Technical Assistance – hoher Impact, wenig bekannt

von Lea Mohnen und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird viel dieser Tage über Impact gesprochen. Zuletzt stand der Impact von so genannten Blended Finance-Strukturen im Mittelpunkt. Diese strukturierten Fondsvehikel sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung bewährt. Sie wollen Impact dadurch erzielen, dass sie Kapital Unternehmen und Projekten in Ländern des globalen Südens direkt zur Verfügung stellen. Zur Steigerung des Impacts nutzen solche Fonds oder auch weitere Mikrofinanzfonds ein ergänzendes Instrument: Die Technical Assistance. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, was es mit dem Thema auf sich hat und wie der GLS AI-Mikrofinanzfonds dieses Instrument gezielt einsetzt.

Es ist den Fondspartnern des GLS AI – Mikrofinanzfonds ein besonderes Anliegen, die Mikrofinanzinstitute nicht nur finanziell sondern auch durch Weiterbildungsmöglichkeiten zu unterstützen. So können sie Instrumente und Fähigkeiten erwerben, die sie in ihrer täglichen Arbeit in den Mikrofinanzinstituten effektiv umsetzen und die Finanzdienstleistungen für ihre Kund*innen verbessern können. Dazu bieten die Fondspartner Angebote wie Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und Austauschplattformen an. Die Mitarbeitenden können gemäß ihren individuellen Bedürfnissen aus dem Weiterbildungsangebot des Partnerinstituts auswählen. Das Themenspektrum erstreckt sich von Risikomanagement, Mikro- und KMU-Finanzierung, Mikroversicherung und Zugang zu Finanzdienstleistungen über Klima- und Energiefinanzierung bis hin zu Angeboten zur Digitalisierung. Diese Maßnahmen sind unter dem Begriff Technical Assistance zusammengefasst.

Diese Förderprogramme bieten die Fondspartner seit 2018 an. Mitarbeitende der investierten Institute nehmen dazu an E-Learning-Kursen teil und verfassen im Anschluss Berichte und Essays über ein spezifisches Mikrofinanzthema. Auch die Fondspartner können so durch die Berichte und Essays ihr Wissen zu Themen, die die Institute bewegen, vertiefen. Die Verfasser*innen der Berichte, die aufgrund innovativer Ideen oder guter Analysen besonders überzeugen, werden nach Deutschland eingeladen, um persönlich mit den Fondspartnern die Themen zu diskutieren. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies im abgelaufenen Geschäftsjahr leider nicht möglich gewesen, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Unterstützung von Projekten der Kreditnehmer*innen und Menschen vor Ort

Darüber hinaus werden seit 2020 auch für Kreditnehmer*innen vor Ort Weiterbildungen angeboten. Diese sollen beispielsweise für soziale und ökologische Auswirkungen bestimmter ökonomischer Aktivitäten sensibilisieren oder die positive Wirkung von Mikrofinanzdienstleistungen auf Endkund*innenebene stärken. Dies betrifft beispielsweise soziale und ökologische Risikofelder wie den Pestizideinsatz in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Dazu fördern die Fondspartner zielgerichtet Projekte mit Kooperationspartnern in den Regionen, in denen der Fonds tätig ist. Bei der Auswahl der Partner wird Wert auf Expertise vor Ort sowie Glaubwürdigkeit und Transparenz gelegt. Die Auswahl der Themenfelder sowie Projektregionen und -partner erfolgt auf Grundlage einer Bedürfnisanalyse mit enger Einbindung der finanzierten Partnerinstitute. Die definierten Positivkriterien des GLS AI — Mikrofinanzfonds stellen den thematischen Rahmen.

Pestizidmanagement in Lateinamerika

Nichts veranschaulicht dies besser als ein Beispiel:

Hintergrund: Einsatz chemischer Düngemittel im globalen Süden weit verbreitet

Die Finanzierung ökologischer Landwirtschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt sowie unserer natürlichen Lebensgrundlage spielen für die GLS Bank seit jeher eine zentrale Rolle. In Deutschland und anderen Ländern des Globalen Nordens ist der Trend zur Biolandwirtschaft deutlich spürbar. Angebot und Nachfrage steigen stetig. In Ländern des globalen Südens stellt sich die Situation mitunter anders dar: Es gibt eine Vielzahl an chemischen Düngeprodukten, die eine schnelle Lösung versprechen. Landwirte werden teilweise dazu gedrängt, sie einzusetzen, manchmal ohne eine wirkliche Anleitung, wie sie zu verwenden sind, oder Aufklärung zu den gesundheitlichen oder ökologischen Risiken und alternativen Optionen.

Ziel des Projekts: Landwirt*innen sensibilisieren und alternativer Einsatz

Um eine nachhaltigere Landwirtschaft auch bei Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden zu stärken, haben sich die Fondspartner zum Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Erzeuger*innen, Kund*innen und Mitarbeitende von Partnerinstituten in Bezug auf die Nutzung von Pestiziden zu sensibilisieren. 

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Fragen wie: Welche Risiken bergen die Inhaltsstoffe der verwendeten Pestizide? Wie können Verpackungsabfälle umweltgerecht entsorgt werden? Gibt es Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft und dem Pestizideinsatz? Dazu haben die Fondspartner gemeinsam mit den International Advisory Services (IAS) der Frankfurt School, einem weltweit anerkannten Anbieter für Trainingsmaßnahmen im entwicklungspolitischen Kontext, ein Training mit den Instituten und Kreditnehmer*innen konzipiert.

Projektablauf und Ergebnisse

Insbesondere 4 Partnerinstitute in 2 Ländern signalisierten den Fondspartnern einen Bedarf an Trainingsmaßnahmen zu diesem Thema. Für jedes Partnerinstitut hat IAS eine mehrtägige Schulung organisiert, in der ausgewählte lokale Expert*innen die Teilnehmer*innen zu theoretischen und praktischen Grundlagen schulten. Bei der theoretischen Schulung achtete IAS auch auf eine visuelle Gestaltung der Inhalte, um die Workshops einer breiten Kund*innengruppe zugänglich machen zu können. Im Praxisteil wurde eine Farm oder eine landwirtschaftliche Fläche besucht und die im theoretischen Workshop vorgestellten alternativen Methoden in der Praxis gezeigt. Um einen Multiplikator*inneneffekt erzielen zu können, wurden neben Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch lokale Kreditberater*innnen der MFI geschult. Diese können so das erlernte Wissen künftig auch an neue Kund*innen weitergeben.

Insgesamt nahmen 143 Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und 50 Kreditmanager*innen der Institute an den Schulungen teil. 

Eine Evaluierung der durchgeführten Schulungen durch die MFI zeigt eine sehr positive Resonanz seitens der Endkund*innen sowie der Mitarbeitenden. Gleichzeitig können die Fondspartner gemeinsam mit IAS durch die wertschätzende Rückmeldung der Institute die Maßnahme für eine künftig geplante erneute Umsetzung verbessern und weiterentwickeln.


Dies ist ein redaktionell leicht bearbeiteter Auszug aus dem Investitionsbericht 2020 des GLS AI – Mikrofinanzfonds.

Lea Mohnen ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der sozial-ökologischen Ausrichtung des GLS AI - Mikrofinanzfonds sowie der Einbindung von Klimazielen und Co2-Bilanzierung in das Fondsgeschäft. Zuvor absolvierte sie einen M.Sc. Studiengang Economics an der Universität zu Köln und war studienbegleitend in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem bei der KfW Entwicklungsbank, tätig.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von knapp 1 Mrd. Euro. an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Demografischer Wandel

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft sorgt für neue Herausforderungen. Besonders in den Industriestaaten und in China steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an. Dies setzt nicht nur die staatlichen Pensionssysteme unter Druck. Auch die Anforderungen an individuelle Pflege, Pflegeeinrichtungen und speziell für alte Menschen entwickelte oder an deren Bedürfnisse angepasste Produkte und Technologien gewinnen an Bedeutung. Ein anderer Aspekt des demografischen Wandels sind das weiterhin ungebremste Bevölkerungswachstum in den Emerging Markets und die dort zu beobachtenden Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten.

Die Demografie als Bevölkerungswissenschaft beschäftigt sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und deren Strukturen. Oft liegt der Fokus dabei auf der Entwicklung der Alterspyramide einzelner Länder, welche die statistische, altersmäßige Verteilung der Bevölkerung zeigt. Charakteristische Formen der Alterspyramide sind die lineare oder klassische Pyramidenform und die Zwiebelform. Die lineare Alterspyramide basiert auf dem stetigen Abnehmen der Bevölkerungszahl je Altersgruppe mit steigendem Alter. Vielen geborenen Kindern steht eine geringe Lebenserwartung gegenüber. Diese Pyramidenform findet man heute noch in Südamerika und Indien. Um das Jahr 1890 war auch in Deutschland und Österreich diese Struktur vorherrschend. Heute ist für die Industriestaaten die Zwiebelform typisch, sie basiert auf einer niedrigen Geburtenrate und einem allmählichen Überhang älterer Menschen auf Basis einer hohen Lebenserwartung.

Eine durch die Veränderung in Lebenserwartung und Fertilität entstehende, alternde Gesellschaft zeigt durchaus nachhaltige Aspekte, da sie einem ungebremsten Bevölkerungswachstum entgegensteht. Andererseits führt eine alternde Gesellschaft potenziell zur sozialen Problematik der notwendigen Finanzierung des Lebens im Alter und den damit verbundenen höheren Kosten für das Sozialsystem. Durch das in der Mehrzahl der Industrieländer vorherrschende Umlageverfahren in der staatlichen Pensionsversicherung stehen durch demografisch bedingte höhere Sozialaufwendungen hohe Kosten an, die bei anderen zukunftsrelevanten Budgetposten – wie Bildung und Forschung – zu Engpässen führen können. Aus Umweltgesichtspunkten sind die Alterung der Gesellschaft und die geringere Fertilität wegen des weniger dynamischen Wachstums der Weltbevölkerung aus Sicht der begrenzten Ressourcen durchaus positiv zu beurteilen, wenn man von einem gleichbleibenden oder steigenden ökologischen Fußabdruck ausgeht.

