“Frankfurt gehört zu den attraktivsten Standorten”

Nach dem Brexit erwägen viele Finanzdienstleister, ihre Londoner Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Nach objektivem Kritikern sollte es eine Präferenz für Frankfurt am Main geben, so die BCG.

Rund 20 Prozent aller Finanzdienstleistungs-Jobs in London könnten an andere Finanzplätze verlagert werden, so die Boston Consulting Group auf Grundlage einer Umfrage kurz vor dem Brexit-Referendum unter etwa 360 leitenden Bankern. Frankfurt gehört dabei zu den attraktivsten Standorten. In einem spontanen Ranking kommt Frankfurt zwar nur auf Platz drei hinter New York und Dublin, nach objektiven Kritikern würde es jedoch eine Präferenz für den Standort Frankfurt geben.

Jede Stadt hat dabei ihre Schwächen und Stärken: Paris läge beispielsweise bei der Lebensqualität vorne. Kehren Finanzdienstleistern dem europäischen Markt nun ganz den Rücken, wäre New York die erste Wahl. ”Insbesondere die ökonomische und politische Stabilität in Deutschland, kombiniert mit der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, macht den Standort Frankfurt am Main zur Top-Adresse,” sagt Dr. Wolfgang Dörner, Senior Partner und Leiter des Frankfurter BCG-Büros. Frankfurt müsse jedoch bei weichen Faktoren nachholen und beispielsweise die Internationalität fördern, Sprachbarrieren abbauen, günstigen Wohnraum bieten und die kulturelle Attraktivität für ein Internationales Publikum erhöhen.

Auch für Start-ups, FinTechs im Speziellen, wird Frankfurt immer interessanter. “Wir glauben, Frankfurt hat ein enormes Zukunftspotential. Es kann der Fintech Hub von Europa werden. Das Notwendige ist vorhanden: Finanzierung, Marktreichweite, Talent, Regierungsunterstützung und mit der Zeit auch eine gute Mischung aus Acceleratoren,” sagt Maria Pennanen, Mitbegründerin des Accelerator Frankfurt, im Interview mit altii.

Aber nicht nur Frankfurt kann von der Jobverlagerung profitieren. Auch andere Standorte sollten sich auf Jobverlagerungen in verschiedenen Branchen einstellen. So erwarten die Banker Jobverlagerungen auch im Dienstleistungsgewerbe, bei Versicherungen, in der Pharmabranche und der Biotechnologie.