Attraktive Spreads bei Schwellenlandanleihen

Schwellenländer haben ihre wirtschaftliche und finanzielle Belastbarkeit unter Beweis gestellt. Attraktive Spreads und eine niedrigere Volatilität als US High Yields machen Schwellenlandanleihen neben globalen Trends attraktiv.

Externe Faktoren werden das Interesse der Investoren beflügeln

Die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan nehmen seit Januar eine noch expansivere Geldpolitik vor. Auch das Zurückstellen weitere Zinsanhebungen der Feder Reserve lässt vermuten, dass niedrige bis negativen Zinsen in den Industrienationen für einige Zeit die Realität bleiben werden. Auf der Suche nach Renditen sind Anleger nun bereit, auf risikoreichere Anleiheklassen sowie Lokalwährungsanleihen zurückzugreifen.

Trotzdem führte die Finanzkrise, das Abkühlen des chinesischen Wirtschaftswachstums und der Preisrutsch von Erdöl im Jahr 2015 zu den ersten Netto-Kapitalabflüssen seit einem Jahrzehnt. Dies verschlechterte Wiederum das Wirtschaftswachstum und die Außenhandelsbilanzen und verschärfte die Ungleichheit zwischen verschiedenen Schwellenländern.

Fundamentale Belastbarkeit von Schwellenländern verbessert

Dabei ist der Pessimismus der Investoren kein Ausdruck der Fundamentaldaten, so Morgan Delledonne, Fixed Income Strategist, im Ausblick von ETF Securities. Seit Anfang des Jahrtausends haben Schwellenländer massive Fortschritte bei ihrer steuerpolitischen und geldpolitischen Disziplin sowie ihrer politischen Stabilität gemacht. Dies führte zu einer Zunahme der Währungsreserven und Preisstabilität, einer höheren Glaubwürdigkeit der Notenbanken sowie einer Phase von Wirtschaftswachstum und Finanzstabilität.

Auch weiterhin haben die Schwellenländer ihre Leistungsbilanzen gut im Griff und sind finanziell und wirtschaftlich belastbar. ”Die derzeitige Unbeliebtheit ist kein Ausdruck der wirtschaftlichen Fundamentaldaten, sodass hier Möglichkeiten zur Diversifizierung und Chancen auf einen Mehrertrag besteht,” so Delledonne.

Attraktive Bewertungen und hohe Spreads

2015 entwickelten sich Schwellenmarktanleihen negativ, da Investoren eine Aufwertung des US-Dollars fürchteten. Lokalwährungsanleihen, die 60% des Marktes ausmachen, sollten jedoch von einer Stabilisierung des Dollar profitieren. Anleger können daher die höhere Verzinsung von Schwellenlandanleihen für sich nutzen. Auf Bundesanleihen haben Schwellenlandanleihen derzeit einen Spread von 4,6 Prozent, obwohl sie eine geringe Volatilität haben als US-Hochzinsanleihen, so ETF Securities im Ausblick.

Auch im Hinblick auf eine globale Konjunkturerholung könnten Lokalwährungsanleihen profitieren. Diese dürfte zu einer Erholung ihrer Währungen führen, meint Martin Arnold, FX and Macro Strategist bei ETF Securities, im Ausblick. Er erwartet, dass sich eine Zinserhöhung vor allem auf Schwellenländer mit hohen US-Schulden auswirkt und rät Anlegern daher, regional zu differenzieren.

Schwellenmarktanleihen haben daher eine besonders günstige Bewertung, gehen jedoch mit einem Restrisiko einher, dass die Fed mit einer Zinserhöhung einen Marktschock auslösen könnte. Auch könnten die Länder von einer weiteren Abstufungswelle betroffen werden. Diese betraf im Jahr 2015 besonders vom Ölpreis abhängige Länder. Diese Länder werden auch weiterhin von Abstufungen betroffen sein.