In einer alternden Gesellschaft steigt die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Dabei ist die höhere Lebenserwartung nicht zuletzt auch dem allgemeinen medizinischen Fortschritt zu verdanken. Auch aus diesem Grund gehören die Pharma- und die Medizintechnikindustrie zu den wesentlichen Profiteuren der demografischen Veränderungen. Mit der Anzahl der im Alter zu betreuenden Personen steigt die Anzahl der benötigten Pflegeeinrichtungen und der Pflegeheime. Für die Finanzindustrie führt die zunehmende Überlastung der öffentlichen Pensionssysteme zum angenehmen Nebeneffekt, dass privates Vorsorgen oder Vorsorgesparen immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Unterschiedliche Alterspyramiden führen einerseits dazu, dass die Kalkulation von Daten zu Wertschöpfung und Wohlstand, die sich auf die Anzahl der Einwohner beziehen – wie BIP pro Kopf –, verfälscht werden. Dieselbe Verfälschung tritt in geringerem Ausmaß beispielsweise auch beim Vergleich von Deutschland und Frankreich auf, weil die Fertilitätsraten in den beiden Ländern große Unterschiede aufweisen. Eine hohe Anzahl von Kindern und jungen Menschen führt zu tendenziell geringeren Werten etwa bezüglich der Wirtschaftsleistung je Einwohner. Generell unterscheidet man in der Statistik zwischen der Gruppe der „wirtschaftlich abhängigen“ Personen, das sind Menschen bis 15 sowie über 65 Jahre, und den erwerbstätigen Personen. Wirtschaftlich abhängige Personen leisten vor allem in jungen Jahren einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung, erwerbstätige Personen tragen über Arbeit und Sparen zur Steigerung der Wirtschaftskraft bei. Was Investments betrifft, können Pensionsvorsorgeeinrichtungen in den Industriestaaten von Geldanlagen in Ländern mit vergleichsweise „gesunden“ demografischen Strukturen profitieren. So könnte neben die durch die demografische Entwicklung ohnehin belasteten staatlichen Vorsorgesysteme eine zweite Säule treten, die über kapitalgedeckte Verfahren in Länder mit attraktiver Demografie – und damit verbunden hohem Potenzial für Wirtschaftswachstum – diversifiziert.

DEMOGRAFISCHE DIVIDENDEN VS. KOSTEN

Länder mit einem wachsenden Anteil an Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung profitieren in wirtschaftlicher Hinsicht davon, dass der produktive Teil der Bevölkerung weniger wirtschaftlich abhängige Personen versorgen muss. Die Menschen können mehr konsumieren, sparen und investieren. Dieser Faktor heißt „demografische Dividende“. Eine negative demografische Dividende wird als „demografische Kosten“ bezeichnet. Vor allem in Europa und noch stärker in Japan werden in den nächsten Jahrzehnten hohe demografische Kosten aufgrund des Rückgangs der Zahl der potenziell verfügbaren Erwerbstätigen erwartet. Demografische Entwicklungen beeinflussen das Wirtschaftswachstum und das Spar verhalten der jeweiligen Länder. In den Industriestaaten könnten die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1965 – die sogenannten Babyboomer – zur Finanzierung des Ruhestands einen Teil ihrer Investments in verschiedensten Assetklassen realisieren und über diesen Verkauf mit der Folge eines möglichen Angebotsüberhangs die Finanzmärkte belasten. Die generell längere Lebenserwartung der Weltbevölkerung und der steigende Anteil der Senioren werden zu stark steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen führen. Davon sollten die Branchen Pharma, Biotechnologie und Gesundheit allgemein profitieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN CO2-FUSSABDRUCK

Die Demografie beschäftigt sich aber nicht nur mit der Entwicklung der Alterspyramide. Auch Faktoren wie Geschlecht, Sprachen, Wohnsituation und soziale Merkmale wie Beruf, Familienstand oder Einkommen sind Teil demografischer Analysen. Der laufend beobachtbare demografische Wandel ist auch durch Zuwanderung und Abwanderung geprägt. Interessant ist auch der ökologische Fußabdruck für verschiedene Lebensabschnitte. Emilio Zagheni, Demograf am Max-Planck-Institut in Rostock, hat diesbezüglich Untersuchungen für die USA angestellt. Die Grundaussage der Studie, die für alle entwickelten Volkswirtschaften der Welt Aussagekraft haben sollte, ist, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in einem Alter von zehn bis sechzig Jahren kontinuierlich ansteigen und dann abnehmen. Dahinter steht das Phänomen, dass das durchschnittliche Einkommen mit dem Alter tendenziell zunimmt. Ältere Menschen leben in größeren Häusern und fahren weniger energieeffiziente Autos. Auch nehmen die konsumierten Flugkilometer mit dem Alter zu, es wird generell mehr Energie verbraucht. In der Seniorität nimmt der ökologische Fußabdruck dann wieder ab. Die Ausgaben pro Kopf werden zwar insgesamt nicht geringer, sie fließen aber stärker in den Bereich Gesundheit als in energieintensiven Konsum wie den Kauf von Kleidung oder die Reisetätigkeit.

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das weltweite Bevölkerungswachstum vorerst weiter anhalten wird, eine Trendwende ist, nach einer im Medizin-Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern rund um Professor Stein Emil Vollset, erst für das Jahr 2064 zu erwarten. Für die Zeit danach rechnen die Forscher mit einer rückläufigen Geburtenrate. Bis dahin führt der sich aus dem Bevölkerungswachstum ergebende Nachfrageanstieg unter anderem zu potenziell wachsenden Absatzmärkten für Konsumgüter und zu einem erhöhten Materialeinsatz, was eine gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen mit sich bringt. Ein anderer Trend, der zum Teil demografisch und zum Teil durch das hohe Wirtschaftswachstum bedingt ist, betrifft das Wachstum der Mittelschichten der Gesellschaften vor allem in den Emerging Markets. Auch in diesem Fall sollte sich der prognostizierte Nachfrageanstieg in einem Absatzplus für die Hersteller von langlebigen Wirtschaftsgütern niederschlagen.

DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN „ESG“:

E (Environment)

Aus dem für die nächsten Dekaden prognostizierten Bevölkerungswachstum ergeben sich vor allem Mengenaspekte aus einem steigenden Absatz von Produkten und Dienstleistungen, sind doch diese aus ökologischer Sicht vor allem mit problematischen quantitativen Konsequenzen verbunden. Neben der rein quantitativen Analyse könnte ein weiter wachsender durchschnittlicher ökologischer Fußabdruck der Bevölkerung das Problem weiter verschärfen. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt was die Ressourcen betrifft sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, die eine zunehmende Anzahl von Menschen ernähren müssen.

S (Social)

Die Veränderung der Demografie hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft führt zu neuen Herausforderungen in der Finanzierung des Sozialstaates. Höhere Aufwendungen für Sozialkosten könnten bei gleichbleibenden Finanzierungsstrukturen zu potenziell niedrigeren Leistungen führen.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht ist die Frage zu erörtern, wer letztendlich die Kosten der Alterung der Gesellschaft zu tragen hat. Dabei sind privat und öffentlich finanzierte Modelle ebenso zu diskutieren wie die Zukunftsfähigkeit einer Finanzierung des Sozialstaates aus den laufenden staatlichen Budgets.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die demografische Entwicklung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor Gesundheit und insbesondere Medizintechnik ist in den Investments von Raiffeisen strukturell übergewichtet.


Die vollständige Ausgabe 31 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Impact-Fonds mit Blended Finance – vielversprechende Idee, wenn richtig ausgestaltet

von Berenice Brügel und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ verschiedene Maßnahmen, um Impact Investments zu fördern. Vor zwei Wochen haben wir die Empfehlung 21 (Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen für Impact-Fonds) näher beleuchtet. Ebenso interessant ist die Empfehlung 20. So schlägt der Beirat die Auflage von Impact-Fonds vor, welche öffentliches und privates Investorenkapital bündeln, um das Wachstum des unverändert kleinen Marktes für Impact Investments zu stimulieren. Dies kann durch Mischfinanzierungsstrukturen, sogenannte Blended Finance-Strukturen, ermöglicht werden. Bisher sei der Markt an Blended Finance-Fonds wenigen professionellen und semiprofessionellen Investoren vorbehalten. Fast alle u. a. von der Bundesregierung finanzierten Blended-Finance-Fonds, die gemäß den OECD-Vorschlägen strukturiert sind, wurden zudem in Luxemburg aufgelegt, so der Befund des Beirats. Wesentliche Hürden seien hierzulande rechtliche Anlagegrenzen, die aktuelle Besteuerung sowie mangelnde Kenntnisse, wie die Anlage in Impact Investments umgesetzt werden kann. 

Internationale Entwicklungshilfefonds als Vorbild

Die Idee, privates Kapital für risikoreiche Unternehmen und Projekte zu mobilisieren, ist nicht neu. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind solche Fonds bereits seit einigen Jahren am Markt etabliert. Öffentliche Investoren wie u.a. die KfW spielen dabei eine tragende Rolle. Zwei in Luxemburg aufgelegte Fonds seien hier beispielhaft vorgestellt: 

  • Der SANAD-Fonds (arabisch für „Unterstützung“) investiert im arabischsprachigen Markt. Der Fonds stellt privates Eigen- und Fremdkapital Partnerinstitutionen im Mittleren Osten sowie Nord- und Subsahara-Afrika zur Verfügung, mit dem im MKMU-Sektor (Mikro-, kleinere- und mittlere Unternehmen) Wachstum und Arbeitsplätze gefördert werden soll. 
  • Der European Fund for Southeast Europe (EFSE) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Südosteuropa zu fördern. Der Fonds vergibt dazu Darlehen an kleine Geschäftsbanken bzw. Mikrofinanzinstitute. 

In der Praxis funktionieren die Fonds so, dass sie in mehrere Eigen- und Fremdkapitaltranchen aufgeteilt sind (siehe Schaubild). Staatliche Instanzen gehen als Eigenkapitalgeber des Fonds in das höchste Risiko: Die öffentliche Hand investiert in „Junior Shares“, welche das höchste Risiko („First Loss Tranche“) tragen, danach folgen als „Senior Shares“-Investoren meist öffentliche Finanzinstitutionen. Dagegen investieren private Investor*innen in Schuldverschreibungen (sogenannte „Notes“). Diese Schuldverschreibungen sind erst ausfallgefährdet, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Sie haben demzufolge eine hohe Bonität. 

Funktionsmechanismus EFSE


https://www.efse.lu/information-for-investors*

Übertragung der Fondsstruktur auf Deutschland vielversprechend

Auch hierzulande könnten private Investoren mittels solcher Fondsvehikel in innovative, junge Unternehmen und Projekte investieren, die zukunftsweisende sozial-ökologische Lösungen anbieten. Vor allem im Sozial- oder Bildungssektor, aber auch im Bereich Infrastruktur gibt es interessante Ideen und Projekte, die auf Kapital angewiesen sind. Diese Vehikel böten Chancen sowohl für die öffentliche Hand als auch private Anleger*innen: 

  • Die öffentliche Hand hätte damit einen Hebel, um mit (häufig bereits eingeplanten) Mitteln zusätzliches Kapital von privaten Anleger*innen für unterfinanzierte soziale und ökologische Programme zu mobilisieren. 
  • Private Investoren hätten somit die Möglichkeit, Investitionen mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Impact-Profil zu tätigen. Dies wäre insbesondere für Impact Investoren interessant, bspw. Stiftungen, die in ihrer Satzung im Rahmen ihres Mission Investings klare soziale und ökologische Ziele formuliert haben. Bisher können diese Investoren aufgrund von Risikolimiten oder Anlagerichtlinien nicht in diese Unternehmen und Projekte anlegen.

