„Risikoarme“ Staatsanleihen?

Mittlerweile hat die US-Notenbank die Leitzinsen zweimal gesenkt, die Rentenmärkte sind – trotz kurzfristiger Rückschläge – seit Jahresbeginn in prächtiger Verfassung.

Auch die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank hat Spuren hinterlassen, allerdings eher dämpfende. Hier war die Erwartung doch etwas höher und der September brachte keine Beiträge zur Wertentwicklung. Dennoch: 6–9 % in Euro-Anleihen, Italien sogar wider Erwarten deutlich darüber – ein sehr gutes Jahr für Investoren dieser risikolosen (?) Asset-Klasse. Der weiter schwächer gehende Euro hat zuletzt weniger die US-Anleihen, sondern vielmehr UK- und Emerging-Market-Anleihen währungsseitig unterstützt. Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Emerging-Market-Währungen nach einem recht schwachen Sommer nun etwas erholt haben.

US-Anleihen sind hingegen weiterhin die Ertragsbringer des Jahres, die höheren laufenden Renditen und Währungsgewinne machen den Großteil der Differenz zu Euro-Anleihen aus.

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Geld-/Kapitalmarkt: Anleihekaufprogramm läuft wieder an

Die Renditen der Staatsanleihen stiegen bis Mitte September doch deutlich an, zumal die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren weniger stark negativ ausfielen (Europa) oder positiv zu überraschen wussten (USA). Mit der nochmaligen Senkung des Einlagesatzes auf - 0,5 % und der Entscheidung, abermals ein Anleihekaufprogramm zu starten – ab November 20 Milliarden Euro pro Monat –, änderte die Europäische Zentralbank (EZB) das Bild: Die Renditen driften wieder nach unten. Hinzu kam, dass die US-Fed wenige Tage später den Leitzins um 25 Basispunkte senkte, der mittlerweile zweite Schritt, ein dritter wird bis Jahresende vom Markt erwartet beziehungsweise „eingepreist“.

Auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt ein schwer kalkulierbares Risiko, das sowohl die US-Fed als auch die EZB abzufedern versuchen. In Europa steigt unserer Einschätzung nach allerdings der politische Widerstand gegenüber den Anleihekäufen, wir bleiben im Rahmen der Taktischen Asset-Allocation in europäische Staatsanleihen untergewichtet.

Staats- und Unternehmensanleihen: „Risikoarme“ Staatsanleihen?

Globale Staatsanleihen zeichnen sich nicht nur durch niedrige oder negative Renditen aus, wir beobachten auch etwa seit Jahresbeginn steigende implizite Volatilitäten an diesen Märkten. Vor allem Anfang September sprang dieses Angstbarometer an den Anleihemärkten stärker an als an den Aktienmärkten. Staatsanleihen stellen somit einen zunehmend unangenehmeren, risikoreicheren Teil eines diversifizierten Portfolios dar. In Erwartung sinkender Renditedifferenzen (Spreads) bleiben wir bei unserem Übergewicht von risikoreicheren Emerging-Market-Staatsanleihen gegenüber europäischen Staatsanleihen.

High-Yield-Unternehmensanleihen kompensieren unserer Einschätzung nach mittlerweile bei weitem nicht mehr die inhärenten Risiken. Bei dem aktuellen Spreadniveau und erwarteten Ausfallsraten von 4 % (Ratingagentur Moody's per Ende August 2020) sind die Ertragsaussichten am High-Yield-Markt so trübe wie zuletzt 2007/08. Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht.

Emerging Markets: Anleihen weiter attraktiv

Hingegen bleiben Emerging-Market-Anleihen in Hartwährung eines der attraktivsten Segmente. Der Handelsstreit zwischen den USA und China spielt in diesem Zusammenhang eine nicht unwichtige Rolle, die wesentlichste Dynamik passierte zuletzt jedoch nicht im asiatischen, sondern im lateinamerikanischen Raum, wo nicht nur für Argentinien die Konjunkturprognosen von Analysten zuletzt deutlich nach unten genommen wurden. Wir behalten unser Übergewicht von Emerging-Market-Staatsanleihen in Hartwährung gegenüber europäischen Staatsanleihen bei.

Positives Szenario

Die Erwartungskomponente des ifo-Geschäftsklimaindex ist im September zum sechsten Mal in Folge gefallen. Tiefere Werte als der aktuelle waren nur in den Jahren 2008 und 2009 zu beobachten, also während der Finanzkrise und der darauffolgenden Rezession der Weltwirtschaft. Der europäische Aktienmarkt erreicht – während diese Zeilen geschrieben werden – den höchsten Stand des heurigen Jahres. In den USA ist die Situation ähnlich, wenn auch – was die Vorlaufindikatoren betrifft – nicht so ausgeprägt.

Die Umfragen sagen also: es kommt die Rezession. Der Aktienmarkt, gemeinhin auch als recht verlässlicher Vorlaufindikator für die Konjunktur angesehen, meint hingegen: alles in Butter! Mögliche Begründungen, Annahmen oder Erwartungen für diese Diskrepanz sind einfach zu finden.

Ob sie zutreffen, ist allerdings eine andere Frage:

  1. Die Abschwächung betrifft vor allem die Industrie. Der Dienstleistungssektor bleibt nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit weiterhin robust.
  2. Der Handelskrieg wird noch heuer beendet, weder die USA noch China haben ein Interesse daran, das Thema ins Jahr 2020 zu schleppen.
  3. Die Wirtschaftsschwäche des Jahres 2019 ist Ergebnis der geldpolitischen Straffung des Jahres 2018. Dementsprechend ist für 2020 vor dem Hintergrund der nunmehr wieder extrem lockeren Geldpolitik eine deutlich stärkere Wirtschaft zu erwarten.
  4. Die Unternehmen können sich zu Bestkonditionen finanzieren.
  5. Obwohl die Aktienmärkte auf Höchstständen notieren, ist die Stimmung weiterhin vorsichtig und viele Anleger nicht voll investiert.
  6. Anleger müssen in Aktien investieren, weil die Ertragschancen am Geld- und Anleihenmarkt begrenzt sind.
  7. Präsident Trump löscht seinen Twitter-Account und der Brexit wird abgesagt.

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Aktien: Wieder gute Erholung im September

Die Aktienmärkte befinden sich seit Mai in einer Konsolidierungsphase auf hohem Niveau. Die Rückschläge fallen relativ kurz und recht mild aus, wobei die wieder expansive Politik der Notenbanken eine wesentliche Rolle spielt. Nach einem eher schwachen Monat August, in dem die US-Leitzinssenkung eine kleine Marktkorrektur auslöste, konnten sich die Märkte wieder prächtig erholen, es wurden dabei die Höchststände bei den US-Indizes beinahe wieder erreicht.

Generell legten alle wesentlichen Märkte im September zu, das gilt auch für Europa und die leicht angeschlagenen Emerging Markets, die im August doch recht kräftig nachgegeben hatten. Dennoch können die Emerging Markets global gesehen mit der Wertentwicklung der „entwickelten Märkte“, allen voran den USA, nicht mithalten. Eine Ausnahme bildet Russland. Hier sind es vor allem einige Einzeltitel, „Indexschwergewichte“ wie Rohstoffe und Finanztitel, die den gesamten Index nach oben treiben.

Globale Konjunktur: Abschwächung schreitet weiter langsam voran

Vorlaufende Konjunkturindikatoren wie etwa die globalen Einkaufsmanagerindizes im Industriebereich sind in allen wesentlichen Wirtschaftsregionen weiter rückläufig und befinden sich nunmehr durchgängig unterhalb der Expansionsschwelle von 50. Somit signalisieren sie negative Aussichten für den Produktionssektor, während sich der Dienstleistungsbereich in allen Regionen noch knapp oberhalb dieses Schwellenwertes halten kann.

Historisch gesehen ist allerdings der Servicesektor meist dem vorauslaufenden Produktionssektor gefolgt, zumal etwa ein Stellenabbau in der Industrie mit etwas Verzögerung negativ auf den Arbeitsmarkt und das Konsumklima durchschlägt. Hierfür gibt es derzeit aber noch kaum Anzeichen.

Die aktuelle risikoaverse Positionierung in der Asset-Allocation resultiert im Wesentlichen aus einem sich weiter eintrübenden fundamentalen Umfeld. Vor allem der schwelende Handelskonflikt lastet auf der globalen Konjunktur und beeinträchtigt Investitionsklima und Gewinnaussichten.

Aktien USA und Europa: Sorge um nachlassende Gewinndynamik

Nun steht wieder die nächste Berichtssaison an und für das dritte Quartal 2019 wird im Jahresvergleich ein Rückgang der Gewinne erwartet. In den letzten Quartalen konnten die Markterwartungen zwar stets übertroffen werden, dennoch hat die Gewinndynamik deutlich abgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 wird aktuell nur noch ein knapp positives Wachstum prognostiziert.

Der Ausblick vieler Unternehmen ist aktuell von Vorsicht und Zurückhaltung geprägt, oftmals mit dem Verweis auf die mit dem Handelsthema verbundenen Unsicherheiten. Auf Basis dieser Ausblicke werden dementsprechend auch die Gewinnschätzungen der Analysten in allen Regionen mehrheitlich nach unten revidiert.

Somit bleiben als wichtigster Unterstützungsfaktor für die Märkte die internationalen Notenbanken mit ihrer wieder expansiveren Politik. Aufgrund der unveränderten Schwäche bei den Fundamentaldaten halten wir allerdings unsere zuletzt eingegangene Aktienuntergewichtung aufrecht.

Emerging Markets: Verlierern im Spiel der globalen Aktienmärkte

Emerging-Market-Aktien gehören im Jahr 2019 zu den relativen Verlierern im Spiel der globalen Aktienmärkte. Verantwortlich dafür ist die schwache Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes, das von Natur aus einen größeren Niederschlag bei Aktien aus den Emerging Markets findet. Mittlerweile scheint bereits sehr viel in den Aktienkursen eingepreist zu sein. Auch die Gewinnentwicklung, insbesondere im asiatischen Raum, scheint einen Boden auszubilden. Wir bleiben vorerst neutral gewichtet.

Was steckt in Plastik?

von Gernot Mayr, Senior Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Kunststoffe, oder umgangssprachlich Plastik, sind tolle Werkstoffe. Sie sind formbar, widerstandsfähig, leicht, hygienisch und meist billig. Eine moderne Welt ohne Kunststoffe ist nicht mehr vorstellbar.

Im Jahr 2015 wurden weltweit ca. 400 Millionen Tonnen Kunststoffe erzeugt. Ausgangsprodukt für Kunststoffe ist fast ausschließlich Erdöl bzw. Erdgas. Kunststoffe kommen in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlicher Lebensdauer zum Einsatz. Der größte Teil, ca. 45 %, findet als Verpackungsmaterial Verwendung, gefolgt von der Bauwirtschaft mit ca. 19 % und dem Einsatz als Konsumgüter mit ca. 12 %.

90 % des Kunststoffes entfallen auf die sechs Grundkunststoffe: Polyurethan (PUR), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol (PS), Polypropylen (PP) sowie Polyethylen (PE). Polyethylen wird noch je nach Herstellungsverfahren und Eigenschaften in High Density Polyethylen (HDPE) und Low Density Polyethylen (LDPE) unterschieden.

Um die Produkteigenschaften zu verbessern, werden Kunststoffen Zusatzstoffe, sogenannte Additive, zugesetzt. Darunter versteht man unter anderem Weichmacher, Flammschutzmittel, Thermostabilisatoren, Füllmittel, Farbstoffe, Stabilisatoren sowie Verstärkungsstoffe. Ein bekanntes Additiv ist Bisphenol A, das PET-Flaschen von manchen Herstellern als Stabilisator zugesetzt wird. Bisphenol A steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein.

Je nach Anwendungsgebiet und Kunststoff unterscheidet sich die Anwendungsdauer (wie lange das Produkt im Einsatz ist). Verpackungsmaterial hat die kürzesten Anwendungszeiten von durchschnittlich einem halben Jahr, im Baubereich liegt die längste Lebensdauer bei durchschnittlich etwas über 35 Jahren.

UND DANACH?

Am Ende ihrer Anwendungsdauer können Kunststoffe entweder recycelt, verbrannt oder deponiert werden. Bei Verbrennung ist zwar einerseits die hohe Energiedichte von Plastik nutzbar, andererseits wird hierbei CO2 freigesetzt, was negativen Einfluss auf das Klima hat. Bei Deponierung gelangt der Kohlenstoff zwar nicht in die Atmosphäre, bei unsachgemäßer Deponierung kommt das Plastik aber in die Umwelt und beeinflusst Fauna und Flora.

Beim Recycling wird alter Kunststoff in neuwertigen Kunststoff umgewandelt, wobei hier verschiedene Herausforderungen zu beachten sind. Kunststoffabfälle müssen zunächst je nach Art des Kunststoffs getrennt werden. Besonders problematisch ist dies einerseits bei Kunststoffen, die nicht den oben erwähnten Grundkunststoffen angehören, und bei sogenannten Verbundkunststoffen. Im letzteren Falle sind verschiedene Kunststoffarten fest miteinander verbunden, sodass die Trennung ausgesprochen mühsam und kostenintensiv ist. Zusätzlich müssen Verunreinigungen entfernt bzw. gering gehalten werden. Das Recycling selbst ist auch nicht beliebig oft wiederholbar. Je nach Kunststoff muss das Material nach einer bestimmten Anzahl von Recycling-Schritten in niederwertigere Anwendungen abgewertet werden. Mit anderen Worten, aus einer PET-Flasche lässt sich nicht eine ganze neue PET-Flasche herstellen, der Recyclingprozess ist somit verlustbehaftet. Eine Reihe von Studien1 zeigt allerdings, dass Recycling als umweltschonendste Methode für den Umgang mit Plastikmüll gilt, wobei die Vermeidung von Kunststoff durch Ersatz mittels leichter abbaubarer Stoffe natürlich unschlagbar ist. Laut OECD2 werden zum Beispiel bei jeder Tonne PET, die alternativ zur Deponierung recycelt wird, 1,7 Tonnen CO2 eingespart.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie links als PDF.

1) C. A. Bernardo: Environmental and economic life cycle analysis of plastic waste management options. A review; 2016
2) OECD publishing: Improving Markets for Recycled Plastics (Trends, Prospects and Policy Respones); 2018

Globale Abschwächung abzusehen

Die Tendenz zu immer schwächeren globalen Wirtschaftsdaten setzt sich ungebremst fort. Unternehmensgewinne stagnieren noch auf hohem Niveau, das Gewinnmomentum ist jedoch schon rückläufig. Der Handelskrieg der USA, insbesondere mit China, sowie die generelle Verunsicherung in der globalen Exportwirtschaft hinterlassen immer mehr Spuren. Nach dem sukzessiven Einbruch der Frühindikatoren dürfte sich der Produktionssektor vor allem in Europa bereits am Rande einer Rezession befinden. Hingegen profitiert der Dienstleistungsbereich – dieser ist in den USA traditionell von wesentlich größerer Bedeutung – vom derzeit noch starken Arbeitsmarkt und dem guten Konsumklima.

Während in den USA die Wirtschaft im zweiten Quartal noch mit 2 % gewachsen ist, nähert sich die Eurozone der Nulllinie. In Deutschland – sowohl vom Handelskrieg wie auch von strukturellen Veränderungen stark betroffen – war das BIP-Wachstum im zweiten Quartal bereits negativ. In diesem konjunkturellen Umfeld werden auch schwächere Unternehmensergebnisse erwartet.

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Rohstoffe und Währungen: Gold glänzt wieder

Wie die Aktienmärkte gaben auch die Energiepreise Anfang August deutlich nach und befinden sich wieder auf dem eher schwachen Niveau vom Juni. Öl und Industriemetalle (dort sind nur Nickelpreise stark im Plus) stehen auch aufgrund des Handelskriegs unter Druck.

Seit einigen Monaten beginnen jedoch Gold und Silber wieder zu glänzen – mit einem Plus von über 20 % seit Mai (bzw. seit Jahresbeginn)! Gold ist nicht nur ein Spekulationsobjekt, es hat auch den Charakter einer Währung: Wenn alle Währungen abwerten und deren Geldmärkte negative Zinsen tragen, profitiert dieses Edelmetall.

Auf den Devisenmärkten war zuletzt wieder eine Abschwächung der Währungen der Emerging Makets zu sehen. Nach der US-Leitzinssenkung drifteten letztlich alle Emerging-Market-­Währungen nach unten, einige verloren sogar stark (Real, Rand), beim Argentinischen Peso muss man von Crash sprechen, er verlor im August 25 %. Wenig Bewegung bei Euro und Dollar, auch das Pfund blieb zuletzt trotz des anstehenden Brexits stabil.

Signale aus dem Akti­enmarkt selbst sind mehrheitlich negativ

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist nach wie vor der größte Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft und für die Finanzmärkte. Dies gilt allerdings nicht nur im negativen Sinne. Das haben nicht zuletzt die Entwicklungen im August gezeigt. Den beiderseitigen Ankündigungen neuer und höherer Zölle folgten unmit­telbar beschwichtigende Worte. Entsprechend werden auch die Märkte hin und her geworfen. Es scheint, dass keine der beiden Parteien als Verlierer vom Platz gehen möchte, immerhin könnte das vom politischen Gegner als Schwä­che ausgelegt werden. Andererseits können weder die USA noch China eine Rezession ge­brauchen. Der Ausgang bleibt somit ungewiss. Dies macht jegliche Kapitalmarkteinschätzung nicht einfacher. Fest steht allerdings: wenn man mit einem Schlauchboot auf einen Wasserfall zufährt, gibt es einen bestimmten Punkt, an dem kein Gegenrudern mehr hilft, man wird von der Strömung in die Tiefe gerissen. Momentan sind wir vermutlich (oder hoffentlich) noch vor diesem Punkt. Das zeigen die Wirtschaftsdaten, die zwar im Produktionsbereich sehr schwach sind, im Dienstleistungsbereich allerdings noch recht robust aussehen. Die Unternehmen ver­dienen gut, die – für die Finanzmärkte relevan­ten – Aussichten werden aber kontinuierlich nach unten revidiert. Die Signale aus dem Akti­enmarkt selbst sind mehrheitlich negativ. Technische Indikatoren wie Momentum und Marktbreite haben sich spürbar verschlechtert. Die Daten zur Investorenstimmung sind unter­ dessen uneinheitlich. In Summe rechtfertigen die Indikatoren eine Reduktion der Aktienquote in der Taktischen Asset­-Allocation. Dies geschieht zu Gunsten von Edelmetallen. Gold und Silber haben in den letzten Wochen nach jahrelangen Abwärtstrends ein Lebenszeichen von sich gegeben. Die guten Gründe für stei­gende Preise dürften nunmehr stärker wahrgenommen werden.

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Aktien: Der Zinssenkung folgte Abschwächung

„Buy on rumours, sell on facts.“ Gleich nach der vom Markt heiß ersehnten Leitzinssenkung der US­-Noten­bank drehten die Aktienmärkte global nach unten. Nun traten wieder Konjunkturängste und die Folgen des wieder eskalierenden Handelskonflikts der USA mit China und der übrigen Welt in den Vordergrund. Letztlich verloren im August alle Märkte, allen voran die Emerging Markets: nicht nur China und damit Asien, auch Russland und Osteuropa sowie Latein­amerika, vor allem durch die Argentinien-­Krise. Dort verlor auch die Währung beträchtlich.

Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) ist zuletzt wieder angestiegen, jedoch von Krisenniveaus weit entfernt.

Die Marktindizes liegen seit Jahresbeginn noch deutlich im Plus, letztlich befinden wir uns seit Ende April in einer Seitwärtsbewegung. Die Aussicht auf weitere Lockerun­gen der führenden Notenbanken besteht weiter. Aber die Emerging Markets haben gesamtheitlich im August die halbe Jahresperformance aufgeben müssen, man sieht, dass das Eis doch recht dünn geworden ist.

Aktien USA und Europa: Nur noch seitwärts

Die Märkte tendierten in den letzten Wochen seitwärts, wobei weiterhin weniger Fundamentaldaten im Mittel­ punkt stehen, als vielmehr erneut politische Themen wie etwa die Handels- und Geldpolitik. Trotz der in den USA bis zuletzt mit positivem Grundton verlaufenden Berichterstattung, das Wachstum bei den Unternehmensgewinnen schwächt sich global gesehen deutlich ab: Für den Weltaktienindex ist die Dynamik in den letzten Monaten zunehmend negativ. Die 12-­Monats­ veränderung ist nur noch einstellig positiv, während die 6-Monatsveränderung bereits ein negatives Vorzeichen aufweist.

In Anbetracht der rückläufigen konjunkturellen Vorlaufindikatoren, den zunehmend vorsichtig werdenden Ausblicken der Unternehmen und den negativen Analystenrevisionen bei den Gewinnschätzungen, ist mit schwächeren Unternehmensergebnissen in den kommenden Berichtsperioden zu rechnen.

Aufgrund sich weiter verschlechternder Fundamentaldaten gehen wir aktuell eine Aktienuntergewichtung ein.

Emerging Markets: Schwacher August und weiter Vorsicht

Die Diskussionen, inwieweit eine globale Rezession bevorsteht und das Hin und Her im Handelskonflikt sind eine Gemengelage, die für Emerging Markets nichts Gutes bedeutet. Daher verlief der August für Emerging-Market­-Aktien recht enttäuschend, auch im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten. Zuletzt hat sich auch der Gewinntrend wieder entgegen den zuletzt aufgekommenen Erholungstendenzen verschlechtert. Wir bleiben weiter dabei, Emerging-Market-Aktien vorsichtiger zu gewichten bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-­Market-­Aktien jedoch attraktiv bewertet.

Renditen auf Tauchstation

Ist mit der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen – erstmals seit zehn Jahren – um 25 Basispunkte zu senken, nun die bereits erwartete Zinswende nach unten eingetreten? Die US-Fed bleibt für weitere Schritte offen.

Mit dieser Entscheidung und den vom Markt ebenso erwarteten monetären Lockerungen in Europa war der Höhenflug der Rentenmärkte bis zuletzt ungebrochen. Insbesondere die „riskanteren“ Marktsegmente wie Emerging Markets und Unternehmensanleihen erreichen Renditetiefs wie seit längerem nicht gesehen. Diese Märkte können von einem neuen Liquiditätsschub der führenden Zentralbanken am meisten profitieren. Auch die Staatsanleihen gehen in die gleiche Richtung fallender Renditen, zehnjährige deutsche Bundesanleihen werden nun zu Renditen unter minus 0,4 % gehandelt, in der Schweiz weisen aktuell bereits alle (!) Laufzeiten deutlich negative Renditen auf.

Die Währungskomponente spielt durch den leicht schwächeren Euro wieder eine Rolle, US- und Emerging-Market-Anleihen konnten – in Euro – zusätzlich profitieren.

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Geld-/Kapitalmarkt: USA setzt Startschuss zu Leitzinssenkungen

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, von denen nun abermals eine lockerere Geldpolitik erwartet und auch im Markt gepreist wird. EZB-Präsident Draghi warnte am 25. Juli 2019 davor, dass der wirtschaftliche Ausblick in der Eurozone „schlimmer und schlimmer" werde. Die Inflationsrate in der Eurozone (2. Quartal 2019: 1,4 %) liegt weit unter dem Ziel von knapp unter 2 % und dürfte weiter sinken. Die Wachstumsraten könnten in Anbetracht der aktuellen Konjunkturindikatoren nachhaltig unter das langfristige Potenzialwachstum fallen.

Für September wird allgemein damit gerechnet, dass die EZB abermals ein Anleihekaufprogramm ankündigen wird, um dem entgegenzuwirken. Die Schätzungen gehen von einem monatlichen Kaufvolumen von 30 bis 45 Milliarden Euro ab Jänner 2019 für zumindest zwölf Monate aus. Negative Renditen bei risikoarmen europäischen Staatsanleihen bleiben bis auf Weiteres nichts Ungewöhnliches.

Staats- und Unternehmensanleihen: Renditen auf Tauchstation

Euro-Anleihen konnten einmal mehr von der Erwartung baldiger Zinssenkungen seitens der EZB profitieren. Der Marktanteil von globalen Anleihen mit negativen Renditen ist zuletzt wieder markant angestiegen. Mario Draghis Kassandrarufe hinsichtlich des schwachen Wirtschaftsausblicks in der Eurozone und der Notwendigkeit fiskalpolitischer Unterstützung bleiben ungehört. So meinte der deutsche Finanzminister Scholz kürzlich, er habe „keine Pläne, die staatliche Geldbörse zu zücken“.

Im Juli sahen wir schwächere Wirtschaftsdaten, eine abermalige Welle von Unternehmens-Gewinnrevisionen und höher erwartete High-Yield-Ausfallsraten. Die Renditeabstände (Spreads) der Euro-High-Yield-Bonds mit niedrigem Rating (B und CCC) stiegen in diesem Umfeld trotz einer erwarteten geldpolitischen Lockerung der EZB, die Spreads der Investmentgrade-Anleihen sanken hingegen.

Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Emerging Markets

Die Risikoprämien von Hartwährung-Staatsanleihen notieren mittlerweile rund 100 Basispunkte enger als noch zu Jahresbeginn 2019, obwohl Konjunkturindikatoren eine Wachstumsschwäche andeuten. Die globalen Handelsdaten haben sich ebenfalls nicht erholt. Die Treiber sind nicht die Fundamentaldaten, sondern die (erwarteten) geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken. Wir erhöhen unser Übergewicht von Emerging-Market-Hartwährung-Staatsanleihen.

Aktien zwischen Geldpolitik und Wirtschaftsdaten

Nach der jüngsten EZB-Sitzung ist klar, dass es wieder Lockerungsschritte in der Geldpolitik geben wird. Die letzten Daten geben der Notenbank recht, oder zumindest eine Rechtfertigung. Die Inflation ist weit vom Ziel der Notenbanken entfernt und Teile der Wirtschaft – siehe Produktionssektor – schwächen sich immer stärker ab. Die Befürworter meinen, die Notenbank habe unbegrenzte Mittel und würde ihr Ziel früher oder später erreichen. Die Gegner monieren, dass die bisherigen Maßnahmen nichts gebracht hätten außer eine Perversion des Anleihenmarktes. Die Aktienmärkte sitzen zwischen den Stühlen. Die Liquiditätsschwemme trifft zwar (noch) nicht direkt auf den Aktienmarkt, durch sinkende Zinsen und Renditen eröffnet sich jedoch für den Aktienmarkt der Spielraum für höhere Bewertungen. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Liquidität und Volatilität negativ, also je mehr Liquidität, desto geringer die Volatilität. Geringeres Risiko bedeutet wiederum höhere Bewertungen.

Trotzdem handeln viele Aktienmärkte im Nirgendwo. Europa, Japan und Emerging Markets sind trotz aller Bemühungen immer noch unter den Niveaus von Anfang 2018. Der US-Markt überstrahlt einfach alles mit den großen Technologie-Werten, die den Markt zu Höchstständen treiben. US-Industriewerte haben übrigens auch seit anderthalb Jahren keinen neuen Höchststand mehr gesehen. Weite Teile des globalen Aktienmarktes leiden unter der Abschwächung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne.

Momentan sind die Faktoren Liquidität und Fundamentaldaten im Gleichgewicht, eine neutrale Haltung daher weiterhin gerechtfertigt. Wie wird sich das auflösen? Entweder die Wirtschaftsdaten erholen sich (unterstützt etwa durch Fortschritte im Handelskonflikt) oder der Produktionssektor zieht den Dienstleistungssektor mit nach unten in die Rezession. Mit mehr Evidenz in die eine oder andere Richtung werden wir uns wieder aktiver positionieren als zuletzt.

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Aktien: Anhaltende Hochstimmung

Heuer gibt es kein Sommerloch, denn der US-Markt hat im Juli wieder ein Allzeithoch erreicht! Teilweise bessere Unternehmensdaten und vor allem die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen trieben die Stimmungslage nach oben. Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) sank zeitgleich auf weit unterdurchschnittliche Werte. Ausschlaggebend sind aber weniger fundamentale Daten, die globale Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte – eventuell sogar längerfristige – monetäre Lockerung der führenden Notenbanken. Das lässt auch Handelskonflikte oder politische Spannungen um den Iran in den Hintergrund treten.

Osteuropa (Russland) ist 2019 weiter top, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus – wobei Deutschland aktuell eher stagniert. China und damit auch Emerging Asia sind im zweiten Quartal aufgrund des Handelskonflikts zurückgefallen. Durch das große Gewicht Asiens liegt auch der globale Emerging-Market-Aktienindex deutlich hinter den „entwickelten Märkten“.

Globale Konjunktur: Konjunkturindikatoren tendenziell unter Druck

Beim Blick auf die Wirtschaftsdaten stehen die vorauseilenden Frühindikatoren, etwa die Einkaufsmanagerindizes aus der Industrie, weiter unter Druck. Die Unsicherheit rund um den Handelskonflikt lastet insbesondere auf der Exportindustrie (z. B. deutsche Autohersteller). Die Economic Surprise Indices, welche die Abweichung aller veröffentlichen Konjunkturdaten in Relation zum Analystenkonsens abbilden, sind allesamt im negativen Terrain. Die Daten fallen also mehrheitlich schwächer aus als die Prognosen der Volkswirte. Die sogenannten harten Daten zum Arbeitsmarkt, zum Konsum oder auch zum Immobilienmarkt halten sich allerdings noch relativ stabil auf hohem Niveau.

Die aktuell und auch mittelfristig erwarteten niedrigen Inflationszahlen eröffnen zudem den Notenbanken Spielraum für expansive Schritte. Diese sind mit der US-Leitzinssenkung soeben angelaufen. Auf der Unternehmensebene dürften die US-Unternehmensgewinne auch in der laufenden Berichtssaison positiv überraschen, wenngleich der Ausblick verhalten ausfällt.

Aktien USA und Europa: Feste Märkte dank Geldpolitik-Erwartungen

Die Aktienmärkte entwickelten sich in den letzten Wochen tendenziell seitwärts, weiterhin stehen weniger die Fundamentaldaten im Mittelpunkt, als vielmehr politische Themen wie Handelspolitik und vor allem die Geldpolitik. Denn die internationalen Notenbanken erweisen sich einmal mehr als wichtigster Unterstützungsfaktor.

Relativ gute aktuelle Berichtssaison in den USA: Obwohl im Vorfeld der Veröffentlichungen zum zweiten Quartal ein rückläufiges Gewinnwachstum erwartet wurde, fällt die Zwischenbilanz etwa der Hälfte aller S&P 500-Unternehmen positiv aus. Dennoch tendieren die Gewinnrevisionen der Analysten auf Basis des Ausblicks der Firmenchefs sowohl in den USA wie auch in allen anderen Regionen nach einer Erholung im Frühjahr nun wieder nach unten. In Europa stellen sich die Quartalsberichte im Gegensatz zu den USA durchwachsen dar und es mehren sich insbesondere in der Exportwirtschaft Gewinnwarnungen infolge erschwerter operativer Rahmenbedingungen.

Wir behalten aktuell unsere neutrale Aktiengewichtung in den Portfolios bei.

Emerging Markets: Es sind nicht die Fundamentaldaten

Die leichte Erholung bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-Aktien setzt sich fort. Insbesondere bei Aktien aus dem asiatischen Raum ist das bemerkenswert, da hier der Einfluss des Handelskonflikts und der damit einhergehende Rückgang des Welthandels den stärksten Niederschlag finden sollte. Dennoch war die Kursentwicklung im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten sehr verhalten. Daher haben wir Emerging-Market-Aktien weiter vorsichtiger gewichtet bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-Market-Aktien attraktiv bewertet.

Starker Juni bringt Höchststände

„Sell in May and go away“ wäre diesmal ein schlechter Rat gewesen, denn im Juni wurde die Korrektur aus dem Mai nahezu völlig aufgefangen, der US-Aktienmarkt (S&P 500 Index) erzielte sogar ein neues Allzeithoch. Die Wertentwicklung 2019 liegt auch global wieder im zweistelligen Bereich – und das bereits zur Jahresmitte! Ausschlaggebend waren wohl nicht fundamentale Daten, die Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte monetäre Lockerung der US-Notenbank und infolge auch der EZB und anderer führender Notenbanken. Die Erwartung fortgesetzter Liquiditätspolitik lässt auch eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China oder den USA-Iran-Konflikt in den Hintergrund treten.

Gewinner der ersten Hälfte 2019 war sicherlich Russland und damit Osteuropa, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus. China und damit auch Emerging Asia sind im 2. Quartal zurückgefallen, verständlich angesichts des von den USA ausgehenden Handelsstreits.

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Globale Konjunktur: Pro und Contra bei Konjunkturdaten

Bei den Konjunkturdaten stehen weiter rückläufige Frühindikatoren für Produktion und Export infolge des Handelskonflikts den bislang stabilen Arbeitsmarkt- und Konsumdaten sowie den positiven Managerumfragen im Dienstleistungsbereich gegenüber. Auch die Entwicklung am Immobilienmarkt zeigt zwar eine gewisse Konsolidierung auf hohem Niveau, aber noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Schwächung. Dennoch, die rückläufige Inflationsentwicklung und insbesondere die zuletzt deutlich niedriger gepreisten Inflationserwartungen könnten für die US-Notenbank FED Leitzinssenkungen rechtfertigen, wenngleich die aktuelle US-Konjunktur und die bis dato geringe Arbeitslosenrate solche Maßnahmen derzeit nicht zwingend notwendig erscheinen lassen.

Positive und negative Einflussfaktoren gleichen sich derzeit nicht nur bei den Wirtschaftsdaten, sondern auch bei den Unternehmensdaten aus. Die Stimmung am Aktienmarkt hat sich durch die Erholung im Juni wieder aufgehellt und auch die technische Analyse ergibt ebenso wie die Marktbreite ein konstruktives Bild.

Aktien USA und Europa: Rally trotz abflauender Konjunktur

Obwohl der Höhepunkt in den Gewinnwachstumsraten im Verlauf des Vorjahres erreicht wurde, sind die Zuwachsraten der letzten 12 Monate immer noch deutlich positiv. Die Gewinnschätzungen wurden zwar angesichts einzelner Warnungen von Unternehmen zuletzt wieder mehrheitlich nach unten revidiert, dennoch stellt sich das erwartete Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr 2019 und für 2020 trotz abflauender Konjunkturdynamik noch immer durchaus positiv dar.

Die relative Performance zwischen Large Caps und Small Caps in den USA bewegt sich in Zyklen. Seit 2016 haben sich die Aktien der großkapitalisierten Werte mit wenigen Unterbrechungen wesentlich besser entwickelt als die Aktien kleinerer Titel. Nunmehr hat diese Outperformance neue Höchststände erreicht. Eine vorläufige Gegenbewegung käme daher nicht unerwartet. Noch dazu, wo die eher binnenmarktorientierten kleineren Werte weniger vom laufenden Handelskonflikt der USA mit China betroffen sein sollten. Wir haben uns hier entsprechend positioniert.

Wasserstoff-Fahrzeuge: Endlich vor dem Durchbruch?

Jules Verne beschrieb in seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“ bereits 1874 „Wasser als Brennstoff der Zukunft“. Die Bemühungen um wasserstoffbetriebene Fahrzeuge weckten seither jedoch eher Assoziationen mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“. In den letzten Jahren liefen ihnen zudem Batteriefahrzeuge den Rang ab. Wasserstoffantriebe könnten dennoch das zentrale Element künftiger E-Mobilität bilden, möglicherweise auch in Koexistenz mit dem Batterieantrieb, erklärt Stephan Meier, Investment Writer bei der Raiffeisen KAG.

Wasserstoff ist energiereich, faktisch unbegrenzt verfügbar und als Verbrennungsprodukt fällt im Grunde nur Wasser an. Trotz dieser positiven Voraussetzungen gibt es bislang nur sehr wenige wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, vor allem aufgrund technologischer Hürden und mangelnder Wirtschaftlichkeit. In einigen Bereichen ändert sich das aber zusehends.

Wasserstoff ist im Universum zwar das häufigste Element, in freier Form auf der Erde aber kaum verfügbar. Er wird heutzutage vorrangig aus Erdgas extrahiert, zum Teil auch aus Erdöl oder Biomasse. Dabei wird mit den Standardverfahren jedoch ähnlich viel CO2 freigesetzt wie beim Verbrennen von Öl und Gas. Nur sehr wenig Wasserstoff wird derzeit durch das Aufspalten von Wasser (Elektrolyse) erzeugt. Dieses Gewinnungsverfahren macht den eigentlichen grünen Reiz einer Wasserstoffwirtschaft aus, benötigt aber viel Elektroenergie. Wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist es nur, wenn dafür Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt wird, vorzugsweise solcher, der ohnehin gerade nicht anderweitig verwendbar ist.

Dieser könnte in Form von Wasserstoff zugleich kostengünstig gespeichert werden. Damit ließe sich auch ein ganz zentrales Problem beim Ausbau erneuerbarer Energien lösen. Denn nur mit Speichermöglichkeiten, für die bei Wind und Solar zeitweise anfallenden Stromüberschüsse, ist der Ausbau dieser Energiegewinnung wirklich sinnvoll. Pumpspeicherwerke oder Batterien werden dafür bei weitem nicht ausreichen. Erneuerbare Energiegewinnung und den Transportsektor koppeln zu können, ist ein Hauptargument für den Wasserstoff. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2017 könnte allein die Überschussleistung der bis 2050 geplanten Wind- und Solarkapazitäten den gesamten deutschen Straßenverkehr mit Wasserstoff versorgen. Im Fahrzeugbereich ließe sich Wasserstoff ganz konventionell in einem Ottomotor verbrennen.

WASSERSTOFF: THEMA FÜR GROSSFAHRZEUGE IM DAUERBETRIEB – WENIGER FÜR PKWS

Die Fahrzeughersteller konzentrieren sich aber eher auf den Elektroantrieb mit Hilfe einer Brennstoffzelle. Die Gesamtkosten für Anschaffung und Betrieb eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs (Fuel Cell Electric Vehicle, kurz: FCEV) liegen dabei noch weit über denjenigen von Batterie- oder Verbrennungsfahrzeugen und die Energiebilanz für den Gesamtprozess (Strom zu Strom) ist sehr dürftig. Inklusive Herstellen, Speichern und anschließendem Rückverstromen von Wasserstoff beträgt der Wirkungsgrad derzeit weniger als 50 %. Batterien sind da weit effizienter. Doch ihre Herstellung verschlingt oft enorme Ressourcen, sie sind schwer, groß und nur begrenzt verfügbar. Für Schwerlastanwendungen mit großen Reichweiten und Dauerbetrieb (LKWs, Busse, Schiffe, Züge) sind Batterieantriebe kaum geeignet. Hier werden weltweit in wachsendem Maße Brennstoffzellen eingesetzt, zumal die benötigten Wasserstofftanks sich dort besser unterbringen lassen und die erforderliche Infrastruktur überschaubarer ist. Bei PKWs hingegen bleiben Batterien wohl auf absehbare Zeit das Mittel der Wahl für E-Mobilität.

ZAHLREICHE HERAUSFORDERUNGEN

Bislang muss Wasserstoff für Lagerung, Transport und Bereitstellung stark komprimiert oder verflüssigt werden. Das kostet abermals Energie, erfordert teure Betankungsanlagen und birgt Sicherheitsrisiken. Einen Ausweg bieten möglicherweise neue Metallhydrid- und LOHC-Technologien. Flüssige organische Wasserstoffträger (Liquid Organic Hydrogen Carriers, kurz: LOHC) können durch chemische Reaktion Wasserstoff aufnehmen und wieder abgeben. In LOHC gespeicherter Wasserstoff ist völlig ungefährlich und für den Transport lässt sich die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen, etwa Pipelines oder Tanklaster. Der Trägerstoff LOHC ist dabei hunderte Male verwendbar. Vor allem für stationäre Speicherung und für Großfahrzeuge wie Busse, Schiffe oder Züge könnte er deutliche Vorteile bieten und bei großen Speichermengen sehr viel günstiger sein als Batterien. Für PKWs ist das LOHC-Konzept auf absehbare Zeit nicht umsetzbar.

Mit sehr viel höheren Stückzahlen ließen sich die Kosten für Herstellung und Betrieb von FCEV und die nötige Infrastruktur deutlich senken, doch verhindern die hohen Preise bislang eine entsprechende Nachfrage. Genau diese Kostendegression gibt es derzeit bei batteriebetriebenen Elektroautos (Battery ElectricVehicle, kurz: BEV). Deshalb und aufgrund des hohen regulatorischen Drucks zur CO2-Reduktion forcieren fast alle Automobilhersteller gegenwärtig die Batterietechnologie. Zwar verfolgen sie den Wasserstoffantrieb meist trotzdem weiter. Das Risiko besteht jedoch, dass gerade die europäischen Autokonzerne sich zu sehr auf den Batterieantrieb fixieren und Alternativen wie Wasserstoff zu wenig beachten. China dagegen betrachtet Wasserstoff und die Brennstoffzelle offenbar als essenzielle Zukunftstechnologien, potenziell sogar noch vor Batteriefahrzeugen. Mittels hoher Subventionen und Investitionen sollen auch hier die notwendige kritische Masse und die globale Technologieführerschaft erreicht werden.

Eine Studie des Forschungszentrums Jülich sieht in etwa vergleichbar große Kosten für Aufbau und Betrieb einer BEV-respektive FCEV-Infrastruktur. Sie empfiehlt eine intelligente Kombination beider Konzepte, statt eines Entweder-oders, um die jeweiligen Stärken beider Technologien auf verschiedenen Anwendungsfeldern zu verbinden.


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Zwischenresümee: Zins- und Renditesituation in der Eurozone

Spätestens die Schlagzeile „Rekordtemperaturen im Juni“ macht offenkundig, dass sich das erste Halbjahr des Jahres 2019 dem Ende zuneigt. Und diese sechs Monate hielten für Anleger einige Überraschungen parat. Vor allem die Marktentwicklung hatte in dieser Form niemand in den Karten. Wer hätte gedacht, dass die Rendite einer zehnjährigen deutschen Bundesanleihe um mehr als einen halben Prozentpunkt auf nunmehr minus 0,3 % fallen würde; dass das US-Pendant unter 2 % liegen würde; dass sowohl in den USA als auch in der Eurozone Zinssenkungen auf die Tagesordnung kommen; dass die Aktienmärkte deutlich zweistellig zulegen könnten... und so weiter. Wenigstens auf etwas ist Verlass: der US-Präsident ist weiterhin völlig unberechenbar. Die Fondsperformance liegt vor diesem Hintergrund weit über den Erwartungen. Über alle Risikokategorien hinweg übertrifft die aktuelle Wertentwicklung bei weitem jene, die für das gesamte Jahr erwartet worden war.

Hinter den Erwartungen liegen allerdings die Einschätzungen, die im Rahmen der Taktischen Asset-Allocation im ersten Halbjahr getroffen wurden. In den ersten Monaten des Jahres waren wir zu vorsichtig, weshalb wir Ertrag liegen gelassen haben. Ein wesentlich größeres Problem ist hingegen die immer extremere Zins- und Renditesituation in der Eurozone. Viele Marktsegmente sind von der Anlageklasse zum Spekulationsobjekt mutiert, denn die wichtigste Eigenschaft einer Anlageklasse, der laufende Ertrag, ist in vielen Fällen nicht mehr vorhanden. Bei einer negativen Rendite kann man nur Ertrag erwirtschaften, wenn der Kurs steigt und die Rendite noch weiter fällt. Die etwas ruhigeren Sommermonate können wir nutzen, um über die Auswirkungen dieses Befundes nachzudenken.

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Anleihen: Liquiditätsgetriebene Rally

Die traditionell mit höherem Risiko ausgestatteten Unternehmensanleihen – insbesondere High-Yield-Anleihen – und Emerging Market-Anleihen lassen sich von schwächeren Konjunkturdaten nicht beeindrucken. Ganz im Gegenteil, sie setzen ihren Lauf seit Jahresbeginn fort und können von der mittlerweile erwarteten US-Leitzinssenkung respektive dem neuen Liquiditätsschub aller globalen Zentralbanken am meisten profitieren. Mittlerweile hat sich die Markterwartung ja gedreht: bis Mai wurde zu US-Leitzinsen stets „unverändert“, nun jedoch eine Zinssenkung zum nächsten Termin Ende Juli gepreist.

