BRW Finanz AG: Kundenfokussierung in der Vermögensverwaltung

Frau Kerstin Borchardt spricht im altii Interview über die stringente Kundenfokussierung und das Wachstum der BRW Finanz AG. Sie ist im Vorstand des Vermögensverwalters und zeigt wie die Bedürfnisse der Investoren in den Mittelpunkt gestellt werden.

Mit Ethik die Kapitalanlage wertvoller gestalten

von Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability der Steyler Ethik Bank.

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ heißt es in der Verfassung des Freistaates Bayern. Die Praxis zeigt leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Gerade die Finanzwirtschaft beweist leider oft genug, dass das goldene Dreieck der Geldanlage – bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität - einen höheren Stellenwert erhält als gesellschaftliche Werte. Dennoch spielt für viele Menschen eine weitere Dimension eine immer wichtigere Rolle. Konkret geht es um die Frage, welche unternehmerische Aktivität gut und moralisch ist. Gewinne sind aus dieser Perspektive weder Selbstzweck, noch rechtfertigen sie die Wahl der Mittel. 

In den vergangenen Jahren wurde gerade die Welt der Finanzwirtschaft um einige Begriffe reicher, die viele vor Jahrzenten dort nicht gesehen haben. Sie alle zielen auf Werte ab, die über reines Renditestreben hinausgehen: Nachhaltigkeit, ökologische, soziale und Governance-Kriterien (kurz ESG) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, bekannt als SDGs sind die prominentesten Beispiele hierfür. Mittlerweile wird in vielen Bereichen auch nicht mehr gefragt, ob die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden sollen. Vielmehr stellt sich zunehmende die Frage, wie sie integriert werden können. Gerade das Engagement der EU für eine nachhaltige Finanzwirtschaft hat hier für einen enormen Schub gesorgt und jede Krise wird mittlerweile zurecht in den internationalen Kontext der Nachhaltigkeit gesetzt.

Ein Nischendasein hat jedoch weiterhin das ethische bzw. ethisch-nachhaltige Investment – der Ursprung des nachhaltigen Geldanlegens. Der Begriff ethisches Investment ist nicht eindeutig definiert, ebenso wie nachhaltiges Investment. In der wissenschaftlichen Literatur wird er mal als ursprünglicher Begriff für verantwortliches Investment gesehen, mal als Überbegriff. Als Ursprung gilt er, da die Religionsgemeinschaften der Quäker und Methodisten schon vor rund 200 Jahren Ausschlusskriterien für die Investition ihrer Gelder schufen, die als ethisches Investment bezeichnet wurden. Ähnliche Ansätze finden sich in diversen Religionen und religiösen Gemeinschaften. Die wichtigste Intention gläubiger Menschen ist dabei, kein Geld mit Produkten und Dienstleistungen zu verdienen, die sie grundsätzlich ablehnen. 

Spricht man über ethisches Investment, so ist dies nicht klar von einem nachhaltigen Investment abzugrenzen. Und häufig kommen beide Begriffe im Doppelpack als ethisch-nachhaltiges Investment daher, was die Grenzen noch einmal mehr verschwimmen lässt.

Auch wenn ethisches-nachhaltiges Investment aufgrund der Begriffsherkunft und geschichtlicher Vorbilder überwiegend mit Kirche bzw. allgemein mit Religion assoziiert wird, ist diese Verbindung nicht zwangsläufig. Christliche, jüdische oder muslimische Wertvorstellungen sind häufig Ausgangspunkt für ethisch-nachhaltiges Investment, aber es gibt ebenso nicht-religiöse Begründungen. Unseres Erachtens nach sollte man das Thema auch nicht auf die moralischen Kategorien von „gut“ oder „schlecht“ reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, mit welchen Produkten und Dienstleistungen man Geld verdienen will bzw. was man unterstützen möchte. Ein Nicht-Investment oder auch Divestment ist nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Nachhaltigkeitsexperte der Steyler Ethik Bank soll dies verdeutlichen: Die Bewaffnung der Polizei ist unseres Erachtens moralisch nicht verwerflich. Schließlich erfüllt die Polizei wichtige hoheitliche Aufgaben und dient damit unserer Gesellschaft. Dennoch möchten wir als nachhaltiger Investor mit christlichen Wurzeln nicht an der Produktion von Waffen Geld verdienen. Das staatliche Gewaltmonopol stellen wir damit selbstverständlich nicht infrage.

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr oft mit Moral verwechselt. Die Ethik reflektiert jedoch nur das gesellschaftliche und individuelle Handeln. In der Reflexion ist es aber durchaus relevant, welche Wertevorstellung zugrunde gelegt wird.

Ethisches Investment ist kompliziert. Die Grenzen sind nicht eindeutig und durch individuell Vorstellungen bestimmt. Doch einer Gesellschaft, die allzu oft in den Schwarz-Weiß-Mustern denkt, fällt es manchmal schwer auszuhalten, dass es Graustufen gibt. Einige Investoren sehen ein Problem darin, dass die ESG Scores von Ratingagenturen nicht übereinstimmen. Der Frust ist einerseits verständlich, weil er die Arbeit der Investoren schwieriger macht. Andererseits zeigt sich hier schlicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf einem Grundkonsens aufbaut, sondern ethisch begründet wird. Und je nach kulturellen Wertvorstellungen der Marktteilnehmer kommt es damit zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. So sehen einige in der Nuklearenergie eine Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klima zu helfen. Andere lehnen die Technik als gefährlich für den Menschen ab und verweisen auf die ungelöste Frage sicherer Endlager. 

Eine vergleichbare Bewertung ist also nur unter der Annahme möglich, dass alle dieselbe Wertevorstellung teilen. Beim nachhaltigen Investment wird in letzter Zeit der Ruf nach einer einheitlichen Definition lauter. Genau in diese Richtung führt auch die Taxonomie-Verordnung der EU. Dennoch wird ethisch-nachhaltigem Investment seine Individualität behalten. Und in den meisten Fällen wird ethisch-nachhaltiges Investment den gesellschaftlichen definierten Nachhaltigkeitszielen nicht im Weg stehen.

Ethische Geldanlage ist kein Selbstläufer. Wer in diesem Feld mitmischen will, muss bereit sein, immer wieder um die besten Lösungen und Ansätze zu ringen. Denn ehrenwerte Motive allein, führen noch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein Beispiel aus dem Bereich der Arbeits- und Menschenrechte. In der aktuellen Pandemie haben viele Näherinnen und Näher ihren Job verloren oder wurden über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht und folglich nicht bezahlt. Das dies zu enormen sozialen Problemen führt, ist offensichtlich. Doch wem wollen wir hierfür die Schuld geben? Zumal in einer Welt, in der die Verantwortlichkeiten durch internationale Arbeitsteilung nicht so leicht zuzuordnen sind. Ist das Zulieferunternehmen, das mangels Aufträgen Personal freigestellt hat, der Bösewicht? Oder ist es eher der weltbekannte Hersteller von Sportartikeln, der die Aufträge wegen fehlender Nachfrage storniert hat, während er trotz Corona weiter große Gewinne einfährt? Kritisieren kann man auch die Staaten, die sich – anders als Deutschland – kein Kurzarbeitergeld leisten konnten, wodurch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Armut stürzten. Und welche Rolle spielt der ethisch-nachhaltige Investor selbst? Darf er auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter von den Gewinnen der Unternehmen profitieren, die Teil dieser Lieferkette sind, ungeachtet der oben beschriebenen Probleme?

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele, die bei immer mehr Finanzprodukten berücksichtigt werden: Handelt man als Investor ethisch und nachhaltig, indem man in ein Krankenhaus investiert. Reicht also als Begründung aus, dass der Gesundheitssektor nach der Logik der SDGs dem Entwicklungsziel 3 „Good Health & Well-Being“ zugeordnet wird? Wie geht man dabei mit privaten Krankenhausketten um, die in vielen Ländern die Corona-Pandemie als eine Gelegenheit der Gewinnmaximierung gesehen haben – teilweise auf Kosten des Staates oder der Angestellten? Dieses Verhältnis von Medizin und Ökonomie ist als ethisch-nachhaltiger Investor durchaus zu diskutieren. Dabei reicht es eben nicht die Dienstleistung einem SDG zuzuordnen und sich als Investor wegen der guten Tat auf die Schulter zu klopfen. 

Ethisches Investment bedeutet Diskussion, Reflexion und ständiges Infragestellen der aktuellen Meinung. Ethisch-nachhaltiges Investment ist nicht aus einer Nachhaltigkeitsdatenbank abzulesen. Es ist mehr als nur das Anwenden von Zahlen und Scores. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Werten ohne die Verurteilung anderer Ansätze.


Samuel Drempetic

Als Head of Ethics and Sustainability verantwortet Herr Samuel Drempetic seit Mitte 2018 alle Themen rund um Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank. Dies umfasst sowohl die eigene Nachhaltigkeit der Bank als auch die Überprüfung der Investments. Der diplomierte Volkswirt und Pädagoge betreut die beiden Gremien Ethik-Anlagerat und Ethik-Ausschuss.