Ausweitung auf Privatanleger*innen begrüßenswert

Bisherige Blended Finance-Fonds richten sich an professionelle Anleger*innen. Auch die Empfehlung des Beirats zielt darauf ab, diese Fonds in Deutschland als Spezial-AIF aufzulegen. Sicherlich wäre dies regulatorisch am schnellsten umsetzbar. Allerdings wären solche Fonds unverändert nicht für Privatanleger*innen zugänglich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber eine größere Änderung anstößt und Blended Finance-Strukturen auch für Privatanleger*innen regulatorisch öffnet. Ähnlich wie bei der Empfehlung zur Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen hätten Privatanleger*innen damit die Möglichkeit, in wirkungsstarke Fonds zu investieren. Warum sollte dies nur professionellen Investoren vorbehalten sein? 

Dies wäre umso wünschenswerter, da die Auswahl an sozial-ökologisch wirkungsstarken Anlagen für Privatanleger*innen begrenzt ist. Häufig sind diese in Form von Genussscheinen oder kleineren Anleihen am sogenannten grauen Kapitalmarkt zu finden. Solche Investments bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie der Ausfall vieler dieser Angebote in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Definition marktgängiger Impact-Standards sinnvoll

Grundsätzlich folgt diese Empfehlung des Beirats also bewährten Vorbildern und dürfte aus Investorensicht auch ökonomisch vielversprechend sein. Ebenso wichtig ist aber, dass mit den Fondsinvestitionen ein messbarer sozial-ökologischer Zusatznutzen („Additionalität“) neben der ökonomischen Rendite beabsichtigt und erzielt wird. Darüber sollten Anleger*innen transparent informiert werden.

Es reicht dazu nicht aus, sich ausschließlich an den gesetzlichen Voraussetzungen in Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung zu orientieren, wie das Beispiel Mikrofinanz dokumentiert. Vielmehr sollten die Fonds weitergehende Impact-Standards berücksichtigen. Der Beirat formuliert in seinem Bericht dazu in Empfehlung 28 (Transformations- und Impactfonds) Vorschläge: Diese Fonds sollten spezifische Elemente im Anlagekonzept enthalten, um dem Fondsnamen gerecht zu werden.

Die in der Empfehlung 28 vorgeschlagenen Merkmale bilden eine gute Grundlage für Impact Fonds mit Blended Finance-Strukturen. Sie sollten aber auf Standards angepasst werden, welche am Markt z.T. bereits angewendet werden:

  • Detaillierte Angaben zur Mittelverwendung (Impact-Rahmenwerk): Impact-Fondsmanager*innen sollten genau erläutern, in welcher Höhe sie Fondsgelder in welche soziale und ökologische Geschäftsfelder lenken wollen. Dies sollte eher ein konkreteres Zielbild sein als die bloße Angabe, die Fondsziele seien in Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens oder den Sustainable Development Goals. Denn leider wurde die eigentliche Bedeutung dieser Rahmenwerke mittlerweile am Fondsmarkt schon vielfach ausgehöhlt. Zur konkreten Bewertung ökologischer Projekte und Unternehmen gibt es am Markt bereits umfangreiche Klassifizierungssysteme. Für soziale Projekte und Unternehmen wären bisherige Ansätze weiterzuentwickeln. Der Wunsch des Beirats, Nachhaltigkeitsrisiken, Transformationsgrade und die Wirkung der Unternehmen und Projekte zu messen, erscheint in der derzeitigen Debatte ambitioniert. Hier wäre eine breite wissenschaftliche Diskussion mit den relevanten Marktteilnehmer*innen begrüßenswert.
  • Ambitionierte Ausschlusskriterien: Impact-Fonds-Manager*innen sollen auch darlegen, in welche Unternehmen und Projekte nicht investiert wird (kontroverse Branchen, kontroverse Geschäftspraktiken). Die Mindestgarantien der EU-Taxonomie, wie in Empfehlung 28 genannt, sind dabei ebenso wenig ausreichend wie bisherige Überlegungen zum Zielmarktkonzept im Rahmen der Mifid II-Ergänzung um Nachhaltigkeitspräferenzen.
  • Impact-Reporting mit sinnvollen Ergebniskennzahlen: Wichtig wäre es, dass alle Anleger*innen nachvollziehen können, wie ihr Geld wirkt. Abhängig vom unternehmerischen Zweck der Unternehmen sollten sinnvolle Kennzahlen kommuniziert werden. Der Anspruch des Beirats, transparent über das Nachhaltigkeitsprofil des Anlageportfolios auf Basis aussagekräftiger und zukunftsgerichteter Schlüsselindikatoren zu berichten, ist lobenswert. Mit schlichtem Storytelling lässt sich dies nicht erreichen. Entscheidend sind wenige Impact-Kennzahlen, die einfach für kleine und mittlere Unternehmen zu erheben sein müssen. Bei Klimainvestments gibt es bereits viele Indikatoren, bei sozialen Investments müsste z.T. noch Pionierarbeit geleistet werden. Es könnte aber bereits auf sehr gute Vorarbeiten wie dem Vorschlag des Südwind-Instituts zur sozialen Taxonomie aufgesetzt werden. Ebenfalls lohnt sich für genderspezifische Indikatoren ein Blick auf Kennzahlen aus dem Gender Lens Investing-Bereich. Es sollte überdies eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Darstellungspraktiken stattfinden. Mit der Darstellung eines CO2-Fußabdrucks oder SDG-Mappings allein lassen sich Transformationsgrade schwerlich messen.
  • Externe Verifizierung: Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt eine Ex-Post-Überprüfung und jährliche Berichterstattung, inwieweit die Anlagen zu den Transformations- und Impact-Zielen beigetragen haben. Die Darstellung, inwiefern ein Blended-Finance-Fonds einen positiven Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, muss eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle standhalten können. Dies ist ein sinnvoller Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Fonds zu steigern. Ergänzend wäre bei Fondsauflage eine externe Verifizierung des Impact-Rahmenwerks wünschenswert. Insgesamt ist hier allerdings ein maßvolles Vorgehen ratsam, welches die Wirkung des Fonds verifiziert, ohne die Kapazitäten der finanzierten Unternehmen und Projekte zu überfordern.

Darüber hinaus sollte ein unabhängiges Komitee aus Nachhaltigkeitsexpert*innen die Unternehmen und Projekte aus sozial-ökologischer Sicht kritisch prüfen und einer Investition zustimmen. Diese Expert*innen könnten sowohl aus dem privaten als auch öffentlichen Sektor kommen, um auf diesem Weg – als positiver Nebeneffekt – auch das Verständnis für diese Anlageformen wechselseitig zu stärken. Ebenfalls überlegenswert wäre – wie bei Green Bonds üblich – Mechanismen zu installieren, die sicherstellen, dass die vergebenen Kredite nicht für anderweitige Zwecke als im Impact-Rahmenwerk beabsichtigt, genutzt werden.

Fazit: Vielversprechende Idee, breite Diskussion zur Ausgestaltung der Fonds notwendig

Impact-Fonds mit Blended Finance-Strukturen haben ein hohes Potenzial, traditionelles Impact Investing zu fördern. Auf diese Weise können öffentliche Mittel mit privatem Anlagekapital wirkungsvoll gehebelt werden. Wünschenswert ist dabei die Schaffung von Blended Finance-Fondsvehikeln, die mittelfristig auch für Privatanleger*innen zugänglich sind. Der Fokus des Beirats auf professionelle Anleger*innen ist im ersten Schritt nachvollziehbar, sollte aber erweitert werden.

Auf der sozial-ökologischen Ebene ist es erforderlich, ein öffentlich transparentes Auswahlverfahren zu installieren, um das Anlegervertrauen nachhaltig zu stärken. Eine Orientierung an der Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung reicht nicht aus, es bedarf wirksamerer Instrumente. In Empfehlung 28 stellt der Sustainable Finance Beirat begrüßenswerte Ansätze vor. Sie stellen eine gute Basis dar.

Richtig umgesetzt könnte dieser unverändert kleine Markt über diese Fondsvehikel dynamisch an Größe gewinnen. Im besten Falle wird das Geld (endlich) dorthin gelenkt, wo es wirklich gebraucht wird.


* Keine Anlageempfehlung! Informationen zu diesen strukturierten Entwicklungshilfefonds sind derzeit ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anleger*innen vorbehalten!

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen 1) öffentlichen Anlegern und privaten Anlegern sowie 2) Privatanlegern und (semi)professionellen Anlegern gemäß § 1 KAGB

Berenice Brügel ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Unternehmen und Finanzinstituten. Zuvor absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an der Universität Hamburg im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Studienbegleitend war sie für das französische Researchunternehmen Novethic tätig und forschte zur Entwicklung des nachhaltigen Investmentmarkts.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 900 Mio. Euro an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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BRW Finanz AG: Transparenz als Pflicht und Schuldigkeit

Thomas Ritterbusch spricht im altii Interview über die BRW Finanz AG mit Sitz in Braunschweig und Hannover. Transparenz sieht er als Pflicht und Schuldigkeit, nicht nur gegenüber den Investoren, sondern auch den angeschlossenen Partner. Der Auftakt einer Serie über das Finanzinstitut.

DKF.events erstmalig als virtuelles Event mit rekordverdächtigen Teilnehmerzahlen

Die weltgrößte Marktdatenveranstaltung DKF.events findet dieses Jahr erstmalig als virtuelle Konferenz statt. Eine innovative digitale Plattform, interessante Aussteller und noch mehr Teilnehmer. Für altii-Nutzer gibt es limitierte Freikarten.

Do you value water?

Take a step back and reflect on how we value and manage the world’s most vital resource, ask Thomas Schumann, Markus Barth and Teresa Russell.

2021 World Water Day is March 22nd. This day provides the opportunity to reassess how water is consumed and managed globally. This year’s theme of ‘valuing water’ is especially pertinent in the asset management context.

Water is invaluable to humanity in supporting life and overall well-being. However, there is also a business case for prioritizing water resource management.

Water risks including infrastructure breakdowns, pollution, and water-related natural disasters negatively impact a company’s bottom line, and these risks are only expected to grow as climate change effects intensify. Not only that, but the business costs associated with these risks are projected to be $300 Billion or five times greater if left unaddressed.

Until recently, climate risk has focused solely on the level of carbon emissions. However, companies can continue operating even while spewing massive amounts of carbon into the atmosphere. Without access to water, many companies simply have to shut down, which severely impacts their future viability and profitability.  As a result, investors increasingly use water security as a proxy for climate security.

As the financial pressure to remedy these issues mounts, so too does the value of water security. Good water stewardship by consumers, corporations, and investors alike is clearly key to a flourishing society and sustainable global markets. However, according to a recent update by UN-Water, we are not on track to meet Sustainable Development Goal (SDG) 6 and achieve a water-secure world by 2030. 785 million people still lack safe drinking water and 2 Billion people lack improved sanitation, and the COVID-19 pandemic has the potential to exacerbate water scarcity worldwide if no actions are taken.

As a last-ditch effort, UN-Water developed the SDG 6 Global Acceleration Framework which outlines how we can fast-track the path to water security. Its top recommendation is to optimize financing, calling out the financial sector’s capacity to create a game-changing positive impact.

Recent U.S. SEC and EMSA MiFID II regulations also promote responsible investing by integrating climate risk, sustainability and ESG into reporting requirements.

The stage is set for firms and investors. The question is, what is the most effective engagement strategy for improving water management?

