Technologietrends für 2018

Der Technologiesektor war im Jahr 2017 der Sektor mit der stärksten Wertentwicklung. Für Pictet sind die "technologieaffinen" Themenstrategien - Security, Digital und Robotics - wichtig, erklärt Frank Böhmer von Pictet Asset Management im Interview mit altii zu Künstlicher Intelligenz, Cloud-Lösungen, Blockchain und Cybersecurity

altii: Warum ist der Technologiesektor so wichtig für die Investmententscheidungen von Pictet Asset Management?

Frank Böhmer: Der Technologiesektor war im Jahr 2017 mit einem Kursplus von 38,7% (in USD per 29.12.2017) der Sektor mit der stärksten Wertentwicklung. Unsere drei thematischen Strategien mit Bezug zu technologischer Innovation haben von diesem Umfeld sehr profitiert und konnten ebenfalls starke Ergebnisse liefern:

  • Pictet Security +25%
  • Pictet Digital +38%
  • Pictet Robotics +41%

Wir haben im abgelaufenen Jahr wiederholt darauf hingewiesen, dass der aktuelle Technologie-Bullenmarkt durch gute Fundamentaldaten unterstützt wurde. Das sind starke Umsatz- und Gewinn­steigerungen, bessere Profitabilität und Ausbau der Marktanteile. Diese Situation kann keinesfalls mit der Technologieblase zu Beginn des neuen Jahrtausends verglichen werden, die viel eher eine Hoffnungsrally war.

altii: Welches sind die am viel versprechendsten Entwicklungen in den Technologiebereichen?

Böhmer: Für uns sind die "technologieaffinen" Themenstrategien wichtig. Das sind die so genannten SDR Themen - Security, Digital und Robotics. Darunter fallen Innovationsschwerpunkte wie z.B. Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge, Cloud-Lösungen, die Blockchain, Augmented und Virtual Reality, die so genannte Industrie 4.0, ganz besonders Cybersecurity, E-Commerce und zu guter letzt das aus all diesen Themen resultierende M&A Geschäft.

altii: Geben Sie uns bitte einen Überblick über Ihre Sichtweise zu Künstlicher Intelligenz.

Böhmer: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen durchdringen quasi alle Bereiche unseres Lebens. In 2018 wird Big Data entscheidend dazu beitragen, die laufenden IT-Kosten zu senken und neue Datenanalysetechniken einzusetzen. KI-Technologien werden Unternehmen dabei helfen, Datenbestände - seien sie strukturiert oder unstrukturiert - besser auszuwerten und damit zu nutzen. Sie werden die Erkenntnisse umsetzen in einen höheren Nutzen für die Kunden und eine Optimierung ihrer Geschäftsprozesse. Nach Ansicht von PwC (Sizing the Price, Juli 2017) könnte Künstliche Intelligenz bis 2030 bis zu $15,7 Billionen zur Weltwirtschaft beitragen, was einem Anteil von 14% des globalen BIP entspricht: $6,6 Billionen werden voraussichtlich aus Produktivitätssteigerungen kommen und $9,1 Billionen werden von der Konsumseite beigesteuert.

Produktivitätsgewinne werden durch Automatisierungsprozesse getrieben, z.B. durch den Einsatz von Robotern und Autonomen Fahrzeugen, aber auch indem die bestehende Belegschaft KI-Technologien in ihren Arbeitsalltag integriert, ohne von Maschinen gänzlich ersetzt zu werden. Konkret bedeutet das einen Einfluss für unsere Strategien Pictet-Digital und Robotics.

altii: Welchen Stellenwert und Einfluss haben Cloud-Lösungen für Sie?

Böhmer: Die Umsätze der weltweiten öffentlichen Cloud-Dienstleistungen werden im abgelaufenen Jahr 2017 um schätzungsweise 18,5% gewachsen sein und ein Niveau von $260 Mrd. erreicht haben, was sich mit $219 Mrd. im Jahr 2016 vergleicht. Bis 2020 sollte dieser Markt sogar auf $411 Mrd. pro Jahr wachsen.

Der am schnellsten wachsende Teilbereich aller Cloud-Servicekategorien sollte IaaS (Infrastructure as a Service) sein und mit 36,6% im Jahr 2018 wachsen.

Dieser Markt konzentriert sich zunehmend. Gartner schätzt, dass bis zum Jahr 2021 etwa 70 Prozent der öffentlichen Cloud-Dienstleistungen von 10 börsennotierten Cloudanbietern dominiert werden. "Im IaaS-Segment haben Amazon, Microsoft und Alibaba bereits jetzt eine starke Marktstellung", mit Marktanteilen in 2016 von 44%, 7% und 3%.