Die Steyler Ethik Bank

Die Steyler Ethik Bank ist Anbieter von fairen Finanzdienstleistungen. Sie wurde 1964 vom katholischen Orden der Steyler Missionare gegründet und steht allen Privatkunden offen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Die Bank investiert nach sozialen und ökologischen Kriterien und ist Initiator von drei nachhaltigen Publikumsfonds der Marke Steyler Fair Invest. Seit ihrer Gründung förderte die älteste ethische Bank Deutschlands mit über 100 Millionen Euro Steyler Hilfsprojekte in 80 Ländern. www.steyler-ethik-bank.de, www.steyler-fair-invest.de

Kontakt

Oliver Müller, Senior Sales Manager DACH | Steyler Fair Invest
Steyler Bank GmbH, Arnold-Janssen-Str. 22, D-53757 Sankt Augustin
Telefon: 02241 120 51 72, E-Mail: oliver.mueller@steyler-fair-invest.de
www.steyler-fair-invest.de

Investieren in Megatrends: Smart Food

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Zwischen Klimawandel-Ängsten und Coronapandemie ist ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten, das eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt: die gesunde und nachhaltige Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Gewaltige Herausforderungen

Im Jahr 2050 werden 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, rund zwei Milliarden mehr als gegenwärtig. Dieser Bevölkerungszuwachs ist in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen gilt es, zwei Milliarden mehr Menschen zu ernähren. Zum anderen bedeutet ein solcher Bevölkerungszuwachs zwangsläufig einen weiteren Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und einen noch größeren Bedarf an natürlichen Ressourcen aller Art. Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Menschen in höhere Einkommensklassen aufsteigen – und damit wird ihr Speiseplan umfangreicher und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Man erinnere sich, dass sich auch in Europa vor noch gar nicht so langer Zeit große Teile der Bevölkerung eine Fleischmahlzeit nur hin und wieder leisten konnten. Gleichzeitig müssen trotz wachsender Nahrungsmittelproduktion Treibhausgasemissionen vermindert und weitere Umweltschäden vermieden werden.

Neue Konzepte und neue Trends...

Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es neuer Konzepte, sowohl für unsere Ernährung als auch für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, um künftig die gesamte Menschheit nachhaltiger und gesünder ernähren zu können. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran. Nahrungsmittel werden dabei ja nicht nur konsumiert, um zu sättigen. Sie sind auch ein Genussmittel und dieser Aspekt wird mit steigendem Lebensstandard immer bedeutsamer. Je weniger sich jemand darum sorgen muss, ob er seinen Hunger stillen kann, umso mehr wird er sich darum kümmern können und wollen, wie er ihn am besten stillen kann.

Neben Sattwerden und Genießen legen immer mehr Menschen Wert auf weitere wichtige Gesichtspunkte: Qualität, Fairness und Transparenz beim Handel, Herstellung unter ethisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen und vieles mehr. Mit wachsendem Problem- und Gesundheitsbewusstsein reduzieren dabei viele Menschen freiwillig ihren Fleischkonsum, greifen mehr zu Bioprodukten oder bevorzugen in ihrer Lebensregion erzeugte Lebensmittel. So ernähren sich zum Bespiel bereits heute 52 % der Deutschen „flexitarisch“, das heißt, sie essen an drei oder mehr Tagen in der Woche kein Fleisch. In Österreich haben sich (laut AMA Marketing) die Ausgaben für Bio-Lebensmittel 2020 um mehr als ein Fünftel erhöht und liegen nun bei 714 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab ein durchschnittlicher, österreichischer Haushalt über 190 Euro für frische Bioprodukte aus.

...bedeuten auch neue Investmentchancen und -risiken

Das Thema Ernährung und die damit verbundenen Wachstumschancen finden inzwischen auch an den Finanzmärkten immer stärkere Beachtung. Um daran zu partizipieren, wurde Smart Food als neuer Sub-Trend in den Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien aufgenommen. Unter diesen Wachstumstrend fallen speziell Nahrungsmittel, die sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise biologisch angebaute Produkte, vegane und vegetarische Lebensmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, aber auch spezielle Sportlernahrung, wie Energieriegel oder Proteinshakes.

Smart Food im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien investiert dabei zum einen in Lebensmittelhersteller, die gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel herstellen (Sunopta oder Bellring Brands). Im Fondsportfolio finden sich zum anderen Zulieferer (DSM, Kerry Group), aber auch Unternehmen, die Altöle und Fette recyclen und wiederverwenden (Darling Ingredients). Bei der Auswahl der Unternehmen wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Im Fokus stehen ein geringer CO2-Abdruck, niedriger Wasserbedarf und minimale Nahrungsmittelverschwendung.

Ein wichtiges Thema im Bereich gesunder und nachhaltiger Ernährung ist der zunehmende Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte. Das Unternehmen Sunopta etwa erzeugt Milch und Milchprodukte aus Hafer, Soja und Hanf und wies in den letzten Jahren starke Wachstumsraten auf. Auch ihr Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln, also gesunden Snacks wie etwa Obstriegel, war in den letzten Jahren sehr profitabel.

Leistungsnahrung für Sportler ist ein weiterer wichtiger Baustein des Themas Smart Food. Ein bedeutendes Unternehmen in diesem Bereich ist Bellring Brands, vielen Sportlern mit den Energieriegeln oder Protein-Shakes der Marke „Power Bar“ und „Dymatize“ bekannt. Das Unternehmen konzentriert sich damit auf ein stark wachsendes Segment, in dem derzeit hohe Gewinnmargen erzielt werden können.

Unternehmen wie DSM oder Kerry Group sind weltweit führende Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen, Enzymen, Geschmackstoffen oder probiotischen Kulturen. Damit sorgen sie nicht nur dafür, dass die Lebensmittel besser schmecken, sondern hauptsächlich auch dafür, dass sie weniger Fett und Zucker enthalten und somit insgesamt gesünder für den Menschen sind.

Ein besonders heißes Thema im Bereich Smart Food ist derzeit im Labor gezüchtetes Fleisch. Noch gibt es allerdings kein börsennotiertes Unternehmen, das sich speziell auf diesen Bereich konzentriert und eine Marktreife für solche Produkte liegt noch in weiter Ferne. Zugleich sollte man nie unterschätzen, wie schnell sich zuweilen neue Technologien und Produkte herausbilden und etablieren können. Langweilig wird es im Bereich Smart Food jedenfalls ganz sicher nicht!

Fazit

Unsere Ernährung und alle Prozesse rund um Erzeugung und Transport unserer Nahrungsmittel sind in einem regen Wandel begriffen, bei dem gleich mehrere drängende Herausforderungen zeitgleich zu meistern sind. Das eröffnet sowohl neue Chancen als auch neue Risiken für bestehende und neu auf den Markt drängende Anbieter. Daher ist hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Food engagieren.

Die Subscription Economy als Investment: Bilanz nach einem Jahr

Das Geschäftsmodell des Abonnements ist schon länger fester Bestandteil des Konsumentenverhaltens. Sie bieten für Anbieter sowie Nutzer neben Flexibilität und Individualität gleichermaßen Vorteile gegenüber dem einmaligen Kauf eines Produkts. Der Megatrend Subscription Economy ist mittlerweile in fast allen Branchen präsent und zunehmend in den Blickpunkt von Investoren und Investmentmanagern gerückt – so auch von Natixis Investment Managers.
Auf FondsTrends sprechen die Portfoliomanager Nolan Hoffmeyer und Walid Azar Atallah von Thematics Asset Management über die ersten Schritte in einem noch sehr jungen Investmentbereich, das Potenzial hinsichtlich Resilienz und Wachstum sowie spannende Herausforderungen für die Zukunft. 

FondsTrends: Herr Hoffmeyer, Herr Atallah, woher kam die Idee in die Subscription Economy zu investieren?

Nolan Hoffmeyer: Tatsächlich weiß ich noch ganz genau, wo ich war, als ich zum ersten Mal auf diesen Gedanken kam: Auf meinem Roller an einer roten Ampel mit Blick ins Fenster eines Fitnessstudios. Da konnte ich deutlich erkennen, dass sich Abodienste wirklich überall durchsetzen! Ganz neu war mir das Konzept nicht, denn ich hatte mich schon eine ganze Weile mit Softwareanbietern beschäftigt und dort einen Wandel beobachtet.
Als wir im Team gründlichere Recherchen anstellten, merkten wir ziemlich schnell, was das für ein breites, attraktives Thema war.
So ein Produkt kommt natürlich nicht über Nacht auf den Markt: von der Machbarkeitsstudie über das Investmentdesign bis zur Auflegung verging rund ein Jahr.

FondsTrends: Wie fühlen Sie sich heute nach einem Jahr als Investor der Sparte „Subscription Economy“?

Nolan Hoffmeyer: Als „Thema“ ist die Subscription Economy die jüngste Idee unter den themenspezifischen Investments und genoss im ersten Jahr entsprechend viel Aufmerksamkeit. Um die Wahrheit zu sagen, kam mir dieses Jahr durch das Marktumfeld, das wir erleben, länger vor.
Auf jeden Fall bot es uns Gelegenheit, die Widerstandsfähigkeit des Konzepts auf die Probe zu stellen. Es ist zwar noch recht früh, doch wir sind mit den ersten Entwicklungen zufrieden, und wenn alle mitspielen, rechnen wir mit einer glänzenden Zukunft.

FondsTrends: Wie außergewöhnlich ist Ihr Ansatz in Ihren Augen?