The World Economic Forum identifies transformational investment as the solution to systemic risks such as water crises. These investments can tackle long-term water risks while also generating competitive returns, a win-win-win for the environment, society, and investors.

One responsible investment approach recommended by the DWS Research Institute for improved water management is Risk Control, which involves investing in the broad market while reducing exposure to companies with high water risk. This strategy is the best of both worlds: it provides attractive returns and encourages water stewardship. Thomas Schumann Capital’s investable water security indices and investment products embody this approach by simultaneously promoting water security and delivering sustainable returns while providing global capital markets with the world’s first ever water footprint in equities.

Other investment types include Thematic Equity Funds, which invest in water utilities and companies associated with water purification equipment manufacturing; Positive Approaches, which only invest in companies demonstrating good water stewardship, and Direct Investor Engagement with corporations on their water policies. These approaches can be limited by accepting greater trade-offs between return and positive impact.

Water is not a commercial “commodity” such as gold, oil, gas, sugar or wheat, and is neither sustainably viable nor commercially suited to be traded as such on Wall Street. Access to clean water and sanitation are recognized by the United Nations as human rights.

Clean air, and clean water are the world’s most precious resources, resources that require utmost stewardship, appreciation, and integrity. The value of water cannot be understated. Water risks are present in all industries and geographies. By aligning investor and business objectives with integrated water management, we can turn things around and achieve universal access to clean water in the coming decade.

What actions have you committed to in this Decade of Action?


Thomas Schumann is the founder of Thomas Schumann Capital® (TSC) is the only sponsor for investable indices and products for water security and responsible investing. TSC’s solutions enable investors to integrate water risk into investment decisions to achieve sustainable performance, positive impact, water stewardship, and engagement, fast-tracking the path to a water-secure world. 

Markus Barth is an index pioneer who has designed, developed highly successful investable indices throughout his over 30 years career. In 2007, Markus developed the first-ever climate-focused investable indices that included proprietary valuation metrics to ensure both a low carbon footprint and attractive valuations.

Teresa Russell is a sustainability communications expert with an MS in global sustainability science and BS in finance. She provides business services to mission-driven companies and collaborated with the Frankfurt School of Finance & Management to develop the Strategic Development of Sustainable Financial Investments workshop.

Wasser ist die Quelle des Lebens

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Wenn man über Wasser spricht, dann sind die Assoziationen zumeist durchaus positiv. Man denke etwa an „Wasser als Quelle des Lebens“ oder auch „Wasser als Sinnbild der Reinheit“. De facto ist Wasser das bei weitem wichtigste Lebensmittel für den Menschen, welches auch durch nichts ersetzt werden kann. Hochwertiges Wasser wird nicht nur als Trinkwasser verwendet, sondern auch zur Zubereitung von Speisen und Getränken, in der Körperpflege oder zur Reinigung von sensiblen Gegenständen.

Der Verbrauch von Trinkwasser liegt in Österreich pro Person bei 135 Litern täglich, weist aber global gesehen große Unterschiede auf. Wärmere Klimaregionen erfassen regelmäßig höhere Verbrauchsziffern. Auf unserem Planeten, dessen Oberfläche zu rund zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, liegen die Süßwasserreserven bei lediglich 2,5 % allen verfügbaren Wassers, der Anteil des Trinkwassers liegt mit 0,3 % noch einmal deutlich niedriger. Wasser – oder genauer gesagt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung – wurde 2010 als Menschenrecht deklariert. Normen für die Reinheit von Trinkwasser existieren auf regionaler, europäischer und globaler Ebene.

Die Bedeutung des Wassers endet aber nicht beim Menschen selbst. Wasser ist die Basis jeder Art von Landwirtschaft und außerdem ein wichtiger Werkstoff in Gewerbe und Industrie. Die Behandlung des Abwassers zählt zu einem der wesentlichsten Aspekte des Umweltschutzes.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen zu den Themen Wasser genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Wasseranalyse und -aufbereitung sowie Wasserversorgung gestellt.

Wasser wird immer mehr zum knappen Gut. Das hängt mit dem sprunghaften Anstieg des Wasserverbrauches zusammen. In den letzten einhundert Jahren stand einer Vervierfachung der Erdbevölkerung eine Verzehnfachung des Wasserverbrauches gegenüber. Gemäß Daten der FAO (Food and Agriculture Organization), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind vom geschätzten 2,5 % Süßwasseranteil an den weltweiten Wasservorkommen knapp 70 % in Gletschern und Eis gebunden. Der Süßwasservorrat der Erde bleibt insgesamt bestenfalls auf stabilem Niveau, was bereits in jüngster Vergangenheit zu steigendem Wassermangel und einer immer ungleicheren Verteilung des sauberen Trinkwassers auf der Erde geführt hat.

Die wesentlichen Gründe des sich immer mehr verschärfenden Wassermangels beruhen nach Einschätzungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, erstens auf dem Klimawandel, zweitens auf der Übernutzung der Wasserressourcen, drittens auf dem Bevölkerungswachstum und schließlich auf der zunehmenden Wasserverschmutzung.

Der Klimawandel führt zu veränderten und extremeren Niederschlagsmustern mit einer Zunahme an Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und Hitzeperioden. Wenn Regenzeiten ungewöhnlich stark ausfallen und die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden, dann verschärft dies den Trend der ungleichen Verteilung von Wasser und Trinkwasser weltweit. Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Die starke Steigerung der Nutzung der Wasserressourcen ist unter anderem auch ein Wohlstandsphänomen. Man denke dabei an die große Menge an Wasser, die benötigt wird um Swimmingpools zu füllen oder an die Bewässerungsanlagen auf Golfplätzen. Die steigenden Bewässerungsanstrengungen von immer trockeneren Gebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung ist ein weiterer Aspekt. In Summe wird der Natur jedes Jahr mehr Wasser entnommen, als wieder bereitgestellt werden kann. Das natürliche Recycling-System gerät an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit.

Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Das Bevölkerungswachstum treibt den Wasserverbrauch einerseits über den bisherigen Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Andererseits ist aber auch ein qualitatives Wachstum zu beobachten. Ein höherer Lebensstandard ist unweigerlich mit einem höheren Wasserverbrauch verknüpft.

Es werden also nicht einfach mehr Nahrungsmittel konsumiert, sondern beispielsweise mehr Fleischprodukte, deren Produktion etwa im Falle von Rindfleisch mit mehr als 15.000 Litern Wasser pro Kilo als extrem wasserintensiv gilt.

Die Abnahme der Trinkwasservorräte hängt auch direkt mit der Abwasserproblematik zusammen. Die Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen nimmt zu – mit der Folge von zum Teil irreversiblen Umweltschäden.

Auf Basis der genannten Gründe nehmen die zur Verfügung stehenden Süßwasserressourcen ab. Je nach Umfang der Abnahme spricht man von Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand oder Wasserkrise. Die Trinkwasserressourcen pro Kopf sind gemäß Daten der Vereinten Nationen ungleich verteilt. Grönland weist als führende Nation 10.522.275 m3 je Einwohner auf, Island 538.878 m3, Brasilien mit seinen mächtigen Fluss-Systemen 43.891 m3 und Norwegen 80.564 m3. In Österreich liegt der Vergleichswert bei 10.075 m3, in Deutschland bei 2.285 m3 und in der Schweiz betragen die Trinkwasserressourcen pro Kopf 7.096 m3. Extrem niedrig ist die Wasserverfügbarkeit in Kuwait mit 7 m3, in Saudi-Arabien mit 95 m3 und in Bahrain, das mit –12 m3 sogar einen negativen Wert aufweist.

Der Begriff „Peak Water“ beschreibt angelehnt an „Peak Oil“ das Szenario eines bereits in der Vergangenheit liegenden oder demnächst zu erwartenden Maximums in den weltweit entnommenen Wasserreserven. Die zunehmend beschränkten globalen Trinkwasserbestände werden auch durch die hohen Wasserentnahmen vor allem von Ländern im arabischen Raum belastet. Dabei werden in großen Tiefen liegende Wasserspeicher genutzt, die nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden könnten.

Im deutschsprachigen Raum ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel. Es bestehen höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser oder Tafelwasser. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser liegt in den Industriestaaten bei 100 %. Gemäß WHO und UNICEF nutzten 2015 noch immer 663 Millionen Menschen schlechtes Trinkwasser, 159 Millionen verwendeten vielfach verschmutztes Oberflächenwasser.

Während 1990 noch 43 % der Weltbevölkerung von 5,3 Milliarden in Städten lebten, waren es 2015 schon 54 % von 7,3 Milliarden Menschen. Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum machen einen sparsamen Umgang mit Wasser unumgänglich. Einfache Möglichkeiten um Wasser zu sparen sind Spartasten am Spülkasten der Toiletten, die Nutzung von Brauchwasser, Duschen anstatt von Vollbädern sowie die Benutzung von modernen Geschirrspül- und Waschmaschinen.

Gemäß Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in Österreich im Jahr 2012 bei 135 Liter. Davon entfielen 36 Liter pro Tag auf Wasserhähne in Bad/ WC/Küche, 34 Liter auf WC-Spülungen, 25 Liter auf Duschen, 14 Liter auf Waschmaschinen und 12 Liter auf Pflanzen im Außenbereich. Badewannen zeichneten für 4 Liter verantwortlich, Geschirrspüler für 3 Liter.

Landwirtschaft und Industrie haben mittlerweile eine Reihe von wassersparenden Prozessen entwickelt. In der Landwirtschaft gewinnt die Tröpfchenbewässerung als sparsamstes aller Bewässerungsverfahren an Bedeutung. Bei dieser allerdings aufwendigen Technologie wird das Wasser mit Schlauch- bzw. Rohrleitungen direkt dem Wurzelbereich der Pflanze zugeführt. Industrieunternehmen setzen immer mehr auf in sich geschlossene Wasserkreisläufe.

Wasser ist auch ein wesentlicher Faktor in der Energieerzeugung, einerseits für hydraulische Kraftwerke, andererseits als Kühlmittel bei Atom- und Wärmekraftwerken. Da Kernkraftwerke enorm viel Wasser benötigen, liegen viele von ihnen an der Küste, was sie gegenüber Naturkatastrophen wie Stürmen anfällig macht. Alle Arten von Stromgeneratoren, auch jene in Kohle- und Gaskraftwerken, benötigen viel Wasser. Leichtwasserreaktoren in Atomkraftwerken setzen Wasser sogar als primäres Kühlmittel ein. Die benötigten lokalen Wasservorräte werden während des Kühlvorgangs erhitzt und dann zurück in Flüsse, Seen oder ins Meer gepumpt. Inlandsreaktoren beanspruchen die örtlichen Trinkwasservorkommen besonders stark.

WASSER IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment): Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für jegliche Art von Leben. Eine Übernutzung und Verschmutzung der Wasserreserven ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Die weltweit verfügbaren Trinkwasservorräte sinken durch zunehmende Wasserverschmutzung in Folge von Urbanisierung, Industrialisierung und steigenden Abfallmengen. Der natürliche Wasserkreislauf über Niederschläge, Versickerung und wieder gereinigtem Quellwasser reicht nicht mehr aus, um die stetig steigende Wassernachfrage zu decken. Daher werden zunehmend Wasserressourcen abseits des natürlichen Kreislaufes in Anspruch genommen.

