USA: höher, schneller ... und weiter?

Die Analysen zur berechtigten Frage mehren sich, wie lange der aktuelle Markt- und Konjunkturzyklus anhalten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung in den USA, die sich zuletzt bei den Wirtschaftsdaten, aber auch in der relativen Performance des Aktienmarktes positiv vom Rest der Welt abgekoppelt hat. Nur durch die Outperformance und das dominante Gewicht der USA am Kapitalmarkt weist der Weltaktienindex, insbesondere auf Eurobasis, seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung auf, obwohl sich zahlreiche globale Aktienindizes – vor allem jene aus den Emerging Markets – seit dem Hoch im Jänner in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Abwärtstrend befinden.

In den USA selbst gibt es derzeit noch keine erkennbaren Anzeichen für eine nächste Rezession in absehbarer Zeit. Eine der längsten Aufschwungphasen der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dürfte somit noch eine Zeit lang andauern.

Die Divergenz bei Frühindikatoren und Makrodaten zwischen den USA und dem Rest der Welt, die unter anderem an den bereits erkennbar negativen Effekten aus dem Handelskonflikt herrührt, wird jedoch schlussendlich auch auf die US-Wirtschaft durchschlagen.

Die Zinswende schreitet in den USA stetig voran und die unterstützende Liquidität durch die Notenbank wird laufend geringer.

Wenngleich eine temporäre taktische Aktienübergewichtung auch in dieser Spätphase nicht ausgeschlossen ist, so sehen wir doch die beste Marktphase schon hinter uns und positionieren uns dementsprechend neutral.

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Neuerlich Höchststände in den USA

Wieder Höchststände – aber eben nur in den USA. Dort haben Aktienindizes auch im September neue All-Time-Highs erreicht, während andere Aktienmärkte stagnieren. Die unverändert gute globale Konjunkturlage und die hervorragende Gewinnentwicklung sind die treibenden Kräfte hinter den US-Märkten.

Zuletzt war der Blick stark auf die Emerging Markets gerichtet, die bis Anfang September teilweise herbe Rückschläge hinnehmen mussten. Mittlerweile hat sich die Lage stabilisiert und es traten Gegenbewegungen ein, allen voran in Russland und damit auch Osteuropa. Steigende Energiepreise und vor allem die Mäßigung in der politischen Sanktionspolitik der USA zeigen Wirkung. Auch die Türkei konnte im Monatsvergleich wieder zulegen – sowohl am Aktien-, als auch am Devisenmarkt.

Lateinamerika hat ebenfalls wieder etwas zugelegt, der Abgabedruck hatte sich zuletzt gegen China und damit Asien gerichtet. Hier zeigt der Handelskonflikt offensichtlich – die aus US-Sicht wohl gewünschte – Wirkung.

Aktien USA und Europa: alle Augen auf die USA

Bei den entwickelten Aktienmärkten zeigten sich in den letzten Monaten starke regionale Unterschiede, wobei sich der US-Aktienmarkt einmal mehr positiv abheben konnte. Ein Gewinnwachstum von etwa 20 % im Jahresvergleich – angetrieben durch die Steuerreform – stellte wohl den Höhepunkt dar. Auch für die nächsten Quartale sind die Erwartungen weiterhin durchwegs positiv, wenngleich die Zuwachsraten nunmehr sukzessive geringer ausfallen werden. Für 2019 wird aktuell ein Gewinnwachstum von 11% prognostiziert – noch immer ein beachtlicher Wert. Die starke Unterstützung des schon erreichten Kurs- und Bewertungsniveaus in den USA wird dadurch aber tendenziell abnehmen.

Wir sehen weiterhin in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken den bestimmenden Faktor, der in den kommenden Monaten für anhaltend mehr Volatilität an den Märkten sorgen wird. Im Bereich der Stimmungsindikatoren sind hingegen aktuell keine Extremwerte positiver oder negativer Form zu beobachten.

Emerging Markets: Beruhigung nach einem stürmischen Sommer

Der Handelsdisput zwischen den USA und China erreichte im September eine neue Eskalationsstufe, nachdem beide Länder weitere Importzölle auf Produkte des jeweils anderen Landes verhängten. Das wird indirekt das EM-Exportwachstum weiter schrumpfen lassen. Zudem sahen wir in den letzten Wochen zumeist unter den Erwartungen liegende EM-Wirtschaftsindikatoren.

In Summe dürfte das Bild an den Emerging Markets aber diffus und auch stark von länderspezifischen Themen beherrscht bleiben. Die teilweise stark gefallenen Preise waren im September wohl attraktiv genug, denn EM-Währungen und Zinsprodukte waren entsprechend gefragt. Dadurch hat sich die Situation etwas beruhigt, wenngleich die Erholung recht zaghaft verläuft. Langfristig handelt es sich aufgrund der Bewertungen um eine sehr interessante Assetklasse. Kurzfristig sind die Risiken (politische Unsicherheiten, Sentiment etc.) nach wie vor erheblich. Wir schließen uns dieser weit verbreiteten Meinung vorerst an und bleiben taktisch zurückhaltend positioniert.