Walid Azar Atallah: Als Neuzugang im Team war die Einzigartigkeit des Investmentthemas für mich eindeutig eine Motivation, mich mit in dieses Abenteuer zu stürzen. Ich hatte bereits Erfahrung im Management themenspezifischer Strategien mit Schwerpunkt auf den Millennials gesammelt und fühlte mich ganz klar vom innovationsorientierten Ansatz des Unternehmens angesprochen.

Nolan Hoffmeyer: Das Team hat hart daran gearbeitet, ein unserer Ansicht nach einzigartiges und vielfältiges Spektrum von Investmentgelegenheiten in Angriff zu nehmen.

FondsTrends: Welche drei Fakten und Zahlen würden Sie gern allen mit auf den Weg geben?

Walid Azar Atallah: Heute machen Abomodelle erst 5 bis 6 %1 der Verbraucherausgaben aus. Da ist also noch viel Spielraum nach oben.

Nolan Hoffmeyer: Kunden bleiben ihren Abos treu: So wurden beispielsweise Immobilienportale während der Pandemie hart getroffen, doch Unternehmen wie Rightmove aus dem Vereinigten Königreich oder Scout24 aus Deutschland haben kaum Kunden verloren. Der Nachhaltigkeitsaspekt von Abomodellen wird häufig übersehen: So kann beispielsweise die Migration von unternehmenseigenen Diensten auf Cloud-Dienste den Energieverbrauch im Schnitt um 65 %2 und den CO2-Ausstoß um 84 %2 verringern.

FondsTrends: 2020 hat sicherlich viele Überraschungen gebracht. Bitte verraten Sie uns, welche für Sie die größte war.

Nolan Hoffmeyer: Wir könnten sagen, die Resilienz des Geschäftsmodells, doch das war für uns in Wirklichkeit gar keine Überraschung. Aber mit ein bisschen Abstand beeindruckte uns, wie schnell sich die Gesellschaft auf die Krise einstellte und das hat offensichtlich auf die Unternehmen durchgeschlagen, in die wir investiert sind.

Walid Azar Atallah: Ich komme ja eher aus der Konsumecke und hatte persönlich nicht damit gerechnet, dass so viele B2B-Unternehmen ins Abogeschäft einsteigen würden. Auch die Zahl der Offline-Produkte und -Dienste, die über Abomodelle angeboten werden, fand ich überraschend.

FondsTrends: Modelle auf Abobasis sind von etlichen Branchen eingeführt worden, die in den letzten Jahren im Umbruch waren (Musik, Video, Spiele etc.). Wo stellt sich die nächste Herausforderung?

Walid Azar Atallah: Wir haben viel Disruption in einem breiten Spektrum von Branchen beobachtet, was der technischen Entwicklung und der stetig zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft zuzuschreiben war. Ich glaube, auch die Fitnessbranche ist reif für Veränderungen. Die jüngsten Ereignisse haben die Umwälzung noch beschleunigt. An die Spitze des Trends haben sich Unternehmen wie Peloton gesetzt, doch wir sehen, wie immer mehr namhafte Unternehmen wie Amazon und Apple versuchen, sich ihren Anteil am Fitness-2.0-Markt zu sichern.

Nolan Hoffmeyer: Das Internet der Dinge ist zweifellos ein faszinierendes Segment, in dem sich Unternehmen wie Signify herausbilden, das ein Abomodell für smarte Beleuchtungsdienste anbietet. Ein weiteres Beispiel, das in den Medien zu kurz kommt, sind die Börsen. Unternehmen wie Nasdaq und LSE wenden sich von transaktionsgestützten Modellen ab und gewähren stattdessen durch Abos Zugang zu ihrer Technologie und ihren Datensätzen.

FondsTrends: Welche Dienste oder Produkte abonnieren Sie privat?

Walid Azar Atallah: Wir abonnieren tatsächlich etliche der Dienste, in die wir im Konsumsektor investieren: Dazu gehören unter anderem Online-Nachrichten, Fitnessstudios, Live-Gaming-Dienste und natürlich Video- und Musik-Streaming-Abos.
2020 haben wir uns beide beim Kochbox-Lieferdienst HelloFresh angemeldet – eine gute Möglichkeit, etwas Abwechslung in unseren Speiseplan zu bringen.

Nolan Hoffmeyer: Und wir haben 2020 beide geheiratet und deshalb unsere Dating-Service-Abos gekündigt!

FondsTrends: Herr Atallah, Herr Hoffmeyer, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 27. April 2021.

1) Quelle: Waterstone Management Group, Juli 2018, und ING Economic Department, April 2018
2) Quelle: Accenture Research, September 2020

Nolan Hoffmeyer

Nolan Hoffmeyer ist verantwortlich für die Subcription Economy Strategie. Er ist außerdem Co-Manager der AI & Robotics Strategie und verfügt über 7 Jahre Erfahrung. Zuvor war er bei Pictet Asset Management tätig (seit 2012). Nolan schloss sein Studium an der Universität St. Gallen mit einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre ab und hat einen Master in Financial Engineering von der Universität Lausanne. Nolan Hoffmeyer ist außerdem CFA-Charterholder.

Walid Azar Atallah

Walid Azar Atallah ist Co-Manager des Thematics Subscription Economy Fonds. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen war Walid 4 Jahre bei Decalia Asset Management in Genf tätig, wo er den Decalia Millennials und den Decalia Silver Generation mitverwaltete. Er begann seine Karriere innerhalb des Thematics-Teams von CPR Asset Management, wo er 3 Jahre als Junior-Portfoliomanager für CPR Silver Age und CPR Global Silver Age tätig war. Walid hat einen Master-Abschluss in Handel und Risikomanagement von INSEEC in Paris und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Saint Joseph Universität in Beirut.

Die nordischen Märke als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit

Im Interview mit FondsTrends beleuchtet Hagen-Holger Apel, Head of Wholesale bei DNB Asset Management, die aktuellen Herausforderungen seiner Branche sowie die neusten Nachfragetrends und Opportunitäten am Markt.

FondsTrends: Hagen-Holger Apel, vor welchen Herausforderungen stehen Asset Manager aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie?

Hagen-Holger Apel: Eine der großen Aufgaben in der Branche ist es gegenwärtig, trotz Social Distancing, Stay at Home und Lockdown, präsent bei den Kunden zu sein. Gerade in der momentanen Situation schöpfen wir alle technologischen Möglichkeiten aus, um Kontakte zu pflegen und in Verbindung zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir bei DNB Asset Management die virtuellen One-to-One-Meetings mit unseren Portfoliomanagern ins Leben gerufen. Als eine Art digitale Kompensation des FONDS professionell Kongress werden wir deshalb am 9. & 10. sowie 15. & 17. Juni ein virtuelles Forum mit persönlichen Online-Gesprächen anbieten, welches unseren Kunden erlaubt sich trotz der aktuell schwierigen Situation mit unseren Fondsmanagern und Kapitalmarktexperten auszutauschen.

FondsTrends: Welchen übergeordneten Nachfragetrend erkennen Sie gegenwärtig am Markt?

Hagen-Holger Apel: Unsere Kunden fragen uns aktuell nochmals vermehrt nach ESG-Produkten. Das liegt sicherlich an den regulatorischen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus konnte ich in den vergangenen Monaten feststellen, dass sich viele Fondsselektoren zunehmend Gedanken über die Implikationen der einzelnen Fonds machen und gezielt nach Impact-Strategien suchen. Derartige Anfragen freuen mich persönlich stets sehr, da wir, als einer der größten nordischen Asset Manager, bereits seit über 30 Jahren ESG-Aspekte in unsere tägliche Arbeit bzw. unsere Investmententscheidungen einfließen lassen. Denn gerade in den nordischen Volkswirtschaften ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend, sondern ein Teil der skandinavischen DNA.

FondsTrends: Bieten Sie ihren Kunden gezielte Anlagelösungen in diesem Segment?

Hagen-Holger Apel: Angesichts der gestiegenen Anforderungen am Markt und der noch nie dagewesenen Sensibilität in Bezug auf soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte bin ich sehr stolz darauf, dass wir unseren Kunden mit dem DNB Fund Renewable Energy eine Anlagelösung bieten können, die nicht nur eine hohe Reputation besitzt, sondern auch einen echten Mehrwehrt für Mensch und Natur bietet. So ist unser Fonds, welcher eine sehr zielgerichtete ESG-Strategie verfolgt, nach Artikel 9 gelistet und wurde im vergangenen Jahr das dritte Mal in Folge mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen im Rahmen der Vergabe des FNG-Siegels (Forum Nachhaltige Geldanlage) ausgezeichnet. Damit können wir den Bedarf an transparenten, validen und renditestarken ESG-Anlagen mit einem zukunftsfähigen Produkt abdecken.

FondsTrends: Was meinen Sie konkret mit der Aussage „Nachhaltigkeit ist ein Teil ihrer DNA“?

Hagen-Holger Apel: Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft, die gerade in den skandinavischen Ländern eine sehr lange Tradition hat. Folglich wurde dieser Gedanke schon über Generationen hinweg weitergegeben. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland weiß somit schon jedes Kind, dass für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum gepflanzt werden sollte.

FondsTrends: Gibt es weitere Trends, die gegenwärtig auf eine hohe Nachfrage stoßen?

