Sichere Häfen werden verlassen

Im Zuge der Kursrally der Aktienmärkte leben auch die Anleihemärkte mit höherem Risiko wieder auf. Die sicheren Häfen der Staatsanleihen werden also wieder verlassen – obwohl auch diese erstaunlich robust bleiben. Anleihen, die zum Ende 2018 deutliche Kursabschläge hinnehmen mussten, sind wieder gefragt: High Yield und Emerging Markets. Gerade die Emerging Markets litten 2018 unter den steigenden US-Zinsen und dem Druck durch die Handelsspannungen. Mit der Neubewertung der US-Geldpolitik wurde nun auch an den Rentenmärkten ein Aufschwung und eine Phase höherer Risikobereitschaft eingeleitet.

Auch die stets als sicherer Hafen angesehenen deutschen Bundesanleihen legten etwas zu, deren 10-jährige Rendite ging dabei wieder auf ca. 0,2 % zurück. Zwei bedeutende europäische Märkte entwickeln sich hingegen gegenläufig: etwas unerwartet ist in Großbritannien leichte Entspannung eingetreten, vor allem das Pfund legte zu. In Italien sind hingegen wieder Zweifel an politischer und fiskalischer Stabilität aufgetreten.

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Geld-/Kapitalmarkt: neue Richtung der Geldpolitik?

Seit Jänner steht die US-Notenbank vor einer veritablen Strategiewende. Statt angekündigter weiterer Zinsschritte – der Leitzins steht aktuell bei max. 2,5 % – hat Fed-Chef Powell angekündigt, die Geldpolitik sei an die aktuelle Situation angepasst und in weiterer Folge werde man die Entwicklungen beobachten. Es gebe keinen vorgegebenen Pfad (mehr).

Während in den USA Zinsanhebungen in den nächsten zwölf Monaten praktisch vollständig ausgepreist wurden, stehen dort mittlerweile sogar Zinssenkungen für 2020 im Raum.

Auf Seiten der Europäischen Zentralbank gab es zuletzt weniger spektakuläre Entwicklungen. Der Preis druck im Euroraum ist nach wie vor schwach. So sank die Kerninflationsrate (exklusive Lebensmittel und Energie) jüngst auf 1 %. Die nächste Sitzung der EZB findet bereits am 7. März 2019 statt, dort werden die Ratsmitglieder über künftige monetäre Maßnahmen entscheiden. Fest steht, dass die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren seit rund einem Jahr mehrheitlich enttäuscht hat und die negative Dynamik nach wie vor stark ausgeprägt ist.

Staats- und Unternehmensanleihen: Risikoprämien bei Unternehmensanleihen sinken wieder

Trotz der beeindruckenden Aktien-Rally ist es in den vergangenen Wochen auch bei den bonitätsstarken Staatsanleihen, den „sicheren Häfen“, global zu moderaten Renditerückgängen und damit Kursanstiegen gekommen. Entstanden sind diese durch nicht verschwinden wollende Event-Risiken (Hard-Brexit, Handelskrieg) sowie durch schwächere Wirtschaftsdaten. Vor allem die Industrie kam zuletzt zunehmend unter Druck. Wir begegnen dieser Situation in erster Linie durch Positionierungen auf den Zinskurven.

Entgegen der konjunkturellen Entwicklung sanken 2019 auch die Risikoprämien von Unternehmensanleihen, insbesondere in den USA aber auch in Europa. Vor allem die Ankündigung der US-Notenbank und anderer Notenbanken, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht weiter anzuziehen, hat die Aktienmärkte und die Unternehmensanleihen stärker positiv beeinflusst, als dies schwache Konjunkturindikatoren davor im negativen Sinne taten. Wir erhöhen unsere Übergewichtung von Euro-Qualitäts-Unternehmensanleihen gegenüber High-Yield-Anleihen.