GSAM-Umfrage: Deutsche Anleger ergeben sich den Niedrigzinsen

Frankfurt am Main, 20. Oktober 2015 – Goldman Sachs Asset Management (GSAM) hat in Zusammenarbeit mit TNS Infratest zum sechsten Mal in Folge mit einer repräsentativen Umfrage das aktuelle Investitionsverhalten deutscher Anleger untersucht. Die Studie ergab, dass Privatanleger in Deutschland überwiegend davon ausgehen, dass das derzeitig historisch niedrige Zinsniveau in Europa weitere drei bis fünf Jahre oder sogar länger anhalten wird (65,4 Prozent). 

Trotzdem hält die Mehrzahl der Deutschen an renditeschwachen Anlagen fest. Rund 77 Prozent haben ihr Geld weiterhin in Sparbüchern und Tagesgeldkonten investiert, sind jedoch mit dem Ertrag dieser Geldanlage eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden (60,4 Prozent). Aktien sind bei den Befragten hingegen vergleichsweise unbeliebt: nur jeder Vierte hält aktuell Aktien oder Aktienfonds, auch wenn hier der Großteil der investierten Befragten mit den Erträgen sehr zufrieden oder eher zufrieden ist (69,2 Prozent). 

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass sich die deutschen Anleger zwar des Niedrigzinsumfeldes bewusst sind, jedoch bei ihrer bereits vorhandenen Geldanlage nicht entsprechend reagieren“, erläutert Markus Weis, Leiter des Drittvertriebs für Deutschland und Österreich bei GSAM. Auch in den nächsten zwölf Monaten wollen mehr als 75 Prozent der deutschen Anleger ihr Geld nicht in eine für sie neue Anlageklasse investieren. „Die Deutschen haben weiter ein hohes Sicherheitsbedürfnis hinsichtlich ihrer Geldanlage. So scheuen die Privatanleger weiterhin Aktien und Aktienfonds, obwohl gerade diese Anlageklasse in der aktuellen Zinsphase noch attraktive Renditen bietet.“

Die Ergebnisse finden Sie grafisch aufbereitet in der links beigefügten Präsentation. Die Umfrageergebnisse im Detail:

Sparbuch in der Gunst der Deutschen ungeschlagen

  • Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 77,3 Prozent haben die Anleger ihr Geld in dieser Anlageklasse investiert – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das historisch niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens 3-5 Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

Sicherheit geht vor

  • Ein wichtiger Beweggrund für die Unbeirrbarkeit deutscher Anleger: Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.
  • Quer durch alle Anlageklassen geben mindestens 60 Prozent an, gar kein oder nur ein geringes Risiko bereit zu sein einzugehen, wenn sie Geld anlegen. Mit Blick auf die einzelnen Anlageklassen und die in dieser Klasse investierten Befragten zeigt sich, dass die Risikobereitschaft mehrheitlich maximal durchschnittlich ist – auch bei Aktien- oder Aktienfondsanlagen, wo 44 Prozent durchschnittliches und 30,2 Prozent geringes Risiko einzugehen bereits sind.
  • Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Geringe Reaktion auf den Niedrigzins-Markt

  • Unabhängig von der Anlageklasse, in die sie investiert sind, wollen sich die Deutschen mit ihrer Geldanlage nicht allzu oft beschäftigen. 56,8 Prozent der Befragten gaben an, sich lediglich alle paar Monate oder noch seltener persönlich mit ihrer Geldanlage zu beschäftigen. Weitere 23,9 Prozent setzen sich einmal im Monat mit ihren Investments auseinandersetzen.
  • Die persönliche Reaktion auf das Niedrigzinsniveau in der Allokation der eigenen Geldanlage ist dann zum Großteil auch ausgeblieben. Bereits in Anleihen/Rentenfonds investierte Anleger reagierten am wenigsten – 78,5 Prozent beließen ihr Investment gleich. Ähnlich taten es die Investoren von Sparbuch/Tagesgeld (69 Prozent) sowie Immobilien/Immobilienfonds (67,8 Prozent). Auch bei Aktien und Aktienfonds scheut die Mehrheit der Anleger eine Anpassung: 53,2 Prozent veränderten das bestehende Investment nicht, 9 Prozent verringerten es sogar. Zumindest ein Teil der Aktienanleger hat seine Anlage in den vergangenen Jahren etwas erhöht (32,9 Prozent). 

Unzufrieden mit Sparbüchern, zufrieden mit Aktien und Anleihen

  • Mit den Erträgen ihrer meistgewählten Anlageform sind die Deutschen nicht zufrieden: 60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage.
  • Mit ihren Investments in anderen Anlageklassen zeigen sich die Anleger zufriedener: Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Zurückhaltung bei Aktien und Aktienfonds

  • Entsprechend zeigen sich die deutschen Anleger auch beim Blick in die nahe Zukunft ausgesprochen unbeweglich. Gefragt, ob sie in den kommenden zwölf Monaten in einer für sie neuen Anlageklasse Geld investieren wollen, antwortet die überragende Mehrheit mit Nein: 84,7 Prozent der Anleger, die bisher keine Aktien oder Aktienfonds halten, haben auch in den kommenden zwölf Monaten nicht vor, in diese Anlageklasse einzusteigen. Weitere 10,9 Prozent sind noch unentschlossen.
  • Neben Risikoscheu scheinen hier die Faktoren persönliche Unwissenheit sowie Zeit die größte Rolle zu spielen – selbst wenn die Einkommensverhältnisse eigentlich hoch genug sind. Explizit nach den Gründen gefragt, warum sie nicht in Aktien oder Aktienfonds investiert haben, antworteten selbst 1-2 Personen-Haushalte mit über 3.000 Euro monatlichem Netto-Haushaltseinkommen am häufigsten mit dem Argument, dass ihnen das Risiko zu hoch ist (34,8 Prozent), sie sich am Aktienmarkt nicht auskennen (26,4 Prozent) bzw. dass sie keine Zeit haben, sich darum zu kümmern (25,5 Prozent).
  • Ein genauerer Blick auf die Gruppe derjenigen, die bereits in Aktien bzw. Aktienfonds investiert sind, zeigt währenddessen, dass sich die privaten Investoren auf die Empfehlung ihrer Anlage- bzw. Bankberater verlassen. 36,3 Prozent der Aktieninvestoren gaben das als wichtigstes Kriterium ihrer Aktienanlage an. An zweiter Stelle folgt die bisherige Wertentwicklung der Aktie bzw. des Aktienfonds. Dabei hält eine absolute Mehrheit der Aktienanleger die Aktien bzw. Aktienfonds durchschnittlich länger als 5 Jahre (55,5 Prozent). Weitere 28,4 Prozent halten ihre Aktienanlage zwischen drei und fünf Jahren.