Aber auch Staatsanleihen konnten profitieren, zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren nun bereits unter minus 0,3 %, die Wertentwicklung der Anleihen hat sich damit von den Erträgen aus den Kupons völlig abgekoppelt.

Der Einfluss der Währung, der bisher – hauptsächlich für US-Titel – eine zusätzliche Komponente der Wertentwicklung bildete, kann mittlerweile vernachlässigt werden: US-Dollar und britisches Pfund liegen etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn.

Geld-/Kapitalmarkt: Leitzinssenkung in USA erwartet

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, die nun abermals eine lockerere Geldpolitik forcieren könnten. So wird erwartet und vom Markt entsprechend gepreist, dass die US-Notenbank Ende Juli die erste Zinssenkung seit über zehn Jahren durchführen wird. Auch in der Eurozone stehen die Zeichen auf neuerlichem geldpolitischen Stimulus wie etwa der Wiederaufnahme von Anleihekäufen, die ja erst Ende 2018 geendet hatten. Offenbar sind die Notenbanken der Meinung, dass ohne derartige Maßnahmen das Erreichen des Inflationsziels (2 %) in den beiden Währungsräumen nicht möglich ist.

Wir bleiben diesbezüglich skeptisch und vorerst bei unserem Untergewicht europäischer inflationsindexierter Anleihen. Klar übergekauft erscheint uns jedoch der Euro-Anleihenmarkt und hier insbesondere die Staatsanleihen, wo zuletzt sehr viel an Fantasie hinsichtlich der EZB eingepreist wurde.

Staats- und Unternehmensanleihen: Fallende Renditen in Erwartung lockerer Geldpolitik

Mittlerweile notiert rund ein Viertel aller global handelbarer Anleihen bei einer negativen nominellen Rendite. Vor allem in der Eurozone scheint das Inflationsziel von 2 % p. a. weit außer Reichweite und bezüglich der Wirkung des abermaligen Einsatzes geldpolitischer Stimulus-Maßnahmen bleiben wir vorerst skeptisch. Daher untergewichten wir weiterhin europäische gegenüber US-amerikanischen inflationsindexierten Staatsanleihen und gegenüber nominellen Euro-Anleihen. Wir behalten auch unser Übergewicht von Emerging-Market-Staatsanleihen bei.

Unternehmensanleihen profitierten im Juni von gesunkenen risikoarmen Staatsanleiherenditen und niedrigeren Risikoprämien. Trotz eines bereits außerordentlich guten Refinanzierungsumfeldes in der Eurozone dürfte der erwartete geldpolitische Stimulus (u. a. Anleihekäufe) dieser Assetklasse zusätzlichen Rückenwind verleihen. Wir nehmen im Rahmen unseres Unternehmensanleihen-Exposures weiterhin entsprechendes Risiko in Kauf. Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Chinas Strategiewechsel bei der Elektromobilität

Staatliche Subventionen für den Kauf von Elektroautos stehen in China vor dem Aus. Noch heuer werden sie im Schnitt um rund 50 % gesenkt. 2020 werden sie gänzlich gestrichen. Läutet dies Chinas Abkehr von der Elektromobilität ein? Nein, keineswegs, aber eine Strategieänderung ist sehr wohl auszumachen, argumentiert Mag. Leopold Quell, Fondsmanager für Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG.

China ist Weltmarktführer im Bereich Elektromobilität. 60 % aller weltweit verkauften Elektroautos wurden im vierten Quartal des letzten Jahres in China verkauft. 2013 lag dieser Wert noch bei unter 10 %. Landesweit gibt es bereits rund 300.000 Ladestationen. Das sind fast fünfmal so viele wie in den USA.

Über drei Viertel der globalen Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien befinden sich in China. Doch dies ist aus Sicht der chinesischen Regierung nur der Anfang. Man möchte hier nichts dem Zufall überlassen und die starke Position in dieser Hightech-Schlüsselindustrie noch ausbauen.

GRÜNDE FÜR DEN STRATEGISCHEN FOKUS

Einerseits ist die Schonung der Umwelt und hier vor allem die Verbesserung der Luftqualität zu nennen, die durch den Umstieg von Autos mit Verbrennungs- auf solche mit Elektromotoren zu erzielen wäre. In vielen Regionen Chinas, wie in und um Beijing herum, ist die CO2-Belastung in der Luft – insbesondere im Winter – so hoch und der Unmut der Bevölkerung dermaßen groß, dass verzweifelt nach Lösungen gesucht wird. Der Individualverkehr ist zwar nicht der größte Emittent von CO2 (dies sind mit klarem Abstand die kohlebetriebenen Kraftwerke), jedoch wäre trotzdem eine spürbare Erleichterung zu erreichen.

Andererseits wittert China die Chance, am globalen Automarkt langfristig nicht nur als Abnehmer, sondern auch als Anbieter zu partizipieren. Chinesischen Herstellern von Autos mit Verbrennungsmotoren ist es bislang nicht gelungen, außerhalb Chinas nennenswerte Marktanteile zu erzielen. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass dies chinesischen Champions wie etwa Geely Automobile noch gelingen wird, aber der Weg dorthin ist steinig und die Vorbehalte westlicher Konsumenten gegen chinesische Autos sind erheblich. Elektroautos könnten den Markt jedoch revolutionieren und eine komplette Neuordnung der Machtverhältnisse bewirken.

FRAGEN SIE SICH SELBST...

Würden Sie ein chinesisches Elektroauto kaufen? Nein? Was, wenn es eine höhere Reichweite als Konkurrenzmodelle aufweisen und bei Crashtests gut abschneiden würde? Was, wenn es preislich einem Auto mit Verbrennungsmotor ebenbürtig wäre? Was, wenn es außerdem noch mit modernem Design und Fahrspaß (Beschleunigung!) auftrumpfen würde? Noch gibt es kein solches Model T, wie jenes von Ford, das vor mehr als 100 Jahren den Markt für die Mittelschicht öffnete. Aber genau das ist das erklärte Ziel chinesischer Hersteller und der chinesischen Regierung.

Wie passt es da ins Bild, dass China kürzlich bekannt gab, Subventionen für den Kauf von Elektroautos zu streichen? 2018 wurde der Kauf eines Elektroautos mit einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern mit umgerechnet rund 6.600 Euro vom Staat subventioniert. Ein stolzer Betrag, der im Verlauf von 2019 um etwa die Hälfte fallen wird. 2020 wird das Subventionsmodell in der bisherigen Form gänzlich eingestellt. Auch auf Provinzebene sind ab Juni 2019 keine Zuschüsse mehr erlaubt. Die entsprechenden Budgets müssen nunmehr zum Ausbau von Ladestationen in den jeweiligen Provinzen verwendet werden.

BONUS / MALUS FÜR HERSTELLER

An die Stelle des Subventionsmodells, welches die Konsumenten stützt, tritt ein Bonus/ Malus-Quotensystem für Hersteller. Bereits 2019 müssen mindestens 10 % aller in China produzierten PKWs Elektroautos sein. 2020 wird diese Mindestgrenze auf 12 % angehoben. All jene Autoproduzenten – egal ob es sich um chinesische oder ausländische handelt –, die diesen Wert nicht erreichen, müssen Strafzahlungen leisten oder jenen Herstellern, die die Vorgabe übererfüllen, ihre überschüssige Quote abkaufen, was diese wiederum in die Lage versetzen wird, günstigere Preise für Elektroautos anzubieten.

Überspitzt formuliert tauscht die Regierung mit diesem Kurswechsel Zuckerbrot gegen Peitsche. Traditionelle Autohersteller werden damit unter Druck gesetzt, Elektroautos herzustellen oder zusätzliche Kosten tragen zu müssen. Der Fingerzeig, in welche Richtung sich der Automarkt entwickeln soll, könnte nicht klarer sein. Die große Frage ist jedoch, ob der Konsument mitspielt und die Absatzzahlen von Elektroautos (weiter) stark ansteigen oder ob hier letztendlich an der Nachfrage vorbei produziert wird.

Derzeit wird die Erhöhung der Durchdringungsrate von Elektrofahrzeugen nur mit Hilfe von Subventionen praktiziert. Am Beispiel des europäischen Marktes lässt sich ablesen, dass die Absatzzahlen von Elektroautos sehr stark mit entsprechenden Steuererleichterungen und anderen Anreizmaßnahmen, wie der Benutzung von Busspuren oder kostenlosem Parken, korrelieren. So haben Elektroautos ausschließlich in Norwegen und den Niederlanden nennenswerte Marktanteile gewinnen können, während ihr Anteil am Gesamtautomarkt in Ländern wie Deutschland oder Frankreich, wo die Unterstützung geringer ausfällt, wesentlich kleiner ist. Daten zeigen, dass Kürzungen von Subventionen für Elektroautos zu einem deutlichen Einbruch der Absatzzahlen führen. Entsprechend risikoreich ist also der Kurswechsel in China.


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Aktien USA und Europa: Wieder im Bann des Handelskonflikts

Hat das Pendel Anfang Mai, nach dem starken Aufschwung und den All-Time-Highs einiger US-Aktienindizes, den oberen Totpunkt gefunden und schwingt nun zurück?

Mit der neuerlichen Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China, ausgelöst durch Ankündigung und Umsetzung von US-Zollerhöhungen, sind nun wieder Unruhe und Konjunkturbefürchtungen aufgetreten. Im Mai sind daher einige Märkte stark unter Druck geraten, darunter – verständlich – China und der asiatische Raum. Aber auch die Leitmärkte der USA blieben nicht verschont. Somit verlor der globale Aktienindex MSCI World im Mai rund 5 %.

Die Osteuropa-Region (Russland) schneidet hingegen weiterhin sehr gut ab, deutlich an Boden verloren hat im Vormonat der österreichische ATX: die Dominanz von zyklischen Titeln und Finanz-Titeln war im Mai ein schlechter Mix.

Generell ist auch die Aktienvolatilität wieder gestiegen, etwa repräsentiert durch den VIX-Index (gepreiste Volatilität des S&P 500): dieser stieg wieder auf Werte zwischen 15 und 20 an, blieb jedoch weit unter den Krisenwerten.

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Aktien USA und Europa: Wieder im Bann des Handelskonflikts

An den entwickelten Aktienmärkten setzte im Mai 2019 eine Konsolidierung ein. Vor allem politische Themen, wie der erneut verschärfte Handelskonflikt mit China und das politische – zunehmend militärische – Säbelrasseln zwischen USA und Iran, belasteten die Stimmung. Für Unterstützung sorgte hingegen die Berichtssaison zum ersten Quartal. Die Mehrzahl der Unternehmen war in der Lage die – zuvor jedoch deutlich gesenkten – Gewinnerwartungen zu übertreffen.

Bereits seit Mitte letzten Jahres sehen wir – trotz kurzfristiger Rücksetzer – eine relative Outperformance von defensiven Sektoren. Diese Entwicklung kann infolge der Handelskonflikte der USA mit de facto dem Rest der Welt noch weiter anhalten.

Erst dauerhafte Abkommen mit China und Europa dürften zu einer Entspannung und damit einer neuen Zuwendung der Investoren zu zyklischen Branchen führen.

Wir haben uns vorerst entsprechend positioniert, aggregiert behalten wir die neutrale Aktiengewichtung bei.

Wieder Run auf Staatsanleihen?

Mit der zumindest vorübergehend gebremsten Entwicklung der heuer ja überaus guten Performance der Aktienmärkte hat sich die parallel verlaufende Rentenrally ebenfalls etwas verlangsamt. Die Erwartung einer anhaltend lockeren Geldpolitik bei Ausbleiben von signifikanten Inflationsgefahren wirkt unterstützend. Unternehmensanleihen, darunter natürlich das High-Yield-Segment, konnten seit Jahresanfang besonders profitieren. Auch die Emerging Markets konnten in dieser Marktkonstellation sehr gut abschneiden.

Das hat im Mai eine leichte Korrektur erfahren. Die Renditeabstände zu den Staatsanleihen sind wieder gestiegen und eben diese Staatstitel wieder zum sicheren Hafen geworden. Deutsche zehnjährige Bundesanleihen rentieren mittlerweile bei - 0,2 %, somit liegt die gesamte Zinskurve bis 15 Jahre im negativen Renditebereich.

Auch die Währungsentwicklung trägt etwas bei: der US-Dollar legte knapp 3 % und das britische Pfund knapp 2 % seit Jahresbeginn zu.

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Geld-/Kapitalmarkt: Diskussion um geldpolitische Lockerung startet

Das zentrale Thema ist derzeit die schwache Entwicklung der Inflationserwartungen. Das Rätselraten und die aufkommende Verunsicherung unter den Notenbankern sind nicht mehr zu übersehen, denn das Erreichen ihres Inflationsziels (2 %) scheint aktuell außer Reichweite.

Je länger der US-China-Konflikt anhält, umso deutlicher sind dessen Spuren. Ohne baldiges Ende der Handelsspannungen steigt die Planungsunsicherheit bei den Unternehmen. Zölle und ein geringeres globales Handelsvolumen sprechen auf den ersten Blick für ein Ansteigen des Preisniveaus. Werden diese Faktoren von wachstumsdämpfenden Faktoren überlagert, landen wir aber in einer Situation wie der jetzigen. Dann stellen sich Marktteilnehmer die Frage, wie die Notenbanken die Geldpolitik abermals lockerer gestalten können. Dabei befinden sich die Renditen vieler Euro-Staatsanleihemärkte bereits auf extrem niedrigen Niveaus, die auf längere Sicht keine positiven nominellen Erträge erwarten lassen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Weiter sinkende Staatsanleihe-Renditen

Die globalen Inflationserwartungen sanken im Mai deutlich und die Spannungen zwischen den USA und China befinden sich auf einem neuen Höhepunkt. Das ist eine Ausgangslage, die für weiter sinkende Staatsanleiherenditen sorgt. Sowohl seitens der US-Fed als auch der EZB gibt man sich ob der niedrigen Inflationserwartungen und des wirtschaftlichen Ausblicks jedoch zunehmend besorgter.

Wir übergewichten weiterhin inflationsindexierte US-Staatsanleihen gegenüber inflationsindexierten sowie nominellen Euro-Anleihen und behalten auch unser Übergewicht von Emerging-Markets-Staatsanleihen bei. Bei Unternehmensanleihen profitierten ab Mitte Mai High-Yield- gegenüber Investmentgrade-Anleihen von sinkenden Spreads. Zur Erklärung: im Mai erfolgen mitunter die höchsten Kuponzahlungen von High-Yield-Emittenten, die entsprechend reinvestiert werden müssen, zudem ist 2019 bislang ein weit unterdurchschnittliches Emissionsjahr.

Unsere Übergewichtung von Unternehmensanleihen (BBB & BB) gegenüber High Yield (beide in Euro) bleibt aufrecht.

Emerging Markets: Ein paar Tweets genügen...

Die aktuelle Fragilität der Marktstimmung zeigt Folgendes: war der Markt am Freitag noch mit Zuversicht einer Lösung des Handelskonflikts in das erste Wochenende im Mai gegangen, sah die Lage nach ein paar Tweets des US-Präsidenten am Montag deutlich anders aus. Der Handelskonflikt hatte sich wieder deutlich zugespitzt und einer der ersten Leidtragenden waren die Emerging-Market-Aktien. Spannend wird nun, inwieweit die Gewinne im asiatischen Raum weiter leiden und ob zu erwartende Stimulus-Maßnahmen aus China die Situation lindern können.

Auch die Renditeabstände (Spreads) von Hartwährungsanleihen verbuchten im Mai moderate Anstiege. Die Anstiege waren jedoch weniger bei asiatischen Bonds zu spüren, die sich im Vergleich der Regionen noch am stabilsten zeigten. Wir erwarten mittelfristig eine Lösung des Konflikts, kurzfristig ist eine weitere Eskalation nicht auszuschließen, und bleiben daher bei unserem Übergewicht von Hartwährungsanleihen (Staatsanleihen) gegenüber globalen und Euro-Staatsanleihen.

Fragiles Gleichgewicht

Der Einflussfaktor „Makro“ kann aktuell neutral beurteilt werden. Bei der Veränderung der Konjunkturindikatoren ist die Situation aktuell uneinheitlich, einige Indikatoren verbessern sich bereits, bei anderen steht dies noch aus. Die Konjunkturüberraschungen (Economic Surprises) sind unterdessen weiterhin negativ, also liegen die aktuellen Veröffentlichungen im Schnitt noch unter den Erwartungen. Allerdings schlägt die Komponente Arbeitsmarkt sehr positiv zu Buche, immerhin ist der jüngst veröffentlichte Wert für die Arbeitslosigkeit in den USA mit 3,6 % der tiefste seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Auch „Mikro“ gibt aktuell kein eindeutiges Signal: Gewinnwachstum und Profitabilität sind weiterhin positiv, die Gewinnrevisionen nach wie vor negativ. Hingegen ist „Liquidität“ die große Stütze der Märkte in den letzten Monaten. Gemeint ist damit einerseits die Geldpolitik, andererseits aber auch die Entwicklung der Kapitalmarktrenditen. Diese sind für die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Staaten relevant. Geldpolitik, Renditen und die Entwicklung der Risikoaufschläge waren bis zuletzt positiv. Eine Marktentwicklung, die nur auf Liquidität fußt, muss jedoch mit Vorsicht genossen werden. Schließlich werden für die Taktische Asset-Allocation eine Reihe von technischen Indikatoren analysiert. Dies beginnt mit dem Marktmomentum, geht über die Breite (wie viele Aktien/Branchen/Länder sind im Aufwärtstrend) und landet bei unserem RORO-Indikator (Analyse, wie sich zyklische Teile des Marktes relativ zu defensiven Bereichen entwickeln). Die Beurteilung dieser Faktoren hat sich zuletzt signifikant verschlechtert und ist jetzt nur noch neutral.

In Summe lässt sich aus den TAA-Indikatoren keine eindeutige Tendenz ableiten. Die abwartende Haltung wird daher beibehalten.

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Rohstoffe und Währungen: Zuletzt wieder schwächere Rohstoffpreise

Der Monat Mai war generell ein schwacher Monat für Rohstoffe. Nach einem sehr starken ersten Quartal mussten teilweise heftige Korrekturen verbucht werden. Vor allem die zyklischen Energierohstoffe und Industriemetalle gaben einen Teil der Kursgewinne wieder ab. Generell sind viele Segmente im Rohstoffbereich jedoch weiterhin von einer angespannten Angebotssituation gekennzeichnet.

Die neuen Spannungen um den Handelskonflikt haben auf den Devisenmärkten Spuren hinterlassen, der chinesische Renminbi war etwas schwächer, wird seitens China jedoch offensichtlich stabilisiert, um die Spannungen nicht weiter zu verschärfen. Auch andere Währungen aus den Emerging Markets gaben im Mai etwas nach, türkische Lira und argentinischer Peso bleiben durch lokale Probleme unverändert schwach.

Die globalen Leitwährungen US-Dollar und Euro zeigten zuletzt wenig Bewegung zueinander, der Yen wertet etwas auf und das britische Pfund gab infolge der Regierungskrise etwas nach.

Globale Konjunktur: Alle Augen auf die Vereinigten Staaten

Auch wenn sich die globalen Konjunkturüberraschungen (Economic Surprises) auf niedrigem Niveau stabilisiert haben, die negative Tendenz bei den wichtigsten Frühindikatoren, z. B. den Einkaufsmanagerindizes, spiegelt aktuell die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen wider. Vor allem die schwache und weiter rückläufige Exportkomponente innerhalb der Managerumfragen verdeutlicht die negative Ausstrahlung des schwelenden Handelskonflikts.

Im Bereich der Realdaten beeindruckt nach wie vor die positive Arbeitsmarktentwicklung in den Vereinigten Staaten mit einer niedrigen Arbeitslosenrate wie zuletzt 1969 bei stetig ansteigenden Löhnen und entsprechender Unterstützung des privaten Konsums. Auch die Unternehmen konnten einmal mehr positiv überraschen: trotz negativer Revisionen und entsprechender Prognosen für das Gewinnwachstum im ersten Quartal 2019 erzielten die US-Unternehmen neuerlich einen – wenn auch nur leicht – positiven Gewinnzuwachs anstatt des erwarteten Rückgangs.

Einst Exoten, heute Mainstream: Euro Hochzins-Anleihen 20 Jahre Raiffeisen-Europa-HighYield

Als in den USA in den 1970ern und 1980ern der Boom bei Hochzinsanleihen („high yield bonds“) begann, war dies eigentlich eine Party der „gefallenen Engel“. Reihenweise waren damals Investmentgrade-Anleihen herabgestuft worden, waren kein bonitätsstarkes, erstklassiges Investment mehr.

Nach und nach ließ der High-Yield-Markt das Image einer eher exotischen Spielwiese hinter sich und etablierte sich Anfang der 1990er als ein legitimes und zunehmend besser reguliertes Segment der Anleihemärkte. Kurz darauf begannen High-Yield-Anleihen auch in Europa ihren Siegeszug.

Raiffeisen Capital Management war damals eine der ersten, die die Chance erkannte und mit dem Raiffeisen-Europa-HighYield seit nunmehr 20 Jahren erfolgreich auf Hochzinsanleihen setzt.

Stürmisches Wachstum

Europas High-Yield-Anleihemarkt ist in den letzten zwei Jahrzehnten stürmisch gewachsen. Sowohl für Investoren als auch Unternehmen stillt er offenkundig einen echten Bedarf. Gerade in der Euro-Zone sind High-Yield-Bonds für Unternehmen eine mehr als willkommene Alternative zur traditionell sehr stark ausgeprägten Finanzierung über Bankkredite. 2017 und 2018 gab es jeweils neue Rekorde beim Emissionsvolumen. Dabei wird die Schar der Emittenten zunehmend globaler. In den letzten Jahren begaben vor allem US-amerikanische Unternehmen zunehmend Anleihen in Euro, nicht zuletzt um die aktuell erheblich niedrigeren Renditeniveaus in Europa für ihre Finanzierung zu nutzen.

Kernkompetenz Anleihemanagement

Um als Investor in dem stetig wachsenden Markt den Überblick zu behalten und Mehrwert für Anleger zu generieren, bedarf es eines entsprechend großen Know-hows und gewissenhaften Researchs. Raiffeisen Capital Management hat das Managen globaler Anleihen frühzeitig als seine erste Kernkompetenz definiert und dafür systematisch Fondsmanagement-Kapazitäten auf- und ausgebaut. Das Managementteam umfasst derzeit 19 Fondsmanager – das ist fast ein Drittel aller Investment-Professionals der Raiffeisen KAG – und arbeitet nach klaren Grundsätzen.

Schlüsselfaktoren: Emittentenauswahl und Risikomanagement

Die Kehrseite der höheren Zinskupons von High-Yield-Anleihen ist die größere Ausfallshäufigkeit von Emittenten im Vergleich zu Investmentgrade-Anleihen. Die Renditen für Hochzinsanleihen sollten im Rahmen eines Portfolios daher mindestens für die realistisch zu erwartenden Ausfallsraten entschädigen. Es liegt auf der Hand, dass eine sorgfältige, gute Emittentenauswahl das Risiko-Ertrags-Profil sehr positiv beeinflussen kann. Ein weiterer Aspekt ist der Investmentzeitpunkt. HighYield-Anleihemärkte sowie die Ausfallsraten der Unternehmen folgen volkswirtschaftlichen und monetären Zyklen. Diese Faktoren wirken auf mehreren Ebenen: Zum einen über sich verändernde Ausfallsraten. In Rezessionen und/oder bei strafferer Geldpolitik steigen diese normalerweise an und nehmen in Konjunkturaufschwüngen nach und nach wieder ab. Zum anderen unterliegen auch High-Yield-Anleihen dem allgemeinen Zinsänderungsrisiko. Generell steigende Renditen (beispielsweise im Zuge von Zinsanhebungen der Notenbanken) wirken sich natürlich in den meisten Fällen auch auf Hochzinsanleihen aus. Aufgrund ihrer höheren Zinskupons können High-Yield-Anleihen solche allgemeinen Renditeanstiege auf den Anleihemärkten allerdings meist besser abfedern als etwa Staatsanleihen. Das gilt vor allem dann, wenn diese Renditeanstiege eher moderat und allmählich erfolgen.

Raiffeisen-Europa-HighYield: ein „Low-Beta-Fonds“ im High-Yield-Markt

In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass der Raiffeisen-Europa-HighYield ein so genannter „Low-Beta-Fonds“ ist. Das heißt, dass er defensiver ausgerichtet ist und darauf abzielt, weniger riskant und schwankungsintensiv zu sein als der High-Yield-Markt insgesamt. Erreicht werden soll dies im Wesentlichen zum einen durch seinen Fokus auf die fundamental gesünderen Emittenten und zum anderen durch ein striktes Risikomanagement, das, wie bereits erwähnt, integraler Bestandteil des Investmentprozesses ist.

Spektakuläre Firmenpleiten erfolgreich umschifft

Dieser Investmentansatz hat sich bislang gut bewährt, auch in den Krisen und Marktabschwüngen, die der europäische High-Yield-Markt in den letzten 20 Jahren durchlaufen hat. Unbeschadet überstand der Fonds beispielsweise die spektakulären Zusammenbrüche zweier damaliger US-Giganten im Jahre 2001. Sowohl der Telekommunikationsriese Worldcom als auch der Energie-Großkonzern Enron hatten sich in den USA und am europäischen High-Yield-Markt refinanziert. Der Raiffeisen-Europa-HighYield gehörte nicht zur langen Liste der geschockten Investoren. Ebenso machte der Fonds einen großen Bogen um den italienischen Parmalat-Konzern, der 2003 zu einer der größten europäischen Firmenpleiten wurde.

Generell hat der Raiffeisen-Europa-HighYield über seine ganze Historie hinweg vergleichsweise wenig Finanzanleihen in seinem Portfolio gehalten. Das hat in der einen oder anderen Marktphase zwar durchaus etwas an Performance gekostet, dafür war der Fonds in der globalen Finanzkrise 2008/2009 von den massiven Turbulenzen und Verwerfungen im Banken- und Versicherungssektor deutlich weniger betroffen.

Potenzielle Liquiditätsrisiken im Krisenfall?

Durchaus betroffen war der Fonds – so wie alle Marktteilnehmer – gleichwohl von der zeitweise stark geschrumpften Liquidität auf den High-Yield-Märkten in den Jahren 2008/2009. Die neuen Regularien speziell für Banken und Versicherungen, die danach erlassen wurden, dürften zwar insgesamt das Finanzsystem stabiler machen. Für die Anleihemärkte haben sie allerdings auch Schattenseiten. Viele Banken und Broker haben ihre Anleihe-Handelsabteilungen seither stark reduziert oder ganz abgebaut und nehmen viel weniger Anleihen „auf die eigenen Bücher“ als früher. Damit können sie bei künftigen Krisensituationen bei weitem nicht mehr so stark als Stabilisatoren und Bereitsteller von Marktliquidität fungieren, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Natürlich muss man dabei anmerken, dass sie das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zumeist auch nicht mehr konnten.

Ausblick: ruhiges Fahrwasser – aber mit Klippen voraus?

Die weiterhin extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, niedrige Inflation und die zwar schwächelnde, aber insgesamt intakte Konjunktur in Europa schaffen günstige Rahmenbedingungen für High-Yield-Anleihen mit sehr überschaubaren Zinsrisiken und anhaltend niedrigen Ausfallsraten. Wobei heute das Wort „Hochzinsanleihen“ natürlich mehr denn je relativ zu sehen ist. Die heutigen Renditen waren für „High Yield“ noch vor einem Jahrzehnt ähnlich unvorstellbar wie negative Staatsanleiherenditen.

Bei Unternehmensanleihen ist in den letzten Jahren das unterste Bonitätssegment im Investmentgrade-Bereich besonders stark gewachsen. Diese Anleihen würden bereits bei geringen Bonitätsherabstufungen in das High-Yield-Segment abrutschen. Einige Beobachter befürchten bereits seit längerem, dass es bei schlechterer Konjunktur oder externen Schocks zu einer ganzen Welle an solchen Herabstufungen und Verkäufen kommen könnte. Das könnte auch den High-Yield-Markt belasten, zumindest vorübergehend.

Nun ist ein solches Szenario recht spekulativ und bislang nicht eingetreten. Langfristig müsste es auch nicht zwangsläufig negativ sein. Sofern sich die tatsächlichen Ausfälle im Rahmen halten, könnten sich daraus sogar neue, langfristige Chancen für High-Yield-Investoren ergeben. Umso mehr, falls viele der „gefallenen Engel“ nach und nach „wiederauferstehen“. Vor 40 Jahren begann schließlich genau damit überhaupt der große Aufstieg von High-Yield-Anleihen.

Anleihen: Weiter gute Stimmung

Die beeindruckende Renten-Rally des ersten Quartals 2019 hat sich verlangsamt, jedoch nicht umgekehrt. Die Politik der führenden Notenbanken für das laufende Jahr ist klar auf Zurückhaltung umgeschwenkt. Es gibt keine Leitzinserhöhungen, aber auch keine neuen expansiven Maßnahmen.

Das gefällt den Anlegern, es werden weiterhin sowohl Staatsanleihen bei Renditen um null und darunter als auch Unternehmensanleihen mit Renditeaufschlag gekauft. Gerade bei kürzeren Laufzeiten ist hier der „Investitionsnotstand“ der zumeist institutionellen Anleger zu spüren. Unternehmensanleihen und High Yield – in Europa und den USA – profitieren daher weiter und legten auch im April generell zu. Lediglich die deutschen Bundesanleihen – die Benchmark für Euro-Qualitäts-Anleihen – haben etwas nachgegeben. In dieser globalen Bond-Rally konnten auch die Emerging Markets gut abschneiden.

Die Währungsentwicklung darf nicht außer Acht gelassen werden, der US-Dollar legte etwa 2,2 % und das britische Pfund 4,5 % seit Jahresbeginn zu.

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Geld-/Kapitalmarkt: Deutsche Bund-Renditen in negativem Terrain

Die Renditen deutscher zehnjähriger Staatsanleihen notieren nach wie vor nahe der Null-Linie und die Renditekurve ist vergleichsweise flach. Dies liegt unter anderem daran, dass die wesentlichen Konjunkturvorlaufindikatoren eine wirtschaftliche Schrumpfkur für Europas größte Volkswirtschaft anzeigen. Auch in den USA hat die Notenbank ihre Zinsprojektionen nach unten angepasst, für 2019 sind keine Zinsschritte vorgesehen, 2020 dürften die Leitzinsen eher gesenkt werden. Das aktuell über den Erwartungen liegende Wirtschaftswachstum bei abnehmender Inflationsdynamik lässt jedenfalls Raum für Spekulationen zur weiteren US-Geldpolitik.

Da sich eine Erholung der Datenlage in den Emerging Markets, insbesondere in China, abzeichnet und der starke Rückgang des globalen Handels gestoppt sein sollte, erwarten wir, dass sich auch die Datenlage der exportorientierten europäischen Länder, wie eben Deutschland, verbessern sollte.

Wir hatten uns Ende 2018 auf eine Verflachung der deutschen und der US-Renditekurven positioniert und schließen nun beide Positionen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Unternehmensanleihen weiter gefragt

Die Renditen bonitätsstarker Staatsanleihen entwickelten sich im April seitwärts und die Zinskurven waren weniger flach. Dennoch: rund 19 % der ausstehenden globalen Staatsanleihen notieren mit negativer Rendite! Vieles deutet darauf hin, dass die großen Notenbanken – allen voran die Bank of Japan – die geldpolitischen Zügel weiter locker halten. Davon profitiert unter anderem auch die Euro-Peripherie.

Unternehmensanleihen bleiben trotz schwachem Unternehmens- und Konjunkturausblick gefragt, somit sind die Risikoprämien von Unternehmensanleihen seit Jahresbeginn und auch im April weiter gesunken. So paradox es klingen mag, aber risikoreiche Anlageklassen wie Unternehmensanleihen scheinen von guten wie von schwachen Wirtschafts- und Unternehmensdaten zu profitieren, zumal zu erwarten ist, dass die Notenbanken via Wertpapierkäufen und ähnlichen Maßnahmen unterstützend eingreifen.

Wir bleiben bei unserer Übergewichtung von Euro-Qualitäts-Unternehmensanleihen gegenüber High-Yield-Anleihen.

Signale in Summe neutral

Nach der globalen Hochkonjunktur des Jahres 2017 hat sich die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr abgeschwächt. Als wichtigste Einflussfaktoren für diesen Rückfall sind das leichte Anziehen der geldpolitischen Zügel sowie der von den USA vom Zaun gebrochene Handelskrieg zu nennen. Politische Unsicherheiten, wie etwa der Brexit oder der italienische Budgetstreit, waren auch nicht unterstützend. Am stärksten ist die Abschwächung in Europa zu spüren, weshalb Zinsanhebungen zumindest für das Jahr 2019 wohl abgesagt sind. Aber auch andere Notenbanken signalisierten zuletzt eine weiterhin sehr unterstützende Geldpolitik, während sich die politischen Themen zu entspannen scheinen. In Summe sind somit einige der Belastungsfaktoren weggefallen, eine Erholung der Konjunkturindikatoren ist das wahrscheinlichere Szenario. Erste Anzeichen dafür haben wir in den letzten Wochen schon gesehen.

Die Aktienmärkte haben die Erholung teilweise schon vorweggenommen. Dem Prinzip Hoffnung müssen aber bald verbesserte harte Daten folgen. Wenn dies in den nächsten Monaten eintritt, gibt es nach wie vor Gewinnpotenzial an den Aktienmärkten. Andernfalls lautet das Motto: „Sell in May!“. Insgesamt scheint sich die Stimmung breit zu machen, dass nichts mehr schiefgehen kann. Zugegeben: eine lockere Geldpolitik, entspannte Kapitalmärkte, der Veranlagungsnotstand vieler Investoren sowie der scheinbar bevorstehende Abschluss eines Handelsabkommens zwischen den USA und China sind starke Argumente pro Aktienmarkt. Nicht zuletzt deshalb ist die Volatilität am Aktienmarkt – ein Indikator für die Besorgnis unter den Anlegern – auf den tiefsten Stand der letzten Jahre gefallen. Gerade dies ist allerdings ein Warnhinweis, denn allzu großer Optimismus und Sorglosigkeit werden am Aktienmarkt in aller Regel mit Kurskorrekturen bestraft. In der Taktischen Asset-Allocation nehmen wir vor diesem Hintergrund eine abwartende neutrale Haltung ein.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Synchroner Aufschwung nach schwachem Jahresende 2018

Das Pendel schwingt weiter – stärker als selbst Optimisten erwartet haben. Die Wertentwicklung der ersten vier Monate übersteigt eine gute Jahresperformance bereits bei weitem. Auch im April haben die Märkte nicht an Schwung verloren, ganz im Gegenteil: Märkte die eher hintendran waren, z. B. Japan oder Deutschland, haben gut aufgeholt. Allen voran – nein, nicht die USA – liegen Russland und China. Dort trägt die Währungskomponente wesentlich zur Wertentwicklung bei.

Aufkommende Konjunkturentwicklungsbefürchtungen in China haben sich verflüchtigt und auch die USA kann überraschend gute Konjunkturdaten berichten. Das wirkt sich natürlich auch auf die Emerging Markets aus, selbst Lateinamerika fasst wieder Tritt.

Dennoch, alle Augen sind auf die USA gerichtet, respektive auf die Gewinndynamik der US-Unternehmen. Unternehmen, die Gewinnrückgänge verzeichnen, werden an den Börsen entsprechend abgestraft. In Summe überwiegt jedoch ein positiver Trend. Die übrigen Aktienmärkte folgen diesem.

Aktien USA und Europa: US-Gewinndynamik weiter gut

Obwohl die Gewinnwachstumsdynamik in den USA in den letzten beiden Quartalen merklich nachlässt – unter anderem ein Basiseffekt nach der Steuersenkung im Vorjahr – können die Unternehmen die operative Gewinnmarge bis dato auf Höchstniveau halten. Dies ist umso beeindruckender, weil höhere Lohnkosten infolge des sehr festen US-Arbeitsmarktes und der zuletzt wieder angestiegenen Rohstoffpreise zu verkraften sind.

Nach derzeitigem Stand dürfte auch die aktuelle Gewinnberichtssaison in Relation zu den im Vorfeld deutlich nach unten revidierten Analystenerwartungen positiv überraschen und somit etwaige Befürchtungen über einen Gewinnrückgang im Jahresvergleich abschwächen.

Die Stimmungslage der Investoren gegenüber Europa ist aktuell spürbar zurückhaltend. Dafür sprechen einige Punkte. Während die USA für das erste Quartal einen Anstieg des Wirtschaftswachstums von annualisiert mehr als 3 % melden, prognostizieren die Experten für 2019 in der Eurozone gerade mal einen Wert von knapp über 1 %. Aufgrund der Stabilisierung bei den Fundamentaldaten haben wir unsere Aktienuntergewichtung geschlossen.

Emerging Markets: Aufschwung hält an

Emerging-Market-Aktien können sich in diesem Jahr recht erfreulich entwickeln, wenn auch im Vergleich zu US-Aktien leicht schwächer. Anfang des Jahres war die Dynamik vor allem noch auf die sich verbessernde Liquiditätssituation zurückzuführen, nunmehr folgen auch immer mehr ökonomische Vorlaufindikatoren diesem Muster.

Wir gehen davon aus, dass der gesamte Stimulus, der insbesondere in China gesetzt wurde, erst voll zu wirken beginnt und daher heuer durchaus weitere Konjunkturanstiege folgen werden, was die Aktien weiter antreiben könnte.

Integratives Nachhaltigkeitskonzept

Raiffeisen Capital Management bzw. die Raiffeisen KAG ist als größte Fondsgesellschaft der RBI-Gruppe (Raiffeisen Bank International) in deren Nachhaltigkeitsstrategie eingebettet: Wir verstehen unter Nachhaltigkeit verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln für langfristigen ökonomischen Erfolg im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft. Nachhaltigkeit ist für uns zentraler Bestandteil unserer Geschäftspolitik. Selbstverständnis unseres Handelns ist es, verantwortungsvoller Banker, fairer Partner und engagierter Bürger zu sein.

Was bedeutet das für Raiffeisen Capital Management? Nachhaltigkeit ist für eine Fondsgesellschaft vor allem Responsible Investment, also verantwortungsvolles Investieren. Verantwortungsvoll gegenüber den Menschen, der Umwelt, aber auch gegenüber dem eingesetzten Kapital.

Nachhaltigkeit kann deshalb nicht einfach nur ein Nein zu unerwünschten Geschäftspraktiken, Produktionsprozessen oder Branchen sein. Sie geht weit darüber hinaus. Nachhaltigkeit ist per se aktives Management. Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bedeutet das Einbeziehen von umweltbezogenen, gesellschaftlichen und Corporate-Governance-Themen und den entsprechenden Daten und Analysen in den Anlageprozess. Dabei lassen sich unterschiedliche Zugänge herausarbeiten. Die Intensität der Integration kann oberflächlich oder stark detailliert sein, daher kann die Analyse der Nachhaltigkeitsdimension der Portfolios sehr unterschiedlich ausfallen. Wir unterscheiden bei einem integrativen Nachhaltigkeitskonzept drei wesentliche Elemente:

1. Vermeiden und Verantwortung zeigen: Ausschluss

Das Vermeiden kontroverser Geschäftsfelder und -praktiken basiert auf einem ethisch argumentierten Zugang desVermeidens der Mitwirkung zum Schlechten und ist – auch in der chronologischen Entwicklung – die erste Stufe einer nachhaltigen Veranlagung. Im Mittelpunkt stehen die Meinungsbildung sowie ethische Positionierung und das Abwenden von Reputationsrisiken. Das dominierende Instrument ist der Ausschluss von kontroversen Geschäftsfeldern bzw. Unternehmen und Staaten (Gebietskörperschaften), die vorgegebene Kriterien verletzen.

2. Unterstützen und Nachhaltigkeit fördern: Best-in-class

Die nächste Entwicklungsstufe legt stärkeren Wert auf die Integration von ESG-Research in der Unternehmensbewertung und folglich der Titelauswahl. Sinngemäß kann dies auch für Staaten (Gebietskörperschaften) als Emittenten von Schuldtiteln angewandt werden. Dieser Ansatz folgt der ethischen Position einer Kooperation zum Guten. Der Fokus dieses Ansatzes liegt in der Integration von ESG-Research in den Investmentprozess und in einer Verbesserung des Risikoprofils und damit der Risiko-Ertrags-Relation des Portfolios.

3. Einfluss und Wirkung entfalten: Engagement

Die dritte Stufe ist das jüngste und auch fortschrittlichste Element eines integrativen Nachhaltigkeitskonzepts. Engagement ist dabei weder an eine spezifische Methode der Integration noch an bestimmte Produkte, wie etwa Themenfonds, gebunden, jedoch integraler Bestandteil einer Anlagepolitik im Sinne eines Responsible Investments. Zu den beschriebenen Elementen der ersten beiden Stufen kommt nun die Unterstützung einer Veränderung im Sinne einer sozioökonomischen Wirkung hinzu: Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen, Organisationen und auch Konsumenten zu nehmen. Diese Impacts können durchaus außerhalb der Ertrags- oder Risikoziele eines Portfolios liegen, sie sollten diese jedoch nicht verletzen. Erst durch Engagement wird die Vision einer oft postulierten doppelten Dividende glaubwürdig verfolgt.


Weitere Informationen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Nachhaltig Investieren.

Engagement – Verantwortung als Investor

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment, Raiffeisen KAG.

Der aus dem Englischen stammende Begriff Engagement steht als Sammelbegriff für Unternehmensdialoge und Stimmrechtsausübung. Er wird aber oft auch nur als Synonym für den Dialog mit Unternehmen verwendet. Unternehmensdialoge und Stimmrechtsausübung haben das Ziel, alle Möglichkeiten und Rechte, die der Aktionär gegenüber dem investierten Unternehmen hat, zu nutzen. Man spricht auch von Active Ownership oder übersetzt von aktivem Aktionärstum.

Engagement ist auf verschiedenen Ebenen möglich, als Einzelengagement in Form von One-on-One-Gesprächen, als thematisches oder branchenbezogenes Engagement bei Schwerpunktthemen und als gemeinschaftliches Engagement über Plattformen. Jedenfalls bezeichnet Engagement den aktiven Dialog des Anlegers mit dem Unternehmen. Dieser kann über informelle Gespräche, die oft als Soft Engagement bezeichnet werden, über standardisierte Dialoge oder unter Ausnutzung formeller Kanäle in Form von Stimmrechtsausübung (Voting) bei Hauptversammlungen erfolgen. Welche Form des Engagements letztendlich die bessere Erfolgschance hat, hängt von der spezifischen Situation ab. Wenn die Variante des Soft Engagements und des bloßen Dialogs keine Früchte trägt, besteht noch die Möglichkeit durch Stimmrechtsausübung und Redebeiträge bei der Hauptversammlung publizitätswirksam auf das Unternehmen einzuwirken. Der Begriff Aktivismus steht für eine auf Öffentlichkeitswirksamkeit ausgerichtete Art des Engagements und wird unter anderem gerne von NGOs angewendet.

Engagement kann unterschiedlichen Zwecken dienen. Die traditionellen Fondsmanagerinnen und Fondsmanager der Raiffeisen KAG bedienen sich dieses Mittels gerne zur genaueren Einschätzung der finanziellen Situation und der Entwicklung der Unternehmen. Man könnte sagen, sie erhalten auf diese Weise einen Blick hinter die Kulissen. Aus nachhaltiger Perspektive dient Engagement zusätzlich der Überzeugungsarbeit bei Unternehmen im Sinne einer verbesserten Corporate Social Responsibility (CSR), also der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung oder verbesserten Nachhaltigkeit im jeweiligen Unternehmen selbst. Diese Verbesserung soll dem Unternehmen und damit letztendlich auch den Eigentümern nachhaltige Vorteile bringen, welche sich langfristig auch in einem verbesserten operativen Ergebnis widerspiegeln sollten.

