Renditen werden sich verringern

Trotz außerordentlicher Hochs und Tiefs waren die Renditen in den letzten 30 Jahren konstant stark, so McKinsey. Zwischen 1985 und 2014 konnten Aktieninvestoren im Durchschnitt 7,4 Prozent pro Jahr erzielen, während Anleiherenditen etwa 5 Prozent pro Jahr betrugen. Damit lagen die Renditen über ihrem langjährigen Durchschnitt der letzten 50 und 100 Jahre. Allerdings werden sich US-amerikanische und europäische Aktien- und Anleiheinvestoren in den nächsten zwei Jahrzehnten auf niedrigere Renditen einstellen müssen, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geändert hätten.

Mittels einem Model, das die Aktien- und Anleiherenditen mit den wirtschaftlichen und geschäftlichen Rahmenbedingungen in Verbindung bringt, hat McKinsey vier Faktoren ermittelt, welche die Renditen treiben: Inflation, Zinsen, reales BIP-Wachstum und Gewinnmargen. Mehr über das Modell und wie sich die Faktoren in den letzten 30 Jahre auf die Renditen ausgewirkt haben, finden Sie auf mckinsey.com.

Im Allgemeinen hat ein Rückgang der Inflation und Zinsen außergewöhnliche Erträge bewirkt. Da sowohl Inflation und Zinsen nun jedoch sehr niedrig sind und keinen Raum mehr haben, weiter zu fallen, können diese die Renditen nicht weiter stützen.
Auch hat ein wachsender Pool an Erwerbstätigen hat das Wachstum in den letzten drei Jahrzehnten erhöht. Mit der nun alternden Bevölkerung wir das Beschäftigungswachstum jedoch abgeschwächt und Produktivitätssteigerungen als Wachstumstreiber alleine gelassen. Doch selbst wenn ähnliche Produktivitätszuwächse wie in den letzten 30 Jahren erreicht werden können, wird sich das BIP-Wachstum in den nächsten 50 Jahren um 40 Prozent verringern.
Schließlich wird härterer Wettbewerb die Unternehmensmargen reduzieren, vor allem in den Industrieländern, in denen Unternehmen durch neue Wettbewerber aus den Schwellenländern, junge Technologieunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen, die auf neuen Technologieplattformen wachsen können, bedroht werden. Insgesamt könnten die Gewinnspannen von 9,8 auf 7,9 Prozent des weltweiten BIP sinken, errechnet McKinsey.

In einem ersten von McKinsey entwickelten Szenario setzt sich das Wachstumsumfeld von heute mit einem realen BIP-Wachstum von etwa 1,9 Prozent in den USA, einem Beschäftigungswachstum von 0,5 Prozent und Produktivitätssteigerungen von 1,5 Prozent fort. Die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen werden langsam auf 2 bis 3,5 Prozent ansteigen und die Inflation wird weiterhin mit durchschnittlich 1,6 Prozent in den nächsten zwei Jahrzehnten niedrig bleiben.
In diesem Szenario könnten die Renditen von US-Aktien in den nächsten 20 Jahren etwa 4 bis 5 Prozent pro Jahr betragen, währen Anleihen 0 bis 1 Prozent reale Rendite erwirtschaften.

In einem zweiten Szenario erholt sich das Wachstum dank Produktivitätssteigerungen. Dies führt in den USA zu einem Wachstum von rund 2,9 Prozent pro Jahr, während Unternehmen in den Industrieländern in der Lage sind, ihre Margen zu verteidigen.
Doch selbst mit diesem erneuten Wachstumsschub betragen die Aktienrenditen laut McKinsey nur 5,5 bis 6,5 Prozent während Anleihen real 1 bis 2 Prozent erwirtschaften.

Anleger in Westeuropa sollten ähnliche Trends erwarten, wie in den USA, obwohl das Ausmaß der potenziellen Renditerückgänge noch größer sein könnte, so McKinsey. In Europa könnten Aktienrenditen bei schwachem Wachstum 4,5 bis 5 Prozent betragen bzw. 5 bis 6 Prozent bei einem Wachstumsschub.