Big Trouble in Little China?

Der Handelskrieg, das Abkühlen der Weltwirtschaft und wachsende Unsicherheiten am Heimatmarkt: die Probleme, die sich der chinesischen Volkswirtschaft in den Weg stellen, werden nicht weniger, so Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Das typische Bild des chinesischen Drachen zeigt ein massives Reptil mit großem, abgeschottetem Kopf, das keine Flügel besitzt und sich von einer Schlange nur durch vier klobige Beine unterscheidet. Zieht man dieses Fabelwesen zum metaphorischen Vergleich der chinesischen Wirtschaft heran, so behaupte ich, dass die vier Beine, die das Tier in Balance halten, Konsum, Export, Infrastruktur und Verschuldung sind. Derzeit erscheinen drei der vier Beine ausgesprochen zittrig.

Der große städtische Einzelhandels-Blues

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Während der heimische Konsum ständig im Wachstum begriffen ist, fällt das jährliche Wachstum in innerstädtischen Einzelhandelsverkäufen, wo der Großteil der Güter mit hohem Wertschöpfungsanteil konsumiert wird, seit 2010. Seit 2015 schien das jährliche Wachstum stabil zu sein, was Analysten zu der Annahme verleitete, dass die Umsätze wieder steigen würden. Der Handelskonflikt, der 2018 begann, brachte als Folgeerscheinung geringeres Konsumentenvertrauen und somit ein Ende dieser Hoffnungen. Ein weiteres Absinken der Wachstumsraten ist nunmehr das wahrscheinlichste Szenario.

Ein Pyrrhus-Sieg im Handelskrieg mit den USA?

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Der Handelskonflikt war der dominierende Faktor in 2018, dies trotz der Tatsache, dass sich die Folgen erst allmählich zu manifestieren beginnen. Im Dezember 2018 erreichte der Außenhandelsüberschuss Chinas mit den USA einen neuen Rekord. Zwar bestehen widersprüchliche Erklärungsansätze bezüglich dieses ausgesprochen hohen Niveaus, doch steht fest, dass Donald Trump und die „Hawks“ innerhalb seiner Administration davon Notiz nehmen werden. Ein Handelsabkommen rückt damit in zunehmende Ferne und wird weiterhin das Wachstum belasten.

Die noch zu bauenden Brücken werden weniger

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Wenn Konsum das Blut der chinesischen Wirtschaft ist, so stellt die Infrastruktur das Rückgrat dar. Es hält Staatsunternehmen am Leben, bereitet den Weg für zukünftiges Wachstum und ist primär von zwei Rohmaterialien abhängig: Beton und Stahl. Nach einer bemerkenswerten Rallye seit 2015 verzeichnete der Stahlpreis 2018 einen Verfall , was auf ein Austrocknen der Infrastruktur-Pipeline hinweist. Zwar musste die letzte Investitionswelle im Infrastrukturbereich natürlich irgendwann abebben, doch war das starke Gefälle, welches der Stahlpreis aufwies, überraschend und  könnte auf eine turbulente Zukunft hindeuten. 

Drei außer Gefecht, bleibt noch einer?

Mit drei wackeligen Beinen stützt sich Wirtschaft des chinesischen Drachen nunmehr auf das vierte, d.h. Verschuldung, auf welches die chinesische Regierung ohne Zweifel großen Einfluss vermittels der gehorsamen Bank of China ausübt. Zwar ist das Verschuldungsniveau schon hoch, doch bin ich der Ansicht, dass nach wie vor Spielraum besteht, bevor die Verschuldung ein besorgniserregendes Volumen erreicht.

Zusammenfassend kann man konstatieren, dass China sich Problemen ausgesetzt sieht, die es nicht alle vollends unter eigener Kontrolle hat. China hat auf unangenehme Art und Weise  herausgefunden, was es bedeutet, die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA herauszufordern und sieht sich nicht nur nationalem Schmach von Seiten des US-Präsidenten mit lockeren Fingern ausgesetzt, sondern musste sich auch selbst hausgemachte Probleme eingestehen, die zu lange ignoriert worden waren.

Ob dies nun zu einer Rezession in China führt (d.h. zu einer Periode von 5% oder weniger an Wirtschaftswachstum) oder lediglich eine Periode durchschnittlichen Wachstums mit sich bringen wird, ist noch unklar. Da letztere Szenario ist jedenfalls wahrscheinlicher. Der chinesische Drache kann gut auf einem Bein dahinschlittern und ein Ende in einem großen Feuerball vermeiden.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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