Die Möglichkeiten der Beeinflussung von Unternehmen durch nachhaltig orientierte Investoren steigen mit dem Umfang derjenigen Mittel, die von verantwortungsvollen und nachhaltigen Investoren gehalten werden. Ein solcher Einfluss kann von erhöhter Transparenz über eine verstärkte Integration von Nachhaltigkeitsthemen bis hin zu einer Änderung der Unternehmensstrategie führen. Akademische Studien gehen davon aus, dass ab einem Anteil von 25 bis 33 %, wenn also etwa einem Viertel bis zu einem Drittel der Aktien des jeweiligen Unternehmens in den Händen nachhaltig investierender Investoren liegen, das Potenzial für eine starke Einflussnahme in Richtung verstärkter nachhaltiger Ausrichtung des Unternehmens gegeben ist – unabhängig von der Unternehmensgröße. Zusätzlich dazu können bereits Anregungen von kleinen Investoren dazu führen, dass ein Unternehmen eine weitere Kennzahl, wie beispielsweise den CO2-Ausstoß oder den Energieverbrauch, veröffentlicht und so mehr Transparenz schafft.

Eine der jüngsten Entwicklungen zum Thema Einfluss einer großen Investorengruppe lässt sich derzeit in der Schweiz beobachten. Eine von Swiss Sustainable Finance koordinierte Initiative soll dazu führen, dass Unternehmen im Bereich kontroverser Waffen aus bekannten Indizes von großen Anbietern wie MSCI, S&P und STOXX ausgeschlossen werden. Die Initiative hat in letzter Zeit enorm an Dynamik gewonnen, mittlerweile stehen mehr als 140 Asset-Manager, Vermögensverwalter und Vermögensdienstleister mit einem Volumen von 6,8 Billionen US-Dollar dahinter. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels gab es noch keine offiziellen Statements der Indexanbieter, das enorme Volumen lässt jedoch auf eine Umsetzung der Forderungen hoffen.

Unternehmensdialoge und Stimmrechtsausübung sind für die Raiffeisen KAG ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie. Im Bereich der Unternehmensdialoge wird dabei zwischen proaktivem Engagement und reagierendem Engagement unterschieden. Der proaktive, konstruktive Dialog mit Unternehmen dient dazu, mögliche Risiken, vor allem bezogen auf die Dimensionen Umwelt, Gesellschaft und Corporate Governance (Environment, Social, Governance, kurz ESG) zu identifizieren. Durch das gezielte Ansprechen aktueller Entwicklungen – über die Schiene des reagierenden Dialogs – wird eine möglichst aktuelle Einschätzung des Unternehmens samt seinem Umfeld und potenzieller ESG-Risiken sichergestellt.

Unternehmensdialoge

Ausgangspunkt für Engagements auf Basis von Unternehmensdialogen sind bei der Raiffeisen KAG oft aktuelle Themen oder branchenübergreifende Kontroversen. Bei unseren Unternehmensdialogen gehen wir entweder alleine vor oder kooperieren mit anderen, gleichgesinnten Investoren (Collaborative Engagement). Dabei spielt das PRI-Clearinghouse der Vereinten Nationen eine wesentliche Rolle. Als Unterzeichner der Principles of Responsible Investment (PRI) nützen wir dieses Angebot der koordinierten Vorgehensweise.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen drei Formen des Engagements via Unternehmensdialog:

  • Direkter Unternehmensdialog im Einzelgespräch oder im Rahmen von Group-Meetings – hier steht das Unternehmen und seine spezifische Nachhaltigkeitsleistung im Mittelpunkt.
  • Direkter Unternehmensdialog im Rahmen von Themen- oder Branchenresearch – hier stehen das Thema oder branchenspezifische Nachhaltigkeitsfaktoren im Fokus.
  • Direkter und indirekter Unternehmensdialog im Rahmen eines gemeinschaftlichen Engagement-Prozesses – dabei arbeiten wir mit anderen nachhaltigkeitsorientierten Investoren zusammen und adressieren einen Themenschwerpunkt auf breiter Basis. Die Themen werden in der Regel von PRI und deren Initiativen für Collaborative Engagement vorgegeben. Ein Unternehmen kann dabei entweder als Lead Investor oder als Supporting Investor agieren. Lead Investors bereiten den Unternehmensdialog im Detail auf und organisieren Kontakte zum Unternehmen, Supporting Investors sind in die Dialoge miteingebunden und unterstützen den Prozess zum Teil auch inhaltlich.

Weitere Informationen, speziell zu den Unternehmensdialogen von Raiffeisen Capital Management, finden Sie in der Ausgabe von Nachhaltig Investieren.

Beeindruckende Rentenrally

Die Notenbanken haben die Wende in der aktuellen Geldpolitik zuletzt bekräftigt und angekündigt, dass wohl heuer und darüber hinaus keine Zinserhöhungen zu erwarten sind. Die Rally hat sich folglich auch im März fortgesetzt. Die Aktienmärkten ziehen also an, wobei sich dort die Fundamentaldaten teilweise abschwächen. Vor allem die Rentenmärkte steigen, allen voran High Yield und Emerging Markets. Die Investoren flüchten vor den aktuell niedrigen Staatsanleihe-Renditen in dieses höhere Marktrisiko.

Denn auch die stets als sicherer Hafen angesehenen deutschen Bundesanleihen konnten weiter zulegen. Mittlerweile werden entlang der gesamte Zinskurve bis zu den zehnjährigen Bundesanleihen negative Renditen gekauft.

In Europa sticht Großbritannien besonders hervor, zu­letzt auch von einem stärkeren Pfund unterstützt. Der aktuelle Schwung konnte auch Italien, das Sorgenkind der Währungsunion, etwas nach oben mitziehen.

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Geld-/Kapitalmarkt: Deutsche Bund-Renditen in negativem Terrain

Notenbankchef Mario Draghi gestand kürzlich ein, dass die EZB Ende vergangenen Jahres von einem zu positiven Ausblick ausgegangen war und sich die Situation mittlerweile schwächer präsentiert. Der Rentenmarkt selbst preist im Jahr 2019 in der Euro­zone keine Zinsanhebung mehr ein. Eine nachhaltige Aufwärtsbewegung der Inflationsrate dürfte nicht pas­sieren. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundes­anleihen notiert erstmals seit Oktober 2016 wieder in negativem Terrain. Ausschlaggebend dafür sind schwache Konjunkturindikatoren für die Eurozone und vor allem für Deutschland. Die Angst vor einer flächendeckenden Rezession in der Eurozone feiert somit ein fulminantes Comeback.

Die US-­Fed hat ihr Inflationsziel hingegen bereits erreicht (Verbraucherpreise stiegen dort zuletzt um 1,9 % p. a.) und der Leitzins dürfte sein neutrales Niveau erreicht haben. Wir halten es jedoch für durch­aus möglich, dass sich – mit zunehmend schwächeren US­Wirtschaftsdaten – die Stimmen für Zinssenkun- gen in den kommenden Monaten mehren könnten.

Staats- und Unternehmensanleihen: Ins Risiko gezwungen

Bei bonitätsstarken Staatsanleihen sind die Renditen im März weiter gesunken und die Zinskurven „risikoarmer“ Staatsanleihen (USA, Euro­Kern) verflachten sich wei­ter. In den USA wurde die Zinsdifferenz zwischen zehn­-jährigen US-­Staatsanleihen und 3­-Monats-­Papieren sogar negativ. Die Suche nach Rendite dürfte sich fort­setzen, dabei werden lange Laufzeiten präferiert. Eine Besserung der Datenlage erwarten wir vorerst nicht und begegnen dieser Situation in erster Linie durch Positio­nierungen auf den Zinskurven.

Unternehmensanleihen bleiben trotz schwachem Un­ternehmens­ und Konjunkturausblick gefragt. Dies gilt umso mehr in einem Umfeld extrem niedriger Staatsan­leiherenditen, Anleger werden „in das Risiko gezwun­gen“. Eine weitere Bestätigung dieser risikofreundlichen Stimmung ergibt sich daraus, dass sich Euro­-Unterneh­mensanleihen der Peripherie besser behaupten konnten als solche aus Kerneuropa.

Wir bleiben bei unserer Übergewichtung von Euro­-Qualitätsunternehmensanleihen gegenüber High­-Yield-­Anleihen.

Emerging Markets: Etwas Schwung verloren

Der Anstieg der Emerging­-Market-­Aktien hat zuletzt etwas an Schwung verloren, ist aber seit Jahresbeginn weiterhin sehr erfreulich. Die Kehrtwende der US­Fed hat hier einen großen Anteil. Nicht vergessen sollte man aber auf die chinesische Notenbank, die die Liquidi­tätsschleusen tatsächlich weit geöffnet hat. Auf Seiten der Fundamentaldaten gibt es nach wie vor eher negative Nachrichten. Hier stellt sich zunehmend die Frage, wie lange sich der Markt nach dem Prinzip Hoffnung verhält und ob die Fundamentaldaten weiter beharrlich ignoriert werden können.

Die Risikoprämien von Hartwährungsanleihen haben sich nach einer starken Rally seit Jahresende 2018 im letzten Monat seitwärts entwickelt und damit praktisch die Entwicklung des US­-High­-Yield-­Marktes eins zu eins nachvollzogen.

Ein deutlich geringeres Welthandelsvolumen und damit verbunden schlechter werdende Emerging-Market-­Konjunkturindikatoren belasten die Emerging­-Market-Anleihen derzeit jedoch kaum. Die Abwärtsrisiken überwie­gen unserer Meinung nach auf kurze Sicht. Wir haben derzeit keine Position in Emerging-­Market-­Anleihen.

Aktien: Stimmung gut, aber etwas gedämpfter

Bildlich gesprochen stellt sich die Frage: hat das Pendel, nachdem es im Jänner und Februar stark zurückge­schwungen ist, nun wieder den oberen Totpunkt erreicht? Der globale Marktindex MSCI All Countries hat in Euro wieder ein Allzeithöchst gesehen, ansonsten verlief der Monat März relativ ruhig. Erst gegen Ende erfolgte eine letztlich globale Abschwächung infolge wieder aufkom­mender Konjunkturbefürchtungen.

Die Entwicklung seit Jahresbeginn bleibt jedoch weiter beeindruckend. Nicht nur die USA, auch einige Emerging Markets (China) und Europa konnten den Schwung vom Jahresanfang zumindest halten. Lateinamerika und auch Deutschland sackten hingegen ein wenig ab. Das bestä­tigt die regionalen Unterschiede dieser Rally. Während in den USA zyklische Werte, z. B. Technologie, die Märkte anführen, so sind es in Europa eher defensive Branchen. Das weist auf aufkommende Konjunkturbefürchtungen hin.

Bemerkenswert ist, dass das Chaos um den Brexit keine Spuren am britischen Aktienmarkt hinterlässt – bisher zumindest.

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Aktien USA und Europa: Rally weit fortgeschritten

Das erste Quartal verlief spektakulär. Trotz schwächerer Konjunktur­ und Gewinndaten führte der markante Richtungsschwenk der US­-Notenbank zu starken Kurs­anstiegen.

Die Stimmungsindikatoren befinden sich nach dieser Rally wieder im optimistischen Bereich. Gleichzeitig scheint die Anlegerpositionierung aber weiterhin vor­sichtig. Wir bleiben bei unserer Aktien­-Untergewichtung, denn wir sehen den Widerspruch zwischen Fundamentalfaktoren und Liquiditätseuphorie weiterhin kri­tisch und daher das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt. Nach einer längeren Phase der relativ schwächeren Ent­wicklung von Aktien aus dem Bereich der defensiven Konsumgüter waren diese ab Mitte 2018 im Vergleich zu den zyklischen Konsumgütern mit kurzen Ausnahmen die bessere Wahl. Der Konjunkturzyklus ist bereits weit fortgeschritten und es mehren sich die Zeichen, dass eine Phase schwächeren oder sogar negativen Wachs­tums bevorsteht. In einer solchen Phase entwickeln sich defensive Titel meist besser als solche aus zyklischen, wachstumsorientierten Branchen.

Die beste aller Anlegerwelten

Aus Sicht des Anlegers ist das erste Quartal 2019 nach Wunsch verlaufen. Die Verluste, die in diver­sen Märkten im Vorjahr angefallen waren, wurden in vielen Fällen in nur wenigen Wochen wieder ausgemerzt. Beispielsweise hat der globale Aktien­ korb MSCI All Countries in Euro kürzlich den bishe­rigen Höchststand vom Oktober 2018 überwinden können. Erwähnenswert sind auch Emerging-Market-Anleihen. Die im vergangenen Jahr viel gescholtene Kategorie hat sich unter den diversen Anleiheklassen heuer besonders hervorgetan, trotz politischer Störfeuer in wichtigen Ländern wie Bra­silien und der Türkei. Nicht zuletzt haben sich aber auch Staatsanleihen mit sehr hoher Bonität gut entwickelt. Allen voran sind hier deutsche Bundesanleihen zu nennen. Das kurze Ende der Zins­kurve ist hier ja schon seit Jahren mit einer nega­tiven Rendite ausgestattet. Zuletzt sind die Kurse dieser Anleihen aber so stark gestiegen, dass auch das zehnjährige Laufzeitensegment wieder in den negativen Renditebereich abgesunken ist. Dieser Punkt hinterlässt so manchen Beobachter etwas ratlos. Denn sehr stark steigende Notierun­gen von „riskanten“ Kategorien, wie z. B. Aktien, und auch von hochqualitativen Staatsanleihen können durchaus als Widerspruch gesehen wer­den. Der Versuch, ein Szenario zu zimmern, in dem diese vermeintliche Diskrepanz unter einen Hut geht, fällt allerdings nicht schwer: Erstens, die Wirtschaftsschwäche des Jahres 2018 und der ersten Monate 2019 wird überwunden. Die Konjunkturindikatoren erholen sich im Verlauf von 2019. Dies aber, zweitens, nur moderat und ohne Inflationsdruck, sodass die Notenbanken weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgen können. Drittens: Handelskrieg und Brexit finden ein positi­ves Ende. Andere Risiken werden nicht schlagend. Die beste aller Anlegerwelten also, auch „Goldi­locks“ genannt. Genießen wir es, so lange es andauert.

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Globale Konjunktur: Abschwächung hier wie dort

Der Trend in der Entwicklung der globalen Wirtschafts­daten ist ungebrochen negativ. Während in den USA die meisten Indikatoren nach wie vor eine Expansion, wenn auch in geringerem Ausmaß anzeigen, erschei­nen die Daten aus China und insbesondere diejenigen aus der Eurozone zuletzt erschreckend schwach. Trotz bereits schwächerer Wirtschaftsdaten überraschen die veröffentlichen Zahlen aktuell in Relation zu den Analys­tenerwartungen in allen Regionen negativ – auch in den USA. Dementsprechend ist in nächster Zukunft noch mit weiteren nach unten gerichteten Revisionen bei den Wirtschaftsprognosen zu rechnen.

Auch auf den Aktienmärkten nähert sich der aktuelle Gewinnwachstumszyklus, der im Frühjahr 2016 begon­nen und in Europa 2017 bzw. in den USA 2018 seinen Höhepunkt erreicht hat, seinem Ende. Wenngleich die Zuwachsraten im Rückblick der letzten 12 Monate zu­mindest in den USA noch immer stattlich sind, hat sich die Dynamik auch hier schon merklich abgeschwächt.

Rohstoffe und Währungen: leicht schwächerer Euro

Die seit Jahresbeginn anziehenden Rohstoffpreise legten im März ebenso eine kleine Pause ein wie die Aktienmärkte. Die Rally der Industriemetalle wurde von der schwächeren Angebotsentwicklung und vor allem auch von den weggefallenen Zinsängsten befeuert. Lediglich die Edelmetalle – teilweise als Krisenwäh­rung gesehen – konnten bisher nicht überzeugen, die Käufer bevorzugten bisher auch hier die zyklischen Werte wie Energie und Industriemetalle.

Relativ wenig Bewegung war zuletzt auf den Devisenmärkten zu sehen. Generell driftet der Euro etwas nach unten. Er verlor nicht nur gegen die globalen Hauptwährungen Dollar und Yen, sondern auch gegen die bedeutendsten Emerging-­Market-­Währungen. Lediglich einzelne Währungen wie die türkische Lira oder der argentinische Peso notieren wegen hausge­ machter Probleme auch 2019 deutlich schwächer. Der schwächere Euro dürfte auch seitens der Geld­politik der EZB erwünscht sein. In Europa tut sich bis dato das leicht steigende britische Pfund hervor.

Sichere Häfen werden verlassen

Im Zuge der Kursrally der Aktienmärkte leben auch die Anleihemärkte mit höherem Risiko wieder auf. Die sicheren Häfen der Staatsanleihen werden also wieder verlassen – obwohl auch diese erstaunlich robust bleiben. Anleihen, die zum Ende 2018 deutliche Kursabschläge hinnehmen mussten, sind wieder gefragt: High Yield und Emerging Markets. Gerade die Emerging Markets litten 2018 unter den steigenden US-Zinsen und dem Druck durch die Handelsspannungen. Mit der Neubewertung der US-Geldpolitik wurde nun auch an den Rentenmärkten ein Aufschwung und eine Phase höherer Risikobereitschaft eingeleitet.

Auch die stets als sicherer Hafen angesehenen deutschen Bundesanleihen legten etwas zu, deren 10-jährige Rendite ging dabei wieder auf ca. 0,2 % zurück. Zwei bedeutende europäische Märkte entwickeln sich hingegen gegenläufig: etwas unerwartet ist in Großbritannien leichte Entspannung eingetreten, vor allem das Pfund legte zu. In Italien sind hingegen wieder Zweifel an politischer und fiskalischer Stabilität aufgetreten.

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Geld-/Kapitalmarkt: neue Richtung der Geldpolitik?

Seit Jänner steht die US-Notenbank vor einer veritablen Strategiewende. Statt angekündigter weiterer Zinsschritte – der Leitzins steht aktuell bei max. 2,5 % – hat Fed-Chef Powell angekündigt, die Geldpolitik sei an die aktuelle Situation angepasst und in weiterer Folge werde man die Entwicklungen beobachten. Es gebe keinen vorgegebenen Pfad (mehr).

Während in den USA Zinsanhebungen in den nächsten zwölf Monaten praktisch vollständig ausgepreist wurden, stehen dort mittlerweile sogar Zinssenkungen für 2020 im Raum.

Auf Seiten der Europäischen Zentralbank gab es zuletzt weniger spektakuläre Entwicklungen. Der Preis druck im Euroraum ist nach wie vor schwach. So sank die Kerninflationsrate (exklusive Lebensmittel und Energie) jüngst auf 1 %. Die nächste Sitzung der EZB findet bereits am 7. März 2019 statt, dort werden die Ratsmitglieder über künftige monetäre Maßnahmen entscheiden. Fest steht, dass die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren seit rund einem Jahr mehrheitlich enttäuscht hat und die negative Dynamik nach wie vor stark ausgeprägt ist.

Staats- und Unternehmensanleihen: Risikoprämien bei Unternehmensanleihen sinken wieder

Trotz der beeindruckenden Aktien-Rally ist es in den vergangenen Wochen auch bei den bonitätsstarken Staatsanleihen, den „sicheren Häfen“, global zu moderaten Renditerückgängen und damit Kursanstiegen gekommen. Entstanden sind diese durch nicht verschwinden wollende Event-Risiken (Hard-Brexit, Handelskrieg) sowie durch schwächere Wirtschaftsdaten. Vor allem die Industrie kam zuletzt zunehmend unter Druck. Wir begegnen dieser Situation in erster Linie durch Positionierungen auf den Zinskurven.

Entgegen der konjunkturellen Entwicklung sanken 2019 auch die Risikoprämien von Unternehmensanleihen, insbesondere in den USA aber auch in Europa. Vor allem die Ankündigung der US-Notenbank und anderer Notenbanken, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht weiter anzuziehen, hat die Aktienmärkte und die Unternehmensanleihen stärker positiv beeinflusst, als dies schwache Konjunkturindikatoren davor im negativen Sinne taten. Wir erhöhen unsere Übergewichtung von Euro-Qualitäts-Unternehmensanleihen gegenüber High-Yield-Anleihen.

Rally deckt schwache Fundamentaldaten zu

Wie Tag und Nacht verliefen das Jahr 2018 und der Jahresbeginn 2019. War im letzten Jahr die Wertentwicklung sehr vieler Märkte negativ, so kommt es seit dem Jahreswechsel zu einer breit angelegten Erholung. Aktien haben schon jetzt eine Wertsteigerung erfahren, die für ein ganzes Jahr reicht. Aber auch die Anleihenmärkte werfen tolle Erträge ab, allen voran High Yield und Emerging Markets. Unternehmens- und Staatsanleihen liegen auch im Plus, wenn auch nicht so spektakulär. Schließlich sind auch noch die Rohstoffe zu erwähnen: Gold, Rohöl und Kupfer sind allesamt angestiegen, zum Teil signifikant.

Was steht hinter dieser Entwicklung? Die Antwort ist klar: ein Sinneswandel der Notenbanken führte zu einem ebensolchen bei den Anlegern. Man könnte meinen, dass die Investoren im Jahr 2018 geldpolitisch auf Entzug gesetzt wurden und dementsprechend schlecht gelaunt waren. In den ersten Wochen des neuen Jahres hatten die Notenbanken dann doch ein Einsehen und gönnten der Anlegergemeinde eine neue Dosis des lockeren Geldes. Und siehe da: alles ist gut! Jetzt wird der Handelskrieg nicht mehr als Bedrohung gesehen, sondern dessen baldige Lösung vorgefeiert. Der Brexit ist auch kein Risiko mehr, weil er verschoben oder vielleicht sogar abgesagt wird. Auch das wird abgefeiert, siehe Pfund. Und über das Absacken diverser Konjunkturindikatoren muss man sich auch keine Sorgen mehr machen. Immerhin ist die Schwäche nur temporär, die Erholung eine Frage der Zeit. Somit haben sich in einigen Bereichen nicht die Fakten verändert, sondern bloß die Wahrnehmung derselben. Dies betrifft vor allem die Fundamentaldaten, deren Schwäche für eine Beibehaltung des vorsichtigen Aktienausblicks spricht. Tatsächlich verbessert hat sich allerdings die technische Situation des Marktes. Dies wird zum Anlass genommen, die Untergewichtung in Aktien um einen Schritt zu reduzieren.

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Aktien: die Rally hält vorerst an

Nach dem schwachen 4. Quartal 2018 sollten entweder die Wirtschaftsdaten diesen Pessimismus bestätigen – oder das Pendel zumindest teilweise zurückschwingen. Letzteres ist eingetreten, sogar recht deutlich. Diese technische Erholung wurde durch Äußerungen der US-Notenbank zur weiteren Zinspolitik und Erwartung einer Einigung im Handelskonflikt mit China unterstützt. Der Impuls ging von den USA aus, aber die stärkste Aufwärtsbewegung erzielten vorerst die Emerging Markets, allen voran China. Auch dort setzte die Notenbank expansive Schritte. Diese Kursrally hat im Februar angehalten, die US-Aktien gaben weiter die Richtung vor. Dabei hat auch wieder ein Wechsel zu Wachstumstiteln und sogenannten zyklischen Werten stattgefunden, der Konjunkturpessimismus vom Jahresende 2018 ist vorerst verflogen. Diese Marktstimmung nennt man gerne Risk-on.

In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden somit bereits gute Jahresgewinne erreicht. Man darf jedoch nicht vergessen, dass nun erstmal das schwache 4. Quartal des vergangenen Jahres kompensiert ist.

Aktien USA und Europa: Rally deckt schwache Fundamentaldaten zu

Der Jahresauftakt an den Aktienmärkten kann wohl nur als spektakulär bezeichnet werden. Trotz schwächerer Konjunktur- und Gewinndaten führte der schon erwähnte Richtungsschwenk der US-Notenbank zu starken Kursanstiegen. Wir sehen diesen Widerspruch zwischen Fundamentalfaktoren und Liquiditätseuphorie weiterhin kritisch und daher das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt.

Die fundamentale Beurteilung der Aktienmärkte hat sich nicht verbessert, der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne trübt sich derzeit weiter ein. So wird aktuell für die USA im ersten Quartal 2019 ein negatives Wachstum im Jahresvergleich erwartet und auch für die folgenden beiden Quartale dürfte sich nur ein knapp positives Ergebnis ausgehen. Weiterhin ist eine Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes zu beobachten, das belegen weltweit schwächere Einkaufsmanagerindizes und auch andere Konjunkturdaten.

Die Stimmungsindikatoren befinden sich nach der Rally der letzten Wochen wieder im optimistischen Bereich. Wir bleiben daher bei unserer (nunmehr reduzierten) Aktienuntergewichtung.

Emerging Markets: Liquidität treibt die Rally – noch...

Emerging-Market-Aktien sind im seit Jahresanfang herrschenden globalen Trend sehr freundlich ins neue Jahr gestartet. Dies ist auf den ersten Blick verwunderlich, wenn man sich die fundamentalen Faktoren wie etwa die Konjunkturentwicklung und Gewinnentwicklung ansieht, denn diese enttäuschen weiterhin. Auf den zweiten Blick erkennt man aber das allüberstrahlende Thema: die Liquiditätsversorgung. Hier setzt insbesondere die chinesische Zentralbank deutliche Impulse und flutet die Märkte mit dem heißersehnten Stoff, der Aktienmärkte wieder steigen lässt: Liquidität.

Daher sind auch die Renditeabstände (Spreads) von Hartwährungsanleihen deutlich gesunken. Neben einem geldpolitisch freundlicheren Ton der US-Notenbank profitierte dieses Anleihensegment von stabilen und zum Teil steigenden Rohstoffpreisen, was den rohstoff-exportierenden Emerging Markets entgegenkam.

Ein geldpolitisch freundlicher Ton alleine dürfte jedoch nicht reichen, sofern es zu einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und China käme. Wir haben folglich keine Position in Emerging-Market-Anleihen.

Nachhaltigkeitsbewertung Bildung: Digitalisierung/IT-Branche

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Die IT-Branche zeichnet sich durch extrem hohen Wettbewerb, die Notwendigkeit permanenter Innovation und damit höchste Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Die Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten der handelnden Personen, basierend auf Intelligenz, Bildung, Weiterbildung, Erfahrung und Know-how, sind in diesem Sektor besonders ausgeprägt.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Bildung beinhalten den Dialog mit einigen IT-Unternehmen weltweit. Der Fokus des Dialogs liegt in der Weiterbildung und Bindung wichtiger Leistungsträgerinnen und -träger an das Unternehmen. Folgende Fragen werden dabei gestellt:

1) In einer dynamischen Weltwirtschaft mit all ihren Ausprägungen lässt sich ein allgemeiner Standard für eine notwendige oder geforderte Basisausbildung nur schwer festlegen. Dass diejenigen, die sich um einen Job bewerben, über die Grundkenntnisse Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen sollten, erklärt sich von selbst. Darüber hinaus hängt es aber vor allem von der jeweiligen Branche ab, welche Ausbildung wirklich gefordert wird. Die im Rahmen unseres Engagements beleuchtete IT-Branche gehört zu jenen Branchen, die aufgrund hochkomplexer Arbeitsprozesse allgemein höhere Anforderungen an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt. Bei den meisten Unternehmen sprechen wir hier von einem Universitätsabschluss als Basisausbildung. Das Softwareunternehmen „Adobe“ beispielsweise, fordert einen Bachelorabschluss oder einschlägige Praxiserfahrung, die einem derartigen Abschluss gleichkommt.

2) Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit lassen erkennen, dass Unternehmen vermehrt die Bedeutung eines frühzeitigen Trainings erkennen. Bei den IT-Unternehmen sind es speziell Kooperationen mit Universitäten und maßgeschneiderte Praktika, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Facebook zum Beispiel betreibt eine eigene „Facebook University“, durch die Studierende aus schwierigem Umfeld die Menschen, Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens kennen lernen können. Neuen Softwareingenieuren bietet Facebook außerdem ein so genanntes „Engineering Bootcamp“ an, mit dessen Hilfe sie ihre Stärken und Präferenzen identifizieren und sich so an einem Team ausrichten können, in dem sie die größte Wirkung erzielen.

3) Studien zeigen, dass das Miteinbeziehen von Diversität im Einstellungsprozess sowohl auf wirtschaftlicher Ebene als auch im Hinblick auf das Mitarbeitergefüge einen positiven Einfluss hat. Unternehmen, die Wert auf kulturelle Vielfalt legen, gelten als attraktive Arbeitgeber und können so ihre Reputation steigern. Die Chancen, die sich aus gelebter Diversität ergeben, erkennt auch der Bezahldienstleister „PayPal“. Das Unternehmen bezeichnet Vielfalt als einen Beschleuniger von Innovation und strebt daher nach einer vielfältigen Belegschaft, zu der Personen mit unterschiedlichem ethnischen und kulturellen Hintergrund, Geschlecht und diverser sexueller Orientierung zählen. Auch Facebook findet Vielfalt bedeutsam für den Erfolg des Unternehmens, da sich Menschen jeder Herkunft auf Facebook versammeln und auf deren Bedürfnisse mit einer vielfältigeren Belegschaft umso besser eingegangen werden kann.

4) Ein Unternehmen steht und fällt mit seiner Belegschaft, das ist bekannt. Geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, kann sich jedoch mitunter als äußerst schwierig und kompliziert darstellen. Für Adobe ist es daher wichtig, bereits vor dem Interviewprozess eine langfristige Strategie zu verfolgen und eine proaktive Auseinandersetzung mit so genannten „High Potentials“ zu pflegen. Der chinesische Internetriese „Tencent“ hingegen beklagt die geringe Verfügbarkeit von geeignetem Personal und den daraus resultierenden intensiven Wettbewerb um diese Arbeitskräfte am chinesischen Markt.

5) In einer Welt, in der digitale Transformation eine bedeutende Rolle spielt, ist es besonders wichtig, dass Arbeitskräfte mit den benötigten Fähigkeiten und dem richtigen Know-how ausgestattet sind. Facebook, Apple, Google und Tencent setzen auf eigene Universitäten und Akademien, durch die sie ihrem Personal maßgeschneiderte For tbildungsprogramme anbieten können. Tencent ist dabei die Flexibilität und Zugänglichkeit zu den Lernprogrammen besonders wichtig, es stellt daher seinen Angestellten neben Trainings-on-the-job auch eine Online-Learning-Plattform und ein mobiles Lernsystem zur Verfügung – also Weiterbildung zu jeder Zeit und überall.

6) Bei den Anreizen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein klarer Trend in Richtung nicht-monetärer Systeme zu erkennen. Diese gehen längst über flexible Arbeitszeiten hinaus und versuchen, das Arbeitsleben einerseits zu verbessern und andererseits mit dem Privatleben bestmöglich in Einklang zu bringen. Facebook bietet Leistungen in unterschiedlichen Bereichen, darunter Gesundheit, Familie, Gemeinschaft und Auszeit. Der Bereich Auszeit beinhaltet beispielsweise einen 30-tägigen Sonderurlaub nach fünf abgeschlossenen Arbeitsjahren. Im monetären Bereich sind Bonuszahlungen und Aktienprogramme die am häufigsten verwendeten Methoden, um Unternehmensangehörige zu hoher Leistung zu motivieren.

7) Denkt man an IT-Unternehmen in Verbindung mit der Standortwahl, kommt einem meist sofort das Silicon Valley in den Sinn. Giganten der Hightech-Industrie wie Apple, Intel, Google und Facebook sind dort beheimatet und buhlen um die schlauesten Köpfe der umliegenden Universitäten und Forschungszentren. Und genau diese Einrichtungen sind es, die den Standort so beliebt gemacht haben und die auch deutlich machen, welch wichtige Rolle der Bildungsaspekt bei der Wahl der richtigen Niederlassung spielt.


Diesen Beitrag ist Teil der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Den Hauptbeitrag zu Bildung sowie die vollständigen Letter finden Sie hier.

Anleihen mit gutem Jahresbeginn

Oftmals besteht ein negativer Zusammenhang zwischen Aktien und Anleihen. Das bedeutet, dass bei steigenden Aktienkursen die Notierungen der Anleihen häufig fallen. Im vergangenen Monat war dies nicht der Fall. Obwohl die internationalen Aktienmärkte sehr stark zulegen konnten, sind auch die Anleihenkurse gestiegen. Dies gilt sowohl für Euro-Staatsanleihen, Euro-Unternehmensanleihen, High-Yield-Anleihen und Emerging-Market-Anleihen. Ein wesentlicher Grund für diese erfreuliche Entwicklung war eine Neubewertung der Geldpolitik. Im vierten Quartal hatten noch Ängste vor einer allzu raschen Verringerung der Notenbankunterstützung zu Stress auf diversen Märkten geführt. Anfang Jänner ist der Präsident der US-Notenbank dann zurückgerudert und hat eine Pause bei den Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. Auch Anleihen aus den Schwellenländern konnten von den beschriebenen Entwicklungen profitieren. Diese Emittenten reagieren besonders sensibel auf Zins- und Währungsentwicklungen in den USA. Nachdem sich bei den Leitzinsanhebungen eine Pause abzeichnet, die Renditen am langen Ende der Zinskurve spürbar zurück gegangen sind und der Dollar stabil ist, wittern die Schwellenländeranleihen seit einiger Zeit wieder Morgenluft.

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Geld-/Kapitalmarkt – US-Notenbank legt Kehrtwende hin

Die US-Notenbank hat in den letzten Wochen eine veritable Kehrtwende hingelegt. Noch im vierten Quartal des letzten Jahres beteuerte Powell, dass das Zinsniveau noch sehr unterstützend sei und weitere Zinsanhebungen folgen würden. Schon Anfang Jänner wurde kräftig zurückgerudert, um Ende Jänner vollends zu kapitulieren. Nunmehr heißt es, die Geldpolitik sei an die aktuelle Situation angepasst und in weiterer Folge könne man geduldig die Entwicklungen beobachten. Was hat zu diesem Sinneswandel geführt? Ganz einfach: der Aktienmarkt! Der Kurssturz von 14 % im vierten Quartal hat seine Wirkung nicht verfehlt. Hat es vielleicht auch einen Anruf aus dem Weißen Haus gegeben? Weitere Zinsanhebungen sind damit jedenfalls sehr unwahrscheinlich geworden. Auf Seiten der Europäischen Zentralbank gab es zuletzt weniger spektakuläre Entwicklungen. Die Notenbank hat bekräftigt, dass die Zinsen nicht vor dem Herbst angehoben werden. Ob sich heuer überhaupt eine Zinsanhebung ausgeht, ist höchst ungewiss. Immerhin haben sich die Wirtschaftsdaten in der Eurozone in den letzten Monaten spürbar eingetrübt.

Staats- und Unternehmensanleihen – Potenzial ausgeschöpft

US-Staatsanleihen haben die veränderten Aussichten für die Geldpolitik bereits in den letzten Wochen mit spürbaren Renditerückgängen vorweggenommen. Auch im verbleibenden Verlauf von 2019 werden US-Treasuries eine interessante Assetklasse bleiben. Auch Staatsanleihen aus der Eurozone haben sich in den letzten Monaten sehr gut entwickelt. Sowohl die sogenannten Kernländer (z. B. Deutschland, Österreich) als auch Italien waren mit starkem Anlegerinteresse konfrontiert. Damit dürfte das Potenzial auf absehbare Zeit aber ausgeschöpft sein.

Bei den Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen („Spreads“) war die Erholung zuletzt in den USA wesentlich stärker als in Europa. Hierzulande ist nicht mit einer nachhaltigen weiteren Einengung zu rechnen.

Auch die High-Yield-Märkte konnten von der generell besseren Stimmung profitieren und liegen seit Jahresbeginn deutlich im Plus. In diesem Segment konnten die Märkte in Europa nicht mit jenen in den USA Schritt halten.

Emerging Markets – Trendwende gelungen

Die ersten drei Quartale 2018 waren nicht gut für Anleger, die in den Schwellenländern investieren. Aktien, Anleihen und Währungen tendierten sehr schwach. Dafür können drei wesentliche Gründe genannt werden. Zunächst einmal gab es länderspezifische Themen, wie z. B. in der Türkei. Dann gab es den von den USA angezettelten Handelskrieg, der zu einem Schrumpfen des globalen Handels führte. Und schließlich ist die US-Notenbank zu nennen, die mit Zinsanhebungen auch das lange Ende der US-Zinskurve sowie den US-Dollar nach oben drückte.

Alle drei Belastungsfaktoren haben sich in den letzten Monaten entspannt. Und siehe da, schon haben die einzelnen Segmente ihre Tiefstände durchschritten: Lokalwährungsanleihen im September, Aktien im Oktober und Hartwährungsanleihen im November. Besonders hervorgetan haben sich dabei die Lokalwährungsanleihen, die bereits über den Ständen von Anfang 2018 notieren. Die Erholung wird sich fortsetzen. Auch für die nächsten Monate sind Anlagen in Schwellenländern interessant.

Creditmärkte: Risiko-Ertrags-Konstellation nach Kursrückgängen wieder verbessert

2018 war für nahezu allen wichtigen Assetklassen kein gutes Jahr. Unternehmensanleihen bildeten da keine Ausnahme. Während viele Investoren 2017 gar nicht genug Unternehmensanleihen kaufen konnten, war 2018 faktisch das genaue Gegenteil zu beobachten, so Raiffeisen Capital Management. Die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen weiteten sich im Jahresverlauf vor allem aufgrund der nachfolgenden Faktoren sukzessive aus:

  • Die EZB reduzierte die Anleihekäufe und stellt diese netto ab 2019 komplett ein.
  • Die Investoren bauten bestehende Übergewichtungen ab.
  • Das Konjunkturbild verschlechterte sich.
  • Es kam zu einer allgemeinen Risikoreduktion bei den Investoren – teils freiwillig, teils gezwungen (letzteres speziell zum Jahresende).

Es liegt auf der Hand, dass die extrem niedrigen Zinskupons kaum Schutz gegen etwaige Kursrückgänge bieten konnten und auch weiterhin kaum Schutz bieten können. Das gilt prinzipiell für alle Marktsegmente – für die etwas höher rentierenden Anleihen aber natürlich etwas weniger als für die allerbesten Bonitäten.In unseren Credit-Fonds (Raiffeisen 304 – Euro Corporates, Raiffeisen-Euro-Corporates und Raiffeisen-Europa-HighYield) haben wir vor allem über eine sicherheitsfokussierte Einzeltitelauswahl gegengesteuert. Die Einzeltitelauswahl wird auch künftig ein sehr wichtiger Faktor für die Wertentwicklung sein. Speziell im High- Yield-Bereich ist eine weiter zunehmende Differenzierung zwischen den Emittenten zu beobachten. Im Raiffeisen- Europa-HighYield zahlte sich vor allem die defensive Positionierung bei italienischen Emittenten aus. So vermied das Fondsmanagement beispielsweise italienische Bankanleihen. In den Investmentgrade-Portfolios wurden 2018 generell nur wenige Finanzanleihen gehalten. Das erwies sich ebenfalls als gut. Allerdings ist dabei anzumerken, dass der Performanceunterschied zwischen financials und non-financials im abgelaufenen Jahr prinzipiell recht gering ausfiel und daher insgesamt keinen allzu großen Einfluss auf die Wertentwicklung hatte.

Im Zuge der Portfolioflüsse des vergangenen Jahres sind die Positionierungen vieler Marktteilnehmer deutlich ausgewogener als noch vor Jahresfrist. Die oftmals bestehenden starken Übergewichtungen wurden vielerorts reduziert oder abgebaut.

Ausblick 2019

Auf den Abwärtsdruck im vierten Quartal 2018 folgte im Jänner eine sehr kräftige Erholung. Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Spread-Einengung in den kommenden Monaten im selben Tempo fortsetzen wird, sondern sehen die Renditeaufschläge zum Jahresende ungefähr auf den aktuellen Niveaus. Falls dies der Fall ist, ließen sich heuer mit Credits (in der reinen Marktbe- trachtung und ganz grob gerechnet) ungefähr die aktuellen Renditen verdienen. Diese liegen derzeit normalgewichtet bei ca. 1,3 % (Raiffeisen 304 – Euro Corporates), 1,45 % (Raiffeisen-Euro-Corporates) bzw. ca. 3,9 % (Raiffeisen-Europa-HighYield). Bei High-Yields sind etwaige Ausfallskosten abzuziehen, für die die Kupons derzeit aber ausreichend entschädigen würden. Selbstverständlich gibt es für diese Ertragseinschätzung keinerlei Garantie und es handelt sich dabei um eine reine Momentaufnahme.

Fundamental gut unterstützt

Grundsätzlich sehen wir die Märkte noch immer recht gut unterstützt. Die Bewertungen europäischer Unternehmensanleihen sind sowohl im Investmentgrade- als auch High-Yield-Segment deutlich attraktiver als vor einem Jahr, wenn auch nicht mehr so günstig wie noch zum Jahreswechsel. Das gilt vor allem relativ gegenüber Staatsanleihen der Euro-Kernländer. Auch absolut betrachtet bieten die Märkte derzeit ein vergleichsweise gutes Risiko-Ertrags-Profil. Natürlich gilt dies nur vor dem Hintergrund der „neuen Normalität“ anhaltend niedriger Anleiherenditen.

In Bezug auf letztere scheint uns „niedriger für länger“ wohl zumindest auch 2019 zu begleiten, möglicherweise auch darüber hinaus. Damit besteht auch der tendenzielle „Anlagenotstand“ für viele Investoren vorerst weiter. Der markante Kurswechsel der US-Notenbank in den letzten Wochen hat neuerliche deutliche Renditeanstiege bei US-Staatsanleihen sehr viel unwahrscheinlicher werden lassen. Das ist nicht nur wichtig für das Investorensentiment. In den letzten 15 Monaten war zu beobachten, dass die kurzfristigen US-Renditen als eine Art Untergrenze für riskantere Anleihesegmente fungierten. In anderen Worten, steigende US-Renditen am kurzen Ende trieben vor allem in den mittleren und unteren High-Yield-Segmenten auch die europäischen Renditen nach oben. US-High-Yield-Anleihen bieten übrigens nur auf den ersten Blick bessere Renditen als ihre europäischen Pendants. Rechnet man die Hedgingkosten ein, haben Euro-High-Yield-Anleihen sogar die Nase vorn. Da wir beim US-Dollar inzwischen mehr Abwärtsrisiko als Aufwärtspotenzial ausmachen, und ihn auf Jahressicht eher etwas schwächer zum Euro sehen, erscheint uns derzeit ein nicht währungsgesichertes Investment in US-High-Yields für Euro-basierte Investoren wenig ratsam.

Was die EZB betrifft, so ist die Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinsanhebung in 2019 zuletzt weiter gesunken.

Mögliche Risikofaktoren für die Creditmärkte

Konjunktur und Unternehmensgewinne: Die Wachstumsabschwächung in der Euro-Zone ist natürlich nicht positiv für die Creditmärkte. Allerdings ist die fundamentale Situation der Unternehmen keineswegs schlecht. Eine Stabilisierung und ein Ende der Abwärtsbewegung bei den Konjunkturdaten dürften für die Creditmärkte bereits reichen. Das gilt umso mehr, als die Investorenerwartungen für Konjunktur und Gewinnentwicklung bereits relativ niedrig sind.

Inflation: Die Inflationsdynamik in der Euro-Zone ist weiterhin gering. Die Inflationserwartungen waren zuletzt sogar wieder leicht rückläufig. Für die Euro-Creditmärkte ist eine etwaige steigende Inflation derzeit kein größeres Thema.

Emissionstätigkeit: Eine relativ große Unbekannte. Prinzipiell verfügen viele europäische Unternehmen über recht hohe Cashbestände. Vieles an Emissionen in den letzten Jahren war eher ein opportunistisches Nutzen der sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen und weniger von Finanzierungszwang getrieben. Angesichts dessen ist abzuwarten, ob und wie viel seitens der Unternehmen zu den jetzt höheren Renditeaufschlägen emittiert werden wird. In den ersten Wochen des neuen Jahres war die Emissionstätigkeit recht verhalten.

Liquidität: Die Creditmärkte sind im letzten Jahrzehnt enorm gewachsen. Die Kapazitäten der Brokerhäuser, bei größeren Marktbewegungen ausgleichend zu wirken und Liquidität bereitzustellen, sind hingegen weitgehend gleich geblieben. Gleichzeitig sind durch die verschärften Regulierungen die Handelsabteilungen der Großbanken als mögliche „Puffer“ weitgehend weggefallen. Das bedeutet potenziell das Risiko unzureichender Liquidität gerade dann, wenn sie am wichtigsten ist. 2018 drohten die Märkte mehrfach in eine kritische Liquiditätssituation zu rutschen, drehten aber jedes Mal rechtzeitig wieder ab. Auch in diesem Zusammenhang kann die Notwendigkeit einer guten Emittenten- sowie Einzeltitelauswahl und eines proaktiven Portfoliomanagements nicht genug betont werden. Ein Umstand, der im wachsenden Trend zu rein passiven Investments oft zu wenig beachtet wird.