Hagen-Holger Apel: Das zweite große Thema, das bei unseren Kunden gegenwärtig auf besonders hohes Interesse trifft, ist der Technologie-Sektor. Viele Investoren möchten natürlich gerade jetzt, in einer Welt, die vom digitalen Wandel geprägt ist, alle möglichen Opportunitäten im Sektor mitnehmen. Denn ohne Zweifel wird die technologische Entwicklung nach COVID weiter voranschreiten, und neue Geschäftsmodelle werden alte ersetzen. Mit dem DNB Fund Technology, mit welchem wir seit gut 20 Jahren zu den erfolgreichsten Fonds am Markt zählen, bieten wir dabei, gerade für Investoren die Klumpenrisiken vermeiden möchten, eine sinnvolle Ergänzung zu Einzelinvestments. Zwar träumt jeder Anleger davon, die nächste Amazon in seinem Depot zu haben, allerdings, und das macht die Sache so schwierig, sind diese Perlen anfangs nicht zu erkennen. Wir setzen daher langfristig auf aussichtsreiche Substanzwerte.

FondsTrends: Das Momentum im Tech-Sektor hat sich zuletzt stark abgeschwächt, mit welcher Strategie möchten Sie dennoch eine positive Performance in diesem Sektor erzielen?

Hagen-Holger Apel: Unsere beiden Portfoliomanager Anders Tandberg-Johansen und Sverre Bergland verfolgen mit dem DNB Fund Technology einen sehr soliden, leicht auf „Value“ ausgerichteten Ansatz, welcher ein weitaus geringeres Bewertungsniveau als der Nasdaq 100 Index aufweist. So konnte der Fonds, der unter Artikel 8 gelistet ist, seit Auflage 2007 in Luxemburg eine durchschnittliche Rendite von 16,28 Prozent generieren. Mit diesem Ansatz konnte unser Technologie-Fonds, nach Gebühren und in allen Marktphasen, seine Benchmark um durchschnittlich 4,54 Prozent übertreffen. So zahlt es sich auch im gegenwärtigen Marktumfeld aus, nicht blindlings den FANG-Werten hinterherzulaufen, sondern Ausschau nach günstigen Tech-Value-Werten zu halten. Diese sind aktuell besonders in Europa und im Bereich der Telekommunikationsdienstleister sowie in der Tech-Hardware und Equipment-Branche zu finden.

FondsTrends: Herr Apel, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 31. Mai 2021.

Hagen-Holger Apel

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 bei DNB Asset Management S.A. als Senior Client Portfolio Manager beschäftigt. In dieser Funktion ist er ein Bindeglied zwischen dem in Norwegen basierten Fondsmanagement und den internationalen Kunden und gewährleistet somit ein hohes Maß an Qualität in der Kundenbetreuung. Apel ist Diplom-Volkswirt (LMU München) und Certified International Investment Analyst (CIIA) der DVFA Frankfurt. Er verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung als Bankkaufmann, Händler und Portfoliomanager und ist seit vierzehn Jahren am luxemburgischen Finanzplatz tätig. Er spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch. Im internationalen Geschäft ist er in leitender Position verantwortlich für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Real Assets and the Inflationary Awakening

by Rob Guiliano and Michael Narkiewicz, both Senior Portfolio Manager at State Street Global Advisors.

Over the last decade, inflation has been subdued around the globe and struggled to come close to central bank targets despite loose monetary policy actions. However, influenced by the economic effects of the global pandemic, inflation appears poised to re-emerge in 2021 and to have an impact in the years to come.

This should encourage a re-examination of portfolios that have largely benefited from robust equity and bond returns, and which may now face inflationary challenges. Investors who find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, which have historically performed well and shown a higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

Cyclical Inflation Drivers Accelerating

By keeping short-term interest rates low, the US Federal Reserve (Fed) expects to stimulate overall economic conditions and spark a business cycle expansion, which it hopes will be inflationary. The Federal Reserve Banks of San Francisco and Cleveland have explored the relationship between core inflation and the business cycle. They concluded that cyclical drivers of personal consumption expenditure (PCE) inflation (e.g., housing, recreational services, food services, select nondurable goods) have improved since the recession that followed the 2008 Global Financial Crisis (GFC), while acyclical drivers of PCE inflation (e.g., health care services, financial services, clothing, transportation) have remained stubbornly low and kept overall inflation subdued.1,2

For 2021, State Street is anticipating increased economic growth, measured by GDP rising 5.3% in the US and 5.7% globally.3 The V-shaped recovery in manufacturing is evidence of firming aggregate demand; along with supply constraints, the recovery has led to reduced stockpiles and higher commodity prices. Concerns about significant inflationary effects result from a resurgence of cyclical influences (e.g., healing labor markets) as well as from modestly rising acyclical influences.

State Street Inflation Outlook

Market expectations for inflation recently touched 2.6%, with 5-year breakevens reaching a level not seen since July of 2008, i.e., before the GFC sank inflation expectations. The implied inflation pick-up moved from a pre-pandemic reading of 1.7% to a low of 0.18% in mid-March of 2020, when investors fully considered the implications of continued easy monetary policy, massive fiscal stimulus, potential dollar weakness, and declining economic slack in the future.

We expect that, over the next few months, inflation measures will get a significant bump due to negative base-effects rolling off from 2020 and higher recent energy and food prices. The St. Louis Fed’s President James Bullard has suggested that the US economy is going to recover more quickly than many forecasters expect, and unlike recent experience he foresees more price volatility and higher inflation. In fact, he would embrace inflation over 2% on a sustained basis and accept it staying 0.5 percentage points above the Fed’s target for an extended period.4 Further, purchaser and manufacturer input costs have accelerated in the first two months of 2021, experiencing their largest gains since December of 2009.

Inflation-Hedging Asset Strategies

Investors currently under-allocated to inflation-hedging assets are vulnerable to a sustained move higher in inflation. Real assets have historically performed well in such an environment, with higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

This current cyclical pick-up in inflation may, therefore, also counsel the consideration of investments such as commodities and global natural resources, as well of value-oriented equities in areas like infrastructure. For the latter, the potential approval of increased fiscal spending directed toward infrastructure in the later part of 2021 could prove to be another tailwind.

Real estate has been hit particularly hard over the last two years but has begun to recover and adjust its business models to the new reality of the pandemic-changed work environment and to the increased shift to e-commerce.

While inflation-linked bonds may have already experienced much of the increase in inflation expectations, shifting exposure to shorter-duration securities would be a way to mitigate interest rate volatility and better align with future inflation moves — without giving up too much yield at current levels.

And what if actual readings surpass current consensus expectations? If inflation overshoots at sustained higher levels, gold may play a larger and more significant roll due to the negative effect inflation can have on broad equity and fixed income exposures.

Closing Thoughts

The current inflation outlook is more complex than it has been in some time. Massive monetary and fiscal stimulus, the release of pent-up demand in depressed service areas, pressures on global supply chains, and a weaker US dollar are all influencing expectations. And while output gaps may serve to cap the amount of the rise, a cyclical recovery likely will lift inflation almost everywhere.

Higher inflation may not surprise the markets, but the accompanying volatility will test investors’ asset allocation strategies. All investors may soon find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation, and should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, in their portfolios because of strong historical performance during inflationary periods.


Please find a PDF version of the article attached as a download here or the full version on ssga.com.

1) Mahedy, Tim, and Adam Shapiro. 2017. “What’s Down with Inflation?” Federal Reserve Bank of San Francisco Economic Letter 2017-35, November 27, 2017.
2) Zaman, Saeed. 2019. “Cyclical versus Acyclical Inflation: A Deeper Dive.” Federal Reserve Bank of Cleveland Economic Commentary 2019-13. September 4, 2019.
3) Weekly Economic Perspectives — GMPR Quarterly, State Street Global Advisors, March 22, 2021.
4) Jeremy D. Schwartz, 2021. “Behind the Markets Podcast: St. Louis Fed President Jim Bullard,” Episode 227, Behind the Markets Podcast, March 5, 2021.

About the State Street Real Asset Strategy

State Street offers investors a seasoned, diversified multi-asset strategy that combines exposure to a broad array of liquid real asset securities. The Real Asset Strategy is expected to perform best during periods of increasing inflation or rising unexpected inflation. The Strategy is meant to be a complement to traditional equity and bond assets, providing further diversification, attractive returns, and a source of income in a low-yielding environment. For complete information, please contact your State Street representative.

About State Street Global Advisors

Our clients are the world’s governments, institutions and financial advisors. To help them achieve their financial goals we live our guiding principles each and every day: Start with rigor, build from breadth, invest as stewards, invent the future.
For four decades, these principles have helped us be the quiet power in a tumultuous investing world. Helping millions of people secure their financial futures. This takes each of our employees in 31 offices around the world, and a firm-wide conviction that we can always do it better. As a result, we are the world’s third-largest asset manager with US $3.47 trillion* under our care.

* This figure is presented as of December 31, 2020 and includes approximately $75.17 billion of assets with respect to SPDR products for which State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) acts solely as the marketing agent. SSGA FD and State Street Global Advisors are affiliated.