S (Social): Die generell ungleiche Verteilung der weltweiten Wasserreserven weist ein deutliches Gefälle zwischen entwickelter Welt und Entwicklungsländern auf. Eine immer höhere Wasserverwendung bei gleichzeitig verringertem Angebot führt zu immer höheren Preisen. Weiters besteht die mögliche Gefahr von sozialen Konflikten aufgrund von Wasserknappheit.

G (Governance): Die regionale oder nationale Wasserversorgung ist teils staatlich und teils privatwirtschaftlich organisiert. Private Wasserversorgung unterliegt regelmäßig der Kritik eines „Geschäftemachens“ mit dem Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.

Fazit: Raiffeisen Capital Management setzt in vielen Einzelthemen auf den Megatrend Wasser. Dazu zählen Titel in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, und Wasseranalyse.

Sustainable Finance Beirat fordert Regulierungsrahmen für Impact Fonds – sinnvoller Ansatz, der viele Chancen bietet

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Am 25. Februar 2021 hat der Sustainable Finance Beirat seinen Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ unter großer medialer Aufmerksamkeit veröffentlicht. Das Expertengremium formuliert darin 31 Empfehlungen an die Bundesregierung, wie ein nachhaltiges Finanzsystem zur großen Transformation beitragen kann. Neben der Forderung nach einem verlässlichen Politikrahmen (Kapitel 2), zukunftsgerichteter und integrierter Berichterstattung (Kapitel 3), systematischem Wissensaufbau (Kapitel 4) und institutioneller Verstetigung (Kapitel 6) haben die Ausführungen zu „Nachhaltigkeitswirksamen Finanzprodukten“ im Kapitel 5 eine besondere Relevanz für den Kapitalmarkt und Fondsanbieter.

Der Beirat fordert in den Empfehlungen 20 und 21 zu Blended Finance und Impact-Produkten die Ausgestaltung spezifischer rechtlicher Rahmenbedingungen, um die Auflage und Investition in Impact-Produkte zu erleichtern. Denn gerade Impact-Finanzprodukte würden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele leisten. Bislang, so die zutreffende Diagnose, scheitere der zügige Ausbau eines nachhaltigkeitswirksamen Produktangebots an regulatorischen und praktischen Hürden (Zu einer wesentlichen regulatorischen Hürde von Wertpapierfonds siehe den Artikel „Der Impact von Publikumsfonds“). Diese Hürden müssten abgebaut werden, um so den Akteuren an den Finanzmärkten die Ausweitung ihres nachhaltigen Produktangebots und die Bedienung der steigenden Nachfrage zu erleichtern.

Mikrofinanzparagraph als Regulierungsvorbild für Impact-Fonds

Erfreulicherweise bleibt der Beirat nicht bei dieser abstrakten Empfehlung stehen, sondern zeigt einen vielversprechenden Weg auf. So könnte als Vorbild für die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen der sogenannte „Mikrofinanzparagraph“ (Paragraph 222) im Kapitalanlagegesetzbuch dienen. Dieser sollte um die Möglichkeit der Anlage in Impact-Produkte (Erneuerbare Energien, Sozialimmobilien und nachhaltige Infrastruktur, etc.) erweitert werden. Entsprechende Regelungen bei inländischen alternativen Publikumsinvestmentfonds sollten für Impact-Produkte geschaffen werden.

In der Tat liegt hier ein wirkungsvoller Hebel für wirkliche Impact Investments verborgen. Denn das Besondere an diesem Mikrofinanzparagraphen ist, dass Fondsanbieter bis zu 95 Prozent ihres Portfolios in unverbriefte Darlehensforderungen zur Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten anlegen dürfen. Dieser hohe Anteil an unverbrieften Darlehensforderungen in einem Publikumsfonds ist bislang eine Ausnahme. Gewöhnlich sind hier deutlich strengere Grenzen von maximal 30 Prozent gesetzt, wie Paragraph 221 KAGB definiert.

Umformulierung des Paragraphen auf Impact-Unternehmen leicht umsetzbar

Drei Voraussetzungen müssen für eine Investition in Mikrofinanzinstitute gegeben sein. Zum einen müssen formelle Anforderungen wie die Zulassung durch Aufsichtsbehörden, Prüfung durch Wirtschaftsprüfer, etc. erfüllt sein. Zweitens muss das Institut in seiner Haupttätigkeit Gelddarlehen an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke vergeben. Und drittens dürfen 60 Prozent der Darlehensvergaben an einen einzelnen Darlehensnehmer den Betrag von insgesamt 10 000 Euro nicht überschreiten.

Diese Anforderungen sollten leicht auf kleine und mittlere Unternehmen zu übertragen sein: Statt sich an der Zulassung durch nationale Aufsichtsbehörden zu orientieren, sind für diese Unternehmen übliche unternehmensrechtliche Anforderungen (Eintragung Handelsregister, geprüfte Jahresabschlüsse, etc.) zu definieren, wie sie in der mittelständischen Kreditvergabe gängige Praxis sind. Die Höhe der Darlehensvergabe müsste – statt an Klein- und Kleinstunternehmer – an den gängigen Finanzierungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-Ups ausgerichtet werden. Dabei muss es darum gehen, dass Unternehmen mit dem Kapital der Investoren neue Projekte und Aktivitäten finanzieren (und nicht refinanzieren).

Sinnvolle Weiterentwicklung bisheriger Marktansätze

Die Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen um Impact-Produkte hätte viele positive Effekte:

  • Sinnvolle Lenkung von Investorengeldern: Die Empfehlung bietet eine Lösung für einem häufig zu beobachtenden Missstand: Viele nachhaltige Anlageangebote orientieren sich an gängigen Marktindizes. Das Kapital fließt in Aktien großer multinationaler Konzerne, die bereits mit Geld überschüttet werden. Demgegenüber suchen kleine, innovative Unternehmen mit zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsmodellen nicht selten händeringend Investorengelder. Meist können sich diese Unternehmen aber eine Börsennotierung mit Prospekt- und anschließenden Kapitalmarktpflichten nicht leisten. Investor*innen können schwerlich in sie investieren. (Auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper.) Durch das oben beschriebene Fondsvehikel würde sich dies ändern. Geld könnte somit dorthin gelenkt werden, wo es wirklich gebraucht wird.
  • Höhere Akzeptanz von Impact-Produkten bei (Privat)-Anleger*innen: In den vergangenen Wochen ist – zu Recht! – die Diskussion um den Impact von Nachhaltigkeitsfonds verstärkt geführt worden. Aufsehen erregt hat ein Gutachten von Prof. Dr. Klein und Prof. Dr. Wilkens im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch wenn es einigen Wirbel um die Interpretation der Aussagen gegeben hat, so ist eines offensichtlich: Fondsanbieter sollten sich Aussagen zur Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds, die nur schwer belegbar sind, sehr gut überlegen. Es drohen rechtliche Konsequenzen. Mit der Auflage dieser Impact-Fonds könnten Fondsanbieter das Kapital den Unternehmen direkt zur Verfügung stellen und somit den Impact auch dokumentieren.
  • Bewahrung etablierter Marktstandards: Die Empfehlung ist zudem mit der gängigen Definition von Impact Investing des Global Impact Investing Network vereinbar: Gemäß dieser Definition sollte Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, um neben der finanziellen auch eine soziale und/oder ökologische Rendite zu erzielen. Folgerichtig ordnet der Beirat die Impact-Produkte dem Bereich Alternativer Investmentfonds (AIF) zu – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da anderenfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Es geht also darum, dass ein Fondsanbieter mit seinen Investitionen zusätzlichen sozial-ökologischen Impact schafft (und nicht bloß darum, dass er in Unternehmen investiert, die wirkungsvolle Geschäftsaktivitäten aufweisen). Ein jüngst erschienenes wissenschaftliches Paper macht die Unterschiede deutlich. Dieses Vorgehen erscheint durchdachter als jenes der EU-Kommission bei der Umsetzung der Offenlegungsverordnung 2019/2088. Diese Verordnung verfolgt grundsätzlich ein sinnvolles Ziel. Allerdings baut sie nicht auf bisherigen Marktstandards auf. Dies birgt die Gefahr, dass sie Greenwashing fördert statt zu bekämpfen – wie das Beispiel Mikrofinanz zeigt.

Fazit: Sehr guter Ansatz – auf die rasche und konkrete Ausgestaltung kommt es jetzt an

Die Expert*innen des Sustainable Finance Beirats setzen mit der Forderung nach Impact-Fonds an der richtigen Stelle an und formulieren sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten. Sie berücksichtigen gängige Marktstandards und identifizieren einen passenden regulatorischen Rahmen. Diese Empfehlung hat das Potenzial, den Markt für Impact Investments zu fördern und bietet die Chance, eine hohe Akzeptanz bei Anleger*innen zu erreichen. Damit ist diese Empfehlung in ihrer konkreten Ausgestaltung (derzeit) deutlich zielführender als die neue Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung. Die Empfehlung hat das Potenzial, die Relevanz von Impact Investments am deutschsprachigen Markt deutlich zu steigern.

Ein ähnliches Potenzial hat die Auflage von Blended Finance-Fonds. Damit Anleger*innen Vertrauen in diese Fonds fassen, sind verschiedene Vorkehrungen zu treffen. Vorschläge dazu werden im kommenden Artikel vorgestellt, der in 2 Wochen erscheint.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Wasserrisiken mit dem Water Risk Filter erkunden und bewerten

Der Weltwassertag weist u. a. auf erhebliche Wasserrisiken hin. Jens Hönerhoff, DEG, spricht im altii Interview über das von ihm entwickelte Online-Tool zum Erkunden, Reagieren und Bewerten von Wasserrisiken im Rahmen der Aktionen zum Weltwassertag.

LGIM: ETFs als Instrumente Institutioneller Investments?

Serie: Die Chancen und Risiken von ETF-Lösungen bei Institutionellen Investoren. Volker Kurr, Head of Europe, Institutional bei Legal & General Investment Management, nimmt im altii Interview Stellung zum Einsatz von ETFs bei professionellen Investoren.

Tabula: ETFs als Instrumente Institutioneller Investments?

Serie: Die Chancen und Risiken von ETF-Lösungen bei Institutionellen Investoren. David Schnautz, der Kundenbetreuer von Tabula Investment Management für die DACH-Region, nimmt im altii interview Stellung zum Einsatz von ETFs bei professionellen Investoren und betrachtet als Beispiel Inflation.

Token und Coins: Wie unterscheiden sich Cryptocurrencies?

von Harald Egger, Chief Analyst und Crypto Asset Specialist der Erste AM.

Laut der Internetseite coinmarketcap haben alle Cryptocurrencies zusammengefasst vor kurzem die $1,000 Mrd. Grenze übertroffen. Obwohl die Seite über 8,000 Cryptocurrencies (CC) auflistet, vereinnahmen Bitcoin und Ethereum 85% der Gesamtkapitalisierung.