Insgesamt sind wir vorsichtig optimistisch, dass Credit-Investoren 2019 wieder positive Erträge erzielen könnten, deutlich über jenen von Euro-Staatsanleihen mit vergleichbaren Restlaufzeiten. Angesichts des fortbestehenden Niedrigzinsumfeldes werden diese aller Voraussicht nach natürlich weiterhin weit unter den Renditen liegen, die über weite Strecken der letzten 30 Jahre erzielbar waren.

US-Notenbank als Taktgeber

Die US-Aktien sind im vierten Quartal 2018 um rund 14 % gefallen. Damit wurde das achtschlechteste Quartal im letzten halben Jahrhundert markiert. Nach derartigen Rückgängen kommt es in aller Regel zu einer steilen Erholung. Diese setzte ein, sobald sich die Marktteilnehmer zu ihren Weihnachtsfeiern zurückgezogen hatten. In der ersten Phase sind solche Erholungen nicht notwendigerweise von verbesserten Fundamentaldaten getrieben. Vielmehr lassen die überverkaufte Situation, die bereits sehr negative Stimmung und die Erschöpfung der Bären die Märkte hochschnellen. Im aktuellen Fall sind außerdem die Überlegungen der US-Notenbank, eine Pause bei den Zinsanhebungen einzulegen, hinzugekommen. Früher oder später werden die Wachstumsaussichten und andere Einflussfaktoren jedoch wieder in den Fokus rücken. Hier hat sich die Einschätzung nicht verändert: die globale Wirtschaft schwächt sich ab, die Erwartungen für die Unternehmensgewinne gehen nach unten und viele Notenbanken ziehen die Zügel an. Die momentan laufende Erholung der Aktienkurse wird daher genutzt, um die Aktienquote um einen weiteren Schritt zu reduzieren. Eine positive Einschätzung besteht hingegen für Rohstoffe inklusive Edelmetallen.

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Aktien – US-Notenbank als Taktgeber

Nach einem sehr schwachen vierten Quartal haben die Aktienmärkte rechtzeitig zur Bescherung ihren Tiefstand erreicht. Seitdem geht es wieder steil bergauf. Was ist passiert? Anfang Oktober hatte Notenbankpräsident Powell – vor dem Hintergrund eines Aktienmarktes, der von einem Hoch zum nächsten eilte – vollmundig erklärt, dass das Ende der Zinsanhebungen noch lange nicht erreicht ist. Belohnt wurde er mit dem achtschlechtesten Vierteljahr für US-Aktien in den letzten 50 Jahren. Anfang Jänner hat Powell dieser Entwicklung Rechnung getragen und ausgesagt, dass eine Pause bei den Zins- anhebungen denkbar ist. Und schon erholen sich die Aktien wieder.

Besonders profitieren in diesem Umfeld die Aktien aus den Schwellenländern. Trotz einiger negativer Nachrichten von der chinesischen Wirtschaft, fallen die Kursanstiege bei den Emerging Markets höher aus als jene in den entwickelten Märkten. Von den größeren Märkten fallen hier Brasilien, Russland und die Türkei besonders positiv auf.

Aktien USA und Europa – Gewinnwachstum kühlt ab

Die fundamentale Beurteilung der Aktienmärkte hat sich nicht verbessert. Weiterhin ist eine Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes zu beobachten. Diese zeigt sich beispielsweise an den weltweit nach unten gehenden Einkaufsmanagerindizes und auch an anderen, sich verschlechternden Konjunkturdaten. Der Arbeitsmarkt ist eine wichtige Ausnahme.

In Bezug auf die Unternehmensergebnisse, dem zweiten Pfeiler der fundamentalen Beurteilung, gehen die Erwartungen nach wie vor zurück. Das gilt für alle Weltregionen. Sehr positiv hat sich zuletzt allerdings die Neubeurteilung der Geldpolitik auf die Aktienmärkte ausgewirkt. Nach dem Muster der letzten Jahre führt eine lockere Geldpolitik zu einem steigenden Risikoappetit unter den Anlegern. Wie lange dieser Zustand noch anhält, hängt sehr stark von den oben erwähnten Fundamentaldaten ab. Stabilisieren sich diese in absehbarer Zeit, gibt es Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte. Andernfalls ist zumindest mit einem Rückfall auf die Tiefstände des Dezembers 2018 zu rechnen.

Anleihen profitieren von Aktienschwäche

Die Blicke der Marktteilnehmer richteten sich zuletzt auf die Aktienmärkte. Grund war der massive Abschwung im Dezember. Dieser stützte die meisten Rentenmärkte – zumindest die Staatsanleihen, sie legten im Dezember generell zu. Italien profitierte derweil von der Entspannung im Budgetkonflikt mit der Europäischen Kommission. Auch die Renditeabstände der Emerging-Market-Anleihen konnten sich ein wenig einengen. Generell war die Wertentwicklung der Emerging Markets, vor allem des Hartwährung-Segments, enttäuschend.

Die auf den ersten Blick sehr gute Wertentwicklung der US-Rentenmärkte ist im Wesentlichen der Währung geschuldet. Der Dollar hat gegen den Euro seit Jahresbeginn rund 5 % aufgewertet. Am stärksten schnitten somit die deutschen Bundesanleihen (und damit auch die österreichischen) ab – ein Anzeichen der Krise.

Die Renditeabstände (Spreads) der Unternehmensanleihen inklusive High-Yields steigen auf Jahreshöchststände, wir sind aber noch deutlich von den „Krisenniveaus“ vergangener Jahre entfernt.

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Geld-/Kapitalmarkt – EZB-Politik an der Wende

Die amerikanische Wirtschaft befindet sich im späten Zyklus und wird in den kommenden Jahren etwas weniger, wenngleich immer noch gut wachsen. In den USA sind 2019, aus aktueller Sicht, zwei weitere Zinsanhebungen zu erwarten, wohingegen die EZB maximal einmal anheben wird. Die Zinsdifferenz bleibt somit weiterhin zugunsten der USA bestehen, mittelfristig wird sich das Bild aber drehen und dann auch den Euro unterstützen. Auch das ansteigende Haushaltsdefizit belastet die amerikanische Währung. Insgesamt erwarten wir somit keine großen Währungsbewegungen und gehen für 2019 von einem Kurs von ca. 1,2 EUR/ USD aus.

Auch wenn die erste Zinsanhebung frühestens im 4. Quartal 2019 kommen wird, war der Beschluss der EZB, das Anleihekaufprogramm per Ende 2018 auslaufen zu lassen, ein Signal an die Investoren. Weiterhin ist viel Geld bei der Notenbank geparkt und die Renditen der Staatsanleihen der Kernländer sind extrem niedrig. Leicht rückläufiges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation sowie die Funktion des sicheren Hafens sprechen auch 2019 für tiefe Renditen.

Staats- und Unternehmensanleihen – Flache US-Zinskurve

Die amerikanische Zinskurve ist innerhalb eines Jahres deutlich flacher geworden und bietet nun über alle Laufzeiten hinweg eine attraktive Verzinsung, insbesondere im Vergleich zu deutschen Papieren. Wir erwarten kaum inflationäre Tendenzen, was gepaart mit der etwas schwächeren Konjunkturentwicklung und dem geringeren Fed-Engagement nur mehr zu einem geringen Anstieg der Renditen führen wird.

Steigende Verunsicherung hat zu deutlich höheren Risikoprämien und zugleich negativen Überschusserträgen an den Kreditmärkten geführt. Da die Ausfallsraten aber weiterhin sehr niedrig zu erwarten sind, werden die Spreads trotz Angebotsüberhang, wenn überhaupt, nur mehr moderat ansteigen – verglichen mit der eigenen Historie sind sie bereits recht attraktiv.

High-Yield-Spreads haben sich 2018 so stark ausgeweitet, dass für das kommende Jahr nur mehr geringe Bewegungen zu erwarten sind und sich somit im Laufe des Jahres interessante Kaufniveaus bieten werden. Aktuell halten wir High-Yield-Anleihen untergewichtet.

Invasion der Roboter?

Stellen Sie sich vor, 80 % aller heutigen Arbeitsplätze würden mit Robotern besetzt! Nicht gleich morgen früh, aber sagen wir im Laufe der kommenden 50 Jahre. Schlaraffenland oder Albtraum? Da unsere moderne Gesellschaft überwiegend durch Steuern und Sozialabgaben auf Arbeitsplätze finanziert wird und keines der heutigen sozialen Sicherungssysteme eine solche Situation bew ältigen könnte, liegt die Antwort „Albtraum“ nahe. Aber stimmt sie auch?

Den vollständigen infoletter der Raiffeisen Capital Management zum Investieren in Megatrends finden Sie links als PDF.

Albtraum oder Segen?

Blicken wir zurück. Vor rund 100 Jahren arbeiteten 75 von 100 Erwerbstätigen der westlichen Welt in der Landwirtschaft. Heute sind es gerade einmal drei. Aber nicht nur relativ, sondern auch absolut arbeiten heute weitaus weniger Menschen in diesem Sektor als früher. Dennoch gelingt es, wesentlich mehr Menschen zu ernähren und es sind anderswo erheblich mehr neue Arbeitsplätze entstanden als insgesamt verloren gegangen sind.

Aber wird das auch gelten, wenn Roboter demnächst in großem Stil in unser aller Leben treten? Es gibt Studien, die vorhersagen, dass dadurch tatsächlich sogar mehr neue Arbeitsplätze entstehen als wegfallen werden. Andere Zukunftsforscher prognostizieren genau das Gegenteil. Sie sehen den Sozialstaat und die Gesellschaft grundlegend gefährdet.

Doch es sind noch viele weitere Fragen völlig ungeklärt. Werden Roboter eines Tages auch so etwas wie eigene Emotionen und Persönlichkeiten entwickeln können? Sollten sie (spätestens dann) auch gesetzlich verankerte Rechte bekommen? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn Roboter etwa gegen Gesetze verstoßen oder Fehler machen? Schaufelt sich die Menschheit mit der Entwicklung intelligenter, weitgehend autonom agierender Roboter gar ihr eigenes Grab? Kann man solchen selbstlernenden Robotern ethische Richtlinien einprogrammieren und wie lange werden sie sich daran halten? Fragen über Fragen.

Neuer Produktivitätsschub

Was jedoch weitgehend gesichert sein dürfte, sind anhaltende, deutliche Zuwächse in der Produktivität und ein gewaltig expandierender Anwendungsbereich. Ebenso wird die Arbeitswelt in vielen Bereichen dank des Einsatzes von Robotern körperlich weniger anstrengend und weniger gesundheitsgefährdend werden. Anders als reine Maschinen können sich Roboter auf ihre Umwelt einstellen, sich in ihr mehr oder minder selbständig bewegen und mit ihr und untereinander kommunizieren. Sie agieren zunehmend wie Menschen, nur mit viel geringeren physischen Einschränkungen. Sie werden nie krank, demotiviert oder mental ausgelaugt. Roboter werden in den kommenden Jahren sehr viele, wenn nicht alle Bereiche unseres Alltagslebens erobern.

Warum gerade jetzt?

Das haben Sie alles auch schon vor 20 oder 30 Jahren gehört? Und werden nicht in einigen Bereichen sogar inzwischen wieder Menschen statt Roboter eingesetzt, beispielsweise ausgerechnet beim Automatisierungspionier Toyota? Beides richtig! Dennoch hat es inzwischen so gewaltige Fortschritte bei Chiptechnologie, Sensorik, künstlicher Intelligenz und Batterien gegeben, dass beim Robotereinsatz jetzt ein Quantensprung ins Haus steht. Bislang waren sie vor allem in der industriellen Fertigung vertreten. Nun erobern Roboter in großem Stil den Dienstleistungsbereich, beispielsweise Versandhandel, Logistik, Medizin, Pflege, bis hin zur Gastronomie. Dabei unterstützen sie bislang vor allem menschliche Arbeitskräfte, sie ersetzen sie (noch) nicht. Mit wachsender technologischer Vervollkommnung ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Roboter in der Lage sein werden, etliche menschliche Berufsfelder auch komplett zu übernehmen. Mit weiteren Fortschritten bei der künstlichen Intelligenz werden sie schon bald echte Unterhaltungen führen und selbständig Entscheidungen treffen können. Auch in den Privathaushalten ist der Robotik-Trend angekommen. Staubsaugen oder Rasenmähen sind erst der Anfang.

Kurzum: Durch weitere Fortschritte bei Chips, Batterien und künstlicher Intelligenz werden sich die Einsatzgebiete von Robotern nahezu täglich erweitern. Kein Wunder, dass jahrzehntelanges Wachstums für diesen Bereich erwartet wird und dass dieser deshalb auch zu den aussichtsreichsten Megatrends aus Investorensicht zählt.

Robotik – ein wahrhaft gewaltiger Megatrend!

Wie nutzen wir den Robotik-Megatrend im Aktienfonds? Wir haben den Markt derzeit in vier Segmente geteilt, wobei wir aus ethischen Gründen nicht in den Militärbereich investieren.

  • Industrie: Roboter arbeiten schneller, länger und härter in der Produktion als Menschen.
  • Kommerziell: beispielsweise Medizin (Pflege, Reha, Operationen), vorbereitende Fertigung, Landwirtschaft, Logistik, Hoch- und Tiefbau etc.
  • Privat: beispielsweise im Entertainment, Rasen- und Staubsaugroboter, Bildung, Sprachassistenz
  • (Militär: Entminungsroboter, Kampfroboter, Drohnen etc. sind aus ethischen Gründen nicht im Fonds enthalten)

Die rasante technologische Entwicklung von Robotern steht und fällt inzwischen mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“. Deshalb investieren wir auch in Unternehmen, die auf diesem Gebiet führend sind. Allgemein gesprochen geht es dabei um selbstlernende Roboter. Dieser Bereich steckt aber noch in den Kinderschuhen. Er bietet gewaltiges, kaum absehbares Potenzial, wird jedoch angesichts der ihm innewohnenden Risiken sehr kontroversiell diskutiert.

Ebenso interessieren wir uns für Unternehmen, die die notwendigen technologischen Grundvoraussetzungen schaffen. Beispielsweise Chiphersteller oder Anbieter für Netzwerklösungen, die den Robotern eine Kommunikation untereinander erlauben sowie Zulieferer von kritischen Komponenten.

Fazit

Roboter sind ein echter Megatrend, der unser gesamtes Leben nachhaltig verändern wird. Wir glauben, dass ihr Einsatz in der Industrie weiter zunehmen und sich zugleich vor allem auf viele neue Bereiche ausweiten wird. Deswegen beobachten wir die Entwicklungen entsprechend intensiv, um neue Chancen zu entdecken, aber auch mögliche Bedrohungen für bislang erfolgreiche Unternehmen zu erkennen. Denn den überdurchschnittlichen Ertragschancen, die mit dieser technologischen Großoffensive verbunden sind, stehen selbstverständlich auch höhere Risiken gegenüber.

2019 startet nun mit großen Herausforderungen

Kaum jemand konnte voraussehen, wie das Jahr 2018 verlaufen würde. Hohe Volatilität? Ja, da waren sich alle einig, aber insgesamt deutlich negative Aktienmärkte? Das wollte niemand glauben. Der Jänner begann dann auch recht verheißungsvoll, ehe sich erstmals negative Stimmen durchsetzten. Nach einem wiederum freundlichen 2. und 3. Quartal schlug die Stimmung gegen Jahresende allerdings schlagartig um. Was anfangs als kleiner Rücksetzer abgetan wurde, weitete sich zu einem veritablen Abschwung aus und ließ die Aktienmärkte mit einem durchschnittlichen Minus von 15 % zurück. Insbesondere liquide Werte mit hohen Kursgewinnen mussten Federn lassen. Allerdings begann sich auch die Spreu vom Weizen zu trennen und Titel innerhalb einer Branche entwickelten sich sehr unterschiedlich. In Europa müssen wir mit einem bitteren Cocktail aus Ängsten leben – entstanden aus der Ausweitung der Staatsschulden (Italien, Frankreich), dem möglicherweise ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens und dem zunehmenden Populismus und Protektionismus. In den USA sorgt Präsident Trump immer wieder für Erstaunen: nicht nur der Handelskonflikt mit China, auch der provozierte Konflikt mit Fed-Präsident Powell sowie der ungelöste Haushaltsstreit tragen zur negativen Stimmung bei. Neben diesen politischen Wirren werden aber auch die harten Fakten zusehends trüber. Die Notenbanken entziehen dem Kapitalmarkt Schritt für Schritt Liquidität und der Konjunkturzyklus befindet sich – insbesondere in den USA – in seiner späten Phase, was eine globale, wenngleich moderate Abschwächung erwarten lässt.

In diesem Umfeld behalten wir die Untergewichtung der Aktien, die Ende November eingegangen wurde, weiterhin bei, so Raiffeisen Capital Management. Im Rückblick hat sich die Taktische Asset-Allocation 2018 sehr gut bewährt. Das Musterportfolio, das unter anderem die Strategiefonds steuert, hat sehr gute relative Beiträge geliefert. Diese können jedoch nicht die absoluten Verluste der (Aktien-)Märkte kompensieren. 2019 startet nun mit großen Herausforderungen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien – Zum Jahresende eingebrochen

Das vergangene Jahr verlief bis zum Herbst bei zunehmend steigender Marktschwankung (Volatilität) gerade noch akzeptabel, in den letzten Monaten jedoch enttäuschend. Vor allem der Dezember drückte – trotz einer kleinen Erholung in den letzten Tagen des Jahres – die Stimmung.

Sorgen um ein Abreissen der Konjunkturdynamik, die Ausweitung der Handelskonflikte und weitere geopolitische Spannungen wirken belastend. Vor allem aber belastet das Auslaufen der expansiven Geldpolitik der führenden Notenbanken.

Nun hat auch der globale Aktienindex (MSCI World in Euro), der bis Ende November noch leicht im Plus lag, ebenso wie Japan und USA deutlich ins Minus gedreht. Der schwächere Euro kann die Lage etwas verschönern, aber die globalen Leitindizes verloren 2018 zwischen 5 und 15 %, Emerging Markets teilweise mehr. Lediglich Russland bildet eine Ausnahme, hier lagen die Verluste bereits im Vorjahr. Auch der exportorientierte DAX und der ATX (Osteuropatangente) erlitten herbe Verluste.

Aktien USA und Europa – Gewinnwachstum kühlt ab

Zu Jahresende 2018 war die Stimmung an den Aktienmärkten katastrophal. Viele Investoren fürchteten sich vor einer anstehenden Rezession, was aber durch Fundamentaldaten nicht bestätigt wurde. Die massiven Rückgänge haben dazu geführt, dass etliche Titel bereits wieder sehr billig geworden sind, aber auch der Gesamtmarkt ist im Vergleich zu seiner eigenen Historie durchaus als günstig zu bezeichnen. Die hohe Volatilität, die attraktive Kaufgelegenheiten schaffen wird, wird uns auch im kommenden Jahr begleiten und erst mit Ende der Zinsanhebungsphase abnehmen. Die Einzeltitelauswahl wird neuerlich an Bedeutung gewinnen. Nicht nur zwischen den Sektoren, auch innerhalb der Branchen sind sehr heterogene Entwicklungen zu erwarten – ein gutes Umfeld für aktive Manager! Das Gewinnwachstum wird zwar global rückläufig gesehen, aber immer noch bei rund 7 % liegen, der Euroraum sogar etwas besser. Strategisch ist daher der Euroraum zu bevorzugen. Politische Risken gibt es hüben wie drüben, sie stellen keine Basis für eine fundierte Investmentscheidung dar.

Emerging Markets – Generell schwaches Jahr 2018

Nach den starken Rückgängen an den Emerging Markets 2018 sind die Staatsanleihen dieser Länder vergleichsweise günstig bewertet – und zwar sowohl im Vergleich zu ihrer eigenen Historie als auch im Vergleich zu anderen Anlagewerten. Die aktuellen Niveaus können als faire Kompensation für den zu erwartenden wirtschaftlichen Rückgang sowie die diversen länderspezifischen Risiken gesehen werden. Wir haben im Rahmen unserer Taktischen Anleihen-Asset-Allocation keine Position in Emerging-Market-Anleihen.

Emerging-Market-Aktien haben 2018 im Vergleich zu Titeln aus den entwickelten Regionen verloren, konnten sich aber im turbulenten letzten Quartal in Relation gut behaupten. Aus Bewertungssicht sind sie weiterhin sehr attraktiv. Insbesondere im Vergleich zu den entwickelten Märkten, zu denen sie einen Abschlag von etwa 35 % aufweisen. Eine Einigung oder zumindest mildere Rhetorik im Handelsstreit zwischen den USA und China könnte einen Auslöser für das Anspringen der Kurse darstellen, ebenso wie geringere Zinsanhebungen der Fed oder das Zurückfahren von regulatorischen Eingriffen in China.

Bund, Fels in der Brandung

Die Rentenmärkte sind wohl nicht die primäre Problemzone der Kapitalmärkte. Die auf den ersten Blick sehr gute Wertentwicklung der US-Rentenmärkte ist im Wesentlichen der Währung geschuldet. Der Dollar hat gegen den Euro seit Jahresbeginn um 6 % aufgewertet. Somit bleiben die Deutschen Bundesanleihen („Bunds“) heuer stärkster Rentenmarkt. Wer hätte das zu Jahresbeginn vermutet?

Allmählich ist das Auslaufen der expansiven Geldpolitik zu spüren, nicht nur an den Aktienmärkten. Die Renditeabstände („Spreads“) der Unternehmensanleihen, inklusive High-Yields, steigen auf Jahreshöchststände. Wir sind aber noch deutlich von „Krisenniveaus“ vergangener Jahre entfernt.

Innerhalb der Währungsunion kommt noch der aktuelle Problemfall Italien hinzu – auch wenn aktuell wieder etwas Beruhigung eingekehrt ist. Die Emerging-Market-Renditen steigen ebenfalls, darunter leidet vor allem das Segment Hartwährung (im Wesentlichen in US-Dollar notierend), während sich die Lokalwährungsmärkte zuletzt wieder etwas stabilisierten.

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Geld-/Kapitalmarkt – Alle Augen auf die EZB

Anfang Dezember findet das letzte Treffen der EZB im Jahr 2018 statt. Dann könnte es weitere Einblicke in die künftige Zins- und Geldpolitik geben, insbesondere wenn am 13. Dezember der Zinsentscheid veröffentlicht wird. Es wird kein Abweichen vom geplanten Auslaufen des „Quantitative Easing“-Programms erwartet. Spekulationen, wonach die Anleihekäufe über den Jahreswechsel hinaus fortgesetzt werden könnten, dürften nicht bestätigt werden. Die EZB sollte zumindest nach den aktuellen Inflations- und Wachstumsdaten für eine allmähliche Wende in der Geldpolitik bereit sein.

In den USA ist die Notenbank schon viel weiter, es herrscht allgemeiner Konsens, dass im Dezember ein weiterer Zinsschritt – der mittlerweile neunte – folgen wird. Ob 2019 eine kurze Pause eingelegt oder andere Formen höherer Flexibilität folgen, ist in Diskussion. Schwächere Makrodaten führten Mitte November dazu, dass deutsche und US-Staatsanleihe-Renditen wieder gesunken sind. Wir behalten jedoch unser Untergewicht in diesen Staatsanleihen bei.

Staats- und Unternehmensanleihen – Nicht nur Italien...

Im Italien-Budgetstreit besteht die Möglichkeit, dass die Regierung etwas einlenkt und ihr Defizit-Ziel geringfügig auf 2,2 % senkt. Die EU-Kommission dürfte allerdings noch vor Weihnachten ein Defizitverfahren gegen Italien eröffnen. Dies sollte keine Auswirkungen auf die langfristige Schuldentragfähigkeit des Landes haben. Schlussendlich wird neben der EU der Kapitalmarkt darüber entscheiden, ob die Schritte der italienischen Regierung akzeptabel sind. Zuletzt reagierte der Markt eher positiv. Im Rahmen unserer Taktischen Anleihen-Asset-Allocation haben wir keine explizite Position hinsichtlich italienischer Staatsanleihen.

Im November war die Performance von Unternehmensanleihen sehr schwach. Neben immer häufigeren Gewinnrevisionen wirkte sich der Absturz des Ölpreises vor allem auf das High-Yield-Segment negativ aus. Zudem hat sich die mediale Stimmung hinsichtlich potenzieller Rezessionsrisiken in den USA verschlechtert. Wir haben in unseren Unternehmensanleihen Bankanleihen gegenüber Non-Financials über- und High-Yield-Anleihen untergewichtet.

Aktienquote in der Taktischen Asset-Allocation spürbar reduziert

Der von den USA vom Zaun gebrochene Handelskrieg scheint mit den jüngsten Entwicklungen an Brisanz verloren zu haben. Die Frist von 90 Tagen für Verhandlungen entschärft zumindest vorübergehend eines der dominierenden Themen des Jahres 2018 – auch wenn es in Bezug auf die Substanz der Gespräche sehr unterschiedliche Auslegungen gibt. Der Budgetstreit zwischen Italien und der EU-Kommission hat sich in den letzten Tagen entspannt. Ohne dass es am Markt zu einer maximalen Eskalation kommen musste, zeigt sich die italienische Regierung nun etwas umgänglicher. Beim Thema Brexit wird ein kapitales Scheitern der ersten Abstimmung ohnehin schon erwartet, sodass die Märkte dadurch nicht mehr in besonderem Ausmaß unter Druck kommen werden. Jedes dieser Themen hat, nicht zuletzt aufgrund der handelnden Personen, das Potenzial, ohne Vorwarnung wieder hochzukochen und am Markt Stress zu verursachen.

In Summe hat sich das politische Risiko aber verringert. Trotzdem wird die Aktienquote in der Taktischen Asset-Allocation spürbar reduziert und zwar konkret von einer Übergewichtung von einem Schritt auf eine Untergewichtung im selben Ausmaß. Die Begründung dafür liegt in allen anderen Einflussfaktoren abseits der Politik. Beispielsweise die Abschwächung der Konjunktur, die für 2019 erwartet wird. Auch die Unternehmensgewinne, die sich im Jahresverlauf – nicht zuletzt aufgrund der Steuersenkung in den USA – sehr gut entwickelt haben, verlieren zuletzt an Dynamik. Die Investorenstimmung ist zwar etwas vorsichtiger, aber bei weitem nicht so negativ, dass eine dauerhafte Bodenbildung zu erwarten wäre. Von den Charts kommen jüngst immer mehr Verkaufssignale und diverse weitere Indikatoren deuten auf eine anhaltende Phase der Risikoaversion hin. Das übergeordnete und damit wichtigste Thema ist jedoch der Liquiditätsentzug durch die Notenbanken, der uns noch weit ins Jahr 2019 hinein begleiten wird.

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Aktien – 4. Quartal glänzt auch nicht

Das Jahr 2018 läuft für Aktieninvestoren generell enttäuschend. Gute Fundamentaldaten, sowohl gesamtwirtschaftlich (Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Inflation), als auch mikroökonomisch (Unternehmensgewinne), reichen den Investoren offensichtlich nicht mehr. Sorgen um ein Abreissen der Konjunkturdynamik, Ausweitung der Handelskonflikte und weitere geopolitische Spannungen wirken belastend, ebenso das Auslaufen der expansiven Geldpolitik der führenden Notenbanken. Der globale Aktienindex „MSCI World“ ist 2018 noch im Plus, ebenso Japan und USA, aber das liegt haupsächlich an den Währungskomponenten durch den schwächeren Euro.

Europa mit dem stark exportorientierten DAX und die Emerging Markets verloren weiter an Boden – insbesondere in den letzten Monaten – dies ist auch durch die schwächere Gewinndynamik begründbar. Zwar wurden die Verluste des sehr schwachen Oktobers Anfang November teilweise wieder wettgemacht, doch eine substanzielle Erholung ist vorerst nicht eingetreten.

Aktien USA und Europa – Stimmungslage hat sich gedreht

Die entwickelten Aktienmärkte konnten sich von den Kursverlusten im Oktober etwas erholen. Gleichzeitig entwickelt sich einer der wichtigsten Unterstützungsfaktoren der letzten Jahre – der Gewinntrend bei den Unternehmen – zunehmend zu einem Risikofaktor. Die Anzahl an Gewinnwarnungen ist zuletzt merklich angestiegen. Wir sehen dies eindeutig als Warnzeichen. Nordamerika war bis vor kurzem die letzte Region mit positiven Gewinnrevisionen. Doch auch in den USA sind im Verlauf der jüngsten – wieder sehr guten – Gewinnberichtssaison, die Erwartungen für die nächsten Quartale mehrheitlich nach unten revidiert worden. Jüngste Meldungen, etwa aus dem Bereich der Technologiezulieferer, lassen befürchten, dass auch von den großen Namen im Sektor in den nächsten Wochen ein schwächerer Ausblick oder eine Gewinnwarnung abgegeben wird. Die aktuell erwarteten Gewinnwachstumsraten für 2019 liegen global bei einem Plus von unter 10 %, was insbesondere für die USA eine Abkühlung darstellt. Wir sind für die nächsten Monate nun deutlich vorsichtiger gestimmt.

Emerging Markets – Schwaches Jahr 2018

2018 ist nach wie vor von einer schwachen Entwicklung bei Emerging-Market-Aktien geprägt. Verantwortlich dafür sind zum einen spezifische Länderthemen (Türkei, Argentinien) und wohl zu einem größeren Ausmaß der Handelskonflikt und die damit einhergehende Verunsicherung bei den Unternehmen. Zum anderen ist auch die Schwäche der mittlerweile sehr stark gewichteten Technologie- und Online-Retail-Sektoren (z. B. Alibaba, Tencent) deutlich spürbar. Sollte es zu einer Entspannung im Handelskonflikt kommen, ist aus unserer Sicht eine Erholung bei Emerging-Market-Aktien zu erwarten.

Investieren in Megatrends: Virtual Reality

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Gewaltige Fortschritte vor allem in der Hardware-Entwicklung lassen uns inzwischen in virtuelle Welten eintauchen, die sich schon beinahe echt anfühlen. Sowohl für Spaß und Vergnügen als auch für ganz handfeste, praktische Anwendungen in nahezu allen Lebensbereichen.

Sie sitzen am Strand auf einer Südseeinsel und lassen die Seele baumeln. Wenige Augenblicke später streifen Sie durch längst versunkene Städte oder machen einen Abstecher zu den Dinosauriern. Wer es noch actionreicher mag, geht auf Schatzsuche und nimmt es dabei gleich mit einer ganzen Horde von Piraten auf. Und das alles, ohne ein Flugticket zu buchen oder auch nur das eigene Wohnzimmer zu verlassen!

Was vor wenigen Jahren noch wie ferne Zukunftsmusik geklungen hat, ist inzwischen schon sehr nah an der Realität. Der virtuellen Realität (VR), um genau zu sein. Oder, damit eng verwandt, der „erweiterten Realität“ (Augmented Reality, AR).

Derzeit dienen dazu vor allem sogenannte Headsets (VR-Gear) – zumeist eine Kombination aus einer Art Brille und aus Kopfhörern. Der große Unterschied zu einer echten Brille besteht darin, dass in der VR-Brille statt Gläsern Bildschirme stecken. Dinge, wie beispielsweise ein Buch in der Hand, können durch eine Kamera in der Brille erkannt und dann in das virtuelle Bild eingespielt werden. So lässt sich - mit dem Gefühl von Südsee-Urlaub - auf der heimischen Couch ein Buch lesen. Bei Spielen ist man nun wirklich mittendrin statt nur dabei.

Unzählige Anwendungsmöglichkeiten mit gewaltigem Nutzen

In der Industrie lassen sich mit diesen neuen Technologien Neuerungen virtuell erleben und testen, bevor etliche teure Prototypen gebaut werden müssen. Schulungen können viel effizienter und kostensparender durchgeführt werden. Bereits jetzt betreten Medizinstudenten mancherorts virtuelle Herzkammern und Ärzte operieren zunehmend mit Hilfe von VR-Technologien. Auszubildende und Lehrlinge können sich auf diese Weise mit Geräten vertraut machen und aus Fehlern lernen, ohne dabei teures Equipment zu zerstören. Autohändler und Möbelhäuser machen ihre Produkte virtuell erlebbar. Überhaupt wird der Handel, vor allem der Onlinehandel, ein großer Profiteur der neuen Möglichkeiten sein. Produkte lassen sich beinahe real aus- und anprobieren, bevor man sie bestellt und viel Hin- und Zurückschicken kann damit künftig entfallen. Auch für Therapeuten eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, z.B. im Bereich der Psychotherapien.

Enormer Wachstumsmarkt für Jahrzehnte

Schon jetzt lässt sich erahnen, dass über kurz oder lang spezielle Kontaktlinsen an die Stelle der bisherigen Headsets treten könnten – was die Anwendungspalette nochmals erweitert. Kurzum: Es gibt nahezu unendliche Anwendungsbereiche. Für Investoren besonders erfreulich: VR und AR werden tatsächlich in rasant steigendem Umfang angewandt und zugleich weiterentwickelt. Die Branche gilt als eine der wachstumsstärksten überhaupt. Analysten von der Credit Suisse erwarten für den Markt jährliche Zuwachsraten von 35 % bis 40 % über die nächsten zehn Jahre – das Potenzial wird sogar ähnlich groß wie der Smartphone- Markt geschätzt!

Diesen Megatrend können und wollen wir uns im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien natürlich auf gar keinen Fall entgehen lassen. Das Fondsmanagement konzentriert sich dabei auf drei große Bereiche:

  • Produzenten der zugrundeliegenden Hardware und ihre Zulieferer
  • Produzenten von weiterführender Software (Applikationen, Spiele, Programme, etc.)
  • Händler und Anwender

Im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien sind derzeit die Aktien von 20 Unternehmen enthalten, die diesen Bereichen zugeordnet werden können (Stand per 17. September 2018):

Fazit

Der Megatrend „Virtual Reality“ beginnt gerade erst, so richtig fahrt aufzunehmen. Es ist bisher kaum absehbar, wie viel „Virtuelle Realität“ unser Leben verändern wird. Fest dürfte aber stehen, dass es von Grund auf revolutioniert wird. Die Entwicklungen auf diesem ungemein aufregenden, spannenden Gebiet sind permanent im Fluss. Es wird große, spektakuläre Gewinner geben, aber natürlich auch Verlierer. Den überdurchschnittlichen Chancen im Zuge dieser Umwälzungen stehen entsprechende Risiken gegenüber. Deswegen beobachtet das Fondsmanagement des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien die wahrhaft bahnbrechenden Entwicklungen auf diesem Gebiet besonders intensiv.


Zum Fondsmanager
Günther Schmitt, Senior Fondsmanager
Günther Schmitt ist seit 2006 im Fondsmanagement, Abteilung Aktien Entwickelte Märkte, tätig. Sein Aufgabengebiet umfasst neben dem heimischen Markt auch das Management globaler Aktien. Im Jänner 2014 übernahm er das  Managmenet des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien. Die Ausbildung von Günther Schmitt umfasst einen Abschluss in Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie den Lehrgang für Finanzanalysten der ÖVFA.

Kontakt:
Oliver Müller, Senior Institutional Sales Manager, Raiffeisen Kapitalanlage GmbH
Niederlassung Deutschland
Wiesenhüttenplatz 26
D-60329 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0) 162 2038883
E-Mail: oliver.mueller@rcm.at
www.rcm-international.com/de

Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten.

Die veröffentlichten Prospekte bzw. die Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG sowie die Kundeninformationsdokumente (Wesentliche Anlegerinformationen) des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien stehen unter www.raiffeisen-salzburg-invest.com sowie bei der Raifeisen Kapaitalanlage GmbH, Zweigstelle Deutschland, Wiesenhüttenplatz 26, 60329 Frankfurt am Main,  in deutscher Sprache zur Verfügung.

Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien weist eine erhöhte Volatilität auf, d.h. die Anteilswerte sind auch innerhalb kurzer Zeiträume großen Schwankungen nach oben und nach unten ausgesetzt, wobei auch Kapitalverluste nicht ausgeschlossen werden können.

Das ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Die Inhalte dieser Unterlage stellen weder ein Angebot, eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung noch eine Anlageanalyse dar.
Stand: März 2018

Nachhaltigkeit im Finanzwesen – Abriss zum EU-Aktionsplan

Das Finanzsystem soll die EU bei der Erfüllung ihrer Klimaschutzziele unterstützen. Dafür werden rund 180 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen benötigt, so Dr. Heinz Macher, Leiter Regulation/Tax/Compliance bei Raiffeisen Capital Management.

Lebe von den Zinsen oder vom eingeschlagenen Wald und lass dein Kapital – sprich den Wald als Ganzes – unangetastet, sonst hast du bald keinen Besitz mehr. Die beschriebene Definition der Nachhaltigkeit ist mittlerweile mehr als dreihundert Jahre alt. Es hat sich eine Sichtweise der Nachhaltigkeit etabliert, die mehrdimensional auf ökologische, sozialgesellschaftliche Faktoren und eine langfristig orientierte Unternehmensführung hin ausgerichtet ist.

EU UND NACHHALTIGKEIT

Die EU-Kommission versteht Nachhaltigeit im Finanzwesen wiederum etwas anders. Das Finanzsystem soll die EU bei der Erfüllung ihrer Klimaschutzziele unterstützen (z. B. 40-prozentige Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030). Dafür werden rund 180 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen benötigt. Um eine Finanzierung der Zielerreichung bestmöglich zu unterstützen, hat die EU-Kommission im März 2018 einen Aktionsplan für eine umweltfreundlichere und saubere Wirtschaft verabschiedet. Die EU argumentiert ihre neu entdeckte Leidenschaft für das Thema Nachhaltigkeit mit dem Ziel, dass Investoren vermehrt hinterfragen sollen, wofür ihr Geld verwendet wird. Nachhaltigkeitspräferenzen sollen geweckt und daher mehr Kapital in nachhaltige Tätigkeiten investiert werden. Dies wiederum soll zu einem gesünderen Planeten und verringerten ökonomischen Schäden aus Naturkatastrophen führen. Damit verbunden soll auch – in der Sprache des Finanzwesens – eine geeignete Rendite des Investors sein, womit sich der Kreislauf schließt.

Das klingt einfach, ist aber schwer zu regulieren. Die EU-Kommission hat es versucht:

VORGESCHICHTE

Ausgehend vom „Paris Agreement“ aus dem Dezember 2015 hat die EU-Kommission im Dezember 2016 eine „High-Level Expert Group on Sustainable Finance“ ins Leben gerufen. Diese Expertengruppe hat ihren finalen Bericht im Jänner 2018 vorgelegt. Dieser Bericht war Basis für den oben genannten EU-Aktionsplan.

DEFINITION DER NACHHALTIGKEIT

Was ist eine zu fördernde nachhaltige Tätigkeit? Die EU-Kommission hat dazu ein Klassifikationssystem („taxonomy“) vorgelegt: nachhaltig sind jene Tätigkeiten, die insbesondere ökologische Ziele erreichen. Diese Tätigkeiten sollen anhand von „screening criteria“ erkannt werden. So ist etwa die Steigerung der Energieeffizienz ein „screening criterion“ für das Umweltziel „Linderung des Klimawandels“. Damit ist die Steigerung der Energieeffizienz als nachhaltige Tätigkeit klassifiziert, in die investiert werden soll. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, neben Umweltzielen auch nachhaltige Ziele zu den Themen „Social“ und „Governance“ klassifizieren zu wollen. Genaueres zu diesem Thema blieb sie allerdings bisher schuldig.

ETABLIERUNG EINES EU-LABELS FÜR „GRÜNE FINANZPRODUKTE“

Hat man die nachhaltigen Tätigkeiten definiert, können im nächsten Schritt Gütezeichen („Labels“) für grüne Finanzprodukte vergeben werden. Damit soll „greenwashing“ verhindert werden, also den Anschein von Nachhaltigkeit zu erwecken, obwohl dies nicht der Fall ist.


Dieser Beitrag ist Teil von Raiffeisen Capital Management's Newsletter "Nachhaltig Investieren". Die vollständige Ausgabe Oktober 2018 mit dem Schwerpunkt "Wasser" finden Sie hier. Weitere Informationen zum nachhaltigen Investmentansatz von Raiffeisen Capital Management finden Sie auf investment-zukunft.at.

Der Beitrag erschien zuerst auf investment-zukunft.at.

Stabilisierung der „Sorgenkinder“

Nicht nur bei Aktien, auch bei den Anleihen scheint kein Weg an den USA vorbeizuführen. Vom sehr starken US-Aktienmarkt profitieren auch die hochverzinsten Anleihen (High-Yield-Anleihen), wobei der stärkere Dollar seinen Beitrag liefert. Diese Währungsgewinne lassen auf den ersten Blick alle US-Rentenmärkte gut aussehen und bei niedrigem Zinsniveau stellt die Währung generell eine große Ertragskomponente dar. Allgemein fielen die Staatsanleihen zuletzt wieder etwas zurück. Die Emerging Markets konnten sich hingegen erholen, auch der Druck auf die Währungen hat nachgelassen oder sogar wieder ins Positive gedreht. Dennoch bleiben die Erträge in letztlich allen Emerging-Market-Segmenten im roten Bereich.

Bleibt das „Euro-Sorgenkind“ Italien: auch hier hat sich die Stimmungslage kurzfristig verbessert. Italienische Staatsanleihen lagen unter den besten Märkten im September. Doch die Wertentwicklung bleibt die schlechteste im Euro-Raum – noch ist der Weg zur Normalisierung also weit.

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EZB und BREXIT bleiben 2018 im Fokus

Die Notenbanken bleiben weiterhin im Fokus. Neben der jüngsten Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte durch die US-Notenbank – die mittlerweile achte Leitzinserhöhung in Folge – wird die EZB ihr monatliches Anleihekaufvolumen nun auf 15 Milliarden Euro reduzieren und Ende Dezember auslaufen lassen. Die EZB hält 39 % des ausstehenden Euro-Staatsanleihe-Volumens!

Nachdem die Renditen deutscher Staatsanleihen seit Anfang September bereits angestiegen waren, sorgte eine Äußerung von EZB-Chef Draghi für weiteren Druck: er erwarte einen „relativ energischen" Anstieg der zugrundeliegenden Inflation.

Auch der BREXIT tritt wieder in den Vordergrund. Offiziell biegen die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ja nun in die Zielgerade, denn die wesentlichen Eckpunkte der Vereinbarungen müssten im Oktober fixiert werden. Wie die Grafik zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies scheitert, über den Sommer angestiegen. Zumindest wenn es nach den britischen Buchmachern geht. Auch der Aktienmarkt reflektiert diese Unsicherheit.

Italien, eine Fortsetzungsgeschichte...

Wir gingen davon aus, dass das Budget der italienischen Regierung für Aufregung sorgen wird, aber dass schlussendlich die hohen Risikoprämien wieder sinken würden. Das trat auch ein, nachdem Italien die ersten Ratingreviews halbwegs überstanden hatte. Die Renditeabstände zu Deutschland engten sich wieder ein. Das ging allerdings auch mit steigenden deutschen Renditen einher. Der Budgetentwurf Ende September (mit einem geplanten Defizit von 2,4 %) wurde am Markt allerdings sehr negativ aufgenommen. Zumal der italienische Finanzminister gegenüber der EU ein Defizit von unter 2 % in Aussicht stellte, zwischenzeitlich stand jedoch auch ein Budgetdefizit von 2,8 % im Raum. Wir hatten uns im Vormonat auf sinkende Risikoprämien positioniert und haben nun diese Position teilweise geschlossen.

Die Risikoprämien bei Euro-Unternehmensanleihen sanken im Vormonat im Rahmen der allgemeinen Verbesserung der Stimmungslage ebenfalls moderat, bleiben aber weiterhin von dem kuriosen Schauspiel der italienischen Regierung geprägt. Nach wie vor sprechen die makroökonomischen Aussichten für Unternehmensanleihen.

USA: höher, schneller ... und weiter?