Impact Investing – wie die Offenlegungsverordnung zur Verwirrung führt

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter machen Werbeversprechen, mit ihren Angeboten zu einer nachhaltigen Welt im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) beizutragen. Seit März gelten neue Spielregeln, denn der Gesetzgeber hat mit der Offenlegungsverordnung neue Transparenzvorschriften erlassen. Er will Klarheit schaffen, welche Fonds nicht nachhaltig, ein wenig nachhaltig und sehr nachhaltig sind oder gar eine positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen. Wenn ein Investor künftig behauptet, er erziele Impact, dann sollte er seinen Fonds in Artikel 9 der Offenlegungsverordnung einklassifizieren und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Bei solchen Fonds heißt es, sie verfolgten ein nachhaltiges Ziel (siehe Definition unten).

Auf den ersten Blick klingt es nach einer richtigen Idee. Doch leider schafft der Gesetzgeber in der technischen Ausgestaltung mehr Verwirrung als Klarheit. Der Begriff Impact Investing verwässert. Eine Analyse:

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Das Global Impact Investing Network, der wichtigste Verband im Bereich Impact Investment hat eine klare Haltung, was Impact Investing ausmacht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen, von nachhaltiger Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, oder Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung. Dafür haben Impact Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Impact Investment geht somit über Sustainable Investment-Ansätze, wie in der Grafik dargestellt, hinaus.


Quelle: Bridge Venture, Spectrum of Capital

Diese Definition ist am Markt im weiten Maße anerkannt, wenngleich es einige Diskussionen gibt, wie streng Intentionalität und Messbarkeit auszulegen sind, um als klassisches Impact Investment gelten zu müssen.

Der Ansatz des Gesetzgebers

Mit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung am 10. März 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung, was als nachhaltige Investition angesehen wird bzw. nicht. Im Text wird zwischen drei Nachhaltigkeitsklassen unterschieden (Artikel 6, 8 und 9). Eine nachhaltige Investition ist demnach:

(…) eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines Umweltziels beiträgt, gemessen beispielsweise an Schlüsselindikatoren für Ressourceneffizienz bei der Nutzung von Energie, erneuerbarer Energie, Rohstoffen, Wasser und Boden, für die Abfallerzeugung, und Treibhausgasemissionen oder für die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Kreislaufwirtschaft, oder eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines sozialen Ziels beiträgt, insbesondere eine Investition, die zur Bekämpfung von Ungleichheiten beiträgt oder den sozialen Zusammenhalt, die soziale Integration und die Arbeitsbeziehungen fördert oder eine Investition in Humankapital oder zugunsten wirtschaftlich oder sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen, vorausgesetzt, dass diese Investitionen keines dieser Ziele erheblich beeinträchtigen und die Unternehmen, in die investiert wird, Verfahrensweisen einer guten Unternehmensführung anwenden, insbesondere bei soliden Managementstrukturen, den Beziehungen zu den Arbeitnehmern, der Vergütung von Mitarbeitern sowie der Einhaltung der Steuervorschriften; (Artikel 2 (17) Offenlegungsverordnung)

Investor Impact versus Enterprise Impact

Wer nun diese nachhaltige Investition anstrebt, gilt als sehr nachhaltig. Das klingt zunächst einleuchtend. Problematisch ist, dass die Offenlegungsverordnung für Investmentfonds nicht unterscheidet, wer eine positive Wirkung erzielen soll: Ist es der Investor wie bei der Definition des Global Impact Investing Network? Oder ist es das Unternehmen, in das investiert wird? Zweites ist der Ansatz vieler Wertpapierfonds, welche eine Wirkung auf die SDGs erzielen wollen, dabei aber nur messen, inwieweit das investierte Unternehmen mit seinen Geschäftsaktivitäten darauf einzahlt. In der Wissenschaft hat sich mittlerweile eine Unterscheidung zwischen der Wirkung des Investors (Investor Impact) und der Wirkung der investierten Unternehmen (Enterprise Impact) entwickelt.

Grob lassen sich folgende Unterscheidungsmerkmale treffen:

Impact-Ansätze im Auswahlprozess von Investmentfonds

Name

Investor Impact

Enterprise Impact

Art

Direkte Bereitstellung von Kapital an wirkungsstarke Unternehmen

Identifizierung von Unternehmen mit Impact-Geschäftsfeldern

Wirkungsform

Direkt

Indirekt

Messgröße

Vorab festgelegte Wirkindikatoren (u.a. Schaffung lokaler Arbeitsplätze, Rückgang Virenerkrankungen)

Finanzindikatoren (i.d.R. Umsatz)

Unternehmenstypen

Kleine, lokale Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen, darunter globale Konzerne

Rechtliche Fondsstruktur

Alternativer Investmentfonds 

Offener Wertpapierfonds (OGAW)

Zugang für Privatanleger

Begrenzt (Ausnahme: Mikrofinanz)

Gegeben

Handelbarkeit

Begrenzt 

Gegeben

Quelle: eigene Zusammenstellung

Der Enterprise-Impact-Ansatz wird mittlerweile immer kritischer hinterfragt. Denn de facto wird bei diesen Fonds in der Regel die Aktie bzw. Anleihe von einem anderen Investor über die Börse erworben. Das Kapital fließt also nicht direkt ins Unternehmen. Ein direkter Wirkzusammenhang lässt sich nicht zeigen. Auf dieser Ansicht gründet auch die Klage der Verbraucherzentrale zu so genannten Impactrechnern am Markt.

Folgen der Verwirrung

Die derzeit fehlende Präzisierung in der Offenlegungsverordnung birgt verschiedene Herausforderungen, u.a.:

  • Gefahr des Greenwashing: Die Unterscheidung zwischen Investor und Enterprise Impact dürfte v.a. Privatanleger*innen nicht geläufig sein. Generell gilt die Finanzbildung in Deutschland als schwach. Eine weitere Detaillierung im Bereich Nachhaltigkeit dürfte wohl für noch mehr Unverständnis führen. Anleger*innen könnten so in die Irre geführt werden, dass sie mit dem Kauf von Anteilen an Wertpapierfonds tatsächlich CO2-Emissionen einsparen. Diese unmittelbare Wirkung ist wissenschaftlich nicht fundiert, indirekt Wirkketten sind in der Branche umstritten.
  • Nachhaltigste Unternehmen unerkannt: Zur Transformation der Wirtschaft braucht es junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen. Sie suchen händeringend nach Investorenkapital, haben aber häufig nicht die Kapazitäten für ein umfangreiches Nachhaltigkeits-Reporting. Damit ist aus Sicht des Fondsanbieters häufig nicht klar, inwieweit sie die gesetzlichen Anforderungen an eine Artikel 9-Klassifizierung erfüllen. Folge: in sie wird nicht investiert. Stattdessen wird in große nationale Unternehmen investiert, die umfassend über ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen Bericht erstatten.
  • Verwässerung von Branchenstandards: Ebenso wenden sich Finanzakteure von einstigen Branchenstandards ab (wie eben jenem vom GIIN) und definieren anhand gesetzlicher Vorgaben ihren eigenen Impact-Standard. Einstige Branchenstandards verlieren somit an Relevanz.

Fazit und Verbesserungsvorschläge

Die bisherige Ausgestaltung zu nachhaltigen Investitionen in der Offenlegungsverordnung bietet Raum für Interpretation. Der Gesetzgeber sollte sich überlegen, nachzuschärfen. Glücklicherweise findet am Markt eine lebhafte Diskussion über die Wirkung von Investmentfonds statt. Wissenschaftler beziehen Position, welche Arten von Wirkung es bei den einzelnen Fondsklassen gibt. Drei Studien und Gutachten bieten gute Orientierungspunkte und eine gute Starthilfe für den Gesetzgeber. Der wissenschaftliche Artikel „Impact Investing – a call for (re)orientation“ differenziert die Impact-Potenziale von Investoren und Unternehmen. Das Gutachten von Prof. Dr. Klein im Auftrag der Verbraucherzentralen nimmt aus Verbrauchersicht Stellung dazu. Einen sehr guten Überblick über verschieden Impact-Ansätze bietet auch der Investor's Guide for Impact von Florian Heeb und Julian Kölbel. Es wäre eine Überlegung wert, bei der Umsetzung von technischen Regulierungsstandards die Kernpunkte dieser Werke mit einfließen zu lassen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Biodiversität: Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Das Leben im anthropogenen (menschengemachten) Zeitalter bedeutet für die meisten Spezies dieser Erde nichts Gutes. Die Vielfalt an Arten und die Stabilität von Ökosystemen ist durch den Menschen immer stärker bedroht. Die immer weniger nachhaltigen Lebens- und Verhaltensmuster von zunehmend mehr Menschen führen zu einer spürbaren Verschlechterung der Umfeldbedingungen aller Tiere und vieler Menschen auf unserem Planeten. Die Frage stellt sich, ob der Mensch noch Teil des Ökosystems Erde ist oder er und seine Handlungen nur mehr im Widerspruch zur Natur stehen.

Ein Erhalt von funktionierenden Ökosystemen als Basis für die biologische Vielfalt unserer Welt ist daher das Ziel von nachhaltig denkenden Menschen und Investoren und wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft immer mehr als große Herausforderung für die Zukunft erkannt.

Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens, anders gesagt, die Variabilität verschiedener lebender Organismen in Ökosystemen an Land und im Meer. Biodiversität beschreibt damit einerseits die Vielfalt zwischen den Arten und andererseits die Vielfalt der Ökosysteme selbst sowie die genetische Vielfalt. Ein nachhaltiger Umgang mit der biologischen Vielfalt der Erde ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Menschen, Fauna und Flora.

Das Thema Biodiversität erhielt erstmals durch die Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro eine breite Aufmerksamkeit und gesellschaftspolitische Bedeutung. Ein Jahr später trat die Convention on Biological Diversity, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) – ein internationales Umweltabkommen – in Kraft. Aktuell haben 196 Staaten unterzeichnet. Mit zwei Protokollen, dem Cartagena-Protokoll und dem Nagoya-Protokoll existieren zwei völkerrechtlich verbindliche Abkommen zur Umsetzung der Ziele der CBD. Das Cartagena-Protokoll regelt den grenzüberschreitenden Verkehr von gentechnisch veränderten Organismen, während das Nagoya-Protokoll die Aichi-Ziele für den weltweiten Artenschutz festgelegt hat. Die Aichi-Ziele besagten, dass bis 2020 der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert werden sollte, die Überfischung der Weltmeere gestoppt und 17 % der Landfläche respektive 10 % der Meere unter Schutz gestellt werden sollten. Die Jahre 2011 bis 2020 waren von den Vereinten Nationen zur „Dekade der Biodiversität“ proklamiert worden. Im September 2020 wurde bekannt, dass die Aichi-Biodiversitätsziele nicht erreicht werden konnten.

Biodiversität im Zusammenhang mit der Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme steht in Wechselwirkung mit der Gesundheit des Menschen. Gesunde und intakte Ökosysteme sind eine wesentliche Grundlage für die menschliche Gesundheit. Sie sorgen für saubere Luft und Trinkwasser, bieten gesunde Nahrung und Basis für Arzneimittel. Weitere Aspekte der Biodiversität sind der Schutz vor Naturgefahren und das Angebot von Erholungs- und Erfahrungsraum, beide sind für die menschliche Psyche und das Wohlbefinden wesentlich.

BODENVERBRAUCH IN ÖSTERREICH

Biodiversität und Bodenverbrauch stehen im klaren Widerspruch zueinander. Auf Basis der Daten des Österreichischen Umweltbundesamtes wurden in Österreich bis zum Jahr 2019 insgesamt 5.729 km2 an Boden verbraucht. Diese Flächeninanspruchnahme entspricht 7 % der Landesfläche und 18 % des Dauersiedlungsraumes. Die Bezeichnung „Bodenverbrauch“ bedeutet, dass biologisch produktiver Boden durch Verbauung und Versiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren geht. Die Definition umfasst auch intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Bodenversiegelung bedeutet, dass Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann.

Die negativen Wirkungen der Bodenversiegelung umfassen neben der Gefährdung der biologischen Vielfalt auch verschiedene andere Aspekte, wie den Verlust der biologischen Funktionen, einen Prozess, der schwer rückgängig gemacht werden kann. Mit der Bodenversiegelung geht auch der Verlust der Produktivität einher, da die meisten Siedlungen in Regionen mit fruchtbarem Ackerland liegen. Außerdem ergeben sich ein erhöhtes Hochwasserrisiko, der Verlust der Staubbindung und Hitzeeffekte, da bei versiegeltem Boden kein Wasser verdunsten kann.

Der wachsende Bodenverbrauch bedeutet, dass sich der Umfang an Österreichs produktiven Böden verringert, wobei der jährliche Verlust im Zeitraum 2001 bis 2019 gemäß Umweltbundesamt zwischen 38 km2 und 104 km2 schwankte. Ab dem Jahr 2009 war eine Verlangsamung des Trends erkennbar, der aktuelle Mittelwert über drei Jahre liegt bei 44 km2, was in etwa der Größe von Eisenstadt entspricht. Dabei liegt der versiegelte Anteil zwischen 32 % und 41 % des jährlichen Bodenverbrauchs. Das Regierungsprogramm 2020–2024 sieht eine deutliche Verringerung des Bodenverbrauchs vor, der jährliche Zuwachs soll bis 2030 auf 9 km2 pro Jahr sinken. Übrigens gilt auf EU-Ebene die Vereinbarung, bis zum Jahr 2050 einen Nettolandverbrauch von null zu erreichen.

KAUSALER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND ABNAHME DER BIODIVERSITÄT

Bis vor einigen Jahrzehnten standen die unbedachte oder gezielte Ausrottung von Spezies und die Übernutzung an der Spitze der Gründe für eine Abnahme von Biodiversität. Mittlerweile führt die Veränderung oder Zerstörung ganzer Ökosysteme zu einem in der Historie bisher beispiellosen Artenrückgang. Ein wesentlicher Grund für den Verlust von Biodiversität ist die fortschreitende Änderung der Landnutzung. Wälder werden abgeholzt und natürliche Ökosysteme umgestaltet, um den Umfang landwirtschaftlich genutzter Flächen zu erhöhen. Neben der Waldvernichtung sind Gewässerverschmutzung, Verbauung von Flüssen, Zersiedelung und Versiegelung von Flächen Ursachen, die den Lebensraum vieler Arten vernichten. Folgen des Verlustes an Biodiversität sind Klimaänderungen, erhöhte Stickstoffbelastung in den Gewässern über Kunstdünger, die Einführung von invasiven Arten und die Erhöhung der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Es zeigt sich, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Abnahme von Biodiversität und dem Phänomen des Klimawandels existiert.

LIVING PLANET INDEX

Der Living Planet Index ist ein Indikator zur Messung biologischer Vielfalt, er basiert auf Trends in der weltweiten Population von verschiedenen Spezies von Wirbeltieren. Der Index wurde vom WWF und dem UNEP Weltüberwachungszentrum für Naturschutz entwickelt. Basis des Living Planet Index ist die Entwicklung von fast 21.000 Populationen von fast 4.000 Wirbeltierarten. Aus dem aktuellen Report aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt zwischen 1970 und 2016 bei 68 % lag.

NEUN ÖKOLOGISCHE GRENZEN

Auch die neun Belastungsgrenzen des Planeten beschäftigen sich mit dem Thema Biodiversität. In ihrem Konzept über die ökologischen Grenzen der Erde hat die Universität von Stockholm neun Grenzen unseres Planeten definiert und Zukunftsszenarien bezüglich der globalen Umweltveränderungen gezeichnet. Diese Belastungsgrenzen der Erde (oft als „Planetare Grenzen“ bezeichnet) umfassen neben dem Verlust an Biodiversität den Ozonabbau der Stratosphäre, die Einbringung neuartiger Substanzen (wie Mikroplastik, Nanomaterial oder radioaktiven Abfall), den Klimawandel, die Übersäuerung der Ozeane, den Süßwasserverbrauch, die nicht nachhaltige Landnutzung, atmosphärische Aerosole und biochemische Kreisläufe (vor allem die Anreicherung der Ozeane mit Phosphor und Entnahme von Stickstoff aus der Atmosphäre). Aus Sicht der Wissenschaftler ist in bereits vier Fällen die Belastungsgrenze überschritten, es sind dies der Klimawandel, biochemische Kreisläufe, Landnutzung und der Biodiversitätsverlust.

Mögliche Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität sind die Schaffung von Schutzgebieten, die Vorbeugung bezüglich der Ausdehnung invasiver Arten, die Miteinbeziehung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei in Konzepte zum Erhalt von Biodiversität sowie die Schaffung starker Institutionen, die den Erhalt der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen unterstützen und internationalen Abkommen zur Umsetzung verhelfen. Wesentlich erscheint auch die Information der Öffentlichkeit über den Nutzen der Erhaltung von Biodiversität. Biologische Vielfalt erhalten bedeutet auch die Förderung einer nachhaltigen Ausrichtung der Landwirtschaft, die Anpassung und eine Einschränkung der Zunahme der Nährstoffniveaus in Wasser und Boden.

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Biodiversität stellt in der Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene wie auf Staatenebene ein Positivkriterium dar und wird auch in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung mit SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und SDG 14 (Leben unter Wasser) abgebildet.

E (Environment)

Biodiversität und damit verbunden die Artenvielfalt sind ein stark umweltbezogenes Thema, es geht um den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Dabei sind einerseits die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und andererseits die biologische Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme von Relevanz. Auf Länderebene ist das Thema Biodiversität mit einer Einschätzung der Artenvielfalt – mit Bezug auf Säugetiere, Brutvögel, Reptilien und Fische – ein eigener Punkt der Nachhaltigkeitsanalyse.

S (Social)

Biologische Vielfalt gilt als wichtige Grundlage für das menschliche Wohlergehen. Die Natur stellt dem Menschen verschiedenste Ressourcen zur Verfügung, wie Nahrung, Brennmaterial und Baustoffe. Auch der psychische Aspekt der Biodiversität ist ein wesentlicher Faktor für das menschliche Wohlbefinden.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen Sorge tragen für den Erhalt der Biodiversität. Das auf Staatenebene geschlossene Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung des Erhalts der Artenvielfalt.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Biodiversität ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Staatsanleihen nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Nordic Properties a Plus in Regional Diversification

Jarkko Lehtonen from United Bankers in Helsinki speaks in the altii interview about the Nordic properties markets and the potential for diversification. He is the portfolio manager of the UB Nordic Property Fund that invests in commercial real estate in that region.