Diese Grenze wurde übertroffen, nachdem die beiden Flaggschiffe der Krypto Szene wieder deutlich an Wert dazugewonnen hat. Bevor wir uns intensiver mit dem Anstieg des Bitcoin Kurses beschäftigen, will ich kurz auf die hohe Anzahl von CC eingehen.

Zunächst ist es einmal wichtig zu verstehen, dass es sich bei den mehr als 8000 CC um recht unterschiedliche Projekte handelt und dass der Begriff „Currency“ nicht immer zielführend sein muss. Die Bezeichnung digitale Token trifft eher zu, wobei folgende Kategorisierung vorgenommen werden kann:

Payment Token

Dabei handelt es sich um Token, die als Bezahlmittel konzipiert wurden. Alle haben gemein, dass sie kryptographische Verschlüsselungstechniken anwenden und auf einer dezentralen Blockchain Struktur aufbauen. Der Emittent muss nicht unbedingt bekannt sein, wie dies beim Hauptvertreter Bitcoin der Fall ist. Weitere Beispiele für Payment Token sind Bitcoin Cash, Litecoin, u.a.

Stable Coins (EU-Bezeichnung: asset reference token)

Die Nummer Drei bei coinmarketcap belegt Tether. Der Wert von Stable Coins ist an ein bestimmtes Asset gebunden, im Fall von Tether an den USD (ein Tether repräsentiert 1USD). Der Plan von Facebook ein Token zu emittieren fällt in diese Untergruppe.

Ein Libra (bzw. der neue Namen Diem) soll den Wert eines Basket aus unterschiedlichen Währungen und Anleihen repräsentieren. Stable Coins werden entsprechend einem Vorschlag der EU-Kommission demnächst in der EU reguliert. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) wird aber darüber entscheiden, on eine Zulassung in der EU erfolgt. Diese richtet sich danach ob die Token die Ziele der EZB konterkarieren, also eine gewisse Systemrelevanz aufweisen.

Plattform Token

Einige Projekte erlauben die Entwicklung von dezentralen Applikationen, die Blockchain basiert aufgebaut sind. Dazu sind sogenannte „smart contracts“ notwendig, die bei der Programmierung verwendet werden (technisch gesehen handelt es sich dabei um „wenn-dann“ Prozeduren).

Die Nummer zwei nach Kapitalisierung Ethereum und die Nummer 4 Polkadot sind prominente Vertreter dieser Gruppe. Ethereum hat eine eigene Währung (Ether), die für das Betreiben von Applikationen benötigt wird. Viele Applikationen gehören in die Kategorie „Dezentrale Finanzen“ (kurz DeFi), die derzeit einen Boom erleben.

In der Liste von coinmarketcap sind einige dieser DeFi Projekte mit eigenen Coins vertreten, wie z.B. Wrapped Bitcoin, Uniswap oder Aave). Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen will, kann auf der Webseite defipulse die führenden Applikationen verfolgen.

Utility Token

Utility Token sind eine Art Gutschein oder Zugangslizenz, die auf einer Blockchain abgespeichert sind. Sie erlauben den Bezug einer Dienstleistung oder eines Produktes. Diese sollten nur dann erworben werden, wenn man die Dienstleistung auch beanspruchen möchte.

Als Investment eignen sich diese Token eher nicht (darunter fällt auch Ripple). Die EU wird im Rahmen der Crypto Asset Regulierung (kurz MiCA) diese Form von Token regulieren, in erste Linie als Schutz für Kleinanleger, nachdem diese im letzten Bull-Run von 2017 von Vielen gekauft wurden, ohne zu wissen, was hinter dem Projekt steht oder ob es sich überhaupt um ein seriöses Unterfangen handelt. Ein Großteil, der über 8000 CC fällt in diese Kategorie und kann mit ruhigem Gewissen unter Investment Aspekten vernachlässigt werden.

Central Bank Digital Currencies (CBDC)

 Viele Notenbanken experimentieren derzeit mit der Emission von CBDCs Dabei gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Zum einen kann eine Notenbank digitale Token begeben, die der User in einer Wallet hält und damit bezahlen kann. Die zweite Form der digitalen Token nennt sich „account based“. Dabei hat ein User direkt ein Konto bei der Notenbank. Derzeit ist nicht klar welche Form sich durchsetzen wird.

Vorreiter auf diesem Gebiet ist China mit der Emission des digitalen Yuan. Derzeit wird diese Form der Währung getestet. Weit fortgeschritten ist auch die Riksbank in Schweden mit ihrer e-Krona. Die EZB ist derzeit noch in der Prüfungsphase.

Wenngleich CBDC immer wieder mit CC verglichen werden, muss diese Form der digitalen Währung nicht unbedingt auf einer dezentralen Blockchain aufgebaut sein. Vorstellbar ist eine sogenannte permissioned (nicht öffentlich zugänglich) Blockchain, die von Kommerzbanken betrieben wird.

Im Unterschied zu Stable Coins ist der Emittent eine Notenbank und kein Unternehmen. CBDC sind zudem eine Forderung gegenüber einer Notenbank und gelten als „Legal Tender“ (d.h. man kann damit Steuern und Schulden bezahlen).


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die Offenlegungsverordnung – Guter Ansatz, der (noch) zu kurz greift

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über den Impact von nachhaltigen Investmentfonds gesprochen. Die Verbraucherzentrale prozessiert wegen Impact-Rechnern von Nachhaltigkeitsfonds, ein wissenschaftliches Papier fordert die Branche auf, sich bei diesem Thema neu zu orientieren. Den größten Einfluss hat aber sicherlich die Europäische Union mit der Offenlegungsverordnung 2019 / 2088 (auch Sustainable Finance Disclosure Regulation genannt). Mit dieser Verordnung will sie ESG-Reportings vereinheitlichen, verschiedene Grade der Nachhaltigkeit unterscheiden und somit Greenwashing vermeiden. Dies sollte sicherlich Impact Investments befördern, die unverändert ein Nischendasein fristen, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in schöner Regelmäßigkeit in seinem Marktbericht aufzeigt:


Quelle: FNG Marktbericht 2020

Die Offenlegungsverordnung verfolgt ein sinnvolles Ziel. Es ist notwendig, die Nachhaltigkeitsqualität einzelner Finanzprodukte klar aufzuzeigen und die Transparenz dazu zu erhöhen. Doch ein näherer Blick lässt Zweifel aufkommen, ob die Umsetzung dieser Verordnung, wie sie derzeit angedacht ist, im Investmentfondsbereich tatsächlich diesem Ziel nahekommt. Dies soll in diesem Artikel am Beispiel von Mikrofinanzfonds näher erläutert werden:

Mikrofinanzfonds eine traditionelle Form des Impact Investing

Mikrofinanzfonds gilt als eine traditionelle Form des Impact Investing. Sie erfüllen die klassische Definition des Global Impact Investing Network (GIIN). Demnach soll Impact Investing eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite erzielen. Damit sollen Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft finanziert werden (nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, finanzielle Inklusion, etc.). Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten in Schwellen- und Entwicklungsländern Kredite direkt zur Verfügung, welche diese in Form von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen weiterreichen. Dazu zählen Landwirte, Kleingewerbetreibende oder Händler*innen, die häufig keinen Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen haben. Mikrofinanzfonds fördern also die finanzielle Teilhabe dieser Menschen. Damit sie das Geld direkt zur Verfügung stellen können, sind diese Fonds als alternative Investmentfonds (AIF) strukturiert – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da andernfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Diese Definition ist am Markt allgemein akzeptiert. Demgegenüber ist bei Wertpapierfonds über die Investitionen selbst selten direkte Wirkung zuordenbar. Wirkung erfolgt eher über Engagements oder selektiv die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen. Das eingangs erwähnte Paper unterscheidet treffenderweise von Impact Generating (AIF-Fonds) und Impact-aligned Investments (OGAW bzw. Wertpapierfonds), wie auch die GLS Bank dies in einem früheren Artikel bereits skizziert hat:

Die Offenlegungsverordnung: drei neue Grade der Nachhaltigkeit

Die EU hat bei der Einführung der Offenlegungsverordnung im Fondsbereich einen allgemeineren Rahmen etabliert, ohne diese Unterscheidung zu berücksichtigen. Dieser allgemeinere Rahmen gilt für alle Finanzprodukte und sieht drei eigene Grade der Nachhaltigkeit von Finanzprodukten vor: Konventionell (Artikel 6), Bewerbung sozialer und ökologischer Merkmale (Artikel 8) und dunkelgrünes oder Impact-Produkt (Artikel 9).


Quelle: CRIC

Herausforderung 1: Keine gesetzliche Definition eines Nachhaltigkeitsziels für Mikrofinanzfonds

Um sich für Artikel 9 zu qualifizieren, muss das Finanzprodukt ein Nachhaltigkeitsziel verfolgen sowie bestimmte nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen (Do not significant harm) vermeiden. Wie genau ein Nachhaltigkeitsziel für Mikrofinanzfonds aussehen soll, ist in den technischen Regulierungsstandards nicht näher definiert. Der Text der Offenlegungsverordnung lässt vermuten, dass die EU vor allem Klima- und Umweltziele im Blick hat. Wohl sollen die in der Verordnung beschriebenen Nachhaltigkeitsziele künftig die 6 Umweltziele der EU-Taxonomie adressieren. Für Finanzprodukte mit einem Klimaschwerpunkt mag dies sinnvoll sein, für Fonds mit einem sozialen Schwerpunkt – wie eben Mikrofinanzfonds – ist dies aber kaum umsetzbar. Bisher ermitteln Mikrofinanzfonds meist die Anzahl an erreichten Mikrokreditnehmer*innen, den Prozentsatz an Frauen sowie Menschen auf dem Land, die mit Krediten versorgt wurden, sowie eigene Kennzahlen (Positivkriterien, Scorings, etc.). Inwiefern dies Nachhaltigkeitsziele sind, welche gemäß Verordnung akzeptabel sind, ist derzeit unklar.

Herausforderung 2: Anwendung der „Do not significant harm“-Indikatoren auf Mikrofinanzfonds

Deutlich klarer dagegen definiert die Verordnung, welche nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen der finanzierten bzw. investierten Unternehmen zu erfassen sind. Um als Impact-Produkt gemäß Artikel 9 eingestuft zu werden, müssen Fondsanbieter ab 2022 nachweisen, dass die Unternehmen im Portfolio akzeptable Werte bei klar definierten Kennzahlen aufweisen. Diese sind:


Quelle: eigene Zusammenstellung auf Basis der 
technischen Regulierungsstandards (Level 2) 

Diese Kennzahlen adressieren vor allem große multinationale Industrie- und Energieunternehmen, nicht aber für Mikrofinanzinstitute, deren Kerngeschäft die Ausreichung von Mikrokrediten an Endkreditnehmer*innen ist und zum Teil noch die Strukturen von Nichtregierungsorganisationen aufweisen. Ein Mikrofinanzinstitut danach zu fragen, wie hoch sein Anteil an gefährlichen Abfällen ist, mag auf den ersten Blick komisch anmuten, ist aber ab kommendem Jahr für Artikel 9-Produkte verpflichtend. Dieser Umstand führt dazu, dass Anbieter von Mikrofinanzfonds sich sehr genau überlegen müssen, wie sie ihre Fonds einklassifizieren.

