US-Notenbank als Taktgeber

Die US-Aktien sind im vierten Quartal 2018 um rund 14 % gefallen. Damit wurde das achtschlechteste Quartal im letzten halben Jahrhundert markiert. Nach derartigen Rückgängen kommt es in aller Regel zu einer steilen Erholung. Diese setzte ein, sobald sich die Marktteilnehmer zu ihren Weihnachtsfeiern zurückgezogen hatten. In der ersten Phase sind solche Erholungen nicht notwendigerweise von verbesserten Fundamentaldaten getrieben. Vielmehr lassen die überverkaufte Situation, die bereits sehr negative Stimmung und die Erschöpfung der Bären die Märkte hochschnellen. Im aktuellen Fall sind außerdem die Überlegungen der US-Notenbank, eine Pause bei den Zinsanhebungen einzulegen, hinzugekommen. Früher oder später werden die Wachstumsaussichten und andere Einflussfaktoren jedoch wieder in den Fokus rücken. Hier hat sich die Einschätzung nicht verändert: die globale Wirtschaft schwächt sich ab, die Erwartungen für die Unternehmensgewinne gehen nach unten und viele Notenbanken ziehen die Zügel an. Die momentan laufende Erholung der Aktienkurse wird daher genutzt, um die Aktienquote um einen weiteren Schritt zu reduzieren. Eine positive Einschätzung besteht hingegen für Rohstoffe inklusive Edelmetallen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien – US-Notenbank als Taktgeber

Nach einem sehr schwachen vierten Quartal haben die Aktienmärkte rechtzeitig zur Bescherung ihren Tiefstand erreicht. Seitdem geht es wieder steil bergauf. Was ist passiert? Anfang Oktober hatte Notenbankpräsident Powell – vor dem Hintergrund eines Aktienmarktes, der von einem Hoch zum nächsten eilte – vollmundig erklärt, dass das Ende der Zinsanhebungen noch lange nicht erreicht ist. Belohnt wurde er mit dem achtschlechtesten Vierteljahr für US-Aktien in den letzten 50 Jahren. Anfang Jänner hat Powell dieser Entwicklung Rechnung getragen und ausgesagt, dass eine Pause bei den Zins- anhebungen denkbar ist. Und schon erholen sich die Aktien wieder.

Besonders profitieren in diesem Umfeld die Aktien aus den Schwellenländern. Trotz einiger negativer Nachrichten von der chinesischen Wirtschaft, fallen die Kursanstiege bei den Emerging Markets höher aus als jene in den entwickelten Märkten. Von den größeren Märkten fallen hier Brasilien, Russland und die Türkei besonders positiv auf.

Aktien USA und Europa – Gewinnwachstum kühlt ab

Die fundamentale Beurteilung der Aktienmärkte hat sich nicht verbessert. Weiterhin ist eine Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes zu beobachten. Diese zeigt sich beispielsweise an den weltweit nach unten gehenden Einkaufsmanagerindizes und auch an anderen, sich verschlechternden Konjunkturdaten. Der Arbeitsmarkt ist eine wichtige Ausnahme.

In Bezug auf die Unternehmensergebnisse, dem zweiten Pfeiler der fundamentalen Beurteilung, gehen die Erwartungen nach wie vor zurück. Das gilt für alle Weltregionen. Sehr positiv hat sich zuletzt allerdings die Neubeurteilung der Geldpolitik auf die Aktienmärkte ausgewirkt. Nach dem Muster der letzten Jahre führt eine lockere Geldpolitik zu einem steigenden Risikoappetit unter den Anlegern. Wie lange dieser Zustand noch anhält, hängt sehr stark von den oben erwähnten Fundamentaldaten ab. Stabilisieren sich diese in absehbarer Zeit, gibt es Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte. Andernfalls ist zumindest mit einem Rückfall auf die Tiefstände des Dezembers 2018 zu rechnen.