„Emerging Markets zur Diversifikation von institutionellen Portfolios“

Thomas RutzThomas Rutz ist seit 2012 Portfoliomanager bei MainFirst und verantwortet Anlagen aus Schwellenländern für den MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced und MainFirst Emerging Markets Credit Opportunities Fund. Er spricht mit altii über Emerging Markets und ordnet Risiken und Chancen vor einem globalen Kontext ein.

altii: Herr Rutz, Emerging Markets sind ein weiter Begriff! Geben Sie uns doch bitte eine Übersicht über die relevanten Märkte.

Thomas Rutz: Da wir eine globale Relative-Value-Strategie verfolgen, verschiebt sich die Ländergewichtung immer wieder. Derzeit sehen wir das grösste Performance-Potential in Lateinamerika und Afrika. In der Vergangenheit waren wir aber auch stark in China investiert. Wo wir in Zukunft investieren, hängt davon ab, welche Märkte laut unseren Analysen das attraktivste Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen.

altii: Eine höhere Rendite in den sich entwickelnden Ländern ist ein Argument, aber sind Investitionen in EM wirklich zur Diversifikation geeignet?

Rutz: Auf jeden Fall. Schwellenländer haben häufig andere Sektorenschwerpunkte als entwickelte Länder. In den Emerging Markets ist das Exposure bei Rohstoffen und Infrastruktur zum Beispiel grösser. Dagegen sind die in den US und Euro High-Yield-Anleihefonds stark vertretenen Finanzunternehmen ein kleineres Gewicht. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Verschuldungsgrad der Unternehmen aus den entwickelten Ländern meistens höher. Unternehmensanleihen von Schwellenländern verfügen hingegen über attraktive Risikoprämien.

altii: Wie sieht es denn mit den Risiken aus? Können Sie bitte auf geopolitische Risiken und Wechselkursschwankungen eingehen.

Rutz: Risiken müssen überall berücksichtigt und berechnet werden. Daher ist die Abschätzung geopolitischer Risiken ein wichtiger Teil unseres mehrstufigen Analyseprozesses. Grundsätzlich versuchen wir diese Risiken in Zusammenhang zu setzen damit, wie sie sich auf die Zahlungsfähigkeit eines Landes und die ansässigen Unternehmen auswirken. Da wir im Fonds ausschliesslich in Hartwährungsanleihen investieren, betreffen uns Wechselkursschwankungen nur indirekt, also über die Bilanz der Unternehmen, und letztere lassen sich recht gut analysieren. Oft bieten Währungsschwankungen auch interessante Investmentmöglichkeiten, z. B. in Export-sektoren, wenn sich eine Währung abschwächt und die Nachfrage dadurch stark steigt. Lokalwährungsschwankungen können aber den Risikoappetit der Investoren stark prägen, da oft leider nicht zwischen dem Sentiment und den Fundamentaldaten unterschieden wird. Stabile bis stärkere Lokalwährungen wirken dagegen immer sehr unterstützend.

altii: Wie verhält es sich denn mit der Liquidität? Können alle bedient werden, wenn etwas Kritisches passiert?

Rutz: Vor allem im High-Yield-Bereich muss die Liquidität gut gemanagt werden. In Zeiten, in denen die Märkte auf der Basis von Sentiments und nicht von Fundamentaldaten handeln, ist ein langer Atem des Investors tatsächlich wichtig. Da wir weltweit mit vielen lokalen Brokern zusammenarbeiten, kann Liquidität eigentlich immer gefunden werden. Eine breite Diversifikation über verschiedenen Achsen (Regionen, Länder und Sektoren) trägt auch viel zur Liquidität bei. Wir limitieren das Exposure pro Unternehmen auf max. 3 Prozent des Portfolios und vermeiden so ungewollte Konzentrationsrisiken. Aktuell sind wir in über 120 Titeln in 39 Ländern investiert.

altii: Wodurch zeichnet sich Ihre Anlagestrategie aus?