Die Analysen zur berechtigten Frage mehren sich, wie lange der aktuelle Markt- und Konjunkturzyklus anhalten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung in den USA, die sich zuletzt bei den Wirtschaftsdaten, aber auch in der relativen Performance des Aktienmarktes positiv vom Rest der Welt abgekoppelt hat. Nur durch die Outperformance und das dominante Gewicht der USA am Kapitalmarkt weist der Weltaktienindex, insbesondere auf Eurobasis, seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung auf, obwohl sich zahlreiche globale Aktienindizes – vor allem jene aus den Emerging Markets – seit dem Hoch im Jänner in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Abwärtstrend befinden.

In den USA selbst gibt es derzeit noch keine erkennbaren Anzeichen für eine nächste Rezession in absehbarer Zeit. Eine der längsten Aufschwungphasen der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dürfte somit noch eine Zeit lang andauern.

Die Divergenz bei Frühindikatoren und Makrodaten zwischen den USA und dem Rest der Welt, die unter anderem an den bereits erkennbar negativen Effekten aus dem Handelskonflikt herrührt, wird jedoch schlussendlich auch auf die US-Wirtschaft durchschlagen.

Die Zinswende schreitet in den USA stetig voran und die unterstützende Liquidität durch die Notenbank wird laufend geringer.

Wenngleich eine temporäre taktische Aktienübergewichtung auch in dieser Spätphase nicht ausgeschlossen ist, so sehen wir doch die beste Marktphase schon hinter uns und positionieren uns dementsprechend neutral.

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Neuerlich Höchststände in den USA

Wieder Höchststände – aber eben nur in den USA. Dort haben Aktienindizes auch im September neue All-Time-Highs erreicht, während andere Aktienmärkte stagnieren. Die unverändert gute globale Konjunkturlage und die hervorragende Gewinnentwicklung sind die treibenden Kräfte hinter den US-Märkten.

Zuletzt war der Blick stark auf die Emerging Markets gerichtet, die bis Anfang September teilweise herbe Rückschläge hinnehmen mussten. Mittlerweile hat sich die Lage stabilisiert und es traten Gegenbewegungen ein, allen voran in Russland und damit auch Osteuropa. Steigende Energiepreise und vor allem die Mäßigung in der politischen Sanktionspolitik der USA zeigen Wirkung. Auch die Türkei konnte im Monatsvergleich wieder zulegen – sowohl am Aktien-, als auch am Devisenmarkt.

Lateinamerika hat ebenfalls wieder etwas zugelegt, der Abgabedruck hatte sich zuletzt gegen China und damit Asien gerichtet. Hier zeigt der Handelskonflikt offensichtlich – die aus US-Sicht wohl gewünschte – Wirkung.

Aktien USA und Europa: alle Augen auf die USA

Bei den entwickelten Aktienmärkten zeigten sich in den letzten Monaten starke regionale Unterschiede, wobei sich der US-Aktienmarkt einmal mehr positiv abheben konnte. Ein Gewinnwachstum von etwa 20 % im Jahresvergleich – angetrieben durch die Steuerreform – stellte wohl den Höhepunkt dar. Auch für die nächsten Quartale sind die Erwartungen weiterhin durchwegs positiv, wenngleich die Zuwachsraten nunmehr sukzessive geringer ausfallen werden. Für 2019 wird aktuell ein Gewinnwachstum von 11% prognostiziert – noch immer ein beachtlicher Wert. Die starke Unterstützung des schon erreichten Kurs- und Bewertungsniveaus in den USA wird dadurch aber tendenziell abnehmen.

Wir sehen weiterhin in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken den bestimmenden Faktor, der in den kommenden Monaten für anhaltend mehr Volatilität an den Märkten sorgen wird. Im Bereich der Stimmungsindikatoren sind hingegen aktuell keine Extremwerte positiver oder negativer Form zu beobachten.

Emerging Markets: Beruhigung nach einem stürmischen Sommer

Der Handelsdisput zwischen den USA und China erreichte im September eine neue Eskalationsstufe, nachdem beide Länder weitere Importzölle auf Produkte des jeweils anderen Landes verhängten. Das wird indirekt das EM-Exportwachstum weiter schrumpfen lassen. Zudem sahen wir in den letzten Wochen zumeist unter den Erwartungen liegende EM-Wirtschaftsindikatoren.

In Summe dürfte das Bild an den Emerging Markets aber diffus und auch stark von länderspezifischen Themen beherrscht bleiben. Die teilweise stark gefallenen Preise waren im September wohl attraktiv genug, denn EM-Währungen und Zinsprodukte waren entsprechend gefragt. Dadurch hat sich die Situation etwas beruhigt, wenngleich die Erholung recht zaghaft verläuft. Langfristig handelt es sich aufgrund der Bewertungen um eine sehr interessante Assetklasse. Kurzfristig sind die Risiken (politische Unsicherheiten, Sentiment etc.) nach wie vor erheblich. Wir schließen uns dieser weit verbreiteten Meinung vorerst an und bleiben taktisch zurückhaltend positioniert.

Mit nachhaltigem Momentum auf der Überholspur

Die Grundannahme hinter der ESG-Momentum-Strategie, welche auch im Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum Anwendung findent1, lautet: „Eine Verbesserung der Nachhaltigkeit im Unternehmen führt zu finanzieller Outperformance in der Zukunft und zu positiven Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.“

Mehrere Studien Dritter haben diesen Zusammenhang bestätigt. Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum investiert unter dieser Maßgabe in kleine und mittlere europäische Unternehmen (250 Mio. bis 25 Mrd. Euro Marktkapitalisierung). Jedes Unternehmen im Investmentuniversum erhält einen ESG-Score, also eine Kennzahl, die den Grad seiner Nachhaltigkeit ausdrückt.

Ein gewisser Mindestwert dient als erster Filter. Hinzu kommt ein spezieller Nachhaltigkeits-Kriterienkatalog der Raiffeisen KAG, welcher übrigens in einer Studie vom Center for Social and Sustainable Products ausgezeichnet wurde. Danach werden die fundamentale wirtschaftliche Verfassung und die Ertragskraft der einzelnen Unternehmen bewertet.

Einzigartiger Investmentansatz: ESG-Momentum2

Anders als bei herkömmlichen Ansätzen wird die Entwicklung des ESG-Scores im Zeitablauf herangezogen. Der Fokus richtet sich auf Unternehmen, deren Nachhaltigkeit sich in den letzten drei Jahren deutlich verbessert hat.

Das ist mit positivem Nachhaltigkeits-Momentum gemeint: ein verbesserter Raiffeisen-ESG-Score über einen bestimmten Zeitraum.

Die Aktien von ca. 50 Unternehmen schaffen es schließlich in das Fondsportfolio. Sie werden dort jeweils zu gleichen Teilen gewichtet. Langfristige Studien zeigen, dass eine solche Gleichgewichtung zumeist ein besseres Risiko-Ertrags-Profil bietet als eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung, wie sie in den allermeisten Indizes und Fonds praktiziert wird. Im Fokus stehen klar die Unternehmen (bottom-up). Politische und/oder wirtschaftliche Faktoren spielen nur eine sehr untergeordnete bis gar keine Rolle.

Small und Mid Caps: gute Investmentkandidaten

Kleinere und mittlere Unternehmen sind in mehrfacher Hinsicht denkbar gut für einen Nachhaltigkeitsfonds geeignet. Unter anderem setzen sie Nachhaltigkeitsmaßnahmen oftmals schneller um. Zudem wachsen sie meist auch dynamischer als große Unternehmen. Oft zeigen Small und Mid Caps im Durchschnitt daher langfristig eine deutlich stärkere Wertentwicklung als Large Caps. Anzumerken ist allerdings, dass in der Vergangenheit im Gegenzug auch die Schwankungsintensität dieses Marktsegments zumeist höher war. Und selbstverständlich erlaubt die bisherige Outperformance keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung.

Nachhaltiges Investieren: kein Performancenachteil

Was vor ein paar Jahren noch eher exotisch klang, hat sich mittlerweile zu einem starken Trend gemausert: Investments unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien wachsen rasant.

Das Vorurteil, wonach nachhaltiges Investieren prinzipiell mit Ertragsnachteilen verbunden sein könnte, wurde in der Praxis inzwischen vielfach widerlegt. Mehr noch – mit der ESG-Momentum-Strategie ließ sich in den ersten drei Jahren ihres Einsatzes sogar ein deutlicher Mehrertrag gegenüber dem vergleichbaren Gesamtmarkt erwirtschaften (siehe nachfolgendem Chart).

Sehr positiv zur Performance trugen beispielsweise die Unternehmen Umicore (Recycling, u.a. von Batterien und Elektroschrott), Wessanen (Bio-Lebensmittel) und Tomra (u.a. Rückgabeautomaten für Pfandflaschen).

Sehr erfreulich war neben der sehr guten Wertentwicklung die Auszeichnung des Nachhaltigkeitskonzepts für den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum mit dem begehrten FNG-Nachhaltigkeits-Siegel und der zweithöchsten erreichbaren Benotung von zwei Sternen im vergangenen Jahr.

Fazit

Die Raiffeisen KAG verfügt über langjähriges Know-How im Management von Nachhaltigkeitsfonds sowie von europäischen Small Caps. Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum verknüpft auf innovative Weise die tendenziell überdurchschnittliche, langfristige Ertragskraft von kleinen und mittleren Unternehmen mit dem Nachhaltigkeitsgedanken. Den Ertragschancen des auf europäische Unternehmen ausgerichteten Aktienfonds stehen selbstverständlich auch die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gegenüber (beispielsweise höhere Wertschwankungen). Veranlagungen in Fonds sind dem Risiko von Kursschwankungen bzw. Kapitalverlusten ausgesetzt.


1) Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum wurde zwar erst im November 2016 aufgelegt, seine Investmentstrategie kommt aber bereits seit Juli 2015 in einem institutionellen Pensionsfonds-Mandat zum Einsatz.
2) ESG steht für Umwelt, Soziale Gerechtigkeit und Governance

Klimaschutz-Anleihen sind gefragt wie nie: Drei Jahre Erfolgsgeschichte Raiffeisen-GreenBonds

Green Bonds zur Finanzierung von Klima- und Umweltschutzprojekten verzeichnen weiterhin ein starkes Wachstum. Selbst China, einer der Haupt-Umweltsünder der letzten Jahrzehnte, gibt inzwischen das Ziel „Make our sky blue again“ aus. Green Bonds bieten gegenüber herkömmlichen Anleihen neben den Zinskupons einen zusätzlichen Nutzen: Das Mitfinanzieren einer lebenswerten Umwelt ist eine Art „Zusatzdividende“, für die Investoren wie für den gesamten Planeten. Im Raiffeisen-GreenBonds wird zusätzlich auch auf die Nachhaltigkeit der Emittenten geachtet – das ist auch bei Green Bonds (noch) keinesfalls selbstverständlich.

Gezieltes Klimaschutz-Investment

Green Bonds sind Anleihen, mit denen Umwelt- und Sozialprojekte finanziert werden, z. B. erneuerbare Energie, sauberes Wasser, energie-effizientere Gebäude und dergleichen. Diese Anleihen werden zunehmend auch von Unternehmen und Geschäftsbanken begeben, nicht mehr nur von öffentlichen Institutionen. Die 2014 von den großen Emissionshäusern definierten „Green-Bond-Principles“ sollen für Investoren sicherstellen, dass Green Bonds tatsächlich dem Klima- und Umweltschutz dienen.

Bei Verzinsung, Performance und Bewertung unterscheiden sich Green Bonds bislang faktisch nicht von herkömmlichen Anleihen derselben Emittenten. Investoren können damit gegenwärtig ohne Renditenachteile einen Beitrag zum Klimaschutz und zu nachhaltigem Wirtschaften leisten. In einigen Ländern, wie z. B. Frankreich, wird vom Gesetzgeber verstärkt darauf hingewirkt, dass beispielsweise Pensionskassen vor allem – und eines Tages vielleicht ausschließlich – nachhaltige Kapitalanlagen tätigen. Gleichwohl muss angemerkt werden, dass auch ein Investment in Green Bonds mit Risiken verbunden ist, wie z. B. dem Downgrade- oder Ausfallsrisiko.

Raiffeisen-GreenBonds: Vorreiter in mehrfacher Hinsicht

Der Raiffeisen-GreenBonds ist nicht nur einer der ersten zum Vertrieb zugelassenen Green-Bond-Fonds. Er setzt auch qualitativ Maßstäbe. Denn das Fondsmanagement schaut nicht nur sehr genau auf die konkreten Projekte hinter den einzelnen Green Bonds, sondern auch auf die Nachhaltigkeit der Emittenten. Das ist in der Branche keineswegs selbstverständlich! Die Emittenten müssen Kriterien nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen, was mittels des sogenannten ESG-Scores1 gemessen wird. Hinzu kommen bestimmte Ausschlusskriterien. Beispielsweise sind Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Korruption, Atomenergie oder Nuklearwaffen mit dem Nachhaltigkeitsgedanken unvereinbar.

Mit diesen zusätzlichen Kriterien geht der Fonds deutlich über das hinaus, was derzeit als Bedingung für die Aufnahme in den Bank of America – Merrill Lynch Green Bond Index vorgeschrieben ist. Aufgrund der strikten, unverfälschten Nachhaltigkeits-Kriterien werden rund 30% der aktuell im Index enthaltenen Anleihen nicht berücksichtigt. Das verbleibende Investmentuniversum ist aber ausreichend groß, liquide und vielfältig und es wächst weiter an.

Eine weitere Besonderheit beim Raiffeisen-GreenBonds: Das Nachhaltigkeitsteam steht in kontinuierlichem Dialog mit Green-Bond-Emittenten und Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Damit gibt es eine beiderseitig nutzbringende Feedback-Schleife. Der Fonds hat keineswegs von ungefähr zuletzt erneut das FNG-Nachhaltigkeitssiegel mit der Höchstnote von drei Sternen erhalten.

Die nachgewiesene hohe Qualität wird auch von Investoren honoriert. Im Raiffeisen-GreenBonds, sowie faktisch deckungsgleich gemanagten Mandaten, werden inzwischen rund 110 Mio. Euro verwaltet, Tendenz weiter steigend.

Nachhaltiges Investieren - Kernkompetenz von Raiffeisen Capital Management

Derartige Anerkennung ist das Ergebnis eines langfristigen, intensiven und systematischen Aufbaus von Nachhaltigkeitskompetenz in der Raiffeisen KAG. An der Spitze des Nachhaltigkeitsteams steht mit Mag. Wolfgang Pinner einer der renommiertesten Spezialisten Österreichs auf diesem Gebiet. Die Raiffeisen KAG hat sich zudem verbindlich den Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) angeschlossen.

Der Raiffeisen-GreenBonds vereint diese Nachhaltigkeitskompetenz mit unserer seit Jahrzehnten nachgewiesenen Expertise im erfolgreichen Managen von Rentenprodukten. Ein mehrstufiger, transparenter Investmentprozess sorgt für eine möglichst optimale Auswahl aus dem verfügbaren Angebot an Green Bonds, sowohl unter Nachhaltigkeitsaspekten als auch bezüglich der Anleihequalität. Die Fondsinvestments erfolgen grundsätzlich im Investmentgrade-Bereich, Sub-Investmentgrade-Anleihen sind auf maximal 10% Portfolioanteil begrenzt. Zur Risiko-Ertragsoptimierung kommen zusätzliche aktive Rentenstrategien zum Einsatz. Etwaige Fremdwährungsrisiken werden abgesichert.

Fazit

Mit dem Raiffeisen-GreenBonds können Anleger dazu beitragen, Projekte für eine lebenswerte Umwelt und für die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten zu finanzieren. Mit seinem strengen Nachhaltigkeits-Investmentansatz geht er deutlich über die derzeit am Markt geltenden Green-Bonds Kriterien hinaus. Die hohe Qualität des Fonds spiegelt sich sowohl in exzellenten Nachhaltigkeits-Benotungen als auch in wachsendem Investoreninteresse wider.


1) ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

USA sieht wieder Höchststände

America first! Wieder haben US-Aktienindizes „all-time-highs“ erreicht, während andere Aktienmärkte stagnieren oder gar einknicken wie in den Emerging Markets. Allerdings verliert die Aktienentwicklung weiter an Breite – immer weniger Sektoren (z.B. Technologie) tragen die gesamte Performance.

Die globale Konjunkturlage ist weiterhin gut. Die USA erwarten auch für das dritte Quartal etwa 3 Prozent reales Wirtschaftswachstum (annualisiert). Auch die Gewinnentwicklung ist hervorragend. Doch in beiden Fällen geht die Dynamik etwas verloren.

Einige Emerging Markets, die sich im Juli noch gut erholt hatten, fielen zuletzt wieder stark zurück: Lateinamerika, Russland und vor allem die Türkei und damit Osteuropa. Letztlich enttäuschte die gesamte Anlageregion.

Zwei Spannungsfaktoren belasten weiterhin: die Befürchtung nachlassender Konjunkturdynamik und die aggressive Handelspolitik der US-Regierung. Beide treffen die Emerging Markets – neben regional hausgemachten Problemen – am stärksten.

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Aktien USA und Europa – Regionale Divergenzen

Der Blick auf die Aktienmärkte lässt in den letzten Monaten starke regionale Unterschiede erkennen, wobei sich der US-Aktienmarkt – getragen von einer sehr guten Berichtssaison (inkl. Effekten der US-Steuerreform) – einmal mehr positiv abheben konnte. Dazu kommen auch die in den letzten Monaten weiter positiven Revisionen seitens der Analysten, das unterstützt die vergleichsweise hohe Bewertung von amerikanischen Aktien.

In Europa verlief die letzte Berichtssaison besser als im ersten Quartal, wenngleich die Wachstumsraten deutlich unter jenen in den USA liegen. Im Vergleich dazu wurden bei Unternehmen aus den Emerging Markets die Gewinnschätzungen mehrheitlich nach unten revidiert.

Wir sehen in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken weiterhin den bestimmenden Faktor, der in den kommenden Monaten für anhaltend höhere Volatilität an den Märkten sorgen wird. Im Bereich der Stimmungsindikatoren sind aktuell jedoch keine Extremwerte (positive oder negative) zu beobachten.

Emerging Markets – Kräftige Sommergewitter

Über den Emerging Markets geht aktuell ein kräftiges Sommergewitter nieder. In manchen Regionen (Türkei und Argentinien) führt dies – um im Bild zu bleiben – zu verheerende Überflutungen. Renten- und Aktienmärkte korrigieren erheblich und verlieren insbesondere gegenüber den USA deutlich.

Kurzfristig bleiben wir, was Aktien aus dieser Weltregion betrifft, skeptisch und zurückhaltend positioniert. Langfristig – wenn die Wasser versiegt sind – sollte die aktuelle Situation aber Gelegenheit für interessante Investments darstellen.

Auch die Renditen von Emerging-Market-Anleihen konnten bislang kein Comeback feiern und tendieren weiterhin nach oben. Neben individuellen Themen wie dem Verfall der türkischen Lira (inkl. Rating-Verschlechterungen) bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China das beherrschende Thema, zumal dieser die globalen Handelsaktivitäten eher bremst. Weitere zügige US-Leitzinsanhebungen könnten dafür sorgen, dass Emerging-Market-Renten relativ unattraktiv bleiben.

Die Macht der Zinsen

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Zinsanhebungen durch die US-Notenbank führen früher oder später zu einer schwächeren Konjunktur, oftmals sogar zur Rezession. Als Anleger und vor allem in der Taktischen Asset-Allocation gilt es daher, aktiv zu werden und nicht auf die Effekte in der Realwirtschaft zu warten. In aller Regel wird die Eintrübung der Daten an den Kapitalmärkten zuerst sichtbar. Es reagieren allerdings nicht alle Märkte gleichzeitig. Manche Segmente bewegen sich früher, während andere Teilbereiche erst mit Verzögerung beginnen, ein sich änderndes Umfeld einzupreisen.

Häufig ist ein Anziehen der Geldpolitik in den fundamental schwachen Segmenten zuerst spürbar. Dort führen eine Einschränkung der Kapitalmarktliquidität sowie schlechtere Finanzierungsbedingungen zu den stärksten Symptomen. Anfang der 2000er waren dies die übertrieben hoch bewerteten Technologiewerte, in der Finanzkrise betraf dies alles, was mit US-Immobilien zu tun hatte. Nun fällt es den Analysten natürlich leicht, die Vergangenheit zu erklären. Doch wie sieht es mit dem aktuellen Zinsanhebungszyklus, also mit der Zukunft aus? Heute bereits können wir erhöhten Druck im Zusammenhang mit den höheren US-Zinsen beobachten – und zwar in den Schwellenländern. Auch hier gibt es spezifische Länderthemen. Trotzdem fällt auf, dass auf jedem Kontinent zumindest eine Währung deutlich abwertet. Gleichzeitig notieren viele US-Aktien auf Höchstständen und US-High-Yield-Spreads nahe den Tiefstständen. Solche Divergenzen sind, wie oben beschrieben, in der Spätphase des Marktzyklus normal. Diese könnte durchaus noch etwas andauern und zwischenzeitlich auch wieder Marktchancen bieten. Aktuell sind diese undurchsichtig, weshalb an der neutralen Ausrichtung festgehalten wird.

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Anleihen – Gemischte Gefühle

Wer hätte zu Jahresbeginn erwartet, dass deutsche Bundesanleihen im laufenden Jahr 2018 eine positive Wertentwicklung abliefern und noch dazu im Ranking der Assetklassen weit oben stehen?

Mit der jüngsten Erholung zumindest der US-Aktienmärkte ist die Risikoaversion auch bei den Anleihen zurückgegangen. Das reflektieren vor allem die US-Unternehmensanleihen und High-Yield-Anleihen, wobei auch der stärkere Dollar seinen Beitrag liefert. Emerging-Market-Anleihen konnten sich im Sommer nur kurzfristig erholen. Der Druck auf die Währungen lässt die Erträge in allen EM-Segmenten aktuell in den tiefroten Bereich sinken.

Die gute Entwicklung der Euro-Staatsanleihen hat mit Italien allerdings ein Sorgenkind. 10-jährige Staatsanleihen rentieren bei etwa 3 Prozent Abstand zur Benchmark der deutschen Bundesanleihen. Erstmals seit der Finanzkrise 2008 liegen diese Renditen näher bei Griechenland als bei Portugal. Denn die Anleihen der Euro-Peripherie (Spanien, Portugal und auch Griechenland) haben sich erholt, Italien hat noch schwierige Zeiten vor sich.

Geld-/Kapitalmarkt – Kleine Renditeabstände und flache US-Zinskurve

An den Staatsanleihemärkten sorgen die rasant flacher werdende US-Zinskurve und damit verbundene Rezessionssorgen – denen wir vorerst wenig abgewinnen – für Diskussionen. Derzeit befinden wir uns noch rund 20 BP von einer inversen US-Zinskurve entfernt. In Anbetracht eines auf der Stelle tretenden Ölpreises und eines dementsprechend geringeren Inflationsdrucks schaffte es die Renditekurve der 10-jährigen US-Staatsanleihen nicht über die 3-Prozent-Grenze und auch der Interkontinental-Spread (USA – Deutschland, 10 Jahre) stagniert seit Juni.

In der Eurozone ist der Blick auf Italien gerichtet. Die Volatilität italienischer Staatsanleihen dürfte vermutlich hoch bleiben, stehen doch einige wegweisende Ereignisse an: Ratingupdates, Budgetentwurf und die Antwort der Europäischen Kommission bis Ende November.

Wir gehen davon aus, dass das Budget der aktuellen Regierung für Aufregung sorgen dürfte, es schlussendlich jedoch zu einem Sinken der derzeit hohen Risikoprämien von italienischen Staatsanleihen kommen wird.

Staats- und Unternehmensanleihen – Blick auf Italien und Risikoprämien

Fed-Präsident Jerome Powell will trotz fortlaufender Kritik von US-Präsident Trump am Kurs der graduellen Zinserhöhungen festhalten. Der schon oft beschriebene Makrodatenkranz bestätigt die starke US-Konjunktur, ebenso wie den weiterhin guten Ausblick sowie einen sehr robusten Arbeitsmarkt. Dazu ist das FED-Ziel für die Inflation von 2 Prozent im Jahr 2018 erreicht.

Trotz der nun bereits flachen US-Zinskurve sehen wir noch Potenzial in diesem Trend und sind entsprechend positioniert – ebenso bei den inflationsindexierten Anleihen in Europa und den USA.

Bei den Unternehmensanleihen profitiert das High-Yield-Segment vom sehr guten makroökonomischen Umfeld. Und zwar deutlich stärker als das Investment Grade-Segment, da die Ausfallsraten in Europa und vor allem in den USA weiter sinken. Wir erwarten mittelfristig jedoch engere IG-Risikoprämien und damit eine Nachholbewegung relativ zu anderen Risikomärkten. Wir behalten ein Übergewicht an Euro-Unternehmensanleihen bei.

Investieren in Megatrends: Internet der Dinge

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Inzwischen haben viele Menschen vom „Internet der Dinge“ zumindest schon einmal gehört, oder erste praktische Erfahrungen damit gemacht. Am ehesten wohl mit den digitalen Sprachassistenten, die von Auskünften über Unterhaltung bis hin zur Steuerung von Haushaltsgeräten eine rasant wachsende Palette an Anwendungen bereithalten, die zusätzlichen Komfort und Arbeitserleichterungen bringen.

Für manche ist das (noch) eher lustige Spielerei, für andere sogar eine Horrorvision von immer größerer Technik-Abhängigkeit. Dahinter steht allerdings viel mehr! Denn das „Internet der Dinge“ könnte enorme Fortschritte bei der viel effizienteren Nutzung von zunehmend knappen Resssourcen ermöglichen.

Herausforderung Bevölkerungswachstum

2050 werden knapp 10 Milliarden Menschen1 die Erde bevölkern. Doch wie sollen sie alle versorgt werden? Die Ressourcen des Planeten viel effizienter zu nutzen als bisher, wird unumgänglich dafür sein.

Und hier kommt das IoT ins Spiel: Es ist im Grunde ein Sammelbegriff für Technologien einer globalen Infrastruktur, die es ermöglicht, physische und virtuelle Gegenstände miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen. Indem Geräte über das Internet automatisiert miteinander kommunizieren (Machine-to-Machine Communication, kurz M2M), Daten austauschen und interagieren (Smart Devices), lassen sich ungeahnte Effizienzgewinne erzielen. Menschen werden entlastet und können ihre körperlichen und geistigen Potenziale anderweitig einsetzen. Aber mehr noch lassen sich auf diese Weise Rohstoffe und Energie in enormen Größenordnungen einsparen.

Das IoT eröffnet ungeahnte Möglichkeiten

  • In der Industrie 4.0 löst das IoT Probleme in Echtzeit, verhindert jegliche Produktionsver-zögerung und ermöglicht eine kostenminimierende just-in-time-Produktion.
  • In Smart Cities kann IoT die öffentliche Verwaltung (z. B. Abfalllverwaltung und Sicherheit) optimieren.
  • Auch im privaten Bereich (Smart Home) kümmert sich das IoT vollautomatisch um geringstmöglichen Energieverbrauch oder nimmt lästige Aufgaben ab, wie z. B. die Überwachung von Lebensmittel-beständen im Kühlschrank und eventuelle Nach-bestellung oder den Schutz vor Einbrüchen.
  • Das IoT ist in der Automobilbranche eine grundlegende Voraussetzung für selbstfahrende Autos, die Marktbeobachter einstimmig für einen der ganz wichtigen Trends der Zukunft halten. Damit einhergehend könnten u. a. Car-Sharing-Modelle in völlig neuem Umfang entstehen. Dies wiederum könnte Umwelt und Innenstädte entlasten und dazu führen, dass weniger Automobile und Parkplätze als bisher benötigt werden.

Jede einzelne dieser teils bahnbrechenden Innovationen erleichtert den Alltag und verbessert unsere Lebensqualität. Ob Parkplatzsuche mittels Karten in Echtzeit, lebensrettende, vernetzte Herzschrittmacher oder die Steuerung ganzer Fertigungsstraßen in modernsten 4.0 Industriebetrieben: Das IoT löst Probleme, die manuell bislang kaum zu bewältigen waren und beugt zugleich vielen künftigen potenziellen Schwierigkeiten vor. Dabei steht es erst am Anfang! Es ist kaum absehbar, was in den kommenden Jahrzehnten alles möglich sein wird.

Stürmisches Wachstum soweit das Auge reicht...

Weltweit verbinden sich derzeit in jeder Sekunde etwa 127 neue Smart Devices mit dem „Internet der Dinge“2. In zwei Jahren werden es insgesamt bereits über 20 Milliarden sein3. Je nach Anwendungsbereich wird das Wachstum mit einer kumulierten jährlichen Zuwachsrate zwischen 20 und 40 Prozent förmlich explodieren, prognostiziert unter anderem die Boston Consulting Group für das kommende Jahrzehnt. Rund 11 Billionen US-Dollar sollen die potenziellen jährlichen, wirtschaftlichen Auswirkungen des IoT im Jahr 2025 ausmachen, sagt McKinsey voraus.

... und damit ein aussichtsreiches Feld für Investoren

Das „Internet der Dinge“ steht also erst am Beginn eines gleichwohl langfristigen wie rasanten Wachstums. Im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien wollen wir genau dieses Potenzial im Interesse unserer Investoren nutzen.

Der Fonds versucht, vom „Internet der Dinge“ auf drei Ebenen zu profitieren:

  1. Produzenten der zugrundeliegenden Technologien (Hard- und Software)
  2. Infrastruktur des IoT (5G, Cyper-Security, Mobilfunknetz)
  3. Anwender des IoT (Automobilbranche, Logistikunternehmen, Pharmabranche, etc.)

Damit will das Fondsmanagement möglichst die gesamte „Nahrungskette“ des „Internets der Dinge“ abbilden. Es investiert also in die Erzeuger der Sensoren und Mikrochips (z. B. Samsung, Infineon, TSCM, U-Blox), genauso wie in die Anbieter der Infrastruktur (Cisco, Nokia) und Mobilfunker (T-Mobile, Softbank). Investments erfolgen ebenso in die Anwender der Technologie, wie z. B. in die Automobilbranche (Toyota, BMW, Geely), den Gesundheitssektor (Cerner, Teladec, Intuitive Surgical) oder in die Industrie im Allgemeinen (Siemens, Signify, Kühne & Nagel, GE, AGCO, Fanuc, Nidec, Keyence).

Fazit

Internet of Things – einer der größten aktuellen Megatrends

Die anstehenden Umwälzungen in fast allen Lebensbereichen, die das „Internet der Dinge“ ermöglichen wird, sind wahrhaft revolutionär und lassen sich derzeit oft nur erahnen. Sie bieten eine Fülle von Chancen und Herausforderungen aber natürlich auch Risiken. Das gilt für Unternehmen und Beschäftigte und selbstverständlich auch für Investoren. Das Fondsmanagement des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien beobachtet die bahnbrechenden Entwicklungen auf diesem Gebiet entsprechend intensiv, um die daraus resultierenden langfristigen Ertragschancen bestmöglich für seine Anleger zu nutzen, und zugleich mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen. Apropos Risiken: Den überdurchschnittlichen Chancen im Zuge dieser Umwälzungen stehen selbstverständlich auch höhere Risiken (wie etwa Branchen- oder Unternehmensrisiken) gegenüber.


1) https://esa.un.org/unpd/wpp/Publications/Files/WPP2015_DataBooklet.pdf 
2) Quelle: McKinsey
3) Quelle: Gartner

Investieren in Megatrends: Autonomes Fahren

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Das Thema selbstfahrende Autos ist in den Medien derzeit allgegenwärtig. Alle Marktbeobachter sind sich einig, dass selbstfahrende Autos kommen werden. Worüber man sich allerdings nicht so einig ist, ist die Frage, wie lange dies noch dauern wird.

Anhand der Grafik auf Seite 2 (siehe PDF links) lässt sich erkennen , dass es zwar heute schon Autos wie z. B. den Tesla gibt, die bereits vollautonom (Stufe 5) fahren könnten, die Gesetze verbieten dies aber noch großteils und erlauben es nur auf einigen Teststrecken. Stufe 1 (Fahrer-Assistenz) und 2 (partielle Automatisierung) sind mittlerweile bei den meisten Neuwagen schon Standard (z. B. Bremsassistenz oder automatisches Einparken) und Stufe 3 (bedingte Automatisierung, z. B. Spurwechsel auf Autobahnen) wird von einigen Premium-Herstellern bereits angeboten.

Es sind weniger die Technik, die selbstfahrende Autos in naher Zukunft auf unseren Straßen limitiert, sondern die Politik und die Gesetze. Aber auch da ist in vielen Ländern schon einiges in Bewegung gekommen. Einerseits wollen viele Länder die ersten sein, die sich dieser Technologie nicht verschließen. Andererseits sind sinkende Verkehrsopferzahlen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein gewichtiges Argument für das autonome Fahren.

Aber wie schnell wir selbstfahrende Autos jetzt tatsächlich auf unseren Straßen sehen werden spielt eigentlich keine große Rolle. Tatsache ist, dass derzeit alle großen Autoproduzenten und alle Zulieferer eifrig daran arbeiten, dieses Thema für sich zu reklamieren. Jeder will der erste sein, der in dem Bereich erfolgreich ist. Und niemand will seinen Eigentümern, z. B. den Aktionären, später einmal eingestehen zu müssen das Thema verschlafen zu haben.

Aber wie ist das Thema aus der Sicht eines Investors zu betrachten? Dazu muss eines klar sein, nämlich dass die Autoindustrie mit fast 100 Millionen produzierter Autos jährlich weltweit gesehen immer noch eine der bedeutendsten Industriezweige ist - viele Millionen Arbeitsplätze hängen davon ab. Allein in Europa arbeiten 12,6 Millionen Personen in der Autoindustrie, das sind 5,7 % aller Beschäftigten. Anhand dieser Zahlen kann man also bereits erkennen, dass dieses Thema speziell auf der Investorenseite niemanden kalt lässt und Interesse an Investitionen besteht. Aber in welchen Bereichen kann und sollte man eigentlich investiert sein? Und in welchen Unternehmen sind wir im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien investiert?

Vier Eintrittsmöglichkeiten

Nach Bereichen unterscheiden wir vier Eintrittsmöglichkeiten:

  1. Elektro-Autos
  2. Selbstfahrende Autos
  3. Internet of Cars (IoC)
  4. Car-Sharing

Warum diese vier Bereiche?

Wir glauben, dass selbstfahrende Autos mit Elektromotoren statt mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sein werden, weil dies viel praktikabler und billiger sein wird. Erstens, weil die Autoproduzenten bis 2020 ihren Gesamtflotten-CO2-Ausschuss drastisch reduzieren müssen, und das geht am leichtesten mit Elektrofahrzeugen. Zweitens, weil diese Fahrzeuge wiederum zu Beginn wahrscheinlich in den Car Sharing Modellen (z. B. Drive Now oder Car to Go) ausprobiert werden. Da diese Autos dann im Vergleich zu heute ein Vielfaches an Technik beinhalten (z.B. Halbleiter, Kameras, Radar, LiDAR (light detection and ranging, etc.) ist es auch wichtig, den Bereich Internet of Cars als eigenen Bereich hervorzuheben.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir das Thema autonomes Fahren im Fonds sehr genau verfolgen und in diesem Bereich auch einige Investitionen getätigt haben.

Allerdings sind es weniger die Autoproduzenten selbst (Ausnahme Toyota), in die wir investiert sind, sondern mehr die Zulieferbetriebe (z. B. Continental aufgrund seiner vielen Patente im Bereich autonomes Fahren) und hier wieder insbesondere die Technologiefirmen, die z. B. Halbleiter (Infineon, Intel), Kameras oder GPS Module (U-Blox) herstellen. Im Batteriebereich sind wir Aktionär bei Albemarle einem Rohstoffunternehmen, das Lithium abbaut, und beim taiwanesischen Hersteller von Batterien, Simplo Technology.

Nicht zu vergessen sind auch die großen amerikanischen Technologiekonzerne wie Google, Apple oder Amazon, die natürlich auch bei diesem Zukunftsthema etwas vom Kuchen abbekommen möchten. Apple wird als Hersteller der Autosoftware genannt, Google als Anbieter und Verkäufer von beispielsweise Verkehrsdaten und Amazon könnte seine Produkte mit selbstfahrenden Autos ausliefern lassen.

Aktien: Erholung im Juli

Vor einem Monat war an dieser Stelle noch zu lesen, dass „der Motor unrund läuft“. Das gilt noch immer – aber der Monat Juli brachte nach dem schwachen Juni doch wieder einen kräftigen Aufschwung.

Die globale Konjunkturlage ist weiterhin gut – die USA konnten jüngst über 4 Prozent Wirtschaftswachstum (annualisiert) für das zweite Quartal melden – und die Ängste um eine Eskalation des Handelskonflikts haben sich zuletzt wieder gelegt. Das war eine gute Nachricht – ganz besonders für Europa – und auch für die Emerging Markets, vor allem Lateinamerika konnte zuletzt wieder Tritt fassen.

Auch die Erholung Russlands hält an. Damit sind auch Osteuropa und nicht zuletzt Österreich wieder einen Schritt nach vorne gegangen, lediglich die Türkei belastet weiterhin. Doch die beiden Spannungsfaktoren bestehen weiter: die Befürchtung nachlassender Konjunkturdynamik und die aggressive Handelspolitik der US-Regierung. 2018 gestaltet sich somit als eine Art Seitwärtsmarkt mit zuletzt wieder guter Aufwärtsbewegung.

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Aktien USA und Europa – Zwischen Gewinnwachstum und Handelskonflikten

Die aktuelle US-Berichtssaison für das zweite Quartal 2018 ist gut angelaufen und dürfte mit ähnlich hohen Zuwachsraten ausfallen wie im Vorquartal, welches wohl den Höhepunkt im aktuellen Zyklus abbildet. Allerdings hat der Ausblick einzelner Unternehmen insbesondere aus dem zuletzt so stark performenden Technologiesektor Investoren verschreckt und teilweise zu herben Kursabschlägen geführt.

In Europa ist die Gewinnberichtssaison noch jung. Doch dürfte sie weit weniger positiv ausfallen als in den USA und bei einigen Sektoren auch schon von negativen Auswirkungen aus dem schwelenden Handelskonflikt geprägt sein.

Der EU ist es wohl gelungen, mit den USA in Verhandlungen zu treten und vorerst weitere Anhebungen zu verhindern. China als Quellstaat der höchsten Importe aus Sicht der USA rückt damit wieder in den Hauptfokus von Präsident Trump. In unseren Überlegungen berücksichtigen wir mögliche Konsequenzen eines ausufernden Handelskonfliktes und haben uns entsprechend positioniert.

Emerging Markets – Erholung nach deutlichen Abverkäufen

Anfang Juli fand der Anstieg der Risikoprämien im Rahmen der allgemein verbesserten Stimmungslage an den Rentenmärkten ein Ende. Die Sorgen rund um einen globalen Handelskrieg haben in den Augen vieler Investoren – vor allem in Anbetracht des nunmehr attraktiveren Renditevorteils – aktuell an Bedeutung verloren.

Das Exportwachstum der Emerging Markets hat jedoch an Dynamik verloren und auch die US-Zinspolitik sollte weiterhin dafür sorgen, dass die EM-Rentenmärkte mittelfristig weniger attraktiv werden. Kurzfristige Erholungsphasen wie die jetzige zeigen aber, dass dieses Marktsegment vorerst noch nicht gänzlich abgeschrieben wurde.

Auch an den Aktienmärkten hat es nach den deutlichen Abverkäufen im ersten Halbjahr zuletzt eine leichte Erholung gegeben. Das ist zu einem gewissen Grad sicher der überverkauften Situation zu verdanken. Fraglich ist nun, inwieweit die fundamentale Situation sich weiter so fortsetzt wie bisher. Sollte das der Fall sein, hätten Emerging-Market-Aktien noch weitere Anstiege vor sich. Gesamt bleiben EM-Aktien relativ attraktiv bewertet.

Adieu sichere Häfen

Mit der jüngsten Erholung der Aktienmärkte ist die Risikoaversion auch bei den Anleihen zurückgegangen. Die sicheren Häfen werden also wieder verlassen. Nach deutlicher Abschwächung bis Ende Juni folgte wieder eine gute Entwicklung von Unternehmensanleihen und High-Yield-Anleihen.

Letztlich profitierten auch die Emerging-Market-Anleihen. Die Währungskomponente spielt hier eine unterstützende Rolle. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Emerging-Market-Hartwährung die Kosten der Währungsabsicherung von US-Dollar und Euro trägt.Staatsanleihen, also die sicheren Häfen der Anleihen, fielen dementsprechend wieder etwas zurück. Die beschriebene Erholung gilt jedoch nicht für die „Euro-Peripherie“. Hier sind die deutlichen Renditeausweitungen noch nicht wieder abgebaut, Italien (10-jährige Staatsanleihen) rentiert bei ca. 2,3 Prozent Abstand zu deutschen Bundesanleihen. Das liegt deutlich über den Niveaus vor Mitte Mai, als die Regierungsturbulenzen begannen.

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Geld-/Kapitalmarkt – Ruhe nach politischem Sturm

Die Entwicklung der Konjunkturindikatoren befindet sich nach wie vor auf hohen Niveaus – das gilt auch für die Eurozone. Noch höher sind aber die Analystenschätzungen, weshalb einige Indikatoren relativ betrachtet weiterhin enttäuschen.

Nach einem Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump Ende Juli ist eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und der EU vorerst vom Tisch. EZB-Präsident Draghi äußerte sich daraufhin bei der EZB-Sitzung Ende Juli durchwegs positiv. Seiner Meinung nach befindet sich das wirtschaftliche Wachstum der Eurozone auf einer soliden und breiten Basis. Dennoch ist mit Leitzinsanhebungen der EZB erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 zu rechnen.

Die US-Notenbank wird hingegen, trotz Kritik von Präsident Trump, an ihrem Programm festhalten. Das bedeutet noch zwei Zinsschritte bis zum Jahresende. Wir erwarten, dass sich die Verflachung der US-Zinskurve fortsetzt.

Staats- und Unternehmensanleihen – Anhaltende Unsicherheit oder Normalisierung?

Seit Anfang Juli sind die Risikoprämien an den Euro-Kreditmärkten relativ deutlich gesunken. Diese Erholung ist in erster Linie an den Derivate-Märkten eingetreten, weniger an den Kassamärkten. Vermutlich werden an den Kassamärkten höhere Illiquiditätsprämien gepreist, die in den handelsschwächeren Sommermonaten schwerer abgebaut werden können. Wir erwarten eine Nachholbewegung am Kassamarkt in den kommenden Wochen.

Die Berg- und Talfahrt der Risikoprämien italienischer Staatsanleihen gestaltet sich nach wie vor holprig. Von den Höchstständen haben wir uns allerdings deutlich verabschiedet (siehe Grafik). Die Rating-Agenturen Fitch und Moody‘s werden in einem Monat neue Ratings zu Italien veröffentlichen. Moody's stellte das Baa2 Rating Italiens bereits unter negative Revision. Kommt es zu einer Abwertung um eine Stufe, befindet sich das Rating Italiens nur noch eine Stufe über High-Yield. Allerdings: der Markt preist 10-jährige italienische Staatsanleihen bereits knapp 100 BP über BBB-Staatsanleihen und damit praktisch „High-Yield“!

Investieren in Megatrends: Industrie 4.0

Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Das Konzept Industrie 4.0, also die „vierte industrielle Revolution“, wird die Zukunft der Industrie, der Informationstechnologien, ja der gesamten Gesellschaft nachhaltig prägen. Es gehört daher zu den faszinierendsten und wichtigsten Themenfeldern für den Raiffeisen-MegaTrends-Aktien. Doch was steckt überhaupt dahinter?

Die vierte industrielle Revolution

Zugegeben, bereits im Vorhinein eine industrielle Revolution auszurufen, noch bevor diese überhaupt stattgefunden hat, ist reichlich ambitioniert. Der auf der Hannovermesse 2011 erstmals in die Öffentlichkeit getragene und danach von der deutschen Bundesregierung übernommene Begriff ist daher nicht ganz unumstritten.

Die dritte industrielle Revolution (oder deren erste Phase) ist bekanntlich durch das Aufkommen und die Verbreitung der Mikroelektronik charakterisiert und durch die fortschreitende Automatisierung durch Computer. Im nächsten Schritt, hin zur Industrie 4.0, werden die einzelnen Prozesse und Anlagen in einem gesamtheitlichen Konzept vernetzt und kommunizieren ständig miteinander. Vereinfacht gesagt verbindet die Industrie 4.0 eine fortgeschrittene Industrieautomatisierung mit dem „Internet der Dinge“ (IoT; Internet of Things).