Da Pictet-Digital in die größten Cloud-Infrastrukturanbieter wie Amazon, Microsoft oder Alibaba aber auch in einige web-basierte Softwareanbieter investiert, hat das erheblichen Einfluss.

Der Ausbau der Cloud-Infrastruktur erfordert auch die Entwicklung von Nebenbereichen wie Notfallsicherungssystemen (Disaster Recovery oder Datencenter). Davon profitiert die Pictet-Security Strategie.

altii: Kein Tag ohne fulminante Meldungen über Bitcoins, die über die Blockchain-Technologie gehandelt werden. Was halten Sie vom aktuellen Trendthema?

Böhmer: Blockchain, die Technologie, die das Existieren von Kryptowährungen wie Bitcoin überhaupt ermöglichen, erlebt gerade den Aufmerksamkeitsschub, der dem IoT (Internet of Things) vor einigen Jahren zuteil wurde. Forrester sagt voraus, dass "ein brauchbarer auf Blockchain basierender Markt im Jahr 2018 kommerziell nutzbar sein wird" und dabei in seinen Anwendungsmöglichkeiten über Kryptowährungen weit hinausgehen wird. Jeder Markt, der Vermögenswerte überträgt und der Informationen über Besitzverhältnisse teilt, kann diese Technologie anwenden.

Ähnlich wie die zunehmende Nutzung von Big Data war das Jahr 2017 ein aufregendes Jahr für real existierende Blockchain-Projekte wie die Distributed Ledger Technologie (DLT). Diese bewegen sich nun von einem Hype in eine Phase der "Industrialisierung". Eine Reihe von Organisationen haben im vergangenen Jahr einen sehr reifen und fortgeschrittenen Ansatz zu Blockchainlösungen gezeigt, und wir konnten eine grosse Anzahl an interessanten Projekten beobachten - welche, die wirklichen Wandel bringen: 1) Banken können sie nutzen für Backoffice-Anwendungen, Hypothekenkredite, Zahlungs­vorgänge, etc., 2) die Musikindustrie für Tan­tiemezahlungen und Lizenzen, 3) in Reedereien für Handelslogistik, 4) innerhalb des Gesundheitswesens, um Patientendaten sicher digitalisiert zu verarbeiten und aufzubewahren, 5) innerhalb der Lebensmittelin­­dustrie, um durch bessere Nachverfolgbarkeit die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen, etc..

Gartner schätzt, dass in 2016 $226 Millionen von Unternehmen für Blockchainprojekte ausgegeben wurden; bis zum Jahr 2020 wird dieser Wert auf mehr als $1 Milliarde ansteigen, um dann in 2023 den Betrag von $5 Mrd. zu übertreffen (was ein exponentielles Wachstum bedeutet).

altii: Warum soll die Blockchain Technologie eigentlich eine neue Quelle für "Vertrauen" sein?

Böhmer: Blockchain operiert über ein breit verzweigtes Transaktionsverzeichnis, in dem jede Transaktion verkettet ist mit mehreren verwandten Transaktionen und zudem verschlüsselt wird. Um sie zu hacken, müsste der Eindringling auch alle danebenliegenden Transaktionen und die Einträge in allen Speicherpunkten verändern, die bereits die aktuelle Struktur des Transaktionsverzeichnisses besitzen (was praktisch unmöglich ist angesichts Tausender Speicherplätze, die auf der ganzen Welt verstreut sind). Heutzutage basieren die Gesellschaft und die globale Ökonomie auf dem Vertrauen in starke Intermediäre wie z.B. Regierungen, Banken und neuerdings auch große Internetfirmen wie Google und Facebook. In der Geschäftswelt entstehen einige der größten Unternehmen und Vermögen dadurch, dass sich diese Akteure als vertrauensvolle Vermittler in die Mitte einer Transaktion stellen und sich dann aus dieser Transaktion einen kleinen Profit herausziehen. Blockchain besitzt eine andere Art von Vertrauen, basierend auf der Tatsache, dass die Einträge dezentral und damit schwer zu manipulieren sind. Ausserdem sind die Verzeichnisse öffentlich, so dass nicht eine Institution (oder ein Staat) sie manipulieren oder kontrollieren kann.

altii: Welchen Stellenwert hat Cybersecurity?

Böhmer: 2017 war ein Jahr, das von Nachrichten über Datenschutzverletzungen und neue Cyber-Sicherheitsbedrohungen bestimmt war. Dies erstreckte sich von großen "Hacks" bei Unternehmen wie Equifax und Verizon bis hin zu Erpressersoftware-Attacken (sog. "Ransomware") wie der weltweite WannaCry-Angriff.

