Berliner Senat und Bundesregierung: Mit vereinten Kräften für den Gewerbemarkt

Von Einar Skjerven, Geschäftsführer der Skjerven Group

Das Umwandlungsverbot in Milieuschutzgebieten, das der Berliner Senat kürzlich verabschiedet hat, wird den Mietern wenig nützen: Um Mietsteigerungen zu verhindern, ist diese Maßnahme definitiv nicht geeignet. Profitieren dürften die Politiker im Kampf um Wählerstimmen – und Eigentümer von Berliner Gewerbeimmobilien. Denn aufgrund der zahlreichen Regulierungen wird der Wohnungsmarkt der Hauptstadt für potenzielle Investoren undurchsichtiger. Akteure, die in Berlin investieren wollen, aber von den rechtlichen Eingriffen in den Wohnungsmarkt verunsichert sind, werden auf andere Segmente setzen.

Der Berliner Wohnimmobilienmarkt bleibt für Investoren zwar attraktiv. Die Wachstumsfaktoren, die dem Markt in den vergangenen Jahren Auftrieb gegeben haben, sind immer noch vorhanden. Die Preise sind im Vergleich zu anderen deutschen Städten noch niedrig und haben Spielraum nach oben; noch immer wächst die Bevölkerung und die Nachfrage nach Wohnraum steigt. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich für Investoren zum Negativen geändert – Stichwort Umwandlungsverbot und Mietpreisbremse. Die beiden Maßnahmen gemeinsam wirken für Investoren wie Regen und Sturm für Fußgänger: Solange es nur regnet, kann man sich mit einem Schirm dagegen schützen. Wenn jedoch gleichzeitig ein Sturm einsetzt, fliegt der Schirm davon und die Fußgänger werden nass. Soll heißen: Mit der Mietpreisbremse alleine konnten Investoren noch gut zurechtkommen, ein Exit über die Privatisierung war immer noch möglich. Kommt zur Mietpreisbremse noch ein Umwandlungsverbot hinzu, fällt die Option der Privatisierung weg. Um noch attraktive Renditen zu erzielen, müssen Investoren detaillierte Marktkenntnisse mitbringen und fast tagesaktuell auf dem Laufenden bleiben. Zudem müssen sie davon ausgehen, dass sich die Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren noch einige Male ändern werden. Denn es ist abzusehen, dass weitere Milieuschutzgebiete erlassen werden.

Man könnte fast meinen, die Bundesregierung und der Berliner Senat legten es geradezu darauf an, Investoren zu verunsichern und sie vom hauptstädtischen Wohnungsmarkt fernzuhalten. In den vergangenen Jahren hat Berlin einen eindrucksvollen Aufstieg hingelegt und sich von der armen, aber sexy Metropole, die gerade erst zusammen wächst, zu einem der attraktivsten Wohnimmobilienmärkte Europas entwickelt. Ob das so bleibt, ist nunmehr fraglich. Gleichzeitig sorgen die genannten Maßnahmen dafür, dass die Preise für Gewerbeimmobilien in absehbarer Zeit steigen dürften. Denn seit geraumer Zeit erlebt Berlin einen wirtschaftlichen Aufschwung, immer mehr Unternehmen siedeln sich hier an. Gewerbeflächen in der Hauptstadt werden immer stärker nachgefragt. Die Restriktionen des Wohnungsmarktes werden auch internationale Investoren auf diese Schiene lenken.

Gastbeitrag

Einar Skjerven, geschäftsführender Gesellschafter der Skjerven Group GmbH
Einar Skjerven ist Gründer und Geschäftsführer der Skjerven Group. Er verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im Bereich Investment und Asset Management und ist Experte für Wohnimmobilieninvestments in Berlin. Seit 2006 ist Skjerven als Geschäftsführer der Industrifinans Real Estate GmbH verantwortlich für die deutschen Immobilieninvestments der norwegischen Industrifinans Gruppe. Seit 1995 war er außerdem CEO mehrerer Fondsgesellschaften.