Zinsanhebung zurückgestellt: Ein Fehler der Fed?

Nachdem die US-Notenbank die Zinsen zum ersten mal nach neun Jahren angehoben hat, wurden weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr ausgesetzt. Dies kann bei steigender Inflation eine aggressivere Intervention nötig machen, so ETF Securities.

Das US-Wachstum ist stabil und es gibt keine Anzeichen, dass sich das Wachstum verlangsamt. Daher ist eine straffere Geldpolitik nötig, meint Martin Arnold, Director and FX & Macro Strategist bei ETF Securities. Die Fed scheint eher auf die Volatilität der Vermögenspreise und andere externe Faktoren zu reagieren und weniger auf die in ihrem Mandat vorgegebenen Vollbeschäftigung und Preisstabilität.

Ein erster Fehler der Fed sei dabei, sich auf die Vermögenspreise zu konzentrieren. Sofern diese nicht die Inflationsprognose beeinflussen, sollten sie nicht berücksichtig werden, sagt der ehemalig Fed-Präsident Ben Bernanke. Statt nur dann auf die Marktentwicklung zu reagieren wenn die Stabilität des Finanzmarktes in Gefahr ist, “beugt sich die Fed dem Diktat der Märkte”, so ETF Securities im kürzlich veröffentlichtem Ausblick.

Obwohl die Fed bis Jahresende von einer Inflation von 1,6 Prozent ausgeht, hört ETF Securities es wahrscheinlich, dass sie über ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent hinaus schießen wird. Dabei wird beispielsweise der starke Arbeitsmarkt die Inflation anheizen. So liegt die Arbeitslosenquote mit 4,7 Prozent am unteren Ende der langfristigen Spanne. Sollte die Inflation ansteigen, werden Haushalte Nominallohnsteigerungen fordern und könnten so eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen.

Wegen des starken Arbeitsmarktes sollte das Augenmerk der Fed auf dem Preisniveau und dem Inflationsdruck liegen. Sollte die Fed die Zinsen zu langsam anheben, gewinnen die Inflationserwartungen an Dynamik und die Fed muss mit aggressiveren Zinserhöhungen entgegensteuern. Reagiert sie weiterhin zu zögerlich, steht die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank auf dem Spiel, so Arnold im Ausblick.