Rutz: Wir sind mit einem sehr aktiven und opportunistischen, globalen Relative-Value-Ansatz unterwegs. Viele Investoren bezeichnen uns als Contrarian – wir nennen uns hingegen Early Movers. Wir sind oft relativ früh im Zyklus investiert, was bedeutet, dass nicht alle Titel von der ersten Stunde an Kursraketen sind, aber über einen etwas längeren Zeitraum sehr attraktive Renditen abwerfen können. Wir sind keine Benchmark-Tracker und haben einen hohen Tilt zu Frontier-Märkten. Im aktuellen Portfolio spielen Distressed, High Yield, Rohstoffe und Infrastrukturunternehmen eine grosse Rolle. Wir suchen uns auch gerne kleinere, zweitrangige („second-tier“) Unternehmen aus, bei denen wir gutes Potential für Investitionen sehen. Top-down schauen wir uns die makroökonomischen Daten, das politische Umfeld und die allgemeine Bewertung der verschiedenen Regionen und Länder an. In einem zweiten Schritt überprüfen wir Einzeltitel auf Basis unseres bewährten fünfstufigen Bottom-up-Prozesses. Wir arbeiten seit der Finanzkrise von 2008 sehr erfolgreich mit diesem Ansatz zur Aufteilung der Kreditmarge, um die zukünftigen Outperformers zu identifizieren. Am 12. Oktober feiern wir das 5-jährige Jubiläum unseres MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced. Seit Auflage 2012 hat die institutionelle Tranche in US Dollar (MFEMBCO – USD, ISIN: LU0816909955) über 30 Prozent Rendite und 800 Basispunkte Alpha erreicht. Dabei waren natürlich die Schwankungen im Vergleich zur Periode von 2009-2012 infolge der geopolitischen Ereignisse in Russland, Brasilien und auch der Wahlen in den USA etwas höher.

altii: Spielt Duration dabei eine Rolle?

Rutz: Die Steuerung der Duration ist nicht unser primärer Fokus. Wir haben uns bisher in einer relativ engen Bandbreite um die fünf Jahre herum bewegt, abhängig von unserer Zinserwartung war sie etwas länger oder kürzer. Unser Hauptfokus ist stattdessen die Analyse und die Entwicklung der Kreditrisikoprämien. altii: In welchem Format kommt Ihre Strategie? Rutz: Der MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced ist ein Publikumsfonds, der zum Vertrieb in 16 Ländern registriert ist und Anlageklassen für private und professionelle Investoren bereithält.

altii: Was erwarten Sie in den nächsten 12 bzw. 24 Monaten?

Rutz: Wir gehen davon aus, dass die zyklische Erholung anhalten wird. Daher gehen wir auch weiterhin von hohen einstelligen bis zweistelligen Renditen (8-10 Prozent) auf annualisierter Basis aus.

altii: Danke und weiterhin viel Erfolg.

Über MAINFIRST
MAINFIRST ASSET MANAGEMENT ist eine unabhängige europäische Multi-Boutique mit einem aktiven Managementansatz. Das Unternehmen verwaltet Publikumsfonds und individuelle Spezialmandate und konzentriert sich mit seinem Multi-Boutique-Ansatz auf Investmentstrategien in ausgewählten Asset-Klassen, nämlich Equities, Fixed Income und Multi Asset. Erfahrene Portfoliomanagementteams entwickeln Strategien mit hohem Active Share und individuellen Investmentprozessen. Das Unternehmen verbindet somit die Expertise und Flexibilität fokussierter Investmentteams mit den Stärken und klar definierten Prozessen einer breit aufgestellten internationalen Plattform. MainFirst Asset Management ist Teil der MainFirst Gruppe, welche mit etwa 200 Mitarbeitern an den Standorten Frankfurt, London, Luxemburg, Mailand, München, New York, Paris und Zürich tätig ist. Nähere Informationen (inklusive rechtlicher Hinweise) finden Sie unter www.mainfirst.com.

Über Thomas Rutz
THOMAS RUTZ ist seit 2012 Portfoliomanager bei MainFirst und verantwortet Anlagen aus Schwellenländern für den MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced und MainFirst Emerging Markets Credit Opportunities Fund. Zudem leitet er die MainFirst Affiliated Fund Managers (Schweiz) AG. Zuvor arbeitete Thomas Rutz bei Clariden Leu, wo er zuletzt die Abteilung Emerging Markets, bestehend aus Aktien-, Anleihen- und Währungsteams, mit insgesamt über 1 Milliarde Euro verwaltetem Vermögen leitete und für die Anlagestrategie in Schwellenländern verantwortlich war. Vorherige Positionen waren bei ABB Capital B.V. in Zürich und Singapur als stellvertretender Chefhändler und Leiter Kapitalmarkt der Bank of Bermuda Ltd., Hamilton. Von 1985 bis 1994 arbeitete Thomas Rutz in verschiedenen Positionen im Bereich Eigenhandel der UBS in Zürich, London, New York, Chicago und Hongkong.

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