Rechtsrisiken bei zu ambitionierter Einklassifizierung

Was sind nun die konkreten Konsequenzen für Anbieter von Mikrofinanzfonds? Wenn sie ihre Fonds als Impact-Produkte gemäß Art. 9 einklassifizieren (was sie nach bisherigen, gängigen Marktstandards sind), dann müssen sie die Do not significant harm-Kennzahlen erheben und auch darstellen können. Können sie dies nicht, dann drohen rechtliche Konsequenzen: Vorwurf der Falschberatung, Prospekthaftung, etc. Vom Reputations- und Vertrauensverlust bei Investoren durch etwaige Herabstufung auf Artikel 8 oder gar 6 ganz zu schweigen. Dies ist ein durchaus hohes Risiko.

Ob die Regulierungsbehörden kurzfristig nachjustieren, ist derzeit ungewiss. Mit der Sustainable Finance-Initiative wird eindeutig ein Umweltfokus verfolgt. Mikrofinanzfonds sind Nischenprodukte. Eine Lösung wäre die Schaffung einer sozialen Taxonomie. Doch ob sie überhaupt kommt, darüber wird derzeit noch gerungen. Und falls ja, vergehen Jahre.

Ein weiterer gangbarer Schritt wäre, sich mit weiteren Anbietern von Mikrofinanzfonds zu verständigen und gemeinsam darauf hinzuwirken, dass Mikrofinanzfonds eine klassische Form des Impact Investing sind, welche auch gegenüber Investoren gesetzlich als Impact-Produkt gelten darf. Bereits in der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass gemeinschaftliches Handeln unter Mikrofinanzfonds zum Wohle der finanziellen Teilhabe der Endkreditnehmer*innen möglich ist. 

Fazit: Guter Ansatz, aber Nachbesserungen wünschenswert

Die Offenlegungsverordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings zeigt ihre bisherige Ausgestaltung, dass bewährte Marktstandards im Investmentfondsbereich nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt wurden, besonders der grundsätzliche Unterschied zwischen Impact Generating und Impact-aligned Investments. So wurde eine große Chance vertan, das Impact-Potenzial einzelner Fondstypen sinnvoll zu fördern.

Wie dies gehen könnte? Wertpapierfonds sollten nur dann nach Art. 9 einstufbar sein, wenn sie eine glaubwürdige Engagement-Strategie verfolgen oder im signifikanten Maße in Positionen kleinerer, unterinvestierter Unternehmen am Primärmarkt (Kapitalerhöhungen, Anleiheemissionen) investieren, mit denen gezielt nachhaltige Innovationen gefördert werden (auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper). Demgegenüber sollte die Artikel 9-Einklassifizierung bei AIF-Fonds an die Marktrealitäten der einzelnen Produkttypen angepasst werden.

Die derzeitige Ausgestaltung lässt dagegen befürchten, dass aufgrund fehlerhafter gesetzlicher Intervention die einstig klare Trennung zwischen Nachhaltigen Investment und Impact Investment weiter aufweicht. So können sich Wertpapierfonds ohne glaubwürdige Engagementstrategie oder gar Klima-ETFs als Impact/dunkelgrüne-Fonds gemäß Art. 9 positionieren, wogegen wirkliche Impact Investments sich mit Art. 8 begnügen müssen. Der Bekämpfung von Greenwashing bzw. der Förderung von Impact Investing hätte der Gesetzgeber damit leider einen Bärendienst erwiesen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

"Der Konsument bleibt der wichtigste Treiber der Transformation"

Die Transformation Europas hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft – der im Oktober 2020 gestartete European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) möchte nicht nur an dieser Transformation teilhaben, sondern vor allem darin investieren, erklärt Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer der High-Tech Gründerfonds Management GmbH.

Mit der Europäischen Investmentbank (EIB) als Hauptinvestor und Hauck & Aufhäuser Funds Services als Verwalter stellt der ECBF den ersten Venture-Fonds dar, der sich ausschließlich auf die Bioökonomie und die zirkuläre Bioökonomie in Europa konzentriert. Der Fonds will somit als wichtiges Finanzinstrument zur Erreichung der Ziele des European Green Deal beitragen, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. FondsTrends sprach mit Dr. Michael Brandkamp, CEO und General Partner des ECBF, über Impact Investing in Krisenzeiten, das Potenzial biobasierter Kreislaufwirtschaft sowie die Nachhaltigkeit von Nachhaltigkeit.

FondsTrends: Herr Dr. Brandkamp, was ist der European Circular Bioeconomy Funds (ECBF) genau und wodurch zeichnet er sich aus?

Michael Brandkamp: Der ECBF ist ein „Alternative Investment Fund“, der sich an innovativen Wachstumsunternehmen der europäischen Bioökonomie beteiligt. Das Zielvolumen von EUR 250 Millionen wird der ECBF in rund 25 Unternehmen aus Europa investieren, um aus regional agierenden Unternehmen erfolgreiche, pan-europäische oder globale Player zu machen. Alle Unternehmen müssen nicht nur sehr attraktive Renditen erbringen, sondern auch einen deutlichen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) in Aussicht stellen bzw. die sogenannten Environmental, Social and Governance- (ESG-) Kriterien erfüllen.

Der ECBF ist ferner eine Initiative der Europäischen Kommission und der European Investment Bank (EIB), die dazu beitragen soll, die Finanzierungslücke für innovative „Scale-ups“ in der Europäischen Union und den sogenannten „Assoziierten Länder“ zu schließen. Dafür investiert die EIB als Cornerstone Investor EUR 100 Millionen in den ECBF, dessen Konzept und Team in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren geprüft und ausgewählt wurden. Mit dem zweiten Closing am 14. Dezember 2020 konnte der ECBF bereits ein Volumen von EUR 175 Millionen akquirieren und damit auch erstklassige Fachexpertise und ausgezeichnete Netzwerke aus fünf verschiedenen Ländern einbinden.

Der ECBF ist bis August 2021 für weitere Investoren offen, die sinnstiftend investieren und an den Chancen teilhaben wollen, die sich aus der Transformation der fossilbasierten linearen zu einer biobasierten zirkularen Wirtschaft ergeben werden.

FondsTrends: Sie sind seit Januar 2020 General Partner des ECBF. Wenn Sie nun auf die ersten zehn Monate dieses turbulenten Jahres zurückblicken – haben Sie sich bereits in Ihre neue Rolle eingelebt? Welche Aufgaben sind grundlegend neu, an welchen Stellen können Sie aus Ihrem Erfahrungsschatz schöpfen?

Michael Brandkamp: Meine neue Rolle ist so abwechslungsreich, spannend und aufregend, dass man nicht von „Einleben“ sprechen kann. Aber die Rolle macht mir sehr viel Freude und ist mir eine Herzensangelegenheit. Allerdings war das Jahr 2020 sehr abenteuerlich: Der Aufbau des Fonds ist genau in die Zeit der Corona-Pandemie gefallen und durch diese auch in Gefahr geraten. So ist das Fundraising zur Achterbahnfahrt geworden bis wir, mit rund sechs Monaten Verzug, Ende August das erste Closing erreichen konnten. In den ersten acht Monaten des Jahres hatten wir sehr wenige Ressourcen, da wir den Aufbau aus unseren eigenen, privaten Mitteln vorfinanzieren mussten. Aber seit Anfang Oktober ist der ECBF operativ und gibt Gas. Das Team wächst und wir haben jetzt die Möglichkeit, von unseren Erfahrungen zu profitieren. Diese Erfahrungen helfen uns nun, die drei Aufgabenfelder des ECBF effizient und professionell zu bearbeiten:

  1. Fundraising – bis August 2021 planen wir, unser Funding-Ziel von EUR 250 Millionen erreicht zu haben.
  2. Fonds- und Teamaufbau – d.h. Aufbau von Strukturen, Prozessen für die Auswahl und die Due Diligence attraktiver Investmentopportunitäten erfordert viel Erfahrung, die wir mit unserem nun wachsenden Team erweitern werden.
  3. Investitionen  in attraktive Wachstumsunternehmen der Bioökonomie, deren Anfragen uns aus unseren eigenen Netzwerken und den Netzwerken der Europäischen Institutionen bereits in großer Zahl erreicht haben.

FondsTrends: Gehen wir einmal zurück zum Anfang. Wann kamen Sie zum ersten Mal mit dem Thema Impact Investing in Berührung? Was hat Sie schließlich, vielleicht auch speziell am Thema biobasierter Kreislaufwirtschaft, nicht mehr losgelassen?

Michael Brandkamp: Beim High-Tech Gründerfonds, für den ich knapp 15 Jahre als Geschäftsführer tätig war, haben wir den Bereich “Sustainable Chemistry” und dessen Potenziale intensiv analysiert. Die Start-up-Szene war sehr unterentwickelt in diesem Bereich. Der größte Engpass lag aber in der Wachstumsfinanzierung. Ferner haben wir erkannt, dass sich die Land- und Forstwirtschaft, die Ernährungs- und Futtermittelindustrie sowie die Verpackungs- und Textilindustrie umstellen und nachhaltiger wirtschaften werden. Es war und ist offensichtlich, dass Innovationen in diesen Bereichen auf sehr große Märkte gerichtet sind und über erhebliche wirtschaftliche Potenziale verfügen. Neben den Renditepotenzialen spielt vor allem die Erkenntnis eine Rolle, dass Innovationen, die die Transformation zu einer zirkularen Bioökonomie voranbringen, nicht nur das Leben erleichtern, sondern zwingend sind, wenn die Menschheit langfristig auf hohem Lebensniveau auf der Erde leben möchte.

Entscheidend war dabei auch der Impuls meiner jüngsten Tochter, die mich bereits vor drei Jahren streng ermahnt hat, etwas für die Zukunft unseres Planeten zu tun.

FondsTrends: Die Corona-Krise scheint nicht nur diverse Lebensbereiche massiv geprägt, sondern auch das Bewusstsein für nachhaltige Investments geschärft zu haben. Welche Aspekte der ESG-Thematik sehen sie besonders davon betroffen? Ist diese Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig, also „here to stay“?

Michael Brandkamp: In der Tat wächst die Ansicht, dass Rendite- und Impactziele komplementär sind, unter Investoren rasant. Es wird immer deutlicher, dass sich Risiken ergeben, wenn die Investmenttargets die Kriterien für „Enviromental, Social and Governance (ESG)“ nicht erfüllen. Alle drei Themenfelder sind sehr wichtig:

  • E: Wenn Unternehmen die Umwelt belasten, wird das zum Risiko, da z.B. Kohlendioxidemissionen etwa durch Steuern oder Zertifikate teuer werden können.
  • S: Wenn öffentlich wird, dass Unternehmen von Kinderarbeit profitieren oder Mitarbeiter diskriminieren, müssen sie damit rechnen, von Kunden abgestraft zu werden.
  • G: Korruption und Vetternwirtschaft sind nur die Spitze des Eisbergs. Wer hier Schwächen zeigt, wird am Kapitalmarkt gerügt. Gute Transparenz- und Compliance-Regeln sind nicht nur Luxus, sondern führen auch zu besseren Entscheidungen und besseren Renditen in den Unternehmen.