Arbeitsplätze in Schwellenländern mit nachhaltiger Entwicklung generieren

Edda Schröder, die Gründerin und Geschäftsführerin von Invest in Visions, spricht im altii Interview über ihre neue Strategie, in den Mittelstand zu investieren, und wie sie damit Arbeitsplätze in Schwellenländern schafft und nachhaltiges Wachstum generiert.

Investieren in Megatrends: Cashless Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Im 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde erstmals in der Menschheitsgeschichte staatlich anerkannt Papiergeld eingeführt – und zwar in China. Rund 1000 Jahre später ist China erneut Vorreiter bei der Entwicklung neuer Formen des Geldes und des Bezahlens. Papiergeld und generell das Bargeld erscheinen zunehmend als Auslaufmodelle. Geld wird uns grundsätzlich bis auf weiteres erhalten bleiben, ist es doch das „Schmiermittel“ unserer modernen Zivilisation, in vielerlei Hinsicht. Jedoch wird dabei das Bargeld zunehmend durch neue, elektronische (digitale) Bezahlformen ergänzt beziehungsweise verdrängt. Das beinhaltet zahlreiche Umwälzungen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Diese Entwicklungen bieten gutes Ertragspotenzial für vorausschauende Investoren und bedeuten zugleich zusätzliche Risiken für all jene Unternehmen und Investoren, die diese Trends ignorieren.

Nur Bares ist Wahres?

Bargeld und seine Zukunft sind Themen, die sehr rasch zu erhitzten, emotionalen Debatten führen können. Für die einen hat es ausgedient und ist ein archaisches Relikt, das jede Menge Probleme und Nachteile mit sich bringt. Für die anderen ist es eine der wichtigsten Bastionen persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Für die einen ist es ein Ärgernis, das Geldwäsche, Geldfälschung und kriminelle Handlungen aller Art erleichtert und Geldpolitik erschwert. Für die anderen ist es ein robustes, bewährtes Bezahlverfahren, das auch dann noch problemlos funktioniert, wenn Stromversorgung oder Internet ausfallen und das für Hackerattacken unerreichbar ist.

Die Bezahlwelt ist im Umbruch

Wenn der „Durchschnittsbürger“ in Europa, Nordamerika oder Japan an bargeldloses Bezahlen denkt, dann verbindet er damit vor allem Bankomat-, Kreditkarte und Online-Überweisung. In China hingegen wird man in erster Linie an das Smartphone denken. Es ist absolut möglich, dass es junge Menschen in Shanghai, Peking oder Dalian gibt, die noch nie in ihrem Leben mit Bargeld oder Kreditkarten hantiert haben und dies auch niemals tun werden. Chinas Milliardenvolk hat die Kreditkarte weitgehend übersprungen – sehr zum Leidwesen der Branchenriesen Visa und Mastercard. Stattdessen ist das „Reich der Mitte“ Vorreiter bei Bezahl-Software, mit der Banktransaktionen und Bezahlvorgänge per Handy erfolgen.

Einfach das Handy im Supermarkt einzusetzen, findet aber auch hierzulande zunehmend Verbreitung. Die Covid-19-Pandemie und die Angst vor Virenübertragung durch Geldscheine und Münzen haben dem bargeldlosen Bezahlen auch in Europa einen starken Schub gegeben. Selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland, in denen weiterhin viele Menschen Bargeld bevorzugen, ist der Anteil bargeldloser Transaktionen in den letzten 12 Monaten sprunghaft gestiegen. Hinzu kommt der zusätzliche starke Impuls für den – naturgemäß bargeldlosen – Online-Handel als Folge von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. Wichtig für Investoren ist dabei, dass der Trend zu bargeldlosen Zahlungen nicht durch die Pandemie geschaffen, sondern durch sie nur verstärkt wurde. Daher wird er auch nicht mit ihr enden. Ein weiterer starker Treiber für den Vormarsch elektronischer Bezahlformen zeichnet sich ab: die Notenbanken! Auch hier scheint China einer der Vorreiter zu sein, aber auch in der Eurozone, den USA, Japan und selbst in Staaten wie Venezuela, arbeiten die Zentralbanken offenbar mit Hochdruck an der Einführung „digitaler Währungen“. Sie würden ihnen unter anderem zusätzliche Möglichkeiten in der Geldpolitik eröffnen.

„Kryptowährungen“ – das Geld der Zukunft?

Beim Stichwort „digitale Währungen“ werden allerdings viele Menschen wohl nicht so sehr an Euro oder US-Dollar denken, sondern in erster Linie an Bitcoin und Co. Diese so genannten Kryptowährungen haben vor allem durch ihre gewaltigen Preisanstiege in den letzten Monaten (gegenüber den herkömmlichen „Papiergeldwährungen“) viele neue Fans gewonnen und auch so manchen Skeptiker in Unternehmen und bei institutionellen Investoren überzeugt. Allerdings: der Begriff „Kryptowährung“ ist eigentlich irreführend. Kaum einer dieser inzwischen tausenden verschiedenen „cryptocoins“ erfüllt auch nur annähernd die Kriterien einer Währung. Das gilt selbst für Bitcoin und Ethereum, die beiden Platzhirsche in dem Segment. Je nach Sichtweise sind sie aktuell in erster Linie Anlage- oder Spekulationsobjekte, die gehortet, aber nicht zum Bezahlen verwendet werden. Ganze Bücher lassen sich über Chancen, Risiken und mögliche Zukunftsanwendungen dieser meist auf so genannten Blockchains basierenden Anwendungen schreiben. Die zugrundeliegenden Technologien (beispielsweise „smarte Verträge“) oder deren Weiterentwicklungen könnten viele Vorgänge in modernen Volkswirtschaften stark verändern. Vor allem, aber nicht nur, in der Finanzbranche. Für den Moment und noch für längere Zeit sind die „cryptocoins“ in Bezug auf eine Funktion als Zahlungsmittel aber ein reines Nischenprodukt und kein ernstzunehmender Faktor im weltweiten Zahlungsverkehr. Ob sie jemals einer werden oder überhaupt überleben, ist derzeit noch völlig offen.

Der neue Goldrausch?

Es liegt auf der Hand, dass der stürmische Trend zu neuen Bezahlformen eine wahre Goldgrube sein kann für jene Unternehmen, die sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen können und eine ernsthafte Bedrohung für diejenigen, die sie ignorieren. Etliche Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen oder vereinfachen, haben gewaltige Wertsteigerungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren. Angefangen bei den heute schon fast „traditionell“ wirkenden Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard bis hin zu den deutlich jüngeren Unternehmen, wie PayPal, Square, Apple pay (Apple) oder Alipay (Alibaba). Fast allen ist gemeinsam, dass sie über eine enorme Skalierbarkeit verfügen und vergleichsweise wenig in Maschinen, Gebäude oder Personal investieren müssen. Skalierbarkeit bedeutet letztlich, dass mit minimalem zusätzlichen Kapitalaufwand große Mengen an zusätzlichen Erlösen möglich sind. Die Softwarebranche ist das Paradebeispiel dafür und im Grunde sind fast alle bargeldlosen Bezahlformen auch in erster Linie Softwarelösungen. Selbstverständlich sind solche Wertsteigerungen in der Vergangenheit aber keinerlei Gewähr oder Anhaltspunkt für zukünftige Kursentwicklungen.

Bezahlunternehmen – aussichtsreich, aber kein Selbstläufer

Wo neue Gewinner entstehen, gibt es naturgemäß immer auch Verlierer. Banken waren einst die Alleinherrscher beim Bezahlen, bis ihnen die Kreditkartenunternehmen zunehmend Teile des Geschäfts abgruben. Den Banken war es trotzdem lange Zeit recht, weil auch sie vom zusätzlichen Transaktionsvolumen profitierten. Inzwischen aber drohen sie weitgehend abgehängt zu werden in der Bezahl-Wertschöpfungskette. Zugleich sehen sich aber auch Kreditkartenunternehmen unter Druck durch neue Mitbewerber, die online oder auch im Supermarkt Zahlungen ganz ohne Kreditkarte (oder Bankomatkarte) ermöglichen.

Was bedeutet das für Anleger und Investoren? Nun, vor allem, dass auch ein vermeintlich klarer Trend, wie bargeldloses Bezahlen, keinesfalls automatisch zu Reichtum für Investoren führt. Und wie bei jedem vermeintlichen „Goldrausch“ gibt es natürlich auch etliche „schwarze Schafe“, die versuchen mit zu schwimmen und zu profitieren, Stichwort: Wirecard. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien war in Wirecard übrigens nicht investiert, da das Unternehmen vom Fondsmanagement als nicht gut genug befunden wurde. Stattdessen engagiert sich der Fonds in Unternehmen, wie beispielsweise Adyen, Worldline, Paypal, GMP Payment Gateway, Alibaba oder Visa.

Der grundlegende Ansatz dabei: Das Fondsmanagement setzt auf ein relativ breites Spektrum sehr wahrscheinlicher Profiteure und versucht, etwaige Verlierer möglichst zu vermeiden. Es wird vermutlich mehr als nur einen großen Gewinner geben, bietet doch das bargeldlose Bezahlen eine ganze Reihe von unterschiedlichen profitablen Tätigkeitsfeldern für findige Unternehmer.

