Umfrage Sachwerte


Die Bedeutung institutioneller Anleger nimmt bei den Anbietern geschlossener Sachwertfonds deutlich zu. Im vergangenen Jahr steuerten diese mit 1,36 Milliarden Euro schon fast ein Drittel zum gesamten Eigenkapitalaufkommen der Fonds bei. Künftig wollen sich die Emissionshäuser noch stärker als Asset Manager für institutionelle Investoren positionieren. altii hat nachgefragt, welche Angebote die Unternehmen bereithalten.

Die Neuausrichtung ist notwendig, da der Absatz der Fonds an private Anleger seit Jahren abnimmt. Professionelle Anleger sollen die Lücke schließen. Dafür bieten die Fondshäuser Zugang zu Sachwerten, insbesondere Immobilien und Erneuerbare Energien. Immerhin die Hälfte der angeschriebenen Häuser nutzte die Chance, sich den Zielgruppen näherzubringen, auch wenn nicht alle schon Angebote für institutionelle Investoren vorweisen können, planen doch einige, künftig entsprechende Produkte aufzulegen.

Die meisten Häuser setzen auch für institutionelle Investoren auf den bisherigen geschlossenen Fonds in Form der GmbH & Co. KG. Daneben sollen die neuen Spezial-AIF und Zweckgesellschaften aufgelegt werden. Zur Hauptzielgruppe gehören neben Pensionskassen und Versorgungswerken insbesondere Family Offices und Stiftungen. Für die angesprochenen Zielgruppen erhöht sich die Auswahl an Fonds und der Zugang zu begehrten Sachwerten. Die einstigen Anbieter geschlossener Publikumsfonds sind entschlossen, im professionellen Markt mitzumischen.

Eine Tabelle mit den Ergebnissen der Umfrage finden Sie hier.

 

Infrastruktur - Wie institutionelle Investoren in Infrastruktur investieren können.

Institutionelle Investoren entdecken immer öfter die Chancen von Investments in Real Assets. Dabei stellt sich die Frage, über welches Anlagevehikel am besten in diese Assetklasse investiert werden kann: in Form einer direkten Beteiligung, als Loan oder als verbriefte Forderung.

alternative investor information sprach mit Dr. Sofia Harrschar über die Möglichkeiten, die sich institutionellen Investoren bieten.

altii: Brücken, Straßen und Flughäfen kennt jeder. Also kann auch jeder beim Thema Infrastruktur mitreden. Ist es denn bei den Investitionen genauso einfach oder ist dieses Halbwissen beim Investieren eher gefährlich?
Dr. Sofia Herrschar: Einerseits ist es ein Vorteil, dass die Anlageklasse den Investoren bekannt und auch im wahrsten Sinne des Wortes greifbar ist. Daraus sollte man jedoch nicht ableiten, dass man weiß, wie eine optimale Investitionsstruktur für Infrastruktur auszusehen hat und welche besonderen Chancen und Risiken sich daraus ergeben. Wesentliche Merkmale von Infrastrukturinvestitionen sind deren Dauer, die Zahl der beteiligten Parteien – vom Bauunternehmer bis zur Versicherung für die Bauleistungen – und auch die Rolle staatlicher Institutionen. Hier gilt es im Investitionsprozess besonderes Augenmerk zu haben.

altii: Infrastruktur verspricht sichere Cashflows, meist eine staatliche Garantie oder zumindest staatlicher Hintergrund. Macht das Infrastruktur-Investitionen zum Ersatz für Staatsanleihen?
Harrschar: Das ist eine interessante Betrachtungsweise! Abhängig von der Rolle staatlicher Institutionen beziehungsweise Garantien können in der Tat Vergleiche gezogen werden. Es weist auch darauf hin, dass das politische Risiko nicht zu vergessen ist. Allerdings gibt es eine Vielzahl anderer Einflussfaktoren auf das Investment, sodass Infrastruktur nur in sehr wenigen, sehr spezifischen Fällen als Ersatz gesehen werden könnte.

altii: Die technische Infrastruktur in den Industriestaaten gilt als völlig überaltert. Welche Chancen eröffnet das für Investoren?
Harrschar: Nun, im ersten Schritt bedeutet dies, dass es einen zunehmenden Bedarf an Infrastrukturinvestitionen gibt. Straßen, Kanalisation und auch sonstige Transportinfrastruktur wie Häfen müssen renoviert oder sogar komplett erneuert werden, damit ihre Funktionsfähigkeit gewährleistet ist. Für den Investor gibt dies Aufschluss über die Größe des Marktes. Im zweiten Schritt muss dann geschaut werden, ob bei allen diesen Projekten externe Finanzinvestoren zugelassen werden.