Es steht zu erwarten, dass wir im Jahr 2018 noch mehr davon erleben werden, wobei Unternehmen, Regierungen, öffentliche Einrichtungen und sogar politische Kampagnen ein mögliches Ziel abgeben. Sicherlich werden Cyberattacken in Umfang und Ausgereiftheit zunehmen, so dass Regierungen, Unternehmen oder Privatpersonen, die es versäumt haben, sich frühzeitig und ausreichend zu schützen, zur Zielscheibe werden.

Die Strategie Pictet-Security hat Exposure zu reinen Cybersecurity-Unternehmen, die versuchen, durch innovative Lösungen die Bedrohung der Cybersicherheit zurückzudrängen.

altii: Was wird das alles für den M&A Markt bedeuten?

Böhmer: Deals im Hightechbereich nahmen beinahe 30% der insgesamt $2,5 Billionen der abgeschlossenen M&A-Transaktionen des Jahres 2016 ein. Etwa 70% aller Technologiedeals in 2016 - 9 Prozentpunkte mehr als in 2012 - involvierten Käufer außerhalb des Technologiesektors.

Die globale M&A-Aktivität hat ihr Momentum beibehalten, mit beinahe $1,3 Billionen an angekündigten Transaktionen im ersten Halbjahr, was deutlich über dem historischen Durchschnitt von $1,2 Billionen liegt. Die Anzahl der Transaktionen lag mit mehr als 22.000 angekündigten Fusions- und Übernahmetransaktionen in jeweils der ersten Hälfte der letzten drei Jahre ebenfalls über dem Durchschnitt.

Wenn man die jüngsten Deals analysiert, fallen die folgenden Trends auf:

China ist auf Shoppingtour. China hat sich im Jahr zu einer veritablen Shoppingtour aufgemacht, indem sie mit fast $200 Milliarden an Transaktionen den entsprechenden Wert aus 2015 mehr als verdoppelten. Etwa zwei Drittel von Chinas M&A-Aktivitäten zielen auf Unternehmen im Ausland, wobei Europa und Nordamerika als die attraktivsten Destinationen angesehen werden. Mehrere Faktoren befeuern diesen Reigen an Transaktionen, unter anderem der zunehmende Konsum einer wachsenden Mittelschicht in China sowie die Umsetzung des jüngsten Fünfjahresplans. Dieser erkennt in Fusionen und Übernahmen ein probates Mittel, um Zugang zu strategisch bedeutsamen Technologien zu erhalten und damit die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes zu verbessern. Mideas Akquisition des deutschen Roboterherstellers KUKA beispielsweise brachte wichtige Robotik-Expertise zu Chinas (und weltweit) größtem Hausgerätehersteller - aber öffnete KUKA im Gegenzug auch einen besseren Marktzugang zum weltweit wichtigsten Automobil-Produktionsstandort.

Technologie M&A boomt. "Digitale Disruption" hat sich im vergangenen Jahr von einem Tekki-Fachbegriff zu einem vielzitierten Wort in den Vorstandsetagen in immer mehr Industriesparten entwickelt. Während die Geschwindigkeit der tech­nologiegetriebenen Veränderung rasant zunimmt, ist für das Topmanagement vieler Unternehmen (aus dem Techbereich, aber auch in "traditionellen" Industrien) die Frage verbreitet: Wie positionieren wir uns in einem sehr disruptiven Marktumfeld? Immer häufiger ist die Übernahme von technologiegetriebenen, speziell digitalen Unternehmen, das Mittel der Wahl um dringend benötigte Technologien, Fertigkeiten und Produkte zu erwerben und die bestehenden Innovationslücke zu schließen.

altii: Wir konnten jetzt nicht alle Themen besprechen. Wo finden unsere Leser weiter führende Informationen?

Böhmer: Im Internet unter https://www.am.pictet/de/germany/institutional oder rufen Sie uns doch einfach an.

altii: Danke für das Gespräch


Über Frank Böhmer
Frank Böhmer kam 2007 zu Pictet Asset Management in Frankfurt und ist für den institutionellen Vertrieb in Deutschland und Österreich zuständig. Zuvor war Frank Böhmer neun Jahre für ABN AMRO Asset Management und Schroder Investment Management tätig. Dort war er jeweils für die Entwicklung des institutionellen Geschäfts in Deutschland und Österreich verantwortlich. Seine Investmentkarriere begann er bei der Deutsche Bank AG, wo er 14 Jahre an mehreren Standorten in verschiedenen Funktionen arbeitete, zuletzt als Senior­ Anlageberater für Privat­ und Geschäftskunden.

Kontakt: Frank Böhmer, +49 69 795009 0, fbohmer@pictet.com

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management