Übrigens: Viele Bezahlunternehmen dürften eine ausgezeichnete Absicherung gegen etwaige Inflationsrisiken bieten, die zuletzt ganz verstärkt im Rampenlicht vieler Investoren stehen. Denn mit generell anziehenden Preisen für Waren und Dienstleistungen steigen auch die Transaktionsvolumina und damit die Gebühren und Gewinne dieser Unternehmen.

Fazit

Bargeld wird zunehmend durch neue Formen des Bezahlens ergänzt und verdrängt. Dabei gibt es verschiedene konkurrierende Technologien und Anbieter und damit ist auch hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich „bargeldloses Bezahlen“ engagieren.

Auswirkungen der EU-Taxonomie auf die Immobilienwirtschaft

von Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A), und Sarah Kolodzik, CMS Deutschland.

Die EU soll bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Dieses Ziel hat die Europäische Kommission im Dezember 2019 im Rahmen des European Green Deal beschlossen. Als erstes Etappenziel sollen bis zum Jahr 2030 die Treibhausgase der EU um mindestens 55 % unter dem Wert von 1990 gesenkt werden.

Für die Erreichung dieser Ziele sind erhebliche Investitionen in nachhaltige Projekte erforderlich. Der Finanzsektor wird daher bei der Umsetzung des Green Deal eine Schlüsselrolle einnehmen.

Bereits im März 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Der Aktionsplan verfolgt drei Ziele: Erstens die Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen. Zweitens die Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben. Drittens die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit von Finanz- und Wirtschaftstätigkeiten.

Zentraler legislativer Baustein zur Umsetzung des Aktionsplans ist die Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten im EU-Recht (Verordnung (EU) 2020/852 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der VO (EU) 2019/2088 ("Taxonomie-Verordnung")). Die Taxonomie-Verordnung legt verbindlich fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit nachhaltig ist. Durch die Entwicklung eines einheitlichen Begriffsverständnisses soll der Gefahr eines "Green Washing" entgegengewirkt werden.

Nach der Taxonomie-Verordnung ist eine Wirtschaftstätigkeit ökologisch nachhaltig, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines oder mehrerer Umweltziele leistet, nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines oder mehrerer Umweltziele führt, unter Einhaltung eines festgelegten Mindestschutzes ausgeübt wird und technischen Bewertungskriterien entspricht. Die weitere Konkretisierung dieser Voraussetzungen erfolgt durch sogenannte delegierte Rechtsakte in Form regulatorischer und technischer Standards.

Konkretisierung der Nachhaltigkeit von Immobilien durch delegierte Rechtsakte zur Taxonomie-Verordnung

Die Europäische Kommission hat am 21. April 2021 einen ersten delegierten Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung im Hinblick auf die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel vorgelegt.

Der delegierte Rechtsakt beinhaltet zwei Anhänge mit konkreten technischen Bewertungskriterien zur Bestimmung, wann eine Tätigkeit ökologisch nachhaltig ist. Anhang I enthält die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel des Klimawandels und legt fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Anhang II gibt die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel der Anpassung an den Klimawandel vor. Die technischen Bewertungskriterien des delegierten Rechtsakts beinhalten für Immobilien insgesamt sieben Unterkategorien mit konkreten Vorgaben, unter anderem für den Neubau und die Renovierung von Gebäuden sowie den Gebäudebestand.

Gemäß Anhang I sind Neubauten mit Blick auf das Umweltziel des "Klimaschutzes" nur dann Taxonomie-konform, wenn der Primärenergiebedarf mindestens 10 % unter den nationalen Werten des Niedrigstenergiegebäudestandards liegt. Für Deutschland sind insoweit die Werte des zum 1. November 2020 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes relevant. Für Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen ist das Gebäudeenergiegesetz ebenfalls maßgeblich. Alternativ ist eine Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahme auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu einer Reduzierung des Primärenergiebedarfs von mindestens 30 % führt.

Für den Gebäudebestand ist das Errichtungsdatum entscheidend. Differenziert wird zwischen Gebäuden, die vor dem 31. Dezember 2020 errichtet worden sind, und Gebäuden, die nach diesem Datum errichtet wurden. Gebäude, deren Errichtungsdatum vor dem 31. Dezember 2020 liegt, sind Taxonomie-konform, wenn sie mindestens den Energieeffizienzanforderungen des Energy Performance Certificate A entsprechen. Alternativ sind sie auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu den 15 % energieeffizientesten Gebäuden des nationalen oder regionalen Gebäudebestandes gehören. Gebäude, die nach dem 31. Dezember 2020 errichtet wurden, sind Taxonomie-konform, wenn sie den oben genannten Neubaukriterien des delegierten Rechtsakts entsprechen.

Anhang II verlangt zudem hinsichtlich des Umweltziels "Anpassung an den Klimawandel" für die Taxonomie-Konformität von Gebäuden eine Identifikation der für das jeweilige Gebäude einschlägigen Klimarisiken. Zudem müssen Anpassungslösungen existieren, die die wichtigsten Klimarisiken für das Gebäude wesentlich reduzieren.

Der delegierte Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung ist ab dem 1. Januar 2022 anzuwenden.

Weitere regulatorische Schritte

Bis zum 31. Dezember 2021 sollen weitere delegierte Rechtsakte zu den übrigen Umweltzielen der Taxonomie-Verordnung (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) vorgelegt werden und zum 1. Januar 2023 Anwendung finden.

In der Taxonomie-Verordnung werden zudem die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen erweitert. Unternehmen, die der EU-Richtlinie 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) unterliegen und zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet sind, müssen künftig Angaben zur ökologischen Nachhaltigkeit ihrer Wirtschaftstätigkeit veröffentlichen. Zum 1. Juni 2021 sollen Konkretisierungen der erweiterten Publizitätspflichten ebenfalls im Wege eines delegierten Rechtsaktes veröffentlicht werden.

Auswirkungen der Taxonomie-Verordnung auf die Immobilienwirtschaft

Auch wenn derzeit noch einige Fragen bei der Auslegung des Regelwerks offen sind und noch weitere Rechtsakte folgen, kann allen Angehörigen der Immobilienwirtschaft nur dringend empfohlen werden, die durch die Taxonomie-Verordnung implementierten Kriterien im Hinblick auf die Nachhaltigkeit von Immobilien im Blick zu behalten.

In den direkten Anwendungsbereich der Taxonomie-Verordnung fallen zwar nur Finanzmarktteilnehmer, die bestimmte Finanzprodukte anbieten, wie beispielsweise Immobilienfonds, und Unternehmen, die von der CSR-Richtlinie erfasst sind. Die durch die Taxonomie-Verordnung normierten Offenlegungs- und Transparenzpflichten werden jedoch mittelbar die gesamte Immobilienwirtschaft betreffen.

Immobilien, die nicht Taxonomie-konform sind, dürften zumindest mittel- bis langfristig weniger stark im Markt nachgefragt werden und zudem ggf. auch weniger einfach mit Fremdkapital finanzierbar sein. Dies dürfte sich auf die Wertentwicklung solcher Immobilien auswirken. Darin liegt sicherlich auch eine Chance für bestimmte Marktteilnehmer.

Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Bestrebungen auf nationaler Ebene. Mit dem Gebäudeenergiegesetz werden erstmals konkrete Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden in einem Regelwerk zusammengefasst. Die im Gebäudeenergiegesetz enthaltenen Vorgaben werden spätestens im Jahr 2023 erneut auf den Prüfstand kommen. Momentan sind die darin enthaltenen Vorgaben weniger streng als die technischen Bewertungskriterien der Taxonomie-Verordnung. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass sich die Vorgaben mit Blick auf die ambitionierten Ziele des Green Deal in den kommenden Jahren immer weiter verschärfen werden.

Insgesamt steht daher zu erwarten, dass die Preisunterschiede zwischen energieeffizienten und nicht energieeffizienten Gebäuden in den nächsten Jahren steigen werden. Auch die weiteren noch zu konkretisierenden Nachhaltigkeitskriterien werden zeitnah zu wertbildenden Faktoren werden. Investoren sollten daher bereits jetzt diese Kriterien in ihrer Ankaufentscheidung berücksichtigen. Bestandshalter sollten zudem frühzeitig ihre Immobilien darauf überprüfen, ob diese bereits Taxonomie-konform sind und wenn nicht, mit welchem Aufwand dieses Ziel erreicht werden kann.


Dieser Beitrag wurde zuerst von der IREBS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A)

Dr. Sebastian Orthmann ist Rechtsanwalt und Leiter des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Er berät nationale und internationale Investoren und Projektentwickler beim Erwerb und der Veräußerung von Immobilien und Immobilienportfolios im In- und Ausland. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die Beratung bei Projektentwicklungen, Fragen im gewerblichen Mietrecht sowie Rechtsfragen mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Immobilienwirtschaft.

Sarah Kolodzik

Sarah Kolodzik ist Rechtsanwältin und hat ihren fachlichen Schwerpunkt im Immobilienwirtschaftsrecht. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht das Knowledge Management des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Hier begleitet sie die Produktentwicklung, Vertragsgestaltung ebenso wie den Wissenstransfer im Immobilienwirtschaftsrecht.