altii: In welchen Bereichen besteht denn der größte Investitionsbedarf?
Harrschar: Nach zwei aktuellen Studien der OECD bzw. von McKinsey liegt der weitaus größte Bedarf im Bereich des Straßenbaus. Ähnlich hoher Bedarf besteht auch im Bereich des Ausbaus der (erneuerbaren) Energieversorgung. Global betrachtet spielen auch die Versorgung mit Wasser und die Aufbereitung von Abwasser eine besondere Rolle.

altii: Und wonach schauen sich die Investoren Ihrer Erfahrung nach am meisten um?
Harrschar: Für viele Investoren ist der Bereich Infrastruktur eine neue Anlageklasse. Daher suchen sie nach Bereichen, in denen sie auf bestehende Erfahrungen aus anderen Anlageklassen aufbauen können und bei denen die Einstiegshürden als geringer angesehen werden. Der Fokus liegt daher vor allem auf europäischen Investitionen, wo sich die Investoren verständlicherweise insbesondere hinsichtlich der Einschätzung des politischen Risikos zu Hause fühlen. Bei vielen deutschen Investoren stehen natürlich Projekte in Deutschland im Vordergrund. Hinsichtlich der Art der Investitionen scheinen Präferenzen beim Straßenbau und bei der Energie zu bestehen.

altii: Welche Anlagevehikel stehen institutionellen Investoren zur Verfügung, um in diese Anlageklasse zu investieren?
Harrschar: Den Investoren stehen verschiedene Anlagevehikel zur Verfügung. Es gibt spezialisierte Infrastrukturfonds, die vergleichbar sind zu klassischen Private-Equity-Fonds. Daneben gibt es ähnliche Vehikel für den Bereich Debt. Es können aber auch Verbriefungen erworben werden. Bei größeren Volumina können auch innerhalb von deutschen oder Luxemburger Spezialfonds spezifische Strategien umgesetzt werden.

altii: Wie wird Ihrer Erfahrung nach hauptsächlich in Infrastruktur investiert?
Harrschar: Bisher haben die meisten Investoren hauptsächlich kleinere Anteile an bestehenden Fonds gekauft. Dies ändert sich im Moment bei den größeren Investoren, die zunehmend konkrete Vorstellungen entwickelt haben, wie und in welche Infrastrukturanlagen investiert werden soll.

altii: Thema Equity: Viele Investoren sind über ihre Aktienquote ohnehin schon über Telekommunikationsaktien, börsennotierte Hafenunternehmen oder im Bereich Erneuerbare Energien über Windparkbeteiligungen in Infrastruktur engagiert. Warum sollte der Anteil dennoch ausgebaut werden?
Harrschar: Über die Aktienquote können Investoren in bestehende Unternehmen investieren. Dabei kann es sein, dass ein Teil des Unternehmens auch in neue Infrastrukturprojekte investiert. Dies ist im Bereich der auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen sicher der Fall. Ansonsten ist die Idee der Infrastrukturinvestitionen ja gerade, diese neuen Projekte zu finanzieren. Eine sehr konkrete Ausrichtung hierauf dürfte über den bestehenden Aktienmarkt schwierig sein.

altii: Thema direkte Investments: Eine direkte Beteiligung heißt immer auch viel notwendiges Know-how. Können sich das alle Investoren leisten und welche Alternativen gibt es?
Harrschar: Direkte Anlagen sind nur jenen zu raten, die über genügend Ressourcen verfügen, um diese Investitionen bewerten und einordnen zu können und auch die damit verbundenen Risiken. Alternativ können Fondsanteile erworben werden, die Investments bündeln und damit das Risiko streuen.

altii: Sehr en vogue sind derzeit Investitionen in Debt-Strukturen. Angesichts der fehlenden Finanzierungen für viele Projekte müsste das doch die Form mit den meisten Chancen sein?
Harrschar: Da viele Banken vor dem Hintergrund der Eigenkapitalunterlegungsregeln in ihrer Finanzierungsleistung beschränkt sind, ergeben sich für institutionelle Investoren Chancen auf diesem Markt. Das hohe Interesse an dieser Art von Finanzierungen erzeugt aber auch Wettbewerb, sodass es interessant sein wird, zu beobachten, wie sich die effektiven Renditen entwickeln werden.

