2019 startet nun mit großen Herausforderungen

Kaum jemand konnte voraussehen, wie das Jahr 2018 verlaufen würde. Hohe Volatilität? Ja, da waren sich alle einig, aber insgesamt deutlich negative Aktienmärkte? Das wollte niemand glauben. Der Jänner begann dann auch recht verheißungsvoll, ehe sich erstmals negative Stimmen durchsetzten. Nach einem wiederum freundlichen 2. und 3. Quartal schlug die Stimmung gegen Jahresende allerdings schlagartig um. Was anfangs als kleiner Rücksetzer abgetan wurde, weitete sich zu einem veritablen Abschwung aus und ließ die Aktienmärkte mit einem durchschnittlichen Minus von 15 % zurück. Insbesondere liquide Werte mit hohen Kursgewinnen mussten Federn lassen. Allerdings begann sich auch die Spreu vom Weizen zu trennen und Titel innerhalb einer Branche entwickelten sich sehr unterschiedlich. In Europa müssen wir mit einem bitteren Cocktail aus Ängsten leben – entstanden aus der Ausweitung der Staatsschulden (Italien, Frankreich), dem möglicherweise ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens und dem zunehmenden Populismus und Protektionismus. In den USA sorgt Präsident Trump immer wieder für Erstaunen: nicht nur der Handelskonflikt mit China, auch der provozierte Konflikt mit Fed-Präsident Powell sowie der ungelöste Haushaltsstreit tragen zur negativen Stimmung bei. Neben diesen politischen Wirren werden aber auch die harten Fakten zusehends trüber. Die Notenbanken entziehen dem Kapitalmarkt Schritt für Schritt Liquidität und der Konjunkturzyklus befindet sich – insbesondere in den USA – in seiner späten Phase, was eine globale, wenngleich moderate Abschwächung erwarten lässt.

In diesem Umfeld behalten wir die Untergewichtung der Aktien, die Ende November eingegangen wurde, weiterhin bei, so Raiffeisen Capital Management. Im Rückblick hat sich die Taktische Asset-Allocation 2018 sehr gut bewährt. Das Musterportfolio, das unter anderem die Strategiefonds steuert, hat sehr gute relative Beiträge geliefert. Diese können jedoch nicht die absoluten Verluste der (Aktien-)Märkte kompensieren. 2019 startet nun mit großen Herausforderungen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien – Zum Jahresende eingebrochen

Das vergangene Jahr verlief bis zum Herbst bei zunehmend steigender Marktschwankung (Volatilität) gerade noch akzeptabel, in den letzten Monaten jedoch enttäuschend. Vor allem der Dezember drückte – trotz einer kleinen Erholung in den letzten Tagen des Jahres – die Stimmung.

Sorgen um ein Abreissen der Konjunkturdynamik, die Ausweitung der Handelskonflikte und weitere geopolitische Spannungen wirken belastend. Vor allem aber belastet das Auslaufen der expansiven Geldpolitik der führenden Notenbanken.

Nun hat auch der globale Aktienindex (MSCI World in Euro), der bis Ende November noch leicht im Plus lag, ebenso wie Japan und USA deutlich ins Minus gedreht. Der schwächere Euro kann die Lage etwas verschönern, aber die globalen Leitindizes verloren 2018 zwischen 5 und 15 %, Emerging Markets teilweise mehr. Lediglich Russland bildet eine Ausnahme, hier lagen die Verluste bereits im Vorjahr. Auch der exportorientierte DAX und der ATX (Osteuropatangente) erlitten herbe Verluste.

Aktien USA und Europa – Gewinnwachstum kühlt ab

Zu Jahresende 2018 war die Stimmung an den Aktienmärkten katastrophal. Viele Investoren fürchteten sich vor einer anstehenden Rezession, was aber durch Fundamentaldaten nicht bestätigt wurde. Die massiven Rückgänge haben dazu geführt, dass etliche Titel bereits wieder sehr billig geworden sind, aber auch der Gesamtmarkt ist im Vergleich zu seiner eigenen Historie durchaus als günstig zu bezeichnen. Die hohe Volatilität, die attraktive Kaufgelegenheiten schaffen wird, wird uns auch im kommenden Jahr begleiten und erst mit Ende der Zinsanhebungsphase abnehmen. Die Einzeltitelauswahl wird neuerlich an Bedeutung gewinnen. Nicht nur zwischen den Sektoren, auch innerhalb der Branchen sind sehr heterogene Entwicklungen zu erwarten – ein gutes Umfeld für aktive Manager! Das Gewinnwachstum wird zwar global rückläufig gesehen, aber immer noch bei rund 7 % liegen, der Euroraum sogar etwas besser. Strategisch ist daher der Euroraum zu bevorzugen. Politische Risken gibt es hüben wie drüben, sie stellen keine Basis für eine fundierte Investmentscheidung dar.

Emerging Markets – Generell schwaches Jahr 2018

Nach den starken Rückgängen an den Emerging Markets 2018 sind die Staatsanleihen dieser Länder vergleichsweise günstig bewertet – und zwar sowohl im Vergleich zu ihrer eigenen Historie als auch im Vergleich zu anderen Anlagewerten. Die aktuellen Niveaus können als faire Kompensation für den zu erwartenden wirtschaftlichen Rückgang sowie die diversen länderspezifischen Risiken gesehen werden. Wir haben im Rahmen unserer Taktischen Anleihen-Asset-Allocation keine Position in Emerging-Market-Anleihen.

Emerging-Market-Aktien haben 2018 im Vergleich zu Titeln aus den entwickelten Regionen verloren, konnten sich aber im turbulenten letzten Quartal in Relation gut behaupten. Aus Bewertungssicht sind sie weiterhin sehr attraktiv. Insbesondere im Vergleich zu den entwickelten Märkten, zu denen sie einen Abschlag von etwa 35 % aufweisen. Eine Einigung oder zumindest mildere Rhetorik im Handelsstreit zwischen den USA und China könnte einen Auslöser für das Anspringen der Kurse darstellen, ebenso wie geringere Zinsanhebungen der Fed oder das Zurückfahren von regulatorischen Eingriffen in China.