Made in Africa – Freihandelsabkommen bietet Chancen für kleine Unternehmen

Abseits des Rampenlichts von weltwirtschaftlich prominenten Themen wie Brexit und Handelskonflikt haben 54 von 55 afrikanischen Ländern ein Freihandelsabkommen ratifiziert. Das Abkommen wird mit dem Inkrafttreten im Jahr 2020 die wirtschaftlichen Spielregeln auf dem Kontinent nachhaltig verändern und einen riesigen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Von diesem werden voraussichtlich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Investoren profitieren können.

„Das Hauptziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren in Afrika abzubauen, um eine Freihandelszone mit großem Potenzial für Unternehmen zu schaffen“ sagt Yann Groeger, Regional Manager Afrika bei BlueOrchard. „Gerade die aufstrebende Mittelschicht Afrikas und eine wachsende junge Bevölkerung dürften von diesem Abkommen profitieren. Schon heute leben auf dem Kontinent 1,2 Milliarden Menschen; in 80 Jahren werden es laut Bevölkerungsforscher 4 Milliarden sein, verglichen mit schätzungsweise 5 Milliarden Menschen in Asien. Laut der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) wird sich dadurch auch die Produktionsleistung von 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 930 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 nahezu verdoppeln. Das stellt einen gewaltigen neuen Markt dar, auch für Investoren.

Zollabbau als Katalysator für den afrikanischen Binnenhandel

Trotz der vielerorts fehlenden Infrastruktur und oft hohen Kosten für den Transport von Waren, zieht der afrikanische Binnenhandel weiter an. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Anteil bereits um 20 Prozent erhöht – mit steigender Tendenz. Das Freihandelsabkommen wird wohl einen rapiden Zollabbau auslösen, von dem vor allem Klein- und Mikrounternehmen profitieren dürften. Dafür müssten jedoch die richtigen Anreize, wie zum Beispiel die Teilnahme an der Governance der Produktion, gesetzt werden. Wie der UNCTAD-Report berichtet, wird das Abschaffen der Zollbarrieren Kleinstunternehmen die Möglichkeit bieten, Teil von regionalen Wertschöpfungsketten zu werden und damit deutlich mehr abzusetzen.

Das klingt zwar noch sehr theoretisch, weist aber bereits Erfolge auf: Am Beispiel von Tee hat sich in Kenia gezeigt, wie auf nationaler Ebene kleine landwirtschaftliche Betriebe in die Wertschöpfungskette eingebunden werden können. Durch das Erhöhen des Anteils in der Verarbeitungs- und Vermarktungsphase erhalten die Landwirte in den Teefabriken mehr Mitspracherecht. Sie stellen etwa 70 Prozent der inländischen Teeproduktion bereit, wovon schätzungsweise rund 500.000 Haushalte leben können. Dies sind erfolgreiche Strukturen, die aufgrund des Freihandelsabkommens auf regionaler Basis weitergedacht werden können, beispielsweise durch das Erweitern auf die umgebenden Länder Kenias wie Uganda, Ruanda oder Tansania. Ähnliche Situationen finden sich in der Kakao-, Baumwoll- oder Getreideproduktion. Dies könnte mittel- bis langfristig für Investoren interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

Durch den Beschluss und die Ratifizierung des afrikanischen Freihandelsabkommens ist bereits viel auf den Weg gebracht worden. Allerdings müssen noch einige entscheidende Details des Abkommens ausgearbeitet werden. Ein heikles Thema sind vor allem die Ursprungsregeln, die definieren, welche „Staatsangehörigkeit“ ein Produkt hat. Aber eines dürfte sicher sein: Afrika wächst durch diesen Beschluss zusammen.“


Über BlueOrchard Finance AG

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