Topfavorit Japan

Jetzt, im Herbst, gehören Japan und die USA zu den schönsten Orten der Welt, weil die Bäume in prächtigen roten und goldenen Farben leuchten. Was allerdings die Aktienlandschaft anbelangt, könnte sie in den beiden Ländern nicht unterschiedlicher sein, so Luca Paolini, Chief Strategist bei Pictet Asset Management.

Zunächst einmal ist Japan unseren Bewertungsmodellen zufolge von allen Industrieländern das günstigste, während die USA mit Abstand das teuerste sind. Zweitens pumpt die japanische Notenbank weiter Geld in den Markt (wenn auch nicht mehr so stark wie bisher), während die Fed genau das Gegenteil tut und letzte Woche das dritte Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen angehoben hat. Unsere Analysen, die auf Frühindikatoren, Anleiherenditen und dem Yen basieren, legen nahe, dass japanische Aktien 26% günstiger sind als sie es im Vergleich zu ihren globalen Pendants eigentlich sein sollten. 

Aktienanleger werden sich dieser Anomalie langsam bewusst – mit der Konsequenz, dass sich japanische Aktien im September erholten, während US-Aktien mehr oder weniger auf der Stelle traten. Insbesondere unser technisches Modell zeigt, dass die Anlegerpositionierung in Japan weiterhin neutral ist. Unserer Ansicht nach gibt es nach wie vor eine große Preislücke zu schließen, daher behalten wir unsere Untergewichtung in US-Aktien und unsere Übergewichtung in japanischen Aktien bei. 

Von Schwellenländeraktien sind wir weiterhin sehr angetan. Trotz der jüngsten Gewinne sind die Bewertungen weiterhin sehr attraktiv, während die Anlegerpositionierung immer noch sehr überschaubar ist. Die Frühindikatoren für Wirtschaftsaktivität und Unternehmensgewinne sind in den meisten Schwellenländern weiter robust und wir gehen nicht davon aus, dass der US-Dollar noch viel weiter zulegt.

Europa könnte durchaus der nächste regionale Aktienmarkt sein, der an Dynamik gewinnt, aber da es an einem klaren Trigger mangelt, bevorzugen wir vorerst eine neutrale Allokation.

GESUNDE RENDITEN

MSCI ACWI Health Care Price Index

Quelle: Thomson Reuters Datastream. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 22.09.2015–25.09.2018
Bei den Aktiensektoren belegt Technologie weiterhin den ersten Platz sowohl bei der Performance seit Jahresbeginn als auch bei den positiven Unternehmensmeldungen. Die Bewertungen dieser Aktien sind jedoch extrem überzogen; diese Entwicklung hat sich in den letzten drei Monaten beschleunigt. 

Die technischen Indikatoren sind allerdings positiv. Wir gehen vorerst davon aus, dass die Risiken einigermaßen ausgeglichen sind. Das könnte sich jedoch ändern, wenn sich die Aufregung über die Einführung eines neuen Kommunikationssektors im S&P und MSCI gelegt hat, in den Facebook, der Google-Mutterkonzern Alphabet und ähnliche Unternehmen aufgenommen werden sollen.

Unserer Ansicht nach spricht viel mehr für denjenigen Sektor, der 2018 am zweitbesten abgeschnitten hat: Gesundheitswesen (siehe Abbildung). Dem Sektor kommt die ungebrochene Vorliebe der Anleger für defensive Sektoren zugute, und er ermöglicht weiterhin die Teilnahme an langfristigen Megatrends, die sich in medizinischer Innovation niederschlagen.

Die zunehmende Nachfrage der Anleger nach defensiven Aktien hat uns auch dazu veranlasst, unsere Einstellung gegenüber Versorgern zu überdenken und sie von einem einfachen zu einem doppelten Minus herabzustufen.

Der starke Anstieg der Fremdverschuldung des Sektors in den letzten Jahren ist jedoch weiterhin ein beträchtliches Risiko. Global betrachtet ist das Verhältnis der Nettoverbindlichkeiten zum Trend-EBITDA bei Versorgern das zweitgrößte nach Immobilien und liegt weit oben im 20-Jahres-Bereich.

Lesen Sie die komplette Ausgabe des Barometers und erfahren Sie mehr zu Aktien, Anleihen, Währungen und zu unserer Einschätzung zur Asset Allocation.


Über den Autor

Luca Paolini kam 2012 als Chefstratege zu Pictet Asset Management. Davor arbeitete er als Aktienstratege bei Credit Suisse Securities, wo er für die Vermögens-, Sektor- und geografische Allokation verantwortlich war. Von 2005 bis 2007 war er bei Union Investment als Anlagestratege tätig. Luca Paolini begann seine Karriere 2001 bei Allianz Dresdner Asset Management. Im Rahmen seiner Tätigkeit im Bereich Asset-Allokation und Anlagestrategie wurde er zum Prokurist befördert. Luca Paolini hat einen Master in Volks- und Betriebswirtschaft von der SDA Bocconi School of Management in Mailand und ein Laurea Magistrale in Politikwissenschaften von der Universität Bologna.

Über Pictet Asset Management 

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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