Inflationsindexierte Anleihen erhöhen risikobereinigte Rendite des Portfolios

In Zeiten steigender Inflations- und Wachstumsraten schneiden inflationsindexierte Anleihen durchschnittlich um 3 Prozent besser ab als Nominalanleihen. Inflationsindexierte Anleihen sind nach wie vor besser für den langfristigen Kapitalschutz als für eine kurzfristige Inflationsabsicherung geeignet.

Wir haben festgestellt, dass Portfolios mit inflationsindexierten Anleihen eine geringere Volatilität und höhere risikobereinigte Renditen erzielen. Inflationsindexierte Anleihen sind auch ein effizientes Mittel, um eine stärkere Diversifizierung zu erreichen, so Morgane Delledonne, Fixed Income Strategist, im Ausblick von ETF Securities.

Moderater Inflationsausblick

Die langfristigen Renditen werden am stärksten von den Inflationserwartungen sowie von den Erwartungen hinsichtlich der künftigen kurzfristigen Zinssätze angetrieben. Die Break- even-Inflationsrate (die Differenz zwischen der Rendite einer nominalen Staatsanleihe und der Rendite einer inflationsindexierten Staatsanleihe mit identischer Laufzeit) spiegelt die Inflationserwartungen und den Risikoaufschlag aufgrund der mit Unsicherheit behafteten Inflationsentwicklung. Die Break-even-Rendite (über 10 Jahre) ist in den USA zwischen 2014 und 2015 auf unter 2 Prozent gesunken – im Einklang mit dem Rückgang der Rohstoffpreise und dem wahrgenommenen Deflationsrisiko. In Vorwegnahme einer strafferen Geldpolitik, der wachstumsorientierten Maßnahmen von Trump und eines besseren Ausblicks für die Energiepreise kam es im August 2016 dann zu einer drastischen Erholung. Die meisten Markt- und Umfrageindikatoren für die Inflationserwartungen nähern sich inzwischen dem Inflationsziel der US-Notenbank (2 Prozent).

Der 10- bis 5-jährige Break-even-Spread ist kürzlich jedoch auf Null gesunken, was darauf hindeutet, dass die Marktteilnehmer kurzfristig einen Inflationsanstieg erwarten, aber noch nicht davon überzeugt sind, dass sich die Inflation im Verlauf des nächsten Jahrzehnts weiter beschleunigen wird.

Wir sind der Ansicht, dass strukturelle Schwierigkeiten – darunter die alternde Bevölkerung, das niedrige Produktivitätswachstum und der problematisch globale Schuldenüberhang – eine konjunkturelle Überhitzung verhindern werden. Dies mindert die Wahrscheinlichkeit einer langfristig steigenden Inflation. Die Volatilität bei den Rohstoffpreisen wird sich wahrscheinlich auch weiterhin in schwankenden Inflationskennzahlen niederschlagen.

Strategie in einem weltweit inflationären Umfeld

In einem Umfeld steigender Wachstums- und Inflationsraten verringern die Anleger normalerweise ihr Durationsengagement und übernehmen mehr Kreditrisiken. Um sich vor einem inflationsbedingten Kapitalverzehr zu schützen, können Anleger auf den Anleihemärkten auch ihr Engagement in inflationsindexierten Anleihen erhöhen oder vermehrt auf „Linker“ wie inflationsindexierte US-Anleihen (TIPS) setzen. Linker schützen das Kapital vor der realen Inflation. Ihre nominellen Kupon- und Kapitalrückzahlungen werden um den Anstieg des zugrundeliegenden Preisindex bereinigt (bei TIPS wird beispielsweise der US-amerikanische Verbraucherpreisindex herangezogen). Auf diese Weise bleibt der reale Wert der Zahlungen unverändert. Linker gehen mit niedrigeren Kuponzahlungen als herkömmliche Anleihen einher, bei Fälligkeit ist jedoch eine höhere Kapitalrückzahlung zu leisten. Anders ausgedrückt: Linker bieten bessere Renditen, wenn sie bis zur Fälligkeit gehalten werden.

Im vergangenen Jahrzehnt haben globale Linker besser abgeschnitten als alle anderen Anlageklassen.

In Phasen steigender Inflations- und Wachstumsraten haben TIPS in den USA generell um 3 Prozent besser abgeschnitten als Nominalanleihen. War das Wachstum dagegen rückläufig, lagen Linker grundsätzlich 2 Prozent hinter Nominalanleihen.

Obwohl die Geldpolitik in den USA gestrafft wurde, hat die höhere Inflation den Anstieg der Nominalrenditen mehr als ausgeglichen. Dadurch gaben die realen Renditen herkömmlicher Anleihen nach. Die mit Linker erwirtschaften Renditen sind jedoch nach wie vor weitgehend stabil.

Linker in Portfolios

Im Kontext von Portfolioanlagen und Anleihen sind Linker effiziente Diversifizierungsinstrumente, denn sie weisen nur eine geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen wie Aktien und Rohstoffen auf.

Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass ein Portfolio mit US-Anleihen, einschließlich TIPS und US-Aktien, weniger volatil ist und eine höhere risikobereinigte Rendite erzielt als ein vergleichbares Portfolio ohne TIPS. In der nachfolgenden Abbildung werden für beide Portfolios die „Efficient Frontiers“ veranschaulicht – damit wird ein Set aus optimalen Portfolios bezeichnet, das bei einem gegebenen Risiko die höchste erwartete Rendite und bei einer gegebenen erwarteten Rendite das geringste Risiko aufweist. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass TIPS in einem breiten Anleihen- und Aktienportfolio ein effizientes Mittel sind, um das Risiko zu reduzieren und die Rendite zu erhöhen. Das Portfolio mit TIPS erzielt bei einem identischen Risiko (z. B. 6 Prozent) eine höhere erwartete Rendite (6,2 Prozent) als das Portfolio ohne TIPS (5,8 Prozent).

Unter taktischen Gesichtspunkten hängt die strategische Entscheidung für ein Engagement in Linker oder Nominalanleihen vorrangig von den Wirtschaftsbedingungen ab. Linker sind in Erholungs- und Inflationsphasen attraktiver, wenn die Zentralbanken die geldpolitischen Rahmenbedingungen straffen. Dagegen durchlaufen Nominalanleihen in Rezessionsphasen, wenn die Zentralbanken ihre Geldpolitik lockern, eine überdurchschnittliche Wertentwicklung.

Unsere Analyse zeigt jedoch, dass inflationsindexierte Anleihen langfristig als Kernanlage eines Portfolios betrachtet werden sollten. Um die zusätzlichen erwarteten Renditen zu maximieren, die mit TIPS in einem Portfolio erzielt werden können, müssten TIPS jedoch mehr als 60 Prozent des Gesamtportfolios der Anleger ausmachen.

Da wir uns auf ein weltweit inflationäres Umfeld zubewegen, könnten Anleiheanleger ihr Durationsrisiko senken und ihr Kreditrisiko erhöhen. Zudem könnten Anleger ihr Portfolio mit inflationsindexierten Anleihen aufstocken, um dieses zu optimieren und einen langfristigen Kapitalschutz zu erzielen, anstatt mit diesen eine kurzfristige Inflationsabsicherung vorzunehmen.

Unseres Erachtens dürften die strukturellen Probleme im nächsten Jahrzehnt weiterhin einen Abwärtsdruck auf Wachstum und Inflation ausüben. Deshalb sind wir gegenüber globalen Anleihen neutral eingestellt und bevorzugen Anleihen aus den Schwellenländern sowie Hochzinsanleihen.


Den vollständigen Ausblick von ETF Securities finden Sie hier.