Akademiker wollen nicht in die Finanzindustrie

Früher galt der Beruf des Bankers noch als attraktiv. In einer Studie der Universität Maastricht und Studitemps schneidet das Bankwesen bei den Studenten jedoch in sieben von zehn Kriterien unterdurchschnittlich ab. 

In der Studie “Fachkraft 2020” wurden im März 2015 unter anderem 24 Branchen auf ihre Beliebtheit untersucht. Dafür haben der Vermittlung von Studenten in Zeitarbeit STUDITEMPS in Kooperation mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University die studentische Arbeit, studentische Mobilität, Zeitmanagement und Workload, finanzielle Ausstattung sowie die berufliche Perspektiven untersucht. An der Befragung nahmen etwa 25.000 Studierende Teil.

Was die Bekanntheit angeht, steht das Bankwesen dabei mit einem mittleren Wert von 66 Prozent auf dem siebten Platz. Unternehmen aus dem Einzelhandel (92%) und der IT-Industrie (91%) führen hier das Ranking an. Trotzdem ist das Bankwesen nur für 30 Prozent der Befragen, die alle TOP-7-Unternehmen des Branche kennen, attraktiv. 

Obwohl fast alle Studenten die Commerzbank und Deutsche Bank (beide 99%) sowie die Postbank (97%) kenne, werden diese von nur jeweils etwa einem Viertel als attraktive Arbeitgeber angesehen (28%, 27%, 25%). Unbekanntere Banken dagegen werden eher als potenzielle Arbeitgeber wahrgenommen. So kennen zwar weniger als die Hälfte der Studenten die Bank of America und Goldman Sachs, nur knapp ein Drittel JP Morgan Chase und nur ein Viertel die Credit Suisse, diese werden jedoch von bis zu der Hälfte der Studierenden, die das Institut kannten, als attraktive Arbeitgeber benannt.

Die Unattraktivität des Bankwesens liegt dabei an der schlechten Performance bezüglich vieler Jobkriterien: In sieben von zehn untersuchten Kriterien schneidet die Finanzindustrie unterdurchschnittlich ab, in einem durchschnittlich und in nur zwei überdurchschnittlich. So sehen die Studenten gute Aufstiegsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur Weiterbildung. Beim internationalen Profil seien die Banken durchschnittlich gut aufgestellt. Bei allen anderen Kriterien - Chancengleichheit/Diversity, Organisation/Führungsstil, Social Media Präsenz, Nachhaltigkeit, Work-Life-Modelle, Familienfreundlichkeit, Freizeit-/Sportangebote - sind die Banken schwächer als der Durchschnitt aller untersuchten Branchen.

 

STUDITEMPS sieht das schlechte Abschneiden als Folge der Finanzindustrie an. Bei vielen Studierenden hat die Brache ein schlechtes Ansehen. “Um mittel- und langfristig Problemen bei der Rekrutierung von Fachkräften vorzubeugen, ist es notwendig, entstandene Vorurteile abzubauen und den akademischen Nachwuchs wieder von den Vorteilen der Arbeit in den Banken zu überzeugen,” so der Job-Vermittler in einer Pressemitteilung.