Die Fabrik der Zukunft – selbstlernend, flexibel, smart, ressourcenschonend

Dies gipfelt in der „Fabrik der Zukunft“. Die Vernetzung aller ihrer Bestandteile ist dafür unabdingbar. Wichtige Elemente der Fabrik der Zukunft sind zum Beispiel neue Fertigungstechnologien (beispielsweise 3D-Druck für Werkzeuge und Komponenten, virtuelle Realität), ein großflächiger Einsatz von Robotern, die mit den Menschen zusammenarbeiten, maschinelles Sehen, Erkennen und Lernen und eine vollständige Lagerautomatisierung. An allen wichtigen Schnittstellen sammeln Sensoren große Mengen an Daten, die zusammengefasst und analysiert werden, um zeitnah Rückmeldungen in den Entwicklungs- oder Produktionsprozess einzuspeisen. Daraus resultierende Anpassungen oder Korrekturen erfolgen weitgehend automatisch.

Beispiel Medizintechnik: Im Rahmen von Industrie 4.0 ist es jetzt möglich, individuell zugeschnittene künstliche Kniegelenke in Serie herzustellen. Bislang wurde in einem gewissen Rastermaß (klein, mittel, groß) produziert. Der Arzt musste dann die Dimensionen des betreffenden Gelenks mit den Gegebenheiten beim Patienten zusammenführen – mit hohem Anpassungsaufwand und komplizierten Heilungsprozessen als Konsequenz. Bei der Produktion vollständig individualisierter Kniegelenke sind die notwendigen Anpassungen am Knochenbau viel geringer, der Heilungsprozess beschleunigt sich. Die Innovation besteht nun darin, solche Kniegelenke nicht mehr sehr aufwändig von Spezialisten in einer Manufaktur herzustellen, sondern vollautomatisiert und industriell in einem Bruchteil der Zeit. Per Vermessung wird ein dreidimensionales Datenmodell der Knochen erzeugt und daraus ein Prothesenmodell gefertigt. Damit lassen sich die Daten und der Produktionsprozess auf Basis des Testergebnisses auf Korrektheit prüfen. Wenn die Ergebnisse – gegebenenfalls nach Korrekturen – den Anforderungen genügen, wird die eigentliche Produktion durch das Einspielen der 3D-Daten in die CNC-Fräsmaschine* begonnen. Das Produkt ist nach wenigen Stunden verfügbar.

Eine Grundvoraussetzung für die Industrie 4.0 ist die Robotik. Vorreiter ist hier die Automobilbranche, die derzeit auch (noch) der größte Endmarkt für Industrieroboter ist. Das dürfte sich bald ändern, denn neue technologische Entwicklungen (z. B. Handhabung besonders kleiner Teile) eröffnen neue Einsatzmöglichkeiten fast überall – auch in Bereichen, die mit Robotik bislang gar nichts zu tun hatten.

Industrielles Internet der Dinge

Eng verbunden mit der Fabrik der Zukunft ist das Industrielle Internet der Dinge (IIoT, Industrial Internet of Things), also die bereits eingangs genannte Vernetzung der betrieblichen Einheiten mittels intelligenter Systeme und flexibler Produktionstechniken. Ein zentraler Bestandteil dessen ist das Produkt-Lebenszyklus- Management. Dabei werden sämtliche Informationen nahtlos integriert, die im Verlauf des Lebenszyklus eines Produktes anfallen und benötigt werden. Damit lässt sich eine überaus hohe Effizienz über den gesamten Lebenszyklus erreichen, von Entwicklung über Produktion bis hin zu Vertrieb, Serviceleistungen, Entsorgung und gegebenenfalls Recycling.

Solche Konzepte lassen sich nur verwirklichen, indem „Cloud-Lösungen“ eingesetzt werden. Dabei wird IT- Infrastruktur wie beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Dienstleistung über Netzwerke, wie etwa das Internet. bereitgestellt. (Ein klassisches Beispiel dafür sind die heute von fast jedem genutzten Email-Dienste.) Datenverarbeitung und Entscheidungsfindung erfolgen dabei nicht mehr wie bisher dezentral (bei jeder einzelnen Anlage/jedem Fertigungsschritt), sondern sie werden in der Cloud zentralisiert.

Die Geburt digitaler Zwillinge

Ein weiteres wichtiges Konzept der Fabrik der Zukunft ist der digitale Zwilling (Digital Twin). Dieser spiegelt Produkte oder Prozesse auf digitaler Ebene und ersetzt dadurch die oft sehr kostspielige Entwicklung eines Prototyps. Von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum laufenden Betrieb und Wartung lässt sich (fast) alles anhand des digitalen Zwillings replizieren und die Erkenntnisse daraus können direkt am realen Produkt oder im realen Produktionsprozess implementiert werden. Dadurch erspart man sich Stillstände während der Produktion, optimiert die Planung und Fertigung und kann beispielsweise auch Mitarbeiter umfassend schulen, ohne in laufende Prozesse einzugreifen.

Logistik-Technologien im Umbruch

Weitreichende Änderungen kommen auch auf die Logistikbranche zu, sowohl als Folge als auch Bestandteil von Industrie 4.0. In Teilbereichen haben sich bestimmte Lösungen schon durchgesetzt (automatische Fördermittel, Fließbänder, Sortiermaschinen). Andere Technologien, wie automatische Regalsysteme, der Einsatz von Datenbrillen oder Drohnen, z. B. für eine laufende Inventur, stehen noch am Anfang ihrer Verbreitung. Die Entwicklung in Richtung Logistik 4.0, sowohl innerbetrieblich als auch in Interaktion mit Zulieferern und Kunden, ist bereits zu einem essentiellen Wettbewerbsfaktor geworden. Die Verbreitung von Internethandel sowie damit verbundene Servicelevels (Lieferung am selben oder nächsten Tag) stellen beispielsweise neue, hohe Anforderungen an ein möglichst effizientes Beschaffungs- und Lagersystem.

Neue Risiken und neue Chancen

Diese Trends werden mittelfristig zu großen Verschiebungen innerhalb der Volkswirtschaften führen. Für die Industrie birgt dies sowohl Herausforderungen als auch Chancen. So wird zum Beispiel vielerorts durch vorausschauende Wartung und bessere Fertigungsqualität der Bedarf an (oft besonders margenträchtigen) Ersatzteilen und Servicedienstleistungen abnehmen. Bestimmte Produkte bzw. Geschäftsmodelle werden standardisiert und dadurch größerem Preisdruck ausgesetzt oder sogar obsolet werden. Letztlich besteht auch die Gefahr, dass gänzlich neue Konkurrenten aus anderen Branchen oder Sektoren in bestehende Industrie- Märkte eindringen (beispielsweise der Suchmaschinenanbieter Google in autonomes Fahren). Gleichzeitig bietet sich aber auch die große Chance, durch eine rechtzeitige und vorausschauende Anpassung der Angebotspalette oder des Geschäftsmodells neue Märkte und Kundengruppen zu erschließen.

So etwa stattet ein deutscher Hersteller für Heizungspumpen seine Standardprodukte inzwischen mit digitalen Prozessoren aus. Das Unternehmen kann dadurch nun auch „vorausschauende Wartung“ als neue Dienstleistung anbieten - ein potenziell hochprofitables Zusatzgeschäft. Wir stehen erst am Beginn

Der Markt der Industrie 4.0-Lösungen steckt trotz gewaltiger Fortschritte noch in den Kinderschuhen. Wir sind noch weit entfernt von der Standardisierung und Etablierung von Normen und einheitlichen Rahmenbedingungen. Gelingt es Unternehmen, schon frühzeitig ein umfassendes Angebot dafür bereitzustellen, können sie sich damit große Vorteile verschaffen. Beispielsweise könnten sie große Zukunftsmärkte von Beginn an prägen und ihre Positionierung durch den First- Mover-Vorteil und das (Mit-)Definieren künftiger Standards zementieren. Ein Risiko dabei ist natürlich, dass sich alternative Lösungen und Produkte durchsetzen oder gänzlich neue Technologien auftauchen und ihre bisherigen Investitionen wertlos werden.

Industrie 4.0 im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien Kurzum, das große Zukunftskonzept Industrie 4.0 bietet vorausschauenden Investoren viele Möglichkeiten. Im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien konzentriert sich das Fondsmanagement derzeit auf drei Hauptthemen:

  1. IIoT Industrielles Internet der Dinge / Fabrik der Zukunft
  2. Automatisierung/Robotik 3. Logistik 4.0

Der Fonds hält gegenwärtig Aktien von 20 Unternehmen, die diese Bereiche abdecken.

Wie eingangs erläutert werden die Vernetzung einzelner Geräte sowie der Einsatz von vernetzter Software erheblich zunehmen. Das spiegelt sich auch in der Sektorallokation der aktuell ausgewählten Titel wider, die mehrheitlich aus dem IT-Bereich stammen. Der Investitionsbereich IIoT wird unter anderem von etablierten, marktführenden Industrie-Konglomeraten wie Siemens und General Electric abgedeckt. Beide sind federführend in der Entwicklung von IIoT-Plattformen und bieten ganzheitliche Lösungen an. Ebenso sind beide Unternehmen Vorreiter bei Digital Twins-Lösungen. Nidec, Fanuc und Keyence sind Marktführer bei Industrierobotern. Nexans und Prysmian profitieren als spezialisierte Kabelhersteller von der zunehmenden Digitalisierung. Kühne + Nagel hat als Logistik- Unternehmen sehr früh das Thema Digitalisierung aufgegriffen und in ein umfassendes Produktangebot einfließen lassen. Die Produkte von Taiwan Semiconductor finden unter anderem in vielen Drohnen Verwendung.

Fazit

Industrie 4.0 ist ein echter Megatrend für viele Jahrzehnte. Die anstehenden Umwälzungen in der Industrie und davon ausgehend in nahezu allen anderen Lebensbereichen sind wahrhaft revolutionär und bieten eine Fülle von Chancen, Herausforderungen aber natürlich auch Risiken. Das gilt für Unternehmer und Beschäftigte und selbstverständlich auch für Investoren. Das Fonds- management des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien beobachtet die bahnbrechenden Entwicklungen hin zur Industrie 4.0 besonders intensiv, um die daraus resultierenden langfristigen Ertragschancen bestmöglich für seine Anleger zu nutzen. Den überdurchschnittlichen Chancen im Zuge dieser Umwälzungen stehen selbstverständlich auch höhere Risiken gegenüber.


*CNC steht für computerized numerical control; Unter CNC-Maschinen versteht man Werkzeugmaschinen, die durch den Einsatz moderner Steuerungstechnik in der Lage sind, Werkstücke mit hoher Präzision auch für komplexe Formen automatisch herzustellen.

Investieren in Megatrends: Silver Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Megatrends verändern die Welt grundlegend und nachhaltig. Sie wirken nicht nur auf einige Bereiche, sondern betreffen alle Ebenen der Gesellschaft und damit auch der einzelnen Menschen. Um mit der Zukunft Schritt halten zu können, müssen Unternehmen rasch auf diese Entwicklungen eingehen oder diese im Idealfall antizipieren. Unternehmen, die das schaffen, sind für Investoren von großem Interesse, denn sie versprechen Zukunftsfähigkeit und Wachstum. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ist ein globaler Aktienfonds, der in solche Unternehmen investiert.

Silver Society – oder: Unsere Gesellschaft wird älter.

Einer der Haupttrends unter den Megatrends ist der demographische Wandel. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien setzt sich daher mit Themen auseinander, die das Bevölkerungswachstum, die Verstädterung sowie das Älterwerden der westlichen Welt in den Mittelpunkt rücken.

„Silver Society“ bezeichnet nicht nur den Trend, dass die Lebenserwartung weltweit steigt und die Leute zugleich länger in Pension sind als früher, sondern auch dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Die Alterung der Gesellschaft ist heute eine Realität, die die Wirtschaft in den nächsten Jahren stark beeinflussen wird. Wir befinden uns derzeit sogar in der größten demographischen Veränderungsphase seit Menschengedenken. Bis 2050 wird die Lebenserwartung weltweit auf 77,1 Jahre steigen, 1950 war sie bei 48 Jahren. Die Anzahl der Personen, die älter als 60 Jahre sind, werden 2050 auf über 2,1 Milliarden ansteigen, heute beläuft sich diese auf 901 Millionen. Auch das Medianalter wird ansteigen. Während es heute auf 29,6 Jahre beläuft wird es 2050 stolze 36 Jahre betragen. Das heißt, dass die Lebenserwartung für alle fünf Jahre um ein volles Jahr ansteigen wird. In der westlichen Welt ist die Entwicklung sogar noch dramatischer. Im Jahr 2060 wird der durchschnittliche Europäer 30 bis 35 % seiner Lebenszeit in Pension verbringen. In Ländern wie Japan oder Korea leben die Leute wahrscheinlich noch 30 Jahre, nachdem sie mit 65 in Pension gegangen sind. Die Kosten für Gesundheit in den entwickelten Ländern betragen bereits heute 40 % des Gesamtbudgets eines Landes, in den USA sind es sogar 55 %.

Was aber bedeutet das alles für die Wirtschaft?

Zuallererst stellt es eine große Herausforderung für die Pensionssysteme der einzelnen Länder dar, wenn sich die Menschen länger im Ruhestand befinden. Denn 10 Jahre länger in Pension bedeutet auch 10 Jahre längere medizinische Betreuung – selbst wenn die heutigen 65-jährigen Menschen fitter und gesünder sind als die vergangenen Generationen. Diese medizinische Betreuung muss einerseits der Staat finanzieren. Andererseits werden die Pensionisten selbst vieles privat zahlen müssen. Von dieser Entwicklung sollten also die Pharma-, Biotech- und Medtech-Branchen profitieren sowie die Betreiber von Alters- und Pflegeheimen.

Aber es gibt auch noch eine andere Seite dieser Entwicklung. Die „neuen Alten“ sind nämlich im Vergleich zu vorherigen Generationen viel autonomer, konsumfreudiger und reiselustiger. Zudem verfügen sie über ein höheres Einkommen als ihre Vorgänger. Das bedeutet, dass beispielsweise Asset Manager oder Versicherer Profiteure der „Silver Society“ sein könnten. Warum? Weil die Menschen ihr Geld auch in der Pension noch vermehren möchten und spezielle Versicherungen, z. B. Sport- oder Reiseversicherungen, abschließen werden. Auch Reisekonzerne könnten von dieser Entwicklung profitieren, z. B. Anbieter von Kreuzfahrten, die speziell bei Pensionisten sehr beliebt sind, aber auch Produzenten von Outdoorbekleidung, Sportartikel etc.

Fünf interessante Einstiegsbereiche

Aus Investorensicht ergeben sich derzeit fünf interessante Einstiegsbereiche:

  1. Pharma & Biotech
  2. Medtech
  3. Altenpflege
  4. Finanz
  5. Konsum

Weitere Informationen, inklusive der Allokation des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien, finden Sie links im PDF.

Deutsche Bundesanleihen als sicherer Hafen

Mit der jüngsten – und in dieser Form auch erwarteten – Leitzinserhöhung in den USA haben wir mittlerweile bereits sieben Zinsschritte seit Dezember 2015 gesehen. Dennoch liegen die US-Märkte gut, zumindest relativ zu den übrigen Regionen. Das liegt hauptsächlich an der Währungsentwicklung und dem 2018 wieder stärkeren Dollar. Aber auch generell ist der US-Markt im sanften Renditeauftrieb recht stabil, das gilt auch für Unternehmensanleihen.

Anders in Europa: Ausgelöst durch die Regierungsbildung in Italien kam die „Euro-Peripherie“ im Mai kräftig unter Druck. Wir erlebten deutliche Renditeausweitungen, dabei erreichte Italien fast 3 Prozent Renditeabstand zu Deutschland bei den 10-jährigen Staatsanleihen. Trotz anhaltender Diskussionen um das Ende der lockeren EZB-Politik kamen Deutsche Bundesanleihen auf Renditeniveaus um 0,3 Prozent zurück.

Diese Flucht in sichere Häfen ist aktuell verständlich, darunter leiden aber Investments wie Unternehmensanleihen und vor allem Emerging-Market-Anleihen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt – Zinsanhebungszyklus in den USA, doch EZB wartet

Wie schon erwähnt, enttäuschten die Konjunkturindikatoren in der Eurozone recht deutlich. Daher die etwas überraschende Entscheidung der EZB, den Leitzins bis voraussichtlich Herbst 2019 nicht anzuheben. Mit dem Abschluss des EZB-Anleihekaufprogramms Ende 2018 wäre nun die europäische Politik gefragt, beruhigend auf die Märkte einzuwirken.

Die Divergenz zwischen europäischen Peripherie-Renditen und Kerneuropa-Renditen besteht nach wie vor und überstrahlt aktuell die Bedeutung der Geldpolitik der EZB. Entsprechend kontraproduktiv sind in der aktuellen Phase auch die Spannungen innerhalb der deutschen Regierung zu werten, denn ein Wanken der deutschen Regierung stellt abermals die Stabilität des europäischen Währungsraums in Frage.

In den USA wird die Zinsstrukturkurve hingegen flacher. Das ist im Wesentlichen dem starken Renditeanstieg am kurzen Ende geschuldet. Die FED befindet sich mitten im Zinsanhebungszyklus, das lange Ende macht diesen Renditeauftrieb jedoch nur sehr gedämpft mit.

Staats- und Unternehmensanleihen – Weiter Unsicherheit oder Normalisierung?

Die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen befinden sich seit dem Sell-Off Ende Mai weiter auf hohen Niveaus. Vor allem die widersprüchlichen Handlungen der italienischen Regierung haben für Verunsicherung gesorgt: einerseits gab man ein Bekenntnis zur Euro-Zone ab, andererseits nehmen Euro-Skeptiker parlamentarische Schlüsselrollen ein.

Mögliche Refinanzierungsschwierigkeiten für italienische Emittenten sind bislang jedoch ausgeblieben. Der Risikoappetit gegenüber italienischen Staatsanleihen scheint wieder etwas größer geworden. Wir erwarten eine moderate Normalisierung im Sinne engerer Renditeabstände.

Die Risikoprämien an den Euro-Kreditmärkten (Unternehmensanleihen) sind abermals angestiegen. Emittenten aus dem High-Yield-Segment sind mittlerweile mit rund 100 BP höheren Refinanzierungskosten konfrontiert als noch zu Jahresbeginn. Die Kreditmärkte diskontieren damit unter den Erwartungen liegende Konjunkturdaten, politische Risiken und zuletzt negative Gewinnrevisionen deutlich stärker als die Aktienmärkte.

Ein Halbjahr zum Vergessen

Für Anleger waren die vergangenen sechs Monate schlicht ein Streichergebnis. Ob globale Aktien, Anleihen in Lokalwährung, Euro-, Staats-, Unternehmens- oder Wandelanleihen, alle bewegten sich an der Nulllinie – nach beträchtlichen Schwankungen wohlgemerkt. Emerging-Market-Assets waren im ersten Halbjahr noch schwächer. Aktien sowie Anleihen in Lokal- und Hartwährung haben zwischen drei und sechs Prozent verloren. Der einzige Lichtblick waren die Fremdwährungen, die zum Euro im Schnitt um etwa zwei Prozent aufgewertet haben.

Damit wurden die Jahreserwartungen noch nicht erfüllt. Wir sind zu Jahresbeginn von positiven Aktienmärkten und steigenden Anleiherenditen ausgegangen. Die Schwäche der Emerging Markets war nicht vorauszusehen. Lediglich den stärkeren US-Dollar hatten wir auf der Rechnung. Insofern war das erste Semester auch eine Bestätigung dafür, dass man sich nicht allzu sehr auf die eigenen Prognosen verlassen sollte. Viel wichtiger ist, Veränderungen des Umfeldes wahrzunehmen und flexibel zu reagieren. Dies ist in der Taktischen Asset-Allocation gut gelungen. Der Beitrag zur Wertentwicklung unserer Fonds ist positiv und gut im Plan, die Ziele zu erreichen.

Die Einschätzungen für die nahe Zukunft sind uneinheitlich. Die Wirtschaftsdaten befinden sich auf gutem Niveau, die Veränderung der letzten Monate ist aber negativ. Sehr positiv schlagen in unserer Beurteilung die Daten aus dem Unternehmenssektor zu Buche. Gewinnwachstum und -revisionen sind unverändert robust. Die bedenklichen Signale kommen zum Teil aus dem Markt selbst. Insbesondere die Tatsache, dass der Aktienmarkt von immer weniger Aktientiteln getragen wird, ist ungesund. Auch aktuelle Themen wie Handel und EU belasten. Das mittelfristig jedoch wesentlich wichtigere Thema ist die Normalisierung der Geldpolitik, durch die dem Finanzmarkt Liquidität entzogen wird. Auf Basis dessen wird die neutrale Haltung in Bezug auf Aktien und Anleihen beibehalten. Rohstoffe werden weiterhin positiv gesehen, die Beimischung bestätigt.

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Globale Konjunktur – Höhepunkte hinter uns?

Während die Konjunkturdaten weiterhin eine positive globale Wirtschaftsentwicklung zeigen, ist bei immer mehr vorauslaufenden Indikatoren eine nachlassende Dynamik feststellbar. Insbesondere in der Eurozone und den Emerging Markets überwiegen zuletzt die negativen Abweichungen der veröffentlichten Daten im Vergleich zu den Erwartungen der Analysten. Auch in den USA konnten die Höchstwerte einiger Wirtschaftsdaten zuletzt nicht mehr gehalten werden, auch wenn die Bremsung sanft ausfällt. Der schwelende Handelskonflikt der USA insbesondere mit China und der Eurozone birgt weiteres Potential die bis dato gute konjunkturelle Lage einzutrüben.

Auf Unternehmensebene dürfte die aktuelle Dynamik im US-Gewinnwachstum den Hochpunkt im aktuellen Wirtschaftszyklus darstellen. Die Gewinnmargen der Unternehmen verbleiben auf hohem Niveau, obwohl auf der Kostenseite schon künftige Belastungsfaktoren – wie etwa gestiegene Rohstoffpreise – absehbar sind.

Strategische Asset Allocation

Unter der Strategischen Asset Allocation verstehen wir die mittel- bis langfristige (3 bis 5 Jahre) Beurteilung der verschiedenen Anlageklassen.

Aktien

Wir sehen vor allem den wichtigen US Aktienmarkt im historischen Vergleich als bereits sehr teuer bewertet. Europäische Aktien sowie Emerging Markets Aktien sind nach wie vor fair bewertet. Aus einem Modellsignal haben wir zuletzt europäische Aktien leicht reduziert.

Staatsanleihen

Die Renditen der wichtigsten Staatsanleihenmärkte befinden sich auf extrem niedrigen Niveaus. Auf Sicht der nächsten 5 Jahre erwarten wir sehr niedrige (bzw. zum Teil negative) Erträge. Ende Juni haben wir von australischen Anleihen in Richtung US-Anleihen umgeschichtet.

Unternehmens- & EM-Anleihen

Trotz der Spreadanstiege sehen wir High-Yield Anleihen als sehr teuer bewertet. Nach den deutlichen Renditeanstiegen haben wir EM Hartwährungsanleihen wieder in das Portfolio aufgenommen. Zugekauft haben wir Ende Juni auch EM Währungen. Die markanten Renditeanstiege bei italienischen Anleihen haben wir zu einem Positionsaufbau genutzt.

Reale Assets

Im Rohstoffbereich unterstützen die Maßnahmen auf der Angebotsseite die Preisentwicklung. Die starken Anstiege bei Energierohstoffen haben wir aber im Dezember und Ende Juni zu Positionsreduktionen genutzt. Wir erwarten auf unseren strategischen Horizont weitere Anstiege bei den Inflationserwartungen.

„Risk-off-Szenario“ dominierte die Märkte

Trotz der Zinswende in den USA liegen die US-Märkte sehr gut – zumindest relativ zu den übrigen Regionen. Das liegt hauptsächlich an der Währungsentwicklung mit einem schwachen Euro. Damit kommen wir zum aktuellen Krisenherd: Italien!

Im Zuge des Chaos um die Regierungsbildung stiegen die Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen um über 100 BP auf über 3 Prozent und auch der Euro verlor deutlich. Die sich auch 2018 gut entwickelnde Peripherie (z.B. Italien, Spanien und Portugal) ist wieder deutlich unter Druck geraten. Die Unterstützung durch zuletzt erfolgte Rating-Verbesserungen ist verpufft, nun dominiert das Szenario einer neuerlichen Euro-Krise.

Konsequenz ist die Flucht in sichere Häfen wie deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries. Riskantere Investments wie Emerging-Market- und Unternehmensanleihen gehen zurück. Dieses „Risk-off-Szenario“ dominierte die Märkte in der zweiten Maihälfte.

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Geld-/Kapitalmarkt – Schwächere Konjunkturaussichten und Chaos in Italien belasten Europa

Ausgehend von sehr hohen Niveaus verdüstern sich die Konjunkturindikatoren insbesondere in Europa. Alles beherrschend ist jedoch aktuell die Divergenz zwischen europäischen Peripherie-Renditen und Kerneuropa (Deutschland), verursacht durch die politischen Querelen in Italien. Diese haben in den letzten Tagen die ansonsten marktdominierenden Zentralbanken an Bedeutung überstrahlt. In der Folge sind Insbesondere die Renditedifferenzen (Spreads) von italienischen Staatsanleihen massiv angestiegen.

Im Zuge dieser Spreadausweitungen reagierten auch die Risikoprämien anderer europäischer Peripherieländer durchaus signifikant. Fundamental beurteilen wir die Situation Italiens im Sinne von Verschuldung des Unternehmenssektors und Finanzierungsstruktur gut. Die sich nun stellende Frage ist, inwiefern aus vorübergehenden Refinanzierungsschwierigkeiten veritablere Probleme für italienische Emittenten (Banken, Unternehmen und Staat) entstehen könnten.

Der geldpolitisch begründete Anstieg des US-Dollar erhielt gegenüber dem Euro durch dessen nun wieder angedachte Krise weiteren Antrieb.

Staats- und Unternehmensanleihen – Im Bann der Italien-Krise

Die Italien-Krise wirkt sich auch auf die europäischen Credit-Märkte (Unternehmensanleihen) aus. Dort sind die Risikoprämien in den letzten Wochen stark angestiegen. In den europäischen High-Yield-Indizes beträgt das Gewicht italienischer Emittenten rund 10 Prozent und belastet somit dieses Segment vergleichsweise deutlich. Vielen Emittenten fällt es im aktuellen Umfeld schwerer, sich zu refinanzieren. Das zieht auch die Spreads am Sekundärmarkt weiter mit nach oben. Wir nehmen hier vorerst keine Positionierung ein. Gegenüber Investment-Grade-Anleihen wie High-Yield-Unternehmensanleihen behalten wir eine abwartende Haltung bei. Die Übergewichtung in US-Anleihen und in europäischen inflationsindexierten Anleihen bleibt gegenüber nominalen Euro-Staatsanleihen unverändert bestehen. Vorerst nehmen wir keine explizite Positionierung gegenüber der europäischen Peripherie ein, zumal der künftige politische Pfad für uns derzeit noch zu wenig prognostizierbar ist.

Aktien werden reduziert

Der positive Aktienausblick der letzten Monate basierte vor allem auf fundamentalen Faktoren: dem positiven Wirtschaftsausblick, steigenden Unternehmensgewinnen und einer nur langsam steigenden Inflation. Dieses, für Aktien positive Umfeld, hat dazu geführt, dass sich die Märkte nach der Korrektur wieder erholt haben. In der Zwischenzeit hat sich die Gesamtsituation jedoch eingetrübt. Einige Wirtschaftszahlen lagen zuletzt unter den Erwartungen und das Gewinnwachstum hat seinen Höhepunkt überschritten. Das Niveau ist zwar weiterhin gut, doch die Tendenz hat sich verschlechtert. Diese ist für die Finanzmärkte in aller Regel bedeutsamer.

Das allein reicht aber noch nicht zur Entscheidung, die Aktienquote in der Taktischen Asset-Allocation zu reduzieren. Bei dieser Entscheidung haben auch technische Faktoren eine Rolle gespielt, die kurzfristig eine vorsichtigere Haltung nahelegen. So hat die steile Erholung in den letzten Wochen dazu geführt, dass die Märkte überkauft sind und es daher unwahrscheinlich ist, dass die charttechnischen Widerstände bald überwunden sind. Asset-Allocation ist allerdings mehrdimensional und nicht nur eine Frage der Aktien.

Werden Aktien bevorzugt, reduzieren sich andere Kategorien. Zuletzt ging die Übergewichtung der Aktien zulasten von Euro-Staatsanleihen. Diese sind jüngst spürbar gefallen und somit war die vorsichtige Haltung durchaus vorteilhaft. Die Gründe für die Rückgänge waren jedoch andere als erwartet. Nicht der positive Wirtschaftsausblick, sondern ein Aufflammen des politischen Risikos, hat zu steigenden Renditen geführt und vor allem die Anleihen der südlichen Länder belastet. Politische Risiken führen regelmäßig zu verstärkten Schwankungen an den Märkten. Meist stellt sich jedoch nach absehbarer Zeit eine Beruhigung ein. Die Situation in Italien wird da keine Ausnahme sein. Folgerichtig werden Anleihen zugekauft.

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Aktien – Sand im Getriebe

Nach einem vergleichsweise schwachen und volatilen ersten Quartal haben sich die Märkte – mit einigen Ausnahmen – im April und vor allem Anfang Mai wieder erholt und prächtige Wachstumsraten geliefert. Zuerst belasteten die Befürchtungen bezüglich Inflation und Leitzins den Markt. Später sorgten die Ängste vor einem Handelskrieg, ausgelöst durch die unberechenbare Ankündigungspolitik der US-Regierung, für Unruhe. Diese Entwicklungen sind momentan wieder in den Hintergrund getreten.

Etwas fragiler ist die Lage in Europa. Anfangs war der Markt hier am stärksten von der Korrektur betroffen. Der starke Euro und Diskussionen um Strafzölle wirkten belastend. Dann gab es eine prächtige Erholung und zuletzt wischte die Italien-Krise die Gewinne wieder weg. Auch Asien (China und Japan) holte stark auf. Selbst Russland, im April noch arg gebeutelt, erholte sich rasch wieder. Lediglich die Türkei (daher auch das schwache Abschneiden des CEE-Index) und Lateinamerika (Brasilien) konnten die Mai-Rallye nicht mitmachen.

Aktien USA und Europa – Höhepunkt im Gewinnwachstum erreicht?

Das nun fertig berichtete erste Quartal 2018 stellt für die USA den Höhepunkt im aktuellen Gewinnwachstumszyklus dar. Der letzte Schub im US-Gewinnwachstum ist der Steuerreform zu verdanken. Dieser rein konjunkturelle Effekt bleibt zwar auch übers Jahr erhalten, lässt jedoch tendenziell ab dem zweiten Quartal nach.

Im aktuellen Konjunkturumfeld sind stark divergierende Entwicklungen der einzelnen Branchen zu beobachten. Die länger anhaltende relative Kursschwäche klassisch defensiver Sektoren wie Telekom und Gebrauchsgüter (Consumer Staples) gegenüber dem Gesamtmarkt hielt 2018 auch im turbulenten Marktumfeld ab Februar mit wenigen Unterbrechungen an.

Auf der anderen Seite hat sich die Outperformance von zyklischen Branchen, wie beispielsweise der IT, fortgesetzt. Seit März waren auch Titel aus der Energiebranche klar stärker als der Gesamtmarkt – getrieben durch einen massiven Anstieg des Ölpreises. Die Berücksichtigung der Sektorengewichtung in den unterschiedlichen Länderindizes spielt in der Aktien-Asset-Allocation nach wie vor eine wichtige Rolle.

Emerging Markets – Auch 2018 attraktiv

Die Euphorie, die im Jänner an den Emerging Markets herrschte, ist nun verflogen. Dabei hat sich an den fundmentalen Gegebenheiten kaum etwas geändert. Vielmehr handelt es sich beim Rückgang wohl um eine Anpassung einer überhöhten Positionierung von Investoren in dieser Assetklasse.

Vor allem die Gewinnentwicklung der einzelnen EM-Regionen liegt insgesamt gut im Trend. Insbesondere im asiatischen Raum kommt es zu einer Fortsetzung der erstaunlichen Entwicklung. Gesamt bleiben EM-Aktien relativ attraktiv bewertet.

Der Anstieg der realen US-Renditen wirkte sich hingegen negativ auf Schwellenländer-Anleihen aus. Sowohl die Finanzierungsbedingungen als auch die relative Anlageattraktivität verschlechterten sich damit. Auf der Währungsseite bewirkten zusätzlich zu den global wirkenden US-Zinsen auch „hausgemachte” Themen wie in der Türkei und Brasilien teilweise dramatische Abwertungen.

Das wirtschaftliche Bild bleibt grundsätzlich positiv, auch wenn die Gegenkräfte zuletzt stärker wurden.

Vermeidung von Korruption

Wenn wir an Korruption denken, gehen unsere ersten Gedanken oft in Richtung sich bereichernder Despoten in weitgehend undemokratischen Staaten. Doch auch in unseren Breiten ist Korruption ein Thema, das von mangelnder Transparenz über Graubereiche bis hin zu schwerwiegender, strafbarer Vorteilsannahme reicht.

Die sich aus weitreichender Korruption ergebenden negativen Folgen sind vielschichtig. Zunächst beeinflusst jegliche Art korrupter Machenschaften die wirtschaftliche Entwicklung und kann außerdem zu ungerechten Verteilungseffekten des Wohlstandes führen. Korruption ist dabei nicht nur moralisch verwerflich – denn jede Art von Bestechlichkeit oder Vorteilsannahme beruht auf dem Ausnutzen einer Machtposition –, sie kostet durch die mit ihr verbundenen Ineffizienzen im Wirtschaftssystem zudem noch jede Menge Geld.

Auf Unternehmensebene ist die individuelle von der systematischen oder institutionalisierten Korruption zu unterscheiden. Die Rolle des nachhaltigen Investors ist es, im Bereich der Korruption die Tatbestände zu analysieren, Lösungen aufzuzeigen und Emittenten oder Investments in Unternehmen mit klaren Verfehlungen zu vermeiden.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen, die typischerweise „korruptionsgefährdet“ sind, genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Korruption gestellt.

Korruption

Auch die für das Thema nachhaltiges Investment immer mehr an Bedeutung gewinnenden Ziele für nachhaltige Entwicklung – die so genannten SDGs – der UNO haben die Korruptionsbekämpfung aufgegriffen. Das Ziel 16 formuliert ganz klar, dass „Korruption und Bestechung in all ihren Formen erheblich reduziert werden sollen“. Leider ist die Bereitschaft zur Korruption weit verbreitet. Es handelt sich keineswegs um ein regionales Phänomen: Korruption betrifft sowohl reiche wie auch arme Länder und Regionen. Dabei sind ihre konkreten Erscheinungsformen vielfältig. Korrupte Machenschaften reichen von Bestechung, Unterschlagung, Veruntreuung und Ämterpatronage bis zur Günstlings- und Vetternwirtschaft.

Korruption findet vor allem dort einen günstigen Nährboden, wo Kontrollmechanismen, die Transparenz staatlichen Handelns und Rechenschaftspflichten fehlen. Besonders gefährdete Bereiche sind Infrastruktur, öffentliches und privates Beschaffungswesen sowie das Bau- und Gesundheitswesen.

Zunächst zur staatlichen Ebene: Das wesentlichste Korruptionsrisiko auf politischer Ebene ist die Einkommensumverteilung in die Hände weniger, die letztendlich die Bekämpfung von Armut behindert und unter anderem das Erreichen der SDGs be- oder verhindert. Auf Unternehmensebene liegen die Risiken in der generellen Intransparenz der Strukturen, die die Korruption erst ermöglichen, in Reputationsverlusten und in wirtschaftlichen Nachteilen. Das Thema Compliance spielt bei der Vermeidung von Korruption eine wesentliche Rolle. Im Rahmen der Compliance-Regeln stellen Unternehmen regelmäßig umfangreiche Richtlinien zum Thema Korruption auf und überprüfen diese. In Bezug auf korrupte Machenschaften sind Einzelfälle von systematischer Korruption zu unterscheiden.

Individuelle Korruption ist mitunter schwerer aufzudecken, aber viel einfacher zu bekämpfen als systematische Korruption. Systematische Korruption hingegen kann Unternehmen genauso wie politische Strukturen betreffen. Manchmal entsteht dabei der Eindruck, dass Korruption in einzelnen Ländern als „gängige Praxis“ betrachtet wird.

Auf staatlicher Ebene zeigt eine von Ernst & Young in mehr als 40 Ländern durchgeführte Umfrage aus dem Jahr 2017, dass beispielsweise in Österreich 32 % der befragten Manager annehmen, dass „Bestechung oder andere korrupte Vorgehensweisen“ im eigenen Land zur gängigen Praxis zählen.

Generell weist das vermeintliche Ausmaß der Korruption gemäß den Umfrageergebnissen innerhalb Europas ein starkes regionales Gefälle auf:

Während der Wert für Deutschland mit 43 % im Mittelfeld liegt und jener der Schweiz mit 18 % vergleichsweise niedrig ist, ist die Annahme von Korruption seitens der Manager in Ländern wie Italien (71 %) und Griechenland (81 %) deutlich höher. Eine oft zitierte Quelle zum Vergleich der Korruption zwischen einzelnen Ländern ist der Korruptionswahrnehmungsindex, der seit 1995 von Transparency International erhoben wird.

Derzeit werden knapp 180 Länder erfasst, der Index weist einen Wert von null bis 100 Punkten auf (wobei hier eine hohe Punkteanzahl für weniger Korruption steht). Im Ranking aus dem Jahr 2017 liegt die Schweiz mit 85 Punkten auf Rang drei. Deutschland hingegen schneidet mit Rang zwölf (81 Punkte) besser ab als Österreich, das mit 75 Punkten den 16. Platz einnimmt. Den 180. und damit letzten Rang belegt Somalia mit neun Punkten, hinter dem Südsudan mit zwölf Punkten. Korruption auf politischer Ebene hat negative wirtschaftliche Folgen, weil öffentliche Ressourcen verschwendet werden. Außerdem kann Korruption die Entwicklung des Privatsektors hemmen und Investoren abschrecken. Ein Wirtschaftsstandort mit hoher Korruptionsneigung leidet unter Rechtsunsicherheit, verzerrten Wettbewerbsbedingungen und erhöhten Kosten. Zudem gefährdet Korruption auch die Entwicklung demokratischer Strukturen und stellt letztlich die staatliche Legitimität infrage.

Auf Unternehmensebene wurde Korruption früher vor allem als Reputationsrisiko für die betroffenen Gesellschaften interpretiert. Mittlerweile steht, nicht zuletzt wegen verhängter Rekordstrafen gegen korrupte Unternehmen, nicht nur die ethische Seite, sondern auch die potenziell negative finanzielle Seite im Mittelpunkt der Betrachtung.

Zurück zur Unternehmensebene: Die unterschiedlichen Dimensionen, in denen ein Unternehmen in das Thema Korruption verstrickt sein kann, beginnen bei Korruptionstatbeständen in der geringsten Ausprägungsstufe in Form von Vorwürfen ohne gerichtliche Anklagen oder auch isolierten Fällen in einzelnen Unternehmensbereichen oder einzelnen Ländern. Sie reichen letztlich bis zur systematischen, vom Unternehmen institutionalisierten Korruption.

Schwere Fälle von systematischer Korruption sind meist gekennzeichnet durch die Involvierung des Topmanagements. Weitere Indizien sind die Anhäufung von Verstößen und die Verwicklung von mehreren Geschäftsfeldern oder Ländern. Korruptionsskandale, auch solche der Vergangenheit, bedeuten für Unternehmen die Gefahr eines beträchtlichen Reputationsverlustes. Die unternehmensinterne Antwort auf aufgedeckte Skandale sollte daher eine möglichst schnelle und gründliche Aufarbeitung sein.

Andererseits gibt es viele Beispiele aus der Vergangenheit, in denen Skandale die Bereitschaft und die bedingungslose Unterstützung bei der Schaffung von geeigneten Antikorruptionsstrukturen verstärkt haben.

Ein Vergleich von Korruption auf Länder- und Unternehmensebene zeigt, dass Korruption in der Politik mitunter schwerer zu bekämpfen ist als in einzelnen Betrieben, wobei das Thema Transparenz eine wesentliche Rolle spielt. Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre bilden prinzipiell ein System, das Transparenz und Überwachung auf Unternehmensebene sicherstellen sollte.

Auf der politischen Seite sind demokratische Wahlen neben dem Beitritt und der aktiven Arbeit in einer Partei die einzige Möglichkeit, korrupte Strukturen abzuwählen. Sie finden im Vergleich zu Hauptversammlungen aber in viel längeren Intervallen statt. Ein weiterer Unterschied ist, dass Unternehmen auf Dauer eine geeignete Performance zeigen und Gewinne erwirtschaften müssen. Sie können sich Korruption – auch wegen verschärfter Transparenzbestimmungen – somit möglicherweise auf Dauer nicht leisten.

Ein derartiger Performancedruck lastet auf den Politikern in der Regel nicht. Manchmal scheint es für Unternehmen unerlässlich, in bestimmten Regionen oder Staaten ein gewisses Maß an Korruption zu akzeptieren und zu praktizieren, um überhaupt Geschäfte machen zu können.

Allerdings wird bei internationalen Ausschreibungen das Vermeiden von Korruption ein zunehmend bedeutenderes Thema. Dabei erscheint die Vermeidung von Korruption in einigen Schwellenländern, die bezüglich Korruption oft ein sehr schlechtes Ranking aufweisen, nicht immer einfach. Dies gilt vor allem für Projekte mit einer Vielzahl an Bietern und keinen speziellen Technologieerfordernissen.

Ein Sektor mit hohen Korruptionsrisiken ist beispielsweise der Großanlagenbau. Tatsächlich haben einige international tätige Konzerne die Arbeit in Ländern mit hoher Korruption inzwischen eingestellt.

Zu den bekanntesten internationalen Initiativen zur Bekämpfung von Korruption zählen die OECD-Anti-Korruptions-Konvention aus dem Jahr 1999 und die UN-Konvention gegen Korruption aus dem Jahr 2005. Auf regionaler Ebene sind der UK Bribery Act von 2010 und der US Foreign Corrupt Practices ACT, ein Gesetz, das bereits 1977 erlassen wurde, zu erwähnen.

Weitere Initiativen zur Bekämpfung von Korruption umfassen spezifische Branchenvereinigungen wie das Global Infrastructure Anti-Corruption Centre, die Extractive Industries Transparency Initiative oder das Water Integrity Network.

Andererseits sind viele internationale Initiativen, Organisationen oder NGOs bemüht, den Kampf gegen Korruption zu unterstützen. Hierzu zählen etwa Global Compact, das World Economic Forum, die International Chamber of Commerce oder Transparency International.

Fazit: Für Raiffeisen Capital Management ist die Vermeidung von Korruption ein wesentliches Thema.

Auf Länder- wie auch auf Unternehmensebene werden eine Vielzahl von Emittenten oder Unternehmen von jeglichem Investment in Nachhaltigkeitsfonds ausgeschlossen.

Auf Unternehmensebene sind die Branchen Infrastruktur, Bauwesen und Pharma besonders betroffen. Länder mit einem Korruptionswahrnehmungsindex von unter 40 werden als inakzeptabel für Investitionen betrachtet.

Nachhaltigkeitsbewertung

Korruption ist auch für börsennotierte Unternehmen ein wichtiges Thema, eine Reihe von gelisteten Firmen hat auf die Herausforderungen der letzten Jahre mit verschärften Compliance-Strukturen und Antikorruptionsmaßnahmen reagiert. Transparenz gewinnt an den Börsen generell stets mehr an Bedeutung, auch der Gesetzgeber fordert von den Unternehmen die Veröffentlichung eines immer umfangreicheren Sets an über die rein finanzielle Dimension hinausgehenden Informationen.

Generell weisen börsennotierte Gesellschaften einen hohen Grad an Transparenz auf. Um Korruption so gut wie möglich zu vermeiden, starten Unternehmen bei der Einführung von Antikorruptionsmaßnahmen meist mit einer Risikoanalyse.