Wir sind fest davon überzeugt, dass Investoren in Zukunft grundsätzlich erwarten, dass die ESG-Kriterien erfüllt werden. Viele Investoren interessieren sich immer mehr dafür, was mit dem Geld passiert – Sie wünschen, dass ihr Geld sinnstiftend eingesetzt wird.

FondsTrends: Im Fokus des ECBF liegen vor allem Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit in diversen Bereichen wie z.B. der BlueEconomy oder der Ernährung setzen. Wo sehen Sie hier am meisten Potenzial? Was bedarf einer größeren, wenn nicht gar der größten Umstrukturierung?

Michael Brandkamp: Die Ernährung ist der größte Wirtschaftssektor der Welt. Um in einigen Jahren nahezu 10 Milliarden Menschen zu ernähren, ohne dabei die Lebensbereiche des Menschen auf der Erde zu zerstören, benötigen wir neue Technologien, neue Nahrungsmittel und eine Nutzung von Abfall- bzw. Wertstoffströmen. Der ECBF hat seine beiden ersten Investments in diesem Feld getätigt. PeelPioneers aus den Niederlanden beispielsweise nimmt Orangenschalen auf und verarbeitet diese in der eigenen Bio-Raffinerie zu wertvollen Ausgangsstoffen für die Nahrungsmittelproduktion. Prolupin aus Deutschland stellt aus der regionalen Lupine vegane Joghurts, Eis und Frischkäse her.

Ferner verlangen Kunden, dass Verpackungen nachhaltiger, Textilien recycelt und z.B. Pflegeprodukte ökologischer werden. Auch das Meer als Quelle von neuen Materialien oder Nahrungsmitteln wird an Bedeutung gewinnen. In diesen Feldern werden die Wertschöpfungsketten völlig neu definiert. Hier liegen erhebliche Investitionspotenziale.

FondsTrends: In Anbetracht von Maßnahmen wie dem European Green Deal– wo sehen Sie den ECBF in zehn Jahren?

Michael Brandkamp: Unser Ziel ist, dass der ECBF in zehn Jahren der führende Investor für innovative Wachstumsunternehmen in der Bioökonomie Europas sein wird. Er wird dann bereits seinen dritten Fonds auflegen, gute Investments tätigen und attraktive Renditen erwirtschaften. Der European Green Deal und viele andere Maßnahmen werden den Wandel von der linearen fossilbasierten zu einer biobasierten Wirtschaft fördern. Regulatorische Anpassungen werden neue Märkte schaffen und neue Unternehmen gute Wachstumschancen eröffnen. Dennoch bleibt der Konsument der wichtigste Treiber der Transformation.

FondsTrends: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Inwiefern hat die Corona-Pandemie Ihren beruflichen wie auch privaten Alltag verändert?

Michael Brandkamp: Die Krise hat mir in der ersten Hälfte des Jahres 2020 Angst gemacht, da uns viele Fondsinvestoren abgesagt haben und neue Investoren nicht ansprechbar waren. Das Projekt stand kurz vor dem Scheitern. Aber mit Unterstützung der EIB, der vertrauensvollen Investoren preZero und Dr. Hettich Beteiligungen sowie durch den starken Teamgeist haben wir es dann geschafft. In meinem Alltag gab es aber auch sehr schöne Momente, da meine ganze Familie zuhause beisammen war. Zwei von meinen drei wunderbaren Töchtern sind bereits im Studium. Corona hat unserer Familie also auch eine sehr schöne gemeinsame Zeit geschenkt.

FondsTrends: Herr Dr. Brandkamp, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen weiterhin alles Gute!


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 18. Januar 2021.

Dr. Michael Brandkamp

Dr. Michael Brandkamp studierte Wirtschaftswissenschaften in Münster, Nairobi und Bonn und promovierte an der Fakultät für Unternehmensinnovation der TU Freiberg. Als Geschäftsführer der High-Tech Gründerfonds Management GmbH schrieb er nicht nur dessen Geschäftsplan, sondern baute auch eine breitgefächerte Organisation auf, die unter seiner Leitung in mehr als 550 Start-ups investierte und mehr als 100 Exits realisierte. Im Dezember 2019 verließ er den HTGF nach mehr als 15 Jahren, um sich als General Partner und CEO dem Aufbau des neuen European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) zu widmen, der in innovative Unternehmen an der Schnittstelle aus Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft investiert.

Investieren in Megatrends: Cybersecurity

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktie.

In den Nachrichten über Donald Trump, den Machtwechsel im Weißen Haus, über Corona und Lockdowns ist für viele vermutlich einer der, wenn nicht gar DER, bislang schwerste und gravierendste Einbruch in weltweite Daten- und Computernetze untergegangen. Mindestens 18.000 Computernetzwerke sind betroffen, darunter viele der größten Unternehmen und Behörden in den USA, Großbritannien, Deutschland und etlichen anderen Ländern. Der so genannte „Solarwinds-Hack“ konnte in seinem gewaltigen Umfang ironischerweise überhaupt erst erfolgen, weil viele Unternehmen und Behörden sich gegen genau solch einen Einbruch wappnen wollten. Die Angreifer infizierten dabei genau jene Software, die eigentlich die Sicherheit all dieser Netzwerke gewährleisten sollte. Diese wurde dann bei den arglosen Kunden installiert. Der vermeintliche Wachposten wurde daraufhin zum heimlichen Türöffner – und das unerkannt für mindestens neun Monate.

Massiver Anstieg der Ausgaben für Cyber-Sicherheit erwartet

Der Fall dürfte noch gewaltige Konsequenzen nach sich ziehen. Eine davon scheint schon jetzt sicher: Die Ausgaben für IT-Sicherheit werden 2021 nochmals massiv steigen. Verschiedene Researchhäuser schätzen das Wachstum der Branche für die kommenden fünf bis zehn Jahre auf über 10 % pro Jahr. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar, im Gegenteil. Denn hier kommt natürlich noch ein weiterer, massiver Trend zum Tragen: Die Digitalisierung fast aller Branchen und der beschleunigte Trend zum Homeoffice.

Die Pandemie hat zusätzliche Dynamik in diese Entwicklungen gebracht. Die rasant zunehmende Digitalisierung führt zugleich dazu, dass sich Cyber-Kriminalität nicht nur stark ausgebreitet und mittlerweile zu einem riesigen Geschäftszweig für das organisierte Verbrechen entwickelt hat, sondern auch ein Schlachtfeld für staatliche und halb-staatliche Akteure weltweit geworden ist. Das Thema Cyber-(Un)Sicherheit betrifft dabei jeden – Behörden, Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen. Denn unsere Identität wird – egal ob wir das wollen oder nicht – zumindest für behördliche Zwecke, Konsum, Reisen etc. zunehmend digital.

Digitalisierung macht uns immer verwundbarer für Cyberangriffe

Neben Diebstahl und politischer sowie industrieller Spionage sind es vor allem Erpressungen gegenüber Unternehmen und Regierungen, die derzeit stark zunehmen. Dabei infizieren Hacker mit einer Ransomware (Erpressungssoftware) fremde Computer. Diese sorgt dann dafür, dass die Mitarbeiter keinen Zugang mehr zu ihrem Computer bzw. zu ihren Dateien und Daten haben, es sei denn man zahlt ein Lösegeld. Dieses Lösegeld wird oft in Kryptowährungen verlangt, weil man so den späteren Weg des erpressten Geldes nicht mehr nachvollziehen kann. In den letzten fünf Jahren haben sich international sogar Unternehmen etabliert, die weltweit entwickelte neue Angriffsverfahren gegen Entgelt für Auftraggeber durchführen, im Ransomware-Bereich beispielsweise gegen eine Beteiligung von 30 % des erzielten Umsatzes. Es gibt dafür sogar schon den Begriff CaaS (Crime as a Service, zu Deutsch Auftragskriminalität als Dienstleistung).

Eine andere beliebte Methode von Cyberkriminellen, um an Geld zu kommen, ist das Phishing, also der Diebstahl digitaler Identitäten. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff der Spyware. Hierbei handelt es sich um eine bösartige Software, die den Computer oder das Handy infiziert und Informationen über den User und seine Gewohnheiten sammelt. Meist spioniert diese Software über längere Zeit unerkannt im Hintergrund und sammelt Daten oder überwacht die Aktivitäten, um bösartige Aktionen auszulösen, die den Computer des Users betreffen. Besonders heimtückisch sind die sogenannten Trojaner. Angelehnt an die berühmte Sage über das trojanische Pferd installieren sie unbemerkt Hintertüren, durch die Angreifer dann in Systeme eindringen, Daten stehlen oder verändern und weitere Schadsoftware installieren können. Der eingangs erwähnte Solarwinds-Angriff gehört in diese Kategorie. Letzten Meldungen zufolge haben dabei sogar zwei Hackerteams unabhängig voneinander Hintertüren installieren können.

Permanenter Wettlauf zwischen Schild und Schwert

Zu den betroffenen Unternehmen gehören übrigens weitere IT-Sicherheitsfirmen, wie etwa FireEye. Dort haben die Hacker auch gleich ein Arsenal von digitalen Einbruchswerkzeugen mitgehen lassen. Unvergessen die Sammlung von Hackertools des US-Geheimdienstes NSA, die vor einigen Jahren im Internet veröffentlich wurde und damit sofort ins Waffenarsenal aller Hackergruppen wanderte. Daran wird auch ein großes Problem in diesem Bereich deutlich, dass aus Investorensicht aber für langes Wachstum sorgen wird: ein permanenter Wettlauf zwischen den Schwertern der Angreifer und den Schilden der Verteidiger. Die Angriffsmethoden werden ständig besser, ebenso die dafür verfügbare Hardware. Firmen, die sich auf die Verteidigung gegen Angriffe spezialisiert haben, müssen daher ihrerseits ständig Erkennungs- und Abwehrmethoden, Verschlüsselungen und Sicherheitssysteme weiterentwickeln. Und ihre Kunden müssen, ob sie wollen oder nicht, kontinuierlich diese verbesserten Sicherheitssysteme beziehen und Geld für Cybersicherheit ausgeben. Der wirtschaftliche Schaden durch Cyberkriminalität wird inzwischen auf jährlich über eine Billion Dollar geschätzt, 50 % mehr als noch vor zwei Jahren. Entsprechend hoch ist die Notwendigkeit für Unternehmen und Behörden, ständig in wirksame Sicherheitssysteme zu investieren.

Fazit

Der Markt für Cybersicherheit wird auf absehbare Zeit stark wachsen, nicht zuletzt durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche. Zugleich ist das für die dort tätigen Unternehmen aber keine Einbahnstraße. Vieles basiert auch und gerade in diesem Bereich naturgemäß auf Vertrauen. Unternehmen, die das Vertrauen ihrer Kunden nicht (mehr) rechtfertigen können und mit ihren Lösungen nicht die versprochene Sicherheit bieten, werden sehr schnell von jenen verdrängt werden, die dies besser tun. Daher ist auch in dieser Branche eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Cybersicherheit engagieren.