Small- und Mid-Caps überzeugen beim Risiko

Kleine und mittlere Unternehmen weisen eine bessere Kurentwicklung auf als große Unternehmen. Mit höherer Rendite geht normalerweise auch ein höheres Risiko einher. Eine Studie zeigt jedoch das Gegenteil.

Auf den europäischen Aktienmärkten gibt es immer mehr Large Caps und diese habe noch nie einen so großen Anteil an der Marktkapitalisierung ausgemacht. Eine Studie der französischen Fondsboutique La Financière de l`Echiquier (LFDE) und dem Forschungsinstitut MiddleNext kommt daher zu dem Schluss, dass die Märkte Large Caps auf Kosten der kleinen und mittleren Unternehmen präferieren: Large Caps machen zwar nur sieben Prozent der gelisteten Firmen aus, jedoch 80 Prozent des gehandelten Volumens. Zudem ist die Anzahl der Small Caps seit der Finanzkrise zurückgegangen. „Die Alterung der Börse ist Realität und das Versiegen ihrer Quelle ist eine schlechte Nachricht, da Small- und Mid-Caps den Märkten, Anlegern und Sparern bedeutenden Wohlstand bringen“, sagt Didier Le Menestrel, CEO von La Financière de l’Echiquier

Investoren tun Small Caps, so die Studie, damit jedoch unrecht. Tatsächlich outperformen sie die großen Unternehmen bei sogar niedrigerem Risiko. Die Analyse der Studie zeigt, dass die Aktien von Europas 200 größten Unternehmen eine jährliche Performance von etwa einem Prozent erwirtschaftet haben. Der Europe Mid 200 und der Europe Small 200 stiegen zwischen 2005 und 2015 jedoch um jährlich respektive 4,6 und 4,8 Prozent.

Während der Size Faktor, also die Marktkapitalisierung, dabei bereits in verschiedenen Studien als ein Treiber der Performance von Aktien identifiziert wurde und in Modellen wie dem von Fama und French integriert wurde, zeigt die Studie von LFDE und MiddleNext nun, dass Small Caps ihre Outperformance in den letzten drei Jahren sogar mit einem niedrigeren Risiko erwirtschafteten - entgegen der akademischen Behauptung, dass eine höhere Rendite nur mit höherem Risiko erwirtschaftet werden kann. 

So betrug der die durchschnittliche Volatilität der großen Firmen etwa 13 Prozent. Bei Mid und Small Caps waren es nur 12 Prozent. Noch keiner Unternehmen, repräsentiert durch den MSCI Micro Cap Index, wiesen sogar nur eine Volatilität von 10 Prozent auf. Die Schwankung der Erträge fällt bei kleineren Unternehmen damit geringer aus als bei den großen.
Auch der maximale Drawdown war niedriger: So betrug er bei Large Caps noch 13 Prozent, bei Mid Caps elf Prozent, bei Small Caps acht Prozent und bei Micro Caps sieben Prozent. Der maximale kumulierte Verlust einer Anlage war damit ebenfalls bei kleine Aktien geringer als bei den großen.

Höhere Rendite bei niedrigeren Risikokennzahlen läuft dabei der Logik der Märkte entgegen. LFDE versucht trotzdem, mögliche Treiber dieser Risikoumkehr zu identifizieren: Zum einen tragen die niedrigen Zinsen dazu bei, dass sichere Anlagen nicht mehr rentabel genug sind. Damit wird zunehmend in ertragreiche und vorher riskantere Anlagen investiert. Mit mehr Investments steigen daher die Kurse von Small und Mid Caps. Auch haben kleinere Unternehmen weniger Exposure zu globalen Trends. Das schwächere Wachstum in China betrifft zwar beispielsweise alle großen Weltkonzerne, Small Cap jedoch in weit geringerem Maße, da sie sich mehr auf ihren Heimatmarkt konzentrieren.