Neben einer Antikorruptionsstrategie werden einerseits Maßnahmen zur Prävention und andererseits Maßnahmen zur Reaktion auf Korruptionstatbestände gesetzt.

Zu den einfachsten risikoabsichernden Schritten zählen die Einführung eines Vier-Augen-Prinzips und die Sicherung größtmöglicher Transparenz in allen Entscheidungsprozessen. Große Bedeutung haben auch die Personalauswahl in Risikobereichen, Trainings zur Korruptionsvermeidung und regelmäßige Überprüfung der Antikorruptionsstrategien und Antikorruptionsmaßnahmen.

Wie bereits dargestellt, zählen Infrastruktur, Bau- und Gesundheitswesen bezüglich Korruption zu den besonders gefährdeten Sektoren. Die Hintergründe sind einerseits der Versuch, in sehr kompetitiven Märkten zum Zug zu kommen, und andererseits nicht immer transparente Entscheidungsstrukturen, die gleichzeitig große Auftragsvolumina oder Umsätze in einzelnen Produktsparten bewegen.

Im Zusammenhang mit dem Thema Korruption umfasst der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management einige der bedeutendsten Unternehmen der drei genannten Branchen.

  • Sehen Sie den Sektor, in dem Ihr Unternehmen tätig ist, generell als gefährdet an, was das Thema Korruption betrifft?
  • Hat sich das Umfeld für Korruption in den letzten Jahren spürbar verändert? Welche Entwicklungen in regulatorischen oder anderen Bereichen haben diese Veränderungen wesentlich beeinflusst?
  • Wie versucht Ihr Unternehmen, das Thema Korruption konkret zu adressieren?
  • Welche Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung wurden von Ihrem Unternehmen in den vergangenen Jahren gesetzt?
  • Mithilfe welcher internen Regelungen versucht Ihr Unternehmen, Korruption zu verhindern?
  • Welche Bedeutung messen Sie der Rolle der Whistleblower zu?
  • Gab es in Ihrem Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit Verstöße in Richtung Korruption?
  • Wie hat das Unternehmen auf diese Verstöße reagiert?

Der Tatbestand der Korruption ist bei den befragten Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Unternehmen wie Merck KGaA sehen Korruption sowohl als finanzielles als auch als Reputationsrisiko. Als Grund für den Rückgang wird insbesondere eine strengere Gesetzgebung, vor allem auch in den sich entwickelnden Volkswirtschaften, genannt. Zur Vermeidung von Korruption sind vor allem ein entsprechender Code of Conduct und andere vom Unternehmen beschlossene Grundsätze von Relevanz.

Derartige Grundsätze betreffen zum Beispiel eine strenge Richtlinie gegen Korruption, die Bestechlichkeit auf der Ebene des eigenen Unternehmens oder im Umgang mit Unternehmen, mit denen Geschäftskontakt besteht, regelt. Globale Compliance-Programme umfassen neben den bereits erwähnten Grundsätzen die Bereiche Training, Beratung, Monitoring und die Untersuchungen respektive Maßnahmen im Fall des Auftretens eines Problems.

Das spanische Bauunternehmen ACS will ab 2018 mit einem spanischen und einem internationalen Standard konform sein, es sind dies UNE 19601 (Zertifikat für Compliance im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften) und UNE-ISO 37001 (internationales Zertifikat für ein Managementsystem gegen Bestechung).

Novartis hat 2018 das neue „Values & Behaviors“-Regime eingeführt, das sich von der regelbasierten Entscheidung entfernt und in Richtung eines prinzipienbasierten Ansatzes geht. Fraport hat bereits 2002 seinen ersten Corporate-Governance-Code eingeführt und diesen mittlerweile laufend ergänzt und verbessert. Außerdem regeln zwei Codes of Conduct das Verhalten von Mitarbeitern und Lieferanten.

Das Thema Korruption sollte sich an möglichst prominenter Position in der Hierarchie wiederfinden. In diesem Sinn hat Novartis einen Chief Ethics & Compliance Officer etabliert. Trainingsprogramme für alle Mitarbeiter sind ein weiteres wichtiges Tool. Wesentliche Faktoren für deren Bewertung sind relevante Inhalte und die Höhe der Abschlussquote – bei Novartis liegt diese zwischen 97 % und 98 %. Fraport hat 2009 ein elektronisches Whistleblower-System eingeführt. Außerdem existiert eine „Ombudswoman“ in Form einer externen Rechtsanwältin.

Verstöße in der Vergangenheit müssen zu harten Konsequenzen führen. Auf der anderen Seite ist eine bedingungslose Zusammenarbeit mit den ermittelnden Behörden notwendig. Novartis hat seine Compliance-Struktur nach Korruptionsfällen in Korea völlig neu aufgestellt.

Politische Spannungen und Hochkonjunktur

Der positive Aktienausblick bleibt uns erhalten. Das liegt vor allem an der guten Wirtschaftserwartung. Für die Eurozone sehen wir das reale Wirtschaftswachstum bei 2,4 Prozent, die USA werden um 2,8 und die Schwellenländer sogar um knapp 6 Prozent wachsen. Diese Wirtschaftsdynamik hinterlässt Spuren bei den Unternehmensgewinnen. Sie können im globalen Schnitt heuer um 14 Prozent zulegen. Die Inflation wird im laufenden Jahr nur unwesentlich höher sein als im Vorjahr. Das erlaubt den Notenbanken, ihre Bremsmanöver gut zu dosieren, sodass die Finanzmärkte nicht beeinträchtigt werden. Insgesamt ist dies ein Umfeld, in dem Aktien und Renditen von Staatsanleihen steigen werden.

Dementsprechend wird die Übergewichtung in Aktien sowie auch die vorsichtige Haltung gegenüber Staatsanleihen beibehalten. Dabei bevorzugen wir Aktien aus der Eurozone. Doch bei all dem guten Wetter darf nicht vergessen werden, dass sich der Zyklus in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Dies ist beispielsweise an niedrigen Arbeitslosenraten und der Verflachung der US-Zinskurve abzulesen. Daher taucht immer öfter die Frage auf, wann der nächste zyklische Abschwung von Wirtschaft und Aktienmärkten bevorsteht. Auf Basis unserer aktuellen Einschätzung ist dies für das laufende und auch für das nächste Jahr unwahrscheinlich. Spürbar früher würde dieses Negativszenario eintreten, wenn die Inflationsraten stärker ansteigen als erwartet. Die Verschiebung der gesamten Zinskurve nach oben, inklusive einer restriktiveren Geldpolitik, würde zunächst die Aktienmärkte und in weiterer Folge die Wirtschaft belasten. Aber so weit sind wir noch nicht.

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Aktien – Politische Spannungen und Hochkonjunktur

Aktuell bietet sich ein, im Vergleich zu den letzten Jahren, ungewohntes Bild: nach nunmehr vier Monaten liegen die Hauptmärkte im Minus oder um die Null-Linie. Vor dem Hintergrund einer hervorragenden Konjunkturlage klingt das überraschend. Diese Entwicklung bestätigt jedoch nur, dass Aktien und Wirtschaft nicht immer im Gleichschritt laufen.

Im April holten einige Märkte kräftig auf, allen voran Europa inklusive UK. Hier gab es auch einiges Aufholpotenzial. Im Gegensatz zu Europa verlief die Entwicklung des Leitmarkts USA im Monat April hingegen bloß seitwärts.

Der immer wieder im Raum stehende US-Handelskrieg geht nicht spurlos an den Märkten vorbei. In den letzten sechs Wochen bekamen das nahezu alle Regionen der Emerging Markets zu spüren: ganz besonders China und damit Asien sowie Russland und damit Osteuropa. Wobei sich der russische Aktienmarkt wieder rasch erholen konnte.

Wie schon eingangs erwähnt: die fundamentalen Grundlagen für gute Aktienmärkte sind weiter gegeben.

Aktien USA und Europa – Holt Europa endlich auf?

In den letzten zehn Jahren gab es kaum einen stabileren Trend als die vergleichsweise schlechte Wertentwicklung von europäischen Aktien gegenüber US-Aktien (ohne Währungseinflüsse). In den letzten zwölf Monaten war diese Tendenz besonders ausgeprägt. Seit März scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Endlich schaffen es die heimischen Aktien, sich besser zu entwickeln als die US-Kollegen. Wird sich ein neuer Trend ausbilden, werden es europäische Aktien endlich schaffen, nachhaltig aufzuholen?

Unsere Einschätzung ist ein klares Ja! Sowohl in der Taktischen Asset-Allocation, als auch in der Strategischen Asset-Allocation werden Euro-Aktien bevorzugt. Einer der Hauptgründe ist die Bewertung – europäische Aktien sind spürbar billiger. Aber auch die gute Wirtschaftsentwicklung sowie die nach wie vor lockere Geldpolitik sprechen für den alten Kontinent. Schließlich dürfte die Schwäche des US-Dollars zumindest auf absehbare Zeit vorbei sein.

Emerging Markets – Aktien und Anleihen

Emerging-Market-Aktien haben sich zuletzt nicht gerade lehrbuchgemäß verhalten. Im Zuge der Aktienkorrektur haben sie sich vergleichsweise gut gehalten, in der Erholung sind sie aber zurückgeblieben. Dafür gibt es zwei Begründungen: zum einen das zwischenzeitliche Hochkochen des Handelskonflikts zwischen den USA und China und zum anderen die Anstiege bei den US-Renditen über die Schwelle von drei Prozent. Ausgehend von der Erwartung, dass weder das politische Risiko noch der Renditeanstieg ausgestanden sind, könnten EM-Aktien weiterhin unter Druck stehen. Schwellenländer-Anleihen, die in Hartwährungen begeben wurden, konnten sich zuletzt dem Rendite-Aufwärtsdruck aus den USA nicht entziehen. Auch ihre Risikoaufschläge litten unter den vornehmlich US-induzierten handelspolitischen Themen. Besser konnten sich die Renditen von Lokalwährungsanleihen halten. Diese haben aber noch damit zu tun, die jüngste Stärke des US-Dollars zu verdauen.

In den ersten Monaten des Jahres hat sich eine durchaus ungewöhnliche Konstellation ergeben

Die Korrektur an den Aktienmärkten hatte vor allem in den USA nur vorübergehend eine dämpfende Wirkung auf den Renditeauftrieb. Mittlerweile haben zehnjährige Treasuries die Drei-Prozent-Marke erreicht, parallel zur Konjunkturlage mit Rekordbeschäftigung und leicht steigender Inflationserwartung. Von den entwickelten Anleihemärkten ist der US-Markt damit jener, in dem der Anstieg der Renditen heuer am stärksten ausgefallen ist. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Serie der US-Leitzinserhöhungen ihr Ende noch nicht erreicht hat. 2018 werden noch zwei bis drei Schritte folgen.

Von den steigenden US-Renditen werden allerdings die Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern negativ beeinflusst. In der Eurozone sind im „Kern“ steigende Renditen zu beobachten, während die „Peripherie“ sinkende Renditen verzeichnet.

Bei den Unternehmensanleihen hat seit Anfang Februar eine spürbare Ausweitung der Risikoaufschläge eingesetzt. Im April hat sich der Markt wieder stabilisiert.

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Geld-/Kapitalmarkt – Flirt mit der Drei-Prozent-Marke

Alles dreht sich um die Drei-Prozent-Marke. Und nein, damit sind leider nicht die Sparbuchzinsen in Österreich gemeint. Davon sind wir weit entfernt und werden es auch noch für lange Zeit sein. Denn die Europäische Zentralbank wird auch heuer die Zinsen nicht anheben, sondern erst einmal ihre Käufe von Anleihen beenden. Die oben erwähnte Signalzahl bezieht sich auf die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen. Warum ist gerade dieser Wert so relevant? Einerseits ist es die Magie der runden Zahl – also ein rein psychologisches Thema. Andererseits wird der Drei-Prozent-Marke aus charttechnischer Sicht hohe Bedeutung beigemessen. Denn bei einem Überschreiten dieser Grenze ist der Abwärtstrend der Renditen, der Anfang der 80er Jahre begonnen hat, zu Ende.

Außerdem bleibt immer noch die naheliegendste Interpretation: steigende Renditen sind ein Zeichen guter Wirtschaftsentwicklung bei leicht steigender Inflation. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Staats- und Unternehmensanleihen – Höhere Renditen erwartet

In den ersten Monaten des Jahres hat sich die durchaus ungewöhnliche Konstellation ergeben, dass die Renditen in Deutschland und anderen Kernländern gestiegen sind, während sie in der Peripherie niedriger notieren. Besonders überraschend ist dies, angesichts der politischen Unsicherheiten, für Italien. Hier besteht nach unserer Einschätzung das Potenzial für eine Korrektur.

Aber auch andere Segmente des Euro-Anleihemarktes werden in den nächsten Monaten mit steigenden Renditen konfrontiert sein. Für die Referenzgröße Deutschland geht die Reise in Richtung ein Prozent für die 10-jährigen Papiere.

Für Euro-Unternehmensanleihen kommt noch eine leichte Ausweitung der Risikoaufschläge (Spreads) hinzu. Begründet ist die Entwicklung durch eine gute Wirtschaftsentwicklung, leicht steigende Inflationsraten und das Ende der Anleihekäufe durch die EZB. Letztere haben vor allem in den Jahren 2016 und 2017 zu einem starken Einlaufen der Länder- und Credit-Spreads geführt.

Erste Anzeichen einer Bodenbildung sind vorhanden

Nach der mittlerweile sechsten Leitzinserhöhung der US-Notenbank innerhalb der letzten Jahre, ist die Zinswende in den USA manifest. Rekordbeschäftigung und leicht steigende Inflationserwartung sind die konjunkturellen Grundlagen dazu.

Im Jänner zogen die Renditen langlaufender Anleihen sowohl in den USA als auch in Europa deutlich an, seither beruhigt sich die Lage wieder. Die Korrektur an den Aktienmärkten hat zwar keine Gegenbewegung an den Rentenmärkten ausgelöst, wirkt aber wohl dämpfend auf einen weiteren Renditeanstieg.

Doch die Kette der US-Leitzinserhöhungen hat ihr Ende noch nicht erreicht. Heuer sollen noch 2 bis 3 Schritte folgen und auch 2019 stehen weitere Schritte an – dann auch in Europa? In der Eurozone schneidet die europäische Peripherie (z.B. Italien, Spanien und Portugal) – teilweise unterstützt durch Rating-Verbesserungen – nach wie vor sehr gut ab. Aber selbst die deutschen Bundesanleihen als europäische Benchmark hielten sich gut.

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(Fast) alles dreht sich um die Politik der USA

Die guten Wirtschaftsdaten lassen die Marktteilnehmer eine steigende Inflation und entsprechend restriktivere Zentralbankenentscheidungen befürchten. Das führt – insbesondere in den USA – zu steigenden kurzfristigen Zinsen. Die aktuelle Diskussion dreht sich um die Frage, wie viele Zinsschritte (2 oder 3) nach der Leitzinsanhebung im März heuer noch folgen, und wie viele es 2019 sein werden.

Auch in Europa bringt das deutlich kommunizierte Ende des Anleihekaufprogramms der EZB viele Marktteilnehmer zum Nachdenken. Hier ist mit Leitzinsmaßnahmen erst ab Mitte 2019 zu rechnen. Zusammen mit der Angst vor einem US-Handelskrieg führte das allerdings zu einem Drehen des Risiko-Sentiments und zum Absinken der Renditen länger laufender Staatsanleihen. Insgesamt sehen wir in Inflation und Reaktion der Zentralbanken die treibenden Kräfte für die globalen Anleihemärkte. Deren Ausstrahlung auf riskantere Anleiheklassen stimmt uns vorsichtig.

Staats- und Unternehmensanleihen – Boden gefunden?

In den Turbulenzen seit Februar blieben die absoluten Renditen von Unternehmensanleihen unterschiedlicher Bonitäten und Märkte stabil. Da allerdings jene der „sicheren" Staatsanleihen deutlich einliefen, kam es zu einer deutlichen Ausweitung der Risikoaufschläge. Das langjährige Sinken der Rendite-Risikoprämien (Spreads) von Unternehmensanleihen aller Bonitätsbereiche scheint vorerst ein Ende gefunden zu haben. Doch mit dem sehr guten Wirtschaftsausblick wurden die zukünftige Inflationsentwicklung und die möglicherweise restriktive Reaktion der Zentralbanken von den Marktteilnehmern wieder stärker thematisiert. Erste Anzeichen einer Bodenbildung sind vorhanden. Nun wird sich zeigen, wie stark und wie rasch sich die „Jagd nach Rendite" der letzten Jahre in eine „Flucht vor Spread" umkehren wird.

Unsere Ausrichtung – Übergewicht in inflationsindexierten Anleihen, gegenüber Unternehmenstitel – halten wir weiter aufrecht.

Tieferen Kurse eine gute Gelegenheit, um Aktien zuzukaufen

Das erste Quartal 2018 brachte an den meisten Aktienmärkten Rückgänge. Insgesamt ist die Korrektur für das Vierteljahr zwar moderat ausgefallen (S&P 500: -1,2 %, Euro Stoxx 50: -3,0 %), zwischenzeitlich gab es aber massive Schwankungen. Auch Dollar, Unternehmensanleihen und Rohstoffe haben an Wert verloren. Lediglich Euro-Staatsanleihen konnten in den ersten drei Monaten des Jahres eine positive Wertentwicklung abliefern.

Doch zurück zu den Aktien: als Auslöser für die Korrektur werden Inflationsängste und steigende Zinsen genannt. Diese Begründungen halten einer genaueren Analyse jedoch nicht stand. Viel wahrscheinlicher liegt die Ursache für den Rückschlag in einer zuvor übermäßig optimistischen Stimmung mit entsprechendem Anlegerverhalten. Schön abzulesen ist dies an einigen Internetaktien, die allein in den ersten Tagen des Jahres um bis zu 50 % gestiegen sind. Der Markt war also heiß gelaufen und brauchte eine Abkühlung.

Diese Abkühlung ist nun zweifellos eingetreten. Die Aktienkurse sind durchschnittlich um rund 10 % zurückgegangen. Der CBOE Volatility Index (VIX) und andere Stimmungsindikatoren haben sich normalisiert. Der Ausblick bleibt unverändert positiv, was vor allem durch weiterhin gute Fundamentaldaten begründet wird. Folgerichtig sind die tieferen Kurse eine gute Gelegenheit, um Aktien zuzukaufen. In unserer Taktischen Asset-Allocation wird die Übergewichtung daher um einen Schritt auf zwei Schritte erhöht.

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Marktumfeld Aktien – Rückschläge am Ende des ersten Quartals

Auf ersten Blick war das kein gutes erstes Quartal 2018. Die starken Zuwächse vom Jänner sind nun weitgehend verpufft und die Märkte schlagen wieder kurvigere Pfade ein. Die Volatilität hat sich normalisiert und die Märkte sind wieder sensibler für negative Meldungen geworden. Zuletzt war eine solche ein möglicher Handelskrieg, ausgelöst durch die Trump-Regierung. Die Leitzinserhöhung und der Ausblick auf weitere Zinsschritte hatten weniger Auswirkungen, trugen aber auch nicht zur Erhellung bei. Relativ gut – obwohl zuletzt auch Asien bzw. China Rückschläge hinnehmen mussten – schneiden weiterhin die Emerging Markets ab, allen voran Länder mit Aufholpotenzial aus dem Vorjahr, wie z.B. Russland.

Die am stärksten von der Korrektur betroffene Region bleibt Europa. Hier wirkt nicht zuletzt der starke Euro belastend. Die fundamentalen Grundlagen für feste Aktienmärkte, vor allem Wirtschaftswachstum und Gewinnentwicklung, gibt es weiterhin.

Ausblick Aktien USA und Europa – Deutliche Gewinnzuwächse der Unternehmen

Die noch zu Jahresbeginn wohl überhitzte Anlegerstimmung hat sich zuletzt abgekühlt. Noch ist keine „Risk-Off-Stimmung“, also eine Flucht in „sichere“ Anlageformen, auszumachen. Doch die Volatilität ist wohl gekommen, um zu bleiben, was historisch durchaus der Normalität entspräche. Eine Rückkehr zur extrem geringen Schwankungsbreite wie im Vorjahr gilt als unwahrscheinlich.

Die Unternehmensebene stellt sich weiterhin sehr positiv dar, zumal die börsennotierten Unternehmen derzeit in allen Regionen deutliche Gewinnzuwächse aufweisen. Das aktuelle Gewinnwachstum auf 12 Monate beträgt in den USA 14 % und in Europa circa 50 %, was insbesondere auf Basiseffekte bei zyklischen Sektoren zurückzuführen ist. Der Ausblick auf die nächsten Quartale ist für das US-Gewinnwachstum durch die Steuerreform sehr vielversprechend, während sich in Europa die Zuwachsraten wieder abschwächen. Wir haben die jüngste Marktkorrektur genutzt, um die Aktiengewichtung zu erhöhen, zumal die fundamentalen Rahmenbedingungen aus unserer Sicht weiter positiv sind.

Ausblick Emerging Markets – Ungebrochen attraktiv

Absolut gesehen waren auch die Emerging-Market-Aktien im ersten Quartal deutlich unter Druck. Bemerkenswert ist jedoch die vergleichsweise bessere Entwicklung gegenüber den Leitmärkten, und nicht wie sonst in derartigen Phasen üblich, eine „Underperformance“ der Emerging Markets.

Die Bewertung in den verschiedenen Regionen ist zwar angestiegen, bleibt aber im Vergleich zum US-Aktienmarkt weiterhin verhalten. Die mit größtem Abstand niedrigste Bewertung ist in der Region Osteuropa zu finden, was wohl mit der politischen Unsicherheit zusammenhängt (Stichwort Russland). Die aktuelle Handelskriegsthematik scheint die Emerging Markets im Aggregat aber weniger zu belasten als die US-Aktien.

Nach wie vor schätzen wir Aktien aus den Emerging Markets positiv ein und sind dementsprechend positioniert. Schwellenländer-Anleihen, vor allem in Lokalwährung, zeigten sich robust, obwohl gerade sie im Fokus der Handelserschwernisse (aktuelle NAFTA-Diskussion) liegen sollten. Auch hier weiten sich Spreads leicht aus.

Fundamentaldaten unverändert positiv

Das aktuelle märkte | unteruns von Raiffeisen Capital Management erscheint unter dem Eindruck der stärksten Korrektur seit zwei Jahren. Doch gerade in volatilen Zeiten ist es wichtig, den Blick fürs Wesentliche zu bewahren.

Für den mittelfristigen Ausblick sind vor allem die Fundamentaldaten (Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne) als Treiber für die Marktentwicklung relevant. Diese sind unverändert positiv, weshalb wir an der Übergewichtung von Aktien festhalten. Die Abkühlung der zuvor überhitzten Anlegerstimmung und die Normalisierung einiger „überkaufter“ Kapitalmarktindikatoren sehen wir positiv. Die Übergewichtung wird unverändert durch Aktien aus der Eurozone umgesetzt, da hier nach der schwachen Entwicklung der letzten Monate Aufholpotenzial besteht. Anleihenseitig werden nach wie vor Inflation-Linker favorisiert.

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Aktien – Märkte nehmen wieder Fahrt auf

Nach den starken Gewinnen 2017 sah es anfangs so aus, als könne dieses Tempo auch im neuen Jahr gehalten werden. Doch nach drei starken Wochen im Jänner folgte die heftige Korrektur in der ersten Februarwoche. In Anlehnung an den Schwarzen Montag im Jahr 1987 wurde bereits der Begriff „Grauer Montag“ bemüht. Der Dow Jones hatte zwar den höchsten Tagespunkteverlust seiner Geschichte zu verzeichnen, doch minus 4,5 % sind noch kein Crash.

Drei Wochen später ist wieder Normalität eingekehrt, die Aktienvolatilität hat sich normalisiert und die US-Indizes notieren seit Jahresbeginn wieder im Plus. Die Gewinner in dieser Marktphase waren die Emerging Markets, allen voran Länder mit Aufholpotenzial aus dem Vorjahr (z.B. Russland). Aktueller Verlierer, so man das in der Kürze behaupten kann, ist Europa. Hier wirkt nicht zuletzt auch der starke Euro belastend. Die fundamentalen Grundlagen für feste Aktienmärkte, vor allem Wirtschaftswachstum und Gewinnentwicklung, sind generell weiter gegeben.

Aktien USA und Europa – Erholung nach Korrektur

Im Februar haben die globalen Aktienmärkte deutlich korrigiert. Als Auslöser werden steigende Inflationszahlen und Anleiherenditen genannt. Diese Korrektur hat gleichzeitig zu einem deutlichen Anstieg bei den impliziten Volatilitäten (VIX Index, siehe Grafik) geführt und damit einige Investoren am falschen Fuß erwischt, die auf eine weiterhin niedrige Volatilität gesetzt haben. Innerhalb der Sektoren setzt sich die Outperformance der eher zyklischen Branchen fort. Dies ist auch damit zu erklären, dass defensive Sektoren, die einen stärken Konnex zu Anleiherenditen zeigen, momentan einen schweren Stand haben. Nach wie vor verzeichnen börsennotierte Unternehmen sehr deutliche Gewinnzuwächse. Das aktuelle Gewinnwachstum auf 12 Monate beträgt in den USA 13 % und in Europa fast 50 %, was nicht zuletzt auf Basiseffekte bei zyklischen Sektoren zurückzuführen ist. Auch der Ausblick auf die nächsten Quartale ist insbesondere für das US-Gewinnwachstum durch die Steuerreform sehr vielversprechend, während sich in Europa die Zuwachsraten wieder abschwächen werden.

Emerging Markets – auch 2018 attraktiv

Im letzten Monat wurden auch die Emerging-Market-Aktien durchgeschüttelt. Interessant war, dass dabei keine, sonst in derartigen Phasen übliche, Underperformance feststellbar war. Ganz im Gegenteil: die starke relative Entwicklung blieb weiter intakt. Auch wir schätzen Aktien aus den Emerging Markets nach wie vor positiv ein und sind dementsprechend positioniert.

Das Gewinnwachstum der Unternehmen in diesen Ländern liegt über demjenigen in den entwickelten Märkten und sollte von den unverändert freundlichen Rohstoffmärkten weiter unterstützt werden. Die Bewertung der Märkte ist ebenfalls noch attraktiv, auch wenn keine echten Schnäppchenpreise mehr zu finden sind.

Schlussendlich wird unsere Einschätzung von anderen Investoren geteilt. Der relative Performance-Chart der Emerging Markets gegenüber den entwickelten Märkten befindet sich weiterhin in einem nach oben gerichteten Trend.

Investieren in die "Fabrik der Zukunft"

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Auf die großen Industrierevolutionen Mechanisierung, Elektrifizierung, Automatisierung folgt nun mit der Vernetzung die vierte große industrielle Revolution (Industrie 4.0). In der Fabrik der Zukunft werden somit einzelne Prozesse und Anlagen vernetzt und stehen in ständiger Kommunikation miteinander. Vereinfacht gesagt: die Verbindung fortgeschrittener Industrieautomatisierung mit dem Internet der Dinge. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien investiert u.a. in Unternehmen, die bei dieser Revolution federführend mit dabei sind und daher Zukunftsfähigkeit und Wachstum versprechen.

Die Fabrik der Zukunft ist die Vision einer flexiblen, intelligenten und selbstlernenden Fabrik mit sehr hohem Automatisierungsgrad und ressourcenschonender Produktion, die die Vernetzung aller Bestandteile voraussetzt. Wichtige Charakteristika sind zum Beispiel die Verbreitung neuer Technologien, wie der 3D-Druck für Werkzeuge und Kompenenten, der großflächige Einsatz von Robotern, die mit Menschen zusammenarbeiten, maschinelles Sehen, Erkennen und Lernen oder auch Lagerautomatisierung. An allen wichtigen Schnittstellen sammeln Sensoren große Mengen an Daten, die kumuliert und analysiert werden, um zeitnah Rückmeldungen in den Entwicklungs- oder Produktionsprozess einzuspeisen. Die Komplexität der Software nimmt stetig zu, die Steuerung und Kontrolle der Fertigung wird sich schrittweise von der Hardware in Richtung immer höherer Software-Ebenen verschieben. Die Treiber hinter diesen Entwicklungen sind vielfältig. Zum einen führt die zunehmende Kundenzentrierung zu einem gesteigerten Bedürfnis nach Flexibilität und Individualisierung der Massenfertigung. Zum anderen müssen neue Wege gefunden werden, um die Produktivität und Effizienz zu verbessern. 

Vernetzung betrieblicher Einheiten mittels intelligenter Systeme

Das Industrielle Internet der Dinge (IIoT, Industrial Internet of Things) stellt die genannte Vernetzung der betrieblichen Einheiten mittels intelligenter Systeme und flexibler Produktionstechniken dar. Ein zentraler Bestandteil davon ist das sogenannte Product Lifecycle Management (PLM), durch das die optimale Produkteffizienz über den gesamten Lebenszyklus, von der Entwicklung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung, ermöglicht wird. Die Verbreitung des Konzepts Industrie 4.0 wird zum einen durch den großflächigen Software-Einsatz ermöglicht. Zum anderen ist die Verbreitung von Cloud-Lösungen eine ebenso wichtige Voraussetzung. Diese ermöglicht es, kostengünstig große Datenmengen zu speichern und zu analysieren. Die Verarbeitung und Entscheidungsfindung findet nicht mehr dezentral statt (bei jeder einzelnen Anlage/jedem Fertigungsschritt), sondern wird in der Cloud zentralisiert. Mit flächendeckender Ausbreitung der nächsten Mobilfunkgeneration (5G) wird auch das derzeit noch mancherorts auftretende Problem der Verzögerung beim Datentransfer der Vergangenheit angehören. Unternehmen, die schon frühzeitig über ein umfassendes digitales Angebot verfügen, können so den Markt stark prägen und ihre Positionierung durch den First-Mover-Vorteil zementieren. Im Bereich Automatisierung bzw. Robotik eröffnen neue technologische Entwicklungen (Griff-in-die-Kiste, Handhabung besonders kleiner Teile etc.) derzeit noch nicht erschlossene Einsatzmöglichkeiten, auch innerhalb des Industriesektors selbst.

Logistik 4.0 – effizientes Beschaffungs- und Lagersystem

Auch auf den Bereich Logistik kommen weitreichende Änderungen auf Unternehmen zu. In Teilbereichen haben sich Lösungen schon jetzt durchgesetzt (automatische Förderzeuge, Fließbänder, Sortiermaschinen). Andere Einrichtungen wie automatische Regalsysteme, der Einsatz von Datenbrillen oder Drohnen (z. B. für eine laufende Inventur) sind derzeit noch nicht breitflächig etabliert. Die Entwicklung Richtung Logistik 4.0 ist zu einem notwendigen Wettbewerbsfaktor geworden. 

Investitionen in die Fabrik der Zukunft: Raiffeisen-MegaTrends-Aktien

Investitionsmöglichkeiten, die sich für den Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ableiten lassen, betreffen das Industrielle Internet der Dinge, Automatisierung und Robotik sowie Logistik. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien hält derzeit rund 20 Titel, die diese Bereiche abdecken. Die Bedeutung der Vernetzung einzelner Geräte sowie des Einsatzes von Software spiegelt sich auch in der Sektorallokation der ausgewählten Titel wider, die mehrheitlich im IT-Bereich angesiedelt sind. Der Investitionsbereich Industrielles Internet der Dinge wird zum Beispiel von Industrie-Konglomeraten wie Siemens und General Electric abgedeckt, die beide federführend in der Entwicklung entsprechender Plattformen sind und ganzheitliche Lösungen anbieten. Die Unternehmen Nidec, Fanuc und Keyence sind Marktführer im Bereich der Industrieroboter. Kühne + Nagel hat als Logistik-Unternehmen sehr früh das Thema Digitalisierung aufgegriffen und in ein umfassendes Produktangebot einfliessen lassen. Die Produkte von Taiwan Semiconductor finden unter anderem bei Drohnen Verwendung.


Zum Fondsmanager
Günther Schmitt, Senior Fondsmanager
Günther Schmitt ist seit 2006 im Fondsmanagement, Abteilung Aktien Entwickelte Märkte, tätig. Sein Aufgabengebiet umfasst neben dem heimischen Markt auch das Management globaler Aktien. Im Jänner 2014 übernahm er das  Managmenet des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien. Die Ausbildung von Günther Schmitt umfasst einen Abschluss in Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie den Lehrgang für Finanzanalysten der ÖVFA.

Kontakt:
Oliver Müller, Senior Institutional Sales Manager, Raiffeisen Kapitalanlage GmbH
Niederlassung Deutschland
Wiesenhüttenplatz 26
D-60329 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0) 162 2038883
E-Mail: oliver.mueller@rcm.at
www.rcm-international.com/de

Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten.

Die veröffentlichten Prospekte bzw. die Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG sowie die Kundeninformationsdokumente (Wesentliche Anlegerinformationen) des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien stehen unter www.raiffeisen-salzburg-invest.com sowie bei der Raifeisen Kapaitalanlage GmbH, Zweigstelle Deutschland, Wiesenhüttenplatz 26, 60329 Frankfurt am Main,  in deutscher Sprache zur Verfügung.

Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien weist eine erhöhte Volatilität auf, d.h. die Anteilswerte sind auch innerhalb kurzer Zeiträume großen Schwankungen nach oben und nach unten ausgesetzt, wobei auch Kapitalverluste nicht ausgeschlossen werden können.

Das ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, Mooslackengasse 12, 1190 Wien. Die Inhalte dieser Unterlage stellen weder ein Angebot, eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung noch eine Anlageanalyse dar.
Stand: März 2018

Drei der vier Kategorien versprechen eine positive Marktentwicklung

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rück­schlag ist in den letzten Tagen die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Als Begründungen werden steigende Inflationsgefahren und höhere Zinsen angeführt, so Raiffeisen Capital Management. Beides ist im Konjunktur­zyklus aber ganz normal. Nichtsdestotrotz fragen sich viele Anleger: muss ich jetzt raus aus den Aktien? Betrachten wir nüchtern die Evidenz. Diese wird im Prozess der Taktischen Asset­-Allocation durch Indikatoren in vier Kategorien dargestellt:

  • Makro: Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets zeigen positive Wachstumsaussichten. Die veröffentlichten Konjunktur­daten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam.
  • Mikro: Realisierte und erwartete Gewinne liegen seit Monaten im stabil positiven Trend. Die Gewinnrevisionen sind zuversichtlich.
  • Sentiment: Diverse Stimmungsindikatoren haben vor der Korrektur Höchststände erreicht, das Sentiment war überhitzt. Die jüngste Kor­rektur sorgt für eine willkommene Abkühlung.
  • Technik: Bestehende Aufwärtstrends wurden noch im Jänner bestätigt, die Rückgänge zuletzt sind noch nicht Besorgnis erregend.

Jede Kate­gorie wird nun nach ihrem Einfluss auf die Marktentwicklung beurteilt. Dabei zeigt sich, dass drei der vier Kategorien eine positive Marktentwicklung versprechen. Dadurch ergibt sich eine Übergewichtung von Aktien. Zugekauft werden Euro­-Aktien, weil diese zuletzt währungsbedingt verhältnismäßig schwach waren und Aufholpotenzial haben. Die bis dato bestehende Position Rohstoffe gegen Anleihen wird geschlossen.

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Anleihen

Das Jahr 2017 verlief für Anleihe-Investoren überraschend gut. Die befürchtete Zinswende blieb aus. Im Gegenteil, die EZB halt weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Ein allmähliches Auslaufen gegen Jahresende 2018 steht jedoch im Raum. Auch die Zinsschritte der US-Notenbank FED folgen einem kalkulierbaren Pfad. So entstehen keine unnötigen Marktirritationen.

Profiteure der Lage sind nach wie vor die Märkte mit Risikoprämien (Spread­Märkte). Dies betrifft die europäische Peripherie bei Staatsanleihen und ganz besonders Unternehmens-­ und Hochzinsanleihen (High Yield), sowie nicht zuletzt die Emerging Markets, insbesondere bei Absicherung des Dollar­-Wechselkurs­-Risikos. Denn der starke Euro machte 2017 einen Strich durch die Rechnung von Euro­-Investoren und ließ Fremdwährungserträge weg­schmelzen. Der – in der Lokalwährung Dollar – generell sehr gute US­-Markt liegt folglich in Euro deutlich im Minus. Dieses Bild setzte sich im Jänner 2018 fort: weiter ein steigender Euro und Einengung der Zinsabstände der Spread­-Märkte.

Aktien

Wie in den Jahren zuvor und mit nur wenigen Ausnahmen waren die Aktienmärkte 2017 die Gewinner des Jahres. Sie kamen Ende August, nach einem kleinen Sommerloch, wieder in Fahrt und konnten das Tempo auch im Jänner 2018 halten. Die Konjunkturdaten zeichnen allesamt ein positives Bild, jüngste Industrie­- und Verbraucherdaten erreichen die höchsten Werte seit Jahren und wirken weiter unterstützend.

Der Leitmarkt USA (Dow Jones, S&P 500, NASDAQ) brachte 2017 unzählige „all-time-highs“ hervor, eine Entwicklung, die beinahe zur Gewohnheit wird. Allerdings wirkte die erneute Stärke des Euros abschwächend auf die US­-amerikanischen und globalen Aktienerträge.

An der Spitze der Performance-­Skala liegen die Aktienmärkte der Emerging Markets – trotz leichtem Gegenwind durch den starken Euro. Es gab nur sehr wenige negative Ausreißer, wie etwa Russland.

Inmitten der Spitzenreiter befindet sich der österreichische ATX, der von zahlreichen Investoren aufgrund seiner Emerging Markets-­Komponente (Osteuropa) wieder geschätzt wird.

Währungen und Rohstoffe

2017 gab es die Wende in der EUR/USD­-Entwicklung. Genau zum Jahreswechsel endete eine langjährige Dollar­-Hausse und kehrte sich rasch in eine globale Euro­-Stärke. Bei etwa 1,20 USD hat der Euro den Durchschnittswert seit seiner Einführung 1999 wieder erreicht. Ein „fairer Wert“ nach Kaufkraftparität dürfte bei etwa 1,25 liegen. Der Euro war 2017 die global stärkste Währung. Der Eindruck eines starken Euros setzte sich auch im Jänner 2018 fort.

Dies waren schlechte Nachrichten für Euro-­basierte Fremdwährungsinvestoren. Besser lief es zuletzt bei den Rohstoffen. Nach einem, insbesondere im Energiesektor, sehr schwachen ersten Halbjahr 2017, konnten Rohstoffe in den letzten Monaten deutlich zu­ legen. Global positive Konjunkturdaten und eine gute Nachfrage sorgten in Kombination mit Disziplin auf der Angebotsseite für Unterstützung bei den Preisen.

So konnten die Energie­Rohstoffe seit Juni 2017 wieder kontinuierlich aufholen – auch in Euro! 

Korrektur an vielen Börsen – Fundamentaldaten aber intakt

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rückschlag ist gestern (5. Februar) die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Das Ausmaß der Verluste war dann doch überraschend und kann zum Teil durch technische Aspekte (Auflösung von Short- Volatilitäts-Strategien) erklärt werden. Der Dow Jones Industrial sackte streckenweise unter 24.000 Punkte ab. Die bisherigen Jahresgewinne für 2018 wurden innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht, ebenso wie die Gewinne im Dezember 2017. Gleichzeitig sprang das „Angstbarometer“ (VIX-Index), das die erwarteten Kursschwankungen des S&P 500 misst, um fast 100 % nach oben. Das letzte Mal, als der Volatilitätsindex derart markant ausgeschlagen hat, war China der Auslöser für einen Ausverkauf an den Börsen. Dieses Mal sind Befürchtungen um einen beschleunigten Zinsanhebungszyklus in den USA mit ein Grund für die steigende Nervosität. Mit einem Minus von 4,6 % ging die weltweit wichtigste Börse aus dem Handel.

Kurseinbruch auch an asiatischen Leitbörsen – Emerging Markets weniger stark betroffen

Nach dem Einbruch des Dow Jones sackten auch die asiatischen Börsen ins Minus. Am deutlichsten gab der japanische Nikkei-Index nach – er verliert im Tagesverlauf rund 5 % – aber auch die Börsen in Australien und Südkorea sind von deutlichen Verlusten betroffen. Die Emerging Markets konnten sich in diesem Umfeld überraschend gut schlagen: Einige der großen Börsen – wie etwa Moskau oder Shanghai – sind seit Jahresbeginn sogar noch im Plus. Was beachtlich ist, denn gerade diese Börsen sind meist besonders „störungsanfällig“, wenn es an den großen Leitbörsen zu umfangreicheren Korrekturen kommt.

Europa folgt im Frühhandel dem Trend

Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen sowie in Asien haben heute (6. Februar) auch die europäischen Aktienmärkte mit Kursverlusten reagiert. Der DAX und andere wichtige europäische Indizes – unter anderem auch der Leitindex der Eurozone (der Euro-Stoxx-50) – zeigten sich unter Druck. Die Wiener Börse musste zum Handelsstart massive Abschläge in Kauf nehmen: Der Leitindex ATX rutschte im Einklang mit dem europäischen Umfeld um rund 5 % ab.

Anleihen: Liquide Staatsanleihemärkte profitieren von Risikoszenario

An den Anleihemärkten profitieren liquide Staatsanleihemärkte von den aktuellen Marktgeschehnissen. Bei den Spreadmärkten kommt es im Einklang mit den Aktien zu Gewinnmitnahmen.

Korrektur überfällig – Fundamentaldaten global mehr als intakt

Für langfristig denkende Anleger war diese Korrektur schon mehr als überfällig. Kursgewinne von rund 5 % und darüber hinaus bei den Leitindizes wie Dow Jones, Nasdaq und DAX seit Jahresanfang und davor eine jahrelang andauernde Aufwärtsphase zeigten, dass es höchste Zeit für eine Gegenbewegung war. Gerade in den USA sind in den vergangenen Monaten die Aktienbewertungen nochmals besonders stark gestiegen. Eine Korrektur war deshalb nötig. Am guten Zustand der Unternehmen ändert diese Korrektur, bei der viele Anleger Gewinne mitgenommen haben, nichts. Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets weisen positive Wachstumsaussichten auf. Sogar eine Verbesserung gegenüber 2017 wird erwartet. Die veröffentlichten Konjunkturdaten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam an und die Arbeitslosigkeit geht in vielen Ländern deutlich zurück. Auch die Unternehmen selbst sind in sehr gutem Zustand: Realisierte und erwartete Gewinne weisen seit Monaten einen stabil positiven Trend auf. Die Gewinnrevisionen sind ebenfalls positiv.

Raiffeisen Capital Management sieht die aktuelle Korrektur daher als gesunden Prozess innerhalb einer grundsätzlich positiven Entwicklung und wird – nach einer Phase der Bodenbildung, die sich vermutlich über die nächsten Wochen ziehen wird – die sich bietenden Gelegenheiten nutzen. Die starken Ausschläge sind für Investmentprofis jedenfalls kein Grund zur Panik.

Government Shutdown nur erneut verschoben

Jörg Angelé, RBI Wien, zu den US-Rentenmärkten.

In der Woche nach Weihnachten werden in den USA eine Handvoll Konjunkturdaten veröffentlicht. Von Interesse sind dabei im Wesentlichen das Conference Board Verbrauchervertrauen (Mi) und der Chicago PMI (Do). Beim Verbrauchervertrauen rechnen wir mit einem leichten Rückgang. Mit den von uns erwarteten 127,0 Punkten läge das Stimmungsbarometer aber noch immer näher bei seinem Allzeithoch als beim historischen Durchschnitt von 94 Punkten. Beim Chicago PMI rechnen wir mit einem neuerlichen Rückgang.

In der ersten Woche des neuen Jahres stehen mit dem Arbeitsmarktbericht (Fr) und dem ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe (Mi) gleich zwei Datenhighlights des Monats an. Was die Beschäftigungsentwicklung im Dezember angeht sind wir deutlich optimistischer als der Konsens. Wir rechnen mit einer Zunahme der Beschäftigung um 225.000, der Konsens geht von 185.000 aus. Nach zwei Monaten mit sehr schwachem Lohnwachstum dürften die durchschnittlichen Stundenlöhne im Dezember dank eines günstigen Kalendereffekts um 0,3 % bis 0,4 % zum Vormonat zugelegt haben. Bei der Arbeitslosenquote gehen wir anders als der Konsens nicht von einem Rückgang aus.

