Verantwortungsvolles Investieren als Kern-Merkmal unserer ETFs

Durch ein aktives Mitwirken an Unternehmen, in die sie investieren, und die Meidung solcher, die den Mindeststandards nicht entsprechen, könnten ETF-Anleger von einem neuen Ansatz profitieren, erklärt Chad Rakvin Global, Head of Index Funds bei Legal & General Investment Management.

Wie wäre es denn, wenn ein ETF einen Zugang zum Markt geben könnte, ohne dass in Aktien investiert wird, die für verantwortlich investierende Anleger einfach nicht in Frage kommen, und ohne etwas von dem Risiko-Rendite-Profil des jeweiligen Index abweichen zu müssen?

Unser Research deutet darauf hin, dass genau das möglich ist. Ferner lässt der langfristige, globale Trend zur Anlage in Indexstrategien vermuten, dass solche Produkte wichtiger denn je sind.

Eine neue Ära für ETFs

Das in „passiven“ Anlagestrategien verwaltete Vermögen dürfte laut PwC von 14 Billionen US$ weltweit im Jahre 2016 auf sagenhafte 37 Billionen US$ bis 2025 ansteigen.1 Das wäre fast die Hälfte des Volumens der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr.2

Unseres Erachtens wird ein Großteil dieses Wachstums ETFs zu verdanken sein, die sowohl die Bausteine für Kernallokationen als auch Zugang zu Anlagethemen wie Robotik oder Rohstoffe bieten können und es den Anlegern zugleich ermöglichen, die Kosten unter Kontrolle zu halten.

Mit viel verwaltetem Vermögen geht auch viel Verantwortung einher. Unseres Erachtens obliegt es den Vermögensverwaltern, die Standards der Unternehmen und Märkte, in die sie investieren, durch aktive Mitwirkung anzuheben – unabhängig von den Anlagestrategien, die sie verfolgen.

Außerdem glauben wir, dass Anleger Zugang zu Indexanbietern erhalten sollten, die bestimmte Unternehmen, bei denen die globalen Mindeststandards der Geschäftspraxis nicht eingehalten werden, bei ihren Verfahrensweisen zur Indexkonstruktion ausschließen. Damit können Endanleger vor tiefgreifenden Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Problemen sowie damit einhergehenden potenziellen zukünftigen Anlagerisiken in Schutz genommen werden.

Welche Unternehmen scheiden aus?

Es gibt drei Arten von Unternehmen, von denen sich unserer Meinung nach verantwortungsvolle Anleger fernhalten sollten:

Diese Unternehmen machen die Future World Protection Liste von LGIM aus, die alle sechs Monate aktualisiert wird. Die Methodik wird formell auf Jahresbasis von unserem branchenführenden Team für Corporate Governance, das einen proaktiven Ansatz gegenüber dem sich laufend ändernden Anlageumfeld verfolgt, überprüft.

Wir schließen diese Unternehmen für unsere Core-ETF-Reihe und Future World-Fonds aus, unter anderem indem wir helfen, Marktindizes mitzugestalten. Zugleich ermutigen wir große Indexanbieter, mit ihren eigenen Prozessen zur Indexkonstruktion ähnlich zu verfahren, damit ein derartiger Ansatz auch für unsere anderen Tracker-Fonds gilt und den Anlegern anderswo zugutekommt.

Das Konzept entscheidet

Es gibt klare Vorteile, die dafür sprechen, nicht in diese Aktien zu investieren. Es geht um die Vermeidung von Risiken durch Unternehmen, die unserer Welt schaden. Außerdem besteht sogar die Möglichkeit höherer Erträge. Aber könnte sich ein solcher Ansatz auf die Performance und Volatilität negativ auswirken?

Unsere Analysen widersprechen dieser Sichtweise. Mittels Backtesting verglichen wir hierzu die Merkmale von zwei globalen Aktienindizes der Industrieländer, die in jeder Hinsicht gleich sind. Einer berücksichtigt die Future World Protection Liste und der andere nicht.

Wir fanden heraus, dass der Index, in dem die Liste berücksichtigt wurde, fast genau die gleiche Volatilität aufwies und im Zeitraum ab Juni 2012 fast genau die gleiche Performance lieferte wie der Schwesterindex, zu dem er ferner stark korreliert war.

Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Merkmale auch in Zukunft über einen längeren Zeitraum so ähnlich bleiben werden, insbesondere wenn eine große Aktie auf die Liste gesetzt würde. Trotzdem sollte diese Analyse die Anleger dahingehend zuversichtlich stimmen, dass die Meidung solcher Unternehmen nicht unbedingt zu einem Verlust an Performance oder einem Anstieg der Volatilität führen muss.

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten indes darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit Unternehmen die Anlagerenditen steigern kann und im Durchschnitt eine Outperformance der derart angesprochenen Unternehmen generiert.4 Die Sammlung von handfesten, empirischen Daten zu diesem Bereich steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.

Verantwortung ernst nehmen

Wir sind davon überzeugt, dass Fondsgesellschaften durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen echte, positive Veränderungen bewirken und damit eine aktive Eigenverantwortung unter Beweis stellen können. Dies kann den langfristigen Erfolg auf eine Weise fördern, dass die Anleger – die letztlich als Kapitalgeber fungieren – und die Wirtschaft als Ganzes davon profitiert.

Wir bei LGIM nehmen unsere Verantwortung als eine der weltweit größten Fondsgesellschaften sehr ernst. Dies spiegelt sich in folgenden Aktivitäten wider:

  • Zusammenarbeit mit Unternehmen
  • Weltweite Ausübung unserer Stimmrechte, mit einer konsistenten Stimme über ETFs, aktive Fonds und Indexfonds honweg
  • Umgang mit systemischen Risiken und Chancen
  • Einflussnahme auf Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger
  • Zusammenarbeit mit anderen Anlegern und Stakeholdern

Anleger, die Anteile unserer ETFs halten, sind daher in der Lage, von dem Umfang unseres gesamten Angebots in Bezug auf einige der drängendsten Themen unserer Zeit – wie Klimawandel, Vielfalt am Arbeitsplatz und Einkommensungleichheit – zu profitieren.

Unser auf Corporate Governance spezialisiertes Team, das diese Aktivitaeten bündelt, arbeitet unabhängig vom operativen Geschäft und berichtet direkt an den Vorstand von LGIM. Damit soll sichergestellt werden, dass potenzielle Interessenkonflikte bei Anlagen minimiert werden und wir stets darauf achten, das beste Ergebnis für unsere Kunden zu erzielen.

Unsere Verantwortung gegenüber den Anlegern

Für uns erstreckt sich Verantwortung auch auf den Umgang mit unseren Kunden. Das bedeutet, dass wir uns nicht nur auf das Preis-Leistungs-Verhältniskonzentrieren, sondern auch Core ETFs konzipieren, um Anleger durch eine durchdachte Struktur vor potenziellen Verlusten aufgrund von Indexereignissen wie Neugewichtungen zu schützen. Diese Struktur soll überlaufene Segmente vermeiden, was in einer anderen Veröffentlichung ausführlich diskutiert wird.

Mit der Future World Protection Liste und unserem Ansatz in Bezug auf aktiven Aktionärtums können wir somit die Grundsätze verantwortungsvoller Kapitalanlagen in unseren Core ETFs berücksichtigen. Wir glauben, dass wir damit Anlegern in einem zunehmend überlaufenen Markt – in dem häufig der Preis vor allen anderen Aspekten im Vordergrund steht – etwas ganz Neues bieten können.

Weitere Informationen, im speziellen zum UN Global Compact, finden Sie links im PDF.


1) PwC, Asset & Wealth Management Revolution: Embracing Exponential Change, 2017
2) Laut Angaben der Weltbank belief sich das globale BIP im Jahr 2017 auf 80,7 Billionen US$
3) Die Indizes sind: Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap USD und Solactive Core Developed Markets Large & Mid Cap USD Index.
4) Elroy Dimson, Ouzhan Karaka, Xi Li, Active Ownership, Review of Financial Studies, 2015.

Chad Rakvin ist Global Head of Index Funds bei LGIM und hat diese Position seit September 2015 inne. Rakvin stieß im Jahr 2013 als Head of US Index Funds zu LGIMA. Davor war er Global Equity Index Director bei Northern Trust.