altii: Welche weiteren Hürden ergeben sich bei Debt-Investments für Investoren?
Harrschar: Kreditvergabe ist in Deutschland grundsätzlich ein lizenzpflichtiges Geschäft und die wenigsten institutionellen Investoren verfügen über eine entsprechende Lizenz. Hinzu kommt die geringe Erfahrung vieler Investoren in diesem Markt. Dies gilt es zu beachten, wenn eine geeignete Struktur gesucht, Prozesse aufgesetzt und Risiken bewertet werden.

altii: Welche Alternativen gibt es? Sind Anleihen die Lösung?
Harrschar: Vor dem Hintergrund der Anforderungen und Voraussetzungen institutioneller Investoren etablieren sich Anleihen zunehmend als eine Form der Finanzierungsstruktur. Wir sehen hier bereits einige Bewegung im Markt. Viele Investoren haben durch diesen Zugangsweg größere Möglichkeiten, an Infrastrukturfinanzierungen zu partizipieren. Dies wird auch auf europäischer Ebene erkannt und durch die Übernahme von Garantien wie im Fall der Project Bonds gefördert. Für Investoren bedeutet diese Garantie durch eine europäische Institution mehr Sicherheit, welches sich auch im Rating widerspiegelt.

altii: Über welche Strukturen investieren die Anleger, eher über deutsche oder über Luxemburger? Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Harrschar: Trotz der Bestrebungen, den Markt für Fondsstrukturen in Europa zu harmonisieren, gibt es noch Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Manche Strukturen, die erst seit der Einführung des KAGB in regulierter Form in Deutschland umsetzbar sind, haben schon eine längere Tradition in Luxemburg. Daher sehen wir im Moment, dass viele Equity- aber auch Debt-Fonds in Luxemburg aufgelegt werden. Als Master-KAG haben wir aber auch einige Kunden, die die Größe des Master-Fonds nutzen, um in Infrastruktur zu investieren.

altii: Welche Infrastrukturquote haben deutsche institutionelle Investoren im Schnitt und wie sieht es im Ausland aus?
Harrschar: Leider liegen nur wenige Zahlen vor. Eine Studie der OECD legt nahe, dass internationale Versorgungseinrichtungen weniger als ein Prozent ihrer Kapitalanlagen in Infrastruktur investiert haben. Diese Zahl ist für die meisten Länder vergleichbar. Ausnahmen sind Kanada und Australien, wo traditionell eine höhere Neigung zu Investitionen in Infrastruktur besteht.

altii: In Europa und in Deutschland gibt es eine große Nachfrage nach Infrastrukturfinanzierungen. Warum ist die Quote der Investoren dennoch so gering?
Harrschar: Hier ist meines Erachtens Geduld gefragt. Wenn ich die Nachfrage nach Infrastruktur bedenke, die allein bei unseren Kunden derzeit zu spüren ist, besteht zumindest ein großes Interesse. Die effektive Quote an Post-Investments wird auch davon abhängen, ob geeignete Investitionsstrukturen umgesetzt werden können und das Risiko adäquat gemanagt wird.

altii: Ist das Angebot zu gering, um sinnvoll zu investieren?
Harrschar: Investoren sollten bei der Auswahl der Investitionen immer darauf achten, dass das Investment zu ihnen passt – zu internen und externen Vorgaben, der Sicht auf Risiko und darauf, welches Commitment die Strategie im Unternehmen bis hin zum Top-Management hat. Danach erst stellt sich die Frage nach dem Angebot. Und wie so oft im Leben gibt es selten ein Objekt, welches alle Anforderungen erfüllt. Daher ist es wichtig, dass sich Investoren darüber klar werden, welches ihre Zielhierarchie ist. Dann können die vorhandenen Angebote eingeordnet werden. Allerdings steigt mit zunehmendem Eintritt neuer Investoren in einen Markt auch immer der Wettbewerb um die vorhandenen Anlagemöglichkeiten. Auch hier hilft eine klare Strategie, die vorhandenen Angebote zu bewerten und keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Dr. Sofia Harrschar
ist seit 2011 bei der Universal-Investment und leitet die Abteilung Product Solutions. Der Tätigkeitsschwerpunkt der Abteilung liegt bei der Strukturierung und Umsetzung von Anlagen in Infrastruktur, Beteiligungen und Darlehensforderungen auf den UI-Plattformen in Deutschland oder Luxemburg. Dr. Harrschar ist seit über 12 Jahren im Bereich der Strukturierung alternativer Anlagen tätig.

Universal-Investment
gehört mit rund 170 Milliarden Euro verwaltetem Fondsvermögen (Stand: 30. Juni 2013), 1.000 Spezial- und Publikumsfondsmandaten und rund 500 Mitarbeitern zu den größten deutschen Kapitalverwaltungsgesellschaften.