Die Rendite der 10-jährigen US Staatsanleihe hat in den letzten Tagen 12 Basispunkte auf 2,48 % zugelegt. Belastend wirkten für amerikanische Staatsanleihen wohl die vom Kongress beschlossene Steuerreform sowie ungebrochen gute Konjunkturdaten.

Die Kernpunkte der Steuerreform liegen in der Absenkung des Unternehmenssteuersatzes von 35 % auf 21 % sowie der Senkung der Einkommenssteuersätze. Quasi alle vorliegenden Analysen der Steuerreform kommen zum Ergebnis, dass der größte Teil der steuerlichen Entlastung auf Unternehmen und Individuen mit einem sehr hohen Einkommen entfällt. Anders als wiederholt von Präsident Trump behauptet, handelt es sich bei der Steuerreform bei weitem nicht um die größte Steuerreform in der Geschichte der USA. Die Entlastung von Unternehmen und Haushalten gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt liegt einer Schätzung des Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB) zufolge bei 0,9 % über einen Zeitraum von zehn Jahren. Damit käme die Reform gerade einmal auf Platz 10 was die Entlastungswirkung früherer Steuerreformen angeht. Misst man die Entlastungswirkung anhand um die Inflation bereinigter absoluter USD-Beträge kommt die Reform mit USD 190 Mrd. immerhin auf Platz 4, liegt laut CRFB aber weit hinter der im Jahr 2012 unter Präsident Barack Obama beschlossenen steuerlichen Entlastung von USD 321 Mrd. Die konjunkturellen Auswirkungen der Steuerreform sehen wir aus den genannten Gründen daher als kurzlebig und überschaubar an. Wir gehen weder davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in Folge der Reform nachhaltig stärker wachsen wird als im Schnitt der letzten fünf Jahre (2,2 % p.a.), noch dass 2018 und/oder 2019 mehr Arbeitsplätze geschaffen werden als 2016 bzw. 2017. Im Gegenteil, angesichts des in weiten Teilen ohnehin schon leergefegten Arbeitsmarktes werden sich Unternehmen in den nächsten Quartalen zunehmend schwer tun, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden.

Einen Government Shutdown ab dem 22. Dezember hat der Kongress verhindert. Repräsentantenhaus und Senat stimmten für eine Verlängerung der Ausgabenermächtigung bis zum 19. Januar. Das Problem wurde also erneut nur verschoben.

Aktien – wieder ein gutes Jahr

Aktien gehören – wie auch in den letzten Jahren – zu den Gewinnern des Jahres. Ende August kamen die Aktienmärkte nach einem kleinen Sommerloch wieder in Fahrt. Auch ein eher mäßiger November kann nichts am hervorragenden Gesamtbild ändern.

Der Monat November war vor allem in Europa etwas schwächer. Die EZB-Entscheidung vom 26. Oktober mussten die Märkte erst verarbeiten. Auch der österreichische ATX hat im November einige Punkte abgegeben. Doch die jüngsten Konjunkturdaten zeichnen allesamt ein positives Bild. So erreichte das Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone ein zyklisches Hoch und sogar den höchsten Stand seit Oktober 2000. Gute Unternehmensdaten wirkten jüngst weiter unterstützend.

Der Leitmarkt USA (Dow Jones, S&P 500, NASDAQ) brachte auch im abgelaufenen Monat wieder „all-time-highs“ hervor. Eine Entwicklung, die fast schon zur Gewohnheit wird. Allerdings wirkt die erneute Stärke des Euro abschwächend auf die US-amerikanischen und globalen Aktienerträge.

Aktien USA und Europa – stetiger Anstieg

Der US-Aktienmarkt befindet sich weiterhin in der Phase eines sehr stabilen Anstiegs, die Schwankungen sind äußerst gering. Der Markt wird dabei angetrieben von den großen Wachstumsaktien („Large Cap Growth"), die insbesondere im Technologiesektor zu finden sind. Gute Fundamentaldaten (Konjunkturausblick, Unternehmensgewinne, niedrige Inflation) und ein robustes technisches Bild (z. B. Marktbreite) wirken unterstützend.

Auch die europäischen Aktienmärkte konnten in den letzten Monaten deutlich zulegen. Sehr gute Konjunkturdaten, ein positives Bild bei den Unternehmensgewinnen sowie eine weiterhin sehr expansive Notenbankpolitik unterstützten diese Entwicklung.

Nach deutlich positiven Gewinnrevisionen in den ersten sechs Monaten, in denen die Gewinnschätzungen für die Mehrzahl der Unternehmen angehoben wurden, hat diese Dynamik zuletzt nachgelassen. Angesichts der sehr positiven global-konjunkturellen Rahmenbedingungen sehen wir die Gefahr von markant negativen Revisionen in den nächsten Monaten aber als sehr gering an.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finde Sie links als PDF.

Übergewicht und Fettleibigkeit

Die Ziele 2 und 3 für nachhaltige Entwicklung der UNO (SDGs) sind „kein Hunger“ sowie „Gesundheit und Wohlergehen“. In der Vergangenheit war die Diskussion von Ernährungsproblemen fast immer gleichbedeutend mit dem Kampf gegen den Hunger. Mittlerweile hat sich Überernährung aber als fast gleichwertiges globales Problem neben die Unterernährung gesellt. Denn falsche Ernährung und, damit verbunden, Übergewicht oder gar Fettleibigkeit werden immer stärker zum sozialen Problem. Außerdem führen sie zu stetig steigenden Aufwendungen in den staatlichen Gesundheitssystemen.

Dabei ist Übergewicht längst kein Problem der überreichen Bevölkerungsschichten mehr. Denn in der Rangliste der Länder mit den höchsten Anteilen an fettleibigen Erwachsenen liegt beispielsweise Mexiko gleich hinter den USA an der wenig schmeichelhaften zweiten Stelle. Neben dem Faktor tendenziell höherer Einkommen gilt vor allem die tägliche Routine der Menschen – mehr sitzende Tätigkeiten und weniger Bewegung – als Grund für die steigende Anzahl an Übergewichtigen.

Die Nahrungsmittelindustrie bietet eine breite Palette von „ungesunden“ Produkten, also solchen mit beispielsweise hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Ihr kann daher, auch auf Basis teils irreführender Marketingmaßnahmen, eine Mitverantwortung an der Verbreitung der Fettleibigkeit zugeschrieben werden. Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management* hat sich die großen Player im Bereich Nahrungsmittel genauer angesehen und Fragen rund um die Themen gesunde Ernährung und Übergewicht gestellt.

Übergewicht und Fettleibigkeit

Der Terminus Fettleibigkeit oder Adipositas bezeichnet starkes Übergewicht, also ein ausgeprägtes Missverhältnis von Körpergewicht in Relation zur Körpergröße. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Übergewicht und Adipositas auf Basis des Körpermasseindex BMI. Normalgewicht liegt bei einem BMI von 18,5–24,9 vor, Übergewicht bei 25–29,9 und Fettleibigkeit ab einem BMI von 30 kg/m2.

Fettleibigkeit ist kein modernes Thema. Bereits im antiken Griechenland wurde sie als medizinisches Risiko gesehen. Später wurde Übergewicht angesichts der immer wieder auftretenden Hungersnöte als Zeichen des Wohlstands und Reichtums interpretiert.

Aufgrund des aktuellen Schönheitsideals und wegen der Konsequenzen für die individuelle Gesundheit wird Übergewicht heute sehr negativ bewertet. Die weltweite Verbreitung der Adipositas ist allerdings ein Thema der jüngsten Vergangenheit. Erst in den letzten Jahren ist die Anzahl übergewichtiger und fettleibiger Menschen sprunghaft angestiegen. Nachdem der Fokus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jahrelang auf Unter- und Mangelernährung lag, schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung aus. 2014 waren gemäß WHO 1,9 Milliarden Menschen übergewichtig, davon 600 Millionen fettleibig. Bereits 2006 lag nach Berechnungen der OECD der Anteil der Übergewichtigen an der Weltbevölkerung bei 16 %, jener der unterernährten Menschen bei lediglich 12 %. Im globalen Vergleich ist der Anteil der fettleibigen Erwachsenen derzeit in den USA am höchsten, gefolgt von Mexiko und Neuseeland. Am Beispiel von Mexiko ist zu erkennen, dass die Anzahl der unter Fettleibigkeit leidenden Menschen auch in den Schwellenländern dramatisch zunimmt. In den Schwellenländern wie auch in den Industrieländern ist eine negative Korrelation von Adipositas zu Einkommen, Bildung und sozialem Status gegeben.

Die Erklärungsansätze für die steigende Anzahl von Übergewichtigen und Fettleibigen gehen unter anderem in Richtung veränderter Lebensweisen.

Der Alltag vieler Menschen ist geprägt durch sitzende Tätigkeiten, wenig Bewegung und vermehrten Stress in Beruf und Freizeit. Das Fehlen geregelter Mahlzeiten und das Verzweifeln am gängigen Schönheitsideal sind weitere sozio-kulturelle Faktoren, die Übergewicht begünstigen können.

Die Dynamik in Richtung höherer Verbreitung der Fettleibigkeit ist ausgeprägt. Dabei wird die Nahrungsmittelindustrie von vielen Seiten als eine Ursache des Problems gesehen. Unter anderem gerät Fast Food in den Mittelpunkt der Kritik. Dort kommen mit überdimensionierten Portionsgrößen, der überhöhten Essgeschwindigkeit und hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt gleich einige Grundübel der falschen Ernährung zusammen.

Weitere Vorwürfe an die Nahrungsmittelindustrie sind hohe Marketing- und Werbebudgets für eigentlich ungesunde Produkte und die Verwendung von Geschmacksverstärkern, Farb- und Geruchsstoffen, um den Appetit der Kunden anzuregen.

Wachsende Befürchtungen in Richtung „sugar is the new tobacco“ haben viele Unternehmen Akzente hinsichtlich „gesunder Ernährung“ setzen lassen. Die Risiken für Produzenten von als ungesund betrachteten Nahrungsmitteln gehen aber über mögliche Klagen durch Konsumenten hinaus. Es besteht auch ein regulatorisches Risiko, etwa für eine verstärkte Einführung von Junk-Food-Steuern oder für Steuern auf Nahrungsmittel mit hohem Fett- oder Zuckergehalt. Frankreich führte bereits 2012 eine Softdrinksteuer ein, die als Abgabe auf Getränke mit Zuckerzusatz oder Ersatzstoffen definiert ist.

Die Nahrungsmittelindustrie reagiert auf diese Bedrohung unter anderem mit Änderungen in der Produktpalette. Bestehende Produkte werden auf „weniger ungesund“ getrimmt, Zucker- und Fettanteile reduziert. Außerdem stellen die Unternehmen Mehrjahrespläne mit Zielen zur Reduktion von kritisierten Ingredienzien auf. Einige Fast-Food-Ketten beginnen, Obst und Gemüse quasi als „Beilagen“ zu entdecken. Zudem werden neue, gesündere Produkte eingeführt und die Standards in der Produktauszeichnung verbessert. Ein Beispiel hierfür ist die GDA – Guideline Daily Amount oder Richtlinie für den täglichen Verzehr. Sie soll Konsumenten in ihrem Essverhalten in positiver Weise unterstützen.

Internationale Kampagnen für eine Reduktion der Überernährung und die Förderung gesunder Ernährung sollen den Druck auf die Unternehmen erhöhen. Zu ihnen zählen die HWCF (Healthy Weight Commitment Foundation) und GAIN (Global Alliance for Improved Nutrition).

Im Gegensatz zur Überernährung steht die quantitativ gemäßigte und gesunde Ernährung. Gesunde Nahrung liefert dem Körper die nötigen Nährstoffe, um seine Funktionalität zu erhalten oder sogar zu verbessern. Das Thema Functional Food ist davon getrennt zu betrachten. Functional Food oder funktionelle Lebensmittel werden mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert und sollen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben.

Meist sind positive gesundheitliche Wirkungen jedoch wissenschaftlich nicht wirklich nachgewiesen. Viele Nahrungsmittelhersteller reihen funktionelle Lebensmittel unter die gesunden Produkte ihres Warensortiments ein. Biologische Lebensmittel können zur Bekämpfung des Problems Fettleibigkeit theoretisch keinen Beitrag leisten. Denn sofern Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr verursacht und nicht krankheitsbedingt ist, macht der Genuss von biologischen Lebensmitteln gegenüber herkömmlichen kaum einen Unterschied. Insofern sehen auch die Nahrungsmittelkonzerne biologische Produkte nicht als Problemlöser an. Auf der anderen Seite ist die bewusste Ernährung oft der Auslöser für gesündere Ernährung. Somit kann die positive Wirkung biologischer Produkte nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Fazit: Raiffeisen Capital Management ist derzeit in folgende Unternehmen im Bereich Nahrungsmittel, Restaurants und Einzelhandel investiert: Hain Celestial, Wessanen und SunOpta. Dabei handelt es sich in allen Fällen um auf Biolebensmittel spezialisierte Unternehmen.

Nachhaltigkeitsbewertung

Der steigende Anteil an fettleibigen Menschen trübt die Aussichten der Nahrungsmittelindustrie. Zunächst führt die immer größere Anzahl an Überernährten bei vielen Herstellern zwar noch zu positiven Effekten über höhere Umsätze und Gewinne.

Aber Regierungen aus denjenigen Ländern mit besonders „zunehmender“ Bevölkerung sind angesichts der immer höheren Gesundheitskosten alarmiert. Die betroffenen Unternehmen verspüren den Druck, der Entwicklung über Änderungen auf Produktebene und im Marketingbereich entgegenzuwirken. Für viele Branchen bedeutet die rasante Zunahme an übergewichtigen Menschen auch strategische Veränderungen und neue Herausforderungen.

Betroffen sind davon zunächst die Nahrungsmittelindustrie, Restaurants und der Einzelhandel. Etwas weiter gedacht, stehen auch die Hersteller von Pharmaprodukten und Sportausrüstung oder Versicherer neuen Herausforderungen gegenüber. Denn Übergewicht und Adipositas führen oft zu nachgelagerten Leiden wie Zuckerkrank heit, Fettstoffwechsel störungen oder, wie bereits erwähnt, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Daher bietet sich ein Dialog mit den Unternehmen der Branche an, um die Probleme aufzuzeigen und Lösungen einzufordern.

Im Zusammenhang mit dem Thema Übergewicht und Fettleibigkeit umfasst der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management die größten Unternehmen in den Sektoren Nahrungsmittelindustrie, Restaurants und Einzelhandel.

  • Sehen Sie die Zunahme von Adipositas in der Bevölkerung als Risiko für Ihr Unternehmen? Gibt es in diesem Zusammenhang regionale Unterschiede?
  • Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie, den Kampf gegen die Überernährung zu unterstützen (spezielle Produkt- oder Speisenkennzeichnung, Verzicht auf Großpackungen oder kleinere Portionen etc.)?
  • Wie problematisch sehen Sie die Tendenz zu Steuern auf vermeintlich ungesunde Produkte, etwa auf Softdrinks mit hohem Zuckergehalt etc.?
  • Forcieren Sie als Antwort auf die Überernährungsthematik gesunde Produkte in Ihrem Produktportfolio oder bei den Speisen? Wie charakterisieren Sie derartige Produkte oder Speisen?
  • Kategorisieren Sie Ihre Produktpalette oder die angebotenen Speisen generell in gesunde und ungesunde Produkte?
  • Versuchen Sie, gesunde gegenüber ungesunden Produkten oder Speisen preislich attraktiver zu gestalten?
  • Haben Sie ungesunde Produkte oder Speisen strategisch aus Ihrer Produktpalette oder Ihrem Angebot gestrichen?
  • Sehen Sie Bioprodukte als Antwort auf die Adipositasproblematik?
  • Sehen Sie Functional Food als Antwort auf die Adipositasproblematik?
  • Nimmt Ihr Unternehmen an internationalen Kampagnen im Kampf gegen die Überernährung (HWCF, GAIN etc.) teil?

Von den während des Engagement-Prozesses kontaktierten Unternehmen haben uns mehr als die Hälfte Feedback gegeben.

Was die im Rahmen der Themen Übergewicht und Fettleibigkeit im Mittelpunkt stehenden Ziele für nachhaltige Entwicklung SDG 2 und SDG 3 betrifft, so sieht sich beispielsweise Tesco eindeutig dem SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ verpflichtet. Maßnahmen im Kampf gegen die Überernährung und Fettleibigkeit umfassen auf Produktebene die Änderung der Zusammensetzung – oder der Formeln – der angebotenen Lebensmittel sowie die Kreation neuer und gesünderer Produkte. Daneben stehen Maßnahmen wie die Verkleinerung der Packungsgrößen, Events zur Unterstützung gesunder Ernährung, die weitergehende Kennzeichnung von Produkten und Inhaltsstoffen, Informationsinitiativen und eine Veränderung der Präsentation des Warensortiments durch nachhaltiges Marketing.

Marks & Spencer hat für seine Kunden einen eigenen „health hub“ im Internet geschaffen.

Unter den sechs Bekenntnissen zu gesünderen Nahrungsmitteln, die Danone in den Mittelpunkt stellt, befinden sich auch das Verständnis von lokalen Ernährungspraktiken und die Herausforderungen durch Fehlernährung für die lokalen Gesundheitssysteme. Lindt & Sprüngli hat seine Produktpalette in Richtung von höheren – und dementsprechend gesünderen – Kakaoanteilen sowie kleineren Packungsgrößen angepasst.

Auch Hain Celestial setzt prinzipiell nicht auf Großpackungen.

Einige Unternehmen haben sich auch mehr oder weniger ehrgeizige Ziele gesetzt. Marks & Spencer will bis 2022 mindestens 50 % seiner globalen Lebensmittelumsätze mit gesünderen Produkten erzielen.

Danone hat in seinen „Ernährungszielen 2020“ die Vorhaben für Verbesserungen in Richtung gesunde Lebensmittel festgelegt.

Tesco verkauft nur mehr Softdrinks, die weniger als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter Getränk enthalten. Das Unternehmen hat außerdem die Preise für „gesunde“ Produkte und für frisches Obst und Gemüse gesenkt.

Steuern auf Softdrinks sehen die befragten Unternehmen naturgemäß kritisch. Man zitiert dabei auch die Weltgesundheitsorganisation WHO mit einer Aussage, nach der Softdrinksteuern nicht als optimaler Weg im Kampf gegen Fettleibigkeit betrachtet werden. Was das Thema Biolebensmittel betrifft, so werden diese von fast allen befragten Unternehmen nicht als Chance gesehen, Übergewicht und Fettleibigkeit in den Griff zu bekommen. Hain Celestial als Hersteller von Biolebensmitteln sieht die Möglichkeit eines Zusammenhangs, die aber bisher wissenschaftlich nicht bestätigt ist.

Was Kampagnen betrifft, so fokussieren Unternehmen ihre Aktivitäten gegen Übergewicht auf die wesentlichsten Heimmärkte. Tesco hat Partnerschaften mit der British Heart Foundation, Diabetes UK und Cancer Research UK, auch Marks & Spencer hat auf den UK-Markt fokussiert. Coca-Cola ist Gründungsmitglied der Healthy Weight Commitment Foundation und der International Food and Beverage Alliance.

Im Fokus: SunOpta

SunOpta ist ein vor allem im Bereich der Beschaffung, Verarbeitung und Verpackung von Natur- und Biolebensmitteln spezialisiertes Unternehmen. Sein Sitz befindet sich in Mississauga in der kanadischen Provinz Ontario. Das Unternehmen wurde 1973 gegründet und beschäftigt aktuell rund 1.800 Mitarbeiter.

Lieferkette

Das Management der Lieferkette und der damit verbundenen Nachhaltigkeitsrisiken ist für SunOpta von herausragender Bedeutung. Umweltrisiken wird unter anderem durch das Angebot von Ausbildungsmaßnahmen und Training im Bereich biologische Landwirtschaft begegnet. Im Bereich der sozialen Risiken hat SunOpta eine Richtlinie für Zulieferer zum Thema Arbeitsrechte umgesetzt.

Abfall und Recycling

Das Unternehmen hat sich das Ziel einer 90%igen Abfalltrennung bis zum Jahr 2020 gesetzt. Daneben wurde das Zwischenziel einer Abfalltrennung von 60 % und damit der weitgehende Verzicht auf Deponien bis Ende 2015 formuliert. Per Ende des Jahres 2015 lag die Abfalltrennung für das Gesamtunternehmen bei 79 %. Die Region Nordamerika wies einen Wert von 78 % auf. Für die internationalen Aktivitäten betrug der Wert 96 %.

CO2-Intensität

Die Kohlenstoffintensität von SunOpta stieg 2015 um 2,4 % an, das entsprach 0,131 Tonnen CO2 je produzierter Tonne. Damit wurden die Werte aus 2012 und 2013 mit 0,147 respektive 0,139 Tonnen zwar deutlich unterschritten, das Ziel einer Verringerung von 3 % gegenüber dem Vorjahr wurde jedoch klar verfehlt. Der Grund für den Anstieg der Kohlenstoffintensität 2015 lag vor allem in der Erweiterung der Herstellungskapazitäten am Standort Allentown, wo das Anfahren der neuen Anlagen sehr energieintensiv war.

Marktstrategien

Die Strategie des Unternehmens geht in drei Richtungen. SunOpta will effiziente Strukturen von der Nahrungsmittelproduktion bis zum Endprodukt schaffen. Dabei will das Unternehmen vor allem auf den Aufbau von Private Labels setzen. Die stark wachsenden Teilmärkte für gesunde Ernährung, auf die SunOpta fokussiert ist, sind gesundes Obst (Fruchtzubereitungen), gesunde Snacks (Riegel, Fruchtsnacks) und gesunde Getränke (Fruchtsäfte, Limonaden). Das SunOpta Innovation Center unterstützt das Unternehmen bei dieser Strategie und ist vor allem in der Entwicklung und Kommerzialisierung neuer Produkte tätig.


Weitere Informationen zum Thema finden Sie im links angehängten Dokument "nachhaltig investieren".

*Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH.

Ende der Anleihekäufe nur eine Frage der Zeit

Gottfried Steindl, RBI Wien, zu den Rentenmärkte der Eurozone.

Die vorläufige Schätzung der Einkaufsmanagerindizes (Eurozone, Deutschland, Frankreich) übertraf die allgemeinen Erwartungen deutlich. Die Einkaufsmanagerindizes im Industriebereich liegen inzwischen auf einem außerordentlich hohen Niveau. Beispielsweise weist die Umfrage für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone mit einem Indexstand von 60 Punkten den höchsten Wert seit dem Jahr 2000 aus. Die vorliegenden Ergebnisse lassen auf einen Anstieg der in den kommenden Tagen anstehenden PMI für Italien und Spanien schließen. Mindestens so positiv sollten die Sentiment Umfragen der EU-Kommission ausfallen. Wir rechnen mit einer neuerlichen Aufhellung der Stimmung im Industrie- und Dienstleistungsbereich sowie des Wirtschaftsvertrauens. Das Hauptinteresse sollte jedoch der vorläufigen Schätzung der Inflationsrate im Monat November gelten. Daten aus Spanien, Deutschland und auch Frankreich werden zunächst eine erste Indikation liefern, ehe das Resultat für die Eurozone veröffentlicht wird. Unseren Kalkulationen zufolge wird es ein knappes Rennen, ob sich die Vorjahresrate um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte erhöht hat. Da energiepreisbedingt ein Anstieg der Teuerung um 0,1 Prozentpunkte wahrscheinlich ist, wird ausschlaggebend sein, ob der Preisauftrieb ohne Energie und Nahrungsmittel (Kernrate) zugelegt hat. Die Kernrate verbuchte im Oktober einen überraschenden Rücksetzer, welcher sich zum Teil durch den starken Preisrückgang in der Untergruppe Bildung erklärt. Dieser inflationsdämpfende Einflussfaktor wird sich aber nicht unmittelbar durch eine Gegenbewegung auflösen. Weiters sind Daten zur Geldmengenentwicklung und zum Arbeitsmarkt erwähnenswert. In den Niederlanden hat sich die Arbeitslosenquote im Oktober um 0,2 Prozentpunkte, in Irland um 0,1 Prozentpunkte reduziert. Da wir auch in Frankreich, Italien und Spanien einen Rückgang für möglich halten, setzen wir für die Eurozone einen geringeren Wert als zuvor an.

Das letzte Woche veröffentlichte Protokoll zur letzten EZB Zinssitzung enthielt eine kleine Überraschung. Die Reduktion der Anleihekäufe (ab Jänner 2018 EUR 30 Mrd. von aktuell EUR 60 Mrd.) soll nicht proportional über alle Programme erfolgen. Vielmehr sollen die Anleihekäufe von privaten Emittenten weniger stark zurückgefahren werden. Wir denken aber nicht, dass dies den Einfluss der Notenbank auf die Rendite von Staatsanleihen verändern wird. Die Käufe und das erworbene Volumen werden unserer Meinung nach ein anhaltend dämpfender Faktor bleiben. Ebenfalls von Interesse ist der Umstand, dass die Wortwahl bezüglich des weiteren Verlaufs der Anleihekäufe durchaus diskutiert wurde. Zwar stimmte die große Mehrheit für eine Kommunikation, die eine nochmalige Verlängerung offen lässt. Allerdings wurde klar, dass dieser easing bias bei einer verbesserten Wirtschaftseinschätzung zur Disposition steht. In Summe scheint es nur mehr eine Frage der Zeit bis die EZB klarstellt, dass im September 2018 die Anleihekäufe ihr Ende finden sollen. Wir denken, dass dies spätestens im Frühling 2018 erfolgt – Inflationsrate wird dann wohl deutlich anziehen.

In Sachen Inflation keine neue Zeitrechnung angebrochen

Jörg Angelé, RBI Wien, zum US-Rentenmarkt.

Nächste Woche wird datenseitig der ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe für November im Mittelpunkt des Interesses stehen. Ausnahmsweise wird nämlich der Arbeitsmarktbericht nicht veröffentlicht, obwohl es sich um den ersten Freitag des Monats handelt. Die Daten kommen erst am 8. Dezember. Trotz der deutlichen Eintrübung der beiden bereits vorliegenden regionalen Stimmungsumfragen im Verarbeitenden Gewerbe (Empire State Index, Philly Fed Index) rechnen wir für den ISM Index mit einem in etwa unveränderten Niveau. Positiv wirkt der seit Oktober deutlich gestiegene Ölpreis. Zudem setzen wir bei weiteren regionalen Stimmungsindikatoren (Richmond Fed Index, Chicago PMI) auf eine Verbesserung im November. Bleibt diese allerdings aus, muss für den ISM Index wohl ein Minus angesetzt werden.

Die persönlichen Konsumausgaben dürften im November erneut gestiegen sein. Das Plus dürfte mit 0,2 % p.m. aber deutlich kleiner ausfallen als der durch die Nachwirkungen der Wirbelstürme nach oben verzerrte Zuwachs im Oktober. Die Vorjahresrate des Preisindex des Deflators des privaten Konsums dürfte unverändert bei 1,6 % gelegen haben. Die Kernrate dürfte dagegen minimal auf 1,4 % p.a. zugelegt haben.

Für die zweite Schätzung zur Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal rechnen wir mit einer leichten Aufwärtsrevision auf annualisiert 3,2 % p.q.
Das vom Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen dürfte ähnlich wie das Pendant der Universität von Michigan im November deutlich nachgegeben haben. Unser Modell deutet sogar auf ein noch niedrigeres Niveau hin als unsere Schätzung von 121,9 Punkten.

Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen kam in der abgelaufenen Woche leicht unter Druck. Auslöser war das Protokoll der letzten FOMC-Zinssitzung vom 1. November. Gemäß Protokoll haben die Mitglieder des FOMC intensiv darüber diskutiert, ob der ausbleibende Inflationsdruck tatsächlich auf Sonder- und Einmaleffekte zurückgeht oder ob es nicht doch strukturelle Gründe gibt. Bei einigen Währungshütern scheinen die Zweifel zu wachsen, ob die Inflationsrate in absehbarer Zeit tatsächlich wieder zum Notenbankziel von 2 % p.a. zurückkehrt. Wäre dies so, hätte es erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Leitzinspfad. Über die als sicher geltende Zinsanhebung im Dezember hinaus erwartete die Mehrheit der FOMC-Mitglieder zuletzt jeweils drei weitere Zinsanhebungen 2018 und 2019. Steigt die Inflationsrate tatsächlich nicht an, sondern bleibt auf dem aktuellen Niveau, wären wohl deutlich weniger Zinsschritte angezeigt. Dies hätte vor allem mit Blick auf das lange Ende am Staatsanleihenmarkt Auswirkungen. Wir sind aber explizit nicht der Meinung, dass in Sachen Inflation eine neue Zeitrechnung angebrochen ist. Zwar wird die Inflationsrate strukturell bedingt nicht mehr auf Werte von 4 % p.a. oder 5 % p.a. klettern. Allerdings gibt es sehr gute Gründe anzunehmen, dass es wegen der hohen und weiter steigenden Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten, des Auslaufens preisdämpfender Effekte bei Öl und Wechselkurs sowie des Wegfalls starker Basiseffekte im Frühling 2018 zu einem Anstieg der Inflationsrate auf über 2 % p.a. kommt. Je nach Ölpreis- und Wechselkursentwicklung ist im zweiten Halbjahr auch das Erreichen der Marke von 3 % p.a. nicht völlig aus der Welt. Wir gehen daher davon aus, dass sich die Sorgen der Währungshüter mit Blick auf den Inflationsdruck ab Frühling des nächsten Jahres deutlich verringern und der Leitzins schließlich in dem Ausmaß steigt, das auch bisher in Aussicht gestellt worden ist. Die Rentenmärkte müssten in einem solchen Fall ihre Einschätzung korrigieren.

Renten- und den Devisenmarkt lässt eine Steuerreform inzwischen kalt

Jörg Angelé, RBI Wien, zum US-Rentenmarkt.

In den nächsten Tagen ist der Datenkalender eher dünn besetzt. Hauptaugenmerk dürfte auf den Zahlen zum Auftragseingang dauerhafter Güter im Oktober liegen (Mi). Ohne den volatilen Transportsektor hat sich beim Auftragseingang in den letzten Monaten ein stabiler Aufwärtstrend ausgebildet. Für Oktober rechnen wir mit einer Fortsetzung dieses Trends. Gegenüber September dürften die Unternehmen 0,5 % mehr Orders erhalten haben. Aufgrund der Auftragsentwicklung bei Boeing wird der Transportsektor wohl ebenfalls ein Plus zum Vormonat aufweisen, welches aber durch einen ähnlich starken Rückgang im Rüstungssektor ausgeglichen werden dürfte.

Am Dienstag werden die Zahlen zu den Verkäufen bestehender Wohnhäuser für Oktober veröffentlicht. Wir sind hier etwas zuversichtlicher als der Konsens. Die bereits vorliegenden Indikatoren vom Immobilienmarkt deuten auf einen merklichen Anstieg der Verkaufszahlen hin. Das FOMC-Sitzungsprotokoll der Zinssitzung vom 1. November dürfte keine neuen Erkenntnisse mit Blick auf die weitere Leitzinsentwicklung bringen. Eine Zinsanhebung Mitte Dezember ist gemessen an den Fed Funds Futures quasi gänzlich eingepreist. Die Daten der letzten Wochen haben zudem keinerlei Indikation dafür geliefert, dass die Mitglieder des FOMC ihre Absichten ändern könnten.

Das House of Representatives hat am 16. November für einen Gesetzentwurf einer Steuerreform gestimmt. Die Republikaner konnten sich dabei 13 Abweichler in den eigenen Reihen leisten und kamen auf 227 bei 218 benötigten Stimmen. Das ist zwar ein erster Schritt Richtung einer tatsächlichen Umsetzung einer Steuerreform, allerdings deutlich weniger als die halbe Miete. Im Senat wird weiter an einem Gesetzentwurf gearbeitet, der von dem gestern verabschiedeten in wichtigen Teilen abweicht bzw. in krassem Widerspruch zu diesem steht. Die drei wichtigsten Unterschiede sind zum einen das Vorhaben, mit dem Gesetz zur Steuerreform die vom damaligen Präsidenten Obama durchgesetzte Gesundheitsreform (Obamacare) in Teilen rückabzuwickeln. Zum anderen sollen die Steuersenkungen bei der Einkommenssteuer auf acht Jahre begrenzt werden. Drittens schließlich soll die Senkung der Unternehmenssteuersätze erst ab 2019 in Kraft treten und nicht schon 2018. Alle drei Maßnahmen sind dazu gedacht, den durch die Steuersenkungen zu erwartenden Anstieg der Staatsverschuldung in den nächsten zehn Jahren auf die erlaubten USD 1,5 Billionen zu begrenzen. Eine Abstimmung ist nach Thanksgiving (23. November) geplant. Wir gehen aber nicht davon aus, dass der jetzt vorliegende Entwurf eine Chance hat, im Senat verabschiedet zu werden. Ein republikanischer Senator hat bereits ange- kündigt, mit Nein stimmen zu wollen, da ihm der Entwurf zu sehr zugunsten von Unternehmen geht, während die Entlastungen für geringe und mittlere Einkommen nicht dauerhaft sind. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass die drei Senatoren erneut ihre Zustimmung verweigern werden, die schon im Sommer gegen den Gesetzentwurf zur Rückabwicklung von Obamacare gestimmt hatten. Bei nur vier Stimmen Mehrheit können sich die Republikaner aber nur zwei Abweichler aus den eigenen Reihen leisten. Bis man sich auf einen Gesetzentwurf verständigt hat, der im Senat mehrheitsfähig ist, können also noch Wochen vergehen. Aber selbst wenn schließlich ein Gesetzentwurf durch den Senat geht, ist eine Steuerreform kein Selbstläufer. Der Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses und des Senats werden sich wie gesagt in wichtigen Punkten stark unterscheiden. Man muss sich aber in beiden Kammern auf einen identischen Entwurf verständigen. Die Verhandlungen hierzu dürften erneut Wochen in Anspruch nehmen. Wir rechnen daher erst für das erste Quartal 2018 damit, dass Präsident Trump tatsächlich ein Gesetz unterzeichnen kann. Da die Steuerreform nach derzeitigem Anschein vor allem Unternehmen und (sehr) hohe Einkommen entlasten wird, werden sich die positiven Konjunkturimpulse unserer Meinung nach in Grenzen halten. Vor allem wird sie nicht zu einem nachhaltigen höheren Wachstumspfad führen. Anders als von Trump und den Republikanern versprochen, wird die Steuerreform auch nicht zur Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze führen. Denn selbst wenn die Unternehmen mehr neue Mitarbeiter einstellen wollten als ohnehin geplant, werden sie große Schwierigkeiten haben, diese angesichts der schon jetzt angespannten Lage am Arbeitsmarkt zu finden. Dementsprechend überrascht es auch nicht, dass den Renten- und den Devisenmarkt die Aussicht auf eine Steuerreform inzwischen kalt lässt. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen beispielsweise bewegt sich weiter um 2,35 %, während der Dollar zum Euro zuletzt sogar leicht unter Druck kam.

Zinskurve weiterhin sehr flach

Die Spannung vor der EZB-Sitzung am 26. Oktober war groß, wurden doch endlich konkrete Aussagen zum weiteren Verlauf des Anleihen-Kaufprogramms („Quantitative Easing“) erwartet. Viel war im Vorfeld betreffend Ausmaß und Dauer der Rücknahme der Ankäufe spekuliert worden. Obwohl das Ergebnis ziemlich genau im Rahmen der Erwartungen lag, waren die Marktteilnehmer scheinbar vor allem erleichtert, dass negative Überraschungen ausgeblieben sind.

Hintergrund dieser weiterhin expansiven Geldpolitik dürfte die nach wie vor schwache Entwicklung der Inflationsdaten sein. Dazu kommt die Unterstützung der finanzwirtschaftlichen Lage der europäischen Peripheriestaaten durch Anleihekäufe und Nullzinspolitik.

Die erste Zinserhöhung dürfte nach dieser EZB-Sitzung vorerst in weite Ferne, also ins Jahr 2019, gerückt sein. Ende 2019 läuft übrigens auch die Amtszeit von Mario Draghi aus. In den USA gilt eine nächste Leitzinsanhebung im Dezember als sehr wahrscheinlich.

Staats- und Unternehmensanleihen – unverhofft sorglose Stimmung

Trotz der allgemein guten Konjunkturdaten ist die Inflation in den USA nach wie vor niedrig. Für 2018 erwarten wir lediglich einen leichten Anstieg auf 2,2 %. Angesichts der guten Daten ist auch der erwartete Zinspfad überaus moderat. Bis Ende 2018 liegen die Leitzinsen dementsprechend immer noch unter 2 %.

Bei den Unternehmensanleihen fallen die Risikoaufschläge (Spreads) auf neue Tiefstände. Die Zinskurve ist unterdessen weiterhin sehr flach. Dieser Zustand passt nicht zum Rest des Szenarios. Die gute, fast sorglose, Stimmung auch in Europa ist ein wenig überraschend.

Die Beinahe-Eskalation der Situation zwischen den USA und Nordkorea im Sommer scheint vergessen, die katalonischen Separatisten in Spanien haben den Markt für europäische Staatsanleihen nur kurz bewegt.

Risikoaufschläge sind allerorts weiter rückläufig, sowohl bei Staatsanleihen als auch bei Unternehmensanleihen, unabhängig von deren Bonität. Die Ausfallsraten sind historisch niedrig. Alles erscheint sonnig. Doch nun sind diese Märkte schon teuer, das weitere Kurspotenzial ist dadurch mutmaßlich eingeschränkt.

Emerging Markets-Anleihen – stabile Rentenmärkte, Euro dämpft

Ökonomien mit starker Rohstofffixierung, das sind viele Emerging Markets, können wieder bessere Wachstumsraten aufweisen. Die Renditeaufschläge bei Hartwährungsanleihen sind weiter rückläufig, getrieben von einem für Emerging Markets freundlichen Umfeld: solides Wachstum unterstützt von steigenden Rohstoffpreisen. Aktuell können nicht einmal steigende US-Renditen die Suppe versalzen.

Auch die Emerging Markets-Währungen sind weitgehend stabil, wodurch vor allem als US-Investor die recht hohe Rendite verdient werden kann. Dies wird von den Investoren durch ungebremste Zuflüsse in diese Assetklassen honoriert. Für Euro-basierte Investoren wird 2017 durch die – insbesondere bis zum Sommer anhaltende – Dollar-Schwäche bzw. Euro-Stärke allerdings das Zinsergebnis stark reduziert.

Sollte die US-Notenbank daher ihren Zinsanhebungskurs weiter fortsetzen und der Markt darauf wieder vermehrt das Augenmerk legen, könnte auch hier kurzfristig Korrekturpotenzial liegen.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finde Sie links als PDF.

Korrektur nur eine Verschnaufpause

Nina Neubauer-Kukic, und Valentin Hofstätter, RBI Wien, zu den etablierten Aktienmärkten.

Nach dem rasanten Anstieg der letzten Monate (seit dem Korrekturtief im August hat z.B. der S&P 500 ohne nennenswerte Gegenbewegung rund 7% zugelegt, der DAX sogar 11%) hat in den letzten Tagen in Europa eine Korrektur begonnen, die aus unserer Sicht durchaus noch kurzfristig andauern dürfte und auch die US-Märkte nicht gänzlich verschonen sollte. Belastend wirkten zuletzt z.B. Anzeichen, dass die US-Steuerreform nicht so rasch und reibungslos über die Bühne gehen dürfte wie von manchen erhofft. Darüber hinaus sorgte auch die Berichtssaison europäischer Unternehmen für weniger Preisauftrieb an den Märkten. Lediglich knapp über 50 % der im Euro STOXX 600 notierten Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen und das aggregierte Gewinnwachstum für Q3 fiel deutlich niedriger aus, als in den Vorquartalen. Der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden europäischer Unternehmen dürfte in der Euro-Stärke liegen, die vor allem exportorientierte Firmen belastete. Im Gegensatz verlief die US-Berichtssaison sehr gut und stützte, wie von uns erwartet, die Aktienmärkte (75% positive Gewinnüberraschungen), befindet sich jedoch im Auslaufen (88% der US-Unternehmen haben bereits berichtet). Auch aus technischer Sicht haben sich zuletzt einige Indikatoren verschlechtert (Marktbreite, Momentum) und legen eine kurzfristige Korrektur nahe. Es gibt aber mehrere Gründe dafür, in einer solchen Korrektur nur eine Verschnaufpause zu sehen: Nicht nur ist das fundamentale Umfeld weiter ausgezeichnet (starkes Momentum bei Konjunktur und Unternehmensgewinnen & vorerst ausreichend eingepreiste Notenbankpolitik), sondern auch eine kräftige US-Unternehmenssteuersenkung wird selbst durch die zerstrittenen Republikaner nur verzögert, aber nicht verhindert werden.

Der japanische Nikkei 225 erreichte Mitte der Woche ein Allzeithoch und gab in Folge wieder etwas nach. Unsere Ziele für den Nikkei 225 wurden bereits deutlich übertroffen, weshalb wir unsere Prognosen für die nächsten 12 Monate nach oben angepasst haben. Wir bleiben aufgrund der guten Konjunkturdynamik, attraktiven Gewinnaussichten und anhaltend expansiven Geld- und Fiskalpolitik weiterhin konstruktiv für den japanischen Aktienmarkt, sowohl was die kürzere als auch was die längere Frist betrifft. Somit behalten wir im Hinblick auf unsere zum Teil deutlich höheren Indexprognosen für Q1 2018 für alle etablierten Aktienmärkte unsere Kauf-Empfehlung bei und werden aus aktueller Sicht eine etwaige (weitere) Korrektur anschließend zum Aufstocken unserer Aktienquote nutzen, die wir Ende Oktober in unserer monatlichen Publikation „Multi-Asset-Strategie“ leicht reduziert hatten.

Schwung nach Sommerflaute

Sell in May and go away? Heuer lieber nicht. Nach einem sehr starken Frühjahr sah es zwar nach einem Sommerloch aus, aber spätestens seit Ende August kamen die Aktienmärkte wieder in Fahrt.

Ein global synchrones und robustes Wirtschaftswachstum, wie schon lange nicht gesehen, und ein historisch niedriges Zinsniveau unterstützen die Aktienmärkte weiter. Nicht zuletzt wirken auch sehr gute Unternehmensdaten weiter unterstützend.

Am Leitmarkt USA (Dow Jones, S&P 500 NESDAQ) wurden 2017 schon unzählige „all-time-highs“ gesehen (für den Dow Jones bisher 52!), so auch im Oktober.

Die Stärke des Euro hat nun etwas nachgelassen, das unterstützt indirekt auch die europäischen Aktien und dreht zudem die Wertentwicklung der wesentlichen Aktienmärkte auch für Euro- Investoren wieder ins Plus!

Nach wie vor hervorragend hält sich der österreichische ATX, der auch im Oktober wieder Jahreshöchststände erreichte.

Aktien USA und Europa – Einbahnstraße nach oben?

"Goldilocks" heißt der Treibstoff für die US-Aktienmärkte. Damit ist eine Konstellation gemeint, in der die Fundamentaldaten (z. B. Konjunktur und Unternehmensgewinne) robust sind und sich sogar laufend verbessern. Die Inflation bleibt dabei niedrig. Gute Fundamentals treiben die Aktien ohnehin und die niedrige Inflation bedeutet, dass die Notenbank nur sehr langsam bremsen wird. Das Ergebnis sind steigende Aktienmärkte bei niedriger Volatilität. Wachstumsaktien (in den USA v.a. Technologie) sind dabei begünstigt.

Nach einer Konsolidierungsphase in den Sommermonaten konnten auch die europäischen Aktienmärkte zuletzt wieder deutlich zulegen. Auch hier unterstützen sehr gute Konjunktur- und Unternehmensdaten sowie eine vorerst weiterhin expansive Notenbankpolitik diese Entwicklung.

Die Erwartungshaltung der Investoren hat sich diesem positiven Bild angepasst und spiegelt sich aktuell in einer sehr optimistischen Stimmung wider. Wir sehen daher kurzfristig das Potenzial für weitere positive Überraschungen begrenzt und erwarten in den kommenden Wochen eine schwächere Entwicklung an den Aktienmärkten.


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