Die Krise in Argentinien: Ansteckungsgefahr für die Schwellenländer?

Welche Auswirkungen haben die aktuellen Ereignisse in Argentinien auf das Marktgeschehen in den Schwellenländern? Nach Ansicht von Magdalena Polan, Senior Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), sind diese eher begrenzt und spiegeln vielmehr eine länderspezifische Entwicklung wider. Auch die moderate Haltung der Fed sowie die anhaltend niedrigen G3-Durchschnittszinsen dämmen eine mögliche Ansteckungsgefahr durch die Krise in Argentinien ein. Dennoch komme die Änderung der politischen Perspektiven durch die aktuellen Wahlergebnisse in Argentinien für Schwellenländer zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Märkte passten sich immer noch an die Eskalation im Handelskrieg, die Schwäche des chinesischen Yuan als Reaktion auf die neuen Zölle, sowie die fehlenden positiven Wachstumssignale aus China an. „Der US-Zinsausblick, die weitere Entwicklung in China, sowie die Entwicklung des globalen Wachstums und weltweiten Handelsvolumens werden für die Vermögenswerte der Schwellenländer relevanter sein als die aktuelle Situation in Argentinien. Diese kann jedoch negative Tendenzen an den Weltmärkten verstärken“, erläutert Polan.

„Natürlich besteht das Risiko, dass die Inhaber umfassender argentinischer Vermögenswerte nun gezwungen sind, Barmittel zur Deckung von Abflüssen aufzubringen. Das könnte Auswirkungen auf andere Schwellenländer mit guten Fundamentaldaten und Liquidität haben, da diese aufgrund ihrer guten Performance leicht verkauft werden können“, so Polan. Zudem sei denkbar, dass die aktuelle Entwicklung in Argentinien den Fokus auf Länder mit schwachen Fundamentaldaten lenken könnte. „Investoren könnten dann mögliche Risiken neu bewerten wollen. Etwa, ob andere Schwellenländer eine Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigen, oder ob mögliche politische Veränderungen Reformen oder einer umsichtigen makroökonomischen Politik im Wege stehen“, argumentiert die Ökonomin.

Doch insgesamt sind sowohl die Anlageklasse Emerging Markets als auch die Zahl und Vielfalt der Anleger in EM-Assets angewachsen. Nach Ansicht Polans dämme das die Folgen länderspezifischer Entwicklungen in einzelnen Schwellenländern auf den Gesamtmarkt ein. „Die Marktteilnehmer haben das im vergangenen Jahr erlebt: Sowohl die Türkei als auch Argentinien standen unter starkem Marktdruck, ebenso wie die brasilianischen Vermögenswerte vor den Präsidentschaftswahlen. Dennoch fielen die Reaktionen in anderen Schwellenländern eher verhalten aus, obwohl die Märkte zu diesem Zeitpunkt noch Leitzinsanhebungen der US-Notenbank Fed für 2019 und einen stärkeren US-Dollar erwarteten“, unterstreicht Polan.

Allerdings könnte das Wachstum in den lateinamerikanischen Nachbarländern erneut unter einer wahrscheinlichen Verlangsamung des argentinischen Wachstums leiden, die durch den jüngsten Ausverkauf der Währung und das potenzielle Risiko eines erneuten Kapitalabflusses verursacht wird. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch noch zu früh, das genaue Ausmaß der Krise in Argentinien zu definieren. Es gilt, die politischen Antworten und die damit verbunden möglichen Auswirkungen sowie die Dauer der Devisenschwäche weiter zu beobachten“, schließt die Ökonomin.