geschätzte 2.5 Billionen US-Dollar jährlich beträgt.2 Das Potenzial diese Finanzierungslücke zu schließen ist enorm, insbesondere bei Impact Investments in Schwellenländern, wobei zu marktgängigen Renditen in einer zielgerichteten und mit den SDG konformen Form investiert wird. Die jeweiligen Investments korrelieren wenig oder negativ mit konventionellen Anlageklassen und unterstützen damit die Diversifikation von Portfolios. Somit erstaunt wenig, dass sich Impact Investing in den letzten zehn Jahren von einem neuartigen Anlagekonzept zu einem umfangreichen und dynamischen Anlageuniversum gewandelt hat. Laut dem durch die UN unterstützten Verband PRI wurden im Jahr 2016 weltweit 1.3 Billionen US-Dollar für Impact-Investitionen bereitgestellt.3

Die steigende Nachfrage nach Impact Investments hat neue Geschäftsmöglichkeiten für Vermögensverwalter und Dienstleister eröffnet. Dies kann dazu verleiten, eine weitreichende Interpretation der SDGs in Marketingmaterialien für bestehende Produkte zu übernehmen. Diesen Versuchen, bestehende Produkte als Impact Investments und SDG-Anlagen zu kennzeichnen, wirken Standards wie etwa die Market Map des UN PRI entgegen. Die Market Map wurde aus einer Vielzahl von Studien und Benchmarks erstellt und bietet eine gemeinsame Definition thematischer Investitionen (z.B. Wasser, saubere Energie, Bildung) sowie grundlegende Kriterien, die helfen, Anlagen im Einklang mit der gegebenen SDG-Definition zu identifizieren. Ebenfalls stellen Organisationen wie die Social Performance Taskforce (SPTF) standardisierte Richtlinien und Leistungskennzahlen zur Messung der gewünschten sozialen, ökologischen und finanziellen Wirkung zur Verfügung.

Mit der Market Map und weiteren Standards bestehen somit klare Richtlinien für die Auswahl der Investments, die wirklich zu den SDGs beitragen und als Impact Investments bezeichnet werden können. Investitionsbarrieren für Impact Investments sind weitgehend ausgeräumt und das vielseitige Anlageuniversum umfasst liquide Fonds in den Bereichen Mikrofinanz, Sustainable Bonds und Green Bonds, die vermehrt auch für Privatanleger zugänglich sind. Dazu kommen Anlagen, die meist von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen bevorzugt werden, beispielsweise langfristige Investitionen in erneuerbare Infrastrukturanlagen und Private Equity-Anlagen mit klaren Vorgaben zur positiven sozialen oder ökologischen Wirkung.

Der Anlageerfolg ist aus unserer Sicht jedoch von einer Reihe lokaler Einflussfaktoren sowie regulatorischen und politischen Gegebenheiten und Veränderungen abhängig. Dies kann insbesondere bei Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Herausforderung darstellen. Anleger sollten sich daher auf erfahrene Partner mit lokaler Präsenz verlassen.“


1) Swiss Sustainable Investment Market Study 2018, 2018. [http://www.sustainablefinance.ch/en/swiss- sustainable-investment-market-study-2018-_content---1--3037--15964.html]
2) OECD (2016), Development Co-operation Report 2016.
3) Investors and the Sustainable Development Goals, 2017. [https://www.unpri.org/sdgs/investors-and-the- sustainable-development-goals/304.article]